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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ging ganz einfach



Korsarin
06.06.2012, 21:06
Hallo ihr Lieben,

ich muss hier mal etwas Positives schreiben - ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber meine Fehlgeburt lief so ab:
Ich hatte schon ein zweijähriges Kind und wurde wie gewünscht zum zweiten Mal schwanger. Test war positiv und die Freude war groß. Doch in der achten Woche fühlte ich mich plötzlich nicht mehr schwanger und nach dem Wochenende fing es in der Arbeit an zu bluten und ich ging zum Arzt. Der stellte eine Fehlgeburt fest und entließ mich mit dem Hinweis, dass das häufig vorkomme, kein Grund zur Sorge sei und meistens alles von selbst heraus bluten würde.
Ich war ein bißchen traurig und blutete ohne große Schmerzen acht Tage lang (viel stärker als bei normaler Periode). Dann ging ich zur Kontrolle nochmal zum Arzt, der bestätigte, dass alles ok sei - ich solle jetzt aber drei Monate warten mit einem neuen Schwangerschaftsversuch.
Pah, dachte ich, jetzt erst recht. Und schon sechs Wochen später wußte ich, dass ich wieder schwanger war. Das war Lisa und sie ist inzwischen schon 14. Irgendwann sprach ich das Thema Fehlgeburt mal in einer Runde aus ca. 8 Freundinnen zwischen 25 und 30 Jahren an und siehe da: Jede einzelne von ihnen hatte schon einmal eine Fehlgeburt gehabt!!

Fazit: Es passiert viel öfter, als man weiß. Und es ist ein Kreuz, dass man dank Test so wahnsinnig früh von Schwangerschaften erfährt, wenn sie überhaupt noch nicht stabil sind. Eigentlich "gilt" eine Schwangerschaft erst nach ca. 12 Wochen.....aber wie soll man das "Sich freuen" verschieben? Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich bereits ein Kind hatte und damit wusste: "ich kann es".

Leandra
06.06.2012, 21:34
Ist ja schön dass bei dir alles Friede Freude Eierkuchen ist.
Als Frau, die vor 3 Wochen eine Ausschabung nach der 2. Fehlgeburt hatte finde ich dein Posting gelinde gesagt ziemlich taktlos.
Schon der Smilie in der Überschrift ist ziemlich daneben.
Ach so ich habe uebrigends keine Kinder, weiß also nicht, dass "ich es kann"

Cariad
06.06.2012, 21:44
Als Frau, die vor 3 Wochen eine Ausschabung nach der 2. Fehlgeburt hatte finde ich dein Posting gelinde gesagt ziemlich taktlos.
Schon der Smilie in der Überschrift ist ziemlich daneben.


Das finde ich auch. Nur weil etwas häufig vorkommt, heißt das nicht, dass es einfach ist. Die meisten Menschen erleben zum Beispiel den Tod ihrer Eltern. Trotzdem käme wohl niemand auf die Idee, ins Trauerforum zu gehen zu sagen: Auch ich habe vor vielen Jahren meinen Vater verloren, aber ich fand es gar nicht so schlimm.

Grüße, Cariad

schafwolle
07.06.2012, 07:20
@Leandra :in den arm nehmen:

Ich hatte nach drei Kindern eine Fehlgeburt in der 11. Woche ... nach einem Langstreckenflug.
Wegen dem ich mir dann lange Vorwürfe machte.

Ziemlich irrational.
Trotzdem war ich psychisch längere Zeit angeschlagen.
So einfach habe ich das nicht weggesteckt.

Ich denke aber, Korsarin, dass die Intention Deines Postings Ermutigung sein sollte.
Vielleicht solltest Du ja die Überschrift ändern, sie klingt etwas ... flapsig.
Wie eine Frau eine Fehlgeburt bewertet und erlebt hängt aber sehr von ihren ganz persönlichen Umständen ab.

Leandra
07.06.2012, 07:56
@Danke Schafwolle, Cariad

Ich glaube sogar, das ich es relativ gut verkrafte. Ich mache mir selber z.B. keine Vorwürfe und bin auch in der Lage das ganze relativ rational zu sehen
Und trotzdem ist es nichts, was "ganz einfach geht".
In dem Posting klingt es als wäre es eine Lapalie, wie ein verstauchter Fuß oder so.

Ich finde übrigends nicht nur die Überschrift, sondern das ganze Posting flapsig, einfach dem Thema nicht angemessen.
Vor allem auch der Hinweis auf das schon vorhandene Kind.
Viele Frauen haben Fehlgeburten ohne schon Kinder zu haben und wissen eben nicht "das sie es können"

Es ist einfach ein Thema wo man ein gewisses Fingerspitzengefühl zeigen sollte.
Einfach vor dem Schreiben ein bißchen mehr nachdenken, könnte nicht schaden

Inaktiver User
07.06.2012, 12:53
Überschrift, Smiley (!) und Ton des Beitrages lassen mich an so machem zweifeln...Indiskutabel, wie ich finde.

lunete
08.06.2012, 13:55
Ich stimme zu: das Eingangsposting lässt einiges an Takt und Fingerspitzengefühl vermissen.

Allerdings handelt es sich um einen Erfahrungsbericht und als solcher hat er m.M.n. auch in diesem Forum seinen Platz.

Als unbelastete Leserin habe ich das Posting so verstanden, dass hier ein 'positiver' (im Sinne eines positiven Ausgangs) Bericht, der Bericht einer schnellen Überwindung des Traumas, neben die vielen hier versammelten Berichte gestellt werden sollte, die sich mit dem großen Leid, den physischen und psychischen Schmerzen, den medizinischen Komplikationen usw. auseinandersetzen und sie hier verarbeiten.
Der TE ist offenbar eine schnelle Verarbeitung gelungen und möglicherweise resultiert daraus eine gewisse mangelnde Sensibilität für die Tiefe des Einschnitts, die eine FG für andere bedeuten kann.

Das ändert natürlich nichts daran, dass Äußerungen wie sie im ersten Posting getätigt wurden, Betroffene sehr verletzen können.
Trotzdem finde ich es nicht sinnvoll, persönliche Erfahrungen gegeneinander aufzurechnen (das passiert in der Bricom leider immer wieder). Jemandem auf der Grundlage des eigenen, subjektiv empfundenen Leids vorzuwerfen, dass er bzw. sie unter den gleichen Umständen weniger Leid empfunden hat, dieses Leid schneller überwinden konnte oder einen anderen Umgang damit gefunden hat, kann ich nur bedingt nachvollziehen.

Natürlich kann bzw. sollte man solchen Berichten eigene Erfahrungen entgegen stellen, aber dies in der Form einer Bewertung zu tun, finde ich nicht produktiv.

Ich sehe aber auch ein, dass solche Themen sehr emotional sind und dass daher eine rein rationale Reaktion nicht natürlich wäre.

:blumengabe:
Lunete

Kelley
08.06.2012, 15:01
Auch ich habe es so verstanden,. dass es eine Aufmunterung sein sollte, denn viele Ärzte raten einem, danach zwei bis drei Zyklen zu pausieren oder zu verhüten, und viele Frauen wollen gerade dann und fühlen sich dadurch gehemmt oder haben erst recht Angst, es könnte was passieren.
Aber wenn man (frau) sich umhört, gibt es so viele Frauen die direkt nach einer Fehlgeburt wieder schwanger wurden und wo es danach gut ging.

Klar ist es ab der 12. Woche sicherer, aber es gibt viele Frauen, die es vorher merken, und ich habe aus unser ersten und wahrscheinlich auch zweiten Fehlgeburt gelernt, dass ich meinem Körper vertrauen muss- egal wofür er sich entscheidet.

Ich denke, anders war der Beitrag nicht gemeint.
Aber es tut auch mir weh, sowas zu lesen, weil ich mich frage: warum andere, und ich nicht?

Lizzie64
08.06.2012, 15:12
Ich stimme zu: das Eingangsposting lässt einiges an Takt und Fingerspitzengefühl vermissen.



finde ich auch. zumal "ging ganz leicht" sich liest, als sei eine fehlgeburt etwas, das eine frau bewusst herbeiführt.

ist nicht eventuell möglich, die überschrift zu ändern?

Leandra
08.06.2012, 15:13
Mir hat kein Arzt gesagt, ich soll 3 Monate warten.
Das ist unzwischen eine veraltete Ansicht.

Und wenn die TE wirklich denkt, dass sie mit einem Beitrag in diesem Stil und Tonfall aufmuntern kann, dann ist sie entweder recht simpel gestrickt oder ein unsensibler Trampel.

Nicht das WAS geschrieben wurde ist das Problem, sondern das WIE.

lunete
08.06.2012, 16:02
finde ich auch. zumal "ging ganz leicht" sich liest, als sei eine fehlgeburt etwas, das eine frau bewusst herbeiführt.

Ich habe den Strangtitel auf

a) den medizinischen Aspekt
b) die schnelle neue Schwangerschaft
c) das rasche Verkraften der FG

bezogen.
Aber man kann ihn wahrscheinlich auch so deuten.



ist nicht eventuell möglich, die überschrift zu ändern?

Weiß nicht, ob die hier vorgebrachten Einwände ausreichen. Mods?

:blumengabe:
Lunete

Leandra
08.06.2012, 16:32
Vor allem sollte man den Smiley aus der Überschrift entfernen.

Korsarin
27.06.2012, 15:18
Liebe Forumsleserinnen,

es tut mir sehr sehr leid, wenn ich ohne es zu wollen einige von euch verletzt habe mit meinem Posting. Ich kam hierher aufgrund eines Artikels in der Brigitte zum Thema "Ausschabung" und da wurde die Frage gestellt: "Wie war es bei Ihnen?" Ich gebe zu, dass ich mich zuvor nicht gründlich durch das Forum gelesen habe und meine Intention war eher, zu beschreiben, wie eine Fehlgeburt komplikationslos ohne Ausschabung enden kann. Das "Ging ganz einfach" bezieht sich daher überhaupt nicht auf die seelische Verarbeitung, sondern rein auf die körperlichen Vorgänge.

Mir ist vollkommen klar, dass viele Frauen furchtbar leiden unter ihren Fehlgeburten und unter ungewollter Kinderlosigkeit. Genauso klar ist mir, dass ich verdammtes Glück habe, dass ich problemlos zwei gesunde Kinder haben darf (aber dafür werde ich mich nicht entschuldigen, denn ich habe keine Kinder, um Kinderlose damit zu verletzen).

Ich war einige Zeit in einem Forum zum Thema Krebs und Sterben, da vorletztes Jahr meine Mutter an Krebs gestorben ist. Es ist immer etwas anderes, als Betroffene in so einem Forum zu lesen. Man ist auf der Suche nach Hoffnung, und gleichzeitig neidet man es den anderen, wenn jemand gesund wird, während die eigene Mama keine Chance mehr hat.

Hier noch einmal: Ich möchte niemandem seinen Schmerz absprechen, nur weil ich das Glück hatte, eine Fehlgeburt unbeschadet zu überstehen. Ich wünsche allen, die sich ein Kind wünschen, dass ihnen der Wunsch in Erfüllung geht.
Trotzdem sollte m.E. in so einem Forum auch Raum für positive Erlebnisse sein (denn die können auch Hoffnung machen) und ich würde mir sehr wünschen, dass bei Unverständnis gefragt wird, wie etwas gemeint ist, statt dass jemand in die Schublade "unsensibel, verletzend, einfach gestrickt" eingeordnet wird.
Dann wäre es möglich, miteinander zu reden.

Liebe Grüße, Korsarin