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Monkele
16.08.2006, 23:19
Zuerst mal etwas Allgemeines:

Im allgemeinen Forum gibt es schon die Threads: "Worüber ich mich heute gefreut habe"; "Worüber ich mich heute geärgert habe"; "Worüber ich mich heute gewundert habe", aber keiner dieser drei Stränge entspricht meinem Bedürfnis.
Ganz bewußt setze ich diesen hier ins Trauerforum, in der Hoffnung, dass man das Geschriebene und den Schreibenden ernst nimmt und nicht irgendwie über die Sorgen (schlecht) witzelt!

Ich bin traurig darüber, dass meine Oma jetzt nur noch im Rollstuhl (wenn überhaupt) unterwegs sein kann und an ihrem Bett mittlerweile ein Gitter angebracht ist. Sicher- sie ist 96 Jahre alt, aber dennoch empfinde ich dies, wie der "Anfang vom Ende"...-

Erschrocken bin ich heute über das Aussehen meines Papas. Vor zwei Wochen erst habe ich ihn gesehen und wie krass war schon wieder der Unterschied! :heul: Er baut derart ab...-

Monkele

Inaktiver User
17.08.2006, 12:20
Liebe Monkele,
dieser Art Strang ist hier goldrichtig !

Worüber ich heute traurig bin
oder mir Gedanken gemacht habe...

Er wird sicherlich gut angenommen werden.
Darf ich gleich mal den Anfang machen?

Ich mache mir über folgendes Gedanken:

Meine Mutter ist in die Nachbarschaft gezogen, ich habe jetzt die Verantwortung für sie bis zu ihrem Tod.
Das ist okay für mich und soll auch nur der einleitende Satz sein.
Wir packen noch ihre Kisten aus und sie hatte ein Fotoalbum auf dem Tisch mit den Verlobungs- und Hochzeitsbilder meines Mannes und mir (huch, waren wir jung und hübsch! )

Es sind aber auch Babybilder von meinen Kindern mit drin gewesen, und meinen nunmehr verstorbenen Kleinen als Baby zu sehen, so unerwartet, hat sich wie ein "Schlag" angefühlt, ich war damit total überfordert. Ich vermeide es im Alltag, ihn mir bildlich vorzustellen, weil dann die Sehnsucht wieder so groß und schmerzlich ist.

Auf den Fotos ist er so lebendig, fröhlich, kraftvoll und ich möchte bitte, bitte keine Bilder mehr sehen aus der Zeit, gar keine Bilder mehr am besten, einfach weil es mich so traurig und sehnsüchtig macht.
Aber meine Mutter hat mehrere Bilder von ihm stehen.
Und ich werde jeden Tag bei ihr sein müssen.

Ich hoffe, ich gewöhne mich noch daran. :niedergeschmettert:


Lavendelmond

Inaktiver User
17.08.2006, 12:28
Ich mache mir Gedanken über Dein posting, Lavendelmond.

Ich kann mir vorstellen, wie belastend es sein muss, die Fotos des fröhlichen Kindes zu sehen.

Eigentlich fehlen mir jetzt die Worte..............

Ich drück Dich jetzt einfach mal ganz ganz fest !

Brava

Inaktiver User
17.08.2006, 12:39
Ach, Brava, du Liebe, mach dir jetzt bitte keine Gedanken über mich.
Das wollte ich nicht mit meinem Posting verursachen.
Wollte nur "aussprechen" was grad aktuell ist, so wie Monkele.

:blumengabe:

Amely
17.08.2006, 13:40
Armes Monkele,

muss Dich mal gaanz fest drücken. :blumengabe::blumengabe::blumengabe:

Tut mir leid.

Gaanz liebe Grüßle
Amely

Monkele
17.08.2006, 16:43
Liebe Lavendelmond,

das kann ich gut verstehen, dass das für dich schwierig ist! Die älteste Tochter meiner Freundin hat den Kontakt zur Familie abgebrochen. In der Wohnung hängen Bilder der anderen drei Kinder. Eines Tages, als ich zu Besuch bei meiner Freundin war, zeigte sie mir ein Fotoalbum, mit Bildern der Großen. Ich habe ihren Schmerz gespürt, als sie die Bilder ansah, aber auch ihre Freude, sie zu sehen. Vielleicht gelingt es dir in einem guten Moment, deine Mama darauf anzusprechen und ihr findet einen Kompromiss, wie ihr Beide gut damit umgehen könnt?!
Das wünsche ich dir von Herzen!
Und genau so, wie du den Thread aufgefasst hast, ist er gemeint. :smile:

Herzliche Grüße
Monkele

Giselle
17.08.2006, 20:12
Hallo in die Runde,

ich freue mich sehr über diesen Strang und bin auch ziemlich bewegt von Euren Postings.

Mich hat es heute traurig gemacht, meinen Opa so leiden zu sehen. Meine Oma ist vor fünf Wochen mit 68 Jahren gestorben und jetzt ist er nach fast 50 Jahren plötzlich ganz alleine. Er ist zwar sehr tapfer, aber es geht ihm mies.

Wir leiden zwar alle sehr unter dem Tod meiner Oma und vermissen sie, aber wir alle haben einen Partner und eine Arbeit. Er dagegen ist ganz alleine und alles im Haus erinnert an meine Oma. Und da er Rentner ist, ist er natürlich den größten Teil des Tages alleine. Die ganze Familie kümmert sich zwar um ihn und jeder besucht ihn oft, aber trotzdem kann ihm niemand seine Trauer nehmen. Ich hoffe so sehr, dass es irgendwann besser werden wird und nicht mehr so weh tut...

Außerdem habe ich heute noch vom Tod des Vaters einer lieben Person erfahren und war auch sehr erschüttert. Bei uns kommt momentan eine traurige Nachricht nach der anderen...

Liebe Grüße
Giselle

Eva2
19.08.2006, 15:00
weil ich mit meinen gedanken nicht weiss wohin...
denke bin ich hier richtig.

meine (und toyos) freundin ist am 24.6. gestorben.
allein das wort, die ist doch nicht WEG!
und heute schickt mir eine aus brigitte-freundin ein büchlein:
"wenn die sonne untergeht"
ich denke, uppps, da hat irgendwer kapiert wie es mir geht (bin übrigens krankgeschrieben)
und ich denke:
A: ich vergess dich doch NIE!
warst 8 jahre mitarbeiterin, und IMMER MEINE FREUDIN!
jedenfalls schlag ich das büchlein auf, das mir geschickt wurde:

und da stand/steht

wenn du bei nacht den himmel anschaust,
wird es dir sein, als lachten alle sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.

antoine de staint exupery


und geleichzeitig mach ich mir gedanken, warum ich hier auf arbeit bin... totz zettel, krank... okay, wir sind selbstständig...
ich will arbeiten, damit der *andere kopp* still hält

Monkele
20.08.2006, 10:10
Darüber, dass mein arbeitssüchtiger Mann es Gestern leider noch erfolgreich geschafft hat, mir einen wunderschönen Tag, etwas kaputt zu machen...- :unterwerf:

Musste das sein?!!

Monkele

Lavendel
20.08.2006, 22:28
Bin sehr traurig, dass mein Sohn suchtkrank ist und ich ihm nicht helfen kann.

Toyo
21.08.2006, 01:51
Bin heute aus Ungarn zurückgefahren. Stau auf der A7. Gegenfahrbahn. Ich denke noch, da ist doch seit ewiger Zeit kein Auto auf der Gegenfahrbahn. Dann Platzregen. Aber so richtig. Dann seh ich Blaulicht. Wir kommen an einer Unfallstelle vorbei. Totalsperrung der Gegenfahrbahn. Jede Menge Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Rettungshubschrauber steht da. Motorräder liegen im Graben und diese Trage steht im Regen. Leer. Sie steht da. Einfach leer. Die Trage ist leer und der Hubschrauber ist da. Ich weiß nicht, was da passiert ist, aber ich habe eine Gänsehaut bekommen. Das hat mich heute sehr traurig und wieder mal sehr nachdenklich gemacht. Nur wegen diesem 10 Minuten Platzregen und diesen etwas starken Luftböhen. Trotz allem hoffe ich, dass der/die eine oder andere doch noch ins Krankenhaus gebracht wurde, und geholfen werden konnte.

Gute Nacht
Toyo

Eisbaer71
21.08.2006, 14:54
Worüber ich heute traurig bin oder mir Gedanken gemacht habe

- ich denke an Silu, die gerade ihren Mann in seinen letzten Tagen und Stunden so wundervoll begleitet hat und ich muss an deine letzten Tage und Stunden denken

- ich denke an Lillian, die die ersten Monate ohne ihren Schatz verbringt und ich muss an die ersten Monate denken, als ich versuchte, mir eine neue Existenz und ein neues Heim zu schaffen

- ich denke daran, wie es war, als Du von Deiner Krankheit erfuhrst und zu mir sagtest: „ Ich will noch nicht sterben“ und dieses bis zum Letzten geleugnet hast

- ich denke daran, wie ich hier in die Bricom gekommen bin, mit einem Lied von Herbert Grönemeyer im Kopf, das für mich alles ausdrückte, was ich fühlte („Der Weg“ geschrieben für seine an Krebs gestorbene Frau)

- ich denke an das Bild eines zutiefst liebenden Vaters von seiner Tochter, die mit seinem Eisbär im Arm sicher eingeschlafen ist und an mein schlechtes Gewissen, weil ich im Moment nicht die Kraft habe, für Deine Kinder da zu sein.

- daran, dass es so schwer ist, immer für alle da, greif- und erreichbar zu sein, in dieser Selbst- und Ständigkeit, in der wir waren, bevor Du von mir gegangen bist. In der ich auch jetzt wieder bin, weil es Dein und mein Lebenstraum war und ist. In der man sich die Tränen heimlich im Hintergrund vom Gesicht wischt, um wieder nach vorne den Leuten gegenüber zu treten. Wie oft hast Du Dich gequält, in der Hoffnung, gesund zu werden und die Firma über diese Zeit zu retten.

- Daran, dass ein Gefühl von Wut, Trauer und Eifersucht in mir hervorkommt, wenn mein neuer Partner, der ein wundervoller Mensch ist, Kontakt zu Menschen hat, die ihm einmal etwas bedeutet haben. Ich möchte auch gerne einmal nur kurz eine SMS in den Himmel schicken, um zu fragen, ob es Dir auch gut geht. Dich um Rat fragen, wenn ich einmal nicht weiter weiß. Wie gerne würde ich manchmal von diesen Situationen distanzieren, einfach weil ich zu viele dieser Momente kurz hintereinander nicht ertrage. Ich ärgere mich über meine eigene Ungerechtigkeit bei diesem Gedanken.

- Wenn ich Angst davor habe, wieder einmal so schutz- und wehrlos zu werden wie zu der Zeit, als Du so krank warst, als Menschen uns die letzten Monate mit ihrem Hass und ihren angesichts des Todes so nebensächlichen Widrigkeiten schwer gemacht haben. Wie bedeutungslos wurde das alles und warum habe ich es nicht geschafft, diese Dinge schon viel früher auszuschalten.

Und dann liege ich gestern Morgen im Bett, es ist Sonntag, kein Wecker klingelt. Und auf einmal habe ich das Gefühl, Du bist mir ganz nah. Ein Moment, wie ich ihn, seit Du gestorben bist, nur ganz, ganz selten erlebt habe, und überhaupt nicht mehr, seit ich vor einem Jahr umgezogen bin. Deine abgemagerte Wange an meiner, zarte Bartstoppeln, die mich kitzeln. Den ganzen Tag hat mich dieses Gefühl begleitet, eine Wärme um die Schultern, die mir all das wieder leichter macht.

Nachdenkliche Augustgedanken, die sich wahrscheinlich ziemlich verwirrend anhören, aber ich wusste nicht wohin damit, und ich möchte doch die Erinnerung an das warme Gefühl noch ein bisschen bewahren.

Eisbär

Lillian2207
21.08.2006, 15:42
Liebe(r) Eisbär,

was für traurige, sehsüchtige und wunderschöne Augustgedanken Du hast! Ich hatte Tränen in den Augen als ich sie durchlesen durfte!

Bitte mach Dir kein schlechtes Gewissen wenn Du mal nicht die Kraft aufbringst für alle anderen Menschen da zu sein! Es ist nicht immer machbar und man darf sich auch mal in sich zurückziehen. Das ist nur gerecht und natürlich!

Ich freue mich so für Dich, dass Dein Schatz dich gestern "besucht" hat. Ich kann mir gut vorstellen, was für ein tröstliches Gefühl so ein Besuch bringt! Man kann aus Deinen Zeilen so viel Liebe aber auch Schmerz über die letzte gemeinsame Zeit lesen, die Dir so viel bedeutet hat, das es einem Gänsehaut über den Arm rieseln läßt!

Du hast mir mal auf die Frage, ob ich mich auf den Mann eingelassen hätte, hätte ich gewußt wieviel Schmerz er mir bringt, geantwortet, dass Du es auch immer wieder gewagt hättest! Das zeigt was für eine starke Persönlichkeit Du bist!

Bleib stark! Schöpfe Kraft aus dem warmen Gefühl das Dir dein Schatz gestern bereitet hat! Ich denke an Dich!!!!

Ganz liebe Grüße und eine feste Umarmung in diesem viel zu frühen herbstlichen August!
Lillian

Inaktiver User
22.08.2006, 08:01
Ich mache mir, mal ganz ich-bezogen, Gedanken darüber, dass mein Blutdruck viel zu hoch ist, wenn ich -aktuelles Beispiel- mit meiner schwierigen, alten Mutter zusammen war.
Ich muss unbedingt lernen, mich innerlich zu distanzieren.
Ich muss lernen, mit meiner Grunderkrankung zu leben, am "Leben da draußen" teilzuhaben und dennoch ausgeglichen zu sein.
Mein Gleich-Gewicht ist dahin, ich bin verletzlich geworden, ich bin zu offen für Eindrücke von außen. Meine Belastbarkeit hat ihre absolute Grenze erreicht und wurde von mir überschritten. Doch wie soll ich etwas "sehen" was nicht sichtbar ist?

Meine dünne Seelenhaut hat Risse.

Darüber bin ich traurig und mache mir meine Gedanken.

Inaktiver User
22.08.2006, 08:15
Ich hab die halbe Nacht wachgelegen, weil ich mir gestern Abend auf 3Sat eine Dokumentation über einen kleinen Buben (Tim) angeschaut habe, der das Down-Syndrom hat und von seiner Mutter aus diesem Grund abgetrieben wurde. Er hat seine eigene Abtreibung überlebt und ist nun bei Pflegeeltern, schwerst behindert.

Das hat mich so runtergezogen und traurig gemacht, daß es fast nicht erträglich war.

Mein Herz klopft noch immer wie wild, wenn ich daran denke.

Inaktiver User
22.08.2006, 11:37
Ich hab die halbe Nacht wachgelegen, weil ich mir gestern Abend auf 3Sat eine Dokumentation über einen kleinen Buben (Tim) angeschaut habe, der das Down-Syndrom hat und von seiner Mutter aus diesem Grund abgetrieben wurde. Er hat seine eigene Abtreibung überlebt und ist nun bei Pflegeeltern, schwerst behindert.

Das hat mich so runtergezogen und traurig gemacht, daß es fast nicht erträglich war.

Mein Herz klopft noch immer wie wild, wenn ich daran denke.


Ich habe die Sendung gestern (bewußt) nicht gesehen, ich kann mich nur allzugut an sein Schicksal erinnern.
Er hatte ja nur das Down-Syndrom, die Schwerstbehinderung hat er durch die Spätabtreibung erlitten.

Was muss die Mutter doch für entsetzliche Schuldgefühle haben ?
Kann mir nicht vorstellen, dass sie keine hat...!

Das kleine tapfere Kerlchen, das sooo gern leben wollte und auch lebt - das hätte ich damals am liebsten adoptiert. Ihm gebührt Hochachtung für seinen Lebensmut. Ich wünsche ihm von Herzen gaaaanz viel Liebe und Lebensglück, soweit eben möglich.

Lavendelmond

Eva2
22.08.2006, 11:55
ob ich die sendung extra, oder wegen müde... nicht gesehen hab weiss ich gar nicht...
unser sohn kam mit einer *vierfingerfurche* auf die welt, der kinderarzt sagte damals, das muss aubgeklärt werden, gab dann so ne analyse... die nach sechs wochen erst da ergebniss lieferte...
ich hab geschwankt zwischen: ICH WOLLTE doch gesundes kind
und: aija, wenn du down-syndrom hast, nehm ich dich genau so wie du bist...
war aber ne schwere zeit...
gehört das überhaupt hierher, ist 23 jahre her.....
und wir *plagen* uns nur mit nem bänderriss...
aber all-tag holt irgedwann alles ein.
damals sagt e ich noch:
ich werd nie über ne mathe-fünf mekkern...
hab ich aber dann doch gemacht...
wäre für mich zeit nen strang für dankbarkeit im trauern aufzumachen....
morgen dann, hatte unerwartet frühdienst und bin *nur auf arbeit in bri*

Inaktiver User
22.08.2006, 16:40
Was muss die Mutter doch für entsetzliche Schuldgefühle haben ?
Kann mir nicht vorstellen, dass sie keine hat...!
Lavendelmond

Die Mutter von Tim ist nach Beendigung der Dreharbeiten 2004 (?) im Alter von ca 41 Jahren gestorben.
Seit dem Schwangerschaftsbbruch soll sie unter schweren Depressionen/psychischer Erkrankung gelitten haben.

Ich habe mich vorhin mit meiner Tochter über den Film unterhalten. Sie haben vergangenes Schuljahr über das Thema in der Schule gesprochen. Fach Pädagogik/Psychologie.
Viele Mütter, die sich für einen Spät-Abbruch entscheiden, wissen nicht, dass das Kind lebend geboren wird mit der Annahme, dass der Tod dann bald eintreten würde.

Im hiesigen katholischen Krankenhaus gibt es keine gynäkologische Abteilung mehr, weil sie sonst Schwangerschaftsabbrüche nicht ablehnen dürften.

Im Film fand ich den Arzt sehr beeindruckend, dass er sich geäußert hat, in welchen Konflikte er sich begeben hat, als er den Abbruch vornahm, um die Mutter zu schützen und dann für das Kind kämpfte, dass es am Leben blieb.

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist das Verhalten der leiblichen Eltern. Erst haben sie den Arzt verklagt, dass das Kind nicht tot zur Welt kam und dann haben sie ihn verklagt, dass das Kind geschädigt zur Welt kam.(oder so ähnlich)
Der Arzt wurde dann zu 13000 Euro Strafe verurteilt.
Die Eltern haben danach das Sorgerecht für Tim behalten.:knatsch:
Die Mutter hat das Kind aber nie sehen wollen.
Letztendlich ist sie daran zerbrochen.

Gut, dass Tim so liebevolle Pflegeeltern gefunden hat.

tiffany

Inaktiver User
22.08.2006, 16:54
Nachtrag: Unsere jüngste Tochter ist 1994 im Alter von 2 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. (keine vorher feststellbare, genetische Erkrankung)
Ein sensibler Zeitgenosse sagte in dem Zusammenhang mal zu mir : Da bin ich doch froh (ungewollt) keine Kinder zu haben, wenn es bedeuten kann, sich mit solchem Schicksal auseinander setzen zu müssen.
Er hatte es nicht verstanden.
Ich hätte auch im vorherigen Wissen um dieses Schicksal mich immer für diese Ungewissheit des Lebens entschieden und bin dankbar für die 2 Jahre, die ich mit diesem Kind erleben durfte.

Ne Fruchtwasseruntersuchung hatte ich vorher allerdings auch machen lassen und bin im Nachhinein froh, zu dem Zeitpunkt nicht vor irgendeiner Entscheidung gestanden zu haben.
Wie soll das jemand verkraften?

Ach und über ne 5 in Mathe oder anderen Banalitäten hab ich bei meinen beiden großen Mädels (fast) niiiieee gemeckert.
Wir wissen doch, was wirklich wichtig ist.:smirksmile:

Inaktiver User
22.08.2006, 18:33
Liebe Tiffany,
vielen Dank für die Ergänzungen zum Thema.
Die arme Mutter. Sicher an gebrochenem Herz gestorben?
Ich hoffe sehr, dass sie sich selber vergeben kann.
Was ist eigentlich mit dem Vater? Der wird doch wohl auch seinen Anteil an den Entscheidungen gehabt haben.

Was für eine unglückliche Familie, das geht mir nur schwer aus dem Kopf.

Monkele
22.08.2006, 19:10
In der virtuellen Kerze habe ich schon ein bißchen darüber geschrieben: Ich mache mir Gedanken, ob ich mich bei den Eltern dieses Freundes mal wieder melden kann, darf, soll? Bei seiner Beerdigung traf ich sie das letzte Mal. Wissen sie noch, wer ich bin, rühre ich mit meinem "mich melden" wieder an Dinge, die sie vielleicht vergessen wollen? Würde es sie möglicherweise freuen, zu erfahren, dass der zweite Vorname unseres Sohnes "sein" Name ist? Ich bin so hin und hergerissen!

Habt ihr vielleicht einen Rat?

Monkele

Lorolli
22.08.2006, 19:28
Habt ihr vielleicht einen Rat?

Monkele

Hallo Monkele,

ich würde einen lieben Brief schreiben. Dann siehst du ja, ob und wie sie reagieren.
War damals, als Marion sich das Leben nahm in einer ähnlichen Situation. Mein Sohn war ja inzwischen von ihr getrennt und verheiratet. Als ich erfahren habe, was passiert ist, bin ich in die Klinik gefahren (sie lag im Koma) und habe dann Freundinnen von ihr gebeten, die Mutter zu fragen, ob es ihr recht wäre, dass wir da sind.
Es war ihr Recht und wir haben gemeinsam getrauert.

Schreibe also einen Brief, es wird dir auf jeden Fall gut tun und die Eltern haben die Entscheidungsfreiheit, darauf zu reagieren oder auch nicht.

Alles Liebe
Lorolli

Inaktiver User
22.08.2006, 20:21
Liebe Moni,

ganz spontan: schreib einen Brief. Und ich bin mir sicher, Du findest die richtigen Worte, denn ich kenne wenige so liebe Menschen wie Dich, die ihr Herz so ehrlich vor sich hertragen und Mitgefühl nicht nur heucheln. Glaube mir - die Leute spüren das.

Diese Unsicherheit, die Du mit Dir trägst, die haben die meisten Menschen. Die Angst, als aufdringlich, pietätlos oder neugierig zu gelten. Eine Hemmschwelle, unter der die Trauernden sehr leiden, denn ich kann Dir sagen, daß sich fast alle Eltern eines verstorbenen Kindes unsagbar über wirkliches Interesse freuen. Über ein ehrliches "Ich denke viel an Euch." Sie freuen sich über geteilte Erinnerungen an den Verstorbenen, sie möchten diese Erinnerungen immer und immer wieder hören, weil es Ihnen das Gefühl gibt, das Kind ist nicht vergessen.

Und auch die Sache mit dem Namen Eures Sohnes würde ich erwähnen. Sie werden es als Geschenk sehen.

Ich freu mich mal wieder sehr darüber, daß Du ein Mensch bist, der sich Gedanken macht. Auch dann, wenns selber nicht so gut geht.

Dafür eine Umarmung

von Deiner ollen Paula

Inaktiver User
22.08.2006, 20:38
.
Was ist eigentlich mit dem Vater? Der wird doch wohl auch seinen Anteil an den Entscheidungen gehabt haben.
Was für eine unglückliche Familie, das geht mir nur schwer aus dem Kopf.

Liebe Lavendelmond,

ich habe es so verstanden, dass die leiblichen Eltern beide den Kontakt zum Kind vermieden haben.
Sie haben aber das Sorgerecht behalten und alle paar Monate hätte die Pflegefamilie ein Gespräch mit dem Vater bezügl. der Sorgerechtsbelange.

Wirklich eine traurige Geschichte. Hölle, oder?

tiffany

Lillian2207
23.08.2006, 10:28
Worüber ich heute traurig bin oder mir Gedanken gemacht habe?

Ich bin schon seit Sonntag (4 Tage) in einem tiefen Loch und furchtbar traurig! Ich weiß nicht wie es passiert ist, was der Auslöser war, aber es hat mich voll erwischt. Jeden Tag wenn ich auf die Arbeit fahre, habe ich 45 Minuten im Auto alleine mit all meinen Gedanken. Die Stimmung des Tages steht und fällt mit diesen Minuten. Es brauch nur ein bestimmtes Lied im Radio zu kommen, oder eine Reportage und schon fallen mir zig Situationen mit meinem Schatz ein.

Worüber ich mir aber viel mehr Gedanken mache ist, wie soll das denn weiter gehen. Wie wird es in drei Monaten, in einem Jahr oder in zehn Jahren sein? Werde ich immer wieder in so tiefe Löcher fallen und so ewig viel Kraft brauchen um wieder raus zu kommen??? Werde ich wie in dem Film Titanic noch im hohem Alter da sitzen und von meiner großen Liebe erzählen? Und wird mir alles andere in meinem Leben nichts oder weniger bedeuten als das, was ich so abrupt verloren habe?

Heute morgen hat mir ein Freund von meinem Schatz, Fotos ihrer gemeinsamen letzten Radtour geschickt. Ich habe mich gewappnet und nach und nach jedes Foto geöffnet und mir angeschaut. Was mich dann doch überrascht hat, war, dass ich mich an sein Aussehen schon gar nicht mehr so richtig erinnere! Ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich gefragt habe: so hatte er die Haare gehabt, so sah er mit Drei-Tage-Bart aus.... Das ist doch paradox. Auf der einen Seite erinnere ich mich an so viele Situationen aber das Gehirn verwischt die menschlichen Eigenschaften. Wie hat er gerochen, wie hat er gesprochen usw. All diese persönlichen Dinge werden immer weniger! Ist das gut? Macht das unser Körper um uns zu helfen? Trauern wir später "nur noch" über Ereignisse und Träume und nicht mehr um die Person ansich???

Letzte Nacht hatte ich einen fürchterlichen Traum. Ich habe mich mit André gestritten und bin auf dem Weg nach Hause verunglückt und ins Krankenhaus gekommen. Als ich im Krankenbett aufgewacht bin, war mein erster Griff zu meinem Handy um meinen Schatz anzurufen und Bescheid zu geben wo ich bin. Aber da war keine Telefonnummer mehr gespeichert. Ich habe immer wieder nachgeschaut, unter A für seinen Vornamen und S für seinen Nachnamen, unter Handynummer, unter Festnetznummer. Nichts! Dann hab ich es über die Auskunft versucht, aber die kannten keinen André. Ich bin in Panik ausgebrochen und dann weinend aufgewacht.... Es war wieder wie der Tag an dem er gestorben ist: kein Kontakt, keine Möglichkeit Ihn ans Telefon zu bekommen. Dieser Traum verfolgt mich schon den ganzen Tag!

Mir hat mal jemand gesagt, das mich die Erfahrung der Trauer viel sensibler und offener für schöne Ereignisse machen wird. Das ich die Menschen besser verstehen werde und mich um Nichtigkeiten weniger kümmern werde als um Wichtigkeiten.... Mal ganz ehrlich, es kann ja sein das dieser Charakterzug schön ist, aber ich war doch nie ein oberflächlicher Mensch und darauf hätte ich für das Leben meines Schatzes gerne verzichtet. Es tröstet mich nicht, das ich aus der Trauer vielleicht auch gute Dinge ziehen werde! Es tröstet mich ganz und gar nicht!!!!!

Inaktiver User
28.08.2006, 15:03
hallo lilian, mein aufrichtigstes beileid erstmal, es muss sehr schwer sein mit dem tod so nah konfrontiert zu werden :( was du geschrieben hast ist mir sehr nahe gegangen....
du könntest aber recht haben: der körper scheint die menschlichen eigenschaften der geliebten person wohl verschwimmen, um uns zu schonen..wer weiss :(

was mich heut traurig macht:
mein schatz ist in diesem moment am grab seines vaters..nach jahren..und ich weiss nicht so was ich ihm nachher am telefon sagen soll ausser zu fragen wie er sich fühlt..ich bin immer sprachlos bei sowas, aber ich will ihm ja auch zeigen wie nah es mir geht... was sagt man in solch einer situation? :((

Lillian2207
29.08.2006, 10:30
Liebe Mello,

ja, es macht einen sprachlos. Das ganze Thema "Tod" ist so schwierig das man schwer damit umgehen kann. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie unsicher die Menschen mir gegenüber geworden sind. Ich kann Dir nicht sagen, was das beste für deinen Schatz ist, aber ich kann Dir sagen, was mir am meisten geholfen hat und womit ich gar nicht umgehen konnte!

Es gab drei verschiedene Arten, wie die Menschen mir entgegen getreten sind:
Menschen die Mitleid mit mir hatten und mit mir zusammen gelitten haben. Die auf mich zugekommen sind und mir gesagt haben wie sie fühlen und die mich auch in den Arm genommen haben.
Dann gab es Menschen die so getan haben, als wäre gar nichts passiert. Die einfach nicht wußten was sie sagen sollten und geschwiegen haben.
Aber am schlimmsten waren die Menschen, die froh waren, das MIR das passiert ist und nicht ihnen.

Ich war über jeden glücklich, der mit mir gesprochen hat. Der mich in den Arm genommen hat und meine Tränen weggewischt hat. Die, die mir gesagt habe: "Es wird alles wieder gut, auch für dich irgendwann. Daran mußt Du glauben. Es ist alles ganz schlimm und Du brauchst Zeit, aber dann wird wieder die Sonne scheinen".

Die Menschen, die gar nichts gesagt haben, die konnte ich auch akzeptieren. Es ist einfach so, das es für so eine Situation auch oft nicht die "richtigen" Worte gibt. Was soll man jemanden sagen, der eben noch seine Hochzeit plant und dann vor einem Grab- vor dem Nichts steht.

Aber die Leute, die mich nachdenklich angeguckt haben um dann von Ihren tollen Beziehungen und Partnerschaften zu erzählen, die, die sich im Stillen gesagt habe: besser die als ich... mit den Menschen konnte ich einfach nicht zusammen sein. Von denen habe ich mich auch distanziert!

Sei einfach da wenn dein Schatz dich braucht. Ich kann von mir sagen, dass ich froh war, wenn jemand bei mir war und meine Geschichte hören wollte. Zuhören, Zuspruch und Verständnis habe ich immer gesucht. Am meisten habe ich sie hier gefunden. Denn es stimmt wenn man sagt, dass die Menschen einen wirklich richtig verstehen, die sind, die das gleiche oder ähnliches schon einmal erlebt haben!

Liebe Mello, einen geliebten Menschen zu verlieren ist einfach nicht zu begreifen. Vielleicht ist das auch ein Schutzmechanismus unseres Körpers. Manchmal sitze ich zu Hause, starre auf sein Bild und denke: eben war er noch da und jetzt ist er einfach weg, wie kann das sein, es ist nicht zu begreifen.... aber ohne meine Familie und Freunde wüßte ich nicht, wo ich jetzt wäre!!!!!

Ganz lieben Gruß
Lillian

Karli
30.08.2006, 11:43
Es tut gut zu lesen, dass man nicht die Einzige ist, der es nicht gut geht!
Ich bin seit Sonntag in einem Loch und könnte nur weinen, sobald ich an meinen Mann denke.
Wir, meine Tochter und ich, sind am Sonntag aus unserem "ersten" Sommerurlaub ohne ihn zurückgekommen (in Gedanken war er an jedem Ort mit mir mit) in unser Haus und mir wurde wieder einmal bewusst, wie leer es ist. Ich dachte nach 10 Monaten ist es leichter, aber es ist genauso wie am ersten Tag. Ich kann noch immer kein Bild von ihm ansehen oder an ihn denken oder über ihn reden ohne nicht in Weinen auszubrechen. Vielleicht bin ich jetzt auch so drauf, weil der 1. Jahrestag naht.
Auf eine andere Art hilft es mir zu Weinen, ich fühle mich danach irgendwie erleichtert. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich habe immer das Gefühl , dass wenn ich so traurig bin, mein Schatz zuschaut und mir sagt - nun ist aber erst mal wieder genug und mich anlächelt. Der Gedanke daran beruhigt.
Jetzt ist alles durcheinander und wirr - ich hör erst mal auf.
Karli

Inaktiver User
30.08.2006, 14:28
Heute mache ich mir Gedanken darüber, dass ich so gereizt auf alte klagende Menschen reagiere.
Heute am Bus, meine alte Mutter und noch eine alte Dame. Das übliche Gejammer... dass nichts mehr so ist wie es war, blablaalles tut weh und ist so schwer und junge Dame, sie kommen auch noch dahin, dann wissen sie wie das ist, blabla

und schon stellen sich mir die Nackenhaare auf
wäre ich ein Wolf, würde ich warnend knurren

Ich antworte: tja, wenn man nicht vorher stirbt, wird man alt und vielleicht auch gebrechlich

und dann: jaaaa, meine Schwester ist schon mit 18 J. gestorben, das ist bitter

und da rutscht es mir heraus, dass mein Junge mit 16 J. gestorben ist
(und das ist auch bitter, für ihn, für seine Familie)

und die beiden Alten jammern weiter

und dann denke ich mir, dass er vielleicht ganz gern und dankbar (!) ALT geworden wäre, hätte er nicht diese furchtbare Krankheit gehabt

und dann stehen mir schon die Tränen in den Augen, und ich muss sie schnell wegwischen, der Bus kommt, ich begleite die Mutter zum Arzt

und dann denke ich daran, dass er morgen 20 Jahre alt geworden wäre

und dann denke ich, wie undankbar doch viele Alte sind;
sie können auf ein langes erfülltes Leben zurückblicken und klagen doch wegen der Einschränkungen die das Alter so mit sich bringt

und dann denke ich, vielleicht haben die Alten ja Recht, zu klagen, vielleicht ist es ein beklagenswerter Zustand, alt zu sein und mein Junge ist der Glücklichere !

?

und dann merke ich, wie bitter und traurig ich heute bin und möchte so gerne weinen, aber es geht nicht, wir sitzen im Bus und meine alte Mutter schwätzt so vor sich hin und ich höre ich mit nur 1 Ohr zu und sie merkt nichts, merkt nicht, dass ich so traurig bin

und jetzt sitze ich hier am PC
und bin dankbar, dass ich hier meine Gefühle und Gedanken offen aussprechen darf

und ich wünsche mir, ich hätte mehr Verständnis für alte Leute

eigentlich habe ich es ja auch, es ist schwer alt und krank zu sein oder nur alt und "klapprig" und der Kopf will auch nicht mehr so und in der Welt ändert sich alles ständig und man versteht nicht mehr alles, das macht Angst

das verstehe ich ja, dass alt-sein nicht schön ist, aber wenn Alte Hilfe haben, Begleitung und Schutz durch Jüngere, dann könnten sie doch auch mal ein wenig dankbar sein und positiv denken "ich bin jetzt zwar alt, aaaber es wird gelindert, ich habe jemanden der mir hilft und das Leben hat immer noch die eine oder andere schöne Seite, obwohl ich "alt" bin.."

verlange ich da viel???
muss denn immer dieses Gejammer und Genöle sein und dieses herablassende "Ach, komm erst mal in meine Jahre, dann siehst du wie das ist!"

verdammt noch mal, ich mag das nicht mehr hören, nicht von Fremden, nicht von meiner Mutter

das macht mich bitter und ich denke: red du nur und sei lieber froh, dass du noch nicht tot bist, dass du immer noch Mensch auf der Erde sein darfst
aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob das "gut" ist und Grund zum Froh-Sein

Ist "Tot-Sein" besser? Eine Gnade für jedermann? Der Himmel ist sicher besser als die Erde.

Das Leben im Jenseits leichter und schöner.

und ich merke, in welche Richtung mich diese Gedanken führen, und das ist gar nicht gut

es geht mir nicht wirklich gut, aber ich lebe doch so gern, doch wirklich! und dennoch ist eine Stelle meines Herzens erfüllt mit Bitterniß

wie kann ich das Bittere in mir "Süß-lieben" ?

ich denke, wenn ich keine Bitterkeit in mir trage, dann kann mich auch die Bitterkeit in anderen Menschen nicht mehr stören und ich kann den Alten mir mehr herzlicher Liebe begegnen


Lavendelmond

Anjo
30.08.2006, 15:03
Ich mache mir heute Gedanken über unseren kleinen 5 Monate alten Sohn.
Ich war heute zur U5 mit ihm und der Kinderarzt meinte, die Fontanelle wäre für sein Alter noch relativ groß im Vergleich zu anderen Kindern, sein Knochenwachstum wäre wohl nicht so gut, daher hätte er auch noch keine Zähnchen.
Er hat mir nun höher dosierte Fluortabletten für ihn verschrieben.
Ich habe den Kinderarzt gefragt, ob ich mir nun Sorgen machen muß, aber er verneinte.
Trotzdem bereitet es mir Gedanken, weil ich mir über alles immer viel zu viel Gedanken mache.... wie oft habe ich mir schon Gedanken über Gedanken gemacht und das Schlimmste erwartet und dann nach einiger Zeit hat sich alles in Luft aufgelöst. Alle Befürchtungen waren plötzlich verschwunden.
Und ich ärgere mich, dass ich einfach auf ein "nein, sie brauchen sich keine Gedanken zu machen" nicht weiter gefragt habe, dass ich nicht alles gefragt habe, was mich noch beschäftigt:"Was kann passieren, wenn die Fontanelle nie zusammenwächst? Kann es überhaupt sein, dass sie niemals richtig zusammenwächst? Wenn ja, was machen wir dann??? Was passiert dann? Haben andere Kinder das auch? Bis wann sollte es sich wieder relativert haben?" Aber nein, ich habe einfach ein "nein, sie brauchen sich keine Gedanken zu machen" hingenommen und quäle mich nun mit den Gedanken, was ist wenn.....
Aber so bin ich halt, ich lerne es nie!! Ich weiß jetzt schon, dass ich mich nun bis zum nächsten Arzttermin im März nächsten Jahres, wenn der Kleine nicht vorher erkrankt, verrückt mache.

Giselle
30.08.2006, 18:45
Liebe Lavendelmond,

gerade habe ich Deinen Beitrag gelesen und jetzt sitze ich hier vor meinem Computer und weine. Deine Worte haben mich sehr bewegt und gleichzeitig kann ich mich teilweise auch darin erkennen. Ich bin ja noch relativ neu hier und kenne Deine Geschichte nicht. Es tut mir sehr leid, dass Dein Sohn gestorben ist.

Morgen werden es sieben Wochen, dass meine Oma (68 Jahre) gestorben ist und jedes Mal, wenn ich meine andere Oma (73 Jahre) besuche, tut sie nichts anderes als jammern! Sie ist eigentlich noch total fit und manchmal habe ich wirklich das Gefühl, sie jammert nur aus Langeweile. Wie gerne würde ich mit ihr mal über meine andere Oma sprechen und wie sehr ich unter ihrem Tod leide, aber sie lässt mich überhaupt nicht zu Wort kommen. Ich wünsche mir, einfach mal von ihr in den Arm genommen zu werden, weinen zu dürfen und ganz normal mit ihr zu reden, aber sie kann immer nur klagen. Mir tut das richtig weh und genau wie Du reagiere ich auch zunehmend gereizt. Und das Schlimmste ist, dass sie das gar nicht merkt! Sie muss doch spüren, wie schlecht es uns allen geht. Muss immer sie die Hauptrolle spielen?! Meine andere Oma hätte wer weiß was dafür gegeben, weiter leben zu dürfen und hat ihre schwere Krankheit trotzdem so tapfer ertragen und sie jammert nur, weil sie nichts anderes zu tun hat. Klar, ihr geht es bestimmt manchmal wirklich schlecht, aber sie jammert eigentlich schon, seit ich zurückdenken kann und das nervt so sehr. Ich weiß nicht, ob man das Bittere in einem "Süß-Lieben" kann, aber Dein Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken angeregt...

Ich wünsche Dir für morgen ganz besonders viel Kraft und hoffe, der Tag wird nicht allzu schlimm für Dich. Ich hoffe, meine Worte klingen nicht irgendwie hohl für Dich und Du weißt, wie ich es meine (ich kann mich manchmal nicht so gut ausdrücken, sorry...)!

Alles Liebe,
Giselle

Eva39
04.09.2006, 16:49
Liebe Lavendelmond,

in unserer Nachbarschaft gibt es auch ganz viele undankbare (!) alte Leute, die es nicht schaffen, auf kleine Kinder oder Familien Rücksicht zu nehmen und selbst ganz viel Mitleid und Fürsorge einfordern.

Mich regt das auch auf. Ich kann Dir sehr gut nachfühlen. Ich habe zwei Kinder (12 und 8). Ich hatte zwei Fehlgeburten, eine davon war sehr dramatisch.

Jeder hat seine Sicht der Dinge. Jeder hat in seinem Leben die ihm auferlegte Probleme, die er meistern muß. Trotzdem sollte jeder an seiner Sensibilität für den anderen in seiner ganz speziellen Situation arbeiten.

Es ist etwas unvorstellbar schreckliches, ein Kind zu verlieren oder selbst in jungen Jahren aus einem Leben voller Lebensfreude und Dynamik gerissen zu werden.

Ich möchte andere nicht beurteilen oder gar verurteilen, aber ich möchte Dir sagen, dass ich ganz oft ganz ähnlich fühle.

Liebe Grüße

Eva

Inaktiver User
05.09.2006, 17:11
am wochenende hatte mein vater - wieder einmal- einen kreislaufzusammenbruch...nur für kurze zeit, als folge eines medikaments, das er nicht vertrug.ein arzt meinte, er hätte einen herzinfarkt und spritzte ihm dieses mittel.ein krankenwagen, ein notarztwagen, ein rettungshubschrauber, 4 sanitäter, 2 notärzte, dazwischen mein vater, meine mutter...gottseidank geht es ihm schon wieder gut, aber der schock sitzt tief, ich sah den hubschrauber landen, und bin morgens um 6 barfuß hingelaufen, ich dachte er sei tot...er hat schon mehrere solche situationen überlebt, rappelt sich schnell wieder auf, aber ich habe angst um ihn und es macht mich traurig, daß auch ihn diese angst nun immer begleitet. er hat mehrere schwere operationen hinter sich, ohne die er nicht mehr leben würde, und wir sind alle froh, ihn noch bei uns zu haben, aber die angst sitzt uns allen in den knochen.. das macht mich traurig. er sagt, er wird sich nicht nocheinmal operieren lassen, und ich verstehe ihn gut, aber es macht mich sehr traurig, obwohl wir schon alle wieder lachen, und er der einzige auf dieser intensivstation war, der sitzen und gehen, lachen und reden konnte.
ich bin traurig, weil auch er traurig ist, ich bin traurig, weil ich angst um ihn habe, ich bin traurig, weil er jederzeit gehen könnte.
ich bin traurig, weil mein bruder schon seit 11 jahren tot ist, und weil er uns allen so fehlt.
aber ich bin dankbar, daß er wieder zu hause ist.

muggl
05.09.2006, 18:33
Ich bin schon seit Sonntag (4 Tage) in einem tiefen Loch und furchtbar traurig! Ich weiß nicht wie es passiert ist, was der Auslöser war, aber es hat mich voll erwischt. ...
Worüber ich mir aber viel mehr Gedanken mache ist, wie soll das denn weiter gehen. .... Werde ich immer wieder in so tiefe Löcher fallen und so ewig viel Kraft brauchen um wieder raus zu kommen??? ... ... das Gehirn verwischt die menschlichen Eigenschaften. Wie hat er gerochen, wie hat er gesprochen usw. All diese persönlichen Dinge werden immer weniger! Ist das gut? Macht das unser Körper um uns zu helfen? ... Letzte Nacht hatte ich einen fürchterlichen Traum.
Mir hat mal jemand gesagt, das mich die Erfahrung der Trauer viel sensibler und offener für schöne Ereignisse machen wird. Das ich die Menschen besser verstehen werde und mich um Nichtigkeiten weniger kümmern werde als um Wichtigkeiten....

Hallo Lillian - und andere, die es betrifft,

ich habe Deinen Beitrag in dem Zitat oben jetzt etwas zerstückelt. Das heißt, ich habe die Stellen stehen lassen, die mich dazu bewogen haben, hier zu antworten.

Für solche Situationen hat niemand ein Rezept. Deshalb will ich nur schreiben, was mir dazu einfiel bzw welche Gedanken ich mir schon gemacht habe.

Ich habe inzwischen in meinem Leben dreimal mir sehr nahe stehende Menschen verloren (allerdings keine große Liebe so wie Du), manchmal sehr plötzlich, manchmal haben wir wochen- oder monatelang gebangt. Dadurch war ich gezwungen, mir Gedanken über den Tod oder besser das Leben mit dem Tod zu machen. Zum Beispiel auch, was es für unser Leben bedeutet, dass es jeden Moment zu Ende sein könnte - und auch zu Ende sein dürfen muss, weil es kein ewiges Leben gibt. Ich halte es nicht mehr für besonders pfiffig, das zu verdrängen, sondern möchte mich damit auseinandersetzen.

Die prägendste Erkenntnis bisher ist die schlichte Einsicht, dass der Tod ein Teil unseres Lebens ist. Das klingt jetzt vielleicht sehr, sehr abgedroschen. Aber mir ist das wirklich erst so richtig spürbar geworden, nachdem ich es selbst in allernächster Nähe erlebt habe. Es war jedes Mal ein schlimmer, schlimmer Schock - aus dem aber auch wertvolle Erkenntnisse für mein weiteren Leben hervorgingen.
Dieses Gefühl allerdings kam nicht sofort. Nicht in der Phase des größten Schmerzes! Und da brauchen wir sie wohl auch gar nicht. In der schmerzhaften Phase müssen wir uns verabschieden, und das tut weh. Später erst müssen wir lernen weiterzuleben, mit dem Schmerz. (Und das von Dir angeführte Zitat kann ich auch nicht vollkommen nachvollziehen....) Bei mir kam diese Erkenntnis zB erst nach dem zweiten und kurz darauf dem dritten Todesfall letzten Winter und auch erst recht langsam (wobei der erste Todesfall, vor 10 Jahren, eigentlich der schlimmste war).

Zu diesem Zitat. Es spricht sicher nur einen winzigkleinen Teil der Wahrheit an, auf keinen Fall die ganze. Die Trauer bewirkt keine automatische "rosa Brille", durch die man die schönen Digen des Lebens größer wahrnimmt als die anderen...! Es kommt darauf an, was man aus den schrecklichen Erlebnissen für sein weiteres Leben mitnimmt. Wenn man traurig, ängstlich, übervorsichtig wird und den Blick auf Unheil fixiert, wird das Zitat wohl nie wahr werden. - Was die Verluste zB in mir produziert haben, war - neben einem anderen Blick auf das Leben und den Tod generell, an dem ich noch arbeiten möchte, auch um weiterleben zu können - sicher eine große Verlustangst bezogen auf andere. Wenn zB ein Angehöriger trotz Verabredung stundenlang verschollen bleibt, habe ich sofort Horrorszenarien im Kopf; erst vor einigen Wochen wurde ich gerade noch davor bewahrt, unter Tränen zur Polizei zu gehen (war schon auf dem Weg), obwohl ich eigentlich bereits überzeugt war, das es nun mal wieder gilt, eine Beerdigung zu organisieren (Im Ernst! Und das versteht ja keiner, wenn man so 'überreagiert'.).

Ich wollte Dir hier antworten, weil mir einiges was Du schreibst, bekannt vorkam (wobei ich anderes natürlich wiederum nicht so gut nachempfinden kann).
Zum Beispiel das unheimliche Gefühl, dass die Erinnerung an einen geliebten Menschen verblasst und man das gar nicht fassen kann/möchte. Man hat Angst, dass es wird als wäre er nie da gewesen. Es ist als wenn der Mensch einen von Tag zu Tag noch mehr verlässt... Ein sehr trauriges Gefühl. - Vielleicht habe ich zB den zweiten (absehbaren) Verlust als so furchtbar traurig und unfassbar empfunden, weil ich vom ersten Mal gelernt hatte, was es wirklich bedeutet einen Menschen zu verlieren und ihn jeden Tag in der Erinnerung einen Stückchen davongleiten zu fühlen, nicht festhalten zu können.

Und die Träume. Ich hatte auch immer wieder belastende Träume, in denen die Menschen und ihr Tod wieder auftauchten. Ich weiß auch, dass andere sie haben, und stark dadurch verunsichert werden. Dem sind wir ausgeliefert. Ich vermute, dass gehört zum Verarbeiten dazu. Unsere Seele arbeitet einfach zu sehr daran.

So wie auch das Vergessen. Wie gesagt, ist es ein furchtbares Gefühl, einen lieben Menschen zu "vergessen". Aber vermutlich ist es ein Mechanimus unserer Seele, um unseren Schmerz zu lindern und uns das Weiterleben und schließlich einen Neuanfang zu ermöglichen. Und wenn Du noch jung bist, dann hat Dein Leben und Deine Seele sicher einen Neuanfang für Dich vorgesehen. Ganz bestimmt nicht sofort, aber irgendwann... - Ich glaube nicht, dass wir Angst haben müssen, jemanden vollkommen zu vergessen. Aber wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass sich das Bild in unserer Erinnerung verändert, und wir uns nicht daran festkrallen können. Es wird sich in uns ein Bild entwickelt, dass wir weiter in uns tragen und mit dem wir weiterleben können.

Bekannt kam mir auch vor, dass Du durch kleine Auslöser in tiefe tiefe Löcher rutschst. Auch diese Phasen gehören wahrscheinlich zum Trauerprozess dazu. Jedoch fände ich es bedenklich, wenn diese Phasen anfangen, ein Leben zu lähmen. Wenn einen die Fragen erdrücken und gar nicht mehr loslassen. Und sich gar immer mehr Tiefpunkte im Leben, auch in anderen Bereichen häufen, anstatt weniger zu werden. Ich weiß jetzt nicht, wie gut Du über die Phasen kommst oder wie lange der Tod schon zurückliegt. Aber generell finde ich, wenn der Trauernde Gefahr läuft, nicht weitergehen zu können (mit der lieben Erinnerung im Herzen, aber dem Blick wieder nach vorne), dann ist es keine Schande, sich professionelle Hilfe zu suchen. Zu lernen, mit diesen Tiefpunkten umzugehen und sie für sich zu nutzen. Das bedeute nicht, dass man über einen Tod "hinwegkommen" will im Sinne des "jemanden vergessen". Sondern, dass man wieder Kraft findet zum Leben. Ich glaube, dass unsere Verstorbenen sich freuen, wenn wir sie in positiver Erinnerung behalten und wieder Kraft finden, und ihr Tod uns nicht niedergeschmettert zurücklässt. Das fänden sie sicher furchtbar. Bei aller Trauer.
Herbert Grönemeyer, der sehr schmerzhafte Erfahrung mit dem Todeskampf und Tod seines Bruder und schließlich seiner Frau machen musste, ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Ich finde es gut, dass er schließlich so offen mit seiner Trauerarbeit umgegangen ist (auch wenn einmal so eine Fuzzi-MTV/Viva-etc.-Moderatorin lästerte, dass der Typ ja inzwischen "17 Therapeuten verbraucht" hätte. Wie dumm!). - Ich persönlich habe mir vor einigen Jahren Hilfe gesucht, weil ich aus den Löchern nicht mehr herauskam und im wahrsten Sinne gelähmt war. (Das hatte damals nicht (mehr) konkret mit der Trauer zu tun und auch die Therapie war keine "Trauerhilfe" o.ä.) Als ich den ersten (wie ich dachte bereits "ad acta" gelegten) Todesfall aber erstmals erwähnte, hatte ich plötzlich einen furchtbaren Zusammenbruch, der mir eine Lehre war. Verdrängen hilft also gar nichts. Bewusstes Trauern, auch wenn es weh tut, ist sinnvoller!

Noch zu den Menschen, die einem begegnen: Außer einer Trauernden bin ich ja auch ein Mensch, der Trauernden begegnet. Und ich muss gestehen, dass ich lange Zeit, trotz oder gerade wegen meiner eigenen Erfahrung, keine große Hilfe war. Wofür ich mich auch geschämt habe. Ich war so aufgewühlt bei dem Thema, dass ich gar nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte. Aus Angst etwas falsch zu machen und weil ich wusste, dass alle Worte doch nicht den Kern treffen, habe ich mitunter nicht einmal mein Beileid ausgesprochen. Jedenfalls nicht von Angesicht zu Angesicht. Außerdem hatte ich die furchtbare Angewohnheit entwickelt, bei Dingen, dei mich bis aufs Bein erschüttern (wie zB der Krebstod der Mutter einer Freundin), wohl als Abwehrmechanismus, hysterisch loszulachen, bis mir die Tränen kamen. Furchtbar! Das kann man niemandem zumuten. Ich hab also auch "so getan als sei nichts gewesen"! Obwohl ich es als Trauernde selber immer als sehr positiv empfunden hatte, wenn Menschen offen auf einen zukamen. - Inzwischen würde ich mich aber wohl anders verhalten.

Ich kann aus eigener Erfahrung noch einen Typ Kondolierender beschreiben: Die, die einen zB vor dem Supermarkt treffen, sich wirklich freuen einen zu sehen, und einen auf den Todesfall ansprechen als meinten sie es gut und so lange stochern, kratzen und einen nicht mehr aus lassen, bis sie sie sehen - die Tränen! Wir könnten sie "die Sensationslüsternen" nennen.
Oder Selbstdarsteller, die zu Beerdigungen kommen, um lautstark in bester Showmanier offensive Eigen-PR zu betreiben und dabei vergessen, den Angehörigen wenigstens zu kondolieren. Aber Beerdigungen sind ohnehin ein Fall für sich...

Alles Liebe

Muggl

muggl
05.09.2006, 19:19
Karli,

vor knapp 10 Jahren ist sehr plötzlich mein Vater gestorben. Ich war gerade 18. Es ist nun schon ein ganzes Stück her und die akuten Gefühle von damals sind nicht mehr präsent. Aber Deine Beschreibung des Gefühls, aus dem Sommerurlaub zurückzukommen erinnert mich daran. Ich erinnere mich daran, dass alles, was man zum ersten Mal ohne ihn machte, sich so anfühlte. Das erste mal Weihnachten, das zweite Mal Weihnachten auch, Urlaub, 'Familientraditionen', wo wir immer zu viert waren, ware wir nur noch zu dritt. Jedes Mal spürte man das. (Auch heute noch decke ich, wenn ich zuhause bin, manchmal ungedanks den Tisch für 4.) - Aber auch bei einschneidenden Situationen im Leben spürt man die Lücke weiterhin, beim Abitur-Zeugnis bekommen, aus dem Elternhaus aus- und in den Studienort ziehen...
Bei uns war es so, dass er kurz vor Weihnachten starb. Da wir christlich sind, sind wir also im darauffolgenden November zum alljährlichen Totengedenken mit allen Trauernden des vergangenen Jahres in die Kirche gegangen, wo auch seine Beerdigungsfeier stattgefunden hatte. Das war dann knapp ein Jahr danach - und für mich (und meine Mutter und meinen Bruder auch) war das nochmal sehr schlimm. Vieles kam wieder hoch, wo man schon dachte, es ist "unten". Aber so etwas, auch wenn es weh tut, hilft. Es tut zwar weh, ist aber meiner Meinung nach viel gesünder als zu verdrängen, und deshalb können wir für solche schmerzhaften Situationen irgendwo auch dankbar sein. Wenn man es nur schafft, dass aus dem Loch keine böse Falle wird.

Alles Liebe

Muggl

amaruschka
05.09.2006, 21:12
Heute vor elf Monaten ist meine Mutter mit 60 Jahren gestorben. Sie war ein halbes Jahr in der Psychatrie, hatte schon Jahre Depressionen und nachdem sie immer mehr verfiel, musste sie mit gerade mal 60 in ein Pflegeheim. Dabei war sie immer so eine extrem junge Mama. Sie hat uns mit 19 bekommen, hörte BAP, trank Bier aus der Flasche, drehte ihre Zigaretten selbst... Und dann hat die Einsamkeit und die Erinnerung an ihren Missbrauch, den sie nie loslassen konnte, innerlich umgebracht. Seit sie 30 war lebte sie ohne Mann an ihrer Seite, konnte sich auf niemand mehr einlassen. Ihre Angst und ihr mangelndes Selbstbewusstsein mauerten sie langsam an. So starb sie ohne erkennbaren äußeren Grund, mitten in der Nacht, sie hörte einfach auf zu leben. Und sie ist in einem halben Jahr um 20 Jahre gealtert. Ich konnte mich nicht mehr verabschieden und vermisse sie sehr. Ich bin froh, dass sie mich in mein Leben begleitet hat und es macht mich traurig, dass sie so einsam und mit so vielen unerfüllten Träumen gestorben ist.
Morgen habe ich Geburtstag - es ist der erste ohne sie. Und ich denke heute abend voller Trauer und Dankbarkeit an sie.
Amaruschka

_Beate_
06.09.2006, 02:03
Alles Liebe zu Deinem Geburtstag, Amaruschka ...:blumengabe:

Inaktiver User
06.09.2006, 06:56
Alles Gute zu deinem Geburtstag, wenn sie in deinem Herzen und in deinen Gedanken ist, ist's doch okay. Ich feiere am 6. Oktober meinen Fünfzigsten, seit 18 Jahren ohne meinen Bruder, den werde ich nie vergessen, wir waren eine Woche gleich alt. Er hatte am 28.9, ich am 6.10. Er war ein Jahr jünger als ich, und bis zum 17. Lebensjahr haben wir fast alles gemeinsam gemacht. Ich weiß wovon du redest.

Elch
06.09.2006, 12:22
Ich bin immer noch traurig, dass meine Mama nicht bei meiner Hochzeit dabei war. Hab Anfang August geheiratet. Meine Mutter starb schon vor fast 8 Jahren, sie war erst 57, ich 27.
Ich hätte mir früher nie vorstellen können, überhaupt ohne sie zu heiraten. Wir waren uns sehr nahe.
Aber irgendwie war sie doch da. Denn es war die Woche, als das Wetter sehr sehr regnerisch war. Und wir hatten immer auf die Minute Glück mit dem Wetter - es fing immer an zu regnen, wenn die Fotos gemacht, wenn die Grillparty zu Ende war, - wenn wir alle reingingen. Sie hat wohl mit Petrus gesprochen.

Bloodyzicke
13.09.2006, 21:22
Ich habe heute mal wieder sehr viel darüber nachgedacht, warum sich die Menschen so viele Probleme selbst machen und sich so lange mit Kleinigkeiten aufhalten. Ich mein bis vor kurze Zeit war ich ja nicht wirklich anders. Aber warum kann man diese Einsicht nicht durch weniger tragische Momente bekommen?
Das Leben könnte so schön und einfach sein? Warum also nicht die Zeit unbeschwert genießen solange es geht, anstatt sich sinnlos ber Probleme aufzuregen, de keine sind?


Liebe Grüße

Bloody

Lillian2207
14.09.2006, 12:59
Ich denke heute darüber nach, wie schwach mich die Trauer macht. War man früher ein doch starker und selbständiger Mensch, fallen mir jetzt viele (für andere Menschen einfache) Dinge so schwer, dass ich sie nicht beweltigen kann. Warum ist das bloß so. Habe ich mich nur über meine Liebe, meinen Lebenspartner definiert. Bin ich selber nichts Wert? Habe ich keine Kraft ohne einen (oder DEN) Mann an meiner Seite? Oder ist es die Liebe die ich verloren habe, die mir jeglichen Saft aus meinem Körper zieht? Selbst mein täglicher Arbeitsplatz, die Arbeit die mir leicht von der Hand ging, selbst Hobbies sind für mich eine Belastung. Ich habe Angst, dass ich unfähig werde zu leben, dass ich nichts mehr alleine schaffe, dass ich durchdrehe.

Vielleicht brauche ich einfach mal einen Tapetenwechsel. Urlaub oder ähnliches.... Ich muß aufhören ungeduldig zu sein und die Trauer mit all ihren Facetten (Konzentrationsschwäche, tiefe Gefühlslöcher etc.) zu nehmen wie sie ist. Es ist nur so schwer, weil die Welt da draussen keinen Unterschied macht. Die meisten da draussen wissen doch nicht, wie es ist zu trauern! Wie kann man dann Akzeptanz verlangen? Wie kann man sich verstanden fühlen? Ich denke darüber nach etwas zu verändern. Aber sofort keimt Panik in mir auf.... etwas verändern? Warum??? Halt dich an dem fest, was dir Geborgenheit gibt, den Alltag nämlich!
Aber auch der Alltag kann schrecklich einsam und unbefriedigend sein!!!

Hagazussa
15.09.2006, 13:08
Ich denke heute darüber nach, wie schwach mich die Trauer macht. War man früher ein doch starker und selbständiger Mensch, fallen mir jetzt viele (für andere Menschen einfache) Dinge so schwer, dass ich sie nicht beweltigen kann. Warum ist das bloß so. Habe ich mich nur über meine Liebe, meinen Lebenspartner definiert. Bin ich selber nichts Wert? Habe ich keine Kraft ohne einen (oder DEN) Mann an meiner Seite? Oder ist es die Liebe die ich verloren habe, die mir jeglichen Saft aus meinem Körper zieht? Selbst mein täglicher Arbeitsplatz, die Arbeit die mir leicht von der Hand ging, selbst Hobbies sind für mich eine Belastung. Ich habe Angst, dass ich unfähig werde zu leben, dass ich nichts mehr alleine schaffe, dass ich durchdrehe.

Vielleicht brauche ich einfach mal einen Tapetenwechsel. Urlaub oder ähnliches.... Ich muß aufhören ungeduldig zu sein und die Trauer mit all ihren Facetten (Konzentrationsschwäche, tiefe Gefühlslöcher etc.) zu nehmen wie sie ist. Es ist nur so schwer, weil die Welt da draussen keinen Unterschied macht. Die meisten da draussen wissen doch nicht, wie es ist zu trauern! Wie kann man dann Akzeptanz verlangen? Wie kann man sich verstanden fühlen? Ich denke darüber nach etwas zu verändern. Aber sofort keimt Panik in mir auf.... etwas verändern? Warum??? Halt dich an dem fest, was dir Geborgenheit gibt, den Alltag nämlich!
Aber auch der Alltag kann schrecklich einsam und unbefriedigend sein!!!
liebe lillian, deine gefühle kann ich gut nachvollziehen, es geht mir auch so. allerdings ist nicht mein partner, sonder mein sohn gestorben. es hat also nichts damit zu tun, glaub ich, dass du dich über den partner definiert hast. ich denke, durch dieses schockerlebnis zieht es einem einfach jeglichen halt weg, man hat kaum noch boden unter den füssen. mir geht es z.b. beim autofahren so: ich muss mich auf alles konzentrieren - mir fällt nicht mehr ein, wie ich vom 2. in den 3. gang schalten muss ... usw. , die liste ist lang.
ich bin täglich erschöpft von schmerz und trauer, lege mich jeden nachmittag ins bett und bin für stunden weggetreten, als ob ich schwerstarbeit geleistet hätte, wahrscheinlich ist es auch so, obwohl ich "nur" im büro einen leichten job habe.
ich umarme dich

Lillian2207
18.09.2006, 11:09
Liebe Hagazussa.....das geht mir auch so. Wenn ich mich nicht mit Kaffee versorgen würde, würde ich vor meinem Computer einschlafen. Ich bin wie erschlagen, wie du schon sagst, als ob man Schwerstarbeit zu bewältigen hatte. André ist jetzt vier Monate tot und jetzt wird es immer schwieriger mich zu konzentrieren oder nur die Augen aufzuhalten. Am Wochenende war ich Abends immer schon um neun im Bett und habe sofort geschlafen. Und trotzdem bin ich auch am nächstenTag total müde..... Ich habe mir jetzt einen Termin beim Arzt geben lassen um einen Bluttest zu machen. Vielleicht fehlt mir auch irgendwas, Eisen oder sowas. Ich hoffe es, denn dieses "Durchhängen" macht mich einfach wahnsinnig.

Das Leben ist einfach unfair! Es tut mir so leid für Dich! Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste!!!!!!!!!!
Einen ganz lieben Gruß an Dich, fühl dich geherzt!
Lillian

muggl
18.09.2006, 12:23
Wenn Menschen sehr traurig sind, ihre Seele viel bewältigen muss und Energie braucht, fehlt ihnen die Kraft. Trauer ist eine Extremsituation, ein Energiefresser. Das ist dann körperlich zu spüren, hat aber natürlich seelische und nicht unbedingt physische Ursachen. Ich habe mich zB gefühlt wie krank in den Knochen, und schwach.
Die Seele sendet ihre Signale über den Körper an unsere Wahnehmung, damit wir ihr helfen können. Was soll sie auch anderes machen? Das ist ihr Medium. - Mich hat zB "mein Innerstes" viel später mal "lahm gelegt", eine Zeit lang morgens nicht mehr aufstehen lassen. Ich war wie an mein Bett gefesselt. Gelähmt. (Das war der Moment, wo ich bereit war, mir Hilfe zu suchen, nicht medizinischer Art. Hat erst einiges gebraucht.)

Mir ist als hättest Du, Lillian, in einem Post den Gedanken geäußert, das Urlaub vielleicht gut wäre *erinner*.
Ich kann dazu, weder zu- noch abratend, nur berichten, dass ich einige Zeit nach dem Tod meines Vaters (1996) mit meiner schmerzhaft verkleinerten RestFamilie auch sehr bewusst verreist bin. Mit das Beste was wir tun konnten!
Er ist im Dezember gestorben und in den Osterferien damals haben wir es nicht mehr ausgehalten und uns davon gemacht, weg aus der dunklen, stickigen Luft im Kopf und der ganzen Belastung des Alltags, woanders durchatmen.
Es sollte aber ein ruhiger und nicht beengender Ort sein (kein wintertrübes Gebirgstal). Durch Zufall oder Intuition sind wir auf Lanzarote gelandet. Nur eine Woche. Genau der richtige Ort. Alles dort war so anders, offen und weit.
Obwohl wir damals dorthin sind, um unsere Trauer zu verarbeiten, ich auf den meisten Fotos sogar noch meine schwarzen Klamotten trage°, haben wir alle 3 diese Insel sehr lieb gewonnen und kehren auch immer wieder dorthin zurück. (Obwohl ich sonst kaum öfters an einen Ort fahre). Überhaupt nicht traurig belastet also, im Gegenteil, sehr heilsam.

Allerdings hatten wir eben auch erst nach einigen Monaten die Kraft zu verreisen. Dann war es wie der erste Schritt ins neue Leben.
Aber, müsstest/würdest Du denn alleine fahren...?! Stelle es mir schon besser vor, wenn man mit jemand über die Gedanken reden kann, die einem bei so einer Reise kommen...

Alles Liebe,

Muggl


° Das 'macht man' nicht mehr, gell? "Trauertragen". Ich habe damals bewusst vorwiegend dunkel getrage (was allerdings bei der damaligen Teenie-Mode nicht weiter aufgefallen ist (c; ). Das hatte mir bereits einige Monate zuvor vorgenommen, als alle dachten, meine schwerkranke Oma würde sterben (und sie dachte es auch; meine Mutter und ich haben sie danach aber wieder gesund gepfegt; Oma starb 2005). Ich habe mir da vorgenommen, bewusst Trauer zu tragen, falls sie/jemand stirbt, weil sie das auch immer für ihre Lieben gemacht hat, und ich finde, dass das hilft, sich auf die Trauerphase zu konzentrieren... Zudem ist es wie ein Schutz für den Trauernden, der nach außen zeigt, dass dieser Mensch bewusst trauert und trauern möchte. Für mich war das so. Ich hatte das Bedürfnis. Auch das bewusste Wiederablegen der dunklen Sachen. - Bin mir allerdings gar nicht sicher, ob das meine städtisch hektische Umgebung überhaupt so wahrgenommen hat! (c;

Lillian2207
18.09.2006, 15:40
Ich habs auch versucht, liebe Muggl! Ich bin kurz nach Andrés Tod mit meinem Vater und dessen Freundin nach Korfu geflogen. Die beiden hatten den Urlaub schon lange geplant und als das passiert ist, hat mein Vater alle Hebel in Bewegung gesetzt um mich noch mitnehmen zu können! Es war wie eine andere Welt, als ob ich geflohen wäre und mein Leben gar nicht so schlimm wäre. Ich habe viele Menschen dort bewußt kennengelernt, viel Kontakt gesucht. Aber als ich nach Hause kam, war alles wieder wie vorher! Die Woche wurde sofort wieder verschlungen von meiner Trauer!

Nächste Woche fliege ich wieder! Wieder nach Korfu, wieder in das gleiche Hotel! Dieses Mal begleitet mich meine Mutter, weil du vollkommen recht damit hast, dass man nicht alleine fahren sollte! Ich freue mich wieder weg zu kommen und hoffe auf genauso entspannte Tage wie vor vier Monaten! Ich möchte endlich mal wieder was anderes sehen als meine vier Wände!

Lieben Gruß
Lillian!

muggl
18.09.2006, 17:36
Lillian, das ist super, dass Du diese Menschen hast, die Dich begleiten!
Ja, wie gesagt, vielleicht ist es auch nicht so hilfreich "zu früh" (nunja, wer kennt schon den richtigen Zeitpunkt...) zu "fliehen", wenn noch so viel unverabeitet ist. Mitten im großen Gefühlsgewühl kann sich wohl auch ein Urlaub nicht abheben und wird verschlungen... - Mal sehen, wie es Dir diesmal 'bekommt'! Wünsche Dir alles Gute dafür!

Denke gerade darüber nach, dass es bei so einer Trauerreise, wie ich es jetzt mal nenne, nicht unbedingt um eine ganz "andere Welt" gehen muss... Der Kontrast ist dann ja extrem groß. Gerade wenn man wieder nach Hause kommt. - Vielleicht habe ich das jetzt auch leicht missverstanden. Ich meinte nicht, dass es gut wäre sein momentanes, schwer zu ertragendes Leben hinter sich zu lassen oder vorübergehend abzuschütteln, alles neu zu haben. Und hinterher muss man doch wieder ins alte zurück! Alles verpufft. - Mir ging es vielmehr darum, die ganze innere Realität und Trauer mitzunehmen, und an einem anderen Ort, fernab der Belastungen des Alltags (Arbeit, Kollegen, Stress) weiter zu verarbeiten und Ruhe für sich zu haben. "Flucht" ist also das falsche Wort...*such* Die Trauer geht schon weiter, sie hat keine Pause. Nur der Wind, die Umgebung ist frisch und die Last des Alltages ist weg. Wenn man zusätzlich merkt, dass man offen ist auch für neue Eindrücke, um so schöner.

Alles Liebe,

Muggl

Monkele
20.09.2006, 01:02
In der virtuellen Kerze habe ich schon ein bißchen darüber geschrieben: Ich mache mir Gedanken, ob ich mich bei den Eltern dieses Freundes mal wieder melden kann, darf, soll? Bei seiner Beerdigung traf ich sie das letzte Mal. Wissen sie noch, wer ich bin, rühre ich mit meinem "mich melden" wieder an Dinge, die sie vielleicht vergessen wollen? Würde es sie möglicherweise freuen, zu erfahren, dass der zweite Vorname unseres Sohnes "sein" Name ist? Ich bin so hin und hergerissen!

Habt ihr vielleicht einen Rat?

Monkele

Ich habe einen Brief geschrieben und nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub, fand ich einen Brief seiner Mama vor.
Einen kleinen Ausschnitt davon möchte ich euch schreiben, weil ich es so tröstlich empfand:

(Seine Eltern sind Beide schon über 70 Jahre alt) ...- rückt ein Wiedersehen in greifbare Nähe, den festen Glauben haben wir Eltern.

...- ich hatte das Gefühl, alle schon gestorbenen Mitglieder meiner Familie übernahmen ihn in der Ewigkeit.

Danke, dass ihr mir Mut zugesprochen habt, diesen Brief zu schreiben! :blumengabe:

Monkele

Amely
20.09.2006, 14:15
Liebes Monkele,

das hast Du gut gemacht - manches Mal weiß man ja nicht wie man reagieren soll. Habe in den letzten Tagen auch einen Brief an eine Schulfreundin geschrieben, deren Mutter gestorben ist. Sie hat sehr lieb und innerlich gefestigt geantwortet - ich war sehr überrascht, da die Mutter noch letztes Jahr bei der Beerdigung meiner Oma so einen guten Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Inaktiver User
20.09.2006, 17:22
Heute hat mich eine der Todesanzeigen in der Zeitung sehr, sehr berührt.

Ein Sohn schrieb an seinen Vater:

Wenn nachts die Rosen weinen und mein Herz vor Kummer bricht, möcht ich dir noch einmal erscheinen
und sagen: Ich liebe dich !

Das ist mir so richtig unter die Haut gegangen und ich stelle in Gedanken eine schöne Kerze auf für die Beiden. Sie müssen sich sehr nah gestanden haben.
Ich muss immerzu mit den Tränen kämpfen, wenn ich an diese weinenden Rosen in der Nacht denke.
So poetisch, so unsagbar traurig !

Monkele
30.09.2006, 21:43
Gestern kam ich endlich dazu mit meiner Freundin zu telefonieren. Natürlich war der Freund, der einen Gehirntumor hat, Thema...- Es geht ihm zusehends schlechter. Er kann nicht mehr alleine laufen, kaum noch essen, trinken bereitet ebenfalls große Probleme usw. usw. usw. :heul: :heul: :heul: Die Diagnose kam vor 2,5 Jahren und das Erschrecken darüber war riesengroß. Ich erinnere mich immer noch daran, wie meine Freundin mir in der Kirche, an der Konfirmation meines Sohnes zuflüsterte, dass bei der genaueren Untersuchung das schlimmste Ergebnis rauskam, was es nur geben konnte. Damals lautete die Prognose noch ca. 1 Jahr. Das Leben ging weiter und man "gewöhnte" sich an den Gedanken, dass er Krebs hat. Und nun?! Das Ende wird absehbar und jeder kämpft auf seine Art damit umzugehen...-

Überhaupt habe ich seit einiger Zeit das Gefühl, dass mich das Thema Krebs wieder verstärkt einholt...-
Hoffentlich kann ich den Menschen die mir wichtig sind, eine Stütze sein, in der schweren Zeit!

Monkele

Inaktiver User
02.10.2006, 11:31
Was mich traurig macht und auch nachdenklich stimmt, ist die Ignoranz einiger Menschen. Akut stößt mir meine Schwägerin tierisch auf. Ihr Vater (mein SchwiPa) leidet seit numehr 7 Jahren an Darmkrebs. Er wurde bereits zwei Mal operiert, eine dritte OP lehnt er ab. Das Geschwür wächst zur Zeit nicht mehr. Sein Herz ist auch nicht mehr das Beste, er hat Diabetes und eine Fettleber. Gut, Letzteres kommt vom "guten Leben", ändert aber nichts an der Erkrankung. Meine liebe SchwiMa ist auch nicht mehr die Gesündeste, was ihr genau fehlt sagt sie nicht. Wir wissen, dass sie mit der Schilddrüse Probleme hat, sie hat in den letzten Monaten stark abgenommen. Zudem hat sie akut wieder einen fürchterlich juckenden und entzündeten Hautausschlag.

Anfang August, wurde unsere Nichte eingeschult. Die Großeltern waren zu einer kleinen Feier eingeladen. Als SchwiPa nciht mehr konnt eund heim wollte, reagierte meine Schwägerin ziemlich ungehalten und meldet sich seit nunmehr sieben Wochen nicht mehr bei ihren Eltern. Am Donnerstag hatte SchwiMa Geburtstag, sie rief ihre Mutter nicht an. Das hat meiner SchwiMa sehr wehgetan, sieh hat geweint ob dieser Ignoranz. Gestern waren wir zum Mittag eingeladen bei den Eltern - wieder schwieg das Telefon. Donnerstag und auch gestern eilte SchwiMa Voller Erwartung ans Telefon, wenn dieses klngelte, als sie hörte, wer anrief war sie enttäuscht.

Wie kann eine junge Frau, die behauptet, ihre Eltern sehr zu lieben, so handeln? Meine Schwiegereltern haben für ihre Tochter alles getan, sie haben sie unterstützt ohne Ende. Immer haben die Eltern ein offenes Ohr für sie.

Mir fehlt das Verständnis.

Inaktiver User
06.10.2006, 23:00
Heute - wie so oft in den letzten Wochen - muß ich sehr an meine "kleine" 'Adoptivschwester" denken, die sich im Frühjahr ihren ganz großen Lebenstraum erfüllt hat und nach Norwegen ausgewandert ist.
Sie hat lange, lange dafür gekämpft und ist fast krank geworden in dem für sie so oberflächlichen, unmenschlichen Deutschland.

Ende Juli kam ihre letzte SMS "..... nie war ich so glücklich. Endlich daheim ! " und ich weiß, daß sie damit auch die allerletzten Brücken nach Deutschland ( und auch zu mir) abgebrochen hat.

Ich freue mich riesig für meine Kleine und hoffe, daß sie da oben endlich zur Ruhe kommt und all das Unangenehme, was sie mit ihrem Geburtsland verbindet, vergessen kann.


Aber ganz tief in mir drinnen, da fehlt sie mir einfach nur und ich sehne mich soooo danach, mal wieder mit ihr zu ratschen und meine Haselocke ganz fest in den Arm nehmen zu können.


Schade, sehr, sehr schade, daß man seine Liebe und Freundschaft manchmal am besten dadurch zeigt, daß man los läßt...:niedergeschmettert:

Monkele
09.10.2006, 17:36
Aus Traum und Tränen sind wir gemacht
wenn du trauerst
will ich dich trösten

Aus Tag und Abend sind wir gemacht
wenn dir kalt wird
will ich dich wärmen

Aus Angst und Hoffnung sind wir gemacht
wenn du Tod sagst
sage ich Leben.


Lothar Zenetti


Ein treuer Freund ist ein starker Schutz;
wer den findet, der findet einen großen Schatz.
Ein treuer Freund ist nicht mit Geld oder Gut zu bezahlen,
und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.
Ein treuer Freund ist ein Trost im Leben;

Sirach 6, 14-16

Wie ihr an den Gedichten seht, beschäftigt mich gerade das Thema " Freundschaft". Was sie für mich bedeutet, wie ich mit Freundschaft und den damit verbundenen Menschen umgehe.

Monkele

Amely
10.10.2006, 10:38
Liebes Monkele,

es tut mir sehr leid, dass Du von der Freundschaft enttäuscht wurdest. Du hast mein volles Mitgefühl. Ich kann Dich gut verstehen.

Du bist doch so ein offener, herzlicher und gütevoller Mensch.

Du wirst sehen - das Leben geht weiter und jeden Morgen geht die Sonne auf und es wird neue Menschen geben - neues Glück und viel Freude.

Inaktiver User
10.10.2006, 10:45
Ich glaube nicht, daß Monkele meinte, sie ist von der Freundschaft enttäuscht worden. Ich lese aus den Zeilen Monkeles etwas vollkommen anderes. Sie macht sich Gedanken um die Freundschaft und darum, daß man Freunden manchmal - in schweren Zeiten - etwas geben möchte und nicht weiß, ob es den Adressaten erreicht.

Paula

Amely
10.10.2006, 11:21
Liebes Monkele,

das tut mir leid, dass ich Deine Aussage falsch interpretiert habe. Ich wünsche Dir viel Kraft und Liebe für Deine Freunde.

Monkele
10.10.2006, 12:03
Hallo Amely,

das ist lieb, dass du dir Gedanken machst!

Paula hat es übrigens völlig richtig erkannt, genau darum ging es und darum, dass jemand die Stärke der Freundschaft nicht erkannt und sich darauf verlassen hat. :heul:

Ich freu mich auf unser Wiedersehen! :ahoi:

Monkey

Monkele
18.10.2006, 15:35
Und schon wieder bin ich hier in "meinem" Strang gelandet...-

Es wird immer wahrscheinlicher, dass meine Tochter Diabetes hat. :heul: Nicht so schlimm in heutiger Zeit, werden vielleicht manche sagen, aber für mich ist es sehr schlimm! Zum Einen sehe ich meinen Vater und meinen Onkel, die mit den "Nebenwirkungen" der Erkrankung kämpfen (ein Beispiel: Beide sehen nur noch zwischen 10 und 30%). Zum Anderen aber auch die Tatsache, dass ich das vererbt habe (sicher- ich bin daran nicht "schuld", aber...-)! Dass ich mir sämtlich Krankheiten, die in der Familie rumschwirren, aussuche (und nicht mein Bruder oder meine Schwester), das kenne ich ja schon, aber nun das...- :knatsch: Und die Geschichte mit dem Parkinson meines Vaters...- Bisher weiß man sehr wenig über die Vererbung dieser Krankheit, aber es gibt einen gewissen Typ Mensch, die dafür prädestiniert sind und diesem Typ entspricht genau mein Sohn!
Morgen bekommt meine Tochter eine Kniespiegelung. Beide Kinder haben meine "Schwäche" im Knie geerbt.
Ich habe Angst und ich bin traurig!

Monkele

Inaktiver User
18.10.2006, 15:46
Liebe Monkele,

ich bin mir sicher, S & M haben in allererster Linie ganz viele wunderbare Sachen von ihrer Mama geerbt.

Dicken Trost-Drucker (Epson-Spezial)

Paula

Jaelle
21.10.2006, 00:21
Ich möchte auch über etwas schreiben, was mir Angst macht.
Ich habe gestern meine Oma besucht, das mache ich so zwei mal im Monat. Viel zu selten, ich weiß. Sie ist, neben meiner Tochter, der wichtigste Mensch in meinem Leben. Als meine Mutter starb, war ich drei Jahre alt und meine Oma hat mich zu sich genommen.
Meine Oma ist ein Mensch, der sich nie beklagt und jammert. Dabei hatte sie ein schweres Leben. Sie hat noch nie ein böses Wort zu mir gesagt, außer, wenn ich es verdient hatte.

Gestern hat sie mir gesagt, daß sie krank ist, kränker, als sie dachte. Irgendwas mit Adern oder Venen im Hals, die zum Gehirn führen, da funktioniert etwas nicht richtig. Die genaue Diagnose bekommt sie in vier Tagen, auch die Medikamentenempfehlung dazu. Sie muß dann 30 € im Monat dafür bezahlen, ich werde mich darum kümmern, daß sie es preiswerter bekommt, auch wenn ich durchs ganze Internet muß.
Darum gehts aber nicht. Ich habe Angst, sie plötzlich zu verlieren. Das stand noch nie so deutlich und endgültig vor meinen Augen. Sie ist 80 Jahre alt und seit ich denken kann, ist sie da. Ich habe ihr versprochen, mich um sie zu kümmern, und wenn es nicht mehr geht, nehme ich sie zu mir.


In der letzten Nacht träumte ich von den Vorbereitungen zu ihrer Beerdigung. Ich habe meiner Tochter aus meinem Schrank einen schwarzen Mantel gegeben und selbst mein schwarzes Kleid angezogen. Das hat sicher nichts zu bedeuten, ich hoffe nicht. Aber es macht mir Angst wie noch nichts in meinem Leben.

Das mußte ich mir mal von der Seele schreiben.
Danke

Eisbaer71
23.10.2006, 14:08
Vor ein paar Jahren habe ich mich vom Vater meiner Kinder getrennt.
Kurz darauf, noch mitten in den Auseinandersetzungen der Trennung (ich hatte einen neuen Partner) erkrankte dieser an Krebs. Mein „noch-Ehe“-Mann und auch die getrennt lebende Ehefrau meines Partners bemühten sich, mit legalen und auch nicht legalen Mitteln, uns nach allen Kräften das Leben schwer zu machen (Kindesentzug, Strafanzeigen, div. Schikanen) Dies alles fand statt in einer Zeit, in der mein Partner (er hatte drei Kinder), nicht wusste, wie lange er diese überhaupt noch sehen kann. Zwischen Therapie, diversen Operationen, Hoffnungsschimmern, heftigsten Schmerzen, ich denke, wie eine Tumorerkrankung im Endstadium aussieht, brauche ich Euch nicht beschreiben.
Ich selbst habe zwei Kinder und ich hoffe, ich habe mich trotzdem nach Kräften bemüht, für sie da zu sein. Dann ist mein Partner verstorben.

Ich hatte ganz sicher genug mit mir selbst, meinen Kinder und meiner kleinen Welt zu tun, und für diese Zeit war zwischen mir und meinem geschiedenen Mann so etwas wie Frieden eingekehrt. Ich wollte nicht mehr an der Vergangenheit rühren, sie hätte mir meinen verstorbenen Partner nicht wiedergebracht.

Jetzt hat mein ehemaliger Mann, schon seit einiger Zeit, eine neue Partnerin, auch mein Leben hat sich wieder neu geordnet. Die beiden haben vor kurzem geheiratet, was ich eigentlich nur zur Kenntnis genommen hatte, es hat mich, ehrlich gesagt, nicht weiter berührt.
Aber seit einiger Zeit merke ich, dass er sich nach Kräften bemüht, wieder gegen mich zu hetzen und ich merke, wie es mir zunehmend Sorgen macht und ein dauerendes flaues Gefühl in der Magengrube hinterlässt. Wie ich Angst davor habe, was wohl wieder als nächstes kommt, wie ich denke, wir haben so viel Furchtbares erlebt, warum dürfen wir nicht endlich zur Ruhe kommen? Warum schaffe ich es nicht, seine doch mehr theoretischen Hetzereien (eigentlich habe ich wunderbare Kinder) einfach nur gelassen hinzunehmen? Was wäre gewesen, wenn man uns damals einfach in Ruhe gelassen hätte?

Ich weiß nicht, ob dieser Beitrag hierher passt, aber ins Trennungsforum mag ich bewusst nicht hineinschauen, und für mich gehört es hierher, also danke, dass ich es einmal loswerden durfte.

Eisbär

Eva39
23.10.2006, 15:29
Vor ein paar Jahren habe ich mich vom Vater meiner Kinder getrennt.
Kurz darauf, noch mitten in den Auseinandersetzungen der Trennung (ich hatte einen neuen Partner) erkrankte dieser an Krebs. Mein „noch-Ehe“-Mann und auch die getrennt lebende Ehefrau meines Partners bemühten sich, mit legalen und auch nicht legalen Mitteln, uns nach allen Kräften das Leben schwer zu machen (Kindesentzug, Strafanzeigen, div. Schikanen) Dies alles fand statt in einer Zeit, in der mein Partner (er hatte drei Kinder), nicht wusste, wie lange er diese überhaupt noch sehen kann. Zwischen Therapie, diversen Operationen, Hoffnungsschimmern, heftigsten Schmerzen, ich denke, wie eine Tumorerkrankung im Endstadium aussieht, brauche ich Euch nicht beschreiben.
Ich selbst habe zwei Kinder und ich hoffe, ich habe mich trotzdem nach Kräften bemüht, für sie da zu sein. Dann ist mein Partner verstorben.

Ich hatte ganz sicher genug mit mir selbst, meinen Kinder und meiner kleinen Welt zu tun, und für diese Zeit war zwischen mir und meinem geschiedenen Mann so etwas wie Frieden eingekehrt. Ich wollte nicht mehr an der Vergangenheit rühren, sie hätte mir meinen verstorbenen Partner nicht wiedergebracht.

Jetzt hat mein ehemaliger Mann, schon seit einiger Zeit, eine neue Partnerin, auch mein Leben hat sich wieder neu geordnet. Die beiden haben vor kurzem geheiratet, was ich eigentlich nur zur Kenntnis genommen hatte, es hat mich, ehrlich gesagt, nicht weiter berührt.
Aber seit einiger Zeit merke ich, dass er sich nach Kräften bemüht, wieder gegen mich zu hetzen und ich merke, wie es mir zunehmend Sorgen macht und ein dauerendes flaues Gefühl in der Magengrube hinterlässt. Wie ich Angst davor habe, was wohl wieder als nächstes kommt, wie ich denke, wir haben so viel Furchtbares erlebt, warum dürfen wir nicht endlich zur Ruhe kommen? Warum schaffe ich es nicht, seine doch mehr theoretischen Hetzereien (eigentlich habe ich wunderbare Kinder) einfach nur gelassen hinzunehmen? Was wäre gewesen, wenn man uns damals einfach in Ruhe gelassen hätte?

Ich weiß nicht, ob dieser Beitrag hierher passt, aber ins Trennungsforum mag ich bewusst nicht hineinschauen, und für mich gehört es hierher, also danke, dass ich es einmal loswerden durfte.

Eisbär

Liebe Eisbär,

was Du erlebt hast, tut mir sehr, sehr leid.

Das Sein ist für sich das wertvollste Gut und es wurde so sehr mit Füßen getreten. Du hast unwahrscheinlich viel Unmenschlichkeit erlebt. Dein Partner konnte nicht in Würde und in Frieden sterben.

Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die nur darauf aus sind, den anderen zu zerstören, weil sie ihnen etwas neiden oder sich einfach nur rächen wollen oder weil ihnen langweilig ist.

Ich kann Deine Angst gut verstehen, es ist ja auch eine Existenzangst und vieles von damals wird wieder hochkommen. Ich würde so gut es geht auf Distanz gehen. Das sagt sich so leicht. Ehrlich gesagt, bin ich auch oft ratlos und werde von Ängsten geplagt, wenn es um den "Umgang" mit dem Vater meiner Kinder geht.

Alles Liebe für Dich und für Deine Kinder!

Eva

Inaktiver User
24.10.2006, 13:09
Es wird immer wahrscheinlicher, dass meine Tochter Diabetes hat. Nicht so schlimm in heutiger Zeit, werden vielleicht manche sagen, aber für mich ist es sehr schlimm! Zum Einen sehe ich meinen Vater und meinen Onkel, die mit den "Nebenwirkungen" der Erkrankung kämpfen (ein Beispiel: Beide sehen nur noch zwischen 10 und 30%). Zum Anderen aber auch die Tatsache, dass ich das vererbt habe (sicher- ich bin daran nicht "schuld", aber...-)! Dass ich mir sämtlich Krankheiten, die in der Familie rumschwirren, aussuche (und nicht mein Bruder oder meine Schwester), das kenne ich ja schon, aber nun das...- Und die Geschichte mit dem Parkinson meines Vaters...- Bisher weiß man sehr wenig über die Vererbung dieser Krankheit, aber es gibt einen gewissen Typ Mensch, die dafür prädestiniert sind und diesem Typ entspricht genau mein Sohn!
Morgen bekommt meine Tochter eine Kniespiegelung. Beide Kinder haben meine "Schwäche" im Knie geerbt.
Ich habe Angst und ich bin traurig!

Liebe Monkele,

vielleicht helfen Dir meine eigenen Erlebnisse, Abstand von diesen Gedanken zu nehmen.

Ich habe in Sachen Erkrankung in unserer Familie so richtig ins Klo gegriffen - eine Autoimmunerkrankung, Asthma, Migräne, diverse Allergien, eine ziemlich starke Sehschwäche - was es so gibt in unserer Familie, ich habe HIER gebrüllt und es abbekommen.

Haben meine Eltern "Schuld" daran?

Nein. Sie haben mir das Leben geschenkt, und es ist trotz aller Beeinträchtigungen, die mir teilweise das Leben ganz hübsch schwer machen, ein gutes Leben. Hätte man mich vor meiner Geburt vor die Wahl gestellt, geboren zu werden und dieses Leben zu leben, oder aber gar nicht erst auf die Welt zu kommen - ich glaube, ich hätte mich trotz allem für dieses Leben entschieden. Wo Schatten ist, ist auch Licht - die Schwierigkeiten, die ich hatte und habe, fordern mich gleichzeitig heraus, an ihnen zu wachsen.

Das, was meine Eltern "verbockt" haben, sind andere Dinge. Sie haben mich mit vielen Themen im Stich gelassen, waren überfordert, wenig liebevoll. Sie haben meine Bedürfnisse missachtet, mich nicht beschützt, waren in wichtigen Phasen meiner Kindheit nicht für mich da. Sie haben mich terrorisiert und vernachlässigt, sie haben tatenlos zugesehen, als andere mir weh taten. Sie haben bewusst entschieden, ihre Bequemlichkeit über mein Leid zu stellen.

DAS waren aktive oder passive Akte, über die sie entscheiden konnten, hinter denen aktive Denkprozesse steckten. Über meine genetische Veranlagung dagegen hatten sie keine direkte Macht.

Wie sehr wünschte ich mir manchmal eine Mutter, die diesen Namen verdient - die mich in die Arme nimmt, für mich da ist, bei der ich das Gefühl habe, wirklich geliebt zu sein. Wie sehr hätte ich eine solche Mutter als Kind gebraucht. Was hätte ich nicht gegeben für einen Vater, der stolz auf mich gewesen wäre, der mich gefördert statt terrorisiert, unterstützt statt kontrolliert hätte.

Aber all das sollte nicht sein, und wird auch nicht mehr.

Ich denke, dass DU, liebe Monkele, eine Mutter bist, mit der Deine Kinder rechnen können. Du möchtest für sie da sein, Du willst sie beschützen, Du wünschst Dir das Beste für sie. Du LIEBST sie.

Das ist es, worauf es ankommt. Du kannst Deinen Kindern kein grösseres Geschenk machen. Und darum möchte ich Dich ermutigen, Dir keinen Kopf zu machen über Dinge, die Du nicht beeinflussen kannst - es kommt wie es kommen soll, und ich bin sicher, dass Ihr prophylaktisch tut, was möglich ist. Alles andere liegt nicht in Eurer Hand, aber wenn der Fall des Falles eintritt, dann könnt Ihr füreinander da sein so wie Ihr es braucht. Das ist alles, was letztlich notwendig ist, um auch mit schwierigen Situationen zurecht zu kommen.

Mein Vater ist bereits in seinen 50ern an Alzheimer erkrankt - mein Bruder und ich könnten ebenfalls von dieser Erkrankung betroffen sein. Wir hätten die Möglichkeit, uns genetisch untersuchen zu lassen, haben aber beide entschieden: WENN wir die Erkrankung in uns tragen, möchten wir das heute gar nicht wissen, weil dieses Wissen unser Leben möglicherweise sehr negativ beeinflussen könnte. Wir möchte unser Heute so gut nutzen wie möglich und so auf unsere Art Prophylaxe betreiben - indem wir geistig und physisch in Bewegung bleiben, interessiert, offen, mutig.

Auch mir sind Schuldgefühle nicht fremd, allerdings aus einer anderen Perspektive - heute ist es ja mein Vater, der Hilfe braucht, auch wenn er inzwischen in einem Heim untergebracht ist, weil die häusliche Pflege das Ausmass seiner Erkrankung nicht mehr bewältigen kann. Da hocke ich nun zwischen widersprüchlichen Emotionen - einerseits tut er mir unendlich leid, andererseits ist meine Liebe für ihn, das sage ich ganz ehrlich, nach dem, was ich mit ihm und durch ihn erlebt habe, begrenzt. Der innere Bruch, den es verursacht, heute für ihn da sein zu müssen respektive SOLLEN, während er mich in meiner Kindheit bös im Stich gelassen hat, zerreisst mich manchmal. Wenn ich ihn besuchen will, bedeutet dies, dass ich 6 Stunden im Auto sitze - allein für mich mit meinem Alltag und meinen übrigen Verpflichtungen kaum machbar. Also besuche ich ihn nur sehr selten und bin in Augen anderer sicher keine gute Tochter. Ich MÖCHTE aber auch gar nicht häufiger hinfahren, ich KANN es nicht. Und das macht mir Schuldgefühle. Müsste ich nicht grosszügiger sein mit meiner Zeit, meiner Liebe, müsste ich nicht über das, was war, hinwegsehen können?

Das sind Fragen, die mich umtreiben. Ich fühle mich damit sehr allein - mit wem sollte ich darüber sprechen? Die Haltung meiner Familie ist klar. Ich habe mich entfernt von ihnen, räumlich, emotional. Ich bin kein gutes Kind. Für meinen Partner dagegen tue ich in Hinblick auf meine Eltern noch viel zuviel. Er hat teilweise noch live miterlebt, was da bei uns daheim abging, wie lieblos meine Eltern agiert haben - da, wo ich längst keine Wut mehr auf meine Eltern empfinde, ist er zornig, sieht er sie nüchtern.

Für manche Probleme habe ich einfach keine Lösung - die Belastung durch die Krankheit meines Vaters polarisiert, sie bringt an die Oberfläche, was darunter gebrodelt hat. Inzwischen habe ich mich dadurch auch von meinem Bruder entfernt - ich kann seine Erwartungen nicht erfüllen, sicher fühlt auch er sich allein gelassen von mir, seiner grossen Schwester, so wie ich mich durch ihn stumm verurteilt fühle. Was kann ich tun? Ich mache Gesprächsangebote, er schlägt sie aus.

Meine Kraftreserven sind begrenzt - ich bin selbst alles andere als gesund, mein normaler Alltag kostet mich alle Kraft, die ich habe - wie schaffe ich eine Balance zwischen dem, was ich tun möchte, dem, was andere erwarten und dem, was ich tatsächlich bewältigen kann?

Im Grunde habe ich mich innerlich längst verabschiedet von meiner Familie. Macht mich das zu einem schlechten Menschen? Wer entscheidet darüber?

All das macht mich sehr traurig, und ich bin dankbar für diesen thread, in dem ich mir das von der Seele schreiben kann.

Dir, liebe Monkele, alles Liebe!

Grüssle
Seawasp

Bobbys
24.10.2006, 14:47
Im Grunde habe ich mich innerlich längst verabschiedet von meiner Familie. Macht mich das zu einem schlechten Menschen? Wer entscheidet darüber?
Grüssle
Seawasp

Nein, ganz sicher bist du deshalb kein schlechter Mensch. Ich behaupte mal genau das Gegenteil. Du hast dich deinem "Problem" gestellt und hast für dich entschieden, wie du am besten damit klar kommst. Die einzigste Person die darüber ein Urteil abgeben darf bist ganz allein du. Nur du weißt was du für Erfahrungen mit deinem Vater machen mußtest und nur du weißt was gut für dich ist.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß die Anfeindungen sehr groß sind. Es kann im Normalfall niemand verstehen, warum man mit seinen Eltern oder einem Elternteil bricht, weil es sind doch die Eltern díe man lieben und achten soll. Aber manchmal geht das einfach nicht mehr.

Alles Liebe für dich. Vor allem viel Kraft dies durchzustehen.

Liebe Grüße
Bobby

Laurinchen
24.10.2006, 19:25
Auch ich betrachte dieses Trauerforum schon einige Zeit. Nun muss auch ich mein Herz ausschütten. Mein Mann ist vor 13 Jahren an Krebs erkrankt. Bis vor 3 Jahren ging es ihm recht gut, seit 3 Jahren bekommt er Chemotherapie, die er auch relativ gut vertragen hat, aber nun scheint der Punkt gekommen zu sein, wo nichts mehr hilft, er hat Metastasen im Skelett und in der Leber, ein weiteres CT vom Bauchraum wird am Freitag gemacht, ich rechne mit keinem guten Ergebnis, mir fälltes jetzt schon auf, das keiner von den Freunden etwas darüber hören möchte, obwohl es mir gut tun würde über die kommende Zeit zu sprechen und den Tränen freien Lauf zu lassen, aber das muss ich im stillen Kämmerlein tun, mein Mann kann auch nicht wirklich über sein Sterben sprechen, obwohl ich immer wieder einen Versuch starte, denn jetzt könnten wir noch miteinander reden.
Ich denke, ich werde jetzt gelegentlich mich hier im Forum melden, es erleichtert doch wenn man darüber schreiben kann. Marianne

Lorolli
24.10.2006, 19:38
@ Laurinchen, ja mache das, schreibe Dir hier Deinen Kummer und die Sorgen von der Seele. Hier findest Du bestimmt mitfühlende Zuhörinnen und Trost von selbstbetroffenen.

Wünsche Dir ganz viel Kraft und nehme Dich mal fest in den Arm.

Liebe Grüsse
Lorolli :kuss:

Inaktiver User
24.10.2006, 20:25
Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß die Anfeindungen sehr groß sind. Es kann im Normalfall niemand verstehen, warum man mit seinen Eltern oder einem Elternteil bricht, weil es sind doch die Eltern díe man lieben und achten soll. Aber manchmal geht das einfach nicht mehr.


Bobbys & Seawasp

Alles, was in unserer Kultur zum moralischen Impetus wurde, ist und war gesellschaftlich nützlich. So ist es mit der Liebe zu den Eltern, der Treue der Ehefrau, nicht aber der des Ehemannes, usw.
Liebe kann nicht vorausgesetzt, sie muss erworben werden, und so soll und darf auch niemand die Verpflichtung zur Liebe auferlegt bekommen. Dagegen wehrst du, Seawasp, dich mit Recht.
Und wenn dich jemand aus diesem Grund abqualifiziert, müsste mal bei ihm nachgegraben werden, was ihn dazu bewegt, sicherlich nicht die Sorge um deine Eltern.
Lieben Gruss
Colonna

Inaktiver User
25.10.2006, 08:10
Liebe Marianne,

ja, es tut gut hier zu schreiben, hier gibt es Menschen, die lesen, was Dir auf der Seele brennt, die antworten, und die vor allem verstehen und mitempfinden, weil sie vielleicht Ähnliches erlebt haben.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die schwere Zeit, die vor Dir liegt. Ich möchte Dir aber auch ans Herz legen, noch nicht aufzugeben in Sachen Gespräche. Deine Freunde sind sicherlich ebenso hilflos, wissen vielleicht gar nicht, wie sie Dich unterstützen könnten, sind verängstigt, weil das Sterben Deines Mannes sie auch mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Dem weichen wir gern aus.

Vielleicht wäre es einen Versuch wert, genau das zu thematisieren. Ihnen mitzuteilen, wie Du die Situation empfindest, und dass Du ihre Unterstützung brauchst, dass es Dir gut tut, auch über das Sterben zu sprechen, aber dass das nicht heisst, dass Du darüber das Leben und die vielen anderen Themen, die es mit sich bringt, vergisst.

Vielleicht könntest Du auch mit Deinem Mann einen gemeinsamen Weg für das, was kommt, entdecken - dazu wäre wichtig herauszufinden, was Du brauchst, was er braucht, und wie Ihr es schafft, daraus etwas gemeinsames zu basteln. Ich bin mir sicher, dass auch Dein Mann Gründe und Vorbehalte hat, die ihn daran hindern, das auszusprechen, was IHN gerade bewegt.

Wenn nur noch wenig Leben übrig scheint, wenn man vielleicht grosse Schmerzen hat, dann kann das sprachlos machen, oder dafür sorgen, dass man dem ausweichen möchte, was um die Ecke wartet und sehr bedrohlich ist. Gemeinsamkeit, ein gemeinsamer Weg kann auch sein, das zu respektieren und stattdessen auf das Jetzt konzentriert zu bleiben, möglichst viele schöne gemeinsame Momente zu erleben, nach Entspannung in all der Anspannung zu suchen.

Möglichkeiten, Dir selbst die Trauerarbeit zu erleichtern, wären eventuell auch Gesprächskreise von Angehörigen Krebskranker, oder eine Therapie, in der Du Raum hast, Dich mit Deinem Schmerz und Deine Trauer aktiv auseinander zu setzen. Einen geliebten Menschen zu verlieren IST eine schwere Krise, die mit enormem Stress verbunden ist - dafür kannst, darfst und solltest Du Dir Unterstützung holen.

Viel Mut und Kraft wünscht Euch
Seawasp

Inaktiver User
25.10.2006, 08:41
@ Bobbys,

ich danke Dir für Deine Worte. Du hast Recht - die Erwartungen sind hoch, nicht nur die der anderen, sondern auch jene, die wir selbst internalisiert haben und ganz selbstverständlich an uns haben. Geäusserte oder auch nonverbal oder über Dritte transportierte Missbilligung, direkt geäusserte Erwartungen - all das trifft auf ein fruchtbares Feld, weil "man" doch vergeben und vergessen haben muss. Haben wir nicht einen neuen Anfang gemacht? Hat Mutter nicht genickt - ja, ich habe viel falsch gemacht, hat Vater nicht in einem seltenen und kostbaren Moment eingeräumt, dass er heute vieles anders machen würde? Ja. Aber was hat sich dadurch verändert? Nicht das, was passiert ist, soviel ist sicher. Alles andere ist wie Blinde Kuh spielen - hoffnungsvolles Tasten, aber immer wieder die Erfahrung von Leere.

Vergeben - ja. Erkennen, dass die Eltern selbst in Schwierigkeiten waren und aus diesem Hintergrund, aus eigenem Schmerz heraus gehandelt haben - ja. Vergessen - nein. Es ist nicht so, dass sich über Aufarbeitung spurlos alles aufräumen liesse wie ein Schrank, in dem Pullover und Blusen, Shirts und Socken durcheinander geraten sind. Auch wenn ich verstehe, warum Dinge passiert sind, sind sie dennoch geschehen.

Colonna, Du schreibst, Liebe müsse erworben werden. Ein herausfordernder Gedanke, der mit sich bringt, dass sowohl Kinder die Liebe ihrer Eltern, Eltern die Liebe ihrer Kinder erwerben müssen.

Das wirft Fragen auf.

Was habe ich falsch gemacht als Kind, warum bin ich darin gescheitert, die Liebe meiner Eltern zu erwerben? War ich für sie nicht liebenswert?

Ich habe als Kind meine Eltern geliebt, und das trotz der Dinge, die geschehen sind. Wie passt das zusammen?

Wenn Eltern entdecken, dass sie ihre Kinder nicht lieben - wie sollten sie dann mit dieser Entdeckung umgehen? Verpflichtung zur Liebe - nein, die kann es nicht geben, das sehe ich ähnlich. Was aber wäre dann zu tun, wenn ein Kind die Liebe seiner Eltern nicht erwerben kann, gleichzeitig aber ohne Hilfe die lieblose Situation auch nicht verlassen kann? Wie kann der Faden der Lieblosigkeit dann unterbrochen werden? Darauf kaue ich gerade herum.

Nachdenkliche Grüssle
Seawasp

Monkele
25.10.2006, 09:17
Liebe Marianne,

schön, dass du hierher gefunden hast und von dir und deinem Mann schreibst!

Ich verstehe deine Freunde auch ein bißchen. Die Erkrankung geht schon über mehrere Jahre. Leider tritt auch hier ein gewisser "Gewöhnungseffekt" ein und das Leben der Freunde geht weiter.
Nun hat sich eure Situation grundlegend geändert, darüber solltest du mit deinen Freunden sprechen! Vermutlich mag nicht jeder davon ein offenes Ohr haben, aber ich bin mir sicher, es wird unter deinen Freunden jemand dabei sein! Mit dem Thema Tod und sterben konfrontiert zu werden ist nicht einfach und es bedeutet Klarheit und Arbeit sich damit auseinander zu setzen.

Hier gabe es mal einen User "Tim". Er hatte einen Gehirntumor. Als er in der Bri "auftauchte" hatte er noch ca. 5 Wochen zu leben. Viele Menschen hier durften von ihm lernen. Seine Art mit dem bevorstehenden Tod umzugehen war offen. Damals war ich ziemlich verzweifelt, denn kurz zuvor bekam ein Bekannter ebenfalls die Diagnose Gehirntumor und er machte dicht. Wollte mit niemandem darüber sprechen. Das war für mich völlig unverständlich, aber Tim versuchte es mir zu erklären. Heute steht dieser Mann fast an der gleichen Stelle wie Tim damals- seine Tage sind gezählt. Ihm ist klar, dass er stirbt, aber darüber reden fällt ihm heute noch schwer. Dennoch tut auch er es.
Lass deinem Mann Zeit! Er wird zu dir kommen und ihr werdet darüber sprechen (lernen).

Noch eine kurze Begebenheit vom Sonntag: Als wir (mein Mann, meine beiden Kinder 19 und fast 17 Jahre alt) auf der Heimfahrt vom Bodensee waren (wir haben den Geburtstag meines Schwiegervaters gefeiert), sagt mein Sohn ganz unvermittelt, dass er aber nicht wolle, dass man an seinem Geburtstag über den Tod und das Sterben spricht. Ich versuchte ihm zu erklären, dass auch dies an dem Abend wichtig war und das Thema durch einen kürzlichen Todesfall in der Familie zur Sprache kam.

Liebe Marianne, ich würde mich freuen dich wieder hier zu lesen, auch wenn es keine guten Nachrichten sind!

Ganz herzliche Grüße
Monkele

Eva39
25.10.2006, 13:16
@ Bobbys,

Colonna, Du schreibst, Liebe müsse erworben werden. Ein herausfordernder Gedanke, der mit sich bringt, dass sowohl Kinder die Liebe ihrer Eltern, Eltern die Liebe ihrer Kinder erwerben müssen.

Das wirft Fragen auf.

Was habe ich falsch gemacht als Kind, warum bin ich darin gescheitert, die Liebe meiner Eltern zu erwerben? War ich für sie nicht liebenswert?

Ich habe als Kind meine Eltern geliebt, und das trotz der Dinge, die geschehen sind. Wie passt das zusammen?

Wenn Eltern entdecken, dass sie ihre Kinder nicht lieben - wie sollten sie dann mit dieser Entdeckung umgehen? Verpflichtung zur Liebe - nein, die kann es nicht geben, das sehe ich ähnlich. Was aber wäre dann zu tun, wenn ein Kind die Liebe seiner Eltern nicht erwerben kann, gleichzeitig aber ohne Hilfe die lieblose Situation auch nicht verlassen kann? Wie kann der Faden der Lieblosigkeit dann unterbrochen werden? Darauf kaue ich gerade herum.

Nachdenkliche Grüssle
Seawasp


Ich bin anderer Meinung, was die Liebe betrifft. Lieben kann man lernen, zur Liebe kann man sich entscheiden. Liebe ist eine Entscheidung.

Sehr wichtig ist, dass ich meine Liebe zeigen muss in meinen Handlungen, in meiner Wortwahl etc. Das bringt das Beste im anderen und in mir zum Vorschein. Zu lieben macht glücklich und zufrieden.

Liebe, was Du tust, was Dich umgibt, Dich selbst.

Und was ganz wichtig ist: Wahre Liebe ist frei von Erwartungen, Forderungen und Vorstellungen. Sie ist immer bedingungslos. Aber es ist ein Geschenk, wenn ich jemanden lieben darf, und es ist ein Geschenk, wenn er mich liebt.

Alles Liebe!

Eva

Eva2
25.10.2006, 23:13
weiss jetzt gar nicht ob ich die postings störe...
hatte das hier schon heute morgen gelesen...
für MICH ist liebe
agape
guckt mal hier, wer will
http://de.wikipedia.org/wiki/Agape

für mich, nichts fordern, nichts einfordern, nichts verlangen, nur LIEBEN
nichts leichtes, was einem zu fliegt, das agape ist einfach da!
das andere ist: *weiss ich nicht*

Eva39
26.10.2006, 09:52
weiss jetzt gar nicht ob ich die postings störe...
hatte das hier schon heute morgen gelesen...
für MICH ist liebe
agape
guckt mal hier, wer will
http://de.wikipedia.org/wiki/Agape

für mich, nichts fordern, nichts einfordern, nichts verlangen, nur LIEBEN
nichts leichtes, was einem zu fliegt, das agape ist einfach da!
das andere ist: *weiss ich nicht*

Du meinst im Wesentlichen die Nächstenliebe ...

Ich denke, man kann auch seine Umgebung, die Natur, das, was man tut, lieben etc. Das macht einem das Leben leichter.

Eisbaer71
26.10.2006, 19:33
Liebe Seawasp,

Deine Gedanken zur Liebe haben mich tief beschäftigt.
Für mich ist Liebe ein Geschenk, zu hüten wie eine kostbare Pflanze. In gutem Klima kann sie wachsen und gedeihen, unter schwierigen Bedingungen kann sie erstarken oder aber auch verkümmern.
Für mich lässt sich das auch übertragen auf die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die sicher in den allermeisten Fällen eine der stärksten Lieben ist, aber eben auch nicht immer. Umso schlimmer für das Kind, welches sich dieser Situation zunächst nicht entziehen kann. Ich finde es unter diesen Umständen völlig in Ordnung, dass man vergeben, aber nicht vergessen kann, es zeugt von einer sehr großen Stärke.

Ich erinnere mich, dass in der Zeit, als ich sie am meisten brauchte, meine Eltern nicht für mich da waren. Dennoch habe ich wieder den Kontakt zu ihnen gesucht, als das Ende meines Freundes nahte, und um ihre Hilfe gebeten. Vergeben fiel mir sowohl bei ihnen, als auch bei den bereits weiter oben beschriebenen Personen nicht schwer, trotzdem werde ich nie vergessen.

Du kannst so sicher und trotz allem warmherzig die Situation beschreiben, ich bin mir sicher, dass Dich Deine Erfahrungen gestärkt haben und Du sehr stolz auf Dich und Dein Leben sein kannst.

Alles Liebe für Dich

Eisbär

PS: Lasst mich Euch noch kurz eine kleine Begegnung erzählen: Gestern ist der älteste Sohn meines verstorbenen Freundes volljährig geworden. Ich habe vorbeigeschaut (sie wohnen ein ganzes Stück weit weg von mir) und war völlig geplättet von der Freude, die mir entgegenschlug, weil sie mich seit langer Zeit einmal wieder gesehen haben. Wir haben Erinnerungen ausgetauscht und ein längst überfälliges Treffen vereinbart. Schon seit langem hatte mich der Wunsch danach geplagt, ich hatte große Scheu vor diesem Zusammentreffen. Danach, ich habe im Sternenschein auf dem Friedhof eine Kerze entzündet, und mir war, als lächelt das Porzellanbild zu mir herunter.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so leicht gefühlt.

Laurinchen
27.10.2006, 22:29
Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Antworten, es hat mir sehr viel gegeben. Das Ergebnis vom CT ist schlecht ausgefallen, aber das habe ich auch erwartet, mein Mann hat jetzt aber ein anderes Schmerzmittel und ich habe ihn davon überzeugen können es auch zunehmen, wenn er nur nicht so leiden muss, das bisschen Leben sollte doch wenigstens noch menschenwürdig sein. ich bin so froh mich dazu durchgerungen zu haben hier zu schreiben, die Tränen kullern zwar, aber es erleichtert mich sehr. Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende, bis bald Mariannne

Monkele
27.10.2006, 22:44
Liebe Marianne,

ich drück dich mal feste!
Wie hat dein Mann das Ergebnis aufgenommen? Kämpft er oder hat er resigniert? Habt ihr darüber gesprochen wie es jetzt weiter geht?

Ich wünsch dir von ganzem Herzen Kraft für die kommende Zeit! Ruf (oder besser schreib), wenn wir dir helfen können.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende euch, soweit dies möglich ist

Monkele

Laurinchen
28.10.2006, 18:34
Liebe Monkele, mein Mann hofft jetzt an einer Studie teilzunehmen, es ist ihm nicht klar was das bedeutet, ich halte mich mit Äußerungen zurück, in 14 Tagen hat er einen Besprechungstermin in der Haematologie, bis jetzt will er alleine hingehen, ich kann nur anbieten Ihn zu begleiten, mal sehen wie er sich entscheidet. Egal wie er sich entscheidet, ich werde es akzeptieren.

Liebe Grüße Marianne

Blackhex
28.10.2006, 20:30
.

PeggySue
30.10.2006, 15:24
Kürzlich stieß ich auf diesen Strang und habe ihn einfach mal so in meine Favoritenliste mit aufgenommen. Bevor ich dazu kam ihn durchzulesen nehme ich ihn jetzt selbst in Anspruch. Letzte Woche erst war ich in einem anderen Strang noch voll der Freude, weil meine Lieblingsnachbarin und gute Freundin eine gute Nachricht bekommen hatte.
Sie hat ein Melanom (laienhaft ausgedrückt: schwarzer Hautkrebs)an der Aderhaut des Auges, wurde bestrahlt, bekam als Nebenwirkung noch eine Thrombose im Auge und war letzte Woche zur routinemäßigen NachUntersuchung in der Klinik. Nach einem kurzen Schrecken erfuhr sie dann zwei Tage später, dass das auffällige Gewebe im Auge abgestorbenes Geweb war und kein neu gewachsenes. Die Bestrahlung hatte also Erfolg. Heute jedoch kam die Hiobsbotschaft, nachdem das CT ausgewertet war, dass das Melanom vermutlich schon metastasiert hat, und zwar an der Leber. Sie kam heute Morgen zu mir um es mir zu berichten und wir haben erst mal geheult. Mir ist nur noch zum Heulen. Diese Woche bekommt sie noch weitere Untersuchungen, aber die Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wendet ist gering, eigentlich gleich null.

Inaktiver User
30.10.2006, 15:33
Ich seit einigen Minuten sehr, sehr traurig.
Jetzt ist die das letzte Fünkchen Liebe, das ich für meine Mutter noch im Herzen trug, erloschen.

Sie hat eine Grenze überschritten, die eine Mutter nicht überschreiten sollte.
Und sie hat es zum wiederholten Male getan.

Und nun kann und will ich nicht mehr.
Aus.
AUS!


Lavendelmond, ziemlich fassungslos

Giselle
30.10.2006, 17:34
Liebe Lavendelmond,

darf ich Dich mal in den Arm nehmen? Es klingt sehr traurig, was Du schreibst. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist, aber Du hast hier ja schon öfters mal von Deiner Mutter geschrieben. Ich finde irgendwie nicht die richtigen Worte, aber ich denke gerade viel an Dich!

Liebe Grüße
Giselle

Jaelle
30.10.2006, 20:19
:blumengabe: Lavendelmond

was kann denn passiert sein, daß du heute weinen musstest?
Ich habe schon gelesen, das Verhältnis zu deiner Mutter belastet dich sehr. Es tut mir so leid, unbekannterweise, das es dir schlecht geht. Wahrsscheinlich fühlt sich alles noch viel stärker an, wenn man, wie du, so sensitiv ist.

Der Satz "nun kann und will ich nicht mehr", der bezieht sich hoffentlich auf das Verhältnis zu deiner Mutter, oder?

Liebste Grüße
M.

Inaktiver User
30.10.2006, 21:35
:blumengabe: Lavendelmond

was kann denn passiert sein, daß du heute weinen musstest?
Ich habe schon gelesen, das Verhältnis zu deiner Mutter belastet dich sehr. Es tut mir so leid, unbekannterweise, das es dir schlecht geht. Wahrsscheinlich fühlt sich alles noch viel stärker an, wenn man, wie du, so sensitiv ist.

Der Satz "nun kann und will ich nicht mehr", der bezieht sich hoffentlich auf das Verhältnis zu deiner Mutter, oder?

Liebste Grüße
M.


Giselle und Jaelle,
vielen Dank für euer Mitgefühl.

Ja, der Satz "ich kann und will nicht mehr" bezieht sich auf die Mutter und nur darauf.
Ich will mich einfach nicht mehr zurückweisen lassen. Das war jetzt echt einmal zu viel.
Sie nimmt ihre Tabletten falsch, lügt mich an und läßt sich ums Verrecken nicht helfen, nicht mal saubermachen läßt sie mich, aber jammert ohne Ende über ihre Beschwerden, sie kann auch kaum noch laufen. Meine Hausärztin, zu der ich sie mitgenommen hatte, paßt ihr nicht ("Hat keinen Charakter"), meinem medizinischen Wissen (bin/war Arzthelferin und auch pflegeerfahren) traut sie nicht. Usw. Sie nimmt einfach nichts an, ist arrogant aber schon leicht debil. Ohne mich hätte sie ihre geschäftlichen Angelegenheiten gar nicht regeln können, sie rafft das nicht mehr. Auch Arztbesuche machen ohne mich keinen Sinn, weil sie nur Mist erzählt aufgrund ihrer Demenz und auch ihres Charakters.
Ich hatte gedacht, mit ihr hier noch ein paar schöne Jahre zu haben, als sie im Sommer hierher zog (in der alten Wohnung konnte sie wegen der Treppe nicht mehr bleiben), ich habe ihr eine komplette Wohnung renoviert und grundsaniert, geputzt und getan und gemacht mit viel Liebe und Zärtlichkeit, aber nun macht sie mir und sich alles kaputt, ich wollte ihr doch helfen ihre Lebensqualität zu verbessern. Aber alles was ich aus Liebe tue, weist sie zurück. Ich bin da jetzt sehr empfindlich geworden, vor allem, weil sie sich nicht mal am Grab meines Kindes hat umarmen lassen, ich wollte sie trösten, aber sie drehte mir den Rücken zu und damals beim Vater genauso!
Warum weist sie mich, die ich doch angeblich ihre "Lieblingstochter" bin immer wieder zurück und tritt meine Liebe mit Füßen?

Nein, ich kann und will das nicht mehr !
Ich werde ihr nichts mehr anbieten, wenn sie wirklich (!) Hilfe will, soll sie mich fragen. Und sie soll aufhören über ihre Schmerzen und Krankheiten und das Alter zu klagen und mich als Seelenmülleimer zu mißbrauchen.

Es GÄBE sehr wohl gute Möglichkeiten, ihr Befinden zu verbessern, wenn sie nur ihr Verhalten ändern würde.

Schlimm ist auch für mich, dass ich herausgefunden habe, dass sie mich bewußt belügt !
Das ist nicht nur beginnende Demenz, das ist auch Charakter. Wenn sie so weitermacht, wird sie mal genauso boshaft wie ihre Schwester und Mutter.

Langsam bereue ich, dass ich ihr den Umzug hierher in meine Nähe ermöglicht habe, aber ich bin die Tochter mit der meisten Zeit und dem größten med. Wissen (was sie braucht).

Eigentlich wäre ein Aufenthalt in der psychiatrischen Geriatrie angebracht.
Würde ich ihr das anraten, spräche sie nie wieder ein Wort mit mir.

Diese Frau zu lieben ist wie Perlen vor die Säue werfen, echt...
traurig, aber wahr


Danke fürs Zuhören,
vielleicht lösche ich das hier auch bald wieder :wie?:

Madame_butterfly
30.10.2006, 22:46
:blumengabe: Liebe Lavendelmond,

in Deinen Zeilen spüre ich die tiefe, tiefe Verletzung. Das tut mir unendlich leid für Dich.

Heh, meine Kleine, Kopf hoch. Manchmal braucht es viele Tage im Leben, um die Wunden, die Eltern zufügen, zu vergeben … doch „ein einz’ger Augenblick kann alles umgestalten“ - und diesen Augenblick mit Deiner Mami wünsche ich Dir und ihr mit meinem ganzen Herzen und streichle Dein Köpfchen,

:wangenkuss: Deine Petra

Inaktiver User
31.10.2006, 06:09
Liebe Lavendel,

lass dich in den Arm nehmen.

Du musst unbedingt lernen, loszulassen. Deine Mutter sucht ein Ventil, um ihre schlechten Gefühle abwerfen zu können. Sie spürt, dass sie dir weh tut, zum einen gefällt ihr diese macht, die sie über dich hat. Ob sie ihre bösen Worte auch bereut, kann ich nicht beurteilen.

Ich weiß nur, dass es sehr weh tut, so behandelt zu werden. Diesen Prozess, den du gerade durchläufst, habe ich hinter mir.

Bitte denke in erster Linie an dich! Gehe nicht zu ihr und warte darauf, dass sie dich ruft! Und dann nimm dir die Freiheit, nicht hinzugehen, wenn du es nicht willst.

Es gibt Menschen, die sind einfach boshaft, sie merken es meist nicht einmal.

Meine Stiefmutter ist auch von diesem Kaliber. Sie hat mich mit ihrem Hass regelrecht verfolgt. Jetzt leidet sie unter Alzheimer, erinnert sich nur noich daran, eine Tochter zu haben, die verpflichtet ist, ihr den Hintern zu schmieren. Ich werde den Teufel tun und sie pflegen. Nicht nach dem, was sie mir alles angetan hat.

Frenchie
31.10.2006, 12:45
Liebe Lavendel

Du hast es vermutlich schon tausendmal gehört, aber trotzdem, es macht immer nur Sinn, etwas für sich selbst zu machen. Geh nicht zu Deiner Mutter wenn Du nicht willst, helfe nicht wenn Du nicht willst...

Was immer Du für ein Verhältnis zu Deiner Mutter pflegst, tue es für Dich. Du musst in Zukunft damit leben....Weisst Du wie ich meine?

Nur wenn Du nicht darauf hoffst, dass Dein Verhalten *belohnt* wird, besteht überhaupt eine Chance *belohnt* zu werden - das aber nicht mal unbedingt von Deiner Mutter!

Wenn Du zu Deiner Mutter gehst, mit der Einstellung: Eigentlich will ich nicht hingehen, sie geht mir auf die Nerven: Aber ich gehe trotzdem hin damit ich nachher mit einem guten Gewissen auf dem Sofa faulenzen kann, dann - so zumindest meine Erfahrung - können Dir ihre *Hiebe* nichts ausmachen oder viel weniger und Du läufst nach einer Stunde raus und denkst: Yessss, ich habe getan was ICH WOLLTE und jetzt gemütlich Sofa....

Ich glaube wirklich daran, dass man sich und anderen keinen Gefallen tut, wenn man etwas *nur* für den Anderen tut...
Eigentlich ist es ja auch verlogen...

Und ich glaube auch, die Menschen spüren das....
Niemand von uns ist Mutter Theresa und kann immer hilfsbereit sein. Das erwarten wir höchstens nur von uns selbst....

Ich habe solche Situationen am besten gemeistert wenn ich hingegangen bin mit der Einstellung: Ich mach das jetzt NUR UND AUSSCHLIESSLICH dafür, dass es MIR nachher besser geht oder weil ich es will...Du ahnst gar nicht, was man da dann alles durchstehen kann und wie vieles wie Teflon an einem runterläuft!

Das mögen zwar viele als *unmoralisch* oder *unsozial* empfinden, ich bin inzwischen aber so weit, dass ich Menschen suspekt finde, die helfen obwohl es ihnen total gegen den Strich geht...

Sicher es gibt Situationen, da bleibt einem nichts anderes übrig ABER man kann es trotzdem im Kopf drehen.

Die schlimmste Verletzung, die ich mir angetan habe, habe ich verursacht durch meine Gedanken: Jetzt habe ich sooooooo geholfen, jetzt war ich sooooooooo lieb und was bekomme ich *nur Undank*....

Zu helfen, nur wenn es einem danach ist und man die Kraft dazu hat ist natürlich in der Praxis eisenhart und nicht immer einfach - vor allem weil die Umwelt Leute, die immer helfen viel populärer findet, aber was hilft alle Popularität wenn man sich nachher wie ein benutzer und getretener Sack fühlt...

Du schaffst das schon!

Frenchie

Inaktiver User
31.10.2006, 15:08
Ach, Frenchie, meine Liebe.... darum geht es ja gar nicht, dass ich eine "Belohnung" erwarte oder nur gegen meinen inneren Widerstand mich um sie kümmere.

Es IST ja mein Bedürfnis, mich gut um sie zu kümmern, eben WEIL sie ganz offensichtlich dement wird und realitätsfremd. Sie SCHADET sich selber.

Und sie lässt mich nicht wirklich helfen, boykottiert alle Maßnahmen (Stichwort: Medikamente, sind notwendig, werden aber nicht oder nur unregelmäßig genommen oder mit Absicht (?) auch FALSCH -OBWOHL ich es ihr mehrmals erklärt habe, was es mit den Meds auf sich hat und was sie bewirken sollen)

Sie läßt mich nicht an sich heran, sie weist mich abermals ab und DAS ist es, was mich schmerzt.
Ihr sind ihre Eigenständigkeit und ihre körperlichen Fahigkeiten zum Arbeiten viel wichtiger als die Liebe ihrer Tochter, die kann ja ruhig mit Füßen getreten werden....

Sie macht sich aber ILLUSIONEN ! Sie ist hinfällig und hilfsbedürftig, ob es ihr nun paßt oder nicht.
Andere Eltern sind doch auch erfreut oder gar dankbar, wenn die Kinder freiwillig (!) helfen und sich kümmern und sich Gedanken machen, andere Eltern strahlen ihre Kinder an und sagen: "Es tut mir gut, dass du das für mich machst"

DAS ist es was ich gerne hören würde von ihr:
"Du tust mir gut, ich freue mich so über deine kleinen Liebesdienste"

Heute waren wir in der Stadt unterwegs,weil wir beide was einkaufen wollten. Und sie kann ja nicht mehr allein in die Stadt fahren, das ist zu gefährlich, weil sie unsicher auf den Beinen ist.
Sie ist mir mehrmals fast zusammengebrochen, aber meinst du, sie würde mal einsehen, dass sie den Rollator braucht? BRAUCHT !!!! Da beißt die Maus den Faden nicht ab. Ein Rollstuhl wäre noch sicherer.
Aber nein, Madame ist ja viel zu stolz dafür, die anderen Leute könnten ja sehen, dass sie schlecht zu Fuß ist.
Ja, ABER, so wie sie gebeugt umherstokelt und taumelt, ist das erst recht auffällig und DAS sehen die Leute, und sie glaubt ernsthaft, sie könne noch als gesunde vitale Frau durchgehen.

An der Ecke zuhause sagt sie: "Du gehst jetzt ja geradeausweiter, gib mir mal die Tasche."
Ich sage:
"Mama, ich bringe dich in deinem Zustand doch bis zur Haustür oben, du brichst doch fast zusammen. So viel Realitätssinn hast du ja hoffentlich noch, dass das jetzt sein muss!"
Keine Antwort.

Ich frage: "Siehst du nun ein, dass du den Rollator brauchst aus Sicherheitsgründen?"
"Ich weiß nicht."

Ich habe ihr klipp und klar gesagt, dass ich ab sofort nur noch mit ihr rausgehe auf die Straße, wenn der Rollator mitgenommen wird. So und nicht anders! Ich habe keine Lust, sie von der Erde mit gebrochenen Knochen aufzusammeln. Sie hat eine sehr schwere Osteoporose! Und hatte schon 2 Brüche !

Frenchie, siehst du was ich meine und woran ich verzweifle?
Sie läßt mich nicht helfen, sie will keine Fürsorge und braucht sie aber doch!
Ich will sie ja nicht unselbständig machen und betütteln von vorn bis hinten, ich will ja nur für Gesundheit und Sicherheit und Entlastung sorgen dürfen !

Ich bin doch ihre Tochter :niedergeschmettert:, warum vertraut sie nicht meinem Urteil? Bin doch vom Fach, und man müsste nicht mal fachkundig sein, da reicht schon der einfache gesunde Menschenverstand


L.

Frenchie
31.10.2006, 15:41
DAS ist es was ich gerne hören würde von ihr:
"Du tust mir gut, ich freue mich so über deine kleinen Liebesdienste"

Das ist was ich meine - das kannst Du von ihr nicht erwarten...

Tu es für Dich - aber hoffe nicht auf solche Sachen....

Ich habe es mit Ralph erlebt...

Weisst Du manchmal konnte ich/wollte ich einfach nicht mehr pendeln. Im Winter 800km nur um ihn drei-vier Stunden max. zu sehen...Ja, ich habe es manchmal nur getan, um mein Gewissen zu beruhigen, damit ich wieder ruhiger *Zuhause* bleiben konnte...

Aber so hat es mir nicht weh getan, wenn er mich schlecht oder ruppig behandelt hat....kein Gedanke vonwegen "Jetzt bin ich wegen Dir 400km gefahren und Du bist nur genervt weil ich Dir auch noch helfen will"...

Nein, ich war ja *für mich* gefahren.

Ralph wollte auch keine Hilfe, wir haben einmal für einen Weg - für den *normale Menschen* 25 Minuten brauchen fast vier Stunden gebraucht - er wollte sich partout nicht aufstützen oder einen Stock nehmen. Erst als der 100 Kilo-Mann gestolpert und dann in einem Graben gelandet ist, erst dann hat er eingesehen, dass er sich helfen lassen muss...Als wir endlich oben ankamen haben wir beide nur noch geweint.

Er war bis zu seinen letzten Tagen so - er hat mit allem bis zur letzten Sekunde gewartet....Krücken, erst nach dem er mehrmals gefallen war, Rollstuhl, erst als er mehrmals mit den Krücken gestürzt war und Pflegebett - das war sein grösster Alptraum....als er ins Pflegebett musste, hat er von einem Tag auf den anderen aufgegeben. 5 Tage später starb er.

Was steckt da für eine Kraft dahinter, der Wille nicht klein beizugeben, was für eine mutige Verzweiflung...denn er hat sich immer wieder kleine Freiheiten zurück erobert, uns verblüfft mit Dingen, die Ärzte zum Staunen gebracht...

Ja, er war zwangsläufig *dement* mit seinem Tumor, aber er hat keinen Zentimeter Selbstständigkeit kampflos aufgegeben.

Das war für sein Umfeld viel, viel anstrengender als ein Ralph, der sich seinem Schicksal ergibt und seine Einschränkungen einfach hinnimmt...

Ralph hat im Krankenhaus manchmal seinen ganzen Schieber Tabletten (für den ganzen Tag) auf einmal geschluckt, er hat seine Infusionen verstellt und wehe man hat ihm reingequatscht...Wenn ein 2-Meter-Mann wütend wird und sich nicht unter Kontrolle hat, dann ist Schluss mit lustig...

Oft hat für mich hinter der Wut aber nichts anderes gesteckt als die masslose Verzweifelung weil er erkannt hat, dass ihn sein Geist, seine Vernunft, sein Verstand im Stich lässt...

Und klar haben ihn vor allem die wütend gemacht, die das alles noch haben und ihn auch noch in die Grenzen weisen...

Du kannst nichts tun, um Deine Mutter noch zu ändern.
Du erwartest von Deiner Mutter Dinge, die sie - so wie Du sie beschreibst - vermutlich nicht mehr kann...

Dir vertrauen?? Sie kann sich doch selbst nicht mehr vertrauen, da sie alles durcheinander bringt, vergisst, verlegt - wie soll sie dann jemand anders vertrauen??

Gerade Familienangehörige bekommen da viel mehr ab.
Wie so oft im Leben!

Ich weiss aus der Erfahrung mit Ralph, der Grat zwischen jemand helfen und ihn bemuttern ist schmal...Zwischen ihn vor sich selbst schützen und ihm einen eigenen Willen absprechen.
Ich habe das auch nicht immer gut hinbekommen, ich habe auch eher dazu tendiert, Ralph Dinge aus der Hand zu nehmen.
Da habe ich immer den Hut vor seiner Frau gezogen...

In einer Zeit als er wirklich schon extreme Orientierungsschwierigkeiten hatte, bestand er darauf, dass sie alleine mit dem Auto heimfährt und er mit dem Bus heimkommt.
NIE, nie hätte ich das zu gelassen, er wusste ja manchmal micht mal mehr das Alter seiner Tochter oder schon gar nicht seine neue Adresse. Sie hat ihn nach einem kurzen Streit stehen lassen. *Gut, wenn Du meinst....*

Eine Stunde später tauchte er in der Wohnung auf. Kein Mensch weiss wie er das damals geschafft hat...
Was glaubst Du was das für Momente für ihn waren....Für ein paar wenige Sekunden hat er seinen Glauben an sich wieder gefunden...

Frenchie

Inaktiver User
31.10.2006, 17:39
:heul:

Inaktiver User
31.10.2006, 17:45
aber warum, warum ?

dieses BEHARREN auf etwas, was nunmal nicht mehr ist....


mein Junge konnte sich damit "arrangieren" und weiterhin Liebe annehmen,
ich konnte damit fertig werden

da ging es um Tod oder Leben
wir blieben dennoch eine Einheit in Liebe und Innigkeit

bei der Mutter geht es doch "nur" um Alt-Sein, Selbständigkeit vs. Hilfe zulassen


WARUM?

warum können viele Menschen nicht akzeptieren, was nicht zu ändern ist?

Inaktiver User
31.10.2006, 18:09
aber warum, warum ?

dieses BEHARREN auf etwas, was nunmal nicht mehr ist....

WARUM?

warum können viele Menschen nicht akzeptieren, was nicht zu ändern ist?



Liebe Lavendelmond ,

kannst DU es denn akzeptieren ?? *ganzvorsichtigfrag*
Kannst Du denn akzeptieren, daß Deine Mutter nicht in dem Maße Deine Hilfe annehmen kann oder will, wie Du sie geben möchtest ?

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich hänge unendlich an meiner Mutter, für mich würde eine Welt zusammenbrechen, wenn sie sterben würde ( ich hab allerdings auch keinen Vater, sie ist mir beide Eltern gleichzeitig. ).
Vielleicht ist dieses Zerwürfnis jetzt nötig, damit Du schon anfangen kannst, Abschied zu nehmen, Dir Abstand zu verschaffen, sie loszulassen.


Und noch etwas:
Tim hatte sich lange gegen Morphium gewehrt, auch als es für seine Familie schon fast unerträglich war, sein Leid und seine Schmerzen mitansehen zu müssen.
Für ihn selber waren diese Schmerzen immer noch akzeptabler, als durch das Morphium noch das letzte bißchen Zeit mit seiner Tanja und seinen Eltern zu "verdämmern".

Weißt Du denn, ob sich nicht auch Deine Mutter den für sie selber leichteren Weg aussucht, der vielleicht nur für Dich schwieriger aussieht ?
Auch SIE muß schließlich Abschied nehmen, Dich und das Leben loslassen und manchmal ist der seelische Schmerz so groß, daß man ihn nur ertragen kann, wenn er von noch größeren körperlichen Schmerzen überlagert wird...


Chapeau

Lorolli
31.10.2006, 18:11
Hallo liebe Lavendelmond,

nehme dich auch mal in den Arm und knuddel dich.

Aber ich denke trotzallem, dass es auch für Deine Mutter sehr schwer ist, plötzlich von der eigenen Tochter Hilfe annehmen zu sollen. Sie fühlt sich als Deine Mutter und möchte nicht auf Dich angewiesen sein. Du hast es doch bestimmt bei deiner Arbeit oft erlebt, wie Kranke auf ihre Angehörigen reagieren. Ärzte, Schwestern oder auch Freunde dürfen eher etwas sagen, als die Angehörigen.

Vielleicht versuchst du, die Versorgung deiner Mutter etwas zu delegieren, d.h. mit einem Pflegedienst oder ähnliches.

Ich kann deine Verletzung sehr gut verstehen, ging mir damals nicht anders, als meine Mutter krank war. War 39 Jahre als meine Mutter starb, sie hat mich in den letzten Wochen nicht beachtet oder mit mir gesprochen. Dachte erst, sie könne es nicht mehr, bis mir die Schwestern etwas anders sagten.

Heute bin ich 61 Jahre alt und wünsche dir ganz viel Kraft, die nötige Toleranz im Umgang mit deiner Mutter aufzubringen.

Liebe Grüsse
eine sehr nachdenkliche
Lorolli

Frenchie
31.10.2006, 21:20
aber warum, warum ?

dieses BEHARREN auf etwas, was nunmal nicht mehr ist....


mein Junge konnte sich damit "arrangieren" und weiterhin Liebe annehmen,
ich konnte damit fertig werden

da ging es um Tod oder Leben
wir blieben dennoch eine Einheit in Liebe und Innigkeit

bei der Mutter geht es doch "nur" um Alt-Sein, Selbständigkeit vs. Hilfe zulassen


WARUM?

warum können viele Menschen nicht akzeptieren, was nicht zu ändern ist?
Liebe Lavendel

Ich mag Dir auf Dein *Warum* eine Antwort geben!

Warum läuft es nicht so wie bei Deinem Sohn?

Zunächst nur ein Gedanken: Ich finde, man kann und darf Schicksale nicht miteinander vergleichen. Da wird man niemand gerecht und das ist nie fair.

Also warum....

...weil Deine Mutter auf ein Leben in Selbständigkeit zurückblickt und sie gerade dabei ist, das Grösste zu verlieren was ein Mensch hat - nämlich ihren freien Willen.

...weil Deine Mutter eine erwachsene Person ist und kein Kind.

...weil diese erwachsene Person Deine Mutter ist und nicht Dein Sohn.

...weil Du ihre Tochter bist und nicht ihre Mutter.

...weil *Alt-Sein* auch *sterben* heisst. Jeden Tag geht wieder etwas langsamer, wieder etwas, was man für immer "verliert"...Ich erinnere mich noch an eine Unterhaltung mit meiner Mutter (79 Jahre alt) vor ein paar Wochen, sie schenkte mir ein paar nigelnagelneue, sehr teure Turnschuhe...Ich war verwundert, fragte warum? Sie sagte mit Tränen in den Augen, dass sie nicht mehr Tischtennis spielen könne. NIE mehr....Sie hat jede Woche, 40 Jahre lang, Tischtennis gespielt...die Knie machen nicht mehr mit. Das ist ein kleiner Tod.

Es ist ein anderes Sterben - Deine Mutter hat sicher schon einige Freunde verloren. Der Verlust eines Freundes wird nicht dadurch kleiner, dass er *in einem gesegneten Alter* gestorben ist...Im Alter heisst der Verlust eines Freundes auch: Bin ich vielleicht die nächste?

Nicht zu vergessen der Verlust der geistigen Kräfte, der Erinnerung, der Wahrnehmung, etc...

Du weisst, ich habe es gerade bei meinem Vater erlebt. Mir hat manches das Herz zerrissen, was ich gesehen habe. Aber ich musste mir immer wieder sagen: Mein Vater ist genau da, wo er immer sein wollte. Er wollte bestimmte Untersuchungen seit Jahren nicht mehr machen lassen, lieber kurz und final krank, als jahrelanges Herumdoktorn...Es ist genauso gekommen.

Von daher kann ich Dich gut verstehen: Ich hätte auch gerne immer viel gemacht, das beruhigt, gibt einem das Gefühl, "was getan zu haben", geholfen zu haben, eine gute Tochter zu sein, auf die man sich verlassen kann...

Die Hilflosigkeit macht einen fertig und ich fand am schlimmsten immer wieder zu merken, wie oft ich wollte, dass Ralph so funktioniert wie ich es will, die Dinge toll findet, die ich im vorauseilendem Gehorsam organisiert habe, dass er sieht, was ich alles für ihn tue, dass ich nicht wollte, dass er versabbert rumläuft (dabei war ihm das völlig schnuppe), dass ich mich dann schliesslich fast geärgert habe, wenn er wieder allein essen wollte und alles frisch angezogene erneut versabbert hat, lieber hätte ich ihn gefüttert...
Meine Wünsche vor seine gestellt!

Das ist so schwer nichts zu tun, den Anderen so weit es geht zu lassen, da "Aktionismus" auch vom eigenen Schmerz ablenkt, in Deinem Fall vor den Schmerzen, Deine einzige Mutter langsam aber sicher für immer zu verlieren!

Schicke Dir viel Kraft, Deine Mutter weiterhin auf ihrem Weg zu begleiten.

Frenchie

PS: Den Tipp mit der Pflegekraft finde ich wirklich sehr gut...
Damit Du nur noch *Tochter* sein darfst und nicht auch noch Krankenschwester...

Inaktiver User
31.10.2006, 21:40
liebe frenchie

das hast du schön gesagt. ich habe mich nicht getraut.

meine mami und ihre schwester haben über einen langen zeitraum ihre mutter gepflegt. bei beiden hat es sehr, sehr viel substanz gekostet.

sie waren auch immer wieder so verletzt über die äußerungen ihrer mutter, wo sie doch alles ihnen mögliche taten und noch mehr.
meine omi war auch alles andere als eine 'dankbare' patientin. wenn der arzt bei manchen schmerzen meinte, dies sei eben so im alter, konnte sie sich damit noch lange nicht abfinden.

meine omi war eine sehr starke frau und eine strenge.
durch die erlebnisse im krieg, wo die letzten reserven hervorgeholt werden, damit die kleine familie überleben kann.
sie hat bestimmt auch manches nicht gesagt, was sie in ihrem innern aber gefühlt hat. -dass sie ihre kinder über alles geliebt hat-

ich habe ganz vorsichtig versucht, es meiner mami zu erklären.
sehr ähnlich, wie du hier. alt sein und zuzuschauen wie der tod immer näher kommt, wie die freunde nacheinander gehen, das ist sehr schwer. wenn man sich dann nicht sicher ist, ob es danach etwas gibt, oder ob alles für immer verloren ist......

viele ältere menschen klammern sich in dieser zeit an den glauben. doch wenn sie vorher nicht wirklich glauben konnten, bleibt eine innere angst zurück.
mein papi hatte auch so viel angst in seinen augen, als er realisiert hatte, dass sein leben zu ende geht.

liebe lavendelmond,

ich wünsche dir auch ganz viel kraft für deinen weiteren weg.
ich kenne ja weder dich, noch deine mama, aber versuche es nicht zu sehr an dein herz zu lassen.

liebe grüße

Inaktiver User
01.11.2006, 07:23
@Chapeau, Lorolli, vertraumich und Frenchie :blumengabe:


Ich danke euch sehr für eure warmherzigen, offenen und sorgfältig gewählten Worte !

Ja, was soll ich sagen :wie?:

Ich erwarte wohl wirklich zu viel von meiner Mutter.
Was das geistig-seelische Verarbeiten angeht. Verdrängen und nicht-wahr-haben-wollen war schon immer ihre "Strategie", wenn es schwierig oder schmerzlich wurde im Leben.
Gestern habe ich (wie vermutet) völlig vergebens gewartet auf eine Entschuldigung oder zumindest eine Nachfrage, warum ich denn am Tag davor weinend die Tür hinter mir geschlossen habe. Es ist außerhalb ihres Begriffsvermögens, dass es mir wehtut, wenn sie "alles" was von meiner Seite kommt, ablehnt und auch noch verhöhnt.
Ich vermute, sie hält mich für seltsam oder schwierig, ha!


Nun gut, ich lerne.
Ich lerne jetzt sie so zu lassen, wie sie gestrickt ist und ich lerne tatenlos zuzusehen, wie sie sich selber schadet.
Nur damit sie ihren freien Willen ausleben kann.
Oder das, was sie dafür hält...

Wo wird da die Grenze sein?
Sie geht ja auch lieber mitten über die Straße, anstatt noch die Ecke weiter zum nahen Zebrastreifen zu gehen (die Strecke zur Sparkasse bleibt dabei dieselbe!)
Der arme Autofahrer, der sie mal überfahren wird !

Und das mit der Angst und dem Nicht-Glauben an ein "Danach", das ist mir auch schon aufgefallen. Das unterschätze ich wohl, weil ich selber einen ganz festen unumstößlichen Glauben an ein Danach habe. Es ist nicht nur ein Glaube, sondern ein Wissen, ein erlebtes Wissen, nichts angelesenes.
Da sind nur noch wenige, eine Schwester, eine Halbschwester und ein langbefreundetes Ehepaar, übrig. Sie ist eine der letzten, die geht.

Wißt ihr, dieses "meine(Lavendelmonds) Gefühle nicht achten, nicht wahrnehmen wollen" das hat sie schon in meiner Kindheit gemacht. Um so schlimmer trifft es mich jetzt, dass es nun so massiv auftritt.

Ich bin noch nicht bereit, schon wieder über meine eigenen Kräfte hinauszugehen für einen anderen Menschen
:niedergeschmettert:
Ich bin doch noch in der Erholungsphase und habe genug mit meiner eigenen Krankheit zu tun.
Eine Pflegekraft zur Unterstüzung kann ich noch nicht anheuern, wir (ich) warten seit Wochen auf einen Besuch vom MDKN wegen dem Pflegegeldantrag, die Dame von der AOK sagte mir aber gleich, das könne lange dauern.

Tja, Akzeptanz.... Chapeau, ja ich kann es akzeptieren, dass sie sich auf ihrer letzten Wegstrecke befindet. Mein Vater ist schon so lange "tot", auf der anderen Seite des Lebens. Ich denke, es wäre für beide schön, wenn sie wieder vereint würden.

Ich kann es aber nur schwer akzeptieren, dass ich schon wieder in einer Situation bin, die meine Kräfte überfordert, die mir schadet.
Ich hatte eigentlich gedacht, ich bereite ihr hier eine schöne neue Heimstatt (ihr solltet mal die Wohnung sehen, so mit Vorher-Nachher-Bildern ! - und auch den Vergleich haben zum letzten Wohnort bei der mittleren Schwester)
und dann würde sie sich etwas erholen und noch ein wenig Freude am Leben haben. Und wir hätten zusammen noch eine schöne Zeit haben können, hätten uns vielleicht näher kommen können.
(die älteste Schwester dachte auch so!)

Aber da habe ich mir Illusionen gemacht !


Nun stehe ich da und muss mir eine "Rüstung anlegen", wo ich mich doch eigentlich öffnen wollte für eine Begegnung von Mutterseele zu Tochterseele.

Sieht so aus, als müsse das warten, bis wir beide auf der anderen Seite sind.

Ihre speziellen Bedürfnisse sind jetzt wichtiger.





nochmals: Danke für eure Gedankenanstöße


Lavendelmond

Laurinchen
02.11.2006, 18:29
Lieber Lavendelmond, Du hast dir viel vorgenommen, aber ich bin sicher Du schaffst es.
Auch wenn Deine Mutter noch kein Pflegegeld bekommt, könntest Du einen Pflegedienst beauftragen, der das herrichten und verabreichen von Medikamenten übernimmt, dazu benötigst Du vom Hausarzt eine Verordnung über häusliche Krankenpflege, diese Kosten werden dann von der Krankenkasse, nicht von der Pflegekasse übernommen, das ist jedenfalls in Rheinland-Pfalz so. Ich wünsche Dir Viel Kraft, fühle dich gedrückt. Marianne

Pemaus
02.11.2006, 21:42
Was ist Glück?
Am Dinstag hörten wir auf der Arbeit Sirenen und später einen HUbschrauber über uns hinweg fliegen. Die ersten Gerüchte kamen bis zu uns. Ja und dann war es klar. Der Lebenspartner einer Kollegin und Freundin war verunglückt. Er hatte auf einem Scheunendach gearbeitet und war eingebrochen. Er ist 4 Meter in die Tiefe gefallen auf einen Betonboden, mit dem Kopf auf einem Amboss. Es hieß es stehe nicht gut um ihn. Meine Schwester (unsere Chefin) fuhr sofort los um nach unserer Kollegin zu sehen, sie in den Arm zu nehmen und zu helfen. Ich blieb zitternd zurück und hielt die Stellung. Nach einer Stunde kam sie wieder. Er sei mit dem Hubschauber weggebracht worden, aber er lebe noch. Schädelbasisbruch. Seine arme Frau hatte alles mitangesehen, selbst den Notarzt gerufen........ war bei ihm, hat ihn gestreichelt, mit ihm geredet. Sie war im 3. Monat schwanger. Heute hatte sie eine Fehlgeburt. Ihr Partner liegt im künstlichen Koma, aber es sieht soweit ganz gut aus. Zwar ein langer Weg, aber es wird wohl wieder. Was ist Glück? Glück überlebt zu haben? Vielleicht lebenslang behindert? Wird es noch einmal ein Kind für die Zwei geben? Er ist schon fast 50, sie 35. Auch hier die Fragen nach dem Warum? Von jetzt auf gleich alles vorbei. Wenn das jemand kennt dann ja wohl wir alle hier in diesem Forum. Diese Ereignisse lassen mich immer wieder einen großen Schritt zurück gehen auf meinem Weg, stellen wieder mal alles in Frage, wie so oft.

PeggySue
08.11.2006, 11:20
@ Lavendelmond

Ich hatte bis jetzt keine Zeit den ganzen Strang durchzulesen, habe ihn nur überflogen. Ich habe mit meiner Schwiegermutter einen 26 Jahre dauernden Kampf geführt, bis sie totkrank im Bett lag und meine Hilfe brauchte. Dann endlich spürte ich Wärme und Dankbarkeit und konnte sie bis in den Tod begleiten. Jetzt ist der Schwiegervater dement, kann aber noch alleine (im Nebenhaus)wohnen doch braucht er uns mehrmals täglich, ist trotzdem stur, bockig und weiß alles besser, das Übliche eben. Seit ein paar Monaten besuche ich einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige, das hilft ungemein! Man tauscht sich aus, holt sich nützliche Tipps, lernt den Umgang mit den Kranken, wird gelassener. Schau doch mal, ob es etwas Ähnliches auch in deiner Nähe gibt! :wangenkuss:

Inaktiver User
09.11.2006, 07:21
Zumindest gibt es hier Kurse von der KK für pflegende Angehörige, ob es auch Gesprächskreise gibt, müßte ich mal erkunden.
Nötig habe ich es. Das ist alles neu für mich ( alte Menschen und ihre Verhaltensprobleme)

Gestern ist meine Mutter GESTÜRZT, weil sie einen längeren Weg OHNE mich gemacht hat. Sie liegt nun im Krankenhaus, hat sich den Unterarm gebrochen und wurde noch gestern Abend operiert.
"Natürlich" brach sie sich den rechten Arm. Sie wird jetzt also wochenlang auf mich angewiesen sein.
Das kann was werden!

Gestern im KH hat sie mich angeblafft, als ich ihr -weil ihr schwindlig war!- vom Bett in den Rollstuhl helfen wollte (wir sollten zum Anästhesiegespräch) "Faß mich nicht an"
Ich sagte ihr: "Sei bloß nicht so zickig, wenn die Schwestern dir helfen müssen!)
Ein paar Sekunden.... dann sagte sie "Entschuldigung"

Später dann, als die Schwester (fast noch ein "Kind", im Vergleich zu mir) ihr vom Rollstuhl ins Bett half, gab Muttern sich üüüberaus dankbar und freundlich.

Soll ich nun darüber lachen oder weinen ?
(rein rhetorische Frage, *bitterlächel*)


Ich bin "froh", dass sie grad im KH ist, ich will heute noch mit dem Stationsarzt sprechen, ob dort nicht konsiliarisch ein Neurologe zugezogen werden kann, wegen der Fallneigung, der Gangstörung, der Demenz etc.

Heute morgen ist mir so richtig klar geworden, dass ich sie in den nächsten Wochen zuhause mind. 3x am Tag betüdeln muss, Haare waschen, Essen machen usw. usw. usw.

Mein Buchprojekt, auf das ich mich jetzt mit neuer Begeisterung stürzen wollte, wo der Garten mich jetzt nicht mehr braucht, kann ich wohl erstmal wieder auf Eis legen !?!!



Lavendelmond

Siljastern
09.11.2006, 08:34
Lavendelmond, hol Dir Hilfe. Pflegestation oder ähnliches. Es ist eine ungeheure Entlastung wenn die Grundpflege nicht von Dir geleistet werden muss (Du wirst in den nächsten Wochen noch genug anderes leisten müssen!)

Bei uns hat (in einer ähnlichen Situation, Oma dement und Arm gebrochen) die Schwester von der Sozialstation den Familienfrieden gerettet. Es war schon schwierig mit Füttern, Unterhalten usw OHNE noch Anziehen, Duschen etc. übernehmen zu müssen. Dankbarkeit oder nur ein winziges Lob ist nicht zu erwarten, das mach es noch frustrierender.

Hier gibt es einen Besuchskreis, meist alleinstehende ältere Frauen, die eine Art "Omasitting" übernehmen, d.h. wenn man Termine hat oder einfach mal zwei Stunden für sich braucht kommt eine der Damen und setzt sich solange zum "Patienten". Das war in der Zeit der schlimmsten Demenz sehr hilfreich.

Kopf hoch, Du schaffst es!!!:blumengabe:

Amely
09.11.2006, 11:13
Liebe Lavendel,

hol Dir Hilfe. Meiner Mutter war letztes Jahr in einer ähnlichen Situation wie Du.

Inaktiver User
09.11.2006, 11:24
Ja, ich halte den Kopf hoch und werde sehen, was sich machen läßt.
Es wäre schön, wenn häusliche Krankenpflege verordnet würde und es käme jemand morgens zum Waschen und Frühstück machen. Falls die Mutter das zuläßt, kann ich ja nicht gegen ihren Willen machen. Am Ende macht sie die Tür nicht auf oder so.

Irgendeine Art der Unterstützung von außen werde ich sicherlich finden
*positivdenk*


danke euch !

Inaktiver User
09.11.2006, 13:31
Sie ist seit 1 Stunde jetzt im OP. Die Ärzte haben 4 Stunden (!) eingeplant.

Eine Glücks-Kerze zur Kraftübertragung für dich, Mama - und danach werde ich für dich da sein.

Inaktiver User
09.11.2006, 19:06
Sie ist seit 1 Stunde jetzt im OP. Die Ärzte haben 4 Stunden (!) eingeplant.

Eine Glücks-Kerze zur Kraftübertragung für dich, Mama - und danach werde ich für dich da sein.

Hallo Lavendelmond,

wie geht es dir und deiner Mutter? Ist die OP gut verlaufen?

Ich drücke euch alle Daumen, dass deiner Mutter und dir geholfen werden kann.

Nimm dir die Zeit und die Muße für dein Buch, immerhin hast du es schon so lange geplant.

Alles Liebe
Citro

Inaktiver User
10.11.2006, 08:33
Liebe Citro,
der Mutter geht es soweit gut, wir haben gestern Abend schon telefoniert. Genaues darf das KH am Telefon nicht sagen, nur persönlich, aber das höre ich dann ja heute.
Wenn ich meine Tage jetzt straff durchorganisiere, werde ich mit dem Buch wohl doch anfangen können. Die beiden Wörter "ICH WILL" werden mein Leitfaden sein müssen, genau gesagt : "Ich will FÜR MICH", sonst entgleitet mir mein eigenes Leben wieder! Davor habe ich ein wenig Angst, dass ich nicht die Kraft und den Willen aufbringe, mich selber an die erste Stelle zu setzen.


Lavendelmond

Inaktiver User
19.11.2006, 09:06
also, ich will hier nicht zur "Dauerposterin" werden *lächel*, wollte euch nur sagen, dass der Widerstand der Mutter gegen Hilfe massiv am Bröseln ist, und dass sie sogar die Pflegerin akzeptiert, auch an den Rollstuhl wird sie sich einigermaßen gewöhnen können, denke ich (der ist ja nur für weite Wege, ich will sie ja nicht hilfsbedürftiger machen als sie ist)

gestern noch war sie ganz glücklich, hat sich von mir die Haare waschen und wickeln lassen
aber heute morgen am Telefon klang sie schon wieder schwer erschöpft, hatte eine schlechte Nacht und wollte nicht sagen, warum

nachher gehe ich rüber zu ihr; mir graut jetzt schon ein wenig davor
was war wohl über Nacht?

Monkele
19.11.2006, 11:27
also, ich will hier nicht zur "Dauerposterin" werden *lächel*,

Liebe Lavendelmond,

darüber brauchst du dir nun wirklich keine Gedanken machen! :kuss:

Gestern musste ich an dich denken. Bei uns gab es einen Familienrat, denn auf die Dauer kann mein Vater nicht in dem Haus bleiben, wo sie derzeit wohnen. Er wünscht sich mehr "Pflege" von meiner Mutter, was sie aber nicht leisten kann (und manchmal auch nicht will). Ein Vorschlag von uns war einen Sozialdienst hinzu zu ziehen oder für 1-2 Tage in der Woche in eine Tageseinrichtung zu gehen. Leider ist für ihn beides im Moment noch unvorstellbar...- Die Überforderung meiner Mama ist seh- und spürbar und dennoch...- :knatsch: :heul:

Monkele

Inaktiver User
19.11.2006, 13:03
@ Lavendelmond: ich finde es Klasse, wie du mit deiner Mutter klarkommst.

Deine Worte, liebe Monkele, erinnern mich an ein altes Ehepaar in unserem Bekanntenkreis. Beide sind jenseits der 80. Er sitzt mittlerweile im Rollstuhl, hat ein altes Kriegsleiden in den Beinen. Sie hat sehr hoch Zucker, ist schon fast blind. Vor ein paar Monaten ist sie unglücklich gestürzt und musste eine neue Hüfte bekommen. Solange sie in der Klinik war, musste er in ein Pflegeheim. Sobald sie heimkam wollte er auch zurück. Für ihn gab es kein Halten, auch die Söhne und Ärzte waren machtlos.Also ist Vater wieder daheim. Mutter soll ihn pflegen. Sie kann sich selbst kaum versorgen, ist auf Hilfe der Söhne angewiesen. Dem Vater ist es egal! Er hat ein Recht darauf, dass "das Weib ihn pflegt".
Die Frau tut mir so leid, gern würde ich ihr helfen. Ihr Mann lehnt jede fremde Hilfe ab. Er will nicht sehen, dass seine Frau selbst gebrechlich ist.
Vor einigen Jahren hatten die Beiden Goldene Hochzeit. Es gab weder eine Feier noch wurde um den Segen gebeten. Er wollte das nicht. In seiner Familie gibt es nichts zu segnen und schon gar nichts zu feiern. Die Frau hat herzerweichend geweint. An ihrem Ehrentag feierte ein anderes Paar seine Goldene Hochzeit - in die Kirche war die ganze Gemeinde geladen.

Was geht in einem Menschen vor, wenn er so egoistisch ist? Liebt er eigentlich seine Familie?

aussenseiter
19.11.2006, 13:15
Noch ist es bei meinen Eltern nicht so weit, aber ich befürchte, dass es bei ihnen mal genauso sein wird. Mein Vater ist sehr altmodisch, my home is my castle, das wird regelrecht verteidigt gegen alle Fremden, auch wenn sie helfen wollten. Er hat zudem die Ansicht, dass Hilfe anzunehmen bedeutet, schwach zu sein. Dass man mit den Jahrzehnten nun mal nicht gesünder wird, will er nicht wahr haben. Die Vorstellung, von Fremden irgendwie in der Privatsphäre beobachtet zu werden, mag wohl kein Mensch. Ich selbst hoffe, dass ich ins Gras beiße, bevor ich zur Last werde, ohne es zu erkennen. Notfalls muss ich nachhelfen :knatsch:

Monkele
20.11.2006, 07:41
Jetzt muss ich aber meinen Papa auch mal noch ein bißchen in Schutz nehmen. Noch kann er es sich nicht vorstellen! Allerdings steht leider auch im Raum, dass er ganz in ein Pflegeheim kommt, da er seit langen Jahren Parkinson hat. Das Haus, in dem meine Eltern leben, ist ein sehr altes Bauernhaus und alles andere als barrierefrei! Dazu kommt noch, dass er kaum noch was sieht. :heul:
Ein schwieriges Thema für alle Beteiligten!

Monkele

Inaktiver User
20.11.2006, 08:51
Mein Vater ist an Alzheimer erkrankt und inzwischen in einem Stadium, in dem er nicht mehr zuhause gepflegt werden kann, es sei denn, meine Mutter möchte riskieren, selbst innerhalb kürzester Zeit einen Zusammenbruch zu erleben, oder aber unter Einstellung zweier Pflegekräfte, die sich schichtweise abwechseln, so dass eine rund-um-die-Uhr Betreuung gewährleistet ist.

Mein Vater kann viele, viele Dinge nicht mehr, ein Gespräch mit ihm, das IRGENDEINEN tieferen Sinn oder Zusammenhang erkennen liesse, ist nicht mehr möglich - dennoch war es eine schwierige Aktion, ihn Anfang September in ein Pflegeheim einzuweisen. Er hat sich mit Händen und Füssen gesträubt, es ist uns nur mit Mühe gelungen, ihn dort unterzubringen.

Ich denke nicht, dass es Nickeligkeit oder böser Wille ist - es ist Angst, pure, nackte Angst, die ältere Menschen vor einem solchen Schritt zurückschrecken lässt.

Angst, nun nicht länger autonom, dafür aber ausgeliefert zu sein. Angst, die Kontrolle zu verlieren. Angst vor dem Verfall, vor dem Tod, dem man möglicherweise die Tür einen Spalt öffnet, indem man ein vertrautes Zuhause und ein Stück Autonomie opfert, egal wie illusionär letztere auch gewesen sein mag. Seine vertraute Burg, den Ort, den man Zuhause nennt, verlässt niemand gern, er ist ein Schutzraum, eine Trutzburg. Wie wichtig ein Zuhause ist, und wie tiefgreifend es wirkt, wenn es in diesem Bereich zu Störungen kommt, wissen Menschen, die einmal einen Einbruch erlebt haben. Gefühle von tiefer Hilflosigkeit, Angst, Entwurzelung können die Folge sein.

Wer einmal schwer krank war, der weiss, wie weh es tut einsehen zu müssen, dass man dies oder jenes nicht mehr kann, und sei es auch nur temporär. Nach einer Operation Stück für Stück wieder Bewegungsräume zu erobern, Kompetenzen zurück zu erlangen ist wie neu geboren werden - ein Glück, das einen für den Moment wertschätzen lässt, wie unglaublich wertvoll es ist, selbst aufstehen, sich duschen, anziehen, etwas essen und trinken zu können, einen Spaziergang zu machen, einkaufen zu gehen.

Alt werden, das Zuhause aufgeben, in einem Heim leben, gepflegt werden - all das ist mit einer Umkehr dieser Situation vergleichbar. Die Räume werden enger, kleiner, und jedes Stückchen Selbständigkeit muss ängstlich verteidigt werden.

Für uns Angehörige schwierig, aber aus Sicht derjenigen, die da kämpfen, nachvollziehbar, wie ich finde.

Grüssle
Seawasp

Vemi
20.11.2006, 11:03
Ich bin heute zutiefst erschüttert,weil ich das Gefühl habe mit neimandem als meinem kleinen 2jährigen Quirl über Mama reden zu können.
Ihm erzähle ich von dieser wunderbaren Mutter und Oma,die ihn einmal hielt und für die dieser Moment die Welt bedeutete-muß sie doch schon geahnt haben,dass es bei diesem Glücksmoment bleiben wird.
Ja,ihm erzähle ich viel,ich zeige ihm Bilder und weine ungehemmt,wohingegen ich beim Rest der Familie gefühlsmässig eher innerlich zu Stein werde.Es will auch niemand Bilder sehen,Geschichten hören,so mein Eindruck.
Und eben,eben schickte er einen Handkuß zum Balkon und sagte "Oma Hella-dich"-bedeutet "für dich".
Ich bin gerührt und traurig zugleich.NIE wird sie diesen süßen Trotzkopf erleben,nie wird sie Tränen der Rührung in den Augen haben..

Sie fehlt mir soo sehr,jeden Tag mehr...

Monkele
27.11.2006, 00:29
Heute habe ich meine Schwiegereltern getroffen und mein Schwiegervater hat berichtet, dass er Morgen zur Magenspiegelung muss, weil er wahrscheinlich wieder ein offenes Magengeschwür in seinem verbliebenen Drittel Magen hat...- :heul: :heul: :heul:

Traurige Grüße

Monkey

Inaktiver User
27.11.2006, 00:59
-----Sie fehlt mir soo sehr,jeden Tag mehr...

:wangenkuss:

Inaktiver User
29.11.2006, 17:23
Ich habe die Lichterketten hochgeräumt und die erste versuchsweise in die Steckdose gesteckt. Mir ist so schwer ums Herz, mein Schatz. Ich vermisse Dich so, daß es mich fast zerreißt.
Psssst, mein Herz, still...

Inaktiver User
29.11.2006, 19:10
Inzwischen hat sich meine Mutter an den Rollstuhl gewöhnt und ist sogar froh darüber, dass sie dieses Hilfsmittel hat.
Die Pflegerin lehnt sie immer mehr ab, aber da kann man ja auch mal wechseln, wenn´s gar nimmer geht.

Nächste Woche besichtigen wir eine TAGESPFLEGE !
Dass sie sich darauf einläßt, ist ein großer Fortschritt.
Ob sich das dann auch finanzieren läßt, ist eine andere Frage.
Die Pflegestufe wird erst in 8-10 Wochen festgelegt, oje.

Freitag ist der Termin beim Neurologen. Endlich !

Und nächste Woche ist ihr 75. Geburtstag. Wieviele sie noch erleben mag? Wenn ich sie so sehe, habe ich meine Zweifel, dass es noch viele sein werden.

Alles hat seine Zeit.
Das Kommen in diese Welt und das Gehen in die nächste.

Pummel
30.11.2006, 21:32
Hallo Lavendelmond, freut mich, dass deine Mutter nun ein bisschen einsichtiger u. entgegenkommender wird. Stell mir das auch sehr anstrengend vor, wenn man nie 'ne richtige Rückmeldung bekommt, ob die Hilfe erwünscht ist od. nicht.

Meine Mum ist manchmal auch ganz schön zickig u. tut genau das Gegenteil von dem was man möchte.
Bin froh, dass ich auf diesen Strang zurückgreifen kann, denn das hilft doch einiges besser zu verstehen.

Wünsche dir u. deiner Mutter eine schöne Feier.

Liebe Grüße - Pummel

Amely
01.12.2006, 12:01
Liebe Lavendelmond,

wünsche Dir und Deiner Mutter und Deiner Famile eine nicht so stressige Zeit in den nächsten Wochen.

Inaktiver User
01.12.2006, 17:13
Liebe Lavendelmond,

wünsche Dir und Deiner Mutter und Deiner Famile eine nicht so stressige Zeit in den nächsten Wochen.

Ich danke euch sehr für die guten Wünsche, aber aus dem "Nicht-Stress" wird nichts.
Wir waren heute beim Neurologen. Er ist sehr besorgt, es wird was ernstes sein, meint er. Jetzt beginnt erstmal eine Diagnostikserie einschließlich Kernspin vom Gehirn, ich soll mir den schnellstmöglichen Termin geben lassen
Nächste Woche bin ich von Mo-Do täglich zu irgendwas unterwegs und bin jetzt schon ziemlich fertig.
:wie?:

Pummel
01.12.2006, 22:46
Ach du Arme, z.Zt. hast du's ja wirklich nicht leicht.
Wenn man danach weiß was sie hat u. wie man helfen kann dann geht's ja.
Schick euch mal ein Quäntchen Hoffnung rüber.:kerze:

Alles Liebe - Pummel

Vemi
04.12.2006, 13:02
Liebe Lavendelmond,
ich wünsche dir weiterhin viel Kraft in der schweren Zeit.
Deiner Mama wünsche ich noch viele Geburtstage.

*drück*

Monkele
10.12.2006, 17:48
Und wieder bin ich hier...

Ich mache mir Gedanken um meine Tochter. Letzte Woche ging es ihr extrem schlecht (psychisch und physisch). Eigentlich war sie soweit, dass sie wieder bei uns einziehen wollte, von ihrem Freund weg, mit dem sie seit Anfang Juli zusammenlebt. Gestern Abend hat sie einen Rückzieher gemacht...-

Sie fühlt sich für ihn verantwortlich und gibt dabei so viel von sich selber auf. Ich frage mich oft, wo meine fröhliche, lebenslustige Tochter geblieben ist! :heul: :niedergeschmettert:

Jetzt bin ich sehr hin und hergerissen. Einerseits war es für mich schwierig mir vorzustellen sie wieder hier zu haben, andererseits denke ich, dass Trennung der richtige Weg gewesen wäre. Ich habe Angst, dass sie den Absprung nicht schafft, wenn sie erkennt, es geht nicht mehr!

Monkele

Inaktiver User
10.12.2006, 18:05
@Lavendelmond, Monkele all ihr hier...
so traurig sind eure Gedanken, so tief....

Jetzt mag ich gar nicht mehr über meine erst so
traurigen Gedanken schreiben, wenn ich das von euch allen
lese.
Bei mir ist es der Tod eines total lieben Menschens. Vor 3 Tagen.
Wieder hat mein Mann von hinten die Zeitung aufgeschlagen
in der Früh und wieder sind dort die Todesanzeigen eben die
letzten Seiten. Wieder bekam ich so mit, wurde mir so mitgeteilt,
dass eine ganz liebe Frau, die mir vor vielen Jahren ein bisschen
das schenkte, dass ich von meiner Mutter nie erfuhr, gestorben ist. :heul:

Es gab in meinem Leben fremde Menschen die eine Weile den
Lebensweg mit mir teilten und mir mehr gaben in dieser kurzen
Zeit, als meine Mutter. Durch diese Menschen erfuhr ich wie
wichtig und wie wahnsinnig wertvoll "Zeitabschnitte" sein
können, von denen man oft schon voher weiss, das es nur
eben ein Abschnitt im Leben ist. Aber man durfte teilhaben.
Trotzdem hat es mich sehr traurig gemacht das "SIE" weg ist.
Auch wenn sie jetzt bei ihrem lieben Ehemann ist, dort wo sie
ist.

Liebe Grüsse :blumengabe:

Monkele
11.12.2006, 23:53
:heul: Darüber, dass ich die vor allem am Abend stark auftretende Parkinsondemenz bei meinem Vater völlig falsch eingeschätzt habe! :heul: :heul: :heul: Und jetzt ist meine Tochter, der es eh schon selber nicht gut geht, dort und bekommt das alles mit voller Wucht ab!
Mal sehen, wie das weiter geht, aber ich muss auf jeden Fall mit meiner Mutter sprechen. Diese Verantwortung darf sie meiner 19 jährigen Maus nicht aufbürden! Sie war heute Abend völlig verzweifelt und aus der Ferne war es so schwer ihr zu helfen...

Ich hoffe nur, dass meine Mutter jetzt wieder da ist, meine Tochter eine ruhige Nacht hat und das heute Erlebte irgendwie verarbeiten kann!

Damit ist das Pflegeheim für meinen Vater in deutliche Nähe gerückt, denn auch meine Mutter ist oft total überfordert. Was mich bei alledem aber wundert ist, dass der Neurologe nicht mehr darauf eingeht! Wahrscheinlich weiß er gar nicht, was da so abgeht!

Traurige Grüße

Monkele

@Strelia- Es gibt hier keine "passenden und unpassenden" Gedanken und geschriebene Sätze! Dieser Strang trägt nicht umsonst diesen Titel und ich habe ganz am Anfang auch etwas dazu geschrieben. Lass dich also nicht aufhalten! Du bist traurig über den Tod eines Menschen und somit hier völlig richtig! :blumengabe:

Inaktiver User
12.12.2006, 08:57
Jetzt bin ich sehr hin und hergerissen. Einerseits war es für mich schwierig mir vorzustellen sie wieder hier zu haben, andererseits denke ich, dass Trennung der richtige Weg gewesen wäre. Ich habe Angst, dass sie den Absprung nicht schafft, wenn sie erkennt, es geht nicht mehr!

Liebe Monkele -

Deine Tochter ist erwachsen, sie ist in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen, und sie muss diese Entscheidungen dann mit Leben füllen, das kannst Du ihr als ihre Mutti nicht abnehmen. Du kannst da sein für sie, aber leben muss sie selbst, und das, was Du für richtig hälst, muss für sie nicht unbedingt der "beste Weg" sein.

Abgrenzung kannst Du nicht stellvertretend für sie leisten. Sie muss selbst erfahren, wann sie an ihre Grenzen stösst und nein sagen muss. Auch und vor allen Dingen damit sie das auch dann schafft, wenn Du nicht da sein kannst, um auf sie achtzugeben.

Vertraust Du ihr, dass sie all das kann, glaubst Du an sie und ihre Fähigkeit, selbst zu erkennen, was sie wann leisten kann?

Gilt das Grenzthema nicht möglicherweise ebenfalls für Deine Mutter? Auch sie hätte Deiner Meinung nach wohl inzwischen handeln müssen - die Verantwortung dafür, eine Heimeinweisung einzuleiten, kann nicht auf Ärzte übertragen werden. Nicht SIE fällen normalerweise diese Entscheidung, sondern die pflegenden Angehörigen. Ärzte äussern ihre Einschätzung, wenn man sie um ihre Meinung bittet. Sie werden aktiv, wenn sie feststellen, dass ein pflegender Mensch kurz vor dem Zusammenbruch steht, und sie dies bemerken (was schwierig sein kann, weil sich viele vor allem ältere Menschen in Anwesenheit eines Arztes extrem zusammen reissen). Sie stellen fest, wenn eine Pflegeleistung nicht mehr ausreichend ist und werden dann aktiv.

Alles andere liegt nicht in ihrem Verantwortungsbereich.

Die Entscheidung, meinen Vater ins Heim zu geben, hat meine Mutter weitgehend allein getroffen, sie hat eigenständig Heime angeschaut, eines ausgewählt, einen Platz "gebucht", meinen Vater dort hingebracht, und eine Verlegung organisiert, als sich heraus stellte, dass das ausgewählte Heim für ihn nicht passend ist, weil sie dort nicht auf "wandernde" und sehr ruhelose Alzheimer Patienten eingerichtet sind. Die Ärzte fanden es richtig, dass sie all das tut, und haben meine Mutter bestärkt darin, diesen Weg auch zu gehen - die Entscheidung hat jedoch weitgehend meine Mutter allein getroffen. Hätte sie die Einweisung weiter hinaus gezögert, hätten die Ärzte auch das respektiert.

Ein Riesenthema in diesem Zusammenhang sind Schuldgefühle. Meine Mutter hat sich sehr, sehr schuldig gefühlt dabei, meinen Vater gegen seinen Willen "abzugeben". Sie fragt sich häufig, ob das richtig war, und Teile der Familie, die meinen Vater eben nicht aktiv gepflegt, sondern immer nur kurze Episoden auf Besuchen mit ihm erlebt haben, machen es ihr diesbezüglich nicht leicht, weil sie ihre eigenen Schuldgefühle auf meine Mutter übertragen.

Im Entscheidungsprozess habe ich nicht wirklich viel für sie tun können ausser sie immer und immer wieder daran zu erinnern, dass SIE den Zeitpunkt bestimmt und die einzige Instanz ist, die entscheidet, wann der Punkt gekommen ist, an dem sie nicht mehr die Kraft hat, für Papa da zu sein und seine Pflege nicht mehr gewährleisten kann, an dem es wichtig wird, dass sie an sich denkt und für sich sorgt, und dass das vollkommen in Ordnung ist.

Leicht fallen solche Entscheidungen wohl niemandem wirklich.

Ich wünsche Euch allen viel, viel Kraft - vor allem die Kraft, loszulassen und für Euch selbst zu sorgen. :blumengabe:

Grüssle
Seawasp

Monkele
12.12.2006, 20:04
Liebe Seawasp,

danke für dein Posting! :blumengabe:

Meine Tochter hat jede Unterstützung ihrer Familie, wenn sie sie braucht! Das weiß sie (sonst wäre sie auch nicht auf die Idee gekommen, wieder hier einziehen zu wollen.). Was mir halt weh tut ist, dass es ihr so schlecht geht!

Nun zu meinem Vater: Die Situation ist weitaus komplizierter, als ich es hier schreiben kann. Die Parkinsondemenz unterscheidet sich von Alzheimer in einigen Punkten. Bei meinem Vater ist es z. B. so, dass er Abends sehr verwirrt ist, tagsüber aber komplett klar ist. Deshalb entscheidet er mit, wie es weiter geht. Im Moment empfindet er ein Pflegeheim als Abschiebung, weshalb wir ihm (beim Familienrat vor Kurzem) vorgeschlagen haben, es an zwei Tagen in der Woche mit Tagespflege zu versuchen. Meine Mama könnte wieder durchschnaufen (sie ist oft überfordert) und wäre sicher, dass er gut aufgehoben ist. Er würde was anderes sehen und hören und würde sich nicht vernachlässigt fühlen. Das hat er damals abgelehnt, aber nach dem, was ich Gestern von meiner Tochter gehört habe, muss etwas geschehen! Mir kommt es bei meiner Mutter so vor, wie wenn sie schon länger den Wunsch hat, dass er in ein Pflegeheim kommt, aber Angst davor hat, dies laut auszusprechen...

Hier muss ich jetzt erst mal aufhören, denn ich muss gleich wieder weg.

Danke "für' s Gedanken machen" und Anregung geben!

Monkele

Inaktiver User
13.12.2006, 16:02
Liebes Monkele

Das mit deinem Vater tut mir sehr leid.
Es ist eine sehr schwierige Zeit, wenn diese Situationen
auf eine Familie zukommen. Ich selber hab extremen Horror
vor einer solchen Zeit mit meinen Eltern. Es ist schon
schwer für Angehörige im Falle eines guten Verhältnisses
das man hatte, bevor die Krankheiten oder Pflegekomplikationen
auf einen zukommen. Aber wie wird es sein, ( wie bei meiner
Famile , bzw. Eltern - wenn man 2 Drittel seiner Lebzeit
alleine zurecht hat kommen müssen, weil für die Eltern nur
ihr Betrieb wichtig war? Wie wird es sein ihnen Nähe und
Fürsorge oder Besuche zu vermitteln, wenn da nie Nähe war?)
Davor hab ich Angst. Denn wenn ich meinen Eltern nah bin
jetzt wo sie noch gesund sind, werde ich nach einem Tag
fast verrückt und will nur noch weg.

Das zu diesem.
Heute hab ich ein sehr trauriges Innenleben . Meins!
Heute ist ein Tag, trotz Sonnenschein und Sporterlebnisse,
da ist mir nur zum Heulen.
Zum Einen weil ich immernoch einen auch vor 4 Jahren total
lieben jungen Menschen ( 40 an Krebs gestorben), total
vermisse. Es ist immer mal wieder so frisch, sein Tod.
Heute war es so, dass sogar wieder Tränen liefen.
Wenn ich so intensiv an ihn denken muss, ist mein Tag eh
schon traurig in mir. Weil erst durch sein Sterben mir das
erste Mal bewusst wurde, was Tod ist. Weg ist er -
und doch so nah ab und an.

Naja und dann noch die pupertären Auswüchse die meine
sonst so total liebe Tochter immer mehr rauslässt.
Ich meine es nur gut und bekomm nur blödes Gemecker
oder blöde Kommentare.
Einen siebzehnjähren Sohn hab ich ja auch.
Da gibt es sowieso immer mal so richtig Stress.

Das macht mich traurig heute.
Blöd ist das - aber solche Tage gibt es leider.
Da ich ein Sonnenkind bin, mich immer so fühlte egal was kam
weiss ich, dass ich trotzdem lachen werde.
Trotz meiner innerlichen Traurigkeit, wie heute.

LG :blumengabe:

Inaktiver User
14.12.2006, 09:14
Aber wie wird es sein, ( wie bei meiner
Famile , bzw. Eltern - wenn man 2 Drittel seiner Lebzeit
alleine zurecht hat kommen müssen, weil für die Eltern nur
ihr Betrieb wichtig war? Wie wird es sein ihnen Nähe und
Fürsorge oder Besuche zu vermitteln, wenn da nie Nähe war?)
Davor hab ich Angst. Denn wenn ich meinen Eltern nah bin
jetzt wo sie noch gesund sind, werde ich nach einem Tag
fast verrückt und will nur noch weg.

Strelia,

ich kann Dir nur von mir berichten, ich bin in einer vergleichbaren Situation, nur gab es bei meinen Eltern keinen Betrieb, der wichtiger gewesen und für einen Mangel an Fürsorge verantwortlich gewesen wäre, sondern Misshandlung: Vernachlässigung, Terrorisierung und die Duldung einer Missbrauchssituation.

Als Erwachsene war mein Verhältnis zu meinen Eltern immer ambivalent. Einerseits hat mir die Aufarbeitung quasi als Nebenprodukt bewusst gemacht, dass meine Eltern nicht unbedingt aus böser Absicht, sondern aus Unfähigkeit und aus eigenen, schwierigen Ausgangssituationen heraus so gehandelt haben, andererseits blieben da immer noch meine Erlebnisse und fortgesetzte Verletzungen seitens meiner Eltern auch als ich schon längst erwachsen war. Nichtsdestotrotz sind sie meine Eltern - ich kam und komme nicht darum herum, mich damit auseinander zu setzen, ob ich weiterhin versuchen möchte, aus der Distanz heraus einen halbwegs normalen Kontakt zu unterhalten und meinerseits trotz meiner Erlebnisse ihnen gegenüber liebevoll oder doch zumindest wertschätzend und freundlich zu handeln, oder ob ich das nicht kann und den Kontakt abbrechen muss.

Es löst sehr intensive Gefühle aus, wenn, wie bei mir, ein Elternteil krank, hilfs- und pflegebedürftig wird. Einerseits sind da Mitgefühl und der Wunsch, die Leidenszeit möglichst kurz und wenig belastend zu gestalten, andererseits kommen Fragen vor allem in Hinblick auf Erwartungshaltungen - eigener wie fremder - auf.

Bei uns hat das zu einem Zerwürfnis innerhalb der Familie geführt. Ich bin den ehrlichen Weg gegangen - ich habe das gegeben, was mir möglich war, aber auch auf meine Grenzen geachtet und diese ehrlich kommuniziert. Ich war und bin nicht so häufig "da", wie man (Verwandtschaft, Aussenstehende) das von einer guten Tochter erwarten würde, und das wird manchmal auch ganz deutlich ausgesprochen. Durch meinen Umgang mit dem Thema werde ich natürlich gleichzeitig zur prima Projektionsfläche, auf die man eigene Ambivalenzen übertragen kann. Mein Bruder hat z.B. deshalb den Kontakt zu mir abgebrochen, ohne mir Gelegenheit zu geben, mich mit ihm auseinander zu setzen, da er die Kommunikation verweigert. Er fühlt sich offenbar von mir enttäuscht und im Stich gelassen. Das tut mir natürlich weh, aber ich muss es respektieren.

Ich habe mich dafür entschieden, meinen Vater dann zu besuchen, wenn es mir möglich ist. Wen aus meiner Familie ehrlich interessiert, wie es mir geht und welche Überlegungen meinen Entscheidungen zugrunde liegen, der kann den Dialog mit mir suchen.

Meinem Vater gebe ich das, was ich geben kann an guten Gedanken und sporadischen Besuchen, die u.a. auch an der Entfernung liegen. Ich würde ihn gern häufiger besuchen, aber bei einer Anreise von 3 Stunden ist das einfach nicht machbar.

Was sein wird, wenn es meine Mutter einmal trifft, kann ich nicht vorhersagen. Klar ist mir nur, dass ich sie niemals werde pflegen können und wollen. Ich sorge gern dafür, dass sie gut untergebracht ist, aber ich brauche eine gewisse Distanz, um überhaupt Kontakte unterhalten zu können.

Es ist ein sehr schwieriges Thema, einfache Lösungen scheinen nicht in Sicht.

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
14.12.2006, 11:23
Liebe Sewasp

Danke für deine erklärenden Worte.
Das ist sehr bewunderndswert wie du mit deinem Vater umgehen
kannst. Ich werde das nicht können.
Ich kann es nicht. Ich merk das immerwieder wenn ich kurz bei
meinen Eltern bin. Das hat nicht mal was mit dem Älter werden
zu tun. Es sind die Verletzungen die heute noch , wenn ich nicht
das vereheimliche, was ich wirklich sagen will, ausgeteilt werden.
Und wieder sag ich dir.,weder mein Bruder noch ich, meine kl.
Schwester ist ja sowieso ganz weit weg und aus allem raus,
halten es länger als ein paar Stunden bei unseren Eltern aus.

Ich wollte hier in diese Community auch deswegen einmal
einen Strang setzen wie das so ist mit dem Vergeben?
Ich kann es nicht -
Ich kann nicht wirklich . Vergeben -
Wenn ich denke es ist gut, kommt durch irgendeine Geste
oder gar ein Wort wieder alles hoch.
Da Schlimme ist, das ich ganz sicher weiss, dass wenn es
umgekehrt wär, das ich ein Pflegefall wär oder meine Geschwister,
das meine Eltern uns auch nicht wirklich aufnehmen würden.
Meine Mutter kann das nicht. Es gab in meiner Kindheit
Krankenhausaufenthalte, da hat sie mich kein einzigstes Mal
besucht.... z.B. (und ich war immer mal 14 Tage wenn ich
dort war , im Krankenhaus)
Aus dem Grunde, da sie ein Kriegskind war und zur damaligen
Zeit es sehr, sehr schlecht hatte, niemand da war für sie.
Das gab sie ein lebenlang weiter.
Mehr kann und möchte ich nicht dazu sagen.

Es tut mir im Grunde wahnsinnig weh was ich fühle
und genau das ist es ja was so traurig macht .
Hin und Wieder - bis es soweit ist und wir alle , meine
Geschwister und ich wirklich vor das Problem gestellt werden,

LG.

Inaktiver User
14.12.2006, 12:02
Seawasp,

ich würde meine Mutter auch nicht pflegen können. Man muss diese Entscheidungen für sich treffen, auch wenn das Umfeld und die Geschwister das nicht verstehen. Als meine Oma pflegebedürftig wurde, hat meine Mutter auch sofort klar gestellt, dass sie das nicht könnte (ich würde sagen, dass sie keine Lust hatte, sich die Finger schmutzig zu machen) und hat sich kaum um sie gekümmert. Ich habe sie ein Mal pro Woche besucht und musste mir die ganze Zeit anhören, wie furchtbar es von meiner Mutter ist, sich nicht um sie zu kümmern. Sie ist auch grundsätzlich an ihrem Geburtstag in den Urlaub gefahren, oder über Weihnachten natürlich auch, damit sie sie nicht zu sich holen muss. Furchtbar.

Das sie sich in unserer Kindheit auch nicht durch besondere Fürsorge ausgezeichnet hat, obwohl für sie keine schwierigen äußeren Bedingungen vor lagen liegt auf der Hand. Natürlich war ihr Innenleben ach so schwierig und blablalbla....

Gestern habe ich sie angerufen und gefragt, ob sie nicht einmal vorbeikommen könnte, um mir zu helfen. Ich wollte mit den Kindern Plätzchen backen und das gestaltet sich bei 4 Kindern schon mal schwierig. Ach ne, sie wäre ja in den Vorweihnachtsvorbereitungen und das wäre alle so stressig... Sie hilft nie. Zugegeben, wenn alle Stricke reißen würden, weiß ich, dass sie kommen würde, aber einfach nur so, ne, da geht sie lieber shoppen.

Meine Schwester hat kaum noch Kontakt zu ihr, weil sie meint, dass sie ihre Kinder zu sehr verletzten würde. Ich besuche sie noch regelmäßig, von daher wäre ich auch diejenige, von der sie Hilfe einfordern würde. Es kamen auch schon Sprüche wie: du könntest ja dein altes Kinderzimmer langsam mal zum Gästezimmer umbauen, wer weiß, wie lange ich noch allein bleiben kann. Jetzt will sie natürlich nicht hier übernachten, weil die Kinder ihr zu viel Arbeit machen.

Meine Schwester hat gesagt, dass wir unserer Mutter nicht viel schuldig sind. Besuche, Anrufe, aber keine Fürsorge.

Ich hoffe, dass ich stark genug sein werde, ihr das zu vermitteln, wenn es soweit ist.

LG

Monkele
19.12.2006, 13:12
Gerade sitze ich wie vom Donner getroffen mit Tränen in den Augen da.

Wie jedes Jahr, bekam ich gerade den Adventsbrief einer lieben Bekannten, die leider vor einigen Jahren in die Nähe von Dresden gezogen ist.
Ihr Sohn war mit meinem zusammen im Schwimmkurs und in der Zeit freundeten wir uns an. Es gibt viele Menschen, die ich gerne mag, aber selten passiert es mir, dass ich Menschen treffe, die mir so schnell nahe sind. Bei ihr war es so.
Als mein Mann und ich letztes Jahr im November in Dresden waren, besuchten wir mit ihr gemeinsam die Frauenkirche. Die Nähe war sofort wieder da, als lägen nicht Jahre und viele hundert Kilometer zwischen uns und unserem letzten Treffen...

Nun schreibt sie, dass sie einen Tumor in der Brust hatte und Anfang Dezember operiert wurde. Das hat mich wirklich gerade umgehauen!

Traurige Grüße

Monkele

Inaktiver User
20.12.2006, 12:30
Ich habe gestern meinen Vater im Heim besuchen können. Es ist erschreckend, wie schnell der Alzheimer ihn verfallen lässt - bei ihm geht es viel zügiger abwärts, als bei meinem Schwiegervater, der ebenfalls erkrankt ist. Mein Vater ist erst Anfang 60, aber er wirkt inzwischen mindestens so alt wie mein Schwiegervater, der 75 Jahre alt ist. Das Erschreckendste für mich waren der greifbare Schmerz und die Verzweiflung, die er ausstrahlte - mein Vater hat seit einiger Zeit offenbar starke Nacken/Schulter/Kopfschmerzen, für die es bisher keine Erklärung gibt. Die Medikation wurde gewechselt, um auszuschliessen, dass es sich um Nebenwirkungen handelt, er wurde untersucht, aber da er sich nicht mehr richtig artikulieren kann, haben wir noch keine Diagnose.

DASS er Schmerzen hat, ist ganz klar - er sitzt sehr angespannt auf Stühlen oder in Sesseln, hält den Kopf gebeugt, so dass sein Kinn beinahe auf der Brust ruht, hebt seinen Kopf nur selten, und erträgt nur sehr vorsichtige Berührungen. Er wirkt wie ein gebrochener Mensch.

Er hat erkannt, dass ich jemand bin, der ihm vertraut ist, aber ob er wusste, dass ich seine Tochter bin, kann ich nicht sagen. Ich habe ihn sanft massiert und gestreichelt, seine Arme, seinen Rücken, seine Schulter und seinen Kopf, und das schien ihn ein wenig zu entspannen. Kommunikation lief eigentlich nur über den Körper - als ich ihn wie früher neckend am Ohrläppchen zog und in seine Nase kniff, hat er plötzlich sogar gelacht und mir spasshaft-drohend, ebenfalls wie früher, die Hand "gequetscht", was allerdings nicht stärker als ein leichter Händedruck war, da er überhaupt keine Kraft mehr hat.

Ich wünschte, ich könnte mehr für ihn tun, diese Einsamkeit, die er ausstrahlt, muss beängstigend sein, wie eine kalte, dunkle Nacht ohne die Hoffnung auf einen Morgen.

Durch die Entfernung bleibt mir leider nur, jeden Tag an ihn zu denken und ihm Kraft, Liebe und Wärme zu schicken.

Traurige Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
20.12.2006, 15:39
Monkele, das ist wirklich traurig

und Seawasp, was du erzählst auch

bei meiner Mutter geht die Diagnostik voran, heute war Rückenmarkspunktion - in 10-12 Tage ist das Ergebnis zu erwarten.
2 Krankheitskomplexe sind schon erkannt (Hirndruck und Vit-B-Mangel), die Alzheimerdiagnose steht noch aus, wir wissen noch nicht, welche Art ihre Demenz ist

Wenn ich lese, wie es deinem Vater geht, wird mir ganz schwummerig.
Wie traurig das alles doch ist !
Dass Menschen auf so eine Art ihr Ende finden ????

aussenseiter
20.12.2006, 18:18
Das ist echt alles sehr traurig (hab Alzheimer auch im Zivildienst in einem Seniorenheim erlebt, erschreckend). Da schreib ich lieber nicht, worüber ich mir eben Gedanken gemacht habe :smirksmile:

Inaktiver User
25.12.2006, 07:51
Vorgestern:
Meine Mutter steht in der Küche, hat Pellkartoffeln auf dem Herd, hält mir ein Päckchen Rahmsoßenpulver und Knoblauchgranulat entgegen.
"Das ist alles, was ich noch zu essen habe! Ich habe nichtmal Gemüse im Haus."

Aber: Kühlschrank und Gefrierschrank sind VOLL, wir hatten doch gemeinsam eingekauft, Fertiggerichte und anderes.

Sie hatte vergessen, dass Nahrung im Kühlschrank aufbewahrt wird!

Ich mache mir Gedanken darüber, wie das alles mit ihr so weitergehen wird.
Kürzlich, wir kamen gerade vom Chirurgen (das re. gebrochene Handgelenk wurde nachuntersucht) - da ist sie wieder gestürzt.
Obwohl ich sie fest am Arm hielt !

Sie ist nicht gestolpert, es war auch nicht "der Kreislauf", keine Ohnmacht - sie fiel urplötzlich nach vorn, wie ein gefällter Baum, mit aller Wucht.

Nun ist das linke Handgelenk (was vor einigen Jahren auch schon gebrochen war) geprellt, dick und blau.

Ich konnte das nicht verhindern.

Das macht mir Angst und Unbehagen.
Einerseits wäre sie im Rollstuhl sicher vor Stürzen, aber andererseits würde sie dann immer schwächer werden, wenn sie nicht mehr laufen würde.
Es sind ja ohnehin nur noch kurze Strecken, die sie gehen kann.

Es steht noch eine Untersuchung aus.
(Eiweiße im Liquor).
Dann wissen wir, ob es sehr wahrscheinlich Alzheimer ist.
Oder nicht.

Ich bin mir aber ganz sicher, dass es Alzheimer ist.
Sie vergißt und verlernt so viel und so schnell.

Ja, ich mache mir viele Gedanken darüber.
Jeden Morgen wache ich mit verspanntem, schmerzendem Rücken auf. Also denke ich auch im Schlaf darüber nach.

Was kommt auf mich zu?
Werde ich das schaffen?
Und wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Pflegeheim?
Usw. usw. usw. .............

Wo hört die Fürsorge auf und fängt die Bevormundung an?
Wie unterscheide ich das?
Manchmal hat sie recht klare Stunden, dann ist sie beleidigt, wenn ich fürsorglich bin oder was erkläre.

Ich weiß nie, woran ich bin mit ihr.

Seit einigen Tagen gebe ich ihr Folsäurespritzen (Vit B 12)
Ich hoffe, das wird ihr Befinden verbessern und die Nerven stärken.

Inaktiver User
25.12.2006, 10:04
Liebe Lavendelmond,

was auf Dich zukommt kann niemand prognostizieren. Jede Demenzerkrankung verläuft ein bisschen anders, jeder Kranke hat ein individuelles Temperament, und auch das beeinflusst das Gesicht, das die Krankheit annimmt.

Mein Vater beispielsweise war Zeit seines Lebens ein "Angstbeisser" - ein überaus lebensängstlicher Mensch, der Themen nicht anging, sondern versuchte, an sich vorüber ziehen zu lassen, und der aggressiv wurde, wenn er sich bedrängt/bedroht fühlte, um so seiner eigenen Angst nicht ins Gesicht sehen zu müssen und vermeintliche oder echte Angriffe im Keim zu ersticken.

Das prägt auch sein Verhalten jetzt im Alzheimer. Er hat sich früh aufgegeben, er kämpft nicht. Er war von Anfang an in sein Schicksal ergeben und depressiv, aber wenn Dinge geschehen, die ihn ärgern, wird er nach wie vor aggressiv und zickig, das erzählen auch die Pfleger.

Die eher passive Art des Weglaufens früherer Jahre - Fernsehen statt reales Leben, Ausweichen statt Auseinandersetzung - zeigt sich nun auch physisch. Er ist ruhelos, ein Wanderer, so als ob er versuchte, vor der Krankheit davon zu laufen.

Wenn Du das alles, was da auf Dich zukommt, schaffen willst, musst Du in erster Linie auf Dich achten, und das fängt J E T Z T an! Kümmere Dich um Dich, lass nicht zu, dass die Erkrankung Deiner Mutter Dich auffrisst, sorg beispielsweise für Deinen Rücken. Du brauchst alle Kraft, die Du hast, und das bedeutet, dass Du sorgsam mit Deinen Ressourcen umgehen musst. Such Dir einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige von Demenzkranken, gibt es eigentlich in jeder Stadt und jedem Kreis, und GEH DORT HIN, tausch Dich aus, hol Dir Tipps - Du bist nicht allein!

Sowohl mein Vater als auch mein Schwiegervater sind ja erkrankt, und meine Familie beiderseits hat sich über diese Kreise viel Information, Rückenstärkung und einfach auch die Möglichkeit, sich mit anderen, denen es ähnlich geht, auszutauschen, geholt, das ist von grossem Wert.

Erkundige Dich jetzt schon einmal nach Möglichkeiten der Tagespflege - das war für meinen Vater für eine gewisse Zeit ein fester Anlaufpunkt, der es meiner Mutter ermöglicht hat, arbeiten zu gehen, ohne sich Sorgen um meinen Vater machen zu müssen. In der Tagespflege werden die Kranken betreut, dort werden Ausflüge organisiert, Spiele initiiert, Lernaufgaben, die die geistige Fitness stärken, auf spielerische Weise mit den Menschen durchgeführt, es gibt regelmässige gemeinsame Mahlzeiten, die Erkrankten bekommen kleine Aufgaben - es ist eine Möglichkeit, einmal Abstand zu nehmen von Deiner Fürsorge und Deinen Sorgen.

Wenn Tagespflege nicht in Frage kommt, such Dir andere Betreuungshilfen, beispielsweise über eine Krankenschwester oder Altenpflegerin, die stundenweise ins Haus kommt und Dich entlastet.

Kümmere Dich frühzeitig um eine Pflegestufe, denn die Kosten für Tagespflege und später Heimunterbringung sind immens.

Wann der Zeitpunkt der Heimeinweisung gekommen ist, entscheidest Du. Lass Dir von niemanden hinein reden und vor allem: Widersprich energisch Deinem schlechten Gewissen. Der Zeitpunkt ist richtig gewählt, wenn Du merkst, dass DU - und nur darauf kommt es an!!! - ans Ende Deiner Kräfte, Deiner Belastungsfähigkeit gelangst. Was andere dazu sagen, darf Dich nicht anfechten - es sind nicht diese Menschen, die tagtäglich mit der Erkrankung umgehen, Du bist es, und daher bist Du die entscheidende Instanz. Fürchte Dich nicht davor, diese Entscheidung auch gegen den Willen Deiner Mutter zu treffen. Deine Mutter leidet viel mehr, wenn Du irgendwann zusammenbrichst, sie in ein Krankenhaus eingewiesen werden muss und sich niemand während der Zeit Deiner Genesung um sie kümmert.

Sorg für die Zeit der Pflege daheim dafür, dass Du Urlaube machen kannst. Es gibt für diese Zeiten temporäre Pflegeplätze. Lass Dich von Deiner Mutter nicht abhalten, Dir Urlaub zu gönnen, DU BRAUCHST IHN!

Alte Menschen können sehr findig darin sein, Dir ein schlechtes Gewissen zu machen oder Deine Pläne zu durchkreuzen. Sie tun das nicht, weil sie boshaft sind, sondern weil sie Angst haben, grosse Angst. Du bist in erster Line für Dich verantwortlich und musst Dich davor schützen, dass Dich diese Angst nicht auffrisst, Lavendelmond.

All das ist nicht schön, aber wenn Du irgendwann eine gute Betreuungseinrichtung gefunden hast, dann tust Du letztlich mehr für Deine Mutter, als wenn Du Dich bis ans Ende Deiner Kräfte aufopferst und sie innerlich zum Teufel wünschst, weil Du einfach nicht mehr kannst. Ist sie dagegen gut untergebracht, kannst Du sie mit Freude besuchen und die gemeinsame Zeit schön gestalten, ohne ständig das im Hinterkopf zu behalten, was noch zu erledigen ist. Du kannst wieder ruhig schlafen und Dich ausgeruht an das machen, was zu tun ist.

Für meine Mutter war die Heimunterbringung gerade noch rechtzeitig, sie kann jetzt ein bisschen aufatmen und sicher sein, dass mein Vater bestmöglich betreut wird. Im Heim kann er viel weniger anrichten als in der Wohnung meiner Eltern, er ist dort geschützt, und es ist immer jemand da, der achtgibt. Das kann man als Partner und als Kind einfach nicht dauerhaft leisten.

Was die Bevormundung angeht - Du musst Dich frühzeitig darum kümmern, dass Du berechtigt bist, an Stelle Deiner Mutter zu entscheiden und zu unterschreiben. Kümmert Euch JETZT darum, dass Du Einblick in alle wichtigen Dinge und Vollmachten erhälst. Es ist wichtig, das frühzeitig zu tun, solange Deine Mutter das noch kann - der Rechtsweg im Falle, dass sie es nicht mehr kann, kann sehr steinig sein.

Alles Liebe für Dich!

Grüssle
Seawasp

Valentine
25.12.2006, 10:07
hallo,

vor drei jahren hatte mein vater ähnliche symptone. er fiel sogar vom stuhl einfach nach vorne aufs gesicht, ohne sich abzufangen, keine reflexe, nichts. wir dachten ehrlich nur* er wird alt* wenn er mal auf der wiese ausgeruscht ist und hingefallen ist, brauchte es ewig bis er wieder hoch kam. es kamen immer mehr ausfälle dazu, bis er an meinem geburtstag vor drei jahren plötzlich was erzählte, uns anguckte und sagte: das was ich jetzt gesagt habe, wollte ich gar nicht sagen...und er konnte kaum mehr die treppe gehen, kaum mehr ins auto zu meiner schwester einsteigen.
diagnose: hirntumor, sehr grosser tumor, er hatte offensichtlich zeit zum wachsen. es wurde geraten, nichts zu unternehmen, da das risiko der operation zu gross sei. trotzdem krankenhausaufenthalt, genaue diagnostik-gutartiger grosser tumor, verlust von hinrwasser. operation und KEINE folgeschäden. langsam lernte mein vater wieder selbständigkeit und konnte nun zwei jahre sein leben geniessen!!!!!
inzwischen ist er seit monaten krank, aber auch da gibt es ein kleines wunder. nachdem er schwerst pfegebedürftig mit schlimmen wunden vom aufliegen nach hause entlassen wurde, haben wir mit hilfe von therapeuten, versorgungsteam der diakonie und das selbstgebildete versorgungsteam von uns geschwistern meinen vater mobilisiert, aus seiner tiefen depression geholt und seit wochen sitzt er wieder an seinem platz in der küche zum essen-okay er muss mit dem rollstuhl hingebracht werden, umgesetzt usw. aber er sitzt selbständig an seinem platz, er kann wieder normal essen nach vielen wochen essen im liegen mit passierter kost wegen starker neurologischer ausfälle wie schluckstörungen, atemstörungen, beweungsstörungen. ein grosses stück normalität ist gewonnen.
mein vater kann seinen tag teilweise aktiv gestalten, nachdem wir vor wochen schon abschied voneinander genommen haben.
ich schreibe das um euch zu sagen: nicht resignieren, nicht aufgeben, oft gibt es einen weg, denn wir noch nicht erkennen....aber es gibt ihn!

liebe grüsse valentine

Inaktiver User
25.12.2006, 12:03
Liebe Seawasp,
ich habe seit meine Mutter hier bei uns in der Nachbarschaft wohnt, eine Vollmacht, so eine selbstgeschriebene, für mehrere Bereiche (Behörden, Gesundheit, Postwesen...) - ich hoffe, dass die vom Amt immer anerkannt wird. Zumindest hatte ich bisher nie Schwierigkeiten
Ich habe dann noch einen Vordruck der Bundesärztekammer von der Krankenkasse bekommen. Sie hat das auch unterschrieben, aber nicht durchgelesen, das hat sie überfordert. Diese Vollmacht muss von einem Zeugen auch unterschrieben werden. Dafür hatte ich an meine Freundin gedacht, die ist Intensivkrankenschwester und sehr vertrauenswürdig.
Aber sie sagt, für diese Art von Vollmacht war es schon zu spät, weil sie im Vollbesitzt der geistigen Kräfte unterschrieben werden muss - und das ist meine Mutter nicht mehr.
Allerdings, wenn es dann wirklich nötig ist, dann wird das von den Ärzten im Krankenhaus geregelt, dann kommt jemand vom Gericht und dann werde ich als Betreuerin eingesetzt.
Ich rechne sehr damit, dass sie früher oder später wieder stürzt (so wie neulich, als ich dabei war und es nicht verhindern konnte).

Tagespflege haben wir schon versucht, das war ihr zu anstrengend, den ganzen Tag bis nach dem Abendessen weg zu sein (sie ist momentan in deutlich reduziertem AZ). Außerdem hat ihr dort eine Patienten mit den Fingern ins Essen gegrabscht und sie ekelt sich nun, da hinzugehen.
Außerdem will sie die 76 € Eigenbeteiligung pro Monat dafür nicht aufbringen.
Und wenn ich sehe, wie sie ihr Geld ausgibt und hinterher nicht mehr weiß, wofür sie es ausgegeben hat - dann bleiben ihr tatsächlich diese 76 € nicht über im Monat (das ist für 1x in der Woche Tagespflege -mehr wird nicht bezahlt in Stufe 1)

Und sie hat ja auch noch keine Pflegestufe, das kann noch 8 Wochen dauern.
Bis dahin springt aber das Sozialamt ein, da habe ich auch einen Antrag gestellt auf Hilfe zur Pflege.

Ich habe jetzt gesehen, dass die Johanniter einen "bunten Nachmittag" für Demenzkranke anbieten, 1x in der Woche. Kostet 11 € plus Transport.
Das wäre ganz nett für die Mutter, aber für mich wäre es natürlich keine Entlastung.

Nach dem letzten KH-Aufenthalt hatte ich eine ambulante Pflege organisiert, aber meine Mutter hat das immer mehr abgelehnt, hat die Frau nicht an sich rangelassen, und war ganz "empört", dass sie es "wagte",noch eine junge Frau im Praktikum mitzubringen.
Nichts war ihr gut genug, sie wollte keine Fremden in der Wohnung haben.

Ich denke, das muss sie früher oder später lernen zuzulassen.
Und ich muss lernen, ihr Genöle auszuhalten.
Sonst gehe ich in die "Falle".

Gestern, Heiligabend, sind wir zu ihr rübergegangen, um gemeinsam Plumpudding zu essen. Mir ging es den ganzen Tag gut, aber auf dem Weg zu ihr bekam ich Ischiasschmerzen *lächel*. Die waren "danach" natürlich wieder weg.

Heute und morgen kümmern sich meine Schwestern.

Sie fängt jetzt auch an zu glauben, "Fremde" seien in der Wohnung gewesen und hätten ihr Sparbuch mitgenommen.
Sie wird es nur verkramt haben, vielleicht ist es sogar im Altpapier gelandet oder so. Wer weiß. Ich habe es erstmal sperren lassen, für alle Fälle.


Ich will jetzt mal bei der Kirche nachfragen, die haben einen ehrenamtlichen Besuchsdienst. Damit sie mal jemanden zum klönen hat.


Erstmal vielen lieben Dank für deine Anregungen.
Ich werde das beherzigen !

Inaktiver User
25.12.2006, 12:06
Liebe Valentine,
Hirntumore sind schlimm. Ich kenne das ja von meinem Jüngsten und weiß, was sie anrichten. Dein armer Vater! Meine Mutter hat zum Glück keinen, der Kernspin zeigte eine deutliche Hirnatrophie und erweiterte Hirnkammer durch Überdruck.
Vielleicht bekommt sie irgendwann mal einen Shunt.

Sagt mal, gibt es Wartelisten für Heime?
Ob ich schonmal anfange, mich umzusehen???

Inaktiver User
25.12.2006, 12:37
Lavendelmond,

ja, es gibt für manche Heime Wartelisten, schau Dich daher frühzeitig um. Wichtig ist auch, das richtige Heim auszuwählen - das hängt wiederum ab von der Art der Erkrankung. Mein Vater beispielsweise ist nicht geeignet, um in einem offenen Heim unter zu kommen - er wandert dort herum, niemand achtet auf ihn, und so kommt es zu Konflikten mit den anderen Heimbewohnern, die sich in ihrer Privatsphäre gestört fühlen.

Wichtig ist nicht der erste, oberflächliche Eindruck (natürlich muss es sauber sein!), sondern die Art und Weise, wie dort gearbeitet wird, wie die Pfleger mit den Heimbewohnern umgehen. Lieber ein nicht so chices Heim, dafür aber liebevolle Betreuung, die auch mal körperliche Zuwendung, ein Kopfstreichlen, eine liebe Umarmung gibt. Das findest Du heraus, wenn Du einfach mal eine Weile beobachtest, und Dir vor allem die Heimbewohner anschaust. Sind sie sauber und gepflegt? Wirken sie im grossen und ganzen zufrieden und gut betreut? Von Heimen, in denen Du keine Einblicke hinter die Kulissen bekommst, würde ich die Finger lassen.

Mein Vater ist in einem Heim ohne Schnickschnack - es gibt keine tolle Cafeteria oder ähnliches, es ist eher zweckmässig und gemütlich eingrichtet - aber mit liebevollen Pflegern, denen die Patienten am Herzen liegen. Es ist eine kleine Wohneinheit (auch das ist wichtig), in der die Patienten nie unbeaufsichtigt sind. Für meinen Vater eine wesentlich bessere Adresse als das erste Heim, in dem er nur einen knappen Monat war - dort gab es zwar eine tolle Umgebung, eine super Cafeteria, alles war modern, frisch und sehr hübsch, aber: Das Pflegedienstzimmer war oft leer, die Heimbewohner wanderten unbetreut im Haus umher und konnten auch das Haus verlassen. Da nützt das schönste Ambiente dann nichts, wenn der Patient allein gelassen wird und es zu Konflikten mit anderen Heimbewohnern kommt, weil niemand intervenieren kann.

Lavendelmond, das, was Du über die Reaktionen Deiner Mutter schreibst, kenne ich von meiner Oma - sie lebt bei meiner Tante, und meine Tante ist nicht in der Lage, sich gegen Oma zu durchzusetzen. Auch meine Oma wehrt sich gegen Pflegekräfte und dagegen, wenn Tante Urlaub macht, ins Heim zu gehen, was zu unmöglichen, untragbaren Zuständen führt. Meine Tante ist am Ende ihrer Kräfte, aber sie schafft es einfach nicht, klare Verhältnisse zu schaffen und dafür zu sorgen, dass meine Oma Pflege von auswärts hinnimmt.

Ich hoffe, dass es Dir gelingt, Deine Interessen besser zu schützen.

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
25.12.2006, 13:04
Liebe Lavendelmond,

aus meiner kirchlichen Aktivität heruas weiß ich, dass es Pflegeheime mit unterschiedlichen Pflegeschwerpunkten gibt. So wurde neulich eine Frau verlegt, weil sie in dem neuen Heim besser gefördert werden kann. Es gibt Heime mit dem Schwerpunkt Alzheimer / Demenz, auch Wohngruppen mit diesem Schwerpunkt.

Ein frühzeitiges Umschauen ist hilfreich, manchmal geht es sehr schnell, dass ein Platz gefunden werden muss.

Dein Körper sendet dir schon deutliche Signale (Rückenschmerzen, Ischias). Höre auf deinen Körper!

Im neuen Jahr wird alles gut.

In diesem Sinne alles Liebe und schöne Weichnachten
Citronella

Inaktiver User
25.12.2006, 13:16
Ich danke euch beiden.
Im neuen Jahr werde ich beginnen, mich umzusehen.

Ich weiß schon, dass es hier 3 Heime gibt, die auf Demenzkranke eingestellt sind.

Momentan denke ich, es wird Zeit, dass die Mutter ins Krankenhaus kommt. So viele Schmerzen und Schwindel. Sie sagte vorhin am Telefon, sie glaubt das kommt von den Vit. B12 Spritzen, die ich ihr gebe.
Was ja völlig unlogisch ist, darum bekommt sie die vorerst letzte heute auch, auch wenn sie es nicht gut findet.
PunktumBasta.

Die behandelnden Ärzte sind "natürlich" im Urlaub.
Aber zur Not gibt es ja Notärzte.

Was mich wundert, (aber auch dolle erfreut) ist, dass ich trotz alledem Weihnachten genieße und mich gefühlsmäßig da gut genug raushalten kann.


Die Gans brutzelt im Ofen und wir freuen uns sehr auf diesen Genuss. Sohnemann hat geholfen dabei, auch gestern fürs Abendbrot hat er eine tolle Käse-Rohkost-Platte gemacht *freu*

Wir drei, wir sind eine gute Familie. Das ist alles, was ich brauche und was zählt.

liebe Grüße an euch

Valentine
25.12.2006, 17:53
liebe lavendelmond,

ein heim für deine mutter, die ja offensichtlich dement ist oder alzheimer hat, muss einen geschützten bereich für die betroffenen haben. d.h. sie müssen laufen und sich bewegen können in einem abgeschlossenen bereich, der eben gross genug sein muss. und am besten ein heim, das keine feste essenszeiten und keine feste schlafenszeiten hat. es gibt glaube ich nur wenige stunden wirkliche ruhezeiten,die eingehalten werden sollten, aber so kann jeder betroffene seinen eigenen rhythmus finden.

liebe grüsse valentine

Inaktiver User
25.12.2006, 18:04
"für diese Art von Vollmacht war es schon zu spät, weil sie im Vollbesitzt der geistigen Kräfte unterschrieben werden muss - und das ist meine Mutter nicht mehr.
Allerdings, wenn es dann wirklich nötig ist, dann wird das von den Ärzten im Krankenhaus geregelt, dann kommt jemand vom Gericht und dann werde ich als Betreuerin eingesetzt"

Hallo Lavendelmond,

diese Art Vollmacht, nennt man Betreuungsvollmacht und sie wird vom Vormundschaftsgericht ausgestellt. Du kannst sie dort beantragen, man wird ein Gutachten über den Gesundheits- und geistigen Zustand deiner Mutter machen lassen und das Vormundschaftsgericht wird dann - wenn nichts dagegen spricht - Betreuungsurkunde ausstellen und dir aushändigen.
Du wirst zu einem Informationgsgespräch geladen und über die
Aufgaben als Betreuerin deiner Mutter informiert.

Mit dieser Betreuungsvollmacht kannst du z.B. den Heimvertrag unterschreiben und bist damit auch kostenverpflichtet.

Nimm Wertgegenstände, Bankunterlagen, EC Karten und Sparbuch aus der Wohnung mit zu dir. Ältere demenzkranke Menschen sind bei *Gaunern* sehr beliebt.

Meine Mutter hat gutgläubig ihre EC Karte einem Zeitschriftenwerber samt Pin in die Hand gedrückt, der angeblich Daten abschreiben musste und er hat ihr DM 21.300 vom Konto abgeräumt, bis wir es bemerkten.

Ich wünsche dir alles Gute,
du hast eine schwierige Aufgabe übernommen.

LG
Muffi

Inaktiver User
25.12.2006, 21:23
das Sparbuch ist schon "verschwunden"
ich hoffe ja immer noch, dass sie es nur verkramt hat (habe es vorsichtshalber sperren lassen, allerdings ist es auch mit Kennwort)

die Pin hat sie Gott sei Dank vergessen und wohl auch noch nie gewußt (?)
dafür kann ich die Pin auswendig

Schade um das viele Geld deiner Mutter, Muffi :-(

Atis
25.12.2006, 21:23
Liebe Lavendelmond,

es freut mich, dass Du das Weihnachtsfest trotz der schwierigen Situation genießen konntest!
Es tut mir leid, dass es Deiner Mutter nicht gut geht.

Du hast erwähnt, dass sie bereits mehrmals gestürzt ist. Kennst Du Hüftprotektoren (auch Hüftschutzhosen genannt)? Diese schützen natürlich auch nicht vor dem Sturz selbst, jedoch vor den im Alter so häufigen Oberschenkelhalsfrakturen. Falls Du sie noch nicht kennst, gib mal bei Wikipedia "Hüftprotektor" ein, dort gibt es Infos.

Du schreibst, dass es noch etwa 8 Wochen dauert, bis sie eine Pflegestufe bekommt. Warum dauert das so lange? Hier geht das immer relativ schnell...

Ich nehme an, dass bei Euch auch der MDK zur Feststellung der Pflegestufe kommt? Keine Angst vor dem Termin, es sind ja auch keine Unmenschen. (Unsere schwerbehinderte Tochter wird regelmäßig überprüft, zudem war mein Mann, der Altenpfleger ist, schon des öfteren bei MDK-Terminen bei Patienten dabei.)

Allerdings ist es so, dass die Patienten sich beim Besuch des MDK gern gesünder geben, als sie es tatsächlich sind, da es ihnen zu peinlich ist zuzugeben, dass sie vieles nicht mehr können. Man sollte also darauf achten, dass der Gutachter sich ein reales Bild der Situation macht und den tatsächlichen Hilfebedarf wahrnimmt.

(Meine Tochter z.B. antwortet auf die Frage, ob sie dieses oder jenes selbstständig erledigen kann, auch immer gern mit 'Ja, natürlich', ob's nun stimmt oder nicht...:smirksmile: )

Gebt alle Bereiche an, in denen Deine Mutter Hilfe benötigt, denn manchmal kann eine Kleinigkeit das "Zünglein an der Waage" sein, das den Unterschied zwischen zwei Pflegestufen ausmacht. Es zählt auch, wenn sie eine Tätigkeit zwar ausführen kann, dabei aber ""beaufsichtigt"" werden muss (mir fällt im Moment kein anderes Wort ein).

Ich wünsche Euch alles Gute! :blumengabe:

Lieben Gruß,

Atis.

Inaktiver User
25.12.2006, 21:32
das dauert hier (Norddeutschland, Kleinstadt) 8-12 Wochen (!) bis der MDKN kommt

ich werde nochmal ein neues Pflegetagebuch einreichen, weil sich doch einiges verschlechtert hat

ich befürchte auch, dass meine Mutter dann grad einen guten Tag hat, wenn der MDKN kommt - sie gibt sich nicht gerne Blößen
vielleicht haben wir aber auch "Glück"


die Hüftprotektoren sind mir ein Begriff, ich werde sie mal darauf ansprechen
"Handgelenksprotektoren" wären auch was Feines für sie, seufz

seit Tagen ist sie blaß und friert und hat Schmerzen "überall"

Atis
25.12.2006, 21:49
Ist ja Wahnsinn, dass das so lange dauert mit dem MDK.

Ein aktualisiertes Pflegetagebuch einzureichen ist eine gute Idee!


Bei unsererTochter machen wir es so, dass entweder der Gutachter zuerst mit unserer Tochter spricht, und wir Eltern dann noch einmal alleine mit ihm sprechen, oder umgekehrt. Auf diese Weise können wir noch einmal deutlich machen, was unsere Tochter im Vergleich zu Nichtbehinderten alles nicht kann.

Vielleicht kannst Du auch dann noch einmal alleine mit dem Gutachter sprechen und die Situation schildern. Wie gesagt, es sind ja auch keine Unmenschen und die Gutachter wissen auch, dass viele Patienten sich aus Scham gerne gesünder geben, als sie sind.

Wir hatten bis jetzt nur ein einziges Mal Ärger mit einer Gutachterin. Es war eine Ärztin (beim MDK arbeiten ja Ärzte und Pflegefachkräfte), die meinte, "Andere Kinder haben ja auch schon mal keine Lust zur Körperpflege". (Hallo?! Es geht nicht darum, ob unsere Tochter Lust dazu hat, sondern inwieweit sie es KANN! *kopfschüttel*) Nach schriftlich eingereichtem Widerspruch und Beschwerde kam dann eine andere Ärztin und beurteilte vernünftig.

Alles Liebe für Euch!

Inaktiver User
26.12.2006, 09:47
Beim MDK sitzen vor allem leider häufig echte "Könner". Einer dieser Könner sagte bei der Begutachtung meines Schwiegervaters (Alzheimer im weit fortgeschrittenen Stadium):

"Der macht ja gar nichts, wie soll ich das dann beurteilen?".

Ja, tolle Wurst. Natürlich macht ein Alzheimer Patient, der im Grunde gar nichts mehr sagt, und wenn er was sagt auf keinen Fall etwas sinnvolles, der gefüttert und gewindelt werden muss NICHTS mehr - was erwartet die Tante?!

Immerhin hat sie die Pflegestufe III dann befürwortet - bei Beantragung der Stufen vorher mussten wir teilweise mehrfach Widerspruch einlegen.

Bei meinem Vater gestaltet sich das Spiel ähnlich - die Bearbeitung dauert sehr lange, und zunächst wird eigentlich grundsätzlich abgelehnt. Es werden absurde "Richtwerte" beispielsweise für die Körperpflege heran gezogen, die im Alltag mit einem solchen Patienten vorn und hinten nicht passen. Als ob Angehörige Demenzkranker nicht schon so bereits einen sehr anstrengenden Alltag hätten - eigentlich müsste doch gerade den Fachkräften klar sein, wie Alzheimer verläuft, und dass es eine Strasse ohne Abzweigungen ist, die steil abwärts führt.

Mein Vater hat sich immer sehr zusammen gerissen, wenn er beim Arzt oder Gutachter war und Fragen, die er eigentlich ehrlicherweise hätte verneinen müssen, bejaht. Das ist tatsächlich ein Problem, weil die Patienten sich offenbar schämen, so wenig zu können, und lange zu kompensieren versuchen, wo es nur geht. Kaum ist der Gutachter/Arzt dann aus der Tür, bricht die Kontrolle zusammen, und die nächsten Stunden sind ein Albtraum, weil der Demenzkranke dann extrem durcheinander und erschöpft völlig neben sich steht.

Ich drücke Dir fest die Daumen, Lavendelmond!!

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
26.12.2006, 09:59
Auch wenn der MDK lange braucht, um zu kommen, so zählt bei der Einstufung das Datum der Antragsstellung bei der Krankenkasse. Es geht also kein Tag oder Geld verloren und die Pflegestufe wird rückwirkend erteilt. Und Vorsicht : bei uns kommen Prüfer auch spontan nach einem kurzen Anruf: Sie sind zu Hause? Na, dann komm ich gleich mal vorbei! Passiert so eine Einstufung, ohne Begründung sofort Widerspruch einlegen.
Pflegetagebücher können auch zum Bumerang werden, wenn man einen pingelingen Prüfer erwischt. "Das steht hier aber nicht?" Sämtliche Tätigkeiten, die mit Haushalt, Reinigung, Einkaufen ect. zu tun haben, kann man sich schenken. Dafür gibt es eine festgelegte Zeitpauschale, die immer unbelegt eingesetzt wird.
Nur Tätigkeiten am Menschen/Patienten zählen. Wie oft begleitet zur Toilette? Wird die Nahrung auf dem Teller mundgerecht zubereitet? Anleitende Körperpflege (möglichst tgl. Duschen, weil dies für Prüfer nicht ohne Hilfestellung geht) wieviele begleitete wöchentliche Arztbesuche? Man muß nur mit diesen Tätigkeiten auf tgl. 3 Std. Hilfebedarf kommen, um in Pflegestufe I zu kommen. Und diese I ist wichtig, um einen Heimplatz zu bekommen. Die wiederum haben einen Belegschlüssel(soviel I,II und III-Leute, den die erfüllen müssen) Ohne Pflegestufe bekommt man heute fast keinen Heimplatz.
Und ehrlich, Schummeln ist hier erlaubt, weil niemand den wirklichen Zeitaufwand an Nerven berücksichtigt.

teichmuschel
02.01.2007, 10:16
Meine Mutter ist vor 8 Monaten gestorben, mit 73 Jahren überraschend an einem Schlaganfall. Seit geraumer Zeit mache ich mir Gedanken darüber, ob meine Trauer "nicht ganz normal" (wenn man hier von normal und nicht normal sprechen kann) ist. Ich komme einfach nicht mehr zurecht. Obwohl ich einen liebevollen Partner habe, der mich die ganzen Monate toll unterstützt hat, fühle ich mich alleine. Es vergeht fast kein Tag an dem ich nicht fürchterlich weinen muss. Mehr fehlt jegliche Konzentration bei meiner Arbeit, ich bin leicht reizbar, jedes laute Geräusch geht mir unter die Haut und ich habe Angst, dass wieder was passieren könnte. Es ist zum aus der Haut fahren und ich habe keine Geduld mehr mit mir. Ich bin 46 Jahre alt und trauere um meine "verlorene Kindheit" und schaffe es nicht im hier und jetzt zu leben. Man kann auch fast mit keinem mehr darüber reden, da es ja "nur" die Mutter war und man doch endlich in der Lage sein sollte "loszulassen".

Liebe Grüße
Birgit

Frenchie
02.01.2007, 10:31
Liebe Teichmuschel

Trauer ist etwas sehr, sehr indivuduelles.

Ich glaube, dass die Trauer um den Verlust des jeweiligen Menschen nur einen Teil der gesamten Trauer ausmacht.
Dazu kommt dann die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit, die Frage nach dem *Was kommt danach?*, die Frage nach dem eigenen Umgang mit dem Tod und wie gesagt bei jedem kommen noch individuelle Dinge dazu, die aus der eigenen Geschichte wachsen.

Vielleicht hilft es Dir mal zu schauen, ob es etwas anderes gibt, um das gleichzeitig *mittrauerst* und für das Du noch keinen Trost gefunden hast. Wie Du z.B. erwähnt hast, Deine verlorene Kindheit und vielleicht findet Du ja dann eine symbolische Abschiedszeremonie um Deinen Frieden damit zu schliessen. Das heisst, aber nicht, dass es von einem Tag auf den anderen vorbei ist, war es bei mir nicht. Aber es wird nach und nach weniger....

Und eine Lücke wird bleiben - denn sie verbindet uns auf ewig in Liebe mit den Verstorbenen.

Aufmunternde Grüsse
Frenchie

Lillian2207
02.01.2007, 12:42
Liebe Teichmuschel,

meine Therapeutin hat mir mal etwas verdeutlichen wollen, als ich Ihr genau die gleiche Frage gestellt habe, die Du hier gestellt hast: Trauere ich eigentlich normal?

Sie hat eine große herzförmige Schachtel genommen und geöffnet. Sie sagte: Das ist Ihr Herz.
Sie hat mich gefragt, welches mein erstes schlimmes Ereignis gewesen wäre und ich antwortet: die Trennung meiner Eltern da war ich sechs. Sie nahm einen Stein und legte Ihn in das Herz. Dann fragte Sie wieder: Welches Ereignis war das nächste, an das Sie sich erinnern können? und mir fiel gleich der Tod meines Haustiers, der Wechsel auf einen andere Schule und die daraus resultierende Einsamkeit, der Tod meiner Großeltern väterlicherseits, der Schulabgang, der Tod meines Opas etc ein. Für jedes Ereignis legte meine Therapeutin unterschiedlich große Steine in die Herzschachtel und sie war am Schluß tatsächlich fast voll geworden. Dann kam ich an das schlimmste Ereignis in meinem Leben: Andrés Tod und Sie legte den größten Stein den Sie hatte in die Schachtel. Dann erklärte Sie mir, dass ich jetzt nicht nur um den Tod von André trauere sondern ein bisschen um jeden dieser Steine der in einem Herzen ist. Schlimme Erfahrungen lassen uns all das wieder hoch holen, was wir schon fast vergessen hatten. Ereignisse die wir früher entweder verdrängt haben, zu wenig drum getrauert oder ignorierten haben. Und daher sind solch tiefe Wunden nicht so einfach zu überwinden, weil sie viele kleine andere Wunden gleich wieder mit aufreißen!

Liebe Teichmuschel, wir trauern richtig! Wir dürfen wegen alles und jeden trauern. Wir dürfen Angst haben, Mitleid und Selbstmitleid so viel wir wollen und wir suchen uns einen Weg wie wir am besten damit umgehen können! Ich wünsche Dir für morgen einen guten Tag. Einen Tag voller schöner Erinnerungen an Deine Mutti aber ohne Schmerz im Herzen. Denn das sind die schönsten Tage die wir haben können! Erinnerungen mit einem Lächeln auf den Lippen!!!!

Drück Dich
Lillian

Lorolli
02.01.2007, 15:17
Liebe Lililan,

Deine Therapeutin ist eine kluge Frau. Danke, dass Du es uns hier geschrieben hast.

Liebe Grüsse
Lorolli :blumengabe:

amaruschka
02.01.2007, 15:36
Liebe Lilian,
ich danke dir auch für dieses tröstliche Bild. Und ich wünsche dir, dass die lächelnden Tage Stück für Stück mehr werden, auch wenn dein Herz mit dieser schweren Erfahrung leben muss.
Umarmung und dir ein besonders gutes neues Jahr
Amaruschka

Inaktiver User
02.01.2007, 17:44
Liebe Lillian,
ein Herz voller Steine, was für ein trauriges Bild!
Meine Augen werden gerade feucht.

Weise ist deine Therapeutin, kein Zweifel. Irgendwann ist jedes Herz übervoll und beschwert von schmerzlichen Ereignissen. Dann fehlt nur ein weiteres Steinchen, und das Herz bricht.
Wehe, wenn es ein Felsen ist, der das Herz brechen läßt !

Meine Ärztin-Therapeutin damals hat zu mir gesagt:
Trauerarbeit ist wie Bergwerksarbeit

dunkel und hart
aber nach der Arbeit kehren wir zurück ins LICHT !


Eine Umarmung für alle hier, die so schwer schuften, um zu leben

Eva2
02.01.2007, 19:13
ja. ich kanns nur bröckchenweise ab-tragen.
und jeder klitzekleine brocken wiegt!
weiss ja auch nicht was ich hab. urlaub?
ohne maske? muss nicht die fröhliche wirtin sein!
kann hier bei euch sein und flennen.

Monkele
02.01.2007, 19:15
@Eva2- Ich sehe, du hast es selbst gefunden! Schau mal in dein Gästebuch. :smirksmile:

Monkey

Eva2
02.01.2007, 19:18
hat mich ja niemand heulen lassen, als a. starb war ich auf ner hochzeit eingeladen, und die sagten zu meinem mann:
ach gott, DIE ist aber dünnhäutig!
-das verzeih ich denen NIE!-

und mir ist nur so: bin ich denn bekloppt weil ich sie so vermisse?
könnte mich mit jedem der herkommt, und sagt:
stell dich nicht so an... auf die gusche hauen.

mag ja sein, das trauern egoistisch ist...
das ich zum therapeut muss (morgen hab ich termin)
der bringt sie aber auch nicht zurück.

Hagazussa
03.01.2007, 13:28
liebe lillian, dieses Bild hat mich auch sehr berührt - ich hatte über die feiertage wohl zentnerweise steine angesammelt. hab zwar auch viel geweint, aber es hörte nicht auf ...
danke für diesen beitrag und alles liebe für euch alle, denen es ähnlich geht.

Inaktiver User
05.01.2007, 21:38
Meine Tante ist gestern ins Krankenhaus gekommen. Sie hat eine starke Entzündung im Körper, bekommt sehr hohe Cortisondosen, aber keiner findet die Ursache.
Auf ihrem „guten“ Auge kann sie nun auch nichts mehr sehen. Auf dem anderen ist sie seit der Thrombose im letzten Jahr blind.
Jetzt ist ihr Blutdruck so hoch und sie bekommen ihn nicht herunter. Ihr ist gesagt worden, dass die Gefahr eines Hirnschlags besteht.

Sie hat solche Angst.

Eine Kerze für meine Tante R., für die ich in der letzten Zeit vor lauter eigenem Kummer nicht da war.
Sie ist die tapferste Frau, die ich kenne.

_Beate_
05.01.2007, 21:47
Meine Tante ist gestern ins Krankenhaus gekommen. Sie hat eine starke Entzündung im Körper, bekommt sehr hohe Cortisondosen, aber keiner findet die Ursache.
Auf ihrem „guten“ Auge kann sie nun auch nichts mehr sehen. Auf dem anderen ist sie seit der Thrombose im letzten Jahr blind.
Jetzt ist ihr Blutdruck so hoch und sie bekommen ihn nicht herunter. Ihr ist gesagt worden, dass die Gefahr eines Hirnschlags besteht.

Sie hat solche Angst.

Eine Kerze für meine Tante R., für die ich in der letzten Zeit vor lauter eigenem Kummer nicht da war.
Sie ist die tapferste Frau, die ich kenne.


Ich stelle eine Kerze für Deine Tante dazu :) .... und keine Vorwürfe machen, wegen "für die ich in der letzten Zeit vor lauter eigenem Kummer nicht da war" ... wir müssen auch Platz für unseren eigenen Kummer haben ... und das ist auch in Ordnung so! :blumengabe:

Atis
05.01.2007, 21:49
Alles Gute für Deine Tante, Muschelkalk - und Beates Worten schließe ich mich an... :blumengabe:

Madame_butterfly
05.01.2007, 21:55
Liebe @Muschelkalk,

mein Herz ist mit Dir und Deiner Tante. Ich stelle eine Kerze für Deine Tante hinzu ... :kerze:

Ihr alle im Himmel, bitte helft Muschelkalks Tante und nehmt ihr bitte, bitte auch die Angst ...

Eine liebevolle Umarmung,

Inaktiver User
05.01.2007, 22:48
Danke für Eure lieben Worte und für die Kerzen.

Danke

Inaktiver User
05.01.2007, 22:55
Liebe @Muschelkalk,

mein Herz ist mit Dir und Deiner Tante. Ich stelle eine Kerze für Deine Tante hinzu ... :kerze:

Ihr alle im Himmel, bitte helft Muschelkalks Tante und nehmt ihr bitte, bitte auch die Angst ...

Eine liebevolle Umarmung,

Liebe Madame_butterfly

Ich werde mir dies ausdrucken und meiner Tante morgen mitbringen und vorlesen.
Ich kann es Dir nicht erklären, warum gerade diese Worte ihr helfen werden, aber ich weiß, dass sie es werden.


Liebe Beate und liebe Atis,

auch über Eure Wünsche und Gedanken wird sie sich sehr freuen.

Inaktiver User
07.01.2007, 23:49
Hallo,

es war genau so, wie ich es gefühlt habe.
Meine Tante hat geweint, als sie von Eurem Mitleid, den Kerzen und (wie ich ihr sagte) Gebeten gehört hat.
Es hat ihr sehr geholfen.

Ihr Blutdruck ist seit heute morgen im normalen Bereich.
Sie bekam gestern 250mg Kortison, heute 200mg. Ihr wurde gesagt, ihre Arterien seien entzündet.
Ihr gutes Auge ist aber irreperabel erblindet. Das schlechte Auge ist nach der Thrombose doch nicht ganz blind, aber fast.
Nun wollen die Ärzte ein "Schleiersehen" retten.

Sie ist wirklich unglaublich tapfer. Seit heute morgen ist sie auch ohne Schmerzen und fleißig am üben mit ihrer Umwelt ohne Augenlicht klar zu kommen.

Hier im Forum gibt es den Strang: "Welche Frauen bewundert ihr am meißten"

Ich bewunder meine Tante.
Und Euch, die ihr Euer Mitfühlen bewahrt habt. So viele hier, die mit ihrem eigenen Schmerz zu kämpfen haben und dennoch versuchen anderen zu helfen.

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Liebe Grüße, Muschelkalk

Atis
08.01.2007, 00:21
Wie schön, dass es Deiner Tante etwas besser geht, Muschelkalk, das freut mich sehr! :blumengabe: :wangenkuss:

Ursus
08.01.2007, 11:15
Liebe Hagazuzza,
wir sind uns in einem anderen Strang schon begegnet. Es ging mir sehr lange sehr sehr schlecht, so dass ich nie geantwortet habe.
Gar nichts mehr unternommen habe. Die Feiertage sind eigentlich nicht zum Aushalten, vor allem dann nicht, wenn man versucht an das alte Leben anzuschliessen. Wir haben uns entschlossen, alles anders zu machen ,eben so , wie wir uns fühlen. Traurig , verzweifelt und das Herz voller schmerzender Sehnsucht. Nichts von Feiern, einfach so wie jeder andere Tag auch, nur noch bewusster.
Heute habe ich Geburtstag und auch dieser Tag ist anders als früher, ganz anders. Ich fühle mich schwer und die Tränen liegen wie so oft dicht unter der Haut. Es brennt. Wie soll ich mich auch für mich freuen , wenn mein Sohn nicht einmal 8 oder 9 werden kann. Das ist unmöglich. Und ich versuche auch nicht mehr etwas daran zu ändern. In der Trauer um den Tod eines Kindes sind wir untröstlich. Ich gehe heute , wie fast jeden Tag, zu seinem Grab und schaue nach den Kerzen , und ob neue Blumen fällig sind. Und frage mich , wie jeden Tag, wie lange ich das noch aushalten muss.
Ich bin in Gedanken bei allen , die ein schweres Leid ertragen müssen
Liebe Grüsse
Ursus

Inaktiver User
08.01.2007, 14:14
Nachdem meine Mutter sich einige Zeit lang geweigert hat, zum Orthopäden zu gehen, hatte ich sie nun heute endlich soweit !

Das Ergebnis: die Schmerzen rühren von einem in sich zusammengebrochenen Brustwirbel her !

(genau das, was ich ihr vorhersagte)

Donnerstag wird ein Kernspin gemacht. Mal sehen, wie es danach weitergeht.

Die Osteoporose ist auch schlimm und behandlungspflichtig, sage ich ihr schon seit Jahren! (ungelogen seit Jaaahren)

Aber hört sie auf mich? NEIN !

Darüber mache ich mir Gedanken, was wohl so schwer daran ist, auf mich zu hören. Ich hatte bis jetzt immer Recht, wenn es um solche Dinge geht. Immer.
Ich meine es doch nur gut mir ihr.

Atis
08.01.2007, 16:50
Liebe Lavendelmond,

ähnliche Situationen kenne ich auch, mein Mann und ich können auch monatelang sagen, "Das ist bestimmt dies und jenes / Mach doch mal dies oder jenes". Keine Reaktion. Dann gehen sie irgendwann zum Arzt, der sagt das, was wir schon seit Ewigkeiten predigen, aber GEMACHT wird erst dann etwas. *Seufz*. Manchmal kommt es einem vor, als seien die Eltern-Kind-Rollen vertauscht, nicht wahr?

Inaktiver User
08.01.2007, 17:07
Liebe Lavendelmond,

ähnliche Situationen kenne ich auch, mein Mann und ich können auch monatelang sagen, "Das ist bestimmt dies und jenes / Mach doch mal dies oder jenes". Keine Reaktion. Dann gehen sie irgendwann zum Arzt, der sagt das, was wir schon seit Ewigkeiten predigen, aber GEMACHT wird erst dann etwas. *Seufz*. Manchmal kommt es einem vor, als seien die Eltern-Kind-Rollen vertauscht, nicht wahr?



oh ja, so isses
:gegen die wand:

Inaktiver User
10.01.2007, 08:56
hallo Leute, ich schon wieder
mit meinem "Dauerthema" :gegen die wand:

jetzt erzählt meine Mutter Lügengeschichten über mich, habe ich durch meine Schwester erfahren

ich würde von ihr Geld bekommen und mich nicht mal bedanken
und es sei auch nichts zu Essen im Haus....

ja, Geld hat sie mir vorgestern gegeben, 50 € für Fahrkosten (Busbegleitung) und den Zeitaufwand, den ich mit ihr immer habe
aber ich HABE mich bedankt
und sie HAT auch Essen im Haus

eines ist sicher: Das Geld knalle ich ihr heute auf den Tisch und nehme nie wieder einen Euro an

da ist noch mehr, ich kann das alles gar nicht erzählen:gegen die wand:
AUA

Lorolli
10.01.2007, 10:39
eines ist sicher: Das Geld knalle ich ihr heute auf den Tisch und nehme nie wieder einen Euro an

Hallo Lavendelmond,

du wärst aber schön dumm, wenn Du das machst. Du hast doch das Geld für sie ausgegeben und es ist Deine Zeit, die Du für Deine Mutter opferst.
Du weisst doch inzwischen, dass Deine Mutter dement ist und morgen nicht mehr weiss, was sie heute sagt.
Versuche doch, dir ein dickeres Fell anzuschaffen, denn ich befürchte, dass das alles erst der Anfang einer sehr schwierigen Zeit für Dich ist.

Knuddel Dich mal. :kuss:
Lorolli

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

teichmuschel
10.01.2007, 11:42
Hallo Lavendelmond,

kann mich den Worten von Lorolli nur anschliessen. Wenn Du ein gutes Verhältnis zu Deiner Schwester hast und mit ihr über diese Dinge - Geld von Mutter, Einkaufen gehen usw. - sprichst können später auch keine Missverständnisse auftreten. Außerdem würde ich Dir raten, für den Fall der Fälle, ein "Haushaltsbuch" zu führen mit den entsprechenden Einnahmen und Ausgaben und auch die zeitlichen Aufwendungen für Deine Mutter festhalten.
Klingt sehr bürokratisch, kann aber später nur dienlich sein.
Als meine Mutter starb haben meine Geschwister und ich alles gemeinschaftlich geerbt. Mein Bruder ist im Haus wohnen geblieben, war vorher schon da. Wir haben keine Probleme mit dem Gemeinschaftserbe, haben jedoch alle Abmachungen, wie Miete, wer welche Kosten übernimmt usw., schriftlich festgehalten, alle unterschrieben, und jeder hat eine Kopie bekommen. Die Idee dazu hatte mein Lebensgefährte und ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Wenn ich lese was Du und Deine Mutter durchmachen müssen kommt mir manchmal der Gedanke, dass ich dankbar bin, dass meine Mutter mit 73 Jahren ganz plötzlich an einem Schlaganfall gestorben ist und ihr somit Leiden und ganz besonders eine Persönlichkeitsänderung durch Demenz erspart geblieben ist - und uns natürlich. (Hört sich schlimm an, ich weiß, und ich habe ein schlechts Gewissen deswegen).

Ich wünsche Dir viel Geduld und dass Du öfters einfach nur an Dich denkst, ohne schlechtes Gewissen. Du brauchst die "Auszeiten"!
Teichmuschel

Inaktiver User
10.01.2007, 11:55
Lorolli, zu spät ! Sie hat das Geld schon zurückbekommen
Ich habe heute mit ihr Tacheles geredet.
Demenz hin oder her.
Habe ihr gesagt, dass das alles so keinen Sinn macht, wenn sie Therapien und Diagnostik unterwandert (hat Ampullen weggeworfen z.B.)
Wir sind jetzt so verblieben, dass sie erstmal in eine Klinik gehen wird (gerontopsychiatrisch), dass Fachleute UNS sagen sollen, was sie nun noch wirklich kann und was nicht, und wie es weitergehen soll.

Ich bin anscheinend unfähig, mir ein dickes Fell anzulegen. Das geht mir echt unter die Haut. Sie will immer nur den Kopf in den Sand stecken, aber Wirbeleinbrüche und erweiterte Hirnkammern kommen nicht von allein in Ordnung. Und sie leidet "wie ein Tier", das SEHE ich doch ! Sie hat sehr starke Schmerzen und keine Lebensqualität. Ich will ihr doch nur helfen.

Sie sagt, sie vertraut mir, aber sie hört im Ernstfall nicht auf mich.

Teichmuschel, das mit dem Aufschreiben ist gut. Ich habe auch einen hübschen Kalender gekauft, wo viel Platz zum Aufschreiben ist (Haushaltsgeld etc., Termine), aber sie will das nicht - "NEIN, das habe ich noch nie so gemacht, ich mache das auf meine Art...."
Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als das gegen ihren Willen zu notieren?!

Aufs Wochenende freue ich mich. Da haben wir zwei Verabredungen.
1x Gottesdienst und gemeinsames Abendessen mit der Gemeinde (mein Mann ist im Posaunenchor)
und am Sonntag gehen wir mit Sohn und allerbester Lieblingsfreundin ;-) zum Chinesen, original Peking-Ente essen !

das gibt mir neue Kraft
und ich bete um mehr Geduld

(aber manchmal ist es auch gut, wenn man mit seiner Geduld am Ende ist - Thema Grenzen ziehen...)

ness
10.01.2007, 12:08
Hey Lavendelmond!

find ich gut, dass jetzt die geduld verloren hast und sie jetzt mal in eine klinik geht.
leider is das ziemlich anstrengend für dich, so weit zu kommen, bis du zerplatzt(nehm ich an).
dennoch is ja jetzt etwas gutes für euch entstanden, oder? ein schritt, der klarheit bringt. zumindest ein stück weit.

und vielleicht dadurch auch entlastung für dich, oder?
auch die aussicht, auf kommende schöne ereignisse ist gut!!!


dann wünsch ich dir ein wunderschönes wochenende, wo du viel viel kraft tanken kannst!!!:blumengabe:
ness

Frenchie
10.01.2007, 12:54
Liebe Lavendel


Ich glaube, die schwierige Lektion ist, zu verstehen, dass sie nichts mehr in *böser Absicht* machen kann.


Sie tut nichts, um Dir bewusst weh zu tun.
Das heisst nicht, dass Du Dir alles gefallen lassen musst...oder dass Ihr Verhalten nicht verletzend ist...
Sicher nicht, ABER frag Dich nicht warum sie das tut, denn es steckt keine Absicht dahinter. Wir alle haben unsere negativen Seiten und die kommen im Alter und mit der Krankheit nur noch heftiger zu Tage.


Naja und was das Annehmen von Ratschlägen angeht, ich denke, da haben wir alle gelegentlich unsere *Beratungsresistenz*. :smirksmile:


Ehrlich gesagt, ich verstehe Deine Mutter da, nichts macht mich widerspenstiger als der Satz: "Siehst Du, ich hatte Dir doch gesagt..." Dann kann man bei mir Gift darauf nehmen, dass ich beim nächsten Mal aus purem Trotz das Gegenteil tue :smirksmile: .


Die Steigerung ist natürlich: "Das hast Du nun davon, dass Du nicht auf mich gehört hast..."



Was mir bei Ralph sehr geholfen hat:


Ich habe mir immer wieder gesagt: "Ich mache das alles nur für mich! Weil ich es will!"


Und nicht aus "aufopfernden Motiven".


Klar, ist das im Einzelnen manchmal wahnsinnig schwierig, aber ich finde, nichts ist gefährlicher für jede Beziehung (auch für eine gesunde) als dieses:


"Jetzt habe ich dies und jenes getan, nur Dir zuliebe, und jetzt wird es mir überhaupt nicht gedankt..."


Wenn Du es schaffst, die Dinge *Dir zuliebe* zu machen, dann bleibt nie eine Rechnung offen!


Viel Kraft wünsche ich Dir


Frenchie

Inaktiver User
10.01.2007, 17:30
ja Ness, wenn sie in einer Klinik wäre für einige Wochen, wäre das eine große Entlastung für mich , vor allem weil sie da "sicher" ist (in dem Sinne, dass immer jemand ein Auge auf sie hat) UND vor allem, danach werden wir eine fachlich fundierte Empfehlung bekommen, wie (und wo!) es weitergehen kann mit ihr. Ich als Laie kann das nicht entscheiden; ich habe damit keine Erfahrung, wie lange man einen dementen Menschen zuhause lassen kann.

Frenchie,
meine Motivation sich um sie zu kümmern kommt natürlich auch aus meinem Bedürfnis heraus, ihre Lebensqualität zu verbessern. Das ist mir ein Herzensbedürfnis, ich habe ja auch die Wohnung renoviert im Gedanken, dass es ihr hier viel besser gehen möge.
Und ich möchte mir auch noch in Jahren in die Augen sehen können, möchte wissen, dass ich für sie alles getan habe, was mir möglich ist.
Für ihre Krankheit kann sie nichts,ich weiß.
Aber zählt zur Krankheit auch das Zunichtemachen meiner Bemühungen um Verbesserung?? Ich kann das nicht immer klar unterscheiden, was ist jetzt Hirnfehlfunktion und was "Alterscharakter" und Zickigkeit.

Aber darum will ich ja auch jetzt verstärkt äußere Hilfe hinzuziehen. Ambulante Pflege und Tagespflege hat ihr ja nicht zugesagt.

Nun hoffe ich auf eine Klinik, wo sich auch psychologisch betreut wird. Es ist für sie ja auch schwer, das Alt und Krank-Sein zu ertragen und zu akzeptieren. Und die Hilflosigkeit. Und so weiter.


vielen lieben Dank für eure guten Wünsche!

am Freitag habe ich Gelegenheit mit dem Neurologen zu sprechen, die Hausärztin kann keine Einweisung machen (weil sie noch keine Befunde hat)

Frenchie
10.01.2007, 17:46
Liebe Lavendel

Ich glaube, es geht auch darum, Deine Mutter so zu akzeptieren wie sie ist und das heisst auch: Sie wird sich in ihren letzten Jahren nicht mehr zur Mutter verändern, die Du Dir gewünscht hast.

Möglicherweise werden durch die Krankheit ihre Macken nur schlimmer.

Du brauchst nicht unterscheiden, Dinge verletzen - egal aus welcher Motivation heraus sie gesagt oder getan werden.

Du kannst Dich schützen oder Du kannst Dich wehren.

Wehren hat oft das Ziel, eine Situation oder einen Menschen zu ändern...

Schützen heisst, die Situation oder die Person annehmen und gut auf sich aufpassen...

Ich weiss, alle Vergleiche hinken in diesem Zusammenhang, aber stell Dir vor, Du hast einen nervösen Tick, der nicht heilbar ist. Wenn Du Dich annimmst mit dem Tick, dann wird er vermutlich schwächer und Du bemerkst ihn selbst kaum noch, Dein Leben verläuft ganz normal.

Schämst Du Dich aber für Deinen Tick, fühlst Du Dich deswegen unattraktiv, dann wird er Dich nerven, Dir Kraft rauben, das Leben zur Hölle mache und vor allem es wird immer schlimmer werden.
ABER es wird nichts an dem Tick ändern....

Geh einfach davon aus: Deine Mutter wird sich nicht mehr ändern. Sie kann Dir nicht mehr geben, was sie in der Kinderheit verpasst hat Dir zu geben. Vor allem würdest Du damit Dein Glück von ihrer Verfassung, von ihrer Persönlichkeit abhängig machen...
Wenn Du es aber schaffst, sie zu akzeptieren wie sie ist, dann wird glaube ich vieles leichter und vor allem: Du hast es selbst in der Hand...

Das ist ein langer Prozess - ich bin schon eine halbe Ewigkeit daran. Aber ich merke, es trägt Früchte. Meine Mutter ist nicht mehr für mein Wohlbefinden zuständig - aber sie hat auch nicht mehr die Macht mir mein Wohlbefinden zu zerstören.

Ärgern und fetzen wie man es mit anderen Menschen auch macht, die vielleicht sogar angeschlagen sind, das ist in meinen Augen normal. Aber typisch für Mutter-Kind-Beziehungen ist eben, dass die Distanz fehlt und die kannst Du nach und nach selbst herstellen und dann fällt auch das lieben wieder leichter!

Wünsche Dir viel Kraft
Frenchie

Inaktiver User
10.01.2007, 17:53
Lieber Lavendelmond

So geht es mir seit Gedenken mit meiner Mutter.

Kl. Töchter, jugendliche Weibsen, junge Frauen,
werdende Mütter, erwachsene Frauen, strecken ihrer
eigenen Mutter immerwieder die Hand entgegen.
Immerwieder wird gleich der ganze Arm mitgerissen
oder die Hand abgewehrt.

Ich liebe meine Mutter sehr, obwohl sie mir nie nah kam.
Es nicht wollte. Es nicht kann.
Deine Situationen kenn ich in eigenen wenn auch anderen
Fallbeispielen.
Ich muss dich dennoch bewundern wie lange du immer
die Stange hälst.
Ich bin schon lange weg von meiner Mutter.
Nur telefonisch sind wir sehr oft in Verbindung.
Erst vor ein paar Tagen lies ich sie 2 Stunden wieder reden.
Selten das ich sie so lange noch reden lasse ohne auszuflippen.
Aber ich genoss es. Ich hatte einen schlimmen Tag an diesem
Tag. Sie wusste es nicht, wie sie so vieles nicht weiss von mir.

Es tat gut ihr nur zuzuhören und ich schluckte mehrmals.
Versuchte es aber ihr nicht zu zeigen. Zu oft wurde ich
enttäuscht wenn ich ihr das Nahe trug. Das was ich fühlte.

Aber ich liebe sie und es ist so schlimm das man erst wenn
alles irgendwann vorbei ist denken wird, warum hab ich nicht
öfter durchgehalten, wenn ich dachte, jetzt reichts???

Liebe Grüsse :blumengabe:

Madame_butterfly
10.01.2007, 20:00
Hallo,
es war genau so, wie ich es gefühlt habe.
Meine Tante hat geweint, als sie von Eurem Mitleid, den Kerzen und (wie ich ihr sagte) Gebeten gehört hat.
Es hat ihr sehr geholfen.

Ihr Blutdruck ist seit heute morgen im normalen Bereich.
Sie bekam gestern 250mg Kortison, heute 200mg. Ihr wurde gesagt, ihre Arterien seien entzündet.
Ihr gutes Auge ist aber irreperabel erblindet. Das schlechte Auge ist nach der Thrombose doch nicht ganz blind, aber fast.
Nun wollen die Ärzte ein "Schleiersehen" retten.

Sie ist wirklich unglaublich tapfer. Seit heute morgen ist sie auch ohne Schmerzen und fleißig am üben mit ihrer Umwelt ohne Augenlicht klar zu kommen.




:blumengabe: für Dich, Muschelkalk ...

&

:blumengabe: für Tante Muschelkalk ...

Liebe, liebe Grüße

Inaktiver User
13.01.2007, 01:11
:blumengabe: für Dich, Muschelkalk ...

&

:blumengabe: für Tante Muschelkalk ...

Liebe, liebe Grüße

:wangenkuss:

Ganz liebe Grüße zurück :blumengabe:

Inaktiver User
13.01.2007, 15:12
Meine Mutter driftet ab ins Wahnhafte.
Der Neurologe sagt, ich soll zum Amtsgericht gehen und eine Betreuung beantragen (was früher Entmündigung hieß)
Jetzt frage ich mich, übernehme ich das zur Gänze oder lasse ich da einen Fremden mitentscheiden.

Die Mutter muss noch in 3 verschiedene Krankenhäuser. Der gebrochene Brustwirbel soll unterspritzt werden, der Hirndruck muss gemessen werden, evtl. wird ein Shunt gelegt und sie soll -und will letzteres auch- in die Gerontopsychiatrie für einige Wochen (bloß weiß sie nicht, was das ist... aber sie will "Gespräche und Aufbauung")

Das Schlimme für mich ist im Moment, dass ein ambulanter Pflegedienst mir nichts nutzt, weil sie keine Fremden an sich ran läßt. Ich bin ganz blaß und erschöpft und sehne die Zeit herbei, da sie in der Psychiatrie sein wird. Dann habe ich Ruhe und andere die Verantwortung.

Mal wertet sie mich total ab und beleidigt mich, mal lobt sie mich in den Himmel vor anderen.

Der Orthopäde, der sie nur 1x (!) gesehen hat, war total arrogant und frech zu mir, weil ich sagte, ich käme allein zur Befundbesprechung, weil die Mutter dement sei und doch alles gleich wieder vergißt, was er sagt.
Er hat mir dann den Befund erläutert und die Möglichkeiten einer Therapie betreffs des gesinterten Brustwirbels erklärt und fragte mich dann grinsend ob ICH auch alles verstanden hätte, was er eben erklärt hat.

Unverschämter Kerl !
Da gehen wir nicht mehr hin. Es gibt auch noch andere, die Osteoporose behandeln können.

seufz
seufz
seufz

habe mir was anderes von diesem Jahr gewünscht :-(

Inaktiver User
13.01.2007, 15:24
Liebe Lavendel,

die Frage der Betreuung solltest du vielleicht mit deinen Schwestern besprechen.

Von meinen Jugendlichen her kenne ich die verschiedensten Betreuer. Alle haben etwas gemein: wenn ich sie dringend sprechen muss, sind sie nicht erreichbar.

Letzte Woche habe ich einen betreuer versucht zu erreichen. Gestern hatte ich die Faxen dick und bin über das Jugendamt gegangen. Der Betreuer war erkrankt, niemand fühlte sich befigt, nun als Vertretung zu agieren. Für den Jugendlichen, der auf seinen Betreuer angewiesen ist, wäre es fatal geendet, wenn ich nicht einfach gehandelt hätte, ohne den Betreuer zu sprechen. Bei dem Jugendlichen ging es um die Abwendung einer Ordnungshaft. Das ist aber eine andere Baustelle, die nicht hier her gehört.

Was ich dir damit sagen will: fremde Betreuer haben nie den Bezug zum Patienten wie Familienangehörige. Und viele Betreuer haben zu viele Kunden.

Wann habt ihr den Termin beim Neurologen? Wenn alle Stricke reißen, solltest du deine Mutter als Notfall in die Klinik bringen lassen. Es sollte allerdings eine Klinik mit Neurologie sein.

Einer meiner Kiddies hatte einen Termin beim Neurologen in etlichen Wochen. Dann bekam er einen Anfall und musste per RTW ins Krankenhaus. Da ich von dem Termin wusste, habe ich den Notarzt gebeten, den jungen Mann ins EvK zu bringen. Ich sagte nur, der junge Mann sei beim Neurologen in Behandlung. Und siehe da, er kam auf die Neurologie und konnte schneller untersucht und behandelt werden.

Ich drück dich einmal ganz lieb.

Alels Gute
Citro :blumengabe:

Siljastern
13.01.2007, 17:51
Hallo Lavendelmond,

ich war Betreuer bei meiner Grossmutter. Ich würde dies auch immer im Familienkreis (sofern machbar) belassen. Wenn Du noch Geschwister hast, sprich Dich mit Ihnen ab. Die Verantwortung trägst aber Du alleine, was sehr positiv aber auch manchmal weniger gut sein kann.

Für mich war es gut auch ausserhalb der emotionalen Ebene etwas tun zu können, z.b. Arztgespräche, Unterbringung (Oma hatte sehr starke, eigengefährdende Altersdemenz) regeln zu können.

Alles Gute, viel Kraft wünsche ich Dir!:blumengabe:

Silja

Laurinchen
13.01.2007, 19:40
Hallo Lavendelmond, einige ambulante Pflegedienste haben gerontopsychatrische Fachkräfte, die auch zu Hause beraten und viele nützliche Tips geben können.
Zum Thema Betreuer kann ich mich Citronella nur anschliessen, das funktioniert bei Erwachsenen auch nicht anders, wenn Ihr die Betreuung innerhalb der Familie übernehmen könntet, wäre es bestimmt die bessere Lösung. Aber nur wenn ihr die Kraft dafür aufbringen könnt.
Viel Kraft wünscht Dir Marianne

Inaktiver User
13.01.2007, 22:30
Liebe Citronella, Siljastern und Laurinchen !

Ihr habt Recht, Fremde sollte man da besser rauslassen.
Wir besprechen das gerade unter uns Schwestern und Schwager und werden nächste Woche die Entscheidung treffen.
Mir ist es wichtig, dass nicht ich die Frage der Unterbringung entscheiden muss.

Heute Abend waren mein Mann und ich zu einer Gemeindefeier, am Anfang des Abends stand ein Taizé-Gottesdienst, mein erster. War der schön ! Wir haben so viel gesungen, das war eine Wohltat. Danach gab es ein kaltwarmes Büffet und ein Spiel, was allen Spaß machte. Wir haben uns da nett unterhalten mit den anderen.

Nach gerontopsychiatrischen Fachkräften werde ich mich mal erkundigen.

gute Nacht !

Milla
25.01.2007, 10:30
Warum kann ich mich nicht mehr über die Schwangerschaften im Freundeskreis mitfreuen, so wie ich es bis vor ein paar Monaten noch getan habe? Warum wünsche ich im insgeheimen niemandem mehr ein gesundes Kind?
Gestern bekam ich den Anruf einer Bekannten das sie wieder schwanger ist. Und das haut mich um... Und auch die Tatsache das zwei meiner Freundinnen offen sagen sie planen das nächste Kind?

Weil mein drittes Wunschkind durch die genetische Veranlagung zu einer Krankheit nicht mehr existieren darf?
(zumindest auf "normalen" Wege)

Bei all denen die vor/während/kurz nach mir schwanger waren ist das alles total egal!
ABER JETZT??????!!!!!!!!!!!!!!!!!!

....Ich bin vor allem darüber traurig das ich so denke/fühle.....

Inaktiver User
04.02.2007, 04:52
Ich mache mir ziemlich Gedanken darüber, was die große Untersuchung am Montag ergeben wird - bleibt's bei massiven Herzrhythmusstörungen oder habe ich tatsächlich einen Herzinfarkt (hinter mir) ?
Ich bin Mitte 30 und kann derzeit nichtmal 5 Minuten an den PC, ohne daß meine Pumpe rumzickt.
Bleibt das jetzt so ... ? Hoffentlich nicht.

:knatsch:


Chapeau

Inaktiver User
06.02.2007, 21:24
Ich seit einigen Minuten sehr, sehr traurig.
Jetzt ist die das letzte Fünkchen Liebe, das ich für meine Mutter noch im Herzen trug, erloschen.

Sie hat eine Grenze überschritten, die eine Mutter nicht überschreiten sollte.
Und sie hat es zum wiederholten Male getan.

Und nun kann und will ich nicht mehr.
Aus.
AUS!


Lavendelmond, ziemlich fassungslos


Jetzt zitiere ich mich selber :ooooh:

Als ich das obige schrieb, da wußte ich noch nicht, wie krank meine Mutter ist und dass sie einen massiven Hirnabbau hat und einen Hydrocephalus und anderes mehr. Und dass ihr Verhalten zum größten Teil aus dieser Krankheit resultiert.

Der Liebesfunken ist nicht erloschen.
Aber ich muss lernen, mich emotional mehr zu distanzieren. Aber WIE macht man das?
Mein Blutdruck war heute wieder recht hoch. Sie ist jetzt stationär im Krankenhaus. Ich dachte, jetzt habe ich wenigstens 2 Tage Ruhe bis zum nächsten Besuch (meine Schwestern besuchen morgen und übermorgen, dann ich wieder usw.)
Ich habe sie mit der Taxe ins KH gebracht (andere Stadt)
Kaum war ich zuhause, rief der Stationsarzt an, sagte ich hätte nicht weggehen sollen, er hätte Fragen. Aber ich war gut DREI Stunden da, habe alle Formulare und Papiere ausgefüllt und unterschrieben, die man mir vorgelegt hat, habe auch ein DIN A 4 Blatt mit wichtigen Infos abgegeben, ihre Medikamente, Verhaltensweisen, etc.
Aber anscheinend hat das nicht "gereicht"
Sie wollten, dass ich HEUTE Abend noch was unterschreibe (hallo? ich wohne 60 km weit weg) - also habe ich meine Schwester hingeschickt, die 8 km weg wohnt.
Spät Abends rief das KH wieder an, diesmal die Anästhesistin, weil meine Schwester nicht alle Fragen beantworten konnte (Medikation... kann sie auch nicht wissen)
Jedenfalls muss jetzt erst noch das Blut extra untersucht werden, weil die Mutter blutverdünnende Mittel nimmt.
Hätte das nicht vorher gesagt werden können? Jetzt muss die operative Diagnostik vielleicht verschoben werden.

Irgendwie regt mich das alles auf. Nun ist die Mutter im KH und ich habe trotzdem keine Ruhe,hatte mich auf Entspannung gefreut.
Der Blutdruck von ihr betrug nur 64/34 !!!!! Das kann doch nicht wahr sein! Manchmal nimmt sie ihre Medikamente doppelt, habe ich herausgefunden. Was in letzter Konsequenz bedeutet, dass ich in Zukunft ihre Medis bei mir zuhause aufbewahren muss, und jeden Tag rübergehen muss um sie ihr als Tagesration zu bringen. Sie wird darüber sicher wütend sein und ich kriege alles ab.

Ich mache mir Gedanken, zu viele Gedanken.
Ich merke, dass es mir nicht gut tut, diese Verantwortung zu tragen, aber ich kann mich ihr auch nicht mit gutem Gewissen entziehen.
Ich kann meine Emotionen nicht genügend kontrollieren. Sie schlagen voll durch, machen mir heftige psychosomatische Reaktionen. Ich muss mich quasi vor mir selber beschützen, hahaha.. *leichtbitterlach*


@ Chapeau: ich wünsche deinem Herzen alles Gute ! lass von dir hören, wenn du den Befund hast, ja?

@Milla: für deine Gefühle musst du dich nicht schämen, ich fühle ähnlich, aber nicht Schwangeren gegenüber... ein anderes Thema bei mir
ich glaub, wir können nix dafür
ist zu viel verlangt
aber etwas peinlich ist es mir auch

seufz

viele liebe Grüße an alle, die hier im Strang schreiben und lesen :blumengabe:

lylanpetto
06.02.2007, 23:03
Liebe Lavendelmond,

du musst deine Mutter nicht in ihrer Wohnung versorgen. Das musst du dir wirklich nicht antun.
Ja, beantrage beim zuständigen Amtsgericht eine Betreuung und schlage dich selbst als Betreuerin vor.
Dann bekommst du folgende Aufgaben übertragen.
- Sorge für die Gesundheit
- Aufenthaltsbestimmung
- Vermögenssorge
- Entgegennahme, Öffnen und Anhalten der Post
- Vertretung ggü. Heim-/Klinikleitung, Behörden, Versicherungen, Institutionen.

Mit der Aufenthaltsbestimmung bist du berechtigt, deine Mutter in einer Einrichtung deiner Wahl unterzubringen, was aber nicht heißt, dass du das nicht sofort nach dem Krankenhausaufenthalt vornehmen kannst. Wie du das am besten bewerkstelligst, kann dir der Soziale Dienst im Krankenhaus ganz genau erklären.

Ich, an deiner Stelle, würde versuchen, die Zeit, in der sie im Krankenhaus ist, dazu zu nutzen, mich nach einem geeigneten Altenheim in meiner Nähe umzuschauen. Bei deiner Mutter, die unter einem massiven Hirnabbau leidet und somit wohl als altersdement zu bezeichnen ist, ist es besonders wichtig, dass in diesem Heim die Möglichkeit gegeben ist, sich sein Zimmer mit den eigenen Möbeln einzurichten. Der Wiedererkennungswert ist für solche Menschen von zentrale Bedeutung, weil er das Heimatgefühl und somit einen wichtigen Teil der Orientierung "erhält".
Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gern an mich wenden.

Mach dir bloß keine Vorwürfe in Richtung "schlechte Tochter" oder so. Du kannst dich nicht ständig fertig machen. Deiner Mutter wird es in einem geeigneten Heim gut gehen, da bin ich mir sicher, auch wenn sie dir immer wieder sagt, dass sie nicht aus ihrer Wohnung wolle. - Du musst dich ferner von deiner Mutter von früher verabschieden, denn ihre hirnorganischen Veränderungen haben sie zu einer anderen gemacht, auch dann, wenn dir ihre Gehässigkeiten bekannt vorkommen mögen.

Was du für sie und dich tun kannst, ist, sie liebevoll zu behandeln und sie zu streicheln und in Frieden allmählich Abschied zu nehmen von ihr.

LG Lylanpetto

Inaktiver User
06.02.2007, 23:12
Liebe Lavendelmond,

leider kann ich Dir nur den Rat geben es nicht so nahe an Dich heranzulassen.
Meine Omi hat auch viele Dinge gesagt, die am Besten sofort vergessen wurden.
Es ist hier schon öfter geschrieben worden, alt werden ist nicht immer einfach. Auch, wenn man sich für ganz bestimmte Personen wünscht, sie hätten die Chance dazu gehabt.

Gerade für Menschen die stolz sind und ihren eigenen Kopf haben sind die klaren Momente, in denen sie ihre Hilflosigkeit sehen, sehr schwer.

Ja, die Gesundheitsreform, Kostenersparnis in den Krankenhäusern...Daraus resultiert dann, dass das Pflegepersonal, auch die Ärzte, unter ihrer Überforderung leiden, und dieses in Deinem Fall dann zu Deinem Nachteil war.

Hat 'Dein' Arzt schon seine Kerze bekommen?
Bei Dir ist immer noch Platz, für Gedanken an andere, und wie Du ihnen eine Freude bereiten kannst.
Schubs sie doch einen Augenblick raus und betüdel nur Dich. :blumengabe:

Ich wünsch Dir ein ganz tiefes Luftholen.

Alles Liebe für Euch :kuss:

Inaktiver User
07.02.2007, 10:50
ach Muschelkalk, wenn das man so einfach gehen würde.... nichts an sich ranlassen
ich glaube, da fehlt bei mir eine "Haut" oder irgendwas

jedenfalls wird die Mutter jetzt mit der Taxe nach Hause geschickt für 1 oder 2 Wochen
der Hausarzt soll das Blut kontrollieren, bis es nicht mehr so "dünn" ist und der Neurologe dann später eine neue Einweisung machen

und ich, die ich mich soooo auf einige ruhige Tage gefreut habe, muss jetzt für die Mutter erstmal Geld holen für den Eigenanteil Taxe und muss dann einkaufen, weil sie ja nichts im Kühlschrank hat und pipapo

also, ich muss jetzt wieder flexibel sein
wird nix mit schönem ruhigen Tag

ich merke, ich muss eine Entscheidung treffen für mich selber:

entweder kümmere ich mich klaglos um die Mutter
oder
ich überlasse das Professionellen, ambulant oder evtl. stationär, was der Mutter aber das Herz brechen würde

aber ich muss Grenzen ziehen!
meine Gesundheit leidet unter meiner Fürsorge und ich musste sogar meinen Job aufgeben, weil ich beides nicht schaffen, bin nicht mehr kraftvoll genug
dabei brauchen wir Geld, weil die Firma am Abgrund wandelt und der Chef seinen Männern den Lohn nur mit viel Verspätung zahlt
es ist jetzt Februar und wir haben für Dezember erst 600€ bekommen !!!!!!

da kommt wieder so viel zusammen auf einmal

entschuldigt bitte, wenn ich mich hier so "ausweine", so öffentlich
aber es tut gut, es wenigstens auszusprechen und zu sagen wie es ist, nichts beschönigen, das gibt mir Klarheit, wenn ich alles aufschreibe

mein Arzt hat mir gesagt, ich soll Rente einreichen, aber das geht nicht, ich falle durch die berühmten Maschen des Sozialnetzes, weil ich ja nur ganz wenig sozialversicherungspflichtig arbeiten konnte in den letzten Jahren

tja, das ist es worüber ich heute traurig bin und mir Gedanken mache


GUT, dass es diesen Strang hier gibt!
hier darf man "ungestraft" sagen was man fühlt und denkt, ohne dass andere, "stärkere" über einen herfallen, wie es so oft in anderen Unterforen geschieht


ich danke dafür !

Inaktiver User
07.02.2007, 10:51
@lylanpetto

Das Amtsgericht kommt nicht in die Pötte
Und ein Notfall liegt nicht vor, sagt das Krankenhaus

und ich bringe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht übers Herz

ness
07.02.2007, 10:58
Liebe Lavenelmond!

sei ganz herzlich gedrückt.

ja, sprich dich nur aus. ich bin auch so sehr froh, dass es dieses forum gibt, wo man sich ausweinen kann!!!!

tu dir was gutes. ich schick dir virtuell einen wunderschönen, Hoffnung gebenden Regenbogen!!!!

ness
:Sonne:

Frenchie
07.02.2007, 11:02
Etweder kümmere ich mich klaglos um die Mutter
oder
ich überlasse das Professionellen, ambulant oder evtl. stationär, was der Mutter aber das Herz brechen würde

Liebe Lavendel, das ist wirklich wahnsinnig viel...

Ich bin über diesen Satz oben gestolpert. Weisst Du, wir sind es so gewohnt zu viel zu geben, dass wir gar nicht wissen was *normal* ist.

Aber normal ist: Das zugeben was man hat...

Würdest Du Geld verschenken, dass Du nicht hast? Schulden machen, nur weil Dich jemand um Geld bittet?
Sicher nicht.

Dein Mutter braucht Deine Energie, aber sie braucht sicher nur das, was Du ihr geben kannst - das was Du hast...

Sicher wird sie es schade finden, wenn Du das ein oder andere an *Fremde" abgibst... Das ist verständlich, würde jedem von uns in dieser Situation ähnlich gehen. Aber nur weil sie etwas "schade" findet, brauchst Du nicht etwas geben, was Du nicht hast...

Ich mal Dir jetz mal ein Horror-Szenario aus:
Du gibst Deiner Mutter jetzt über Monate mehr als Du hast.
Irgendwann brichst Du total zusammen, finanziell seit Ihr vor dem Abgrund und schliesslich kannst Du gar nicht mehr zu ihr weil Du zu krank bist und Du kannst ihr nicht mal mehr finanziell helfen...

Ist das eine Lösung?

Besser wäre doch, jetzt mit Deinen Kräften und Deinem Geld gut zu wirtschaften, dass zu geben was Du kannst und alles andere versuchen an, Bekannte, an Personal, an Pflegedienste, etc. abzugeben...

Vielleicht hilft es Dir, eine Liste mit all den Dingen zu machen, die Du tust. Für die Familie, für Deine Mutter, etc und dann auch für diverse Sachen (meinetwegen von mir aus Fenster putzen) die nette Nachbarin oder eine Freundin bitten...

Ich glaube, manchmal ist es die Krux wenn man so gern und viel hilft und gibt, dass man gar nicht gelernt hat sich wirklich helfen zu lassen.

Liebe Grüsse
Frenchie

Vemi
07.02.2007, 12:27
Ja,Lavendelmond,hier darfst du alles schreiben,was dir auf der Seele liegt.
Ich schicke dir einen wärmenden Sonnenstrahl.*vorsichtigdrück*

Monkele
07.02.2007, 12:39
entschuldigt bitte, wenn ich mich hier so "ausweine", so öffentlich
aber es tut gut, es wenigstens auszusprechen und zu sagen wie es ist, nichts beschönigen, das gibt mir Klarheit, wenn ich alles aufschreibe


tja, das ist es worüber ich heute traurig bin und mir Gedanken mache



Genau dafür war es gedacht und genauso war der Strang gemeint! :blumengabe:

Für dich (http://cards.guweb.com/seelenfarben/create?image=http://www.seelenfarben.de/pk2006/2009.jpg), Lavendelmond

Herzliche Grüße

Monkele

Inaktiver User
07.02.2007, 15:35
Ihr seid so lieb zu mir :heul:



und @ Frenchie:

:peinlich: ich mache "sowas" tatsächlich, ich will dem Neurologen, der sie eingewiesen hat, eine Kerze schenken (was spezielles, eine Extraaanfertigung, 25€ und meine Schwester legt die Hälfte dazu), der Mann ist nämlich sehr engagiert und wandelt selber kräftemäßig am Abgrund, einer der wenigen guten "echten" Ärzte - (wir haben dieselbe Wellenlänge, haben uns bei der ersten Begegnung so toll unterhalten, 100 %ige Kommunikation!)
dabei haben wir im Grunde "kein Geld" mehr
darüber mache ich mir dann gar keine Gedanken, ich handle spontan und aus dem Herzen heraus, und schenke mit Freude

aber selber, so für mich, bringe ich es nicht fertig, mir mal für 5 € Blumen zu kaufen

da läuft wirklich was schief
ich muss damit aufhören
wenn ich es nur merken würde, wenn ich wieder mal zu viel gebe und aus dem Leeren schöpfe
:wie?:
komischerweise ist da immer noch was, in der "Leere"

ja, ich muss besser auf mich aufpassen :ooooh:

ich weiß wirklich nicht mehr, wie das ist, wenn man "normal" ist, ein normales, angemessen-egoistisches Leben hat

das ist zu lange her!

Monkele
07.02.2007, 18:28
Vielleicht nimmst du dir mal vor hier (http://www.brigitte.de/foren/showthread.html?p=1639133#post1639133) täglich, wenn du eh in der Bri bist, vorbeizuschauen?!

Grüßles

Monkey

Inaktiver User
07.02.2007, 18:37
Vielleicht nimmst du dir mal vor hier (http://www.brigitte.de/foren/showthread.html?p=1639133#post1639133) täglich, wenn du eh in der Bri bist, vorbeizuschauen?!

Grüßles

Monkey



*lächel* gute Idee :blumengabe::blumengabe::blumengabe:

Atis
07.02.2007, 18:37
Liebe Lavendelmond,

in einer "Checkliste für sicherheitsbewusste Flugreisende" steht folgender Text (ähnliches findet man wohl auch auf Schildern im Flugzeug, bin noch nie geflogen und weiss es daher nicht), und ich kopiere ihn mal hier hinein, weil ich finde, dass er sich auf manche Situationen im Leben übertragen lässt:


"Im Falle eines plötzlichen Druckverlustes

Ergreifen Sie unverzüglich die nächst liegende Sauerstoffmaske und binden sie sich um. (...)
Helfen Sie erst jetzt Ihren Sitznachbarn od. Kindern, die Sauerstoffmakse anzuziehen. Nur wenn Sie ihre eigene Maske schon aufgesetzt haben, können Sie anderen helfen, ohne selber in Ohnmacht zu fallen..."



Nur wenn man zuerst sich selbst hilft, kann man auch anderen helfen, nur wenn man dafür sorgt, dass man selbst Kraft tanken kann, kann man einen Teil dieser Kraft anderen schenken...
Wie Frenchie schon schrieb, wenn Du immer weiter nur gibst, gibst, gibst, wirst Du irgendwann so krank und erschöpft sein, dass Du nicht mehr kannst.

Bitte, lass Dir helfen, und bürde Dir nicht die ganze Pflege mehr oder weniger allein auf.

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Inaktiver User
07.02.2007, 22:01
du meinst das Ding da, (http://www.aborigines-aviation.de/Themen/Koeln2/022_R_ff800_ok.jpg) was da oben rechts baumelt ?
okay, ich schnappe es mir ;-)

Atis
07.02.2007, 22:03
du meinst das Ding da, (http://www.aborigines-aviation.de/Themen/Koeln2/022_R_ff800_ok.jpg) was da oben rechts baumelt ?
okay, ich schnappe es mir ;-)

:freches grinsen: :smirksmile: :blumengabe:

lylanpetto
07.02.2007, 23:33
@lylanpetto

Das Amtsgericht kommt nicht in die Pötte



Kenn ich ganz aktuell in Bezug auf einen Betreuungsantrag für meine Schwiegermutter auch.



Und ein Notfall liegt nicht vor, sagt das Krankenhaus

und ich bringe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht übers Herz


Ich weiß wie schwer das ist. Mein Mann hat auch lange dafür gebraucht. Aber weißt du, es wird sowieso nicht zu verhindern sein, denn ihr Zustand wird sich nie mehr bessern, sondern weiter verschlechtern.

Als Sofortmaßnahme - egal, ob das Krankenhaus einen Notfall attestiert oder nicht - hättest du die Möglichkeit, sie zu einer sogenannten Kurzzeitpflege im Altenheim unterzubringen. Das ist für ein paar Wochen und du kannst schauen, wie sie sich da fühlt und sie ggf. auch wieder zurückbringen in ihre Wohnung. Auskunft erteilt dir hierzu die Krankenkasse. Haben wir vor ein paar Jahren schon einmal mit der Schwiegermutter gemacht und ihr hat es gut gefallen.

Bitte versuch es! Du machst dich doch kaputt und hast ein Recht auf ein gutes Leben.

Frenchie
08.02.2007, 09:18
Liebe Lavendel

Meint Vater wollte natürlich auch nicht ins Pflegeheim.
Aber es ging wirklich nicht anders.

Kaum war er da, gefiel es ihm aber wirklich gut und weisst Du warum, weil er sich mehr gehen lassen konnte.
Das klingt zwar blöd, aber ich glaube alte, kranke Menschen wollen vor allem gegenüber ihren Angehörigen immer noch so "gesund und frisch" wie möglich wahr genommen werden.

Das ist eine mörderische Anstrengung. Ich beobachte es bei meiner Mutter und mir bricht es das Herz. Ich glaube, sie ist nach unseren Besuchen immer fix und fertig weil sie sich noch so Mühe gibt, fit zu wirken.

Ich gebe allerdings auch zu, dass ich Mühe damit habe, sie altern zu sehen. Von daher habe ich bisher auch nichts unternommen, dass sie sich traut sich "schwächer" zu zeigen...

Für meinen Vater war es eine Erleichterung, so mein Eindruck, dass er unter "Seinesgleichen" war. Er konnte auf einmal die ganze Verantwortung abgeben, er musste sich nicht mehr zusammenreissen, sich um nichts mehr kümmern, es war ja immer jemand da...

Wie gesagt, ins Pflegeheim gehen ist wahnsinnig schwierig und jeder wird es so weit es geht nach hinten hinaus schieben.
Aber ist man erstmal da (und wird nicht einfach nur abgeschoben und vergessen!!!) und bekommt regelmässig Besuch, der auch gut schaut, dass die Pflege gut ist, dann glaube ich, kann so ein Pflegeheim eine echte Erleichterung für einen Menschen sein!

Du hast Dir gewünscht noch eine schöne Zeit mit Deiner Mutter zu verbringen, so lange sie noch lebt. Unter den gegebenen Umständen wird es vermutlich nicht möglich sein, da Du dann nicht nur "Tochter" bist, sondern auch Pflegeperson, Bezugsperson und schlussendlich eine Art Vormund.

Im Pflegeheim übernehmen diese vielen Rollen, neutrale Personen, die auch dafür ausgebildet sind (wichtiger Punkt!) und Du kannst ganz die Rolle der erwachsenen Tochter einnehmen, ohne die ganzen anderen Belastungen!

Ich glaube, manchmal ist man gefangen in em Denken:
Alters- und Pflegeheim "böse". Sich selbst um Mutter/Vater kümmern bis zur Selbstaufgabe: "Gutmensch"!

Das ist leider nicht so einfach. Wir haben uns von einer Frau beraten lassen und sie hat uns gesagt, dass Menschen, die von Angehörigen gepflegt werden, es oft nicht besser haben.

Die Angehörigen sind überfordert und deswegen oft aggressiv und ungeduldig, es fehlt die "neutrale" Distanz weil man eben eine gemeinsame Geschichte hat, man logischerweise nicht das Know-how hat, dass ein gutes Pflegepersonal mit sich bringt, man natürlich nicht so "altengerecht" eingerichtet ist, etc...

Sicher gibt es gruselige Altersheime, mit sorglosem Personal, aber so eins wirst Du sicher nicht für Deine Mutter aussuchen!

:blumengabe:

Frenchie

PS: Ups, ist sehr lang geworden, sorry...

Inaktiver User
08.02.2007, 10:13
Im Pflegeheim übernehmen diese vielen Rollen, neutrale Personen, die auch dafür ausgebildet sind (wichtiger Punkt!) und Du kannst ganz die Rolle der erwachsenen Tochter einnehmen, ohne die ganzen anderen Belastungen!


Hallo Frenchie,
entschuldige bitte wenn ich meine Erfahrung zum Thema
Pflegeheim beitrage.
Meine Mutter war 1,5 Jahre im Pflegeheim sie ist letzten Donnerstag verstorben.

Meine Geschwister und ich waren die Betreuer für unsere Mutter. Sobald es um gesundheitliche Themen wie Arzt oder Einweisung in Krankenhaus ging, hatte sich das Pflegeheim sofort zurückgezogen und gesagt dass es zu den Aufgaben der Betreuer gehört.

Die einzige Möglichkeit sehe ich für Lavendel dass sie die Betreuung an neutrale Personen übergibt, sonst bleibt die Arbeit mit Krankenkasse, Arzt usw.

Grüße
Moguntius

Frenchie
08.02.2007, 10:17
Hallo Frenchie,
entschuldige bitte wenn ich meine Erfahrung zum Thema
Pflegeheim beitrage.
Meine Mutter war 1,5 Jahre im Pflegeheim sie ist letzten Donnerstag verstorben.

Meine Geschwister und ich waren die Betreuer für unsere Mutter. Sobald es um gesundheitliche Themen wie Arzt oder Einweisung in Krankenhaus ging, hatte sich das Pflegeheim sofort zurückgezogen und gesagt dass es zu den Aufgaben der Betreuer gehört.

Die einzige Möglichkeit sehe ich für Lavendel dass sie die Betreuung an neutrale Personen übergibt, sonst bleibt die Arbeit mit Krankenkasse, Arzt usw.

Grüße
Moguntius

Damit hast Du natürlich Recht, ich bin davon ausgegangen, dass solche Sachen natürlich die Angehörigen übernehmen, da ich die Entscheidung, ob KH oder nicht, Operation ja oder nein, nie einer dritten Person überlassen wollte.

Und noch nachträglich mein Beileid für den Tod Deiner Mutter und ich wünsche Dir viel Kraft für diese schwierige Zeit!

:blumengabe:

Liebe Grüsse
Frenchie

Inaktiver User
08.02.2007, 12:13
Hallo, ich bin´s noch mal.

War nun heute morgen bei der Hausärztin, die sich sehr über das Krankenhaus geärgert hat, weil die uns nicht gesagt haben, dass das Aspirin weggelassen werden muss.

Vorher war ich noch bei meiner Mutter. Blutdruck messen, Zucker messen.
Und ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich gerne bis zur KH-Einweisung einen Pflegedienst kommen lassen möchte, der ihr täglich die Medikamente gibt und Mitte des Monats die Vit-B-Spritze, damit wir dafür nicht extra in die Praxis fahren müssen.
Sie ist auch damit einverstanden, weil es ihr auch aufgefallen ist, wie schwer es mir fällt, dass sie jetzt ins selbe KH kommt,bzw. war, wo auch mein Sohn dieselbe OP hatte usw.

Naja, ich war zufrieden mit mir, dass ich mich dazu durchgerungen habe, einen Teil der Verantwortung abzugeben.
Aber nun kommt es doch anders.
Es sind ja nur 1 1/2 Wochen bis zum neuen Termin. Und die Ärztin sagt, da lohnt sich kein Pflegedienst, vor allem wäre es nicht gut für meine Mutter, die immer sehr unruhig ist, wenn ein Fremder in der Wohnung ist (das stimmt!).
Es bringt sie sogar durcheinander, wenn ich in die Wohnung komme, dann begrüßt sie mich freudig und ist dann gleich "durch den Wind".
Die Ärztin meint, es würde meiner Mutter schaden, jetzt noch neue Personen hinzuzuziehen. Sie würde , wenn die Spritze fällig ist, zur Mutter nach Hause kommen, so wie letzten Monat, als es der Mutter nach dem Sturz so schlecht ging.

Die Chancen stehen relativ gut, dass nach der OP, wenn der Hirndruck weg ist, die Verwirrtheit aufhört.
Allerdings kann es auch sein, dass davon nur die Gehstörung weg geht und die Verwirrtheit/Demenz bleibt.
Und DANN müsste sie ins Pflegeheim.
Zu ihrer eigenen Sicherheit.
Das ist dann auch für mich in Ordnung, weil ich dann alles menschenmögliche getan und/oder organisiert habe, um das zu vermeiden. Aber wenn´s nicht anders geht, dann fügen wir uns darein

Wir haben jetzt gemeinsam beschlossen, die Zeit bis zum 19.2. zu überbrücken und nach dem KH-Aufenthalt eine endgültige Entscheidung treffen werden.

Die Betreuerfunktion werde ich auf jeden Fall behalten. Ich will das so. Gerade bei medizinischen Entscheidungen will ich es nicht Fremden überlassen, oder auch wenn es um den Aufenthaltsort geht. Wer garantiert mir, dass Fremde die Entscheidungen treffen, die die besten für meine Mutter sind? Wir Töchter wollen das letzte Wort haben und sie beschützen.


Und heute rufe ich noch beim Amtsgericht an. Mit der Klinik war das problematisch wegen der Unterschriften. Sie haben gemerkt, dass die Mutter nicht zurechnungsfähig ist und daher ihre Unterschrift keinen Wert hat, aber andererseits ist ja meine Unterschrift, bzw. die meiner Schwester als Stellvertreterin, auch noch "nichts wert", da noch nicht amtlich !


Ich habe mir heute aber auch was Gutes getan, die Wartezeit beim Arzt habe ich nicht mit Einkaufen in aller Eile überbrückt, was mein erster Impuls war, nein - ich bin in den Ökoladen gegangen, habe einen Öko-Espresso getrunken und ein Öko-Mandelhörnchen dazu genossen.

Ihr seht, Lavendelmond ist lernfähig :smirksmile:, was die Eigenfürsorge angeht

Monkele
08.02.2007, 12:50
Ich habe mir heute aber auch was Gutes getan, die Wartezeit beim Arzt habe ich nicht mit Einkaufen in aller Eile überbrückt, was mein erster Impuls war, nein - ich bin in den Ökoladen gegangen, habe einen Öko-Espresso getrunken und ein Öko-Mandelhörnchen dazu genossen.

Ihr seht, Lavendelmond ist lernfähig , was die Eigenfürsorge angeht
__________________


Prima! :allesok: :blumengabe: :krone auf: :allesok:

Monkele

PS: Bei meinen Eltern war vor Kurzem der medizinische Dienst. Die Dame sah wohl die Überforderung meiner Mama und die Unzufriedenheit meines Vaters. Sie hat den Beiden geraten, dass mein Vater testweise für zwei Tage in eine Tagespflege geht, die sie zwar dann erst mal selber bezahlen müßen, sich aber auch damit zu nichts verpflichten. Sie ist der festen Überzeugung, dass es meinem Vater dort gefällt und gut tut (von meiner Mutter ganz zu schweigen!). Jetzt hoffe ich darauf, dass meine Mutter Nägel mit Köpfen macht und ihn anmeldet!
Ausserdem hat er vom Neurologe ein neuentwickeltes Parkinsonpflaster bekommen, das sein (vor Allem) abendliches "daneben sein" bessern soll.
Das Thema Pflegeheim ist aber trotzdem aktuell. Danke Frenchie zu deinen Ausführungen dazu!

@Seawasp: Am Sonntag (an ihrem 20. Geburtstag) hat sich meine Tochter von ihrem Freund getrennt. Es war einfach zuviel oder zu wenig?!

Inaktiver User
08.02.2007, 14:22
@ Monkele:

Vielleicht war es auch genau richtig?

Der richtige Zeitpunkt.
Der richtige Schritt.
Nicht zuviel, nicht zuwenig.

Auf jeden Fall aber HAT sie eine Entscheidung getroffen, das ist sehr mutig. Ob diese nun richtig war oder falsch, ist eigentlich irrelevant. Wichtig ist nur, DASS Entscheidungen getroffen werden im Bewusstsein, hinter dem, was aus ihnen entsteht, hinter der Entscheidung selbst stehen zu können.

Ich wünsche Dir und Deiner Tochter, dass es so ist.

:blumengabe:

Grüssle
Seawasp

Monkele
12.02.2007, 16:03
Eigentlich wollte ich gerade im Freustrang posten, dass es mir ganz gut geht, der Zahnarztbesuch nicht so schlimm war, wie befürchtet und ich Gestern Komplimente für meine sehr hübsche Tochter bekommen habe.
Ja und dann bekomme ich Post, denke mir nichts Böses dabei und dann haut mich der Inhalt völlig um. Jetzt geht es mir nur noch so :heul: :heul: :heul: und ich kann es einfach nicht verstehen und fühle mich zutiefst verletzt.

Dazu kommt noch das Erleben von meinem Vater Gestern...

Monkele :heul:

Inaktiver User
12.02.2007, 17:05
oh wie schade, Monkele :-(

*mitfühl*

Atis
12.02.2007, 20:30
*Monkeleumarm*

_Beate_
12.02.2007, 23:26
TasseTeefürMonkelehinstell*

Inaktiver User
12.02.2007, 23:28
Die Wolken ein wenig beiseite schieb *uff*
und einen Sonnenstrahl zu Monkele schick.:Sonne:

Inaktiver User
13.02.2007, 09:04
Monkele,

manchmal passieren Dinge, die uns umhauen. Das ist in Ordnung, weil wir wieder aufstehen können.

Schmerz gehört zum Leben, er ist wie Dünger und lässt uns über uns selbst hinaus wachsen, weil er uns zeigt, an welchen Punkten wir ganz genau hinschauen sollten, vielleicht besser auf uns aufpassen müssen, Verantwortung übernehmen, möglicherweise auch umdenken.

Ich habe im letzten Jahr, wie Du jetzt, eine Nachricht bekommen, die mich sehr getroffen hat, die schmerzhaft war, mich traurig gemacht, richtig aus den Latschen geworfen hat.

Sie hat mich zurückgeworfen auf Punkte in meinem Leben, die noch immer wund sind.

Sie hat Verhaltensweisen in mir wachgerufen, die ich glaubte überwunden zu haben.

Plötzlich fühlte ich mich z.B. wieder klein, abgewiesen, verletzt, ungeliebt, nicht gut und in Ordnung so, wie ich eben bin. Ich fühlte mich getäuscht, missbraucht, benutzt und dann im Regen stehen gelassen - entsorgt da unbequem.

Das waren und sind Themen, an die ich nochmal "ran" musste, und das, liebe Monkele, war wiederum sehr lohnend, wenn auch schmerzhaft. Ich bin dadurch weiter gekommen, klarer geworden.

Dafür bin ich dankbar.

Vielleicht kann es Dir auf längere Sicht ja auch so gehen mit dem, was Du gerade erlebst.

Ich wünsche es Dir von Herzen!

Grüssle
Seawasp

Monkele
13.02.2007, 12:20
Ihr seid wirklich lieb! :blumengabe: :Sonne:

Schön, dass ich diese Erfahrungen hier immer wieder machen darf und kann! Und ansonsten möchte ich mit meiner Signatur antworten:

Nur der Schwache wappnet sich mit Härte.
Wahre Stärke kann sich Toleranz,
Verständnis und Güte leisten.


Herzliche Grüße

Monkele

Wolke7
13.02.2007, 12:58
Jede Krise macht ein bisserl stärker - hinterher -
aber - es gibt so Zeiten, wo man sich fragt, wie oft denn noch -
wie stark soll man denn noch werden, nicht wahr?

Deshalb mal ein lieber Gruß von mir :blumengabe:
und alles Liebe .....

schiebe auch mit - die Wolken beiseite - dann kommt sie bald:
Die Sonne: :Sonne: :Sonne:

Inaktiver User
27.02.2007, 08:19
Meine Mutter ist zurück aus dem KH.
Ganz überraschend gestern entlassen worden.
Der geplante Eingriff an der BWS wurde nicht gemacht, "weil keine Beschwerden vorliegen, daher Kontrolle angeraten"

:gegen die wand: meine Mutter HAT Schmerzen, sie gibt es vor den Ärzten nur nicht zu

Wieder mal "alles umsonst getan" - wie schon so oft in der Vergangenheit

Die Hirndruckmessung hat ergeben, dass kein Hydrocephalus vorliegt, jedenfalls kein operationsbedürftiger, was ja erfreulich ist, nur leider haben wir immer noch keine Erklärung für die "Fallneigung nach vorne".

Ich kann nicht in wenigen Sätzen schíldern, was meine Mutter wieder alles so von sich gegeben hat... was sie für einen "Sch..ß" geredet hat in der vergangenen Woche...

Mein Blutdruck stieg gestern wieder mal auf 160/100 (trotz Tabletten!!!) und erkältet bin ich jetzt auch.
Diese heftigen Emotionen, die meine Mutter, bzw. ihr Verhalten, in mir auslöst - die machen mich krank.

Ich habe das nicht im Griff :knatsch:

Ich muss einen anderen Umgang damit erlernen,
aber wie, aber WIE :wie?:


Wie, in Gottes Namen, schafft man emotionale DISTANZ zwischen sich und die eigene Mutter ?
Ich möchte sie lieben, ich habe sie auch lieb, bzw. ihre Liebesbedürftigkeit rührt mich tief an - aber gleichzeitig ist sie sooo bockig und dumm und schadet sich und mir auch.

Naja, das Problem habe ich ja mehrfach hier beschrieben.
Aber ihr seht, ich bin im Grunde keinen Schritt weiter gekommen.
Wie kann ich ihr beistehen in den letzten Jahren, ohne dabei mir selber zu schaden?

Sie ißt weniger als ein Spatz. Nur Joghurt und Quark ißt sie mit Appetit, sonst nichts.
"Essen hält Leib und Seele zusammen" sagt der Volksmund

Ehrlich, ich habe kein Problem damit, ihr Lebensende (Sterben) zu akzeptieren - ich sehe das als Befreiung an, das Sterben, weil ich weiß, dass die Seelen weiterhin existieren.
Ich kann die Mutter loslassen, aber ich kann nicht mitansehen, was im Vorfeld stattfindet, ihre Art und Weise, mit sich und ihrem Leben und mit den Angehörigen umzugehen.
DAS macht mich fertig, die Art und Weise wie sie es tut.

:wie?:

Inaktiver User
27.02.2007, 08:28
Ich bin so maßlos traurig über das Ende meiner Beziehung.
Vielleicht wäre es doch besser gewesen, erst die Liebe gehen zu lassen und dann erst selber zu gehen, aber ich hatte einfach Angst, daß ich auf dem Weg ans Ende dieser Liebe irgendwann nicht mehr klar erkennen kann, wie großartig und wunderbar der Mann an meiner Seite ist. Und das wäre extrem unfair ihm gegenüber geworden.

So ist zwar die Beziehung am Ende, nicht aber die Liebe - und ich hoffe und bete, daß er das begreift.
Er fehlt mir unendlich, aber der Gedanke daran, wie es ihm nun gehen mag, bricht mir erst recht das Herz...

:heul::heul:

Frenchie
27.02.2007, 08:43
Ich kann die Mutter loslassen, aber ich kann nicht mitansehen, was im Vorfeld stattfindet, ihre Art und Weise, mit sich und ihrem Leben und mit den Angehörigen umzugehen.
DAS macht mich fertig, die Art und Weise wie sie es tut.

:wie?:

Liebe Lavendel

Das ist aber genau das *Loslassen*....deswegen ist es ja so schwierig...

Distanz zwischen sich und seine Eltern bringen....

Mhm, ich glaube darum geht es nicht. Es geht wie immer um Grenzen und wenn man Grenzen setzen kann, kann man Nähe zulassen und lieben...

Ich glaube, die Schwierigkeit ist Dinge nicht persönlich zu nehmen. Deine Mutter tut Dinge nicht, um Dir weh zu tun, sie tut aber auch nichts, um Dir zu gefallen...
Vielleicht sind Eltern am Anfang unseres Lebens für unser Glück verantwortlich, aber sobald wir erwachsen sind, ist es unsere Aufgabe uns glücklich zu machen bzw. uns nicht unglücklich machen zu lassen.

Weisst Du, ich fand die letzten Lebensjahre meines Vaters auch schrecklich - sie haben mich auch teilweise auf Distanz gehen lassen. Ich musste für mich akzeptieren, dass ich mit manchen Dingen nicht umgehen kann - obwohl, oder gerade weil es mein Vater war, der nicht mehr lange zu leben hatte.

Als ich das für mich akzeptiert hatte, ging es mir besser, da ich nicht von ihm erwartete habe, *dass er anders handeln oder reagieren sollte, damit es mir besser* geht...

Das ist das Schwierige, zu akzeptieren, dass der Andere einen anderen Lebensentwurf von seinem Lebensende hat...
Das muss man loslassen können und nicht vom Anderen erwarten, dass er sein Leben so beendet wie wir es uns für uns wünschen..

Mein Vater hat fast nichts mehr gegessen, dafür umso mehr geraucht, auch im Bett, im Krankenhaus, egal wo - es war im wahrsten Sinn des Wortes brandgefährlich - und er hat wenn es ging heimlich getrunken...

Aber es war trotzdem seine Entscheidung (Demenz hin oder her), die Versuchung ist in diesen Fällen gross, sich die Verantwortung für das Wohl und Wehe des Anderen auf zu laden. Die Verantwortung hat man aber nicht. Man kann geben, was man hat. Was der Andere daraus macht, bleibt bis zum Lebensende seine Entscheidung...

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft
Frenchie

Inaktiver User
27.02.2007, 08:50
Aber es war trotzdem seine Entscheidung (Demenz hin oder her), die Versuchung ist in diesen Fällen gross, sich die Verantwortung für das Wohl und Wehe des Anderen auf zu laden. Die Verantwortung hat man aber nicht. Man kann geben, was man hat. Was der Andere daraus macht, bleibt bis zum Lebensende seine Entscheidung...


seufz, ich weiß, ich weiß :niedergeschmettert:

mein Verstand sagt mir das auch
aber meine Gefühle sind stärker

ich glaub, ich muss mal mit meinem Gefühlsleben "reden" und den Gefühlen sagen: bis hierhin und nicht weiter, ihr nehmt zu viel Raum im Gesamtgefüge der Seele ein

nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten
nichts erwarten, nichts bewerten


(mein neues Mantra?)


Danke Frenchie :kuss::blumengabe:

Frenchie
27.02.2007, 08:58
Ich bin so maßlos traurig über das Ende meiner Beziehung.
Vielleicht wäre es doch besser gewesen, erst die Liebe gehen zu lassen und dann erst selber zu gehen, aber ich hatte einfach Angst, daß ich auf dem Weg ans Ende dieser Liebe irgendwann nicht mehr klar erkennen kann, wie großartig und wunderbar der Mann an meiner Seite ist. Und das wäre extrem unfair ihm gegenüber geworden.

So ist zwar die Beziehung am Ende, nicht aber die Liebe - und ich hoffe und bete, daß er das begreift.
Er fehlt mir unendlich, aber der Gedanke daran, wie es ihm nun gehen mag, bricht mir erst recht das Herz...

:heul::heul:

Liebe Chapeau

War das nicht der Mann, der sich nie ganz für Dich entscheiden konnte? Sorry wenn ich da jetzt etwas verwechsle...

War es der, der in Deinen E-Mails geschnüffelt hat....:knatsch: ?

Ich weiss, jeder Mensch hat gute und schlechte Seiten, aber im Moment hilft es Dir vielleicht mehr, Dich an seine schlechten zu erinnern...In Liebe zurückschauen kannst Du noch in einem Jahr...
:smirksmile:
Zur Trennung gehört Wut und ich glaube, auch die hat er verdient, nach allem was ich so erinnere...

Ich habe auch immer den Hang meiner Wut aus dem Weg zu gehen, mich nur mit den wunderbaren Dingen aufzuhalten, die ich mit meinem Ex erlebt habe, anstatt wütend darüber zu sein, wie bescheiden er sich oft benommen hat...dabei würde das den Absprung so viel leichter machen!

Wünsch Dir viel Kraft und vor allem Energie für die Jobsuche.
Ich habe damals auch Beides auf einmal verloren. Es hat mich aber gelehrt, mich erst um mich zu drehen - dann bringen mich Andere nicht mehr so aus dem Gleichgewicht!
:blumengabe:
Frenchie

Inaktiver User
27.02.2007, 09:59
Liebe Frenchie ,

ja, das war der Mann, dessen Frau erst vor 4 Wochen bei ihm ausgezogen ist ( wir waren seit Oktober 2005 zusammen ) und der plötzlich im Besitz einer Mail war, die er nur kennen konnte, wenn er in meinem Postfach gekramt hat. ( Wir haben das nie endgültig geklärt).

Ich übe trotzdem noch, schlechte Seiten an ihm zu finden.
Aber mir kam auch schon der Verdacht, daß es vielleicht Sinn und Zweck dieses Frühjahrs 2007 ist, daß ich endlich lerne, für meine eigenen Bedürfnisse einzustehen , ja, daß es nichts Schlimmes ist, überhaupt eigene Wünsche und Ziele zu haben.

Ganz lieben Dank für Deine herzlichen Worte - wenn Du wieder auf die Beine gekommen bist, schaffe ich das sicher auch.

:kuss::blumengabe::blumengabe:


Chapeau

PeggySue
27.02.2007, 11:29
Ohne das Vorausgegangene weiter zu kommentieren möchte ich einfach nur zum Ausdruck bringen wie traurig ich darüber bin, dass meine Lieblingsnachbarin und sehr gute Freundin morgen eine weitere Chemotherapie antreten muss. Die dritte in Folge, und ich weiß, dass es ihr anschließend wieder richtig dreckig gehen wird. Und kein Mensch kann sagen, ob es ihr letztendlich die erhoffte Heilung bringt. :heul:

Monkele
27.02.2007, 14:04
Ohne das Vorausgegangene weiter zu kommentieren möchte ich einfach nur zum Ausdruck bringen wie traurig ich darüber bin, dass meine Lieblingsnachbarin und sehr gute Freundin morgen eine weitere Chemotherapie antreten muss. Die dritte in Folge, und ich weiß, dass es ihr anschließend wieder richtig dreckig gehen wird. Und kein Mensch kann sagen, ob es ihr letztendlich die erhoffte Heilung bringt. :heul:


Liebe PeggySue,


hat diese schlimme Geschichte nicht auch etwas Positives?! Dass nämlich das Bewußtsein gestärkt wurde und wird, dass da jemand ist, der mir mehr bedeutet und dem ich mehr bedeute, als "nur Nachbarin" zu sein!
Das mit der Chemotherapie ist schrecklich (ich erinnere mich heute noch daran, wie es Berni damit ging und das ist so viele Jahre her :heul: ), aber eure heutiges gemeinsames Frühstück wird ihr ein bißchen mehr Kraft dafür gegeben haben!

Herzliche Grüße

Monkele

PeggySue
27.02.2007, 17:21
und dem ich mehr bedeute, als "nur Nachbarin" zu sein!
liebes Monkele, wir sind nicht nur Lieblingsnachbarinnen, wir sind schon länger richtig dicke Freundinnen. Das traurige ist, dass keiner sagen kann, ob ihr die Chemo hilft oder ob die drei Klinikaufenthalte nicht doch umsonst waren. Es ist eine sehr seltene Erkrankung und eine kaum erprobte neuartige Therapie:niedergeschmettert:
ich hoffe einfach, dass jeder Gedanke der an sie gedacht wird, auch unbekannterweise, ihr Glück bringt.:smile:

Inaktiver User
27.02.2007, 18:18
Peggy, das hoffe ich auch und ich werde deiner Freundin gute Gedanken schicken. Bin sicher, das kommt an -wie auch immer .
Ich vertraue einfach der "GedankenPost"

Monkele
27.02.2007, 21:53
Peggy, das hoffe ich auch und ich werde deiner Freundin gute Gedanken schicken. Bin sicher, das kommt an -wie auch immer .
Ich vertraue einfach der "GedankenPost"

Vor einiger Zeit habe ich eine Postkarte verschickt:

"Gedanken haben Kraft"

Bei der Person, der ich diese Karte geschickt habe, sind meine guten Gedanken täglich! Ich schicke ihr Kraft und vertraue wie Lavendelmond darauf, dass die "Gedankenkraftpost" ankommt!

In diesem Sinne viele kräftige Gedanken für euch und die Menschen, die euch wichtig sind und es nötig haben!

Monkele

PeggySue
27.02.2007, 23:34
Ich sehe, wir verstehen uns! Ich glaube daran, genauso wie ich daran glaube, dass Verstorbene spüren, wenn wir an sie denken.

Lorolli
27.02.2007, 23:35
Schicke mal ganz liebe positive Gedanken.

Frenchie
28.02.2007, 09:15
Ich sehe, wir verstehen uns! Ich glaube daran, genauso wie ich daran glaube, dass Verstorbene spüren, wenn wir an sie denken.

Und umgekehrt :blumengabe: :krone auf:

nicolanicola
01.03.2007, 15:38
@Chapeau

Stilvolle Art sich so aus dem Staub zu machen.
Erst warten bis die Ehefrau ausgezogen ist,danach ihn dann
selber in den Hintern treten.
Hast du nicht vorher gewußt,daß du ihn gar nicht willst.
Aber du liebst ihn *g*
Könntest glatt ein Mann sein *ggg*

lg Nicki

Inaktiver User
06.03.2007, 14:53
Heute habe ich mit großen Interesse eine Sendung auf 3sat gesehen über "Heilung"
(Spontanremissionen, Handauflegen, Hypnose, innere Bilder usw.)

Ich habe dabei die ganze Zeit geheult.
Und weiß nicht warum...

???

prinzessin01979
06.03.2007, 23:48
Heute habe ich mit großen Interesse eine Sendung auf 3sat gesehen über "Heilung"
(Spontanremissionen, Handauflegen, Hypnose, innere Bilder usw.)

Ich habe dabei die ganze Zeit geheult.
Und weiß nicht warum...

???

Vielleicht weil du im herzen eine so tiefe wunde ( der verlust deines kindes... ) hast, von der du dir wünschst, dass die wunde auch ( vollständig ) geheilt wird... ?

Nur eine these, liebe lavendelmond. :blumengabe:

Liebe Grüße,
Melissa

Inaktiver User
07.03.2007, 07:08
hm..... :wie?:
mag sein?`
ich fühlte mich so allein und "ausgeschlossen"


damals habe ich so manches Mal mit meiner linken Hand die Linke meines Sohnes gehalten, und wir fühlten beide "etwas" - und danach ging es ihm eine Weile besser

Inaktiver User
07.03.2007, 11:46
Heute war der MDKN da.

Fazit: trotz sichtbarer und begründbarer Hilfs- und Pflegebedürftigkeit (laut Gutachterin) gibt es keine Pflegestufe.

Wir kommen "körperlich" auf 22 Minuten pro Tag. Müssen aber 46 sein.

Den wesentlich größeren ZEITAUFWAND (von den Nerven ganz zu schweigen) wegen der Orientierungslosigkeit und Unfähigkeit draußen alleine zu gehen (Gangstörung, Fallneigung) und sich allein zurechtzufinden mit Busfahren etc.
- kann man nicht miteinrechnen,


(JETZT KOMMT`S !!) :

weil sie noch keine Pflegestufe hat !!!

hätte sie schon, dann würde das mithinzugerechnet werden


Irrsinnig, oder ???? :knatsch:


Da hat der liebe Gesetzgeber mal wieder gaaanz was feines als Gesetz erlassen.

Und Sachen wie täglich Tabletten hinstellen, weil sie sonst alles durcheinanderbringt und doppelt nimmt, das zählt auch nicht, denn:
das könnte die Gemeindeschwester machen und die Krankenkasse müsse das zahlen, nicht die Pflegekasse.


Die Gutachterin meinte noch, wir würden uns gewiß wiedersehen, das wäre die "klassische Pflegestufenkarriere".

Bis dahin müsse ich eben sehen, wie ich klarkomme.

silu
07.03.2007, 12:04
Unglaublich! Mir fehlen die Worte...

Das sieht wohl so aus, als müsstest du da noch etliche Nerven investieren, liebe Lavendelmond.
Ich wünsch dir ganz viel Kraft dafür!

Herzliche Grüße
Silu

Lorolli
07.03.2007, 13:55
@ Lavendelmond,

sobald Du das schriftlich hast, direkt Einspruch dagegen einlegen. Es wird leider oft beim erstenmal abgelehnt. Lass Dir das nicht gefallen.
Ausserdem weisst du ja jetzt, worauf es ankommt und kannst beim nächstenmal genau auflisten, was für Pflege deine Mutter braucht.

Wünsche Dir viel Erfolg und vorallem gute Nerven.

Liebe Grüsse
Lorolli

Atis
07.03.2007, 14:11
Liebe Lavendelmond,

ja, ich würde auch Widerspruch einlegen. Anfangs muss man manchmal ganz schön kämpfen (ging uns bei unserer Tochter auch so), wenn man erst einmal eine Pflegestufe hat, wird es leichter, was Bewilligungen / Überprüfungen usw. angeht.

Lass Dich nicht unterkriegen! Auch wenn der ganze Behördenkrempel Mist ist, und Kraft kostet, die man gut für anderes gebrauchen könnte.

Lieben Gruß! :blumengabe:

Inaktiver User
07.03.2007, 15:11
Ich wüßte nicht, womit ich den Widerspruch begründen sollte !

Ich mache ja wirklich nicht viel "Körperpflege", da habe ich schon einige Minuten dazugeschummelt.
Aber nur darauf kommt es an, auf die reine Körperpflege und was alles dazugehört.

Die Gutachterin hat mir geraten, nicht zu widersprechen, sondern eine gute Weile abzuwarten und dann einen neuen Antrag zu stellen, weil die kommende Verschlechterung absehbar ist.

Ich bin aber zuversichtlich, dass die Erhöhung des Schwerbehindertenausweises Erfolg haben wird

Inaktiver User
08.03.2007, 12:55
ich hatte letzte Nacht einen grauenvollen Alptraum

was daran besonders schlimm war, ist, dass ich gar nicht merkte, dass es ein Traum ist (sonst weiß ich das fast immer, dass ich träume)
es war so real, unglaublich real

als ich aufwachte, was auch ungewöhnlicherweise von einem Moment zu andern ging, merkte ich erst, dass ich nur geträumt hatte

das war ganz anders als sonst

Monkele
08.03.2007, 13:07
Ich habe vorhin fast eine Stunde mit meinem Vater telefoniert und fühle mich mal wieder unsäglich hilflos. :heul:

Die Frau vom medizinischen Dienst hatte ja angeregt, dass er sich die Tagespflege mal anschaut. Nach längerer Zeit :unterwerf: sind meine Eltern dann tatsächlich dorthin gefahren und es gab das Angebot eines kostenlosen Probetages. Und was macht mein Vater jetzt? NICHTS! Er versucht es wieder auszusitzen, redet vom sterben und so (das das aber noch lange gehen kann, will er nicht sehen). Argumente, das meine Mutter am Rande ihrer Nerven und Kraft ist, zählen nicht. Sie machen sich gegenseitig das Leben zur Hölle! Im Grunde genommen hat sich nichts geändert, seit unserem Familienrat im November.

Monkele

Inaktiver User
08.03.2007, 15:45
Monkele,

so leid mir das tut, aber da hilft nur: Fakten schaffen.

Mein Vater wollte auch nicht in die Tagespflege, aber letztlich gab es keine Alternative. Er MUSSTE hin, und hat sich dann dort auch ganz gut eingefügt und sogar wohl gefühlt.

Er wollte auch ganz bestimmt nicht ins Heim, hat sich vehement dagegen gewehrt, Es gab schlimme Szenen, aber wiederum: keine Alternative. Meine Mutter KONNTE ihn nicht mehr zuhause behalten, ohne dabei selbst zugrunde zu gehen.

Manchmal fällt es den Kindern zu, Eltern dahingehend zu motivieren oder sogar Massnahmen zu ergreifen. Das ist nicht schön, aber mitunter unerlässlich. Es ist wichtig zu schauen, ob Eltern überhaupt noch in der Lage sind, selbst zu entscheiden, und da, wo das nicht mehr gegeben ist, einzugreifen, Verantwortung zu übernehmen, und so Schlimmes zu verhindern. Gedankt wird das häufig nicht - auch wir Kinder haben es unseren Eltern oft übel genommen, wenn sie über uns bestimmt haben, dennoch war es häufig zu unserem Schutz. Und genau so läuft es eben u.U. auch im Alter, nur mit vertauschten Rollen. Die Alten werden dann irgendwo zu Kindern.

Grüssle
Seawasp

Monkele
08.03.2007, 17:07
Liebe Seawasp,


tja, Fakten schaffen...

Wie sollen wir (das heißt meine Geschwister und ich) das machen, da wir alle sehr weit weg von unseren Eltern leben? Müßte meine Mutter dann nicht die Fakten schaffen, indem sie ihn für den Probetag anmeldet? Was macht sie, wenn er sich verweigert, wenn er abgeholt wird? Zwangsweise "verfrachten"? Wohl kaum! Er argumentiert auch damit, dass er gerne zu Hause duschen möchte, eh er dort hinginge (was ich prinzipiell verstehen kann). Da er aber nicht mehr alleine duschen und sich selbst anziehen kann, wäre das ein ziemlicher Akt am frühen Morgen (soweit ich es verstanden habe, würde er gegen 8 Uhr abgeholt werden).
Ich habe noch versucht ihn darauf festzunageln, dass ja eine Sozialstation das morgendliche duschen und anziehen übernehmen könnte (da eh nicht absehbar ist, wie lange meine Mutter das noch leisten kann) und ob er sich das für sich vorstellen kann. Keine Antwort, völlig anderes Thema... :wie?: *seufz*

Monkele

Inaktiver User
08.03.2007, 17:15
Monkele,

Fakten schaffen sah bei uns so aus, dass meine Mutter meinen Vater in die Tagespflege gebracht hat, ob er das nun gut fand oder nicht.

Die Duschproblematik kannten wir auch. Mein Vater wurde abends geduscht und morgens gewaschen.

Es klingt grausam, aber ab einem bestimmten Punkt geht es nicht mehr, den Pflegebedürftigen eine Wahl zu lassen, will man selbst noch ein halbwegs vernünftiges Leben leben. Es kann nicht sein, dass sich ALLES nur noch um den zu Pflegenden dreht - so etwas endet in einer Katastrophe. Das sehen viele Pflegebedürftige nicht ein, aber darauf kann man als Pflegender dann irgendwann keine Rücksicht mehr nehmen. Sturheit löst keine Probleme - wer sich davon bremsen lässt, endet wie eine meiner Tanten - verzweifelt, einsam, mit den Kräften am Ende und einer schier ausweglosen Situation. Sie KÖNNTE etwas ändern, wenn sie die Kraft hätte, Fakten zu schaffen. Die hat sie nicht, also geht sie vor die Hunde. Wenn es so weiter geht, verstirbt sie vor ihrer Mutter oder begeht gar Suizid. Spätestens dann hat die Sturheit der alten Dame ein Ende - eine Wahl hat sie DANN überhaupt nicht mehr.

Grüssle
Seawasp

Eisbaer71
09.03.2007, 20:06
Liebes Monkelchen,

es tut mir so leid, dass Deine Eltern es miteinander so schwer haben.

Fakten schaffen...natürlich sagt sich das leicht, schaffen muß sie letztendlich Deine Mutter. Sie ist diejenige, die dann vielleicht mit ihren Schuldgefühlen klarkommen muß.

Ich kann mich auch nur selbst fragen: Würde ich nicht wahrhaben wollen, wie schlecht es mir alleine geht und wie wenig ich ohne fremde Hilfe klarkomme?

Ich weiß nicht, ob es paßt, weil D. viel jünger und eben körperlich durch den Tumor ganz anders krank war, aber ich mußte heute den ganzen Tag daran denken, wie er, als es ihm dann ganz schlecht ging, sich wie ein krankes Tier auf eine Matte in seiner geliebten Werkstatt verkrochen hatte.

Eine völlig unwürdige Situation... und er war nicht bereit, sie zu ändern.

Geändert haben seine Eltern und ich gemeinsam durch einen erzwungenen Krankenhausaufenthalt. Die Situation war furchtbar, er drohte sich umzubringen, und in der Klinik empfing mich der Arzt mit den Worten: "Warum lassen Sie ihn nicht zuhause sterben, wie er das möchte!" :heul:

Aber er kannte die Situation nicht, aus der wir ihn herausgeholt hatten...
Ich denke immer noch, wir haben damals richtig gehandelt. D. kam in der Klinik ein wenig zu Kräften, in der Zwischenzeit habe ich mit viel Hilfe die Werkstatt in ein Krankenzimmer verwandelt und die Hausärztin, die vorher auch nicht sehr kooperativ war, mit ins Boot genommen. Ich hatte nur Angst, dass ich nicht schnell genug bin...

Ich hab ihn nach Hause geholt, und er hat noch dreieinhalb Wochen dort verbracht, in denen er Dinge wahrnehmen und genießen konnte, die vorher schon ganz lange nicht mehr möglich waren. Noch einmal im Rollstuhl in die Stadt, einen Ball für seine Kinder kaufen (der liegt heute bei ihnen in einer Vitrine), ein Frühlingseis essen, noch einmal abends die Lichter auf dem Main anschauen... Momente, die ich nie vergessen werde.

Fast genau drei Jahre ist das jetzt her.

Hab ich jetzt richtig oder falsch gehandelt?
Eal wie ich es drehe und wende, es war zunächst eindeutig gegen seinen Willen.

Rückblickend war es meiner Meinung nach für uns beide das Beste, wir konnten noch über vieles sprechen.
Aber weiß man das vorher?

Ich fürchte, ich hab Dir nicht viel helfen können, sind ja nur die Gedanken, die mir dazu gekommen sind (aber genau dazu ist dieser Strang doch da, oder?)

Ich drücke Deinen Eltern die Daumen, dass sie dazu bereit sind, kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen. Die zwei Tage Tagespflege scheinen mir eine gute Lösung und vielleicht würde Dein Vater ja an den ersten Probetag durchaus auch für sich die
Vorteile sehen. Aber den ersten Schritt dazu wird er wohl von alleine nicht machen, so wie Du die Situation schilderst.

Ganz liebe Grüße :blumengabe:

Eisbär

Monkele
09.03.2007, 21:42
Liebes Eisbärchen,

erst mal ein ganz dickes DANKE! :blumengabe:

Schon fast drei Jahre, so lang- so kurz...-

Ich war schon sehr überrascht, von dir hier in der Form zu lesen! Aber es hat mich auch gefreut, denn weiß ich doch um die Situation. :wangenkuss: (Dann kennen wir uns ja auch schon ganz schön lang! :smirksmile: :kuss: )

Ich vermute, wenn es nach meiner Mutter ginge und sie völlig frei und offen sprechen könnte, dann käme mein Vater in ein Pflegeheim. Aber das gesteht sie sich selber, geschweige denn anderen Menschen gegenüber, nicht ein. Von meinem Vater kamen ja auch schon Vorwürfe, von wegen abschieben und so...
Als sie in dem Pflegeheim vorstellig wurden, haben sie auch eine Preisliste bekommen. Der erste Satz dazu war: "Es ist teurer, als das Pflegeheim meiner Oma." :wie?:

Und dann gibt es da noch etwas: Gestern meinte mein Vater, das Beste wäre, er ginge in ein Pflegeheim, das alte Bauernhaus wird verkauft und meine Mutter nimmt sich eine kleine Wohnung. Das ist etwas, was sich meine Mutter überhaupt nicht vorstellen kann / will! Sie will nicht aus diesem Haus raus! Argumente, wie fehlende Einkaufsmöglichkeiten, extrem schlechte Verkehrsanbindung (noch kann sie Auto fahren), keine Ärzte in der Nähe und der Schnitt vom Haus selbst auch für ihre Bedürfnisse teilweise sehr unpraktisch, will sie nicht hören. Eine Schätzung des Hauses hat sie abgelehnt, da muss ja jemand überall hin...- Vermutlich sieht sie da einen für sie nicht zu bewältigenden Berg Arbeit, genauso wie es bei einem Umzug wäre bzw. noch schlimmer. Das Angebot meiner Schwester und mir, wir würden Beide für eine Woche kommen und ihr tatkräftig unter die Arme greifen, hat sie "überhört". :knatsch: Das Haus ist bezahlt, da lebt sie gut usw. usw. usw. ....

Jetzt warte ich gerade auf einen Rückruf von ihr und werde ihr das "Duschargument" von Seawasp (auch dir wieder Danke! :blumengabe: ) unterbreiten. :smirksmile:

Was man bei all dem eben berücksichtigen muss ist, dass mein Vater eine Parkinsondemenz hat, die unterscheidet sich doch (noch) ziemlich von Alzheimer. Bestimmte Sachen kann man nur mit seiner Zustimmung tun. :knatsch:

Trotzdem werden wir (meine Schwester und mein Schwager, mein Bruder und seine Frau) weiter auf unsere Eltern einwirken, immer noch in der Hoffnung etwas zum Guten zu bewegen!

Und jetzt noch ein Wort zu dir, Eisbärchen: Das hast du gut gemacht!!! Ich bin mir sicher und du solltest das auch sein!

Monkele