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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Enttäuschungen. Wie geht man damit um?



Inaktiver User
05.09.2006, 18:21
Ich habe ein unheimliches Problem damit, mir einzugestehen, wenn andere Menschen nicht meinen Erwartungshaltungen entsprechen. Immer wieder suche ich Ausreden für andere und lasse mir dann wieder wehtun.
Wie kann man sich (innerlich) gegen Enttäuschungen schützen. Ich weiß schon, wie ich mich nach außen zu verhalten habe, aber wie bekomme ich es hin, dass sich meine Gedanken nicht mehr darum drehen. Wie schraube ich die Erwartungshaltung eventuell etwas runter?

Wwwichbinsde
06.09.2006, 09:49
Ich mach das so, dass ich mir sage, dass wahrscheinlich die wenigsten Leute auf Erden etwas tun, um MICH zu verletzen. Das passiert einfach, ohne das der "Absender" aufm Zettel hatte, was sein Verhalten bei MIR auslöst. Darauf angesprochen, sind so gut wie Alle betroffen.

Weiter frag ich mich, wer da was gesagt oder getan hat. Wie wichtig ist das für mich und wie viele Leute schließen sich an. Also vielleicht mal Feedback holen, ob man selbst auf dem Holzweg ist oder der Andere.

Und dann noch: ich verhalte mich ganz sicher auch nicht immer so, wie Andere es erwarten. Da tue ich nicht um mein Gegenüber zu verletzen, sondern weil ich in dem Moment entweder wenig nachgedacht habe oder es für richtig hielt.

Die Grauzone enthält solche Sachen wie Eifersucht, Konkurrenzverhalten usw. Dinge, die mit dem eigenen Selbstwert zu tun haben und wo man sich gern hervorheben möchte - also auch wieder jede Menge eigene Anteile.

Inaktiver User
06.09.2006, 21:16
Ärger [oder auch Ent-täuschungen] entstehen dann, wenn meine Vorstellungen nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Warum ändere ich dann nicht meine Vorstellungen?
Bert Hellinger

ich glaube, die Lösung ist, sich einfach bewusst zu machen, dass eine Vorstellung zwar was Nettes ist, aber seitens des Mitmenschen keinerlei Verpflichtung besteht, sie zu erfüllen (ausgenommen die Grundhaltungen wie Schutz der Menschenwürde, banalste Höflichkeit, ...). Mir ist grundsätzlich egal, was X oder Y tun: korrespondiert es mit dem, was ich mir wünsche, freue ich mich, wenn nicht, ziehe ich für mich die Konsequenzen. Sehr theoretisch, ich weiß, aber im Moment fällt mich nicht ein, wie ich das runterbrechen kann, sorry.
Alles Liebe, T.

Alina78
06.09.2006, 22:10
Ich finde, es kommt auf die Art der Erwartungshaltung an. Wenn diese grundsätzliche Dinge wie Ehrlichkeit und Respekt voreinander beinhaltet, bin ich nicht bereit, meine Erwartungen herunterzuschrauben. Aber meistens sind es ja dann genau die Bereiche, die die schlimmen Verletzungen auslösen. Auch ich gehöre zu den Menschen, die dann immer wieder versuchen, den anderen zu entschuldigen und tausend Gründe für sein Verhalten zu suchen. Nach einer aktuellen Enttäuschung habe ich mir jedoch vorgenommen, das nicht mehr zu tun und höchstens Mitleid mit der Person zu empfinden.
Bei relativ banalen Enttäuschungen wie etwa Unpünktlichkeit bin ich viel eher zu Zugeständnissen bereit und nehme das nicht persönlich. Das verbuche ich unter Unachtsamkeiten, die mir ebenso unterlaufen.

Inaktiver User
07.09.2006, 09:25
Ronja,

zum einen denkst Du so lange über die Dinge nach, wie das wichtig ist. Manche verdaust Du schnell, andere brauchen ewig, bis Du damit "durch" bist. Das ist völlig in Ordnung - es nervt zwar manchmal gewaltig, aber es ist immer auch eine Chance, genauer hinzuschauen, weil das Thema offensichtlich stark mit Dir und Deiner inneren Welt zu tun hat.

So gesehen ist es sehr positiv, dass Du realisierst: "Meine Erwartungen werden häufig enttäuscht, und das nagt an mir", da Du damit gleichzeitig einen Ansatzpunkt hast, die Dinge genauer zu betrachten.

Gibt es Parallelen bei den Enttäuschungen?

Welche Bilder hast Du, welche Erwartungen entstehen in Dir, und wie werden sie enttäuscht? Sind es Enttäuschungen, die ihrem Wesen nach ähnlich sind?

Wie sehen diejenigen, die Dich enttäuschen, die Sache eigentlich? Kommt es zum Dialog, d.h. kannst Du ausdrücken, dass Du gerade verletzt, verwirrt, enttäuscht, desillusioniert bist (ohne anderen etwas vorzuwerfen - rein im Sinne: So geht es mir gerade, und ich versuche herauszufinden, warum das so ist), oder verkriechst Du Dich im Schneckenhaus? Wie geht es diesen Menschen mit der Situation? Welche Rückmeldungen kannst Du in Bezug auf Dich von anderen bekommen, die Dir vielleicht ebenfalls wichtige Anhaltspunkte bringen?

Es ist wie Tanguera schreibt: Andere Menschen sind nicht auf der Welt, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Es ist völlig normal, dass wir andere gerade zu Anfang eines Kontakts idealisieren - wir kennen sie noch nicht wirklich gut, also füllen wir die Lücken mit unseren inneren Bildern und Vorstellungen. Die haben aber viel mehr mit uns als mit den Menschen zu tun, denen wir sie wie eine Maske aufsetzen.

Irgendwann bemerken wir dann entsetzt: Gottchen, der/die ist ja ganz anders. Der hat endlich seine Maske fallen gelassen und sein wahres Gesicht gezeigt! Genau so ist es auch - nur ist die Maske, die abgesetzt wurde, exakt die, die wir ihm verpasst haben. Der Mensch dahinter hat uns nicht getäuscht, das haben wir selbst erledigt. Die Fragen, die wir uns dann stellen müssen, sind:

Kann ich mit diesem Menschen SO WIE ER IST zurecht kommen? Können wir GEMEINSAM durch unsere Interaktion neue Muster entwickeln? Wachsen wir an den entstehenden Konflikten, geben wir unserem Kontakt die Chance dazu, oder wenden wir uns ab, suchen uns neue "Maskenträger" - neues Spiel, neues Glück?

Ent-täuschung ist etwas sehr positives - wir geben eine Täuschung auf zugunsten dessen, was wirklich ist. Der echte Mensch tritt an Stelle eines Bildes. Dieser echte Mensch ist viel schwieriger und komplexer, als unser Bild uns Glauben machen wollte. Er hat Eigenschaften, die uns nerven, ärgern, die wir einfach irritierend finden, und die uns nicht selten in die Auseinandersetzung zwingen - mit diesem Menschen, aber vor allem auch mit uns selbst. Auch das ist ent-täuschend, weil wir über diese Auseinandersetzung uns selbst neu entdecken.

Ein neuer Mensch kann uns beispielsweise, gerade wenn er uns ärgert, auf Schattenaspekte aufmerksam machen - die Anteile von uns, die wir tief in uns vergraben haben, weil wir sie inakzeptabel finden. Es sind eigentlich die Menschen, über die wir uns so richtig echauffieren können, von denen wir am meisten über uns lernen KÖNNTEN, wenn wir es den zuliessen.

Es kann also eine Menge Mehrwert in Ent-täuschungen stecken - für uns UND für unsere Beziehungen zu anderen.

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
07.09.2006, 16:17
Gibt es Parallelen bei den Enttäuschungen?

Welche Bilder hast Du, welche Erwartungen entstehen in Dir, und wie werden sie enttäuscht? Sind es Enttäuschungen, die ihrem Wesen nach ähnlich sind?

Wie sehen diejenigen, die Dich enttäuschen, die Sache eigentlich? Kommt es zum Dialog, d.h. kannst Du ausdrücken, dass Du gerade verletzt, verwirrt, enttäuscht, desillusioniert bist (ohne anderen etwas vorzuwerfen - rein im Sinne: So geht es mir gerade, und ich versuche herauszufinden, warum das so ist), oder verkriechst Du Dich im Schneckenhaus? Wie geht es diesen Menschen mit der Situation? Welche Rückmeldungen kannst Du in Bezug auf Dich von anderen bekommen, die Dir vielleicht ebenfalls wichtige Anhaltspunkte bringen?


Aktuell habe ich es mit zwei Fällen zu tun, die sehr unterschiedlich sind. Von beiden dachte ich, dass sie gute Freunde sind. Dem einen habe ich immer und immer wieder gesagt, was mich verletzt. Er tut dann auch sehr verständnisvoll und sagt mir immer wieder, dass er sich so verhalten will, dass es mir besser geht. Wir gehen auch immer im "Guten" aus so einem Gespräch raus - aber es ändert sich nicht viel. Er sagt zwar immer dass es ihm wichtig ist, dass es mir gut geht, aber sein verhalten ist in meinen Augen (und das beurteile ich auch nicht alleine so) egoistisch. Ich bin ihm nicht egal, aber er kann mir offensichtlich kein Glück gönnen, wenn es nichts mit ihm zu tun hat. Offensichtlich funktioniert das mit der guten Freundschaft zum Expartner nicht.

Der andere verletzt mich, indem er nicht zu dem steht, was er sagt. Er ist ein Freund meines Exfreundes und wenn ich ihm glauben darf, hat er sehr wohl Interesse an mir, lässt sich aber wegen meinem Exfreund nicht darauf ein. Was mich daran stört, ist, dass er in meinen Augen, einen von uns (also entweder mich oder meinen Exfreund) belügt. Entweder hat er wirklich Interesse an mir, dann ist es aber wie in einem schlechten Film (zumal mein Exfreund durch mich längst darüber informiert wurde,was abläuft) und er ist meinem Exfreund gegenüber unehrlich oder er hat kein Interesse an mir und war zu feige mir das direkt zu sagen. So denkt er jedenfalls er ist fein raus.

Ich bin von beiden so enttäuscht, aber gleichzeitig fällt es mir schwer die Konsequenzen zu ziehen. Leider bedeutet Konsequenzen ziehen auch, auf zwei Menschen zu verzichten, die in der letzten Zeit viel Platz in meinem Leben eingenommen haben. Ich bin schon über ein Jahr von meinem Exfreund getrennt, aber bisher dachte ich, wir könnten als gute Freunde weitermachen. Aber wenn er mir dabei im Weg steht, glücklich zu werden (und inzwischen kann ich ihm nicht mehr glauben, dass er das unbewusst tut), ist er wohl doch kein freund für mich.

Inaktiver User
07.09.2006, 18:19
Ronja,

was mir sofort ins Auge springt, ist, dass es sich in gewisser Weise um eine Dreiecksbeziehung handelt, in der Loyalitäten offenbar eine grosse Rolle spielen und für Konfliktstoff sorgen.

Ihr habt alle drei was "miteinander", wenn Du so willst, und daraus entstehen problematische Situationen, wenn der eine es dem anderen Recht machen will, ohne den Dritten zu verprellen und umgekehrt.

Hinzu kommt die Frage, wie frisch die Trennung ist, welche Aspekte der Exbeziehung inzwischen geklärt, welche noch "schmurgelnd" sind, wie getrennt im Sinne von "gelöst" Du von Deinem Exfreund und er von Dir tatsächlich bist/ist.

Zu einer Trennung gehört auch Abstand - natürlich kann eine Freundschaft zwischen Expartnern funktionieren, allerdings nicht, wenn noch einiges an schmutziger Wäsche zwischen ihnen vor sich hinmüffelt, oder einer der Partner Empfindungen hat, die von Freundschaft weit entfernt sind - sei es nun alter Groll von müffelnder Wäsche, oder Gefühle, die über Freundschaft hinaus gehen.

Es ist extrem schwierig, eine Liebesbeziehung übergangslos in eine platonische Freundschaft zu überführen - da muss erstmal Luft an die Sache - habt Ihr Euch diesen Raum gegeben?

Das Verhalten Deines Exfreundes lässt vermuten, dass da noch jede Menge Gefühle sind, und dass er es möglicherweise gar nicht so töfte fände, würdest Du jetzt mit diesem gemeinsamen Freund "anbandeln". Das wird auch besagterFreund wissen oder zumindest merken - wie soll er sich da verhalten? Er sitzt zwischen allen Stühlen und fühlt sich vermutlich nicht wirklich wohl mit der Situation.

Ich finde: Du erwartest da ein bisschen viel von beiden.

Wenn Dir eine Klärung wichtig ist, wäre ein Möglichkeit, alle an einen Tisch zu holen und Tacheles zu reden. OB das eine Entspannung bringt, lässt sich aus der Ferne nicht prognostizieren, da von vielen Faktoren abhängig.

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
07.09.2006, 20:04
Wenn Dir eine Klärung wichtig ist, wäre ein Möglichkeit, alle an einen Tisch zu holen und Tacheles zu reden. OB das eine Entspannung bringt, lässt sich aus der Ferne nicht prognostizieren, da von vielen Faktoren abhängig.


Das hab ich versucht; habe mit beiden einzeln gesprochen. Das wissen auch beide, aber sie weigern sich, miteinander darüber zu sprechen. Sprich, wenn wir zu dritt sind, wird heile Welt gespielt. Ich hab auf der einen Seite nen völlig verzweifelten Exfreund an der Backe, dem gegenüber ich im Jahr seit der Trennung immer loyal war, auch wenn es um neue Frauen in seinem Leben ging, der immer wieder erzählt, dass er will, dass ich wieder glücklich werde und dann dazwischenfunkt wo es nur geht. (es war übrigens nicht meine Idee nahtlos in eine Freundschaft überzuwechseln, sondern seine und ich hatte es irgendwann satt krampfhaft auf die gemeinsamen Freunde zu verzichten, wenn er sich dann doch immer wieder mit mir treffen will)

Auf der anderen Seite steht ein bilderbuchhafter "Ich-weigere-mich-standhaft-über-jegliche-Form-von-Emotionen-zu-sprechen-Typ", der mit der Sache glaub ich eher ne alte Geschichte wieder gut machen will (er hat mal nem Kumpel die Frau ausgespannt) als sich mal Gedanken zu machen, ob es nicht albern ist, wenn alle drei Bescheid wissen und man krampfhaft so tut als wäre die Sache nicht in der Welt. Bzw wenn er wirklich meint, die Freundschaft zu meinem Ex gehe ihm über alles (was sowohl ich als auch der halbe Freundeskreis stark bezweifeln), dann sollte er bei mir aber auch nicht durchblicken lassen, dass da vielleicht doch mehr drin ist.

Inaktiver User
09.09.2006, 10:21
Liebe Räubertochter,

mir kommen solche Situationen sehr bekannt vor, von mir selbst und von Freundinnen...
Dadurch gewinne ich den Eindruck, dass der Freund von Deinem Ex-Freund vermutlich tatsächlich nicht der richtige Partner für Dich ist

... denn der Richtige für eine Räubertochter ist frei, liebevoll und mutig!

Wir Mädels hatten für zurückhaltende, zaghafte Männer folgenden Spruch:
Zerbrich Dir nicht den Kopf über das Innenleben eines vermeintlich introvertierten Mannes, vielleicht klopfst du einfach auf eine hohle Nuss!
Will heißen, was auch immer die Gründe sind, dass er sich nicht für eine Beziehung mit dir entscheidet, es ist so.
Und das du dich dadurch erst mal verletzt und enttäuscht fühlst, sehr verständlich!
Mein Tipp: triff dich doch mal mit einem ganz anderen Mann, schon allein um Abstand zu bekommen, kann ja durchaus bei einem netten Kaffeetrinken, Kinobesuch o.ä. bleiben...
Alles Gute, Robin*