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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ende 20 - frustriert, resigniert - warum?



Lilliput
19.09.2006, 19:53
Vielleicht lebe ich nur im falschen Umfeld - denn überall mache ich die Beobachtung, dass meine Mitmenschen (in meinem Alter) sehr häufig unzufrieden, ra(s)tlos und/oder lethargisch sind. Das heißt: die, die was aus sich gemacht haben, sind weg.
Aber ich hocke noch immer in meiner alten Uni-Stadt, schwanke zwischen hochfliegenden Plänen (die sich nicht so erfüllen wie gedacht) und völliger Verzweiflung. Was ist noch normal in einer Zeit, in der Jobs rar und Beziehungen kurzlebig geworden sind?
Ich sehe Freunde und Exfreunde mit 17jährigen Mädels rumhängen, leere Gesichter und keine Zukunftsperspektiven. Wer hier geblieben ist, hat es nicht geschafft - so scheint es.
Aber kann das alles sein? Was kommt noch? Wird es besser, wenn man die 30 überschritten und ruhiger geworden ist? Wie sind eure Erfahrungen, die ihr in diesem Alter gemacht habt bzw. macht?

Cariad
20.09.2006, 10:46
Weder von meinem Umfeld noch von mir selbst kann ich das bestätigen (obwohl ich auch in "meiner" Stadt hängengeblieben bin :smirksmile:). Selbst die wenigen Arbeitslosen, die ich kenne, sind dauernd unterwegs, schmieden Pläne oder gondeln durch die Welt.

Darf ich fragen, was denn deine "hochfliegenden Pläne" sind und warum sie sich nicht erfüllen?

Dass man in diesem Alter (wie in jedem Lebensalter) auch mal einen Rückschlag hinnehmen muss, ist klar. Das Einstiegsgehalt ist nicht so hoch wie erhofft, einen Job verliert man auch mal, eine langjährige Beziehung geht in die Brüche. Nicht jedes Potenzial, das man als Teenie hatte, kann man auch umsetzen. Damit muss ein erwachsener Mensch zurecht kommen, es darf kein Grund sein, lethargisch zu werden.

Was erwartest du vom Leben? :blumengabe:

Grüße, Cariad

Salsaschwedin
22.09.2006, 12:58
Hallo Liliput,

bin auch Ende 20 und wohne seit 4 Jahren in der gleichen Stadt -aber kenne dieses leere Gefühl, dass man hier in der Blüte seines Lebens steht und nichts bewegt. Ich hab mir Vorwürfe gemacht, dass ich wahrscheinlihc nie wieder so viel Zeit (und Geld) für mich alleine haben werde und die Zeit einfach nicht "sinnvoll" nutze. Inzwischen habe ich mir ein Hobby gesucht (tanzen) und erkannt, das NUR ICH diejenige bin, die meinem Leben Impulse geben kann.

So wie ich Deinen Text verstehe, bist Du auch von einer Unruhe/ Resignation ergriffen und weisst selbst nicht so richtig, wohin mit Dir. Würdest Du denn Veränderungen in Deinem Leben zulassen? IN eine andere Stadt gehen? Anderen Beruf lernen (habe nicht erkannt, ob Du auch von Arbeitslosigkeit betroffen bist)? Deinen Freundeskreis durch Aktivitäten erweitern? wie Cariad schon fragt - Was erwartest Du von Dir?

Alles Gute wünscht
die Salsaschwedin

Fender
22.09.2006, 16:19
Hi,

googele mal den Begriff Quarterlife-Crisis (oder Quarterlifecrisis?).
Du bist nicht alleine...

Inaktiver User
22.09.2006, 16:24
Ich habe nicht gegoogelt - aber trifft das nicht diejenigen, die versuchen, künstlich ihre Jugend zu verlängern?
Und keine Verantwortung übernehmen (wollen), (noch) keine Familie gründen ...
Man spürt, das da irgendetwas nicht mehr zusammenpasst.

Meine Beobachtung.

Gruß, Leonie

Sugarnova
24.09.2006, 16:22
Hallo Liliput,

vielleicht isset ja das: Studium ist passé, es findet sich nix Gescheites...

Ich bin auch in so einem "Loch". Bin immer und gerne viel unterwegs gewesen (mindestens ein Mal im Jahr Ausland) - und nu?! Meine Auslandserfahrung wird nicht wirklich gewürdigt. Es ist superscher, in meinem Bereich einen Job zu finden.

Ich sehe die 30 auf mich zukommen und bekomme Horror!!!

Aber was ist die Alternative? Grundsätzlich hätte ich nix dagegen, umzuziehen für den Job. Wird dann zwar eine Fernbeziehung, aber ich denke: Wichtige Einschnitte im Leben können auch lokal erfolgen. Meine Stadt ist zwar toll zum Studieren und schimpft sich witzigerweise auch Medienstadt. Aber so richtig viele Medien sind hier nicht ansässig.

Wäre ein Cut für Dich in Frage gekommen?

Hudsonhawk
25.09.2006, 17:52
Ich habe nicht gegoogelt - aber trifft das nicht diejenigen, die versuchen, künstlich ihre Jugend zu verlängern?
Und keine Verantwortung übernehmen (wollen), (noch) keine Familie gründen ...
Hallo Leonie,

Deine Beobachtung mag stimmen.
Aber was ist, wenn es sich einfach nicht ergibt, daß man jemanden kennenlernt, mit dem man das Gefühl hat, daß sie die Richtige für das Familiengründen ist. Ich würde ja durchaus gerne Verantwortung übernehmen, nur fehlt mir die passende Partnerin dazu. Ich habe außerdem die leise Ahnung, daß ein Mann uncool ist, der eine Familie gründen will.

Womanrunning
26.09.2006, 09:32
Ich auch, ich auch!!!!!

Bin nu dreißig, mein examen läuft überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte (hatte immer gute noten im studium, nur die ma.-arbeit hab ich versiebt). arbeite relativ viel nebenher, so daß ich nun wohl eine ihk-restaurantfachfrau-prüfung machen könnte. und ich bin kreuzunglücklich.

nach dem abi hatte ich das gefühl, dinge und mich bewegen zu können. jetzt hab ich das gefühl, für alles zu alt und überhaupt zu spät zu sein. mit 30.
vielleicht liegt es daran, dass man theoretisch einhundertmillionen möglichkeiten hat, sein leben zu gestalten. andererseits ist der hype um erfolg, job, karriere sehr ausgeprägt -- nur der zugang dazu ist unglaublich schwierig. ich kann z.B. kein Praktikum machen, weil ich keinen finanziellen Rückhalt habe. (und ich trotzig nicht einsehe, warum ich acht stunden täglich arbeiten soll für lau. ich kann schliesslich was.)
ich habe keine ahnung, was ich mit mir anfangen soll. ich habe eine glückliche beziehung, eine tolle wohnung in einer tollen stadt, viele freunde. aber manchmal hasse ich mich dafür, dass ich so rumschlingere und irgendwie den faden verloren habe.

Fender
26.09.2006, 09:39
vielleicht liegt es daran, dass man theoretisch einhundertmillionen möglichkeiten hat, sein leben zu gestalten. andererseits ist der hype um erfolg, job, karriere sehr ausgeprägt -- nur der zugang dazu ist unglaublich schwierig.

Gib zu, Du hast Quarterlife-Crisis gegoogelt...
:smirksmile:

Hinzu tritt noch etwas: Wenn Du jetzt eine der theoretischen Einhundertmillionen Möglichkeiten auswählst, weißt Du, dass Dir die anderen 999.999.999 Möglichkeiten nicht mehr offenstehen.
Wenn man so jung und unbedarft von der Schule kommt, hat man noch hochfliegende Träume und Pläne, und will dies machen und jenes erreichen und eigentlich alles gleichzeitig... Willkommen in der Realität.
:smirksmile:

Das ist ein Stück Abschiednehmen von der unbeschwerten Jugend, und das fällt unwahrscheinlich schwer und schmerzt...

woodwitch
28.09.2006, 16:19
Die Situation ist völlig normal :smirksmile:
die einen rutschen rein, wenn sich das Studium dem Ende zu neigt und der Job die erfüllung vermissen lässt, die anderen, weil eine Beziehung zu Ende ist, wieder andere, weil die /das Kinder aus dem Windelalter draußen sind.

Versuch, dich selbst zu finden, in dich hinein zu hören die Kernfrage zu ermitteln: wo stehe ich, wo will ich hin?

Um auf einen Berg zu gelangen gibt´s immer mehrere Möglichkeiten:
*) die Diretissima: geradewegs drauf los ohne Anhalten (super, geht aber nicht immer)
*) mit Pausen langsam nach oben
*) mehrere Versuche auf verschiedene Weisen

Aber
immer mit dem Wissen, dort will ich hin - sonst geht nix!
woodwitch

Inaktiver User
04.10.2006, 21:33
Ich habe außerdem die leise Ahnung, daß ein Mann uncool ist, der eine Familie gründen will.

Also, mein Mann hat von vornherein gesagt, daß er eine Familie gründen will, und ich fand das ganz und gar nicht uncool, im Gegenteil.

LG,
Lissana

Jo68
07.10.2006, 12:25
"Ich habe außerdem die leise Ahnung, daß ein Mann uncool ist, der eine Familie gründen will."

Ich glaube, allein die Annahme, dass ein Mann cool sein muss, gehört schon zum Problem, des nicht erwachsen werden wollens. Irgendwann ist einem "Coolness" nämlich völlig wurscht und andere Dinge wichtig.

Angesichts all der Stränge hier, in denen Frauen verzweifeln, weil sie gern Kinder möchten, er aber (noch) nicht, denke ich auch, dass Männer mit Kinderwunsch sogar größere Chancen haben könnten.

Generell finde ich, dass Fender das Problem gut auf den Punkt gebracht hat. Es gibt sogar den Ausdruck "Berufseintrittsschock", wenn man plötzlich feststellt, dass all das, was man sich während des Studiums erträumt hat, in der Realität ganz anders aussieht.

Hudsonhawk
17.10.2006, 19:52
Angesichts all der Stränge hier, in denen Frauen verzweifeln, weil sie gern Kinder möchten, er aber (noch) nicht, denke ich auch, dass Männer mit Kinderwunsch sogar größere Chancen haben könnten.
Das habe ich auch immer gedacht, daß man als Mann mit Familienwunsch (und mit der "Richtigen" kann ich mir das auch durchaus vorstellen) bei den Frauen besser ankommt, besonders wenn man die zahlreichen treads zu dem Thema hier liest. Nun, die Realität, die ich erlebt habe im Frauenkennenlernzirkus ist eien ganz andere ... Nach dieser These hätte ich ja dann in meiner damaligen Internetpartnerbörse von Angeboten quasi überrannt werden müssen, dem war aber nicht so. Ich hatte da in mein profil reingeschrieben, daß Familiengründung mit mir möglich ist.
Daraus ergeben sich mehrere Alternativen. Entweder suchen Frauen mit Kinderwunsch nicht in solchen Einrichtungen oder es ist wie ich schon öfter feststellen mußte so, daß Männer mit guten "väterlichen" Eigenschaften von den Frauen zwar politisch korrekt gewünscht werden, aber diese erst auf den zweiten Blick wahrgenommen werden und somit durchfallen. Auf den ersten Blick sind immer noch die richtigen Kerle (Machos im weitesten Sinne) mit dem lautesten und besten Selbst-Marketing interessant. Natürlich würde das ein großer Teil der Frauen niemals zugeben.
Ich werde den Eindruck nicht los, daß trotz aller Emanzipation heute mehr denn je ein Mann gefälligst ein Mann zu sein hat, und zwar ein typischer. Schon wenn man - so wie ich - als Mann Fußball hasst, kann man schon kein richtiger Mann sein :smirksmile:

Generell finde ich, dass Fender das Problem gut auf den Punkt gebracht hat. Es gibt sogar den Ausdruck "Berufseintrittsschock", wenn man plötzlich feststellt, dass all das, was man sich während des Studiums erträumt hat, in der Realität ganz anders aussieht.
Da kann ich zustimmen. Das kann ich aus Erfahrung auch so sagen.

Inaktiver User
18.10.2006, 17:48
Hudsonhawk,

wenn Du jemand "für den zweiten Blick bist" (und die schätze ich sehr - das sind ja diejenigen, die auch noch dem 1000sten standhalten) - dann ist doch aber die internet-Börse nicht das richtige Forum, oder?
Müsstest Du Dich nicht dort tummeln, wo eben der zweite Blick möglich ist? Wo man sich erst kennenlernen kann und dann verlieben? Im Leben halt?

Gruß, Leonie

Uschi35
18.10.2006, 21:56
Liebe Leonie,

mein Schatz ist auch so ein Mann für den zweiten Blick (UND, lieber Hudsonhawk, er mag kein Fussball), aber ich habe ihn im Internet kennengelernt und kann mit Bestimmtheit sagen, dass er ein Mann ist. :smirksmile:

Aber nochmal zur Unzufriedenheit:
Zitat: "vielleicht liegt es daran, dass man theoretisch einhundertmillionen möglichkeiten hat, sein leben zu gestalten. andererseits ist der hype um erfolg, job, karriere sehr ausgeprägt -- nur der zugang dazu ist unglaublich schwierig."

Das Problem mit den viiiielen Möglichkeiten ist mir auch aufgefallen.
Im Fernsehen, in der Werbung (und leider auch von so manchem Bekannten oder Kollegen) wird einem fortwährend weisgemacht, daß alles soooo easy ist und daß man alles erreichen kann, wenn man nur will.
Ein tolles, sportliches Auto kriegt man heutzutage geschenkt ("0% Zinsen!"), ein Haus hat neu, grosszügig, energiesparend, ausgefallen und modern zu sein (einfach zu realisieren, Kredite kosten heutzutage ja nix!), man muss Kinder kriegen, aber bitte trotzdem im Beruf erfolgreich sein. Dazu hat man viele Freunde, mit denen man regelmäßig kulturell wertvolle Veranstaltungen besucht und jede Menge Hobbies (natürlich sinnvoll und aufregend). Stricken ist out, Fallschirmspringen im Urlaub in Ich-weiss-nicht-wo ist in!

Man kauft sich also im wahren Leben nach Abitur und dem Erreichen eines einigermassen sicheren Job ein mittelmässiges, altes, gebrauchtes Haus (nahezu komplett UNgedämmt); astet sich ab um den (ach so günstigen) Kredit abzuzahlen; fährt seit 15 Jahren denselben Weg zum Büro; hofft, daß der alte Kadett noch ein Weilchen halten möge; hat ein schlechtes Gewissen, weil man versucht zu sparen und deshalb heute mal kein "Bio" kaufen kann; versucht, im Haus so viel wie möglich selbst zu machen - was ja sogar Spass macht - wenn man nur die Zeit finden würde (die der öde Bürojob verschlingt); füttert regelmässig die Katze und überlegt sich, ob man nicht mal den Töpferkurs in der VHS besuchen sollte.
Und ist eigentlich ganz zufrieden.
Bis dann die täglichen Kataloge ins Haus flattern. Bis man das Fernsehen einschaltet. Wo man dann sehen kann, WAS für Häuser "man" sich heute baut, WAS für Hobbies man hat, daß man bitteschön Kinder haben soll, daß es schon wieder ein neues, noch sportlicheres aber sparsameres Auto gibt..... usw. - siehe oben.

Ich beklage mich nicht, daß wir heute so unendlich viele Möglichkeiten haben unser Leben, unseren Job und unsere Freizeit zu gestalten.
Und mein Statement ist auch bewusst überzogen formuliert.
Aber ich wage zu behaupten: Wenn man gar nicht erst so viel "Auswahl" hätte, könnte einiges auch wesentlich einfacher sein.
Dann verliefe ein Leben eben "so und so und so - und basta". Langweilig vielleicht, aber vielleicht auch zufriedener.?...?

Das muss jeder für sich selbst beantworten. Ich für mich weiss jedenfalls: Ich komme ganz nach Mama. Und Mama sieht überall was besseres, sobald sie etwas neues angefangen oder angeschafft hat. :unterwerf:
Weil: es gibt ja soooo viele Möglichkeiten.

LG
Uschi

Hudsonhawk
19.10.2006, 19:20
wenn Du jemand "für den zweiten Blick bist" (und die schätze ich sehr - das sind ja diejenigen, die auch noch dem 1000sten standhalten) - dann ist doch aber die internet-Börse nicht das richtige Forum, oder?
Müsstest Du Dich nicht dort tummeln, wo eben der zweite Blick möglich ist? Wo man sich erst kennenlernen kann und dann verlieben? Im Leben halt?
Hallo Leonie,

genau dieses Fazit habe ich auch gezogen und das Internet als Kennenlernplattform für mich als ungeeignet befunden. Das ganze habe ich unter Lebenserfahrung und "olympisches Prinzip" (man muß mal dabei gewesen sein) verbucht.
Im Internet ist es wie im realen Leben auch, jemanden passenden zu finden, ist ein riesen Zufall und daß es auf Gegenseitigkeit basiert und länger hält, ist jede Menge Glück.

Von daher versuche ich, möglichst entspannt an die Sache heranzugehen und lasse die Dinge einfach auf mich zukommen, man kann es eh nicht beeinflussen. Wenn es passiert, dann passierts, wenn später, dann später, wenn nie, auch gut. Erstrebenswert ist letzteres sicher nicht, aber wenn sich nichts ergibt, dann ergibt sich halt nichts.

Susbo
19.10.2006, 21:24
Hallo Uschi und alle Anderen,

ich kann eigentlich nicht recht verstehen, was du mit vielen Möglichkeiten meinst. Ich sehe die in meinem Leben nicht. Weder kann ich mir ein Haus meiner Wahl kaufen, noch beliebig teure Autos und von einem schnellen Jobwechsel würde ich bei der heutigen Arbeitslosenstatistik auch abraten.

Insofern bin ich schon froh und dankbar, wenn sich überhaupt Möglichkeiten eröffnen.

Ist es nicht eher so: in deinem Leben taucht eine Möglichkeit auf, dann kannst du sie aufgreifen oder verfallen lassen. Je nachdem ergibt sich daraus die nächste Möglichkeit. Und wenn man zu viele verfallen lässt, verlernt man den Blick dafür und langweilt sich.

Eine Frage habe ich noch: was ist in euren Augen ein Hobby? Unter dem Begriff konnte ich mir noch nie wirklich etwas vorstellen.

Gruß,
Susbo

Uschi35
20.10.2006, 09:01
Hallo Susbo,

ich kann mir auch kein Haus meiner Wahl kaufen oder das Auto, von dem ich schon lange träume.
Aber man bekommt das Gefühl, daß man irgendetwas falsch macht, denn anscheinend ist es ja ganz einfach! In den Medien kriegt man es dauernd gezeigt - und auch der Kollege, der genaus viel verdienen sollte, wie ich, hat ein wesentlich besseres Haus als wir.

Und IN unserem Rahmen sind die Möglichkeiten nun wirklich vielfältig. Wenn ich z.B. einen Gebrauchtwagen für x Euro suche, bekomme ich heutzutage (u.a. auch durch die bekannten Internetseiten) ZIG verschiedene Angebote. So daß ICH es schon wieder schwierig finde, mich zu entscheiden. Bzw. das Risiko groß ist, daß ich eine getroffene Entscheidung schon kurz darauf bereue - weil es ja noch sooo viele andere Möglichkeiten gäbe.

So ist das doch auch bei den Hobbies. Geh z.B. mal in ein Freizeit-Fachgeschäft. Wie viele verschiedene Anregungen, wie Du Deine Freizeit verbringen könntest, bekommst Du da?


Ein Hobby könnte man aus meiner Sicht vielleicht so formulieren:
Eine Beschäftigung in meiner Freizeit, die mir Spaß macht, die mir Entspannung und Ausgleich zu meinem Job bringt.
In den meisten Fällen unbezahlt / ehrenamtlich, oft sogar kostspielig. Im Idealfall wird man sogar für die Ausübung seines Hobbies bezahlt.

LG
Uschi

Fender
20.10.2006, 10:17
Ist es nicht eher so: in deinem Leben taucht eine Möglichkeit auf, dann kannst du sie aufgreifen oder verfallen lassen. Je nachdem ergibt sich daraus die nächste Möglichkeit. Und wenn man zu viele verfallen lässt, verlernt man den Blick dafür und langweilt sich.

Hi Susbo,

dabei lässt Du etwas außer Acht, finde ich: Mit zunehmendem Alter nehmen die Möglichkeiten ab, und hat das Ergreifen einer Möglichkeit gravierendere Folgen.

Als sehr junger Mensch stehen Dir tausend(e) Wege offen. Und hinter diesen 1.000 Wegen zweigen wieder je 1.000 Wege ab. Du hast also theoretisch, sagen wir mal: nach dem Abi, bereits mit der zweiten Ebene 1.000.000 Möglichkeiten. Wenn Du jetzt EINE Möglichkeit der ersten Ebene ergreifst, hast Du 900.000 Türen geschlossen.
Bist Du erstmal mit dem Studium fertig, stehen nur noch 100 Wege vor Dir, und dahinter jeweils nur noch 50.

Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis beim "Erwachsenwerden". Schlage ich einen Weg ein, gehen mir andere Wege verloren. Insofern ist das Einschlagen eines Weges eine WICHTIGE Entscheidung. Heute wichtiger denn je.

Susbo
22.10.2006, 15:58
Liebe(r) Fender,

es ist nett, dass du mich wohl für sehr jung hältst. Ich bin 43.
Und ich kann mich an viele Wege erinnern, die mal offenstanden und sich durch Entscheidungen geschlossen haben und weiterhin schließen. Manche auch heute noch durch Entscheidungen, die vor langer Zeit gefallen sind.

Schlage ich einen Weg ein, gehen andere verlohren. Richtig, das erlebt wohl jeder. Aber gehört es nicht auch zum Erwachsen werden, dass man lernt, dass Entscheidungen nicht so gravierend sind, wie man es manchmal vieleicht gern hätte?

Denn auch das gilt: treffe ich eine Entscheidung, gehen einige Türen zu; dafür öffnen sich andere, die vorher nicht erreichbar waren. Entscheidungen zählen; in diesem Sinne. Aber eines habe ich im Lauf der Zeit gelernt: es gibt nur ganz selten im Leben Situationen, wo eine Entscheidung so viel Gewicht hat, dass sie ein Leben in eine andere Richtung schiebt. Und auch dann kann man nicht sagen, sie war richtig oder falsch. Sie war und dadurch entstehen Folgen. Das ist alles. Vieleicht muss man sich durch Erwachsen werden erst daran gewöhnen, dass man nicht so wichtig ist, nicht einmal für sich selbst.

Weißt du, von den tausend Wegen kamen nie wirklich viele für dich in Frage und fünfzig Möglichkeiten sind immer noch ganz schön viel. Letztenlich wählt man einen Weg zur Zeit und dieser muss die neuen Möglichkeiten schaffen.


Libe Uschi,

demnach ist ein Hobby etwas, das dir dazu verhilft, deinen Beruf besser ausüben zu können, weil es den nötigen Ausgleich schafft und dich gesund erhält? Wäre es denn auch etwas, das du auf jeden Fall tun würdest, ohne das du nicht leben könntest? Eine Leidenschaft? Oder ist das zu extrem für ein Hobby?

Ich weiß natürlich schon, was so klassische Hobbies sind, aber ich kann nicht gut einschätzen, welchen Stellenwert sie haben können/sollen. Vieleicht bin ich zu faul, um einfach so etwas zu tun oder zu undiszipliniert. Jedenfalls will ich etwas davon haben, wenn ich etwas tue. Und was wäre das dann bei einem Hobby?

Ich hoffe, das ist dir jetzt nicht zu dumm gefragt.

Gruß,
Susbo.

Uschi35
22.10.2006, 17:13
Libe Uschi,

demnach ist ein Hobby etwas, das dir dazu verhilft, deinen Beruf besser ausüben zu können, weil es den nötigen Ausgleich schafft und dich gesund erhält? Wäre es denn auch etwas, das du auf jeden Fall tun würdest, ohne das du nicht leben könntest? Eine Leidenschaft? Oder ist das zu extrem für ein Hobby?

Ich weiß natürlich schon, was so klassische Hobbies sind, aber ich kann nicht gut einschätzen, welchen Stellenwert sie haben können/sollen. Vieleicht bin ich zu faul, um einfach so etwas zu tun oder zu undiszipliniert. Jedenfalls will ich etwas davon haben, wenn ich etwas tue. Und was wäre das dann bei einem Hobby?

Ich hoffe, das ist dir jetzt nicht zu dumm gefragt.

Gruß,
Susbo.

Hallo,

eine Leidenschaft wäre natürlich ideal. Solange sie nicht andere wichtige Dinge / Personen im Leben in "Mit-Leidenschaft" zieht.
Also, die Ehefrau, dessen Göttergatte jede freie Minute im Keller beim Modellbau oder beim Kegeln mit Freunden verbringt, ist sicherlich nicht glücklich darüber - und die Beziehung durchaus gefährdet.

Aber im Grossen und Ganzen beneide ich Personen, die eine richtige Leidenschaft für sich entdeckt haben.
Bei meinem Schatz z.B. ist sicherlich die Musik so eine Leidenschaft (also hören und sammeln). Musik machen ist dagegen eher eines seiner Hobbies.
Was auch die Frage zum Stellenwert beantwortet: Ich glaube, ohne seine Musik wäre er sehr, sehr unglücklich.

Ich dagegen habe wohl eher die klassischen Hobbies. Also mehrere Dinge, die ich (im Wechsel, auch Jahreszeiten-abhängig) gerne hin und wieder mache. Ich glaube aber nicht, daß etwas dabei ist, ohne das ich nicht leben könnte. Noch nicht. :smirksmile:

Ausgleich zur Arbeit (die ja doch Routine geworden ist) stimmt. Auch das Gefühl wiederzuerlangen: Ich habe etwas geschaffen, geschafft, da ist ein Ergebnis, auf das ich stolz sein kann.
Aber auch Entfliehen aus dem Alltag (z.B. durch Lesen, malen, Musik hören).

Ein bisschen leid tun mir die Leute, die weder eine Leidenschaft, noch ein Hobby haben.
Der Kollege z.B., der nur dann Urlaub nehmen möchte (und sei es auch nur ein Tag!), wenn seine Freunde Zeit für ihn haben. Weil er sonst nichts mit sich anzufangen wüsste.

LG
Uschi

Inaktiver User
22.10.2006, 17:34
Na ja, woran ich eher leide, ist diese Perspektivlosigkeit.
Ich würde mich frohen Mutes für Job und Kind entscheiden und Verantwortung übernehmen.
Schließlich war ich ja auch entschlossen genug, wegen dem Studium zweimal umzuziehen und ins Ausland zu gehen und Praktika zu machen und die Nachteile, die damit verbunden sind, auf mich zu nehmen.

Aber bitte schön, wo soll ich den Job hernehmen? Wo finde ich die Lücke, um endlich mal den Berufseinstieg zu schaffen?
Meine Generation würde doch schon sehr gerne "erwachsen werden" und Verantwortung übernehmen, allein, wir finden keinen Platz im Leben. Wir werden doch offensichtlich nicht gebraucht in diesem Land und man lässt uns nur im Vorläufigen (durch Praktika, miese Jobs etc.) leben.

Dieses Land ist eben reich genug, dass es sich leisten kann, die Schaffenskraft, die Intelligenz und die Energie vieler junger Menschen brach liegen zu lassen. Dass die dann zuweilen sehr frustriert sind, ist doch kein Wunder.

Laetitia

Caramon
22.10.2006, 20:05
Na ja, woran ich eher leide, ist diese Perspektivlosigkeit.
Ich würde mich frohen Mutes für Job und Kind entscheiden und Verantwortung übernehmen.
Schließlich war ich ja auch entschlossen genug, wegen dem Studium zweimal umzuziehen und ins Ausland zu gehen und Praktika zu machen und die Nachteile, die damit verbunden sind, auf mich zu nehmen.

Aber bitte schön, wo soll ich den Job hernehmen? Wo finde ich die Lücke, um endlich mal den Berufseinstieg zu schaffen?
Meine Generation würde doch schon sehr gerne "erwachsen werden" und Verantwortung übernehmen, allein, wir finden keinen Platz im Leben. Wir werden doch offensichtlich nicht gebraucht in diesem Land und man lässt uns nur im Vorläufigen (durch Praktika, miese Jobs etc.) leben.

Dieses Land ist eben reich genug, dass es sich leisten kann, die Schaffenskraft, die Intelligenz und die Energie vieler junger Menschen brach liegen zu lassen. Dass die dann zuweilen sehr frustriert sind, ist doch kein Wunder.

Laetitia


Kommt der Berg nicht zum Propheten muß der Prophet eben zum Berg....

Ähm, ich versteh es nicht. Es ist süß zu lesen, wie Du Dich aufregst aber wenn Du hier keine Perspektive hast (was definitiv der Fall ist nebenbei) warum gehst Du nicht ins Ausland? Da hast Du mehr Chancen. Von meinem Studiengang sind nun alle meine Freunde im Ausland und ich werd mich auch verdrücken, wenn ich fertig bin.

Ubi bene ibi patria.

Gruß
Caramon

Inaktiver User
22.10.2006, 20:58
Es ist süß zu lesen, wie Du Dich aufregst aber wenn Du hier keine Perspektive hast (was definitiv der Fall ist nebenbei) warum gehst Du nicht ins Ausland?

Hatte meine schlechtgelaunten fünf Minuten. :freches grinsen: Ich habe mich wohl irgendwie von den Posts à la "hach die Jugend will sich nicht zwischen ihren 100.000 Möglichkeiten entscheiden" provozieren lassen, wo sich meine Möglichkeiten derzeit auf Hartz IV, noch so einen schlechtbezahlten unterqualifizierten Job oder noch ein Praktikum und die vage Hoffnung, doch noch mal einen vernünftigen Job zu ergattern beschränken.

Mit ins Ausland gehen wäre an und für sich eine gute Idee. Nur werde ich mit meinen Studienabschlüssen da höchstwahrscheinlich auch nicht viel reißen können.
Neugierige Frage: Was hast du denn studiert?

Liebe Grüße,
Laetitia

Caramon
22.10.2006, 23:09
Hatte meine schlechtgelaunten fünf Minuten. :freches grinsen: Ich habe mich wohl irgendwie von den Posts à la "hach die Jugend will sich nicht zwischen ihren 100.000 Möglichkeiten entscheiden" provozieren lassen, wo sich meine Möglichkeiten derzeit auf Hartz IV, noch so einen schlechtbezahlten unterqualifizierten Job oder noch ein Praktikum und die vage Hoffnung, doch noch mal einen vernünftigen Job zu ergattern beschränken.

Es gibt 100.000 Praktikas oder McJobs :fg engel: da kommt man bei der Auswahl ins Schleudern :freches grinsen:



Mit ins Ausland gehen wäre an und für sich eine gute Idee. Nur werde ich mit meinen Studienabschlüssen da höchstwahrscheinlich auch nicht viel reißen können.
Neugierige Frage: Was hast du denn studiert?

Liebe Grüße,
Laetitia

Was für Studienabschlüße hast denn? Eigentlich sind deutsche Abschlüße im Ausland anerkannt. Ok, könnte sein, das Du was nachmachen mußt oder so aber an und für sich kein Problem.
Was hast Du denn studiert? Ich mach Informatik.

Aber so blöd es auch klingt: Chancen hast Du nur im Ausland.

Gruß
Caramon

Inaktiver User
23.10.2006, 22:07
Nicht lachen: Ich hab einen Medienstudiengang studiert, was so ziemlich das sinnloseste ist, was man machen kann, wenn man nicht Dauerpraktikantin werden möchte. Ich habe aber vor dem Crash der New Economy angefangen und da schien das noch eine gute Idee zu sein, hieß damit findet man ganz sicher was. Leider bin ich aber zu spät fertig geworden.
Und einen Aufbaustudiengang hab ich auch (Sprache - aber nicht englisch - und BWL/Jura).
Nur bringt halt leider alles nichts. Ach hätt ich doch auf Vattern gehört und ne Ausbildung gemacht.
Informatik ist natürlich besser. Aber auch damit findet man nichts in Deutschland?

Liebe Grüße Laetitia

Mann_im_Mond
24.10.2006, 01:15
Aber bitte schön, wo soll ich den Job hernehmen? Wo finde ich die Lücke, um endlich mal den Berufseinstieg zu schaffen?
Meine Generation würde doch schon sehr gerne "erwachsen werden" und Verantwortung übernehmen, allein, wir finden keinen Platz im Leben.
Mit 28 ein Einstieg in den Beruf? Sorry, aber da ist der Zug doch schon weitgehend abgefahren. Alle vor Dir, die mit 17 oder spätestens 18 eine stinknormale Lehre begonnen haben, haben sich entweder schon ein Stück auf der Karriereleiter nach oben gearbeitet oder (wenn sie Frau sind) beschäftigen sich derzeit ganz akribisch mit der Familiengründung.

Letztendlich mußt Du Dich selbst fragen, was Du eigentlich willst und was Du eigentlich damals wolltest, als Du mit einem Studium begonnen hast, das irgendwie nichts gebracht hat. Die Hoffnung, nach einem Studium gleich Karriere zu machen, ist trügerisch.

Es mag Dir auf den ersten Blick merkwürdig erscheinen, aber probier's doch mal über eine Zeitarbeitsfirma! Eine frühere Bekannte von mir hat diese Chance genutzt, durchlief mehrere Firmen und blieb dann bei einer hängen. Das geht auch mit Studium. Die suchen ja über die Zeitarbeitsfirmen nicht nur Schuhputzer und Scherenschleifer.

Inaktiver User
24.10.2006, 08:39
Die Differenz zwischen der wärend der glücklichen Studienzeit erbauten Luftschlösser und der Realität ist für manche leider eklatant. Für beruflichen Erfolg (aka "Karriere") sind neben fachlichem Wissen zum EInstieg erstmal "Glück" und "Beziehungen", "ausgeprägte soziale Kompetenz" und "weit überdurchschnittliches Engagement" erforderlich.

Wer aber bewirbt sich ?
"Mein Studium soundso abgeschlossen. Was ? Nur so wenig verdienen ?
Flexible arbeitszeiten ? Aber ich habe doch nen Freund ?!
Reisen ? Nein, am Wochenende möchte ich zu Hause sein.."

Leute, SO wird das nichts mit Luftschlössern. Auch der höchste Berg beginnt mit dem ersten Schritt. Es ist halt so, dass niemand auf den Studienabgänger gewartet hat. Er kann nichts, weiss nur über sein Fachgebiet bescheid und hat kaum Erfahrung. Weder beruflich noch in der Einfügung in das berufliche Team.
Sollte eigentlich klar sein, dass man so erstmal unten beginnt. Der einzige Unterschied zu nicht studierten ist, dass am Ende der Karriereleiter die Leiter etwas länger ist und die Chance besteht, höher zu klettern als ohne Studium. Doch auch hier gibt es Ausnahmen.

Mein Apell lautet: Nehmt den Kopf aus dem Sand, hört auf zu jammern und MACHT ETWAS!
Zieht um, seid aktiv, und vor allem setzt Euch neue Ziele. Denn die sind Euch nach dem Studium abhanden gekommen, weshalb Ihr jetzt ins Loch fallt. Jahrelang auf das eine Ziel hingearbeitet und nun .. ?
Fragt Euch mal, wo Ihr in 5, 10 Jahren stehen wollt. Was wollt Ihr jetzt erreichen ?
Ihr benötigt unbedingt neue Ziele. Und keine Scheu, nur wer hohe Ziele hat, wird diese ansatzweise erreichen. Und dann kommt das Glück zu dem, der warten kann. Ungeduld ist Euer größter Feind.

Caramon
24.10.2006, 08:49
Nicht lachen: Ich hab einen Medienstudiengang studiert, was so ziemlich das sinnloseste ist, was man machen kann, wenn man nicht Dauerpraktikantin werden möchte.

Hm, sinnlos kommt darauf an. Irgendwas werdet ihr im Studium(?) gemacht haben, denk ich mal. Was *genau* hast Du gemacht?
Medienstudiengang schimpft sich vieles :-|
Allerdings hast Du es richtig erkannt, das man damit quasi Dauerpraktikantin ist. Es sei denn Du machst Dich selbstständig.



Ich habe aber vor dem Crash der New Economy angefangen und da schien das noch eine gute Idee zu sein, hieß damit findet man ganz sicher was. Leider bin ich aber zu spät fertig geworden.

Also wenn man danach sein Studium ausgesucht hat :knatsch:
Auch wenn Du früher fertig geworden wärest, hätte es Dich auch gerissen, denn mit dem Platzen der dot.com-Blase sind etliche Leute auch rausgeflogen, die eingestellt wurden. Insbesondere Medien-Leute fegte es hinweg.
Und Mediendesign...hm...machen mittlerweile so viele bzw. da tummeln sich etliche (auch ohne Studium), das Du da schlicht untergehst, wenn Du nicht gut bist. Gut bedeutet hier übrigens excellent.



Und einen Aufbaustudiengang hab ich auch (Sprache - aber nicht englisch - und BWL/Jura).

Hört sich doch gut an :-) Wobei in Deutschland Du dann gewiß den Satz hörst, sorry überqualifiziert. :-/
BWL, hm, naja, ist nett und sinnvoll sowie Jura ist auch ok aber mit welchem Schwerpunkt? Oder ist das nur allgemeiner Natur? Falls ja, dann ist es wertlos. Du brauchst Schwerpunkte.
Sprache ist relativ egal, jede ist da eigentlich nützlich ABER Englisch MUßT Du flüssig in Wort und Schrift können. Falls das nicht geht, bist Du raus. Mit Deutsch kommst Du nicht wirklich weit.



Nur bringt halt leider alles nichts. Ach hätt ich doch auf Vattern gehört und ne Ausbildung gemacht.

Und hättest mal geheiratet....
Was wär mit einer Ausbildung anders oder besser gewesen?

Was ich so bei Dir vermisse (ok, ich kenne Dich nicht) ist Dein Profil. Was *genau* kannst Du oder machst Du?
Mediendesigner hast Du wie Sand am Meer (hm, ne noch mehr, richtige Sandstrände sind selten) worin unterscheidest Du Dich von den anderen? Durch BWL und Jura hast Du paar Sachen im Portofolio mit denen Du was anfangen kannst, aber DU mußt schon was selbst auf die Beine stellen.
Ich habe den Eindruck, das Du abwartest und reagieren magst aber nicht agieren.
Wohin willst Du beruflich? Was stellst Du Dir vor?
Solange Du das nicht für Dich geklärt hast, wirst Du auf der Jammerposition verharren.

Nebenbei, was sich mancher Arbeitgeber auch fragen wird: Wie hast DU es mit Familie? Mit 28 (falls das Dein Alter ist) geht ja auch die Familienplanung irgendwie los, damit einhergehend auch eine Schwangerschaft und damit auch ein Ausfall Deinerseits.
Das mögliche Risiko einer Schwangerschaft riskiert kein Arbeitgeber.



Informatik ist natürlich besser. Aber auch damit findet man nichts in Deutschland?

Doch, aber die Bezahlung ist zu mies und Arbeitsumfeld bescheiden. Da ist das Ausland wesentlich attraktiver. Zumal im Ausland auch die Leute freundlicher sind als hier in Deutschland. Aber primär ist es das bessere Jobangebot im Ausland, eigentlich auch egal, welches Land in Europa, nur nicht Deutschland.

Gruß
Caramon

Inaktiver User
24.10.2006, 08:55
Na ja, woran ich eher leide, ist diese Perspektivlosigkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Dir und jemand anderem, der den Einstieg geschafft hat ?
Er suchte sich die Lücke. Du lehnst Dich zurück und bedauerst Dich. Dass Dir keiner ob Deines bisherigen Einsatzes das Goldene Vlies übergibt.


Ich würde mich frohen Mutes für Job und Kind entscheiden und Verantwortung übernehmen.
Schließlich war ich ja auch entschlossen genug, wegen dem Studium zweimal umzuziehen und ins Ausland zu gehen und Praktika zu machen und die Nachteile, die damit verbunden sind, auf mich zu nehmen.
Du willst Verantwortung ? Dann fange bei Dir an! Es kann nicht Dein ernst sein, dass Du Deine Leistungen wärend des Studiums als aussergewöhnlich hinstellst ? Wach auf, das ist normal! Jeder Unternehmer erwartet Mitarbeiter, die sich engagieren und einsetzen. Und das besser als bei anderen.



Aber bitte schön, wo soll ich den Job hernehmen? Wo finde ich die Lücke, um endlich mal den Berufseinstieg zu schaffen?
Meine Generation würde doch schon sehr gerne "erwachsen werden" und Verantwortung übernehmen, allein, wir finden keinen Platz im Leben. Wir werden doch offensichtlich nicht gebraucht in diesem Land und man lässt uns nur im Vorläufigen (durch Praktika, miese Jobs etc.) leben.

Warum glaubst Du bekommst Du nur Praktika angeboten ?
Weil es Deine Chance ist, zu zeigen, dass Du besser bist als die anderen Praktikanten. Gäbe man Dir mit dieser Einstellung (und Deinem Sicherheitsdenken) einen normalen Job, Du würdest jubilieren, Dich satt zurücklehnen. Du musst erstmal aufwachen und wieder hungrig werden. Wenn Du mal aus der lethargie aufwachst und merkst, dass Dir nichts geschenkt wird, vielleicht startest Du dann durch und zeigst, was Du kannst. Nicht was Du konntest. Denn das interessiert niemanden, der nach vorne schaut (und das macht jeder Unternehmer).
Der Hauptgrund, weshalbn man gerne Praktika statt Jobs vergibt (an Einsteiger) ist genau diese Mentalität. Und mit dem deutschen Recht hat man kaum Chancen, denjenigen, der sich satt zurücklehnt, wieder zu entlassen. Also gibt es Praktika, Zeitverträge. Und dann kannst Du zeigen, was in Dir steckt. Für mich das beste Instrument, die Spreu vom Weizen zu trennen.



Dieses Land ist eben reich genug, dass es sich leisten kann, die Schaffenskraft, die Intelligenz und die Energie vieler junger Menschen brach liegen zu lassen. Dass die dann zuweilen sehr frustriert sind, ist doch kein Wunder.
Genau. Ohne Dich und am besten gleich die ganze Generation (nur weil Du so denkst ? Es gibt andere!) wird alles den Bach runter gehen :smirksmile: ?! Bitte, wach auf. Wir leben in internationalen Gesellschaften. Den Platz, den Du haben willst, den will auch einer aus München, Berlin, Indien, der Ukraine, Polen, Spanien, Zypern, England. Und gegen DIE musst Du Dich behaupten.
Was kannst Du BESSER als die ? Warum soll gerade DICH jemand einstellen ?

Doch bitte nicht etwa nur wegen

..Schließlich war ich ja auch entschlossen genug, wegen dem Studium zweimal umzuziehen und ins Ausland zu gehen und Praktika zu machen und die Nachteile, die damit verbunden sind, auf mich zu nehmen.

Darth_Plagueis
24.10.2006, 12:12
Das ist ja eine ganz muntere Diskussion hier. Da möchte ich mich auch mal beteiligen.
Gestern hat sich so ein Dummschwätzer von der deutschen Industrie auch wieder darüber beklagt, dass angeblich zu viele junge und qualifizierte Leute unser Land verlassen. Warum denn wohl? Wenn es für diese Leute hier adäquat bezahlte Stellen gäbe, würden die wohl auch bleiben. Die Wirtschaft sucht aber die Eier legende Wollmilchsau für 'nen Appel und 'nen Ei. Man darf höchstens 25 sein, muss in Rekordzeit mit Spitzennoten abschließen, war mindestens zwei Semester im Ausland und hat diverse Praktika vorzuweisen. Okay, wenn man einen IQ von mindestens 130 hat, kann das so gerade klappen. Für den Großteil der Absolventen ist das aber wohl eher unrealistisch.
Trotzdem noch ein Tipp an die Berufseinsteiger: Habt nicht zu hochfliegende Pläne. Fangt doch erst mal bspw. in einer kleinen Kanzlei oder in einem überschaubaren mittelständischen Betrieb (Ingenieurbüro) an. Die fragen Euch sicher nicht sofort nach Auslandserfahrungen, im Gegensatz zu BMW und Co.

Inaktiver User
24.10.2006, 12:22
Hallo Caramon,

oh je, da komme ich wohl ein bisschen falsch rüber. Ich habe aus Interesse und Spaß an der Sache mein Fach (Magisterstudium, Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf Medien) studiert und weil ich Talent zum Schreiben hab.
Leider nicht zum Selbstvermarkten und ich bin einfach zu spät fertig geworden, nämlich mitten in der Medienkrise. Ich bin schlicht nirgens reingekommen, trotz genannter Qualifikationen. Aber es geht nicht nur mir so, wenn man sich hier mal durch die Foren liest. Ich kenne auch Leute, die verdammt gut waren und ihre Praktika bei den ganz großen Namen der deutschen Medienbranche gemacht haben und trotzdem nur mit großer Mühe ein Volo bei einem Wald- und Wiesenblatt gekriegt haben. Marketing/PR/Medien, das ist einfach tot. Und mein Profil ist eben leider ziemlich darauf ausgerichtet. Und damit ist's einfach auch schwer, sich im Ausland zu bewerben.
Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ganz bestimmt was anderes studiert und mir den Spaß woanders geholt. Aber hinterher ist man halt immer schlauer.

Der Aufbaustudiengang war ein Versuch, aus dieser Ecke rauszukommen. Und ich bewerbe mich natürlich fleißig auf alles, was mich interessiert und passen könnte.
(Da Stellen ja sowieso meistens befristet sind, bin ich übrigens noch nie nach Alter/Familienplanung gefragt worden.)

Nur ab und zu packt mich der Riesenfrust und dann schreibe ich böse Nachrichten in Internetforen :freches grinsen:

Lieber Blackjack,
da du mich nicht kennst, sehe ich es dir nach, dass du mit deiner Persönlichkeitsbeschreibung von mir daneben liegst.
Nur soviel: Praktika sind nicht mehr der Königsweg in den Job. Von all meinen Bekannten kenne ich genau eine, die über ein Praktikum in den Job gekommen ist. Und der ist auch noch unterirdisch bezahlt.
Und es ist ein Riesenunterschied, ob man irgendwo Praktikant ist oder angestellt. Von der Verantwortung her und vom Status. Was nix kostet, ist nämlich in der Regel auch nichts wert.

Laetita

Solveig
24.10.2006, 12:44
Hallo liebe Mitschreibende,

zu diesem Thema möchte ich mich gerne auch äußern. Ich bin 26, gerade in der Ausbildung, auch in einem Medienberuf – und da fängt es schon an: Ich könnte kaum im Ausland arbeiten, da ich auf Deutsch als Sprache angewiesen bin. Englisch kann es nicht ersetzen, obwohl ich es sehr gut schreibe und spreche.
Es ärgert mich sehr, wenn ich lese, dass meiner Generation Sattheit, Zufriedenheit und fehlender Biss vorgeworfen wird. Wozu muss die Threaderöffnerin noch „hungriger“ werden auf einen Job, so dass sie sich am Ende noch mehr für miese oder keine Bezahlung ausbeuten lässt, ohne eine reelle Chance auf einen Arbeitsplatz? Es lässt sich ihren Postings doch entnehmen, dass sie Praktika absolviert, macht und tut.
Man sollte einem Arbeitgeber nicht noch Recht geben, der mit einer dünnen Personaldecke arbeitet und darauf kalkuliert, in bestimmten Zeiten billige, oft kaum ausgebildete Kräften „einzukaufen“ und mit wenig Geld abzuspeisen.

Die meisten meiner Bekannten sind jung, gerade mit dem Studium fertig, auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ihre Ausbildung haben sie sich jahrelang durch mies bezahlte Mitarbeit ohne Wochenenden und ohne Urlaub erarbeitet. Das sind keine faulen, saturierten Menschen, sondern tüchtige, kluge Leute, die sich sehr bemühen. Dennoch wird man sie, wenn überhaupt, zu Bedingungen einstellen, die ihnen das Erreichen eines gesicherten Lebens zunächst einmal sehr erschweren. Trotzdem sind diese Bekannten froh über Jobs bei „Wald-und-Wiesen-Blättern“ - sie wissen aber, dass man sie nach der Ausbildung für billiges Geld weiter ausbeuten, sie dabei noch hinhalten wird.
Praktika, Zeitverträge, freie Mitarbeit als Chance? Da würden sie aus Erfahrung ziemlich müde lächeln.

Ich gebe Laetitia28 voll und ganz Recht. So sieht es auch für mich auch.
Sicherlich nützt uns Jammern nichts, wir müssen sehen, wie wir zurechtkommen. Das ist auch richtig so; mich stört nur, dass in solchen Debatten die Schuld gerne auf eine „unmotivierte“ Generation geschoben wird.

Liebe Grüße und nichts für ungut, das Thema regt mich nur sehr auf,
Solveig

Inaktiver User
24.10.2006, 13:41
..
Sicherlich nützt uns Jammern nichts, wir müssen sehen, wie wir zurechtkommen. Das ist auch richtig so; mich stört nur, dass in solchen Debatten die Schuld gerne auf eine „unmotivierte“ Generation geschoben wird.

Was meine Statements angeht, ich sprach nicht von einer unmotivierten Generation, sondern davon, daß bei den meisten immer das System und die Gesellschaft schuld sind (sie also verallgemeinern), anstatt sich selbst zu analysieren und Stärken/Schwächen zu erarbeiten (und diese auch von dritten überprüfen zu lassen! - Stichwort Eigen/Fremdwahrnehmung).. Zudem fehlen oftmals klare Ziele/Vorstellungen. Es reicht eben nicht, über das System zu klagen, denn das wird niemand von Euch ändern. Nutzt es zu euren gunsten. Aber dafür müßt ihr dessen Regeln befolgen.
Vielleicht ist heute wieder der Arbeitgeber das bestimmende Element, vor nur wenigen Jahren (dot com) war es genau umgekehrt. Völlig überzogene Forderungen von s.g. "Spitzenkräften". In der Marktwirtschaft bestimmen eben Angebot und Nachfrage den Preis. Und der wird eben nicht nur in Deutschland und mit rein deutschen Faktoren geprägt, das solltet Ihr Euch vor Augen führen. Für einen Unternehmer ist es idR (ausser bei lokalem Bezug) herzlich egal, ob die Medienagentur in Bonn, Berlin, Brüssel oder in einem anderen Kontinent sitzt. May the best man win.

In der Medienbranche kommt erschwerend hinzu, dass seit dem Ende der Blase wieder normal gerechnet und viele Budgets auf ROI überprüft wurden. Die meisten hielten nicht stand und wurden eingestampft. Und dennoch oder deswegen gibt es manche Firma noch heute. Es geht auch ohne das ein oder andere Gimmick, wenn man langfristig ausgerichtet ist.



Die meisten meiner Bekannten sind jung, gerade mit dem Studium fertig, auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ihre Ausbildung haben sie sich jahrelang durch mies bezahlte Mitarbeit ohne Wochenenden und ohne Urlaub erarbeitet. Das sind keine faulen, saturierten Menschen, sondern tüchtige, kluge Leute, die sich sehr bemühen. Dennoch wird man sie, wenn überhaupt, zu Bedingungen einstellen, die ihnen das Erreichen eines gesicherten Lebens zunächst einmal sehr erschweren. Trotzdem sind diese Bekannten froh über Jobs bei „Wald-und-Wiesen-Blättern“ - sie wissen aber, dass man sie nach der Ausbildung für billiges Geld weiter ausbeuten, sie dabei noch hinhalten wird.
Praktika, Zeitverträge, freie Mitarbeit als Chance? Da würden sie aus Erfahrung ziemlich müde lächeln.
Siehst Du, und ich z.B. lächele bei einer solchen Antwort. Mit dem Unterschied, dass es bei uns Menschen gibt, die dies als Chance begriffen haben und nach einigen Jahren wirklich gutes Geld verdienen. Dann gab es welche, die wollten vohne Background das Gehalt einer Führungskraft. So what, der nächste bitte. Die suchen noch heute.
Warum also "enden" Deine Bekannten bei diesen Blättern ? Weil sie ihre viel zu grossen Erwartungen auf einen normalen Level revidiert haben. Die Agentur für Arbeit ist auch voll von Menschen, die sich zu schade für manche Jobs sind udn die nicht "unter Niveau" arbeiten wollen. Dann sollen sie es lassen, aber bitte hört das Jammern auf!
Das Dilemma ist eher die hemmungslose Selbstüberschätzung vieler Studenten. Selbstvertrauen ist wichtig, aber eine gewisse Bescheidenheit und Lernbereitschaft im Berufs EINSTIEG (!!) ist Grundvoraussetzung. Scheinbar ist für Dich das Lernen mit dem Berufsstart beendet ? Es fängt gerade erst an!
Lektion 1: Dein Studium bedeutet nur für die Einstellung etwas, im Job zählt nur die Leistung.
Lektion 2: Karriere heißt nicht, dass man nach zwei Jahren Vorstand ist.
Lektion 3: Man bekommt nichts geschenkt.

Ein Gedankenanstoss:
Wenn jeder weiss, dass manche Unternehmen Praktikanten "missbrauchen", warum nutzt Du dieses Wissen nicht aktiv ? Du könntest beispielsweise bei einem Vorstellungsgespräch klare Ziele formulieren. Beispielsweise mit einem Augenzwinkern erklären, dass Du gerne Bereit bist, quasi zum Nulltarif für eine gewisse Zeit zu arbeiten, denn Du bist Dir sicher, dass Du eine Perspektive in diesem Unternehmen hast (mit Begründung, warum gerade DU der Mann der Stunde für genau dieses Unternehmen bist!). Biete es doch mal von Dir aus an. Sei offen. Und extrem motiviert. Wenn Du die sechs Monate immer mit dem Gedanken der "Ausbeutung" und nicht der "Chance" siehst, dann wird das auch nichts.
Bei uns brauchen Mitarbeiter gut ein Jahr, bis sie in die Gewinnzohne mit ihrem Gehalt kommen (so, dass sie normal davon leben können). Allerdings können sie idR nach 2-3 Jahren extrem gut davon leben und bleiben uns lange erhalten.

Beste Leistungen, Geduld und soziale Kompetenz. Dann hast DU den Grundstein gelegt. Wenn Du dann noch ein gutes Netzwerk und ein wenig Glück hast.. :smirksmile:

Inaktiver User
24.10.2006, 13:50
Und es ist ein Riesenunterschied, ob man irgendwo Praktikant ist oder angestellt. Von der Verantwortung her und vom Status. Was nix kostet, ist nämlich in der Regel auch nichts wert.

Mag zutreffen, aber ich kann Dir Gegenbeispiele liefern. In der deutschen Niederlassung eines Weltmarktführers wurden einige Praktikanten genau aus dem Grunde eingestellt, um sie zu testen. Und diese sagte zu, quasi umsonst zu arbeiten, um ihr Können zu zeigen. Können kann man aber nicht beim Kaffeekochen zeigen. Daher waren sie von Tag eins an mit wichtigen Zuarbeiten und sogar eigenen (wichtigen!) Projekten betraut. Interne und externe Kommunikation wurde eigenverantwortlich durchgeführt, auch die Projekte und einzelnen Tätigkeiten. Im Bereich Marketing (für Deutschland) und Human Resources.

Diejenigen, die ich kennengelernt habe, waren definitiv etwas wert (und sind heute voll angestellt).

Mir geht es im Grunde nur darum, Euch andere Wege aufzuzeigen und Euch ans Nachdenken zu bringen. Nicht im Sinne von "ist eh alles Mist", sondern im Sinne von "wenn 100 Leute untergehen finde ich mich nicht damit ab, auch unterzugehen, sondern überlege wie kann ich schwimmen ?"

Seid Ihr also satt ind er deutschen Wohlstandsgesellschaft, oder seid Ihr hungrig und geht Euren Weg ?

Darth_Plagueis
24.10.2006, 14:56
Können kann man aber nicht beim Kaffeekochen zeigen. Daher waren sie von Tag eins an mit wichtigen Zuarbeiten und sogar eigenen (wichtigen!) Projekten betraut. Interne und externe Kommunikation wurde eigenverantwortlich durchgeführt, auch die Projekte und einzelnen Tätigkeiten. Im Bereich Marketing (für Deutschland) und Human Resources.
Da magst du jetzt Recht haben. Aber Dir ist doch wohl hoffentlich auch klar, dass es "Praktika" gibt, in denen man mit Kaffee kochen und fotokopieren abgespeist wird. Und für solche Bürobotentätigkeiten braucht es nun wirklich kein abgeschlossenes Studium.

Mann_im_Mond
24.10.2006, 16:24
Praktika, Zeitverträge, freie Mitarbeit als Chance? Da würden sie aus Erfahrung ziemlich müde lächeln.
Solveig,
in der Medienbranche läuft nahezu Alles über freie Mitarbeit. Festanstellungen sind selten und werden immer seltener. Wenn Du auf einen gutbezahlten Redakteursjob spekulierst, kannst Du es eigentlich gleich vergessen. Was Du in den Zeitungen liest, was Du im Radio hörst und im Fernsehen siehst - nahezu Alles wird von Freien Mitarbeitern und unabhängigen Produktionsfirmen gestemmt.

Inaktiver User
24.10.2006, 16:35
Da magst du jetzt Recht haben. Aber Dir ist doch wohl hoffentlich auch klar, dass es "Praktika" gibt, in denen man mit Kaffee kochen und fotokopieren abgespeist wird. Und für solche Bürobotentätigkeiten braucht es nun wirklich kein abgeschlossenes Studium.

Ist mir klar. Dazu gehören immer zwei Seiten. Und es steht Dir ja frei, zu gehen, wenn Du nicht zufrieden bist. Die Bandbreite ist gross, aber es gibt eben nicht nur "blöde Praktika" oder Zeitverträge. Genausowenig gibt es nur gute.

Solveig
24.10.2006, 16:41
Hallo Blackjack,

und woher weißt du, dass für mich das Lernen nach dem Studium beendet ist? Das ist Unsinn.

Zu den vorherigen Postings:
Ich und meine Bekannten wollen nicht den Arbeitsplatz, auf dem man sich zurücklehnt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Und wir können auch in unserem Job nicht durch jemanden aus Brüssel, der Ukraine oder sonst einem oben genannten Land ersetzt werden, jedenfalls nicht in den kommenden Jahren. Man braucht uns, denn die Arbeit ist da!
Wir werden schlicht benötigt, aber da die Macht im Moment auf Seiten der Arbeitgeber liegt, dazu genötigt, für Dumpinglohn zu arbeiten und gleichzeitig in einen Generationenkonflikt mit den älteren Kollegen gedrängt.

Das, was wir können und gelernt haben, hat einen Wert. Wir dürfen uns natürlich nicht darauf nicht ausruhen, wir müssen weiter danach streben, uns zu qualifizieren (und in meinem Fall gehört Weiterentwicklung selbstverständlich zum Leben); doch das zehnte unentgeltliche Praktikum - das ist nicht mehr gerecht. Und das müssen wir auch sagen dürfen, ohne dass uns pauschal Jammern vorgeworfen wird.
Darüber hinaus gibt es auch bei den von mir genannten "Wald-und-Wiesenblättern" sicherlich lohnende und spannende Arbeit - ich spreche da aus Erfahrung, und ich liebe meine Arbeit. Ich gehe gerne dorthin und habe auch erstmal kein Problem damit, Überstunden zu machen etc. (die mache ich übrigens jeden Tag)
Nur: Wenn ich meine Ausbildung beendet habe, dann werde ich die gleiche Arbeit machen, die ich auch jetzt schon erledige - die einer ausgebildeten Arbeitskraft. Und ich werde noch schlechter bezahlt als in der Ausbildung. Natürlich kann ich mich wegbewerben, das kommt in meiner Branche aber einem Glücksspiel gleich.
Ich leiste etwas. Ich bilde mich aus und fort, auch selbstständig. Ich stelle mich den Härten des Systems. Auch das muss bedacht werden, und deswegen mag ich Aussagen nicht, die implizieren, dass wir eben selbst schuld sind, wenn wir mit dem System nicht zurechtkommen.

Blackjack, bei uns will niemand die Kohle, die jemand verdient, der seit 15 Jahren in dem Beruf ist, geschweige den das Gehalt des Chefs. Was wir wollen, ist eine faire Chance auf unser Auskommen, und zwar gemessen an unserer Leistung.
Ich werde das System nicht ändern, ich werde versuchen müssen, damit zurechtzukommen. Gut. Aber dann verbitte ich mir Unterstellungen wie diese von dir:

"Das Dilemma ist eher die hemmungslose Selbstüberschätzung vieler Studenten. "

Wir überschätzen uns nicht selbst, denn wir wissen, was wir können. Die Menschen, die ich kenne, wollen auch nicht mit einem Riesengehalt und ähnlichen Annehmlichkeiten einsteigen - sie wollen nur nicht hemmungslos ausgebeutet werden. Und ja, das zumindest liegt im System.

Darth_Plagueis
24.10.2006, 17:08
Ist mir klar. Dazu gehören immer zwei Seiten. Und es steht Dir ja frei, zu gehen, wenn Du nicht zufrieden bist.
Mach Dir mal um mich keine Sorgen. Ich nähere mich den 40 und brauche mich als Freiberufler zum Glück mit so einem Kokolores nicht mehr abzugeben.

tanimun
24.10.2006, 17:45
@Blackjack:

Also, ich habe so ganz schwer den Eindruck, daß Du entweder:

a) nie irgendwelche beruflichen Sorgen gehabt hast aufgrund glücklicher Umstände (z.B. nach Studium direkt als Geschäftsführer in Papas Firma eingestiegen)

oder:

b) einer Generation angehörst, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt schon vor einigen Jahren gefunden hat und daher nicht froh über jeden Krümel Arbeitswelt sein durfte.

c) den Ausgangspunkt von Möglichkeit b) hattest und nun glücklich entweder frühberentet oder mit einer großzügigen Abfindung bedacht worden bist mit der Du Dich dann Richtung Karibik abgesetzt hast.


Anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, wie jemand einen solchen antiquierten Blick auf die heutigen Zustände auf unserem Akademiker-Arbeitsmarkt hat.
"Gehen können" muß man sich auch erst mal leisten können.
Ich kann übrigens auch immer "gehen", wenn ich will! Aber nur, weil ich kinderlos bin und keine Bafög-Schulden noch sonstige Belastungen und Verpflichtungen habe.
Nur wen interessiert das, wenn die Mehrheit der Frauen in meinem Alter (Anfang 30) Verpflichtungen hat, z.B. weil der Mann arbeitslos geworden ist und Wohnung/Haus sich eben nicht von alleine bezahlen????
Oder weil man eben keine Lust hat, einem 3Jährigen 3mal am Tag erzählen zu müssen "Gibt kein Eis, wir ham kein Geld"?


sultan tanimun

Inaktiver User
24.10.2006, 18:16
Ich kann Tanimun nur beipflichten!

Laetitia

Inaktiver User
24.10.2006, 18:48
Hallo Blackjack,

und woher weißt du, dass für mich das Lernen nach dem Studium beendet ist? Das ist Unsinn.

Ich wusste es nicht, daher stand ein Fragezeichen dahinter.



Ich leiste etwas. Ich bilde mich aus und fort, auch selbstständig. Ich stelle mich den Härten des Systems. Auch das muss bedacht werden, und deswegen mag ich Aussagen nicht, die implizieren, dass wir eben selbst schuld sind, wenn wir mit dem System nicht zurechtkommen.

Vielleicht ist es bei Dir persönlich anders und die Umstände der Medienbranche sind wieder andere.


Blackjack, bei uns will niemand die Kohle, die jemand verdient, der seit 15 Jahren in dem Beruf ist, geschweige den das Gehalt des Chefs. Was wir wollen, ist eine faire Chance auf unser Auskommen, und zwar gemessen an unserer Leistung.
Vielleicht siehst Du das so. Ich bekomme hier auf jede offene Stelle 80-90% Bewerbungen, die das anders sehen. Alle wollen möglichst morgen ein tolles Gehalt usw. Das ist auch legitim, solange er/sie die Leistung erbringt. Frust kann ich dann nachvollziehen, wenn Gehalt nach Arbeitsjahren vergütet wird. Zum Glück findet diesbezgl. ein Umdenken statt. Bei uns ist es gleich, ob jemand 20 oder 50 ist. Denn werden die gesetzten Ziele erreicht, verdienen beide das gleiche. Nur, derjenige, der neu im Job ist wird erstmal nichts das Gehalt eines "alten Hasen" haben. Zu gerne wird mit Zahlen um sich geworfen (siehe Gehalts-thread hier) und sobald jemand überdurchschnittlich verdient wird vergessen, dass sich dahinter eine Leistung, die weit überdurchschnittlich ist, verbirgt.
Grundsätzlich gilt in unserer Welt aber leider nur etwas, wer überdurchschnittlich ist. Durchschnitt zählt meistens wenig. Leider. Aber das ist in einer Leistungsgesellschaft (Marktwirtschaft) so. Wie soll man gegenüber den durchschnittlichen Mitbewerbern mit einem durchschnittlichen Team überdurchschnittlich erfolgreich sein, wenn man nicht gerade eine Monopolstellung hat ? Im Verdrängungskampf (der ganz sicher in der Medien/Marketing/PR branche tobt) kommt es auf jedes einzelne Glied an. Lieber keinen einstellen als einen, der nur Kosten produziert. Oder eben einen einstellen, der kaum Kosten produziert (Praktikant), dann ist die Leistung in Relation zu den Kosten erstmal Nebensache.

Ich propagiere dieses System nicht als ideal, ich versuche es teilweise zu erklären.



Wir überschätzen uns nicht selbst, denn wir wissen, was wir können.
Sei mir nicht böse und das bezieht sich nicht auf Dich persönlich:
Diese Aussage ist ungefähr so, wie sich Kontaktanzeigen lesen: "Gutaussehend, gebildet, intelligent".
Niemand wird nichts können, aber jeder glaubt, zu den Besten zu gehören. Wenn dem in Summe so wäre, wäre die deutsche Wirtschaft sicher besser aufgestellt. Sicher gehört zum Problem der deutschen Wirtschaft noch weitere Faktoren, aber es geht mir darum zu verdeutlichen, dass tatsächlich viele Bewerber mit sehr realitätsfremden Vorstellungen in ein Gespräch gehen. Und dies nicht nur in Deutschland. Und nicht erst seit heute.
Beispiel: Vor einigen Jahren gab es bei C&A ein Managementausbildungsprogramm. Wer hierfür eingestellt wurde, bekam in seinem Vertrag bestätigt, er werde nach 6-7 Jahren eine leitende Position im Unternehmen haben. Damals die branchenweit beste Ausbildung. Aufgabe am ersten Arbeitstag: Ausfegen der Lüftungsräume. Den Anzug konntest Du danach wegschmeissen.
Beispiel zwei. Peek & Cloppenburg. Jeder Trainee für eine Nachwuchskraft fängt in einer normalen Abteilung an. Klamotten von Holzbügel auf Plastikbügel umbügeln. O-ton diverser Trainees: "Wieso soll ich das machen, ich bin Trainee !".
Aldi, Lidl, uvm. rekrutieren Führungsnachwuchs ausschliesslich aus eigenen Reihen. Mit dem Wissen, dass alle ganz unten angefangen haben. Warum machen sie das ?

"Weil wir möchten, dass jeder, der einmal eine leitende Funktion in unserem Hause inne haben wird, die Arbeit des geringsten einschätzen und wertschätzen kann."

Diesen Satz werde ich nie vergessen. Denn genau darauf kommt es an. Respekt lernen. Zurückhaltung lernen. Und Engagement zeigen für eine Belohnung, die man vielleicht erst sehr viel später erhalten wird.

Weißt Du, wen ich sofort einstelle (natürlich nicht als Geschäftsführer) ?
Mitarbeiter, die länger bei McDonalds beschäftigt waren. Denn die können arbeiten. Flexibel, schnell, auf den Punkt. Sie sind belastbar und wollen etwas erreichen. Und sie erreichen etwas mit dieser Einstellung.

Manchmal muss man investieren, ohne zu wissen, ob oder wann es belohnt wird. Ein Patentrezept gibt es nicht :smirksmile:

Inaktiver User
24.10.2006, 19:05
@Blackjack:

Also, ich habe so ganz schwer den Eindruck, daß Du entweder:

a) nie irgendwelche beruflichen Sorgen gehabt hast aufgrund glücklicher Umstände (z.B. nach Studium direkt als Geschäftsführer in Papas Firma eingestiegen)

oder:

b) einer Generation angehörst, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt schon vor einigen Jahren gefunden hat und daher nicht froh über jeden Krümel Arbeitswelt sein durfte.

c) den Ausgangspunkt von Möglichkeit b) hattest und nun glücklich entweder frühberentet oder mit einer großzügigen Abfindung bedacht worden bist mit der Du Dich dann Richtung Karibik abgesetzt hast.

Mit 35 bin ich sicher nicht frühverrentet :smirksmile:
Ganz grundsätzlich gesprochen habe ich in meinem Arbeitsleben (seit ich 19 bin: Lehre, Job, nein - KEIN Studium!) so ziemlich alle Stationen absolviert. Lehre, erste Erfolge, Weiterbildung, Rückschläge, neue Chance, Mobbing, Abfindung, Arbeitslos, ganz unten wieder angefangen, Erfolge ohne Belohnung zum Hungerlohn, hochgearbeitet, noch dabei, es weiter zu tun und seit knapp einem Jahr erstmals dabei, beruflich/finanziell "anzukommen". :smirksmile:
Es gab Jahre, da lebte ich von 400-500€ pro Monat, und das Ende 20.


Anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, wie jemand einen solchen antiquierten Blick auf die heutigen Zustände auf unserem Akademiker-Arbeitsmarkt hat.
Schade, dass ich Dir nicht die Möglichkeit geben kann, Bewerbungskandidaten an meiner statt zu sprechen. Du würdest sofort mein Statement unterschreiben. Das ist leider alles andere als antiquiert. Vielleicht gehören BriCom Leser(innen) (pauschalisieren wir ein bischen) zu den anderen, aber die meisten, die ich kennenlernen durfte, sind eben nicht so. Aber Zustimmung, es gibt zum Glück auch andere !


"Gehen können" muß man sich auch erst mal leisten können.
Das ist korrekt. Und es ist kein schönes Gefühl, den Job machen zu müssen, auch über Jahre, weil es keine Alternative gibt. Und doch gibt es Frösche, die in der Milch untergehen und solche, die solange strampeln, bis die Milch zur Butter wurde. Für die einen ist das Glas halbvoll, für die anderen halbleer. Es gibt Menschen, die befassen sich tagelang oder wochenlang mit der Frage, warum sie denn nun ein bestimmtes Problem haben. Andere fangen direkt an, es zu lösen.

Mondschaf
24.10.2006, 22:15
Hallo :ahoi:

Ich möchte mich auch gerne in die Diskussion einklinken.

Im Großen und Ganzen gehe ich konform mit Blackjack. Ohne Fleiß keinen Preis :freches grinsen:.

Aber das ist die blanke Theorie. Blackjack, du gehst davon aus, dass die Arbeitgeber nur das Beste für den Betrieb und den Arbeitnehmer wollen, sich die Kandidaten genauestens anschauen (weil sie Großes mit ihm vorhaben?!... ). Bedenkst du auch die pure Habgier und das fehlende Mitarbeiterbewusstsein vieler Vorstände? Es zählen doch nur die Zahlen. Ob ein demotivierter Praktikant (der die Leier von der evt. Übernahme schon auswendig kennt) die Arbeit qualitativ minderwertig erledigt (bin doch eh nur 6 Monate hier, nach mir die Sintflut) oder ob ein Mitarbeiter fest angestellt wird (meinetwegen 2 Jahre befristet erstmal) und durch eine positive Mentalität im Betrieb motiviert qualitativ hochwertige Arbeit liefert, macht ja wohl einen offensichtlichen Unterschied :erleuchtung:!

Ich arbeite in einem großen Unternehmen X als Ingenieurin (allerdings nicht diplomiert) angestellt als techn. Assistentin über eine Leiharbeitsfirma. Ich mach aber die Arbeit eines diplomierten Ingenieurs. Nicht, dass ich das nicht möchte! Mir macht die Arbeit Spaß und ich lerne viel dazu, auch wenn es nicht mein Traumjob ist, weil ich aus der Umweltbranche komme. Dort will ich wieder hin. :blumengabe:
Ich habe aber die Arbeit bei X aufgenommen, weil ich bestimmte Soft Skills aneignen kann, nämlich Durchsetzungsvermögen, Bewusstsein für die Produktionsabläufe, Kommunikation mit allen Ebenen, Verantwortungsbewusstsein und teilweise Führungsqualitäten. Das brachte die Arbeit mit sich, ohne dass ich es vorher wusste. Nun bin ich darüber froh. Das Geld stimmt auch einigermaßen - ist sogar mehr, als ich erwartete (ich rechnete nach dem Studium erst mal mit dem, was ich nach der Lehre verdiente). Alles in allem kann ich sagen, dass der Einstieg über eine Zeitarbeitsfirma gut geeignet ist, erst mal den Anfang zu schaffen und sich Kompetenzen anzueignen. Man kann beweisen, wer man ist und was man kann! Soviel zum Berufseinstieg.

Jetzt kommt das ABER, womit man sich als Berufseinsteiger erst mal abfinden muss (:wie?:). Man ist ein Mitarbeiter zweiter Klasse. Mein Vertrag in der HL-Firma läuft Ende des Jahres aus, obwohl die Stelle, auf der ich sitze, unbefristet ist. Da zuckt sich keiner. Vor allem in so einer großen Firma ist man sowieso nur ein Headcount. Hässliches Wort! Was danach passiert, weiß ich nicht. Die Leihfirma wird, wenn sie nichts neues findet, die betriebsbedingte Kündigung an mich aussprechen. Und dann?! Nützt mir das Wissen und die Skills etwas, oder wird nur auf die Referenzen geschielt? Ach, ein Leiharbeitnehmer..., ach nur Praktika? Trainee, hm... :knatsch:

Andererseits.. eine gute Freundin von mir ist Juristin. Möchte sich nicht als Anwältin abstrampeln und bewirbt sich ausschließlich in große Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Sie spricht mit mir immer über Führungspositionen. Was hat sie denn schon an Praxiserfahrung, dass sie Mitarbeiter führen könnte? Absolut keine! Das verstehe ich auch nicht. Dem harten Studium in allen Ehren, aber ein bisschen härter lernen qualifiziert einen noch nicht zum Boss. Sie hat im Grunde genommen noch keine Fähigkeiten des Berufsalltags und null Praktikumserfahrung, weiß nicht, mit welchen Bandagen draußen gekämpft wird. Als Studentin hatte sie die großen Ziele – Prädikatsexamen, Praktikum im Ausland, etc.pp. Jetzt hat sie das Ziel, Steuerrechtsexpertin zu werden. Sie tut mir zwar leid wegen der Jobsuche ... aber mein Mitleid hält sich doch wieder in Grenzen, wenn ich sehe, dass sie sich aufgrund wohlhabender Eltern trotzdem alle Annehmlichkeiten des Lebens gönnen kann, wo ich als „Abstrampler“ dreimal überlege, ob ich es mir leiste. :buch lesen:

Ich frage mich ernsthaft: Warum stellt eine Firma nicht ein, wenn sie doch Leute brauchen? Kündigen geht immer, und ob jemand eine Pfeife ist, das stellt sich doch schon schnell raus. Da ist auch keine fette Abfindung fällig. Aber die armen Arbeitgeber schieben alles auf die böse Politik. Das ist die Mentalität unsrer heutigen Gesellschaft, sich nicht festlegen zu wollen. Bitte schön: ist schon mal ein AG pleite gegangen, weil ein AN nicht der Top-Mann war? Sind die AG denn so bitter enttäuscht worden, dass sie nun solche scheinheiligen Methoden an den Tag bringen?

Und dann kommt die Selbstbedienungsmentalität der Manager hinzu (meine ehemaligen Firmenchefs - genug in der Presse gewesen darüber). Es wird Geld für Dinge ausgegeben, bei denen ich beim besten Willen keine Strategie erkennen kann. Aber die Stelle eines kleinen MA wird gehandelt. Es ist offensichtlich, dass die Vorstände, und deren Nachfolger, die ja praktisch in den Vorstand geboren wurden, nichts von der echten Unternehmensführung und Mitarbeiterverantwortung verstehen. Es wird nur in die eigne Tasche gewirtschaftet. Macht und Potenz. Klar, sägt doch keiner an seinem eigenen Ast. Aber der MA, der nicht weiß, wie er seine Familie durchbringen soll, der ist doch entbehrlich. Der vierte Benz in der Garage nicht.

Sorry, alles ein bisschen weitschweifend. :schild ...uups:
Aber die Essenz des Ganzen ist:

Wenn die Unternehmer, Manager und Chefs sich ihrer Verantwortung mehr bewusst wären UND die Berufsanfänger, Absolventen und normalen Mitarbeiter sich ihres Marktwertes und ihrer realen Position erst mal bewusst werden, DANN würde eine zufriedenstellendere Symbiose am Arbeitsmarkt herrschen und man könnte viel leistungsfähiger sein bzw. am Weltmarkt bestehen. Aber SO ist Deutschland dem wirtschaftlichen Untergang geweiht. Kein Wunder, wie Uschi hier schon so treffend schrieb (@Uschi - ich bin auch lieber "langweilig", aber zufriedener mit meinem Leben und dem, was in meinem Rahmen passiert).


Im Fernsehen, in der Werbung (und leider auch von so manchem Bekannten oder Kollegen) wird einem fortwährend weisgemacht, daß alles soooo easy ist und daß man alles erreichen kann, wenn man nur will.
Ein tolles, sportliches Auto kriegt man heutzutage geschenkt ("0% Zinsen!"), ein Haus hat neu, grosszügig, energiesparend, ausgefallen und modern zu sein (einfach zu realisieren, Kredite kosten heutzutage ja nix!), man muss Kinder kriegen, aber bitte trotzdem im Beruf erfolgreich sein. Dazu hat man viele Freunde, mit denen man regelmäßig kulturell wertvolle Veranstaltungen besucht und jede Menge Hobbies (natürlich sinnvoll und aufregend). Stricken ist out, Fallschirmspringen im Urlaub in Ich-weiss-nicht-wo ist in!

Man muss mit Mitte 30 schon dies und jenes erreicht haben, sonst ist man ein Verlierer. Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als ich (jetzt fast 27) mit 17 noch den Traum hatte, ein Haus zu bauen. Da sagten ältere zu mir, dass man das schon mit 30 alles geregelt haben sollte. Und solche Dinge fressen sich im Kopf fest, man setzt sich unter Druck und hört gar nicht mehr in sich hinein, was denn die eigentlichen Ideale sind, für die man mal stand. Man will es schaffen, und die Gegebenheiten sind einfach mal nicht so! Die Zeiten haben sich gedreht ...

...Just my 2 cents...

Mondschaf :krone auf:

Inaktiver User
25.10.2006, 08:46
Aber das ist die blanke Theorie. Blackjack, du gehst davon aus, dass die Arbeitgeber nur das Beste für den Betrieb und den Arbeitnehmer wollen, sich die Kandidaten genauestens anschauen (weil sie Großes mit ihm vorhaben?!... ). Bedenkst du auch die pure Habgier und das fehlende Mitarbeiterbewusstsein vieler Vorstände? Es zählen doch nur die Zahlen.

Es kommt auf das Unternehmen an. Natürlich zählen die Zahlen, oder genauer gesagt nur eine Zahl: Profit/Gewinn.
Aber es ist eine Frage, wie ein Unternehmen ausgerichtet ist. Will es heute das maximale auspressen (und dabei evtl. fähige Mitarbeiter verlieren), oder ist es mittelfristig oder gar langfrister ausgelegt. Ich kann nur für mich sprechen, mir ist eine Drittelung wichtig. kurzfristig schwarze Zahlen, mittelfristig Wachstum und langfristig Marktführer. Um dies zu erreichen muss ich ggf. aber heute auch unproduktive Mitarbeiter beschäftigen (oder unterproduktive), weil ich vielleicht die Voraussetzungen schaffen muss, das Wachstum erst zu ermöglichen. Denn wenn jeder bereits am Limit ist, dann ist kein Raum für Wachstum. Also wird es Zeiten geben, da arbeitet mancher vielleicht nur 80%.
Vielleicht sollten wir ein wenig zwischen sagen wir DAX30 und Weltunternehmen und kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen unterscheiden. Denn das von Dir beschriebene Klima herrscht vorangig in Grosskonzernen. Mittelständler sind idR durch eine familiäre Führung deutlich mehr Mitarbeiter orientiert. Und Mittelständler machen einen Grossteil der deutschen Wirtschaft aus.
Ganz ehrlich, bei manchen Vorständen/Führungskräften frage ich mich auch, wen die für die Stelle bestochen haben. Aber hier kommt das von Dir angeklagte (Zustimmung) Prinzip zum Tragen, dass ein Studium und dann ab in die Unternehmensberatung mehr zählt, als manches Wissen, was sich jemand in der Praxis erworben hat. Für mich ist es ein Phänomen, dass sich Grosse Unternehmen eine Beraterfirma ins Haus holt, anstatt ihre Mitarbeiter zu befragen. Die würden ihnen alles erzählen, aber das wollen manche nicht hören. Lieber den Berater, der mit 26,28 zwar viel studiert, aber ansonsten wenig Erfahrung hat. Im Grunde sind die Berater nur für Entscheidungen zuständig, die unbequem und überfällig sind. Nur ist der Vorstand zu feige, sie zu beschliessen um seinen Job nicht zu gefärden. Stattdessen sind die Berater "schuld" und der Vorstand wird für deren Einsatz gelobt.
Komische Welt.





Jetzt kommt das ABER, womit man sich als Berufseinsteiger erst mal abfinden muss (:wie?:). Man ist ein Mitarbeiter zweiter Klasse. Mein Vertrag in der HL-Firma läuft Ende des Jahres aus, obwohl die Stelle, auf der ich sitze, unbefristet ist. Da zuckt sich keiner. Vor allem in so einer großen Firma ist man sowieso nur ein Headcount. Hässliches Wort! Was danach passiert, weiß ich nicht. Die Leihfirma wird, wenn sie nichts neues findet, die betriebsbedingte Kündigung an mich aussprechen. Und dann?!
1) Was möchtest Du denn ? Dort verbleiben ? Bist Du aktiv auf Deinen Chef zugegegangen, hast das Gespräch über Deine Zukunft in diesem Unternehmen gesucht ? Deutlich gemacht, dass es Dir Spass macht und Du dort gerne eine Zukunft hättest ?
Du könntest anbieten, einen Teil der Ablöse für die Zeitarbeit selber zu tragen. Auch das ist ein Grund, weshalb manche ZA nicht übernommen werden. Nach zwei Jahren wird das teuer.
2) Nach zwei Jahren beschäftigung glaube ich nicht, dass die Zeitarbeit Dich einfach "betriebsbedingt" kündigen kann. Schliesslich gehört Leerlauf zu deren Risiko.




Nützt mir das Wissen und die Skills etwas, oder wird nur auf die Referenzen geschielt? Ach, ein Leiharbeitnehmer..., ach nur Praktika? Trainee, hm... :knatsch:
Als Referenz woanders nutzt es Dir vermutlich weniger, deshalb wäre es vielleicht geschickt, zu versuchen, im jetztigen Umfeld erstmal Fuß zu fassen und vielleicht sogar weiter zu kommen.
Softskills kann man nur in Gesprächen ermitteln, aber ohne Referenzen ist es mitunter schwer, in solche zu kommen. Hauptgrund, weshalb ich mir fast alle Bewerber ansehe, unabhängig vom Zeugnis. Da erlebt man manche positive Überraschung. Mir erzählte z.B. eine Dame, sie habe mit Ihrem Mann gerade ihr Haus gebaut. Worauf sie nach etwas ungläubigem Staunen meinerseits fortfuhr, sie habe sogar die Steine getragen und alles selbst gemacht. Die habe ich direkt eingestellt. Nicht, weil ich einen Maurer brauchte, sondern weil ich bei uns Mitarbeiter brauche, die sich nicht zu schade sind, auch mal Tätigkeiten zu übernehmen, die ausserhalb des Kernbereiches liegen. Allzuoft hat man es mit unflexiblen Mitarbeitern zu tun, die sich schon zu schade sind, mal ein Wischtuch in die Hand zu nehmen, schliesslich ist das doch Aufgabe der Putzfrau. Sowas braucht niemand.





Ich frage mich ernsthaft: Warum stellt eine Firma nicht ein, wenn sie doch Leute brauchen? Kündigen geht immer, und ob jemand eine Pfeife ist, das stellt sich doch schon schnell raus. Da ist auch keine fette Abfindung fällig.
Je nach Land und Position hat das verschiedene Gründe. Meist sind nach der Probezeit (meist drei Monate) quartalskündigungen oder noch schlimmer sech Monatesfristen an der Tagesordnung. Das sind dann schonmal 3-6 Monate Verlust für einen unproduktiven (weil innerlich gekündigten oder unqualifizierten) Mitarbeiter. Weiter gibt es dann Kandidaten, die zehn Tage vor dem Ende erstmal zum Arzt gehen, sich drei Wochen krank schreiben lassen, zwei Tage arbeiten und wieder krank sind.. usw.
Oder "versehentlich" schwanger werden.. oder wegen des kranken Kindes dauernd zu Hause sind..
Kündigen geht leider längst nicht immer (Behinderte) und damit ist man jemanden längst nicht los.


..ist schon mal ein AG pleite gegangen, weil ein AN nicht der Top-Mann war? Sind die AG denn so bitter enttäuscht worden, dass sie nun solche scheinheiligen Methoden an den Tag bringen?
In einem Grossunternehmen ist das eher zu verkraften. Allerdings überlege mal, wenn 5% von 50.000 Mitarbeiter nicht Top sind, dann betrifft das 2.500 Mitarbeiter. Das macht sehr wohl einen Unterschied aus. Zudem wollen andere nicht für die "nicht-Top" mitarbeiten und es entsteht sozialer Unfriede.
Schlimmer noch ist es in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Da kommt es auf jeden an. Wenn von 50 Leuten zwei oder drei ein Problem haben, kann das eine ganze Abteilung sein.


Es ist offensichtlich, dass die Vorstände, und deren Nachfolger, die ja praktisch in den Vorstand geboren wurden, nichts von der echten Unternehmensführung und Mitarbeiterverantwortung verstehen.
Das ist eine Frage deren Ausbildung. Es gibt Familienunternehmen, wie z.B. Miele, die bereiten die Nachfolge langfristig vor. Dort durchläuft jeder Erbe die ganze Leiter im eigenen und fremden Betrieben. Es gibt aber auch Betriebe, das ist es anders. Fragt sich, wie lange diese Bestand haben werden.


Es wird nur in die eigne Tasche gewirtschaftet. Macht und Potenz. Klar, sägt doch keiner an seinem eigenen Ast. Aber der MA, der nicht weiß, wie er seine Familie durchbringen soll, der ist doch entbehrlich. Der vierte Benz in der Garage nicht.
Meiner Meinung nach sollen Mitarbeiter am Erfolg partizipieren. Umgekehrt, wenn nichts zu verteilen ist, gibt es auch nichts. Das finden auch die meisten Mitarbeiter gut. Leider gibt es auch Beispiele, wie Du sie anführst.




Wenn die Unternehmer, Manager und Chefs sich ihrer Verantwortung mehr bewusst wären UND die Berufsanfänger, Absolventen und normalen Mitarbeiter sich ihres Marktwertes und ihrer realen Position erst mal bewusst werden, DANN würde eine zufriedenstellendere Symbiose am Arbeitsmarkt herrschen und man könnte viel leistungsfähiger sein
Genau so ist es. Wirtschaft ist Krieg. Dazu benötigt man gut ausgebildete Truppen mit hoher Moral, die für Ihren General durchs Feuer gehen.
Und man benötigt einen General, der sie führen kann und gleichzeitig Stratege ist und die Züge des Gegners voraussehen kann. Beste Truppen ohne General werde nie einen Krieg gewinnen und der beste Stratege/General kann keinen Krieg alleine gewinnen.

Inaktiver User
25.10.2006, 19:09
Blackjack,

nimm's mir nicht übel, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass du es bereust/neidisch bist oder was auch immer, dass andere studiert haben und du nicht. Dass du das Gefühl hast, andere hatten es leichter als du. So à la Sollen die Absolventen doch erst mal Respekt zeigen und den Wischmopp in die Hand nehmen.
Es gibt bestimmt solche Akademiker. Es gibt ja auch welche, die dank Mama und Papa auch ohne zu arbeiten ein angenehmes Leben leisten können und wie Mondschafs Freundin ihren unrealistischen Träumen hinterherrennen.
Die breite Masse trifft das aber wohl nicht.
Zu meiner Nebenjobkarriere gehören: Kellnern, in nem Kleiderladen Hosen verkaufen, Mc Donalds, mehrere Jahre Callcenter und Arbeit in nem Lager.
Respekt vor jemandem, der mich gerne kriechen sehen würde, habe ich allerdings nicht.

Laetitia

Inaktiver User
25.10.2006, 20:08
Blackjack,

nimm's mir nicht übel, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass du es bereust/neidisch bist oder was auch immer, dass andere studiert haben und du nicht.
Warum sollte ich ? Ich war nicht derjenige, der seine Situation beklagt hat.. :smirksmile:


Zu meiner Nebenjobkarriere gehören: Kellnern, in nem Kleiderladen Hosen verkaufen, Mc Donalds, mehrere Jahre Callcenter und Arbeit in nem Lager.
Respekt vor jemandem, der mich gerne kriechen sehen würde, habe ich allerdings nicht.
Wer spricht davon, andere gerne kriechen zu sehen ? Du hast den Kern der Aussage nicht verstanden.
Es gibt einen Unterschied zwischen Kriechen und der Bereitschaft, sich über Durchschnitt einzusetzen. Durchschnitt reicht nicht, wenn man "nach oben" will. Also gilt es zu überlegen, wie man aus dem Durchschnitt herausragen kann.
In Deinem Fall hat Dir vielleicht das Callcenter Dinge beigebracht, die Dir auf den ersten Blick nicht bewußt sind. Das gilt es zu analysieren, wenn Du Deine Chancen verbessern willst. Wie gesagt, jeder glaubt von sich, er sei "Intelligent, gutaussehend und hat Humor". Das ist es nicht.

Inaktiver User
26.10.2006, 10:22
Hallo zusammen

Möchte mich auch gerne an der Diskussion beteiligen. "Quarterlife-Crisis" kenne ich auch sehr gut. Mit 28 war die "schöne Studienzeit" und die "Wilde Partyzeit" vorbei. Es beginnt damit, dass man ruhiger wird, lieber zu Hause bleibt, gemütlicher wird. Ich habe nach Uniabschluss einige Pfunde zugelegt (bin sie inzwischen fast alle wieder los). Man fragt sich "was will ich im Leben?", Was hat das Leben noch für einen bereit? Ich habe die Doc-Arbeit angefangen und nach 2/3 der Doktorarbeit feststellen müssen, dass mein "Traumjob", doch nicht so ein Traum ist und ich wohl mit diesem Job etwas daneben gegriffen hatte. Man fühlt sich zu alt, um jung zu sein und zu jung, um alt zu sein :knatsch:

In der Lethargie bin ich jedoch noch lange nicht versunken. Die Doc-Arbeit ist bald zu Ende und ich habe etwas gefunden, das ich gerne machen würde, so zu sagen: "einen neuen Traumjob", den ich unbedingt machen möchte und der für mich echt das Richtige sein könnte. Ich denke das grosse Problem ist nicht mal die Quarterlife-Crisis sondern eher die Tatsache, dass es wenig Jobs hat und es heutzutage sehr schwer ist, einen Job zu finden. Das ist es, was mir sehr zu denken gibt. Jedoch: Wer kämpft, der kann verlieren, wer nicht kämpft, der hat bereits verloren.
Ich habe mir eine Liste aufgestellt, was ich beruflich gerne machen würde: Erste Wahl, Zweite Wahl, Dritte Wahl. So bleib ich flexibel und versteife mich nicht auf einen Job, sondern hab auch Alternativen bereit :smirksmile:

Zurück zur Lethargie: ich kenne Leute, denen geht es genau so: totale Schwarzseher und inzwischen Mitte Dreissig total "langweilig" geworden. Keine Spur mehr von Lebensfreude, von Unbeschwertheit, von Verrücktheit, Verspieltheit, kurz: keine Spur mehr vom "inneren Kind": lethargisch, pessimistisch, langweilig, frustriert. Ich habe beschlossen, mich lieber mit anderen: offenen, lebensfrohen Menschen zu umgeben :smirksmile: suche mir nun ein neues Hobby und ganz wichtig: Verliert niemals den Glauben an euch selbst.

Noch was: Gönne dir jeden Tag (!!!) etwas Gutes. Belohne dich täglich (!) für gute Leistungen (eine Aufgabe angepackt zu haben, aufgeräumt haben, usw...), denke immer daran: Was ist mir heute POSITIVES wiederfahren? (Bitte die kleinen Dinge nicht übersehen!). Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa heute geh ich wieder mal shoppen harharhar!

Liebe Grüsse

Elle

Inaktiver User
27.10.2006, 08:54
Elle, schöner Beitrag!

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist sich kritisch zu betrachten und sich darüber klar zu werden was man WILL und was man KANN. Und wohin man damit kommen kann.

Es gibt Leute, die wollen unbedingt Personaler werden, haben aber gar nicht die richtigen Voraussetzungen. Die bekommen auch den Job nicht, den sie wollen, denn sie bewerben sich falsch und der Chef-in-spe merkt das und stellt sie nicht ein. Daher bin ich absolut für eine Schwächen-Stärken-Analyse und eine realistische Betrachtung meiner Ziele: will ich CEO eines weltweit agierenden Unternehmens werden? Oder reizen nur die Millionen, nicht aber die Arbeitszeit? Will ich wirklich PR/Marketing-Frau sein oder denke ich das nur, weil der Job so toll klingt und eigentlich wäre ich als Vertreter / Analyst / .... ? viel besser?

Es gibt so viele Akademiker in der Quarterlife-Crisis (ein sehr gelungenes Wort :smirksmile: , und ich kenn SO VIELE, die betroffen sind!) die einfach blind drauflos laufen anstatt sich erstmal darüber klar zu werden, was aus diesem einen Leben werden solll............. und das liegt aber auch wieder an den einhundert Millionen Angeboten die vorher erwähnt wurden......

Uschi35
27.10.2006, 10:41
Elle, schöner Beitrag!

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist sich kritisch zu betrachten und sich darüber klar zu werden was man WILL und was man KANN. Und wohin man damit kommen kann.


Es gibt so viele Akademiker in der Quarterlife-Crisis (ein sehr gelungenes Wort :smirksmile: , und ich kenn SO VIELE, die betroffen sind!) die einfach blind drauflos laufen anstatt sich erstmal darüber klar zu werden, was aus diesem einen Leben werden solll............. und das liegt aber auch wieder an den einhundert Millionen Angeboten die vorher erwähnt wurden......

Ich finde allerdings auch, daß es sehr schwer ist, sich in jungen Jahren "für's Leben" zu entscheiden.
Nach dem Abitur z.B. war ich definitiv noch zu jung und "un-informiert", um wirklich schon zu wissen, was ich die nächsten Jahrzehnte machen möchte.
Ich glaube, es geht sehr vielen so, denn viele meiner Bekannten bestätigten, hätten sie damals schon mehr gewusst, hätten sie sich für etwas anderes entschieden.
Aber "irgendwo" MUSS es ja erstmal hingehen, also läuft man erstmal mehr oder weniger blind drauf los.
Evtl. mit dem Hintergedanken "Ich kann ja später immer noch was anderes machen", woraus häufig nix wird, weil man sich später nicht mehr aufraffen kann oder das Risiko der AL einfach zu gross ist.

LG
Uschi

Inaktiver User
27.10.2006, 12:46
Ich glaube, es geht sehr vielen so, denn viele meiner Bekannten bestätigten, hätten sie damals schon mehr gewusst, hätten sie sich für etwas anderes entschieden.
Aber "irgendwo" MUSS es ja erstmal hingehen, also läuft man erstmal mehr oder weniger blind drauf los.

Uschi, teils ja teils nein. Denn wenn man eben nicht "blind" drauflos läuft sondern überlegt, dann kann man später auch noch schwanken. Man hatte zumindest schon mal den richtigen Ansatz.
Wenn ich blind Lehramt studiere, "denn irgendwo muss es ja hingehen" und später will ich in die Werbebranche, dann ist ein Quereinstieg (zwar machbar aber) sehr schwer.

Wenn ich zwar nicht weiß was ich "für immer" machen soll, aber sicher bin es soll was mit Grafik oder Werbung sein, dann kann man sich doch erst orientieren, Praktika machen und Berufe recherchieren und zumindest mal in einen Teilbereich gehen. Und sich dann "weiterhangeln"... vom Grafiker zum Zweitstudium und dann Werbeprofi. Oder in die Kommunikation und dann Quereinstieg in ein verwandtes Feld.

Aber du hast recht, man arbeitet in unserer Generation sicher nciht mehr "für immer" irgendwo oder irgendwas. Aber sowas kann man doch auch als Chance ansehen und nicht nur als Manko!

Inaktiver User
27.10.2006, 13:45
Elle, schöner Beitrag!

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist sich kritisch zu betrachten und sich darüber klar zu werden was man WILL und was man KANN. Und wohin man damit kommen kann.

Es gibt Leute, die wollen unbedingt Personaler werden, haben aber gar nicht die richtigen Voraussetzungen. Die bekommen auch den Job nicht, den sie wollen, denn sie bewerben sich falsch und der Chef-in-spe merkt das und stellt sie nicht ein. Daher bin ich absolut für eine Schwächen-Stärken-Analyse und eine realistische Betrachtung meiner Ziele: will ich CEO eines weltweit agierenden Unternehmens werden? Oder reizen nur die Millionen, nicht aber die Arbeitszeit? Will ich wirklich PR/Marketing-Frau sein oder denke ich das nur, weil der Job so toll klingt und eigentlich wäre ich als Vertreter / Analyst / .... ? viel besser?

Es gibt so viele Akademiker in der Quarterlife-Crisis (ein sehr gelungenes Wort :smirksmile: , und ich kenn SO VIELE, die betroffen sind!) die einfach blind drauflos laufen anstatt sich erstmal darüber klar zu werden, was aus diesem einen Leben werden solll............. und das liegt aber auch wieder an den einhundert Millionen Angeboten die vorher erwähnt wurden......


Keesha, du hast Recht. und weisst du, ich denke, viele (Akademiker?) Leute wollen einen Job weil dieser viel Geld bringt und nicht weil er ihnen gefällt und Freude macht. Viele entscheiden sich rein wegen des Geldes für einen Beruf. Aber kein Geld der Welt kann dich glücklich machen wenn du in einem (für dich) stinköden Beruf arbeitest.
Vor allem sollten Menschen mehr Mut an den Tag legen, denke ich.

"Den Wagenden hilft das Glück" (Alexander der Grosse)

@Uschi, richtig. Oft ist es doch so: man lernt Beruf X, merkt, es ist nicht das Richtige, und macht einen Quereinstieg in Beruf Y und 10 Jahre später hockt man doch in Beruf Z. Es ist schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden, wenn man jung ist und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich vergreift, ist gross. Jedoch, sollte man soviel Kraft haben und aktiv bei sich selbst suchen: was kann ich? was liegt mir gut? was gefällt mir? was will ich? wo sind meine Talente?