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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: Was war die längste, schönste oder schrecklichste Sekunde Ihres Lebens?



BRIGITTE Community-Team
11.08.2006, 16:47
Liebe Userinnen,

die meisten von uns haben das Gefühl, immer weniger Zeit zu haben - obwohl wir unser Leben so zeitsparend organisieren können wie nie. Lesen Sie das aktuelle BRIGITTE-Dossier zum Thema Zeit - und hier (http://www.brigitte.de/gesund/balance/dossier_zeit/) finden Sie eine kleine Gebrauchsanleitung der Zeit von Bestsellerautor Stefan Klein.

In diesem Strang können Sie sich über ganz besondere Momente Ihres Lebens austauschen - viel Spaß dabei wünscht Ihre

Redaktion Brigitte.de

Nathamel
16.08.2006, 22:25
die schrecklichste und längste sekunde in meinem leben war die, als ich meinen damals knapp zweijährigen sohn den grünkitteln vor dem OP übergeben habe. er guckte mit seinen großen braunen augen fragend in mein gesicht und ließ sich von dem grün maskierten mann einfach mit weg tragen. er hat nicht geweint, er hat nur geguckt. seine kleinen speck-beenchen, die winzigen hände, das wunderschöne weiche gesicht, ich kann das nicht beschreiben.

das war irgendwie das völlige ende. ich wusste, wenn er das nicht überlebt, dann werde ich es auch nicht. und ich habe ihn angestrahlt, bis diese hässliche silberne metalltür sich geschlossen hatte. die stunden danach waren eine folter. keine ahnung, was ich in der zeit gemacht habe, ich erinnere mich nicht. als endlich die ärzte den langen gang entlang kamen, starrte ich in ihre gesichter, weil ich darin lesen wollte. aber das konnte ich nicht. sie lächelten nicht, sahen aber auch nicht aus, als würden sie mir gleich sagen, dass er es nicht geschafft hätte. er hatte es geschafft. die nachfolgende zeit auf der intensivstation war wie ein erholungsurlaub. manchmal träume ich noch von diesen szenen.

die zweitlängste sekunde meines lebens war die, als mein blick auf die bahre fiel, auf der sie im november letzten jahres meinen großvater mit den füßen voran aus dem haus getragen haben. er war in einem kobaltblauen sack verpackt. ich wusste, dass dies nicht mein ende sein würde, aber ich wusste auch, dass ich diesen augenblick nie mehr vergessen würde und dass dort ein teil von mir mit heraustragen wurde. einen teil, den ich nie zurückkriegen würde, selbst wenn ich mich auf den kopf stellte.

es ist nicht richtig, dass die zeit alle wunden heilt. die bittere trauer um meinen großvater wird mir bleiben. das zu erleben war so unendlich schwer und wenn es auch nur momente waren, die ich visuell erfasst habe, werden diese bilder bleiben. sie lassen sich nicht löschen. mein großvater (den kann ich nicht beschreiben, den muss man gekannt haben) liegt in einem blauen sack und wird weggetragen.

seine krankheit war schlimm, sein verfall auch, die angst in seinen augen, die schmerzen, die hoffnungslosigkeit. die beisetzung war der horror. aber es ist immer wieder (nur) das eine bild, das mich quält: diese typen stecken ihn in diesen sack und tragen ihn raus.

die drittlängste sekunde war die, als ich zwölf jahre alt war und am totensonntag 1981 früh aufstand, um - wie jeden sonntag - mit meinem vater gemeinsam die zeitung zu holen. mein vater hat immer viel gearbeitet. ich habe ihn nicht so oft gesehen, ihn aber verehrt und bewundert. jeden sonntag gingen wir gemeinsam die zeitung holen. an jenem sonntag war mein vater schon fort. verwirrt fragte ich meine mutter, was los sei. sie sagte: wir lassen uns scheiden.

alle anderen sekunden in meinem leben waren ungefähr gleich lang bzw. gleich kurz. egal ob es besonders schöne oder besonders schlimme momente waren. nur eines als faustregel: tritt meine mutter auf den plan, vergeht die zeit viel langsamer, als wenn es irgendein anderer tut. vielleicht hält auch nur die wirkung des auftritts länger an, wer weiß?

nathamel.

Inaktiver User
17.08.2006, 14:16
Ein Glaskörper auf der Netzhaut, so die Diagnose des Arztes. Zum Lasern ab in´s Krankenhaus.

Das vor jedem Schuss (Klick) ein ganz natürlicher Zuckreflex im Auge einsetzt, trotz Betäubung, ist wohl völlig natürlich. Die ungehaltene Ärztin meinte, wenn ich nicht endlich stillhalten würde hätte ich eine Narbe wie eine Hühnerleiter. Es waren bestimmt über hundert Schuss. Die schrecklichsten, blitzartigen Sekunden meines Lebens.

Karamia

Inaktiver User
21.08.2006, 18:04
Sommer. Mein Kleiner, 1 1/2 Jahre, auf der Terrasse, ich im Wohnzimmer.

Plötzlich höre ich ein Röcheln, ich renne raus, er ringt nach Luft, würgt....

Ich sehe mich, wie ich wie in Zeitlupe, meinen Zeigefinger ganz ganz tief in seinen Hals stecke, so weit, bis es nicht mehr geht, er räuspert sich und..

spuckt ein Pfennigstück aus, an dem ein Kleinkind, wie ich später lese, ohne weiteres ersticken kann.

ischi

Eustachia
22.08.2006, 20:06
oje, ischi....
ähnlich bei mir. mein sohn geht an meiner hand- ich komme vom einkaufen, trage lineks tüten, an der rechten hand halte ich ihn fest wie immer draußen- er war zwei.
plötzlich eine katze - ein auto- er reißt sich los- rennt auf die strasse- ich werfe die tüten weg, laufe hinterher, das auto macht rechtzeitig einen bogen um uns und ich nehme ihn auf den arm...unfähig, mich beim haltenden autofahrer zu bedanken, einfach unfähig, was zu sagen...

Eustachia
22.08.2006, 20:11
Eustachia]oje, ischi....
ähnlich bei mir. mein sohn geht an meiner hand- ich komme vom einkaufen, trage links tüten, an der rechten hand halte ich ihn fest wie immer draußen- er war zwei.
plötzlich rennt eine katze auf die strasse - ein auto naht - er reißt sich los- rennt auf die strasse- ich werfe die tüten weg, laufe hinterher, das auto macht rechtzeitig einen bogen um uns und ich nehme ihn auf den arm...unfähig, mich beim haltenden autofahrer zu bedanken, einfach unfähig, was zu sagen, was zu denken, diese ewige lange sekunde lang...

Jaelle
23.08.2006, 17:53
Vor 14 Jahren, ich war eine junge Mutter. Meine Tochter schrie, wurde plötzlich ganz steif, krampfte die Fäustchen und lief um den Mund blau an und atmete nicht mehr. Ich weiß nicht, wieviel Sekunden vergingen, mir kam es unendlich vor.
In einer sehr kurzen Zeit schossen 1000 Gedanken durch meinen Kopf, und dann kam sie wieder zu sich, das Gesicht wurde wieder rosig, als wäre nichts gewesen.
Da habe ich zum ersten mal in meinem Leben aufrichtig gebetet und habe mich bei Gott bedankt.

Inaktiver User
23.08.2006, 19:27
Der Tod meines Bruders vor 18 Jahren. Ich habe gerade meine neueste LP angehört als das Telefon klingelte und meine Mutter mir sagte, dass mein Bruder einen Unfall hatte, 12 Tage später ist er gestorben. Ich habe ihn zwischendurch im Krankenhaus besucht, er war auf der Intensivstation, und eigentlich schon nicht mehr am Leben. Was für ein Gefühl..., er hat in Braunschweig gelebt und dort in der Handballbundesliga gespielt. Diesen Riesenkörper so leblos im Bett zu sehen, das hat mir echt zugesetzt. Er war ein Jahr jünger als ich, und wir haben bis zum 17ten Lebensjahr alles zusammen gemacht..., hatten sogar eine gemeinsame Wohnung (unsere erste!). Das war eigentlich mein erstes schreckliches Erlebnis.

Inaktiver User
23.08.2006, 19:37
...aber..., das Leben besteht ja nicht nur aus schlechten Epochen.
Vor zehn Jahren wurde meine geniale Tochter geboren, und ich war dabei. Ich wollte immer ein Kind, und es sollte immer eine Tochter sein. Ich also mit rein in den Kreißsaal, die Sache nimmt ihren dramatischen Verlauf..., ich sitze wie angespannt daneben und halte Händchen bei meiner Ex. Wir haben uns während der Schwangerschaft nicht sagen lassen was es wird, Junge oder Mädchen. Ich habe dann im Kreißsall einen Feitstanz aufgeführt als ich meine kleine Tochter in den Armen der Hebamme liegen sah. Der erste den ich anrief war mein Freund Denis in England...

Inaktiver User
26.08.2006, 17:10
Meine längste Sekunde, eigentlich Minuten, waren die, als ich mit dem Professor vor den Röntgenbildern saß, unzählige Tumoren im Gehirn und Rückenmark meines 15jährigen Sohnes.
Ich dachte immer nur: ich kann ihm doch nicht sagen, dass er bald sterben muss - was soll ich ihm nur sagen, wenn ich zurück ins Zimmer gehe?

diese Minuten waren wie eine Ewigkeit in der Hölle

Gizmo
26.08.2006, 17:56
Oh Lavendelmond, da bleibt mir ja regelecht das Herz stehen, wenn ich das lese

...

Wenn ich sehe, was einige hier schreiben, wird mir klar, dass ich noch nicht so wirklich eine schrecklich lange Sekunde in meinem Leben hatte.

Aber die wohl längste und nicht greade schöne Sekunde war der Moment, als die (wie ich damals glaubte) Liebe meines Lebens mir nach 4 Jahren Beziehung am Telefon offenbarte, dass er mit mir Schluss macht, weil ich aufgrund meines Staatsexamens zu wenig Zeit hatte, ihn bei seiner Bundestagskandidatur zu unterstützen.

Die schrecklichste Sekunde folgte direkt danach, als mir klar wurde, dass eigentlich meine ganze Vorstellung von dieser Liebe in Wirklichkeit nie existiert hat und vier Jahre meines Lebens streng genommen eine einzige Lüge/Illusion waren.

Jetzt komme ich mir richtig jämmerlich und albern vor, denn so schlimm ist das ja nicht im Vergleich dazu, was einem sonst im Leben für schreckliche Sekunden wiederfahren können ...

Inaktiver User
03.09.2006, 11:28
Bei mir gab es schöne, schreckliche und lange Sekunden.Ich will über meine (bisher) schönsten Sekunden schreiben: Vor demnächst 4 Jahren lernte ich einen Mann im Netz kennen, wir schrieben und telefonierten täglich und hatten schon das Gefühl uns ewig zu kennen,eine Art Seelenverwandtschaft.Am Tag des persönlichen Kennenlernens war ich so aufgeregt wie seit Jahren nicht mehr, kriegte keinen Bissen mehr runter. Er holte mich am Bahnhof ab, wir gingen in seine Wohnung, dort stellte er sich an den Herd, kochte für mich.(Essen fiel mir immer noch schwer:smirksmile: ) Wir gingen dann spazieren, es dämmerte schon, Hand in Hand, unterhielten uns, es gab nur noch uns beide.Nichts war fremd oder seltsam, alles fühlte sich richtig an. Als wir später in seiner Wohnung waren, schaute ich ab und an auf die Uhr, weil mein letzter Zug um 22.40 h ging. Als meine Uhr 22.15 h anzeigte , wollte ich ihm sagen, daß ich leider fahren müsse. Es war aber bereits 22.50 h(!) Meine Armbanduhr war einfach stehengeblieben, das war alles so unwirklich, aber Zeit spielte überhaupt keine Rolle mehr. Er hatte extra nichts gesagt, weil er mich gerne dabehalten wollte und so blieb ich nur mit meiner Handtasche, sonst nix und fuhr erst am nächsten Tag gegen Abend. Man kann es mit einem Satz beschreiben." Ich war angekommen".Leider gibt es zu dieser Geschichte (die für mich wie aus einem Kitschroman anfing, aber schön....) kein Happy End. Dennoch waren es die bisher schönsten Sekunden und ein gutes Beispiel, wenn Zeit gar keine Rolle mehr spielt und man sich wünscht es würde nie vergehen.

Inaktiver User
08.09.2006, 12:37
Die längste Sekunde in meinem Leben:

Ich lernte einen Mann beim Tanzen kennen. Er hatte alles, was einen Mann männlich macht. Aussehen, Gestik, Mimik, Gespräche........es stimmte alles. Er war Geschäftsmann. Wir verabredeten uns ein paar mal und redeten über Gott und die Welt. Wir konnten zusammen händchenhaltend nach Meditationsmusik unsere Seelen fliegen lassen. Auch im Bett stimmte einfach alles. Als meine Periode ausblieb dachte ich jetzt bin ich schwanger. Mir war tagelang nach klassischer Musik zumute. Erzählen wollte ich ihm aber noch nichts davon.

Dann wurde es still um ihn. Ich saß neben meinen Telefon und suggerierte: Klingel, wofür bezahle ich dich. Nichts.

Um ja keinen Anruf zu verpassen, saß ich an einem Freitagabend zuhause und sah fern. Zwischendurch schaltete ich mal auf Aktenzeichen XY ungelöst um.............und starrte auf sein Bild. Die längste Sekunde in meinem Leben. Geistesgegenwärtig schrieb ich mir die eingeblendete Rufnummer auf und griff zum Hörer. Am anderen Ende sagte man mir, er würde wegen Menschenraubes gesucht. Ein paar Tage später wurde er festgenommen.

:heul:

Chaoshexe
09.09.2006, 18:21
Die längste Sekunde der negativen Art war die Sekunde in der mein jetziger Exmann nachdem er unsere Tochter in ihr Zimmer geschickt hatte, mich an einem ganz normalen noch sonnigen Sonntagmorgen an der Hand nahm ins Schlafzimmer zerrte und mir eiskalt mitteilte das er seid 5 Monaten eine Geliebte hat (nach 15 Jahren Ehe und ohne irgendeine Vorwahrung).

Die schönste längste Sekunde der Welt war wohl die in der ich meine gerade geborene Tochter auf meinem Bauch liegen hatte und in ihre riesengroßen blauen Augen sah, ist nun bald 14 Jahre her:smirksmile:

Grüssle

Chaoshexe

Inaktiver User
03.10.2006, 19:48
Die schrecklichste Sekunde meines Lebens war die, als eine Krankenschwester ins Zimmer kam und mir mein totes Baby aus den Arm nahm, von dem ich mich aber sehr lange und intensiv verabschieden durfte!

LG von der miss

semiramis
04.10.2006, 18:52
Die schrecklichste Sekunde war bei mir vor ca. 5 Jahren, da erfuhr ich, ohne Vorwarnung ohne Vorzeichen, dass noch eine andere Frau im Leben meines Mannes eine ernsthafte Rolle spielte und mußte mir folgenden Satz anhören* unsere 35 jährige Ehe war wahrscheinlich ein großer Irrtum.*
Inzwischen sind wir aber nun fast 40 Jahre immer noch und wieder glücklich ( das Glück fühlt sich anders an)verheiratet.
Die längste Sekunde war, als der Augenarzt mir vor 3 Jahren mitteilte, sie werden wahrscheinlich in kürzester Zeit völlig erblinden.Für ihre Erkrankung gibt es keine Therapie.
Die schönste Sekunde (außer Geburt und Adoption meiner Kinder)erlebte ich vor 2 Wochen.Wieder ein Besuch beim selbigen Prof. in der Augenklinik.
Ergebnis: li Auge, Sehkraft gleich null, re Auge, Sehkraft nicht besonders (10%)aber die Krankheit ist zum Stilllstand gekommen.Ich habe in den ersten Sekunden nicht sprechen können und der arme Prof. meinte, ich wäre so enttäuscht.Es war aber Freude.Ich kann Euch nicht beschreiben wie es sich anfühlt, wenn man nach so langer Zeit plötzlich erfährt, dass man nun doch nicht in Dunkelheit hinein muß.
LG
semiramis

Inaktiver User
05.10.2006, 12:39
@Semi

:musiker: :blumengabe: :wangenkuss:

Henne65
05.10.2006, 12:52
@Semi

:musiker: :blumengabe: :wangenkuss:

*mitfreu*! :wangenkuss:

Inaktiver User
05.10.2006, 22:45
Die längsten Sekunden waren am 03.09.04. Ich wollte meine 5-jährige Tochter bei ihrer Freundin abholen. Sie lag bewußtlos am Haus auf der Bank. Die Mutter hatte mich nicht angerufen. Ich dachte, die Kleine schläft. Aber als ich sie wecken wollte, weinte sie vor Schmerz und wurde wieder bewußtlos. Ich habe sie zum Arzt gebracht, auf dem Weg dorthin hat sie gewürgt. Sie hatte keine Pupillenreaktion mehr; ich dachte, sie ist hirntot. Der Notarzt wurde alarmiert, der bestellte den Rettungshubschrauber. Sie wurde künstlich beatmet und in die neurochirurgische Klinik gebracht. Der Arzt auf der Intensivstation sagte mir, sie habe einen Schädelbruch erlitten.
Nach einigen Tagen konnte sie entlassen werden. Heute ist sie ein gesundes Kind, sie hat keine bleibenden Schäden erlitten.

Die Mutter hat sich noch nicht mal entschuldigt.

luftballon
09.10.2006, 20:53
der schönste moment das kennenlernen meines mannes.wie er mir entgegenkam..
wir hatten uns über eine anzeige kennegelernt und dann auf einem parkplatz getroffen...
es war liebe auf den ersten blick!

der längste moment..
als meiner kleine einjährigen tochter beide beine eingegipst wurden wegen sichelfüsse bis zum po ,auswärts gestellt ,ohne narkose und sie sich so heftig wehrte und ich leider unfähig war,das abzubrechen.,sondern sie mitfesthilet.,weil mir der arzt sagte,es sei notwendig.
.und ich mir noch heute vorwürfe mache,dass ich zuließ,dass sie gequält wurde.

der schrecklichste da gibt es zwei..
einmal der absturz meines mannes als er sich nach dem sturz aus dem stall und Schweinebucht geschleppt hat mit schwerem offenem trümmerbruch...und meine tochter ihn rufen hörte und ich zu ihm lief..

und als ein anruf kam,dass bei der herzkathederuntersuchung
er herzstillstand hatte und reanimiert und mit herzlungenmaschine im krankenwagen auf dem wege von flensburg nach kiel sei... zur not-op---
die er überlebte

Inaktiver User
10.10.2006, 14:23
Ich habe alle 6 Monate eine lange Sekunde, wenn ich im Klinikum anrufe und auf das Ergebnis meiner Kontrolluntersuchung warte. Viermal durfte ich jetzt gleichzeitig die schönste Sekunde erleben. Ende Oktober ist es wieder soweit...

Inaktiver User
10.10.2006, 17:46
Die schoenste Sekunde meines Lebens: als meine gerade geborene Tochter mir in der Badewanne auf den Bauch gelegt wurde. Ich konnte nur stammeln: she is SO beautiful.... (habe in Australien entbunden).

Die schrecklichste Sekunde: ein Ex von mir wollte sich das Leben. Wir waren campen, er hat ploetzlich eine Flasche zerschlagen und ist damit in einen nahegelegenen Wald, um sich die Pulsadern aufzuschneiden. Ich wusste nicht: hat er es getan? Kann ich es noch verhindern? Soll ich zu ihm oder den Notarzt rufen? etc. Er hat es letztlich nicht getan... zumindest nicht in der Nacht. Wir haben keinen Kontakt mehr.

tanimun
23.10.2006, 16:43
Die schönste Sekunde in meinem Leben war an einem Dienstag Ende 2003 im Süden der Republik Niger. Da war ich auf einem Markt, der unserem Mittelalter entsprungen sein könnte. Ich saß auf einem Klappstuhl und strahlte fröhlich vor mich hin.....

hermeshuntress
23.10.2006, 18:13
Die längste Sekunde war vor dem Verkünden meiner Promotionsnote.

Die schönste Sekunde war ein spontanes blitzartig unerwartetes Verständnis mit einem mir fremden Menschen, der von da an mein Freund und treuer Begleiter wurde.

Die schrecklichste Sekunde in meinem Leben repetiert sich immer wieder, wenn ich aufgrund meiner Jobsituation die Frage stelle, ob ich mir mein Alter leisten kann.

Inaktiver User
24.10.2006, 20:41
Obwohl ich eigentlich ein sehr positiv denkender Mensch mit einem sehr glücklichen Leben bin, fällt mir grad nur die schlimmste Sekunde meines Lebens ein.

Irgendwann im Frühjahr 1987.
Mir war schon seit Wochen aufgefallen, daß mit dem ( von mir ebenfalls innigst geliebten) kleinen Bruder meines besten Freundes irgendwas nicht stimmt. Er war ganz blaß, wurde immer weniger und zog sich völlig zurück.
Aus der Tatsache, daß nichtmal ich erfahren habe, was denn eigentlich konkret nicht stimmt, konnte ich dann auch schließen, daß es sehr, sehr schlimm sein muß, denn normalerweise hatten wir keinerlei Geheimnisse voreinander.

An einem Freitag in April 1987 spitzte sich die ganze Situation so zu, daß G. nach der Pause vor der letzten Schulstunde plötzlich keine Gewalt mehr über seine Beine hatte, nicht mehr alleine aufstehen konnte.
Er saß in der Ecke auf dem Boden, schaute mich völlig fassungslos an - und ich war selber so entsetzt, daß ich ihm nicht geholfen habe, sondern wie unter Schock aus der Schule gelaufen bin.
Ich habe wirklich gedacht " das war es jetzt, jetzt stirbt er mir unter den Händen davon " .

Ein Klassenkamerad von uns hat die Sache dann aufgefangen, in dem er ihm mit einem blöden Spruch auf den Lippen aufgeholfen hat und nach der Schule war es dann auch wieder gut.


Aber diesen Blick, mit dem G. mich da angesehen hatte und der voller Todesangst war, werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen.
Und es hat auch ganz lange gebraucht, bis ich mit meinen Schuldgefühlen, ich hätte als Freundin versagt, umgehen konnte.

Welcomeback
19.12.2006, 22:21
Die längste Sekunde und schlimmste zugleich, war die als morgens um genau vier Minuten nach acht Uhr das Krankenhaus anrief in dem mein Vater lag, er wurde am Tag zuvor erfolgreich operiert bis um 3 Uhr in der Nacht, und mir sagte er wäre vor vier Minuten gestorben auf dem Weg zum CT....

Das aller schlimmste dabei war - ich wußte vorher das dieser Anruf kommen würde. Meine Mutter, meine Geschwister und ich waren bis nachts um 3 im Krankenhaus. Dann kammen die Ärzte und sagten uns alles wäre gut gelaufen bei der OP wir sollten nach Hause fahren. Taten wir dann auch. Alle gingen zu Bett. Nur ich setzte mich alleine in unsere Küche, machte Kaffee, kraulte unseren Hund und wartete auf das Klingeln des Telefons......

Dankbar bin ich heute für die letzten 2 Minuten die ich vor seiner OP noch hatte und er bei klarem Bewusstsein war und ich mich stumm verabschieden konnte. Er wusste es auch........

Anemone
19.12.2006, 22:45
Einer der langen Sekunden:
Ich war 13 und mein Vater legt sich zu mir ins Bett. Er scherzt über meine Starfotos an der Wand, über meine "Filmstarschwärmereien" und schlägt mir vor, mal das zu tun, "was und wie ich mir DAS so vorstelle". Dabei streichelt er mich und liegt neben mir, die starr und wie erstarrt und lebendig-tot nur duldet. Und hofft, dass DAS endlich vorbeigehen möge. Er ist nicht weiter gegangen. Aber diese hilflose eklige Erstarrung, die kam mir ewig vor.

Eine Sekunde, die mir ins Herz schnitt: als mein Ex "rein zufällig" zu seinem groß gefeierten Geburtstag seine FReundin samt kleiner Tochter begrüßt. Und alle, alle sehen, was Sache ist.

Eine Sekunde, die nach meiner Erinnerung die schönste war. Der Moment, als ich vor über 3 Jahren meinen Freund kennenlernte, eine lockere Internetbekanntschaft mit der maximalen Erwartung eines netten Abends. Und wir uns nach 4 STunden um den Hals fielen und beide wussten, dass wir angekommen waren. Ein unbeschreibliches Gefühl innerer Wärme und Liebe. Und das Gefühl des geradezu unglaublichen Zufalls, genau diesen Menschen auf diese Weise kennengelernt zu haben.

Paulinacgn
19.12.2006, 23:08
die schönste und längste sekunde meines lebens war, als ich vor fast 4 jahren von meiner großen liebe (nach 4 jahren beziehung) einen traumhaft schönen heiratsantrag bekommen habe.

die schrecklichste und längste, als er zwei wochen später mit seinem motorrad tödlich verunglückte.

Welcomeback
19.12.2006, 23:34
die schönste und längste sekunde meines lebens war, als ich vor fast 4 jahren von meiner großen liebe (nach 4 jahren beziehung) einen traumhaft schönen heiratsantrag bekommen habe.

die schrecklichste und längste, als er zwei wochen später mit seinem motorrad tödlich verunglückte.

.....wie schrecklich muß das für Dich gewesen sein!!! Es tut mir in der Seele leid!!!

Mein Gott, so viele lange Sekunden die jeder hier erlebt hat.....Mich wundert es immer wieder aufs neue wieviel man verkraften und ertragen kann. Aber stimmt der Spruch: "Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker" wirklich??

Paulinacgn
20.12.2006, 00:09
man könnte es stärker nennen oder/und abgehärteter, wenn man es dann überstanden hat. wenn man bedenkt wie lang oder wie kurz eine sekunde sein kann, merkt man schon, das die zeit eine illusion ist.
Da fällt mir ein artikel ein, den ich vor kurzem las. es ging dabei um ein indianervolk das vollständig losgelöst von der zeit lebt. auch also ohne zukunft und ohne vergangenheit.
lediglich mit dem augenblick zu verschmelzen ist eine bewußtseinsfrage, aber das denke ich sind die ja die augenblicke, die wir wie in zeitlupe in unseren gedächnissen haben ob schöne, oder leider weniger schöne.

Welcomeback
20.12.2006, 00:19
Abgehärteter ist wohl der richtige Begriff.....aber ich empfinde beim denken an diese Sekunden noch immer den selben Schmerz wie damals. Das macht mich nachdenklich. Die Zeit heilt eben doch nicht alle Wunden....

diadora
22.12.2006, 16:44
Hallo,
ich finde das hier einen sehr schönen Strang, weil er sehr wechselseitige Gefühle hat.
Als ich den Titel gelesen habe, kam mir zuerst meine schönsten Sekunden in den Sinn. Davon gibt es in meinem Leben Gott sei Dank sehr viele, aber die absoluten Sekunden waren am 6.6.2003 um 13.40 h, da habe ich meinen Mann geheiratet.
Ich zähle mich zu den glücklichen Menschen, die ihre ganz grosse Liebe kennenlernen durften und dafür bin ich unendlich dankbar.

Als ich dann angefangen habe zu lesen, sind mir auch meine schrecklichen Sekunden in den Sinn gekommen. Bei mir waren es eigentlich von 5.7.96 - 21.10.96 sehr viele.
Am 5.7. ist mein heissgeliebter Kater völlig unerwartet in meinen Armen erstickt, am 9.7. hatte ich einen schweren Autounfall an dessen Folgen ich heute noch knabber, am 17.08. mussten wir meinen alzheimerkranken Opa in ein Heim geben und am 21.10. ist mein heissgeliebter Opa dann leider über die Regenbogenbrücke gegangen und wie viele hier, kann ich mich noch genau an die Situation als das Telefon geklingelt hat erinnern. Ich sass an meinem Schreibtisch im Büro.
Und es stimmt, Zeit heilt die Wunden - aber die Narbe bleibt.
Und es tut mir heute noch zutiefst leid, weil mein Opa hätte meinen Mann geliebt. Leider konnte weder mein Opa noch meine Oma auf meiner Hochzeit dabei sein. Aber ich bin mir sicher, sie haben uns gesehen, das tröstet mich.

orenda
27.04.2008, 12:50
Meine schrecklichste Sekunde... als die Polizei an meiner Tür klingelte und sagte, dass mein langjähriger und geliebter Lebensgefährte nie wieder zu mir zurück kommen würde...