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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Heft 17 - Aktuell Gewalt - "Das kann jeder Frau passieren"



Sia
26.07.2012, 13:02
Liebe Vera Sandberg,

genau wie Sie habe ich mich gegen die Behauptung, die geschilderte Gewalt-Situation über Jahre könne "jeder Frau passieren" verwehrt und ich bleibe auch dabei.

Der von Ihnen zitierten Frau Lefherz, die behauptet "mit dieser Einstellung schwächen Sie die Opfer" und auch noch unterstellt, Sie und ich würden mit unserer Überzeugung den Tätern "freie Bahn" machen, muß ich schärfstens widersprechen! Sie schiebt damit die "Schuld" auf die Falschen. Schuldig - wenn man bei dem Begriff bleiben möchte - machen sich jedoch im Wesentlichen nur zwei Beteiligte: Täter und Opfer. Ich möchte jetzt bitte nicht mißverstanden werden, selbstverständlich sind die Täter die Hauptschuldigen und meiner Meinung nach strengstens zu verfolgen und zu bestrafen. Aber in so einer immer wiederkehrenden Situation (im Gegensatz z.B. zu einer einmaligen Überfallsituation) - teilweise über Jahrzehnte - trägt auch das Opfer eine Schuld. Nämlich eine Schuld der Verantwortung sich selbst - und ggf. seinen Kindern - gegenüber. In so einer Situation gibt es zwar immer einen, der handelt, aber eben auch einen, der es sich gefallen läßt.

Richtig ist, daß praktisch jede Frau in ihrem Leben einmal an einen gewalttätigen Partner geraten kann. Man kann schließlich niemandem in den Kopf schauen. Und oftmals sind ja gerade derart extreme Persönlichkeiten zu anderen Zeiten auch extrem charmant und können einwickeln. Wenn es allerdings dann einmal zu einer Gewaltsituation gekommen ist, muß man sofort die Notbremse ziehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Das kann sicher auch die Verpflichtung zu einer entsprechenden Therapie und deren konsequente Durchführung sein und muß nicht immer gleich beim ersten Vorfall zur Trennung führen. Aber sobald Wiederholungen auftreten gäbe es für mich keine Alternative zur sofortigen Abgrenzung. Und es möge mir jetzt bitte keiner mit "wenn man starke Liebe empfindet, kann man sich nicht so einfach trennen" kommen. Wenn mich jemand mißhandelt, dann kann ich definitiv auch nicht mehr die Liebe empfinden, die vielleicht vorher da war. Und selbst WENN, mein Selbsterhaltungstrieb und mein Selbstbewußtsein würden es mir verbieten, mich weiter an so einen Menschen zu binden.

Mir drängt sich daher die Vermutung auf, daß der eigentliche Haken an der Geschichte der ist, daß es den betroffenen Frauen eher in den letztgenannten Bereichen (Selbstbewußtsein, Selbsterhaltung, etc.) mangelt. Und hier kann letztlich auch nur die Ursache für die Erduldung der Mißhandlungen beseitigt werden: Durch Aufbau oder Steigerung der eigenen Wertschätzung. Denn nur wer sich selbst wichtig nimmt und sich selbst wirklich WERT ist, der achtet auch auf sich und akzeptiert die Gewalt gegen sich nicht. Die von Ihnen interviewte Frau "Schuchardt" zeigt nämlich genau diese Defizite: "Sie fühlte sich als alleinerziehnde Mutter nicht vollwertig" oder "Ich suchte eine Erklärung, gab mir selbst die Schuld", "fühlt sich an ihr Schicksal gekettet", "sie will keinen belasten" und vor allem die Furcht vor "öffentlicher Demütigung". Da wird deutlich die eigene Außenwirkung über die körperliche Unversehrtheit gestellt und das sollte dringend behandelt werden. Wer diesbezüglich Defizite bei sich zu erkennen glaubt, dem sei eine Therapie dringendst angeraten. Leider wird dieser Schritt auch heutzutage noch aus falscher Scham viel zu selten oder zu spät gegangen. Dabei ist das doch nun wirklich absolut keine Schande, sich fachliche Hilfe zu holen. Wer Herzrhythmusstörungen hat, geht doch auch zum Cardiologen!

Ich kann verstehen, daß es sich für Betroffene besser anfühlt, wenn Sie glauben können, daß sie nicht alleine sind. Und das sind sie ja in der Tat nicht. Es gibt leider sehr viele Frauen, die ein solches Schicksal erdulden und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein, als die meisten Statistiken hergeben. Aber dennoch sage ich: Nein, das kann nicht JEDER Frau passieren.

Vielen Dank trotzdem für den Artikel, denn vielleicht gibt er doch der einen oder anderen Betroffenen den Mut, sich endlich Hilfe zu holen.

Sia

Sonderzeichen
02.08.2012, 23:10
Theoretisch kann es jeder Frau passieren, daß sie von häuslicher Gewalt betroffen ist.

Tatsächlich sieht es aber so aus, daß das Risiko in manchen Bevölkerungsschichten ungleich größer ist als in anderen.

In den Frauenhäusern sind es nur selten Akademikerinnen in gutbezahlten Jobs, die Unterschlupf suchen, als vielmehr Frauen (oft mit Migrationshintergrund), die von ihren Männern abhängig sind, weil ihnen so etwas wie Qualifikation, Status und ein eigenes Einkommen fehlen.

Inaktiver User
02.08.2012, 23:28
Theoretisch kann es jeder Frau passieren, daß sie von häuslicher Gewalt betroffen ist.

Tatsächlich sieht es aber so aus, daß das Risiko in manchen Bevölkerungsschichten ungleich größer ist als in anderen.

In den Frauenhäusern sind es nur selten Akademikerinnen in gutbezahlten Jobs, die Unterschlupf suchen, als vielmehr Frauen (oft mit Migrationshintergrund), die von ihren Männern abhängig sind, weil ihnen so etwas wie Qualifikation, Status und ein eigenes Einkommen fehlen.

Aus dem Umstand, dass in den Frauenhäusern weniger Frauen Zuflucht suchen, die über eigene materielle Ressourcen verfügen, kann nicht automatisch geschlossen werden, dass Frauen aus diesen Schichten / Akademikerinnen seltener betroffen oder Gewalt dort kein Thema wäre.

Man muss die Thematik differenziert und unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren betrachten.

klick (http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=120792.html)

BikewomanOne
03.08.2012, 13:46
Hallo Sia,

ich kann Ihren Beitrag voll unterschreiben!!
Meine Erfahrung am eigenen Leibe bestätigt mir Ihre These, da ich von meinem ersten Mann körperlich und psychisch gequält wurde. Das konnte er aber nur, weil ich NICHT das Selbstbewusstsein hatte, das man im Umgang mit diesen Menschen haben sollte. Ich habe mich nach 15 jähriger Abhängigkeit von diesem Menschen gelöst und mit Hilfe einer Therapie mein - seit Kindheit unterdrücktes - Selbstbewusstsein aufgebaut. Heute bin ich aus der Distanz in der Lage auch mir eine gewisse Mitverantwortung zu geben, da ich nach der ersten Gewaltwiederholung nicht sofort die Konsequenzen gezogen habe, sondern den Weg mitgegangen bin.
Heute WEISS ich , das passiert mir nie mehr! Ich bin nicht mehr finanziell oder emotional "abhängig" von einem Mann und kann selbstbewusst und ruhig entscheiden! Und KEIN MENSCH hat das Recht mir meine körperliche und seelische Unversehrtheit zu nehmen! In meinem Bekanntenkreis sind zwei Frauen die körperlich misshandelt werden und sie tragen
auch eine Mitschuld, weil sie extrem INKONSEQUENT sind! Jedes Kind weiss heute, wenn mir immer nur gedroht wird und
nie umgesetzt, kann ich so weitermachen wie bisher.

Alleyn
08.08.2012, 21:45
Hallo Sia, super differenziert analysiert und sehr einleuchtend!

Tessa
11.08.2012, 19:15
Theoretisch kann es jeder Frau passieren, daß sie von häuslicher Gewalt betroffen ist.

Tatsächlich sieht es aber so aus, daß das Risiko in manchen Bevölkerungsschichten ungleich größer ist als in anderen.

In den Frauenhäusern sind es nur selten Akademikerinnen in gutbezahlten Jobs, die Unterschlupf suchen, als vielmehr Frauen (oft mit Migrationshintergrund), die von ihren Männern abhängig sind, weil ihnen so etwas wie Qualifikation, Status und ein eigenes Einkommen fehlen.

Ich denke, das liegt eher daran, dass Akademikerinnen in gutbezahlten Jobs die Möglichkeit haben, sich übergangsweise ein Hotel zu leisten und schneller an eine eigene Wohnung kommen. Sagt m.E. nichts darüber aus, wie oft in Akademiker-Haushalten Gewalt vorkommt.

Tessa

Sonderzeichen
12.08.2012, 13:09
Die bessere finanzielle Lage von hochqualifizierten Frauen ist mit Sicherheit ein Faktor, denn solche Frauen können ihre Siebensachen packen und ausziehen, bevor es zu körperlichen Übergriffen kommt, etwa wenn die verbalen Ausfälle immer häufiger werden und die Aggressivität sich steigert.

Abhängige Frauen dagegen haben oft keine andere Wahl als entweder beim Schläger zu bleiben oder im Frauenhaus Unterschlupf zu suchen.

Dies bedeutet aber letztlich auch, daß in Haushalten gehobener Schichten körperliche Gewalt seltener vorkommt, wobei hier nicht nur die bessere finanzielle Lage der Frauen eine Rolle spielt, sondern auch die generell günstigeren Lebensbedingungen.

Inaktiver User
12.08.2012, 13:17
Nö, das ist mal wieder ein Fehlschluss. :unterwerf:

Inaktiver User
12.08.2012, 14:57
Nö, das ist mal wieder ein Fehlschluss. :unterwerf:

Seh ich auch so. Wieso soll die durchschnittliche Schuhverkäuferin ein weniger stabiles Selbstwertgefühl haben als die durchschnittliche Germanistin? Das hat doch mit Intelligenz und Ausbildung nichts zu tun...

Außerdem tut sich letztere wohl eher schwerer damit, einen Job zu finden wenn sie keinen hat.

Sonderzeichen
12.08.2012, 21:58
Vermutlich auch deshalb, weil die Germanistin nicht gerade als Schuhverkäuferin arbeiten will...

Ansonsten dürfte die durchschnittliche Germanistin bereits dadurch einen Vorteil haben, daß sie aus besseren Verhältnissen stammt als die durchschnittliche Schuhverkäuferin.

Sonderzeichen
12.08.2012, 22:00
Nö, das ist mal wieder ein Fehlschluss. :unterwerf:

Gegenargumente scheinen Dir allerdings nicht einzufallen...

skirbifax
12.08.2012, 22:15
Gegenargumente scheinen Dir allerdings nicht einzufallen...

Ich glaube auch nicht, dass die Germanistin geht, bevor es zu Handgreiflichkeiten kommt. Sie kann genauso Opfer häuslicher Gewalt werden wie die Schuhverkäuferin. Wahrscheinlich ist aber, dass die Germanistin einen anderen finanziellen oder familiären Hintergrund hat, weshalb sie nicht unbedingt Hilfe im Frauenhaus suchen muss, sondern evtl. bei ihrer Herkunftsfamilie unterkommen kann, bis sie weitere Wege für sich gefunden hat.

Sonderzeichen
12.08.2012, 22:21
Ich glaube auch nicht, dass die Germanistin geht, bevor es zu Handgreiflichkeiten kommt.

Warum nicht?

Wenn ihr doch alle Wegen offen stehen...

skirbifax
12.08.2012, 22:30
Warum nicht?

Wenn ihr doch alle Wegen offen stehen...

Weil wir Menschen doch dazu neigen zu glauben, dass das, was nicht sein darf auch nicht sein wird. Sie wird genau so wie viele andere Frauen das diffuse Bauchgefühl, er könnte schlagen, einfach wegwischen und dann noch überrascht sind, wenn es passiert. Und der Partner der Germanistin wird duchaus auch eloquent sein und sich auch entsprechend entschuldigen, denn im Grunde weiß er, dass seine Handlung gesellschaftlich geächtet ist. Und auch die Germanistin wird ihrem Partner schlicht glauben, weil sie ihm glauben will. Und wenn sie erkennt, dass diese Beziehung keine Zukunft hat, wird sie gehen.

Sonderzeichen
13.08.2012, 02:25
Weil wir Menschen doch dazu neigen zu glauben, dass das, was nicht sein darf auch nicht sein wird. Sie wird genau so wie viele andere Frauen das diffuse Bauchgefühl, er könnte schlagen, einfach wegwischen und dann noch überrascht sind, wenn es passiert.

Na, hier dürftest Du Dich aber gewaltig täuschen.

Die meisten Frauen, insbesondere wenn sie die Mittel dazu haben, würden niemals bei einem Kerl bleiben, von dem sie auch nur im Ansatz befûrchten müßten, geschlagen zu werden.

Kannst ja mal eine Brigitte-Umfrage dazu starten. Das Ergebnis stünde jetzt schon fest.

Frauen, die sich wiederholt schlagen lassen (und zu ihren Schlägern schlimmstenfalls auch noch zurückkehren), haben dafür Gründe. Ihnen fehlt oft ein gesundes Selbstbewußtsein, sie haben keine beruflichen Perspektiven und sind von dem schlagenden Kerl finanziell abhängig. Dazu haben sie oft kein Familiennetzwerk, wo sie Unterschlupf finden könnten.

Nicht selten haben diese Frauen bereits andere Männer in ihrem Umfeld als gewalttätige Patriarchen erlebt und sind deshalb weniger geneigt, so ein Verhalten von vornherein zu verurteilen.

Inaktiver User
13.08.2012, 08:18
Sonderzeichen,

ich diskutiere mit Dir nicht mehr, das weisst Du, aber Deine simplen Gleichungen können einem manchmal schon die Tränen in die Augen treiben.

Nein, der Zusammenhang, den Du herstellst, existiert so nicht. Es ist, wie ich weiter oben bereits schrieb, erheblich differenzierter.


Die hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen in mittleren und gehobenen sozialen Lagen ist in der bisherigen Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen noch weitgehend unsichtbar geblieben, vermutlich auch deshalb, weil Frauen aus höheren Sozial- und Bildungssegmenten seltener Systeme der institutionellen Unterstützung und Intervention in Anspruch nehmen.
Das Ergebnis verweist darauf, dass einfache Stereotypisierungen hinsichtlich der sozialen Lage von Betroffenen und der Ausübung von (schwerer) Gewalt in Paarbeziehungen, welche die Problematik ausschließlich oder überwiegend Menschen in schwierigen sozialen Lagen zuschreiben, nicht haltbar sind. Zwar können sich aus der schwierigen sozialen Lage rele- vante Risikofaktoren für erhöhte Schweregrade und spezifische Muster von Gewalt in Paar- beziehungen ergeben, generell scheinen aber weitere Faktoren mit hineinzuwirken, die unter anderem Aspekte der Paar- und Beziehungsdynamik betreffen.

Aus: Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen / Forschungsprojekt des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld / Kurzfassung (http://www.gesine-intervention.de/images/pdf/gewalt-paarbeziehungenpropertypdfbereichbmfsfjsprachederw btrue.pdf)

Inaktiver User
13.08.2012, 09:00
Ansonsten dürfte die durchschnittliche Germanistin bereits dadurch einen Vorteil haben, daß sie aus besseren Verhältnissen stammt als die durchschnittliche Schuhverkäuferin.

Meine Güte, wie kommst du bloß auf solche ... seltsamen Aussagen?
Das ist schlicht Quatsch.




Frauen, die sich wiederholt schlagen lassen (und zu ihren Schlägern schlimmstenfalls auch noch zurückkehren), haben dafür Gründe. Ihnen fehlt oft ein gesundes Selbstbewußtsein, sie haben keine beruflichen Perspektiven und sind von dem schlagenden Kerl finanziell abhängig. Dazu haben sie oft kein Familiennetzwerk, wo sie Unterschlupf finden könnten.

Nicht selten haben diese Frauen bereits andere Männer in ihrem Umfeld als gewalttätige Patriarchen erlebt und sind deshalb weniger geneigt, so ein Verhalten von vornherein zu verurteilen.

Richtig. Und das ist nun mal völlig unabhängig davon, ob jemand aus "besseren Verhältnissen" stammt.

Sonderzeichen
13.08.2012, 20:49
Sonderzeichen,

ich diskutiere mit Dir nicht mehr, das weisst Du, aber Deine simplen Gleichungen können einem manchmal schon die Tränen in die Augen treiben.

Nein, der Zusammenhang, den Du herstellst, existiert so nicht. Es ist, wie ich weiter oben bereits schrieb, erheblich differenzierter.



Aus: Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen / Forschungsprojekt des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld / Kurzfassung (http://www.gesine-intervention.de/images/pdf/gewalt-paarbeziehungenpropertypdfbereichbmfsfjsprachederw btrue.pdf)

Ich habe mir die Originalzahlen angesehen, und die deuten klar auf einen Schichtunterschied hin.

Sonderzeichen
13.08.2012, 20:54
Meine Güte, wie kommst du bloß auf solche ... seltsamen Aussagen?
Das ist schlicht Quatsch.

Mitnichten.

Studenten kommen überproportional häufig aus Akademikerfamilien, während Akademikerkinder in einfachen Lehrberufen unterproportional vertreten sind.


Richtig. Und das ist nun mal völlig unabhängig davon, ob jemand aus "besseren Verhältnissen" stammt.

Schön wäre es. Leider ist Deutschland kein Land, in dem es keine geselllschaftlichen Unterschiede (und damit auch keine Chancenungleichheiten) gäbe.

Inaktiver User
13.08.2012, 20:57
Ich habe mir die Originalzahlen angesehen, und die deuten klar auf einen Schichtunterschied hin.

*seufz*

Ich geb´s auf. Es ist nicht jedem gegeben, grössere Zusammenhänge zu erfassen.

Inaktiver User
13.08.2012, 22:08
Ja, und sinnerfassend lesen ist auch nicht immer einfach. Ich komme mit dir und geb's auch auf.

Sonderzeichen
14.08.2012, 18:05
*seufz*

Ich geb´s auf. Es ist nicht jedem gegeben, grössere Zusammenhänge zu erfassen.

Hast Du Dir denn die Zahlen aus dem Forschungsbericht überhaupt angesehen?

Oder bist Du einfach nur unwillig, von Deinem politisch korrekten Weltbild abzurücken?

Sia
16.08.2012, 06:38
Herrje, wer hätte gedacht, daß sich hier noch eine Diskussion entspannt.

@Sonderzeichen:
Ich fürchte allerdings auch, daß du Opfer deiner eigenen Vorurteile geworden bist. Ich bin mir sicher (und hier wurden ja sogar wissenschaftliche Studien dazu zitiert), daß es keinen eklatanten bildungstechnischen Unterschied zwischen mißhandelter Universitätsabsolventin und mißhandelter Einzelhandelsverkäuferin gibt. Vielmehr könnte ich mir vorstellen, daß gerade bei hoch gebildeten und/oder gutsituierten Frauen eine noch größere Hemmschwelle besteht, es bekannt zu machen. Die Scham über das eigene "Scheitern" könnte durchaus noch größer sein.

Und noch ein Hinweis: Wie ich in meinem Erstbeitrag doch recht stringent dargelegt habe, zähle ich mich selbst nicht zum gefährdeten Personenkreis. Und da muß ich dein Weltbild leider ein bißchen stören: ich bin keine Universitätsabsolventin, sondern habe eine "einfache" kaufmännische Ausbildung. Da passe ich doch wohl nicht so recht in deine Vorurteilsschiene.

Inaktiver User
16.08.2012, 07:18
Nein mit der beruflichen oder finanziellen Sitation hat das nicht zu tun finde ich.

Mir ist es noch nie passiert. Ich bin nie an einen gewaltbereiten Partner gekommen. Vielleicht auch weil meine Einstellung immer war: das passiert mir genau zweimal: das Erste und das Letzte Mal.

Aber ich kenne Frauen, selbst in der eigenen Familie, die in einer Beziehung sind oder waren, wo es immer wieder zu Gewalt kam.

Inaktiver User
16.08.2012, 15:21
@ Sonderzeichen

Auch nach mehrmaligem tiefen Durchatmen und "Auf-den-Fingern-sitzen" möchte ich Dir Deine Statistiken am liebsten um die Ohren hauen!

Das, was Du hier von Dir gibst, ist einfach nicht zu fassen!

Ich bin Akademikerin. Meine Eltern sind (bzw. waren, sind jetzt Rentner) das, was Du als "Unterschicht" bezeichnet hast! Hart arbeitende Leute, die versucht haben (und das sehr erfolgreich!) uns einen guten Start und ein Studium zu ermöglichen.

Und dennoch ist mir genau das passiert! Ein sehr gebildeter Mann (Beruf tut hier nichts zur Sache) aus "sehr gutem Hause".
Der perfekte Schwiegersohn!
Die Entwicklung war schleichend, von verbaler Erniedrigung (die ich immer noch ziemlich gut abwehren konnte), bis hin zu der Nacht, die mir einen gebrochenen Kiefer und 3 kaputte Zähne beschert hat. Warum? Weil ein Kollege die Beförderung bekommen hatte, die ihm seines Erachtens nach zugestanden hätte!

Tja...da geht man halt mal nach Hause und verkloppt die Frau!

Und ja, ich habe die Polizei gerufen. Und die Nacht in der Notaufnahme verbracht, sowie ein paar Tage auf der "normalen" Station.
NATÜRLICH habe ich die Anzeige aufrecht erhalten, und Gott sei Dank hat das Land, in dem ich lebe, so gar kein Verständnis für prügelnde Männer! Seine Strafe hat er bekommen, und damit seine Karriere an den Nagel hängen können!

Die größte Empörung kam von SEINEN Eltern! Wie ich es wagen konnte, den Namen dieser "alteingesessenen Familie" in den Dreck zu ziehen! "Das passiert halt mal, und wahrscheinlich hast Du ihn provoziert". Aussage des Vaters! Seine Mutter meinte, ich sei selbst Schuld, und soll das ganze aus der Öffentlichkeit heraushalten. Sie hätte ja schließlich auch gelernt, die Klappe zu halten und alles "über sich ergehen zu lassen". Männer hätten nun mal Stress, und da hat man sich als Frau gefälligst zurück zu halten!

ABER NICHT MIT MIR!

MEINE Eltern haben voll hinter mir gestanden, und ich musste meinen alten Vater davon abhalten, seinem damaligen Schwiegersohn das zu verpassen, was er mir angetan hat!
Und meine "Unterschichten-Eltern" haben UNS und SICH NIE geprügelt.

BTW: meinem Selbstbewusstsein ging es schon immer sehr gut, danke der Nachfrage!

...

Unglaublich!

Gewalt wird von Personen aus allen Schichten ausgeübt, wenn sie denn so veranlagt sind! Und ich kenne einige toughe "Schuhverkäuferinnen", die sich den Scheiß von ihren Männern auch nicht gefallen lassen haben! Egal, ob sie dann allein erziehend und "arm" waren oder nicht!

...

PPS: Liebe Mods, sorry für den Ausbruch. Löscht das, was nicht passt, werd' ich dann schon verstehen...

Die Wurlitzer

(das entsprechende Lied spar ich mir diesmal!)

Inaktiver User
16.08.2012, 17:46
Hast Du Dir denn die Zahlen aus dem Forschungsbericht überhaupt angesehen?

Oder bist Du einfach nur unwillig, von Deinem politisch korrekten Weltbild abzurücken?

Ich hab mir nicht nur die Zahlen (aus verschiedenen Studien, über eine Vielzahl von Jahren) angeschaut, sondern auch die Texte gelesen, und zwar nicht in der Kurzform - und im Gegensatz zu Dir habe ich offenbar die Differenzierungen, die vor genommen wurden und werden, ebenso wie Herangehensweisen, Fragestellungen und noch offene Fragen auch verstanden, und neige nicht zu simplifizierenden Verallgemeinerungen.

Inaktiver User
16.08.2012, 18:20
Sorry Team, je m'excuse :blumengabe:

Aber bei diesem Thema sind im wahrsten Sinne des Wortes die Gäule mit mir durchgegangen.

Seawasp: danke!

Sonderzeichen
17.08.2012, 00:42
Herrje, wer hätte gedacht, daß sich hier noch eine Diskussion entspannt.

@Sonderzeichen:
Ich fürchte allerdings auch, daß du Opfer deiner eigenen Vorurteile geworden bist.

Ich stütze meine Aussagen nicht auf "Vorurteile", sondern auf Statistiken.


Ich bin mir sicher (und hier wurden ja sogar wissenschaftliche Studien dazu zitiert), daß es keinen eklatanten bildungstechnischen Unterschied zwischen mißhandelter Universitätsabsolventin und mißhandelter Einzelhandelsverkäuferin gibt.

Ich bin mir nicht sicher, was Du mit "bildungstechnischen Unterschieden" meinst, noch hat hier irgendwer behauptet, daß Verkäuferinnen eher Opfer von Gewalt werden. Gefährdet sind Frauen, denen eine berufliche Qualifikation fehlt, die von ihren Ehemännern abhängig sind und die auch über kein Familiennetzwerk verfügen.


Vielmehr könnte ich mir vorstellen, daß gerade bei hoch gebildeten und/oder gutsituierten Frauen eine noch größere Hemmschwelle besteht, es bekannt zu machen. Die Scham über das eigene "Scheitern" könnte durchaus noch größer sein.

Warum muß die gutsituierte Frau die häusliche Gewalt bekanntmachen? Sie geht einfach.

Die geschlagene, abhängige Migrantin dagegen muß ihre Lage vor den Behörden offenlegen.


Und noch ein Hinweis: Wie ich in meinem Erstbeitrag doch recht stringent dargelegt habe, zähle ich mich selbst nicht zum gefährdeten Personenkreis. Und da muß ich dein Weltbild leider ein bißchen stören: ich bin keine Universitätsabsolventin, sondern habe eine "einfache" kaufmännische Ausbildung. Da passe ich doch wohl nicht so recht in deine Vorurteilsschiene.

Es ist manchmal erstaunlich, wie wenig Leute das geschriebene Wort achten und sich stattdessen lieber eine Story zurechtschustern.

Sonderzeichen
17.08.2012, 01:11
Ich bin Akademikerin. Meine Eltern sind (bzw. waren, sind jetzt Rentner) das, was Du als "Unterschicht" bezeichnet hast!
Hart arbeitende Leute, die versucht haben (und das sehr erfolgreich!) uns einen guten Start und ein Studium zu ermöglichen.


Du bist die erste, die das Wort "Unterschicht" überhaupt erwähnt.

Ich finde es, ehrlich gesagt, ziemlich unverschämt, mir hier so einen Unsinn in den Mund zu legen. "Unterschicht" ist was anderes.


Und dennoch ist mir genau das passiert! Ein sehr gebildeter Mann (Beruf tut hier nichts zur Sache) aus "sehr gutem Hause".
Der perfekte Schwiegersohn!
Die Entwicklung war schleichend, von verbaler Erniedrigung (die ich immer noch ziemlich gut abwehren konnte), bis hin zu der Nacht, die mir einen gebrochenen Kiefer und 3 kaputte Zähne beschert hat. Warum? Weil ein Kollege die Beförderung bekommen hatte, die ihm seines Erachtens nach zugestanden hätte!

Tja...da geht man halt mal nach Hause und verkloppt die Frau!

Und ja, ich habe die Polizei gerufen. Und die Nacht in der Notaufnahme verbracht, sowie ein paar Tage auf der "normalen" Station.
NATÜRLICH habe ich die Anzeige aufrecht erhalten, und Gott sei Dank hat das Land, in dem ich lebe, so gar kein Verständnis für prügelnde Männer! Seine Strafe hat er bekommen, und damit seine Karriere an den Nagel hängen können!

Was für'n Iddi.


Die größte Empörung kam von SEINEN Eltern! Wie ich es wagen konnte, den Namen dieser "alteingesessenen Familie" in den Dreck zu ziehen! "Das passiert halt mal, und wahrscheinlich hast Du ihn provoziert". Aussage des Vaters! Seine Mutter meinte, ich sei selbst Schuld, und soll das ganze aus der Öffentlichkeit heraushalten. Sie hätte ja schließlich auch gelernt, die Klappe zu halten und alles "über sich ergehen zu lassen". Männer hätten nun mal Stress, und da hat man sich als Frau gefälligst zurück zu halten!

ABER NICHT MIT MIR!

Sie haben Dich vermutlich eh nicht als ebenbürtig angesehen. Die gehobenen Schichten haben oft ein viel stärkeres Statusbewußtsein als der brave Kleinbürger.

Ich vermute allerdings, daß Du als Zahnarzt- oder Rechtsanwaltstochter gar nicht so lange bei ihm ausgeharrt hättest, bis es zur offenen Gewalt kommt. Dann hättest Du nämlich jederzeit im elterlichen Haus problemlos Unterschlupf finden können.

Sonderzeichen
17.08.2012, 01:33
Ich hab mir nicht nur die Zahlen (aus verschiedenen Studien, über eine Vielzahl von Jahren) angeschaut, sondern auch die Texte gelesen, und zwar nicht in der Kurzform - und im Gegensatz zu Dir habe ich offenbar die Differenzierungen, die vor genommen wurden und werden, ebenso wie Herangehensweisen, Fragestellungen und noch offene Fragen auch verstanden, und neige nicht zu simplifizierenden Verallgemeinerungen.

Dann sieh Dir bitte Tabelle 4.9 in der ungekürzten Version an. Diese Tabelle ist relevant, weil sie auf physische Übergriffe des Partners bezug nimmt. Bei denjenigen Frauen, die "schwere körperliche oder sexuelle Misshandlung mit erhöhter psychischer Gewalt" erleiden, liegen die Frauen ohne Bildungsabschluß mit Abstand vorn (>10%), während mittlere und höhere Abschlüsse nur jeweils bei ca. 2.5% liegen.

Sia
17.08.2012, 06:24
Ich bin mir nicht sicher, was Du mit "bildungstechnischen Unterschieden" meinst, noch hat hier irgendwer behauptet, daß Verkäuferinnen eher Opfer von Gewalt werden.
Doch, DU selbst:

Ansonsten dürfte die durchschnittliche Germanistin bereits dadurch einen Vorteil haben, daß sie aus besseren Verhältnissen stammt als die durchschnittliche Schuhverkäuferin.



Warum muß die gutsituierte Frau die häusliche Gewalt bekanntmachen? Sie geht einfach.
Sag mal, hast du den Brigitte-Beitrag, auf den ich mich ursprünglich bezogen hatte, eigentlich überhaupt gelesen? Bei der portraitierten Frau handelt es sich keineswegs um eine "Ungebildete" oder Migrantin ("die Eltern waren angesehene Geschäftsleute, sie studierte Architektur, ging in die USA, war Reiseleiterin, machte eine Ausbildung zur Mediengestalterin"). Auch sie paßt offenbar nicht in deinen eng gesteckten Vorurteilsrahmen.


Die geschlagene, abhängige Migrantin dagegen muß ihre Lage vor den Behörden offenlegen.
Ah, hier kommen wir wohl zum Kern deiner Ideen. Migrantin = Opfer. Hochschulabsolventin = kann kein Opfer sein. Genau Menschen wie du machen es den Betroffenen so schwer, offen mit ihrem Schicksal umzugehen. Ich kann nur hoffen, daß es in deinem Umfeld keine Betroffene gibt, die sich von deiner engstirnigen Gedankenwelt von wichtigen Entscheidungen abhalten läßt.


Es ist manchmal erstaunlich, wie wenig Leute das geschriebene Wort achten und sich stattdessen lieber eine Story zurechtschustern.
Ich muß dich enttäuschen. Meine beschriebene Lebenssituation ist keine zurechtgeschusterte Story, sondern Tatsache.

Inaktiver User
17.08.2012, 09:05
Dann sieh Dir bitte Tabelle 4.9 in der ungekürzten Version an. Diese Tabelle ist relevant, weil sie auf physische Übergriffe des Partners bezug nimmt. Bei denjenigen Frauen, die "schwere körperliche oder sexuelle Misshandlung mit erhöhter psychischer Gewalt" erleiden, liegen die Frauen ohne Bildungsabschluß mit Abstand vorn (>10%), während mittlere und höhere Abschlüsse nur jeweils bei ca. 2.5% liegen.

Danke, dass Du selbst so eindrucksvoll belegst, wie selektiv Du die Dinge betrachtest. Wenn ich mir nur das heraus picke, das meine Argumentation stützt, entspricht das genau der unzulässigen, simplifizierenden Generalisierung, die ich meine.

Inaktiver User
17.08.2012, 09:07
Das Problem ist - nicht nur bei diesem Thema - dass heute allenthalben mit solchen Teilinformationen gearbeitet wird und dann verzerrte Sichtweisen in der Öffentlichkeit entstehen. :knatsch:

Sia
17.08.2012, 12:53
Das Problem ist - nicht nur bei diesem Thema - dass heute allenthalben mit solchen Teilinformationen gearbeitet wird und dann verzerrte Sichtweisen in der Öffentlichkeit entstehen. :knatsch:
Ja, da hast du wohl recht. Und das hilft der einzelnen Betroffenen - egal mit welchem Bildungsstand, Religionszugehörigkeit oder Herkunft - kein bißchen. Da wäre besonders wichtig, daß den Opfern unbürokratisch und unvoreingenommen geholfen wird. Und daß niemand womöglich herablassend reagiert, wenn sich z.B. auch eine Akademikerin als Opfer "outet". Jeder einzelne Fall bedeutet für die Betroffene großes Leid und in vielen Fällen schaffen es die Opfer ja auch nicht, sich alleine ohne Hilfe aus der Situation zu befreien. Da ist der falsche Zeitpunkt für Vorwürfe und Vorverurteilungen, da gilt es zu handeln und zu stützen.

Inaktiver User
17.08.2012, 13:47
Da ist der falsche Zeitpunkt für Vorwürfe und Vorverurteilungen, da gilt es zu handeln und zu stützen.

Da hast du Recht, aber das geht nicht, wenn sich jemand weiterhin nur als Opfer begreifen will und nicht bereit ist hinzuschauen, was er beitragen kann um aus der Situation herauszukommen. Und das hat mich an der Aussage eben auch geärgert, ich hatte den Eindruck, die Einsicht fehlt.

Ich denke, jede Frau kann in die Situation kommen - aber eben nicht jede würde darin verharren.

Das ist für mich ein Verdrängen von eigenen Handlungsoptionen, wenn man sich dann sagt, das kann jeder passieren, dass sie nicht weiß wie sie das ändern soll. Denn das glaub ich wirklich nicht.

skirbifax
17.08.2012, 14:54
Ich glaube, dass jeder für sich selbst erst einmal erkennen muss, dass man in einer nicht glücklichen Beziehung steckt und dass etwas verändert werden muss. Gewalt findet sicher auf vielen Ebenen statt, die Ohrfeige, den Schlag identifiziert jeder als Gewalt - dennoch ist Gewalt weitaus vielschichtiger. Und, ich sagte es bereits, viele möchten nicht wahrhaben, was nicht sein darf.

Deshalb glaube ich, dass es meist ein Schlüsselerlebnis braucht, bis man sagt "so, jetzt reicht's". Und das ist sicher weder schicht- noch bildungsabhängig, das ist individuell. Eine geht tatsächlich, wenn der Partner das erste Mal die Hand auch nur erhebt, die andere Frau ist wesentlich leidensfähiger. Finanzielle Abhängigkeiten sind sicher nur ein kleiner Teil. Es zerbrechen Träume: von einer glücklichen Beziehung, einer heilen Familie usw. Und, machen wir uns nichts vor, ein gewalttätiger Mann jagt auch Angst ein. Es erfordert auch viel Mut, diese zum Teil existenzielle Angst zu überwinden.

Lange Zeit wurde der Frau ja auch nicht geholfen. Frauenhäuser (http://www.autonome-frauenhaeuser-zif.de/pdf/autonome/af_02_ross.pdf)? Braucht man nicht. Die ersten Frauenhäuser wurden von privaten Vereinen bzw. Initiatoren betrieben, bis die Politik registriert hat, dass hier tatsächlich Bedarf besteht. Das Gewaltschutzgesetz ist noch nicht so schrecklich alt. Bis dahin war eine Frau dem Mann tatsächlich mehr oder weniger ausgeliefert.

Ich habe auch das Bild von der Schuhverkäuferin und der Germanistin verwendet. Ich wollte damit niemanden verunglimpfen. Es waren für mich nur griffige Bezeichungen für eine "einfache" Angestellte mit eher geringerem Einkommen und einer Akademikerin mit eher gehobenem Einkommen. Für Bayern gilt zumindest, dass Kinder auf Gymnasien eher aus Akademikerfamilien stammen als aus Familien mit einem anderen Bildungsstand. Ich wollte damit niemanden gering schätzen oder gar zu nahe treten. Sollte das geschehen sein, bitte ich um Entschuldigung. :blumengabe:

Inaktiver User
17.08.2012, 15:10
Ich habe auch das Bild von der Schuhverkäuferin und der Germanistin verwendet. Ich wollte damit niemanden verunglimpfen. Es waren für mich nur griffige Bezeichungen für eine "einfache" Angestellte mit eher geringerem Einkommen und einer Akademikerin mit eher gehobenem Einkommen.

Das kam ja von mir, und so hab ich es auch gemeint. Über die Stabilität des Selbstwerts sagt allerdings Einkommen und Ausbildung nichts aus, meiner Meinung nach, und daher denke ich auch nicht, dass Gewalterfahrung mit der Höhe des Einkommens zu tun hat.

Auch Geringverdiener sind ja nun nicht automatisch Leute, die in so desolaten Verhältnissen leben dass Gewalt zum Alltag dazugehört, und daher kann die Schuhverkäuferin so selbstbewußt sein dass sie sich das nicht bieten ließe, und die Akademikerin so unsicher, dass sie schwer Grenzen setzen kann.

Sonderzeichen
17.08.2012, 16:05
Doch, DU selbst:

Du hast ein Problem mit dem Leseverständnis.

Wenn eine Frau aus gehobenen Schichten in einer Gewaltsituation erstmal einen Vorteil hat, weil sie materiell/finanziell besser abgesichert ist, so impliziert das nicht, daß eine weniger begüterte Frau deshalb eher Opfer von Gewalt wird.



Sag mal, hast du den Brigitte-Beitrag, auf den ich mich ursprünglich bezogen hatte, eigentlich überhaupt gelesen? Bei der portraitierten Frau handelt es sich keineswegs um eine "Ungebildete" oder Migrantin ("die Eltern waren angesehene Geschäftsleute, sie studierte Architektur, ging in die USA, war Reiseleiterin, machte eine Ausbildung zur Mediengestalterin").

Nein, dieser Artikel war nicht verlinkt und läßt sich auch nicht ergoogeln, weshalb ich ihn auch nicht gelesen habe.

Die Tatsache, daß es sich bei der mißhandelten Frau um eine gebildete, aus der gehobenen Schicht stammende Frau handelt, macht diesen Fall aber erst für die Zeitung interessant.

Dies ist nämlich nicht alltäglich!

Die relative Seltenheit eines solchen Falles wird durch den Aufwand, den die Zeitschrift darum betreibt, bestätigt.



Auch sie paßt offenbar nicht in deinen eng gesteckten Vorurteilsrahmen.

Ich habe keineswegs "Vorurteile", sondern beziehe mich auf Zahlen.

Leider bist Du nur nicht imstande, zwischen frei erfundenen Hirngespinsten und begründeten Aussagen zu unterscheiden.


Ah, hier kommen wir wohl zum Kern deiner Ideen. Migrantin = Opfer. Hochschulabsolventin = kann kein Opfer sein.

Auch das ist wieder so ein Unsinn, den Du Dir selber zurechtlegst.


Genau Menschen wie du machen es den Betroffenen so schwer, offen mit ihrem Schicksal umzugehen. Ich kann nur hoffen, daß es in deinem Umfeld keine Betroffene gibt, die sich von deiner engstirnigen Gedankenwelt von wichtigen Entscheidungen abhalten läßt.

Ebenso wie diese Schlußfolgerung.

Sonderzeichen
17.08.2012, 16:14
Danke, dass Du selbst so eindrucksvoll belegst, wie selektiv Du die Dinge betrachtest. Wenn ich mir nur das heraus picke, das meine Argumentation stützt, entspricht das genau der unzulässigen, simplifizierenden Generalisierung, die ich meine.

Ich habe nichts "herausgepickt" und auch nichts unterschlagen, sondern Dich auf eine Tabelle in einem von Dir verlinkten Artikel aufmerksam gemacht, sowie konkrete Zahlen genannt.

Das scheint Dich allerdings gar nicht zu interessieren, weil Du auf Konfrontationskurs gehst, statt Dich mit dem Thema zu befassen.

So kommt natürlich keine Diskussion zustande.

Sia
18.08.2012, 09:25
Nein, dieser Artikel war nicht verlinkt und läßt sich auch nicht ergoogeln, weshalb ich ihn auch nicht gelesen habe.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.... Aber ich helfe dir gerne: Der Titel dieses Threads heißt "Heft 17 - Aktuell Gewalt - "Das kann jeder Frau passieren" und wurde im Unterforum für Diskussionen über Heftbeiträge gepostet. Soviel zum Thema deines allumfassenden, gut recherchierten Informationsumfanges.

Egal, was hier geschrieben wird, es gibt Menschen, mit denen man durchaus kontrovers diskutieren kann. Scheint bei dir aber eher grundsätzlich schwierig zu sein. Es scheint noch andere zu geben, die erkannt haben, daß gewisse Dinge sinnlos sind. Daher schließe ich mich hier an:


Sonderzeichen,

ich diskutiere mit Dir nicht mehr, das weisst Du, aber Deine simplen Gleichungen können einem manchmal schon die Tränen in die Augen treiben.

Sia
18.08.2012, 09:35
Da hast du Recht, aber das geht nicht, wenn sich jemand weiterhin nur als Opfer begreifen will und nicht bereit ist hinzuschauen, was er beitragen kann um aus der Situation herauszukommen. Und das hat mich an der Aussage eben auch geärgert, ich hatte den Eindruck, die Einsicht fehlt.

Ich denke, jede Frau kann in die Situation kommen - aber eben nicht jede würde darin verharren.

Das ist für mich ein Verdrängen von eigenen Handlungsoptionen, wenn man sich dann sagt, das kann jeder passieren, dass sie nicht weiß wie sie das ändern soll. Denn das glaub ich wirklich nicht.
Ja, genau. Da bin ich deiner Meinung und das habe ich im Eingangspost glaube ich auch so dargestellt. Mein Widerspruch, daß das nicht "jeder Frau" passieren kann, bezog sich auf das jahrelange, wiederholte Erdulden von Demütigungen. Ich denke schon, daß frau nie gänzlich ausschließen kann, daß sie mal an so einen Täter gerät. Manche sind ja zu Anfang sogar besonders charmant. Man kann den Menschen immer nur VOR den Kopf schauen. Wichtig ist nur, daß man sich selbst wert genug ist, um sich Mißhandlungen welcher Art auch immer nicht gefallen zu lassen. Daher ist ein gesundes Selbstbewußtsein so eklatant wichtig. Ich glaube, Gewaltausübende (ob physisch oder psychisch) suchen sich aber auch instinktiv "Opfer" aus, die sie "beherrschen" können. Die haben einen siebten Sinn dafür, wer sich beeinflussen läßt und wer nicht.

Inaktiver User
18.08.2012, 10:19
Unabhängig von Statistiken (denen ich nur glaube, wenn ich sie selber gefälscht habe...):

Ich gebe Sia - aus persönlicher Erfahrung - völlig recht.
Auch wenn ich "nur" einmal in meinem Leben von einem Mann verdroschen wurde: es war eine emotionale Abhängigkeit in einer Zeit, in denen mein Selbstbewusstsein gen Null ging und ich dankbar war, so begehrt und geliebt und gebraucht zu werden.

Und: Er kochte mir Hühnersuppe, wenn ich krank war. So ein fürsorglicher Mann...:gegen die wand:

Ich hab ihn angezeigt.

Bae
18.08.2012, 10:23
Ich glaube, Gewaltausübende (ob physisch oder psychisch) suchen sich aber auch instinktiv "Opfer" aus, die sie "beherrschen" können. Die haben einen siebten Sinn dafür, wer sich beeinflussen läßt und wer nicht.

So geheimnisvoll ist dieser Sinn in der Regel nicht: da wird reichlich systematisch mit kleinen Grenzüberschreitungen begonnen, die dann allmählich immer ausgeweitet werden, solange kein energischer und ernsthafter Widerstand kommt.

grüsse, barbara

Inaktiver User
18.08.2012, 13:36
Ich habe nichts "herausgepickt" und auch nichts unterschlagen, sondern Dich auf eine Tabelle in einem von Dir verlinkten Artikel aufmerksam gemacht, sowie konkrete Zahlen genannt.

Stimmt - es hat so gar nichts von Herauspicken, wenn man seine Argumentation auf EINE Tabelle stützt, und dabei sämtliche relativierenden anderen ausser Acht lässt :freches grinsen:


So kommt natürlich keine Diskussion zustande.

Ich diskutiere mit Menschen, die bereit zu einer Auseinandersetzung sind. Du zeigst bisher in nahezu jeder Diskussion, dass Du dazu entweder nicht in der Lage, oder eben nicht bereit bist. Daraus habe ich meine Konsequenz gezogen, Dich als Diskussionspartnerin nicht mehr ernst zu nehmen.

Sonderzeichen
19.08.2012, 15:37
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.... Aber ich helfe dir gerne: Der Titel dieses Threads heißt "Heft 17 - Aktuell Gewalt - "Das kann jeder Frau passieren" und wurde im Unterforum für Diskussionen über Heftbeiträge gepostet. Soviel zum Thema deines allumfassenden, gut recherchierten Informationsumfanges.

Meine Güte...

Es ging um den Brigitte-Artikel, auf den Du Dich ursprünglich bezogst und den ich doch bitte gelesen haben sollte. Den habe ich aber nicht gelesen, weil er online nicht erhältlich ist und ich mir die Brigitte wegen eines interessanten Beitrags nicht extra kaufen werde.

Und damit werde ich nicht die einzige hier sein.


Egal, was hier geschrieben wird, es gibt Menschen, mit denen man durchaus kontrovers diskutieren kann. Scheint bei dir aber eher grundsätzlich schwierig zu sein. Es scheint noch andere zu geben, die erkannt haben, daß gewisse Dinge sinnlos sind. Daher schließe ich mich hier an:

Daß Du lieber mit Leuten diskutierst, mit denen Du auf einer Wellenlänge bist, ist schon klar.

Mit Leuten zu diskutieren, mit denen man grundsätzlich nicht übereinstimmt, erfordert schon ein bissel mehr.

Sonderzeichen
19.08.2012, 15:53
Stimmt - es hat so gar nichts von Herauspicken, wenn man seine Argumentation auf EINE Tabelle stützt, und dabei sämtliche relativierenden anderen ausser Acht lässt :freches grinsen:

Welches sind denn diese relativierenden Tabellen?


Ich diskutiere mit Menschen, die bereit zu einer Auseinandersetzung sind. Du zeigst bisher in nahezu jeder Diskussion, [...]

"Jede Diskussion", was für ein Unsinn. Dies ist die erste Diskussion, die ich mit Dir hatte.



[...] dass Du dazu entweder nicht in der Lage, oder eben nicht bereit bist. Daraus habe ich meine Konsequenz gezogen, Dich als Diskussionspartnerin nicht mehr ernst zu nehmen.

Du scheinst das Prinzip von Diskussionen generell nicht ernst zu nehmen.

Während ich mich auf (von Dir selbst verlinktes!) Material verweise, weichst Du einer Befassung mit diesem Material aus und gehst lieber auf die persönliche Schiene.

Klar, daß dabei nichts herauskommt.

Zuza.
19.08.2012, 15:54
Es ist jetzt gut.

Nachdem jetzt wohl hinreichend geklärt ist, wer mit wem warum nicht mehr diskutieren möchte, wäre es zielführender, dies einfach umzusetzen oder sich alternativ unserer überaus feinen Ignorierfunktion zu bedienen und wieder zum Thema zurückzukehren. Und das heißt nicht: Warum kann man mit A oder B nicht diskutieren, sondern
Heft 17 - Aktuell Gewalt - "Das kann jeder Frau passieren"

Danke und einen schönen Sonntag noch,

Zuza

Sonderzeichen
19.08.2012, 16:02
So geheimnisvoll ist dieser Sinn in der Regel nicht: da wird reichlich systematisch mit kleinen Grenzüberschreitungen begonnen, die dann allmählich immer ausgeweitet werden, solange kein energischer und ernsthafter Widerstand kommt.

grüsse, barbara

Ich denke auch, in einer Partnerschaft merkt man sehr schnell, ob der Partner jemand ist, der sich alles mögliche gefallen läßt, oder ob es jemand ist, der Grenzen setzt.

Hemmschwellen, die anfangs mal bestanden, werden nach und nach überschritten.

Das ist ja auch ein gängiges Muster bei der Kindesmißhandlung. Die Schläge werden härter und die Hemmschwelle, selbst bei Lappalien loszuschlagen, immer geringer.

Inaktiver User
21.08.2012, 20:00
Welches sind denn diese relativierenden Tabellen?

Die kannst Du den gesetzten links entnehmen.

Ich verweise in diesem Zusammenhang noch einmal auf diesen Textabschnitt:


Die hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen in mittleren und gehobenen sozialen Lagen ist in der bisherigen Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen noch weitgehend unsichtbar geblieben, vermutlich auch deshalb, weil Frauen aus höheren Sozial- und Bildungssegmenten seltener Systeme der institutionellen Unterstützung und Intervention in Anspruch nehmen.
Das Ergebnis verweist darauf, dass einfache Stereotypisierungen hinsichtlich der sozialen Lage von Betroffenen und der Ausübung von (schwerer) Gewalt in Paarbeziehungen, welche die Problematik ausschließlich oder überwiegend Menschen in schwierigen sozialen Lagen zuschreiben, nicht haltbar sind. Zwar können sich aus der schwierigen sozialen Lage rele- vante Risikofaktoren für erhöhte Schweregrade und spezifische Muster von Gewalt in Paar- beziehungen ergeben, generell scheinen aber weitere Faktoren mit hineinzuwirken, die unter anderem Aspekte der Paar- und Beziehungsdynamik betreffen.
Aus: Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen / Forschungsprojekt des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld / Kurzfassung




"Jede Diskussion", was für ein Unsinn. Dies ist die erste Diskussion, die ich mit Dir hatte.



Keineswegs. Da ich seit 2004 hier mitschreibe, blicken wir da auf eine etwas längere "Historie" zurück, aber wir Zuza richtig schreibt, ist das hier nicht das Thema.

Super-Brigitte-XL
22.08.2012, 12:58
Huch ! Warum ist das Thema denn so provozierend dass ihr aufeinander losgeht. Jeder Einzelfall ist schlimm genug, egal ob er in gutbetuchten Kreisen, sozial schwachen Familien oder Migranten vorkommt.
Meiner Ansicht hat Beziehungs-Gewalt verschiedene Ursachen: man kommt mit der Partnerin nicht zurecht, ist ihr nicht gewachsen, kann die Nähe nicht aushalten oder hat von kleinauf gelernt, dass Gewalt zum Alltag gehört oder ist eben sadistisch veranlagt (gibts das überhaupt ?).

Ohne Gewalt wäre die Welt zwar schöner, ist aber nicht so.




Da ich seit 2004 hier mitschreibe, blicken wir da auf eine etwas längere "Historie" zurück, aber wir Zuza richtig schreibt, ist das hier nicht das Thema.

Der Beitrag 32 geht schon massiv auf die persönliche Schiene. Versteh ich gar nich.

Sonderzeichen
23.08.2012, 04:08
Die kannst Du den gesetzten links entnehmen.

Ich verweise in diesem Zusammenhang noch einmal auf diesen Textabschnitt:

Interessant an diesem Textabschnitt ist, wie man sich aus Zahlen eine politisch korrekte und erhoffte "Schlußfolgerung" zurechtbasteln kann. Damit meine ich nicht Dich, sondern die Verfasserin des verlinkten Texts, die auf "die hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen in mittleren und gehobenen sozialen Lagen", hinweist, wobei sie sich auf die folgenden Ergebnisse der Forschungsarbeit stützt:


Werden nur Frauen betrachtet, die entsprechend dem Muster 6 in schwersten Misshandlungsbeziehungen
mit dem aktuellen Partner lebten (N=134)13, dann war zwar ein überproportional
hoher Anteil der Haushalte in prekären Einkommenslagen; die Mehrheit der Betroffenen
lebte aber in Haushalten mit mittleren und gehobenen Einkommenslagen:
I 34 Prozent der Haushalte waren in prekären Einkommenslagen,
I 39 Prozent in mittleren Einkommenslagen
I und 27 Prozent in gehobenen Einkommenslagen.

Klar, wenn ich mir aus jeder Einkommensgruppe ausschließlich die betroffenen Frauen herausgreife und untersuche, welchem Ausmaß von Gewalt sie ausgesetzt sind, dann stelle ich fest, daß die Unterschiede gering sind.

Das heißt, wenn Ehemänner Gewalt ausüben, dann ist die Härte ihrer Gewalt in den verschiedenen Einkommensgruppen relativ gleich. Wenn der Firmenchef Gewalt ausübt, so ist er darin nicht mehr oder minder brutal als der Unterschichtler.

Das heißt aber eben nicht, daß es in allen Einkommensgruppen gleichviele von Gewalt betroffene Frauen gibt oder daß man keinerlei Zusammenhänge zwischen Einkommensgruppe und häuslicher Gewalt herstellen könnte.

Die Tabelle, auf die ich weiter oben verwiesen habe, ist diesbezüglich aussagekräftig.


Keineswegs. Da ich seit 2004 hier mitschreibe, blicken wir da auf eine etwas längere "Historie" zurück, aber wir Zuza richtig schreibt, ist das hier nicht das Thema.

Da Du bis November letzten Jahres anscheinend unter einem anderen Nick geschrieben hast, ist diese vermeintliche "Historie" nicht nachvollziehbar. Ebenso wenig wie Deine Verallgemeinerungen bezüglich meines Diskussionsverhaltens.

Inaktiver User
23.08.2012, 08:51
Jetzt widersprichst du dir schon in deinem eigenen Posting. :unterwerf:

Ansonsten stelle ich ähnliches Diskussionsverhalten fest: Du biegst dir Zahlen und Aussagen so zurecht, dass sie in dein Weltbild passen. Aber die Welt ist nun mal nicht so schwarz-weiß, wie manche Leute sie gerne sehen wollen.
Das passiert leider auch in der Öffentlichkeit und ist für die betroffenen Frauen alles andere als hilfreich.

Inaktiver User
23.08.2012, 09:24
Sonderzeichen,

es gibt im Fliesstext der verlinkten Studien einige relativierende Faktoren. Reisst man einzelne Betrachtungen aus dem Gesamtkontext, erschliessen sich diese freilich nicht. Der Faktor Alter ist beispielsweise ein relativierender.

Weltfriede! *zwitscher*

Inaktiver User
23.08.2012, 15:47
Mir gefällt dieser persönliche, überhebliche und aggressive Diskussionston nicht.

BRIGITTE Community-Team
23.08.2012, 16:52
Uns gefällt der Ton hier aktuell auch nicht und wir bitten alle darum, sachlich zu bleiben.

Viele Grüße
das BRIGITTE Community-Team

Dani
25.08.2012, 12:29
Zunächst zeigen die Statistiken, dass Frauen jedweden Milieus (man nicht mehr von "Schichten") betroffen sein können, Sonderzeichen.

Wo mehr, wo weniger sei dahin gestellt und zeigt nur, dass es jeder Frau passieren kann, an einen Idioten zu geraten.
Und Idioten gibt es bekanntlich in jedem Milieu.

Meine Kernfrage an dich:
Warum ist es dir so wichtig, das Problem auf bestimmte Milieus zu beschränken?

Sonderzeichen
25.08.2012, 17:42
Jetzt widersprichst du dir schon in deinem eigenen Posting. :unterwerf:

Worin ich mir widersprechen soll, bist Du anscheinend nicht imstande zu sagen.


Ansonsten stelle ich ähnliches Diskussionsverhalten fest: Du biegst dir Zahlen und Aussagen so zurecht, dass sie in dein Weltbild passen. Aber die Welt ist nun mal nicht so schwarz-weiß, wie manche Leute sie gerne sehen wollen.

Du hast offensichtlich weder den Forschungsbericht gelesen, noch machst Du Dir die Mühe, Zahlen oder Textstellen daraus zu zitieren, sondern Du redest nur irgendetwas daher.

-------------

Nachtrag: Ich "biege" mir überhaupt nichts zurecht, sondern ich zitiere textgetreu, wie sich das gehört.

Sonderzeichen
25.08.2012, 18:04
Sonderzeichen,

es gibt im Fliesstext der verlinkten Studien einige relativierende Faktoren. Reisst man einzelne Betrachtungen aus dem Gesamtkontext, erschliessen sich diese freilich nicht. Der Faktor Alter ist beispielsweise ein relativierender.

Weltfriede! *zwitscher*

Der Faktor Alter kann nur als sehr schwach "relativierend" angesehen werden. Diese Aussage bezieht sich auf Tabelle 4.6, bei der Frauen ab 45 Jahren mit hohem Bildungsgrad mit 13.3% vor den Frauen Frauen mit niedrigem (9.4%) uns solchen mit fehlendem Bildungsabschluß (9.1 %) liegen. Dieser "Vorsprung" der gebildeten Frauen ist allerdings bei weitem nicht groß genug, um die 28.3% der jüngeren Frauen mit fehlendem Bildungsabschluß auszugleichen.

Diese Frauen liegen nach wie vor weit vorn, auch wenn viele von ihnen, wie es wie man den Zahlen entsprechend vermuten könnte, sich irgendwann aus der Gewaltbeziehung lösen.

Sonderzeichen
25.08.2012, 18:42
Zunächst zeigen die Statistiken, dass Frauen jedweden Milieus (man nicht mehr von "Schichten") betroffen sein können, Sonderzeichen.

Daß es unsinnig wäre, höhere Bildungsgrade von Gewalt auszuschließen, ist ein Gemeinplatz, für den man keine Statistiken braucht. Es wäre unsinnig, irgendeine Schicht davon kategorisch auszuschließen.


Wo mehr, wo weniger sei dahin gestellt und zeigt nur, dass es jeder Frau passieren kann, an einen Idioten zu geraten.

Yepp. Der Trugschluß liegt allerdings darin zu glauben, nur weil es JEDER Frau passieren kann, besteht für jede Frau DASSELBE RISIKO.

Und das stimmt natürlich nicht. Ich kann ebenso gut mit Fug und Recht behaupten:

"Männer wie auch Frauen können Brustkrebs bekommen."

"Armut gibt es in Deutschland wie auch in der Dritten Welt."

"Autonfälle können passieren, ob man sich an die Verkehrsregeln hält oder nicht."

Es ist aber auch klar, daß das implizierte Fehlen eines Unterschieds diese Aussagen zweifelhaft erscheinen läßt.

Das ist ähnlich wie Dein

"Und Idioten gibt es bekanntlich in jedem Milieu."


Meine Kernfrage an dich:
Warum ist es dir so wichtig, das Problem auf bestimmte Milieus zu beschränken?

Das ist eine Suggestivfrage, die von einer falschen Voraussetzung ausgeht.

Inaktiver User
25.08.2012, 18:47
Worin ich mir widersprechen soll, bist Du anscheinend nicht imstande zu sagen.



Du hast offensichtlich weder den Forschungsbericht gelesen, noch machst Du Dir die Mühe, Zahlen oder Textstellen daraus zu zitieren, sondern Du redest nur irgendetwas daher.

-------------

Nachtrag: Ich "biege" mir überhaupt nichts zurecht, sondern ich zitiere textgetreu, wie sich das gehört.


Klar könnte ich das hier ausführen, hat aber erfahrungsgemäß eh keinen Zweck, daher spare ich mir das.

animosa
25.08.2012, 23:04
In den Frauenhäusern sind es nur selten Akademikerinnen in gutbezahlten Jobs, die Unterschlupf suchen,

Was soll das eigentlich heißen?

Doch nicht etwa, dass heute noch jmd. glaubt, dass Akademiker seltener betroffen sind?

Seit meiner Kindheit wird darüber berichtet, dass alle Schichten von Gewalt gleichermaßen betroffen sind. Ich erinnere mich an gruselige Fotos von Kindesmisshandlung, die ich logischer Weise nie wieder aus meinem Gedächtnis bekomme, weil ich sie als Kind schon ansehen musste.

Akademiker sind nicht besser - leider!

Dani
25.08.2012, 23:57
"- Fast 70 Prozent der betroffenen Frauen, beziehen ein eigenes Ein-kommen, gut ein Drittel verfügen sogar über mittlere bis hohe Ein-kommen.

- Mehr als 60 Prozent der betroffenen Frauen haben zudem einenmittleren oder hohen Schulabschluss und einen qualifizierten Beruf.

- 38 Prozent der misshandelten Frauen verfügen über die höchstenBildungs- und Ausbildungsabschlüsse (Abitur/Fachabitur oder Fach-/Hochschulabschluss oder Meister/Fachschulabschluss).

- Männer, die in ihrer aktuellen Beziehung schwere körperliche, sexu-elle und psychische Gewalt ausüben, sind zudem mehrheitlich berufstätig





und nicht von Sozialleistungen abhängig.


- Nur drei Prozent der Täter haben weder einen Schul-, noch Ausbildungsabschluss.

- 52 Prozent der Täter verfügen über niedrige und mittlere Abschlüsse und 37 Prozent über
die höchsten Bildungs- und Ausbildungsgrade.

Quelle: Deutscher Caritasverband

Sonderzeichen
26.08.2012, 00:16
Klar könnte ich das hier ausführen, hat aber erfahrungsgemäß eh keinen Zweck, daher spare ich mir das.

Nichts anderes habe ich erwartet...

Sonderzeichen
26.08.2012, 00:28
Was soll das eigentlich heißen?

Doch nicht etwa, dass heute noch jmd. glaubt, dass Akademiker seltener betroffen sind?

Doch, natürlich. Die Risikogruppen sind nicht Akademikerinnen, sondern Frauen die aufgrund ihrer ungünstigen familiären/finanziellen/beruflichen Lage von einem Mann abhängig sind.


Seit meiner Kindheit wird darüber berichtet, dass alle Schichten von Gewalt gleichermaßen betroffen sind.


Das wird immer wieder heruntergebetet, wird aber dadurch nicht wahrer.



Ich erinnere mich an gruselige Fotos von Kindesmisshandlung, die ich logischer Weise nie wieder aus meinem Gedächtnis bekomme, weil ich sie als Kind schon ansehen musste.

Akademiker sind nicht besser - leider!

Die Frage ist "besser als wer"? Zu den Risikofamilien zählen Akademikerhaushalte eher nicht.

Hier ein Link dazu:

Notaufnahme Salberghaus: Neue Sicherheit für kleine Kinder (http://eltern.t-online.de/notaufnahme-salberghaus-neue-sicherheit-fuer-kleine-kinder/id_58394208/index)

skirbifax
26.08.2012, 11:33
Doch, natürlich. Die Risikogruppen sind nicht Akademikerinnen, sondern Frauen die aufgrund ihrer ungünstigen familiären/finanziellen/beruflichen Lage von einem Mann abhängig sind.

Das heißt doch dann nur, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Akademikerin Opfer eines gewalttätigen Eheannes wird geringer ist. Nichtakademikerinnen geschieht das - statistisch gesehen - häufiger. Deshalb kann es aber immer noch jeder Frau passieren.

Wobei ich das nicht glaube. Dass eine finanziell unabhängige Frau (unabhängig vom Hochschulabschluss) tendenziell für sich andere Wege als das Frauenhaus findet heißt nicht, dass sie nicht Opfer war. Und wie schon einmal gesagt, häusliche Gewalt hat viele Facetten. Nicht jede Frau, die häuslicher Gewalt ausgesetzt ist (oder war) landete in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Sonderzeichen
26.08.2012, 19:39
Das heißt doch dann nur, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Akademikerin Opfer eines gewalttätigen Eheannes wird geringer ist.

Warum "nur"? Die Wahrscheinlichkeit ist doch das eigentlich interessante Detail, nicht die irrige Annahme, daß ein Hochschulabschluß einen hundertprozentigen Schutz gegen häusliche Gewalt darstellen könnte.

Wenn wir etwa davon sprechen, daß Kinder in einem Land verhungern, dann gucken wir ja auch nicht erst auf Deutschland, sondern auf die Dritte Welt, OBWOHL auch das Aufwachsen in Deutschland keinen hunderprozentigen Schutz gegen den Hungerstod eines Kindes darstellt.

skirbifax
26.08.2012, 19:43
Warum "nur"? Die Wahrscheinlichkeit ist doch das eigentlich interessante Detail, nicht die irrige Annahme, daß ein Hochschulabschluß einen hundertprozentigen Schutz gegen häusliche Gewalt darstellen könnte.


Der Strangtitel heißt, "Das kann jeder Frau passieren". Ja, es kann jeder Frau passieren. Ein Schulabschluss schützt nicht.

Warum ist die Wahrscheinlichkeit für die Frau, die betroffen ist, interessant? Ist, provakativ gefragt, eine Akademikerin, die Opfer von Gewalttätigkeiten wurde jetzt besonders doof oder selbst schuld? Und eine Frau ohne Hochschulabschluss nicht, weil es zu erwarten war? Ich verstehe das Herumreiten auf den statistischen Zahlen nicht so ganz.

Inaktiver User
27.08.2012, 09:53
Eine Diskussion mit jemandem, der sich derart selektiv an Statistiken, die niemals eine Lebenswirklichkeit abbilden können, festbeisst, muss fruchtlos bleiben. Ich unterstreiche daher Dein Fazit, skirbifax: Jede Frau kann von Gewalt betroffen sein, jederzeit.

Super-Brigitte-XL
27.08.2012, 15:45
Geht es hier eigentlich um nachhaltige Gewalt oder bloss darum, dass einer Frau oder einem Mann einmalig die Hand ausrutscht ?

Im Falle von nachhaltiger Gewalt meine ich: davon kann NICHT jede Frau betroffen sein. Für diese Schlussfolgerung sehe ich keinen Grund.

Es spricht einiges dafür, dass Frauen (konkrete Zahlen gibt es vermutlich nicht) nach ein- oder zweimaliger Gewalteinwirkung die Konsequenzen ziehen. Soviel Selbstachtung traue ich vielen Frauen zu.

Inaktiver User
27.08.2012, 18:32
Geht es hier eigentlich um nachhaltige Gewalt oder bloss darum, dass einer Frau oder einem Mann einmalig die Hand ausrutscht ?

Im Falle von nachhaltiger Gewalt meine ich: davon kann NICHT jede Frau betroffen sein. Für diese Schlussfolgerung sehe ich keinen Grund.

Es spricht einiges dafür, dass Frauen (konkrete Zahlen gibt es vermutlich nicht) nach ein- oder zweimaliger Gewalteinwirkung die Konsequenzen ziehen. Soviel Selbstachtung traue ich vielen Frauen zu.

Von nachhaltiger Gewalt kann sicher nicht unbedingt jede Frau betroffen sein. Jedoch ist es zum einen möglich, durch ein Trauma, das wiederum jeden Menschen treffen kann, diesbezüglich vulnerabel zu werden.

Zum anderen stammen Menschen, die von nachhaltiger Gewalt betroffen sind, aus allen sozialen Schichten.

skirbifax
27.08.2012, 18:44
Es spricht einiges dafür, dass Frauen (konkrete Zahlen gibt es vermutlich nicht) nach ein- oder zweimaliger Gewalteinwirkung die Konsequenzen ziehen. Soviel Selbstachtung traue ich vielen Frauen zu.


Von nachhaltiger Gewalt kann sicher nicht unbedingt jede Frau betroffen sein. Jedoch ist es zum einen möglich, durch ein Trauma, das wiederum jeden Menschen treffen kann, diesbezüglich vulnerabel zu werden.

Zum anderen stammen Menschen, die von nachhaltiger Gewalt betroffen sind, aus allen sozialen Schichten.

Frauen stecken doch in einem Dilemma. Auf der einen Seite der Tabubruch der Gewalt, der sie ausgesetzt sind und den damit verbundenen Verletzungen, auf der anderen Seite haben sie zu dem Partner eine Liebesbeziehung. Und die stirbt nicht von einer Sekunde auf die andere, weil er die Hand erhoben hat. Scham und Ungläubigkeit kommen noch hinzu. Die Frau wird sich dann trennen, wenn sie erkennt, dass sie in einer Gewaltspirale aus Demütigungen und Schlägen gefangen ist.

Sicher gibt es Frauen, die sich konsequent trennen, sollte es zur ersten Tätlichkeit kommen. So wie sich manche auch sofort trennen, kommt es zum Seitensprung. Ich glaube aber nicht, dass diese Haltung bildungsabhängig ist. Natürlich gibt es auch die Frauen die verharren, weil sie finanziell (oder anders, ich denke an Frauen ohne eigenständige Aufenthaltserlaubnis) abhängig sind. Die haben sich allerdings innerlich bereits getrennt. Diese innere Trennung - egal ob sie anschließend auch räumlich ausgeführt wird - ist ein Prozess. Und der braucht Zeit. Und manche brauchen etwas länger, um eine Erkenntnis zu erlangen.

Sonderzeichen
27.08.2012, 23:13
Der Strangtitel heißt, "Das kann jeder Frau passieren". Ja, es kann jeder Frau passieren. Ein Schulabschluss schützt nicht.

Warum ist die Wahrscheinlichkeit für die Frau, die betroffen ist, interessant? Ist, provakativ gefragt, eine Akademikerin, die Opfer von Gewalttätigkeiten wurde jetzt besonders doof oder selbst schuld? Und eine Frau ohne Hochschulabschluss nicht, weil es zu erwarten war? Ich verstehe das Herumreiten auf den statistischen Zahlen nicht so ganz.

Nein. Die Aussage, die hier immer wieder heruntergebetet wird, nämlich daß Frauen aus allen Schichten/Bildungsebenen von Gewalt betroffen sind, impliziert, daß alle Schichten/Bildungsebenen gleichermaßen von Gewalt betroffen seien.

Und das stimmt eben nicht.

Es handelt sich hierbei um Gleichheitsdogma, das sich darum bemüht, offenkundige Unterschiede zu verwischen und wegzureden.

Sonderzeichen
27.08.2012, 23:19
Eine Diskussion mit jemandem, der sich derart selektiv an Statistiken, die niemals eine Lebenswirklichkeit abbilden können, festbeisst, muss fruchtlos bleiben. Ich unterstreiche daher Dein Fazit, skirbifax: Jede Frau kann von Gewalt betroffen sein, jederzeit.

Dein gebetsmühlenartig vorgetragener Dogmatismus ist schon bemerkenswert.

Die Statistiken hast Du übrigens selber in die Diskussion eingeführt. Sie haben nur nicht in jeder Hinsicht das zutage gebracht, was Deinen Aussagen unterstützt.

Inaktiver User
27.08.2012, 23:36
Dein gebetsmühlenartig vorgetragener Dogmatismus ist schon bemerkenswert.

Die Statistiken hast Du übrigens selber in die Diskussion eingeführt. Sie haben nur nicht in jeder Hinsicht das zutage gebracht, was Deinen Aussagen unterstützt.

Irrtum. Aber ich will Dir Deine Interpretation gar nicht nehmen, wenn sie Dich irgendwie beruhigt.

Sonderzeichen
28.08.2012, 00:02
Zahlen sind Zahlen.

xanidae
28.08.2012, 07:59
So zeigt sich mit Blick auf Formen und Schweregradesowie unterschiedliche Muster der Gewalt in Paarbeziehungen nicht, dass die Betroffenheitvon schwerer Gewalt mit dem Grad der Bildung der Frauen oder ihrer Partner abnimmt.Vielmehr werden altersgruppenspezifisch gegenläufige Tendenzen sichtbar. So lässt sichbei Frauen in den jüngeren und mittleren Altersgruppen bis Mitte 40 feststellen, dass dieseam häufigsten und am schwersten von körperlicher, sexueller und psychischer Gewaltdurch Partner betroffen waren, wenn sie weder einen Schul- noch einen qualifiziertenAusbildungsabschluss hatten. Mit 28 Prozent gaben Frauen ohne qualifizierte Schul- undAusbildungsabschlüsse etwa doppelt so häufig eine Betroffenheit durch körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch den aktuellen Partner an als Frauen mit niedrigen und mittlerenAbschlüssen (13 Prozent) und höher gebildete Frauen (Abitur und/oder Hochschulabschlüs-se, 15 Prozent). Insofern war in den jüngeren Altersgruppen vor allem das völlige Fehlen vonBildungsressourcen ein gewaltfördernder Faktor. Darüber hinaus hatte aber der Grad derBildung der Frauen keine Relevanz für deren Gewaltbetroffenheit.


Im Gegensatz dazu konnte in der Altersgruppe der ab 45-Jährigen festgestellt werden, dasshier Frauen mit den höchsten Bildungsressourcen signifikant häufiger von Gewalt durchPartner betroffen waren als Frauen mit mittlerer, geringer oder fehlender Schul- und Ausbil-dung. So haben in der Altersgruppe ab Mitte 40 27 Prozent der Frauen mit Abitur und/oderHochschulabschluss körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch aktuelle und/oder früherePartner erlebt, im Vergleich zu 15–17 Prozent bei den anderen Befragungsgruppen mitmittleren und geringen Bildungsgraden. Allein bezogen auf Gewalt durch den aktuellenPartner konnte ein Verhältnis von 13 Prozent zu 9 Prozent festgestellt werden.
Auch mit Blick auf schwerere Formen von körperlicher und sexueller Gewalt durch Partnerlässt sich dieser Zusammenhang feststellen: So haben Frauen der jüngeren und mittlerenAltersgruppen ohne Schul- und Ausbildungsabschluss zu ca. 9–10 Prozent sexuelle und/oderschwere körperliche Gewalt durch den aktuellen Partner erlebt, während dies nur aufjeweils ca. 2–3 Prozent der anderen Untersuchungsgruppen zutraf. Gegenläufig dazu lässtsich für Frauen im Alter ab Mitte 40 tendenziell häufiger sexuelle Gewalt und/oder schwerekörperliche Gewalt durch den aktuellen Partner feststellen, wenn sie über die höchstenBildungs- und Ausbildungsressourcen verfügten, wobei die Unterschiede weiterhin signifi-kant, aber nicht sehr stark ausgeprägt waren (3–4 Prozent vs. 2 Prozent, p<0,05).

aus der Broschüre 'Gewalt in Paarbeziehungen'. (http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/gewalt-paarbeziehungen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprach e=de,rwb=true.pdf)

Ja, Zahlen sind Zahlen. Gewalt kann jeder Frau passieren. Die Zahlen sind insgesamt zu hoch, egal welchen Bildungsgrad die Frauen und deren Partner haben.

xanidae
28.08.2012, 08:05
Gewalt gegen Frauen ist weder vom Bildungsstand noch vom Einkommenabhängig. Opfer wie Täter kommen aus „der Mitte der Gesellschaft“:


- Fast 70 Prozent der betroffenen Frauen, beziehen ein eigenes Ein-kommen, gut ein Drittel verfügen sogar über mittlere bis hohe Ein-kommen.
- Mehr als 60 Prozent der betroffenen Frauen haben zudem einenmittleren oder hohen Schulabschluss und einen qualifizierten Beruf.
- 38 Prozent der misshandelten Frauen verfügen über die höchstenBildungs- und Ausbildungsabschlüsse (Abitur/Fachabitur oder Fach-/Hochschulabschluss oder Meister/Fachschulabschluss).
- Männer, die in ihrer aktuellen Beziehung schwere körperliche, sexu-elle und psychische Gewalt ausüben, sind zudem mehrheitlich be- rufstätig und nicht von Sozialleistungen abhängig.
- Nur drei Prozent der Täter haben weder einen Schul-, noch Ausbildungsabschluss.
- 52 Prozent der Täter verfügen über niedrige und mittlere Abschlüsse und 37 Prozent über die höchsten Bildungs- und Ausbildungsgrade.


aus: Gewalterfahrungen keinesfalls mileuspezifisch (http://www.familienbund-regensburg.de/download/Caritas_Info_0709_Gewalt%20gegen%20Frauen.pdf)

Zahlen sind Zahlen.

Tannay
28.08.2012, 16:49
Ich bin etwas entsetzt über das Niveau der Diskussion. Ich glaube auch, dass jede Frau in die Situation kommen kann, von einem Mann, den sie liebt, mißhandelt zu werden. Gewaltbereite Männer tragen kein Etikett "Bin gewaltbereit".
Zu der Diskussion über Statistiken: ich habe mir die Zahlen nicht angesehen, aber es stellt sich eine Frage: handelt es sich um absolute Zahlen oder um Prozentzahlen? Da nur ein kleiner Teil der in DE lebenden Frauen einen Universitätsabschluss haben, scheint es logisch, dass weniger Akademikerinnen als Nichtakademikerinnen von Gewalt betroffen sind.Ich weiß nicht, ob es Vergleiche gibt, wieviel Prozent der Akademikerinnen gegenüber Nichtakademikerinnen Opfer sind.


Warum muß die gutsituierte Frau die häusliche Gewalt bekanntmachen? Sie geht einfach.

Die geschlagene, abhängige Migrantin dagegen muß ihre Lage vor den Behörden offenlegen.
Ist das Dein ernst? Ich hoffe, dass auch die"gutsituierte" Frau die häusliche Gewalt bekannt macht. Gewaltbereite Männer sind eine Gefahr, für sich und andere!

skirbifax
28.08.2012, 17:22
Ist das Dein ernst? Ich hoffe, dass auch die"gutsituierte" Frau die häusliche Gewalt bekannt macht. Gewaltbereite Männer sind eine Gefahr, für sich und andere!

Bringt doch im Grunde nichts. Heute wird wahrscheinlich mehr angezeigt, weil es ein Gewaltschutzgesetz gibt. Damit kann der Schläger der Wohnung verwiesen werden. Vor ein paar Jahren noch musste die Frau selbst gehen, Wohnung bzw. Bleibe organisieren, vielleicht gibt es auch noch Kinder ...

Wenn der Mann sie dann in Ruhe lässt, Kindesunterhalt zahlt und sonst keine Mätzchen mehr macht - ist die Frau doch meist schon zufrieden. Was bringt denn eine Anzeige wirklich?

Inaktiver User
29.08.2012, 01:46
Wo findet hier eine differenzierte Auseinandersetzung statt?

Ist doch mitlerweile bekannt, dass Gewalt sowohl beide Geschlechter ausüben und zwar annähernd 50 zu 50 %.

Sia
29.08.2012, 07:27
Ich hatte den Thread ursprünglich mit einem gänzlich anderen Grundgedanken eröffnet. Da ging es nicht darum, zu wieviel Prozent welcher Bildungsstand betroffen sein könnte. Es ging auch nicht darum, daß Gewalt durchaus auch von Frauen ausgeübt wird. Das ist in der Tat wohl auch keine so seltene Problematik, wie man meinen könnte. Ich habe lediglich den Titel und die Grundthese des Heftbeitrages in Frage gestellt: Daß die beschriebenen Erlebnisse und die Geschichte der interviewten Frau JEDER Frau passieren können. Leider scheint nicht jeder den Anfang des Threads und schon gar nicht den Heftbeitrag gelesen zu haben. Leider steht der Artikel nicht online zur Verfügung (ich habe ihn jedenfalls nicht gefunden).

Ich zitiere mich daher selbst und möchte diese abgedriftete Diskussion gerne wieder auf den Kernpunkt zurückführen: Kann das wirklich JEDER Frau passieren?


Liebe Vera Sandberg,

genau wie Sie habe ich mich gegen die Behauptung, die geschilderte Gewalt-Situation über Jahre könne "jeder Frau passieren" verwehrt und ich bleibe auch dabei.

Der von Ihnen zitierten Frau Lefherz, die behauptet "mit dieser Einstellung schwächen Sie die Opfer" und auch noch unterstellt, Sie und ich würden mit unserer Überzeugung den Tätern "freie Bahn" machen, muß ich schärfstens widersprechen! Sie schiebt damit die "Schuld" auf die Falschen. Schuldig - wenn man bei dem Begriff bleiben möchte - machen sich jedoch im Wesentlichen nur zwei Beteiligte: Täter und Opfer. Ich möchte jetzt bitte nicht mißverstanden werden, selbstverständlich sind die Täter die Hauptschuldigen und meiner Meinung nach strengstens zu verfolgen und zu bestrafen. Aber in so einer immer wiederkehrenden Situation (im Gegensatz z.B. zu einer einmaligen Überfallsituation) - teilweise über Jahrzehnte - trägt auch das Opfer eine Schuld. Nämlich eine Schuld der Verantwortung sich selbst - und ggf. seinen Kindern - gegenüber. In so einer Situation gibt es zwar immer einen, der handelt, aber eben auch einen, der es sich gefallen läßt.

Richtig ist, daß praktisch jede Frau in ihrem Leben einmal an einen gewalttätigen Partner geraten kann. Man kann schließlich niemandem in den Kopf schauen. Und oftmals sind ja gerade derart extreme Persönlichkeiten zu anderen Zeiten auch extrem charmant und können einwickeln. Wenn es allerdings dann einmal zu einer Gewaltsituation gekommen ist, muß man sofort die Notbremse ziehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Das kann sicher auch die Verpflichtung zu einer entsprechenden Therapie und deren konsequente Durchführung sein und muß nicht immer gleich beim ersten Vorfall zur Trennung führen. Aber sobald Wiederholungen auftreten gäbe es für mich keine Alternative zur sofortigen Abgrenzung. Und es möge mir jetzt bitte keiner mit "wenn man starke Liebe empfindet, kann man sich nicht so einfach trennen" kommen. Wenn mich jemand mißhandelt, dann kann ich definitiv auch nicht mehr die Liebe empfinden, die vielleicht vorher da war. Und selbst WENN, mein Selbsterhaltungstrieb und mein Selbstbewußtsein würden es mir verbieten, mich weiter an so einen Menschen zu binden.

Mir drängt sich daher die Vermutung auf, daß der eigentliche Haken an der Geschichte der ist, daß es den betroffenen Frauen eher in den letztgenannten Bereichen (Selbstbewußtsein, Selbsterhaltung, etc.) mangelt. Und hier kann letztlich auch nur die Ursache für die Erduldung der Mißhandlungen beseitigt werden: Durch Aufbau oder Steigerung der eigenen Wertschätzung. Denn nur wer sich selbst wichtig nimmt und sich selbst wirklich WERT ist, der achtet auch auf sich und akzeptiert die Gewalt gegen sich nicht. Die von Ihnen interviewte Frau "Schuchardt" zeigt nämlich genau diese Defizite: "Sie fühlte sich als alleinerziehnde Mutter nicht vollwertig" oder "Ich suchte eine Erklärung, gab mir selbst die Schuld", "fühlt sich an ihr Schicksal gekettet", "sie will keinen belasten" und vor allem die Furcht vor "öffentlicher Demütigung". Da wird deutlich die eigene Außenwirkung über die körperliche Unversehrtheit gestellt und das sollte dringend behandelt werden. Wer diesbezüglich Defizite bei sich zu erkennen glaubt, dem sei eine Therapie dringendst angeraten. Leider wird dieser Schritt auch heutzutage noch aus falscher Scham viel zu selten oder zu spät gegangen. Dabei ist das doch nun wirklich absolut keine Schande, sich fachliche Hilfe zu holen. Wer Herzrhythmusstörungen hat, geht doch auch zum Cardiologen!

Ich kann verstehen, daß es sich für Betroffene besser anfühlt, wenn Sie glauben können, daß sie nicht alleine sind. Und das sind sie ja in der Tat nicht. Es gibt leider sehr viele Frauen, die ein solches Schicksal erdulden und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein, als die meisten Statistiken hergeben. Aber dennoch sage ich: Nein, das kann nicht JEDER Frau passieren.

Vielen Dank trotzdem für den Artikel, denn vielleicht gibt er doch der einen oder anderen Betroffenen den Mut, sich endlich Hilfe zu holen.

Sia

Inaktiver User
29.08.2012, 08:57
Also, wenn die Frage lautet, ob es jeder Frau passieren kann, an einen gewalttätigen Partner zu geraten und auch über einen längeren Zeitraum an ihm hängenzubleiben, dann ist meine Antwort ganz klar: Nein, das kann nicht jeder Frau passieren.

Ich halte deine Einlassungen zum Thema Selbstwertgefühl für zutreffend.

skirbifax
29.08.2012, 16:29
Also, wenn die Frage lautet, ob es jeder Frau passieren kann, an einen gewalttätigen Partner zu geraten und auch über einen längeren Zeitraum an ihm hängenzubleiben, dann ist meine Antwort ganz klar: Nein, das kann nicht jeder Frau passieren.

Ich halte deine Einlassungen zum Thema Selbstwertgefühl für zutreffend.

Da widerspreche ich auch nicht. Die Frage ist hier aber, was ist ein längerer Zeitraum? Es sind ja nicht nur "graue, schüchterne Mäuse" von Gewalt betroffen, sondern auch durchaus Frauen, die man, von außen betrachtet, souverän einschätzt. Da spielen meiner Meinung nach mehrere Faktoren eine Rolle, nicht nur die Frage "das lasse ich mir von dir nicht bieten".

Inaktiver User
29.08.2012, 17:10
Nein, für viele - besonders für Frauen oder Mittel- und Oberschicht - ist es auch wichtig, das Gesicht zu wahren. Da gibt "man" sowas nicht zu.
Unter anderem. Es gibt vermutlich soviele Motive wie es Frauen gibt.

Sia
30.08.2012, 06:24
Da widerspreche ich auch nicht. Die Frage ist hier aber, was ist ein längerer Zeitraum?
Ich würde da nichtmal einen Zeitraum als Grundlage nehmen sondern die Häufigkeit eines Ereignisses. Und bei mir wäre schon nach dem ersten Mal Schicht im Schacht. Es gibt ein englisches Sprichwort, das man im übertragenen Sinne auch hier anwenden kann:

Shame on you if you trick me once.
Shame on me if you trick me twice.

Quidam
30.08.2012, 07:02
Passieren kann es jedem Menschen, dass er sich im Partner/Freund.... täuscht und dieser ihn betrügt/schlägt/....
Wenn es geschehen ist, dann kommt es auf den Menschen an, wie er damit umgeht.
Und da hat jeder Mensch seine ureigensten Gründe und Ursachen, wie er sich verhält.
Diese Gründe kommen aus Veranlagung, Erfahrung, Bewältigung, Selbstverständnis, Standpunkt zu Mitmenschen.
Und da leidet eben jeder Mensch unterschiedlich.
Oder er will auch "erarbeitete" Vorteile - und wenn es für andere sehr unwichtige Vorteile sind - nicht vermissen und verbleibt in einer an sich für ihn ungesunden Situation.

Dazu kommt, dass viele den Betrug, Gewalt durch den Partner als eigenes Versagen empfinden. Und wir alle wissen, wie schwer es ist, das zuzugestehen und dazu zu stehen. Also bleibt man in der Beziehung.

Viel wichtiger wäre es, den Menschen Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein zu vermitteln. Dass kein anderer Mensch das Recht hat, sie zu betrügen oder auch nur verbale Gewalt anzuwenden. Und wie man sich angemessen dagegen wehrt. Eben nur normale, selbstbewusste, eigenverantwortliche Frauen.

Sonderzeichen
30.08.2012, 07:50
Wo findet hier eine differenzierte Auseinandersetzung statt?

Ist doch mitlerweile bekannt, dass Gewalt sowohl beide Geschlechter ausüben und zwar annähernd 50 zu 50 %.

Hmmm....

Inaktiver User
30.08.2012, 08:54
Wo findet hier eine differenzierte Auseinandersetzung statt?

Ist doch mitlerweile bekannt, dass Gewalt sowohl beide Geschlechter ausüben und zwar annähernd 50 zu 50 %.

Diese Zahl nimmst du jetzt woher?

_muschelkalk
30.08.2012, 10:41
Die hier herrschende Meinung und teilweise ignorante Zuweisung der betroffenen Frauen auf untere Schichten ist mit ursächlich für meine Gewalterfahrung.

Es ist sehr, sehr lange her und ich war sehr jung damals. Mein Mann hatte, ebenso wie ich, einen höheren Bildungsabschluß und war bereits verbeamtet.
Ich hatte beim 'ersten Mal' dunkelblaue Würgemale, zig Hämatome am ganzen Körper und ein 'Veilchen'.
Ich habe mir sofort Hilfe gesucht, bin zu einer Ärztin gegangen um ein Attest über meinen körperlichen Zustand zu bekommen, mit welchem ich dann zu einem Anwalt gehe wollte.
Ich bekam von der Ärztin zu hören: "So etwas kann doch mal passieren!" Es wurde mit Handausrutschen verglichen.....Meine Begleitperson redete ähnlich.
In dieser Situation habe ich mich gefühlt wie ein Vergewaltigungsopfer, da ich eigentlich ein hohes Selbstwertgefühl hatte. Es hat einiges an Überwindung gekostet zu dieser Ärztin zu gehen, da "SO ETWAS" ja nur bei 'niederen Schichten' passiert. Ich habe mich so sehr geschähmt und war innerlich so schrecklich wund.
Hilfe habe ich nicht bekommen, mir wurde gesagt, deswegen sollte man doch nicht gleich den Mann verlassen und auch an unser gemeinsames Kind denken. So etwas kann passieren....

Ich bekomme aktuell noch Hassgefühle, wenn ich daran zurück denke. Trotz den vielen Jahren die vergangen sind. Den Mut zu gehen habe ich dan erst einige Jahre später wieder gefunden!
Und, ich bin kein Opfertyp - gewiß nicht!

Die zweite Frau dieses Mannes hat ebenfalls einen gehobenen Bildungsabschluß und bisher nicht die Kraft sich zu trennen. Sie verleugnet ihre blauen Augen etc..
Ich denke die Gründe sind ähnlich wie die der Vergewaltigungsopfer, die den Täter nicht anzeigen. Schuldzuweisung -auch unausgesprochene - an das Opfer, denn ein gebildeter Mann schlägt doch nicht einfach so.....Und die Scham Opfer zu sein, von dritten in eine 'Schicht' gezählt zu werden, zu der man nicht gehören möchte.

Es kann jeder Frau passieren, wenn die Umstände es zulassen!

Quidam
30.08.2012, 13:02
Aggressionen und mangelnde Bewältigung ist in allen Schichten vorhanden, das hat mit Bildung oder Ausbildung nichts zu tun. Da hat der Adel die gleichen Potentiale wie der Hafenarbeiter; oder die Ärztin wie die Auffüllkraft. EIne Freundin ist Rechtsanwältin, diese sagte schon vor Jahren, dass immer mehr Männer klagen wegen häuslicher Gewalt, weil ihre Frauen handgreiflich werden. Sie meinte auch etwas von gleichauf. Viele Menschen (weiblich und männlich) schildern auch psychische Gewalt in der Beziehung, fatalerweise auch bei Unverheirateten, und die Leute bleiben trotzdem beim Partner/in, weil sie sich irgendeinen Vorteil versprechen. Und wenn es "Nur" ist, dass sie ihr vermeintliches Versagen nicht öffentlich machen wollen.

Inaktiver User
30.08.2012, 13:26
Ich hatte beim 'ersten Mal' dunkelblaue Würgemale, zig Hämatome am ganzen Körper und ein 'Veilchen'.
Ich habe mir sofort Hilfe gesucht, bin zu einer Ärztin gegangen um ein Attest über meinen körperlichen Zustand zu bekommen, mit welchem ich dann zu einem Anwalt gehe wollte.
Ich bekam von der Ärztin zu hören: "So etwas kann doch mal passieren!" Es wurde mit Handausrutschen verglichen.....Meine Begleitperson redete ähnlich.
In dieser Situation habe ich mich gefühlt wie ein Vergewaltigungsopfer, da ich eigentlich ein hohes Selbstwertgefühl hatte. Es hat einiges an Überwindung gekostet zu dieser Ärztin zu gehen, da "SO ETWAS" ja nur bei 'niederen Schichten' passiert. Ich habe mich so sehr geschähmt und war innerlich so schrecklich wund.
Hilfe habe ich nicht bekommen, mir wurde gesagt, deswegen sollte man doch nicht gleich den Mann verlassen und auch an unser gemeinsames Kind denken. So etwas kann passieren....

Ich bekomme aktuell noch Hassgefühle, wenn ich daran zurück denke.

Es tut mir sehr, sehr leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest. Damit stehst Du bei weitem nicht allein da, und das ist auch ganz logisch:

Es gehört sehr viel Kraft und Mut dazu, sich aus missbräuchlichen Strukturen heraus zu entwickeln. Häufig liegen die Wurzeln in der Herkunftsfamilie. Viele Menschen haben besagte Kraft und Mut nicht, insbesondere dann nicht, wenn das mit sich brächte, dass man sich mit der eigenen Familie, und darin oft Mutter und/oder Vater auseinander_setzen müsste.

So entstehen Gewaltspiralen - Gewalt wird von einer Generation an die nächste weiter gereicht, sie ist wie ein Virus. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit war besagte Ärztin selbst von diesen Virus betroffen. Damit stellt sie keine Ausnahme dar. Ärzte, Psychotherapeuten, Polizisten, Anwälte, Richter - in jeder Berufsgruppe gibt es zahlreiche " schlummernde Opfer", denen es naturgemäss schwer fällt, klar Stellung zu beziehen, wenn das bedeuten würde, dass sie ihre eigenen Verdrängungsmechanismen aufgeben.

_muschelkalk
30.08.2012, 14:02
Bei meinen Eltern gab es keine Gewalt. Ich kann mich auch an keinen Streit erinnern.
Mein Vater war aus beruflichen Gründen oft längere Zeit abwesend und hat von diesem Vorfall nichts mitbekommen können. Meine Mutter war einfach überfordert weil es so etwas in ihrer heilen Welt nicht geben konnte...

Mein Punkt zu gehen war erreicht, als ER unserem Vorschulkind erzählt hat so etwas könne einmal passieren, dass würde sie später verstehen. DAS war mein "Hallo wach Moment". Eine Woche später waren wir komplett ausgezogen. Trotz glaubhafter Morddrohungen gegen mich.
Dieses Männer-/Beziehungsbild hat sich nicht festgesetzt. Sie lebt in einer liebevollen und völlig unaggressiven Beziehung.

Wie du schon schreibst, es zieht sich durch alle Schichten und leider auch bei den Menschen, die Hilfe leisten sollten.

Sternenmeeeer
30.08.2012, 17:02
Mir ist so etwas bzw. etwas Ähnliches 2x passiert.

Beim ersten Mal war ich 15, kam nachts von der Disco und musste den letzten Rest des Weges durch eine Gartenkolonie allein gehen.
Urplötzlich fiel mich ein Mann von hinten an, der mir zuvor ganz friedlich entgegenkam und an mir vorbeiging. Er würgte mich, drückte mich gegen einen Zaun und versuchte, meine Hosen runterzuziehen. Es war Winter, ich hatte dicke Sachen an und schrie wie am Spieß. Er lies von mir ab und ich rannte nach Haus.
Meine Mutter wurde wach/war noch wach, ich weiß es nicht mehr. Ich erzählte alles, sie beruhigte mich, so etwas gebe es doch nicht, ob ich sicher war und es wäre ja nichts passiert usw. Ich legte mich ins Bett, 1h später wachte ich auf und kxxxtzte das ganze Bett voll. (ich nehme an, das war der Schock) Meine Mutter schimpfte wie ein Rohrspatz und ich entschuldigte mich zigmal... ich werde diese Geschichte nicht vergessen, und wenn ich 100 Jahre alt werde.

Beim zweiten Mal (ich war inzwischen 19) boxte mich mein damaliger Freund nachts in betrunkenem Zustand und schubste mich durch die Wohnung. Er drohte mir mit erhobener Faust, dass er mein Gesicht zu Brei schlägt, wenn ich nicht mit ihm und seinem Freund schlafen wolle, sofort.
Der Freund war etwas nüchterner und zog meinen Freund fort, der sich kaum beruhigen lies. Ich war dermaßen aufgewühlt und weinte und weinte...
Am nächsten Tag rief ich einen alten Kunpel an und bat ihn, mir beim Auszug zu helfen. Er brachte einen weiteren Kumpel mit und diesen zwei Männern verdanke ich, dass ich ohne schlimmere Blessuren und mit heilen Knochen dort weg kam. (zurück zu meinen Eltern, die mir entsprechende Belehrungen zu teil werden ließen, sie warfen mir indirekt vor, selbst Schuld zu sein, genau wie "damals")
Der "Freund" drohte mir noch im Gehen nach, dass ich das bereuen würde.

Ich habe ihn nie wiedergesehen. Seitdem hat mich kein Mann mehr schräg angefasst.
Ich denke, diesmal würde ich zurück schlagen.

Ich bin weder "Unterschicht" noch HighSociety. Damals war ich eine ganz normale junge Frau in normalem Umfeld.
Und ich glaube auch, dass das jeder Frau passieren kann. Auf jeden Fall 1x. Kommt drauf an, wie sie dann reagiert und ob ihr Umfeld sie unterstützt.

Jane55
15.11.2012, 14:39
Hallo zusammen,
ich bin wirklich froh dass mir sowas noch nie passiert ist. Hört sich alles schrecklich an was Betroffene hier schreiben. Denke Gewalt an Frauen zieht sich auch durch alle "Schichten". Viel schlimmer finde ich es wenn man Kinder hat und aus so einer Beziehung nicht rauskommt. Arbeite in einer Kinderarztpraxis undda haben wir schon mehrere Frauen aus dem Frauenhaus gehabt die mit ihren Kindern den Entschluss gefasst haben und geflüchtet sind von ihrem gewalttätigen Mann/Freund. Finde diese Frauen sehr stark dass sie den Schritt geschafft haben. Ist mit Sicherheit nicht leicht.
Wollte das nur mal loswerden.
MFG

momstagebuch
18.11.2012, 17:31
Hallo zusammen,

häusliche Gewalt ist weit verbreitet. Auch wenn es den gedemütigten Frauen an Selbstwertgefühl fehlen sollte, niemand, absolut niemand hat das Recht, sie zu schlagen!

Es stimmt, dass diese misshandelten Frauen aus ihrer Partnerschaft ausbrechen müssen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Fakt ist aber, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen Frauen dieses Martyrium jahrelang aushalten. Wenn man sie fragt, dann hat jede ihre ganz eigenenGründe dafür... nicht immer ist es nur das fehlende Selbstwertgefühl.

Auch ich habe häusliche Gewalt erlebt. Ich trennte ich nach 5 Jahren von meinem Mann und lebe seit 26 Jahren als alleinerziehende Mutter.

Ich schreibe in einem Blog über mein Leben, auch über die Zeit in meiner Ehe mit einem gewalttätigen Alkoholiker.

Würde mich freuen, wenn Ihr mal bei [...] vorbei schauen würdet.

Bis dann.
Ellen