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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie hilft man einem Süchtigen??



relle
16.09.2006, 17:06
Gibt es jemanden in einer ähnlichen Situation - bzw. der mir sagen kann wie wir uns weiter verhalten sollen???
Mein Sohn ist 22 Jahre alt und kifft seit 6 Jahren regelmäßig.
Zuerst haben wir (mein Mann und ich),es nicht gesehen, dann wollten wir wohl nichts sehen....
Unser Sohn war bis 15 Jahre ein absolutes "Bilderbuchkind" keine Troubles - keine Probleme. Warum, wissen wir bis heute noch nicht, aber auf einmal ging es abwärts....
Im Zeitraffer gesagt: Probleme in der Schule - mit der Polizei -Schule in der 7. Klasse Gymansium geschmissen - Bundesheer - dort wieder Probleme mit kiffen - Auszug aus unserer Wohnung - monatelang nur sporadisch arbeiten als Hilfsarbeiter - kiffen, kiffen, kiffen - bis das Wasser bis zum Hals stand (Schulden ....) - dann 8 Monate in Deutschland als Mitgliedswerber für karitative Organisationen - dann wieder "gekippt" - "Mama, bitte hol mich...." - hab ihn geholt und er ist wieder zu Hause eingezogen - mit der Auflage "Kein kiffen mehr - Du musst arbeiten - die Schule fertig machen oder eine Lehre... wir helfen Dir...." im November werden es jetzt 2 Jahre, dass er wieder bei uns wohnt - er hat in dieser Zeit ca. 20 verschiedene Jobs gehabt - es ist ein ewiges auf und ab. Im Frühjahr wollte er mit der Abendmatura anfangen - hatte super Erfolgserlebnisse - aber dann ist der Faden wieder gerissen.... er schafft nichts wirklich durchzustehen - weiss nicht was er tun will... er hat sich für Dutzende Lehrstellen beworben, aber bei seinem Lebenslauf - aussichtslos. Dazu kommt, dass wir auch nicht immer so super drauf sind - es gibt Streit und Eskalationen - ich weiss schon gar nicht mehr wie oft ich drauf und dran war, ihn einfach rauszuschmeissen....
Mein Mann und ich sind überzeugt, dass er Depressionen hat - es ist ein Kreislauf aus dem er es nicht schafft herauszukommen. Was war zuerst - das Huhn oder das Ei?? Kifft er weil er Depressionen hat oder kriegt er Depressionen weil er kifft???
Wenn er wieder mal "zusammenbricht" dann ist er ernstlich überzeugt, dass er sein Leben umkrempeln will und muss - nur - er glaubt es alleine zu schaffen - sämtliche sanfte oder weniger sanfte Aufforderungen sich Hilfe bei einem Psychologen oder irgendeiner Institution zu holen, wehrt er vehement ab. Wir glauben aber, dass er es nur so, wirklich schaffen kann!
Vor 3 Jahren, als wir selber total am Boden waren, haben mein Mann und ich eine Selbsthilfegruppe gegründet - ohne diese Gruppe wären wir wohl selbst zugrunde gegangen - wir versuchen immer wieder "uns publik" zu machen - aber letztendlich sind wir ein kleiner Kreis geblieben - ich weiss, dass es ganz ganz viele Betroffene gibt - aber den Schritt zu einer Selbsthilfegruppe wagt kaum jemand - kann ich ja verstehen - man schämt sich so.....
Zur Zeit ist mein Sohn auf einer Almhütte arbeiten - er ist auf 1.500m und hat so gut wie keine Chance "kurz mal weg" zu können. Ich bin wieder mal total begeistert, dass er das macht - er hat sich diesen Job selbst gesucht, und er meinte auch, dass er einfach weg müsse aus dieser Stadt, aus diesem "Freundeskreis".... ich hab solche Angst, dass er wieder scheitert. Wieviel scheitern hält ein Mensch aus? Es tut so weh zuschauen zu müssen, nicht zu wissen was man tun soll.....
Das Einzige was man immer wieder hört ist "er muss tief fallen um wirklich etwas ändern zu können" Die Frage ist wie tief???? Er war schon so weit unten - aber er schafft den letzten großen Schritt einfach nicht. Dann hör ich immer wieder man darf sein Kind nicht fallen lassen - andererseits soll man es los lassen - wenn wir wirklich loslassen - fällt er dann nicht ins Bodenlose???? Wir sind doch der Einzige wirkliche Halt für ihn.....
Was können wir tun, damit er endlich wirklich professionelle Hilfe annimmt??? Ich leb in andauernder Angst, dass wir wieder alles falsch machen....

Cassiopeia
18.09.2006, 16:21
Hallo Relle,

bei mir ist die Situation etwas anders gelagert,
aber ich denke ich kann dir mit meiner Antwort trotzdem ein Stück weiterhelfen.

Bei mir geht es nicht um mein kind, sondern um meine Mutter.

Sie ist emotional und psychisch nicht nur schon immer instabil gewesen, sondern mittlerweile ein Wrack.
Ihr Alkoholkonsum ist ebenfalls mehr als bedenklich.

Würde jetzt total den Rahmen sprengen hier auf Einzelheiten einzugehen,
Fakt ist jedenfalls, das meine beiden Schwestern und ich den Kontakt total abgebrochen haben und letzte Woche sogar beim Anwalt waren, um ihr per offiziellem Schreiben eine Unterlassungsklage anzudrohen, sollte sie uns nicht in Ruhe lassen.

Meine jüngste Schwester, noch minderjährig, wohnt seit letztem Jahr bei meiner mittleren Schwester, da es mit meiner Mutter nur noch zu lautstarken, manchmal sogar blutigen Auseinandersetzungen kam.

Meine Mutter trinkt, wird erst melancholisch, dann jähzornig, zum Schluss gewalttätig.
Leidet unter diversen "Erkrankungen", die jedoch kein Arzt als organische, bzwe physiologische Ursache diagnostizieren kann.

Hat mittlerweile diverse Verschwörungstheorien ausgebildet.

Wir alle würden unter einer Decke stecken.

Ihre Ex-Männer, die Ärzte, ihre Geschwister und jetzt auch noch die eigenen Kinder hätten es sich zur Aufgabe gestellt sie fertig zu machen.

Jedwede psychologische/psychiatrische oder sonstwie fachärztliche Hilfe lehnt sie kategorisch ab.

Wir sollten einsehen, wo unser Fehler liegt und sie endlich verstehen!!

Jahre lang- sehr viel längere Jahre als du- haben wir all das mitgemacht.

Immer wieder nach dem Prinzip "Die Hoffnung stirbt zuletzt!"

Es ist schließlich unsere MUTTER!

Man hat ja nur die eine.
Und zu sehen, wie sie vor die Hunde geht, sie in ihrem Dreck und Elend und Leid allein zu lassen... egal was sie uns antut- aber das geht nicht, es ist widernatürlich.

Und wir waren alles für sie- oder wollten alles für sie sein-
Tochter, Freundin,
Krankenschwester, Gesellschaftsdame, Tierpflegerin, Babysitter, Therapeutin, Kreditinstitut, Putzfrau---

und doch landeten wir immer nur wieder bei einem:
wir waren der verdammte Sündenbock!

Was wir uns für Beschimpfungen, Beleidigungen, Vorwürfe, Schuldzuweisungen in den letzten zehn Jahren anhören mussten geht auf keine Kuhhaut.

Was haben wir sie von Arzt zu Arzt kutschiert, die ja alle nur "unfähig" waren, immer wieder versucht ihr finanziell und durch unseren Beistand aus der Patsche zu hefen, unzählige Umzüge, Trennungen, Zusammenbrüche haben wir mit ihr durchexzerziert...

...um uns dann anschreien, beleidigen, drohen zu lassen..

Jeder dezente Hinweis, das wir mittlerweile völlig überfordert sind, sie uns immer weiter von sich wegtreibt, wir bald nicht mehr können, sie sich bitte professionelle Hilfe suchen soll, wurde mit immer neuen, immer schärferen Vorwürfen und Selbstmorddrohungen quittiert.

Meine mittlere Schwester wurde unter der ganzen Belastung, jetzt auch noch die elterlichen Pflichten für die jüngste zu übernehmen, die ja bei ihr wohnt, unter dem täglichen Telefonterror, den Beschimpfungen, den Beleidigungen, dem Kleinkrieg (kein Unterhalt, emotionale Erpressungen, Vorenthalten von Unterlagen usw...) schwer krank.

Ihr Arzt rat uns, den Kontakt komplett abzubrechen.

Solange wir unserer Mutter immer wieder Chancen geben, würde sie nie etwas ändern.
Würde niemals einsehen, wie nötig sie professionelle Hilfe hätte.

Warum auch?

Sie hätte mittlerweile Mittel und Wege, ganze Systeme ausgebildet, mit denen sie sich immer wieder mit uns auseinandersetzen konnte--
statt mit sich selbst und IHREM Problem.

Immer wieder, nach mehr oder weniger langer Zeit würden wir sie doch wieder fangen.
Erst würden wir resignieren- und sie würde immer härtere Geschütze auffahren- und schon hätte sie uns wieder.
Darum könnte sie es sehr effektiv vermeiden sich wirklich mit sich selbst zu konfrontieren.
Zu erkennen, dass sie an einem Punkt angelangt sei, wo wir ihr nicht mehr helfen könnten.

Wo Ärzte zum Zuge kommen müssen, Spezialisten, Medikamente, Therapien.

Und wirklich, nachhaltig helfen könnten wir ihr sowieso nicht.

Man kann niemanden retten, der Hilfe verweigert und sich seinen wahren Problemen nicht stellt, sondern alles auf seine Umwelt abwälzt und seine eigenen Komplexe auf andere projeziert.

Aber das ist soooo schwer.
Es tut so unendlich weh.
Wir gehen seit Wochen nicht ans Telefon, reagieren nicht auf ihre sms.

Sie ruft bei uns an-- wir sehen die Nummer nicht immer im Display- und hören wie sie schluchzt und wieder auflegt.

Und es wäre so einfach jetzt nachzugeben und es ist so schwer jetzt hart zu bleiben.

Sie versucht euine Reaktion von uns durch die unglaublichsten Taten zu provozieren, ruft bei unserem Vater, unseren Verwandten an und bezichtigt uns der unglaublichsten Dinge, wir wären total abgerutscht, würden unsere Tiere vernachlässigen etc... Dinge, die so unglaublich erlogen sind und doch so unglaublich schmerzhaft.
Aus dem Munde unserer eigenen Mutter noch dreimal mehr !

Sie ruft bei Ex-Freunden an, mit den wir schon zehn Jahre keinen Kontakt mehr haben, behauptet wir wären total durchgedreht, würden erzählen, sie würden Drogen verkaufen und dergleichen mehr... woraufhin diese dann natürlich außer sich vor Wut bei uns anrufen.

Aber die kennen ja unsere Mom.
Jedenfalls nicht schwer, die Jungs von der Haltlosigkeit dieser Behauptungen zu überzeugen.

Doch meine Mutter hofft, dass wir jetzt den Hörer in die Hand nehmen uns sie zur Rede stellen.

Das einzige was wir taten war der Gang zum Anwalt.

Denn mit jedem Gespräch, mit jeder Geste der Versöhnung, der Hilfestellung, der Kontaktaufnahme würden wir wieder auf unabsehbare Zeit den Punkt nach hinten schieben, an dem sie erkennt, dass sie am Ende ist.
Das ihr keine Alternative bleibt, als unterzugehen oder ihr Leben jetzt selbst in die Hand zu nehmen.

Und dieser Weg führt über fachärztliche Hilfe.

Denn man selbst kann für diese Menschen ab einem gewissen stadium nichts tun.

Dazu steht man ihnen emotional zu nah.
Dazu geht man selbst viel zu sehr daran kaputt, ist viel zu involviert als wirklich Kraft dafür zu haben.

Man kann niemals gleichzeitig Opfer, Betroffener und Retter sein.

NIE !!

Wenn du deinem Sohn wirklich helfen willst-

lass ihn los !!!

Kontaktabbruch.

Lass ihn notfalls vor die Hunde gehen.
Lass ihn auf dem harten, kalten, gnadenlosen Boden der Realität aufklatschen.

Entweder der wacht von selbst auf, oder weder du noch alle Engel des Himmels können ihm noch helfen.

Das klingt so logisch und so naheligend- und ist doch soviel schwerer, als immer wieder irgendwann nachzugeben und daran langsam aber sicher zu zu verzweifeln.

Aber das hilft weder euch noch ihm.
Es ist nur ein Aufschub des Unvermeidlichen.

Mach dir und deinem Mann das bewusst.

Stell ihm die Option den Kontakt wieder aufzunehmen, wenn er professionelle Hilfe attestiert bekommt.
Er braucht ja ne Perspektive.

Ich weiß, es ist wider die Natur.
Darum fühlt es sich so unglaublich pervers an.

Aber wenn überhaupt ist das die einzige Chance.

Hoffe, meine Geschichte konnte dir ein wenig helfen.

Viel Kraft und alles liebe für euch,

Cassiopeia

MaxPower
18.09.2006, 16:54
Ich denke, ein Kontaktabbruch ist wenig hilfreich für alle Beteiligten. Richtig ist, daß in diesem Falle die Eltern mehr Möglichkeiten haben, zu "schaden", und im Grunde nur indirekte Möglichkeiten, um zu helfen.

Der der "Junge" nun 22 ist, sollte man ihn auch endlich so behandeln. Das bedeutet, daß man die eigene emotionale Befindlichkeit nicht mehr an das Kind koppeln sollte. Dieses "sonst gehen wir noch kaputt", was da von vielen Angehörigen/Partnern klischeehaft runtergebetet wird, bedeutet eigentlich nix anderes, als dann es keine emotionale Ablösung gegeben zu haben scheint, wie sie altersgemäß richtig gewesen wäre. Und solange die Eltern diese Ablösung nicht zulassen, kann der junge Mensch dieses nur über Konflikte und destruktive Kommunikation erreichen.

Insofern denke ist es hilfreich, wenn man konsequenter wird. Euer Wunsch als Eltern ist wohl deutlich, ihr wollt keinen kiffenden Sohn (wer will das schon?). Dann müsst ihr aber auch glaubhaft handeln. Sohn hin oder her, wer keine Kiffer mag, der meidet den Kontakt zu diesen oder beschränkt diesen aufs unausweichliche, also auf Begegnungen an öffentlichen Plätzen etc.. Also den Sohnemann raus aus der elterlichen Wohnstätte und solange sich am Zustand nix ändert, Kontakte aufs minimalste runterschrauben bzw. an öffentliche Plätze (Restaurant/Cafe) verschieben. Abbrechen muss man garnix, aber man sollte die eigene Linie auch deutlich machen.

Ansonsten wisst ihr im Grunde schon, was ihr noch tun könnt. Kontakt zu Hilfseinrichtungen suchen und eben eure Selbsthilfegruppe weiter besuchen, wenn sie euch gut tut. Und die Normalität vorleben, die ihr gerne hättet. Also wenn ihr ihn trefft, nicht dauernd (falls das so ist) alles um seine Drogensucht herum zelebrieren. Es gibt noch etliche andere Themen im Leben und die müssen auch wieder deutlich werden (für ihn wie für euch).

Es bringt nix, sich täglich den Kopf über die Drogensucht zu zerbrechen, weder euch, noch ihm. Sinnvoller ist es, den Kopf mit lebenswerten Alternativen zu füllen. Der Drogensüchtige lässt erst dann von der Droge ab, wenn ihm irgendwas anderes wertvoller ist. Wie bei jeder Gewohnheit auch (hier kommt nur noch die Abhängigkeit hinzu).

Und diese Bauernhofgeschichte, das wird nur eine Episode unter ferner liefen bleiben. Mehr als eine romantisierte Flucht ist das nicht. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Problem kann da garnicht erfolgen. Insofern auch nicht enttäuscht reagieren, wenns dann wieder nix wird.

relle
18.09.2006, 18:25
Hallo Cassiopeia, hallo MaxPower!

Danke für Eure Antwort! Was Ihr schreibt läuft in beiden Fällen auf in etwa das gleiche raus - und genau das ist es was in unseren Köpfen schon recht lang rumgeistert er muss weg von uns - wir müssen weg von ihm - nur der entscheidende Schritt ist so unendlich schwer.....

Liebe Cassiopeia - Deine Geschichte hat mich sehr betroffen gemacht - im ersten Moment dachte ich, dass Du die Tochter einer Freundin von mir bist..... Ihre "Geschichte" ist aber doch ein wenig anders gelagert - letztendlich kommt es aber aufs gleiche raus.

Die Vernunft bzw. der Kopf kennen Lösungsschritte - nur der Bauch verhindert sie sehr lange....

Mein Mann und ich waren vor ca. 1 Monat bei einer Psychologin - sie hat auf unsere Frage, wie wir unserem Sohn helfen können, gesagt: "Schauen sie auf SICH, bleiben SIE gesund - sie werden noch lange viel Kraft brauchen..." und außerdem, das es das Beste wäre, wenn unser Sohn auszieht - eventuell sogar mit finanzieller Unterstützung durch uns (kein Cash - sondern ev. Mietbeiträge, Essen....) - was haltet Ihr davon?????

Es ist halt so schwer. Sowohl mein Mann als auch ich hatten eine eher schwierige bis "einigermaßen" normale Kindheit, es gab aber bei beiden von uns Dinge, die wir in unserem "jugendlichen Leichtsinn" ganz einfach anders, besser machen wollten.

Ich war 20 und mein Mann 27 Jahre alt als wir unseren Sohn bekamen - er ist ein Einzelkind geblieben. Ich weiss, dass es sinnlos ist, Schuld an eigenem Fehlverhalten in der Erziehung zu suchen, aber man tut es ja trotzdem.

Wir haben unzählige Bücher gelesen, mit Psychologen geredet...... die Fakten bzw. die Theorie wissen wir - nur die Praxis - da hapert es gewaltig.

Nach unserem letzten Crash - das war kurz bevor mein Sohn auf diese Hütte ist, haben mein Mann und ich beschlossen, dass, wenn er wieder zurück kommt, der nächste Chrash der letzte in unserer gemeinsamen Wohnung sein soll.

Wir bestärken uns beide, dass wir es "schaffen" - aber ich hab ganz einfach Angst davor.

Wahrscheinlich hab ich diesen Beitrag in diesem Forum auch nur
deshalb geschrieben, um von Leuten die nicht direkt involviert sind, eine Bestärkung zu bekommen - denn dass es über kurz oder lang keine andere Lösung gibt ist wahrscheinlich fix.

Diesen Satz: "Loslassen aber nicht fallenlassen" würd ich für mich aber schon so interpretieren, dass ich den Kontakt nicht ganz abbrechen werde - neutrales Territorium klingt gut.

Ich wär wirklich allen (auch Euch Beiden - MaxPower und Cassiopeia), dankbar, die mir noch ein paar "Tips" schreiben könnten - bzw. auf diesem Weg die Kraft geben - damit wir diesen "Schritt" wirklich wagen.......

Bis dahin - alles Liebe Relle
P.S. Alles Gute an Dich und Deine Schwestern Cassiopeia - und Deiner Mutter wünsch ich, dass es "weh genug tut" um ihr Leben wirklich ändern zu wollen und zu können! Alles Liebe und Danke!

Lavendel
18.09.2006, 21:52
Hallo Relle,
auch ich habe einen 23-jährigen Sohn mit ähnlichen Problemen (vielleicht hast du meinen Thread dazu auch gelesen). Vieles aus deiner Schilderung haben wir in unserer Familie in den letzten 8 Monaten so erlebt... Wahrscheinlich im Zeitraffer, da der Stoff, den unser Sohn konsumiert, eine noch heftigere Wirkung hat. Von verschiedenen Seiten wurde uns empfohlen, dass er so schnell wie möglich ausziehen muss, da er in unserem "sozialen Netz" keine Notwendigkeit sieht, damit aufzuhören. Er hat sich nun in einer nahegelegenen Stadt (ca. 45 km weg) ein Zimmer gemietet und hat vor, nächste Woche ein Studium zu beginnen. Mit Betäubingsmitteln ist er ganz sicher nicht in der Lage, den Vorlesungen zu folgen und bis jetzt hat er noch nicht damit aufgehört. Wir haben ihm gesagt, dass er uns erst wieder besuchen kann, wenn er "clean" ist. Einziehen darf er bei uns nicht mehr... Wir haben telefonischen Kontakt und warten nun ab und hoffen... Professionelle Hilfe lehnt er nach wie vor ab.
Es ist sehr schwer, da die Gefahr besteht, dass er wirklich "abstürzt"...
Ich wünsche dir viel Kraft, liebe Grüße Lavendel

Sahra
18.09.2006, 21:55
ich kenne die situation deines sohns von einem guten freund. er war ein lieber junge, ist dann aus faulheit sitzen geblieben. in der neuen klasse haben die meisten gekifft - zack bumm, aus wars. mittlerweile ist er seit einem jahr dauerbekifft und kriegt NIX mehr auf die reihe. seine eltern wissen das, sind aber auch hilflos, machen nichts. rat von uns, seinen "alten" freunden, nimmt er auch nicht an.
das einzige was ihm helfen wird / würde, ist, wenn ALLE, die ihm was bedeuten, sich von ihm abwenden!!!!! das wird euch als eltern verdammt weh tun, aber anders gehts wohl nicht... :niedergeschmettert:

Leserservice
19.09.2006, 17:14
liebe Relle,

möglicherweise gibt es bei Ihnen in der Nähe eine Angehörigengruppe; mit Eltern, die ähnliches wie Sie erleben/erlebt haben. Ein Austausch mit anderen Betroffenen kann Sie stärken und Ihnen helfen, den Umgang mit Ihrem Sohn klar und deutlich zu machen. Außerdem kann es in so einer Gruppe Anregungen geben, was IHNEN guttun kann und Ihr Schuld- und Versagensgefühl lindert.
Solche Gruppen werden manchmal von Beratern angeleitet oder sind selbstorganisiert. Informieren Sie sich bei Beratungsstellen oder entsprechenden Einrichtungen in Ihrer Nähe danach oder beim Hausarzt bzw. der Psychologin, die Ihnen schon einmal geholfen hat.
Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Kraft !
herzliche Grüße aus der Redaktion
Nele Köhler (Dipl. Psychologin)

relle
19.09.2006, 17:40
Liebe Frau Köhler,
danke für Ihren Rat - mein Mann und ich haben vor 3 Jahre eine Selbsthilfegruppe gegründet - dieser Gruppe verdanken wir es unter anderem, dass wir "nicht vollkommen durchgedreht sind" - es ist richtig, gerade der Austausch mit Gleichbetroffenen hilft...
Wir haben auch schon Drogenbeauftragte vom Land zu Gast bei einem unserer Treffen gehabt. Ich weiss, dass es dämlich klingt - aber es ist ganz einfach nach wie vor so schwer, ihn einfach "in die Wüste" zu schicken. Wenn man davon ausgeht, dass Drogenabhängigkeit eine Krankheit ist, fällt es umso schwerer - wer lässt einen Kranken schon gern allein.
Nichts desto trotz wird mir immer klarer, dass es wohl der einzige Weg sein wird - ihm zu helfen indem wir ihm nicht helfen...
Nochmals Danke für Ihren Rat
Liebe Grüße Relle

relle
19.09.2006, 17:50
Hallo Lavendel!
Hab Deinen Thread gelesen - stimmt - es klingt sehr ähnlich...
mir fällt es ja unter anderem auch so schwer, weil er die Schule abgebrochen hat, dass heisst er hat "nichts worauf er zurückgreifen kann bzw. sich stützen kann". Er war in der Schule eigentlich bis zum Anfang seines Drogenproblemes recht durchschnittlich unterwegs - "hat viel Potential ist aber faul..." sagten die Lehrer immer.
Nun ist es halt nicht so einfach einen Job zu kriegen, der wirklich ok ist... und da beginnt oder endet die Spirale wieder. Kein Job, kein Geld, keine Wohnung - kiffen - Depression oder umgekehrt. Es ist ein Teufelskreis, und er ist ganz einfach SCHWACH!!! Er hat bis jetzt noch nie soviel Kraft bewiesen etwas wirklich durchzuziehen (möglicherweise aber eh deshalb, weil wir immer sein Netz waren....)
Wie finanziert sich Dein Sohn sein Zimmer? Steuert ihr was bei????
Leider blockt auch unser Sohn immer wieder total ab, wenn wir von professioneller Hilfe zu reden anfangen - aber ich weiss, dass es erst dann aufwärts geht wenn er diesen Schritt geht!
Ich wünsch Dir und Deiner Family alles, alles Liebe!
Lg. Relle

relle
19.09.2006, 17:54
Hallo Sahra - Du hast mit Deiner Einstellung sicher recht - ich glaub auch, dass es ziemlich weh tun wurde und ev. hilft, wenn sich die Freunde abwenden - aber das tun sie nicht - entweder ist mein Sohn ein so verdammt guter Schauspieler - oder aber es wird ganz einfach akzeptiert.....
Wir als Eltern aber werden diesen Schritt wohl über kurz oder lang setzen müssen.....
Danke Lg. Relle

Lavendel
21.09.2006, 18:49
Hallo relle,
wir haben unserem Sohn Unterstützung zugesagt, wenn er wirklich studiert und finanzieren bis jetzt sein Zimmer und weitgehend seinen Unterhalt. Nächste Woche fängt das Studium an und letzte Nacht wurde er wieder ins Krankenhaus gebracht. Wir wollen uns nun im Hintergrund halten, sonst spürt er wieder nicht, dass er eine Therapie braucht. Eigentlich sollte man jetzt sein Zimmer putzen ( sein Aquarium ging zu Bruch), Wäsche ins Krankenhaus bringen... Ich habe mit dem Arzt telefoniert und die Situation erklärt, warum wir ihn nicht besuchen... Manchmal habe ich das Gefühl, egal was ich tue, es ist falsch.
Euch alles Liebe Lavendel

relle
21.09.2006, 21:22
Liebe Lavendel,
ich kann mich sehr gut in Dich hineinversetzen - ich kenne diese Situation nur zu gut - immer wenn mein Sohn "fällt" fangen ich oder mein Mann ihn knapp vor dem Boden auf....

Kurz bevor wir ihn "auffangen" - haben wir auch immer dieses Gefühl total zu versagen, alles falsch gemacht zu haben...

dann der Gedanke "Jetzt ist der Punkt gekommen, jetzt geht es ihm ganz schlecht, jetzt ist er tief genug gefallen - jetzt ist er bereit unsere Hilfe wirklich anzunehmen..." und kaum versieht man sich, ist man schon wieder im selben Kreislauf wie schon tausende Male zuvor.

Als Aussenstehende, als Diejenige, die schon zig Bücher über dieses Dilemma gelesen hat, als Diejenige die selbst in psychologischer Behandlung war, als Diejenige, die in Ihrer Selbsthilfegruppe viele, viele ähnliche "Fälle" kennengelernt hat, als DIEJENIGE könnte ich Dir nur raten -

HALT DURCH!!!

Geh nicht zu ihm, putz sein Zimmer NICHT, bring ihm KEINE Wäsche - hilf ihm, indem Du nicht hilfst.

Wie gesagt, als AUSSENSTEHENDE tu ich mir leicht "kluge" Ratschläöge zu geben - bin ich selbst in der Situation - dann schaut die Sache schon wieder ganz anders aus - aber ICH WILL ES ENDLICH LERNEN!!!

Für meinen Mann und mich ist das Wort "Konsequenz" zum Schlüsselwort geworden - wir wollen kein "ja aber" mehr, kein "beim nächsten Mal"......

Ich glaub unsere Söhne müssen lernen SELBST Konsequenzen zu tragen, sie müssen lernen damit umzugehen, dass sie sich SELBST auf die Füsse stellen müssen - sie müssen lernen, dass es auf jede AKTION eine REAKTION gibt.

Egal was Du (ihr) tut - stellt eine getroffene Entscheidung im Nachhinein niemals in Frage - in dem Moment wo man sich für etwas entscheidet, ist es das Richtige!!!

Ich Nachhinein kann man leicht sagen "häät ich doch anders...." - nur vergisst man dabei zu leicht, dass man im NACHHINEIN ganz einfach einen anderen Wissensstand hat - einen Neuen Blickwinkel und vor allem Erfahrungswerte, die man VOR der Entscheidung noch nicht hatte und auch nicht richtig abschätzen konnte!

Ein Erfahrungswert ist auch: "Nach jeder Talfahrt geht es wieder aufwärts!!!!"

In diesem Sinn wünsch ich Euch alles, alles Gute - viel Kraft und Eurem Sohn den Mut professionelle Hilfe anzunehmen um sein Problem anzupacken!!!
Alles liebe Relle

Lavendel
21.09.2006, 22:09
Liebe Relle,
ich danke dir für deine Antwort. Wir haben dieses Mal wirklich fest vor, ihm nicht mehr zu helfen. Ich werde sein Zimmer nicht putzen, so wie die letzten 7 Monate... ( es wurde wohl von 50l Wasser vom Aquarium überschwemmt und es ist voll mit Scherben, Blut, tote Fische)
Doch wie ist es, wenn man im Krankenhaus liegt und niemand bringt frische Wäsche vorbei? Ich kann mir noch gar nicht vorstellen wie es weitergehen soll.
Darf ich fragen wie das "Fallen" bei deinem Sohn aussieht?
Ich habe bei den letzten Malen immer geglaubt, so jetzt muss er begriffen haben, was er sich und uns antut, aber es war wohl nie schlimm genug. Unter anderem hat er schon seinen Führerschein verloren. Ich habe schon Angst, dass er nach dem Fallen nicht mehr aufstehen kann... Aber ich sehe keine andere Lösung mehr.
Alles Gute Lavendel

relle
22.09.2006, 08:07
Liebe Lavendel,
"Ich habe schon Angst, dass er nach dem Fallen nicht mehr aufstehen kann... " - genau das ist der Grund, warum wir unserem Sohn bisher immer wieder geholfen haben.

Die ganze Misere hat bei ihm vor ca. 6 Jahren angefangen - da hatte er eine Zeit von ca. 2-3 Monaten wo er tatsächlich jeden Tag bis oben hin bekifft war - zu dieser zeit war in unserer Stadt eine große Aktion der Polizei gegen Drogen - wir bekamen an einem Samstag Vormittag einen Anruf von der Polizei, dass unser Sohn wegen Drogenmissbrauchs vorgeladen wird.... das war der Punkt an dem wir endlich, zumindest ein wenig aufgewacht sind aus unserer Lethargie.

Zu den Einvernehmungen hat mein Mann ihn begleitet - "er ist ja noch ein Kind".... es kam erst mal "nur" zu einer Verwarnung - wir dachten, dass diese Situation ihn wohl wachgerüttelt haben müsste - haben ihm geholfen bzw. versucht zu helfen, dass er in der Schule wieder alles auf die Reihe bekommt - war damals 1-2 Mal in der Woche in der Schule um bei den verschiedenen Professoren vorzusprechen - damit er nicht von der Schule fliegt (in der Schule wusste niemand von diesem Problem), außerdem waren wir nach wie vor der Meinung, dieses Problem im "kleinem" Familienkreis lösen zu können.

Erst als wir erfuhren, dass unser Sohn von so ziemlich jedem Mitglied unserer Familie Geld ausgebort hat - er mir immer mehr aus der Geldtasche gestohlen hat - da haben wir auch unsere Familie informiert.

Ich hab mich so geschämt - aber das Feedback unserer Familien war großartig! Damit hätte ich niemals gerechnet! Niemand sagt dass er das große A... ist - jeder überlegt wie ihm zu helfen wäre... (aber auch das wird mir mittlerweile fast zu viel - es gibt seit Jahren fast nur noch diese Thema....)

Seine Schulkarriere hat er schließlich doch beendet - er hat alles hingeschmissen - ok - es folgten Gespräche mit uns - es lief immer wieder auf das selbe raus:
wenn Du das machst, oder das machen möchtest wir helfen Dir, wir lassen Dich nicht allein"

Dann kam eine Zeit, wo fast jeden Tag ein Brief von einem Inkassobüro ins Haus geflattert kam - Handyschulden, Videotheken, kontoüberziehungen.....

WIR wissen ja, dass, wenn Du nicht schnell zahlst, dass es immer mehr wird - also haben WIR einen "Finanzierungsplan" erstellt....

er hatte dann eine Zeit wo es ganz gut gelaufen ist - er hat seine Schulden zurückgezahlt, er hat gearbeitet (zwar nie lange bei einer Arbeitsstelle aber er hat doch immer wieder was gefunden.


Als es zumindest so ausschaute, als würde es ganz gut laufen - kam er zu mir und bat mich um Hilfe - ich sollte bei der Bank für ihn bürgen - er bräuchte einen Kredit über 1.500 Euro.....

wieder war ich so naiv - zu glauben, dass er jetzt endlich ALLES in den Griff kriegen will - er kann so überzeugend sein

(wobei ich dazu sagen muss, es ist mit Sicheheit NICHT alles geschauspielert von ihm - er meint sehr viel in dem Moment wo er es sagt durchaus ernst - nur ist er zu schwach es dann auch durchzuführen - es fehlt im die Konsequenz...)

- na gut - an meinem 40. Geburtstag bin ich mit ihm zur Bank und hab mit ihm unterschrieben - ich war so voller Hoffnung das Richtige getan zu haben...... das Resultat war - dass er nicht 1 Rate abbezahlt hat - sondern alles ich....

dann ist er für 8 Monate nach Deutschland gegangen um für Hilfsorganisationen Mitgleider zu werben - es ist diesmal wirklich lange gut gegangen - bis der Anruf kam -

"Mama ich hab keine Arbeit mehr - ich hab nichts zu essen.... bitte darf ich wieder heim kommen - bitte komm mich holen"

es hat wieder so überzeugend, so ehrlich geklungen - na klar bin ich 500 km gefahren um ihn heimzuholen.....

es folgten wieder Zeiten wo er einen Job hatte und alles ganz gut lief - dann wieder hat er sich grundlos krank gemeldet - ist gar nicht hin .... ich weiss schon gar nicht mehr wieviele jobs er in den letzten 2 Jahren hatte -

aber "wir lassen ihn ja nicht fallen - er darf zu Hause wohnen - er bekommt zu essen....

er hat keine wirkliche Notwendigkeit es einmal richtig durchzustehen zu müssen - wir sind ja sein Netz - auch wenn er keine Arbeit hat - sein Zimmer und zu essen hat er ja....

und in unseren Köpfen immer wieder das gleiche "jetzt kapiert er es - jetzt schafft er es - es gibt keinen Menschen der 1000 Mal den selben Fehler begeht - jetzt können wir ihn nicht "fallen" lassen - er braucht ein Netz er braucht uns...."

und immer wieder "die Umstände" - das regeln wir jetzt für ihn, denn wenn wir das nicht machen - zieht das noch mehr Ärger nach sich.....

was sagen die Nachbarn wenn sie das erfahren - die Freunde.....

wir tun es damit es nicht noch schlimmer wird - und damit nehmen wir ihm jedesmal die Chance es einmal wirklich selbst durchzuziehen ZU MÜSSEN!!!


Es ist so schlimm - wir trauen ihm einfach nicht zu es zu schaffen - und möchten aber auch nicht zusehen wie er vielleicht scheitert.... ist das Co-abhängigkeit?????

Ich möchte so gern FÜR IHN endlich so stark sein ihn einmal etwas selbst zu Ende bringen zu lassen - egal wie es ausgeht....

wenn nur die Angst nicht wäre....

Ich versteh Dich so gut!
Wenn DU das Zimmer nicht putzt - fängt alles zu stinken an..... wenn DU nicht ins Krankenhaus gehst - kommt ihn niemand besuchen - wenn DU ihm kein frisches Gewand bringst - hat er keines...

ich versteh dich so gut und ich fühle echt mit Dir!

Ich bin mir sicher, dass Du auch weisst, dass es besser wäre ihn diesmal wirklich "allein" zu lassen - aber ob es zu schaffen ist - ist eine andere Geschichte!

Wie wär es wenn DU ihn im Krankenhaus ganz einfach kurz anrufst und ihm sagst, dass es Dir leid tut was ihm passiert ist - dass Du an ihn denkst - es aber selber ganz einfach n cht schaffsst ihn zu besuchen - schick ihm die Wäsche per Post..... ist nur so eine Idee...

Egal was Du tust - es wird FÜR DICH richtig sein!!!
Bis bald alles Liebe Relle

Lavendel
22.09.2006, 20:16
Liebe Relle,
ich kann dich gut verstehen und kann mir vorstellen wie viel Kraft ihr in den letzten Jahren für euren Sohn aufgebracht habt. Wahrscheinlich wäre es bei uns ähnlich verlaufen, wenn nicht die Sucht unseres Sohnes so schreckliche Auswirkungen hätte.
Das Betäubungsmittel, das er einnimmt hat einen ähnliche Wirkung wie Alkohol nur viel viel stärker.
Als er bei uns wohnte (also ab Januar) konnten wir wochenlang nachts nicht mehr schlafen, da er ständig durchs Haus gerannt ist, immer wieder bewusstlos zusammenbrach und sich explosionsartig übergab. Am nächsten Tag zur Schule (meine Töchter) oder wir zur Arbeit wäre länger für uns nicht mehr möglich gewesen. Er hat sich dabei geweigert, eine Therapie zu machen oder sich Arbeit zu suchen.
Wir haben ihn quasi letzte Woche gezwungen auszuziehen, nächste Woche sollte ja sein Studium beginnen, dann wollte er auch aufhören...
Nun ist er vom Krankenhaus in eine Klinik verlegt worden (Entzug), er wollte aber gleich wieder entlassen werden. Da der Arzt dies nicht verantworten konnte, ist er nun für 4 Wochen zwangseingewiesen worden.
Sein Zimmer wird er vermutlich auch verlieren.
Wir haben in der Klinik Bescheid gegeben, dass wir uns um nichts kümmern werden und haben die Situation erklärt. Wir werden keine Wäsche bringen (alle seine Sachen sind in seinem neuen Zimmer) und sein Zimmer werde ich auch nicht putzen. Ich habe auch mit meinem Sohn telefoniert und ihm gesagt, dass er jetzt sich jetzt selber kümmern muss. Und dass er bei uns willkommen ist, wenn er "clean" ist.
Klingt das alles zu hart? Ich weiß keine andere Lösung mehr.
Ich habe allerdings keine Ahnung, wie es weitergehen soll und ob er das auf die Reihe bekommt.
Liebe Grüße an dich Lavendel

relle
22.09.2006, 21:44
Liebe Lavendel,
ich bin mir sicher, dass ihr richtig handelt!!!

Es ist schon eigenartig - eigentlich ist eine Zwangseinweiseung ja nicht wirklich eine "schöne Sache", aber ich glaube, dass man in solch einem Moment direkt froh darüber ist.
Dein Sohn ist dort gut aufgehoben, kompetente Leute kümmern sich um ihn und er wird sich wohl mehr oder weniger seinem Problem stellen müssen - der Ball liegt nicht mehr bei Euch!

Ich glaub auch dass es gut war, dass Du mit ihm telefoniert hast - jetzt weiss er, dass ihr für ihn da seid - wenn ER Taten setzt bzw. Konsequenzen zieht - ER hat die Wahl und nicht ihr!

Ich weiss nicht wie es Dir geht, aber mir geht es trotz all diesen Problemen gut, wenn man jemanden findet, mit dem man darüber reden kann und dabei sicher sein kann, dass der andere weiss WOVON man redet.

Ich drücke Euch ganz ganz fest die Daumen, dass er es jetzt wirklich schafft - es wär so schön......

Unser SOhn kommt am Sonntag wieder nach Hause - die Saison am Berg ist (leider!!!) vorbei.

Ich hab schon richtig Panik davor -ich kann ganz einfach nicht mehr "normal" mit ihm umgehen.
Bei jedem Gespräch hab ich nur im Kopf "bezweckt er mit diesem Gespräch was, hat er gekifft - geht er weg um zu kiffen" und wenn er heim kommt immer wieder der Blick in seine Augen "sind sie rot, glasig" hat er Heisshungerattacken.....

Ich hab Angst - er nimmt mir die Luft zum atmen.

Noch dazu ist mein Mann für 3 Wochen dienstlich in einer anderen Stadt - er kommt zwar an den Wochenenden heim - aber ich hab trotzdem ganz einfach Angst, dass es wieder mal eskaliert, wenn ich alleine mit ihm bin, dass ich die Nerven verliere und ihn rauswerfe - denn unser Plan wäre es eigentlich, ihm in einem vernünftigen Gespräch klarzumachen, dass er auf eigenen Füssen stehen muss und besser ausziehen sollte - es soll nicht in einem Streit passieren....denn nach solchen Streits hab ich immer noch mehr Angst um ihn...
Liebe Lavendel - bin in Gedanken bei Euch - und drücke ganz ganz fest die Daumen, dass ALLES GUT WIRD!!!!!!

Würde mich sehr freuen, wenn wir weiterhin in Kontakt bleiben würden!!!
Liebe Grüße Relle

Woodstock62
23.09.2006, 00:06
Liebe Relle, liebe Lavendel,

ich möchte in Euerer Haut nicht stecken. Aber es hilft nur eins: NIX TUN und die jungen Männer selbst machen lassen.

Ich hab den ganzen Eiertanz mit Alkohol hinter mir, allerdings mein Partner, nicht das Kind. Irgendwann geht man, bei Kindern ist das wohl nicht so einfach, wenn man überhaupt von einfach sprechen kann. Mein Ex hatte hinterher auch keine Freunde mehr, selbst sein bester Freund hat ihn nur noch reingelassen, wenn er nüchtern war, ansonsten konnte er nach Haus gehen. Meine Schwiegermutter hat ihn auch immer wieder aufgefangen und hat gemacht und getan. Ob er noch lebt? Manchmal frag ich mich das, ich bin vor 6 Jahren weg...

Euere Söhne MÜSSEN lernen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben zu leben. Ihr MÜSST an Euch selbst denken, wollt IHR überleben. Sie machen Euch kaputt, das geht einfach nicht. IHR SEID NICHT FÜR IHREN SEELENFRIEDEN verantwortlich!!! Sagt Ihnen, sie sind nur clean willkommen (wurde hier schon oft gesagt). Aber ich würde auch nicht für die Unterkunft etc. aufkommen, DAS MÜSSEN SIE SELBST LERNEN. Denn so lange Ihr noch das Dach über dem Kopf bezahlt und was zu essen da ist, wozu sich kümmern? Das reicht denen um so wie bisher weiter zu machen. Mein Ex wohnte auch in einer Wohnung im Haus seiner Eltern... er dachte gar nicht daran, was zu ändern. Er hatte ein Dach überm Kopf und Muttern stellte Essen vor die Tür, so what???

Ich wünsch Euch alles Liebe und Gute und laßt sie los. Selbst wenn es schiefgeht, ES IST NICHT EURE SCHULD!

Woodstock

Lavendel
25.09.2006, 18:50
Liebe Relle,
ich habe am Wochenende öfter an dich gedacht. Wie war euer Zusammenkommen am Sonntag?
Ich fand die Idee mit der Arbeit auf dem Berg gut und finde es auch beachtlich, dass dein Sohn das allein auf die Reihe bekommen hat. Immerhin kann er doch Initiative ergreifen.
Konntet ihr in einem Gespräch klären wie es weitergehen soll?
Das mit dem "normal" miteinander umgehen kenne ich nur zu gut. Mir fehlt inzwischen auch die Unbefangenheit, ich schaue in seine Augen und überlege, ob er wieder "was" genommen hat... und habe Panik davor, was noch alles auf uns zukommt.
Er ist jetzt in der Klinik und der Abstand tut mir gut. Er muss wirklich lernen, Verantwortung zu übernehmen und wenn es bedeutet, dass er weiter abstürzt.
Ich weiß natürlich noch nicht, wie ich reagiere, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte.
Liebe Woodstock,
ich bin absolut deiner Meinung, nur die "Schuldfrage" kann ich noch nicht aus dem Kopf streichen. Er ist ja doch mein Sohn und ich war für seine Erziehung verantwortlich. Ich versinke also immer wieder in Grübeleien über vergangene Jahre, obwohl ich jetzt daran auch nichts mehr ändern kann... Er war ein ruhiges Kind, hat problemlos sein Abitur gemacht, sein "Absturz" begann langsam vor einem knappen Jahr.
Liebe Grüße, dir Relle wünsche ich viel Kraft, melde dich einfach, ich freu mich Lavendel

relle
25.09.2006, 20:12
Liebe Lavendel,
auch ich hab am Wochenende oft an Euch denken müssen. Mein Mann war am Wochenende zu Hause und ich hab ihm von Dir (Euch) erzählt und diese Seite gezeigt und zu lesen gegeben.
Mein Mann war sehr berührt von Eurer "Geschichte" und auch er war betroffen, wie sehr sich gewisse Abläufe ähneln - geradezu identisch sind...

Hol tief Luft - atme durch - nimm die Zeit, die Dein Sohn in der Klink vebringt als Dein persönliches "time out" - damit Du dann die Kraft hast.....

Mein Mann hat unseren Sohn gestern am späten Nachmittag abgeholt. Mein Sohnemann war richtig guter Dinge - schaut gut aus - er war alles in allem einfach gut drauf. Diese Zeit hat ihm wirklich gut getan - hab nur Angst, dass er gleich wieder in den alten Trott verfällt....

Wir wollten ihn auch nicht gleich wieder mit "Problemstellungen" konfrontieren - sondern möchten ihm ganz einfach Schritt für Schritt klar machen, dass er für sich SELBST verantwortlich ist - und wenn es am Anfang von unserer Seite auch die wirklich banalsten Dinge sind.

Es ist wirklich banal - aber ich bin trotzdem fast ein wenig stolz auf mich: Hab meinen Sohn nachdem er geduscht hat und sich zum weggehen fertig gemacht hat, gefragt, ob er denn nicht hungrig sei, es wären 2 Stück Fleisch im Kühlschrank..... er meinte "Ja, schon" worauf ich gesagt hab, dass er sie sich ja rausbraten kann, Kartoffeln und Gemüse seien auch da. Worauf er meinte "Muss ich mir das selber machen????" Hab gesagt: "Ja, ich hab eigentlich keine Lust dazu, denn ich bin zienlich müde" Daraufhin meinte er mit enttäuschtem Gesicht, dass er gar nicht so hungrig sei......
Es klingt wahrscheinlich echt blöd, aber ich hatte das Gefühl "einen kleinen Sieg" über mich selbst gemacht zu haben - eigentlich ist er ja echt alt genug, sich selbst was zu kochen - wer kocht mir was wenn ich heim komme??? Wenn ich vorhab zu kochen, kann er natürlich immer mitessen - da richte ich eh immer genug für uns alle her - aber zu den anderen Zeiten muss er wohl für sich selber sorgen. Naja, er hat ein wenig beleidigt die Wohnung verlassen....
Heute hab ich bis jetzt weder was gesehen noch gehört von ihm - er hat gestern gesagt, dass er aufs Arbeitsamt gehen wird - bin aber eher skeptisch, ob er das wirklich schon gemacht hat - werde ja sehen.
Jedenfalls werde ich ihm morgen karmachen, dass er, wenn er jetzt wieder zu Hause ist, wieder gewisse "Pflichten" übernehmen muss - egal ob saugen, zusammenräumen oder sonst was. (hat er vorher übrigens auch tun müssen - als Beitrag fürs wohnen und essen), denn nur einfach ins Blaue leben geht sicher nicht.

Bzgl. Deiner "Schuldfrage"
"Er ist ja doch mein Sohn und ich war für seine Erziehung verantwortlich. Ich versinke also immer wieder in Grübeleien über vergangene Jahre, obwohl ich jetzt daran auch nichts mehr ändern kann... "
muss ich Dir sagen, dass es mir gleich geht.

Mein Mann war in den letzten 7 Jahren 3x für je 1/2 Jahr im Ausland - ich muss immer wieder dran denken, dass ICH in dieser Zeit versagt hab - obs nun stimmt oder nicht ist egal - dieser Gedanke drängt sich ganz einfach immer wieder auf....

Liebe Woodstock - danke für Dein Schreiben - Du hast ganz einfach recht - wir müssen endlich lernen loszulassen.....
Schön langsam werde ich auch immer mehr überzeugt davon, dass wir es schaffen werden und auch dass unser Sohn es einmal schaffen wird!

Tut gut, wenn man einen 2. Betroffenen hat, wo man sich immer wieder Anregungen und Ideen für sein eigenes Verhalten holen kann.

Lavendel, irgendwann werden wir es geschafft haben und an diese Zeit wie an einen langen bösen Albtraum denken.(Bin heute sehr optimistisch drauf.....)

Liebe Grüße und einen schönen Abend - lass mich wissen wie es Euch geht - ich denk an Euch!
Relle

Inaktiver User
28.09.2006, 11:57
Ich hatte im Familienkreis eine süchtige Nichte, die jetzt mit 27 den Absprung geschafft hat und ein selbstverantwortliches Leben führt und auch führen will.
Es sind viele Verletzungen auf beiden Seiten geschehen, wir hatten uns Hilfe bei Selbsthilfegruppen, auch für Co-Abhängige geholt, die haben uns allen am meisten geholfen.
Wie es hilft und was hilft kann man nicht verallgemeinern. Aber auch bei uns war es so, dass sie erst ganz, ganz unten sein musste und alle tätige Hilfe verweigert wurde und nur noch das Versprechen stand, dass wir ihr helfen werden, wenn sie selbst etwas unternimmt.
Es kam sogar so weit, dass ich ihr nach Rücksprache mit ihrer Mutter den Unterschlupf in meiner Wohnung versagt hatte - sie hat gestohlen und randaliert - und sie raus musste. Ich hatte ihr lediglich anbieten dürfen, sie in ein Wohnheim zu fahren.
Wohl gefühlt habe ich mich dabei nicht - es hätte auch schiefgehen können.

Lavendel
28.09.2006, 18:56
Liebe Relle,
das mit deinem Sohn hört sich wirklich gut an und ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass er auf dem richtigen Weg ist.
Bei uns läuft es leider weniger gut, unser Sohn bekam in der Klinik durch den Entzug wieder eine Psychose.
Bei seinem ersten Entzug im Frühjahr hatte er eine heftige Psychose und nun ist es wieder geschehen, obwohl mit Medikamenten dagegengesteuert wurde.
Er ist so gut wie nicht ansprechbar.
Ich konnte mit dem Arzt telefonieren und wir müssen jetzt abwarten... Kurz vor der Psychose hat er eine Therapie heftigst abgelehnt und darauf bestanden, gesund zu sein.
Wir haben gerade wenig Hoffnung, dass er in eine längere Therapie einwilligt und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Liebe Ellke,
hat deine Nichte dann auf der Sraße gelebt? An welchem Punkt war sie bereit umzudrehen?
Die Ärzte haben uns gesagt, dass unser Sohn wohl nicht ganz verstanden hat, dass wir ihn loslassen werden. Er würde ständig nach uns fragen...
Liebe Grüße an euch Lavendel

relle
29.09.2006, 12:59
Liebe Lavendel,
es tut mir leid, zu hören, dass es nicht so läuft, wie es laufen sollte, könnte.....
Was heisst in eurem Fall Psychose - ich kenn mich bei diesen Dingen nicht so gut aus. Zumindest ist Dein Sohn noch in der klinik und wird von geschultem Personal betreut. Ich wünsch euch so sehr, dass "er aufwacht"
Liebe Ellke, es würde mich auch interessieren, was in eurem Fall "am Boden" bedeutet hat - würd mich freuen, wieder von Dir zu hören!
Bei uns geht es anscheinend auch wieder eher abwärts. Mein Sohn ist wie gesagt seit Montag wieder zu Hause - er hat sich sowohl Montg als auc Dienstag nicht blicken lassen - ich geh um 06 45 ausser Haus in meine Arbeit und wenn ich zurückkomm - so zwischen 17 30 und 18 30 Uhr - ist er meistens wohlweislich nicht da.
Am Dienstag hab ich aber die Nerven verloren und ihn angerufen - ob er am Arbeitsamt war - "nein, ich wollte einmal ausschlafen" - ich hab gedacht mich zerreisst es - der Sir darf gratis wohnen und essen und findet es nicht wirklich notwendig sich um einen Job zu kümmern - die Mama und der Papa arbeiten eh - das scheint völlig zu reichen.....
Am Mittwoch war er schließlich am Arbeitsamt und hat auch ein paar Stellenangebote bekommen - angerufen hat er bis heute bei EINER!
Heut in der Früh war ich um 08 00 Uhr laufen (geh nur von Donnerstag bis Freitg arbeiten) - als ich um 09 00 Uhr wieder zu Hause war und er noch immer geschlafen hat - hab ich ihn aufgewckt und gesagt, er solle sich gefälligst um einen Job kümmern..... Nach einer Stunde ist er ganz stolz gekommen - er könne sich am Montag bei 2 Stellen vorstellen gehen - hab ihm gesagt, dass es mir reicht - ich will dass er ab Montag arbeitet und nichts anderes.....
War jetzt beim IKEA "frustshoppen" - er liegt schon wieder im Bett und schlaft - ich pack es einfach nicht mehr.
Reiss mich aber jetzt noch für 3 Stunden zusammen und unternehm nichts. Um 16 00 Uhr kommt mein Mann heim - vielleicht schafft er es, vernünftig mit ihm zu reden - ich kann enfach nicht mehr. Wenn ich jetzt rein geh, weiss ich dass es total eskaliert....
Ich mag nicht mehr
Liebe Grüße und ich drück dich in Gedanken
Relle

Lavendel
02.10.2006, 10:49
Liebe Relle,
kann deine Verzweiflung sehr gut nachempfinden... Habe schon oft meinen Sohn wachgerüttelt und ihm gesagt, dass er sich endlich kümmern soll.
Konntet ihr am Wochenende gemeinsam darüber reden?
Hat er sich auf der Alm Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll?
Mein Sohn hat glücklicherweise die Psychose - so wie es jetzt aussieht - unbeschadet überstanden. Eine Psychose bedeutet, dass er Wahnvorstellungen hat (beim letzten Mal sehr schreckliche) und bei jedem Mal das Risiko steigt, dass sich das Gehirn nicht mehr so einfach regeneriert. Er weiß das .....
Er hat uns auch einen Brief geschrieben und möchte, dass wir ihm helfen (Kleidung bringen, im Zimmer nachschauen...)
Wir haben ihm zurückgeschrieben, dass wir das nicht mehr tun werden. Wir werden ihm mit Rat zur Seite stehen, unsere Tür wird wieder offen stehen, wenn er suchtfrei ist.
Er hat nach wie vor nicht vor, eine Therapie zu machen und möchte so schnell wie möglich sein Studium aufnehmen.
Wir sehen aber wenig Chancen, dass er es ohne Therapie schafft, seine Sucht zu bewältigen.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob er seine Sucht überhaupt loswerden will...
Die Entscheidung, welchen Weg er einschlagen möchte, liegt jetzt bei ihm und wir müssen das so akzeptieren.
Ich denke an euch, alles Gute Lavendel

War übrigens auch beim Frustkaufen, hat gutgetan!!!

relle
03.10.2006, 17:01
Liebe Lavendel,
so eine Psychose muss wirklich was ganz Schlimmes sein. Wie lange dauert dieser Zustand an und was kann man dagegen tun??

Ich glaube, dass Euer Weg mit Eurem Sohn der Richtige ist - auch wir haben nun diesen Weg (zum Teil auch ermutigt von Eurer "Geschichte") eingeschlagen.

Am Samstag Vormittag haben wir mit ihm geredet und ihm klar gemacht, dass wir der Meinung sind, dass wir ihm nicht helfen indem wir ihm helfen....

Haben gesagt, dass wir glauben, dass es nun an der Zeit wäre, dass er für sein Leben selber die ganze Verantwortung übernehmen muss.
Hab ihm auch versucht klarzumachen, dass ich daran glaube, dass er es auch KANN - wenn er nur will und vor allem wenn er endlich auch die Chance von uns bekommt, Verantwortung zu übernehmen.

Er soll sich bis spätestens 01.11. eine Wohnung ein Zimmer oder was auch immer suchen....
Wir haben ihm auch gesagt, dass, wenn wir der Meinung sind, dass Hilfe von unserer Seite angebracht ist, wir ihm auch helfen werden - da müsste sich aber einige Vorzeichen ändern.....

Er war richtiggehend geschockt - ich glaub er hat uns zum ersten Mal seit langem ernst genommen.

Nun ist er mit 2 Freunden gemeinsam auf der Suche nach einer größeren Wohnung. Diese Lösung wäre meine "Wunschlösung" - die 2 Burschen stehen halbwegs mit eigenen Beinen im Leben, studieren und jobben nebenher - ich glaub, dass die 2 ihm zwar "einiges durchgehen" lassen, ihm aber sicher nicht lange "mittragen" werden.

Und mein Bauch sagt mir, dass es wirkliche Freunde sind - ich hoff ich täusch mich nicht bzw. red mich nicht schon wieder in Wunschträume rein.

Seit Sonntag hab ich ihn nicht mehr gesehen - gestern haben wir kurz telefoniert - und er klang wieder mal motiviert.....

Ist das die Lösung??????

Wenn ja, warum haben wir so lange gewartet und ihm dadurch 1, 2, 3 oder 4 Jahre mit unserer Helferrolle weggenommen??

Die Angst um ihn - immer nur die Angst um ihn, dass er es nicht schaffen könnte, dass er noch nicht so weit ist - aber jetzt versuchen mein Mann und ich uns gegenseitig zu motivieren, dass erst jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist - dass vor allem auch wir so weit sind, ihm auch einen noch tieferen Fall zuzugestehen.

Auch wenn er fällt (das ist nicht das größe Problem)- ich wünsch ihm so sehr, dass er dann nicht liegen bleibt (das wär das Problem) sonder wieder aufsteht!!!!!!!
Ich hoff so, dass er es schafft!!!!!

Ganz liebe Grüße - ich denk an Euch
Relle

Lavendel
07.10.2006, 17:54
Liebe Relle,
das hört sich doch wirklich gut an und ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass euer Sohn es schafft!
Für euch finde ich es beruhigend und für ihn hilfreich, dass noch 2 Freunde mit ihm zusammen wohnen werden.
Vielleicht wird er durch sie motiviert nun für sich Initiative zu ergreifen.
Unser Sohn ist nach wie vor in der Klinik, wird vermutlich bald entlassen und bittet nun um unsere Hilfe. Er hat erfahren, dass ihm sein Zimmer gekündigt wird und möchte gern vorübergehend bei uns einziehen.
Wir werden ablehnen, da er sonst wieder nichts aus dem Ganzen lernt. Es klingt zwar hart, aber wir wollen ihm nicht schon wieder die Steine aus dem Weg räumen. Du kannst aber sicher nachvollziehen, wie man sich als Mutter fühlt, wenn man seinem Kind die Hilfe verweigert.
Wir werden ihm also mit Ratschlägen zur Seite stehen, aber er muss seine Angelegenheiten selber regeln.
Es kommt nun darauf an, wie er nach dem Klinikaufenthalt weiterlebt. Ob es ihm gelingt, seine Sucht zu bewältigen.
Ansonsten steuern wir auf die nächste Katastrophe zu, aber ich sehe im Moment keine andere Lösung.
Für unsere Töchter ist es auf jeden Fall gut, dass in unserem Haus etwas Ruhe eingekehrt ist.
Liebe Grüße an euch, ich würde mich sehr freuen, weiter von dir zu hören Lavendel

relle
11.10.2006, 08:05
Liebe Lavendel,
wie lange kann Dein Sohn noch in der Klinik bleiben? Was sagen die Ärzte zu seinem Zustand?
Ich glaube mittlerweile auch, dass "Geradlinigkeit" der einzige Weg für richtige "Hilfe" ist. Der einmal eingeschlagene Weg sollte mit aller Konsequenz durchgezogen werden. Wie schwer das ist, weiss ich....
Auch bei uns läuft es nicht gerade gut. Hatten am Sonntag wieder mal eine Auseinandersetzung. Unser Sohn hat sich wieder mal nicht an die, ihm sehr wohl bekannten Spielregeln gehalten, und es hat damit geendet, dass er uns den Wohnungsschlüssel geben musste.... es geht um die Rückzahlung eines Kredites, bei dem mein Mann für unseren Sohn gebürgt hat, mit der Auflage, wenn er eine Rate nicht zahlt muss er gehen....
Eigentlich ist es lächerlich, es geht um 70 Euro - aber auch wir versuchen, die Konsequenzen, die wir "androhen" auch durchzuziehen.
Gestern war mein Sohn kurz da um Wäsche zu holen - hat aber wieder im Streit geendet - es kann so einfach nicht weitergehen.
Wie alt ist eigentlich Eure Tochter? Ist sie jünger oder älter als Euer Sohn?
Liebe Grüße - ich denk an Euch
Relle

Julifrau
11.10.2006, 12:08
Hallo liebe Relle, liebe Lavendel,

ich habe diesen Thread entdeckt und möchte gerne Feedback geben, wenn ihr erlaubt.

Liebe Relle, bei dir fällt mir auf, daß ihr anscheinend unglaublich viel redet mit eurem Sohn. Meines Erachtens viel zu viel. Der junge Mann ist 22, lass' ihn ziehn bzw. LASST IHN LOS. Er ist erwachsen, es wird Zeit, daß er auf eigene Beine kommt und das will er auch. Selbst wenn er vielleicht erst einmal ab'kackt' bzw. abkifft, die Chancen, daß er sich berappelt, sind nach meinem Gefühl ganz gut.

Lasst ihn zum Mann werden, lasst ihn erwachsen werden, zollt ihm Respekt und sucht euch andere Aufgaben, einen anderen, neuen Mittelpunkt im Leben. Euer Sohn will jetzt seinen Weg gehen.

Zu hart dieses Feedback, ich hoffe nicht. Es ist meine Wahrnehmung, und einfach ein Impuls, Dir dies mitzuteilen.


Liebe Lavendel,

zu deinem Sohn fällt mir anderes ein. Er scheint schwerdepressiv zu sein. Hast du eine Ahnung, woher das kommt, wer in eurer Familie ähnliche Probleme hatte (Opa, Oma, Tante ...)? Dir würde ich spontan eine Familienaufstellung empfehlen, um mehr darüber zu erfahren und deinem Sohn zu helfen. Er kann sich wohl wirklich keinen eigenen Halt geben im Moment, er braucht Stütze.

.........

Ihr habt beide meinen größten Respekt, ihr tut alles für eure Kinder.

Viele Grüsse von Juli

Lavendel
11.10.2006, 15:14
Hallo liebe Julifrau,
erst mal "Danke" für dein Feedback.
An Depressionen habe ich bei meinem Sohn auch schon gedacht. Darf ich fragen, wie du auf den Gedanken gekommen bist?
Ich weiß nicht, woher das bei ihm kommen könnte (ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob er es wirklich ist). Depressionen können auch durch Drogenkonsum ausgelöst werden.
Seine Schwestern sind sehr lebenslustig.
Er war 3mal bei einem Therapeuten, hat dort aber wohl nichts gesprochen...
Das Thema mit "Halt geben" haben wir in den letzten 8 Monaten intensiv versucht, dadurch wurde seine Sucht noch schlimmer...
Im Moment glauben wir, dass wir ihm mehr helfen können, indem wir nicht helfen...
Er beginnt in der Klinik Initiative zu ergreifen, das finde ich gut.
Weiter mag ich noch nicht denken, bin voller Sorgen...

Liebe Grüße Lavendel

relle
11.10.2006, 16:35
Liebe Julifrau,
ich bin jedem der in diesem Thread antwortet, für seine Sichtweise, seine Kommentare und Tips wirklich dankbar....
Ich glaube Du hast recht - mein Mann und ich konzentrieer uns nun seit mittlerweile fast 6 Jahren nur auf unseren Sohnemann - am Anfang war das wahrscheinlich auch wichtig und möglicherweise auch richtig - er war zu jung um sich wirklich selbst helfen zu können - aber bei uns ist schön langsam auch "die Luft drausen".
Wir sind dieses Leben jetzt schon so gewohnt, dass wir uns immerzu nur Sorgen machen, er von einem Mist in den anderen fällt..... wir haben wirklich kaum noch andere "Aufgaben"
wahrscheinlich ist es höchste Zeit, für ihn und auch für uns, neue Wege zu gehen.
Das Problem für uns ist einfach das, dass wir in einer Sackgasse sind, ich glaube auch dass wir mittlerweile nur noch sehen was wir sehen wollen und hören was wir hören wollen - deshalb ist dieser Thread für mich wirklich wichtig - ein Aussenstehender sieht ganz einfach Sachen, die wir nicht mehr wahrnehmen - weil wir uns verrannt haben.
Wir sind dabei loszulassen - es tut weh - aber nur das wird ihm letztendlich wirklich eine Hilfe sein....
Nochmals Danke und liebe Grüße
Relle

Julifrau
11.10.2006, 19:34
Liebe Lavendel,

frag mich, wie ich darauf komme und mir fehlt die Antwort ;-)). Ich habe zum einen selbst früher Drogen konsumiert, eine Zeit lang auch härtere (kiffen ist für mich nach wie vor eine leichte Droge, es kann eine wirklich bewußtseinsöffnende Wirkung haben - Dauerkonsum allerdings macht mit den Jahren wirklich tumb - aber davon ist dein Sohn schon noch entfernt - keine Sorge.

Ja, ich habe also selbst welche genommen, hatte lange Jahre meines Lebens auch den entsprechenden Freundeskreis, allerdings alles Leute, die ihr Leben dennoch geregelt bekamen, d. h. arbeiten gingen, Wohnung und auch später Familien mit Kindern hatten.

Also - wie gesagt - es endet nicht jeder in der Gosse.

Der Konsum der härteren Droge über zwei Jahre hat mich dann allerdings wachgerüttelt, weil ich irgendwann spürte, daß mir eigentlich alles egal war, ich lag irgendwann morgens im Bett und merkte, mein Herz, meine Gefühle waren taub, ich fühlte mich nur noch hipp und gut, wenn ich etwas genommen hatte.

Also hörte ich auf. Mein Ekel war groß genug, es war zwar nicht ganz leicht, gab auch noch Rückschläge, aber es tangiert mich mittlerweile nicht mehr die Bohne ;-)).

Doch wie gesagt, ich war immer absolut sozialisiert - zumindest nach außen hin.

Innerlich - und deshalb brauchte ich auch die Drogen - innerlich war ich leer, hatte total viele Ängste, untersagte mir Freude am Leben zu haben (wenn ich 'nüchtern' war). Die Drogen legitimierten mich zur Lebensfreude. Zeiten starken Alkoholkonsums gehörten übrigens auch dazu.

Aufgewachsen bin ich in einem depressiven Haushalt, mit ganz viel unverarbeiteter Trauer usw. Ich habe nie gehört, dass ich SPASS haben darf im Leben, daß ich lachen darf und soll, ausgehen darf und soll, Männer aufreissen ;-)) und wieder ablegen, dass ich Vertrauen haben darf in eine höhere Macht die mich führt - UND die mir diesen Spass ebenfalls gönnt. Wenn ich heute reinspüre, bin ich unter einer Glocke von Angst groß geworden.

Dass die Schwestern lustig sind, hat nix zu sagen. Gar nix. Hast du mal etwas von Hellinger gehört? Wie gesagt, es ist ein spontaner Gedanke.

Ach so, ja genau. Irgendwann war der Leidensdruck bei mir dann so groß, daß ich forschen mußte, woher das alles kommt (und heute noch dabei bin, weil ich ein großes Päcklein zu tragen habe) und da habe ich halt vieles und viele kennengelernt und mittlerweile ein Gespür für Menschen mit ähnlichen Themen.

Der Therapeut kann der falsche gewesen sein. Vielleicht will er gar zu einer Frau? Vielleicht ist er einfach noch nicht so weit. Wünschen würde ich ihm und euch, daß er in der Klinik jetzt weiterkommt, seinen Willen mobilisiert.

Ich kann mir vage vorstellen, was ihr durchmacht, ich habe mittlerweile selbst eine 11jährige Tochter und bitte Gott, daß sie keine Drogen braucht und habe auch Hoffnungen - aber wissen tue ich's auch nicht.

Lieber Gruß Juli

Julifrau
11.10.2006, 19:34
Liebe Lavendel,

frag mich, wie ich darauf komme und mir fehlt die Antwort ;-)). Ich habe zum einen selbst früher Drogen konsumiert, eine Zeit lang auch härtere (kiffen ist für mich nach wie vor eine leichte Droge, es kann eine wirklich bewußtseinsöffnende Wirkung haben - Dauerkonsum allerdings macht mit den Jahren wirklich tumb - aber davon ist dein Sohn schon noch entfernt - keine Sorge.

Ja, ich habe also selbst welche genommen, hatte lange Jahre meines Lebens auch den entsprechenden Freundeskreis, allerdings alles Leute, die ihr Leben dennoch geregelt bekamen, d. h. arbeiten gingen, Wohnung und auch später Familien mit Kindern hatten.

Also - wie gesagt - es endet nicht jeder in der Gosse.

Der Konsum der härteren Droge über zwei Jahre hat mich dann allerdings wachgerüttelt, weil ich irgendwann spürte, daß mir eigentlich alles egal war, ich lag irgendwann morgens im Bett und merkte, mein Herz, meine Gefühle waren taub, ich fühlte mich nur noch hipp und gut, wenn ich etwas genommen hatte.

Also hörte ich auf. Mein Ekel war groß genug, es war zwar nicht ganz leicht, gab auch noch Rückschläge, aber es tangiert mich mittlerweile nicht mehr die Bohne ;-)).

Doch wie gesagt, ich war immer absolut sozialisiert - zumindest nach außen hin.

Innerlich - und deshalb brauchte ich auch die Drogen - innerlich war ich leer, hatte total viele Ängste, untersagte mir Freude am Leben zu haben (wenn ich 'nüchtern' war). Die Drogen legitimierten mich zur Lebensfreude. Zeiten starken Alkoholkonsums gehörten übrigens auch dazu.

Aufgewachsen bin ich in einem depressiven Haushalt, mit ganz viel unverarbeiteter Trauer usw. Ich habe nie gehört, dass ich SPASS haben darf im Leben, daß ich lachen darf und soll, ausgehen darf und soll, Männer aufreissen ;-)) und wieder ablegen, dass ich Vertrauen haben darf in eine höhere Macht die mich führt - UND die mir diesen Spass ebenfalls gönnt. Wenn ich heute reinspüre, bin ich unter einer Glocke von Angst groß geworden.

Dass die Schwestern lustig sind, hat nix zu sagen. Gar nix. Hast du mal etwas von Hellinger gehört? Wie gesagt, es ist ein spontaner Gedanke.

Ach so, ja genau. Irgendwann war der Leidensdruck bei mir dann so groß, daß ich forschen mußte, woher das alles kommt (und heute noch dabei bin, weil ich ein großes Päcklein zu tragen habe) und da habe ich halt vieles und viele kennengelernt und mittlerweile ein Gespür für Menschen mit ähnlichen Themen.

Der Therapeut kann der falsche gewesen sein. Vielleicht will er gar zu einer Frau? Vielleicht ist er einfach noch nicht so weit. Wünschen würde ich ihm und euch, daß er in der Klinik jetzt weiterkommt, seinen Willen mobilisiert.

Ich kann mir vage vorstellen, was ihr durchmacht, ich habe mittlerweile selbst eine 11jährige Tochter und bitte Gott, daß sie keine Drogen braucht und habe auch Hoffnungen - aber wissen tue ich's auch nicht.

Lieber Gruß Juli

Julifrau
11.10.2006, 19:38
Liebe Relle,

ihn loszulassen heißt nicht, ihn zu verlieren. Im Gegenteil, es ist die Chance, ihn wieder zu bekommen. Er muß sich abgrenzen, er hat ZUVIEL Eltern ;-)). Ich glaube, du merkst, daß ich das nicht böse meine.

Stell dir deinen Sohn als erwachsenen, starken Mann vor. Schon durch deine Imagination hilfst du ihm. Er hat das Potential.

Und wenn's dir hilft, dann weine halt beim loslassen, aber lass' ihn, ohne dass er ein schlechtes Gewissen haben muss - sonst muß er sich das wieder wegkiffen ;-)))

Lieber Gruß Juli

Daniela84
12.10.2006, 12:26
Hallo Julifrau,

herzlichen Glückwunsch und großen Respekt, dass du deine Sucht überwunden hast. Du hast ja nicht nur "weiche" Drogen genommen. Wie lange hast du eigentlich für den Entzug gebraucht? Wie lange liegt das schon zurück?

Ich glaube aber, dass die Jugendlichen z.B. durch ihren Freundeskreis zu den Drogen kommen. Das liegt also nicht an der Erziehung. Würde mir da keine Vorwürfe machen. Ich denke auch nicht, dass deine Tochter besonders anfällig dafür ist.


Hallo Relle,

du scheinst nur einen Sohn zu haben. Vielleicht umsorgst du deinen Sohn wirklich zu sehr. Lass ein bisschen locker. Konzentriert euch auf was anderes.


Hallo Lavendel,

ich denke, dass dein Sohn schon eine Therapie bräuchte. Wenn er sich bei einem Therapeuten nicht traut zu sprechen, vielleicht wäre es dann besser sich jemand anderem anvertrauen. Kann das ja auch übers Internet machen. Die bisherigen Therapeuten haben ja scheinbar auch nichts gebracht.


Ich glaube ihr seid mit euren Söhnen auf dem richtigen Weg.

Drück euch fest die Daumen.

Liebe Grüße
Daniela

relle
12.10.2006, 17:20
Hallo Lavendel, Julifrau, Daniela!
Ich bin wie gesagt, durch Zufall auf diese Seite gekommen - nie im Leben hätte ich gedacht so viel Feedback für unser Problem zu bekommen.

Mittlerweile ist es jeden Tag zum Fixpunkt geworden, nach der Arbeit hier reinzuschauen.....

Ich habe diese Seite auch meinem Mann gezeigt und wir beide sind durch all Eure Antworten absolut bestärkt, den nun von uns eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Es ist schon komisch, dass man all den "Fachleuten" nicht so viel Glauben schenkt, wie echten "Betroffenen" bzw. Menschen die man gar nicht kennt - die das Problem aber wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Mein Mann und ich haben uns in all unserem "helfen wollen" verlaufen - wir haben keinen Blick mehr für das Wesentliche und wir sind wahrscheinlich einfach zu lange schon "auf dieser Schiene" so dass wir links und rechts nicht mehr erkennen - nur noch stur gerade aus....

wir haben auch "übersehen" wieviel Zeit mittlerweile auch schon vergangen ist - es sind immerhin fast 6 Jahre in denen sich fast alles ausschließlich um das Problem unseres Sohnes gedreht hat.

Mittlerweile ist unser Sohn wahrscheinlich wirklich "alt genug" um sich selbst den Kopf anzurennen - wir müssen und dürfen ihn nicht mehr davon abhalten - es ist sein Weg und nicht länger unserer....

Ich fühl mich immer mehr bestätigt, dass es das Richtige ist, was wir nun tun werden.

Ich weiss allerdings noch nicht, wie ich meinem Sohn wirklich glaubwürdig vermitteln kann dass wir ihn los und nicht fallen lassen.

Er ist unser einziges Kind und wahrscheinlich habe ich ihm bis jetzt wirklich ganz einfach "zu wenig Luft zum atmen" gelassen.

Liebe Lavendel, was meinst du damit, dass dein Sohn in der Klinik Initiative ergreift? Das hört sich ja eigentlich ganz gut an!!??

Würde mich freuen, weiterhin von Euch zu hören (lesen), Unterstützung tut unglaublich gut(!!!!) und ich hab jedenfalls vor, unsere "Fortschritte" weiter zu dokumentieren.

Liebe Grüße eine sehr motivierte Relle

Lavendel
12.10.2006, 18:05
Hallo ihr drei,
ich möchte auch noch mal sagen, wie gut mir es tut, dass ich mich mit euch austauschen kann. Es gibt bei mir nicht so viele Menschen mit denen ich darüber sprechen kann oder mag.

Liebe Julifrau, du hast meiner Ansicht nach ein sehr feines Gespür für Menschen und du kannst Dinge offen und ehrlich ansprechen. Ich habe großen Respekt davor, was du in deinem Leben geleistet hast.
Ich vermute, dass mein Sohn vor allem Drogen nahm, weil sie ihm halfen, seine Introvertiertheit zu überwinden.
Was wir schmerzhaft erkennen mussten war, dass wir ihm nicht helfen können.
Es ist wohl schwierig, ihm klarzumachen, dass wir ihn lieben, aber dass wir ihm nicht mehr helfen werden.
Ich hoffe, er kann das verstehen...

Liebe Relle, ich habe gemerkt, dass er jetzt selber aktiver wird, weil er nun plötzlich z.B. Dinge mit seinem Vermieter doch selbst regelt... weil er sich bei manchen Freunden meldet, wo er sich vorher nur auf uns verlassen hat... weil er uns Briefe schreibt, was er vorher noch nie gemacht hat...ich will einfach, dass er spürt, dass es sein Leben ist...
Ich glaube übrigens auch,dass ihr auf dem richtigen Weg seid!!!
Unsere Söhne sind wirklich alt genug, um Verantwortung zu übernehmen.
Meine Töchter sind übrigens 20 und 18 Jahre alt.
Liebe Grüße an euch, ich bin froh, dass ihr hier seid Lavendel

Julifrau
13.10.2006, 13:14
Hallo liebe Daniela und auch ihr anderen,

danke für euer schönes Feedback. Ja, ich glaube, ich bin sehr, sehr feinfühlig, durchschaue vieles - was aber mein Leben nicht unbedingt einfacher macht ;-)).

Es liegt gut 15 Jahre zurück, erleichtert wurde es noch durch die Trennung von meinem Partner - er war der Süchtige, ich die Co-Abhängige, die mitmachte, um dabei bleiben zu können.

... und da liegt der Hase im Pfeffer ...

leider ist es nicht so, daß ich schon total gesund wäre. Ich habe viel zu tun in diesem Leben ;-)).

Zwar habe ich kein Thema mehr mit stofflichen Drogen, aber ich bin co-abhängig und suche mir Männer mit Süchten.

Ein großer Irrtum unserer Gesellschaft ist es übrigens zu glauben, daß Sucht nur die Einnahme von Drogen bedeutet. Sucht kann sich auf ganz anderen gebieten manifestieren: Arbeitssucht (ist ja sozusagen legitimiert); Beziehungssucht; Sexsucht; Medikamentensucht, Religionseifer usw. ach ja, Nikotin ...

Sucht heißt, vor Gefühlen zu flüchten, vor der inneren Leere und unserem größten Feind, der Einsamkeit. Alles tun, um ja nicht damit konfrontiert zu werden. Lernen wir als Kind, uns selbst in den Arm zu nehmen, uns selbst zu lieben wie wir sind.? Meistens nicht. Wir suchen immer im Außen. Dabei liegt das Gute so nah ;-)).

Ach, es ist ein Sch... weg. Es tut weh, das alles zu erkennen und noch so gefangen zu sein. Aber Schritt für Schritt hoffe ich, meinen Weg weiterzugehen, immerhin habe ich schon einiges gepackt und bleibe immer am Ball.

Ein lieber Gruß Julifrau

Daniela84
13.10.2006, 13:39
Hallo Julifrau,

also ich bin bis jetzt weder aktiv noch passiv mit Drogen in Berührung gekommen. Meine einzige Sucht ist vielleicht die Schokolade, die mich öfters lockt. :freches grinsen:

Aber mal Spaß beiseite. In Anbetracht der Tatsache, dass du deine Drogensucht überstanden hast denke ich, dass du eine starke Frau bist. Hast du es beim ersten Mal geschafft. Viele Leute brauchen ja mehr Anläufe und schaffen es dann trotzdem nicht. Hast du irgendwelche Spätfolgen oder ähnliches aufgrund deiner Sucht? Deine Tochter sieht ja wie es dir geht und wird sicher deshalb schon nicht damit anfangen.

Ja, Frauen sind für Süchte meistens anfälliger. Einen Partner mit einer Drogensucht sollte man sich nicht ungedingt zulegen. Ist ja so schon schwer genug. Manchmal ist es ohne Partner viel besser.

Auch aufgrund deiner Schwierigkeiten im Leben, denke ich doch, dass du den richtigen Weg gehst.

Drück dir fest die Daumen damit du doch noch einen Partner findest, der dir Halt und die (noch) notwendige Unterstützung gibt.

Liebe Grüße
Daniela

Julifrau
13.10.2006, 14:28
Liebe Daniela,

klar ist es besser ohne Partner als mit einem, der nicht zu einem passt. Aber genau das ist ja oft das Dilemma: zu wissen, es passt nicht, es ist nicht gut für mich - und trotzdem sind - kranke - Gefühle stärker als der Verstand. Und das nennt man Co-Abhängigkeit, der Partner dazu hat in der Regel ein Suchtthema.

Ich habe auch keine Spätfolgen ;-)), war allerdings auch kein Junkie.

Danke für deine Anteilnahme und dein Daumendrücken. Ja, ich hoffe auch, irgendwann einen Partner auszuhalten, der es gut mit mir meint. Das kann schwerer für mich werden, als die Beziehungen bisher ;-)).

Jetzt möchte ich aber keinen Raum hier mehr einnehmen mit meiner Geschichte.

Ein lieber Gruß, Julifrau

Daniela84
16.10.2006, 16:53
Hallo Julifrau,

glaubst du, dass das Männerproblem auch an deiner Kindheit liegt? Oft suchen sich deshalb Frauen den falschen Partner aus.


Jetzt möchte ich aber keinen Raum hier mehr einnehmen mit meiner Geschichte.

Das Forum ist doch dafür da, dass man anderen hilft. Wenn durch deine Geschichte jemandem geholfen wird, dann ist das doch klasse.

Also ich finde, dass du soviel schreiben kannst, wie du willst. Außerdem wird dadurch Relle und Lavendel vielleicht auch geholfen.

Ich drück weiterhin die Daumen, dass du lieben Söhne auf die Füße kommen.

Schöne Grüße
Daniela

Amely
16.10.2006, 17:18
Liebe Lavendel, liebe Reelle und liebe julifrau


ich glaube, dass ihr auf dem richtigen Weg seid.
Ich drücke euch die Daumen, dass es so positiv mit euch weitergeht.

Liebe Grüße
Amely

Lavendel
26.10.2006, 17:36
Bei uns läuft es leider gar nicht gut...
Unser Sohn wurde aus der Klinik entlassen und sofort wieder rückfällig.
In diesem Zustand geht er dann zu den Vorlesungen...
Ich weiß nun nicht mehr weiter, die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Wenn er nicht studiert, werden wir demnächst unsere Zahlungen einstellen. Das würde bedeuten, dass er auf der Straße landet.
Weiß jemand Rat? Oder hat schon mal ähnliches erlebt?
Relle, wie geht es bei euch?
Liebe Grüße Lavendel

Woodstock62
26.10.2006, 19:30
Lavendel, er will es nicht begreifen... leider ist das so! Selbst der Schuss vor den Bug, als er in der Klinik war und ihr sagtet, er müsse sich selbst mit dem Vermieter auseinander setzen, das hat er nicht ganz ernst genommen, oder habt Ihr ihm das doch wieder abgenommen? Ich weiß es ist schwer, aber dreht ihm echt den Geldhahn zu... und wenn er auf der Straße landet! Ihr müßt Euch schützen!!! Euer Seelenfrieden ist wichtig, nicht seiner. Für seinen Seelenfrieden ist ER verantwortlich.

*drückdichmal*

Woody

Lavendel
28.10.2006, 08:06
Liebe Woody,
ich danke dir... Wir haben ihm gar nichts abgenommen, als er aus der Klinik kam, er musste alles selber regeln.
Doch nun geht er im "vollgedröhnten" Zustand zu den Vorlesungen, kann natürlich nichts aufnehmen und es ist eine Frage der Zeit, bis das scheitert. Wir kommen nicht an ihn heran, auch seine Freunde haben keinen Zugang zu ihm, obwohl sie sich sehr um ihn bemüht haben.
Ja, Woody, das mit dem Seelenfrieden ist natürlich so eine Sache...
Du hast vollkommen recht, aber wie kann ich glücklich und zufrieden leben, wenn mein Sohn so vor die Hunde geht?
Liebe Grüße Lavendel

Woodstock62
28.10.2006, 12:04
Liebe Lavendel,

ich kann Dich voll und ganz verstehen... aber Ihr müßt EUCH abnabeln, versuch es mal mit Bachblüten als Unterstützung. Mir hat's sehr geholfen. Ich bin auch gerne bereit, Dir da Tipps für Mischungen zu geben.

Wenn Ihr nicht gegenrudert, macht Ihr Euch mit kaputt und auch Ihr geht vor die Hunde, nicht nur Euer Sohn. Und Ihr dürft einfach nicht vergessen, dass Ihr noch 2 Töchter habt, die Euch brauchen. Wie geht es denen denn? Ich denke, die beiden leiden mehr, zu sehen, dass es Euch schlechter geht, als dem Bruder. Und ich behaupte mal, es geht Euch schlechter, als Eurem Sohn, denn der lebt nur für seine Droge und ist offensichtlich damit zufrieden, sonst würde er was ändern...

Liebe Lavendel, ist nicht bös gemeint, aber im Moment möchte ich Dich schütteln und schreien *wach auf*, ich drück Dich mal und hoffe, Du und Dein Mann könnt bald loslassen.

Alles Liebe und Gute
Woodstock

Amely
28.10.2006, 20:58
Aufgewachsen bin ich in einem depressiven Haushalt, mit ganz viel unverarbeiteter Trauer usw. Ich habe nie gehört, dass ich SPASS haben darf im Leben, daß ich lachen darf und soll, ausgehen darf und soll, Männer aufreissen ;-)) und wieder ablegen, dass ich Vertrauen haben darf in eine höhere Macht die mich führt - UND die mir diesen Spass ebenfalls gönnt. Wenn ich heute reinspüre, bin ich unter einer Glocke von Angst groß geworden.

Dass die Schwestern lustig sind, hat nix zu sagen. Gar nix. Hast du mal etwas von Hellinger gehört? Wie gesagt, es ist ein spontaner Gedanke.

Ach so, ja genau. Irgendwann war der Leidensdruck bei mir dann so groß, daß ich forschen mußte, woher das alles kommt (und heute noch dabei bin, weil ich ein großes Päcklein zu tragen habe) und da habe ich halt vieles und viele kennengelernt und mittlerweile ein Gespür für Menschen mit ähnlichen Themen.

Der Therapeut kann der falsche gewesen sein. Vielleicht will er gar zu einer Frau? Vielleicht ist er einfach noch nicht so weit. Wünschen würde ich ihm und euch, daß er in der Klinik jetzt weiterkommt, seinen Willen mobilisiert.


Lieber Gruß Juli

Liebe Lavendel,

es tut mir so leid für Dich, Deine Familie und Deinen Sohn. Er braucht auf alle Fälle therapeutische Unterstützung. Ich selber war schon bei Familenaufstellungen (nach Hellinger) dabei. Und es hat auch mir und meinen Angehörigen etwas gebracht. Soviel ich weiß ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt.

LG
Amely

Lavendel
29.10.2006, 10:44
Liebe Woody,
mit Bachblüten kenne ich mich gar nicht aus, aber ich gehe am Freitag zu einem Informationsabend. Was sollen die Bachblüten bewirken?
Ich weiß schon, dass ich mich irgendwie lösen muss, ich weiß nur noch nicht wie...
Im Moment drückt`s mir einfach die Luft ab.
Meinem Mann gelingt es viel besser mit der Situation klarzukommen und sich zu distanzieren.
Tut mir leid, aber ich bin heute in ein sehr tiefes Loch gefallen...
Danke nochmal für eure Beiträge, wünsche euch einen schönen Sonntag Lavendel

Woodstock62
30.10.2006, 11:14
Liebe Lavendel,

Bachblüten wirken auf der feinstofflichen Ebene und helfen seelische Blockaden oder Probleme aufzulösen und klarer zu sehen. Sie helfen Dir bei Selbsterkenntnis, seelischer Not und Erschöpfung, ebenso bei Ängsten etc. Meist gibt es ein *pling* und man sieht das Problem, die Lösung oder an was auch immer man 'rumkaut'. Ich schick Dir morgen eine PN.

Einen guten Start in die Woche und Ohren steif halten (wie würdest Du denn auch mit Hängeohren aussehen :kuss:)

Woody

Inaktiver User
31.10.2006, 10:08
Liebe Lavendel,

ich kann dir auch nur empfehlen, ganz viel Gutes für dich selbst zu tun, vor allem dir Hilfe und Menschen zu suchen, die deine Erfahrungen teilen und einen Weg suchen, damit zu leben.

Mein Buchtipp: Melody Beatty, Kraft zum Loslassen, das ist nicht nur für Co-Abhängige ein wunderbar kraftvolles Buch.

Wir sind so vielem gegenüber machtlos, haben so vieles nicht unter Kontrolle. Es gibt soviel krumme und schwierige Lebenswege wie es Menschen gibt.

Aber: das Leben stellt uns Fragen, und wir sind dazu aufgefordert, unsere ganz eigene Antwort zu geben.

Deine Antwort, nicht meine, nicht die von Woodstock oder Amely (das ist nicht persönlich gemeint!), sondern deine.
Das, was du tun kannst. Das, was du ändern kannst. Was du brauchst.

Ich wünsche dir: die Weisheit, zu unterscheiden, was du hinnehmen musst und was du ändern kannst. Deinen Sohn und seine Sucht kannst du nicht ändern.

Aber deine Antwort auf's Leben.

Liebe Grüsse und das Beste für dich!
evemie

Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Süchtige.

Lavendel
06.11.2006, 19:31
Liebe Woody, liebe Evemie,
danke für eure Unterstützung!
Ich versuche momentan die Situation zu akzeptieren, gelingt natürlich mal mehr mal weniger ;-).
Sehr viel Trost finde ich tatsächlich in der Selbsthilfegruppe. Es tut einfach nur gut, mit Leuten zusammenzusein, die in einer ähnlichen Situation sind.
Liebe Grüße Lavendel

relle
07.11.2006, 18:52
Hallo alle miteinander!
Hatte die letzten Wochen ziemlichen Stress - beruflich und vor allem privat - bin nicht mal mehr dazugekommen hier rein zu schauen - jetzt wo ich wieder "da" bin - merk ich wie sehr ihr mir gefehlt habt!!!!!

Liebe Lavendel - wie geht es Euch?????? In deinem letzten Beitrag hab ich gelesen, dass Du in einer Selbsthilfegruppe bist - wir haben vor ein paar jahren auch eine gegründet - egal ob es einem akut schlecht geht oder man auch mal besser drauf ist - jedesmal wenn ich dort bin, bin ich "neu gestärkt" - es tut ganz einfach gut mit Leuten reden zu können die in gleichen oder zumindest ähnlichen Situationen stecken.
Wie geht es Deinem Sohn???? Aus der Klinik ist er ja raus - wohnt er wieder bei Euch???

Bei uns hat sich nicht viel, aber doch ein wenig getan.

Hatten unserem Sohnemann ja gesagt, dass er Anfang November ausziehen muss - nachdem er jetzt auf der Suche nach einem Saisonjob auf einer Schihütte ist (der "Almjob" hat ihm anscheinend wirklich gut gefallen...) und Die Saisonarbeiten alle so Mitte November bis Anfang Dezember beginnen, haben wir ihm ein "letztes" Türchen geöffnet - er darf hier bis Anfang Dezember wohnen bleiben - muss allerdings "Miete" zahlen entweder 150,00 Euro monatlich oder 40,00 Euro wöchentlich jeweils im Vorhinein.

klappt gar nicht so schlecht - er war zwar in der ersten Woche nicht zu Hause - musste auch am 01.11. den Wohnungsschlüssel abgeben - aber nach knapp einer Woche ist er mit 40,00 Euro aufgetaucht..... Mein erster Gedanke war natürlich wieder, woher er das Geld hat..... hab mir aber klar gemacht, dass das eben nicht UNSER Problem sein darf, wenn wir das so durchziehen wollen.

Arbeiten tut er nicht - Taschengeld bekommt er durch zur Zeit ziemlich regelmäßiges Plasmaspenden... ich frag mich, wann ihm dieser Zustand endlich zu blöd wird!!!!

Es trudeln auch schön langsam wieder Briefe von Inkassobüros bei uns ein - leg ihm alles nur kommentarlos in sein Zimmer - und wenn der Gerichtsvollzieher kommt - ER muss es endlich checken!!!

Frag mich, ob wir am richtigen Weg sind - es ist schon ziemlich schwer - allerdings, wenn ich morgens aus dem Haus ins Büro geh und mir bewusst wird, dass er wahrscheinlich bis Mittag schlafen wird, da packt mich dann schon wieder regelmäßig ein übermächtiger Zorn - aber ich sag ganz einfach nichts mehr...

Er muss zu Hause auch einiges an Hausarbeit erledigen - was er auch anstandslos und extrem ordentlich tut - er ist sich also anscheinend schon, zumindest manchmal, bewusst, in welcher Situation er steckt - aber er schafft es ganz einfach nicht etwas zu TUN!!!!!

Jedenfalls ist der 01.12. die endgültige "deadline" - da muss er weg. (Ich hoff wir schaffen das - und vor allem hoff ich, dass er es dann schafft!!!!)

Vor 14 Tagen ist meine schwer asthmakranke Mutter ins Krankenhaus eingeliefert worden - sie hat sich ein ziemlich böses Darmvirus eingefangen und es ist ihr die erste Woche sehr sehr schlecht gegangen - haben uns wirklich ernsthaft um sie gesorgt - aber ich es sieht so aus als würde sie sich wieder fangen - Gott sei Dank!!!!

Es ist grad in solchen Situationen so schlimm, dass wir in Salzburg wohnen - meine Mutter und auch meine beiden Geschwister wohnen über 200 km von uns entfernt - sind zwar ganz kurzfristig zu ihr gefahren - aber dann musst du wieder weg und du weisst nicht, wie es ihr in einer Stunde, einem Tag .... geht.

Mein Vater ist schon seit über 20 Jahren tot (er war damals erst knapp über 40 jahre), meine Mutter ist jetzt 75 - eigentlich überhaupt kein Alter - der Gedanke sie zu verlieren, zerreisst mir mein Herz.

Aber wie gesagt, es scheint aufwärts zu gehen - und mit unserem Sohnemannläuft es mit dieser Regelung auch so halbwegs....

Tja, das war wieder mal ein Lagebericht es waren in den letzten Wochen so ziemlich "alle Fronten" eröffnet - aber die "Lage scheint sich wieder zu beruhigen" - nachdem ich am Montag für 2 Tage ins Krankenhaus muss und dann 3 Wochen ans Bett "gefesselt" bin - hab ich hoffentlich endlich wieder richtig Zeit mich "mental zu beruhigen", aber auch um regelmäßig hier reinzuschauen! (So was hat also auch was positives....)
Lg.
Relle

Inaktiver User
08.11.2006, 11:52
Hallo Relle,

schön, dass du wieder da bist!

Im Moment hast du ja ganz schön was zu tragen, ich schick dir alles Liebe, ganz viele gute Gedanken und Gottes Segen.

Liebe Grüsse
evemie

relle
08.11.2006, 17:58
Hallo Evemie!
Danke noch mal für Deinen Buchtip!
Werde mir das Buch diese Tage besorgen - hab ja in nächster viel Zeit zum Lesen - und ich freu mich schon drauf!
Wie geht es Dir?
Ganz liebe Grüße
Relle

Lavendel
11.11.2006, 18:48
Liebe Relle,
wie schön wieder von dir zu hören!
Ich finde es gut, dass ihr eurem Sohn deutlich macht, dass auch er seinen Beitrag leisten muss. Hat es mit der Wohngemeinschaft nicht geklappt? Wo ist er denn untergekommen, als er seinen Wohnungsschlüssel bei euch abgeben musste?

Unser Sohn wohnt nach wie vor nicht mehr hier, er kann sein
Zimmer aber nur bis Ende November behalten.
Zur Zeit ist er auf der Suche nach einem neuen Zimmer, hat aber bis jetzt nichts gefunden (er macht wahrscheinlich auch nicht den besten Eindruck!).
Wir haben ihm schon immer gesagt, dass er bei uns nicht mehr einziehen darf. Ich weiß im Moment nicht was passiert, wenn er kein neues Zimmer findet... Im schlimmsten Fall würde er auf der Straße stehen und das im Dezember... Sein Studium könnte er auch nicht mehr fortsetzen, wobei ich nicht weiß, ob er überhaupt gerade in der Lage ist zu studieren.

Du siehst, es ist sehr schwierig den richtigen Weg zu finden. Und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Außerdem ist mein Mann im Dezember beruflich verreist, so dass ich mit dem Problem allein dastehe.

Die Selbsthilfegruppe hilft mir wirklich sehr, da ich erfahre, auch andere Familien haben ähnliche Probleme.

Relle, du schreibst du musst am Montag ins Krankenhaus? Hoffentlich nichts Ernstes?

Wünsche dir alles Gute, liebe Grüße Lavendel

Liebe Evemie, werde mir das Buch auch noch besorgen, danke!!!

relle
16.11.2006, 20:23
Hallo liebe Lavendel!
Bin aus dem Krankenhaus zurück - noch leicht lädiert - aber es wird schon wieder.... am Montag wurde mir mein Überbein am rechten großen Zeh "abgesägt".... Hallux Valgus - eigentlich nur ein recht kleiner Eingriff - tut aber trotzdem ziemlich weh......
Wie geht es Euch????
Ich kann mich gut in Dich hineinversetzen, dass Du Angst hast im Dezember allein mit all diesen Problemen dazustehen.... aber es hat auch ganz gute Seiten - wenn mein Mann beruflich unterwegs ist, telefonieren wir recht viel - und wenn er dann aus der Distanz mit all diesen Problemen konfrontiert wird ist es manchmal sogar ein wenig "leichter" einen Rat zu geben, wie man damit umgehen soll....
Wie oft siehst Du Deinen Sohn? Geht er noch zur Uni????

Bei uns gibt es nicht viel Neues. Sohnemann hat nach wie vor keine fixe Arbeit - er rettet sich mich Gelegenheitsjobs über die Runden. 40 Euro muss er fix jede Woche zahlen - und das hat er bis jetzt (wie auch immer) getan.
Gestern hat mein Mann ihn in 2 Schigebiete zum vorstellen geführt - Saisonstelle im Service auf einer Schihütte - ich wünsch ihm so sehr, dass es klappt - denn anscheinend hat ihm diese Hüttengeschichte im Sommer doch sehr gefallen.
Seine Kifferei scheint er momentan so halbwegs im Griff zu haben - es scheint zumindest so zu sein, dass er zur zeit in keinem richtig tiefen Loch ist.....
Wie oft trefft ihr Euch mit der Selbsthilfegruppe und wie viele Leute sind da? Unsere Gruppe ist ja leider sehr klein - sind nur 5-6 Leute und treffen uns mittlerweile auch nur noch 1 x im Monat - aber es hilft nach wie vor! geht Dein Mann auch mit?

Alles liebe Relle

Lunababe
18.11.2006, 16:29
Hallo an alle,
habe mit Interesse euren Thread gelesen und mir gedacht, es wäre ganz schön die ganze Sache auch mal von einem anderen Standpunkt aus zu erklären.
Vorab erstmal: ich bin Mutter, alleinstehend und arbeite in Teilzeit.
Das war aber nicht immer so, denn ich war lange drauf. Fing an mit Alkohol, Kiffen... später dann Koks und sehr lange auch Heroin.
Mein Vater ist schon lange verstorben, aber meine Mutter war immer für mich da. Und das ist wichtig. Egal ob man die Hilfe in Anspruch nimmt, das Gefühl ist entscheidend. Ich wußte, ich hatte immer ein Stelle wo ich hinkonnte. Meine Mutter hat mir zwar später kein Cash mehr gegeben, aber ich konnte zu ihr essen oder ihre Schränke in der Küche plündern, wenn ich kein Geld mehr für Essen hatte. Und ich konnte ihr ALLES sagen. Das habe ich nicht immer in Anspruch genommen, aber ich war froh, dass meine Mutter da war und mich so nahm, wie ich eben war.
Darum möchte ich euch bitten, lasst eure Kinder nicht im Stich!! Seid einfach für sie da. Und übt keinen Druck aus, das erzeugt gerade bei Süchtigen nur Gegendruck. Sie haben immer Angst, dass Ihr ihnen was wegnehmen, verbieten wollt. Redet mit euren Kindern über die Drogen. Was sie dabei fühlen. Was sie daran gut finden? Lasst euch erklären was Sache ist. Das Vertrauen baut sich wieder auf. Man fühlt sich eher verstanden und angenommen...
Clean zu werden ist nicht schwer, clean bleiben dagegen sehr!!
Verschließt nicht die Tür wenn eure Kinder davor stehen. Holt sie da ab, wo sie stehen. Auch wenn das ganz Unten ist!
Als ich in der Entgiftung saß, war ich mehr als froh über Besuch von meiner Mutter. Sie hat mir Sachen mitgebracht, obwohl die Klinik mehr als 150 km weit weg war.
Heute, nach vielen Jahren des Kampfes gegen die Sucht geht es mir gut. Aber es gibt immer noch Tage wo ich dran denke und Lust bekomme. Im Gegensatz zu früher gebe ich der nicht nach. Aber das ist ein Prozess der mit Therapie und Substitution Jahre gedauert hat. Mit vielen Rückfällen, aber nie nie nie habe ich die Hoffnung oder den Glauben an mich verloren. Und das kam sicher auch durch meine Mutter...denn sie glaubte auch weiter an mich.
Ich kenne niemanden, der es alleine geschafft hat.
Auch heute kiffe ich ab und an noch ganz gerne, dafür trinke ich nichts. Mein Ziel war nie drogenfrei zu leben, aber die Kontrolle über diese wiederzuerlangen.
Wenn ihr mehr wissen wollt, dann fragt einfach.
Ich hoffe, das ihr mich nicht missversteht.
Euch ein schönes Wochenende
Lunababe69

Woodstock62
18.11.2006, 20:23
@lunababe: es ist ja nicht so, dass man für den süchtigen nicht mehr da sein will. es geht darum, ob der süchtige clean werden WILL oder ob er die situation einfach ausnutzt, weil es ja eben so bequem ist. es geht darum grenzen zu ziehen, auch zum selbstschutz! ich persönlich kenne sehr viele süchtige, die erst ganz abstürzen mußten um überhaupt auf die idee zu kommen, (dauerhaft) clean werden zu wollen. ich glaube auch nicht, dass hier ein rückfall relle oder lavendel aus der bahn werfen würde. das problem besteht zur zeit eher darin, dass ihre söhne (noch) nicht begriffen haben, dass sie a) süchtig sind und b) im begriff sind eine ganze familie ins unglück zu stürzen. würden die beiden ihren söhnen die türe zuschlagen, käme hier mit sicherheit kein austausch zu stande.

mein mann ist alkoholkrank, er war 2 jahre trocken, nach langer therapie und trotzdem gibt es ab und an rückschläge. aber er weiß, dass er krank ist und rudert auch immer wieder gegen die sucht an. DAS ist der punkt, verstehst du was ich meine? würde er es laufen lassen, so frei nach dem motto: es geht mir ja gut, warum sollte ich was ändern, DANN würde ICH definitiv was ändern, nämlich mich trennen. natürlich fang ich ihn auf, aber aufstehen und weitelaufen tut er selbst und DA müssen alle suchtkranke hin! lernen aufzustehen und weiter zu laufen. DU kannst das inzwischen auch und jetzt hoffen halt relle und lavendel, dass ihre söhne auch dahin kommen.

alles gute
woodstock

relle
20.11.2006, 10:01
Hallo Lunababe69, hallo Woodstock!
Woodstock bringt unsere Situation genau auf den Punkt:

[QUOTE=Woodstock62]"es ist ja nicht so, dass man für den süchtigen nicht mehr da sein will. es geht darum, ob der süchtige clean werden WILL oder ob er die situation einfach ausnutzt, weil es ja eben so bequem ist. es geht darum grenzen zu ziehen, auch zum selbstschutz!"

Ich liebe meinen Sohn über alles - hab aber mittlerweile ganz einfach das Gefühl - dass ich ihn mit meiner Liebe bzw. meinem ewigem helfen wollen erdrücke.....
Er soll selbst die Chacne haben etwas zu TUN - bis jetzt wurde zuviel für ihn GETAN! Wenn er mich wirklich braucht, werde ich immer für ihn da sein - aber nur dann, wenn ich eben NICHT das Gefühl habe, dass es wieder mal auf "ausnutzen" raus läuft.....

Gestern abend wär wieder mal der wöchentliche "Mietbeitrag" fällig gewesen - er hat am Nachmittag auch im Fussballstadion gearbeitet - das heisst er hat Geld verdient..... trotzdem ist er nicht heimgekommen - wahrscheinlich hat er anderweitige Schulden die er begleichen muss......
Würde mir aber echt total wünschen, wenn er heute mit dem Geld kommt - er hat ab morgen einen Job in einem Cafehaus und ab Mitte Dezember kann er wirklich auf einer Schihütte arbeiten. Er war sich ja vorige Woche dort vorstellen - am Freitg hat er mit der Hüttenwirtin noch mal telefoniert und nach diesem Telefonat hat sie ihm die Stelle fix zugesagt - er war endlich mal wieder richtig happy und aufgedreht - es ist so schön, ihn so zu sehen.....
Mir ist schon klar, dass das noch kein "Schlussstrich" ist - aber es ist zumindest wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung - er kommt weg aus seinem gewohntem Umfeld und hat was zu tun, was ihm Spass machen könnte.....

Liebe Lunababe69, dein Tipp, mit ihm über die Drogen zu reden, wie er sich fühlt dabei, danach...... klingt gut - werde es vorsichtig versuchen - denn eigentlich blockt er ja beim Thema Drogen ziemlich schnell ab - Gott sei Dank haben wir aber nach wie vor eine recht gute Gesprächsbasis und er ist eigentlich ziemlich "Familienverbunden" - dass macht die ganze Sache auch ein wenig leichter, nur für uns ist es manchmal ganz einfach schwer über "irgend etwas" zu reden, weil das Thema Sucht und Drogen ganz einfach nicht aus unseren Köpfen raus kann... es ist für uns mittlerweile mit ihm zu sehr verbunden.
Wünsch euch einen schönen Tag
Liebe Grüße Relle

Inaktiver User
20.11.2006, 11:21
Eine ähnlicher Fall, vielleicht als Unterstützung:

Ein Freund, selbst seit ein paar Jahren trocken, hat einen 20jährigen Sohn, der schon seit Jahren kifft, aber nicht mehr in seinem Haushalt lebt.
Er hat für sich entschieden, dass er mit niemanden in einer Wohnung leben kann, der Alkohol oder Drogen zu sich nimmt und er seinen Sohn gerne mit Sachspenden unterstützt, aber kein Geld gibt - wie das lunabees Mutter ja auch getan hat.

Der Sohn hat nun wegen Mietschulden die Kündigung seiner Wohnung bekommen - natürlich macht sich der Vater Sorgen, dass der Junge auf der Strasse landet, aber er hat eine klare Haltung.

Also hat er herumtelefoniert und sich beim Drogennotdienst erkundigt, dort kann kann er umgehend einen Platz bekommen, wenn er aufhören will.

Der Vater sagt ganz klar: du bekommst von mir jede Hilfe, die ich dir geben kann, und das und das kann ich für dich tun.

Aber diese Grenzen kann nur jeder selber für sich definieren, was der eine leisten kann, kann der andere nicht! Deshalb bitte nicht sagen, dies oder jenes müssen "gute Eltern" tun. Jeder kann nur das, was er kann!

Mit einem zugedröhnten Kind zu reden, kann z.B. ein nicht-süchtiger Elternteil eher, als jemand, der als trockener/cleaner Süchtiger sich schützen will und muss.

Süchtige sind ein Fass ohne Boden, sie brauchen Menschen, die für sie da sind, aber klare Grenzen abstecken.

Meine Eltern haben mich auch nie verurteilt, sondern sind immer für mich da, ich hab immer einen Platz in ihrem Haus - aber mit einer Flasche Wein käm ich da nicht rein. ..

@lunabee: Kiffen und clean leben - wie geht das?
Es gibt doch nicht die bösen Drogen (Heroin und Koks) und nichtsoschlimmen (Tabletten, Hasch, Alk) - auch wenn sie unterschiedliche soziale Auswirkungen haben.

Ich kann noch nichtmal mit Schmerztabletten vernünftig umgehen...

Welcher Süchtige träumt nicht davon, die Kontrolle über sein Suchtmittel zu haben..? Mein heimliches "ab und zu mal ein bisschen zur Entspannung" ging über Jahre gut, bis die Krise kam, und nix mehr genug war, um mich dicht zu machen. Feuerwehr, Intensivstation, 2 Klinikaufenthalte...

Einmal ist nicht genug. Und tausendmal zu wenig.

Liebe Grüsse
evemie

relle
21.11.2006, 15:17
Hallo meine Lieben!

Liebe Evemie, Dein Beitrag ist wieder mal genau im richtigen Moment gekommen....

Sohnemann war am Sonntag im Fussballstadion arbeiten und wollte danach heimkommen um die wöchentlichen 40 Euro zu zahlen - seit Sonntag Mittag hab ich wieder mal nichts gehört und gesehen von ihm....

Heute hätte er in einem Cafehaus zu arbeiten anfangen können - auch da war er mit Sicherheit nicht.

Auf Grund dieser "Jobaussicht" bin ich gestern schon wieder mal ins wanken gekommen, wollte ihn anrufen und sagen dass er heimkommen soll - er braucht für den Job ja eine schwarze Hose und ein weisses Hemd..... hab es aber nicht getan. Er kennt die Spielregeln, und er hat wieder mal eine Entscheidung getroffen - möglicherweise oder besser, ziemlich sicher hat er bei seinen Freunden Schulden und das war wohl Priorität 1 für ihn - seine Entscheidung.

Möglicherweie denkt er sich zur Zeit, dass er, nachdem er ja auch die Zusage von der Schihütte hat, dass das Arbeit genug sein wird und jetzt erst mal Pause von der Pause machen "muss" - dieser Job wird ja mit Sicherheit ziemlich anstrengend......

Bin wieder mal stinksauer - wann wird er es endlich begreifen?????

Von der Bank bekommt er ja auch schon lange kein Geld mehr (Gott sei Dank!!) - sein Konto ist hoffnungslos überzogen (zum 100. Mal????), ein Mitarbeiter eines Inkassobüros war letzte Woche auch hier - eine Frage der Zeit, bis alles wieder mal zusammenbricht - aber diesmal muss ER!!!!! was tun. Hab die Nase gestrichen voll!!!

.....ist schon wieder zu lange "gut" gegangen.......

Liebe Grüße
Relle

Woodstock62
21.11.2006, 16:48
*drückdichmalganzdoll* *tütekrafthinstell*

Mehr kann ich nicht tun, außer Dir gute Nerven wünschen. Du bist auf dem richtigen Weg, bleib dies Mal hart, sonst lernt er es nie.

Bussi
Woodstock

Lavendel
21.11.2006, 17:27
Hallo ihr Lieben,
habe eure Beiträge gelesen und mir viele Gedanken gemacht.
Liebe Lunababe, ich würde meinem Sohn so gern jede Unterstützung geben, aber es funktioniert nicht...
Wir hatten in letzter Zeit wieder öfter Kontakt zu unserem Sohn, er durfte kommen, um seine Wäsche zu waschen... wir haben ihm Lebensmittel gegeben, als er sein Geld innerhalb kürzester Zeit ausgegeben hatte... und nun kam er am Sonntag vollgedröhnt zu uns nach Hause.
Liebe Relle, du sprichst mir aus dem Herzen - ist schon wieder zu lange "gut" gegangen.
Ich hatte in letzter Zeit wieder Hoffnung geschöpft, es ging mir dann auch gleich wieder besser, und nun der Schock am Sonntag.
Eigentlich hatten wir ausgemacht, dass er dann sofort wieder abreisen muss, aber ich brachte es einfach nicht über`s Herz...
Das Mittagessen war fertig und ich ließ ihn mitessen und anschließend seine Wäsche waschen. Es war schrecklich, ihn so zu sehen.
Er bat uns wieder um Lebensmittel, da das Geld, das wir ihm geschickt hatten, innerhalb von 4 Tagen weg war.
Liebe Evemie, "Süchtige sind wie ein Faß ohne Boden" - dem kann ich nur zustimmen.
So wie es aussieht, hat er ein neues Zimmer gefunden und kann demnächst umziehen.
Wir haben ihm nun gesagt, dass er "so" nicht mehr kommen soll.
Aber bald ist Weihnachten...
Liebe Relle, dir möchte ich sagen, bleib auf deinem Weg, hört sich alles richtig an. Er muss es lernen.
Liebe Grüße an euch alle Lavendel

relle
23.11.2006, 08:16
Hallo meine Lieben,
richtig, falsch, richtig, falsch...????????

Keine Ahnung, weh tut es, aber trotzdem ist irgendwo das Gefühl da, nicht anders mehr handeln zu können.

Am Dienstag abend, wir haben schon geschlafen ist Sohnemann heim gekommen - hat 30 Euro hingelegt und einen Zettel, dass die restlichen 10 Euro am Mittwoch folgen.
Er hat gestern wieder mal bis 10 00 Uhr geschlafen - bis ich die Nerven verloren hab und ihn aufgeweckt habe.
Er war von Anfang an agressiv und in Abwehrhaltung - er hätte am Dienstag den Job ja nicht beginnen können - weil das Gewand dafür ja zu Hause sei und er ja ohne die 40 Euro nicht kommen dürfe....

Er gehe aber jetzt arbeiten um 12 oo Uhr sei Dienstbeginn außerdem gehe er noch Plasma spenden un die restlichen 10 Euro zahlen zu können - hab ihm nur gesagt, dass mir bei all seinen Lügen schlecht wird - denn beide Dinge sind zeitlich nicht unter einen Hut zu bringen.

Dann hat er noch kurz telefoniert - und ist dann "arbeiten" gegangen.
Kurz nachdem er weg war hat das Telefon geläutet - eine Freundin von ihm - da wo er sich meistens aufhält und auch hin und wieder schlafen kann - sie fragte ob Tomi da sei - denn er hätte gerade angerufen bei ihr - sie und ihr Freund seien aber auf dem Weg zur Arbeit - "hoffentlich kommt er nicht her, denn dann steht er vor versperrten Türen......." - da war dann auch der letzte Funke Hoffnung weg, dass er echt arbeiten gegangen sein könnte...

Heute früh hat mir mein Mann erzählt, dass er um 23 30 Uhr heimgekommen ist - rote Augen, agressiv.....
Mein Mann hat ihn auf das restliche Geld angesprochen, worauf Sohnemann meinte, wir sollten wegen 10 Euro nicht so "ein Theater" machen.... Mein Mann hat ihm um den Wohnungsschlüssel gebeten - er hat weinerlich gebettelt - es sei drausen so kalt, er wüsste nicht wohin..... mein Mann ist hart geblieben - bin froh, dass ich von all dem nichts mitbekommen hab - wär sicher wieder schwach geworden. Er musste wieder gehen......

Das erschreckende daran ist, dass ich mehr Zorn AUF ihn, als Angst UM ihn habe.
richtig, falsch, richtig, falsch???????

Liebe Lavendel, kann dich gut verstehen, einerseits hat man solch einen Zorn, andererseits geht das Herz vor Liebe und Angst fast über.
Kommt ihr zur Gänze für seinen Lebensunterhalt auf? Zimmer, Essen.....?

Weihnachten ist halt auch so eine Sache - da kommen so viele Emotionen hoch - der Gedanke, "wie schön es früher doch immer war" - das Fest der Liebe, Familie - alle sollen beisammen sein - die große Frage ist nur, was ist schlimmer, bzw. mit was kann man eher leben: MIT einem vollgedröhnten Sohn oder mit den Sorgen um ihn, wenn er nicht da ist.....

Ich glaub die Frage lautet wirklich: was ist das "kleinere Übel" - was tut weniger weh - was hilft ihm eher zu erkennen, dass er zwar Familie hat, die ihn liebt, aber SO nicht!!!
Gott sei Dank ist es ja noch eine Zeit hin bis Weihnachten - da kann sich ja doch noch einiges tun!

Es ist so schrecklich, er glaubt allen Ernstes es gehe uns um diese besch.... 40 Euro pro Woche - es ist doch nur ein Versuch, ihn in eine "geregelten Ablauf" zu "zwingen" . .ich pfeiff auf das Geld - es kommt so und so auf ein Sparbuch, dss er irgendwann einmal bekommt.

Liebe Grüße - eine ziemlich depressive Relle

Inaktiver User
23.11.2006, 10:47
Liebe Relle,

Süchtige machen ihre Familie verrückt!! Und sie sind prima Schauspieler, sie lügen dir ins Gesicht und arbeiten mit allen Tricks.

Wenn du dir klar machst, dass das eine Auswirkung der Sucht ist und nicht gegen dich gerichtet ist, dann kannst du vielleicht einen Schritt zurücktreten und ihn besser sehen?

Und dein Sohn ist ja ganz schön ausgebufft! Er war von Anfang an agressiv und in Abwehrhaltung - er hätte am Dienstag den Job ja nicht beginnen können - weil das Gewand dafür ja zu Hause sei und er ja ohne die 40 Euro nicht kommen dürfe...

Klasse, jetzt seid ihr auch noch schuld, Mensch Relle! Gut, dass du wütend bist!! Sei weiter wütend! Und glaub ihm nicht, was er sagt, sondern nur, was er TUT!

Und hör auf, dich zu rechtfertigen (das ist liebevoll gemeint!).

Sohnemann wird weiterhin alles tun, um sich seinem Versagen nicht zu stellen - und weiter mit dem Finger auf die bösen Eltern zeigen. Es ist ein Teufelskreis: seine Sucht ist der Grund für sein beschissenes Verhalten, also kifft er weiter um die Scham nicht zu spüren...

Zieht euch den Schuh nicht an! Ihr habt klare Regeln festgelegt und die Konsequenzen aufgezeigt. PUNKT.

Dein Sohn ist doch nicht blöd: irgendwann kommt er an den Punkt, an dem er sich der Wahrheit stellen muss: dass die Situation, in der er steckt, sein ganz eigenes Ding ist.

Ich wünsch dir Vertrauen in den Jungen, den du kennst und der immer noch in ihm steckt!
Dass du an das Gute in ihm glaubst, aber dich nicht von ihm verscheissern lässt.

Ich drück dich aus der Ferne!
evemie

Amely
24.11.2006, 10:18
Sorry .. dass ich meinen Senf jetzt auch noch dazu geben muss.
War letztes Jahr mal an Ostern verreist und als ich zurückkam l
(es war Ferienzeit) lag mein Sohn noch im Bett und scheinbar fast verhungert, da der Opa immer alles anbrennen lässt und an der Wand hing ein Zettel: Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge!

Mr.Endo
27.11.2006, 13:41
Hallo Relle,
ich habe selber 7 Jahre lang gekifft und kann eure probleme nur zu gut verstehen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen dass ein dauerhaftes Aufhören
kaum möglich ist, irgendwann holt es einen immer wieder ein, es sei denn man hat eine 100%ige Überzeugung durch Glauben. oder ähliches. Das einzige was mir geholfen hat nicht zu kiffen, waren die Zeiträume wenn ich eine Freundin hatte die etwas gegen kiffen hatte, in der Zeit hab ich gras nicht nur nicht geraucht, ich hatte es regelrecht vergessen. Bis dann der Tag kommt an dem alles wieder vorbei ist: vom Schlussmachen taxi direkt zum dealer.
Heute seh ich meinen Konsum mehr als Krankheit mit der ich lebte, ich hatte trotzdem freunde, family, ne freundin und einen anständigen Job, ich ging sogar breit in Geschäftsmeetings - und ihr würdet euch umgucken wenn ihr wüsstet wieviele "wichtige" Menschen in Führungspositionen den ganzen Tag auf Drogen sind (allerdings eher koks).

Das einzige was in eurem Fall hilft ist, glaube ich zumindest, eurem Sohn etwas zu geben/nehmen das ihm wichtiger als weed ist. Wenn ich früher bsw abends ein Date hatte, habe ich den Tag über nicht gekifft, weil ich wusste ich kanns mir nicht leisten und wenn ichs doch tue geht's in die Hose. So konnt ich Wochenlang clean bleiben, ich musste nur jeden Tag etwas wichtiges zu tun haben bei dem ich nicht breit sein konnte. Kiffer sind rational, sie wollen kiffen und dabei so wenig machen wie möglich - er braucht also etwas das ihn so beschäftigt das er nicht zum kiffen kommt und das ihm so wichtig ist das er es tatsächlich tut. Wie ist bsw sein Freundeskreis? hat er noch mit leuten zu tun die nicht kiffen?
Hat er ne freundin? das kann echte wunder bewirken - sex ist besser als kiffen, wissenschaftlich erwiesen ;-)!

im endeffekt ist alles eine motivationsfrage, mit dem richtigen antrieb und ganz wichtig, erfolgserlebnissen in dingen die er vorher nicht geschafft hat, kann er es tatsächlich allein schaffen. Was macht er so den ganzen Tag? Ist euer sohn eher der Koma-Kiffer, der sich den ganzen Tag so breit raucht das er kaum noch sprechen kann oder unternimmt er dinge wenn er nreit ist?Hat er eine bong? sag ihm er soll sie los werden und joints rauchen - ist ein anfang, die lebenslust kommt langsam. Wichtig ist, das er weiß wie gut es ihm geht und das er schon am boden war (def. Boden: keine Wohnung, kein Geld, kein Job, keine Freunde, keine Pussy, wichtig: keine couch keine psx kein tv!) nehmt ihm die grundlagen seiner kifferei und guckt was passiert.

Ich würde ihn auf keinen Fall rauswerfen, er wird zu seinen kiffer freunden (fragt ihn bei gelegenheit mal ob er sie eher als freunde oder als konsumpartner bezeichnen würde, wenn er sauer wird habt ihr recht und er denkt drüber nach) gehen und sich denken jetzt erst recht!ob er da dann nochmal rauskommt ist fraglich! es sei denn er war noch nicht ganz unten, dann raus mit dem bengel, er wird sich ein paar monate rumtreiben, auf die fresse fliegen, und dann geheilt heulend und reumütig zurück gekrochen kommen. Den meisten kiffern geht es einfach zu gut, sie können ohne unmittelbare konsequenzen den ganzen tag nichts tun ohne hunger zu leiden, zu frieren oder ihr leben bedroht zu sehen, also tun sie es. sie darauf aufmerksam zu machen führt nur zu trotzreaktionen aus hilflosigkeit.

Also mein Tipp: rausschmeißen - bluten lassen - hoffen (hört sich böse an, klappt aber fast immer)

bei fragen stehe ich gerne zur verfügung, vielleicht kann ich ihnen ja den ein oder anderen tipp aus meinem erfahrungsschatz geben.:

relle
28.11.2006, 08:24
Hallo Mr.Endo,
Du bringst es zeimlich genau auf den Punkt, ich glaub, er war noch nicht "GANZ UNTEN" - die Frage ist nur, Wo ist ganz unten????

Probleme mit der Polizei, kein Geld .... hab immer gegalubt, das ist unten genug - aber möglicherweise, ist das alles, solange er in sein "Familiennest" zurückkriechen kann, zu wenig.

Er hat keine Freundin - bin auch überzeugt davon, dass das ein Grund sein könnte, aufzuhören - nur, kiffen ist illegal, also wird hauptsächlich in privater Umgebung gekifft - und da sind halt nur Leute die auch kiffen. Freunde die absolut gar nicht kiffen, hat er nicht - allerdings haben die meisten ihr Leben zumindest soweit im Griff, dass sie für sich selbst sorgen müssen - geregelte Arbeit......

Mein Sohnemann ist übrigens seit Samstag Vormittag wieder da - hat die restliche Miete und die 40 Euro für diese Woche gebracht.... frag mich nicht woher... traue ihm allerdings "Noch nicht" zu, dass er wirklich krumme Dinge dreht - noch hat er Freunde, die ihm immer wieder mal aushelfen...

Mein Mann und ich haben so ziemlich alles, was uns bis jetzt eigefallen ist,versucht ihm schmackhaft zu machen- alle möglichen Ausbildungen, Variationen von Sport und Aktivitäten... aber bisher war nichts dabei, dass ihn wirklich auf Dauer interessiert hätte.

Bin ein wenig irritiert, im vorletzten Absatz schreibst Du: ...ich würde ihn auf keinen Fall rauswerfen.... aber im letzten Absatz: rausschmeißen - bluten lassen......

Mir ist schon klar, dass sehr viele Leute auch im Arbeitsalltag Drogen kosumieren - aber die haben das Drogenproblem zumindest so weit im Griff, dass sie noch etwas TUN!!!

Sohnemann schläft meistens bis ca. 10 - 11 00 Uhr - frühstückt dann - dann vor den Computer - irgendwann macht er sich was zu essen und geht dann am frühen Nachmittag weg - heim kommt er meistens so gegen Mitternacht.
Er erzählt auch immer "brav", dass er sich da und dort hin vorstellen geht..... glaub aber mittlerweile nicht s mehr.

Da ich jetzt die 3. Woche zu Hause bin (Fussoperation) - krieg ich seinen tollen Tagesablauf genau mit - es macht mich so zornig - hab aber ganz einfach fast keine Kraft mehr, ihm das ständig vor Augen zu führen - bin dabei zu resignieren...

3 Wochen noch - dann fängt er angeblich auf dieser Schihütte zu arbeiten an und er ist weg von zu Hause....

Was war der Grund dafür, dass Du aufgehört hast - oder hast Du es einfach "im Griff"......
Wie hast Du Dein Umfeld, während dieser Zeit wahrgenommen?
Hattest Du Familie, die dir "geholfen" hat?
Würd mich freuen, wieder von Dir zu hören!

Hallo Evemie - Deine Worte tun wie immer, ganz einfach gut!!!!!
Danke!!!!!!!!

Liebe Grüße Relle

Babsch
28.11.2006, 20:26
Hallo, ich habe gerade eure Beiträge gelesen und meine zum Teil das ist aus meinem Leben. Auch wir haben einen 23 jährigen Sohn, der seit gut sechs Jahren kifft. Mit 21 Jahren musste er ausziehen, da ein zusammenleben unter einem Dach nicht mehr möglich war. Wir haben ihm geholfen eine Wohnung zu bekommen und er hat zur damaligen Zeit seinen Zivildienst abgeleistet. Es ging am Anfang einigermaßen gut. Wir hatten wenig Kontakt,da wir oft gestritten haben und er sein eigenes Leben haben wollte. Bis eines Tages die Polizei bei uns anrief: er wurde beim Diebstahl erwischt, seine Wohnung wurde durchsucht und ich solle doch nach ihm sehen, da er wohl im total Chaos lebe. Das hat sich auch bestätigt. Die Wohnung war total verdreckt, er hatte sich eine Katze und Meerschweinchen angeschafft und das in einer 1-Zimmer Wohnung. Um es kurz zu machen, wir haben innerhalb der letzen zwei Jahre viermal die Wohnung total entrümpelt und geputzt und mit ansehen müssen, wie unser Sohn immer tiefer fällt. Er wollte sich nicht helfen lassen und wir waren machtlos. Seine Post hat er schon nicht mehr geöffnet, da es nur noch Mahnungen und Schreiben von Inkassobüros waren. Im Januar diesen Jahres kam es dann zur Eskalation. Ich habe ihn besucht und abermals im totalen Chaos völlig bekifft angetroffen. Ich habe es geschafft (fragt mich nicht wie!!) ihn in mein Auto zu bekommen und habe ihn in eine Klinik gebracht. Er befand sich in einem psychotischen Zustand. In der Klinik war er drei Monate, überwiegend auf einer geschlossenen Station, da er immer wieder Abbruch angekündigt hatte. Nach drei Monaten hat er aber dann doch abgebrochen und es gab keine Möglichkeit mehr ihn zu halten. Zurück in seiner Wohnung begann dann abermals eine schlimme Zeit für ihn und für uns. Inzwischen hatte das Vormundschaftsgericht einen gesetzlichen Betreuer für ihn angeordnet und er musste sich in psychatrische Behandlung begeben. Er war nach wie vor der Meinung, dass er nicht krank ist, keine Probleme hat und alles in den Griff bekommt. Doch dies war nicht so. Er hat durch den jahrelangen Drogenkonsum schwere Defizite, die sich jetzt erst bemerkbar machten. Vorher war er ja immer bekifft. Nach sechs Wochen ist er wieder bei uns eingezogen, da er es in seiner Wohnung nicht mehr ausgehalten hat und er hat sich für eine Therapie entschlossen. Gott sei Dank! Er ist nun seit drei Monaten in einer Klinik für Drogenabhängige. Diese Therapie ist nicht einfach aber es ist ihm inzwischen klar, dass er ohne professionelle Hilfe nur auf der Straße landen kann. Für uns war und ist es eine sehr schwere Zeit. Ich habe ihn nie fallen lassen - obwohl mir viele dazu geraten haben. Aber ich denke als Mutter kann man es einfach nicht. Ob es richtig war und ist ? - ich weiss es nicht. Die Therapie wird wohl insgesamt mindestens 6-9 Monate dauern. Die Klinik ist 300 km von unserem Ort weg und wir hoffen, dass er vielleicht dort Fuss fasst. Ganz wichtig ist, dass er aus seinem Umfeld weggekommen ist.

Mr.Endo
29.11.2006, 13:53
Hallo Relle!
Ich glaube dass mit dem Familiennest hast du gut erkannt, wobei ich der Sache mit der Skihütte etwas kritisch gegenübr stehe. Wichtig ist das man etwas hat das nicht nur den Tag und das Konto, sondern auch einen selbst (er)füllt. Einem Job auf der Alm traue ich das nicht unbedingt zu, da man die meiste Arbeit da wohl auch breit erledigen kann.Ein Job mit größerer Verantwortung wäre meiner Meinung nach besser geeignet, allerdings macht das nur Sinn wenn man die Herausforderung auch annehmen möchte. Kifft dein Sohn auch zu hause? Deinen erzählungen nach hört es sich nicht unbedingt so an, und das wäre auch schon mal ein gutes zeichen. Vielleicht hat er auch mehr psychische- als Drogenprobleme. Kann (oder konnte er, bevor er angefangen hat) auf Leute zugehen? Hatte er früher viele Freunde? Ich kenne viele Kiffer die die Droge mehr als Ausrede nehmen, sich bestimmten Herausforderungen nicht stellen zu müssen, als dass sie tatsächlich spaß daran hätten high zu sein. Erfahrungsgemäß sind das recht schüchterne und introvertierte Leute, die schon vor ihrem Konsum kaum in der Lage waren eine normale Konversation zu führen.

Ich selbst bin aus dem Kiffen mehr oder weniger rausgewachsen.
Ich hab meine eigene Lage gesehen und mir war klar dass das kein Leben ist und ich so kaputt gehen werde, allerdings habe von da an noch gute 2 Jahre gebraucht um wirklich aufzuhören. Man sieht zwar mit an wie man selbst "hängen bleibt", ich zumindest war aber erst einmal unfähig etwas dagegen zu unternehmen. Irgendwann hab ich es dann geschafft wieder Lebensfreude an normalen Dingen wie Unterhaltungen oder konstruktiver Arbeit zu finden. Der entscheidende Punkt war der erste Tag an dem ich nicht gekifft habe, ich war pleite und mit den meisten meiner "Freunde" zerstritten und konnte mir dementsprechend auch kein Geld leihen, also blieb mir nichts anderes übrig als nicht zu kiffen. Erst hab ich die Dinge getan die ich sonst high gemacht habe: Playstation gespielt, die wand angeguckt, egal was. Dabei ist mir aufgefallen wie langweilig und sinnlos das eigentlich ist, also hab mein gesamtes Zimmer nach einem abgebranden Jointstummel oder irgendetwas rauchbaren durchforstet - zum Glück war überhauptnichts da, in der situation hätte ich wohl auch ein Plastiktütchen geraucht in dem mal gras gewesen ist!
Abends konnte ich nicht einschlafen und war kurz davor bei meinen Leuten zu Kreutze zu kriechen, dann bin ich eingepennt und am nächsten Morgen gings mir so gut wie nie zuvor. Ich bin morgens um 7(!!!) aufgestanden, spazieren gegangen und fand den Tag viel zu schön um ihn zu verkiffen, seit dem bin ich praktisch clean! Praktisch weil ich ab und zu doch noch einen Joint mitrauche, allerdings wirklich nur zu Sylverster, Geburtstagen, und ähnlichen Anlässen, also ca 3-4 mal im Jahr. Der letzte war im Juli, seither lasse ich alleine schon aus dem Grund die Finger davon, dass das Gras in letzter Zeit mit Glasstaub gestreckt wird, es soll schon einige Lungenrisse dadurch gegeben haben...
Ich glaube ein solches Denken, wie ich es damals an den Tag legte, kann man nicht forcieren, aber vielleicht macht es euch ja ein wenig Hoffnung. Meine Familie hätte mich wohl unterstüzt wenn ich sie darum gebeten hätte, so wurde mein Konsum aber einfach ignoriert, ich habe tag täglich zu hause gekifft, und es ist ja nicht so als ob man das nicht riecht! Mein Umfald hab ich eigentlich genauso wargenommen wie jetzt, nur das mir völlig egal war wenn ich breit war, oder wenn ich kein gras mehr hatte, dann war ich erst agressiv, danach depressiv. Dann kam ein kleines Hoch wenn ich dann endlich gras bekommen habe, und nach dem Rauchen war ich dann einfach nur noch passiv. Wenn ich dann langsam wieder klar geworden bin, so ca 2 stunden nach dem letzten Joint/Kopf, hab ich meine Lage plötzlich wieder ganz klar gesehen, war reumütig und wollte aufhören. Ich glaube das ist in etwa der Zeitpunkt an dem du deinen Sohn immer wieder zugänglich antriffst.

Sorry wenn ich mich in meinem ersten Beitrag unklar ausgedrückt habe. Als ich geschrieben habe dass du deinen Sohn auf keinen Fall rausschmeißen solltest bin ich davon ausgegangen das es ihm zu Hause nicht sonderlich gut geht. Nachdem ich den Strang weiterverfolgt hatte, hab ich aber den Eindruck bekommen dass ihr wohl recht liebevolle Eltern seit und im Prinzip eine relativ harmonische Familie seit. Ich denke es geht eurem Sohn einfach zu gut bei euch, daher würde ich ihn rausschmeißen und ihm mal eine dicke Dosis Realität zu verpassen. Ich kenne Fälle in denen das sehr sut funktioniert hat. In Familien in denen die "bittere Realität" mit viel Streit, Schlägen und finanziellen Problemen von kindesbeinen an vorgelebt wurde ist das aber recht sinnlos, da draußen meistens fast das gleiche erlebt wird wie zu Hause. Wie benimmt dein Sohn sich wenn du Ihn morgens triffst bevor er gekifft hat? Habt ihr manchmal noch normale gespräche über andere Themen? Das ist sehr wichtig damit er dir übrhaupt noch zuhört und nicht gleich dicht macht wenn du auf ihn zukommst - nach dem Motto "die will mich ja sowieso nur therapieren". Ich glaube einfach mal wieder mit deinem Sohn zu lachen, über irgendwelche irrelevanten Banalitäten, würde die ohnehin gut tun und dir vielleicht wieder etwa Kraft geben. Nehmt euch mal ein bisschen Zeit für einander ohne über kritische Themen zu reden und seit einfach für ein, zwei Stunden Mutter und Sohn, vielleicht kommt er ja dadurch auch etwas zu sich.

Wie dem auch sei, dein Sohn kann sich glücklich schätzen Eltern zu haben denen er so wichtig ist und die seinetwegen so viel auf sich nehmen, irgendwann wird er das kapieren!

Ich wünsche euch 3 alles gute und hoffe das ihr noch rechtzeitig wieder auf die Beine kommt.

Gute Besserung deinem Fuß,
endo

relle
26.07.2013, 22:20
Es ist an der zeit DANKE zu sagen!!!
28.11.2006 war mein letzter Eintrag - ich weiss nicht mehr warum ich aufgehört habe zu schreiben - dieses Forum war zu dieser Zeit so unglaublich wichtig für mich - eine rießen Hilfe diese unglaublich schwierige Zeit zu überstehen.... Wie schön wäre es jetzt von meinen damaligen "Weggefährten" von meinen Ratgebern, meinen "Krücken" zu hören, dass es Ihnen allen gut geht.....
Vielleicht "verirrt" sich ja jemand in diesen Strang und liest unsere Geschichte - zumindest einen Teil unserer oder besser unserer Söhne Geschichte, und sollte es so sein so kann ich sagen - wir haben sicher vieles falsch aber mehr richtig gemacht.
Ich habe mich heute abend mit meinem Sohn getroffen - wir waren gemeinsam essen - es war wieder mal ein richtig schöner abend....
Es ist so lange her, es ist so viel passiert und es ist gut.
Lavendel, Evemie, Mr Endo und wie Ihr alle geheissen habt - seid Ihr noch da? Wie geht es Euch, was ist aus Euch geworden?
Ich bin in der unsagbar glücklichen Lage sagen zu können " es ist vorbei" und es ist alles gut ausgegangen.
Tomi hat sehr spät aber doch eine Lehre zum technischen Zeichner absolviert, wohnt in einer netten kleinen Wohnung - hat einen guten Job und steht endlich mit beiden Beinen im Leben. Er lebt und er geniest das Leben und ich freu mich so für ihn, dass er endlich Dinge erleben kann die lange Zeit unerreichbar gewesen sind...... und ich bin so unsagbar dankbar dass doch noch alles gut ausgegangen ist.
Ich würde mich so sehr freuen von Euch zu hören - von Euch die Ihr mir so unglaublich geholfen habt - ich wäre fast verzweifelt am Leben - und Ihr - dieses Forum - habt mitgeholfen und dafür bin ich heute von ganzem Herzen dankbar!

Superguppy
11.08.2018, 00:05
Auch, wenn jetzt schon wieder viel Zeit vergangen ist seit dem letzten Beitrag, möchte ich mal danke sagen für eure Offenheit hier und besonders an Relle für die spätere Erfolgsmeldung von ihrem Sohn. Wir sind gerade in der gleichen Lage und ich freue mich so, mal was Positives in dem ganzen Mist zu lesen. Ich hoffe, es ist weiterhin alles gut bei euch :-)

yessai
12.08.2018, 16:41
Hallo superguppy, durch dein Schreiben, habe ich diese Beiträge verschlungen. Danke dir und allen die sich hier so wunderbar ausgetauscht haben. Mein Sohn ist seit ca einem Jahr am kiffen, ohne Ausbildung und weiss nicht was mit sich anfangen.Er wohnt zuhause, ist erst Anfang dieses Jahres 18 geworden. Bis vor einem Jahr lief alles ganz normal ab, Schule abgeschlossen, hat nicht geraucht oder getrunken. Hatte viele Freunde und hat viel PC gespielt. Einige Freunde brachten grass, er wollte auch mal probieren und schon nach ca 2 Monaten hatte er keine Lust, keine Freude/ Interesse auf die Lehrstelle und hat sie abgebrochen. Hat dann hier und dort geschnuppert, aber nichts scheint ihn zu überzeugen.
Ich frage mich, ob er schon süchtig sein kann (nach einem Jahr Konsum von grass, aber er hat wohl schon auch anderes probiert, davor hat er aber Respekt) oder bloss demotiviert?

Würde mich sehr über einen Austausch freuen, von neue und "alte" Mitschreiber.

Liebe Grüsse

Superguppy
12.08.2018, 22:05
Liebe yessai, dann ist das Thema für dich ja noch relativ neu. Deshalb rate ich dir, dich zuerst gut zu informieren über das, was dein Sohn so konsumiert. Bei mir hat das Wissen um die Wirkweise verschiedener Drogen und das Lesen von vielen Erfahrungsberichten die Angst und Sorge über die Jahre erträglicher gemacht. Diesen Thread finde ich toll, weil hier soviele unterschiedliche Leute geschrieben haben. Ich würde mich freuen, wenn er wieder aktiv wird und es neue Mitschreiber gibt :blumengabe:

yessai
13.08.2018, 00:34
Diesen Thread finde ich toll, weil hier soviele unterschiedliche Leute geschrieben haben. Ich würde mich freuen, wenn er wieder aktiv wird und es neue Mitschreiber gibt


Ja, das hoffe ich auch und finde ich auch, lieber superg. !
Du bist dann schon länger am Thema? Wo hast du noch Erfahrungsberichte gelesen?
Beim Sohn ist es m.W. hauptsächlich recht regelmässig Grass. Alles andere war nur einmalig, sagt er, den er mag keine künstlichen Sachen.
:blumengabe: