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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie verzeiht man?



sonnenschein07
17.09.2006, 16:44
Hallo, ich habe jetzt längere Zeit mitgelesen … komme mit meinem Problem aber nicht so recht weiter.

Ich bin 44, seit 7 Jahren verheiratet und habe 2 Kinder (7 und 12). Meine Ehe steckte im Jahr 2004 in einer schweren Krise, mit dem Ergebnis, dass mein Mann im Januar 2005 eine kurze Affäre mit einer Exfreundin hatte (mit dem üblichen „drum-herum-gelüge“: der so genannte Seitensprung).

Natürlich bin ich dahinter gekommen.

Nach heftigen Auseinandersetzungen, dem heulenden Elend, tagelangem Wälzen der einschlägigen Literatur zu diesem Thema, Gesprächen mit Freunden (was man dann halt so macht) usw. haben wir uns entschlossen, unserer Ehe noch eine Chance zu geben. Wir haben viel geredet, sind uns dabei möglicherweise näher gekommen als in den vielen Jahren zuvor. Ich sehe meine eigenen Anteile daran, wie dies hat passieren können etc., etc. ….

Mein Problem ist einfach: ich kann ihm nicht verzeihen!! Immer wieder kocht das Thema bei mir hoch, ich habe massive Probleme damit zu Recht zu kommen und stelle mir selber immer wieder die Frage: wie konnte er unsere Ehe und die Familie für ein kurzes Vergnügen aufs Spiel setzen?

Es geht dabei gar nicht um die Frage, ob ich ihm wieder vertrauen kann. Ich möchte eigentlich nur wissen: wie verzeiht man? Oder verzeiht man das nie? Ich möchte ihm aber verzeihen …. Und kann irgendwie nicht.

Und dann denke ich mir immer wieder: das ist doch schon so lange her … wir haben das immer und immer wieder durchgekaut. Aber das sitzt wie ein Stachel. Und geht nicht weg!

Kennt das jemand?

Inaktiver User
17.09.2006, 16:51
Hallo, Sonnenschein,

was ich in deiner Erzählung vermisse, ist dein eigener Anteil an der Entwicklung, die zum Seitensprung deines Mannes geführt hat.

Kann es sein, dass du da eine eigene (Mit-)Schuld noch verdrängst und die Schuld allein bei deinem Partner suchst?

Verzeihen fällt leichter, wenn man seine eigenen Anteil auch erkennt.

sonnenschein07
17.09.2006, 17:02
Hallo Joanna,

die Situation war die, dass ich Anfang 2004 eine Fehlgeburt hatte, die mich hat massiv abstürzen lassen, zumal ich fand, dass mein Mann sich da sehr, sehr wenig um mich gekümmert hat, obwohl er eigentlich hätte sehen müssen, wie schlecht es mir ging.

Unser ältester Sohn hatte zudem massive Schulprobleme (Ende 2004 wurde dann ADS diagnostiziert), das Unternehmen meines Mannes war von der Insolvenz bedroht (weshalb er natürlich sehr wenig Zeit für die Familie hatte), ich habe ca. 45 Stunden die Woche gearbeitet und konnte mich eigentlich um nichts kümmern.

Ich habe dann oft sehr viel Wein getrunken, gestritten, gestritten, gestritten - bin sehr oft sehr beleidigend und (mit Worten) verletzend gewesen ... und war eine Zumutung für die gesamte Familie.

In so fern überrascht es nicht, was dann passiert ist.

Und trotzdem ....

Ypnowoman2
17.09.2006, 17:15
Hallo Sonnenschein
das einzige was dir, meiner Meinung nach, helfen könnte, ist klar mit deinem Mann darüber zu reden. Du kannst nicht verzeihen weil du wütend bist Ihr habt viel geredet und du hast deinen Anteil eingesehen, du hast aber anscheinend etwas vergessen: deiner Wut und deiner Enttäuschung darüber Luft zu machen. Das gehört unbedingt zu einer Verarbeitung dazu!
Sage ihm das erst in voraus und in Ruhe, sodass er sich "vorbereiten" kann und es aushält... und dann schieß los. Mach ihn fertig. Einmal, aber dann richtig!!!
Ich könnte mir vorstellen, danach wirst du einen Heulkrampf kriegen und er wird dich in den Arm halten. Ab da geht es aufwärts - inklusive verzeihen.
Trau dich. Es tut gut.

Inaktiver User
17.09.2006, 17:20
Hallo Joanna,

die Situation war die, dass ich Anfang 2004 eine Fehlgeburt hatte, die mich hat massiv abstürzen lassen, zumal ich fand, dass mein Mann sich da sehr, sehr wenig um mich gekümmert hat, obwohl er eigentlich hätte sehen müssen, wie schlecht es mir ging.

Unser ältester Sohn hatte zudem massive Schulprobleme (Ende 2004 wurde dann ADS diagnostiziert), das Unternehmen meines Mannes war von der Insolvenz bedroht (weshalb er natürlich sehr wenig Zeit für die Familie hatte), ich habe ca. 45 Stunden die Woche gearbeitet und konnte mich eigentlich um nichts kümmern.

Ich habe dann oft sehr viel Wein getrunken, gestritten, gestritten, gestritten - bin sehr oft sehr beleidigend und (mit Worten) verletzend gewesen ... und war eine Zumutung für die gesamte Familie.

In so fern überrascht es nicht, was dann passiert ist.

Und trotzdem ....

Darf ich es mal anders formulieren?

Du warst über 40, als du schwanger wurdest, da ist es nicht ungewöhnlich, auch mal eine Fehlgeburt zu haben. (Und glaub mir, ich weiß, wovon ich rede...)

Du hast bereits zwei Kinder, also musstest du nicht unbedingt in ein tiefes Loch fallen. Ich sag mal provokant, du hast dich fallen lassen. Also deine Familie vermutlich vernachlässigt, den Mann und die Kinder, und stattdessen erwartet, dass man auf dich eingeht, weil es dir ja soooo schlecht geht. Sorry, wenn ich das so hart formuliere.

Deinem Mann ging es auch nicht gut, den Kindern offenbar auch nicht, aber du warst nur gekränkt, weil man dir deiner Ansicht nach nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet hat. Dein Mann hat gegen die drohende Insolvenz zu kämpfen gehabt, um die Familie zu sichern, und du erwartest, dass er sich stattdessen um etwas kümmert, was ohnehin nicht mehr zu ändern ist.

Wenn du dich nach einer Fehlgeburt so in ein Loch stürzt, incl. Alkohol, dann musst du erst einmal mit dir selbst ins Reine kommen. Trauern kann man nur, wenn man seine Situation annimmt, nicht wenn man sie mit allem Möglichen übertüncht. Und dann kannst du vielleicht auch deinem Mann verzeihen, der sich vermutlich ebenso im Stich gelassen gefühlt hat wie du selbst.

sonnenschein07
17.09.2006, 17:35
Hallo Joanna,

Respekt: deine Analyse ist ziemlich zutreffend. Und mit Sicherheit nicht eine Situation / ein Verhalten, dass mich mit Stolz erfüllt.

Vom Verstand her kann ich das auch verarbeiten. Nur der Bauch und das Herz zieht nicht mit. Leider!

Inaktiver User
17.09.2006, 17:42
Du hast bereits zwei Kinder, also musstest du nicht unbedingt in ein tiefes Loch fallen. Ich sag mal provokant, du hast dich fallen lassen. Also deine Familie vermutlich vernachlässigt, den Mann und die Kinder, und stattdessen erwartet, dass man auf dich eingeht, weil es dir ja soooo schlecht geht. Sorry, wenn ich das so hart formuliere.



dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.

Inaktiver User
17.09.2006, 17:47
dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.

Liebe Emily,

alles zu seiner Zeit. Und wenn man immer nach hinten sieht statt nach vorne, macht man Fehler. Dass es auch anders geht, weiß ich aus eigener Erfahrung.

Inaktiver User
17.09.2006, 17:53
Hallo Joanna,

Respekt: deine Analyse ist ziemlich zutreffend. Und mit Sicherheit nicht eine Situation / ein Verhalten, dass mich mit Stolz erfüllt.

Vom Verstand her kann ich das auch verarbeiten. Nur der Bauch und das Herz zieht nicht mit. Leider!


Sonnenschein, WAS für einen Schuh ziehst du dir da nur an?
Es ist gut, wenn man seine eigenen Anteile sieht wenn etwas schief läuft in einer Beziehung, d. h. aber nicht, dass du wirklich alles auf DEINE Schultern laden musst.
Ganz egal wieviel Kinder du schon hast, die Anzahl der schon vorhandenen Kinder mindert nicht das Leid, welches man bei einer Fehlgeburt erfährt, das rede dir bitte nicht ein und lasse dir auch nicht einreden!
Es ist ein tiefer Einschnitt ins Leben, der sehr sehr viele Frauen! verzweifeln lässt und ALLE diese Frauen sind dann auf Mann und Familie, auf ihre Unterstützung angewiesen - und das ist auch ganz normal.
Von dir in solch einer Situation zu verlangen, dass DU dich dann noch um Familie und Mann kümmerst, du SIE unterstützt, trotz Fehlgeburt, 45 Stunden Woche und üblichen Haushaltskram, ist das letzte!
Und Sonnenschein, das was DU von dir selber verlangst und was andere dir einreden mögen - das schaffen auch andere nicht!

Irgendwann gehen die Kräfte zu Ende, auch deine! dich haben sie leider zum Alkohol greifen lassen.
Meiner Meinung nach suchst du zu viel Schuld bei dir selber, redest dir selber ein und lässt es dir hier leider auch noch einreden, nicht perfekt "funktioniert" zu haben.

Ich empfehle dir, deinetwillen, dass Gespräch mit einem Therapeuten suchen, erst einmal alleine, später vielleicht eine Paartherapie.

Inaktiver User
17.09.2006, 17:53
dann sage ich auch mal was hart und provokant: DAS ist Bullshit erster Güte!
Ganz egal wieviele Kinder man schon hat! JEDE Fehlegeburt kann einen abstürzen, einen verzweifeln lassen.
Und ja, eine Frau kann sehr wohl erwarten, dass Mann und Familie sich dann um sie kümmern! und NICHT umgekehrt sie sich in dieser Situation auch noch um Familie und Insolvenz.

Im Übrigen habe ich nicht gesagt, sie hätte sich um die Insolvenz kümmern müssen. Aber dass ihr Mann nicht die Insolvenz ignoriert, um sich seiner Frau zu widmen, ist seine Verpdlichtung gegenüber der Familie.

Inaktiver User
17.09.2006, 17:59
Joanna, wenn ich solche Sachen hier lese, wie von dir

"Dein Mann hat gegen die drohende Insolvenz zu kämpfen gehabt, um die Familie zu sichern, und du erwartest, dass er sich stattdessen um etwas kümmert, was ohnehin nicht mehr zu ändern ist."

echt, da wird es mir schlecht!

Wenn Sonnenschein in etwa mit solche einer Einstellung zu kämpfen gehabt hat, wie du sie hier an den Tag legst, dann wundert es mich in keiner Weise, dass sie total abgestürzt ist!

Inaktiver User
17.09.2006, 18:07
Sorry, Emily, das sehe ich anders.

Fehlgeburten passieren und sind nicht zu verhindern. Eine drohende Insolvenz, die eine ganze Familie ins Unglück stürzen kann, lässt sich evtl. abwenden. Ich will damit nicht sagen, sonnenschein sollte die Fehlgeburt verdrängen (was sie meiner Meinung nach aber getan hat), sondern sie sollte die Trauerarbeit um ein Ungeborenes leisten und dann nach vorne sehen, im Interesse der Lebenden, die auch einen Anspruch auf ihre Zuwendung haben, ob das jetzt ihr Mann oder ihre Kinder sind.

Das ist übrigens meine persönliche Erfahrung, und ich bin nicht abgestürzt.

Ergänzung: als ich nach einer Fehlgeburt im Krankenhaus lag, habe ich den Chefarzt gebeten, mich möglichst schnell wieder nach Hause zu meiner Familie zu lassen, weil ich allein aus deren Anwesenheit Trost schöpfen konnte.

Cook3
17.09.2006, 18:08
Sonnenschein,

ich liege in etwa auf der Linie wie Joanna.
Wobei ich "Verzeihung" immer als etwas empfinde, das man im Allgemeinen von einem höheren moralischen Sockel aus erteilen will. Besonders dann, wenn man sich nicht mit dem Eigenanteil an der Situation beschäftigen will und den Partner in die emotionale Schuldnerschaft drängen möchte.
Das ist keine Partnerschaft, das ist ein Oben und Unten, das durch die Verzeihung zementiert werden soll.

Das bringt eine Beziehung nicht weiter. Meiner Meinung nach wäre es richtiger, sich selbst zu hinterfragen, ob ich unter den gegebenen Umständen mit diesem Menschen weiterleben möchte.
Wenn ja, ist verzeihen nicht notwendig, weil ich das ja für mich möchte. Wenn nicht, sollte man sich trennen.
Entscheidend ist, daß Du Dir absolut klar darüber bist, was Du für die Zukunft willst.

Cook3

sonnenschein07
17.09.2006, 18:11
Also, ich möchte hier nun wirklich keine Debatte darüber lostreten: wie geht man mit einer Fehlgeburt angemessen um.

Das ist von Frau zu Frau sicherlich sehr unterschiedlich ... in den meisten Fällen aber eine ziemliche Tragödie.

Die Fehlgeburt in 2004 hat mich völlig unvorbereitet getroffen. Meine vorherigen Schwangerschaften waren ein Spaziergang. Ich bin im Mai 2005 wieder schwanger geworden ... und habe das Kind in der 20. SSW verloren.

Durch ein Forum habe ich sehr viel Kontakt zu Frauen in einer ähnlichen Situation gehabt. Und da geht mehr als eine Partnerschaft den Bach hinunter.

Auch eine Therapie (zunächst eine Krisenintervention) habe ich danach angefangen.

In dieser Situation - bzw. danach - war mein Mann übrigens die gesamte Zeit für mich da und hat fast 4 Wochen von zu Hause aus gearbeitet (also lernfähig).

Aber darum ging es mir bei meiner Fragestellung eigentlich gar nicht.

Ich weiß, ich habe mich nicht korrekt verhalten ... das Dumme ist nur, ich konnte es damals auch nicht.

Nun denn, die Frage lautete ja eigentlich: wie verzeiht man?

Inaktiver User
17.09.2006, 18:19
Sonnenschein, so ist es, jede Frau geht anders damit um, verarbeitet das anders- es gibt kein: ich habe bin aber sofort entlassen worden, habe dies und das....man kann nicht alle über einen Kamm scheren.
Soviel dazu.
Das was ich in meinem letzten längeren Posting geschrieben habe, sind alles Faktoren (du selber verzeihst dir nicht, suchst zu viel Schuld bei dir usw.), die möglicherweise ein Verzeihen verhindern.
Manche Menschen können sowas auch ganz einfach nicht verzeihen.
Ein Patentrezept gibt es nicht, ich glaube immer noch, dass du die beste Hilfe bekommst, wenn du dir da professionelle Beratung holst.
Alles Gute für dich! :-)

schneeflocke46
17.09.2006, 18:30
Liebe Sonnenschein,

ich glaube, wenn man jemandem verzeihen will, dann muss man zunächst einmal sich selbst verzeihen.
Verzeih dir selbst, dass du dich in dieser Situation nicht anders verhalten könntest.
Verzeih dir, dass du Hilfe gebraucht hast und nicht unterstützen konntest.
Nimm an, dass du vieles gebraucht hättest, was dir nicht gegeben wurde.
Nimm deinen eigenen Schmerz an, deine Trauer ... aber auch die Dinge, die du als dein Versagen ansiehst.

Wenn du dir wirklich verzeihen kannst ... dann hast du den Boden geschaffen, auch deinem Mann verzeihen zu können.

Und ... ich glaube, dass es sehr hilfreich ist, wenn er dich wahrhaft um Verzeihung bittet ... so dass für dich spürbar wird, wie leid es ihm tut, und dass er nicht mehr diesen Weg der Flucht gehen wird.

Ich kann gut nachfühlen, wie es dir geht und wünsche dir viel Kraft auf dem Weg, die Vergebung zu lernen.

Ich glaube, dass ist DIE Aufgabe des Lebens überhaupt:
Sich und anderen zu vergeben !

Herzliche Grüße,
Schneeflocke

Inaktiver User
17.09.2006, 19:24
Liebe Sonnenschein,

ich glaube, wenn man jemandem verzeihen will, dann muss man zunächst einmal sich selbst verzeihen.
Verzeih dir selbst, dass du dich in dieser Situation nicht anders verhalten könntest.
Verzeih dir, dass du Hilfe gebraucht hast und nicht unterstützen konntest.
Nimm an, dass du vieles gebraucht hättest, was dir nicht gegeben wurde.
Nimm deinen eigenen Schmerz an, deine Trauer ... aber auch die Dinge, die du als dein Versagen ansiehst.

Wenn du dir wirklich verzeihen kannst ... dann hast du den Boden geschaffen, auch deinem Mann verzeihen zu können.

Und ... ich glaube, dass es sehr hilfreich ist, wenn er dich wahrhaft um Verzeihung bittet ... so dass für dich spürbar wird, wie leid es ihm tut, und dass er nicht mehr diesen Weg der Flucht gehen wird.

Ich kann gut nachfühlen, wie es dir geht und wünsche dir viel Kraft auf dem Weg, die Vergebung zu lernen.

Ich glaube, dass ist DIE Aufgabe des Lebens überhaupt:
Sich und anderen zu vergeben !

Herzliche Grüße,
Schneeflocke

@Schneeflocke,
ich kann Dir einfach nur absolut und unumwunden zustimmen. Danke für die klare und eindeutige Formulierung. Sich selbst verzeihen, ist der allererste Schritt und das schwierigste...

Für mehr Literatur dazu kann ich Gerald Lempolsky... oder so empfehlen: Verzeihen ist die größte Heilung.

Liebe Grüße
nathaliethor

Inaktiver User
17.09.2006, 20:07
Du hast bereits zwei Kinder, also musstest du nicht unbedingt in ein tiefes Loch fallen. Ich sag mal provokant, du hast dich fallen lassen. Also deine Familie vermutlich vernachlässigt, den Mann und die Kinder, und stattdessen erwartet, dass man auf dich eingeht, weil es dir ja soooo schlecht geht. Sorry, wenn ich das so hart formuliere.

Selten habe ich einen derart taktlosen und verächtlichen Beitrag in dieser Comm gelesen. Daran ändert auch das "Sorry" nichts.

@ Emily: :allesok:

Inaktiver User
17.09.2006, 20:49
@Johanna

da stimm ich dir 100% zu. Wie kann man nur so gefühlskalt sein. Jetzt heißt es am Ende noch der arme Mann konnte ja nicht anders reagieren. Wo ist der kotzsmiley.

lg Krebs

Autumn
17.09.2006, 20:54
@ sonnenschein

Ich kämpfe gerade mit dem gleichen Problem wie Du - zumindest in einer ähnlichen Form.

Folgendes ist in meiner Beziehung passiert:

Mein Lebensgefährte und ich haben uns vor längerem mal über einen Dreier unterhalten (was hier eigentlich nichts zur Sache tut, aber wichtig ist, um meine Geschichte zu verstehen). Mein Freund hätte das sehr gerne mal mit einer anderen Frau probiert und ich hatte eigentlich keine Einwände.

Für mich war jedoch klar, dass so etwas noch Zeit brauchte, denn mein Vertrauen in ihn war noch nicht so gefestigt, als dass ich so ein Vorhaben hätte durchführen können. (Und ich dachte eigentlich, er wüsste das...) Für ihn hörte sich das aber scheinbar nach einem "ok" an. Also fing er hinter meinem Rücken etwas mit einer gemeinsamen Freundin an, die aber kein Interesse an einem Dreier hatte und als er mich noch einmal darauf ansprach, sagte ich ihm ebenfalls, dass es für mich mit dieser Freundin nicht in Frage käme (er hatte mir seine "Affäre" verschwiegen).

Das Problem dabei war, dass sich die Beiden bereits ineinander verliebt hatten und sie die Sache zwar wieder beenden wollten, weil es ja keine Aussicht auf Erfolg gab, aber das halt nicht so gut hinbekamen. Letzendlich wurde die Sache aber beendet und war damit abgeschlossen.

Nun fand ich danach durch einen "dummen" Zufall heraus, dass mein Freund mich mit ihr betrogen hatte. Ich stellte ihn zur Rede und er erklärte mir, warum es dazu gekommen war. Auch sagte er mir, dass es für ihn zu keiner Zeit ein Thema gewesen wäre, mich zu verlassen, noch hätte er mich weniger geliebt etc. Er hätte mich ja eigentlich dabei haben wollen..

Trotzdem. So wie bei Dir sind die Gründe offen dargelegt, warum es dazu kam. Trotzdem fällt es mir ebenfalls unheimlich schwer, darüber hinweg zu kommen, dass ich nicht die "Einzige" war, dass er genau wusste, ich reagier auf Fremdgänge extrem allergisch, dass er so egoistisch handeln musste und meine Gefühle außer Acht gelassen hat.

Ich habe mir dann Bücher geholt, von Hans Jellouschek: "Warum hast Du mir das angetan - Untreue als Chance", was ich Dir auch ans Herz legen würde, sowie auch ein zweites Buch von ihm: "Liebe auf Dauer". Auf Dich passen sie sicher besser als auf mich, weil mein Fall einfach zu ungewöhnlich ist, aber es hat wenigstens etwas geholfen, weil man sich mit dem Thema beschäftigt - und zwar sowohl subjektiv, als auch objektiv.

Eine weitere Sache, die mir geholfen hat und die vielleicht ungewöhnlich erscheint, ist die Homöopathie. Wenn Du einen guten Arzt hast, dann können Dich Stoffe wie z.B. Sulfur wieder auf den Boden der Tatsachen bringen.

Verzeihen kann man meiner Meinung nach nicht von heute auf morgen. Ich kann sowieso nur sehr schwer verzeihen. Ich bin eher der Typ, der immer wieder in der Vergangenheit rumwühlt, auch wenn ich weiß, ich sollte es nicht. Es ist masochistisch (schreibt man das so...??). Trotzdem. Ich kann es nicht ändern.
Ich habe für den letzten Betrug, den ich erfahren habe, drei Jahre gebraucht, bis ich es überwunden hatte. Ich hoffe von ganzem Herzen, es wird diesmal nicht so lange dauern wird...

Alles Liebe

sonnenschein07
17.09.2006, 21:08
Nochmal ganz kurz zu dem was Joanna geschrieben hat: sie hat auch ihre eigene Geschichte. Und da sieht man die Dinge vielleicht etwas anders.

Man kann da sicherlich geteilter Meinung sein: aber es ist eine Meinung, auch wenn ich sie nicht vollständig teile.

Inaktiver User
17.09.2006, 21:12
Mit Homöopathie würde ich vorsichtig sein, es muss zu der Person passen. Mir hat z.B. geholfen Natrium chloratum in hoher Potenz wo ich immer den Zustand einer verstopften Nase hatte. Im übertragenen Sinn, sie hatte die Nase voll.

Bücher habe ich verschlungen, aber keins konnte mir irgendwie helfen. Man liest es in der Therorie, aber mit dem Umsetzen hat es nicht so geklappt. Im Kopf kann alles möglich sein, aber die Seele spielt nicht mit.

Ich hatte zwar bei der Affäre meines Mannes kein Kind verloren, aber beide Elternteile innerhalb von 4 Monaten.

Liebe Grüße

Krebs

sonnenschein07
17.09.2006, 21:13
@autumn

Ich verstehe nicht ganz: wenn Untreue, Verzeihen und "Wühlen in der Vergangenheit" für dich so ein Thema sind, wieso kannst du dann allen Ernstes auch nur in Betracht ziehen, eine Dreiecksgeschichte aufzubauen?

Ich meine: jedem das seine, für mich käme das absolut nicht in Frage, weil ich Intimität (in diesem Fall sexuelle Intimität) nur mit dem Mann teilen möchte, den ich liebe. Vielleicht altmodisch, aber ich hätte immer das Gefühl vor allem mir selber nicht treu zu sein.

Was ist jetzt aus der Sache geworden?

sonnenschein07
17.09.2006, 21:14
Bücher habe ich verschlungen, aber keins konnte mir irgendwie helfen. Man liest es in der Therorie, aber mit dem Umsetzen hat es nicht so geklappt. Im Kopf kann alles möglich sein, aber die Seele spielt nicht mit.


@krebs

Oh, wie gut kann ich dich verstehen

Autumn
17.09.2006, 21:24
@ Krebs:
Ja klar, Homöopathie muss man auf jeden Fall auf jedes Individuum abstimmen. Das ist klar.
Und was die Bücher angeht. Mir hat es in sofern geholfen, dass ich mich mit dem Thema auch etwas objektiver beschäftigen konnte. Auch von anderen Frauen weiß ich, dass manche Bücher ihnen extrem geholfen haben. - Ich denke, es ist auf jeden Fall ein Versuch wert. Sie kosten ja nicht die Welt..

@sonnenschein:
Die Dreiecksgeschichte ist absolut kein Thema zur Zeit, das kannst Du mir glauben! Ich habe ihm auch klar gemacht, dass es sicherlich keine gute Idee ist, mir eine Dame vor die Nase zu halten und zu sagen: "guck, die da!". Und dass er vorher mit der Dame seiner Wahl auch noch ins Bett geht - oh no! Absolutes No-Go!
Generell stehe ich dieser Sache recht offen gegenüber. Dass dazu ein gehöriges Maß an Vertrauen gehört, das derzeit absolut nicht vorhanden ist, ist klar. Und er weiß auch, dass es sich vielleicht irgendwann mal ergeben kann, aber vielleicht auch nicht. Das wird zukünftig in meiner Hand liegen. - Diese Dreierbeziehung steht auf keinen Fall im Vordergrund.

Die Sache mit dem Wühlen in der Vergangenheit ist eine Sache, die ich versuche abzustellen. Allein, um nicht wieder drei Jahre zum Verarbeiten zu brauchen, denn es belastet mich ja. Aber das ist ganz schön schwer..

Inaktiver User
17.09.2006, 21:25
Wer sich mit Homöopathie beschäftigt, sieht den ganzen Menschen mit seinen Charakterzügen und Schwächen und Stärken. Die Seele spielt eine wichtige Rolle darin. Aus diesem Grund können sich die allermeisten Allgemeinmediziner nicht reinversetzen, dass es hilft.

Und gerade feinfühlige Menschen, die nicht aus ihrer Haut können, können mit der Homöopathie sehr große Fortschritte machen. Wer schluckt schon gern Psychopillen.

War jetzt kein Beitrag für die Homöopathie, aber mir hat sie auch sehr gut geholfen, gerade in de schwierigen Zeit des Verlustes und der Trauer.

Lg Krebs

Autumn
17.09.2006, 21:28
@ Krebs
genau. Mir hats auch geholfen. Auch im Thema verzeihen.

Inaktiver User
17.09.2006, 21:38
Nur mal zur Info: habe Bücher gelesen: Warum hast du mir das angetan, Wege aus der Grübelfalle, Die Kunst zu verzeihen, Wie Partnerschaft gelingt. Aber meint ihr ein Buch hätte mich aus dem Grübeln und den Minderwertigkeitskomplexen rausgeholt nur weil ich es gelesen habe. Neeeeeeeee die Seele spielt da nicht mit, der Verstand vielleicht.

Lg Krebs

Agnes56
17.09.2006, 22:04
Lieber Sonenschein,
ja, ja, ja, ja ich kenne das.

Bei uns passierte selbiger Seitensprung nach 30 Ehejahren und drei Kindern. Ich habe alle Stadien der Verzweiflung durchgemacht, alle Fürs und Widers bedacht, alle Erkärungsversuche durchgekaut ... das war der Kopf. Was lange, lange blieb war das elende Gefühl verraten worden zu sein, die Unfassbarkeit, dass mein Mann mich so weit vergessen konnte, dass so etwas geschah. Auch seine Versuche, mir zu erklären, wie er sich fühlte, was er empfand verschwanden immer wider unter meiner Furcht, dass es nochmals geschehen würde, meinem absoluten Nicht-Verstehen-Können, wie das jemandem passieren konnte, der immer gesagt hatte 'Einmal untreu, dann ist Schluss, ich könnte es nie verzeihen'. So dumm es sich auch anhört, es wäre auch jetzt so, weil er nicht stark genug wäre die Erinnerungen zu ertragen und darum auch nicht verzeihen könnte.

Wenn es dich tröstet, es wird besser. Es hat mehr als zwei Jahre gedauert, aber ich kann jetzt zurückdenken ohne zu heulen, ohne Wutausbrüche zu bekommen.
Ich kann langsam den Blick wenden auf die Dinge, die sich in unserer Ehe dadurch gebessert haben und das sind einige. Man muss wirklich die Lehren daraus ziehen, aber wenn beide die Beziehung wirklich wollen, lohnt es sich auch daran zu arbeiten.
Ich war dieses Wochenende mit Kolleginnen 3 Tage weg. Ein leise nagender Zweifel ist immer noch, ganz ganz leise, aber er hindert mich nicht mehr daran, mich wieder von zu Hause zu entfernen aus Angst, es könnte etwas passieren.

Glaube einfach daran, dass es gut wird, sonst zerstören die Zweifel euren Fortschritt.
Ich habe mir oft selber gesagt, 'guck nicht zurück, guck nicht nach vorne, guck auf das, was jetzt ist. Er ist hier, bei mir, machen wir das Beste drauss. Wenn es nochmals passieren sollte, ist sowieso Schluss. Nochmals würde ich es nie verzeihen.'
Also, schau auf's jetzt, das hilft. Und glaube mir, der Schmerz flacht nach und nach ab. Die ganze Grübelei hilft nur am Anfang weiter, danach schadet sie nur!

Alles Liebe
Agnes56

Lena1234
18.09.2006, 09:35
Hallo Sonnenschein!
Ich denke mal verzeihen geht nur wenn man es auch tut.
Das heißt nach vorne kucken und nicht dauernd in der Vergangenheit rumwühlen wenn du dich dazu entschlossen hast mit deinem Partner weiterzuleben.
Man braucht vor allen Dingen Mut wieder zu vertrauen. Du weißt warum dein Mann alles aufs Spiel gesetzt hat und du weißt auch dass du daran auch deinen Anteil hast. Habe den Mut zu glauben dass dein Mann ehrlich zu dir ist. Ich weiß dass das schwer ist und man tierische Angst hat wieder so hintergangen zu werden. Aber es klappt wenn man es riskiert mutig zu sein.

Liebe Grüße,
Lena

sonnenschein07
18.09.2006, 10:56
Hallo Lena,

im Grunde ist nicht so sehr das Vertrauen das Problem. Ich vertraue meinem Mann und bin auch nach anfänglicher Handy-Schnüffelei (schäm) nicht ein Mensch mit Kontrollzwang.

Mir ist absolut klar, welchen Anteil ich an der ganzen Geschichte hatte ... wer weiß, wie ich an seiner Stelle reagiert hätte.

Und heute ist z.B. wieder ein Tag, da geht es ganz gut. Es ist ja nicht so, dass ich pausenlos über diese Geschichte nachdenke.

Es ist nur so, dass dieses Thema sporadisch immer wieder hochkocht und ich mich einfach frage, ob das immer so sein wird oder ob ich irgendwann einmal sagen kann: das ist passiert, es hat mir großen Kummer bereitet aber es ist vorbei.

Lena1234
18.09.2006, 11:04
Hallo Sonnenschein!
Bei mir kommts immer mal wieder hoch wenn meine ganze Tagesverfassung nicht die beste ist. Am schlimmsten ist es wenn ich kurz vor meinen Tagen bin. Da bin ich meistens nen seelisches Wrack. Aber mittlerweile weiß ich das und bin vorbereitet wenn die Zweifel mal wieder größer sind und ich mehr rückwärts als vorwärts schaue.
Um dann besser damit umgehen zu können werfe ich mich in die Arbeit oder lenke mich irgendwie anders ab. Und, und das finde ich am wichtigsten, ich sage meinem Mann dass ich mal wieder etwas empfindlicher bin. Er hat da immer Verständnis für. Nach 20 Jahren weiß er schließlich um meine Macken ;-)
Ich denke mal dass das immer weniger hochkommt, je mehr Zeit vergeht. Unsere *Sache* ist jetzt etwas über ein Jahr her ...

Liebe Grüße,
Lena

Lovesongs
18.09.2006, 12:36
Ich finde auch, dass es das Schwierigste ist wieder voll zu vertrauen. An manchen Tagen - wie du sagst Lena - kocht alles hoch und ich frage mich auch, du hast es damals nicht richtig gemerkt als er dich betrog (bis auf ein seltsames Gefühl in der Magengegend, hattet ihr das auch??), würdest du es heute merken? Meistens gelingt es mir, im hier und jetzt zu leben und das viel schöner gewordene gemeinsame Leben aufzunehmen.

Liebe Sonnenschein:
Zum Thema Verzeihen:
Wenn der Partner den ersten schweren Vertrauensbruch begangen hat, kann man vielleicht gut verzeihen, indem man sich klar macht, er hat Fehler, er hat richtig großen Mist gebaut, er sieht das aber jetzt und ich kann ihm eine zweite Chance geben, weil ich ihn liebe. Es muss einem wohl aber ein innerer starker Wunsch sein, den Partner auch mit diesem Verhalten nehmen zu können. Es gehört zu ihm. Trotzdem darfst du richtig wütend sein und es ihm klar machen, auch dass du ihm das nicht ein zweites Mal durchgehen lassen würdest. Ich habe mich damals richtig gehend "ausgekotzt", gebrüllt, geschimpft,... Natürlich hat es nichts geändert. Meine Wut war aber verraucht und ich war ruhiger.

Inaktiver User
18.09.2006, 15:17
hallo sonne

wie sich gefühle gleichen :smirksmile:

ich hoffe ich habe es jetzt nicht überlesen, was genau kannst du nicht verzeihen?
oder besser gefragt, was tut dir am meisten weh?
dass es deine freundin war, der seitensprung an sich, oder der zeitpunkt?

lieber gruß, evchen

sonnenschein07
18.09.2006, 16:30
Hallo Evchen, so sieht man sich wieder.

Also erstens, es war nicht eine meiner Freundinnen, sodern eine der Ex-Freundinnen meines Mannes.

Der Zeitpunkt: vielleicht ein Bisschen, weil ich mich an Silvester entschlossen hatte meine Ehe nicht aufzugeben und von da an massiv viel für sie getan habe. Für den Tag, als die Geschichte passierte, hatte ich sehr begehrte Theaterkarten besorgt. 2 Tage vorher sagte mir mein mann, er müsse aber an dem Tag zu einem wichtigen geschäftlichen Termin ins Ausland. Na ja, war dann doch wohl eher ein "geschäftiger" Termin.

Gute Frage: was tut am meisten weh?

Wir hatten trotz aller Krisen immer eine unglaublich erfüllende und leidenschaftliche Sexualität. Getragen sowohl von sehr viel Liebe, aber auch viel gegenseitigem Begehren und Erotik. Eine Situation, in der ich mich fallen lassen konnte, ohne wenn und aber ... das hatte ich vorher niemals so erlebt (und mein Mann auch nicht, falls man seinen Worten Glauben schenken darf). So ein Gefühl (ist ja doch schwer zu beschreiben): Hier bin ich angekommen!!!

Ich habe das Gefühl: das hat er mir genommen. Nun habe ich das Gefühl, dass es für ihn austauschbar ist, dass es nicht darauf ankommt, mit wem er da ins Bett steigt.

Sicherlich bin ich verletzt, weil er mich belogen hat, was seinen Termin angeht. Aber das ist nicht der springende Punkt.

Bin selber noch auf Ursachenforschung!!!

Gruß, Sonne

Inaktiver User
18.09.2006, 18:33
du hast eine "pn"