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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hausbrand - Gibt es jemanden, der ähnliches elebt hat?



Kerma
02.09.2006, 22:31
Hallo,
eigentlich weiss ich garnicht, ob ich hier mit meinem posting richtig bin - aber einen "richtigen" Ort habe ich bisher auch nicht gefunden...

Im Dezember des vergangenen Jahres (genau am 24.12.06) hat unser Haus gebrannt. Wir sind - nachdem wir alle Kerzen ausgeblasen haben - ins Bett gegangen und ca. 1. Stunde später bin ich glücklicherweise und gerade noch rechtzeitig wach geworden... da stand schon das ganze Wohnzimmer lichterloh in Flammen und das Haus war extrem verqualmt. Einige Minuten später und wir wären alle erstickt... (*dankeandieSchutzengel*)
Mittlerweile wohnen wir wieder in unserem Haus und die Angst kommt nur noch sehr selten hoch.
"Leider" ist mir noch keiner begegnet, der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat - gibt es hier vielleicht jemanden?????

Liebe Grüße
kerma

Inaktiver User
03.09.2006, 10:55
Hallo Kerma,
ohje, was für ein Alptraum!!
Ich habe das zwar noch nie selber erlebt, habe aber panische Angst davor (vor Feuer generell), manchmal wirklich völlig irrational. Ich komme vom Einkaufen nach Hause und plötzlich bekomme ich die Angst, Herzrasen, das Haus steht in Flammen, wenn ich ums Eck biege; ich träume auch sehr oft davon, dass mein Elternhaus abbrennt.

Ich habe als Kind zwei Häuserbrände erlebt (nicht unseres zwar, aber das des unmittelbaren Nachbarn, meine Mutter half damals, das Hab und Gut zu retten, und ein großer Bauernhof im Ort brannte auch nieder). Letztes Jahr entzündete sich der Heizlüfter im Bad meiner Eltern. Plötzlich waberte Qualm unter der Tür durch und als mein Schwager gucken wollte, schlugen ihm sofort die Flammen entgegen, als er die Tür öffnete. Die ganze "hintere" Wohnung (Schlafzimmer, zwei ehemalige Kinderzimmer) war verrußt, das Bad natürlich komplett renovierungsbedürftig.

Wenn die Ängste stärker werden würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall Hilfe in Anspruch nehmen. Ich halte das schon für sehr traumatisierend, was dir/euch passiert ist.

Liebe Grüße
Bim

ascalin
04.09.2006, 01:15
Hallo Kerma,

hier ist so jemand. Bei uns ist es allerdings schon etwas länger her: in der Nacht des Valentintags 2003. Ende Juli konnten (und mussten) wir wieder ins Haus einziehen, wenn auch der letzte Handwerker erst Mitte September fertig war.

Bei uns brach der Brand im Büro des Dachgeschosses aus, und ich erwachte aus dem Halbschlaf, weil über dem Schlafzimmer ein solcher Krach und Gerumpel war, vermutlich weil da schon die Arbeitsplatte durchgebrannt und runtergebrochen ist. Nachsehen konnte man im Obergeschoss nicht mehr, da im Treppenhaus bereits der Putz durch die Wärme von den Wänden platzte und die Flammen zu sehen waren. Das ganze Ausmaß war erst am nächsten Tag zu sehen, und was im Erdgeschoss noch heil war, ist im Löschwasser geschwommen.

Puh, ich mag gar nicht mehr daran denken. Alleine das Gefühl, vor dem Haus in der Kälte zu stehen und auf die Feuerwehr zu warten, die Flammen schlagen aus dem Dachgeschoss, immer mehr, und du kannst gar nichts mehr tun, denn unten ist auch bereits alles vom Rauch durchzogen.

Ich kann dir nachfühlen.

Liebe Grüße

ascalin

Kekole
04.09.2006, 17:25
Hallo Kerma,

ich habe es gottseidank nicht direkt miterleben müssen, aber zwei meiner besten Freunde.
Einem der Mieter (drei Wohnparteien) hat, um einer Zwangsräumung zu entgehen, Gas zum explodieren gebracht. Er ist seitdem querschnittsgelähmt, alle anderen anwesenden Personen und der Kater sind mit dem Schock + Schrecken davon gekommen.

Aber was für ein Schrecken, meine Freunde waren völlig fertig und die Vorstellung macht, selbst mir heute noch Angst.

Das ist nun über zweieinhalb Jahre her und Beide meiden das Thema, ihnen graut es schon vor der Gerichtsverhandlung, falls diese überhaupt noch stattfinden wird.


Wenn die Ängste stärker werden würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall Hilfe in Anspruch nehmen. Ich halte das schon für sehr traumatisierend, was dir/euch passiert ist.
Da schließe ich mich an.

Dir und deiner Familie alles Gute

Kekole

Inaktiver User
05.09.2006, 11:59
deshalb werden ja in neuen häusern feuermelder vorgeschrieben ! also: hab ihr sowas denn nicht installiert ??? es könnte dir/euch ein wenig die angst/verunsicherung nehmen....
gruß von nemesis/dunkle-mondin.de

Aviva
05.09.2006, 12:07
Wir hatten im Mai einen Kuechenbrand, nachdem meine Mitbewohnerin eine Suppe (!) auf dem Herd vergessen hat. Ich war diejenige, die das Feuer bemerkt hat. Da war es zum Glueck noch nicht sonderlich gross und ich habe es ersticken koennen. Der materielle Schaden hielt sich in Grenzen, aber ich habe auch wochenlang kaum schlafen koennen.
Es stellte sich heraus, dass der Rauchmelder im Flur defekt war. Trotzdem hat es mich schockiert, dass ausser mir niemand den Brandgeruch wahrgenommen hat - und ich stand gerade unter der Dusche, umgeben von Dunst und Shampoo-Duft.
Mittlerweile haben wir einen neuen Rauchmelder ... und eine neue Mitbewohnerin. Und ich schlafe wieder gut.

Olea17
05.09.2006, 12:44
Hallo Kerma,

ich musste so etwas leider auch miterleben. Anfang Dezember des Jahres 1999. Ich lebte in einer WG und wachte nachts von einem Krachen auf. Als ich auf den Gang kam, war einer meiner Mitbewohner auch schon aufgewacht. Wir stellten dann entsetzt fest, dass aus dem Zimmer eines Mitbewohners Qualm drang. Es gelang uns noch, ihn durch Rufe zu wecken. Er war schon kohlschwarz vom Rauch und stand total unter Schock. Wir drei konnten uns dann aus der Wohnung retten. Das unaussprechlich Tragische war, dass im Brandzimmer die Freundin des Mitbewohners nicht aufwachte. Wir wussten nicht, dass sie da war, und unser Mitbewohner war nicht in der Lage klar zu denken. (Die beiden hatten vor dem Schlafengehen eine Kerze angezündet und vergessen ...) So verbrannte sie. Aller materieller Verlust und Schrecken war nichts gegen ihren Tod.
Die Wohnung war natürlich erstmal nicht mehr beziehbar, sodass wir alle bei Freunden/Familie Unterschlupf suchen mussten und uns letztendlich neue Wohnungen gesucht haben. Ich weiß also nicht, wie es ist, in so einer Wohnung/Haus weiterzuleben. Aber durch den Todesfall wäre das für mich sowieso nicht in Frage gekommen.
Wichtig für mich war es, hinterher von meinen Freunden und meiner Familie aufgefangen zu werden. Ich merkte, dass ich in ein Netz falle und nicht alleine bin. Das ist bis zum heutigen Tage der größte Schatz in meinem Leben. So hat das schrecklichste Erlebnis meines Lebens sozusagen auch das schönste mit sich gebracht. Ich hatte zwar so gut wie all mein Eigentum verloren, habe aber den Reichtum erfahren, den Freundschaften schenken können.

Wisst ihr denn, wie der Brand bei euch entstanden ist? Ich würde auch sagen: Rauchmelder sind Pflicht! Und ein Feuerlöscher sollte auch zur Hand sein. Mit wem lebst du denn in dem Haus (Mann, Kinder ...) und wie geht es denen mit dem Erlebnis?

Alles Gute wünscht dir,
Olea

Kerma
05.09.2006, 20:43
Hallo Bim...

...danke für deine netten Worte! Uns war von Anfang an klar, dass wenn wir oder die Kinder mit den Ängsten oder dem Erlebten überfordert sein würden, unbedingt proffesionelle Hilfe benötigen.
Aber ich denke, dass wir durch viele Gespräche und gemeinsame Aktionen mit den Kindern die Angst sehr gut in den Griff bekommen haben. Ich kann mittlerweile wieder gut schlafen und fühle ich mich in meinem Bett/ Haus auch während des Schlafens wieder sicher.
Nur wenn ich plötzlich und unerwartet den Geruch von Feuer bzw. Qualm riche, fühle ich mich so wirklich unwohl, jedoch nicht panisch.

LG
kerma

Kerma
05.09.2006, 20:47
Hallo Kerma,

hier ist so jemand. Bei uns ist es allerdings schon etwas länger her: in der Nacht des Valentintags 2003. Ende Juli konnten (und mussten) wir wieder ins Haus einziehen, wenn auch der letzte Handwerker erst Mitte September fertig war.

Bei uns brach der Brand im Büro des Dachgeschosses aus, und ich erwachte aus dem Halbschlaf, weil über dem Schlafzimmer ein solcher Krach und Gerumpel war, vermutlich weil da schon die Arbeitsplatte durchgebrannt und runtergebrochen ist. Nachsehen konnte man im Obergeschoss nicht mehr, da im Treppenhaus bereits der Putz durch die Wärme von den Wänden platzte und die Flammen zu sehen waren. Das ganze Ausmaß war erst am nächsten Tag zu sehen, und was im Erdgeschoss noch heil war, ist im Löschwasser geschwommen.

Puh, ich mag gar nicht mehr daran denken. Alleine das Gefühl, vor dem Haus in der Kälte zu stehen und auf die Feuerwehr zu warten, die Flammen schlagen aus dem Dachgeschoss, immer mehr, und du kannst gar nichts mehr tun, denn unten ist auch bereits alles vom Rauch durchzogen.

Ich kann dir nachfühlen.

Liebe Grüße

ascalin
Hallo ascalin...
auch dir möchte ich danken... du verstehst dieses "Scheiss-Gefühl"... dein Haus brennt und du kannst nichts tun... aber du bist nur heilfroh, noch am Leben zu sein! Und erst der ganze HickHack danach... Wir konnten drei Monate nicht in unserem Haus wohnen, alles musste komplett neu gemacht werden wegen der extremen Verrussung. Auch unser ganzer Besitz ist weg... eben nur die wichtigsten emotionalen Gegenstände konnten wir reinigen lassen, alles andere ist futsch...
...aber wir leben... alles andere ich doch letztendlich egal...
LG
kerma

Kerma
05.09.2006, 21:09
Liebe Olea...

... genau dass ist es...

Wichtig für mich war es, hinterher von meinen Freunden und meiner Familie aufgefangen zu werden. Ich merkte, dass ich in ein Netz falle und nicht alleine bin. Das ist bis zum heutigen Tage der größte Schatz in meinem Leben. So hat das schrecklichste Erlebnis meines Lebens sozusagen auch das schönste mit sich gebracht. Ich hatte zwar so gut wie all mein Eigentum verloren, habe aber den Reichtum erfahren, den Freundschaften schenken können.

...wenn ich mir vorstelle, ich hätte meine beiden Kinder nicht retten können... oder meinen Mann... es ist das Schlimmste, was hätte passieren können. Meinen Mann habe ich auch kaum noch wach bekommen und er selber meinte, dass er sicherlich nicht mehr wach geworden wäre... außerdem hätte ich ihn nicht aus dem Haus tragen können...

Der Brand ist durch einen Funken, der beim Ausblasen der Kerze nicht sichtbar geflogen ist, entstanden. Wir sind unmittelbar nach dem Ausblasen aller Kerzen ins Bett gegangen und ca eine Stunde später bin ich aufgewacht. Zunächst war es ein Schwellbrand der dann zur offenen Flamme geworden ist. Durch die enorme Hitzeentwicklung sind alle Fenster gesprungen - gott sei Dank nur die innere Seite der Doppelverglasung... ansonsten wäre die Sache sehr übel ausgegangen und das ganze Haus hätte lichterloh gebrannt ... Als wir raus sind, war Atmen schon fast unmöglich, besonders im Treppenhaus... Das Atmen hat so sehr geschmerzt und ich hatte solche Angst, ob meine Kinder dies überleben werden... das schlimmste Gefühl überhaupt... mir war es sowas von egal, ob ich überlebe - ich wollte nur meine Kinder retten.
Da wir alle Fenster geschlossen hatte, hat sich das Feuer durch den fehlenden Sauerstoff selber erstickt, und als die Feuerwehr dann eintraf, war das Feuer schon fast aus. Somit wären wir höchstens fünf Minuten später erstickt - und vorher schon an den Rauchgasen gestorben. Es reichen bei Kindern drei!!! Atemzüge und bei Erwachsenen fünf!!! um zu sterben. Das fatale ist - so sagte uns der Kripobeamte, dass Rauchgase einen "high" machen und man es im Schlaf sogar als angenehm empfindet. Und wenn es dann lebensbedrohlich wird, hat man aufgrund des "high" sein, keine Chance mehr zu entkommen.

Es tut mir sehr leid, was dir passiert ist - neben so einer Katastrophe auch noch den Tod eines Menschen mitzuerleben ist wirklich schlimm... wie du schon geschrieben hast - alles materielle ist auf irgendeine Weise zu ersetzen. Und selbst die wichtigsten Erinnerungsstücke sind "unbedeutsam" im Vergleich zum Verlust des Lebens.

Ich danke dir für deine lieben Worte
Kerma

P.S. Meine Kinder waren z.Z. des Brandes 5 und 1 Jahr alt.