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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ängste nach Trennung



LelyK
15.09.2006, 09:47
Hallo,

ich habe mich vor einem Monat von meinem Freund getrennt. Nach fünf Jahren intensiver, schöner, schwieriger Beziehung. Wir haben nicht zusammen gelebt, aber mehrmals täglich telefoniert, gesimst und uns mehrmals wöchentlich getroffen. Immer wusste man, wo der andere gerade war, was er tat, welche Probleme er hatte, worüber er sich gefreut hatte. Er hat mir den Rücken gestärkt, mich bestätigt. Ich habe mich getrennt, weil er mir letztlich keine Perspektive geboten hat. (Vielleicht erzähle ich die Geschichte noch im Trennungsforum.) In den ersten drei Jahren haben wir unsere gemeinsame Zukunft geplant. Wir wollten zusammen alt werden! Ich bin jetzt Mitte Fünfzig und wieder allein.

Seine ständige freundliche und interessierte Anwesenheit fehlt mir jetzt mehr als alles Erotische, so besonders und schön das auch war.

Ich bin sozusagen auf Entzug, habe seit unserem Trennungsgespräch nichts mehr von ihm gehört und auch dem Impuls widerstanden, ihn anzurufen. Sehr schwer! Immer habe ich das Gefühl, ihn fragen, ihm etwas zeigen zu müssen. Alles Neue, was ich erlebe, ruft immer wieder den blitzartigen Gedanken hervor: Was er dazu wohl sagen wird? Ebenso blitzartig weiß ich, dass er nicht mehr mein Adressat ist.

Das ist es: Er war mein Adressat für alles. Ich habe oft das Gefühl, ins Leere zu greifen, von großer Angst begleitet.

Ich habe mit großer Trauer gerechnet, als ich mich entschloss, mich zu trennen, mit zeitweiliger Verzweiflung. Aber jetzt diese Angst! Sie kam sehr unerwartet und auch erst, nachdem der allererste Schmerz sich gelegt hatte und ich zunächst nur die Erleichterung gespürt habe, auch ein Freiheitsgefühl.

Ich war früher auch lange allein, ich kann das, bin grundsätzlich nicht von anderen Menschen abhängig. Aber ich hatte mich sehr auf ihn eingelassen. Er hätte die Beziehung wohl auf recht niedrigem Niveau weiterführen wollen. Na ja, eigentlich ein Rausschmiss aus der Intensität.

Ich habe Angst! Ich habe mir schon vorher therapeutische Unterstützung geholt, um überhaupt so stark zu werden, dass ich die Trennung schaffen kann. Die Therapeutin ist jetzt gerade in Urlaub, ich kann notfalls ihre Kollegen anrufen. Ich war schon einen Abend in einer Selbsthilfegruppe, die leider nur 14tägig stattfindet. Meine besten Freundinnen leben leider nicht in meiner Stadt.

Ich gebe mir viel Mühe, nicht im Elend zu versinken, achte auf mich, gehe viel raus, treffe mich heute Mittag mit einer netten Kollegin.

Wie kann ich denn wieder Halt im Leben finden? Habt Ihr Erfahrungen mit solchen Ängsten? Wie habt Ihr solche Phasen überstanden?

Über Eure Meinungen würde ich mich freuen.

Die trotz allem tapfere Lely

tangochica
20.09.2006, 09:50
Liebe LelyK,
ich kann Dich so gut verstehen! Lebe gerade in einer Trennungssituation nach 21 Jahren Beziehung! Da es meine zweite Ehe ist (zwischen den beiden Ehen habe ich als Alleinerziehende das Kind gehabt) lebte ich seit 36 Jahren immer in Bezug auf jemanden. Und ich bin 55 Jahre alt!
Was Du beschreibst erlebe ich genauso, auch wenn es bei mir ER war, der weg wollte - eine wirkliche Erklärung für seinen Entschluss habe ich auch nie erhalten.
Ich versuche jetzt, einfach jeden einzelnen Tag zu bewältigen, nicht über Zukunft nachzudenken, denn wenn ich das tue, überfällt mich Panik!

Mein Lebensmodell war und ist eigentlich nicht, alleine zu bleiben. Aber ich übe mich im Loslassen, manchmal gehts, manchmal könnte ich an den glatten Wänden hoch!

Und Alleinsein fühlt sich halt mit 30 oder 40 anders an, als mit 30!

Ich drück Dich mal und wünsche uns viel Kraft!

LelyK
24.09.2006, 11:18
Liebe tangochica,
vielen Dank für Deine Antwort. In den letzten Tagen hätte ich mich nicht äußern können, daher erst heute. Gerade eben habe ich meine Geschichte im Trennungsforum erzählt.

Ja, über den einzelnen Tag nicht hinauszudenken, ist gut. Ich versuche viel, draußen zu sein, lange Spaziergänge helfen. Außerdem schreibe und fotografiere ich viel. Das hilft auch. Gegen die Ängste helfen mir außerdem Menschen. Auch wenn ich nach Treffen und Gesprächen wieder allein bin.

Zukunft kann ich mir gar nicht vorstellen, beruflich schon, aber privat kann ich eigentlich nur an ihn denken - und verbiete es mir immer wieder.

Außerdem finde ich schwierig, dass ich die Beziehung ja hätte weiterführen können, mich also getrennt habe, obwohl ich mich nicht trennen wollte. Ich fände es für mich fast einfacher, wenn er den Schlusspunkt gesetzt hätte. So gehen meine Gedanken und Gefühle immer noch zurück und rechnen sich Chancen aus.

Ich konnte mich so gut an ihm festhalten, auch wenn er so wenig für mich da war - paradox, ich weiß.
Ich bin jetzt so auf Zweisamkeit gepolt und finde im Alleinleben keinen Sinn. Ich glaube aber, ich muss am Alleinleben wieder Freude bekommen, sonst habe ich auch keine Chancen auf eine (neue) Beziehung.

Ja, lass es uns mal mit viel Kraft neu versuchen! Irgendwann muss das Leben doch wieder richtig Sinn kriegen.

Sei umärmelt, wir schaffen das schon!

Inaktiver User
24.09.2006, 11:30
ich habe mich vor einem Monat von meinem Freund getrennt. Nach fünf Jahren intensiver, schöner, schwieriger Beziehung. Wir haben nicht zusammen gelebt, aber mehrmals täglich telefoniert, gesimst und uns mehrmals wöchentlich getroffen. Immer wusste man, wo der andere gerade war, was er tat, welche Probleme er hatte, worüber er sich gefreut hatte. Er hat mir den Rücken gestärkt, mich bestätigt.

Seine ständige freundliche und interessierte Anwesenheit fehlt mir...

Das ist es: Er war mein Adressat für alles...

Ich habe mich getrennt, weil er mir letztlich keine Perspektive geboten hat.

Du beschreibst hier einen Mann, der dich und dein Leben bereichert hat, der "dein Adressat für alles" war.
Und von dem hast du dich getrennt, weil "er keine Perspektive geboten hat".

Wenn das nicht widersinnig ist

Cook3
24.09.2006, 11:39
.................................................. ......
Ich konnte mich so gut an ihm festhalten, auch wenn er so wenig für mich da war - paradox, ich weiß.
.................................................. .............

und anderseits das:"Seine ständige freundliche und interessierte Anwesenheit fehlt mir..."

Ja, was denn nun?

Cook3

Inaktiver User
24.09.2006, 11:50
Da frage ich mich doch glatt nach der Perspektive, die er hätte bieten sollen. Kinder kommen in ihrem Alter ja nicht in Frage, wenn sie nicht gerade Italienerin ist.

LelyK
24.09.2006, 12:02
Ach, Ihr lieben Verwunderten,

im Trennungsforum habe ich das jetzt ausführlicher erklärt. Ich hielt es an dieser Stelle, wo es um den Umgang mit Ängsten ging, nicht für wichtig zu erwähnen, dass er verheiratet ist usw. usw.

Lely

Inaktiver User
24.09.2006, 12:06
Ich wechsel jetzt aber nicht, weil es mir zu aufwändig ist, ein weiteres Trennungs-Thema über mich ergehen zu lassen.

Viel Glück