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Ich_und_Ich
02.09.2006, 20:45
Ich sitze gerade in meiner Wohnung. Meine erste eigene Wohnung, nachdem ich seit letztem Jahr von meiner langjährigen Lebensgefährtin getrennt bin. Die Entscheidung war richtig, aber auch schwierig. Wenn ich ehrlich bin, hat sie die Initiative ergriffen, weil sie nicht mehr so weiter machen wollte. Ich war schon lange nicht mehr glücklich, wollte es aber nicht wahr haben. Die Trennung tat weh, uns Beiden. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, habe es immer noch ein bisschen, obwohl es nun über ein Jahr her ist. Fühlte mich verantwortlich für sie.

Jetzt bin ich single, aber nicht wirklich glücklicher. Ich habe Probleme in meinem Beruf. Schon lange. Nicht, dass ich es nicht könnte, aber ich habe so gut wie keine Motivation. Das führt dazu, dass ich tagelang, wochenlang, ja monatelang die Erledigung von Aufgaben und die Bearbeitung von Projekten vor mir herschiebe. Manchmal ist eine email, ein Fax, ein Brief schon ein riesiger Schritt für mich. Da ich ein Büro für mich habe, merkt es keiner, wenn ich nichts tue. Ich surfe im Internet und sage mir „Aber gleich fängst Du richtig an“ oder – gegen Feierabend – „Aber morgen legst Du richtig los“. Und so verbringe ich viel Zeit damit, meinem Chef etwas vorzumachen, den Auftraggebern etwas vorzumachen. Nach Gründen zu suchen, warum dies und jenes so lange dauert. Und meine Zeit zu verstecken, bei Projekten, die dies eventuell hergeben. Mehr als einmal in den vergangenen Jahren musste ich meinem Chef Rechenschaft ablegen, warum ich so schlechte Leistung bringe. Es lag mir schon auf der Zunge … ihm zu sagen, wie schlecht es mir geht. Dass ich diesen täglichen Kampf nicht mehr aushalte. Dass ich zu nichts Lust habe. Aber ich habe mich immer wieder zurückgehalten, denn ich weiß nicht, was dann passieren würde. Aber wie gerne würde ich mir den Druck nehmen.

Gerade mal spitzt sich die Situation wieder zu. Ich habe Abgabefristen für mehrere Projekte gleichzeitig und es ist unmöglich zu schaffen. Kaum, wenn ich richtig arbeiten würde und schon gar nicht mit meiner so gut wie nicht vorhandenen Leistung. Bisher habe ich es immer geschafft, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Oft dadurch, dass ich im letzten Moment durch ein paar Tage gute Arbeit noch etwas aus dem Ärmel gezaubert habe. Oder die Fristen wieder mal verlängern konnte. Aber ich brauche ebenso wie viele Andere Selbstbestätigung durch Erfolg. Die derzeitige Situation macht mich fix und alle. Aber ich schaffe es einfach nicht, mich aufzuraffen. Immer wieder gehe ich noch abends oder am Wochenende ins Büro. Und dann sitze ich wieder stundenlang herum und tue nichts außer im Internet zu surfen.

In den vergangenen 2 bis 3 Jahren ging es mir schon oft sehr schlecht. Gerade wenn sich die Situation beruflich zuspitzt und ich das Gefühl habe, keine Chance zu haben, es auch nur irgendwie zu schaffen. Dann geht es mir psychisch richtig bergab und ich könnte ununterbrochen weinen. Dann habe ich immer Druck auf den Augen … feuchte Augen. Wenn dann noch anderen Dinge hinzukommen … Probleme … Konflikte .. Entscheidungen … dann habe ich schon dagesessen und bitterlich geweint … am ganzen Körper gezittert … tagelang. Mir verzweifelt überlegt, wie ich bloß aus diesem tiefen Loch herauskommen soll. Wo ich die Kraft und die Zuversicht hernehmen soll, dass es besser wird. Mir geht es schon so viele Jahre schlecht … wie soll ich da bloß schaffen? Gerade gestern habe ich wieder das Lied der Toten Hosen gehört … Steh auf, wenn Du am Boden bist … aber die haben gut reden.

Ich habe ein paar Freunde, die mir sehr wichtig sind. Nicht viele, aber ein paar. Es gibt auch viele, die mich mögen. Auch über das Internet habe ich einige sehr liebe und wertvolle Menschen kennen gelernt. Aber dennoch fühle ich mich so einsam.

Und wenn es mir so schlecht geht, dann denke ich darüber nach, wie es wäre, einfach nicht mehr da zu sein. Und zu meinem Erschrecken hatte ich dabei schon ein Gefühl des inneren Friedens in mir. Der Gedanke, nicht mehr aufwachen zu müssen, erzeugte in mir ein Gefühl des Friedens, des Glücks. Nicht mehr kämpfen zu müssen. Nicht mehr nach Glück suchen zu müssen. Was für ein unglaublich schöner Gedanke. Ich habe gemerkt, wie sich dabei mein Gesicht entspannte, meine Mundwinkel. Und ich erschrecke und denke darüber nach, ob ich tatsächlich in der Lage wäre, mich umzubringen. Früher hätte ich jedem, der das denkt, gesagt, er „solle sich zusammenreißen“ und dass er dazu nicht das Recht habe. Aber jetzt denke ich "Ist es nicht jedem seine eigene Sache?"

Ich habe schon ein bisschen was darüber gelesen und immer wieder liest man, dass Menschen, die das mal vorhatten und es nicht getan haben oder bei denen es gescheitert ist, irgendwann glücklich darüber sind, weil es ihnen eben inzwischen gut geht. Aber mir geht es schon so lange schlecht. Ich habe vergessen, wie es ist, glücklich zu sein. Ja, es gibt Glücksmomente, aber die wiegen das Andere nicht auf.

Einer der Hauptgründe, es nicht zu tun ist derzeit, dass ich meinen Eltern nicht diesen Schmerz zufügen will. Aber ich würde am liebsten zu ihnen gehen und es ihnen erklären und sagen „Lasst mich bitte gehen. Es ist nicht schlimm. Ich wäre glücklich, wenn ich es dürfte. Ich schade doch niemand damit.“ Sie wissen, dass ich Probleme habe. Letztes Jahr, als ich ihnen sagte, dass wir uns trennen, habe ich es ihnen erklärt. Alle Anderen, meine Schwestern, meine Nichten und Neffen, Verwandten, Freunde, wären sicher traurig, wenn ich nicht mehr wäre, aber würden es verkraften. Seit Anfang dieses Jahres habe ich sogar eine Therapeutin, aber es hat mir bisher nicht dauerhaft geholfen. Ich war nun schon einige Wochen nicht mehr dort, nachdem sie einen Termin absagen musste. Ich weiß nicht, ob es mir überhaupt hilft.

Und so sitze ich jetzt wieder hier in meiner Wohnung. Keine Motivation irgendetwas zu tun. Ich wollte schon den ganzen Tag ins Büro fahren, um zu versuchen, etwas auf die Reihe zu kriegen. Einem Kunden habe ich eine Email mit wichtigen Informationen versprochen. Meinem Chef Unterlagen für einen Termin am Montag. Und dann die anderen Sachen, die größeren Projekte. Ich müsste so dringend daran arbeiten. Ich lasse Zeit verstreichen, schiebe wieder alles vor mir her. Schon seit Wochen. Ich stehe mit dem Rücken an der Wand. Und dann liege ich hier und weine. Versinke im Selbstmitleid und in den Gedanken, wie erlösend es wäre.

Dabei weiß ich es doch genau. Nur mit einem Fuß vor den Anderen kommt man vorwärts. Aber oft genug schaffe ich nicht mal das.

Wahrscheinlich gehe ich wieder weg heute Abend. Wie so oft freitags und samstags. Aber eigentlich ist es frustrierend. Ich habe Probleme, Leute kennen zu lernen. Und so gehe ich oft weg … tanze … trinke etwas. Schaue mir die Bühne der Eitelkeiten an. Schöne Frauen, schöne Menschen. Wehmütig. Und denke „Woran liegt es bloß, dass ich mir das Leben so schwer mache? War ich schon mal glücklich im Leben? Wie ist das passiert? Wie war ich als Kind, als Jugendlicher? Liegt es an meiner Berufswahl? Liegt es an meiner Befürchtung, dass ich meine langjährige Lebensgefährtin nie so geliebt habe, wie ich es mir als junger Mensch immer erträumt habe? Will ich mich nun dafür strafen? Dass ich ihr und mir das angetan habe?“ Ich habe oft das Gefühl, dass ich mich selbst strafen will.

Warum schreibe ich hier? Vielleicht hoffe ich, dass jemand eine gute Idee hat. Dass mir jemand ein Zaubermittel verspricht, dass mich wieder nach oben bringt. Vielleicht höre ich mich auch einfach nur gerne reden …

Ich habe mir einen anderen nick für dieses posting zugelegt, denn ein paar Leute kennen mich hier schon. Ich möchte ihnen nicht unnötig Sorgen machen. Mmh, ist das der Grund? Ich weiß nicht genau. Vielleicht möchte ich sie nicht erschrecken mit meinen Gedanken. Oder nicht das Bild von mir zerstören. Obwohl ich mich schon oft genug geoutet habe. Ich habe schon einigen erzählt, dass es mir nicht gut geht. Aber irgendwann möchte man nicht mehr reden. Nicht mehr rumjammern. Was bringt es? Ich habe schon soviel geredet. Schon oft wurde mir gesagt „Du bist noch jung (na ja, um die 40) und jetzt ungebunden. Dir steht die Welt offen.“ Aber es hilft mir alles nichts, ich schaffe es einfach nicht, aus diesem Loch heraus zu kommen und habe auch so wenig Zuversicht, dass mir ein Therapeut helfen kann. Ich komme mir oft einfach nur faul vor, wenn ich nichts tue. Andererseits … wenn ich dasitze und heule, hat das was wohl kaum was mit faul zu tun.

Jetzt werde ich versuchen, noch ein bisschen Ordnung in die Wohnung zu bekommen. Büro hab ich heute wieder nicht geschafft, obwohl ich mich den ganzen Tag aufraffen wollte. Nun habe es für morgen vor. Werde gegen Mittag ins Büro fahre und vielleicht mal Leistung zustande bringe. Ich MUSS einfach.

Danke Euch für’s Lesen …

Ansja
02.09.2006, 22:07
Deine Nachricht hat mich betroffen.

Mir geht es bei der Arbeit manchmal ähnlich.

Viele Grüße
Ansja

Anjo
02.09.2006, 22:56
Lieber Ich_und_Ich, Dein posting hat mich sehr traurig gemacht. Mich würde interessieren, ob Dir schon immer diese gewisse Leichtigkeit im Leben fehlte.
Als Kind hatte ich auch oft solche Gedanken, wäre es nicht besser, wenn ich nicht mehr da wäre, ich müßte nicht mehr kämpfen, nicht mehr mit dieser Traurigkeit des Lebens fertig werden, wozu quäle ich mich hier, wenn es mir woanders wahrscheinlich besser gehen würde. Im Geiste schrieb ich sogar schon Abschiedsbriefe, oft abends, wenn ich im Bett gelegen habe und mir die Gedanken im Kopfe herumgesaust sind.
Auch später, als ich mich in den letzten Jahren meiner langjährigen Beziehung (9 Jahre) befand und auch merkte, wie unglücklich ich war, schrieb ich im Geiste diese Briefe und stellte mir vor wie es wäre, nicht mehr da zu sein. Auch hier wieder die Gedanken nicht mehr mit dem Leben kämpfen zu müssen, es hatte etwas Befreiendes. Gleichzeitig stellte ich mir den Schmerz meiner Eltern bzw. hauptsächlich meiner Mutter vor, ich wußte, sie würde in ihrem Leben nicht mehr glücklich werden.
Nachdem meine 9jährigen Beziehung dann gescheitert war, mein Exfreund mich Tag und Nacht kontrollierte, Psychoterror ausübte und die unausgesprochenen Probleme mit meinem Vater mich psychisch fix und fertig gemacht haben (ich bin ein Scheidungskind), kam ich mit meinem Leben alleine nicht mehr zurecht. Eigentlich bin ich schon ein starker Mensch, wenn ich stark sein muß, ich habe Stolz und stehe für mich ein, aber wenn ich einmal in so einem tiefen Loch drinhänge, dann komme ich von alleine nicht mehr da raus. Ich habe mir psychologische Hilfe bei einer mir sehr symphatischen Therapeutin geholt. Sie war mir eine große Stütze, ohne sie hätte ich niemals diese anderen Sichtweisen des Lebens kennengelernt.
Ich sage heute noch, mir fehlt die Leichtigkeit im Leben. Das gewisse Etwas, das andere einfach haben. Ich grübele ständig nach, mache mir das Leben selbst schwer, bin sehr zurückhaltend und finde unwahrscheinlich schlecht Kontakt zu anderen Menschen, weil ich einfach kein Urvertrauen habe, ich traue niemandem so recht. Ich habe oft das Gefühl, man will mir etwas. Aber ich weiß, woher dieses Verhalten bei mir kommt. Es liegt tief in der Kindheit zurück. Ich akzeptiere mich, so wie ich bin. Auch wenn ich andere um ihre Leichtigkeit und Unbeschwertheit beneide, ich ärgere mich oft über mich, aber ich akzeptiere mich.
Heute habe ich einen Menschen an meiner Seite, der genau diese Leichtigkeit hat, er zieht mich mit, auch wenn ich oft bremse, oft mit mir und meinem Schwermut kämpfe. Ich wünschte mir, ich wäre so wie er. Aber ich bin es nicht. Ich bin ein anderer Mensch, aber er tut mir gut, er läßt vieles Schwere in meinem Leben leichter werden. Wir haben jetzt einen 5,5 Monate alten Sohn und plötzlich sehe ich die Welt noch einmal mit anderen Augen. Keine Gedanken des Wegwünschens mehr, ich möchte hier bleiben, noch ganz lange. Noch so lange wie möglich von diesem Lebenssaft trinken, von diesem wahnsinnig glücklichen Gefühl mit meinem Sohn zehren. Das Leben erscheint mir mittlerweile lebenswert, ich genieße es, auch wenn ich meine Tiefpunkte habe, aber ich weiß, es lohnt sich zu leben.
Ich wollte Dir einfach in kurzen Worten (naja, ein wenig länger ist es doch geworden) von mir berichten, es fällt mir schwer, Dir etwas zu raten. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch braucht eine andere Hilfe. Ich finde es gut, dass Du eine Psychotherapie angefangen hast und ich würde Dir wünschen, dass Du die Therapie wieder aufnimmst. Vielleicht ist die Therapeutin einfach nicht die richtige Person für Dich und Du suchst Dir eine neue oder einen neuen Therapeuten? Dein Leben muß nicht so bleiben wie es jetzt ist. DU kannst es ändern. Nur Du, ich weiß, es ist einfach gesagt. Und manchmal ändert sich die Lebenssituation wirklich von heute auf morgen, sei es durch einen neuen Partner, der einen anderen Wind in Dein Leben bringt, weil er eine andere Persönlichkeit ist oder durch einen neuen Job, such Dir etwas, das Dich befriedigt, das Dir Spaß macht, denn ich denke mal, die Arbeit erfüllt Dich einfach nicht, Du quälst Dich mit ihr. Versuch etwas anderes zu finden, auch wenn es zur Zeit keine Jobs in Hülle und Fülle gibt. Aber versuch es, denn die meiste Zeit des Tages verbringst Du mit dieser "Quälerei", da es ist ja verständlich, dass es Dir auf's Gemüt schlägt.
Falls Du doch meinst, es liegt nicht an der Art der Arbeit, dann finde heraus, was Dich so lähmt, was Dich so zur Faulheit verleitet.
Glaube einfach fest daran, dass das Leben noch etwas anderes für Dich bereit hält. Glaubst Du an etwas? Mir hat mein Glaube an Engel und dass sie immer bei mir sind und mich beschützen, sehr geholfen. Und tief im Inneren habe ich gespürt, dass noch etwas anderes im Leben kommt und es kam wirklich so.
Ich wünsche Dir ganz viel Leichtigkeit für's Leben und die Stärke das ändern zu können, was das Leben so schwer macht.
Alles Gute.

USA
03.09.2006, 10:52
Hallo ICh und Ich ,

das was ich da lese klingt für mich nach einer schweren Depression und die sind heilbar!!!! Hast du von deiner Therapeutin auch Tabletten bekommen? Depressionen sind nicht anderes als Stoffwechselstörungen und man kann sie mit Medikamenten und einer Therapie ( ev. Therapeutin wechseln?) wieder in den Griff bekommen!

Du schreibst, dass du immer wenn du über den Tod nachdenkst ein gutes Gefühl bekommst. Ich kenne das sehr Gefühl sehr genau. Vor 6 Jahren war ich am gleichen Punkt. ICh habe dann auch versucht mir das Leben zu nehmen aber weißt du was. Als die Tabletten anfingen zu wirken ,habe ich auf einmal einen unbändigen Lebenswillen gespürt und gemerkt dass das nicht der richtige Weg sein kann . Gottsei Dank habe ich es noch rechtzeitig geschafft einen Notruf abzusetzen! Heute denke ich keine Minute mehr daran obwohl ich auch noch sehr viel zu bewältigen habe!

Mir hat mal jemand gesagt das das chinesische Zeichen für Krise eigentlich aus 2 zeichen besteht. Krise UND Chance! Also steckt in jeder Krise auch die Möglichkeit eines Neuanfangs. "Bringe doch dein altes Leben um" Such dir eine Wohnung ohne Erinnerungen , ev. eine neue Stadt , einen neuen Job. Überlege dir von was du in deiner Kindheit geträumt hast und geh es an. Was hast du denn zu verlieren wenn du schon über den Tod nachdenkst!!

Ganz viel Kraft und Liebe!!

USA

Kekole
03.09.2006, 17:08
Hallo Ich_und_Ich,

ich möchte Dir dringend ans Herz legen zu Deinem Hausarzt zu gehen und über eine Therapie zu sprechen und Dir Überweisung zu holen.

Wie meine Vorschreiberin schon erwähnte Depressionen sind heilbar.

Take care

Kekole

Inaktiver User
03.09.2006, 19:00
Lieber Ich und Ich, was du schreibst, hat mich betroffen gemacht.
Ich kann dich gut verstehen, denn mir ergeht es ähnlich. Vielleicht kann ich dir auch etwas helfen. Oft liegen die Gründe tatsächlich in der Kindheit, wie wir in unserem Grübelstrang festgestellt haben. Depressionen in dieser Art sind heilbar, aber du solltest eine langjährige Behandlung machen, und nicht so wie ich frühzeitig aufhören. Mir geht es zur Zeit auch schlecht, ich habe auch solche Gedanken wie du. Bei mir ist es so, dass ich bereits die Ursachen kenne. Ich habe das Gefühl, meinen Bezugspersonen nicht gerecht zu werden. Meinem Vater damals nicht intelektuell... Er hat viel von mir gefordert, und meinem Freund sexuell (auch wenn es dafür keine Gründe gibt) zum Beispiel nicht, und auch, weil ich Schwierigkeiten habe, mit seiner Tochter klar zu kommen.Sie ist 14 und will ihren Vater ganz für sich alleine.
Wie Anjo schreibt, fehlt mir auch die Leichtigkeit des Seins, das war immer schon so, und ob es ganz verschwindet, weiß ich nicht.
Du solltest wirklich zum Hausarzt gehen. Der weiß im allgemeinen, was zu tun ist. In dieser Lage ist es schwer, aus diesem Loch herauszukommen, ich kenne zum Beispiel Phasen an mir, in denen ich leicher herauskommem, und Phasen, in denen es schwerer ist.
Vielleicht solltest du dir für deine Arbeit ein Zeitmanagement zulegen...und dann als Belohnung im Internet surfen. Ich war früher auch total chaotisch und musste mir einen Zeitplan zulegen.
Auch tut bei Behandlungen ein Zeitraum gut.
Du brauchst jemanden, der dir hilft.
Tu etwas, sonst wird es immer schwerer für dich, aus diesem Loch herauszukommen.
Ich hoffe, dass du es schaffst.
Wie meine Vorschreiberinnen wünsche ich dir viel Kraft.
lass wieder von dir lesen,
Annette

Wolfgang60
03.09.2006, 20:44
Hallo du,
Du hast dich da irgendwo hereinmanövriert, und es wird immer schwieriger, da rauszukommen.
Zuerst mal schaffst du deinen Job nicht, dies ist wohl eher auf deine Depression zurückzuführen, als auf sonstige Unzulänglichkeiten.
Dann hast du noch deine Eltern im Nacken, die es verhindern, dass du das tust, was für dich das Beste ist. Sie tun es nicht heute, sondern sie haben dich in der Vergangenheit zu dem perfekt funktionierenden Kerl formen wollen, der du wirklich nicht bist.
Was denke ich? Du stehst kurz vor dem Untergang. Sowohl beruflich, als auch existentiell (siehe Selbstmordgedanken).
Mein Tip: Geh sofort zum Arzt, das mit deinem Beruf schaffst du sowieso nicht mehr. Lass dich krank schreiben und mach eine Therapie. Nur so schaffst du es, aus der Misere herauszukommen, mit blauen Flecken, aber noch der ehrlichste und aufrechteste Weg. Und lass deine Eltern aus dem Spiel, die haben genug an dir kaputt gemacht.
Ich wünsche dir viel Glück.
Wolfgang

Ich_und_Ich
03.09.2006, 22:03
Hallo und erstmal vielen Dank Euch Allen. Ich habe Alles aufmerksam gelesen.

Jetzt habe ich ca. 30 bis 40 min an einer Antwort geschrieben und dann ist beim Absenden ein Fehler aufgetreten. So ein Mist!!! Ich werde nochmals antworten, aber nicht jetzt. Aber vorweg: Wolfgang, so langsam glaube ich auch, dass mein Vater mit einer der Hauptgründe für meine Situation ist. Er ist absoluter Perfektionist in finanziellen Dingen ... in handwerklichen Dingen ... in Organisation. Aber dazu später mehr.

USA
03.09.2006, 22:47
Oh ja die Technik!! Nicht verzweifeln ist mir auch schon oft passiert!
LG

Kekole
04.09.2006, 14:10
Lieber Ich_und Ich,


Warum schreibe ich hier? Vielleicht hoffe ich, dass jemand eine gute Idee hat. Dass mir jemand ein Zaubermittel verspricht, dass mich wieder nach oben bringt. Vielleicht höre ich mich auch einfach nur gerne reden …

Es tat Dir sicher gut, Deine Gedanken und Gefühle einfach mal herunter zu schreiben.

Das mit dem Zaubermittelchen ist süß, ich würde Dir und Anderen gerne verraten wo es zu finden ist, wenn ich es wüsste.


Ich habe ein paar Freunde, die mir sehr wichtig sind.
Vielleicht liegt ja dort ein Zaubermittelchen. Könntest Dir vorstellen einen Deiner Freunde zu bitten, Dich bei der Suche, nach einer für Dich sinnvollen Therapieform zu unterstützen? Man(n) muss nicht alles allein lösen.

Was ich nun über Depressionen schreibe ist bitte mit Vorsicht zu genießen, da ich natürlich nicht einschätzen kann ob Du darunter tatsächlich leidest.

Bei Depressionen ist ja gerade das Gedankenkreisen und Grübeln der Punkt, aus dem der betroffene Mensch nicht allein heraus findet. In einigen Fällen reicht eine Psychotherapie allein nicht aus. Da die Ursachen für eine Depression unterschiedlichste Ursachen haben kann. Ein stationärer Aufenthalt könnte dann Klarheit schaffen. Die meisten Kliniken sind auch besser als ihr Ruf.

Hier ein Auszug aus Wikipedia.

Bei hohem Leidensdruck und einem nicht zufriedenstellenden Ansprechen auf ambulante Therapie und Psychopharmaka ist eine Behandlung in einer psychiatrischen Klinik in Erwägung zu ziehen. Eine solche Behandlung bietet verschiedene Vorteile: Der Patient erhält eine Tagesstruktur, es sind intensivere psychotherapeutische und medizinische Maßnahmen möglich, auch solche die ambulant nicht abrechenbar sind und somit insbesondere in der kassenärztlichen Versorgung nicht möglich sind. Häufig ist auch die medikamentöse Einstellung z.B. auf Lithium ein Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Dabei ist es auch möglich, sich in einer Tagesklinik tagsüber intensiv behandeln zu lassen, die Nacht aber zu Hause zu verbringen.

Ich habe Berichte von Menschen gelesen, die erfolgreich therapiert, ein erfülltes Leben führen.
Auch dies ist leider kein Zaubermittelchen für Dich, aber vielleicht eine Option?

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du es schaffen wirst, den Teufelskreis zu durchbrechen und dies auch mit der Unterstützung eines Freundes, einer guten Freundin.
Du hast nichts zu verlieren außer - Deiner Angst (frei nach Rio Reiser).

Kekole

"Nur wer vom Wege abkommt, bleibt nicht auf der Strecke" ;)))

Ich_und_Ich
13.09.2006, 20:42
Hallo,

ich möchte mich mal kurz melden.

Es ist so richtig typisch für mich ... ich schreibe hier rein ... einen langen Roman ... Einige machen sich viel Gedanken und antworten ... und dann habe ich keine Motivation mehr wiederum zu antworten. Und jetzt habe ich leider gerade auch keine Zeit, weil ich noch etwas bis morgen fertig machen muss.

Ich habe fest vor, noch ausführlicher auf Eure Antworten einzugehen, aber so viel vorweg: Das Problem bei mir ist auch, dass es mir dann oft zwischendrin nicht mehr ganz so schlecht geht, so wie zur Zeit. Dann kommt mir mein ganzes Problem lächerlich vor und ich habe gar keine Lust, etwas zu unternehmen. Bis zum nächsten Absturz. Dann denke ich "Oh je, Du MUSST was unternehmen, sonst geht es mal übel aus". Aber wenn es mir wieder besser geht, sehe ich keine Notwendigkeit mehr und hoffe, dass es ab jetzt nur noch aufwärts geht. Mmh.

Bis dahin nochmal vielen Dank ...

Inaktiver User
14.09.2006, 11:30
Hallo,

ich möchte mich mal kurz melden.

Es ist so richtig typisch für mich ... ich schreibe hier rein ... einen langen Roman ... Einige machen sich viel Gedanken und antworten ... und dann habe ich keine Motivation mehr wiederum zu antworten. Und jetzt habe ich leider gerade auch keine Zeit, weil ich noch etwas bis morgen fertig machen muss.

Ich habe fest vor, noch ausführlicher auf Eure Antworten einzugehen, aber so viel vorweg: Das Problem bei mir ist auch, dass es mir dann oft zwischendrin nicht mehr ganz so schlecht geht, so wie zur Zeit. Dann kommt mir mein ganzes Problem lächerlich vor und ich habe gar keine Lust, etwas zu unternehmen. Bis zum nächsten Absturz. Dann denke ich "Oh je, Du MUSST was unternehmen, sonst geht es mal übel aus". Aber wenn es mir wieder besser geht, sehe ich keine Notwendigkeit mehr und hoffe, dass es ab jetzt nur noch aufwärts geht. Mmh.

Bis dahin nochmal vielen Dank ...



bis dahin? Bis zur nächsten Krise????? Oh Mann, du willst dir nicht helfen lassen..... Nur eines. Es wird dir alleine nicht gelingen, aus diesen Löchern herauszukommen. Du brauchst Hilfe von außen.


Gruß Annette

Wolfgang60
14.09.2006, 12:59
Hallo du,
gestern Abend habe ich noch mit meiner Freundin über deinen Beitrag geredet, und dachte, heute schreib ich dir. Und was ist? Jetzt ist mir sie (Annette) zuvorgekommen.
Naja...trotzdem.
Ich kann ein bißchen mitfühlen, da ich einen Freund hatte, dem es ähnlich erging (nachdem ich beruflich vor einigen Jahren weggezogen bin, hat sich der Kontakt zu ihm jedoch eingestellt).
Möglicherweise hast du Abi oder Studium. Deine Ausbildung/Studium hast du wahrscheinlich nicht gut abgeschlossen. Gerade, dass es gereicht hat. Deine Arbeiten früher oder auch heute machst du auf den letzten Drücker. Du hast ein paar Kompetenzen, nur zu einer Führungspersönlichkeit fehlt viel. Vielleicht bist du irgendwo in einem gottverlassenen Büro als Referent (oder etwas ähnliches) tätig. Ausbrechen aus diesem Gefängnis geht nicht, da sind die Eltern, die über dem Ganzen schweben. Du lügst wahrscheinlich Eltern, Partnerin (getrennt, wie du schreibst) und Freunde an, die denken, du machst deine Arbeit gut.
Vielleicht wärest du besser aufgehoben gewesen mit anderer Ausbildung und anderem Job, nur haben dich deine Eltern in eine bestimmte Richtung gedrängt. Vielleicht wäre etwas handwerkliches besser gewesen??
Gut, jetzt hab ich so einiges geschrieben. Das meiste wird stimmen.
Ich denke stark zielorientiert. Daher einige Tips. Überdenke deine Lage. So wirst du niemals glücklich werden. Immer ein ruhiger, ja nicht auffallender Typ. Du treibst in einem Stom, und hast selber keine Richtung. Irgendwann bist du alt, und stellst dich immer noch die gleichen Fragen.
Hey, willst du das?
Versuche, was aus deinem Leben zu machen. Es ist bestimmt nicht zu spät. Nimm dir mal eine Auszeit (Urlaub), und geh mal an die Planung deiner Zukunft.
Ich wünsche dir Stärke und viel Glück
Wolfgang

Kekole
14.09.2006, 19:20
Hallo Ich_und_Ich,

Zitat von Ich

1. Es ist so richtig typisch für mich ... ich schreibe hier rein ... einen langen Roman ...
Einige machen sich viel Gedanken und antworten ... und dann
2. habe ich keine Motivation mehr wiederum zu antworten.
3. Und jetzt habe ich leider gerade auch keine Zeit, weil ich noch etwas bis morgen fertig machen muss.
Hier hast du dich ja schön selber runtergeputzt.

1. Da hast du sicher recht, einige haben sich Gedanken um dich gemacht und dies freiwillig und du darfst Romane schreiben ohne Begleichung der "Rechnung".

2. Kann ich verstehen, es geht dir etwas besser und möchtest dich damit nicht wieder runterziehen.

3. Ist doch in Ordnung.

Ich denke, du weisst ganz gut, wie es um dich steht und es ist an dir, dein Leben selbstbestimmt zu gestalten oder dich von deinen Ängsten ein lebenlang beherrschen zu lassen.

Die Aussagen, der MitschreiberInnen sagen mehr oder weniger das Gleiche, in verschiedenen Variationen.

Ich wünsche, dass du in der Lage sein wirst, dich aus deinem Gefängnis zu befreien und dann den Menschen treffen wirst - der gerne mit dir - ein Leben teilt, in Aufrichtigkeit, Respekt und Liebe.

Pass auf dich auf und sag dem innerem Schweinehund mal, dass er handeln soll und nicht immer denkt und grübelt ;)

Kekole
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life is simple but not easy

Ich_und_Ich
14.09.2006, 21:19
Na super. Jetzt hatte ich wieder über ne Stunde geschrieben, wollte es abschicken und es kommt die Meldung, dass ich nicht eingeloggt sei. Vielleicht wäre sogar was zu retten gewesen, wenn ich dann meine Daten eingegeben hätte, aber ich hab "zurück" geklickt und ...ALLES WEG! :gegen die wand:

Ok, ich habe jetzt gerade Zeit. Ich schreibe nochmal. Wenn ich mich auch gerade schwarz ärgere. Und jetzt werde ich es vorher kopieren.

Also ....

Ich habe Maschinenbau an einer TU studiert. Meine Eltern haben mich da gar nicht gedrängt. Im Gegenteil ... ich kann mich gar nicht dran erinnern, dass sich mein Vater auch nur irgendwie an dieser Entscheidung beteiligt hätte. Meine Mutter weiß ich gar nicht. Auf jeden Fall habe ich immer gerne gezeichnet, war gut in Mathe und Physik. Handwerklich begabt, technisch interessiert. Es war die logische Konsequenz.

Als kleiner Kerl musste ich oft bei meinem Vater stehen und ihm mit der Taschenlampe leuchten, wenn er am Motorrad oder Auto rumgeschraubt hat. Oder ihm das Werkzeug reichen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich abends bei ihm im Keller verbracht habe. Oft hatte ich keine Lust, zu ihm zu gehen und wollte lieber fernsehen oder Ähnliches, aber meine Mutter bat mich dann eindringlich. Und ich ging halt. Ich erinner mich gar nicht, dass mein Vater und ich jemals persönliche Gespräche hatten. Er war oft schweigend in die Schrauberei vertieft oder erklärte mir, was er tat. Und ich stand stundenlang dabei.

Mein Vater war und ist ein sehr leistungsorientierter Mensch. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass er den Wert eines Menschen an seiner Leistung misst.

Ich war ganz gut im Studium und bin mit Leib und Seele Maschinenbauingenieur. Aber ich tue etwas Anderes, eher die Arbeit eines Bauingenieurs. Ich merke, dass ich gerne einen Job tun würde, auf den ich stolz wäre. Momentan fühle ich mich aber kaum imstande, mir einen derartigen Job zu suchen.

Ich habe mich übrigens schon einigen Leuten gegenüber geoutet. Ich empfinde es als einen der wichtigen Schritte, dazu zu stehen. Auch meinen Eltern gegenüber. Aber sie sagen dann "Aber Du musst Dich zusammenreißen. Du brauchst Deinen Job ... das Geld" Ich sage ihnen dann, dass jemand, dem es so geht wie mir, dieser Rat nicht sehr hilfreich ist. Mein Vater versucht dann, mir von dem zu geben, was er in Schulungen gelernt hat: Positiv denken gibt positive Energie. Gut, das weiß ich auch, aber es hilft mir derzeit nciht wirklich. Ich versuche es oft genug.

So ein Mist. Ich versuche die ganze Zeit zu reproduzieren, was ich vorhin geschrieben habe!! Und es war soviel!!!

Mmh ... was ist noch zu sagen? Mein Studium war ganz ok. Ich schloss mit 2 ab. Aber ich fühlte mich meist nicht wirklich souverän und gut. Beneidete immer die, die viel besser waren. Besonders gut wurde ich dann, wenn mich jemand etwas fragte und ich wollte es ihm erklären. Oder manchmal spornten mit anspruchsvolle Dinge an, die ich dann verstehen wollte. Aber Ausdauer, Disziplin und Fleiß ... dagegen hatte ich schon immer eine extreme Abneigung.

In der Schule machte ich oft Dinge auf den letzten Drücker. Schulaufgaben spät abends oder morgens vor der Schule. Meine Schwester hatte mit viel mehr Lernen immer schlechtere Noten als ich.

Oh je ... so geht das nicht. Mir fallen ständig neue Dinge ein, die ich vorhin aus einem Guss hier geschieben hatte. Das hate jetzt keinen Sinn mehr weiterzuschreiben.

Ich weiß, dass ich etwas unternehmen muss. Ich hatte schon Lichtblicke und große Zuversicht in den letzten Monaten. Ich muss dringend jemand suchen und finden, zu dem ich Vertrauen habe und dem ich zutraue, mich voran zu bringen .. mit zu helfen.

Vielen Dank Euch nochmals bis dahin

P.S.: Meine Mutter sagte letzt mal etwas sehr Überraschendes zu mir. Sie meinte, sie hätte immer geglaubt, dass ich mal Lehrer werde :-) Das haben schon Viele zu mir gesagt ... dass ich das sicher gut könnte ... aber mir war schon immer wichtig, dass die Menschen, denen ich etwas erkläre, das auch wissen wollen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jemand Wissen aufdrängen müsste ... au weia ... Horror! Obwohl ... manchmal tue ich es auch heute. Einige meiner Kollegen haben manchmal Hemmungen, mich in EDV-Dingen um Rat zu fragen, denn ich erkläre ihnen dann sehr fasziniert viele Dinge ... nur leider oft viel mehr als sie hören wollten ;-)

_Beate_
15.09.2006, 01:29
Na super. Jetzt hatte ich wieder über ne Stunde geschrieben, wollte es abschicken und es kommt die Meldung, dass ich nicht eingeloggt sei. Vielleicht wäre sogar was zu retten gewesen, wenn ich dann meine Daten eingegeben hätte, aber ich hab "zurück" geklickt und ...ALLES WEG! :gegen die wand:



Machst Du, wenn Du Dich anmeldest, dass Häkchen in "angemeldet bleiben"?

Ansonsten ist es ganz hilfreich, wenn man sehr lange Postings schreibt, vor dem abschicken, den Text zu "markieren" und dann zu "kopieren" ... dann ist es nicht ganz so ärgerlich, weil Du den Text nach erneutem anmelden nur noch "einfügen" und nicht noch mal alles schreiben musst! :smirksmile:

Inaktiver User
24.09.2006, 16:33
Lieber Ich_und Ich,

du hast mir so aus der Seele geschrieben! Ich kenne diese lähmenden Gedanken soo gut! In solchen Momenten fühle ich mich auch immer ganz leer, manchmal regelrecht kalt. Zu müde, um aufzustehen. Zu matt, um jemanden anzurufen und zu reden. Bisher habe ich auch immer gewartet, dass es einfach vorbeigeht. Ich weiß, dass man diese Gefühle und Gedanken mit professioneller Hilfe angehen müsste - wie du ja sicher auch. Trotzdem kann ich mich dann auch immer zu nichts aufraffen.


Hallo,
Das Problem bei mir ist auch, dass es mir dann oft zwischendrin nicht mehr ganz so schlecht geht, so wie zur Zeit. Dann kommt mir mein ganzes Problem lächerlich vor und ich habe gar keine Lust, etwas zu unternehmen. Bis zum nächsten Absturz. Dann denke ich "Oh je, Du MUSST was unternehmen, sonst geht es mal übel aus". Aber wenn es mir wieder besser geht, sehe ich keine Notwendigkeit mehr und hoffe, dass es ab jetzt nur noch aufwärts geht. Mmh.


Ja! Auch das kommt mir so bekannt vor! Ich denke, auch wegen dieser Gedanken habe ich noch nie eine/n Therapeutin/en aufgesucht. Rein rational betrachtet wäre eine Therapie ganz wichtig für mich, aber ich empfinde meine depressiven Gedanken in den "guten" Phasen auch immer als lächerlich und nehme sie dann nicht ernst. Hinzu kommt, dass ich, wenn es mir halbwegs gut geht, Angst habe, ein Therapeut könnte mich nicht ernst nehmen oder noch schlimmer, mir nicht glauben, dass ich manchmal so trübe Gedanken und Gefühle habe. Ja, ich weiß - total irrational! Meine Mutter ist selber Psychotherapeutin (ja genau - das verkorkste Psychologenkind!), daher weiß ich, dass das im Normalfall nicht passieren kann. Trotzdem.. wann sind Ängste schon mal rational?
Vielleicht glaubst du ja deswegen auch, dass dir eine Therapie nichts bringen würde.. Ich weiß nicht, ob dir das irgendwas hilft - wahrscheinlich eher nicht - ich kann dir nur sagen: Nur wenn es mal wieder etwas besser ist, kann man den Schritt versuchen. Wenn man mal wieder in einem schwarzen Loch sitzt, ist es nahezu unmöglich.
Vielleicht ist die Idee mit der psychiatrischen Tagesklinik tatsächlich eine Alternative zu einer ambulanten Psychotherapie - ich glaub, dazu könnte ich mich aber noch schlechter aufraffen. Wie geht es dir damit?

Würde mich über eine Antwort freuen (egal, wie lang!) - habe aber vollstes Verständnis, wenn du nicht dazu kommst!

Ganz liebe Grüße
Die Dea

Inaktiver User
24.09.2006, 16:48
"Nur wer vom Wege abkommt, bleibt nicht auf der Strecke" ;)))

Liebe Kekole,

ein wirklich schönes Zitat! Ein gutes Gefühl, wenn man sich mal klarmacht, dass es nicht das Wahre sein kann, immer nur vorbestimmten Bahnen zu folgen.

Danke für den kleinen Anstoß.. ;-)
Die Dea

Kekole
24.09.2006, 17:32
@Dea


Zitat von Dea

ein wirklich schönes Zitat! Ein gutes Gefühl, wenn man sich mal klarmacht, dass es nicht das Wahre sein kann, immer nur vorbestimmten Bahnen zu folgen.
Oder im Kreislauf einer Depression zu stecken.
Ich weiss, dass es einem depressiven Menschen schwer gelingen kann, sich selbstständig angemessene Hilfe zu suchen.
In den Downphasen fehlt der Antrieb, in der anderen Zeit, wenn es die überhaupt gibt, sieht die Person nicht die Notwendigkeit.

Warum ist es so schwer möglich, das Leben nur aus der Perspektive in der jeweiligen Pase zu sehen?
Was fällt schwer daran zu erkennen, dass es sich immer wiederholt und zu dem Schluss zu kommen, da heraus zu wollen?

Es äußern sich einige Menschen in verschiedenen Strängen, zu ihren Depressionen. Einige Wenige haben den Schritt eine Therapie zu machen auch als erfolgreich beschrieben.


Danke für den kleinen Anstoß.. ;-)
Sehr, sehr gerne geschehen ;)

Inaktiver User
24.09.2006, 17:40
Hallo zusammen, ich schalte mich noch einmal in diesen Strang ein. Gerade wenn es einem besser geht, sollte man versuchen, etwas zu unternehmen. Gerade dann fällte es einem leichter, aktiv zu werden und dieses dunkle Loch auch intellektuell besser zu verstehen. So ergeht es mir. Wenn ich schlechte Phasen habe, komme ich aus diesem Strudel kaum raus.
Liebe DiDea, vielleicht solltest du es dir so überlegen: lieber einmal Zeit investiert, lieber einmal Handwerkszeug bekommen und dann dagegensteuern können, als immer wieder in diese Löcher zu geraten.
Ich habe mir ein eigenes Leitziel gegeben: Ich möchte für MICH sorgen, dass es mir gut geht. Wenn wir für uns nicht selbst sorgen, sind wir wirklich ver - lassen. (Meine persönliche Erkenntnis).

Schade, dass sich Ich- und Ich nicht mehr gemeldet hat.
Ich wünsche euch einen für euch beiden positiven Weg.
Hier kann euch nur geraten werden. Aktiv müsst ihr werden.
Liebe Grüße
Annette

Kekole
24.09.2006, 17:53
Zitat Annette

Schade, dass sich Ich- und Ich nicht mehr gemeldet hat.
Ich glaube, es geht Ich_und Ich_ besser ;)

Inaktiver User
24.09.2006, 19:07
@Kekole



Warum ist es so schwer möglich, das Leben nur aus der Perspektive in der jeweiligen Pase zu sehen?
Was fällt schwer daran zu erkennen, dass es sich immer wiederholt und zu dem Schluss zu kommen, da heraus zu wollen?


Ich glaube, das Problem ist kein kognitives... Ich weiß nicht, wie es Ich_und_Ich damit geht, aber ich habe gedanklich schon erkannt, dass eine Therapie einen Versuch wert wäre. Wenn da nur nicht diese Gefühle wären - diese Mischung aus "So schlimm ist es ja gar nicht; was ist, wenn man mich nicht ernst nimmt; woher soll ich die Energie aufbringen, falls ich länger nach dem "passenden" Therapeuten suchen muss.." Nicht rational erklärbare Ängste eben.
Sicher meinst du aber grade das gefühlsmäßige Erkennen der Notwendigkeit und das Wollen einer Veränderung.. Vielleicht ist es genau das: Wenn ich mir professionelle Hilfe als größere Erleichterung vorstellen kann als mir das Leben zu nehmen, d.h., wenn es mir einfacher oder zumindest sinnvoller erscheint, mit einer Therapeutin an meinen Problemen zu arbeiten - dann wäre dieser erste Schritt getan. Ja, im Kopf funktioniert das alles schon...

Liebe Anette,
ja, es stimmt: Nur in den stabileren Phasen ist es überhaupt möglich, sich Hilfe zu suchen, das empfinde ich auch so. "Sich Handwerkszeug geben lassen"... Finde ich eine gute Formulierung.
Eigentlich möchte ich das gerne - momentan wäre auch eine gute Zeit dafür...bevor ich wieder in so ein Loch falle.
Hab in den letzten 7, 8 Jahren immer wieder solche Phasen gehabt (ganz schlimme vielleicht 3-4mal), meist wenn ich im Studium unter Druck stand, also vor großen Prüfungen und so. Jetzt werde ich das Studium bald abschließen - zum Glück ist diese letzte Prüfung einfacher als die voherigen und ich mache mir mit dem Lernen nicht so viel Stress wie früher. Habe auch bis zum "Eintritt ins Arbeitsleben" noch etwas Zeit (ein knappes halbes Jahr) - vielleicht ist es eine gute Zeit, sich mal um einen Therapieplatz zu kümmern. Wenn man erst mal im Beruf steckt, wird das mit der Belastung und dem Aufraffen sicher nicht einfacher.:smile:

Danke für eure Gedanken.
Ich habe mir vor einiger Zeit schon mal Telefonnummern von Therapeutinnen rausgesucht - vielleicht schaff ich das ja jetzt mal...

Liebe Grüße
Die Dea

Kekole
24.09.2006, 19:31
Liebe Dea,

dein Kopf funktioniert wirklich ausgezeichnet :)))

Woher die Angst nicht ernst genommen zu werden?
Die Therapeuten, die ich bisher kenne, haben mich immer ernst genommen und mich freundlich und wohlwollend begleitet.
Ich glaube nicht, dass dies nur eine Serie war. Man kann sich den Therapeuten ja auch aussuchen und muss nicht gleich beim ersten Besten bleiben, wenn man ein komisches Gefühl hat.

Weiss deine Mutter von deinem Problem?

Noch einmal anders gefragt, wäre es möglich mit einer guten Freundin oder einem guten Freund darüber zu reden und ihn zu bitten, den Weg bis zum Beginn der Therapie zu begleiten?

Oder nochmal weitergedacht, wenn ich einen depressiven Freund oder Freundin hätte und dies wüsste und sie oder ihn mir unter den Arm nehmen würde und sagte - nun gehts zum Hausarzt und dann zum Therapeuten? Wie würdet ihr reagieren?

Ich versuche das Dilemma nachzuvollziehen.

Danke für eure Antworten.

Inaktiver User
25.09.2006, 15:19
Woher die Angst nicht ernst genommen zu werden?


Ich weiß nicht, es ist so ein unbestimmtes Gefühl, dass man mir meine zeitweiligen düsteren Gedanken nicht abnehmen würde, weil ich in meinen guten Phasen wie "das blühende Leben" wirke. Oder so ähnlich.
Aber natürlich weiß ich, dass ein Therapeut von Berufs wegen die Gefühle der Menschen, die zu ihm kommen, ernst nimmt. Selbst wenn er sie nicht als authentisch empfindet (wovor ich Angst habe), wird er das den anderen nicht spüren lassen, denke ich.



Weiss deine Mutter von deinem Problem?


Ja, ich habe mich ihr schon in der Pubertät oft anvertraut, wenn es mir schlecht ging. Auch in den letzten Jahren, wo es schlimmer geworden ist, hab ich ein paar Mal angedeutet, wie übel es mir ging. Sie hat immer sehr feinfühlig reagiert, auch viele Fragen gestellt, aber sich verständlicherweise auch große Sorgen um meine Gesundheit gemacht. Sie hat mir auch nahe gelegt, mal eine Therapie zu beginnen und mir ein bisschen was über die Abläufe in den Sitzungen erzählt.
Von einer guten Freundin, die selbst schon mal eine Psychotherapie gemacht hat, habe ich auch einiges über das Organisatorische bei einer Therapie erfahren. Ich habe auch schon überlegt, sie wegen der ersten Schritte um Unterstützung zu bitten, aber ich glaube, das wäre nicht so gut, da sie selbst eine schwere Zeit hinter sich hat und auch von ihrer Art vielleicht nicht die Richtige wäre.
Vielleicht frage ich meinen Partner um Hilfe. Ich habe ihn auch schon ein paar Mal darauf angesprochen, aber immer nur, wenn es mir ganz gut ging. Er hat mir zwar immer sofort seine Unterstützung zugesagt, aber an der Notwendigkeit einer Therapie gezweifelt. Er hat früher mal unsympathische/menschlich anstrengende Psychologen kennen gelernt, was ihn jetzt grundsätzlich an der Kompetenz von Therapeuten zweifeln lässt. (Ich glaub, da gibt's auch einen schlauen Namen für dieses psychische Phänomen :freches grinsen: ). Ich weiß aber auch, dass er mich sehr liebt und mich in meinen Bestrebungen unterstützen wird. Wenn mir die Therapie etwas bringen sollte, werden sich seine Überzeugungen wohl auch ziemlich schnell zum Positiven ändern, so wie ich ihn kenne. :smile:



Oder nochmal weitergedacht, wenn ich einen depressiven Freund oder Freundin hätte und dies wüsste und sie oder ihn mir unter den Arm nehmen würde und sagte - nun gehts zum Hausarzt und dann zum Therapeuten? Wie würdet ihr reagieren?


Ich glaube, das würde ich toll finden. Leider macht das von meinen Freunden keiner. Sie haben auch alle ihre eigenen Probleme. Und ich bin auch nicht so der Mensch, der sich mit seinen Sorgen dauernd aufdrängt. Manchmal denke ich, selbst die Menschen, die mir nahe stehen halten mich für jemanden, der keine Probleme hat oder sind froh, dass ich sie damit verschone.
Aber wie soll jemand, der seine eigenen Sorgen nicht ernst nimmt, erwarten können, dass es irgend jemand anderes tut?
:wie?:

Die Dea, zweifelnd.

Inaktiver User
25.09.2006, 15:49
Zitat:
"Ich weiß nicht, es ist so ein unbestimmtes Gefühl, dass man mir meine zeitweiligen düsteren Gedanken nicht abnehmen würde, weil ich in meinen guten Phasen wie "das blühende Leben" wirke. Oder so ähnlich.
Aber natürlich weiß ich, dass ein Therapeut von Berufs wegen die Gefühle der Menschen, die zu ihm kommen, ernst nimmt. Selbst wenn er sie nicht als authentisch empfindet (wovor ich Angst habe), wird er das den anderen nicht spüren lassen, denke ich."

Liebe Dea, ich denke, dass das auch dir die Angst vor dem Ungewissen und Neuen ist. Sich jemandem anzuvertrauen ist gar nicht so leicht. Daher kann ich deine Bedenken schon irgendwie nachvollziehen. Versuche es von dieser Warte aus zu sehen:
Du unternimmst etwas, damit es DIR wieder besser geht. Natürlich ist ein Beinbruch irgendwie etwas anderes, die Gesellschaft geht immer noch anders damit um, als wenn man
eine Therapie macht. Therapien und Krankheiten wie Depressionen sind bei vielen immer noch tabu.

Zitat:

" Vielleicht frage ich meinen Partner um Hilfe. Ich habe ihn auch schon ein paar Mal darauf angesprochen, aber immer nur, wenn es mir ganz gut ging. Er hat mir zwar immer sofort seine Unterstützung zugesagt, aber an der Notwendigkeit einer Therapie gezweifelt. Er hat früher mal unsympathische/menschlich anstrengende Psychologen kennen gelernt, was ihn jetzt grundsätzlich an der Kompetenz von Therapeuten zweifeln lässt. (Ich glaub, da gibt's auch einen schlauen Namen für dieses psychische Phänomen :freches grinsen: )."

Das sind die Erfahrungen deines Partners, lasse sie nicht zu deinen eigenen werden. Versuche selbst in kleinen Schritten vorzugehen.Du kannst ja auch deinen Hausarzt fragen,ob er dir weiterhelfen kann. Wenn du diese Schritte geschafft hast, kann dein Partner dich bestimmt auf seine Weise begleiten.
Auf jeden Fall solltest du nicht zu lange warten. Wie ich erfahren habe, schleichen sich Verhaltensmuster ein, die dir das Leben nicht unbedingt leichter machen. Daher habe ich von Handwerkszeug gesprochen. Mit diesem kannst du dir das im Berufsleben einfacher machen.
Pack es an. Lass nichts anbrennen. ;)
Ganz liebe Grüße
Annette

Kekole
25.09.2006, 19:30
Hallo Dea, Annette und die Anderen, noch welche da?

Dea, danke, dass du mir so viele Fragen beantwortete hast.

Aber wie soll jemand, der seine eigenen Sorgen nicht ernst nimmt, erwarten können, dass es irgend jemand anderes tut?
Richtig und Gründe lassen sich schnell finden, sich nicht so ernst zu nehmen, die anderen haben auch ihre Probleme, mein Freund ist misstrauisch, usw. ;)

Ich wünsche dir von Herzen, dass dir die Übung (der Gang zum Hausarzt und dann zum Therapeuten) gelingen möge und dann der Schritt in ein schönes, selbstbestimmtes und zufriedenes Leben.

Liebe Grüße
Kekole

Inaktiver User
25.09.2006, 21:04
Natürlich ist ein Beinbruch irgendwie etwas anderes, die Gesellschaft geht immer noch anders damit um, als wenn man
eine Therapie macht. Therapien und Krankheiten wie Depressionen sind bei vielen immer noch tabu.


Liebe Anette,
das ist wohl war. Obwohl ich immer dachte, das müsste doch die normalste Sache der Welt sein, eine Psychotherapie zu beginnen, wenn man seelisch krank ist. Durch die Arbeit meiner Mutter habe ich schon immer per se an den Sinn von Psychotherapie geglaubt, aber in den letzten Jahren habe ich mich wohl doch von den vielen, für die es ein Tabu-Thema und irgendwie peinlich ist, anstecken lassen. Das Beste wäre tatsächlich eine Therapeutin, mit der es gut klappt, dann kommt das hoffentlich wieder in die richtigen Bahnen.



Auf jeden Fall solltest du nicht zu lange warten. Wie ich erfahren habe, schleichen sich Verhaltensmuster ein, die dir das Leben nicht unbedingt leichter machen.


Das fürchte ich auch. Fängt ja schon an mit den wiederkehrenden Gedanken. :niedergeschmettert:



Pack es an. Lass nichts anbrennen. ;)
Ganz liebe Grüße
Annette

Besser isses. Vielen Dank!
:blumengabe:

Inaktiver User
25.09.2006, 21:12
Ich wünsche dir von Herzen, dass dir die Übung (der Gang zum Hausarzt und dann zum Therapeuten) gelingen möge und dann der Schritt in ein schönes, selbstbestimmtes und zufriedenes Leben.


Leider hat meine Hausärztin (die auch eine Zulassung für Psychotherapie hatte) im April dieses Jahres aufgehört (ist in Rente gegangen). Ich war nicht oft beim Arzt, hatte aber Vertrauen zu ihr. Wäre eigentlich ne gute Chance gewesen, hab ich aber leider verstreichen lassen. Ich glaub, ich werde mich jetzt direkt an eine Psychotherapeutin wenden ohne den Weg über einen Arzt. Ich glaube, das geht auch. Wenn nicht, muss ich mir vorher erst nen neuen Hausarzt suchen :zahnschmerzen:

Auf jeden Fall vielen Dank und auch dir alles Gute.:blumengabe:
Die Dea

Rebell68
07.10.2006, 23:42
Hallo IchundIch,

du bist emotional unglaublich intelligent! Du weißt was nicht stimmt, ich glaube du musst nur den richtigen Therapeuten, der dir gewachsen ist, finden. Gib die Suche nicht auf. Das Leben ist des Lebens wert, auch wenn es manchmal hoffnungslos und traurig ist.
Viel Kraft wünsche ich dir
Rebell68

Ich_und_Ich
15.10.2006, 19:27
Hallo,

sorry, dass ich mich die ganze Zeit nicht gemeldet habe. Ich hatte hier gar nicht mehr rein geschaut und war eben sehr überrascht, dass so viele neue Beiträge da sind.

Ich werde alles in Ruhe lesen, aber es ist ja ziemlich viel und jetzt hab' ich nicht genug Zeit und Muse.

Nur soviel vorweg: Es geht mir im Moment schon ne Weile ganz gut. Muss dazu sagen, dass ich "jobmäßig" gerade "ausgeliehen" bin an eine andere Firma (4 Tage die Woche) und ich dort natürlich erstmal ohne Altlasten angefangen habe. Ich merke, wie gut mir das tut, aber in meinem eigentlichen Büro habe ich auch noch Projekte, die ich nur sehr unmotiviert erledige. Außerdem mache ich in dem neuen (zeitweiligen) Job gerade so weiter und es sammelt sich Einiges an, was ich nur sehr ungern erledige. Ich merke daran, dass meine Misere tatsächlich nicht an meinem "eigentlichen" Arbeitsplatz sondern wirklich an mir liegt.

Erstmal danke für die weiteren Beiträge, ich werde sie - wie gesagt - erstmal in Ruhe lesen.

Ich wünsche Euch noch nen schönen Sonntagabend und dann eine gute neue Woche :-)

Ciao
Ich_und_Ich

Shara
16.10.2006, 20:48
Hallo Ich_und_Ich,


Außerdem mache ich in dem neuen (zeitweiligen) Job gerade so weiter und es sammelt sich Einiges an, was ich nur sehr ungern erledige.
habe ich Dich richtig verstanden, dass Deine Antriebslosigkeit auch zum großen Teil mit diesen von Dir unbeliebten Arbeiten zusammenhängt?

Ich kenne das von meinem Job her, ich verstehe oft nicht, wie man sich über (sorry) manch ein Scheiß so ein riesen Kopf machen muss. In solchen Situationen diskutiere ich mit meinem Vorgesetzten oder/und mit Kollegen über den Sinn/Nutzen/Wert dieser Arbeit. Das gibt den anderen (Kollegen/Vorgesetzte) die Möglichkeit zu verstehen, dass ich mit manch meiner Arbeit unglücklich bin und dazu keine Motivation habe. By the way, ich kenne tagelanges Internetsurfen mit allen dazugehörenden kreativen Ausreden und Versteckspielen vor Kunden/Kollegen/Vorgesetzten sehr gut.

Wie wäre es, wenn ihr euch im team zusammensetzt und eure Arbeitsabläufe einfach mal generell in Frage stellt? Über den Sinn und Nutzen diesbezüglich diskutiert, die Motivation, die daraus entsteht bzw. eben nicht entsteht. Vielleicht veranstaltet ihr auch eine Moderation?

Denn ich glaube, nur wenn Du Dich in Deinem Betrieb öffnest, kannst Du aus Deiner beruflichen Blockade herauskommen. Ich würde natürlich nicht gleich zugeben, dass Du tagelang im Internet surfst. Darum geht es auch gar nicht. Aber wie wäre es, mit den anderen darüber zu reden, ob/wie die Arbeitsabläufe geändert werden können, damit nicht soviel Frustpotenzial entsteht? Wie fühlt sich das für Dich an? Vielleicht kommt dann heraus, das bestimmte unliebsame Tätigkeiten eigentlich überhaupt nicht notwendig sind. Oder an Praktikanten, Aushilfen, Sekretärin delegiert werden können. Zeige den anderen in dieser Besprechung Deine Stärken in Deinem Aufgabengebiet. Wo Du Dich voll und ganz für Deinen Betrieb einsetzt, gerne mit anderen zusammen arbeitest oder für Dich alleine grübelst. Und dann kannst Du ihnen sagen, mit welchen Arbeiten Du überhaupt nicht klarkommst. Gib den anderen die Möglichkeit, Deine Gedankengänge zu verstehen. Vielleicht findet sich so eine Lösung.

Ich drücke Dir dazu die Daumen!

Liebe Grüße, Shara

wearitwell
16.10.2006, 21:15
Alles wichtige wurde wohl schon gesagt. Auch mir erscheint eine Therapie als der einzige Weg. Im aktuellen Stern ist übrigens ein kurzer Artikel über Psychotherapie.

Ich habe selbst wg. einer Depression eine Therapie gemacht. Obwohl ich im Nachhinein meine Therapeutin als völlig unfähig bezeichnen würde (Sie hat mich unterbrochen, mir von IHREN Sorgen erzählt, mir nicht zugehört...), hat es mir anscheinend doch irgendwie geholfen. ICh denke, das war einfach das Bewusstsein, daß ich es jetzt anpacke und mich durch den wöchentlichen Termin auch regelmässig damit beschäftigt habe und viel nachgedacht habe....
Dazu muss ich sagen, daß es eine leichte Depression war. Bei einer schweren solchen wäre sicherlich ein Therapeutenwechsel angebracht gewesen.

Ich habe ein Buch von einem ehemalig Depressiven gelesen und kann auch selber nur sagen, daß Sport zumindest unterstützend helfen kann. Lieber ich_und_ich ....wenn Du doch momentan eine "gute" Phase hast, tu doch in Deiner Freizeit mal was für Dich. Geh mal zur Massage, meld Dich im Fitness-Studio an, Solarium ist auch toll für die Stimmung...

Am Ende wirst Du wohl um eine Therapie nicht herumkommen. ICh wünsche Dir, daß Du es schaffst, diesen Schritt zu gehen und bin überzeugt, daß Du mit Deiner Intelligenz und auch Fähigkeit zur Selbstreflektion sehr gute Chancen hast, doch noch irgendwann zur Ruhe zu kommen und glücklich zu werden.

ICh drücke Dich!
Wearitwell