PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wahnsinnstat? Wechsel von Festanstellung zu Freiberufler...



Textor
01.09.2006, 13:20
Hallo zusammen,

ich stehe momentan vor einer etwas heiklen Entscheidung. Ich würde gerne einige Meinungen von anderen Personen haben, welche Vor- und Nachteile sich aus meiner Entscheidung ergeben.

Aber nun erstmal zu meiner Situation.
- seit einem Jahr Hochschulabschluss
- direkt nach Studienende Freiberuflich (annähernd "Scheinselbstständigkeit")
- 2 Monate in einer Festanstellung (bei der gleichen Firma)

Jetzt stehe ich vor der Entscheidung, ob ich eine Vertragsverlängerung in Festanstellung nehme, oder wieder als Freiberufler tätig werde. Neben den altbekannten Vor- und Nachteilen interessiert es mich jedoch am meisten, wie potentielle Arbeitgeber in Zukunft auf die Zeit als Freiberufler reagieren. Da ich so oder so in ca. einem halben Jahr die Firma verlassen möchte (keine großen Entwicklungschancen mehr), reizt es mich schon, wieder als Freiberufler zu arbeiten. Zumal sich in letter Zeit auch einige interessante Angebote aufgetan haben.

Dennoch: Will ich mich in einem halben Jahr bei einer anderen Firma für eine Festanstellung bewerben - was wäre wohl besser: Ein Zeugnis über 8 Monate Festanstellung oder meine Zeit als Freiberufler?

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Bin für jeden Tip dankbar!

Bis dann,
Textor

Inaktiver User
02.09.2006, 12:22
Na wenn die Freiberuflichkeit gut läuft, ist das besser als das beste Zeugnis, zeugt es doch von Eigeninitiative und Selbstständigkeit.

Ich würde (wär ich Personalchef) dem ehemaligen Freiberfler eher den Job geben.

Inaktiver User
02.09.2006, 13:28
Na wenn die Freiberuflichkeit gut läuft, ist das besser als das beste Zeugnis, zeugt es doch von Eigeninitiative und Selbstständigkeit.

Ich würde (wär ich Personalchef) dem ehemaligen Freiberfler eher den Job geben.

Nach meiner ersten Selbstständigkeit hatte ich große Schwierigkeiten mit den Vorurteilen vieler Personaler. Die meisten warend er Meinung, dass Freiberufler sich ncihts sagen lassen, immer ihren Kopf durchsetzen wollen und unzuverlässig sind. Erfolgreiche Freiberufler suchen keine Festanstellung, tun sie es doch, hat die Sache einen Haken.

Cook3
02.09.2006, 13:51
.................................................. ............
Erfolgreiche Freiberufler suchen keine Festanstellung, tun sie es doch, hat die Sache einen Haken.

Das ist der entscheidende Punkt. Wenn Du grundsätzlich wieder in eine Festanstellung willst, ist es vermutlich besser aus einer Festanstellung zu kommen.

Cook3

Mathilde
02.09.2006, 14:53
8 Monate sind immer blöde. Als Freiberufler, weil sich in dieser Zeit noch gar nicht gezeigt haben kann, ob man eine Selbständigkeit erfolgreich meistern kann, als Wechsler vor einem Unternehmen ins andere, weil das, wenn es ohne Not passiert, der Beginn von Jobhopping sein kann, zumal als Berufsanfänger.

Und, mit Verlaub: nach 2 Monaten festanstellung von fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten reden, da kriegt jeder Personaler große Augen. Das läuft normalerweise unter Probezeit, da bewährt man sich, im Jahr darauf auch, man zeigt Potentiale und bekommt dann Entwicklungsmöglichkeiten vorgeschlagen oder auch nicht. Nach dieser Zeit kann man dann mal nachdenken, ob es an der eigenen Fehleinschätzung liegt oder am Unternehmen - und dann auch wechseln.

Grüße

Mathilde

Reffre
02.09.2006, 23:21
Was mich wundert ist, dass du dir so sicher bist, dass du gleich einen neuen Job bekommst bzw. zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Ich würde die Entscheidung Freiberuflichkeit oder Festanstellung eher von folgenden Faktoren abhängig machen:
- wieviel Zeit überlebst du als Freiberufler
- wie rar/häufig sind Jobs in deinem Metier gesät
- wieviel Konkurrenz wirst du haben

Wenn es nun tatsächlich so sein sollte, dass sich 100 Leute auf eine Stelle bewerben und du dir sicher bist, dass du als Freiberufler gerade mal 8 Monate einigermassen überlebst, würde ich diesen Schritt lieber unterlassen und mich nach 1 Jahr aus der Festanstellung bewerben.

MistressWeatherwax
03.09.2006, 12:56
Meiner Erfahrung nach braucht man als Freiberufler in den Branchen Autor/ Redakteur/ Übersetzer (und da dein Nick "Textor" ist, gehe ich mal davon aus, dass du irgendwas mit Texten zu hast) etwa drei bis fünf Jahre, um halbwegs in den grünen Bereich zu kommen.
Wenn du nach dem Studium eine "Scheinselbständigkeit" hattest, hattest du also nur einen Kunden, das ist nicht besonders gut - als Freiberufler ist es eine wichtige Taktik, so viele Kunden wie möglich zu haben, und zwar mit möglichst langfristigen Projekten und Verträgen - eben um das Risiko etwas zu streuen.
Was auch vielen passiert, ist das sie irgendwie in der Freiberuflichkeit kleben bleiben, weil die Bewerbungen alle nicht funktionieren.
Warum willst du dich erst in sechs Monaten bei der anderen Firma bewerben? Warum nicht jetzt? Und warum nicht bei der alten Firma bleiben?
Okay, die Erfahrungen müssen wir alle machen, aber mal so ein Wort der Warnung einer alten Frau: Es ist heute gar nicht so einfach, einen halbwegs vernünftigen Job zu finden, bei dem einem morgens nicht die Galle hochkommt, weil man wieder hin muss. Wenn man einen gefunden hat, sollte man den auch erst kündigen, wenn man ganz sicher einen neuen hat. Und so :smile:

Inaktiver User
07.09.2006, 13:16
Erfolgreiche Freiberufler suchen keine Festanstellung, tun sie es doch, hat die Sache einen Haken.

Grundsätzlich mag der Gedanke naheliegen.
Es kommt aber auch auf die Motivation und die Glaubwürdigkeit der Dargestellung an.

Ich bin vor der Geburt meines zweiten Kindes in Festanstellung gegangen und habe das damit begründet, dass ich als Ernährer einer bald vierköpfigen Familie die Verlässlichkeit einer Festanstellung den Vor- und Nachteilen einer erfolgreichen Selbständigkeit vorziehen würde.
Das hat jeder Personaler sofort akzeptiert.

Ein nur zweimonatiges Engagement gleich zu Anfang der Karriere sieht nicht gut aus im Lebenslauf. Ich würde versuchen, die Rückkehr in die Selbständigkeit und Deine jetztige feste Anstellung eine Zeit lang parallel laufen zu lassen.
Schau aber bitte in Deinen Arbeitsvertrag, was der zu Nebentätigkeiten sagt.

Das man einem Personaler im Bewerbungsgespräch besser nicht sagt, man hätte nach 2 Monaten im alten Job die Gewissheit erlangt, dass es keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gibt, versteht sich ja wohl von selbst (auch wenn es tatsächlich so sein sollte).
Allenfalls noch kann man die Probezeit als Argument anführen: "Job entpuppte sich ganz anders als ausgeschrieben ...", "drastische Veränderungen im Arbeitsumfeld ...".
Aber auch da reagieren Personalmenschen unterschiedlich: Einige wissen, dass die in der Probezeit natürlich auch der Angestellte die Firma "ausprobiert". Andere finden schon den Gedanken blasphemisch.