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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : drüber reden wär so gut...



ness
15.09.2006, 14:38
:heul: hey!
ich bin neu in diesem forum. ich habe im internet so ein forum gesucht, wo ich leute finde, die mich verstehen, weil sie ähnliches durchgemacht haben.
gestern hab ich den ganzen nachmitag damit verbracht, einträge in diesem forum zu lesen. die nacht hab ich damit verbracht, meine trauer über das gelesene und über meine eigene geschichte irgendwie zu überwinden. dann hab ich mich entschieden, hier auch zu schreiben.
ich habe meinen lieben opi verloren. ich hab gelesen, da gibts einige einträge von menschen, die ebenfalls ihre großeltern verloren haben und darüber schreiben wollten.
ich auch.
es ist nun schon ein paar monate her. aber je länger es her ist, desto dringender hab ich das bedürfnis, mir alles ganz ganz frei und ungeschminkt von der seele zu reden. genauso, wie ICH es empfunden habe.
bisher hat es nicht geklappt, meine empfimdungen mit irgendjemanden zu teilen. zum einen, aus rücksichtnahme. zum anderen, weil kein interesse da war.
und jetzt? jetzt sind 5 monate und 6Tage vergangen, seit mein opi tot ist.
was, da habe ich das ganze noch immer nicht überwunden?????
- nein, leider nicht...nicht im geringsten. daher suche ich euch, hier in dem forum, die vielleicht an meiner geschichte teilhaben wollen, die mich verstehen. meine launen, meine gefühlsschwankungen, meine trauer, meinen schmerz.
mit mir drüber reden, das wär so gut!!!
:heul:

Bloodyzicke
15.09.2006, 15:24
Liebe Ness,

bei mir sind es jetzt fast vier Monate her, dass mein Lebensgefährte gestorben ist, und glaube mir, es braucht einfach Zeit. Bei dem einen weniger bei dem anderen mehr. Aber es heißt nicht umsonst "Trauerjahr". Man nimmt jedes besondere Ereignis des Jahres einmal bewusst ohne den geliebten Menschen wahr. Das dauert eben. Immer wieder kommt ein Ereignis, sei es Geburtstag, Feiertag oder ander Tage die für jemanden besonders waren, die alles wieder hochkommen lassen. Da ist es nur normal, dass man nicht mal so eben drüber weg ist. Mach dir also keine Gedanken, es ist vollkommen in Ordnung, denn auch nach dem "Trauerjahr" wird sich nicht von Zauberhand ein Schalter umlegen. Es wird eben dauern.
Es wird jeden Tag ein Lächeln mehr und eine Träne weniger geben.

Auf jeden Fall kann ich dir aber versichern, dass du hier jederzeit ein offenes "Auge" finden wirst, das deine Beiträge liest und auch beantworten wird. Ich habe hier schon einige Hilfe bekommen. Nicht nur Trost, sondern auch Ratschläge mit der Trauer leben zu können. Manchmal sind es auch Erfahrungsberichte.

Es wird dir gut tun zu schreiben.


Ich drücke dich ganz fest und schicke dir mit den schönen Sonnenstrahlen ein bisschen Kraft!!

Liebe Grüße

Bloody

ness
15.09.2006, 15:36
hey Bloodyzicke!!
ich danke dir sehr für deine antwort!
weißt du, da sind so viele bilder, die immer wieder kommen. oder situationen. wie z.B., dass ich bis zum schluß verdrängt hab, dass er im sterben liegt. ich hab ihm so viele dinge nicht gesagt.
oder der anruf in der nacht, der mich erreicht hat vom kh, damit ihn meine mama nicht bekommt.
oder der erste blick auf ihn, als wir uns nachher von ihm verabschiedet haben. ich dachte, ich bekomm eine riesig große ohrfeige mitten ins gesicht. mitten auf den brustkorb. sodass es mir die luft nimmt. und es schleudert mich zurück mit einer wucht, dass meine beine vom boden abheben.
und immer wieder denk ich mir, es ist alles ned war. ich kann alles noch nachholen, was ich versäumt hab.
aber dem ist nicht so...

Bloodyzicke
15.09.2006, 19:23
Liebe Ness,

diese Gedanken kenne ich zu gut. Als ich mich verabschiedet hab, lag mein Schatz bereits im Sarg, aber er sah aus, als würd er auf dem Sofa liegen und schlafen, ich konnte es nicht glauben, ich hab ihn angefleht endlich aufzustehen, aber er stand nicht auf...
Wie er aussah, als er da lag, das weiß ich nicht mehr, so sehr ich es versuche, ich kann diese Bilder nicht mehr sehen.
Dafür sehe ich immer wieder den Unfall, fast jede Nacht, aber auch am Tag wenn ich an ihn denke. Ich war aber bei dem Unfall nichtmal dabei. Trotzdem laufen diese Bilder immer wieder ab.
Ich habe auc wochenlang darauf gewartet dass er nach Hause kommt, jeden Abend saß ich da und wartete dass er von der Arbeit kommt. Noch immer denke ich manchmal auf dem Weg nach Hause, gleich bist du bei ihm, aber die Realität holt mich wieder ein und dann... Ja dann kommt dieses Loch, alles dreht sich und ich find den Ausgang nich. Ich sehe ihn einfach nicht.
Keiner weiß, wann sich diese Schlinge um die Brust lösen wird, aber sie wird sich lösen, irgendwann. Vielleicht denkt man dann tatsächlich nur noch mit einem Lächeln an die Geliebten. Aber eben erst irgendwann.

Liebe Grüße
Bloody

Pummel
15.09.2006, 21:14
Hallo Ness,
das tut mir sehr leid mit deinem Opa. Das du so sehr um ihn trauerst zeigt doch, dass ihr euch sehr nahe gestanden seid, euch verstanden habt. Das findet man ja auch nicht mehr unbedingt so oft bei den Menschen. Da fehlt so ein besonderer Mensch gleich nochmehr. Wenn deine Freunde so wenig Verständnis zeigen, dann haben sie selber vll nie so etwas erlebt, damit aber auch wichtiges im Leben verpaßt. Trag es ihnen nicht nach, sie wissen es nicht anders.
Bloody hat etwas sehr wahres gesagt mit dem Trauerjahr, ob es der Wechsel der Jahreszeiten ist, die Feiern, Gewohnheiten, all das musst du nun alleine erleben ohne deinen Opa.Trauer braucht Zeit. Was dir bleibt und dir auch niemand nehmen kann sind die Erinnerungen. Heute hätte ich dieses od. jenes mit Opa unternommen oder wenn du Fragen hast 'was hätte Opa mir nun geraten', ihn trotzallem noch in deinen Erinnerungen an deinem Leben teilhaben lassen und dich daran erfreuen. Das wird dir sicher wieder gelingen, lass dir Zeit.

Schön, dass du so einen tollen Opa hattest. Er ist jetzt sicher dein Schutzengel.

Alles Liebe - Pummel

Inaktiver User
16.09.2006, 09:10
Liebe Ness,

ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen.

Mein Opa starb als ich 17 war. Und bis heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. Und noch heute ist die Trauer um ihn extrem tief. Er fehlt mir sehr. Noch immer.

Er starb 1987.

Traurige Grüsse

ness
16.09.2006, 09:40
hey ihr Lieben!!!
ich danke euch vielmals für eure anteilnahme!!!
ich komm nicht gut damit zurecht, dass ich nicht abschätzen kann, wenn die trauer wieder "zuschlägt". da gehts ein paar tage gut, dann bin ich wieder sooo tief unten.
nein, ich nehme es niemanden übel, wenn ich ned verstanden werde. ihr habt sicher recht, die haben dann sowas wahrscheinlich noch ned erlebt. aber selbst mein freund versteht mich manchmal nicht. sein opi ist vor ca 4 jahren gestorben. und er hat es auch noch nicht "verschmerzt". darum hab ich gedacht, er ist der einzige, der mich wirklich versteht und es wird uns noch mehr verbinden. aber dem ist nicht so. ich glaub, er hat seinen schmerz so sehr verdrängt, dass er meinen jetzt nicht versteht.
darum kann ich leider auch mit ihm nicht so gut reden. und es ist sicher auch nicht leicht mit mir. das geb ich ja zu, weil meine trauer so plötzlich kommt. wahrscheinlich für ihn nicht gut nachvollziehbar.
mein opi war 5jahre krank. er hat gekämpft wie ein löwe(das war er vom sternzeichen, wie ich auch!!!). das war echt bewundernswert. ich hatte vorher nicht soviel kontakt mit ihm. erst durch seine krankheit. meine schwester ist sein allererstes enkerl gewesen und hatte eine besondere stellung bei ihm. ich weiß, dass er mich gemocht hat. er war ein weicher, sensibler mann, oft gerührt, aber er hat sich dafür geschämt und deswegen hat er diese gefühle immer überspielt.
ich hab ihm nie gesagt, dass ich ihn lieb hab. jetzt sag ich ihm das jeden tag, aber kann er es hören?
und ich trage seine kette mit seinem sternzeichen, die er von seinen geschwistern bekommen hat und bis zum tod um hatte.
ist ihm das recht? vielleicht will er lieber, dass meine schwester diese kette trägt?
ness

Bloodyzicke
16.09.2006, 11:34
Er hört es, ganz sicher. Und ob man geliebt wrd, das merkt man und er wird es gemerkt haben, auch wenn du es ihm nicht gesagt hast. Ich denke auch dass es ihm ganz bestimmt recht ist, wenn du seine Kette trägst. Er möchte bestimmt dass es dir besser geht, und wenn dir die Kette dabei hilft, dann möchte er ganz sicher, dass du sie trägst.

Das nicht verstanden werden kenne ich zu gut, es ist auch sehr schwer, weil jeder mit seiner Trauer ganz anders umgeht und weil auch nahe stehende Menschen oft nicht wissen, was sie sagen oder tun sollen. Ich habe mich oft darüber geärgert und war so enttäucht, das wird auch bestimmt noch oft vorkommen, aber wenn ich mich dann wieder etwas beruhigt habe, dann weiß ich, dass sie mich ja gar nicht verstehen können und das einzige was sie tun können ist, dass sie mir die Ablenkung verschaffen, die ich alleine nicht herbekomme.

Auch wenn ich keine Rücksicht nehme wenn es mir schlecht geht (abgesehen vom Job, da ich erst gerade meine Ausbildung begonnen habe) aber sonst lasse ich es auch raus und sage das auch ganz bewusst, weil das "Friede-Freude-Eierkuchen-Spiel" kostet viel zu viel Kraft.

Liebe Grüße

Bloody

swimmi
16.09.2006, 20:15
Liebe Ness,

der Tod deines Opas tut mir total leid. Kann es gut nachvollziehen, wie es dir geht, ich selbst habe am 9.August, also vor 5 1/2 Wochen meine Mutter an den Krebs verloren. Bin hier im Forum ein "stilles" Mitglied, aber heute habe ich mich überwunden und schreibe dann doch mal.

Einige Zeit haben wir gedacht, wir hätten den Krebs besiegt, meine Mutter war auch schon zur Reha, als er uns dann doch wieder heimgesucht hat und uns alle Hoffnung genommen hat. Im Innern denke ich, dass er die ganze Zeit über da war und einfach zu viel Kraft hatte, die er meiner Mutter dann letztendlich genommen hat. In den ersten 2 Wochen, wo alles zu regeln war, war die Trauer noch nicht so schlimm wie jetzt. Es begegnen einem täglich immer wieder Kleinigkeiten, bei dem der geliebte Mensch mehr denn je fehlt und das schlimmste ist, zu wissen, dass man ihn nie mehr wiedersehen und sich mit ihm unterhalten kann.
Mittlerweile ist es bei mir so, dass ich glaube, dass alle es schon vergessen haben, wohl noch an sie denken, aber es nicht verstehen, dass ich mal schlecht drauf bin oder trauere. Sie fragen vielleicht mal, wie es einem geht, wenn ich aber sage, dass es mir nicht so gut geht, wird sofort das Thema gewechselt. Es scheint, als sei der normale Alltag für alle wieder eingekehrt und ich habe das Gefühl, ich habe vergessen, weiter "mitzuleben". Ich ertappe mich total oft dabei, wenn ich vor anderen sage, dass es mir gut geht und einfach versuce, die "Starke" zu spielen, die damit umgehen kann.
Nächste woche ist das 6 Wochen Seelenamt und irgendwie habe ich totale Angst davor. Wenn ich doch wenigstens noch einmal mit ihr reden könnte....
Sie musste alleine sterben....
Ich habe Angst, dass mein Leben einfach nicht weitergeht und jeden Tag frage ich mich, wie ich den tag ohne sie überstehen soll.... Ich lebe eigentlich nur von Tag zu Tag momentan....

Es tut so schrecklich weh!!!

Ich wünsche dir alles Gute und in Gedanken bin ich bei dir!

Swimmi

ness
22.09.2006, 11:28
hey Swimmi!!!
danke für deine antwort!
ja, das stimmt, ich fühl mich auch manchmal so, als ob sich die welt weiter drehen würde, aber ich bin ausgespart. es rast an mir vorbei und nur ich stehe still.
mein opi ist auch allein gestorben. in der nacht.
in der nacht zuvor habe ich mit meiner mama darüber geredet, ob ich nicht bei ihm bleiben soll, im kh. aber sie hat gemeint, er sagt sicher nein und regt sich nur darüber auf.
ich habe nie mit ihm übers sterben geredet. er hat sich sogar vorher um sein grab gekümmert. dennoch wollte er eigentlich weiter leben. er hat 5jahre gekämpft, hatte anscheinend schon kurzfristig den krebs bezwungen gehabt. er war aber leider auch schwach am herzen und am schluß hatte er eine lungenentzündung.
ich hab am sonntag, um halb 5 in der früh den anruf vom kh bekommen. den hab ich bekommen, weil meine mutter das ned gut ausgehalten hätte. ich hab es ihr angeboten. ich wollte ihr soviel wie möglich helfen, die schlimme zeit zu überstehen. der anruf wurde deswegen auf mein handy umgeleitet.
die ärztin hat sich nach meiner verwandschaftsbeziehung zu opi erkundigt. ich hab noch gedacht, dass sie sich beeilen soll. wenn es opi wirklich so schlecht geht, dass sie anruft, dann muss sie weitertun. wir brauchen ja auch ein wenig zeit, um ins kh zu kommen und vielleicht ist es dann zu spät!!!
dabei hat sie mir erklärt, dass mein opi gerade verstorben ist. plötzlich hab ich nurmehr funktioniert. ich ab überlegt, was ich jetzt alles fragen muss, was dann meine mutter vielleicht wissen will, oder meine onkeln und tanten(meine mama hat 2brüder und 1schwester).
dann hab ich kurz mit meinem freund neben mir gesprochen.
keine tränen. nur leere.
wir haben bei meinen eltern geschlafen, damit wir in der nähe sind. und wir haben ausgemacht, dass ich nicht in das schlafzimmer kome, damit sie sich nicht so schrecken, sondern dass ich einfach lärm mach, wenn in der nacht was sein sollte.
so hab ich licht gemacht. die klospülung betätigt. die tür laut zu gemacht.
dann kam meine mama. auch sie hatte diese eile, damit sie schnell ins kh kann zu opi, weil es ihm ja schlecht geht. warum sonst mach ich so lärm.
nein, mama. opi ist leider schon verstorben.
dann bin ich telefonieren gegangen. mamas geschwister anrufen.
dann sind wir ins kh gefahren. verabschieden.
immer noch keine tränen.
mein opi ist in einen extra raum gebracht worden, damit wir uns in ruhe verabschieden können.
die tür ging auf. ich sah ihn liegen, in weiße leinentücher gepackt.
mein onkel kam auf mama zu, hat sie umarmt und gemeinsam geweint.
als ich den ersten blick auf opi geworfen hab, kam diese riesig große ohrfeige. mit wucht, sodass ich das gefühl hatte, ich werd nach hinten geschmettert, der brustkorb ist zusammengequetscht, es wirft mich an die wand. mein opi ist WIRKLICH TOT. da liegt er. es ist aus. vorbei. FÜR IMMER.
und er hat auch ganz anders ausgesehen, als am abend zuvor!
und er ist allein gestorben. GANZ ALLEIN!!!

swimmi
22.09.2006, 21:25
Liebe Ness,

das mit der Ohrfeige kann ich total gut verstehen, was du meinst. bei mir war es genauso: Ich kam ins Kh, da wurde sie grade fertig gemacht und als wir dann rein durften (sie lag die letzte Woche eh schon auf einem Einzelzimmer, weil sie eigentlich auf ein Zimmer auf der Palliativstation gewartet hatte) hat es mich total umgehauen. Sie sah total verändert aus, aber auch irgendwie erleichtert, von den Qualen erlöst. Zuerst waren nur meine Schwester mit ihrem Freund und mein Freund dort, erst danach haben wir alle angerufen. Die Schwester meinte, dass sie 4 Stunden liegen bleiben würde, wenn wir es wollten sogar noch länger. Doch wir haben uns verabschiedet und sind dann aber auch irgendwann gegangen und haben ihr ihren Frieden gelassen.
Der Weg zum Friedhof ist moemntan der schwerste Weg für mich. Sonst bin ich immer über den Friedhof gegangen udn habe gedacht: Ach ja, hier liegen sie nun. Aber jetzt bei Mama ist es was völlig anderes. Ich hab sie immer direkt vor meinem Auge und irgendwie überkommt mich dann immer so ein komisches Gefühl, weil ich weiß, wie sie in ihrem Sarg liegt und wie nahsie bei mir ist und doch so fern ist.
Es ist einfach eine total schwere ZEit, auch wenn manche das vielleicht nicht verstehe können.
Vielleicht können wir uns ja nochmal unterhalten, wenndu magst!

drück dich!

swimmi

ness
23.09.2006, 10:42
hey Swimmi!
ja, das mit dem friedhof -gehen kenn ich auch. noch dazu ist der friedhof ca. 1h von meinem heimatort entfernt. ich selber hab kein auto. ich bin immer auf andere angewiesen, um auf den friedhof zu gelangen.
alle anderen gräber, die zu meiner familie gehören, rühren mich nicht so, weil ich diese menschen nicht sehr gekannt habe. da war ich immer zu klein, um etwas bewußt mit zu kriegen.
auf der einen seite zieht es mich dorthin, weil ich verzweifelt versuche ihm irgendwie nah zu sein. auf der anderen seite mag ich dort nicht hin, weil dort der schmerz doch sehr lauert.
andererseits - wo lauert der schmerz nicht? und dass er dort ist, weiß ich und kann mich drauf einstellen. das ist im alltäglichen leben bei mir im moment ja nicht so. da empfinde ich z. b. grad sowas wie freude und im nächsten moment holt mich die trauer wieder ein.
und je länger es her ist, desto einsamer wird man, finde ich.
wie ist das bei dir? wie geht es dir im täglichen leben? das mit dem seelenamt versteh ich nicht, was ist das?
deine mama ist am 9. august gestorben? ...mein opi am 9. april...
:heul:

drück dich auch!
ness

swimmi
23.09.2006, 12:51
Hi Ness,

ja, heute ist das 6-Wochenseelenamt, eine Messe für meine gelibete Mama. Werden danach noch zum Friedhof gehen und dann bei meiner Tante ne Suppe essen. Bin schon den ganzen Tag irgendwie so kribbelig.. weiß auch nicht wieso... Wenn ich so nachdenke, frage ich mich, wie ich die 6 Wochen ohne sie auskommen konnte... Auf der einen Seite denke ich, boah schon 6 Wochen, auf der anderen Seite denke ich, erst 6 Wochen seit ihrem Tod vergangen...
Mich zieht es auch verdammt oft auf den Friedhof. Habe mich letztens mit meinen früheren Arbeitskollegen getroffen und bin dann abends um 12 nach Hause und wie aus Reflex stand ich nachher plötzlich am Friedhof. Bin nicht ausgestiegen, habe einfach nur gute Nacht gesagt, so wie ich das sonst abends mit ihr so gemacht habe.
Ich kann es einfach immer noch nicht verstehen... Es geht einfach nicht weiter ohne sie. Ich vermisse sie so schrecklich. Über Tag geht es eigentlich, bin ich mal fröhlich, tut es irgendwie gut. Oft holt die Trauer einen dann aber ein und man ist plötzlich total traurig, obwohl man eine Minute vorher noch gut drauf war.

Es stimmt, dass man je länger es her ist, einsamer wird. Alle sagen zwar immer, dass sie an sie denken, sagen auch natürlich, dass es so besser ist, verstehe ich ja auch, aber trotzdem kann ich es nicht sagen, dass es so besser ist - zumindest nicht für meine Schwester und mich. Sie fehlt so schrecklich im Alltag...
An der Arbeit ist es momentan total stressig, da ist man abgelenkt. Aber abends zuhause ist es das schlimmste. Jeden Abend weine ich mich in den Schlaf, weil ich dann abends zur Rhe komme und ins Grübeln komme. Ich nehme mir ja vor, nicht zu weinen, weil Mama immer sagte, sie können es nicht ändern, dass sie sterben müsse und ich solle nicht so viel weinen und traurig sein, aber es ist unmöglich. Ich höre in letzter Zeit immer so viele Geschichten von ihr, bei manchen denke ich immer, es kann nicht sein, dass sie einfach nicht mehr da ist und ich nicht mal mehr einmal mit ihr reden darf. Wen soll ich denn sonst fragen??????
Mein momentaner Alltag ist total schlimm, deshalb versuhe ich mir selbst auch immer den ganzen Tag vllzustopfen, dass nicht so viel Zeit übrig bleibt, in der ich nachdenke... Aber oft will ich auch einfach alleine sein. Andersherum denke ich, dass viele Leute bestimmt denken: Ach guck mal die, die it jetzt den ganzen Tag unterwegs, und hat ihre mUtter schon vergessen...
Irgendwie ist es für mich auch eine neue Freheit: 1 1/2 jahre bin ich jede Woche mindestens einmal zum Arzt, oft jeden Tag zum Kranknehaus, den Alltag nach ihr ausgerichtet, wenig unternommen und im Falle, dass ich dch mal etwas gemacht habe, unter Zeitdruck, damit sie ja nicht so lange alleine ist. Meinen Urlaub hab ich für sie geopfert, was ich natrülich total gerne für sie gemacht habe. Aber wenn jetzt jemand fragt ob ich mal kurz mitfahre, egal wohin, bin ich erst immer total verunsichert, weil ich ja ohne Zeitdruck mitfahren kann, es ist halt einfach so ungewohnt.
Hätte mich gerne noch länger in meinem eigenen Leben eingeschränkt, hauptsache sie wäre noch da!!!!
:heul:

swimmi
23.09.2006, 12:53
Sag mal ness, wie alt bst du eigentlich??
Habe grad schon nachgeschaut, konnte es aber nirgendwo entdecke...

swimmi

ness
23.09.2006, 18:50
hey
ich habe mit meinem opi nie über ein sterben geredet. im nachhinein tut mir das auch leid.
mein opi war der vater meiner mama. sie leidet auch sehr darunter, weil auch die familiensituation nicht so toll ist. sie hat auch immer wieder mit dem herz zu tun und es geht ihr oft auch nicht so gut. da hab ich jetzt auch angst um sie, weil sie der meinung ist, wenn das ende in sicht kommt, dann ist es so und dann kann man auch nix mehr machen. also nix mit kämpfen und sich behandeln lassen...
ein paar tage, nachdem opi gestorben war, meinte sie sinngemäß, dass sie jetzt die nächste wäre. ich war ziemlich entsetzt. sagte sie das, weil sie einfach so traurig war in dem moment und sich so einsam gefühlt hatte und zu ihrem vater wollte, oder steckt was anderes dahinter?
ich in übrigens 27. warum? wie alt bist du?

Hillie
23.09.2006, 19:02
und er ist allein gestorben. GANZ ALLEIN!!!
Hallo, liebe ness,
mach dir keine Gedanken, dass dein Opi allein gestorben ist. Die meisten Menschen brauchen diese Einsamkeit, damit sie wirklich gehen können. Wir haben meine Mutter bei uns zu Hause gepflegt und ich habe die letzten 10 Tage bei ihr im Zimmer geschlafen. Die Ärztin sagte mir dann, ich müsse mehr loslassen. Also habe ich wieder im Schlafzimmer geschlafen und in dieser Nacht konnte ihr Leben vollendet werden. Alleine war dein Opi sicher nicht. Es gibt jemanden, der auf alle Menschen aufpasst und er hat sich sicherlich in dieser Nacht besonders um ihn gekümmert.
Liebe Grüße
Hilie

Inaktiver User
24.09.2006, 11:00
Hallo Ihr Lieben,
Ich weiss auch wie Ihr Euch fuehlt! Habe meinen Mann Anfang April verloren, 7 Wochen spaeter meine Mutter, und jetzt habe ich seit 8 Wochen meine kranke Tochter bei mir (nach einer Operation geht es ihr schon etwas besser). Ja, ichtrauere sehr - aber ich weiss, dass meine Lieben noch bei mir sind - brauch dazu keinen Friedhof! Ueber alles was passiert rede ich noch immer mit meinem Mann. Irgenwie weiss ich, dass er mir zu hoert - ich weiss auch, dass er nicht will, dass ich nur da sitze und Traenen vergiesse. Er war sehr krank und hat lange gekaempft. Zum Schluss wollte er nicht mehr. Langsam gewoehnte ich mich daran und schliesslich sagte ich ihm, dass ich ihn nicht verlieren moechte, aber das es auch fuer mich in Ordnung waere, wenn er geht - ich sagte ihm einfach, dass ich verstehe, dass es kein Leben mehr fuer ihn war. In der folgenden Nacht ist er in meinen Armen eingeschlafen - er wusste dass ich ihm die Ruhe koennte, auch wenn es unheimlich schwer fuer mich war. Aber dadurch konnte er ruhig einschlafen. Jetzt muss ich damit fertig werden ich muss mein Leben leben - so wie er es auch gewollt haette. Die Verstorbenen sind in unserem Herzen - wir sind bestimmt nicht alleine!
Alles Liebe
Anglophile

swimmi
24.09.2006, 18:45
Hallo Anglophile,

erstmal mein herzlichstes Beileid, kann mir vorstellen wie es dir geht. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es schwer ist, einem Menschen zu sagen, dass er loslassen soll und ruhig gehen kann, auch wenn man das selbst gar nicht möchte: So war es bei meiner mUtter auch. Als es ihr total schlecht ging und der Arzt sagte, dass sie auf die Palliativstation verlegt werden sollte, weil es keine Möglichkeiten weiterer Therapien gibt (und sie auch keine Therapie mehr wollte) war ich total fertig udn am weinen. Schließlich bekommt man sowas ja auch nicht jeden Tag zu hören. Jedenfalls sagte mama dann immer noch: Jetzt heul hier nicht so rum, es ist nunmal so. Sie hat immer noch versucht, mich zu trösten, bin zusletzt, obwohl es ihr selbst total schlecht ging. Das rechne ich ihr hoch an.
Ich hätte ihr so gerne ihre Schmerzen und etwas von ihrer Last abgenommen, wenn es möglich gewesen wäre... Ich vermisse sie so schrecklich!!!

Das Leben geht weiter, ich weiß nur noch nicht wie!


Swimmi

ness
24.09.2006, 20:33
Hallo Hillie!
danke für deine aufmunternden worte! ich hab nur das gefühl, dass er vielleicht zuwenig gezeigt gekriegt hat, dass wir ihn lieben und für ihn da sein wollen. dass wir stolz auf ihn sind, weil er so kämpft und nie nie gejammert hat. ja klar war er manchmal auch traurig und sorgenvoll, aber er war sooo stark! und die schmerzen, die er aushalten mußte und der wenige schlaf!
er ist soviel von diesem schweren weg allein gegangen. deswegen wollte ich in den allerletzten minuten bei ihm sein. er war im kh! nicht mal zu hause!!!!

Liebe Anglophile!
mein tiefes beileid!!! und gleichzeitig meinen respekt! du hast ja gleich mehrere tiefschläge in sooo kurzer zeit zu überwinden!!
ich drück dich, wenn du mich läßt und bewundere deine kraft!

ness

Inaktiver User
25.09.2006, 11:25
HI NESS,
Die Kraft kommt, so glaube ich, nur von dem Gedanken, dass ich so leben muss, wie meine Lieben es sich von mir bestimmt wollten. Ich finde grosse Hilfe daran zu denken, dass ich immer noch was fuer sie tue. Du musst auch daraan denken, dass Dein Opa Dich liebte, dass er nur das Beste fuer Dich wollte - und diese innerlichen Schmerzen wollte er bestimmt nicht fuer Dich! Glaube fest daran!
Alles Liebe
Anglophile

Inaktiver User
25.09.2006, 11:27
Liebe swimmi,
Ja, das Leben geht weiter! Und Du wirst Deinen Weg finden!! Es ist sehr schwer am Anfang - bestimmt! Aber trage die Liebe zu Deiner Mutter immer bei Dir - das wird Dir helfen!
Ganz liebe Umarmung!
Anglophile

ness
25.09.2006, 11:48
hey Anglophile!
jaaa, das ist sicher eine gute strategie. ist sie aber immer so durchführbar?
und was, wenn ich versäumt hab, meinen opi gut genug kennen zu lernen???:niedergeschmettert:

Inaktiver User
25.09.2006, 12:26
Liebe Ness, wenn Du das wirklich glaubst, dann hole es jetzt etwas nach - finde mehr ueber das Leben Deines Opi's heraus, finde heraus was er in seiner Jugend gemacht hat, spreche mit Menschen die ihn gekannt haben! Mach Notizen darueber und hab ein Buch fuer Deinen Opi, mit Erinnerungsstuecken von ihm, was andere Dir berichtet haben usw. Es hilft auch; ich habe mich in der letzten Zeit sehr mit dem Leben meines Mannes auseinandergesetzt - es gab viele Sachen ueber die er nicht richtig sprechen wollte - es tat ihm zu weh. Er wurde 2 1/2 Jahre nach Sebierien verschleppt zum Beispiel. Ich habe mich mit Leuten in Verbindung gesetzt, die ihn zu dieser Zeit kannten und habe viel herausgefunden. Vielleicht verstehe ich ihn jetzt auch besser, aber auf jeden Fall hat es mich noch stolzer auf ihn gemacht!
Du schaffst es !!!!
Alles Liebe,
Anglophile

ness
25.09.2006, 16:49
danke!!! das ist ein echt guter hinweis!! an sowas hab ich ja überhaupt noch nicht gedacht!!!!!
:blumengabe:
damit kann ich mich echt beschäftigen. er hat ja noch ein paar geschwister, zu denen ich gehen kann. meine mama mag ich nicht fragen. sie leidet so sehr. ich mein, vielleicht ist es doch gut mit ihr zu reden, über opi. aber wenn nicht? irgendwie oft schwierig zu beurteilen. v. a., weil ich immer eher mama tröste als umgekehrt...
aber danke vielmals!

ness
09.10.2006, 10:09
heut ist es ein halbes jahr her, dass mein opi gestorben ist.
nacchdem ich mich hier eingetragen hab und meine geschichte aufgeschrieben hab und so nette, mitfühlende worte von euch bekommen hab, ging es mir ein wenig besser. die gedanken waren nicht mehr ganz so quälend.
aber seit diesem wochenende ist alles wieder so wie vorher.
wie blöd war ich zu denken, dass ich vielleicht die "schlimmste" trauerzeit vorbei hab?
wie blöd war ich zu glauben, dass es jetzt wieder besser wird?
ich denk, im grunde war das ja nur ein verdrängen.
so, wie ich das mache, seitdem ich erfahren hatte, dass mein opi schon bald sterben wird. ich hab geweint und geschrieen und es einfach verleugnet. und ned wahrhaben wollen. und 4 tage vor seinem tod habe ich die zeichen gesehen. ich habe ganz rational gewußt, dass es genauso ist, bevor ein mensch stirbt. aber ich hab es verdrängt. ich bin erstaunt, dass das überhaupt geht!!!
und jetzt? ich denk mir immer, ein halbes jahr ist genug, dass er ned da war. wenn ich also jetzt zu ihm fahr, ist er auch wieder da von seiner reise.
wie blöd kann man sein, um das zu glauben????
ich schaff es einfach ned, es zu akzeptieren. natürlich, mal besser, mal schlechter. aber ich glaub, wenn es mir besser geht, verdräng ich in wirklichkeit nur schon wieder.
ich könnt laut schreien.
und dann gibts auch keine verbindung mehr. ich hab das gefühl, er ist nimma da. keine kleinen zeichen, ned die geringsten. und waren da überhaupt jemals welche? was, wenn er mir gar keine zeichen geschickt hat? niemals? wenn er das ned kann oder ned will?
wie soll das weiter gehen?
im fernsehen spielts am nachmittag immer eine sendung, die hat er sich gern angesehen. weil er aber am schluß dann in der nacht kaum mehr geschlafen hat, ist er oft unter der sendung eingeschlafen. oder er hat nebenbei sein joghurt gegessen....
und wenn ich zufällig auch um diese zeit den fernseher eingeschalten hab, dann hab ich grinsen müssen, weil ich wußte, er sitzt jetzt auch vorm fernseher. und vielleicht kann er sogar ein wenig schlafen und sich erholen.
die sendung gibt es noch immer. aber mein opi sitzt nicht mehr davor.
und ich grinse auch nicht mehr, wenn ich zufällig zu der zeit den fernseher einschalte. ich halte es ned aus, diese sendung zu sehen.
wie kann die sendung einfach weiterspielen, wie kann sich die erde einfach weiterdrehen.
:heul:

ness
10.10.2006, 08:53
ein halbes jahr und ein tag.

swimmi
10.10.2006, 18:18
Hallo Ness,

habe es leider noch nicht geschafft dir eine PN zu schreiben.
Bei uns werden es morgen 10 Wochen...

10 wochen, in denen ich dich vermisse,
10 WOchen in denen ich täglich an dich denke,
10 Wochen, in denen ich gerne deine Stimme hören und noch einmal
mit dir reden würde,
10 Wochen, in denen ich dir gerne noch deine Wünsche erfüllt hätte, 10 Wochen, in denen ich einfach bei dir sein wollte...

Du fehlst mir so schrecklich!!!!

ness
12.10.2006, 07:30
hey Swimmi!
ich denk an dich!
hoffentlich hast du den 10-wochen-tag halbwegs überstanden.
die nächste hürde ist dann allerseelen, wenn alle auf den friedhof pilgern....
zum ersten mal "besuch" ich dort dann auch jemanden, der mir sehr nahe stand.
dabei hab ich dieses auf-den-friedhof-gehen nie sonderlich gemocht.
wie gehts im alltag?
dicke umarmung
ness