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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst, dass mich keiner mag



Inaktiver User
15.09.2006, 19:19
Hallo,

momentan ist es wieder besonders schlimm.

Ich lerne in einer Woche die Eltern meines neuen Freundes kennen. Er liebt mich sehr und ich fühle mich so glücklich wie noch nie zuvor. Eigentlich ist momentan alles (auch in beruflicher und freundschaftlicher Hinsicht) bestens.

Wenn es da nicht dieses eine Problem gäbe, mit dem ich mir unnötig das Leben schwer mache.

Eigentlich habe ich keinen Grund, mich irgendwie klein zu machen oder anzunehmen, dass andere Menschen mich nicht mögen könnten, aber ich kriege dieses Gefühl einfach nicht aus meinem Kopf.
Ich werde oft durch leichte Kritik völlig verunsichert... und wenn dann jemand neues da ist, der einen erstmal mustert (aha, DAS ist also Kleenebeene)... dann verunsichert mich das auch TOTAL!!!

Ich habe daher Probleme, Menschen kennenzulernen. Oder besser gesagt: ich habe Probleme authentisch zu sein, weil ich wegen der Verunsicherung immer einen anderen Typ raushängen lasse, der ich eigentlich gar nicht bin.

Also. Problem authentisch zu bleiben, wenn ich neue Menschen kennenlerne. --- Ob das -wie im aktuellen Fall- die Eltern meines Freundes sind, oder - wie in anderen Fällen- gute Freunde von meinen Freunden/Freundinnen oder Menschen, die irgendwie toll und faszinierend sind oder einfach nur "neu" .... ich kriege es zwar hin, eine halbwegs angemessene Unterhaltung zu führen, aber ich fühle mich, als ob ich fast sterben müßte und sage/gucke/denke/handle irgendwie sehr oft so, wo ich quasi schon im gleichen Moment denke... huch, das bin doch gar nicht ich.
--- Und das natürlich, weil ich irgendwie denke, dass mich die Menschen vielleicht nicht mögen würden, wenn ich mich gleich zu Anfang so zeige, wie ich bin.

Prinzipiell kann mir - und ist mir das auch- bei 80% der Bekanntschaften egal. Entweder sie mögen mich, oder nicht. Basta. Aber wenn es sich um oben genannte Personen handelt, dann möchte man ja einen möglichst guten Eindruck hinterlassen.

Zum Glück habe ich festgestellt, dass ich diese Scheu nur am Anfang habe, d.h. nach 3 oder mehr Treffen ist dann auch alles "in Ordnung" und ich werde z.B. nicht mehr rot, oder rede irgendeinen Stuss ... oder habe einfach nur Angst mich zu blamieren, wenn ich den "neuen" Menschen sehe.

Wie macht ihr das, wenn ihr neue Leute kennenlernt?
Seid ihr dann gleich authentisch oder lasst ihr lieber erstmal das Probe-Ich aus dem Sack???
Kennt ihr diese Angst auch???
Woher kommt das?



Ich danke euch

Kleenebeene

blaueshaus
15.09.2006, 22:53
Hallo Kleenebeene,
also, einer mag dich doch auf jeden Fall: dein Freund. Lass das mit seinen Eltern mal locker auf dich zukommen, du kannst hier sowieso nichts ändern. Die "Schwiegereltern" sind ein spezielles Thema für sich, vielleicht hast du ja Glück, im anderen Fall musst du den Tag auch rumkriegen. Außerdem willst du ja nicht mit ihnen zusammen sein, sondern mit ihrem Sohn.
Ich habe auch manchmal so Phasen, in denen ich alles auf die Goldwaage lege, was andere sagen, machen oder tun. Ich versuche dann mittlerweile, mich mit möglichst unverfänglichen Themen abzulenken und Gespräche in harmlose Bahnen zu lenken. Meistens geht es dann wieder besser. Lege dir für euer Treffen doch vielleicht schon ein paar Themen zurecht, die beide Seiten interessieren könnten.
Die anderen Leute kochen auch nur mit Wasser.
Tschüss
Blaueshaus

MaxPower
16.09.2006, 13:44
Ist denn das, was du über dich denkst, auch authentisch? :smirksmile:


Zum Glück habe ich festgestellt, dass ich diese Scheu nur am Anfang habe, d.h. nach 3 oder mehr Treffen ist dann auch alles "in Ordnung" und ich werde z.B. nicht mehr rot, oder rede irgendeinen Stuss

Du lernst mich neu kennen und ich rede totalen Stuss. Würdest du es dann noch zwei oder mehr weitere Male mit mir aushalten oder zu einem Treffen kommen lassen? Nein, mit Sicherheit nicht.

Demzufolge ist das, was dir an dir aufgefallen ist, den Leuten wohl kaum bis garnicht aufgefallen und es hat sie auch an dir nicht gestört.


Und das natürlich, weil ich irgendwie denke, dass mich die Menschen vielleicht nicht mögen würden, wenn ich mich gleich zu Anfang so zeige, wie ich bin.


Ist es denn überhaupt realistisch zu denken, daß man beim ersten Kontakt mit einem neuen Menschen sich so zeigen kann, wie man ist? Das geht nicht. Das macht auch keinen wirklichen Sinn, weil man ja vorher nicht wissen kann, ob man einem Menschen sein wahres Ich überhaupt zeigen will.

Vielleicht willst du zu viel auf einmal? Du merkst, dir ist jemand symphatisch und willst dann alle Register ziehen, um jemandem zu gefallen. Ist das denn nötig? Weißt du "alles" über Leute, die dir symphatisch sind?


Ich lerne in einer Woche die Eltern meines neuen Freundes kennen. Er liebt mich sehr und ich fühle mich so glücklich wie noch nie zuvor. Eigentlich ist momentan alles (auch in beruflicher und freundschaftlicher Hinsicht) bestens.

Na, wenns bestens ist, dann ist es doch ok. Schlimm wärs doch nur, wenn dich die Eltern lieben würden, dein Freund aber nicht-DAS wäre ein Problem.

Natürlich gehören die Eltern gezwungenermaßen irgendwie dazu. Dennoch ist der Eindruck, den du auf seine Eltern machst, irrelevant. Denn entweder mag er dich, oder er mag, was seine Eltern mögen. Mag er dich nicht, weil du seinen Eltern missfällst, dann hättest du eine Beziehung mit seinen Eltern.

Es ist aber davon auszugehen, daß er dich eben mag. Also kannst du dir den Eindruck, den du seinen Eltern gegenüber machst, eigentlich schenken. Die sind für dich und ihn was euch anbelangt nicht wichtig.


Wie macht ihr das, wenn ihr neue Leute kennenlernt?

Das kommt auf die Situation, mein eigenes Befinden und die Leute an. Da ist dann alles an möglichen Verhaltensweisen dabei, mehr oder weniger ausgeprägt.


Seid ihr dann gleich authentisch oder lasst ihr lieber erstmal das Probe-Ich aus dem Sack???

Authentisch bin ich dann, wenn ich meine, mein Gegenüber ist es auch. Nicht jeder, der mir symphatisch ist oder der/die mich beindruckt, ist deshalb "authentisch". Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß ich da nur deren "Probe-Ich" bewundere, diese Leute privat aber totale Deppen sind...


Kennt ihr diese Angst auch???
Das kennt jeder, man geht nur unterschiedlich damit um.


Woher kommt das?
Klingt sicherlich abgedroschen, hat aber wie so vieles mit dem Selbstbewusstsein zu tun. Man ist in solchen Situationen einfach unsicher...

cestlavie
27.09.2006, 16:41
Hallo Klenebeene,

Du sagst, Du hast Probleme authentisch zu bleiben, und denkst Dir manchmal huch, das bin ich ja gar nicht.
Doch, das bist Du! Authentisch Du, in einer bestimmten Situation, reagierst DU mit einem Verhalten von dem Du in diesem Moment meinst, das es Dir am meisten von Vorteil ist. Du passt Dich also in diesem Moment einer Situation an, mit dem Ziel den groessten moeglichen Nutzen fuer Dich zu gewinnen.
Die Sache mit dem "Verstellen" bringt nur die Frage auf ob Du vielleicht NOCH BESSER ankommen wuerdest, wenn Du gleich mit Deiner "wahren Natur" rausruecken wuerdest. Niemand kann die Gedanken anderer kontrollieren und selbst wenn man glaubt sich angemessen zu verhalten, kann man Andere nicht daran hindern sich Urteile zu bilden. Wer weiss, vielleicht haette man mehr Erfolg, waere man nicht zu witzig, zu intelligent, zu ueberlegt, zu angepasst, sondern laege alle moegliche Energie darin sich selbst treu zu bleiben?