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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unsicherheit - verdiene ich genug?



clochedepaques
05.10.2012, 08:18
Hallo liebe Selbständige und Freiberufler,

ich hab mal eine Frage an alle, die das schon länger machen. Dazu erst mal meine Ausgangssituation: Ich habe 10 Jahre fest angestellt gearbeitet, war aber davor schon mal Freiberuflerin. Ich habe ein Kind mit 12 Jahren und lebe allein mit ihm. Jetzt hat mir mein Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen gekündigt (bereits vor zwei Monaten) und ich habe entschieden, in Zukunft wieder freiberuflich zu arbeiten.

Ich freue mich sehr darauf.

Auf die Eigenständigkeit, die Selbstbestimmtheit. Auch wenn es mal stressig wird.
Die einzige Angst, die mich ab und zu überfällt, ist die, nicht genügend zu verdienen. Als ich vor 10 Jahren selbständig war, war ich zu Beginn ohne Kind (Start der Selbständigkeit vor 13 Jahren) und dann gab es einen Partner, so dass ich nicht komplett allein für den Lebensunterhalt zuständig war. Das ist jetzt anders. Ich habe eine Wohnung, die finanziert werden will, einen Hund, ein Kind.
Die Branche, in der ich mich selbständig machen werde, ist die, in der ich jetzt seit Jahren arbeite, ich habe Kontakte und Erfahrung. Trotzdem weiss ich natürlich nicht, wer mich letzten Endes beauftragen wird.
Und das macht immer mal wieder ein deutliches Magegrummeln. :knatsch:

Wie ist das denn bei Euch? Habt Ihr da immer mal wieder Bedenken? GIbt es gute und schlechte Phasen? Oder hat sich das mit der Zeit gelegt?
Ich freue mich auf Eure Erfahrungsberichte!

PS: Ich möchte es nicht in Frage stellen, ob ich mich selbständig mache, das ist für mich klar :smile:

frangipani
06.10.2012, 08:55
Hallo Osterglocke

Wann ist denn dein Starttermin? Dieser Satz von dir:


Trotzdem weiss ich natürlich nicht, wer mich letzten Endes beauftragen wird.

würde mir ein bisschen Magengrummeln verursachen, das würde ich an deiner Stelle so schnell wie möglich in Angriff nehmen. Gerade weil du nicht nur für dich allein verantwortlich bist, brauchst du gleich von Anfang an Brot- und Butterkunden. Oder bekommst du irgendeinen staatl Gründerzuschuss? (Sorry, kenn mich mit dtsch Möglichkeiten nicht mehr aus).

Ich bin seit knapp 10 Jahren selbständig, hatte am Anfang allerdings noch einen Partner zuhause, der mich, wenn es mal eng wurde, unterstützen konnte, so konnte ich mit nur ein paar Minikunden starten und das Ganze langsam aufbauen.

Sauregurkenzeit gibt es immer wieder, den Zyklus hat man nach einer Zeit raus. Bedenken hab ich keine mehr, die Jahre haben gezeigt, dass es immer weiter geht, wenn man am Ball bleibt. Heisst, auch wenn es gerade busy ist, trotzdem Augen und Ohren aufhalten, netzwerken, akquirieren. Und nicht in Ruhe an einem Auftrag arbeiten und dann erst den Nächsten suchen.

Ich versuche, meine Auftragsbücher mindestens 4-6 Wochen im Voraus einigermassen voll zu haben - was in meiner relativ schnellen Branche nicht immer gleich gut funktioniert. Ich habe einen langjährigen Kunden, der 3x im Jahr mit einem relativ grossen Job kommt, das ist schon mal ganz angenehm, aber nix, worauf man sich ausruhen darf.
Doch beunruhigen lass ich mich nicht mehr. Es war bislang immer so, dass nach ein paar ruhigeren Wochen auf einmal wieder viel zu tun war.
Ich weiss, dass ich nicht mehr ins Angestelltenverhältnis kann und will (zu lang raus, zu alt), also kann ich nur nach vorne gucken, da ich mindestens noch 20 Jahre arbeiten darf.

Aber - ich bin allein und dadurch deutlich flexibler als wenn ich als AE ein Kind hätte. Du brauchst also wohl schon einen straffen Businessplan und eine Art Fahrplan.

clochedepaques
07.10.2012, 18:42
Hallo Frangipani,

erst mal vielen Dank für Deine Antwort.

Es ist so, dass die Branche, in der ich arbeite, auch recht schnelllebig ist. Ich kenne Kunden, auch welche, die mich gern beauftragen möchten. Aber die Anzahl der Aufträge pro Jahr ist überhaupt nicht absehbar. Die Branche ist ziemlich wankelmütig.
Starttermin ist der 2.11., und ich habe die ersten beiden Jobs schon fest, aber das reicht halt erst mal nur für max. 2 Monate. Einen Gründungszuschuss beantrage ich beim Arbeitsamt. Das kann ich nicht früher tun, weil ich offiziell noch bis Ende Oktober beschäftigt bin.
Gemacht habe ich schon alles (Businessplan, die fachkundige Stelle ins Boot geholt, FInanzierung geplant). Derjenige, der mich da berät, ist der Meinung, dass das Aussicht auf Erfolg hat.
Es ist recht klar, dass zufriedene Kunden auch wieder kommen. Ich nehme auch auf jeden Fall ein bis zwei Kunden von vorher mit.
Kontakte habe ich sehr viele, aber die Einschätzung, wie viel dann real rumkommt, die ist und bleibt schwierig.
Der Satz, dass ich letzten Endes nicht weiß, wer mich dann reell beauftragt, liegt daran, dass in meiner Branche oft so eine Art "Kette" vorliegt. Der Endkunde sitzt beispielsweise in Amerika, das beauftragte Institut in England, die wiederum suchen jemanden, der das in Deutschland durchführt. Wenn ich dann was zu tun habe, lohnt es sich auch. Wenn aber grade niemand was in Deutschland machen will, passiert eben gar nichts.

Mir würden zwei Aufträge im Monat locker reichen, wenn ich für ein komplettes Projekt gebucht werde, sogar weniger.

Die Unsicherheit entsteht, glaube ich, weil die Branche so "wankelmütig" ist. Mal ganz viel, mal gar nichts.
Trotzdem denke ich, dass jetzt der einzige Moment ist, wo ich das machen kann, weil eben die Möglichkeit besteht, den Gründungszuschuss zu beantragen.

Ganz abgesehen davon habe ich ein so spezielles Aufgabengebiet, dass es sehr schwierig sein würde, einen festen Job zu finden. Das, was ich vorher hatte, war eine große Ausnahme, alle anderen Leute, die das anbieten, was ich tue, sind Freiberufler.

Ich selbst denke auf jeden Fall auch, dass ich gute Chancen habe, dass das klappt. Trotzdem bleibt eben ein Rest Unsicherheit, der, wie Du ja auch schreibst, als Freiberufler immer mal wieder hochkommt.
Akquise betreibe ich übrigens jetzt schon.

Dann hilft wohl nur, engagiert weiter zu machen.

frangipani
08.10.2012, 00:58
Hallo again :)

Das klingt ja so schlecht nicht, gut vorbereitet bist du ja. Und der Rest kommt mit der Übung. Auch, wie man mit der Sauregurkenzeit umgeht, bzw sie nutzt.
Deine Branche klingt auch ähnlich wie meine (entweder viel oder gar nichts/wankelmütig). Der Rest Unsicherheit, der gehört dazu. Dafür - sage ich mir immer - ist mein Job nicht von anderen Geschäftsführungen abhängig. Aufträge sind zwar von Kundengeschäftsführungen abhängig. Aber meine Stellung, dafür bin ich allein verantwortlich. Und das Gefühl ist meist besser als die Unsicherheit, was Neuaufträge angeht.

Im Netz gibt es - gerade auch im englischsprachigen Raum - viel Infos und Motivation für Freelancer und Selbständige.

Good luck!

clochedepaques
08.10.2012, 08:43
Hallo Frangipani,

danke für Deine guten Wünsche!
Dass ich mich als Freiberuflerin insgesamt wohler fühle, davon bin ich fest überzeugt. Auch mit der Unsicherheit.
Denn die zehn Jahre als Festangestellte waren besonders zum Schluss sehr schwierig und belastend, unter anderem wegen der vielen seltsamen Entscheidungen, die die Geschäftsführung getroffen hat, und die ich eigentlich so nicht mittragen wollte und konnte.
Die PErsonalführung und die Informationspolitik in der Firma waren eine Katastrophe. Deshalb fühle ich mich sogar sehr wohl damit, mein "Schicksal" selbst in der Hand zu haben. Fachlich und inhaltlich habe ich keine Zweifel, dass ich das kann, allein meine jahrelange Erfahrung spricht für mich.
Insofen.... Segel hissen und los!
Dir auch weiter viel Erfolg!

Inaktiver User
08.10.2012, 14:33
Hallo.

Hast du denn bei der Arbeitsagentur schon angefragt, ob du wirklich den Existenzgründungszuschuss bekommst? Das ist seit diesem Jahr Ermessenssache, d.h. die Arbeitsagentur darf entscheiden, ob du den Zuschuss bekommst oder nicht. Meine hatte im Januar, als ich damit liebäugelte, mich selbstständig zu machen, abgelehnt. Ich wäre noch in andere Branchen (!) vermittelbar, daher würde man eine Selbstständigkeit in meinem Beruf (mehr als die Hälfte in meinem Beruf arbeiten selbstständig, der Trend ist auch weiterhin, dass Festangestellte durch Freie ersetzt werden) nicht fördern.

Lg

clochedepaques
08.10.2012, 19:34
Hallo Litenprinsesse,

ich hab schon gefragt, aber die haben noch nicht gesagt, ob sie es letzten Endes unterstützen oder nicht. Ich denke, ich würde es unter Umständen auch ohne die Unterstützung schaffen, mit wäre es aber einfacher.
Ich habe lange überlegt, ob ich den Antrag überhaupt stellen soll, und habe dann aber nach vielen Recherchen im Internet und einem Gespräch bei der Arbeitsagentur entschieden, es zu tun. Im Internet war zu lesen, dass die Arbeitsagentur gezielt versucht, Leute von der Beantragung abzuhalten.
Mit dem Risiko, dass sie es nicht bewilligen rechne ich. Ich würde allerdings auch Widerspruch einlegen, bei Bedarf.
Bei mir ist es so, dass ich zwar gut ausgebildet bin, mit Studium, aber die meisten Stellen, die da angeboten sind, ein anderes Berufsprofil wollen. Das, was ich speziell mache, gibt es festangestellt gar nicht.
Ich bin jetzt seit gut zwei Monaten arbeitssuchend gemeldet und habe insgesemt etwa 8 Vorschläge vom Arbeitsamt bekommen, von denen wiederum nur 4 überhaupt in meine Ausbildung passten. Insofern...
Drückt mir die Daumen!

Sugarnova
09.10.2012, 16:32
Hallo Litenprinsesse,

ich hab schon gefragt, aber die haben noch nicht gesagt, ob sie es letzten Endes unterstützen oder nicht. Ich denke, ich würde es unter Umständen auch ohne die Unterstützung schaffen, mit wäre es aber einfacher.
Ich habe lange überlegt, ob ich den Antrag überhaupt stellen soll, und habe dann aber nach vielen Recherchen im Internet und einem Gespräch bei der Arbeitsagentur entschieden, es zu tun. Im Internet war zu lesen, dass die Arbeitsagentur gezielt versucht, Leute von der Beantragung abzuhalten.
Mit dem Risiko, dass sie es nicht bewilligen rechne ich. Ich würde allerdings auch Widerspruch einlegen, bei Bedarf.
Bei mir ist es so, dass ich zwar gut ausgebildet bin, mit Studium, aber die meisten Stellen, die da angeboten sind, ein anderes Berufsprofil wollen. Das, was ich speziell mache, gibt es festangestellt gar nicht.
Ich bin jetzt seit gut zwei Monaten arbeitssuchend gemeldet und habe insgesemt etwa 8 Vorschläge vom Arbeitsamt bekommen, von denen wiederum nur 4 überhaupt in meine Ausbildung passten. Insofern...
Drückt mir die Daumen!

Machen wir doch gerne -

wichtig ist, dass du realistisch kalkulierst.

In meiner ehemaligen Branche haben die ganzen Hobby/Amateurleute die Preise ruiniert, die den Job aus Geltungssucht (anders kann man es nicht nennen) ausüben - leider.

So sehen die Ergebnisse aber auch dementsprechend aus.

postillon
05.11.2012, 13:59
Zum Thema, wie die Arbeitsagenturen das seit einiger Zeit mit der Gründungsförderung handhaben, gibt es von Mediafon öfter Infos (ich habe deren Newsletter abonniert, für mich als Solo-Selbstständige eigentlich immer ganz aufschlussreich). Reinschauen lohnt sich, denke ich, auch wenn man – wie ich – kein Verdi-Mitglied ist.