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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fehlgebissstellung beim Zwergkaninchen



Kurly
19.09.2006, 14:09
Hallo ihr Lieben,

ich habe mir 3 Löwenkopfzwerge angeschafft und musste nun feststellen, dass das eine eine extreme Fehlgebissstellung hat. Die Kaninchen sind jetzt etwa 8 Wochen alt und der Tierarzt riet mir gestern, die Häsin mit dem krummen Kiefer einschläfern zu lassen.

Stand jetzt ist es so, dass sie Heu, Stroh, frisches von der Wiese und Trockenfutter zwar frisst, aber wesentlich kleiner als ihre beiden Geschwister ist und ihr Fell auch garnicht so schön glänzt wie bei den anderen beiden. Ansonsten ist sie wirklich sehr agil und auch lustig und spielt und tollt am meisten von den dreien, wenn sie im Garten sind.

Wer hat Erfahrungen damit? Ist es wirklich besser, sie gleich einschläfern zu lassen oder ist es nicht so schlimm, die Zähne manchmal nachschneiden zu lassen bzw. kann sich das sogar noch bessern? Oder wird sie immer an Nahrungsmangel leiden? Mit Babybrei mag ich sie dann auch nicht füttern, wenn, dann soll sie es schon mit artgerechtem Futter schaffen.

Vielen lieben Dank für euere Antworten vorab
die ratlose Kurly

Inaktiver User
19.09.2006, 14:38
Mein erstes Kaninchen hatte auch eine Fehlstellung.
Ich musste es mit 3 Jahren einschläfern lassen. Leider ist es nicht so einfach, die Kauzähne zu kürzen, meist ist dafür eine (Voll)narkose notwendig, die den Kreilauf belastet. Und das alle paar Wochen. Schließlich wachsen die Zähne in die Backen, schneiden sie auf, das Kaninchen fängt an zu sabbern. Leider meist das erste und späteste Zeichen, dass die Zähne wieder zu lange sind. Es ist daher nicht immer so einfach, festzustellen, wann die Zähne wieder zu lange sind. Das Kaninchen frißt ja scheinbar, weil es am Futter mümmelt, nur nicht genug, um den empfindlichen Verdauungsapparat "am Laufen zu halten und das Gewicht zu halten, wie du ja schon merkst.

Also, Gebissfehlstellungen wirken sich sowohl auf den Verdauungsapparat als auch auf den Kreislauf aus und ich würde daher leider auch zum Einschläfern raten.

Kurly
19.09.2006, 14:57
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Hilft mir sehr und bestätigt was ich mir schon dachte.

Inaktiver User
19.09.2006, 20:06
Kurly, tut mir sehr leid. :blumengabe:

mamakoko
19.09.2006, 20:44
Nicht so schnell! Also mein Kalle hat angeblich auch eine Fehlstellung. Mein alter Tierarzt hat dem armen Kerl alle vier Wochen die Zähne gekürzt! Mir kam das irgendwie wie Geldschinderei vor und ich habe ihn nicht mehr dorthin gebracht. Seit nunmehr 3 Jahren lebt er glücklich und zufrieden. Vielleicht war seine Zahnfehlstellung ja nicht so schlimm wie die von deinem Jedenfalls machte meiner immer einen recht gesunden Eindruck. Du sagst, dass die Kleine so viel kleiner wäre als ihre Geschwister, aber ich habe da noch eine, die nur die Hälfte von ihrer Schwester ist (der Größe nach). Also, dass sie kleiner ist, kann auch an etwas anderem liegen und das Fell kann ja auch einfach eine andere Struktur haben, oder? So lange sie lustig und agil ist, lass sie leben! warum denn ein fröhliches Kaninchenleben beenden? Wenn sie wirklich krank ist kannst du diese Entscheidung immer noch fällen. Und hol dir eine zweite Meinung. Und natürlich täglich Heu und möglichst wenig Getreide. (eigentlich gar keines). Frag doch noch mal im Kaninchenforum (www.kaninchentreff.de)
Viel Erfolg
Frauke

Inaktiver User
20.09.2006, 09:20
Solange es sich bei der Fehlstellung nur um die Schneidezähne handelt, sind die "Auswirkungen" auch nicht so dramatisch. Man kann die Schneidezähne selber kontrollieren. Diese kann man auch ohne Narkose mit so einer Art "Maulzange" (weiß nicht, wie das Ding heißt) kürzen und durch die Gabe von viel zu knabbern (z.B. auch Äste von Obstbäumen, ab und zu hartes Brot, viel Heu) auf einer annehmbaren Länge halten. Möglichst kein Trockenfutter geben, da dieses nicht zum Abrieb der Zähne beiträgt und das Kaninchen somit gezwungen ist, Futter zu fressen, das den Abrieb der Zähne begünstigt. Auf Trockenfutter sollte man ohnehin verzichten. Zwischendurch als "Bonbon" kann man es geben, aber im großen und ganzen braucht kein Kaninchen Körner, Pellets oder gepresste Luzerne in Form von "Grünrollis" und was es da alles so gibt.

Probleme mit den Backenzähnen aufgrund von schiefen Kiefern sind mE allerdings schwerwiegender. Es bilden sich Spitzen und Haken, die die Mundschleimhaut und die Zunge verletzen, es bilden sich schwere Entzündungen, schließlich sogar Tumore (bei meinem Kaninchen war das der Fall). Da Kaninchen stille Leider sind und man ihnen kaum anmerkt, dass sie sich nicht wohlfühlen, da sie nach "außen" munter erscheinen, ja, auch fressen, ist eine genau Beobachtung des Tieres wichtig. Bei einem Kaninchen, das nicht ausreichend frißt, besteht Lebensgefahr. Und fängt das Kaninchen zu sabbern an, ist zumindest der Darm schon nachhaltig geschädigt. Von den Verletzungen im Maul nicht zu sprechen. Folgeerkrankungen wie Kokzidiose sind auch möglich, wenn der auf ständige Zufuhr von Futter angewiesene Verdauungstrakt des Kaninchens "leer" ausgeht oder ungenügend mit Nachschub versorgt wird.

Ich persönlich halte es für falschverstandene Tierliebe, das Häschen nicht einzuschläfern, da der Tierarzt ja schon einen krummen Kiefer und nicht nur eine Zahnfehlstellung diagnostiziert hat. Es wird defintiv alle dieser Folgeerkrankungen aufgrund des schiefen Kiefers bekommen. Ich halte das für eine Quälerei.

LG
Bim

Welli24
20.09.2006, 09:34
ich würde auch zum Einschläfern raten -
alles andere verlängert das Leid auf beiden Seiten!

Kurly
20.09.2006, 10:21
ich habe das Kaninchen gestern abend einschläfern lassen und weiß, dass es die richtige Entscheidung war, auch wenn es mir sehr sehr schwer gefallen ist.

@mamakoko: mein Tierarzt ist keiner, der unnötig Tiere einschläfert, ganz sicher nicht. Er hat als Tierarzt mein vollstes Vertrauen, der erste Tierarzt übrigens: ich habe schon mein Leben lang Tiere und war schon bei vielen Tierärzten. Mir war gestern nur so schwer ums Herz, weil ich wusste, dass Einschläfern der einzige Weg ist. Bim hat meine Gedanken bestätigt. Ich habe schon viele "Problemfalltiere" trotz allem durchgebracht, musste aber auch schon ein paar Mal die Entscheidung treffen, ein Tier einschläfern zu lassen, um sein Leid zu beenden.