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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trauerbewältigung für Jugendliche



Inaktiver User
21.09.2006, 18:39
Wir haben da bei uns in der Maßnahme zwei Jugendliche, die den Verlust des Vaters nicht verwinden können. Der Eine war dabei, als sein krebskranker Vater bei einem Unfall ums Leben kam. der Andere fand die Leiche seines seit mehreren Wochen toten Vaters in dessen Wohnung. Bei Ersterem ist der Verlust schon 7 Jahre her, bei Letzterem erst wenige Monate.

Wie können wir den Beiden helfen? Sie sind sehr verhaltensauffällig, Einer schreit förmlich nach Hilfe.

Inaktiver User
22.09.2006, 06:57
Das Trauma muss aufgelöst werden.
Ich glaube nicht, dass den beiden mit ambulanter Psychotherapie 1x die Woche was Gutes getan werden kann.

Es gibt doch psychosomatische Kliniken, teils auch auf Trauer spezialisiert.
So eine 6 Wochen - Rundumbetreuung wäre vielleicht ein guter Beginn !?
Danach kann man ja ambulant weitermachen.


Mehr fällt mir auf die Schnelle auch nicht ein.

liebe Grüße
Lavendelmond

xanidae
22.09.2006, 11:18
in fast jedem ort oder kreis gibt es trauerbegleitung oder trauerkreise, auch für kinder und jugendliche. es gibt auch einige seiten im netz, die einen guten eindruck (auf den ersten blick) machen.

von jo eckardt (bei amazon suche eingeben) gibt es zwei schöne bücher. zwar eher für kinder, aber einiges kann man gut für jugendliche übernehmen.

'flieg hilde flieg' ist ein sehr schönes bilderbuch zum thema 'tod und was ist danach'.

meine erfahrung ist, dass die kinder (auch wenn sie schon jugendlich sind) den raum brauchen, um darüber zu sprechen. ich weiß nicht, in wie weit das in deiner arbeit möglich ist.

ich hoffe, dass du einen weg der hilfe für die jungs findest.

Inaktiver User
22.09.2006, 15:13
Vielen Dank für eure Beiträge.

Der eine Junge ist bereit, sein Trauma zu verarbeiten, der Andere nicht. Somit sehe ich kaum eine Chance, zu helfen.

Derjenige, der Hilfe haben möchte, leidet unter Anderem auch unter ADHS, was beiher nicht behandelt wurde. Momentan sieht es so aus, dass er auch Angst um die Mutter hat, sie ist unheilbar krank.

Wir waren heute bei der BA (Kostenträger der Maßnahme), um dort nach Hilfemöglichkeiten zu fragen, der psychologische Dienst fühlt sich nicht zuständig und kann / will nicht helfen.

An wen können wir uns wegen einer Therapie wenden? Eine stationäre Therapie lehnt der Junge ab, er will seine Mutter nicht allein lassen (wer weiß, wie lange er seine Mutter noch hat). Sollte der Junge über den Hausarzt an einen Psychologen herangeführt werden oder sollte er sic direkt an einen solchen wenden?

Eigentlich haben wir im Rahmen der Maßnahme nicht die Möglichkeit, Einzelne intensiv zu betreuen (wir haben über 150 Jugendliche). Dieser Jugendliche kann uns trotzdem jederzeit ansprechen und wir nehmen uns Zeit für ihn. Er kommt sehr gern in die Maßnahme und ist seit dem Tod seines Vaters zum ersten Mal wieder etwas offener (sagt die Mutter). Also scheint ihm die Maßnahme gut zu tun.

Für weitere Tipps bin ich euch sehr dankbar.

xanidae
22.09.2006, 20:23
es gibt therapeuten, die das machen. wir haben eine therapeutenliste von der stadt. da steht dabei welche fachrichtung und ob es eine kassenzulassung gibt.
zu empfehlen wäre ein gestalt- oder familientherapeut. am besten mit zusatzausbildung zur trauerbegleitung.
entweder er zahlt beim therapeuten nochmal 10€ oder er läßt sich vom hausarzt eine überweisung schreiben.

möglicherweise gibt es in der nähe eine selbsthilfegruppe.

vielleicht findest du hier (http://www.trauernetz.de/trauernetz/trauernetz-adressen.html) noch infos. (lavendelmond ich hoffe er ist werbefrei).

Inaktiver User
22.09.2006, 20:26
es gibt therapeuten, die das machen. wir haben eine therapeutenliste von der stadt. da steht dabei welche fachrichtung und ob es eine kassenzulassung gibt.
zu empfehlen wäre ein gestalt- oder familientherapeut. am besten mit zusatzausbildung zur trauerbegleitung.
entweder er zahlt beim therapeuten nochmal 10€ oder er läßt sich vom hausarzt eine überweisung schreiben.

möglicherweise gibt es in der nähe eine selbsthilfegruppe.

vielleicht findest du hier (http://www.trauernetz.de/trauernetz/trauernetz-adressen.html) noch infos. (lavendelmond ich hoffe er ist werbefrei).

Danke für den Link.

Wie komme ich an eine solche Therapeutenliste?

xanidae
22.09.2006, 21:09
bei uns gibts das therapeutenverzeichnis im infopoint vom rathaus, wo es auch verzeichnisse über vereine, kindergärten, kalender der abfallbeseitigung etc. gibt.
ob das jede stadt hat, weiß ich nicht.
man kann aber auch die krankenkasse des jungen um eine liste bitten, dann weiß man auch, ob die bezahlt.
ansonsten - den erstbesten anrufen und die helferin ausfragen.
vielleicht weiß auch ein pfarrer was über trauerbegleitung - wenn denn kirche ok ist.

Inaktiver User
22.09.2006, 22:08
@Xanidae,
der Link ist in Ordnung und prima. Habe ihn in meinen Lesezeichen abgespeichert, vielleicht brauchen wir ihn hier mal wieder. Danke.

Lavendelmond

susanne
22.09.2006, 22:43
Hallo, Citronella,
möglicherweise ist auch das traumatologische Institut Prof. Fischer in Köln eine Anlaufstelle, um den Betroffenen weiter helfen zu können. Ich denke, dass man hier mit der Nennung von Therapeuten hilfreich sein wird.
Die genaue Adresse und Tefef.-Nr. kann ich Dir ggf. über PN zukommen lassen.

Susanne

Madame_butterfly
23.09.2006, 00:02
Liebe Citronella,

es erschüttert mich immer wieder zutiefst, wenn ich von dieser unendlichen Not von Kindern oder jugendlichen Erwachsenen lese. Da ist mein Herz bei dir und mit den beiden Heranwachsenden.

Aus meiner Erfahrung im Umgang mit jugendlichen Trauernden weiß ich, wie wichtig es für sie ist, dass sie "aktiv" sein können. Sie brauchen ein Ventil, um ihre Trauer, ihre Ohnmacht und/oder auch ihren Zorn zu artikulieren. Da mit bestimmten Verlusten oder Verlusterfahrungen auch ein großes Schamgefühl einher geht, möchten sie hierbei oftmals anonym bleiben.

Meine Anregung: Vielleicht gibt es für deine beiden Jugendlichen die Möglichkeit, sich eine persönliche "Gedenk- oder Erinnerungsseite" oder auch eine "Zornseite" einzurichten, sozusagen ihr eigenes ("Kampf"-)Portal zu entwickeln. Auch die Teilnahme an einer "Schreibwerkstatt" könnte als "heilendes" Instrument eingesetzt werden.

Ich finde übrigens dein Engagement ganz wundervoll!
Herzliche Grüße,