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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 400 EUR Job + freiberuflich?



Vanillacoke
05.08.2012, 01:48
Halle liebes Forum!
Ich habe da mal eine Frage und wäre euch für Antworten und Ratschläge sehr dankbar.

Derzeit beziehe ich ALG 1 und verdiene mit einer freiberuflichen Tätigkeit (Callcenter: Meinungsumfragen auf Honorarbasis) etwas hinzu. Die Arbeit macht mir Spaß, aber hauptberuflich kann man das nicht machen, da der Verdienst einfach zu gering ist: bei 4 Stunden Arbeitszeit am Nachmittag kommen rund 35 EUR brutto pro Tag raus - angesichts von ca 300 EUR Krankenversicherung als Selbständige würde sich das einfach nicht rechnen, selbst wenn ich 30 Tage im Monat arbeiten würde.

Da ich gerne aus der Arbeitslosigkeit heraus möchte, kam mir der Gedanke, womöglich zusätzlich einen 400 EUR Job anzunehmen, den ich vormittags ausüben könnte. Nachmittags dann die freiberuflichen Umfragen. Vielleicht könnte ich aus diesem Wege aus der Arbeitslosigkeit raus (mir fällt einfach die Decke auf den Kopf). Nun weiß ich aber nicht, wie das dann mit der Krakenversicherung läuft:
Legt die KrKasse dann die freiberufliche Tätigkeit zugrunde (d.h. 300 EUR KV-Beitrag), oder bin ich über den 400 EUR Job versichert? Oder gibt es eine Art Höchstgrenze (nach dem Motto: Wenn du freiberuflich mehr als soundso Verdienst, dann musst dich selbst bei KV versichern)?
Meine Rechnung ist halt: 400 EUR plus 20 Tage x 35 EUR (freiberuflich) = 1100 EUR brutto. Nach Abzug der Steuern für die freiberufliche Tätigkeit könnte ich damit (zumindest vorübergehend) ganz gut leben.
Sofern nicht die Krankenversicherungs-Problematik wäre...

LG und vielen Dank im voraus!

PS Bin nicht familienversichert oä. Ledig, Steuerklasse 1. Die freiberufliche Sache ist seriös und zahlen zuverlässig. Natürlich frage ich auch noch direkt bei meiner KrKasse nach.

Inaktiver User
05.08.2012, 09:54
Soweit ich informiert bin, ist man doch über einen 400 Euro Job überhaupt nicht krankenversichert, oder?
Ich dachte, da wird eine Pauschale abgeführt vom AG, die aber keine "echte" Versicherung bedeutet.
Bitte informier' dich da wirklich gut, damit du nicht ohne KV dastehst, Vanillacoke.
Wenn man familienversichert ist, darf man aus Sicht der Krankenkasse, glaube ich, 2 Monate im Jahr mehr als 400 Euro verdienen (dann aber in beliebiger Höhe).
Verdienst man öfter mehr, dann muß man sich selbst versichern, dann wahrscheinlich erstmal zum Minimalsatz von ca. 300 Euro.
In deinem Fall müßtest du dich (da nicht mitversichert) erkundigen, ob du überhaupt automatisch über den 400 Eurojob versichert wärest. Ich glaube das wie gesagt nicht.

katelbach
05.08.2012, 11:55
Du musst Dich als Freie freiwillig in der GKV versichern (außer Du bist bei einer Privaten).

Du stellst einen Antrag auf freiwillige Mitgliedschaft und bekommst einen Fragebogen zu deinen Einkünften. Der kommt dann jedes Jahr wieder. In diesem musst Du alle Einnahmen angeben, die zu Deinem Lebensunterhalt beitragen: Gewinne aus der freien Tätigkeit, ggf. Minijob, Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Beteiligungen ... Nach dem Gesamt-Brutto richtet sich Dein KV-Beitrag.
Meist wollen Sie dann später noch den Steuerbescheid.

War jedenfalls bei mir so. Mit einer kleinen, aber versicherungspflichtigen Festanstellung, könnte es klappen, ich würde mich aber erkundigen, wie es läuft, die Krankenkassen gehen unterschioedlich damit um.

Sariana
05.08.2012, 12:07
Du müsstest den Mindestbeitrag der freiwilligen gesetzlichen KV bezahlen, wenn du nur auf 400-Euro-Basis arbeitest, egal wieviel oder wie wenig du freiberuflich einnimmst, es gibt einen Mindestbeitrag bei der KV.

Eine andere Lösung wäre dich über einen Midijob 401 bis 800 Euro fest anstellen zu lassen, dann bist du voll kranken- und rentenversichert und kannst deine Freiberuflichkeit weiterhin ausüben.
Vermutlich kommst du bei den Einkünften aus der Freiberuflichkeit nicht über die Grenze, um zusätzliche Beiträge an die KV bezahlen zu müssen.

Vanillacoke
05.08.2012, 19:05
Vielen Dank für eure Antworten.

Also, ich werde morgen mal mit der KV sprechen. Bin dank eurer Antworten (und endlosem googeln) leider zu der Überzeugung gelangt, dass es mit meiner Idee wohl nicht klappen wird, da ich mich selbst versichern müsste (d.h. gut 300 EUR monatlich). In der gesetzlichen Versicherung möchte ich definitiv bleiben, habe da ganz üble Sachen gelesen, dass wenn man erstmal in der privaten KV ist, es dann schwierig wird, wieder in die gesetzliche zu wechseln.
Die Midijob-Idee hört sich gut an, da bleibe ich dran (neben regulärer Bewerbungen für Vollzeit). Aus eurer Erfahrung heraus: Meint ihr, dass man Midijobs ebenso leicht bekommt, wie einen 400 EUR Job? Weil für den Arbeitgeber entstehen doch höhere Lohnkosten, oder nicht? Und meint ihr, man kann sich für Midijob bewerben, obwohl das Stellenangebot ausdrücklich 400-EUR-Job ausschreibt? (komische Frage, aber ich bin in diesen SozialVers-Dingen keine Expertin - vielleicht macht´s für den Arbeitgeber ja doch keinen so großen Unterschied, ob er Mini- oder Midi-Jobberin einstellt)

LG und vielen Dank nochmal für die Hilfe!

EstherSchmidt
06.08.2012, 09:45
Liebe Userin,

wie sieht Deine Kalkulation für Altersabsicherung, sprich Lebensabend von mind. 30 Jahren, Berufsunfähigkeitszeiten, Rücklagen aus?

Viele Grüße, Esther

Promethea71
06.08.2012, 09:54
Eigentlich bist du für ein Unternehmen billiger, wenn du nicht als Minijobber sondern sozialversicherungspflichtig angestellt bist. Aber viele Arbeitgeber wissen das noch nicht bzw. glauben irrigerweise, dass Minijobber weniger Arbeitnehmerrechte hätten.

Ideal wäre tatsächlich eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit, um die Krankenkasse abzudecken und daneben noch freiberufliche Einkünfte.

Und der Hinweis auf einen Gedanken an die spätere Rente ist auch nicht verkehrt.

Promethea71
06.08.2012, 09:55
Wie sieht es denn grundsätzlich mit der Suche nach einer angestellten Vollbeschäftigung aus ?

Vanillacoke
06.08.2012, 20:46
Ja, über die RV hatte ich noch gar nicht richtig nachgedacht. Danke für den Hinweis.
Also, wenn ich das jetzt richtig verstehe, dann wäre folgende "Jobkombination" machbar:

1. Midijob für sagen wir (nur mal als Beispiel) 600 EUR
- Darüber bin ich dann kranken- und rentenversichert
- Was ich nun wieder nicht weiß: Ist diese 401 - 800 Zone brutto oder netto?
(anders ausgedrückt: gehen von den 600 EUR erst noch die SV-Abgaben ab, oder ist
das schon passiert?)
- Mit Arbeitgeber müssen die Arbeitszeiten geklärt werden, damit genügend
Nachmittage (mind. 3x die Woche) zur freiberuflichen Tätigkeit verbleiben.

2. Freiberufliche Arbeit
- Muß noch versteuert werden, aber das ist glaub ich kein nennenswerter Betrag.
- Bei 3x die Woche kämen hier im Monat ca. 400 EUR raus.

Habe ich alles beachtet, was wichtig ist? Sorry, wenn ich mich etwas doof anstelle...

ps Bewerbungen für Vollzeitstellen in meinem Beruf schreibe ich natürlich fleißig. Wäre natürlich das Beste, aber von heute auf morgen scheint das nicht zu gehen.

Sariana
06.08.2012, 20:56
Die 600 Euro wären brutto, Sozialbeiträge gehen davon noch ab.

Schau mal nach Nettolohnrechner im Internet, dort kannst du ein wenig mit Bruttoverdiensten "spielen", um zu schauen, was netto übrig bleibt.

Bei der Einkommensteuer kommt alles zusammen, dein Jahresbrutto aus dem Angestelltenverhältnis zuzüglich dem erwirtschafteten Gewinn aus der Selbstständigkeit ... und danach wird die Einkommensteuer ermittelt.

Du bist übrigens kein Freiberufler sondern gewerblich selbstständig tätig.
Hast du einen Gewerbeschein? Falls nicht, ab zum Bürgerbüro und dein Gewerbe anmelden. Es fällt vermutlich unter die Kleinunternehmerregelung, also nicht umsatzsteuerpflichtig und nicht zum Abzug von Vorsteuer berechtigt.
Rechnungen brutto = netto.

katelbach
06.08.2012, 21:46
Die 600 Euro wären brutto, Sozialbeiträge gehen davon noch ab.

Schau mal nach Nettolohnrechner im Internet, dort kannst du ein wenig mit Bruttoverdiensten "spielen", um zu schauen, was netto übrig bleibt.

Bei der Einkommensteuer kommt alles zusammen, dein Jahresbrutto aus dem Angestelltenverhältnis zuzüglich dem erwirtschafteten Gewinn aus der Selbstständigkeit ... und danach wird die Einkommensteuer ermittelt.

Du bist übrigens kein Freiberufler sondern gewerblich selbstständig tätig.
Hast du einen Gewerbeschein? Falls nicht, ab zum Bürgerbüro und dein Gewerbe anmelden. Es fällt vermutlich unter die Kleinunternehmerregelung, also nicht umsatzsteuerpflichtig und nicht zum Abzug von Vorsteuer berechtigt.
Rechnungen brutto = netto.

Ist "Scheinselbstständigkeit" eigentlich kein Thema mehr?

Ich war fast 20 Jahre Freiberuflerin (nicht Gewerbetreibende) mit einem kleinen festen Kundenstamm. In manchen Jahren kamen vom Finanzamt Fragebögen, die die "Vielfalt" der Auftraggeber nachprüften. Also ob ich nicht als Pseudo-Freie quasi-abhängig für nur ein oder zwei Verlage arbeite und die sich die Sozialabgaben sparen.
Oder wars die Krankenkasse? Weiß ich nicht mehr.

Auch meine berufsständische Altersversorgung hat jährliche Fragebögen verschickt, die am besten der Steuerberater ausfüllen und stempeln sollte.

Sinnvoll ist es sicher, über eine versicherungspflichtige Festanstellung kranken- und rentenversichert zu sein. Meine KV war damals - bevor ich ausschließlich freig earbeitet habe - der Meinung, das alles über oder ab 20 Wochenstunden als "überwiegend festangestellt" und die freie Tätigkeit als Nebentätigkeit gilt.

Vanillacoke
06.08.2012, 23:11
Du bist übrigens kein Freiberufler sondern gewerblich selbstständig tätig.
Hast du einen Gewerbeschein? Falls nicht, ab zum Bürgerbüro und dein Gewerbe anmelden. Es fällt vermutlich unter die Kleinunternehmerregelung, also nicht umsatzsteuerpflichtig und nicht zum Abzug von Vorsteuer berechtigt.
Rechnungen brutto = netto.

Nein, einen Gewerbeschein habe ich noch nicht. Das Arbeitsamt sagte mir, ich muß innerhalb von vier Wochen nach Beginn der freiberuflichen Tätigkeit eine kurze Mitteilung ans Finanzamt schreiben, die würden sich dann melden. Schulung und erster "Arbeitstag" im Callcenter war am letzten Juli-Sonntag (29.7.) und drei Tage später habe ich dem Finanzamt die Situation schriftlich kurz geschildert (ALG 1 und jetzt freiberufliche Nebenbeschäftigung aufgenommen). Antwort kam bisher nicht (ist ja auch noch nicht so lange her). Meinst du, ich sollte nochmal ans Finanzamt schreiben, weil ich hab ja geschrieben, daß das freiberuflich ist? Einen Gewerbeschein kann ich gern anmelden, Zeit genug habe ich ja. :niedergeschmettert:
Meine Güte, ist das alles kompliziert. Möchte doch nur etwas zuverdienen. Vielleicht warte ich doch lieber, bis ich eine Festanstellung bekomme und such mir bis dahin einen Minijob, um das ALG aufzustocken. Die ganze Idee kam mir eigentlich nur in den Sinn, weil die Umfragen Spaß machen - und da laut Kolleg(inn)en die Bezahlung okay ist, kam mir die Idee mit den 400 EUR usw (s.oben).

Nochmals vielen lieben Dank für eure Antworten, ich weiß das echt zu schätzen!

Ach so: Mit "Rechnung brutto gleich netto" meinst du wahrscheinlich, dass ich auf den Rechnungen nichts mit xy% Umsatzsteuer oä schreiben muß, sondern einfach 32 geführte Interviews zu je xy EUR macht insgesamt xy EUR. Fertig. Richtig!?
(Datum, Steuernr, Anschrift, Rechnungsnr muß auch noch rauf, zumindest lt google-Recherche). Werde da auch nochmal die Kolleg(inn)en fragen, die das schon länger machen. Hätten die in der Schulung eigentlich auch mal drauf eingehen können...

Vanillacoke
12.08.2012, 18:34
Also, ich werde ein Gewerbe anmelden. Dazu hätte ich jetzt noch eine Frage:
Auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung wird danach gefragt, welcher Name und Rechtsform im Handelsregister eingetragen ist. Bei mir ist nichts im Handelsregister eingetragen. Ich will ja keine große Gmbh oder so gründen, sondern nur ein 1-Person-Gewerbe anmelden, mit monatlich vielleicht 400 EUR.
Weiß jemand wie das läuft?