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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der richtige Zeitpunkt für ein Kind?



Inaktiver User
26.07.2006, 20:34
Liebe Forumsmitglieder,

nachdem ich nun schon eine Weile in euren Beiträgen gestöbert habe, möchte ich an dieser Stelle selbst eine Frage "in den Raum stellen", die mich seit einigen Wochen beschäftigt:

Wann denkt ihr, ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind gekommen?

Mein Freund (31) und ich (28) sind seit 5 Jahren zusammen und möchten prinzipiell schon gerne ein Kind. Wir haben bis vor einem Jahr beide noch studiert, nun arbeitet mein Freund und ich promoviere. So eine Promotion dauert mind. 3 Jahre und ist sehr arbeitsintensiv. Leider werde ich auch nach meiner Promotion nicht mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag rechnen können, womit ich sagen möchte, dass ich meinen beruflichen Werdegang sowieso irgendwann mit der Ungewissheit wieder einsteigen zu können unterbrechen muss, wenn wir uns ein Kind wünschen.
Ich habe nur irgendwie Angst, dass ich dann eine dieser viele arbeitslosen Akademikerinnen bin, die den Einstieg nicht mehr schafft. Am liebtsen würde ich jetzt gleich mit dem "Üben" starten, aber ob ich dann nach der Babypause meine Promotion noch weiterführen kann?!? Oder doch lieber nach der Promotion? Aber ist es in einem richtigen Job nicht noch schwieriger?

Vielleicht steht ja jemand vor einem ähnlichen Problem? Ich freue mich auf eure Kommentare.

:blumengabe:

Gruß, Schnitzel

Emi75
26.07.2006, 20:48
Hallo Schnitzel ( :hunger:),

Du sagst es ja selbst: einen "idealen" Zeitpunkt gibt es wohl nie... Von daher, wenn ich Du waere, wuerde ich jetzt mit dem Ueben beginnen.
Du hast Deine Ausbildung abgeschlossen, Dein Freund ebenfalls (und ist angestellt), Ihr wisst, dass Ihr zusammenbleiben und ein Kind haben wollt--- ist doch eigentlich eine sehr gute Ausgangssituation!
Und mit der Promotion, also, ich weiss, ein Baby ist kein (ungetruebtes)Zuckerschlecken und erfordert Zeit, aber ab und zu kannst Du doch sicher auch mit Baby an der Promotion arbeiten. Dann dauert sie halt 4 Jahre, na und? Wenn Du mit der Promotion fertig bist und an's Bewerben gehst, waere Dein Kleines dann schon kindergartenreif--
Also, ich finde, das klingt gut. Ich wuenschte ehrlich gesagt, ich haette meinen Mann auch schon in den "Zwanzigern" kennengelernt, leider ist er mir erst mit 32 begegnet.

Liebe Gruesse
:blumengabe:Emi

Prinzessin79
27.07.2006, 10:00
Liebes Schnitzel! ( :freches grinsen:)

Du wirst sicher merken, je mehr du dich mit deinem (euren) Kinderwunsch beschäftigst um so mehr wird er sich festigen und ich finde dann ist es der richtige Zeitpunk.

Es ist für mich als "nichtstudierte" nicht ganz klar eine wie große Rolle deine Promotion spielt. Hast du damit größere Jobchancen?
Wenn es etwas länger dauert ist es doch nicht so ganz schlimm und ich stimme Emi75 zu wenn Sie sagt, das du mit eine 3-4 Jährigen Kind bessere Jobchancen hast als mit einem ganz kleinen Kind.
Ausserdem denke ich das viele Chefs bei Frauen um die 30 ohne Kind ganz vorsichtig sind, wenn du verstehst was ich meine....

Liebe Grüße
prinzessin79 :blumengabe:

Tigerente
27.07.2006, 10:19
Hallo Schnitzel,

schwierige Frage. Du klingst so, als ob Du im akademischen Bereich bleiben möchtest. Wenn das so ist, ist nach meinen Erfahrungen (d.h. denen von Bekannten) die Promotionsphase sicherlich noch die beste Zeit für ein Kind, denn Post-Doc-Verträge sind ja oft noch kurzfristiger, und bei der Promotion ist es nicht so schlimm, wenn sie etwas länger dauert.
Allerdings solltest Du wirklich fest einplanen, dann wieder einzusteigen, und zwar mit Kinderbetreuung und nicht einfach so nebenher. Hängt natürlich ganz doll davon ab, wie die Promotion finanziert ist etc., ob Du eher im Labor oder eher am Schreibtisch arbeitest usw.
Ich bin im Wissenschaftsbereich, jetzt seit 4,5 Jahren FH-Prof und hätte mein Kind (das dieser Tage kommen sollte) gerne früher als mit 37 bekommen, habe aber den Mann, mit dem ich es mir vorstellen konnte, erst spät kennengelernt. Insofern - man kann auch noch warten, auch wenn im Moment gleichzeitig neben den vielen schwangeren 40jährigen auch das Gruselbild der Frau, die zu lange gewartet hat und nun nicht mehr schwanger wird, durch die Medien geistert. Was mir an der späten Mutterschaft nicht gefällt ist die Tatsache, dass die Entscheidung über ein 2. Kind dann relativ bald fallen muss - wenn man früher startet, ist man da flexibler. Dafür bin ich halt beruflich abgesichert, was in unserem Fall wichtig ist, da mein Mann eine etwas prekärere Beschäftigungssituation hat.
Ja, ich denke, wie einige hier gesagt haben, man kann nie wissen, wann der Zeitpunkt wirklich günstig ist, aber wenn Ihr beide das Gefühl habt, jetzt wollt Ihr ein Kind, dann tut es ruhig einfach - aber macht gute Pläne für Deinen Wiedereinstieg.

Alles Gute für die Entscheidung, Tigerente

Inaktiver User
27.07.2006, 11:14
andersrum: man kann auch den ungünstigsten zeitpunkt organisieren, wenn man sich 1. gut informiert, 2. gut vorbereitet ist und 3. bei allem nicht außer acht läßt, daß dein partner sich gleichermaßen einzubringen hat wie du bzw. dich zu unterstützen hat. so gesehen verstehe ich nicht wirklich deine einstellung dein berufliches "unterbrechen" zu "müssen". es kann genauso gut nach einer kurzen pause von ca. 8 - 12 wochen weitergehen.
andere haben mehr als ein kind und schaffen es doch auch - warum also du nicht !?
gruß von nemesis/dunkle-mondin.de

Inaktiver User
27.07.2006, 20:34
Vielen Dank für eure Meinungen! Wahrscheinlich sollten wir uns einfach trauen und loslegen und wenns klappt eine gesunde Mischung aus Kind und Beruf finden!

@ Tigerente: Ich wünsch dir alles Gute mit deinem Kleinen! Darf ich fragen, wie lange du planst zu Hause zu bleiben?
Ich arbeite an einer naturwissenschaftlichen Doktorarbeit im Labor. Vielen Dank für deinen Tipp mit dem raschen Wiedereinstieg. Ich glaube, das ist eine gute Lösung. Leider leben unsere Eltern weit weg von uns, sodass wir nur auf eine externe Betreuung zurückgreifen könnten. Aber das wird sich ja auch irgendwie regeln lassen... Wie seid ihr denn diesbezüglich organisiert?

Gruß, Schnitzel :knicks:

Tigerente
28.07.2006, 08:53
Hallo Schnitzel,

ich plane 5 Monate ganz zu Hause zu bleiben und dann im Januar zur Prüfungsperiode (da nehme ich dann auch einige Prüfungen ab) wieder auf einer halben Stelle einzusteigen. Das bedeutet für mich 9 Vorlesungsstunden, wobei ich aber aufgrund von abzubauenden Überstunden im ersten Semester nur 6 machen werde. Da mein Mann nur eine 3/4-Stelle hat, kann er an dem einen Tag die Kinderbetreuung übernehmen, aber Herbst werden wir dann aber eine Tagesmutter brauchen. Ich plane, die schon im Frühjahr zu suchen, wenn ich dann schon jemanden finde, um mich ein paar Stunden pro Woche zu entlasten, umso besser, da ich gerade bei unseren Nachbarn sehe, dass zu späte Suche einen ganz schön in Schwierigkeiten bringen kann...
Ich komme ja auch aus dem naturwissenschaftlichen Bereich und habe den Eindruck gewonnen, dass man da die Kinder tatsächlich während der Promotion oder dann ganz spät bekommen sollte - Post-Doc Zeit etc. sind wirklich schwierig. Wenn Du aber nach der Promotion in die Industrie willst - je nach Bereich und Arbeitgeber ist es auch da möglich, Kinder zu bekommen, ohne sich die Karriere völlig zu versauen. Da gibt es doch langsam ein Umdenken. Und ich habe nie erlebt, dass man mich nicht einstellen wollte, weil ich Anfang 30 und kinderlos war und man fürchtete, dass ich gleich welche bekomme. Die Firma lebt ebenso beim Mann mit dem Risiko, dass der nach 2-3 Jahren weg ist, weil er auf den nächsten Karriereschritt geiert.

Ich wünsche Dir alles Gute für Deine Entscheidung, Tigerente

Mia2006
03.08.2006, 00:19
Hallo Schnitzel

Ich kann mich meinen Vorschreiberinnern nur anschliessen und würde dir raten unbedingt mit dem Üben zu beginnen, wenn du dich danach fühlst!

Ich bin gerade am Ende meiner Promotion und habe mit dem Üben begonnen, obwohl es ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt ist. Zwar habe ich schon eine Post-Doc-Stelle in Aussicht, aber eben... so richtig langfristig sind diese Stellen ja nie... ich hab früher immer gedacht, der richtige Zeitpunkt sei noch nicht da, bis ich irgendwann festgestellt habe, dass es den einfach nicht gibt. :unterwerf:

Der richtige Zeitpunkt ist einfach der, wenn man sich danach fühlt und den richtigen Partner gefunden hat... richtiger wird der Zeitpunkt leider nicht... :smile:

Liebe Grüsse und viel Glück!
Mia

Inaktiver User
05.08.2006, 17:10
Hallo Mia,

wie lange planst du denn zu Hause zu bleiben, wenn das Kind da ist? Und wirst du danach deine Post-Doc-Stelle in Vollzeit ausführen?

Aber erstmal wünsche ich euch viel Erfolg beim Üben!

Gruß, Schnitzel

Mia2006
06.08.2006, 12:21
Hallo Schnitzel

Ich weiss nicht, wie ich es sehe, wenn ich dann mal schwanger bin, aber ich stelle mir vor nur 3 Monate voll zu Hause zu bleiben und anschliessend mit Teilzeit zu beginnen... erst ein Tag im Büro, einen zu Hause, dann langsam aufstocken...

Aber eben, man weiss nie, was kommt. Erstmal hoffe ich, dass das mit dem Schwangerwerden überhaupt so schnell klappt wie ich es mir vorstelle, dass das Kind gesund ist, etc. Alles andere kommt dann schon :-)

Lg, Mia

Laborschnecke
09.08.2006, 16:28
Hallo Schnitzel,
kannst Du denn auch schwanger das Labor betreten? Das wäre bei mir (Biologin) nicht ohne weiteres möglich...

Eine Freundin hat die Pille abgesetzt nachdem sie mit dem praktischen Teil der Diss durch war und nur noch schreiben mußte. Sie wurde auch sofort schwanger. Leider mußte sie dann erst mal umziehen und brauchte auch sonst viel Zeit für sich. Dann kam der Kleine auch noch 5 Wochen zu früh- bevor sie die Arbeit fertig hatte.

Du mußt das Schreiben dann richtig schnell durchziehen. Sonst bleibt es alles sehr schnell und lange liegen...

Die ewige Planerei macht es nicht leicht... Besagte Freundin ist zwar jetzt fast fertig und zum 2 Mal schwanger- die wird nach der Geburt fast drei Jahre aus dem Labor raus sein. Aber sie ist mit der Familienplanung durch.

Stell Dir vor, Du würdest krank werden. Für länger. Dann müßte das verschieben und weitermachen ja auch gehen.
Eine Schwangerschaft ist zwar keine Krankheit, aber die Pause könnte den gleichen Zeitrahmen haben.

Wie viel will denn Dein Freund bei der Kinderbetreuung helfen?

Laborschnecke
09.08.2006, 16:30
Ach ja, ich bin übrigens jetzt in der ersten (auf 2 Jahre befristeten ) Stelle nach der Promotion und traue mich immer noch nicht recht...
Allerdings ist mein Freund selbständig und noch sind wir auf mein Gehalt angewiesen.

Inaktiver User
10.08.2006, 16:54
Liebe Laborschnecke,

du hast ja mit allem so recht, was du sagst! Die ewige Planerei macht alles nicht leichter. Und DEN perfekten Zeitpunkt gibt es wohl kaum. Es kann einem ja auch keiner garantieren, dass man nach dem Absetzen der Pille sofort schwanger wird.

Ich habe erst vor einem halben Jahr mit meiner Promotion (zum Dr. rer. nat.) angefangen. Mein Freund (bald Mann :-)) und ich denken schon ab und zu mal über ein Kind nach, trauen uns aber auch noch nicht so richtig. Ich möchte auf jeden Fall erstmal abwarten bis ich mindestens eine gute Publikation zu Stande gebracht habe. Außerdem hat mein Freund noch 2 Monate Probezeit (er arbeitet in der Industrie) und hätte danach einen unbefristeten Arbeitsvertrag, was einem zwar auch keinen 100%igen Schutz vor Entlassung bietet, aber immerhin schon mal besser ist als diese blöden Jahresverträge im öffentlichen Dienst!

Wenn du bei euch der "Hauptverdiener" bist und dich von einem Jahres- oder Zweijahresvertrag zum nächsten hangeln musst, ist an Familienplanung natürlich nur schwer zu denken.
Ab Januar 07 bekommt man doch jetzt "Elterngeld". Damit ließe sich ja zumindest das erste Jahr relativ bequem überbrücken, oder?

Über "schwanger das Labor betreten" habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht wirklich nachgedacht, da wir eine schwangere Postdoc im Labor haben, die eigentlich voll arbeitet, aber eben besonders gefährliche Arbeiten (wie radioaktive etc.) vermeidet. Würdest du schwanger gar nicht mehr im Labor arbeiten?

Viele Grüße,

Schnitzel

Laborschnecke
11.08.2006, 09:18
Hallo Schnitzel
Das Elterngeld... ehrlich gesagt denke ich, dass mir das eigentliche Problem dadurch nicht genommen wird. Sicher, Geld ist dann erst einmal da, aber die Berufserfahrung (gemessen an Publikationen), die man benötigt um einen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen, stellt sich dadurch nicht ein. Was nutzt es dann?
Ich hatte auch schon daran gedacht, dass mein Liebster ja auch zu Hause bleiben könnte und ich weiter arbeite, aber bei dem gestaltet sich das noch viel krasser. Alle Arbeit, die er geleistet hätte um sich als Freiberufler oder Selbständiger bekannt zu machen, wäre dahin. Und für ihn könnten wir mangels Einkommen nicht mal Elterngeld beantragen... Er redet dann eigentlich auch eher davon, dass er von zu Hause arbeitet. Dafür muß das Kind dann aber schon geeignet sein. Wenn es nach mir schlägt, dann ist es das. ;-)

Es ist ziemlich genau geregelt unter welchen Umständen man ins Labor darf. Ich arbeite beispielsweise sowohl in L1 (oder S1) als auch L2- (oder S2) Laboren. Letztere darf man als Schwangere nicht mehr betreten, weil die Erreger Immunantworten auslösen können, die ungünstig wären. S1-labors gehen schon noch, aber auch da muß man eben sehen, was man vielleicht anders macht oder machen läßt.
Die Arbeit mit meinen Bakterien könnte - nein: müßte- ich dann komplett vergessen, RNA-Isolation nur noch mit noch größerer Vorsicht durchführen (wäre also alles nicht leichter).

Promovierst Du kumulativ? Von uns hat niemand während der Diss mehr als eine Publikation geschafft. Manchmal frage ich mich, wie so etwas möglich ist... Abzuwarten bis Publikationen da sind hört sich zwar vernünftig an, das kann aber auch zwei oder drei Jahre dauern. Es hat zwar nicht jeder einen Doktorvater wie ich, der mindestens in der Science publizieren muß, aber die Diss läuft doch meistens erst mal nicht so flüssig wie die Diplom- oder Masterarbeit... Wie ist denn das bei Euch?

Liebe Grüße
Birgit

Inaktiver User
11.08.2006, 17:24
Liebe Laborschnecke,

mit dem Elterngeld hast du wohl recht: Publikationen bringt es einem nicht. Und 2/3 eines Doktorandengehalts sind wahrscheinlich sogar weniger als Hartz IV :-)

Ich arbeite auch S1 und S2 - S2 vor allem mit Lentiviren, was natürlich in der Schwangerschaft absolut tabu wäre. Aber was ist denn so gefährlich an einer RNA-Isolierung?

Ich mache übrigens keine kumulative Dissertation und im Moment bin ich von einer Publikation auch noch meilenweit entfernt. Wie du schon meintest, lief meine Diplomarbeit wesentlich besser als die Doktorarbeit. Ich würde sehr gerne in 3 Jahren spätestens fertig sein, da ich ja auch schon 28 bin. Wie lange hast du denn an deiner Doktorarbeit gearbeitet? Und hattest du Schwierigkeiten eine Postdoc-Stelle zu finden?
Und darf ich fragen, wie alt du bist?

Viele Grüße,

Schnitzel

Laborschnecke
14.08.2006, 11:36
Hallo Schnitzel,
na ja, ich habe nachdem mein Doktorandenvertrag ausgelaufen war auch ein Weilchen Arbeitslosengeld I bekommen, das waren dann knapp 600 Euro, also 60% des Doktorandengehalts- Hartz IV wäre schon noch einmal weniger gewesen. Das kommt auch auf die Mietkosten an.

An der RNA-Isolation sind eigentlich nur ein paar Chemikalien, die ich nicht unbedingt haben müßte, kommt aber auch auf die Methode an. Beta-Mercaptoethanol, Phenol, Guanidinisothiocyanat (ist in den meisten Kits) oder allein schon DEPC...

Ich hatte drei Jahre einen Vertrag, habe dann noch arbeitslos im Labor gearbeitet (psst!) und habe mit Schreiben angefangen. Dann kam eine Maßnahme dazu, die mir das Arbeitsamt empfahl, das hieß ein halbes Jahr täglich acht Stunden Unterricht. Schreiben am Abend war da nicht mehr drin... Ich habe dann nach 11 Monaten Arbeitslosigkeit im September letzten Jahres eine Postdocstelle bekommen und hatte endlich wieder Motivation, weiter an der Diss zu schreiben (war ein dünnes Brett). Ich habe sie jetzt im Februar abgegeben, das Rigorosum im März und die Verteidigung im Mai gemacht. Insgesamt waren das dann mahr als 4 1/2 Jahre (siehe dazu auch den Disziplin und Diss-Strang im Studiums-Forum).
An Bewerbungen habe ich ziemlich viel geschrieben, das 6. Bewerbungsgespräch war dann erfolgreich. Dafür, dass ich zu dem Zeitpunkt noch nicht promoviert war, eigentlich gar nicht so übel... Aber frustrierend war es trotzdem. Wenn Du in den drei Jahren nicht fertig wirst, dann bestehe auf weiterer Finanzierung, denn das Arbeitsamt macht unendlichen Druck, der wird sicher nicht weniger werden. Denen ist völlig egal, dass Du Deine Arbeit schreiben mußt. So lange Du Geld von denen bekommst, hast Du Dich um eine Anstellung zu bemühen.
Da bleibt die Diss schon mal liegen, besonders, wenn Du noch eine Weiterbildung machen darfst...
Ich weiß nicht, ob ich weiter Geld bekommen hätte, wenn ich die nicht gemacht hätte. Davon abgesehen, fand ich das auch nicht so uninteressant, aber nervig war es dann schon.

Ich bin jetzt 30.
In einem Jahr läuft mein aktueller Arbeitsvertrag aus, dann geht es mit der Sucherei von vorn los, denn meine Stelle ist in der Form nicht verlängerbar. Mit etwas Glück finde ich etwas in dieser Stadt. Was wenn nicht? Mein Freund wird hier bleiben wollen. Ich habe mich damals in meiner Verzweiflung schon weltweit beworben (Zynischerweise mußte ich dann nicht umziehen für diese Stelle)...

Irgendwie komme ich immer wieder zu dem Schluß, dass die Wissenschaft nicht das Wahre ist.
Auch wenn es noch so spannend ist. Aber mit Familie ist es eben kaum vereinbar! Und das schmälert meine Lebensqualität doch ganz schön. Ich höre jetzt noch nicht die biologische Uhr ticken, aber ich will ein Kind seit meinem 25. Lebensjahr. Und irgendwann wird es zu spät sein. Und ich will nicht nur ein Kind, mein Freund will mindestens drei (ist Einzelkind...)
Also, irgendwann werde ich es wagen. Ich bin jedenfalls wild entschlossen.
Schöne Grüße
Birgit

Raumi
02.12.2007, 18:01
Hallo Schnitzel,

hab gerade deine Nachricht und die Antworten gelesen...Gibt es denn inzwischen schon Neuigkeiten?

Ich habe ähnliche Gedanken...Habe bis vor einem Jahr im Ausland studiert, habe zwar jetzt eine feste Stelle in Deutschland aber mein Freund arbeitet wieder im (benachbarten) Ausland. Die Situation erscheint denkbar ungünstig..da wir uns nur am Wochenende sehen - ich also in der Woche keine Unterstützung erwarten könnte, meine Familie am anderen Ende von Deutschland wohnt und mein Arbeitgeber extrem familienunfreundlich ist. Ich müßte wahrscheinlich meinen Job aufgeben sobald ich in den Mutterschutz gehen würde. Jedenfalls ist bisher keine der Frauen, die schwanger geworden sind, ins Büro zurückgekehrt! (Und ich bin mir sicher, dass keine von Ihnen den Job aufgeben wollte.)

Dabei wollen wir doch beide soooo gerne mit der Familiengründung anfangen! Schließlich soll das erste Baby kein Einzelkind bleiben und wir wollen in der Planung zeitlich flexibel bleiben, da auch ich in die Akademikerkreise an einer Uni zurück möchte, also eine Promotion anstrebe.
Der beste Plan scheint derzeit, noch ein oder zwei Jahre zu warten, ein bißchen Berufserfahrung zu sammeln und dann nach der Babypause an die Uni umzusteigen...Obwohl ich sagen muss, dass es uns beiden extrem schwerfällt, noch länger zu warten...

Kann mir jemand was raten oder empfehlen? Ich habe irgendwie Angst, wenn wir immer wieder wegen der berufliche Situation warten, läuft uns irgendwann die Zeit davon. Wahrscheinlich kriege ich völlig überzogen nur viel zu früh Panik oder die Adventszeit ist Schuld...

Liebe Grüße...

Inaktiver User
02.12.2007, 20:11
Hallo Raumi,

wie schön, dass du diesen alten Beitrag wieder ausgegraben hast! :liebe:
Tja, was soll ich sagen. Inzwischen hat sich viel getan und ich bin seit 7 Wochen überglückliche Mami einer ganz bezaubernden Tochter. Mein Mann (wir haben 2006 geheiratet) und ich haben im Dezember 2006 beschlossen nicht mehr zu verhüten und ich bin sofort schwanger geworden.
Meine Doktorarbeit habe ich abgebrochen, aber eigentlich weniger wegen meiner Schwangerschaft. Ich war dort sowieso sehr unglücklich.

Wie alt bist du denn? Und wärst du evtl auch bereit nach der Babypause eine andere Stelle anzunehmen? Komisch finde ich allerdings, dass keine deiner Kolleginnen nach der Babypause wieder zurückkam. Kennst du die Gründe dafür?

Hmm, was soll ich dir raten?!? Aus meiner jetzigen Perspektive: Wagt es einfach! Den optimalen Zeitpunkt für ein Kind scheint es nicht zu geben. Außerdem dauert es bei vielen Frauen oft einige Monate bis sie schwanger werden. Da scheine ich wohl eher eine Ausnahme gewesen zu sein...

Frida09
12.09.2008, 13:46
Hallo :smile: ,
ich studiere Biologie und bin im Hauptstudium (Diplom). Mein Freund und ich werden im nächsten Jahr heiraten. Ich denke in letzter Zeit häufig darüber nach, ob ein Kind und mein Studium sich miteinander vereinbaren lassen. Was meint ihr? Hat vielleicht jemand eine Naturwissenschaft studiert und währenddessen ein Kind bekommen?
Mein Freund ist 7 Jahre älter als ich und er möchte schon gerne ein Kind, überlässt aber mir alleine die Entscheidung wann der "richtige Zeitpunkt" gekommen ist.

Was meint ihr?

lunea31
12.09.2008, 14:53
Hallo Frida!

Ich habe Biologie studiert und schreibe gerade an meiner Diss. Jetzt bin ich geplant ss und werde genau zum Ende der Promotion hin entbinden (so wie es aussieht werden es sogar Zwillinge). Also dann läuft mein Stipendium aus. Ich will damit sagen, dass es nicht gerade der ideale Zeitpunkt ist, aber in unserem Bereich sind die Stellen nun mal meistens nur befristet. Und den idealen Zeitpunkt gibt es nicht.

Vermutlich ist es während des Studiums besser ein Kind zu bekommen, weil Du flexibler bist. Du musst nicht unbedingt zu jeder Vorlesung. Außerdem kannst Du ein Urlaubssemester beantragen und würdest sogar ALG2 bekommen, da das Bafög in dieser Zeit entfällt. Vielleicht kannst Du während des Urlaubssemesters sogar Prüfungen ablegen, aber da musst Du mal in der Prüfungsordnung gucken.

Schwierig wird es, wenn Du während der SS noch Praktika absolvieren müsstest. Es kann sein, dass Du aufgrund der SS nicht teilnehmen darfst.

Mehr fällt mir gerade nicht ein.

Liebe Grüße :blumengabe:

Frida09
12.09.2008, 15:24
Hallo Lunea,

danke für die schnelle Antwort und herzlichen Glückwunsch!!! :smile:

Zum Glück können wir uns durch den guten Job meines Freundes ein Kind finanziell leisten und unsere Eltern wohnen auch in der Nähe.
Während eines Urlaubssemesters darf ich leider keine Prüfungen ablegen. Ich würde auch gerne nur so kurz wie möglich zu Hause bleiben. Im WS habe ich durch das geringe Modulangebot an meiner Uni nur im Oktober und im Dezember jeweils 2 Wochen Vorlesungen und Praktika, den Rest des Semesters habe ich frei. Das stört mich sehr, aber man kann es leider nicht ändern!

Naja, vielleicht ist es auch besser schon im Studium ein Kind zu bekommen damit das Kind vielleicht schon im Kindergarten ist wenn man ins Berufsleben eintritt. Ich möchte auf jeden Fall arbeiten gehen!

Ich möchte auf jeden Fall noch die Exkursion nach Australien im nächsten Sommer mitmachen. Dann hab ich wenn das Modulangebot so bleibt noch zwei Jahre bis zur Diplomarbeit. Vielleicht sollte ich es dann einfach drauf ankommen lassen...???
Wie lange habt ihr es denn versucht?

Meine größte Sorge ist, dass ich ein Kind und meine Diplomarbeit nicht unter einen Hut bekomme.

Liebe Grüße!!!

Laborschnecke
12.09.2008, 17:04
Liebe Frida,
ich habe in diesem Strang ja schon einiges geschrieben und Du weisst daher, dass ich nicht während des Studiums ein Kind bekommen habe. Aber es waren natürlich einige in meinem Semester, die mehr oder weniger gewollt, schwanger wurden, und ich habe auch jetzt drei Bio-Studentinnen in meinem Bekanntenkreis, die ein Kind haben (bzw. eine davon müßte jetzt das zweite bekommen, aber die ist jetzt auch schon in der Diss-Phase.).

Eine der Komilitoninnen hat darauf das Studium geschmissen- aber das hatte auch bloss indirekt mit dem Kind zu tun, es war dann einfach der letzte Grund für eine Aufgabe und sie ist in ihren alten Job zurück gekehrt.

Eine andere musste schon ein Semester pausieren, hat dann aber mit der Unterstützung ihres Mannes das Studium durchgezogen. Bei den beiden kam unterstützend hinzu, dass er einen Job mit Schichtdienst hatte, was natürlich die Betreuungsfrage entspannt, die Beziehungsfrage eher nicht, aber das ist ja eine andere Geschichte...

Zwei der Bio-Studentinnen, die ich nach meinem Studium kennen gelernt habe, sind gewollt während der Diplomarbeit schwanger geworden. Die eine hatte ein Jahr geübt, also eigentlich auch andere Pläne gehabt. Sie hat dann noch ein wenig gebraucht, um die Diplomarbeit zu schreiben.
Die andere hat das alles sehr gut organisiert bekommen, der Entbindungstermin passte zum Rest- und sie hatte den Bonus, in einem Labor zu diplomieren, in dem man Verständnis für den Familienwunsch hatte. Sie durfte ja auch nicht mehr alles machen, und als Molekularbiologin ist man schnell am Rande der Arbeitsfähigkeit (was nicht nur für die Schwangerschaft sondern auch für die Stillzeit gilt).
Ich denke, das ist schon eine der größten Schwierigkeiten. Man bekommt nicht von jedem Prof einen Schwangeren- oder Mutterbonus. Wir hatten hier eine Doktorandin, die ungewollt schwanger wurde und ihr Betreuer hier hat ihren Arbeitsvertrag nicht verlängert. O-Ton: Wenn Du Dich für Dein Kind entscheidest, dann habe ich keine Verwendung für Dich!

Der Mann meiner anderen Freundin steckt zur Zeit in der Diplomarbeit- sie studiert noch, bzw. macht jetzt eine Pause (Baby ist im März geboren). Dessen Betreuerin hat ihn, nachdem er sich einen Monat nach der Entbindung frei genommen hat, mit der Bitte empfangen, ihr aufzuschreiben, wie lange er immer so arbeitet, damit sie seine Arbeitszeit mit der der anderen Diplomanden vergleichen kann. Als ob allein die Zeit (sie hat gewiss etwas damit zu tun, aber nicht alles) etwas mit der Leistung zu tun hat, sehr streitbar also...

Was ich sagen will: Möglich ist es bestimmt. Du brauchst nicht nur den Willen, das alles durchzuziehen, Du musst es den Leuten, von denen Du als Studentin/ Diplomandin und auch noch als Doktorandin abhängig bist, ständig beweisen. Das ist auch ein bißchen abhängig von den Betreuern und wie Deine Arbeit insgesamt so anläuft.

Aber was ja auch schon bei lunea anklang: Als Biologin ist man ja immer bloss befristet angestellt, da passt es einfach nie.
Ich sitze jetzt auch auf einem Projekt und frage mich, wie ich das abschliessen soll, wenn ich jetzt schwanger werde...

Ich wünsche Dir, dass Du die richtige Entscheidung triffst!

Laborschnecke

caschuer
12.09.2008, 17:23
Also den idealen Zeitpunkt gibt es sicher nicht.
Mein Mann hat sich erst vor kurzer Zeit selbständig gemacht und verdient noch sehr wenig. Von seinem Gehalt können wir nicht leben und allein von meinem Elterngeld werden wir auch nicht leben können. Also greifen wir für meine Elternzeitmonate (4 Monate geplant) auf unsere Ersparnisse zurück. Danach wird mein Mann auf unser Kind aufpassen, bis es in die KiTa kommt, da dann unser Verdienstausfall nicht so groß sein wird.
Natürlich wäre der ideale Zeitpunkt der gewesen, wenn mein Mann soviel verdient, dass ich ein Jahr Elternzeit machen könnte, aber das ist halt nicht absehbar. Also wollten wir nicht ewig warten, sondern versuchen eben finanziell etwas zu jonglieren.
Alles in allem ist das Kind es wert.
Der richtige Zeitpunkt ist meines Erachtens der, wenn einem zu einem gewissen Punkt egal ist, ob die Karriere leidet oder nicht, weil man festgestellt hat, dass Arbeiten eben nicht alles ist.

lunea31
12.09.2008, 20:23
von Frida
Wie lange habt ihr es denn versucht?

Es hatte nach 5 Monaten geklappt, endete aber leider in einer FG. Zum Glück bin ich dann nach drei Monaten wieder ss geworden. Ich habe die Pille im Januar abgesetzt und habe zum Glück gleich einen regelmäßigen Zyklus gehabt.

Wenn Du in einem Jahr nach Australien willst, würde ich vielleicht noch das eine Jahr mit dem Schwangerwerden warten.

Ich muss sagen, dass aus meinem Semester keine schwanger geworden ist während des Studiums. Wie es jetzt aussieht, weiß ich nicht, weil einfach kein Kontakt mehr zu allen besteht. Auch an meinem jetzigen Institut ist niemand der Doktorandinnen schwanger oder hat schon ein Kind.

:blumengabe:

Frida09
12.09.2008, 22:26
Ich bin euch wirklich dankbar für die Antworten! Endlich kann ich mal ganz offen und ehrlich über dieses Thema reden!
Mit meiner Familie will ich nicht darüber sprechen und meine Mitstudenten sind 3-4 Jahre jünger als ich, da ich vor Beginn des Studiums eine Ausbildung gemacht habe, also kann ich mit denen auch nicht wirklich drüber sprechen. Fast alle meiner Freunde haben nicht studiert und können somit auch keine Ratschläge geben.
Meine Ärztin sagt, ich solle vor Australien die Pille absetzten damit sich in der Zeit der Zyklus regulieren kann. Den Rest übernimmt die Natur, denn ihrer Meinung nach kommen Kinder wann sie kommen wollen.

@Lunea: Deine FG tut mir furchtbar leid! Wie schön, dass jetzt alles gut ist. Wisst ihr das Geschlecht schon?
Ich möchte auch nicht schwanger nach Australien fliegen. Da würde ich mir glaube ich zu große Sorgen machen das etwas passiert.

@Laborschnecke: Leider muss man als Frau immer beweisen was man wirklich kann! Ich bin ergeizig und will unbedingt dieses Studium beenden! Trotzdem mach ich mir natürlich Sorgen es mit einem Kind nicht zu schaffen. Aber andere schaffen es auch, also kann ich es auch schaffen.
Schade nur, dass die Profs häufig so "Kinder-unfreundlich" sind!!!

@Caschuer: Ich glaube auch, dass es den richtigen Zeitpunkt nicht gibt. Bei mir ist es nur leider so, dass ich mich entscheiden muss ob ich im Studium ein Kind bekomme oder erst mit Mitte 30, wenn ich einen einigermaßen sicheren Job habe. Leider ist mein Freund nur dann schon 40 oder älter...
Mir fällt einfach diese Entscheidung schwer!

So, morgen fahren wir erstmal für eine Woche in den Urlaub. Dann werde ich bei Gelegenheit nochmal das Thema anschneiden. Außerdem muss auch noch die Hochzeit geplant werden. Im April ist es soweit :liebe:

Liebe Grüße
:blumengabe:

caschuer
13.09.2008, 10:41
Frieda: Vielleicht nur noch mal als Unterstützung, dass du das sicher richtig machst, egal für welchen zeitpunkt du dich entscheidest. Unsere gesamte Familie wohnt zu weit weg, um mal eben auf unsere Rübe aufzupassen. Ich bin chronisch krank und weiß nicht, wie lange mein Zustand stabil ist. Und trotzdem sind wir Ende Juni quasi samstags Morgens wach geworden und haben gedacht... ach eigentlich wäre ein Kind doch schön. Bis dahin konnten wir uns gar nicht vorstellen, überhaupt Kinder zu haben. Wir wollten reisen und unsere zweisame Zeit genießen.
Nun bin ich schwanger und all diese "Probleme" sind absolut nebensächlich geworden. Es wird sich alles finden.
Setz dich nur nicht zu sehr unter Druck, dass du als Frau immer extra beweisen mußt, dass du alles wuppen kannst. Folge deinem Bauch und dann wird sicher alles klappen!
Liebe Grüße