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Inaktiver User
26.07.2012, 00:06
Ihr Lieben
Ich mach mir grade ein paar Gedanken, ich weiss jetzt nicht ob das Thema besser hierhin oder in den Erziehungsstrang passt (wenn falsch dann bitte verschieben).

Mein ältester Sohn, fast 7, ist durch ICSI gezeugt worden, die beiden folgenden Kinder, mit kleinen Anstupsern, auf normalem Weg. Nun sind meine beiden Grossen im Alter wo das Thema "Wie werden Babys gemacht?" aufkommt, auch dadurch bedingt dass im Umfeld einige schwangere Bekannte sind. Meinem Mann und mir war von vornherein klar dass seine Entstehungsgeschichte für unseren Sohn nie ein Geheimnis sein sollte und wir das Thema völlig normal im Alltag behandeln würden, wir möchten nicht dass er es irgendwann einmal zufällig herausfindet und uns dann Vorwürfe machen wird dass wir es ihm nicht früher erzählt haben. Im Umfeld haben wir das Thema KiWubehandlung damals sehr offen gehandhabt und fast alle unsere Bekannten wissen drum.

Nun finde ich das aber nicht ganz so einfach. Wenn wir Bücher schauen (wie z.B Wieso, weshalb, warum Woher die kleinen Kinder kommen) trifft das alles auf ihn nicht so zu. Vor 2 Jahren als ich mit seinem kleinen Bruder schwanger war und wir auch solche Bücher (in vereinfachter Form) angeschaut haben, habe ich ihm erzählt bei ihm sei das anders gewesen und obwohl Mama und Papa sich sehr doll lieb gehabt hätten und sich so sehr ein Baby gewünscht hätten, wollte kein Baby zu ihnen kommen und der Doktor hätte Mama und Papa helfen müssen und dann sei er gekommen und wir hätten uns ganz doll gefreut. Damals hat ihn das nicht interessiert und er hat es einfach so angenommen.
Nun, wo er älter ist und die Fragen pertinenter werden (und er ist ein kleiner Grübler der alles hinterfragt und sich viele Fragen stellt), fällt es mir schwerer ihm davon zu erzählen bzw die richtigen Worte zu finden, einerseits möchte ich ihm vermitteln dass er eine besondere Geschichte hat und für uns etwas Besonderes ist und unser absolutes Wunschkind war, andererseits frage ich mich aber ob es nicht besser wäre es einfach als ganz banale kleine Angelegenheit nebenbei zu behandeln und nichts Besonderes daraus zu machen, denn ich möchte ja dass es für ihn normal und selbstverständlich sein wird und er sich nicht anders fühlt.

Und ich habe Angst dass er sich irgendwie anders/minderwertig gegenüber seinen Geschwistern fühlt weil es bei ihm anders/schwieriger war als bei ihnen.

Hat irgend jemand Erfahrungen hierzu die er mit mir teilen möchte? Hat irgendwer ein älteres ICSI/IVF Kind das davon weiss und wie geht es damit um? Und wie kann ich meinem Kind mit den richtigen Worten vermitteln wie er entstanden ist?

Vielen Dank im Vorraus für eure Gedankengänge hierzu,
Skippy

legrain
26.07.2012, 00:41
sage ihm, das es immer kinder gibt, die schon richtig drauf warten, auf die welt kommen zu dürfen. sie haben sich sogar ihre eltern schon heimlich ausgesucht.

wenn mama und papa sich ganz doll lieb, haben schwimmt dann oft ein samenfischlein vom papa mit schnellen bewegungen zum punktkleinen ei von der mama. treffen sich die zwei, kann ein baby draus wachsen, das baby, das schon so lange auf die welt wollte.
manchmal können die samenfischlein von einem papa grad nicht so schnell schwimmen, und dann wartet das baby ewig lange, und dann hilft der doktor dem samenfischlein schnell schnell den weg zu seinem ei finden, usw..
die meisten kinder fangen gleich im mamabauch zu wachsen an, einige im hellen licht von einem krankenhauszimmer, so wie du. und dann wird ihnen schnell in den mamabauch reingeholfen. weil zum weiterwachsen brauchen es alle warm und dunkel und weich.

_tarasjugina_
26.07.2012, 02:25
einerseits möchte ich ihm vermitteln dass er eine besondere Geschichte hat und für uns etwas Besonderes ist und unser absolutes Wunschkind war, andererseits frage ich mich aber ob es nicht besser wäre es einfach als ganz banale kleine Angelegenheit nebenbei zu behandeln und nichts Besonderes daraus zu machen, denn ich möchte ja dass es für ihn normal und selbstverständlich sein wird und er sich nicht anders fühlt.



Ich würde es ihm nicht sagen. Ich denke, man kann einem Kind auch vermitteln, dass es etwas Besonderes ist und gewünscht, willkommen, ohne auf die besondere Geschichte einzugehen.

Wozu ist es gut?

Ich habe es nun acht Jahre lang nicht gesagt. Ich möchte mein Kind nicht "überfrachten" damit - so fühlt es sich, gedanklich durchgespielt, an.

legrain
26.07.2012, 02:44
grundsätzlich sagt man soviel wie das kind fragt, und nicht mehr.

_tarasjugina_
26.07.2012, 02:58
Ja - das Kind z.B. schaut die Bilder an (in "Wieso Weshalb Warum"), fragt "bin ich auch so entstanden?" - und ich sage "ja."

Inaktiver User
26.07.2012, 07:20
Ob es diese auch deutschsprachig gibt, weiß ich nicht, googelt man aber z.B. "ivf icsi book children" bekommt man viele englischsprachige Möglichkeiten an Kinderbüchern präsentiert. Man kan ja dann die Geschichte auch auf Deutsch zu den Bildern erzählen.
Das löst natürlcih viele deiner Bedenken nicht auf, könnte aber Ausgangspunkt für Gespräche sein.

Inaktiver User
26.07.2012, 09:35
Danke für die schnellen Antworten

@legrain: danke für die Samenfischleinaufklärungsgeschichte, klingt ganz süss :blumengabe:



Wozu ist es gut?
Ich habe es nun acht Jahre lang nicht gesagt. Ich möchte mein Kind nicht "überfrachten" damit - so fühlt es sich, gedanklich durchgespielt, an.


Ja - das Kind z.B. schaut die Bilder an (in "Wieso Weshalb Warum"), fragt "bin ich auch so entstanden?" - und ich sage "ja."

Genau das möchte ich aber nicht, denn das wäre gelogen und ich will mein Kind nicht anlügen.
Wozu es gut ist? Es ist seine Geschichte und ein wichtiger Teil unserer Familiengeschichte und er hat ein Recht drauf davon zu wissen.

@mrshall_reloaded: danke für den Tipp, hab schnell mal Bücher in Deutsch gegoogelt, viel gibts nicht aber ich habe ein Aufklärungsbuch für Kinder gefunden das das Thema auch behandeln soll und das sicher bald unsere Bibliothek bereichern wird, werde auch noch in Englisch googeln wenn ich heute Abend mehr Zeit habe

Ueber weitere Anregungen würde ich mich sehr freuen, danke :blumengabe:

leandra28
26.07.2012, 13:51
Hallo Skippy, ich finde das eine total wichtige und schwierige Frage und habe leider absolut keine Antwort drauf!

Wir haben das neulich mal in einer Runde "Kinderwunschfrauen" diskutiert, und es gab ganz unterschiedliche Ansichten. Von "Klar, natürlich soll mein Kind das wissen, wieso nicht, außerdem - was könnte ein größeres Wunschkind sein" bis zu "wenn mein Kind in einer romantischen Liebesnacht im Urlaub gezeugt worden wäre, würde ich ihm auch nicht die Details erzählen" war alles dabei.

Ich bin mir selber noch total unschlüssig. Nun ist mein Sohn erst knapp 4 und sowieso noch nicht "aufgeklärt". Er fragt zwar schon mal, wie das Baby in den Bauch reingekommen ist (die Mama seiner besten Freundin ist gerade schwanger), aber da erzähle ich bisher nur von einem großen Wunder, und dass jedes Baby eine Mama und einen Papa hat, die sich sehr liebhaben, und dass das Baby im Bauch entsteht, dort erst winzigklein ist und dann immer größer wird, bis es geboren wird.

Mein Sohn ist ja nicht durch eine ICSI entstanden, sondern durch eine IUI mit vorhergehender hormoneller Stimulation der Eizellreifung.

Das mit den Medikamenten zur Eizellreifung würde ich ihm natürlich zu gegebener Zeit erzählen, wieso nicht, aber das mit der IUI??? Nee, ich kann's mir einfach nicht vorstellen. Der würde dann ja alle Details wissen wollen, und ich find einfach auch die Vorstellung, da in der Praxis auf dem Gyn.-Stuhl mittels einer Pipette die Spermien eingeführt bekommen zu haben total furchtbar. Ich will nicht, dass er dieses Bild im Kopf hat.

Auf der anderen Seite stelle ich es mir auch total doof vor,, mit ihm ein Aufklärungsbuch anzugucken, und auf die selbstverständlich zu erwartende Frage, ob er auch so entstanden ist, mit Ja zu antworten, obwohl es nicht stimmt!

Ich finde das echt ein Dilemma.

Ich neige zu der letzteren Variante, also schweren Herzens zu "lügen", zumal auch mein Mann strikt dafür ist, ihm nichts von IUI zu erzählen.

Aber mit mir selber im Reinen bin ich diesbezüglich noch lange nicht.

Was es bei dir besonders schwierig macht, ist, dass viele im Umfeld Bescheid wissen. Wenn du dann das Kind außen vor lässt und er wird später von anderen darauf angesprochen, ist es natürlich für ihn ein Schock und auch ein Vertrauensmissbrauch. Ich glaube fast, wenn es im Umfeld so viele wissen, kommst du gar nicht umhin, es ihm zu erklären.

Bei uns wissen die allermeisten zwar von der Hormonbehandlung, nicht aber von der IUI. Das macht es für uns insofern etwas einfacher.

Inaktiver User
26.07.2012, 15:21
"Wie" oder sogar "Ob" die Entstehungsgeschichte mit dem Kind teilen oder nicht?

Persönlich finde ich es wichtig, sich selbst klar zu werden: Warum tendiere ich dazu, es meine Kind nicht zu erzählen? Einfach, um diese Klarheit für sich selbst zu haben, damit man dann klarer hinter seiner Entscheidung stehen kann.

Das ist wohl sehr persönlich und wie sich die Eltern jeweils entscheiden, hängt von ganz vielen Faktoren ab.

U.a. wie offen sie generell mit dem Thema "Ungewollte Kinderlosigkeit" und mit der KInderwunschbehandlung umgegangen sind.
Hat man seine Reise zum Kind eher mit sich ausgemacht und vor anderen eher geheimgehalten? Oder wußten Verwandte, Freunde ggf. sogar Kollegen Bescheid? Das hat natürlich auch einen Einfluß auf die spätere Entscheidung, dem Kind zu erzählen, wie es in die Welt kam oder nicht.

Mir geht dabei immer durch den Kopf, daß es diese Diskussion früher (?) um das Theam Adoption gab, heute höre ich das kaum noch.

Und: Je nach Diagnose kann es für das Kind schon wichtig oder zumindest aufschlußreich für die eigene Zukunft sein, von den Schwierigkeiten, die die Eltern mit der Zeugung hatten, zu erfahren.

Inaktiver User
26.07.2012, 18:38
Hallo

@Leandra: danke für deine Ueberlegungen hierzu, wollte dich eigentlich auch noch per Mail fragen wie du das siehst.

Für mich lautet die Frage eigentlich nicht ob, sondern wie, und eigentlich hatten wir das Thema ja schon und es war nie ein Tabu, genauso wenig wie sein Zwillingssternengeschwisterchen das auch zu dem Thema dazugehört, aber es hat ihn bisher nicht wirklich interessiert und er beginnt nun erst ernsthaft nachzuhaken. Du hast mich hier aber noch etwas ins Grübeln gebracht, denn bisher war ich ich immer nur soweit dass ich ihm gesagt habe der Doktor habe ihn zurück ins Mamas Bauch gesetzt, aber dass er hier auch mal nach dem Wie fragen wird, habe ich noch nie ins Auge gefasst :unterwerf:. Aber wenn es soweit sein wird dass er die Frage stellt wird die Pinzette wohl auch erklärt werden, denn ich tendiere schon zu totaler Offenheit und ich stehe hinter der Entscheidung.
Und das hier

grundsätzlich sagt man soviel wie das kind fragt, und nicht mehr.
finde ich einen sehr hilfreichen Satz zu meinen Ueberlegungen bezüglich wie und was ich meinem Sohn vermitteln soll.

Das

"wenn mein Kind in einer romantischen Liebesnacht im Urlaub gezeugt worden wäre, würde ich ihm auch nicht die Details erzählen"
habe ich auch schon oft gehört wenn ich mit Bekannten/Freunden darüber gesprochen habe, und die Meinung vertreten wohl viele, aber ich glaube das können Aussenstehende nicht so nachvollziehen und für mich ist das nicht vergleichbar. Ich werde meinen anderen Kindern auch nicht erzählen ob sie im Bett, auf dem Sofa oder im Auto gezeugt worden sind, aber bei meinem Grossen ist doch etwas mehr dahinter und ich möchte 2 Jahre KiWubehandlung nicht ausblenden und ihm vorlügen dass er ganz normal gezeugt wurde, es gehört zu unserer Familiengeschichte dazu und hat uns geprägt und deshalb ist es für mich einfach nur natürlich dass er es weiss.

Dass im Bekanntenkreis die meisten von der KiWubehandlung wussten sehe ich nun nicht als Schwierigkeit und ich habe eigentlich nicht die Befürchtung dass er es im Bekanntenkreis aufschnappt, denn mittlerweile ist es ja kein Thema mehr.

Was mir eigentlich am Meisten Sorgen macht ist die unterschiedliche Entstehungsgeschichte meiner 3 Kinder und ich habe etwas Angst dass mein Grosser sich hier irgendwann anders oder minderwertig fühlen wird oder es bei Streitsituationen zu Lästern oder Hänseln kommen könnte. Das wäre natürlich vermeidbar wenn sie nicht Bescheid wüssten. Aber ich hoffe einfach mal drauf dass sie spüren und wir ihnen mit den richtigen Worten und Taten vermittelt bekommen dass sie alle 3 absolute Wunschkinder waren und für uns kleine Wunder sind und dass es für uns keinen Unterschied macht wie sie den Weg zu uns gefunden haben.

Inaktiver User
26.07.2012, 18:47
Aber wie mrshall schreibt, ja es spielen sicher viele Faktoren in der Entscheidung mit und es ist eine individuelle Entscheidung die jede Familie fuer sich treffen muss

Wiesenkraut
26.07.2012, 20:31
Was mir eigentlich am Meisten Sorgen macht ist die unterschiedliche Entstehungsgeschichte meiner 3 Kinder und ich habe etwas Angst dass mein Grosser sich hier irgendwann anders oder minderwertig fühlen wird oder es bei Streitsituationen zu Lästern oder Hänseln kommen könnte

ich hab mit der Thematik ICSI nicht so wirklich viel zu tun, aber der Satz hat mich gleich angesprungen. Im Studium hab ich 6 Wochen in die Adoptionsvermittlung reingeschnuppert und genau diese Frage taucht ja im Bezug auf Adoption und leibliche Geschwisterkinder auch immer auf.

Ich denke es ist eine Frage des WIE. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Kind minderwertig ungeliebt oder ähnliches fühlt, wenn man ihm/ihr es so erklärt wie es (denke ich mal) war.

Mama und Papa hatten sich sehr sehr lieb, sie hatten sich so lieb, dass sie sich gewünscht haben dass du zu ihnen kommst und als es nicht klappen wollte, haben sie einfach nicht aufgegeben, sondern sich so lange umgehört bis sie Hilfe fanden. Geholfen hat Ihnen ein Arzt. Es war oft nicht einfach und hat lange gedauert, aber Mama und Papa haben nie aufgegeben bis es geklappt hat und sie dich bekommen haben. Für dich würden wir das immer wieder machen.

Mal ehrlich, wie soll sich da ein Kind ungeliebt fühlen

Was die Pinsette betrifft, ich weiss es ist nicht wirklich vergleichbar, aber ich hab als Kind mit Begeisterung jedes Detail meiner Saugglockengeburt erzählt. Was für meine Mama irgendwie peinlich war, war für mich DER Hit der Geburt...ich könnte mir vorstellen, das der ganze Vorgang entsprechend erzählt für das Kind alles andre als peinlich ist sondern "spannend toll" (mir fehlt das richtige Wort).
In Anlehnung an Legrain denke ich erzählt so wie es zu euch passt. Die Kinder nehmen erstmal eh nur auf, was sie verstehen und fragen dort weiter. Es ist auch durchaus legitim zu sagen "du da möchte ich erstmal drüber nachdenken eh ich dir antworte, damit ich es dir gut erklären kann. Ich antworte dir morgen/in einer Stunde.
Ansonsten würde ich da nach Bauchgefühl erklären.

Warum ich eigentlich hier reingucke...bei Adoptionen ist (oder war mal zumindest in meinem Praktikum) ein Teil der Adoption auch Vorschläge des betreuenden Pädagogen zum Thema "Sag ich es meinem Kind und wie sag ich es meinem Kind", gibt es nichts vergleichbares bei ICSI?

Inaktiver User
26.07.2012, 21:03
Mal ehrlich, wie soll sich da ein Kind ungeliebt fühlen
Nee ungeliebt sicher nicht, im Gegenteil, so wollte ich das nicht rüberbringen, ich meinte ob es sich nicht anders fühlt


Was die Pinsette betrifft, ich weiss es ist nicht wirklich vergleichbar, aber ich hab als Kind mit Begeisterung jedes Detail meiner Saugglockengeburt erzählt. Was für meine Mama irgendwie peinlich war, war für mich DER Hit der Geburt...ich könnte mir vorstellen, das der ganze Vorgang entsprechend erzählt für das Kind alles andre als peinlich ist sondern "spannend toll" (mir fehlt das richtige Wort).
:freches grinsen: Kann ich mir eigentlich auch so vorstellen dass er das stolz seinen Freunden erzählen wird :cool:, peinlich für die Mama ja:unterwerf:



Warum ich eigentlich hier reingucke...bei Adoptionen ist (oder war mal zumindest in meinem Praktikum) ein Teil der Adoption auch Vorschläge des betreuenden Pädagogen zum Thema "Sag ich es meinem Kind und wie sag ich es meinem Kind", gibt es nichts vergleichbares bei ICSI?
Nein, hier gab es überhaupt keine Hilfestellung in die Richtung, aber auch verständlich dass man das Thema vorher nicht behandelt wo man nicht weiss ob es klappen wird, und ein Nachgespräch gab es bei uns nicht, ob das so üblich ist weiss ich nicht oder ob es damit zusammenhing dass wir im Ausland waren und einen langen Anfahrtweg hatten

Bei Adoption sind diese Themen wohl nun rauf und runter diskutiert, bei IVF wird es sicherlich auch in 20 Jahren so sein, momentan hängt man jedoch damit etwas in der Luft

legrain
26.07.2012, 21:13
Was mir eigentlich am Meisten Sorgen macht ist die unterschiedliche Entstehungsgeschichte meiner 3 Kinder und ich habe etwas Angst dass mein Grosser sich hier irgendwann anders oder minderwertig fühlen wird oder es bei Streitsituationen zu Lästern oder Hänseln kommen könnte. Das wäre natürlich vermeidbar wenn sie nicht Bescheid wüssten. Aber ich hoffe einfach mal drauf dass sie spüren und wir ihnen mit den richtigen Worten und Taten vermittelt bekommen dass sie alle 3 absolute Wunschkinder waren und für uns kleine Wunder sind und dass es für uns keinen Unterschied macht wie sie den Weg zu uns gefunden haben.


wenn man gross wird, verändert sich der körper, der bub kann ein papa werden und das mädchen eine mama. wenn sich die zwei liebhaben, und sich ganz doll ein baby wünschen, kann es sein, dass grad ein baby bei ihnen zu wachsen anfangen will.

manchmal wünschen sich eltern ein kindlein, aber es klappt halt nicht gleich. dann gehen sie zum doktor, er schaut nach, was dem körper zum baby kriegen können noch fehlt, und dann hilft er einem mit einem saft zum elternkraftbekommen, oder manchmal sagt er, kommt in mein ganz helles labor, weil es gibt babys, die wollen da zu den eltern kommen.

auf weitere fragen, bei nina war es eigentlich nachtfinster, wie sie unsichtbar zu uns gefunden hat, beim otto war es dämmrig.

jasna
26.07.2012, 21:38
Hallo,
als ICSI-Zwillingsmama hab ich mir auch schon mal diese Fragen gestellt. Erst mal hab ich zu der Variante "romantische Liebesnacht" tendiert, also nichts davon erzählen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich mit meiner erwachsenen Tochter irgendwann mal auf das Thema komme und dann sage: "übrigens, du bist ja auch durch ICSI gezeugt.." kommt mir das auch sehr komisch vor.
Also ich denke ich will es erzählen, aber zu einem Zeitpunkt, wo die Kinder das auch im biologischen Zusammenhang sehen können. Also vielleicht mit 12 Jahren. Bei einem Kleinkind sehe ich keinen Sinn darin, eher dass es vielleicht verunsichert wird. Mit einer Adoption ist eine ICSI für mich überhaupt nicht vergleichbar, das es hier nicht um die Elternschaft an sich, sondern nur um ein medizinisches Detail geht.
So sehe ich das jetzt, vielleicht kommt es aber auch anders und aus irgendeiner Situation heraus sprechen wir dann vorher darüber. Das kommt halt auch auf das Interesse und Verständnis der Kinder an.
Liebe Grüße,
Jasna

Louette
26.07.2012, 22:28
Ich (als Mutter eines ICSI-Kindes) finde die Frage auch interessant. Ich denke, dass mein Sohn irgendwo ein Recht darauf hat zu erfahren, dass er eben nicht romantisch im Bett (oder wo auch immer) entstanden ist.

Da wir - auf Wunsch meines Mannes - nicht sehr offen mit dem Thema Kinderwunschbehandlung umgegangen sind, ab der Behandlung gings dann schnell, stehen wir nicht vor dem "Problem", dass er es über die Außenwelt erfährt.

Wie viel versteht dein Sohn denn schon von der Empfängnis und so? Den Ansatz von Legrain finde ich übrigens ganz gut, wobei ich ihn etwas sachlicher wählen würde (also nichts von Samenfischlein). Wenn er weiß, dass es man viele Samenzellen braucht, damit eine Eizelle befruchtet wird, kannst du auch sagen, dass der Papa nicht so viele hatte und der Arzt daher eine besonders schöne ausgesucht hat und sie direkt in Mamas Eizelle gepflanzt hat und er so entstanden ist. Ich denke, das wäre mein Ansatz.

Und ich würde das gar nicht so "aufbauschen" als etwas besonderes, sondern einfach als Fakt hinstellen. Als ihr die Geschwister in Angriff genommen habt, hatte der Papa plötzlich wieder mehr Samenzellen und dann gings so. Was für ein Rattenschwanz an der Behandlung hängt, wird er sicherlich später erfahren, aber mit 7 wird ihm das sicherlich total egal sein.
Falls du es etwas "besonderer" machen willst, kannst du ihm ja sagen, dass er schon bevor er in Mamas Bauch durfte, die Welt gesehen hat oder so etwas.
Und warum sollten ihn seine Geschwister damit aufziehen? Kinder können grausam sein, aber ich kann mir gar nicht so recht vorstellen, dass sie das so thematisieren. Er ist durch ICSI entstanden und die anderen eben nicht. Dass ihr euch ganz doll ein Baby gewünscht habt und dass es erst nicht geklappt hat, das bleibt ja. Und dann habt ihr euch wieder ganz doll ein Baby gewünscht und es hat so geklappt.

Ich hoffe, es ist nicht zu wirr, was ich geschrieben habe, ich habe heute den ganzen Tag mein fieberndes Baby betreut und bin ein bisschen fertig.

Gespannt bin ich, wann bei uns das Thema aktuell werden wird, es hängt sicherlich auch davon ab, ob der Kleine irgendwann ein Geschwisterchen bekommt oder nicht. Wenn er keins bekommt und er dann danach fragt, ist das sicherlich ein guter Ansatzpunkt.
Bin mal gespannt, ob mein Mann dann mit der ICSI-Aufklärung mitspielt, er hatte etwas Sorge, dass seine Mutter komisch reagiert.

Berichtest du, wie ihr es eurem Sohn erklärt?
Eine Freundin von mir, die selbst durch ICSI bzw. dann Kryo schwanger geworden ist, wollte eigentlich mal ein Bilderbuch zu dem Thema schreiben, ich muss sie mal fragen, was daraus geworden ist. Scheint ja ne Marktlücke in Deutschland zu sein, schade eigentlich.

Leilei
27.07.2012, 07:56
Hallo zusammen!
Meine beste Freundin ist damit recht offen umgegangen, mit Eltern und Schwiegereltern und ein paar engen Freunden während der Behandlungen und dann auch mit dem Kind, und hat ihrer Tochter auf Nachfrage irgendwann erklärt, dass ein Arzt geholfen hat, damit sie zu ihnen kommen kann. Das war zuerst ok, später gab es von der Tochter auch mal Nachfragen, dann hat sie genauer erklärt, was da gemacht wurde. Klar, es fällt nicht jedem leicht, darüber zu sprechen, aber wenn das immer so weitergegeben wird, dann kommt die Kinderwunsch-Behandlung nie aus der Tabu-Zone raus, in der sie manche Leute sehen und in der sie sich fühlen!


Hallo,
als ICSI-Zwillingsmama hab ich mir auch schon mal diese Fragen gestellt. Erst mal hab ich zu der Variante "romantische Liebesnacht" tendiert, also nichts davon erzählen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich mit meiner erwachsenen Tochter irgendwann mal auf das Thema komme und dann sage: "übrigens, du bist ja auch durch ICSI gezeugt.." kommt mir das auch sehr komisch vor.


Ich spiel den Gedanken von Jasna jetzt mal weiter. Das "ICSI-Kind" wird groß, bekommt selbst Kinderwunsch, es klappt nicht (gleich), fühlt sich alleine mit diesem Schicksal, will es nicht mit den Eltern/der Familie/ engen Freunden besprechen, weil es befürchtet, dass diese es nicht verstehen... Wäre es da nicht hilfreich, wenn Menschen offener damit umgingen und auch ermutigend: Wie oft weiß man es nicht, dass Leute Hilfe genutzt haben, dass es auch Erfolg hatte usw., weil viele (auch persönlich verständlicherweise) es mit sich ausmachen und es danach nicht mehr thematisieren wollen? Ich kann diese Entscheidung, nicht darüber reden zu wollen, weil es so persönlich ist, sehr gut nachvollziehen, versteht mich nicht falsch. Aber im Großen etwas ändern wird sich glaube ich eher, wenn den Leuten deutlicher wird, wie normal (im Sinne von häufig) Kinderwunschbehandlungen sind und auch für wie viele Menschen das Gebiet ein Sensibles ist. Wenn man es plötzlich im eigenen Umfeld mitbekommt, ist das für viele was Anderes, als wenn man immer nur davon liest.
Vielleicht hilft das auch bei der Überlegung, inwieweit man es mit dem Kind teilen will - auch wenn es wie eine Phrase klingt, sind ja die Kinder von heute die Gesellschaft von morgen, die mit Kinderwunsch, (ungewollter) Kinderlosigkeit usw. umgeht.
Ein Kinderbuch oder sowas wäre aber auch ein Zeichen dafür, dass es normaler wird. Wie schade, dass es sowas noch nicht auf Deutsch gibt!
Viele Grüße,
Leilei

Louette
27.07.2012, 09:54
Leilei, ein schöner und hilfreicher Beitrag.
Was mir gerade noch eingefallen ist, im u-Heft werden die Risikofaktoren der Schwangerschaft aus dem mutterpass eingetragen, nur als Zahl, aber mich hätte das als Kind neugierig gemacht. Und heute kann mans googeln.

Inaktiver User
27.07.2012, 10:41
Hallo Skippy,

meine Kinder sind auf natürlichem Wege entstanden, aber unnatürlich entbunden worden - per Kaiserschnitt. Mein Großer ist jetzt 5, und das Thema 'wie entstehen Babies' kam spätestens auf's Tapet, als unser Kleiner geboren wurde.

Ich hatte zuerst Hemmungen, über den KS zu sprechen, denn es ist ja schon etwas martialisches - ich wurde aufgeschnitten, damit man meine Kinder aus mir heraus holen konnte. Irgendwann habe ich meinem Sohn einfach erklärt: Ja, normalerweise kommen die Babies aus der Scheide der Mutter, aber bei uns war das anders. Ich habe ihm die Narbe gezeigt und es ganz sachlich erklärt.

Gut, mein Großer ist jetzt noch etwas kleiner als Dein Sohn. Dennoch denke ich, Kinder kommen mit solchen Themen viel besser zurecht, wenn man kein großes Aufheben darum macht, sondern einfach normal und sachlich darüber spricht.

Heutzutage werden manche Kinder so und andere Kinder anders gezeugt, manche Kinder werden auf diese und andere Kinder auf eine andere Weise geboren, manche Kinder haben nur ein Elternteil, manche haben zwei Väter und Mütter. Kinder können, wenn sie mit den Verschiedenheiten in der Welt konfrontiert werden, diese oft viel besser akzeptieren als Erwachsene.

Viele Grüße,

central

PS: Über den Kaiserschnitt zu sprechen, ist mir u.a. auch deshalb schwergefallen, weil ich mir eine natürliche Geburt gewünscht hatte und lieber nicht aufgeschnitten worden wäre - so wie Du Dir sicherlich gerne die KiWu-Behandlung erspart hättest. Was belastend für die Mutter ist, muss aber keineswegs belastend für das Kind sein.

Inaktiver User
27.07.2012, 13:42
Danke für eure vielen Ueberlegungen und Anregungen und die Beruhigungen zum Thema Geschwister .

@Legrain: danke für die süssen kindgerechten Erklärungen

Das

kannst du auch sagen, dass der Papa nicht so viele hatte und der Arzt daher eine besonders schöne ausgesucht hat und sie direkt in Mamas Eizelle gepflanzt hat und er so entstanden ist. Ich denke, das wäre mein Ansatz.
finde ich auch eine sehr schöne Erklärung



Berichtest du, wie ihr es eurem Sohn erklärt?
Ja, obwohl ich es nun nicht timen werde sondern es zur Sprache bringen wenn es sich eben so ergibt. Ich habe mir das Buch hier: Bevor ich auf die Welt kam: Wie Babys entstehen [Gebundene Ausgabe]
Katerina Janouch (Autor), Mervi Lindman (Autor), Dagmar Brunow (Übersetzer) bestellt, da soll es auch ein Kapitel zum thema künstliche Befruchtung geben. Sonstige deutschsprachige Litteratur habe ich nicht gefunden (scheint wirklich noch ne Marktlücke zu sein denn interessieren tut es sicherlich ganz viele, also wer hat Lust die zu füllen?), dafür aber noch ein paar französische Bücher die super aussehen

- Zoé, bébé : autre mode d'emploi
Sylvie Tiné-Brissiau, Patrick Mallet
Ed. Association de compétences

-Constantin et l'in vitro
Lia Singh, Alain Longuet
Ed. Loisirs et pédagogie, 2000
Constantin ist durch IVF gezeugt worden, er möchte unbedingt einen kleinen Bruder. Seine Grossmutter spricht mit ihm über das Geheimnis unserer Existenz und sie erzählt ihm wie er ins Leben gefunden hat. Nach einem Abenteuer entdeckt Constantin dass sein bester Freund wie ein Bruder ist.

-"Graine de bébé" des editions "Albums NATHAN".
Das Buch beantwortet Fragen die kInder sich frühzeitig stellen, auch zur künstlichen Befruchtung und zur Kaiserschnittgeburt, mit einfachen Worten.
(Ce livre fait l’inventaire plutôt réaliste des questions que se posent certains enfants très tôt. Il y apporte des réponses précises et techniques, y compris sur la fécondation in vitro et l’accouchement par césarienne, avec des mots simples).

- maman ne m'a jamais dit...
- l'enfant qui n'existait pas
- la lionne solitaire et les bébés autruches
- en attendant Timoun


Wenn die Bücher da ist, werde ich sie zuerst lesen und schauen welche gut sind und dann werden wir sie erzählen und auch auf ihn beziehen und sehen was er damit anfängt und wieviel er wissen will. Ich werde berichten

@Leilei: ich finde deinen Beitrag auch super und unterschreibe ihn Wort für Wort, ich teile die gleiche Einstellung und lebe sie auch.


Hallo Skippy,
Dennoch denke ich, Kinder kommen mit solchen Themen viel besser zurecht, wenn man kein großes Aufheben darum macht, sondern einfach normal und sachlich darüber spricht.

Heutzutage werden manche Kinder so und andere Kinder anders gezeugt, manche Kinder werden auf diese und andere Kinder auf eine andere Weise geboren, manche Kinder haben nur ein Elternteil, manche haben zwei Väter und Mütter. Kinder können, wenn sie mit den Verschiedenheiten in der Welt konfrontiert werden, diese oft viel besser akzeptieren als Erwachsene.

Was belastend für die Mutter ist, muss aber keineswegs belastend für das Kind sein.

Absolut!
Ich glaube auch dass ich mir mehr einen Kopf drum mache, als es für meinen Sohn ein Problem sein wird, aber so sind Mütter halt :smirksmile:. Bisher hat es ihn null interessiert wenn wir es angesprochen haben, es war für ihn normal und sicherlich wird es auch so bleiben und ich mache mir nur unnötig Sorgen und Gedanken.

Liebe Grüsse

Inaktiver User
27.07.2012, 14:06
Hallo,

ich befinde mich gerade in Kinderwunschbehandlung und es weiß niemand in unserem Umfeld und eigentlich möchte ich es dabei belassen.

Ich würde es anderen Menschen sagen, wenn ich das Gefühl hätte, dass es mir weiter hilft aber das tut es nicht.
Ich bin ein Mensch, der sehr viel mit sich selber ausmacht und ich wüsste nicht wen ich einbeziehen könnte.
Meine Eltern haben genug eigen Probleme, meine Mutter ist krank.
Mein Schwiegereltern, die Beziehung ist distanziert, ich möchte mit ihnen keine so intimen Gespräche führen, habe meinem Mann aber freigestellt, es ihnen zu sagen wenn er möchte.

Freunde, mein Freundeskreis hat diverse Verknüpfungen zu meinem beruflichen Umfeld und da soll es wirklich niemand wissen.

Ob ich es meinem Kind (wenn ich denn noch eins bekomme) später mal sage, weiß ich noch nicht.

Ich denke aber man sollte die Bedeutung der Bahndlung für das Kind noch zu hochängen.

Ich denke nicht, dass die Art ihrer Zeugung für die Kinder und ihre Identität irgendwie von Bedeutung ist (anders als bei Adoption oder Spendersamen)
Für das Kind ist doch in erster Linie wichtig zu wissen, dass es gewünscht war und geliebt wird und ob die Eltern auch die biologischen Eltern sind. Beides ist bei einer ICSI der Fall, aber eben auch bei der Mehrheit der normal gezeugten Kinder.
Die Art der Zeugung macht das Kind nicht “anders”.

Als Mutter nach Kinderwunschbehandlung neigt man vielleicht dazu, die Bedeutung der Behandlungen für das Kind zu überschätzen, einfach weil es für einen selbst eine prägende und belastende Zeit war und da man so hart für das Kind kämpfen musste..
Aber das ist die Erfahrung der Mutter, und die lässt sich nicht auf das Kind übertragen.

LG

Wiesenkraut
27.07.2012, 21:17
ich finde in dem Strang wird sehr schön deutlich, dass es nicht DEN richtigen Weg gibt.
ich finde ob man es erzählt, ist ganz stark auch von der allgemeinen Art der Eltern abhängen. Sehr offene Eltern werden warscheinlich eher ihren Weg eher darin sehen, auch dem Kind zu erklären wie es entstanden ist.

Eltern die eher introvertiert sind, eher alles mit sich selbst ausmachen, für die ist es warscheinlich eher richtig, hier nichts zu erzählen.

Ich finde Bücher hilfreich, hab für mich selbst in allem aber die Erfahrung gemacht, dass das eigene Bauchgefühl hier der beste Ratgeber ist. Das fängt bei Aufklärung an (klar hab ich mir da Ideen in Büchern gesucht, aber geschaut was passt zu mir) und geht bei uns mit der Frage weiter, wieso die Schwester einen anderen Papa hat, die meine 2jährige jetzt stellt.

Ich denke so würde ich es auch bei einer ICSI, einem Kaiserschnitt oder ähnlichem halten.

Jasna schrieb

Mit einer Adoption ist eine ICSI für mich überhaupt nicht vergleichbar, das es hier nicht um die Elternschaft an sich, sondern nur um ein medizinisches Detail geht.

das ist für mich eine Frage des Blickwinkels, so wie es Eltern gab die nach einer Adoption noch leibliche Geschwister bekamen (obwohl das erst unmöglich schien), so gibt es eben auch Eltern die nach einer ICSI nochmal "normal" schwanger wurden und das mehr als einmal.

Ich verstehe nicht wieso man in den KiWu Kliniken da nicht auf vorhandenes Wissen zurückgreift und Nachbehandlungen anbietet. Oder wenigstens mit Institutionen zusammenarbeitet, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Denn wenn man mal googled ist Skippy nicht die erste die fragt "wie erklär ich es meinem Kind"

Es geht also nicht ums vergleichen sondern darum vorhandenes und bekanntes Wissen zu nutzen um daraus angepasste Lösung für den kompletten Bereich KiWu Behandlung zu entwickeln...

Irgendwer (ich glaube Skippy) sagte in 20 Jahren (nämlich dann wenn ICSI genau so normal ist wie Adoption) wirds das geben..es macht mir jedoch keiner weiss, dass die Anschlussfragen nicht jetzt auch schon in den KiWu Kliniken bekannt sind.
Genau so wie das Loch in das m. E nach einige Mütter nach einer erfolgreichen Behandlung fallen, wenn der Zwerg eben da ist und nicht alles "Sonnenschein" ist.

Inaktiver User
28.07.2012, 07:10
Ich verstehe nicht wieso man in den KiWu Kliniken da nicht auf vorhandenes Wissen zurückgreift und Nachbehandlungen anbietet. Oder wenigstens mit Institutionen zusammenarbeitet, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Denn wenn man mal googled ist Skippy nicht die erste die fragt "wie erklär ich es meinem Kind"

Es gibt schon Therapeuten, die mit Kiwukliniken zusammenarbeiten, gerade im Bezug auf diesen Themenkomplex aber auch als Begleitung während der Behandlunggszyklen. Allerdigs nehmen nur wenige Eltern dieses Angebot in Anspruch. Liegt keine krankheitswertige psychische Situation vor, müßten die Paare es selbst zahlen und da besteht sicher auch deshalb wenig Interesse, weil man ggf. gerade ein stolzes Sümmchen für die Behandlung selbst ausgegeben hat.
Dabei haben gerade IVF/ICSI Eltern besondere Situationen, die belasten können. Nicht müssen aber können.
Ich finde auch, daß deutlich mehr Angebote hermüssen. Die dann natürlich auch angenommen werden müßten, bei Bedarf.
Aber wie gesagt, ich glaube es ist oft eine Kostenfrage.


Was die Parallele zur Adoptionsdiskussion angeht, so sehe ich diese in einem Aspekt:

Wenn etwas verschwiegen wird, bzw. sogar auf Nachfrage des noch kleinen Kindes eine ganz andere "Entstehungsgeschichte" erzählt wird, könnte -ähnlich wie bei lange verschwiegenen Adoptionen- beim Kind einmal das Gefühl entstehen -wenn es dann irgendwann davon erfährt- daß mit ihm etwas nicht stimmt, bzw. an seiner Entstehung etwas "komisch" ist. Denn schließlich wurde es ja verschwiegen.
Das gäbe mir zu denken an der Option "Verschweigen".
In den USA machen viele KiWukliniken z.B. jedes Jahr ein Sommerfest für alle Kids und Eltern, die dort "entstanden" sind. Dort gibt es dann a) lecker Schnittchen und b) sowohl Eltern als auch Kinder haben Spaß und merken, daß es viele mit einer ähnlichen Geschichte gibt, daß sie keine Freaks oder Abnormalitäten sind.
Dort kann man dann von Anfang an ganz entspannt hingehen und das Kind wächst in eine Normalität seiner speziellen Geschchte herein.

MokeyFraggle
28.07.2012, 08:54
Fuer mich haette das keinerlei Relevanz und ich wuerde es auch nicht erzaehlen, es sei denn, der Sohn fragt direkt nach. Ich habe es so verstanden, dass der Vater auch der biologische Vater ist. Somit ist es doch egal...

Ganz ehrlich: natuerlich weiss ich, dass meine Eltern Sex hatten (mindestens einmal). Mehr will und muss ich nicht wissen :freches grinsen:
Meine Eltern hatten auch Schwierigkeiten mich zu bekommen (also hatten sie wahrscheinlich mindestens zweimal Sex :zwinker:). Aber wie das nun im Detail gelaufen ist, interessiert mich nicht.

Warum sollte der Sohn sich benachteiligt fuehlen? Er ist doch sogar noch sehnlichster gewollt als die anderen (da laenger geplant), und es wurde viel mehr Muehe und Nerven in sein Entstehen gesteckt, nehme ich an....

MokeyFraggle
28.07.2012, 09:02
Und noch was: Kinder muessen nicht alles im Detail wissen. Wie bin ich entstanden: Mama und Papa haben sich ganz doll lieb gehabt, ... Samen ... Ei ... Bauch ... Geburt.

Wer erzaehlt schon die Wahrheit: nach einer echt guten Oral-Sex Session [und andere Details] hatte Papa einen echt guten Orgasmus.... Nee.... zuviel Information.

nana04
28.07.2012, 10:40
nun auch noch mein senf dazu........

ich habe zwei icsi-kinder, welche aus dem selben behandlungszyklus entstanden sind - der grössere hat sich im frischzyklus festgebissen - der kleinere war zwei jahre 'eingefroren':ooooh:
na jedenfalls sind sie ja fast sowas wie zwillinge:freches grinsen:irgendwie oder so.........

persönlich mache ich mir wenig sorgen, was ihre entstehung angeht. ich werde meinen kindern wohl immer soviel erzählen wie sie wissen wollen........ ich werde mir auch genau dann überlegen, was ich sage und wie ich es erkläre, wenn fragen dazu kommen und das interesse der kinder stimmt...... kommt da wohl ziemlich aufs alter an.
ganz grundsätzlich teile ich die haltung von mokeyfraggle:freches grinsen:wer will schon genau wissen, wie er/sie gezeugt wurde....... mir reichts zu wissen, dass ich sehr gewünscht war und wohl im skiurlaub gezeugt wurde (zweiteres ist eigentlich schon nicht mehr nötig:smirksmile:)

aber ein geheimnis draus machen, würde ich meinen kindern gegenüber nie und nimmer....... genau wie schon beschrieben wurde, entsteht so am ehesten das gefühl bei ihnen, dass was komisch ist.
und letztendlich ist es doch wirklich auch toll zu wissen, dass die eltern ganz viel für ihre entstehung getan haben, weil sie ebend seeeehr erwünscht sind....... hmm.

NANA

Inaktiver User
28.07.2012, 11:27
Hallo
hui, interessante Diskussionen hier :smile:
Eigentlich hatte ich mit diesem Strang ja gar nicht die Absicht zu diskutieren ob man dem Kind von der ICSI/IVF erzählen sollte oder nicht, da es für mich selbstverständlich war mein Kind darüber zu informieren, aber ich finde die Diskussionen und die verschiedenen Ansichten dazu doch sehr interessant. Und ich glaube auch dass es hierfür nicht DEN Weg gibt und jedes Elternpaar das für sich entscheiden muss.

Die wichtigste Information für jedes Kind ist wohl einfach nur dass es gewünscht und mit Liebe gezeugt wurden, und das steht bei einer künstlichen Befruchtung und den damit einhergehenden Strapazen wohl nicht in Frage. Ich würde meinen "normal" gezeugten Kindern auch nicht die Details zu ihrer Entstehung erzählen, das stünde für mich nie zur Debatte und das geht sie nichts an, das ist eine Sache zwichen Mama und Papa :smirksmile:.

Aber ich finde das ich nicht vergleichbar mit einer ICSI, eine künstliche Befruchtung ist ein wichtiges Stück Familiengeschichte, es prägt die Beteiligten und ich glaube dass ein Kind das Recht hat seine Geschichte zu kennen und auch den Anfang davon, d.h. seine Entstehung, und ich habe nicht das Recht ihm diese vorzuenthalten.
Ich habe mal gelesen dass in der Psychanalyse gesagt wird dass man seine Geschichte eh unbewusst kennt. Dem Kind seine Geschichte zu erzählen bedeutet also nur ihm das Recht zu geben auch bewusst zu wissen was es unbewusst eh schon weiss und dass das wichtig ist denn wenn man ihm dieses Recht vorenthält, und es also diese unausgesprochene Wahrheit die es spürt nicht in Worten ausdrücken darf, dann kann es sein dass es dies mit Symptomen tun.

Insofern sehe ich auch schon viele Paralellen zur Adoption, obwohl es hier doch noch ein Stück weit einfacher ist da die Eltern auch die biologischen Eltern sind (wie man einem Kind eine Eizell- oder Samenspende erklären soll, mag ich mir gar nicht vorstellen). Ich glaube auch dass versteckte Wahrheiten oder Tabus die irgendwann zufällig entdeckt werden, mehr Schaden anrichten können, als eine Wahrheit die doch eigentlich nicht schlimm ist.

Aber obwohl ich diese Meinung vertrete dass das Kind seine Entstehungsgeschichte kennen sollte, kann ich auch durchaus Paare verstehen die sich dagegen entscheiden, das soll auch jedem seine persönliche Entscheidung sein, das Wichtigste ist wohl einfach zu seiner Entscheidung zu stehen.

Das mit dem Sommerfest der KiWukliniken in Amerika finde ich einen tollen Schritt Richtung Normalisierung und Enttabuisierung der Thematik, und um den Kindern von Anfang an zu zeigen dass es ganz viele Gleichgesinnte gibt und es nicht so speziell ist, es gibt eben in diesem «Club» dem sie angehören ein Sommerfest so wie in jedem Sportverein wo sie sind, also alles normal und easy.

Zu den Therapeuten: also bei uns konnte man psychologische Beratung vor und währenddem bekommen, wie das mit der Bezahlung war, ob das übernommen wurde, weiss ich nicht, aber nachher gab es nichts, so nach dem Motto: nun bist du schwanger und alles ist gut. Und das war es ja eigentlich auch, aber dass da doch manches zu verarbeiten ist, in der SS viele Aengste sind, sich nachher eben solche Fragen auftun,das stand nicht zur Debatte.
Und das was Wiesenkraut geschrieben hat:
"Genau so wie das Loch in das m. E nach einige Mütter nach einer erfolgreichen Behandlung fallen, wenn der Zwerg eben da ist und nicht alles "Sonnenschein" ist."
kommt wohl auch noch dazu. Ein solches Loch gab es für mich konkret jetzt nicht, aber es gab folgende Situation: als ich mein kleines Wunder im Arm gehalten habe, war die Freude und Dankbarkeit natürlich immens, irgednwann war es dann aber auch so dass Schlafmangel und Geschrei an den Nerven gezehrt haben und ich einfach manchmal überfordert und genervt war, ich habe mich aber lange nicht getraut mir hier eine Schwäche einzugestehen und das Recht mich zu beklagen weil ich einfach dachte dass die Dankbarkeit alles überwiegen müsste. Und es war schon ein Stück weit Arbeit an mir selbst und es hat gedauert bis ich so weit war mir einzugestehen konnte dass ich die gleichen Rechte habe wie alle anderen Mütter.
In dem Sinne, ja, wäre eine psychologische Begleitung im Nachhinein wohl auch angebracht. Ob ich eine solche angenommen hätte vermag ich nicht mal zu sagen, aber das Angebot sollte schon bestehen und sicherlich wäre die Anfrage hierfür da.

Zu den Büchern noch mal, sie sollen mir nicht die persönliche Erklärung ersetzen sondern nur eine Hilfe sein und ich finde für mein Kind ist es einfach normaler wenn es hierzu auch ein Bilderbuch gibt, es wird eben so zu einer ganz normalen Geschichte weil man sie auch in einem Buch finden kann. Leider gibt es kaum Bücher und von den wenigen die ich aufgestöbert habe sind einige auch nicht mehr erhältlich bzw nur bei den Autoren selbst, ich habe aber nun doch ein paar bestellt, obwohl ich die die mich am Meisten angesprochen habe nicht mehr gefunden habe, und werde berichten.

LG

Inaktiver User
28.07.2012, 13:33
Skippy, Danke für deinen Beitrag, du sprichst mir aus der Seele!:smile:
Wenn du magst, lass wirklich 'mal hören welches Buch/Bücher du für gut befindest, würde mich sehr interessieren.

Inaktiver User
28.07.2012, 14:29
Danke auch dir für deine interessanten Beiträge hier, hast du eigentlich auch ein IVF-Kind? (wenn die Frage nicht zu indiskret ist) :blumengabe:
Uebrigens hatte ich schon mal erwähnt dass die Repromediziner damals die allerbesten Ei und Samenzellchen ausgesucht hatten denn das Ergebnis ist einfach nur sehr sehr gelungen, zuckersüss und herzallerliebst, und einfach nur der tollste grosse Sohn der Welt :zwinker::freches grinsen::lachen:

Inaktiver User
28.07.2012, 14:36
Ja ich werde die Bücher aussortieren und schauen was gut ist und vor allem was zu uns passt, ich werde auch noch mal in englischer Sprache suche, da gibts sicher mehr Angebot, gestern habe ich eins gefunden zum Runterladen ("Les bébés naissent dans les éprouvettes"), genau zum Thema, aber überhaupt nicht die Art Buch die zu uns passt, das hilft mir auf jeden Fall nicht und wird mein Sohn nicht sehen. Ich hoffe es gibt noch Besseres.

Inaktiver User
28.07.2012, 15:08
Danke auch dir für deine interessanten Beiträge hier, hast du eigentlich auch ein IVF-Kind? (wenn die Frage nicht zu indiskret ist) :blumengabe:
Uebrigens hatte ich schon mal erwähnt dass die Repromediziner damals die allerbesten Ei und Samenzellchen ausgesucht hatten denn das Ergebnis ist einfach nur sehr sehr gelungen, zuckersüss und herzallerliebst, und einfach nur der tollste grosse Sohn der Welt :zwinker::freches grinsen::lachen:

Ui, ist das gar nicht klar geworden?
Ja, sicher!:smile: ICSI in da' house! Der beste Schritt meines Lebens! Und stehe irgenwann natürlich auch vor dem Erzählen des "Wie". Das "Ob" ist für mich auch keine Frage.

Inaktiver User
28.07.2012, 15:28
Was die Reaktionen der Kinder auf Enthüllungen der Eltern bezüglich der Zeugung angeht:

Ich war (und bin) eine Verfechterin der Wahrheit. Die Kinder spüren Familiengeheimnisse, ich hab das selbst erlebt und es hat mich mehr durcheinander gebracht als die Wahrheit.

Bei mir war es nur die Tatsache, dass der Mann, der von Geburt an ihr Paps war, nicht ihr leiblicher Vater war.
Ich hab ihr erzählt, wie wir uns kennenlernten und dass der Paps total begeistert war, dass sie in meinem Bauch wohnt und sie liebgehabt hat, seit sie 10 cm gross war.

Dann kam sie mit 7 Jahren nachdenklich vom Bio-Unterricht nachhause und fragte: Und wer war eigentlich der Mann, der mich gemacht hat? :zwinker:

Ich hab Blut und Wasser geschwitzt, ihr aber die Wahrheit gesagt.
Ich dachte, es wäre der Schock des Tages für sie..
Doch nach meiner Erklärung hüppte sie vom Sofa und fragte: "Okay. Was gibt's denn zum Abendbrot?"

Wiesenkraut
28.07.2012, 17:46
Zu den Büchern noch mal, sie sollen mir nicht die persönliche Erklärung ersetzen sondern nur eine Hilfe sein und ich finde für mein Kind ist es einfach normaler wenn es hierzu auch ein Bilderbuch gibt, es wird eben so zu einer ganz normalen Geschichte weil man sie auch in einem Buch finden kann. Leider gibt es kaum Bücher und von den wenigen die ich aufgestöbert habe sind einige auch nicht mehr erhältlich bzw nur bei den Autoren selbst, ich habe aber nun doch ein paar bestellt, obwohl ich die die mich am Meisten angesprochen habe nicht mehr gefunden habe, und werde berichten.

ich hab da noch eine Idee, weiss aber nicht ob sie so ohne weiteres umzusetzen ist, zum einen müsstest du den Entwicklungsstand deines Sohnes schon recht gut kennen und es müsste das Material dass du brauchst im Internet geben oder eben auf Fotos.
Was wäre denn, wenn du ein Buch selbst gestaltest (was es noch nicht gibt, kann ja durchaus entstehen *g). Die Idee kam mir durch die Geschicht von Sleepi. Einen ähnlichen Fall hab ich im Bekanntenkreis und die Mama hat eben das Fotoalbum entsprechend gestaltet. Da sind Ultraschallbilder drin und ab der Xten Woche sieht man dann dann den "Papa", den Bauch streicheln.

ich weiss nicht gibts Fotos von den geteilten Zellen z.b? dann könnte man doch auch ein Buch selbst machen.

Zu Familiengeheimnissen:
ich hab da noch so eine Story aus meiner eigenen Geschichte. Meine Mutter hat meinen Vater weder beim Jugendamt angegeben noch mir irgendwas erzählt. Sie hat eigentlich kein Geheimnis draus gemacht, aber es war eben unausgesprochen und das andere Kinder Väter hatten und ein paar Kinder nicht mir spielen durften weil ich unehelich bin, fiel mir natürlich schon auf.
Irgendann schnappte ich dann auf, dass manche Priester Kinder bekommen und dass das gar nicht sein darf. Ab da war völlig klar wer mein Vater ist und ich machte überall den armen Pfarrer zu meinem Papa :pfeifend:

Inaktiver User
28.07.2012, 20:35
@Wiesenkraut, die Idee an sich finde ich schon gut nur scheint die mir doch zu aufwändig wenn man es dann auch gut und kindgerecht machen möchte und ich bin nicht der kreative Künstlertyp. Sicher Bilder würden sich finden lassen, aber das wären dann wohl eher Erwachsenenbilder, Fotos, und ich möchte kindgerecht gemalte Bilder, USFotos von dem Zellchen gab es natürlich, aber die habe ich nie mitbekommen und mein Gyn wäre sicher nicht bereit mir die nun rauszusuchen. Und bei den ersten USbildchen streike ich selbst dann, denn es waren am Anfang 2, und obwohl mein Sohn vom Zwillingssternengeschwisterchen weiss und es einen Platz in seinem und unseren Herzen hat, möchte ich doch momentan noch nicht dass er die dazugehörigen Bilder sieht, dafür ist er dann doch noch zu klein.
Danke aber für die Anregungen und Überlegungen!
Und die Pfarrergeschichte ist ja lustig *g*

leandra28
28.07.2012, 23:10
Mensch, hier wurden ja noch viele interessante Sachen geschrieben, und ich würde zu so vielem gerne noch was sagen. Aber ich habe gerade weder Zeit noch Ruhe dazu, da wir morgen früh für 11 Tage verreisen. Ich lass mir das alles noch mal durch den Kopf gehen und schreibe dann danach noch mal was dazu.

Besonders stört mich in unserem Fall (IUI, also keine ICSI), dass ich dann ja irgendwann mal erklären muss, dass der Papa in einen Becher ..., und dass der Doktor die Schwimmerchen dann gewaschen und sortiert hat und daraus die besten der Mama dann in die Gebärmutter gespritzt hat ... Alles in mir sträubt sich dagegen, dass sich mein Sohn (ja, es ist eben auch ein Junge, bei einem Mädchen wäre es vielleicht noch was anderes) dazu Bilder im Kopf macht.

Aber wie gesagt, ich werde noch mal in mich gehen und mich mit etwas mehr Ruhe noch mal zurückmelden.

Und genau, Skippy, berichte unbedingt, wie es bei euch diesbezüglich weitergeht!

Inaktiver User
28.07.2012, 23:23
Naja, soooo genau wollte ich nun eigentlich nicht werden, zumindest nun noch nicht wo er noch nicht mal 7 Jahre alt ist :zwinker:. Und so genau wird er nun wohl auch noch nicht nachfragen und hinterfragen und wenn das dann der Fall sein wird, sollte er es jemals so genau wissen wollen, dann wird er auch reif genug sein das zu verstehen :cool:.
Schöne Ferien, fahrt ihr dahin wo ich denke?

leandra28
28.07.2012, 23:28
Ja, Skippy, genau dahin! :smirksmile:

Nee, schon klar, dass solche Details erst viel viel später erfragt würden (ich würde mich auch immer daran halten, nur soviel zu sagen, wie das Kind fragt), aber irgendwann würden sie halt erfragt. Vermute ich zumindest.

Naja, wie gesagt, ich bin jetzt erst mal weg! :smile: Muss auch noch einige kleine Handgriffe machen (und habe heute schon den ganzen Tag fiese Halsschmerzen - oh nein, bitte nicht krank im Urlaub!!) und mich daher etwas sputen.

Wiesenkraut
29.07.2012, 08:30
*lach*
wenn ich so rückwirkend meine Kinder betrachte, haben sie am meisten mit 7-8 gefragt, ich denke auch dass es langt wenn man in dem Alter sagt, dass der Arzt sich die fittesten Schwimmerchen/ Samen ausgesucht hat. Ich nehme an, dass du mehr nie erklären musst.
Mit 7 ist er zu kleinen um den Rest zu verstehen und wenn er mit 11-13 alt genug ist um erste Erfahrung mit Samenflüssigkeit zu haben, wird er sich den Rest denken:smirksmile:

MokeyFraggle
29.07.2012, 13:41
Aber ist es denn wirklich ein "Geheimnis"? Ich wuerde ICSI nicht ueberbewerten. Wie hier schon jemand geschrieben hat, ist es sehr einscheindend und belastend fuer die Eltern in der ICSI Zeit. Andere Leute haben damit aber kein Problem und sehen das als normal an (zumindest der Grossteil der westlichen Bevoelkerung). Es ist eine Art, Kinder zu zeugen, wenn es auf normalen Wege Schwierigkeiten gibt. Punkt.

Ist es ein "Geheimnis", dass ich heute schwarze Socken trage? Ich erzaehle es nicht jedem, aber wer fragt, bekommt eine Antwort. Ich weiss, der Vergleich hinkt etwas, aber ist ICSI fuer das Kind wirklich relevant? Fuer mich waere es das nicht...

Wenn man es als "ich muss dir was sagen"-Beichte verkauft, wird es meiner Meinung nach ueberbewertet und das Kind faengt an, sich zu fragen, ob es "anders" ist...

Wiesenkraut
29.07.2012, 15:38
ich glaub es geht nicht um "Geheimnis" sondern wie Skippy schon sehr passend sagte, es ist einfach etwas was die Familie mit prägt und wenn man - so wie Skippy sehr offen damit umgegangen ist im Bekanntenkreis (was ich persönlich klasse finde), dann finde ich, ist es der logische Schritt auch mit seinen Kindern offen damit umzugehen, denn spätestens wenn irgendein Bekannter es "erwähnt" in Gegenwart des Kindes wird es zum "Geheimnis". Ich bin sicher, spätestens dann taucht die Frage auf "wieso habt ihr mir das nicht erzählt".

Ich denke überhaupt, dass sich dieser offene Umgang ja nicht nur auf "ICSI" bezieht sondern in der Natur der Eltern liegt, da wäre es doch merkwürdig diesen Teil auszuschließen.


Aber wenn ich Skippy richtig verstehe, stellt sich die Frage nach dem OB für sie überhaupt nicht, diese Frage hat sie für ich schon geklärt. Nach wie vor halte ich Legrains Beitrag "ich erzähl nur soviel wie gefragt wird", für den besten Rat. Ich würde erstmal ansetzen und sagen "bei dir war das ein bischen anders" und dann warten was und ob was kommt...die Fragen des Kindes steuern dann das weitere Gespräch.

Hillie
29.07.2012, 16:22
dass ich dann ja irgendwann mal erklären muss, dass der Papa in einen Becher ..., und dass der Doktor die Schwimmerchen dann gewaschen und sortiert hat und daraus die besten der Mama dann in die Gebärmutter gespritzt hat ...

Ich bin zwar eine total Unbeteiligte, aber mit pädagogischem Hintergrund.
Ich möchte das bestätigen, was hier auch schon mehrfach gesagt wurde: nur das beantworten, was auch gefragt wurde. Das habe ich bei all meinen SchülerInnen (egal wie alt sie waren) im Biologieunterricht so gehandhabt.

@leandra
ich würde ganz einfach sagen: der Papa hat seinen Samen nicht der Mama, sondern dem Doktor gegeben und der hat die schnellsten ausgesucht und sie der Mama in die Gebärmutter gegeben.

Inaktiver User
29.07.2012, 17:06
@Wiesenkraut: danke, ich unterschreibe deinen Beitrag Wort fuer Wort, genau das wären auch meine Worte gewesen.
Und nein ich wollte hier eigentlich nie das OB diskutieren, das stand fuer mich nicht in Frage, aber ich finde die Beiträge und unterschiedlichen Meinungen dazu trotzdem interessant.

Inaktiver User
29.07.2012, 17:27
Gar nicht.

Ich würde meinem Kind auch nicht erzählen, wie der GV während der Empfängnis konkret aussah. Alles, was das Kind wissen muss, ist, dass es Willkommen ist, und so geliebt wird, wie es ist. Es handelt sich hier nicht um eine Adoption oder ein "Familiengeheimnis", sondern die Empfängnis, die eben kein Liebesakt, sondern eher technischer Natur war.

Wie oft, denkt Ihr, ist die ICSI denn überhaupt noch Thema, wenn das Kind erst einmal geboren ist? Bei meiner Freundin, die im Februar nach ICSI ihr Kind bekam, ist das Thema seit Feststellen der Schwangerschaft schlicht durch. Wen interessiert das noch?

Womit wollt Ihr Eure Kinder eigentlich noch überfrachten und belasten? Und wann wäre der "richtige" Zeitpukt für eine solche Aufklärung? Wollt Ihr so etwas ernsthaft mit einem Kind VOR dessen Pubertät besprechen? Ist Euch bewusst, dass Kinder solche Dinge oft gar nicht so genau von ihren Eltern wissen möchten? Ich kann mich lebhaft daran erinnern, dass ich die "Aufklärung" seitens meiner Mutter, als diese mit meinem Bruder schwanger war - ich war 7 - ganz grauenhaft fand, und davon überhaupt nichts wissen WOLLTE. Mutti hatte da aber wohl ein Mitteilungsbedürfnis :knatsch:.

Ein bisschen mehr Respekt vor der oft noch magischen Kinder-Gedankenwelt wäre mal ein guter Anfang. Respekt davor, dass es so etwas wie Privatsphäre auch bei Kindern und Eltern gibt, kann auch nicht schaden.

Ich bin entsetzt, dass Ihr erwägt, mit KINDERN solche Gespräche zu führen.

Wiesenkraut
29.07.2012, 18:04
Sorry hier muss ich nun doch, und ich bringe auch den beruflichen pädagogischen Background mit


Womit wollt Ihr Eure Kinder eigentlich noch überfrachten und belasten? Und wann wäre der "richtige" Zeitpukt für eine solche Aufklärung? Wollt Ihr so etwas ernsthaft mit einem Kind VOR dessen Pubertät besprechen? Ist Euch bewusst, dass Kinder solche Dinge oft gar nicht so genau von ihren Eltern wissen möchten?

deshalb wurde hier mehrfach der Tip gegeben, nur auf das zu reagieren wonach gefragt wird!.
Kinder haben einen gesunden Selbstschutz. Sie fragen niemals mehr, als sie wirklich wissen wollen und sie nehmen dann auch nur das auf was ihr Kindlicher Verstand aufnehmen kann.

Ich find es nicht fair, nur weil du anderer Meinung bist, denen die mit der Thematik offen umgehen ein schlechtes Gewissen machen zu wollen.

Schade find ich es ausserdem da die Diskussion bisher sehr sachlich war.

Inaktiver User
29.07.2012, 18:14
Na dann hat sich das Thema doch eigentlich von selbst erledigt, nicht wahr? Oder steht zu erwarten, dass ein Kind von sich aus fragt: Du Mama, wie war das eigentlich, als Ihr mich gezeugt habt?

Sachlich fand ich die Diskussion bisher eigentlich nicht sonderlich - sachlich wäre meinem Empfinden nach, sich mit der Erfahrungswelt, der Wahrnehmung, der Weltsicht von Kindern auseinander zu setzen (Thema magisches Denken beispielsweise) und sich zu fragen, inwiefern ein solches Thema dort wie hinein passt.

Was Du mit "sachlich" meinst, ist wohl eher: harmonisch. Es gab keine Kontroverse. Den kontroversen Aspekt bringe ich nun ein. Sachlich ist das nicht, und will es auch gar nicht sein, denn, wie gesagt: ich finde den Gedanken, beispielsweise ein Kind von sechs oder sieben Jahren mit einem solchen Thema zu konfrontieren, sehr abschreckend. Kinder sind keine Miniatur-Erwachsene. Man darf ihnen vieles zutrauen, sicher, aber sie müssen nicht über jeden Aspekt, der mit ihrer Entstehung zu tun hat, informiert werden. Ich stelle mir gerade vor, wie man einem Dreikäsehoch erklärt, dass er in dem Moment empfangen wurde, in dem Papa Mama gerade a tergo beglückte. Wunderbar.

Gänzlich unsachliche Grüsse (trotz durchaus profundem, wenn auch nichtpädagogischem Background)
c_f

Inaktiver User
29.07.2012, 20:35
Ich finde es auch sehr schade welche Wendung und welcher Tonfall nun hier reinkommt. Ich möchte auch gar keine Streitdiskussion zu einer Frage die ich überhaupt nicht gestellt habe und die für mich gar nicht der Inhalt dieses Strangs sein sollte. Aber da ich mich hier doch persönlich angegriffen fühle möchte ich doch gerne ein paar Worte dazu sagen.

Ich finde es absolut falsch in den Raum zu stellen ich würde mein Kind überfrachten und belasten und keinen Respekt vor seiner magischen kindlichen Gedankenwelt zu haben und ihm diese nehmen, denn das tue ich definitiv nicht und, keine Sorge Wiesenkraut, ein schlechtes Gewissen hat sie mir hier überhaupt nicht gemacht, denn ich stehe voll zu meiner Entscheidung und ich bin überzeugt dass sie richtig ist.
Ich tue nichts anderes als meinem Kind die Wahrheit über sein Leben zu sagen und es hat ein Recht dies zu wissen.
Und ich werde ihn damit nicht überfordern und belasten, ich werde das in einer kindgerechten liebevollen Art und Weise tun und ich habe diesen Strang zum WIE eben grade ins Leben gerufen weil ich mir Gedanken drum mache wie ich es ihm am Besten vermitteln kann ohne seine kindliche magische Gedankenwelt zu belasten. Aber dies wird nicht geschehen denn letzendlich ist die Botschaft auch dass er sehr gewollt und herbeigesehnt war und die ist doch nur positiv für ihn.

Und C_f du meinst ein Kind wird von sich aus nicht danach fragen, mein Sohn hat mir aber eben letzte Woche als wir (aus gegebenem Anlass) ein (Kinder)aufklärungsbuch angeschaut haben, die Frage gestellt ob das auch so gewesen sei als er in Mamas Bauch gekommen ist, und ich habe ohne zu zögern nein geantwortet. Und genau deshalb, weil er die Frage zu seiner Entstehung gestellt hat, setze ich mich nun damit auseinander (obwohl es auch vorher nie ein Geheimnis war) und nicht weil ich ihn aus heiterem Himmel aus seiner hellblauen Kinderwelt rausreissen will. Kinder sind neugierig und stellen Fragen und Kinder können mit Wahrheiten umgehen.
Was hättest du denn in meiner Situation gemacht, hättest du deinem Kind gradeaus ins Gesicht gelogen und ja gesagt. Tut mir leid aber das finde ich absolut falsch und auf so einer Basis soll unsere Familie nicht funktionnieren. Ich möchte dass meine Kinder offen zu mir sind und mit mir über alles reden können, also muss es umgekehrt auch so sein, so funktionniert gegenseitiges Vertrauen und das ist Basis in unserer Familie, genauso wie Offenheit und Ehrlichkeit!

Inaktiver User
29.07.2012, 21:15
sachlich wäre meinem Empfinden nach, sich mit der Erfahrungswelt, der Wahrnehmung, der Weltsicht von Kindern auseinander zu setzen (Thema magisches Denken beispielsweise) und sich zu fragen, inwiefern ein solches Thema dort wie hinein passt

Genau das tue ich!

Warum sonst meinst du hätte ich diesen Strang ins Leben gerufen, warum sonst suche ich kindgerechte liebevolle Bucher zum Thema? Und warum sonst setze ich mich überhaupt mit dem Thema auseinander?

Es wäre einfacher es totzuschweigen und ihn anzulügen.

Ich tue es weil mein Sohn mir sehr wichtig ist und weil ich absoluten Respekt vor seiner Wahrnehmung und Weltansicht habe und weil ich eben darum die beste Möglichkeit suche es ihm so banal und so normal wie möglich zu vermitteln. Und weil eben dadurch dass ich offen hier zu ihm bin und normal darüber spreche und es kein Tabuthema ist, es auch für ihn normal sein wird.

Tirza
29.07.2012, 21:33
Skippy, ich bin nicht Betroffene, aber finde deine Herangehensweise super! :wangenkuss:- Und nebenbei das Thema sehr spannend. Veränderungen in der Gesellschaft/ Medizin erfordern eben nun auch einen veränderten Aufklärungsunterricht. (-wenn ich überlege, wie Homosexualität noch in meinen Biobüchern behandelt wurde...).

Die Idee mit dem eigenen Buch finde ich toll. Wäre aber vielleicht was für später.

Vielleicht sollte man mal so eine Frage an die Maus schicken Die könnten einen passenden Film dazu drehen.:zwinker:

Viele Grüße von einer Pädagogin, die einen viel fragenden Sohn hat :smirksmile:

Wiesenkraut
29.07.2012, 21:35
Thema magisches Denken beispielsweise

das macht aber bei einem fast 7jährigen (siehe Startpost) gar keinen Sinn sich hierrüber noch auszutauschen.

der junge Mann ist in dem Alter mit hoher Warscheinlichkeit aus der magischen Phase raus. Die meisten Kinder verlassen diese Phase mit dem Schulalter. :smirksmile:


Was Du mit "sachlich" meinst, ist wohl eher: harmonisch. Es gab keine Kontroverse.

sicher gab es die, es gab durchaus auch Frauen die die Meinung vertreten haben, nichts zu sagen wäre korrekt. Allerdings haben diese gesagt "ich würde es nicht tun", nicht denen die es doch tun "Überfrachtung" vorgeworfen


so, ich geh nun meine Tochter ins Bett bringen, der ich AUCH weiterhin alle Fragen beantworte und mit der ich so offen wie möglich agiere

Inaktiver User
29.07.2012, 21:46
Wie oft, denkt Ihr, ist die ICSI denn überhaupt noch Thema, wenn das Kind erst einmal geboren ist? Bei meiner Freundin, die im Februar nach ICSI ihr Kind bekam, ist das Thema seit Feststellen der Schwangerschaft schlicht durch. Wen interessiert das noch?


Es ist ja schön, dass es für Deine Freundin so war. Für die hier im Strang diskutierenden Frauen war das Thema ICSI offenbar nicht seit Feststellen der Schwangerschaft 'durch'.



Womit wollt Ihr Eure Kinder eigentlich noch überfrachten und belasten? Und wann wäre der "richtige" Zeitpukt für eine solche Aufklärung? Wollt Ihr so etwas ernsthaft mit einem Kind VOR dessen Pubertät besprechen? Ist Euch bewusst, dass Kinder solche Dinge oft gar nicht so genau von ihren Eltern wissen möchten? Ich kann mich lebhaft daran erinnern, dass ich die "Aufklärung" seitens meiner Mutter, als diese mit meinem Bruder schwanger war - ich war 7 - ganz grauenhaft fand, und davon überhaupt nichts wissen WOLLTE. Mutti hatte da aber wohl ein Mitteilungsbedürfnis :knatsch:.


Mag ja sein, dass das bei Dir so war. Bei meinem Sohn hat meine Schwangerschaft mit seinem Geschwisterkind für Interesse an der eigenen Entstehung gesorgt. Und die dabei entstehenden Fragen habe ich beantwortet.

Ich finde es ein wenig befremdlich, mit welcher Aggressivität Du in diesen Strang einsteigst und dabei von Deinen Erfahrungen auf andere schließt.

Mailine
29.07.2012, 21:49
Ich finde es ein wenig befremdlich, mit welcher Aggressivität Du in diesen Strang einsteigst und dabei von Deinen Erfahrungen auf andere schließt.

Seh ich genauso.

Immer wieder erstaunlich, zu beobachten, dass Leute, die in einem Thema nicht drin sind, die ultimative Antwort haben.

Louette
29.07.2012, 23:09
Mein ICSI-Kind ist neun Monate alt und das Thema ICSI ist nach wie vor sehr präsent und wird es sicherlich auch bleiben.
Schon allein, weil mir bewusst ist, was für ein Wunder und Glück es ist, dieses Kind zu haben. Aber auch die schwierige Kinderwunschzeit ist präsent, sie hinterlässt Wunden, die zwar heilen, aber Narben hinterlassen. Diese Narben sind "wetterfühlig", wenn es wieder irgendwo eine Schwangerschaftsmeldung im Bekanntenkreis gibt, dann ziept sie, manchmal schmerzt sie auch. Und spätestens wenn der Gedanke daran kommt, dass ich mal viele Kinder haben wollte, also mindestens drei und jetzt dankbar sein muss, dass ich wenigstens eins habe, dann brennt sie ziemlich.
Wenn ich inmitten glücklicher Familien sitze, kommt es vor, dass ich denke, haben die es gut, die haben ein Kind/Kinder und dann erschrecke ich mich, weil ich habe ja auch ein Kind, aber das ist immer noch nicht 100%ig angekommen. Der Schmerz über die verlorene Leichtigkeit rund ums Thema schwanger werden, Kinder haben ist präsent und damit auch immer die Erkenntnis ohne ICSI gehts nicht.
Das war jetzt zwar etwas off topic, aber das musste mal raus und ist auch nur die Kurzfassung von alldem, was mir gerade so durch den Kopf geistert.

Inaktiver User
29.07.2012, 23:47
Skippy, ich bin nicht Betroffene, aber finde deine Herangehensweise super! :wangenkuss: :kuss:



so, ich geh nun meine Tochter ins Bett bringen, der ich AUCH weiterhin alle Fragen beantworte und mit der ich so offen wie möglich agiere :allesok:

Danke an alle für eure Bestärkungen


Mein ICSI-Kind ist neun Monate alt und das Thema ICSI ist nach wie vor sehr präsent und wird es sicherlich auch bleiben.
Der Schmerz über die verlorene Leichtigkeit rund ums Thema schwanger werden, Kinder haben ist präsent
Das war jetzt zwar etwas off topic, aber das musste mal raus und ist auch nur die Kurzfassung von alldem, was mir gerade so durch den Kopf geistert.

Nein, war gar nicht off-topic, da es ja in den Raum geworfen wurde dass das Thema abgeschlossen sein sollte, wenn es dann geklappt hat und man das kleine Wunder unter seinem Herzen trägt. Ich wollte ursprünglich auch darauf antworten und zwar ähnliches wie du, dachte aber dass das vielleicht falsch rüber kommt da ich ja das grosse Glück habe noch weitere Kinder bekommen zu haben. Hierzu möchte ich auch nicht mehr sagen, es sei nur gesagt, dass wohl eine grosse Portion Glück dabei war, es aber auch ein schwerer Weg war, mit grossen Verlusten, Zweifeln und Aengsten. Und ja das prägt. Es ist nicht so dass es täglich Thema ist oder man täglich dran denkt, aber Narben sind da und das auch noch nach 7 Jahren, und es gibt immer wieder Situationen wo es hochkommt (z.B wenn im Bekanntenkreis jemand ganz schnell schwanger wird, dann denke ich : Mensch und warum konnte das bei uns nicht so einfach sein).
Und Louette, ich drücke dir die Daumen dass du auch noch einmal ein Wunder erleben darfst :blumengabe:.

katha_v
30.07.2012, 04:58
Ein sehr interessantes Strangthema, vielen Dank dafür!

Ich bin selber überhaupt nicht vom Thema betroffen, aber ich möchte trotzdem aus eigener, ganz anderer Erfahrung die Einstellung unterstützen, den Kindern wahrheitsgemäß zu antworten und eben kein Geheimnis aus der Sache zu machen.
Dass man damit die Kinder 'überfrachtet', halte ich - sorry - für Blödsinn.
Eben weil Kinder noch 'magisches' Denken haben und vieles viel eher akzeptieren, was wir als Erwachsene problematisch oder zumindest 'anders' finden, ist es meiner Meinung nach das Beste, von vornherein - natürlich altersgerecht - das einfach zu einem Teil der gemeinsamen Geschichte zu machen.

Meine Familie war auch 'anders', als das so 'normal' war, aber es wurde nie ein Geheimnis draus gemacht: Ich habe meinen Vater nie kennengelernt, aber es stand immer ein Foto in meinem Zimmer und meine Mutter hat mir auch (ich weiß nicht, ab welchem Alter) sehr romantisch von meiner Entstehunggeschichte erzählt. Das Ergebnis für mich war, dass ich mich nie von selbst darüber gewundert habe, dass es bei uns irgendwie anders war als bei anderen Familien und dass ich höchstens stolz auf meine etwas andere 'Herkunft' war.
Schon klar, dass das was völlig anderes als ICSI und ähnliches ist, aber vielleicht lässt sich diese Kindersicht doch übertragen? :blume:

Ich glaube, dass wenn es für die Eltern ein wichtiger Teil der gemeinsamen Geschichte mit dem Kind ist, hat das Kind auch in gewisser Weise ein Recht darauf, daran teilzuhaben.
Und mal ehrlich, je nachdem, welche Faktoren da mitspielen oder für den Fall, dass den Kinder sonstwie mal selbst an künstliche Befruchtung denken 'müssen', will man dann doch nicht seinem erwachsenen Kind sagen müssen, ach ja, jetzt wo wir grad bei dem Thema sind, das war bei dir übrigens auch so... oder?

Abgesehen davon, dass ich es mir auch nicht vorstellen kann, meinen Sohn anzulügen - zumal, warum auch?
Es geht ja eben auch darum, dass es eben nichts schlimmes oder nachteiliges ist, auf anderem Wege gezeugt worden zu sein, und das wird doch den Kindern erst dadurch suggeriert, dass man sich darüber ausschweigt, oder?

Hoffe, das führte jetzt nicht zu weit von der Frage weg - und ansonsten werde ich mir überlegen, mal so ein Bilderbuch in Angriff zu nehmen :smirksmile:

Liebe Grüße!

nana04
30.07.2012, 08:40
louette: genau so geht es mir auch immer wieder - und das obwohl ich mittlerweile zwei kinder habe. ein weiteres gefühl, welches oft hochkommt, wenn ich zwischen vielen familien sitze ist: einsamkeit - ganz tief in mir drinnen. habe vor kurzem in meinem stammstrang dazu gepostet.......... irgendwie finde ich es beruhigend, dass du fast das identische fühlst bzw. schreibst:liebe::wangenkuss:

auch das gehört eigentlich nicht mehr in diesen strang - musste aber auch raus:smile:


NANA

Inaktiver User
30.07.2012, 09:16
Skippy,

Du hast Deine Entscheidung doch längst getroffen. Warum fällt es Dir so schwer zu akzeptieren, dass andere Menschen andere Sichtweisen haben, und Deine Entscheidung fragwürdig finden?

Genau das tue ich. Und ich bringe es abgrenzend zum Ausdruck.

Meines Erachtens entspricht es einer Überforderung auf verschiedenen Ebenen, ein Kind dieses Alters mit dem Thema zu konfrontieren. Hier wird das eigene Bedürfnis mit dem Bedürfnis des Kindes verwechselt, auf eine Stufe gestellt. Ich halte es für einen Mangel an Abgegrenztheit, so vor zu gehen.

Der Vergleich mit der Adoption hinkt. Es handelt sich bei ART nicht um fremdes genetisches Material, die Herkunft ist eindeutig geklärt, bei intakter Partnerschaft sind beide Beteiligte anwesend - sie waren nur nicht in der Lage, sich biologisch ohne technische Hilfsmittel fort zu pflanzen.

Relevant scheint dies in Hinblick auf gesundheitliche Fragen zu sein, aber das Studienmaterial ist noch relativ dürftig. Stellt sich beispielsweise die Frage: Was bewirke ich im Kind, das u.U. gesundheitliche Probleme hat, damit, dass ich es mit seiner "künstlichen" Entstehung konfrontiere?

Welche Relevanz hat die "künstliche Entstehung", wenn es gar keine gesundheitlichen Probleme gibt?

Welche Auswirkungen hat die Offenlegung hinsichtlich Geschwisterkonstellationen, beispielsweise bei Vorhandensein von Geschwistern, die auf biologisch vorgesehenem Wege empfangen wurden?

Eine weitere Frage wäre die, warum es notwendig scheint, ein Kind über eine komplexe Thematik aufzuklären, bevor es sie überhaupt wirklich verstehen kann?

Warum sollten Kinder alles wissen MÜSSEN? Geht es darum, dass sie das Verhalten der Eltern "absegnen"? Geht es darum, sich frühzeitig von der Last zu befreien, hier abgegrenzt eine nichtpartnerschaftliche Entscheidung treffen zu müssen?

Kurz: Geht es hier um das Kind und seine Erlebnis/Erfahrungswelt, oder um die beteiligten Erwachsenen?

Das sind meine Gedanken, die Du, Skippy, nicht teilen musst. Du musst aber damit leben, dass jemand, der Deine Gedanken, die Du hier einstellst, nachvollzieht, das Thema anders bewertet, und das auch zum Ausdruck bringt, auch wenn das Ungemach und Empörung im allgemein übereinstimmenden Harmonie-Kanon erzeugt.

Damit verabschiede ich mich wieder aus diesem Strang. Ist nicht mein Thema, und auch nicht mein Siebenjähriger. Du triffst für Dein Leben Deine eigene Entscheidungen, und musst sie "stehen" - dazu wünsche ich Dir alles Gute.

LG
c_f

Wiesenkraut
30.07.2012, 09:52
C_f wäre dein erstes Post in der Form wie dein jetziges geschrieben, hätte es hier denke ich keine solche Kritik gegeben.


Du hast Deine Entscheidung doch längst getroffen.
richtig, deshalb war die Fragestellung ja auch WIE und nicht OB :smirksmile:

@Louette
ich les im Hoffnungsstrang nicht mit, weil ich viel zu viel Angst habe in ein Fettnäpfchen zu treten und ohne Absicht offene Wunden weiter aufzureissen. Mir ist die gefühlsmässige Thematik einfach zu fremd und ich möchte niemand unbeabsichtigt weh tun.
Nach deinem Beitrag saß ich hier mit Gänsehaut und auch Tränen in den Augen. Du hast mir über ein paar Anker (also Bezügen zu meinem eigenen Dasein) deine/eure Gefühlswelt ein Stückchen näher gebracht ich danke dir dafür.

@Nana
und nun wirds wirklich OT. Ich hab recht früh meine Eltern verloren. Inzwischen bin ich über 40 habe selbst 3 Kinder lebe in einer Beziehung, aber diese Einsamkeit tief in mir drin wenn ich andere glückliche Familien sehe kenne ich.
Es hat mich erstaunt, dass es auch spätere Auslöser dafür gibt und werde bestimmt beim nächsten Mal wenn ich auf "heile" Familien treffe kurz an dich denken.

@Skippy die bücher stehen noch aus..bist du denn sonst irgendwie weiter, was das WIE betrifft?

Inaktiver User
30.07.2012, 11:38
So langsam nervt mich die Frage des OB man es erzählen sollte gewaltig, denn es ging mir nie darum und ich habe keine Lust mich hierfür rechtfertigen zu müssen, denn das ist nur unsere persönliche Entscheidung.

c_f: ich habe UEBERHAUPT kein Problem damit zu akzeptieren und damit zu leben dass andere Menschen andere Sichtweisen hierzu haben, im Gegenteil, ich habe gesagt dass hier jeder seinen Weg gehen muss und ich es verstehe wenn andere sich anders entscheiden. Ich habe EIN Problem damit wenn man mir vorwirft mein Kind zu überfordern und das aus dem Grund dass ich eine Last loswerden muss. Erstens nimmt er das problemlos auf und ja er hat auch spontan die Frage gestellt wie das Ei wieder in mich rein kam (Leandra :smirksmile:), denn Kinder dieses Alters stellen sehr wohl solche Fragen, und ich habe geantwortet: mit einer Spritze, und damit war die Sache für ihn erledigt, banale harmlose Antwort, mehr hat er nicht gewollt und gebraucht, wo bitte überfordere ich mein Kind hier? Nächste Frage, eine Sekunde später, war: Mama gehen wir morgen ins Schwimmbad. Und zweitens, und das habe ich auch schon X Mal gesagt, tue ich das nicht für mich (für mich wäre es andersrum einfacher), sondern für ihn, es geht mir darum dass er die Wahrheit zu seiner Geschichte kennt, und ob du dein Kind bei der direkten Frage nach seiner Entstehung angelogen hättest, würde mich doch sehr interessieren.

Und nun werde ich die OBfrage nicht mehr diskutieren, ich habe hierzu viel gesagt obwohl es nie der Inhalt dieses Strangs werden sollte, dies hier


Welche Auswirkungen hat die Offenlegung hinsichtlich Geschwisterkonstellationen, beispielsweise bei Vorhandensein von Geschwistern, die auf biologisch vorgesehenem Wege empfangen wurden?
c_f
das war Teil meiner Eingangsfrage und so was möchte ich diskutieren, ja. Dass es hier aufgrund der Offenlegung Probleme geben kann, das ist mir bewusst, ja, ändert aber dennoch nichts an meiner Entscheidung, und dazu würden mich Meinungen interessieren (ein paar gab es ja schon, danke) und ja die dürfen auch in beide Richtungen gehen und ich kann beides akzeptieren und möchte mich nur persönlich damit auseinandersetzen.

Inaktiver User
30.07.2012, 12:07
Du musst aber damit leben, dass jemand, der Deine Gedanken, die Du hier einstellst, nachvollzieht, das Thema anders bewertet, und das auch zum Ausdruck bringt, auch wenn das Ungemach und Empörung im allgemein übereinstimmenden Harmonie-Kanon erzeugt.

Damit verabschiede ich mich wieder aus diesem Strang. Ist nicht mein Thema, und auch nicht mein Siebenjähriger. Du triffst für Dein Leben Deine eigene Entscheidungen, und musst sie "stehen" - dazu wünsche ich Dir alles Gute.

LG
c_f

Ich denke, daß dieser Strang eben eher als Austausch unter "Gleichgesinnten" bzw. Menschen, die in der Thematik drin' stecken gedacht war.
Ich bin nicht die TE, aber rein gefühlsmäßig hat dein erster Beitrag einfach nicht gepasst.Sicher soll und darf sich ein Strang thematisch auch entwickeln und das durchaus auch von der engeren Ausgangsfrage weg (finde ich jedenfalls), aber man muß auch sehen, daß einfach nicht jeder Strang auf Konroverse angelegt ist.
Es gibt Stränge, die eröffnet man einfach nur, um sich auszutauschen mit anderen, die das Thema wohlwollend betrachten und Meinungen zu hören, die in die nun einmal selbst schon eingeschlagenen Richtung gehen.
Daran sehe ich auch nichts Verwerfliches, Kritikunfähiges oder besonders Harmoniebedürftiges.

Mann muß meiner Meinung nach auch einmal etwas so stehen lassen können, wie es ist- nicht jeder hat in jedem seiner Stränge Intersse daran, daß seine Entscheidungen in Frage gestellt werden.

Inaktiver User
30.07.2012, 12:56
(..) aber man muß auch sehen, daß einfach nicht jeder Strang auf Konroverse angelegt ist.
Es gibt Stränge, die eröffnet man einfach nur, um sich auszutauschen mit anderen, die das Thema wohlwollend betrachten und Meinungen zu hören, die in die nun einmal selbst schon eingeschlagenen Richtung gehen.
Daran sehe ich auch nichts Verwerfliches, Kritikunfähiges oder besonders Harmoniebedürftiges.

Mann muß meiner Meinung nach auch einmal etwas so stehen lassen können, wie es ist- nicht jeder hat in jedem seiner Stränge Intersse daran, daß seine Entscheidungen in Frage gestellt werden.

OT:

Nein, "man" muss das überhaupt nicht. Wenn "man" das möchte, ist ein Forum, ein öffentlicher Ort, nicht der rechte Platz. Wer hier ein Thema einstellt, muss damit rechnen, dass eben auch Beiträge kommen, die kontrovers sind. Ansonsten lade man ein handverlesenes Kränzchen zum heimischen Kaffeeklatsch, da hat "man" dann Hausrecht, und kann kontrollieren und beeinflussen, was sich entwickelt.

Zum Thema selbst habe ich geschrieben, was ich schreiben wollte, mehr gibt´s da für mich nicht anzumerken.

Inaktiver User
30.07.2012, 13:25
Ach Mensch c-f muss das sein, warum musst du das hier nun so drehen dass einem jegliche Lust am Weiterschreiben vergeht?
Ich sehe es auch so dass ein Strang sich weiterentwickeln kann und das hat er auch getan und ist in eine andere Richtung weitergelaufen als ich beabsichtigt hatte aber das war auch ok und interessant. Und ich denke auch dass man Kontroverse reinbringen darf, aber eben auf nette Art und Weise und nicht indem man jemanden angreift. Und ich denke auch nicht dass nur Betroffene hier schreiben sollten, ich bin offen fuer jegliche Meinung hierzu.

Nipa
30.07.2012, 14:29
Skippy: Zum Thema ICSI und wie man das Kindern konkret beibringt kann ich nicht viel sagen, da ich in keiner Konstellation davon betroffen bin. Du scheinst da aber ja auch schon den richtigen Weg gefunden zu haben. Ich melde mich trotzdem, weil ich es einfach für mich gut finde, wie du damit umgehst und um meine Erfahrung als Kind mit etwas anderer Entstehungsgeschichte als bei den Geschwistern zu schildern.

Meine Mutter hat mir schon sehr früh (wann genau weiß ich nicht mehr, vielleicht Ende Kindergarten/Anfang Grundschule?) erzählt, dass ich zu dem Zeitpunkt, zu dem ich kam, eigentlich gar nicht geplant war. Ich wusste auch, dass sie dafür eine Weiterbildung für einen familienfreundlicheren Beruf abbrechen musste, nicht weiterarbeiten konnte wie sie wollte... Eigentlich alles Komponenten, bei denen man denken sollte, dass ein Kind in diesem Alter damit überfordert ist, sich unerwünscht und den jüngeren (und geplanten) Geschwistern gegenüber zurückgesetzt fühlt. Meine Mutter hat es aber eben durch ihre absolute Offenheit in Kombination mit der Aussage, dass ich mich eben früher entschieden hätte zu kommen und meine Eltern sich sehr darüber gefreut hätten, immer geschafft mir im Gegenteil das Gefühl zu geben, dass ich etwas Besonderes und trotz allem sehr gewolltes war.

Meine Mutter selbst war ein "Dreimonatskind", was in dem sehr katholischen Dorf aber nur hinter der Hand getuschelt wurde. Sie hatte immer das vermutlich durchaus zutreffende Gefühl, dass ihre Eltern nicht verheiratet wären, wenn sie nicht gewesen wäre und dass es ohne sie besser gelaufen wäre. Dadurch, dass sie das nie offen ansprechen durfte, wurde alles deutlich schlimmer. Vermutlich deshalb hat sie sich bei mir für den anderen Weg entschieden und ich habe mich immer erwünscht und geliebt gefühlt.

sweethome
30.07.2012, 14:54
Nipa - Deine Erzählung fand ich sehr schön.

Auch ich kann zu dem Tehma ICSI nichts sagen - aber auch meine beiden Kinder waren nicht geplant zum jeweiligen Zeitpunkt, aber absolut erwünscht und freudig erwartet.

Genau so hab ich es Ihnen immer erklärt und sie können gut damit umgehen. Warum auch nicht? Hauptsache sie wissen, daß sie geliebt werden. Wie bzw. wann und wo auch immer sie entstanden sind :liebe:

Skalinchen
30.07.2012, 21:13
Skippy,

ich bin in einer ähnlichen Situation wie Du. Meine große Tochter ist aus einer Kryo nach ICSI entstanden, sie hat ein Jahr auf Eis gelegen, bevor sie zu mir zurückkam. Meine kleine Tochter ist unerwartet und ohne Hilfe zu uns gekommen.

Ich habe vor vielen Jahren mal einen Artikel gelesen, bei dem eine Frau erzählte, wie sie mit ihren Eltern gebrochen hat, weil diese ihr die künstliche Zeugung verschwiegen hatten. Diese Frau war wohl eine der ersten, die aus einer künstlichen Befruchtung hervorgegangen ist... Ich war damals gerade in Kinderwunschbehandlung und dieser Artikel hatte mich veranlasst, darüber nachzudenken, wie ich diesbezüglich mit meinem eigenen Kind, so es denn zu mir kommt, umgehen möchte. Nachdem es im vierten Versuch mit der Schwangerschaft geklappt hat, haben wir uns auch in der Familie und Freunden offenbart. Auch das ist ein Grund, weswegen meine Tochter von ihrer Entstehung wissen soll, denn warum sollten es Familie und Freunde wissen, sie aber nicht.

Ich habe mich entschlossen, nicht irgendwann ein großes Outing zu machen, sondern habe von Anfang an, wenn Fragen kamen, offen geantwortet. Allerdings versuche ich das nach meinem Bauchgefühl altersentsprechend zu machen. Das bedeutet, heute als Fünfjährige weiß sie, dass wir besonders lange auf sie gewartet haben und ein Arzt uns geholfen hat, damit sie zu uns kommt. Mehr weiß sie noch nicht.

Als ich dann mit der Kleinen schwanger war und wir uns ein Buch zum Kommen eines Geschwisterchens angeschaut haben, hat sie nicht weiter nachgefragt, wie sie oder die Kleine in den Bauch gekommen sind.

Mein Mann hat Sorgen, dass sich die Große irgendwann zurückgesetzt fühlen könnte, weil sie nicht auf natürlichem Wege entstanden ist. Ich habe die Sorge eher anders herum. Auch wenn meine kleine Tochter absolut erwünscht und sehr herbei gesehnt war, so war sie ungeplant und ich habe Sorge, dass die Kleine denken könnte, sie wäre nicht so gewünscht wie die Große gewesen. Vermutlich wird beides nicht der Fall sein, denn beide werden sehr von uns geliebt und ich meine, wir zeigen es ihnen auch ausreichend.

Neben der Tatsache, dass es Familie und Freunde wissen und deshalb auch die Kinder irgendwann wissen sollen, sind es für mich zwei Gründe, weshalb meine Tochter davon erfahren soll.
Zum einen ist die Reproduktionsmedizin noch recht neu und ich frage mich schon manchmal, ob es eine Erfahrung in irgend einem Sinne ist, wenn man als befruchtete Eizelle im Vorkernstadium eingefroren war - und das für ein Jahr.
Der andere Grund ist der, dass mich die Zeit der Kinderwunschbehandlung traumatisiert hat. Ich trage von dieser Zeit einige Narben, die auch nicht durch meine Kinder verschwunden sind. Diese Zeit gehört zu mir, ist Teil meines Lebens und ich möchte nicht einen Teil meines Lebens, der mich geprägt und zu der gemacht hat, die ich heute bin, verschweigen.

Interessant fände ich, wenn sich (eines Tages) die IVF- und ICSI-Kinder hier zu Wort melden und erzählen, wie ihre Eltern mit dem Thema umgegangen sind und wie sie das fanden. Die Repro-Medizin ist zwar jung, aber auch schon so alt, dass es junge erwachsene IVF- oder ICSI-Kinder geben müsste.

Alles Gute und bitte erzähle immer mal wieder, was Du Deinem Sohn wann erzählst und wie es euch damit geht,
Skalinchen

Mailine
30.07.2012, 21:41
Wenn ich ein IVF-Kind wäre, wäre mein Grundgefühl bedingungslos geliebtwerden, erwünscht sein. Was könnte schlecht daran sein, zu wissen, dass die IVF die Brücke zu den Eltern gewesen ist. Würde man sich nicht noch geliebter fühlen? Noch mehr als ein Wunschkind als man ohnehin ist?

Skalinchen
30.07.2012, 22:02
Sehe ich genauso, Mailine. Für mich ist es keine Frage, dass meine große Tochter sich genauso geliebt fühlt wie meine kleine Tochter (und dass die Art der Entstehung mit diesem Gefühl gar nichts zu tun hat).
Aber da ich das nur aus der Elternbrille betrachte, würde mich halt interessieren, ob es für ein IVF-/ICSI-Kind auch andere Aspekte gibt, auf die ich vielleicht gar nicht komme...

Inaktiver User
30.07.2012, 23:24
Daaaanke Skalinchen, endlich ein gleicher Erfahrungsbericht :kuss:, ich habe mich sehr gefreut deine Sichtweise hierzu zu lesen (die ich auch noch voll und ganz teile :smirksmile: und auch unsere bisherige Handhabung der Situation war wohl die Gleiche)

Und ich muss nun mal dies noch schreiben: ich lese den Hoffnungsstrang seit ewig mit und finde es cool dass nun hier so viele schreiben von denen ich immer gelesen habe :blumengabe:

Inaktiver User
30.07.2012, 23:28
[QUOTE=Skalinchen;18041081]
Mein Mann hat Sorgen, dass sich die Große irgendwann zurückgesetzt fühlen könnte, weil sie nicht auf natürlichem Wege entstanden ist. Ich habe die Sorge eher anders herum. Auch wenn meine kleine Tochter absolut erwünscht und sehr herbei gesehnt war, so war sie ungeplant und ich habe Sorge, dass die Kleine denken könnte, sie wäre nicht so gewünscht wie die Große gewesen. Vermutlich wird beides nicht der Fall sein, denn beide werden sehr von uns geliebt und ich meine, wir zeigen es ihnen auch ausreichend. [QUOTE]
Ja genau das sind auch meine Sorgen und Aengst hierzu, obwohl ich eigentlich in meinem tiefsten Innern auch weiss dass das wohl nicht so sein wird, da letzendlich die Liebe die sie spüren und die wir tagtäglich ausstrahlen für sie entscheidend sein wird und nicht ihre Entstehungssituation. Aber obwohl mein Bauch mir das eigentlich so sagt, muss mein Kopf doch hier weiterspinnen und das abzuschalten ist nicht immer so einfach :smirksmile:

Inaktiver User
30.07.2012, 23:33
Der andere Grund ist der, dass mich die Zeit der Kinderwunschbehandlung traumatisiert hat. Ich trage von dieser Zeit einige Narben, die auch nicht durch meine Kinder verschwunden sind. Diese Zeit gehört zu mir, ist Teil meines Lebens und ich möchte nicht einen Teil meines Lebens, der mich geprägt und zu der gemacht hat, die ich heute bin, verschweigen.

Und das hier habe ich ja auch schon oft zu erklären versucht und das ist das was Aussenstehende nicht verstehen können ("wenn das Kind dann da ist, ist ja alles gut") und was dann so manchen in der Betrachtungsweise fehlt. Nicht falsch verstehen, ist absolut nicht böse gemeint und ihr dürft ruhig weiter hier mitschreiben und eure Meinungen sagen die mich auch interessieren :blumengabe:, aber das möchte ich doch noch mal hervorheben.

nana04
31.07.2012, 07:20
.... noch ein paar gedanken....

ich denke auch, dass so wie du skippy und du skalinchen eure noch ehe kleinen kinder informiert, ist gut und befriedigend fürs kind. wenn sie mehr wissen wollen, werden sie mehr fragen........ das ist auch meine überzeugung.
nun denke ich selber, dass eine icsi für das kind (mindestens in diesem alter) nicht viel anders ist, als ein kaiserschnitt...... also in deren wahrnehmung. 'normalerweise' kommn ja kinder einfach mal so zur welt....... bzw. war das normalerweise vor 100 jahren. für ein kind ist es wohl heute so oder so normal, da ganz viele kinde durch den bauch ans licht kommen.
so stelle ich mich auch vor, dass es für ein kind genau so 'logisch' und 'normal' ist, ob es nun so oder anders in mamas bauch gekommen ist. von daher würde ich eine künstliche befruchtung auch stark vom thema adoption abgrenzen..... da dort halt eine zweite familie im spiel ist.
ich könnte mir eher vorstellen, dass zu einem späteren zeitpunkt, ethische oder moralische fragen dazu kommen. dafür müsste das kind jedoch schon eine eigene moralische entwicklung gemacht haben und das pssiert wohl erst im verlaufe des schulalters.......... da ich selber hinsichtlich dieses themas im reinen bin (was ethische fragen angeht), denke ich, dass ich mir einer allfälllig späteren diskussion und fragestellung auch gut stellen kann. sowas käme wohl eher im jugendalter ....... ich vermute jedoch, dass diese entstehungsweise für unsere kinder bereits absolut 'normal' sein wird.
wo ich mich wohl ziemlich zurückhalten werde - ist beim thema meiner eigenen traumatisierung bzw. belastung. hier habe ich mindestens bis jetzt eher die haltung, dass das mein eigenes 'lebensproblem' war/ist. für mich würden erzählungen dazu, wahrscheinlich erst im erwachsenenalter meiner kinder dazu kommen - wenn überhaupt........

da beide meiner kinder künstlich entstanden sind, muss ich mich nicht mit dem thema 'zurück gesetzt fühlen' auseinander setzen. oder vielleicht doch? weil die wundertüte im gegensatz zum nanerich auf eis gelegen hat??
grundsätzlich glaube ich aber, dass es für die kinder kein grosses thema sein wird - da ich wie gesagt vermute, es ist ähnlich wie das thema kaiserschnitt. ich nehme nicht an, dass ein kind darunter leidet, dass es per kaiserschnitt zur welt kam.........:smirksmile:

NANA

Skalinchen
31.07.2012, 08:31
Hallo Nana,
es geht mir nicht darum, meiner Tochter jetzt von meiner Traumatisierung zu erzählen. Das halte ich auch für eine Überforderung. Ich denke, sie wird ihre Entstehungsgeschichte genauer hinterfragen, wenn sie jugendlich oder erwachsen ist. Und dann möchte ich nicht mit einer großen Beichte kommen, deswegen bekommt sie heute schon Antworten auf ihre Fragen. So können nachher die tiefgründigen Gespräche auf einem guten Boden geführt werden, hoffe ich. Und wenn sie will, erzähle ich ihr dann auch, was das mit mir gemacht hat.
LG Skalinchen

nana04
31.07.2012, 09:02
skalinchen: das habe ich auch nicht so verstanden:smirksmile:

NANA

Mailine
31.07.2012, 09:04
Skalinchen, sollte ich jemals schwanger werden würde ich es handhaben, wie du es machst. :blumengabe:
Ich denke, es wichtig eine gute Basis zu haben um gegebenenfalls tiefere Gespräche mit dem erwachsenen Kind führen zu können. Für mich gehört unbedingte Offenheit dazu.
Wie sollte man, wenn man seinem Kind nie etwas erzählt hat, plötzlich damit rausrücken?
Du, da war noch was....
Man weiß es ja nicht, ob das Kind später mal selbst Probleme haben würde.
Ich denke, dass jede Frau und jedes Elternpaar das für sich entscheiden sollten, wie es für sie am besten ist. Da gibt es kein richtig und kein falsch. So wie es individuelle Kinderwunschwege gibt, den einen traumatsiert es, den anderen nicht, gibt es verschiedene Herangehensweisen.

Damit die Repromedizin gesellschaftlich kein Tabu bleibt, wäre ein offener Umgang innerhalb der eigenen Familie ein erster Schritt.

Es sollte irgendwann mal so normal wie möglich sein, dass es IVF-Kinder gibt.

legrain
31.07.2012, 09:28
Zum einen ist die Reproduktionsmedizin noch recht neu und ich frage mich schon manchmal, ob es eine Erfahrung in irgend einem Sinne ist, wenn man als befruchtete Eizelle im Vorkernstadium eingefroren war - und das für ein Jahr.
Der andere Grund ist der, dass mich die Zeit der Kinderwunschbehandlung traumatisiert hat. Ich trage von dieser Zeit einige Narben, die auch nicht durch meine Kinder verschwunden sind. Diese Zeit gehört zu mir, ist Teil meines Lebens und ich möchte nicht einen Teil meines Lebens, der mich geprägt und zu der gemacht hat, die ich heute bin, verschweigen.



das eigene trauma und das glück muss nicht durch verfrühte fixierung auf das zeugungsthema vermittelt werden werden.


ich würde in der familie geschichten von pionieren auf verschiedenen gebieten, und was sie an schmerzen und entbehrungen zu geben bereit waren, erzählen.
von philosophen und entdeckern, von bergsteigern, von den ersten am pol oder am mond, und von züchtern neuer blumensorten.
gleichzeitig würde ich die neugier der kinder begrüssen.

menschen mit starken zielen nehmen auf dem weg schwierigkeiten in kauf, ihre (pionier-)leistung wirft bei den zuschauern fragen auf, es ist in ordnung, die damit verbundenen ethischen grundlagen zu diskutieren.

meine vorfahren hatten einen erfinder einer von jedem menschen genützten sache gekannt, wir bekamen das schon als kleine sehr eindrucksvoll erzählt. und immer, wenn bei einem unwetter der strom ausfiel, schilderte man uns, wie edison aus not die glühbirne erfand. beispiele dieser art geben einem die idee mit, selbst irgendwo neue wege beschreiten zu dürfen und zu sollen.

ein erklären der erfolgten "eigenartigen zeugung" ist deduktiv, zerlegend, ich meine dass das dem kind wirklich einen schrecken versetzen kann, wenn man aber einem von sich aus endeckerfreudigen und neugierigen, in gedanken voranschreitenden kind erzählt, was die menschen alles erforscht haben, ist es im entsprechenden alter des heranwachsenden ein möglicher und logischer schritt, selbst ein kind oder ein geschwister"einer neuen methode" zu sein..

Wiesenkraut
31.07.2012, 09:30
Nana

wo ich mich wohl ziemlich zurückhalten werde - ist beim thema meiner eigenen traumatisierung bzw. belastung. hier habe ich mindestens bis jetzt eher die haltung, dass das mein eigenes 'lebensproblem' war/ist.

aus eigener Erfahrung würde ich das abhängig davon machen, ob die Traumatisierung Folgen für deine Kinder hat. Ist vielleicht nur bedingt vergleichbar, macht aber verständlich warum ich auch hier bedingt für Offenheit bin.
Ich hab 2005 ein Kind in der 26. SSW verloren. Seit ist ein Stück Grundvertrauen verloren gegangen.
Bis dahin bin ich davon ausgegangen, wer schwanger wird, es über die 12. SSW schafft der bekommt ein Kind und das Kind wird auch gesund erwachsen....nicht bewußt (auf der Ebene war mir durchaus klar, dass dem NICHT so ist) aber so für mich. Was mir gar nicht so bewußt war, ich bin dadurch auch ängstlicher geworden..auch bei meiner großen Tochter, die zu dem Zeitpunkt 8 war.

Irgendwann, ich glaube sie war schon 10, meinte sie "du hast mich gar nicht mehr so lieb wie vor "Anna", damals hast du mir nicht so viel verboten." Zum Glück, konnte meine Tochter den Zeitpunkt benennen. Ich hab ihr natürlich sofort versichert, dass ich sie NATÜRLICH noch genau so lieb habe wie vorher. Dann drum gebeten mir ein bischen Zeit zu geben zum nachdenken, weil mir eben die Veränderung gar nicht bewußt war.
Ich hab ihr nachdem ich selbst in mich reingefühlt habe und mir auch 2h bei einer Psychologin gegönnt habe (wir haben sowas zum Glück im Haus, und sie war mit meiner Geschichte vertraut) erklärt, warum ich mich veränder haben und die Angst, wurde für sie verständlich.
Wir haben vereinbart, wenn sie der Meinung ist, ich verbiete ihr zuviel sprechen wir jetzt drüber und suchen einen Kompromiss.

Das Fünkchen kennt seine Mama nur ängstlich. So hab ich erstmal keine Veranlassung ihr den Zusammenhang zu erzählen, aber auch hier hab ich es im Hinterkopf, sollte irgendwann mal von ihr ähnliches kommen.

Skalinchen:
von meinen Kindern sind zwei nicht geplant gewesen und der Große hat sich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt angekündigt. Ich durfte nur mit Sondergenehmigung mein Studium zuende machen, da ich eigentlich schon in Mutterschutz war. Er weiss dass er nicht geplant war, aber seine Lieblingsgeschichte ist, dass er mir geholfen hat mein Studium zu beenden. Seit der Grundschule erzählt er "meine Mama konnte ihre Diplomarbeit nur mit Eimer neben sich schreiben, weil sie immer geko....hat, weil ihr von mir so schlecht war. Aber als die vielen Fragen am Ende des Studiums kamen (mündliche Prüfung) hab ich ihr ganz viel geholfen. Ich hab für Wehen gesorgt, und die Professoren haben nur noch ganz leichte Fragen gestellt"
Dem Fünkchen werden wir wohl erzählen, dass sie uns geholfen hat zusammenzuziehen. Wäre sie nicht gekommen würden wir wohl immer noch getrennt leben.
Ich geh mal davon aus, dass sie das genau so begeistert erzählt wie der Große.
Ich glaube wenn man das so verpackt, dass die Kinder sich besonders fühlen und irgendwas gibts in jeder Familie - und ihr habts ja mit der Vorgeschichte in der Hinsicht fast noch leicht, eure "normal" entstandene Kinder sind ja ein echtes "Wunder" (bitte die "" Worte so nicht auf die Goldwaage legen ), dann fühlen sie sich auch ungeplannt durchaus geliebt

nana04
31.07.2012, 10:00
legrain: deine überlegungen und dein ansatz gefällt mir ausserordentlich:smile::blume:

wiesenkraut: stimmt was du schreibst - ich werde mir noch einmal gedanken dazu machen, inwiefern meine kinderwunschgeschichte, mich in bezug auf den umgang mit meinen kindern geprägt hat - und ob das für die kinder im alltag spürbar ist - z.b. mit mehr ängsten-vorsicht??
die zeit nach nanerichs geburt war ja zudem mehr als angstbeladen (intensivstation etc.)...... wir hatten panik unseren sohn gleich nach der geburt wieder zu verlieren. mit seiner diagnose haben wir aber sowieso eine besondere situation, welche in der familie noch zu vielen gesprächen führen wird:smirksmile:

NANA

Inaktiver User
31.07.2012, 11:16
Ui, so eine rege Diskussion hier, super, ich hab leider keine Zeit zum Mitreden da meine 3 Wirbelwinde hier rumwuseln und ihren Unfug treiben.

Nur kurz, punkto Traumatisierung, ich wollte das auch nicht so hinstellen als ob ich mein Kind damit konfrontieren würde, das werde ich nicht tun, nicht jetzt und nicht später, er soll die ICSI immer positiv sehen, und es ist auch nicht so dass es unser tägliches Leben beeinflusst und Folgen für meine Kinder hätte, in ihrem Leben spielt auch die ICSI eigentlich keine Rolle mehr, ich wollte damit nur sagen dass das eben auch mitspielt und diesen Aspekt manche Nichtbetroffene die hier geschrieben haben eben nicht nachvollziehen können.

@Wisenkraut: ja, aber, wenn auch nur bedingt vergleichbar, so finde ich deine Vergleiche doch hilfreich und interessant und diesen Satz von dir


Ich glaube wenn man das so verpackt, dass die Kinder sich besonders fühlen und irgendwas gibts in jeder Familie - und ihr habts ja mit der Vorgeschichte in der Hinsicht fast noch leicht, eure "normal" entstandene Kinder sind ja ein echtes "Wunder" (bitte die "" Worte so nicht auf die Goldwaage legen ), dann fühlen sie sich auch ungeplannt durchaus geliebt finde ich sehr schön und auch die Art wie ihr es bei euren Kindern verpackt :blumengabe:

Und den Satz


Damit die Repromedizin gesellschaftlich kein Tabu bleibt, wäre ein offener Umgang innerhalb der eigenen Familie ein erster Schritt.
unterschreibe ich voll und ganz :kuss:

Liebe Grüsse

Skalinchen
31.07.2012, 13:36
skalinchen: das habe ich auch nicht so verstanden:smirksmile:

NANA

Nana, das habe ich auch nicht so gedacht, ich wollte es nur richtig stellen, falls das jemand denken könnte. Da ich es aber an Dich adressiert habe, musste es so bei Dir ankommen, als ob ich denke, dass Du so denkst (komplizierter Satz...:peinlich:).
:kuss:

Skalinchen
31.07.2012, 13:40
Damit die Repromedizin gesellschaftlich kein Tabu bleibt, wäre ein offener Umgang innerhalb der eigenen Familie ein erster Schritt.

Es sollte irgendwann mal so normal wie möglich sein, dass es IVF-Kinder gibt.

Mailine, das sehe ich ganz genauso. Ich verstehe aber auch, wenn es Paare gibt, die das für sich ausmachen und nicht mit dem Kind teilen möchten. Die Gesellschaft ist halt weiter weg als die eigene Familie... Du hast es schon richtig geschrieben, jede Familie sollte das so handhaben, wie sie möchte. Das gilt für alle Familien, denn es gibt, glaube ich, keine Familien, in denen alles nur bilderbuchmäßig und planmäßig verläuft. Jede Familie hat Situationen, die sie prägt und die Bestandteil der Familiengeschichte sind.
:blumengabe:

Skalinchen
31.07.2012, 13:49
aus eigener Erfahrung würde ich das abhängig davon machen, ob die Traumatisierung Folgen für deine Kinder hat. Ist vielleicht nur bedingt vergleichbar, macht aber verständlich warum ich auch hier bedingt für Offenheit bin.


Wiesenkraut, das trifft es genau. Meine Traumata - die Kinderwunschbehandlung, aber auch der Verlust von vier Kindern in der Frühschwangerschaft (keinerlei vergleichbar mit Deinem späten Verlust), aber auch der frühe Verlust meiner eigenen Mutter - haben mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Ich bin auch eine furchtbar ängstliche Person geworden, ich trage auch Verbitterung in mir - trotz therapeutischer Hilfe. Das wirkt sich natürlich auch auf den Umgang mit meinen Kindern aus. Ich stelle ihnen gegenüber aber nicht die Verbindung her, dass ich so bin, weil ich in Kinderwunschbehandlung war oder Kinder verloren habe. Das wäre zum einen auch viel zu einfach, denn so kausal ist es meist ja nicht... Aber vielleicht verstehen sie im nachhinein als Erwachsene mehr, warum ich Dinge so gehandhabt habe, wie ich es jetzt handhabe... (ohne dass ich eine nachträgliche Absolution haben möchte, darum geht es mir nicht).

Skalinchen
31.07.2012, 13:55
das eigene trauma und das glück muss nicht durch verfrühte fixierung auf das zeugungsthema vermittelt werden werden.

Ich glaube, ich verstehe den Satz nicht richtig, magst Du das noch etwas ausführen?
Ich denke, dass weder bei Skippy noch bei mir ist eine verfrühte Fixierung auf das Zeugungsthema vorliegt. Es geht doch darum, wie gehe ich damit um, wenn Fragen zur Entstehung kommen. Und die kommen, meine Tochter hat das erste Mal als Dreijährige gefragt, wie Babys entstehen (damals habe ich ihr das sehr vage erklärt ohne irgend einen Bezug auf die ICSI, denn sie hat nur allgemein gefragt und nicht, wie sie selbst entstanden ist).
Eben beim Schnippeln der Möhren für unser Mittagessen fragt mich die Große, warum die Frau Waas nicht die richtige Mutter von Jim Knopf ist. Einfach so, ohne irgend einen Anlass (sie hat vor einiger Zeit Jim Knopf geschaut, aber nicht aktuell). ich habe ihr erklärt, dass Frau Waas schon seine Mutter ist, Jim Knopf aber nicht in ihrem Bauch gewachsen ist. Deswegen möchte Jim Knopf wissen, wer die Frau ist, in deren Bauch er gewachsen ist. Das hat völlig gereicht, danach haben wir wieder Möhren geschnippelt...

Skalinchen
31.07.2012, 13:57
ich würde in der familie geschichten von pionieren auf verschiedenen gebieten, und was sie an schmerzen und entbehrungen zu geben bereit waren, erzählen.
von philosophen und entdeckern, von bergsteigern, von den ersten am pol oder am mond, und von züchtern neuer blumensorten.
gleichzeitig würde ich die neugier der kinder begrüssen.


Legrain, meine große Tochter ist zum Beispiel sehr fasziniert von Columbus, der Amerika entdeckte. Das ist wirklich ein sehr schöner Ansatz, um Kindern zu vermitteln, dass die Welt, wie wir sie kennen, sich ständig weiter entwickelt, wir ständig Neues erfahren, ausprobieren und das das alles sehr spannend oder auch hilfreich sein kann.

Skalinchen
31.07.2012, 14:01
ein erklären der erfolgten "eigenartigen zeugung" ist deduktiv, zerlegend, ich meine dass das dem kind wirklich einen schrecken versetzen kann, wenn man aber einem von sich aus endeckerfreudigen und neugierigen, in gedanken voranschreitenden kind erzählt, was die menschen alles erforscht haben, ist es im entsprechenden alter des heranwachsenden ein möglicher und logischer schritt, selbst ein kind oder ein geschwister"einer neuen methode" zu sein..
Ich halte die Zeugung meiner Tochter nicht für eigenartig, sondern einfach für etwas Großartiges, Mystisches, Wundervolles, so werde ich das auch vermitteln. Aber immer an der Neugier des Kindes entlang und nicht als eine Beichte zum Zeitpunkt X. Dein Vorschlag, den Kindern von Pionieren auf vielen Gebieten zu erzählen, ist ein toller Ansatz hierfür!
:blumengabe:

Skalinchen
31.07.2012, 14:06
Nur kurz, punkto Traumatisierung, ich wollte das auch nicht so hinstellen als ob ich mein Kind damit konfrontieren würde, das werde ich nicht tun, nicht jetzt und nicht später, er soll die ICSI immer positiv sehen, und es ist auch nicht so dass es unser tägliches Leben beeinflusst und Folgen für meine Kinder hätte, in ihrem Leben spielt auch die ICSI eigentlich keine Rolle mehr, ich wollte damit nur sagen dass das eben auch mitspielt und diesen Aspekt manche Nichtbetroffene die hier geschrieben haben eben nicht nachvollziehen können.
Skippy, ich denke, meine Ängste haben schon mit meinen "Traumata" zu tun, wozu auch die Kinderwunschbehandlung gehört, insofern strahlt die Behandlung als solches schon in unser heutiges Familienleben, aber nicht die ICSI im speziellen. Ich behandele die Große oder die Kleine nicht anders, weil die eine aus einer Kryo und die andere spontan entstanden ist.
Ich denke, es gibt auch Kinderwunschpatientinnen, bei denen nach dem Eintreten der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes die Behandlung als solches keine Rolle mehr spielt und abgehakt ist. Aber das hängt sicherlich auch von der Länge und den Vorkommnissen in der Behandlung ab. Es fällt sicherlich leichter, diese Behandlung abzuhaken, wenn man beim ersten Versuch schwanger wird, als wenn man jahrelang viele Negativs kassieren oder sogar Kinder wieder hergeben musste. Auch hier gilt wohl, jede Frau geht da ihren ganz eigenen Weg.

Inaktiver User
31.07.2012, 15:00
Hallo!

Ich habe mit der Thematik nichts zu tun, bin hier über "Neue Beiträge" reingestolpert und fand das Thema ganz interessant, weil mir der Umgang damit als Nicht-Betroffene fremd vorkommt. Vielleicht gibt mein Blick von außen eine neue/andere Perspektive auf das Thema? Wenn nicht, einfach weiterlesen....

Mir ist aufgefallen, dass der Akt der Zeugung sehr emotional gesehen wird und auch sehr personifiziert wird, das wirkt auf mich erstmal befremdend.

Ich glaube, medizinisch/rechtlich gilt eine befruchtete Eizelle dann als werdendes Leben, wenn sie sich in die Gebärmutter eingenistet hat und so überhaupt erst die Möglichkeit bekommt, sich zu einem Lebewesen zu entwickeln. Die Pille danach, die ua die Einnistung verhindert, wird deshalb nicht als Abtreibung gewertet.

In vielen Postings wird aber die befruchtete Eizelle, die in die Gebärmutter eingesetzt wird, schon als das Kind bezeichnet und sehr personifiziert. Eine Userin schrieb sinngemäß "unsere Tochter" war erst 1 Jahr eingefroren, zumindest habe ich die Passage so empfunden. Darüber habe ich mich sehr gewundert, denn es war doch noch kein Lebewesen, "nur" eine befruchtete Eizelle. Man würde doch auch nicht auf die Idee kommen und eine Eizelle oder Spermien zu personifizieren und indirekt als Kind oder Einzelbestandteile des Kinds zu bezeichnen.

Wenn man einen starken unerfüllten Kinderwunsch hat, kann ich mir vorstellen, wie sehr man sich mit der Thematik der Zeugung beschäftigt und auseinandersetzen muss. Aber der Akt der Zeugung ist doch entweder ein ganz alltäglicher, der nicht mal schön sein muss oder ein medizinischer Vorgang. Das Emotionale entsteht doch erst durch das werdende Kind im Mutterleib, das Kind ist doch das Wunder, nicht der medizinische Eingriff.

Genauso war es für mich neu, dass die Kinder gefühlt in ICSI-Kinder und "Normal-gezeugte Kinder" unterteilt und gesehen werden. Mir kam beim Lesen spontan der Gedanke an Cyborg-Kinder, irgendwie technische Kinder, bei der Kryo-Geschichte dachte ich an "das Kind, das aus der Kälte kam". Nicht einfach ein Mensch, sondern das Künstlich-Technische schwingt da immer mit und das finde ich sehr schade. Mich würde das als Kind erschrecken und so würde ich mich nicht sehen wollen.

Die schwere Zeit der Zeugung mit allen erfolglosen Versuchen bis hin zur ICSI nagt wohl oft noch sehr an den Eltern, das wurde hier ja auch erzählt. Da ist wohl noch vieles zu verarbeiten. Bloß würde ich die Art der Zeugung getrennt vom Kind sehen und verarbeiten und die Kinder nehmen wie sie sind: kleine Wunder der Natur. Diese "Einteilung" der Kinder würde ich deshalb einem Kind auf keinem Fall vermitteln wollen, sondern später in/nach der Pubertät erzählen, wenn sie verstehen, dass der Akt der Zeugung nichts mit ihnen selbst als Person zu tun hat.

Ich kann nachvollziehen, dass man mit dem Erzählen der ICSI auch vermitteln will, dass das Kind sehr herbeigesehnt wurde, wollte aber schreiben, dass man die Thematik auch anders empfinden und aufnehmen kann.

Ich wünsche allen hier, dass sie die schweren Zeiten bis zum Schwangerwerden gut verarbeiten und sie einen für sich stimmigen Weg finden, ihren Kindern davon zu erzählen. :blume:

Grüße in die Runde
Drahtseilakt

Inaktiver User
31.07.2012, 15:43
@Drahtseilakt: ich finde deine Perspektive hierzu auch sehr interessant und stimme dir zu dass man es wohl ueberbewertet wenn man in der KiWibehandlung drin steckt. Du hast sicher Recht dass das eIngepflanzte Ei erstmal kein Baby ist sOndern nur eine befruchtete Zelle. Das habe ich damals aber nicht so gesehen , es war mein potentielles Baby das sich nur festbeissen musste. Genau das Gleiche ist es wohl bei einer fruehen Fehlgeburt. Ich habe 3 Sternenkinder, eigentlich waren es nie richtige Kinder aber in meinem Herzen waren sie es doch. Eine Bekannte hat mal nach einer Fg zu mir gemeint: ach das war doch nur ein Zellhaufen. Damals habe ich ihr das sehr uebel genommen denn fuer mich war es viel mehr.
In solchen Situationen und in der KiWubehandlung auch haengt es wohl einfach davon ab wie sehr man em

Inaktiver User
31.07.2012, 15:46
Sorry war noch nicht fertig, bloedes Iphone,
Wie sehr man emotional beteiligt ist und es an sich ranlaesst, sicherlich hat man dann auch Tendenz vieles ueberzubewerten, was man mit Abstand und ohne die emotionale Involvenz, anders sehen wuerde

LG

legrain
31.07.2012, 15:53
man muss natürlich aufpassen, nicht zu sagen man habe viel erlitten um das medizinisch "geförderte" kind zu bekommen, sondern es in die eigene verantwortung zurückholen. ich meine das so, es gehört eine bestimmte persönlichkeit bei der mutter und beim vater dazu, sich auf das ganze überhaupt einzulassen, sie sind vielleicht willensstark, oder sie können sich sehr gut vorstellen, wie sie als familie agieren, und deshalb können dann auch schwierigkeiten und enttäuschungen auf sich genommen werden.

ich würde vielleicht sagen müssen, meine sturheit hat mir geholfen, bei der idee zu bleiben.

wenn es an knifflige fragen ginge, zum beispiel, wann genau das leben beginnt, zöge ich es vor zu erwähnen, jede religion sähe das anders, derzeit glaube man in unserem land, es sei so...
das sage ich aber erst, nachdem ich die vorstellung des kindes gehört habe. in dem fall deckte sich das bild mit dem eines griechischen philosophen, den die kleinen eh am liebsten mochten, weil er die lustigsten gutenachtgeschichten hergab.

wir als kinder aus unserer nachbarschaft klärten uns anhand eines gynäkolgischen buches vor dem schulalter auf, es war uns möglich genau zu zeichnen, was wann wie passiert, sogar dass die verkehrte blumenvase auf dem bild vagina heisst. einige erwachsene dürften von uns erst genaues erfahren haben, mindestens die lateinischen fachwörter. es war auch ein machtgefühl, sich zu weigern, das versteck zwischen den dachziegeln zu verraten, wo wir die schrift gefunden hatten.
theoretisch war alles in unserem hirn sachlich gespeichert.

ich erinnere mich an einen gespräch am heimweg von der schule, wo wir uns dennoch darüber unterhielten, wie das gehe, dass das kind erst schlüpft, aber danach nochmals beim nabel rauskommt. das loch im bauch erschien uns irgendwie als das richtige gebärorgan, ganz sicher.

man sieht daran wieder, eine frühe sachlich genaue erklärung ersetzt die magisch-symbolhafte und weichgezeichnete nicht. die varianten sind teil der entwicklung der auffassungsgabe.
plazenta und gebärmutter darf es geben, sie passen aber nicht in die ästhetik eines kindes und sind nicht in seiner wirkungswelt vorhanden.

es braucht zuerst eine offenere, nicht zu detaillierte erklärung, die sich später zu einer naturwissenschaftlich haltbaren entfalten lässt. eine nachbarin stellte es ihrem sohn so dar, der papa und die mama hätten es ohne den doktor nie geschafft, ein baby zum bleiben zu überreden. aber der arzt durfte nur bis zur wohnungstür, dass da ja nie wer was anderes glaube, fügte sie scherzend hinzu. :freches grinsen:

Mailine
31.07.2012, 16:37
@drahtseilakt:

Frau baut zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine Verbindung auf. Zu einem Zeitpunkt an dem Frauen, die auf natürlichem Wege schwanger geworden sind, es noch nicht wissen können.

Skalinchen
31.07.2012, 22:19
Drahtseilakt,
auch wenn ich Deine Sicht nicht teile, möchte ich sagen, dass Du Deine Sicht der Dinge wunderbar geschrieben hast. Ich danke Dir dafür, denn das zeigt, dass man anderer Meinung sein kann, ohne den anderen anzugehen.



Ich glaube, medizinisch/rechtlich gilt eine befruchtete Eizelle dann als werdendes Leben, wenn sie sich in die Gebärmutter eingenistet hat und so überhaupt erst die Möglichkeit bekommt, sich zu einem Lebewesen zu entwickeln. Die Pille danach, die ua die Einnistung verhindert, wird deshalb nicht als Abtreibung gewertet.

Ein Embyro ist besonders geschützt. Embryo ist die befruchtete Eizelle ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung der Kerne aus Samen- und Eizelle. Unter anderen muss deshalb eine befruchtete Eizelle im Vorkernstadium, also nach Eindringen der Samenzelle in die Eizelle, aber vor Verschmelzen der Kerne eingefroren werden, da das Einfrieren eines Embryos hier in D verboten ist. Dieses Vorkernstadium dauert nur wenige Stunden an, dann ist aus der befruchteten Eizelle ein Embryo geworden. Das passiert einige Tage vor der Einnistung.
Woran man nun das Menschwerden knüpft, ist sehr individuell, wie man den ethischen Diskussionen rund um die Reproduktionsmedizin entnehmen kann.



In vielen Postings wird aber die befruchtete Eizelle, die in die Gebärmutter eingesetzt wird, schon als das Kind bezeichnet und sehr personifiziert. Eine Userin schrieb sinngemäß "unsere Tochter" war erst 1 Jahr eingefroren, zumindest habe ich die Passage so empfunden. Darüber habe ich mich sehr gewundert, denn es war doch noch kein Lebewesen, "nur" eine befruchtete Eizelle. Man würde doch auch nicht auf die Idee kommen und eine Eizelle oder Spermien zu personifizieren und indirekt als Kind oder Einzelbestandteile des Kinds zu bezeichnen.
Da musste ich echt schlucken, denn eine befruchtete Eizelle ist aus meiner Sicht bereits im Vorkernstadium ein Lebewesen. Auch Einzeller im Meer sind Lebewesen, obwohl diese nur aus einer Zelle ohne Gehirn bestehen.
Natürlich ist eine befruchtete Eizelle kein Embryo und ein Embryo kein Baby, aber wenn aus einer befruchteten Eizelle ein Embryo und dann ein Baby wurde, ist für mich im nachhinein die befruchtete Eizelle der Anfang meines Kindes gewesen.



Genauso war es für mich neu, dass die Kinder gefühlt in ICSI-Kinder und "Normal-gezeugte Kinder" unterteilt und gesehen werden. Mir kam beim Lesen spontan der Gedanke an Cyborg-Kinder, irgendwie technische Kinder, bei der Kryo-Geschichte dachte ich an "das Kind, das aus der Kälte kam". Nicht einfach ein Mensch, sondern das Künstlich-Technische schwingt da immer mit und das finde ich sehr schade. Mich würde das als Kind erschrecken und so würde ich mich nicht sehen wollen.
Mir geht es gar nicht um eine Unterscheidung in ICSI-Kinder und normal gezeugte Kinder. Man trifft hier nur diese Unterscheidung, um darzustellen, in welcher Situation man ist. Beim Kinderarzt oder im Kindergarten zum Beispiel habe ich mein Kind aber nie als ICSI-Kind deklariert...



Die schwere Zeit der Zeugung mit allen erfolglosen Versuchen bis hin zur ICSI nagt wohl oft noch sehr an den Eltern, das wurde hier ja auch erzählt. Da ist wohl noch vieles zu verarbeiten. Bloß würde ich die Art der Zeugung getrennt vom Kind sehen und verarbeiten und die Kinder nehmen wie sie sind: kleine Wunder der Natur. Diese "Einteilung" der Kinder würde ich deshalb einem Kind auf keinem Fall vermitteln wollen, sondern später in/nach der Pubertät erzählen, wenn sie verstehen, dass der Akt der Zeugung nichts mit ihnen selbst als Person zu tun hat.

Wie schon oben geschrieben nehme ich in real life keine Einteilung meiner Kinder in ICSI-Kind und spontan gezeugtes Kind vor, das mache ich nur hier, um verständlich zu machen, wie meine persönliche Geschichte aussieht. Ich möchte meinen Kindern ihre Geschichte in der Dimension, wie wir das hier besprechen, tatsächlich erst als Jugendliche bzw. junge Erwachsene erzählen. Ich möchte aber zu diesem Zeitpunkt keine große Beichte ablegen, das bedeutet, dass ich schon heute den Boden für diese Gespräche bereiten möchte. Um mehr geht es für mich zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

LG Skalinchen

Skalinchen
31.07.2012, 22:32
Skippy,
scheinbar haben wir ein sehr ähnliches Schickschal. Erst einmal :in den arm nehmen: wegen des Verlusts Deiner Sternenkinder. Ich habe auch drei Fehlgeburten gehabt, zwei Mal als Missed Abort mit Ausschabung, die eine Schwangerschaft war sogar eine Zwillingsschwangerschaft, wobei der Arzt schon recht früh sagte, der eine Zwilling wird es nicht schaffen, bei dem anderen war er sich absolut sicher, dass das gut ausgeht. Und ich musste mir auch den Spruch anhören, dass ich mich nicht so anstellen solle, das seien doch noch keine Menschen gewesen (vom Arzt, der die Ausschabung vorgenommen hat!). :gegen die wand:

Skalinchen
31.07.2012, 22:36
Mailine,
auch für Dich eine :in den arm nehmen: Ich finde sogar, dass sich das Negativ nach einem Versuch ein kleines wenig ähnlich wie ein Fehlgeburt angefühlt hat. Man wusste ja um die Embryonen in einem drin, auch wenn diese sich nicht festbeißen und weiter entwickeln konnten. Und man musste sie ziehen lassen...
Auch wenn ich heute weiß, dass eine tatsächliche Fehlgeburt noch mal etwas ganz anderes ist. Und da ich die Fehlgeburten auch nicht alle zur gleichen Schwangerschaftswoche hatte, weiß ich auch, dass mit jedem Tag der Schwangerschaft man mehr miteinander verwächst und der Verlust immer schwieriger wird...Deswegen mag ich mir gar nicht ausmalen, wie es sich anfühlen muss, wenn man wie Wiesenkraut so spät ein Kind gehen lassen muss...

Inaktiver User
31.07.2012, 22:58
Skippy,
scheinbar haben wir ein sehr ähnliches Schickschal. Erst einmal :in den arm nehmen: wegen des Verlusts Deiner Sternenkinder. Ich habe auch drei Fehlgeburten gehabt, zwei Mal als Missed Abort mit Ausschabung, die eine Schwangerschaft war sogar eine Zwillingsschwangerschaft, wobei der Arzt schon recht früh sagte, der eine Zwilling wird es nicht schaffen, bei dem anderen war er sich absolut sicher, dass das gut ausgeht. Und ich musste mir auch den Spruch anhören, dass ich mich nicht so anstellen solle, das seien doch noch keine Menschen gewesen (vom Arzt, der die Ausschabung vorgenommen hat!). :gegen die wand:
Ja das habe ich mir auch schon gedacht dass unsere Geschichten sich sehr ähneln. Und Zwillingsschwangerschaft hier auch, das war die ICSIschwangerschaft, aber mein Sohn hat sich dann ja doch durchgebissen, das Thema Zwillinge verfolgt mich auch heute noch und bei jedem Zwillingspaar kommt die Erinnerung und Wehmut wieder hoch, ich hätte so gerne Zwillinge gehabt, mein Sohn weiss auch hier Bescheid, das haben wir von Anfang an mit gleicher Offenheit gehandhabt, und an jedem Geburtstag denken wir auch ans Sternenzwillingsgeschwisterchen und das ist für ihn absolut normal (und nicht belastend, nicht dass das jetzt wieder kommt :smirksmile:) da es von Anfang an dazugehörte.
LG

Skalinchen
31.07.2012, 23:22
Die Kinder merken das so oder so, weshalb ich auch für Offenheit bin.
Ich hatte bei einer Fehlgeburt ein sehr prägendes Erlebnis mit meiner Tochter. Die Frauenärztin hatte festgestellt, dass kein Herzschlag mehr darstellbar war, eine Blutung hatte aber nicht eingesetzt. Ich wickelte meine Tochter und sie fragte mich plötzlich, ohne dass ich ihr vorher was von einem Baby erzählt hatte, "wo ist mein Bruder, mein Bruder ist weg".
Bei der genetischen Untersuchung stellte sich zwar heraus, dass es Mädchen gewesen wären, dennoch war das sehr spooky für mich. Ich habe ihr dann auch etwas später erzählt, dass ich sehr traurig bin, weil ich gerne ein weiteres Baby gehabt hätte, das aber nicht in meinem Bauch bleiben wollte. Zu groß war meine Sorge, meine sensible Tochter könnte meine Traurigkeit falsch verstehen...

Inaktiver User
31.07.2012, 23:42
Ja echt Wahnsinn was Kinder an Ungesagtem doch so spüren, dass deine Tochter genau da das gesagt hat, spricht doch einfach für sich. Ich hab da auch ein ganz aktuelles Beispiel dafür, grade heute morgen hat meine 5jährige Tochter, völlig ausser Kontext, gemeint Oma X würde bestimmt früher sterben als Oma Y. Ich war völlig baff denn Oma X ist unheilbar krank, aber die Kinder wissen es nicht (hier fehlt noch die Offenheit :unterwerf:) und es ist auch momentan für sie nicht ersichtlich dass die Oma krank ist.
Und eben darum weil Kinder so feinfühlig sind und instinktiv so viel spüren und wissen, denke ich auch dass ein offenes Gespräch den Kindern erlaubt unausgesprochene Wahrheiten, die sie eh irgendwie spüren, ausdrücken zu dürfen, und so Missverständnisse und Unverständnis vermieden werden können

Inaktiver User
01.08.2012, 10:23
wir als kinder aus unserer nachbarschaft klärten uns anhand eines gynäkolgischen buches vor dem schulalter auf, [...]
ich erinnere mich an einen gespräch am heimweg von der schule, wo wir uns dennoch darüber unterhielten, wie das gehe, dass das kind erst schlüpft, aber danach nochmals beim nabel rauskommt. das loch im bauch erschien uns irgendwie als das richtige gebärorgan, ganz sicher.

man sieht daran wieder, eine frühe sachlich genaue erklärung ersetzt die magisch-symbolhafte und weichgezeichnete nicht. die varianten sind teil der entwicklung der auffassungsgabe.
plazenta und gebärmutter darf es geben, sie passen aber nicht in die ästhetik eines kindes und sind nicht in seiner wirkungswelt vorhanden.


Sorry, OT, aber das wollte ich nicht unkommentiert stehen lassen.

Meine Eltern haben mich früh aufgeklärt, anhand eines wirklich schönen Buchs aus den 70gern. "Wie Vater und Mutter ein Kind bekommen". Da das Buch noch in unserem Bestand war, hat auch mein Sohn es bereits gesehen. Weder für ihn noch für mich pass(t)en die gebärmutter "nicht in die Ästhetik des Kindes".

Meine Mutter hat als Kind/Jugendliche lange geglaubt, Kinder kämen aus den Ohren (!) der Mutter und hat sich bei dieser Vorstellung immer furchtbar geängstigt. Magischen Erklärungen von Kindern, mit denen man nicht offen über natürliche Vorgänge spricht, können also auch beängstigend sein.

Das medizinische Fachbuch aus Deinem Beispiel ist natürlich nicht zur kindgerechten Aufklärung geeignet, da möchte ich gar nicht widersprechen.

Inaktiver User
02.08.2012, 15:16
Hallo

Ich habe mich nun ein bisschen mit Kinderbüchern zum Thema beschäftigt, das Buch was mich am Meisten angesprochen hatte, habe ich zwar noch nicht erhalten, ein paar andere aber schon, von denen ich einige für uns gleich ausgeschlossen habe da sie mich nicht ansprechen und nicht zu uns passen.

Zwei Bücher bleiben aber die ich gut finde,

zum Einen: "Bevor ich auf die Welt kam Wie Babys entstehen von Katherina Janouch und Mervi Lindman

Das Buch finde ich einfach genial, es ist ein Aufklärungsbuch für Kinder ab 3 das sehr witzig geschrieben ist mit schönen, witzigen aber trotzdem klaren Illustrationen. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind wird sehr warmherzig vermittelt (Zitat von dem kleinem Jungen aus dem Buch: Und wann habe ich beschlossen auf die Welt zu kommen? Als ich erfahren hab, dass sich auf der Erde eine Mama und ein Papa ganz schrecklich nach mir sehnen. Nach mir und sonst keinem! ... )
Das Buch behandelt die Etappen schön nacheinander, Frau wünscht sich ein Baby, Mann wünscht sich ein Baby, sie lernen sich kennen (super witzig geschrieben, verlieben sich, :liebe:, Befruchtung, und dann kommt wie selbstverständlich dazwischen eine Seite zur künstlichen Befruchtung, dann gehts weiter mit der SS, Geburt, usw. Was ich einfach nur genial finde, ist wie selbstverständlich die Seite zur künstlichen Befruchtung mittdendrin steht und nicht als gesondertes Kapitel am Schluss, so wie in anderen Büchern, das macht es für das Kind einfach nur zu etwas ganz Normalem das so sein kann aber nicht so sein muss. Der Text hierzu ist zwar kurz, die Erklärung könnte für mich etwas genauer sein, aber trotzdem kommt der Inhalt hierzu gut rüber und die Bilder sind auch sehr lustig, ein Doktor, der im Labor rumbastelt, zwischen Schläuchen und Tuben schwimmen Ei- und Samenzelle rum, der Arzt kippt Zucker in das Glas rein, dann stehen noch Sternenglitzer, Himbeersaft und Extrafeiner Babymix rum, sieht lustig aus und spricht Kinder gut an.
Beim Thema Geburt kommt auch der Kaiserschnitt zur Sprache, im Bild sieht man eine Tür in Mamas Bauch wo das Baby rauskuckt, so wird es auch erklärt, ganz einfach und kindgerecht, auch das finde ich sehr liebevoll gezeichnet und erklärt. Auch das Thema Adoption und dass sich auch Menschen ineinander verlieben, die schon Kinder haben, wird angesprochen, die Bilder zeigen auch immer wieder Menschen aus anderen Kulturen.

Ich finde das Buch ganz ganz toll, weil es sehr komplett ist und Themen wie künstliche Befruchtung, Adoption, Patchworkfamilien, Kaiserschnitt oder andere Kulturen ganz normal und simpel rüberbringt, als etwas Selbstverständliches was eben so sein kann aber nicht muss, so dass diese Themen für Kinder die dieses Buch erzählt bekommen einfach nur normal sein werden.


Zum anderen dann noch ein französischsprachiges Buch: Le mystère des graines à bébé von Serge Tisseron und Aurélie Guillerey.
Dieses Buch ist ein reines Buch über künstliche Befruchtung und erklärt es auch schön, aber ist für meine Begriffe doch too much.
Der kleine Paul kommt aus der Schule und hat erklärt bekommen wie Babys entstehen und möchte das seinen Eltern erzählen, diese sagen ihm dann bei ihm wäre es anders gewesen aber sie wissen nicht wie sie ihm das erzählen sollten. Paul ist aber neugierig und befragt dann seine Freunde die Tiere. Die Eule erklärt ihm zuerst die normale Befruchtung, die Elefant die ICSI, die Eidechse Samen- und Eizellspende und der Pinguin Kryo und einfrieren von Embryos. Zum Schluss geht Paul zu seinen Eltern und erklärt ihnen er wisse nun über die verschiedenen Methoden zur Zeugung eines Babys Bescheid, als sein Papa ihm sagt: das war uns zu kompliziert es dir zu erklären, antwortet Paul : Aber es war wichtig für mich es zu wissen, ich wollte wissen wie ICH gezeugt worden bin. Und dann setzen Mama, Papa und Paul sich zusammen und sprechen sehr sehr lange alle 3 zusammen.
In dem Buch wird auch vermittelt dass es ein schwerer Weg für die Eltern ist, es lange dauern kann und die Eltern oft später vergessen wollen und nicht darüber sprechen. Und das leuchtet Paul dann auch ein und er findet das ganz verständlich.

Den Text und die Bilder finde ich sehr nett, aber mit Eizell- und Samenspende finde ichgeht das Thema zu weit für meinen fast 7jährigen. Am Anfang hatte ich erwägt diese Seiten auszuschneiden bzw zusammenzukleben, aber das wird mein Sohnemann sicher merken und dann wird dieses Verheimlichen nur Neugierde oder Misstrauen wecken und ihm bewusst machen dass ich ihm nicht alles sage. Also lasse ich es nun wie es ist, aber spare mir es für später auf, wenn irgendwann mehr Fragen kommen sollten.

Am Wochenende kommt meine hochschwangere Freundin zu Besuch, danach wird bei uns das erste Buch sicher aktuell werden, ich freue mich drauf es meinen Kindern zu erzählen und ich glaube sie werden sehr gut darauf ansprechen.

LG

Inaktiver User
10.08.2012, 23:45
Hallo
Ich belebe diesen Strang mal wieder da ich grade zufällig beim Zappen bei ZDF auf die Vorstellung des Films Starbuck gestossen bin (eine Komödie zum Thema Samenspende) und danach ein Interview mit einer jungen Frau kam, die durch Samenspende gezeugt worden ist (Startseite - ZDF Mediathek (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1706670/Spenderkind-Sarah-im-Interview)).
Ist jetzt zwar nicht wirklich mit der Situation nach ICSI vergleichbar, aber sie spricht auch darüber wie sie ihren Entstehungsakt empfand, dass die zuerst etwas schockiert war (ihre Eltern haben es ihr erst mit 18 Jahren gesagt) dass sie nicht mit Liebe gemacht worden ist, sondern ein Produkt der Aerzte ist, dass sie aber dann doch verstanden hat dass sie eben ein Wunschkind war und für ihre Eltern etwas sehr Besonderes. Fand ich, auch wenn nicht wirklich vergleichbar, doch sehr interessant. Und der Flim sieht lustig aus, werde ich mir auf jeden Fall auch ansehen
Nur zur Info :kuss: