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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ich vermiss ihn obwohl er noch da ist...



silu
04.08.2006, 23:07
Hallo!
Ich muss mich einfach mal austauschen, sonst platze ich...
Vielleicht habe ich ja Glück und jemand von euch hat ähnliches erlebt.
Mein Mann (28) hat einen unheilbaren Hirntumor. Mittlerweile geht es ihm so schlecht, dass ich ihn im Wohnzimmer im Pflegebett pflege. Er spricht kaum noch und schläft sehr viel (aufgrund der vielen Medikamente).
Es geht alles so wahnsinnig schnell. Noch vor einiger Zeit konnten wir in Urlaub fahren, spazieren gehen, miteinander sprechen, lachen, weinen,... und noch zusammen leben (selbst als er vor einiger Zeit in den ROllstuhl musste).
Seit kurzem erst sind wir verheiratet, die Diagnose haben wir jetzt schon seit einem Jahr.
Jetzt, seit es ihm so schlecht geht, habe ich jegliche Hoffnung auf ein Wunder aufgegeben. Ich hoffe im Moment eigentlich nur noch, dass er nicht so viel mitbekommt und das "es" schnell geht. Obwohl ich daran gar nicht denken mag. Denn was wird dann aus mir?? Noch habe ich eine Aufgabe - mich um ihn kümmern. Doch was kommt danach? Wir sind seit über 8 Jahren zusammen, er war mein erster fester Freund, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ihn verliere. Er hatte so viele Pläne - wir hatten so viele Pläne! Ich möchte und kann nicht alleine sein! Ich habe so eine wahnsinns Angst vor meiner Zukunft (mein Studium ist noch nicht mal beendet). Richtige Existenzangst.
Wenn ich mich um ihn kümmere bin ich stark und gefasst, mache sogar Späße mit ihm, weil ich weiß wie gerne wir gelacht haben. Doch jetzt, nachts, holen mich die Gedanken ein...
Es ist so grausam, dass ich irgendwie jetzt schon trauere obwohl er ja noch hier ist. Aber versteht ihr mich?
Wie geht es bloß weiter??
Puh, danke fürs "zuhören"!

Inaktiver User
05.08.2006, 08:39
Liebe Silu ,
es tut mir unendlich leid. Das ist so schwer und schmerzlich, was du - was ihr jetzt durchmacht.

Laß mich dir ein wenig von meinen Erfahrungen berichten.
Ich habe auch einen geliebten Menschen verloren durch einen Hirntumor (der dann mutierte zu unzähligen Tumoren), ich pflegte ihn auch bis zum erlösenden Ende seines irdischen Lebens.

Nach einiger Zeit, als die "Betäubung" die Erstarrung in meiner Seele sich löste, fiel ich in ein ganz tiefes Loch. Fühlte gar nichts mehr, obwohl ich einen Ehemann und einen weiteren Sohn hatte.
Ich konnte keinen Sinn in meinem Leben mehr sehen.

Darum, liebe Silu, vermutlich wird es dir ähnlich ergehen, zumal du auch noch berechtigte Existenzängste hast.
Es dauert sehr lange, Monate bis Jahre, bis sich der Körper/die Seele davon erholt. Stresshormone kreisen im Körper, nichts stimmt mehr, das Gleichgewicht ist dahin.

Was ich sagen will:
Denke jetzt auch an dich, sorge vor !!
Gibt es Menschen, ob nun Freunde oder Angehörige, die dich auffangen werden, wenn es soweit ist?
Du wirst selber etwas "Pflege" brauchen, jemanden der dich umsorgt und hegt und schützt.

Für deinen Liebsten sorgen dann die Engel Gottes, aber für dich werden Menschen sorgen müssen. Bitte um Hilfe und Unterstützung, das ist ganz wichtig.

Liebe Silu, ich möchte dir auch versichern, dass das Leben für dich weitergehen wird. Du wirst wieder lachen und genießen können und einen neuen Lebenssinn haben. Später. Aber es kommt!
Diese Erfahrung haben mehrere hier gemacht, frag Paula, frag Pemaus, Frenchie, Madame_Butterfly..... und andere.

Wenn du magst, komm jederzeit hierher. Hier finden immer "die Richtigen" zueinander - das ist das Wunderbare an diesem speziellen Forum.
Hier sind mindestens 2,3 weitere junge Frauen, die kürzlich ihren Liebsten verloren, und nun ihre gemeinsamen Lebenspläne nicht mehr realisieren können.

Wir fangen einander auf, so gut wir können.



herzlichst, Lavendelmond

Inaktiver User
05.08.2006, 08:49
Liebe Silu,
ich kann Dich nur herzlich und mitfühlend umarmen.

Ich habe den Vater meiner Kinder verloren, als er mich verließ und war jahrelang in einem Loch. Aufgefangen hat mich vor allem, dass ich in einen großen Kirchenchor ging, der seitdem mein festes soziales Nest ist. Ohne ihn hätte ich es gar nicht überlebt. Das kann ich empfehlen, aber es ist wohl sehr speziell, nicht wahr.

Meine Schwester hat ihren Mann durch den Tod verloren. Das war auch sehr schlimm für sie. Zwei Jahre später war und ist sie seitdem wieder in einer glücklichen Beziehung. Manchmal wird gesagt, dass Menschen, deren Partner starb, schneller wieder in eine Beziehung kommen, da sie gelernt haben ihre Beziehung dauernd glücklich zu leben. Das klingt jetzt wahrscheinlich sehr herzlos, wo Dein Mann so sehr krank ist.

Darf ich Dich herzlich virtuell umarmen ... und ich wünsche euch trotzdem ein Wunder und sehr viel Kraft, auch wenn es unwahrscheinlich sein mag! Herzliche Grüße herbstblatt

Eisbaer71
05.08.2006, 17:51
Hallo Silu,

laß Dich von mir ebenfalls einmal umarmen. Ich wünsch Dir ganz viel Kraft für diese schwere Zeit, in der Du Dich jetzt befindest. Ich fühle mich durch Deinen Beitrag erinnert an die Zeit, als ich vor zwei Jahren meinen Freund pflegte.

Ich dachte immer, nach seinem Tod geht es nicht weiter (er hatte ebenfalls einen Tumor). Doch auch danach gab es so viele Dinge, um die ich mich kümmern mußte (wir hatten eine Firma zusammen, die musste aufgelöst werden, ich brauchte Job und Wohnung) Fast war ich dankbar dafür, so fügte sich ein Tag an den anderen. Die Trauer holte mich erst viel später ein, war aber dadurch sicher anders, weil ihr eine Zeit der Trauer noch während der Krankheit vorausging. Trotzdem hatten wir die Zeit, uns zu verabschieden, und ich konnte bis zum Schluß bei ihm sein.

Hast Du Familie/Freunde, die Dich jetzt unterstützen? Ich denke auch, Du solltest an Dich und Deine eigene Kraft denken und Dir wenn möglich Hilfe holen.

Übrigens kann ich für mich bestätigen, was Herbstblatt sagt. Ich versuche eine Beziehung zu einem Menschen heute ganz anders zu leben, glückliche Momente zu genießen, weil ich die Kostbarkeit solcher Moment für mich ganz anders werte als vor einigen Jahren. Ganz sicher bin ich anders geworden durch meine Erfahrungen.

Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg gehst, so wie er Dir für Dich richtig erscheint, und wünsche Dir alle dafür nötige Kraft.

Lass Dich noch einmal umarmen.

Eisbaer:blumengabe:

Inaktiver User
06.08.2006, 15:20
Liebe Silu!

Ich denke, ich kann ein bisschen nachfühlen, wie es Dir zur Zeit geht, wenn auch meine Zeit des „Trauerns vor dem Tod“ nicht so lang war, wie bei Dir. Ich habe auch schon um meinen Vater getrauert, als er noch gelebt hat. Das war die bis dahin schwerste Zeit meines Lebens, meine schmerzvollste Erfahrung… Bis heute kann ich eigentlich über die Zeit „davor“ noch schwerer sprechen, als über die Zeit „danach“. Ich habe mich „damals“ ehrlich gesagt auch ein bisschen schuldig gefühlt, dass ich schon Trauergefühle zugelassen habe und dass ich z. B. hin und wieder auch schon in einem Trauerforum oder überhaupt im Internet über Trauer gelesen habe, obwohl mein Vater noch lebte. Schwer zu beschreiben, was zu der Zeit in mir vorging. Im Nachhinein macht es mich traurig, dass ich dadurch nicht richtig in der Lage war, die letzte Zeit mit meinem Vater bewusst zu erleben und zu genießen.

Ich denke, was Lavendelmond sagt, ist sehr, sehr wichtig. Nämlich, dass Du Menschen hast, die sich um Dich kümmern, Dir helfen und zuhören – die einfach für Dich da sind, auch jetzt schon. Ich hatte nicht den Mut, mich Freunden anzuvertrauen, und habe das mehr oder weniger alles mit mir selbst ausgemacht. Was wirklich in meiner Familie los war, haben die meisten Menschen in meinem Umfeld erst erfahren, als mein Vater dann ins Krankenhaus kam und selbst dann war ich nicht in der Lage, anderen zu vermitteln, was in mir vorgeht und was man in solch einer Situation alles durchmacht. Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute nicht, wie ich die ganze Zeit durchgestanden habe und ich merke, dass es bei mir nicht nur sehr lange dauern wird, den Tod meines Vaters zu verarbeiten, sondern auch das, was ich und meine Familie davor durchgemacht haben.

Ich wünsche Dir sehr, dass es Menschen gibt, denen Du Dich anvertrauen kannst, bei denen Du Du selbst sein kannst und die Dich auffangen und für Dich da sind.

Liebe kraftspendende Grüße,
Sparkle :blumengabe:

silu
06.08.2006, 19:18
Vielen lieben Dank für all eure Antworten!! Ihr glaubt ja gar nicht wie gut das tut sich verstanden zu fühlen... Tausen Dank!!!

Ich würde gerne jedem einzelnen von euch etwas persönlicher antworten, aber dafür fehlt mir zurzeit die Zeit. Daher halte ich es jetzt mal etwas allgemeiner. Ich hoffe, das verstößt nicht gegen irgendein ungeschriebenes Gesetz hier.
Ich muss sagen, ich habe sehr liebe Menschen um mich herum. Seit einigen Monaten wohnen mein Mann und ich bei meinen Eltern im Haus - alleine und in einer anderen Stadt könnte ich das sonst alles gar nicht bewältigen. Der Großteil meiner Freunde wohnt leider etwas weiter weg, so dass ich nur selten Abwechslung habe. Aber auf einige wenige (das kristallisiert sich jetzt schon heraus) kann ich immer zählen. Und auch das Verhältnis zu seinen Eltern wird ein wenig besser (die wohnen in der gleichen Stadt). Auch seine Schwester ist seit gestern hier (Kinderkrankenschwester) und ist eine große Hilfe. So konnte ich gestern auch das erste mal mit einem Freund ein Eis essen gehen und für 1,5 Stunden ein wenig abschalten. Doch trotzdem holt mich irgendwie immer ein schlechtes Gewissen ein, wenn ich es mir gut gehen lasse.

Ihr könnt euch vorstellen,dass es ein sehr sehr merkwürdiges Gefühl ist, wenn man jetzt schon in so ein Trauerforum "geht" aber mittlerweile sehe ich es wirklich realistisch - uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Und da es nicht mehr genau DER Mann ist wie noch vor einem Jahr oder auch nur Monaten, trauere ich wirklich jetzt schon. Natürlich wird es "danach" noch richtig schlimm werden. Denn noch habe ich ja eine Aufgabe, doch dann...

Was auch sehr belastend ist, ist dieser ganze Papierkram (das hin und her mit den Versicherungen, Arztrechnungen, und leider auch noch einiges an Papieren aus dem Unternehmen meines Mannes. Er war gerade selbstständig geworden, hatte ein Büro angemietet und 2 Leute eingestellt als schon nach einigen Monaten die Krankheit dazwischen kam. Mittlerweile ist alles aufgelöst, doch vorgestern kam noch ein Brief vom Finanzamt, dass noch ein Teil der Steuereklärung fehlt... Als wenn man nicht schon genug Dinge um die Ohren hat! Und leider hat mein Mann den ganzen Papierkram immer erledigt, so dass ich davon keinen Schimmer habe...

Danke fürs "zuhören", das hilft mir wirklich schon sehr!
Und es ist so wichtig zu wissen und zu erkennen, dass man nicht der einzige Mensch auf der Welt ist, der so ein Schicksal zu tragen hat. Sondern dass es davon so einige gibt und dass auch das Leben danach noch weiter geht... (heute geht es mir ganz gut, so dass ich daran wirklich glauben kann und will - in anderen Momenten jedoch glaube ich, dass auch mein Leben dann irgendwie endet, weil ich mir nicht vorstellen kann wie es ohne ihn weitergehen soll)

Eisbaer71
07.08.2006, 16:52
Hallo Silu,

schön zu hören, dass es Hilfe in Deinem nächsten Umfeld gibt. Deine Situation kommt mir so bekannt vor.
Meine beste Freundin war zu dieser Zeit auch noch als Krankenschwester tätig, ich kann mir gut vorstellen, welche Hilfe die Schwester Deines Mannes ist.
Auch wenn Du im Moment verständlicherweise sehr belastet bist, melde Dich ruhig wieder, wenn Dir danach ist.
Leider kenne ich die Geschichten mit dem Papierkram auch und manchmal trifft man auf sehr viel Unverständnis. Da ich bei unserer Firma diese Dinge erledigt habe, ging das Gottseidank einigermaßen. Falls Du diesbezüglich mal einen Rat brauchen solltest, kannst Du Dich auch gerne per PN bei mir melden.

Ansonsten fühl Dich nochmal gedrückt, ich wünsche Dir ganz besonders viel Kraft

Eisbär

silu
09.08.2006, 22:30
Seit heute geht es wirklich schlecht....
Nach zwei Krampfanfällen heute morgen geht es meinem Mann immer schlechter... Zuerst hatte ich den Notarzt gerufen - der war zum Glück sehr nett und hat mir ruhig erklärt, dass es ja keinen Sinn mehr mache ihn ins Krankenhaus zu bringen. Es wäre doch schöner, wenn er zu hause sterben könne. Da hat er natürlich recht, ich hatte nur "automatisch" den Notarzt gerufen, da es sich bei den letzten Anfällen ja noch "gelohnt" hatte. Puh, das ist so hart. Ich wünsche mir ja das er schnell stirbt und sich nicht so lange quälen muss. Aber wenn es dann sooo schnell geht brauch ich immer eine Weile mich mit dem Gedanken nun wirklich abzufinden.
HAbe mich heute auch so richtig von ihm verabschiedet (noch mal alles gesagt, was ich ihm sagen wollte und mich für 3 Stunden zu ihm ins Bett gelegt).
Ich habe ein wenig Angst vor dieser Nacht...

Bloodyzicke
09.08.2006, 23:05
Puuuh, ich weiß nicht wie es mir in diesem Moment gegangen wäre. Hatte aber auch noch nicht so bewusst eine solche Situation. Aber ich hätte auch wahnsinnige Angst, und für mich wäre es wahrscheinlich besser, wenn es im Krankenhaus passieren würde.
Aber letztendlich würde ich ihm zu Liebe das Zuhause vorziehen.

Das mit dem Zeitbrauchen, kann ich so gut verstehen, meine Oma lag ein Jahr immer wieder wechselweise im Koma, und dennoch als es vorbei war, kann ich nicht gerade behauten dass ich mich vorbereitet gefühlt hätte. Denn es gab immer wieder gute Zeiten dazwischen. Und die Hoffnung geht ja bekanntlich zuletzt.

Aber ich finde es sehr schön, dass du dich ganz bewusst von ihm verabchiedet hast. Das ist sehr wichtig um einfach irgendwann Abschließen zu können. Denn es ist einfach so, dass man sich sonst bei einem Menschen der einem sehr wichtig war die Vorwürfe macht, dass man sich nicht verabschieden konnte. Und es ist nicht das Gleiche wenn man sich nur noch vom Körper verabschiedet, das kann ich dir sagen. Ich hoffe dass Du die Kraft bekommst, damit umzugehen, wobei ich den Eindruck habe, dass du sie hast. Ich wünsche es dir.

Liebe Grüße

Bloody

Tamerlan
09.08.2006, 23:19
Vor einigen Jahren schenkte mir eine sehr liebe Freundin ein Gedicht. Ich geb es an dich weiter damit du keine Angst haben musst.


Es gibt Tage, da ist es bewölkt
und es regnet.
Es gibt Tage, da ist es stürmisch
und es schneit
Und es gibt Tage, da ist es bewölkt und stürmisch
und trotzdem scheint die Sonne

Inaktiver User
10.08.2006, 06:01
oh Silu

er macht sich also jetzt auf seinen Weg
wie schön, dass du die Kraft und Liebe in dir hast, seine letzten Stunden auf Erden zu begleiten

eine Weggefährtin, wie er sie sich nicht besser wünschen könnte

da kommt eine Weggabelung, ab dort muss er ohne dich weitergehen, aber im Reisegepäck hat er deine Liebe, für immer und ewig
und von da an hat er neue Gefährten, niemand geht diesen Weg allein, immer sind Engel und andere Seelen dabei

(sie sind jetzt schon da! ich habe das damals wahrnehmen können am Tag davor)

Liebe Silu,
ich werde in Gedanken bei euch sein, ganz leis und klein und nicht stören, aber mit viel viel Liebe und Gottvertrauen.

Wie Tamerlan so schön mit dem Gedicht der Freundin sagte:
Es gibt Tage, da ist es bewölkt und stürmisch und trotzdem scheint die Sonne...

Dein Liebster wird die Sonne des Himmels genießen.



Und für dich scheint irgendwann auch wieder die Sonne !


Herzensgrüße von Lavendelmond

Keela
10.08.2006, 07:54
Hallo silu,
ich weiss nicht, ob dein Mann die Nacht überlebt hat. Ich hatte beim Lesen heute Morgen die Phantasie, dass du mit ihm in dieser Nacht alleine warst. Und das fand ich ganz traurig. Ich wünsche mir für dich, dass du ihn begleiten kannst, aber auch dass du begleitet wirst. Ganz konkret. Dass jemand mit dir/euch in der Wohnung ist, der für dich ansprechbar ist, wenn du dazu den Wunsch hast. Oder der nur da ist, damit du siehst/weißt, dass du nicht alleine bist. Ich habe das als tröstlich und erleichternd erfahren.
Alles Liebe
Keela

Eisbaer71
10.08.2006, 08:48
Hallo Silu,
ich hab gerade erst von Dir gelesen, mußte aber schon den ganzen Morgen an Euch denken.
Wie schön, dass Du bei ihm sein und Dich bewußt verabschieden kannst. Du machst ihm das größte Geschenk, das Du ihm überhaupt machen kannst.
Ich werde an Euch denken und wünsche Dir ganz viel Kraft.

Alles Liebe für Euch beide

Eisbär

Frenchie
10.08.2006, 20:12
Liebe Silu

Auch meine Gedanken sind bei Euch!
Ich schicke Euch Beiden viel Kraft fürs Loslassen!

Frenchie

silu
11.08.2006, 13:42
Hallo!
Noch ist er bei mir, doch es geht nun immer schneller. Mittlerweile atmet er sehr unregelmäßig und heute morgen hatte er nur noch eine ganz schnelle und flache Atmung, da dachten wir schon "jetzt ist es soweit". Doch noch kämpft er, dabei wünsche ich es ihm so. Die Augen hat er noch nicht richtig aufgemacht seit gestern und er stöhnt zwischendurch immer wieder. Das ist natürlich belastend, weil ich nicht weiß ob ihm was weh tut oder das jetzt einfach dazu gehört. Außerdem sind seine Finger schon ganz farblos und auch das Gesicht wird allmählich bläulich.
Es ist alles so furchtbar. Am liebsten würde ich mich in ein Loch verkriechen und nichts mehr hören und nichts mehr sehen... Aber ich kann ihn auch nicht allein lassen.

Lill
11.08.2006, 13:47
Liebe Silu,
vielleicht braucht er dein ok um loslassen zu können.
Sag es ihm....dass du ihn gehen lässt...vielleicht muss er dann nicht mehr so kämpfen.....und du auch nicht.

Ich wünsche euch alles Liebe und vor allen Dingen viel Kraft all das aushalten zu können.

Liebe Grüße

Lill

Inaktiver User
11.08.2006, 16:29
Liebe Silu,
die Veränderung des Atems ist jetzt ein deutliches Zeichen, dass er auf dem Weg ist. Vielleicht ist es gar nicht "die Seele", die nicht loslassen möchte, der Körper lebt eben so lang, bis die allerletzte Kraftreserve verbraucht ist.

Es kann sein, dass dein Mann kurz vorher noch mal die Augen öffnet und spricht, ganz ganz leise.

Ich wünsche euch, dass ihr alles bekommt, was ihr jetzt braucht.
Und auch "danach".

Würde dir gern noch so viel sagen, und dich in den Arm nehmen, aber achtsame Stille ist jetzt besser.


Lavendel grüßt herzlich

Inaktiver User
11.08.2006, 20:44
Liebe Silu,
für mich waren die folgenden Sätze das Tröstlichste, was ich nach dem Tod meines Lebensgefährten gelesen hatte:

Was ist Sterben?
Ein Schiff segelt hinaus, und ich stehe am Ufer bis es am Horizont verschwunden ist. Jemand an meiner Seite sagt: "Es ist verschwunden." Verschwunden - wohin? Verschwunden aus meinem Blickfeld, das ist alles. Es ist immer noch genauso groß wie es war, als ich es noch sehen konnte.... Das es immer kleiner geworden ist und dann ganz aus meinem Blickfeld verschwunden ist, das ist nur in mir, nicht in dem Schiff.
Und genau in dem Moment, als jemand neben mir sagte: "Es ist verschwunden, gibt es Andere, die das Schiff kommen sehen und andere Stimmen, die föhlich rufen: " Da kommt das Schiff!" ..... und das ist sterben. (Bishop Brent)

Ich wünsche Dir von Herzen die Kraft, Deinem Liebsten hinterher zu winken, wenn Du ihn nun verlierst. Vielleicht hilft das Bild von dem Schiff - wie hier auch schon geschrieben wurde, wenn er aus Deinem Blickfeld gegangen ist, wird er von anderen begleitet und nicht alleine sein. Und diese anderen werden noch ganz lange die Brücke zwischen Euch bilden, so wie hier das Meer, auf dem das Schiff fahren kann.
Kranich

netter-Michael
11.08.2006, 21:16
Mein Mitgefühl ist bei jedem der jemanden auf dieser Erdendimension verliert! Ich kann das total nach voll ziehen, da ich innerhalb von 12 Monaten meinen jüngeren Bruder, Vater u. Opa verloren habe! Daraufhin mußte meine Mutter fast 5 Jahre in psycholog. Behandlung!

Und was habe ich gemacht? Ich habe mich "bedankt" das ich diese Menschen um mich hatte, kennen lernen durfte und lernen durfte! Denn eins sage ich Dir, es gibt keinen Tod! U das garantiere ich Dir! Nach dem Tod ist mir mein Bruder öfters erschienen, hat soviele Zeichen geschickt (zB war plötzlich sein Abbild vom Kopf auf meinen PC, Birnen sind laufend durch geknallt, TV ist angegangen) u. kommt mich öfters im Traum besuchen! Der Tod ist nur eine Geburt in eine andere Dimension!
Somit trauer ich nicht, sondern freue mich für meine Angehörigen!

Gib dem "sterbenden" Liebenen Deine wahrhaftige Liebe in seinen letzten Stunden! Halte die Hand und laß Ihn los! Halte nichts fest! Denn das "Festhalten" erzeugt die Trauer u. das "leiden"! Vertraue dem Leben, das lles seinen Sinn hat, und alles GUT wird!
Mach ein Zeichen mit dem Sterbenen aus, damit Du später erkennst, das "er" da ist!

U. noch was? Eine Krankheit und/oder Tod muß ja nicht sein! Die Krankheit ist ja auch nur ein Ausdruck! Will er "gehen"-lass ihn, möchte er nicht gehen - soll er vom Herzen denken "er ist gesund"! Es wirkt Wunder!

In liebenden Gedanken M

silu
12.08.2006, 19:16
Ich danke euch allen sehr für eure tröstenden Worte. Das hilft so sehr und ich schaue daher immer sehr gerne nach, ob jemand auf meine Einträge geantwortet hat. Das ist fast so ein kleines "Highlight" am Tag.

Heute geht es meinem Mann erstaunlich "gut". Seine Augen waren heute klar, er konnte sogar auf einige Fragen antworten. Leider hat er mir vorhin auch so mitgeteilt, dass er Angst hat. Zum Glück kann er heute einigermaßen schlucken (er hat heute 1,5 Wassereis gegessen!!! Gestern konnte er gar nichts zu sich nehmen!), so dass ich ihm eine TAblette in Wasser auflösen konnte. Seitdem schläft er jetzt und sieht auch ein wenig entspannter aus. Puh, was für eine Gefühlsachterbahn... Gestern abend war seine Hausärztin noch hier (die kommt mind. 2x am Tag vorbei um nach ihm zu schauen) und da sah es ja noch sehr sehr schlecht aus, so dass wir alle eigentilch dachten er hat es nun bald geschafft. Auch ich hatte ja damit schon abgeschlossen, dass er nun nicht mehr ansprechbar sein wird und sich auf seine Reise macht.
Habt ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich muss dazu sagen, heute war viel Besuch hier. Seine Familie und einige Freunde von ihm/uns. Vielleicht hat ihm das so einen Auftrieb gegeben?

Außerdem hat er gestern noch eine neue Matratze bekommen, da er leider - trotz Lagerung - eine große Druckstelle bekommen hat auf der Hüfte.

Ich habe ihm übrigens seit einigen TAgen einen kleinen Stoffhasen in die Hand gelegt. Den habe ich ihm ganz am Anfang unserer Beziehung mal geschenkt, damit er auf seinen Reisen (geschäftlich aber auch privat) nicht allein ist. Fand er natürlich nie so richtig männlich :) aber mir war das schon immer irgendwie wichtig. Ist es jetzt egoistisch von mir, wenn ich ihm den kleinen Hasen für seine letzte Reise einfach so in die Hand lege? Ich habe das Gefühl, dass ist so das einzige was ich ihm richtig mitgeben kann.

Habt tausend Dank für eure netten Worte, Gedichte oder auch Geschichten. Ich kann mich nur wiederholen wie gut mir das tut!!

Inaktiver User
12.08.2006, 19:40
Liebe Silu :blumengabe:
Das mit dem Hasen ist schön !!!
Es ist nicht egoistisch von dir, nein, nein, denke das bitte nicht.
Es tut deinem Mann sicherlich gut, etwas angenehmes in der Hand zu halten. Meinem Sohn habe ich damals, obwohl er fast 16 Jahre war, auch Kuscheltiere ins Bett gelegt, in die Halsbeuge, wo er noch etwas fühlen konnte.
Eine Druckstelle hatte mein Junge auch - von der Intensivstation mitgebracht, trotz Spezialmatratze. Das läßt sich kaum verhindern, leider.
Es kommt doch sicherlich auch ein Pflegedienst zu euch, der beim Lagern und Drehen hilft?

Liebe Silu, folge einfach deinem Herzen, deinen Eingebungen und Gefühlen, dann kannst du gar nichts falsch machen.
Dein Mann hat die bestmögliche Frau und Gefährtin.


Lavendelmond


P.S.: wir freuen uns auch über jeden kleinen Bericht von dir, danke, dass wir teilnehmen dürfen in dieser besonderen Zeit bei euch !

Frenchie
12.08.2006, 19:51
Liebe Silu, gib ihm mit was Dir wichtig ist, er wird das "Geschenk "bekommen. Das ist das schwierige und gleichzeitig einfache an dieser Situation, Du kannst nur tun, was sich für Dich richtig anfühlt - dann ist es auch richtig...

Weisst Du was, mein bester Freund Bernhard ist auch an einem Gehirntumor gestorben. Als ich das letzte Mal bei ihm war, sagte seine Frau: Er hätte Dich so gerne noch einmal besucht, um zu sehen wo Du lebst...

Mir kam spontan die Idee, irgendetwas von ihm mitzunehmen, so dass wenigstens *ein Teil* von ihm mit mir gehen konnte.
Ich wollte ihm diesen Wunsch noch irgendwie erfüllen. Seine Frau war begeistert und gab mir einen Stein mit, Bernhards Lieblingsstein.

Aus einer Eingebung heraus sagte ich ihr: Ich werde den Stein an meinem Lieblingsplatz ablegen, ein Felsen mit Blick auf den See, und Dir dafür einen von dort mitbringen. Sie war einverstanden.

Einige Tage nach Bernhards Tod ging ich also an meinen Lieblingsplatz und versteckte den Stein, den ich in eine kleine Kiste gepackte hatte unter einem Felsen. Für Bernhards Witwe fand ich einen Stein, der die Form eines schrägen Herzens hatte...

Einige Woche später war ich wieder mal an dieser Stelle und ich schaute unter den Felsen, die Kiste war weg. Ich war erstaunt, dass ich nicht enttäuscht war, ich dachte nur, es wird schon der Richtige diesen Stein gefunden haben...

Wieder etwas später war ich mal wieder an diesem Platz und irgendetwas veranlasste mich noch einmal unter dem Felsen nachzusehen...Und zu meiner Überraschung war der Stein wieder da, allerdings ohne die Kiste. Ich musste ihn wohl übersehen als ich zum ersten Mal nach ihm schaute...

Seither ist er wieder bei mir. Im Wohnzimmer und da bleibt er jetzt auch :smirksmile:!

Meinem Vater habe ich statt Blumen eine Tüte voll reifer Kirschen ums Grab geschüttet. Er hat im Sommer immer fast täglich eine gegessen...

Tue einfach, was Dir gut tut und Du wirst sehen, es tut auch Deinem Mann gut. Schön, dass er Zuhause sterben darf.
Ich wünsche Dir noch viel Kraft für Euren Weg!

In Gedanken bei Euch
Frenchie

Madame_butterfly
13.08.2006, 15:28
:blumengabe: Liebe Silu,

deine Not und die deines Mannes, euer Ringen, euer schmerzhafter Kampf, eure Sehnsucht, aber auch eure Kraft und eure Stärke haben mich tief in meinem Innersten berührt. Ich umarme dich und deinen Mann in Gedanken und streichle liebevoll tröstend deine Wange.

Noch mehr hat mich berührt, wie durch all deinen Kummer ein wunderschönes Versprechen dringt: EURE LIEBE! Ja, in all der unbeschreiblichen Not, die du und dein Mann seit vielen, vielen Stunden, Tagen und Wochen leben und aushalten müsst, erzählst du uns von der LIEBE, ist deine Liebe in jeder Zeile spürbar ...

Und allein diese Liebe, EURE LIEBE, wird euch die Kraft geben, die eure Angst erfüllten Herzen brauchen, um alles weitere geschehen zu lassen ... Und allein EURE LIEBE trägt deinen geliebten Mann über das glitzernde Weltenmeer, an das andere Ufer, hinein in ein wundersames Licht, wo er mit der Versicherung deiner niemals endenden Liebe auf ewig geborgen sein wird ...

Liebe Silu, eure Liebe wird alle Grenzen und allen Schmerz überwinden - und das silberne Band eurer Liebe wird euch auf ewig miteinander verbinden, denn sie war und ist ein VERSPRECHEN!

Mit großem Respekt und in aller Demut schicke ich meine Liebe mit auf den vorerst einmal so schweren Weg und bin
in stillen Gedanken und mit meinem Herzen bei dir und deinem Mann,

silu
14.08.2006, 16:18
Heute Morgen um 3.40 Uhr ist mein Mann verstorben...
Nachdem er den Abend über sehr hektisch und kurzatmig geatmet hat - und wir daher Wache gesessen haben an seinem Bett - hat er dann am Morgen, als wir uns alle schlafen legen wollten, einfach aufgehört zu atmen und ist somit sehr leise aus unserem Leben gegangen. So wie ich es mir immer gewünscht hatte (cih glaube, das ist auch das einzige Stoßgebet was vom Himmel erhört wurde).
Wir konnten dann alle hier zu hause noch schön Abschied nehmen. doch es ist trotzdem so unglaublich! Selbst wenn man den Toten sieht ist es schwer zu begreifen.
Nun habe ich wohl schoneinen Großteil des Prozederes hinter mir: beim Bestattungsunternehmen, Blumen bestellen, Anzeige aufgeben, Grabstelle aussuchen...
Gleich geht es weiter, dann wird mein Mann in der Kapelle aufgebahrt und da soll wohl die Familie immer anwesend sein.
Habe mich aber bewusst für einen geschlossenen Sarg entschieden, denn nochmal von Angesicht zu Angesicht Abschied nehmen möchte ich nicht. Mir reicht dann am Freitag die Beerdigung....
Puh, noch bin ich so unter Strom, ich glaube nach der Beerdigung wird es erst so richtig bewusst.
silu

Eisbaer71
14.08.2006, 16:34
Hallo Silu,

ich habe so oft an Dich gedacht und immer wieder hier hereingeschaut, ich nehm Dich mal ganz fest in den Arm.
Dein Mann kann so stolz sein, Dich an seiner Seite gehabt zu haben. Wie schön, dass er sich von zu Hause, mit Dir an seiner Seite, ganz leise auf seine Reise machen konnte.
Ich kann gut verstehen, dass Du Dich auch dort von ihm verabschieden wolltest.
Ganz liebe Grüße und mögen liebe Menschen und alle Engel jetzt bei Euch sein

:blumengabe: Eisbär

Frenchie
14.08.2006, 16:53
Liebe Silu

Eine Kerze für Deinen Mann und eine Kerze für Dich!

In stiller Anteilnahme
Frenchie

Inaktiver User
14.08.2006, 19:45
Mir fehlen die Worte, aber ich schicke Dir eine tröstende Umarmung. :blumengabe:

Sparkle

Inaktiver User
14.08.2006, 22:08
Liebe Silu,
ich denke an Dich - und stelle eine Kerze dazu - für Dich und Deinen Mann.
Kranich -
Das Synonym habe ich übrigens nach Lutz Tod angenommen - der Kranich ist ein Seelentier, es begleitet die Menschen auf Ihrem Weg in Ihr neues Leben, in Ihre neue Welt.

Pandemonium
14.08.2006, 22:23
Liebe Silu,

Worte können nicht ausdrücken, wie sehr mich deine Geschichte bewegt. Fühl dich umarmt.

Tina

Bloodyzicke
14.08.2006, 22:57
Ich schließe mich Pandemonium an.

Und ich weiß ganz sicher, dein Mann wird immer bei dir sein, so wie du jetzt für ihn da warst und es noch bist!

Ohne euch zu kennen, merke ich allein durch deine Beiträge, wie stark eure Liebe zueinander ist, und ich würde eher die Liebe mit dem Meer gleich setzen und als ewige Brücke bezeichnen.

Und diese wird dein ganzes Leben lang Bestand haben, egal in welche Richtung du weitergehst.

"Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können"
von Jean Paul

Nun ja, das gibt mir irgendwie Trost, villeicht hilft es dir ja auch.

Fühl dich gedrückt

Liebe Grüße

Bloody

Inaktiver User
15.08.2006, 07:20
Auch von mir Kerzen !

Eine für deinen Mann, damit sein Weg in den Himmel hell erleuchtet ist
und
eine für dich, Silu, damit deine Seele immer ein Lichtlein hat, wenn die Trauer zu mächtig wird.

Und eine große rote Kerze für eure ewige Liebe !




Lavendelmond

Bobbys
15.08.2006, 09:07
Auch von mir eine dicke Kerze zu dem großen Kerzenmeer.

Ich bin tief beeindruckt ob der Liebe die euch verbindet.

Inaktiver User
15.08.2006, 09:09
Du hast jetzt jemand, der immer besonders auf dich aufpasst.
Still und nicht sichtbar, aber doch.

Gut zu hören, dass ihr nicht allein ward, sondern noch liebe Menschen da waren, die deinen Mann und auch dich begleitet haben. Das hat mir schwer zu tun gegeben beim Lesen, weil ich das nicht wusste, aber wünschte.

Liebe Grüße.

Keela
16.08.2006, 07:39
Hallo silu,
mein aufrichtiges Beileid.
Mir geht es wie meiner Vorschreiberin. Ich bin froh, dass du in diesen letzten Stunden nicht alleine sein mußtest.
Liebe Grüße
Keela

Madame_butterfly
16.08.2006, 18:23
Liebe Silu,

in aller Stille möchte auch ich eine Kerze für dich und für deinen lieben Mann hinzustellen und das Licht der Ewigkeit und des Wiedersehens für euch entzünden ...

Für die kommenden schweren Tage wünsche ich dir viele Menschen, die dich stützen mögen, und die unendliche und liebende Kraft deines eigenen Herzens und deines "vorausgegangenen Herzens" ...

Mit meinen Gedanken bei dir und deinem Mann,

silu
17.08.2006, 00:01
Hallo!
Freitag ist die Beerdigung. Ich war heute nochmal in der Kapelle, wo schon der Sarg steht, und das ist immer hart und geht mir sehr nah... Habe heute noch ein Foto von mir und meinem Mann auf den Sarg gestellt.
Ansonsten komme ich bisher ganz gut über den Tag. werde aber auch gut abgelenkt von Freunden oder eben Dingen, die noch erledigt werden müssen. Schlimm sind die Nächte. Ich mag abends/nachts nicht ins Bett gehen. Alleine im Schlafzimmer, sich alleine ins Bett legen, das ist eben sehr ungewohnt und schmerzt. Außerdem fangen die Gedanken an zu kreisen, wenn ich keine anderen Geräusche mehr um mich habe.
Ich höre daher sehr gerne Musik und habe meinen Bruder schon beauftragt mir einen MP3 Player zu kaufen. Fahre nämlich bald mit der Bahn zu meiner besten Freundin für eine Woche und da habe ich vor mir schöne Musik auf die Ohren zu "packen". Habt ihr da vielleicht ein paar nette Musik Tipps für mich? Was sind eure Lieblingslieder? Habe nämlich einen sehr bunten Geschmack und bin offen für neues.
Tja, also vor Freitag habe ich sehr gemischte Gefühle. Ich glaube das wird nochmal richtig hart nun auch von dem Sarg Abschied zu nehmen. Andererseits freue ich mich schon auf die vielen Menschen, die sich angekündigt haben, auch wenn der Anlass natürlich nicht so angenehm ist.

Zwischendurch habe ich aber immer irgendwie das Gefühl, dass das ganze noch nicht so wirklich real ist. Es war schon sehr absurd heute die Anzeigen in der Zeitung zu lesen. Das machte es schon real und ja auch öffentlich. Doch so ganz begreife ich das im Moment immer nur, wenn ich in der Kapelle bin.
Ich weiß nicht ob ich es verdränge, noch unter Schock oder so stehe oder einfach nur gut damit klar komme. Wahrscheinlich braucht das alles seine Zeit bis man das Ganze realisiert.

Puh, hör jetzt erstmal auf zu schreiben. Hoffe, es ist nicht zu durcheinander geworden was ich so geschrieben hab. Ich merke nämlich schon, dass ich mich zurzeit schwer konzentrieren kann...

silu

Dilayla
17.08.2006, 01:38
Liebe Silu!

Ich bin in Gedanken bei Dir und kann so sehr mitfuehlen, was Du gerade durchlebst. Meine Mama ist vor 10 Monaten eingeschlafen, waehrend ich ihre Hand gehalten habe. Auch ich habe sie vermisst, als sie noch da war, mich vor ihrem Tod schon mit dem Thema Tod beschaeftigt -- und mich dabei schlecht gefuehlt.

Alles erscheint noch unwirklich, aber im Herzen trage ich sie immer bei mir und bin so dankbar, dass wir die letzten Woche so intensiv miteinander verbringen durften.

Ich moechte Dir drei Sprueche schicken, die mir in der schweren Zeit direkt nach ihrem Tod geholfen haben:

****************************************
Ich bin nicht tot.
Ich tausche nur die Räume.
Ich lebe nun in Euch
und geh durch Eure Träume.

Michelangelo
****************************************
Du bist nicht mehr da, wo Du warst,
aber Du bist überall, wo wir sind.
****************************************
Menschen, die wir lieben,
bleiben für immer,
denn sie hinterlassen Spuren
in unseren Herzen.
****************************************

Bezueglich Musik Tip: Meine Mama und ich haben immer gerne zusammen Jazz gehoert, und so hat mir die ruhige Stimme von Diana Krall ueber die schwere Zeit hinweggeholfen. Vielleicht trifft das ja Deinen Geschmack.

Sei gedrueckt -- Dilayla

Bloodyzicke
17.08.2006, 22:37
Also erstmal, kann ich das mit dem Schlafen nur zu gut nachvollziehen, ich schlafe nun seit fast drei Monaten auf dem Sofa und betrete unser Schlafzimmer so gar nicht. Nur wenn es wirklich unbedingt notwendig ist. Dann schau ich mich nichtmal um, erledige auf dem schnellsten Wege was ich tun wollte und geh wieder raus.

Was mir irgendwie immer Trost gespendet hat ist Somewhere over the Rainbow von Israel Kamakawiwo'ole. Zudem hat er es so aufgemacht, dass eine Strophe von Wonderful World eingebaut ist. Natürlich war es auch ein Lieblingslied von Stefan. Es kann zwar keiner nachvollziehen, denn alle verbinden dieses Lied mit der Beerdigung, aber für mich ist es nicht nur das Lied meines Schatzes und "das Lied von der Beerdigung" sondern die Vorstellung die es wiedergibt, vom Leben danach, die finde ich sehr schön.
Und diese Vorstellung beruhigt mich doch sehr.

Ich finde es sehr gut, dass du ersteinmal zu deiner Freundin fährst und ich wünsche dir von Herzen, dass du genügend Abstand gewinnen kannst um Kraft zu tanken.

Fühl dich gedrückt.

Bloody

Lillian2207
21.08.2006, 16:07
Liebe Silu,

ich möchte Dir auch gerne einen stillen Gruß, ein tiefes Gedenken und ganz viel Kraft schicken! Ich war sehr betroffen als ich Deine Geschichte gelesen habe! Was für ein Schicksal!!!

Ich finde es toll, das Du den Mut gefunden hast, dich hier zu öffnen und uns Deine Geschichte zu schreiben! Hier in diesem Forum wirst Du viele nette Menschen finden, die wissen wovon du sprichst! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie wichtig es ist, diese Menschen an meiner Seite zu wissen! Denn leider wissen viele Menschen nicht, wie sie uns und unserem Verlust begegnen sollen!

Liebe Silu, ich denke an Dich, fühl dich gedrück und geherzt!

Lillian

Karli
31.08.2006, 15:56
Liebe Silu,
ich bewundere dich für deinen Mut und deine Kraft! Ich schick dir eine ganz liebe Umarmung!
Ich hatte auch ganz große Probleme damit, in unserem Schlafzimmer alleine weiterschlafen zu müssen, auch da mein Mann in der Nacht neben mir im Bett einfach gegangen ist. Die Lösung war für mich, das große Bett musste weg und das Zimmer komplett umgeräumt werden. Ich konnte es auch nicht ertragen mit der Bettwäsche zu schlafen, die wir uns beide geteilt haben. Ich habe alles verschenkt und mich neu mit einem kleineren Bett und Einzelbettzeug versorgt. Das war für mich sehr wichtig.
Vielleicht ist das ja auch eine "Lösung" für dich?
In den ersten zwei Monaten habe ich abends auch eine Schlaftablette genommen (nach ärztlicher Anweisung), damit wenigstens ein paar Stunden Schlaf rauskommen.
Für deine Bahnfahrt empfehle ich dir keine Musik! Versuch es lieber mit einem Hörbuch. Ich bin auch sehr viel Bahn gefahren (und tu es immer noch :smile: ), aber Musik machte mich noch trauriger und es ist schon blöd wie die Leute einen angucken, wenn plötzlich die Tränen rollen.

Liebe Silu - ich kann es auch sagen - und es ist wirklich so - es gibt schlechte Tage und gute Tage, aber die guten werden von Monat zu Monat mehr.
Ich wünsch dir alles Gute
Karli

Diana
13.09.2006, 18:49
Hallo Silu,

ich sitze hier und weine. Ich denke an dich. Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und ich wünsche dir nur das Allerbeste.

Liebe Grüsse*Diana

seebachtante
06.10.2006, 17:16
hallo silu,vieleicht hast du lust und zeit in diesem forum den bericht"tot des Mannes"zu lesen.zwar betrifft dich das mit den schuldgefühlen nicht ,aber das schreckliche gefühl der werlossigkeit ist das gleiche.alles gute und viel kraft für dich.beantwortest du mir die frage ob ihr kinder hattet?:niedergeschmettert: :kuss:

silu
04.11.2006, 15:22
Hallo Seebachtante,
nein, Kinder hatten wir leider keine. Ich hätte gerne ein Kind von ihm gehabt, weil wir früher schon oft überlegt haben, wie unsere Kinder wohl aussehen würden. Und ich hätte jemandem, dem ich von ihm erzählen kann. Obwohl ich nun auch nicht wüsste, ob ich in der Lage wäre, ein kleines Menschenkind ohne den Papa großzuziehen...
Naja, die Frage stellt sich aber nun auch nicht mehr.
Liebe Grüße,
Silu

silu
04.11.2006, 15:34
Ich habe in den letzten Wochen viel unternommen, bin viel rumgereist, habe viele Freunde getroffen und muss sagen, es hat mir sehr sehr gut getan. Natürlich habe ich auch traurige Momente (unser 1.Hochzeitstag war vor einiger Zeit). Doch zum Glück wurde ich dann immer abgelenkt oder habe etwas unternommen. Wenn es mir dann "gut" geht, kann ich auch ganz "vernünftig" über die Krankheit, den Verlauf und den Tod meines Mannes sprechen. Manchmal wundere ich mich über mich selbst, wie ich damit umgehen kann. Und ich hoffe, die große Trauerklatsche oder das tiefe schwarze Loch holt mich nicht so schnell. Ein Psychologe hat mir mal gesagt, dass ich irgendwann nochmal ganz unten sein werde. Das macht mir natürlich etwas Angst. Ist das wirklich so? Oder kann ich auch in kleinen Dosen trauern? Und kommt vielleicht die Trauer Stück für Stück und nicht unbedingt mit einem Mal die volle Dosis?
ACh, wahrscheinlich ist es eh bei jedem anders. Aber ich frage mich, was bei mir noch so kommt?
Jetzt den Alltag wieder zu leben ist natürlich schon eine andere Sache als mich mit Freunden zu treffen. Alltag ist schon ätzend. Und noch immer hab ich sooo viel Sachen zu erledigen. Auch der Grabstein soll dieses Jahr noch auf das Grab. Ich hoffe, das klappt noch alles.
Übrigens habe ich vor einigen TAgen nun den Kleiderschrank aufgeräumt. Ich habe alle Sachen meines Mannes (bis auf 2 Kleidungsstücke sowie die Anzüge) heraussortiert und nun erstmal unter dem Bett gelagert. Einiges hab ich auch schon verschenkt. Ich finde es schön, wenn die Sachen weitergetragen werden.
Einfach war das nicht, weil man irgendwie doch ein schlechtes Gewissen hat, wenn man nun "ausmistet". Aber ich kann sie auch nicht nur herumliegen lassen im Schrank. Er kommt ja doch nicht wieder und wundert sich dann wo denn seine Sachen sind...oder?
Silu

Lillian2207
06.11.2006, 09:20
Liebe silu,

mein Schatz ist seit Anfang Mai tot. Er ist Nachts von mir weggefahren und in der Nacht bei einem Autounfall umgekommen. Ich hatte gar keine Möglichkeit mich zu verabschieden und wurde von jetzt auf gleich aus einer glücklichen Beziehung gerissen. Jeden Tag spüre ich die Leere ohne Ihn und ich trage ein Gewicht auf meinen Schulter, das mich so nieder drückt, dass ich am richtigen Leben kaum teilnehmen kann. Vor einer Woche dann, hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass dieses Gewicht ein bisschen leichter geworden ist. Diese tiefste Trauer ist ein wenig besser geworden. Man kann es so schlecht beschreiben, aber die Zeit bringt doch ein wenig Besserung.

Ich habe auch immer Angst vor diesen "schwarzen Löchern". Sie kommen unerwartet und man kann ihnen nicht ausweichen. Sie lähmen einen und isolieren einen vor dem Rest der Welt! Es ist schwer dort wieder herauszukommen, ich paddel und paddel und nichts passiert..... Aber dann sehe ich einen kleinen Fleck Sonne am Horizont und ich glaube, dass ist nur der Fall, weil ich der Trauer von Anfang an einen Chance gegeben habe und sie nie verdrängt habe!

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft! Niemand trauert gleich, jeder muß seinen eigenen Weg finden! Ich wünsche Dir, dass Dein Trauerweg Dir bald auch ein Fleck Sonne am Horizont beschert!

Ganz lieben Gruß
Lillian

silu
27.11.2006, 23:45
Geht es euch ähnlich? Am Anfang habe ich mir gewünscht, dass dieses Jahr doch bitte so schnell wie möglich vorbei gehen sollte. Doch nun, so kurz vor dem Jahreswechsel möchte ich gar nicht, dass es vorbei geht.
Irgendwie wäre dann alles schon so weit weg. Und ich möchte gar nicht, das mein Mann "so weit weg" ist von mir.
Außerdem denken dann immer sicherlich alle anderen Menschen "ach, der ist letztes Jahr gestorben, das ist ja nun schon eine Weile her". Aber das ist es doch gar nicht! Und ich will nicht dass das Jahr was ich mit meinem Mann als letztes hatte vorbei ist!!!
Oh man, ich dachte immer das wäre so ein beklopptes Klischee, dass die dunkle Jahreszeit besonders schwierig ist, aber dem ist wohl wirklich so. Zumindest merke ich, dass ich von Tag zu Tag bedrückter werde...
ICh weiß auch noch nicht was ich an Silvester machen soll (für Weihnachten ist das ganz gut geregelt, bin bei meinen Eltern und dieses Jahr kommen auch meine Oma, Tante und mein Onkel mit meiner Cousine und Freund, so dass es nicht so auffällt dass wir einer weniger sind als sonst). Könnte mit vielen Freunden zusammen feiern, aber ich weiß nicht wonach mir so ist. Würde mich gerne ablenken aber ich hab keine Ahnung ob das an Silvester "klappt" oder ich nicht doch "sentimental" (was ja verständlich wäre) werde.
Ich möchte, dass die Zeit stehen bleibt, wenn man sie schon nicht zurückdrehen kann!! Aber im Moment vergeht die Zeit so schnell! Ohne dass ich etwas sinnvolles zustande bringe!
Warum ist das so und wann wird das endlich besser?
Silu

Inaktiver User
28.11.2006, 18:10
Liebe Silu,
das ist so eine zweischneidige Sache. Erst wollte ich, daß dieses erste Jahr nur endlich, endlich vorübergeht. Damit ich nicht mehr den 1.Geburtstag, den 1. Hochzeitstag, das 1. Weihnachten ohne ihn hinter mich bringen muß. Jetzt ist das Jahr vorbei und ich würde gern eine imaginäre Bremse ziehen. Weil jetzt habe ich noch nicht einmal mehr diesen Bezug zu diesen vielen "ersten Malen" und verliere mich im Raum.
Ja, die Jahreszeit ist schlimm. Für mich aber eher, weil mein Mann so ein glücklicher Weihnachtsfreak war und die kommenden Wochen "seine Zeit" gewesen wären. Mach Dir um die schwarzen Löcher keine Gedanken und hab keine Angst. Sie kommen von ganz allein - und Du wirst durchgehen müssen.
Und ist die Heftigkeit oder das Ausmaß nicht angemessen für einen guten Mann??? Wäre doch seltsam, wenn es leichter wäre?
Lieben Gruß

silu
19.12.2006, 19:29
Hallo Sonntagskatze, ja das mit der imaginären Bremse kenn ich. Die Zeit läuft einfach so verdammt schnell. Und mein Leben noch vor 5 Monaten kommt mir so weit weg vor. Wie ein ganz anderes Leben. Naja, das war es ja irgendwie auch...
Ich hoffe, auch du überstehst die Weihnachtszeit irgendwie... Ist schwer, wenn man sich daran erinnert dass der Partner Weihnachten auch so gemocht hat. Ich muss zb immer bei den ganzen Süßigkeiten an meinen Mann denken - er hat so gerne genascht! :) Und zu Weihnachten war die Auswahl ja auch immer besonders groß.
Silu