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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rückkehr nach Affäre -- Erfahrungsberichte gesucht



Selkie
09.09.2006, 03:19
Hallo,
mich würde interessieren, ob es hier Leute gibt, die nach einer Affäre/einem Seitensprung zurück zu ihrem alten Partner gefunden haben, und wie sich dieses neue Zusammenleben gestaltet hat. Mein Mann hat gerade seine 1jährige Affäre beendet, und ich bin ein bisschen ratlos, wie wir uns nun am besten verhalten sollen. Die grosse Liebe von einst lässt sich ja leider nicht auf Knopfdruck wiederherstellen. Deshalb:

--Habt ihr euch Zeit gelassen und die Dinge einfach laufen lassen, bzw. euch wieder aneinander herangetastet und euch langsam wieder angenähert? Oder ist er/sie direkt wieder eingezogen, und ihr habt von Anfang an wieder auf feste Beziehung gemacht?
--Wie seid ihr mit dem Thema Seitensprung/Affäre in der Beziehung umgegangen? *War* das überhaupt ein Thema, oder fiel das unter die Kategorie "lieber nicht dran rühren"?
--Wenn ihr die "Ausscherer" wart: Welches Verhalten hättet ihr euch von eurem Wieder-Partner gewünscht?

Mir ist schon klar, dass sowieso jeder Fall anders ist, aber trotzdem würden mich Erfahrungen dazu sehr interessieren.
LG, selkie

Petitgrain
09.09.2006, 10:00
Hallo Selkie,

im Februar hatte mein Ex mir seinen Seitensprung gestanden.Ich hatte ihm damals verziehen und nach 2 Wochen waren wir wieder zusammen.
Diese Zeit war sehr schwierig für mich.Es war ein grosser Vertrauensbruch und wir beide gingen nicht mehr so unbefangen wie vorher miteinander um.Zudem plagten mich riesige Verlustängste weil er auch sehr distanziert zu mir war.Vielleicht habe ich ihm das ZURÜCK zu einfach gemacht.Ich hätte besser erst mal auf Abstand gehen sollen und gucken was für mich gut ist.Aber ich war ja so verliebt und wollte ihn einfach nur wieder haben.:gegen die wand:
Mittlerweile sind wir seit drei Wochen wegen erneuter Seitensprünge auseinander und ich bin gerade dabei das Alles zu verarbeiten.:regen:

Liebe grüsse petitgrain:blumengabe:

Prijon
09.09.2006, 11:07
Hallo Selkie,

die Dinge einfach laufen lassen? Nicht daran rühren? Bloß nicht...

Da ist etwas passiert, für das es Gründe gibt. Die zu wissen, fände ich schon ganz wichtig. Hat er ein Problem mit sich gehabt? Oder mit Euch?

Und Du: Du wirst verletzt gewesen sein. Was ist mit diesen Verletzungen? Bohren die da noch im Untergrund? Wie geht Du damit um, wie er?

So ein Weg ist nicht ganz einfach, finde ich. Habt ihr mal über professionelle Begleitung nachgedacht? Wir hätten das ohne Paartherapie wahrscheinlich nicht geschafft. Sehr hilfreich war für mich ein Buch: "Warum hast Du mir das angetan" von Jelluschek.

Viel Glück,
Prijon

Selkie
09.09.2006, 15:17
Hallo Prijon!
Doch, die Gründe und die jeweilige Eigenbeteiligung sind uns beiden klar, deshalb habe ich das gar nicht erst angesprochen -- dass es ohne Hinterfragen und Klären nicht geht, ist klar. So etwas passiert ja nicht ohne Grund. Die andere Frau war nur der Anlass, das wissen wir beide.

Tja, meine Verletzungen... Klar steckt man sowas nicht innerhalb eines Nachmittags weg, und ich denke auch, dass das noch eine Weile dauern wird. Bloss tendiere ich zu dem Gedanken, mir zur Verarbeitung lieber professionelle Hilfe zu nehmen. Ich denke nicht, dass es die Rolle meines Mannes ist, mir meine Ängste zu nehmen, und ich bezweifele auch, dass er es *kann*.
Was mir hilft, ist, dass es während der Affäre (von der ich ja *nichts* wusste) immer auch noch den Kontakt zwischen meinem Mann und mir gab, er den auch suchte, er also in all der Zeit auch nie 100%ig bei ihr war. Unser beider Wunsch war immer, (wieder) zusammen glücklich zu sein; das war nur, aufgrund der Extremsituation, in der wir vor gut 2 Jahren steckten, und unserer eigenen "Blödheit" (=Mangel an Kommunikation, Missverständnisse, das Gefühl, dem anderen gleichgültig zu sein, schliesslich Distanz) vorher nicht möglich. Es hat auch gedauert, bis ich meine eigene "Schuld" an der Misere erkennen und annehmen konnte. Ich habe nicht das Gefühl, dass er mir etwas "angetan" hat, um den Buchtitel zu zitieren, sondern eher, dass die Affäre das Ventil für einen Druck in der Beziehung war, die unerträglich geworden war, und dass es ohne diesen Druckausgleich vielleicht noch viel schlimmer gekommen wäre.

Was mir Hoffnung gibt, ist, dass sich an unseren "Grundgefühlen" -- Liebe, Freundschaft, Respekt, Begehren -- trotz allem nichts geändert hat. Ich habe dazu zwei Bücher von John Gottman gelesen (kennst du eventuell?), der diverse Warnsignale erkannt hat, die das Weiterbestehen einer Beziehung mehr als fraglich machen, und ich kann nur sagen, dass wir *diese* Probleme nicht hatten. Unsere Krise begann vor etwa 2 Jahren; davor waren wir 13 Jahre glücklich zusammen -- nicht krisenfrei, klar, aber doch glücklich. Daraus schliesse ich, dass wir an sich "funktionieren"; dass die Megakrise (die wie gesagt nicht aus dem Nichts kam) die Ausnahme war, nicht die Jahre vorher, und dass man diese Sache nicht als Endpunkt sehen muss, sondern eher als Chance. So hart das im einzelnen ist.

Mit Laufenlassen meinte ich auch nur, den Dingen ihren Lauf zu lassen wie in einer "normalen" (Anfangs-)Beziehung, wo man dem anderen ja auch nicht mit festen Vorstellungen kommt ("ich will, dass XY!!"), nicht, dass man so tut, als wäre nichts passiert -- um Gottes willen. :smile: Das Glück kann man nicht auf Knopfdruck wiederherstellen, aber ich möchte die bestmöglichen Bedingungen schaffen, dass es wieder keimen kann, und dazu hilft es halt, von anderen Leuten zu hören, die dasselbe durchgemacht haben. (Es ist ja auch erstaunlich, in wievielen nach aussen hin idyllischen Ehen sowas schon passiert ist -- redet nur keiner drüber. Und fremdgehende Männer noch viel weniger als fremdgehende Frauen, habe ich den Eindruck.) Ich denke wie du, dass eine professionelle Eheberatung eine gute Idee wäre, nur ist mein Mann leider allem Psychologischen sehr abgeneigt.

Wie lag der Fall denn bei euch, bist du aus der Beziehung ausgebrochen oder deine Frau? Und wie habt ihr das mit der "Rückkehr" praktisch gehandhabt -- erst "gedated" und die Dinge sich entwickeln lassen, oder gingen Einzug und Therapie Hand in Hand?
LG, selkie

Prijon
09.09.2006, 16:25
Hallo Selkie,

meine Geschichte steht im "Mutmachthread" (Forum "Um den Partner kämpfen", ganz oben).

Trennen und wieder zusammenkommen...

Wir waren "unter einem Dach getrennt", weil ich in unsere Einliegerwohnung gezogen bin. In so einer Lage verlaufen Prozesse nicht so klar. Ich würde sagen, wirklich "zusammengezogen" sind wir etwa ein Jahr, nachdem sie ihre Außenbeziehung aufgegeben hat.

Dass er nicht mitwill zur Paartherapie, ist natürlich schade. Weiß er, dass das für Dich sehr wichtig wäre?

Prijon

Selkie
09.09.2006, 19:18
Hallo Prijon!
Habe mir jetzt erstmal deine Geschichte durchgelesen -- uff... Parallelen gibt es da ja schon... wobei ich es nicht ertragen hätte, von der Zweitbeziehung zu wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich geblieben wäre (bei mir kommt dazu, dass ich mich in den USA nicht heimisch fühle & vom Unterhalt ein wunderbares Leben in meiner Heimat- und Traumstadt hätte führen können -- war auch immer mal wieder eine Verlockung), vor allem aber hätte ich ihm bei unseren Dates nicht so unbefangen begegnen können. Insofern bin ich, so pervers es klingt, auch froh über seine Heimlichtuerei. Ich habe von der Affäre erst an dem Abend erfahren, an dem er sie beendet hat (die Dame hat ihm unklugerweise damit gedroht, mir alles zu erzählen, also musste er ihr zuvorkommen *lach*).
Unsere Probleme haben übrigens auch nach der Geburt unseres Kindes angefangen. Es kamen einfach zuviele Sachen zusammen. Und ein zweites Kind ist definitiv ausgeschlossen.

Mein Mann weiss nur, dass ich eine Therapie für sinnvoll halte; konkrete Pläne habe ich nicht auf den Tisch gelegt. Ich denke aber, dass ich ihn überzeugen könnte, mitzukommen, und wenn es nur für eine Sitzung ist. Danach würde es halt davon abhängen, welchen Eindruck er von der Sache hatte. Ich hatte ihn aber schon soweit, einmal zum Psychiater zu gehen, er hört also in der Hinsicht schon auf mich (und das war mitten in der Trennungszeit). Er würde, Skeptizismus hin oder her, auch entsprechende Bücher lesen; hatten wir auch schon, hat auch tatsächlich was gebracht. Langer Rede kurzer Sinn, ausgeschlossen wäre es nicht.
LG & noch ein schönes Wochenende, selkie

Prijon
10.09.2006, 09:00
Hallo Selkie,

wenn DU eine Ehetherapie für richtig hältst, sollte er das zumindest wissen, oder?!

Prijon

Selkie
10.09.2006, 14:27
Weiss er.
Ist aber jetzt anzunehmenderweise auch egal.
Er war gestern, während ich weg war, in der Wohnung und hat seine Klamotten geholt. Bücher, CDs, DVDs etc. ist alles noch da, nur die Hemden und Hosen, die bei seinem Auszug dageblieben waren, sind weg.
Kein Zettel, nichts.
Fühle mich so scheisse.
Das war's dann wohl.

Prijon
10.09.2006, 14:33
Verstehe ich nicht.

Vor allem Dein zweites Posting klang danach, als hättet ihr schon einen ganz schön weiten Weg zusammen zurückgelegt. Als hättet ihr schon viel aufgearbeitet.

Dann verschwindet man doch nicht einfach so?
Habt ihr aneinander vorbei geredet??


Ratlos,
Prijon

Selkie
10.09.2006, 14:49
Verstehe ich nicht.

Ich auch nicht. Ganz ehrlich.


Vor allem Dein zweites Posting klang danach, als hättet ihr schon einen ganz schön weiten Weg zusammen zurückgelegt. Als hättet ihr schon viel aufgearbeitet.

Das dachte ich auch.


Dann verschwindet man doch nicht einfach so?
Habt ihr aneinander vorbei geredet??

Das glaube ich nicht; ich denke eher, das ging ihm alles zu schnell, und er hat dann lieber den totalen Rückzieher gemacht. Oder vielleicht ist er doch zu der anderen zurück. Trotzdem hätte ich wenigstens eine *Nachricht* erwartet, und wenn's bloss ein Zettel mit der Aufschrift "Es geht einfach nicht" oder "Tut mir leid" gewesen wäre. Um die Konfrontation kommt er ja doch nicht herum; selbst, wenn er gehen will, müssen ja noch viele Sachen geklärt werden (etwa Unterhalt, Sorgerecht).

Mich schockt vor allem die Heimlichkeit. Die Schranktür war zu; wenn ich nicht zufällig noch gestern abend Wäsche geordnet hätte, hätte ich das vielleicht erst Tage später registriert.

Bin echt am Boden zerstört.

Prijon
10.09.2006, 21:59
Dann bleibt doch eigentlich nur, dass da eine großere innere Not ist bei Deinem Mann.

Was Dir jetzt aber auch nicht wirklich weiterhelfen dürfte.

Gruß,
Prijon

Inaktiver User
10.09.2006, 22:17
Hallo Prijon,

ich habe schon öfters deine Einträge gelesen. Ohne sie im Gesamten noch einmal angeschaut zu haben, ist mir Folgendes aufgefallen:
Du schreibst sehr oft über das Thema Betrügen und den Verarbeitungsprozess. Ich habe das Gefühl, dass du, obwohl du relativ souverän erscheinst, immer noch ungelöste Probleme mit dir herumträgst. Würdest du mir zustimmen? Ich wünsche dir, egal wie es ist, dass du es schaffst. Liebe Grüße Annette

Prijon
11.09.2006, 07:43
Hallo Anette,

Du schreibst sehr oft über das Thema Betrügen und den Verarbeitungsprozess.

Naja, von den Folgen der Pilleneinnahme habe ich keine Ahnung. Nehm ich also lieber dieses Thema, da kann ich mich besser einfühlen.

Ich habe das Gefühl, dass du, obwohl du relativ souverän erscheinst, immer noch ungelöste Probleme mit dir herumträgst. Würdest du mir zustimmen?

So ein Betrug begleitet einen, glaube ich, durchs ganze Leben - ganz unabhängig davon, ob man sich dann trennt oder nicht. Deshalb beschäftige ich mich damit. Hier zu lesen und schreiben ist also so ein bisschen was für Selbsthilfe für mich. Ungelöste Probleme? Eher ncht, glaube ich.

Gruß,
Prijon

Selkie
11.09.2006, 10:03
Dann bleibt doch eigentlich nur, dass da eine großere innere Not ist bei Deinem Mann.

Wie auch bei mir. Fühle mich einfach furchtbar.
Er hat (natürlich) heute nicht angerufen. Habe vor dem Schlafengehen noch versucht, ihn zu erreichen. Ist nicht rangegangen. War eine unkluge Idee, ich weiss. Aber ich komme mit dieser Ungewissheit nicht klar. Wenn er wieder einen Schritt zurück machen möchte, dann soll er mir das doch bitte sagen. Er *weiss* doch, wie es mir geht.
Und natürlich kommen da jetzt die Gedanken, wie er in diesem Moment vielleicht (?) gerade bei ihr ist. Hilft auch nicht weiter.


Was Dir jetzt aber auch nicht wirklich weiterhelfen dürfte.

Stimmt. Das einzige, was helfen würde, wäre eine Antwort -- irgendeine Antwort -- von ihm. Damit man wenigstens einen Ansatzpunkt hat.
Das Doofe ist halt, dass ich an diesem WE so viele gute Ansätze für uns gesehen habe, so viele Ideen und Vorschläge gehabt hätte, wie man konstruktiv an die Wiederannäherung herangehen könnte. Darüber hätte ich gern mit ihm gesprochen.
Mir tut alles, alles weh.
Ich hoffe, dass er sich vielleicht morgen irgendwann meldet, sonst drehe ich noch durch. Ich selbst sollte mich mit Anrufen/Mails besser zurückhalten, was?
Bin so ratlos. Ich verstehe einfach nicht, wie man sich so GAR NICHT melden kann.
Tieftraurige Grüsse, selkie

Sadness
11.09.2006, 13:06
Hallo Selkie,

erstmal eine dicke Umarmung in deine Richtung, das muss ein böser Schock gewesen sein.

Und nun ein paar Fragen:

Wie lange seit ihr eigentlich verheiratet?

War für dich die Affäre das einzige was an eurer Beziehung genagt hat und du dachtest, wenn die "entsorgt" ist, wird alles wieder gut?

Ich könnte mir vorstellen, dass das dein Mann anders sieht, nämlich das er eure Beziehung grundsätzlich in Frage stellt ( so wie mein Mann das getan hat ) und die Affäre dafür ein Zeichen, aber nicht die Ursache war.
Dann ist im das vielleicht wirklich alles zuviel und zu schnell, weil eben die Grundprobleme nicht gekärt wurden.

Das er sich feige verhält, indem er flüchtet und dich im Unklaren lässt, darüber muss man nicht diskutieren.
Aber man muss schon ganz schön mit sich selbst im Argen liegen, wenn man so handelt.

Selkie
11.09.2006, 14:28
Wie lange seit ihr eigentlich verheiratet?

Diesen Sommer 11 Jahre. Kennen tun wir uns 15. Für beide war's die erste feste Beziehung (sind 37 & 34). Krisen hat es immer mal gegeben (wie in jeder Beziehung), aber an sich waren wir durchgehend glücklich miteinander (sagt er auch selbst).


War für dich die Affäre das einzige was an eurer Beziehung genagt hat und du dachtest, wenn die "entsorgt" ist, wird alles wieder gut?

Nein, um Gottes willen. Schön wär's, wenn das so einfach wäre. Die andere Frau war der Auslöser, nicht der Grund. Die Gründe liegen z.T. bei uns, z.T. aber auch einfach an einer Verkettung blöder Umstände. Ein Beispiel: Wir leb(t)en mit Säugling in einer Wohnung ohne jede Rückzugsfläche, sind beide aber eher stille Typen, die auch mal ihre Ruhe haben müssen. Er hat zudem noch einen oberstressigen Job mit unglaublichen Arbeitszeiten. *Das* war also schon schlimm genug. Dann zog nebenan aber ein absolut asozialer Chaot ein, der darauf stand, mitten in der Nacht Party zu machen (und die Wände sind dünn hier). Ich bin lärmempfindlich. Seit seinem Einzug stand ich also permanent unter Strom, musste mich auch noch um das Kind kümmern, und mein Mann forderte (berechtigterweise) auch noch etwas Aufmerksamkeit. Irgendwann konnte ich nicht mehr.
Im Rückblick muss ich sagen, dass mein Verhalten schon fast psychotisch war. Ich fing u.a. an, meinen Mann körperlich wegzustossen, wenn er meine Nähe suchte, und seelisch zu verletzen. Wir haben nichts mehr zusammen unternommen. Kaum noch geredet. Er zog sich daraufhin immer weiter in sich zurück. Irgendwann sassen wir dann nur noch in verschiedenen Zimmern vor unseren Computern.
Ich weiss *genau*, warum er etwas mit der anderen Frau angefangen hat; von mir *bekam* er nichts mehr. :gegen die wand: Die ganzen Mechanismen gingen mir aber auch erst lange nach seinem Auszug auf; vorher war ich ganz zufrieden damit, das Opfer des bösen Mannes zu sein. Also auch keine Lösung.

Jetzt hatten wir gerade angefangen, das alles aufzuarbeiten. Ich habe wirklich an mir gearbeitet, neue Einsichten gefunden, und bin an sich optimistisch, dass wir es zusammen schaffen könnten. Nur ist er immer noch zu verletzt, bzw. er hat Angst, dass es wieder so wird wie vorher. Es hilft auch nicht, dass ich mit dem Kind immer noch in der alten Wohnung wohne (der Asonachbar ist sinnigerweise 2 Wochen nach meinem Mann umgezogen... doofe Zufälle, wie gesagt).


Ich könnte mir vorstellen, dass das dein Mann anders sieht, nämlich das er eure Beziehung grundsätzlich in Frage stellt ( so wie mein Mann das getan hat ) und die Affäre dafür ein Zeichen, aber nicht die Ursache war.

Ja, das denke ich auch (s.o.). Allerdings hatte er letzten Montag, als er die Zweitbeziehung beendete, allerdings auch seinen Wunsch ausgedrückt, zu mir zurückzukommen -- wieder eine Basis zu finden. Unsere Gefühle zueinander sind auch durchaus noch intakt -- Liebe, Respekt, Freundschaft, wir können wunderbar zusammen lachen, waren einmal/Woche zusammen abends weg, auch körperlich lief bei uns immer was, obwohl er ja nebenbei noch jemanden hatte (die also in letzter Instanz auch mit *mir* betrog, von unserem Kontakt wusste sie nämlich nichts). Wir finden nur keinen Weg. Wobei ich auch denke, dass das alles zu schnell ging. Ein Jahr Rück-Weg würde ich mittlerweile schon einplanen. Und dass es harte Arbeit wird, ist mir auch klar. Ich würde es aber zumindest gern versuchen, zumal mir meine Schuld an der Misere wirklich klar ist.

Wir hatten übrigens schon mehrmals solche Vorwärts-zieh-Bemühungen mit abschliessendem Absturz & "ein für allemal Schluss". Wir kommen nicht voneinander los, dazu ist auf beiden Seiten noch zuviel da. Wir brauchen nur eine konstruktive Methode, wieder aufeinander zu zu gehen. Deswegen hätte ich gern mal eine Paartherapie versucht. Ich hätte auch gedacht, dass wir diesmal mehr Erfolg haben könnten, weil er immerhin schon (von sich aus, ich war ja ahnungslos) zu dem Entschluss gekommen ist, sich von der anderen zu trennen.

Ich weiss, dass in Ruhe lassen hier der Königsweg ist; trotzdem habe ich ihm heute morgen noch eine Mail geschickt, in der ich ihm sagte, dass mir das alles auch zu schnell geht und ich ihn nicht drängen will. Ich möchte nicht, dass er am Ende denkt, ich beharre darauf, dass wir sofort wieder in engste Beziehung gehen oder sowas.
Und jetzt liegt es halt bei ihm. :niedergeschmettert:
LG & danke für die Anteilnahme und Meinungen, selkie

Prijon
11.09.2006, 21:28
Ich weiss, dass in Ruhe lassen hier der Königsweg ist;

Oh nein,

so einfach ist das je nicht. Er kann je von mir aus gerne sagen, dass ihm das zu schnell geht oder so. Aber er muss es SAGEN. Feige vom Hof schleichen zerstört jedes, aber auch jedes Vertrauen.

Prijon

Winnie
11.09.2006, 21:41
Feige vom Hof schleichen zerstört jedes, aber auch jedes Vertrauen.

Liebe Selkie,

mein Freund hat mal in einer Beziehungskrise ähnlich geschwiegen. Unsere Probleme waren anders als bei Euch, aber ich dachte damals auch: "warum sagt er nicht einfach, ich brauche jetzt eine Woche Auszeit" ?? :wie?: Ich drehte mich im Kreis, brauchte irgendwas fassbares, damals waren wir räumlich auch sehr weit auseinander. Er war so in seinem Leid blockiert und steckte fest in seiner Ecke, dass ich ihm jetzt auch glaube, dass er mir nicht bewusst wehtun wollte.

Mittlerweile haben wir mit externer Hilfe dieses Schweigen und diese Blockaden besprochen, es läuft wieder gut und ich hoffe sehr, dass wir eine solche Situation nie wieder erleben.

Ich würde auch sagen: gib ihm Zeit, alles Drängen würde Eure Situation im Moment eher eskalieren lassen.

Liebe Grüße
Winnie

Selkie
12.09.2006, 03:06
Liebe Winnie,
danke für deine Antwort -- sieht ja so aus, als ginge das mit der Rückkehr (und Prijon wäre nicht die einsame Ausnahme :smile:); das beruhigt ungemein... Wahrscheinlich treiben sich die "Überlebenden" auch nicht unbedingt in Foren herum, die sie regelmässig mit der Nase auf das alte Trauma stossen. Keine Ahnung. Oder glückliche Menschen posten seltener in Foren. :smirksmile:


Ich würde auch sagen: gib ihm Zeit, alles Drängen würde Eure Situation im Moment eher eskalieren lassen.

So sind wir jetzt auch erstmal verblieben. Ich hatte ihn heute nachmittag endlich mal an der Strippe, und wir haben uns gut unterhalten -- obwohl er eigentlich hätte arbeiten müssen. Ich habe ihm klipp und klar gesagt, dass ich keinen Druck mache und keine Erwartungshaltung mehr an ihn habe, dass es einfach so kommen soll, wie es kommt, dass ich aber weiterhin mit ihm Kontakt haben will. Ach ja, und dass ich bleiben werde. Vorher hatte ja immer drohend im Raum gestanden, dass ich im Zweifelsfall mit dem Kind nach HH abzischen würde. Wäre in vielerlei Hinsicht einfacher für mich, bloss lügt man sich ja auch in die Tasche, wenn man das als "Neuanfang" schönredet. Die Probleme, Schmerzen, Hoffnungen stecken ja alle mit im Gepäck.
Wenn es die Zeit erlaubt, treffen wir uns So. zum Abendessen. Und er meinte, er würde versuchen, irgendwann diese Woche abends vorbeizukommen. Seine Erleichterung war übrigens hörbar.

Natürlich geht mir die Affäre immer noch im Kopf herum, aber ich kann's ja eh nicht beeinflussen. Wenn er sagt, er hat es beendet, kann ich ihm das genausogut glauben und mir die Kopf-Qualen (sowie ihm irgendwelche peinlich-unmotivierten Szenen) sparen.

Ach ja, und die Sache mit dem Schrank -- er meinte, er hätte einfach mal was anderes anziehen wollen. :gegen die wand: Und dass die Kleine und ich nicht da waren, sei Zufall gewesen. Keine Absicht, keine Hintergedanken.
Warum er sich dann einfach nicht bei mir gemeldet hat? Weil ihn das alles überfordert. Er hat wohl im Moment schlicht nichts zu geben. Sein Job frisst ihn total auf (er hat Verantwortung für Riesenfirmendeals mit Millionenbeträgen und arbeitet 7 Tage/Woche, gern bis mitten in der Nacht; oft legt er sich dann für 2 Stunden hin und geht dann wieder ins Büro), m.E. steuert er schon länger auf den totalen Burnout zu. Noch so etwas, das der Beziehung immens geschadet hat -- Probleme bei irgendeinem Deal gingen/gehen immer vor, Familie kommt sehr weit hinten. (Da kann man sich jetzt fragen, wie er da Zeit für seine Affäre gefunden hat; ich denke mal, die Trulla war verfügbar [selbes Büro], unkompliziert, da jung & single statt überforderter Mami, und hat nicht viel Anforderungen gestellt, zumal sie ja in derselben Firma ist und ähnlich viel arbeiten muss. Da musste er sich vermutlich nicht gross einbringen. Aber gut, ich weiss es nicht. Will ich in Wirklichkeit auch gar nicht.)

Wie auch immer, er pfeift auf dem letzten Loch. Irgendwann kommt bestimmt der erste Warnschuss, körperlicherseits. So *kann* man einfach nicht auf Dauer leben. Die "Senioren" in derselben Position, die er innehat, erzählen gern, dass die ersten beiden Jahre die härtesten ihres Lebens gewesen wären. Hm. Ein Jahr hat er schon rum...

So, und ich werde mir jetzt abgewöhnen (müssen), ihn zurückzuhoffen und zu -ziehen und zu -quatschen. Er *möchte* ja Zeit mit mir verbringen; und davon hat er leider Gottes nur sehr wenig. Mal sehn, was die Zukunft bringt. Und wie gut ich damit klarkomme. Morgen habe ich einen Termin bei einer Therapeutin; Tip von einer sehr guten Freundin, die in höchsten Tönen von der Dame schwärmt. Bin gespannt...
LG, selkie

Inaktiver User
12.09.2006, 09:43
Liebe Selkie,

ich bin froh für dich, dass du mir ihm reden konntest.
Nichts ist schlimmer als die ewige Ungewissheit.
Tja, irgendwie sind da viele Parallelen zu meiner Geschichte ( nur das meine Mann das mit der Affäre angeblich nicht wahr gemacht hat- auch das kann ich glauben oder mir den Kopf machen ).
Ich muss leider sagen, dass bei mir die Geduld und die Kräfte zu Ende gehen. Diese Warterei auf eine Entscheidung oder ein Zeichen zehren. Ich mache zwar immer weiter, bin aber heute fast soweit doch den Schlußstrich zu ziehen.
Mein Mann arbeitet ähnlich wie deiner und das seit Jahren.
( Workaholic )Da bleibt natürlich auch nicht viel Zeit zum Nachdenken.
Manchmal denke ich er " tut " das alles um mich weich zu kochen. Ich habe für mich entschieden: Arbeiten und Geld verdienen okay, für die Arbeit alles aufgeben nein. Und es muss auch Zeit geben das Leben zu geniessen.Vielleicht ist seine Kollegin deshalb so interessant- steckt in der gleichen Mühle und himmelt ihn an.Aber egal:
Das Leben ist zu kurz um schöne Spätsommertage ( ich weiß ja nicht wie es bei dir ist ) zu verschenken. Niemand weiß wieviel Zeit ihm bleibt.
Wie sagte mein " Großer " gestern: Jede Sekunde ist einmalig.
Recht hat er.

Lea

Sadness
12.09.2006, 10:04
Liebe Selkie,

du zeigst schon ein enormes Maß an Verständnis, das würde selbst mir zu weit gehen.

Zeit lassen, ja natürlich...schwierige Zeiten lassen sich nicht von heute auf morgen klären.
Aber ich habe den Eindruck, das geht hier, wie euer Leben vorher auf deine Kosten.

Du schreibst selber, das dein Platz im Leben deins Mannes ganz hinten kommt, das er aber für seine Affäre Zeit hatte.
Die hat er deiner Zeit abgezwackt, Selkie.
Wie oft hast du was mit ihm ausgemacht und es ging dann doch nicht oder er hat was versprochen und nicht eingehalten.
Das hat mich an der Affäre meines Mannes besonders wütend gemacht, das ich die wenige Zeit, die er hatte, nicht wert war. Das meine Bedürnisse noch weiter als ganz hinten kamen.

Wir haben inzwischen ein halbes Jahr Paartherapie hinter uns und sind auf einem, finde ich, guten Weg.
Wir haben uns von einer unserer zeitfressenden Firmen getrennt, weil wir (gottseidank beide) erkannt haben, Arbeit und Erfolg ja, aber es muss auch noch ein Leben stattfinden können.

Vielleicht kannst du ja deinen Mann zu einer Beratung oder Therapie bewegen, die Zeit kann und sollte er sich nehmen.

Und noch was, du hast dich nicht um ihn gekümmert, ihm nicht die Liebe und Zuwendung gegeben die er brauchte und er hat Angst das es wieder so wird...das könnten die Worte meines Mannes sein.
Aber dazu gehören auch zwei, einer der den anderen vergisst und einer der sich vergessen lässt.

Grüße
sadness

Winnie
12.09.2006, 11:19
Liebe Selkie,


sieht ja so aus, als ginge das mit der Rückkehr ja - aber bei uns lag der Grund nicht in einer Affäre. Ich hatte nur bei dem beschriebenen Schweigen Deines Mannes ein déja-vu ...


Ach ja, und die Sache mit dem Schrank -- er meinte, er hätte einfach mal was anderes anziehen wollen. :gegen die wand: Und dass die Kleine und ich nicht da waren, sei Zufall gewesen.
sowas zeigt wieder, dass man in solchen Krisensituationen die wenigen Berührungspunkte oft falsch interpretiert. Ich habe auch kein Patentrezept, damit man nicht immer wieder in diese Gefühls-Fallen tappt.


Vorher hatte ja immer drohend im Raum gestanden, dass ich im Zweifelsfall mit dem Kind nach HH abzischen würde. Wäre in vielerlei Hinsicht einfacher für mich
Hier sehe ich Dein Hauptproblem: Du bleibst seinetwegen in New York und damit Euer Kind die Möglichkeit hat seinen Vater zu sehen. Hast Du dort denn ein Netz von Freunden/sozialen Kontakten? Könntest Du dort ein ausgefülltes Leben auch ohne ihn führen? Bleibt er unbegrenzt in den USA oder ist seine Arbeit dort zeitlich begrenzt? Ich sehe Dich hier in der Verantwortungsfalle: In dem Moment, in dem Du sagst, dass Du nicht mehr auf "bessere Zeiten" warten willst und zurück nach HH gehst bist Du die Buh-Frau, weil Du den (Schluß?)Strich gezogen hast. Und klar ist auch, dass Du für Dein Bleiben auch einen entsprechenden Einsatz von ihm erwartest.

Ich wünsche Dir dass Du bist Sonntag Ruhe findest, dass Deine Gedanken nicht zu sehr kreisen und dass Dir Deine Therapeutin gefällt! Zum viel arbeitenden Mann gibts übrigens im Forum "Beziehung im Alltag" einen interessanten Strang von Schnurpsel.

Liebe Grüße!
Winnie

Selkie
12.09.2006, 15:05
Liebe sadness,


Zeit lassen, ja natürlich...schwierige Zeiten lassen sich nicht von heute auf morgen klären.
Aber ich habe den Eindruck, das geht hier, wie euer Leben vorher auf deine Kosten.

In dem Sinne, dass ich mehr aufgebe und mehr riskiere als er -- sicher. Das sehe ich ganz genauso. Und die Situation ist auch sehr schwer für mich, das gebe ich zu. Aber es ist noch zuviel da, um einfach den Schlusstrich zu ziehen. Er ist kein Arschloch; er nutzt mich nicht aus; er *kann* im Moment einfach nichts geben. Das ganze ist für ihn ja auch nicht leichter.


Du schreibst selber, das dein Platz im Leben deins Mannes ganz hinten kommt, das er aber für seine Affäre Zeit hatte.
Die hat er deiner Zeit abgezwackt, Selkie.

Die Affäre ging erst richtig los, nachdem er mit mir Schluss gemacht hatte; er betrachtete sich ab dem Moment als ungebunden. In den ersten Monaten nach der Trennung hatten wir auch kaum Kontakt, abgesehen von den üblichen unerfreulichen "Aussprachen". Ich war dann ein Vierteljahr in Deutschland, und danach haben wir uns, mit einigen Schwierigkeiten, wieder angenähert -- sein Wunsch. Wenn er nicht auf mich zugekommen wäre, würden die Kleine und ich jetzt in HH leben.

Vielleicht war das missverständlich; ich bin ihm schon *wichtig*. Wichtiger als jeder andere Mensch auf der Welt. Das sagt er mir, und ich fühle es auch. Er hat nur nicht die innere Stärke, sich von seinem Auffresserberuf, auf den er sein ganzes Leben hingearbeitet hat, zu distanzieren, sich einzugestehen, dass das vielleicht doch eine Nummer zu gross war. Er arbeitet nicht, weil er das toll findet, rund um die Uhr im Büro zu sitzen, sondern weil er das Gefühl hat, er kann nicht anders. Da ist ein immenser Druck in ihm und eine tiefe Traurigkeit. Und da muss er allein durch; irgendwann wird er entweder mit Herzinfarkt umkippen oder ausbrennen, und das war's dann. Klingt vielleicht pathetisch, aber ich hoffe, dass er das überlebt. Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn.
Und die Zeit, die er mit mir verbracht hat, hat er ja andersrum seiner Affäre weggenommen. :smirksmile: Er hat auch durchaus Anstrengungen auf sich genommen, mich zu sehen; ist im Sommer für einen Kurztrip nach Deutschland gekommen, der dann leider noch kürzer wurde, weil zu Hause die Arbeit rief -- aber immerhin. Hätte er ja nicht tun müssen. Letztes Jahr Weihnachten hat er bei meiner Familie in Deutschland gefeiert (und es war wirklich schön). Und nein, er ist kein dreistes Arschloch, im Gegenteil; an sich ist er sehr dünnhäutig.


Vielleicht kannst du ja deinen Mann zu einer Beratung oder Therapie bewegen, die Zeit kann und sollte er sich nehmen.

Das ist auf jeden Fall der Plan. Würde er wohl auch mitmachen (hier gibt's ja teilweise auch WE-Termine). Aber nicht jetzt sofort. Wenn ich damit jetzt ankomme, ist das schon wieder zuviel Druck. :unterwerf: Wie gesagt, ich lasse ihn jetzt erstmal. Wenn er kommt, dann kommt er. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um mich selbst.

LG & danke, selkie

Selkie
12.09.2006, 15:53
Liebe Winnie,


Hier sehe ich Dein Hauptproblem: Du bleibst seinetwegen in New York und damit Euer Kind die Möglichkeit hat seinen Vater zu sehen. Hast Du dort denn ein Netz von Freunden/sozialen Kontakten? Könntest Du dort ein ausgefülltes Leben auch ohne ihn führen? Bleibt er unbegrenzt in den USA oder ist seine Arbeit dort zeitlich begrenzt?

Doch, doch, ich habe mich hier schon recht gut eingerichtet, habe einen tollen, verlässlichen Freundeskreis, der die ganze Geschichte kennt und bei dem ich mich ausheulen kann. Ich sitze also nicht bloss den ganzen Tag in der Wohnung und warte auf ihn. :smile: Aber meine Heimat ist das hier nicht. Ich würde nicht bleiben, wenn ich mit ihm keine Zukunft hätte. Das weiss er auch. Ich habe ihm gesagt, dass ich bleiben werde, solange wir beide eine Chance sehen, uns irgendwie wieder anzunähern, und dass es keinen Zeitdruck gibt. Wobei natürlich klar ist, dass die Zeit das irgendwann für uns entscheiden wird -- wenn sich nach, sagen wir, drei, fünf, zehn Jahren nichts geändert hat, muss man auch nicht mehr warten. :smirksmile: Ich kann und will da auch nicht zu lange vorausplanen. Ich denke jetzt erstmal an ein Jahr. Bis dahin kann viel passieren, im Positiven wie im Negativen.

Er ist übrigens Amerikaner, um deine Frage nach Aufenthaltsdauer zu beantworten. :smile: Arbeitsmässig hätte er aber die Chance, sich in nicht allzulanger Zeit nach Europa versetzen zu lassen (wo dann z.B. der workload auch weniger würde). Das ist halt auch so ein Ding; im Moment steht er von allen Seiten unter unglaublichem Druck. Er arbeitet zuviel mit zu wenig Personal, trägt irrsinnige finanzielle Verantwortung, und er kommt nie aus dieser Tretmühle raus, weil er in der Firma zu "wichtig" ist, um ihm mal Urlaub zu gönnen. Selbst in Deutschland musste er ständig Email schicken und telefonieren. Er hat nie Abstand. Nur, wenn er mit mir zusammen ist. Selbst seine Affäre stammte ja aus diesem Kreis.


Ich sehe Dich hier in der Verantwortungsfalle: In dem Moment, in dem Du sagst, dass Du nicht mehr auf "bessere Zeiten" warten willst und zurück nach HH gehst bist Du die Buh-Frau, weil Du den (Schluß?)Strich gezogen hast. Und klar ist auch, dass Du für Dein Bleiben auch einen entsprechenden Einsatz von ihm erwartest.

Erwarten tue ich eigentlich nichts, nur hoffen. Kann man ja nicht abstellen. Sein Einsatz bleibt der gleiche wie vorher -- wir treffen uns, reden, haben Spass zusammen, entwickeln mit etwas Glück wieder mehr Nähe. Nur fällt der Druck weg, dass daraus mehr werden MUSS. Dass ich die ganze Zeit mehr oder weniger subtil darauf hinweise, dass er zurückkommen soll. Vorher hatte ich immer den Drang, ihn zu einer Entscheidung zwingen zu wollen -- "willst du nun mit mir zusammensein oder nicht, das kann doch nicht so schwer sein!!!" Das ganze letzte Jahr habe ich ihn in der Tour bearbeitet. Er konnte nie eine Antwort geben. Ich hoffe nun, wenn ich ihn einfach in Ruhe lasse, wird er irgendwann von allein zu einer Antwort kommen.
Und selbst wenn ich es irgendwann bin, die aufgibt, wird er mich nicht als die "Böse" hinstellen, das glaube ich nicht. (Und selbst wenn, kann es mir in dem Moment ja auch egal sein.) Er ist ein sehr, sehr korrekter und fairer Mensch; die Kehrseite davon, dass er nicht sehr gefühlsbestimmt ist. Er lässt sich nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreissen. Deshalb musste er auch erst die Ehe mit mir entsorgen, bevor er mit der anderen etwas anfing. Er ist da sehr vorsichtig. Er will, so doof das klingt, mich auch nicht verletzen. Insofern würde er auch nie falsche Hoffnungen schüren. Da sagt er lieber gar nichts.
Umso härter ist es jetzt für mich zu schlucken, dass er letzte Woche noch von Rückkehr und neuer Wohnung sprach. Ich glaube ihm schon, dass er es *meinte*. Es war nur wieder zuviel auf einmal. Trotzdem fühle ich jetzt wieder richtig den Verlust. Es hätte nicht geklappt, direkt wieder zusammenzuziehen, das wäre eine Katastrophe geworden. Aber es war so ein schöner Traum...

Mal sehn, was die Therapeutin nachher so zu sagen hat. Vielleicht setzt die mir den Kopf mal so richtig zurecht. :smirksmile:
LG, selkie

Winnie
14.09.2006, 20:43
Hi Selkie,

wie war der Therapeutentermin? Hat sie Dir gefallen? Hast Du neue Denkansätze gefunden?

Wie alt ist Eure Tochter eigentlich?

Liebe Grüße!
Winnie

Selkie
14.09.2006, 23:34
Hallo Winnie!
Die Therapeutin war... hmmm. Nicht so meins. Es gab null Richtung oder Führung im Gespräch; ihr Augenmerk lag mehr auf dem Leben meiner Grosseltern als auf meinem; und sie maßte sich Bemerkungen an, die m.E. vorschnell und sehr subjektiv waren, und die ausserdem Dinge beinhalteten, die, wenn sie denn stimmen, ich mir *selbst* hätte erarbeiten müssen, statt sie einfach gesagt zu bekommen. Ein Beispiel: Am Ende der (wohlgemerkt ersten!!) Sitzung meinte sie, mein Mann und ich würden uns in Wirklichkeit gar nicht kennen. Entschuldigung, aber gar so verkrüppelt sind wir beide nicht, dass wir 15 Jahre lang komplett aneinander vorbeigelebt hätten; und wie gesagt, das wäre ausserdem ein Punkt, an dem ich (mit ihrer Hilfe) allein hätte ankommen müssen.
Sie hat übrigens auch ausser einer Ausbildung zur Yoga-Lehrerin keinerlei seelsorgerische Qualifikation, habe ich festgestellt. Da gehe ich nicht wieder hin.

Und unsere Tochter ist drei. :smile:
LG, selkie