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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Sie müssen jetzt sehr stark sein!" - André und meine Geschichte



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Lillian2207
17.07.2006, 12:05
Heute ist wieder ein schlechter Tag!
Ich unterscheide meine Tage immer zwischen guten und schlechten Tage. Gute sind die, an denen ich meinen Alltag schaffe, spüle, wasche, aufräume, hier und da mal an andere Sachen denken, schlecht Tage sind Tage voller Tränen! "Sie müssen jetzt sehr stark sein!" haben sie gesagt; mit diesem Satz hat mein Leben aufgehört.

Ich habe André auf dem Oktoberfest kennen gelernt! Eigentlich wollte ich an diesem Abend gar nicht mehr weggehen aber dann habe ich mich doch noch ins Dirndl geworfen. Als ich in der Loge ankam, fiel mir sofort ein Mann in kompletter Tracht auf und ich musste den ganzen Abend zu Ihm rüber gucken! Gegen zehn Uhr haben sich dann die Menschen untereinander gemischt und ich stand endlich in seiner Nähe. So nah, dass ich mitbekommen konnte, wie er seine Jacke holt und gehen wollte. "Jetzt oder nie" hab ich gedacht und mich in seinen Weg gestellt. Ich habe ihn einfach angequatscht und er ist stehen geblieben, hat sich das angehört und gegrinst! Diese Grinsen werde ich in meinem Leben nie vergessen. Ich habe ihn später mal gefragt, was er denkt wenn er so grinst, und er hat geantwortet: "Ich bin dann einfach nur glücklich!"

Der Abend war sehr lustig, wir haben viel geredet, sind zusammen zur Bahn gegangen und haben Nummern ausgetauscht. Da ich nur noch zwei Tage in München zu Besuch sein würde, habe ich auch direkt am nächsten Tag angerufen und wir haben uns auf einen Kaffee getroffen.... Mein Gehirn hat die ganze Zeit nur einen Gedanken gehabt: Halte den fest, dass ist der Richtige.

So ist es dann auch gekommen. Nach langen Hin und Her, viel Zeit, vielen Telefonaten und Emails und seltenen Treffen in Würzburg (Würzburg deswegen, weil es zwischen meiner Heimat Bonn und seiner Heimat München liegt) kam er mich endlich auch zu Hause besuchen, endlich waren wir ein richtiges Paar. Jedes Wochenende wurde verplant, gehörte nur uns. Wir wollten unsere Zeit mit niemanden teilen, haben immer jede Minute ausgekostet! Freunde mussten erst mal auf uns verzichten, wir waren für andere ungenießbar glücklich!

Dann kam unser erster Urlaub: Barcelona, zwei Wochen ohne Unterbrechung!!! Ich dachte noch, werden wir so viel Zeit ausfüllen können, wenn wir sonst nur ein Wochenende ausfüllen müssen? Aber wir konnten und es waren die schönsten zwei Wochen meines Lebens!

Danach haben wir dann endgültig angefangen zu planen! Wir haben unsere Zukunft gemalt, mit einer gemeinsamen Wohnung in München, Arbeit und Freunden, Kind und Kegel! Es war schon fast unheimlich wie gut alles passte und ich weiß noch wie ich allein in meiner Küche saß und mich noch gefragt habe "habe ich soviel Glück eigentlich verdient?" In meinem Leben waren nie Männer, die länger geblieben sind, oft Lieben die nicht erwidert wurden und Zukunftspläne, die nie in Erfüllung gingen! Und jetzt?

Nach langem Pendeln war es dann Mitte April diesen Jahres soweit, wir hatten eine Wohnung in München gefunden! Schön geschnitten, viel Platz und noch dazu bezahlbar! Am erste Wochenende im Mai wollte André dann Nägel mit Köpfen machen. Er hatte sich zur Feier des Wochenendes ein tolles Auto ausgeliehen (Cabrio) hat mich gebeten bis Ende des Jahres zu Ihm zu ziehen und!!! mich gefragt ob ich Ihn heiraten möchte!

Nachts um drei ist er dann aufgebrochen, wollte pünktlich Dienstags morgens in München auf der Arbeit sein. Ich habe Ihm seine Sachen zusammengepackt während er geduscht hat, Ihn fest in den Arm genommen und geknutscht! Zum Abschied hat er mich noch mal so lieb angegrinst und von der Strasse unten noch zwei Mal zugewunken! Dann war er weg!

Dienstag Morgen war keine Email auf meinem Rechner, Dienstag Nachmittag kein Anruf auf meinem Anrufbeantworter, Dienstag Abend immer noch die Mailbox seines Handys an. Was ist los André, warum um Himmelswillen meldest Du dich nicht.

In der Nacht habe ich es dann nicht mehr ausgehalten. Ich rief die Polizei.... Es dauerte die ganze Nacht, unzählige Anrufe hatte ich getätigt, keiner konnte oder wollte mir was sagen. Erst Morgens um Sieben rief man mich zurück. Dann der Satz, den ich heute noch höre wie vor zehn Wochen: "Sie müssen jetzt sehr stark sein!"...... "Ihr Verlobter hatte einen Autounfall!" ....... "Er war sofort tot!" .....

Er ist einfach weg! Eben war er noch da, sein Körper, sein Gesicht, sein Lächeln, sein Geruch, das Glück noch zu greifen, jetzt ist nichts mehr übrig! Der Unfall ereignete sich keine Stunde von Bonn entfernt. Ich habe geschlafen als mein Schatz gestorben ist. Nie werde ich mir das verzeihen! Und dann diese Fragen: Wäre er noch am Leben, wenn er sich nicht dieses Auto geliehen hätte, wäre er noch am Leben wenn er eine halbe Stunde später gefahren wäre.

Ich glaube ich brauche Hilfe. Ich gehe seit ein paar Wochen wieder arbeiten, aber nichts erreicht mich. Ich funktioniere nur, ich bin eigentlich gar nicht da. Aber am schlimmsten sind die Wochenenden. So schön sie noch vor kurzem waren, um so grausamer sind sie heute! Irgendwie muss ich doch zurück ins Leben finden, sagt meine Mutter, aber ich weiß nicht wie. Die Hilfe die ich von Freunden und Verwandten kurz nach Andrés Tod erfahren habe, ist jetzt schon nicht mehr da. Alle gehen ihren gewohnten Alltag nach. Nur ich nicht! Ich bin ganz alleine! Er ist einfach weg!

Inaktiver User
17.07.2006, 14:44
Liebe Lillian :blumengabe:

Ich bin sehr betroffen und traurig, was dir da widerfahren ist. Bitte nimm mein herzliches Beileid und Mitgefühl entgegen!

Was kann ich dir jetzt sagen? :wie?:

Ich kann dir nur sagen, dass du hier im Forum immer (!) jemanden finden wirst, mit dem du reden kannst, wenn die Tage wieder besonders schlimm sind.
Wir haben hier alle auf die eine oder andere Art mit ähnlichen Gefühlen und großem Kummer "überleben/weiterleben" müssen.

Die Anfangszeit ist grausam, kein Zweifel.
Und "seltsamerweise" wird es im Lauf der Monate und Jahre wirklich besser und man kann wieder lebendig werden in der Seele. Es ist ein Auf und Ab, langsam werden die guten Tage zahlreicher und das Herz leichter.

Wie sehr musst du jetzt vom Leben enttäuscht sein :heul:
Da findest du den Mann deines Lebens und verlierst ihn bald wieder.

Ich möchte mir vorstellen, dass er in seiner unsterblichen Liebe zu dir jetzt dein ständiger Seelenbegleiter ist, eine Art Schutzengel.
Vielleicht kannst du das auch?

Du weißt sicher, LIEBE ist ewig und unsterblich, wo wie die Seelen auch.
Die echte Liebe ist quasi das, woraus die Seelen gewebt sind.
Und so seid ihr immer (!) auf Innigste miteinander verbunden.


Liebe Lillian, hier findest offene Ohren und Herzen und fleißige Tippfinger - bleib bei uns im Forum, wenn du magst. Wir können dir natürlich nicht den Sinn des Geschehens erklären, aber wir können dir Begleitung in diesem schweren Lebensabschnitt anbieten.


herzlichst
Lavendelmond

Eisbaer71
17.07.2006, 19:52
Hallo Lillian,

ich würde Dich jetzt am liebsten Mal fest in den Arm nehmen, es tut mir so leid,
was passiert ist. Alle, die hier irgendwann einmal ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kennen diese guten und schlechten Tage. Irgendwann hab ich versucht, mich daran zu halten, dass die schlechten Tage vorbeigehen, trotzdem muß ich mich immer wieder herauskämpfen.
Kannst Du versuchen, Dir für die Wochenenden bewußt etwas vorzunehmen?
Mir hat damals nach dem Verlust meines Freundes der Kontakt zu seinen Freunden und seiner Familie sehr geholfen. Am Wochenende habe ich mich am Anfang manchmal regelrecht dort eingemietet. Hast Du Kontakt zu seinen Eltern und Freunden? Immerhin trauert Ihr gemeinsam um den gleichen Menschen, das kann sehr verbindend sein, auch wenn man sich ansonsten
nicht gut kennt.
Jedenfalls war es bei mir so, und oft haben mich meine Freunde und meine Familie unbewußt sehr verletzt, weil sie diesen Menschen, den ich verloren hatte, nicht so
gut kannten und folglich mit mir auch nicht trauern konnten.
Durch die Trauer verändert sich vieles, vielleicht werden Menschen in Dein Leben treten, mit denen Du nie gerechnet hast, andere werden vielleicht gar nicht damit umgehen können.
Als ich damals so verloren in den ersten Tagen durch die Welt geirrt bin, habe ich mir ein Medaillon gekauf, ein Bild meines Freundes hereingepackt und immer angehabt.
So konnte ich mich jederzeit an ihm festhalten, jedenfalls kam es mir so vor.
Hört sich vielleicht merkwürdig an, aber mir hat es geholfen.
Vielleicht kannst Du ja für Dich auch irgendwelche kleinen Dinge finden, die es Dir ein wenig leichter machen.
Und ansonsten, schreiben hilft, es sich manchmal ein wenig von der Seele zu schaffen.
Du darfst Dich, wenn Du magst, auch gerne per PN bei mir melden (ich hab gesehen, Du bist ganz neu hier in der Bricom).
Jetzt wünsch ich Dir erst mal viel Kraft und eine ruhige Nacht

Eisbär

Lillian2207
18.07.2006, 08:35
Lieber Lavendelmond,

vielen Dank für Deine Anteilnahme. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte in dieses Forum stellen soll. Aus lauter Verzweiflung das die Kontakte zu den Menschen um mich rum, die zu Anfang bei mir waren, jetzt immer weniger werden, suche ich Menschen, die mich verstehen und vielleicht selbst so einen Verlust erlitten haben. Denn ich habe gemerkt, dass nur das Verbindet.

Letztens hat mich ein Freund angesprochen und mich gefragt wie es mir geht. Ich habe geantwortet, dass es mir ziemlich bescheiden gehen würde. Da guckt er mich an, völlig überrascht, fragt sogar warum denn. Und als ich Ihm sagte, dass die Trauer um André mich immer noch tagtäglich begleitet ist es ihm erst wieder eingefallen.

Wie können die Menschen so schnell verdrängen, ich muß doch auch jeden Tag damit leben! ...... Eigentlich müsste die Welt doch stehenbleiben!!!!!

Lillian2207
18.07.2006, 09:36
Hallo Eisbär,

vielen Dank für Deine liebe Antwort!
Meine schlechten Tage überwiegen doch sehr. Manchmal wenn ich einen guten Tag hatte, denke ich "jetzt gehts bestimmt langsam aufwärts", aber dann kommt ein so großes Loch, aus dem ich nur ganz schwer wieder raus komme. Ich ertappe mich oft, dass ich sauer bin auf alle anderen Menschen um mich rum, die gar nicht mehr daran denken was passiert ist, und die "einfach" zu Ihrem Alltag zurückkehren. Geht es Dir nicht genauso, dass Du denkst, eigentlich müsste doch die Welt so wie sie war, stehen bleiben!

Jeden Tag denke ich an Situationen die mein Freund und ich zusammen erlebt haben. Ich sehe ihn, wie er lachend im Treppenhaus vor meiner Tür steht und sich auf die gemeinsame Zeit mit mir freut, wie lebensfroh er war. Dann trauer ich um das Leben das er verloren hat, die Zeit die er noch gehabt hätte....wie konnte das nur passieren?

Er hatte so viele Freunde, leider alle 500 km entfernt von mir. Deswegen ist es auch sehr schwierig mit ihnen Kontakt zu halten. André und ich haben unsere Zeit meist für uns verbracht und ich habe nur wenige von seinen Freunden kennengelernt. Aber auf der Beerdigung in München haben sie mich in Ihre Mitte genommen und mich behandelt als ob ich schon immer zu ihnen gehören würde!

Du hast völlig recht, der Kontakt zu seinen Eltern, hilft mir auch sehr. Seine Mutter hat mich tief in Ihr Herz geschlossen und wir telefonieren alle drei Tage. Wir klammern uns richtig aneinander und versuchen in dieser schweren Zeit gegenseitig Trost zu spenden. Aber das klappt auch nur bedingt!

Das mit dem Medallion kann ich gut verstehen!! Ich trage seinen (unseren) Verlobungsring auch jeden Tag und drehe ihn an meinem Finger in Gedenken an Ihn. Dann muß ich lächeln, weil er sich wie ein kleiner Junge über die Verlobung gefreut hat. Wie er mir schmunzelt den Ring übergestreift hat und überlegt hat, wann und wo wir denn heiraten werden. Damals habe ich lachend darauf geantwortet: "Wir haben doch alle Zeit der Welt um einen schönen Ort für die Hochzeit zu finden!" Aber leider stimmte das nicht!

Ich würde mich gerne per "PN" bei dir melden, aber ich bin ganz neu hier und ich kenne mich überhaupt nicht aus! Wie mache ich das?

Ich wünsche Dir einen "guten" Tag!
lillian

Eisbaer71
18.07.2006, 13:55
Hallo Lillian,

habe Dir eine PN geschickt.
Du findest sie, indem Du "Dein Profil" aufrufst, dort liegt sie in Deinem Briefkasten. Eine PN kannst Du dort direkt beantworten, oder Du gehst im jeweiligen
Strang auf den Namen des Users. Dann kommst Du zu dem Profil des Users, kannst in sein Gästebuch schreiben oder eine PN versenden.
In Deinem Profil kannst Du Dir ein eigenes Adressbuch anlegen, auch von dort kann man
PN's schreiben.
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend, melde Dich, wenn es nicht klappt.

Ich drück Dich nochmal
Liebe Grüße
Eisbaer :blumengabe:

Diamant1
19.07.2006, 12:49
liebe lillian,
es tut mir sehr, sehr leid. ein bißchen hab ich mit dir geweint, als ich es las.
so unfaßbar es für dich jetzt ist, glaub mir, die zeit bringt dir wieder erleichterung. auch wenn du es noch nicht glauben kannst, irgendwann wird dein schmerz nachlassen, und du wirst immer in liebevoller erinnerung an ihn denken können.
ich nehm dich in den arm und drück dich ganz fest.

Lillian2207
19.07.2006, 16:11
Liebe(r) Diamant1,

vielen Dank! Insgeheim liegt meine ganze Hoffnung auf der Zeit. Viele Menschen haben mir das schon gesagt und auch schon selbst erlebt das die Zeit hilft. Aber noch kann ich nicht viel spüren! Ich denke immer: Mensch heute ist mal ein guter Tag, du mußt nicht ständig weinen und träumen.... und dann kommt es wieder knüppeldick und ich kann mich gar nicht wehren! Dann ist es wieder wie am ersten Tag!

In der Trauerbegleitung hat man mir gesagt, dass man ja auch von einem "Trauerjahr" sprechen würde und das nicht von ungefähr, es würde mit Sicherheit lange dauern. Ich möchte einfach, genau wie du sagst, liebevoll an Ihn denken können, vielleicht mit einem Lächeln im Gesicht (er hatte immer den Schalk im Nacken, hat mich immer zum Lachen gebracht!). Mich darüber freuen können, das es unser Schicksal war, uns vor seinem Tod noch kennenlernen zu dürfen und nicht das es sein Schicksal war so ehlendig zu sterben!

Doch er fehlt mir halt so....

Eine ganz liebe Umarmung zurück!
lillian

Herzi32
19.07.2006, 16:11
Hallo Lillian,
bei solchen Erlebnissen fehlen mir die Worte. Aber manchmal ist es auch besser nichts zu sagen aber man weiss das jemand da ist, mitfühlt bzw. weiss wie es einem geht. Es ist grausam, das jemand wo man liebt, einfach aus seinem Leben und gerissen wird und er ein Loch zurücklässt das keiner schliessen kann.
Am liebsten möchte man sich verkriechen oder von einem Hochhaus springen, in der Hoffnung das der Schmerz dann weniger wird.
Ich weiss wie es in dir aussschaut, ich habe vor 10 Jahren meine Schwester verloren auch von heut auf morgen, ohne eine vorankündigung...einfach...schnipp.. und weg ist ein Teil von Dir und keiner kann diesen ersetzten.
Ich fand und finde immer noch den Spruch fürchterlich "Die Zeit heilt alle Wunden"...
es stimmt nur bedingt....Narben werden immer bleiben..

Ganz liebe Grüsse
Herzi32

Lillian2207
19.07.2006, 17:02
Liebe Herzi32,

ja das ist richtig, dass man sich verkriechen möchte oder seinem Leben ein Ende setzen möchte. Ich selber habe lange darüber nachgedacht, ob man sich wohl in einem Leben nach dem Tod wiedersieht. Wie unsagbar schön wäre das, wenn man das wissen könnte! Ich weiß noch, wie ich zu Hause gesessen habe, zufällig war meine beste Freundin an dem Tag da, und André meldete sich einfach nicht. Ich weiß noch wie ich zu Ihr gesagt habe: da kann was nicht stimmen. Es ist irgendwas schreckliches passiert. Wenn meinem Schatz was passiert ist, will ich auch nicht mehr sein.....

Mir hilft das Reden sehr. Am liebsten würde ich den ganzen Tag nur über André sprechen! Ich glaube Dir, dass die Zeit nicht alles heilen wird, dafür liebe ich diesen Mann zu sehr. Dafür werde ich Ihn in 10 Jahren noch sehr lieben....

Es tut mir furchtbar Leid, dass Du so was schlimmes erlebt hast! Wie schrecklich, seine Schwester verlieren zu müssen! Ich wünsche Dir weiterhin ganz ganz viel Kraft!
Fühl dich gedrückt!
Lillian

Herzi32
19.07.2006, 18:02
Liebe Lillian,
ich denke mir das dein André bestimmt nicht will das du ihm folgst, das du versuchst dein Leben weiterzuleben, auch wenn du im Moment nicht weisst wie. Hab mir auch nach dem Tod von meiner Schwester Bücher gekauft über sogenannte "Nahtoderlebnisse" und mir haben sie schon ein bischen geholfen. Denn irgendwas ist zwischen Himmel und Erde was nicht erklärbar ist und da glaub ich auch fest daran.
War auch schon mal nah dran zu einem Wahrsager zu gehen, wollte wissen ob es meinem Schwesterlein "auf der anderen Seite" gut geht...aber dazu hab ich nicht den Mut gehabt. War vielleicht auch besser so...weis nicht....
Wir dürfen froh sein solche Menschen kennen und liebengelernt zu haben und das sie für unser restlichen Leben einen festen Platz in unseren Herzen haben werden.
Auch wenn es bei mir schon 10 jahre her ist, aber es ist manchmal noch wie am ersten Tag.
Drück Dich!!
herzi32

Inaktiver User
19.07.2006, 18:15
Hier im Forum hat Beate mal ein tolles Lied gepostet:

"To Where You Are"

Who can say for certain
Maybe you're still here
I feel you all around me
Your memories so clear

Deep in the stillness
I can hear you speak
You're still an inspiration
Can it be
That you are mine
Forever love
And you are watching over me from up above

Fly me up to where you are
Beyond the distant star
I wish upon tonight
To see you smile
If only for awhile to know you're there
A breath away's not far
To where you are

Are you gently sleeping
Here inside my dream
And isn't faith believing
All power can't be seen

As my heart holds you
Just one beat away
I cherish all you gave me everyday
'Cause you are mine
Forever love
Watching me from up above

And I believe
That angels breathe
And that love will live on and never leave

Fly me up
To where you are
Beyond the distant star
I wish upon tonight
To see you smile
If only for awhile
To know you're there
A breath away's not far
To where you are

I know you're there
A breath away's not far
To where you are


(Music: Richard Marx
Lyrics: Linda Thompson)
Made popular by Josh Groban


Zum anhören....hier....Klick! (http://www.mollisgarden.com/music/2whereuare.mp3)


Liebe Lilian!
Ich drücke dich ganz herzlich und wünsche dir viel Kraft für dein Leben!

Bloodyzicke
19.07.2006, 23:54
Liebe Lillian,

auch ich würde dich so gerne jetzt drücken!!! Habe immernoch Tränen in den Augen, weil mir die Geschichte so bekannt vorkommt. Habe sie ähnlich erlebt und erlebe sie noch. Ich kann deine Gefühle so gut nachvollziehen und auch ich gleube noch nicht wirklich an die Zeit! Was mir immer hilft ist, mit ihm zu reden ganz laut und überall. So habe ich das Gefühl er ist noch bei mir. Obwohl es halt ganz bewusst ist, dass es nicht so ist. Aber egal ob ich am Grab, an der Unfallstelle oder zu hause bin, oder auch sonstwo, ich rede einfach mit ihm. Und eine andere Sache ist, wenn ich nicht reden kann, dann schreibe ich Briefe an ihn. Habe mir ein Tagebuch gekauft und schreibe sehr viel.
Ich kann dir nur raten, Worte oder Taten von Familie und Freunden nicht ganz zu ernst zu nehmen, oft wissen sie nur einfach nicht wie sie damit umgehen sollen, wobei ich mich auch immer frage, wie sie das "so wegstecken" können.

Ich wünsche dir nochmal ganz viel Kraft und drück dich ganz fest!!!

Liebe Grüße

Bloody

Lillian2207
20.07.2006, 10:59
Liebe Frusti,

ein schönes Lied und auch sehr traurig, ich mußt mir das weinen doch sehr verkneifen!
Danke schön!

Liebe Bloody,

warum muß man bloß sowas durchmachen? Immer wieder frage ich mich das! Ich wollte doch nur mit Ihm alt werden. Keine tollen, großen Sachen, nur mit Ihm alt werden! Vielleicht kennst Du das ja auch, diese ständigen Fragen: Wie hätte unsere Zukunft denn ausgesehen, wie wäre es wohl mit Kindern gewesen, wie hätte er mit grauen Haaren ausgesehen, wo hätten wir gelebt.... Und jetzt starre ich nur sein Bild an, kann mich kaum noch an seine Stimme und seinen Geruch erinnern. Etwas was mir so gefallen hat als wir zusammen waren!

Laut mit Ihm reden tue ich auch am Grab. Ich habe mir hier 500km weit weg von seiner richtigen Grabstelle auf dem Friedhof eine Gedenkstätte eingerichtet. Ich brauche einfach auch einen Anlaufpunkt für mich. Dann spreche ich mit Ihm, aber im Moment ist er mir überhaupt nicht nahe. Das war in den ersten Wochen anders, da habe ich Ihn oft gespürt. Ich habe auch angefangen Briefe zu schreiben, ich habe gelesen, dass wenn man die Briefe verbrennt, die Toten sie lesen können. So ist es zu meinem Ritual geworden Abends zu schreiben wie der Tag war und wie sehr ich Ihn vermisse.

Liebe Bloody, falls Du gerne über Deinen Verlust reden möchtest, kannst du mir auch Privat schreiben! Ich weiß wie gut das tun kann! Ich bin für Dich da!

Liebe Grüße und eine feste Umarmung!
Lillian

Lillian2207
20.07.2006, 11:15
Liebe Herzi32,

du hast Recht, er hätte es nicht gewollt, dafür hat er selbst viel zu sehr das Leben geliebt und gestaltet! Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der so lebensfroh war, für den es keine Probleme gab...

Der Besuch bei der Wahrsagerin war ein unglaubliches Ereignis. Sie hat "Kontakt" über ein Bild aufgenommen und einfach drauflos geredet. Über das was sie sieht und was André Ihr erzählt. Ich war schon ein wenig skeptisch aber die Frau hat Dinge gesagt, die sie einfach nie hätte wissen können und die nur André und ich wußten. Bei jedem Satz sind meine Augen weiter aufgegangen und ich war immer mehr erstaunt darüber. Aber das schlimmste (oder auch schönste) war, das André so nah war, ich hätte ihn greifen können! Ich habe viel geweint, einfach weil sie die Wunde wieder so aufgerissen hat. Das muß man einfach auch wissen, die Wunden werden wieder geöffnet bei so einer Sitzung! André hat mir mitteilen lassen, dass es Ihm gut geht, dass er bei dem Unfall keine Schmerzen hatte und den Brand im Autos auch nicht mitbekommen hat. Davor hatte ich den meisten Horror! Wie schrecklich wäre das gewesen!

Mir hat der Besuch bei der Wahrsagerin ganz gut getan. Denn ich habe auch von Anderen gehört, das sie weniger Gutes über Ihre Lieben in der anderen Welt erfahren haben. So weiß ich also, es geht Ihm gut!!!!!

Ganz lieben Gruß
Lillian

Bloodyzicke
20.07.2006, 11:26
Liebe Lillian,

ich danke dir von Herzen für das Angebot, und gebe es natürlich gerne zurück!!!
Ich finde es total schön, dass du dir auch bei dir in der Nähe eine Gedenkstätte einrichten durftest. Ich habe das auch. Der Friedhof ist zwar nicht "sooo" weit weg, aber trotzdem eine dreiviertel Stunde Fahrt. So hat man trotzdem etwas, das man jeden Tag besuchen kann, oder eben könnte wenn einem danach ist. Ich halte das für sehr wichtig.

Liebe Grüße

Bloody

Vemi
20.07.2006, 13:39
Wie furchtbar.
Du hast mein tiefes Mitgefühl.
Was bleibt als dich unbekannterweise lieb zu drücken und zu schweigen?

Viel Kraft und ein liebevolles Umfeldwünsch ich dir. :blumengabe:

Lillian2207
20.07.2006, 16:23
Liebe Vemi,

vielen Dank dafür, das ist sehr lieb von Dir!

Ganz liebe Grüße zurück
Lillian

Herzi32
20.07.2006, 16:51
Liebe Lillian,
so wie du das schreibst mit der Wahrsagerin hört sich das an wie bei Film "Ghost...Nachricht von Sam"....(ich liebe diesen Film...und heul auch noch nachdem ich ihn das 20te mal gesehen hab)
Ich kann mir auch vorstellen, das es für dich keine leichte Entscheidung war hinzugehen, man hört so viel mit Lug und trug und das die einem nur das Geld auch der Tasche ziehen wollen. Aber wenn sie dir geholfen ist das vollkommen ok. Ich hätte jetzt nicht mal den Mut dazu...wie du schon sagtest...werden die Wunden wieder aufgerissen.
Und mit der Gedenkstette find ich eine ganz tolle Idee von dir, da hast du für dich alleine einen Anlaufpunkt geschaffen obwohl dein André immer in deinem Herzen sein wird.
Liebe Grüsse
Herzi32

Datakrfj
20.07.2006, 20:55
Liebe Lillian,

auch von mir herzliches Beileid zu Deinem schweren Verlust. Deine Geschichte hat mich sehr betroffen gemacht. Ich habe zwar niemanden in meinem näheren Umfeld verloren, aber ich fühle trotzdem mit Dir.

Was mich sehr erschreckt hat, sind die Reaktionen aus Deinem Freundeskreis. Meine beste Freundin hat vor ein paar Jahren ihren damals 15 jährigen Bruder bei einem Badeunfall verloren. Sie hat sehr darunter gelitten und tut es auch noch heute. Ich bin immer für sie da, wenn sie darüber reden möchte und letztes Jahr an seinem Todestag sind wir gemeinsam zu der Unglücksstelle gefahren und haben uns dort stundenlang hingesetzt, geschwiegen und geredet. Sie war zum ersten mal dort, da sie nie die Kraft hatte dort hinzugehen und sich dass Schwimmbad anzusehen. Zusammen waren wir aber stark genung. Ich denke, dass man als Freundin die Verantwortung hat sich zu kümmern, zu zu hören, in dem Arm zu nehmen und zusammen zu weinen. Ich wünsche Dir, dass auch Deine Freunde erkennen, dass man nicht von heut auf morgen in die Normalität zurückkehren kann. Es dauert und der Schmerz wird nie ganz aufhören, er wird nur ein wenig verblassen.

Fühle Dich von mir umarmt.
Alles Liebe und viel Kraft wünscht Dir
Datakrfj

Lillian2207
21.07.2006, 08:42
Hallo Ihr Lieben,

Herzi32 hat vollkommen recht, mein Besuch bei der Wahrsagerin hatte eine Ähnlichkeit mit dem Film Gost. Während die Frau sich auf Andrés Foto konzentriert hat und geredet hat, kam es mir so vor als würde meine Schatz neben Ihr stehen und Ihr all die Dinge die sie laut ausgesprochen hat, ins Ohr flüstern.

So viele Kleinigkeiten die sie gesagt hat die richtig waren, so viele Charaktereigenschaften die sie von André beschrieben hat, die auch stimmten.... so viele Dinge, die Sie einfach vor sich hingesprochen hat, die aber eine so große Bedeutung für mich hatten! Z.B. er hätte mir doch vor längerer Zeit einen Ring im Urlaub geschenkt, den hätte ich in die Komode ins Nebenzimmer geräumt (das stimmte, mit all seinen anderen Sachen, weil ich die Sachen einfach nicht betrachten konnte). Es wäre so schön für Ihn, wenn ich diesen Ring noch etwas tragen würde. Ihm würde dieser Ring (das war das erste Schmuckstück was er mir geschenkt hat) so viel bedeuten!

Ich hatte Gänsehaut, mir schnürte sich der Hals zu. Ich wollte meinen André berühren können, ich wollte Ihn fühlen. Das alles ist leider nicht möglich, und das war sehr sehr traurig und ich denke nicht, dass ich das nocheinmal alleine durchmachen will....

Ich möchte lieber auf kleine Zeichen warten, obwohl ich schon lange nichts mehr wahrgenommen habe, und mich nicht mehr diesem Stress aussetzen. Ich möchte lieber ein bisschen Abstand wahren. Abstand damit ich auch irgendwann mal wieder so wie er mit mir gesprochen hat, ich mit Ihm sprechen kann. Vielleicht sogar mit einer Freude darüber mit Ihm zusammengelebt zu haben und nicht nur mit Traurigkeit!
Kann es das irgendwann geben?

Liebe Grüße
Lillian

Herzi32
21.07.2006, 17:59
Hallo Lillian,
manchmal glaub ich auch heute noch das ich meine Schwester spüre..wie sie z.B. neben mir am Grab steht...auf der Rückbank im Auto sitzt....
letzens hab ich mal ausgemistet und noch ein Ansichtskarte gefunden...und beim lesen hab ich mir vorgestellt wie sie die geschrieben hat...
Aber trag den Ring, schliesslich habt ihr den Urlaub gemeinsam erlebt und schöne Erinnerung helfen einen doch ein bischen.
wir haben einen Spruch damals ausgesucht der sehr passend war für eine Traueranzeige

"Laßt uns nicht trauern,
die wir sie verloren haben.
Laßt uns danken, das wir sie besaßen:
Denn wir wissen, sie ist uns nur vorausgegangen."

Du wirst bestimmt ein Zeichen bekommen, wenn du nicht darauf hoffst.

Sonnige Grüsse
Herzi32

Lillian2207
24.07.2006, 14:56
Liebe Herzi32,

ich bin einfach so hin und her gerissen mit den Erinnerungen. Ist es besser die Andenken immer vor sich zu haben, bzw. sie zu tragen und jeden Tag an das erinnert zu werden, was man nie wieder haben kann? Oder sollte man der "Endgültigkeit" halber, die Dinge beiseite räumen, so dass man sie nicht jeden Tag vor Augen hat?

Ich trage den Verlobungsring und ertappe mich, wie ich ihn ständig an meinem Finger drehe und in Gedanken wegschweife. Wie ich an den Heiratsantrag denke, an den Strand in Barcelona. Danach gehts mir eher schlechter und ich hadere mit diesem doofen Leben. Ich hatte mir was anderes vorgestellt. Keine Unfallorte die man traurig besucht und Obduktionsberichte die man liest. Ich wollte ein Standesamt und Kinder....

Am Wochenende hatte ich Geburtstag, ich bin morgens aufgewacht und habe gedacht ich rieche frisch gebackenen Kuchen. Das erste was mir durch den Kopf gegangen ist, war, dass André oft in der Küche stand und gerade Kuchen so gerne gebacken hat.... und dann trifft es mich wie ein Schlag und ich erinnere mich daran, dass er das nie wieder machen wird. Das ist einfach schrecklich!

Ich habe hier auch ein ganz tolles Gedicht! Ich hoffe nur, das die Zeit wirklich die Wunden heilt:

Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch die schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein and'rer Tag.

In dem ew'gen Kommen, Schwinden,
wie der Schmerz liegt auch das Glück,
und auch heit're Bilder finden
ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
und - es kommt ein anderer Tag.

Theodor Fontane

Ganz liebe Grüße
Lillian

Lillian2207
25.07.2006, 11:10
Mein lieber Schatz,

letzte Nacht ist es drei Monate her, das Du mich verlassen hast. Drei Monate her, an dem Dein Auto die Strasse verlassen hat und der Unfall Dich getötet hat. Ich kann ohne Dich nicht sein, ich versuche es jeden Tag. Heute morgen bin ich wieder auf Deiner Seite vom Bett aufgewacht, hatte ganz verweinte Augen und hatte wieder von Dir geträumt. Wieder steht mir ein Tag bevor, mit Arbeit die mich nicht mehr interessiert, Kollegen die zu meine Situation schweigen und einer Hin- und Rückfahrt die mir Angst macht.

Warum ist das bloß passiert? Warum ausgerechnet Du? Wir hatten doch soviele Pläne, so viele Träume! Niemals hätte ich geglaubt, dass ich einmal an Deinem Unfallort stehen würde und Blumen niederlegen würde. Das ich Bilder von Deinem zerstörten Auto gucken muß. Was wir wollten war doch ein Standesamt und ein Kreissaal, keine Unfall- und Obduktionsberichte!

Deine Eltern spreche ich alle zwei Tage, wir versuchen uns gegenseitig zu trösten, aber das funktioniert nicht. Es gibt keinen Trost, es gibt nur Schmerz!

Was soll ich bloß ohne Dich tun? Ich habe noch Deine sms auf meinem Handy. In der letzten sms bevor du mich besucht hast, hast Du mir geschrieben wie sehr Du Dich darauf freust mich zu sehen, zu fühlen, zu berühren, zu küssen. Was würde ich dafür geben das nocheinmal zu erleben...? Alles!

Oft überlege ich: wenn mir jemand vorher gesagt hätte wieviel glück und wieviel trauer du mir bringst, hätte ich mich dann auf Dich eingelassen? Oder wäre ich gerannt so schnell ich konnte? Ich denke ich hätte es getan, ich hätte Dich geliebt, auch wenn ich gewußt hätte, das es nur für eine kurze Zeit sein wird, das mein Leben so wie es war, vorbei sein würde....Und ich hätte es genossen!

Ich werde immer an Dich denken, heute, morgen, nächstes Jahr! Und morgen werde ich wieder aufstehen müssen, obwohl ich das gar nicht will!

Ich liebe Dich!

Eisbaer71
25.07.2006, 11:19
Hallo Lillian,

die Frage hab ich mir auch gestellt, hätte ich alles genauso gemacht, wenn ich gewußt hätte, was alles kommen wird. Und ich habe sie mir immer, immer wieder gleich beantwortet, ich möchte keine Stunde missen, nicht einmal die schlechten.
Laß Dich von Deinen guten Erinnerungen ein bißchen durch den Tag tragen.
Dein Andre wird auf seine Art bei Dir sein, da bin ich mir ganz sicher.
Ich denk' an Dich.

Liebe Grüße

Eisbär :blumengabe:

Herzi32
25.07.2006, 13:27
Liebe Lillian!!!

Laß mir Dir noch nachträglich zum Geburtstag gratulieren :blumengabe:
Ich hoffe du hattest an deinem Tag ein bischen Ablenkung, auch wenn es bestimmt nicht einfach war, da André nich köperlich bei dir war. Aber bestimmt war er in deiner Nähe, auch wenn du Ihn nicht gesehen hat.

Was die Andenken betreffen, ich hab z.B. die Lieblingsstrickjacke von meiner Schwester immer noch..und die zieh ich heute immer noch an....manchmal glaub ich auch ich spüre oder schnuppere ihren Geruch. Ich fühl mich einfach wohl darin..
Am Anfang hab ich sogar die Jacke bei mir im Bett gehabt, das war noch ihr Geruch dran und ich wollt ihn aufsaugen und nichtmehr loslassen...aber leider mit der Zeit verblasst sr dann.

So wie du schreibst könnt ich dich in den Arm nehmen und mit die losheulen!!!
Die Schmerzen die man fühlt kann man nicht beschreiben und sind für diejenigen die sowas (gottseidank) noch nicht erlebt haben, denke ich , nicht zu verstehen.
Die Schmerzen werden irgendwann erträglicher und man lernt damit umzugehen und damit zu leben.
Es ist auch normal das du immer wieder an die schönen Dinge zurückdenkst die du mit André erlebt hast und das sollst du auch.
Er wolle das bestimmt auch nicht so einfach von dieser Welt und von dir gehen, aber ich denke er ist jetzt dein Schutzengel der Tag und Nacht über dich wacht, das dir nichts passiert...

Ganz Liebe Grüsse
Herzi32

Lillian2207
25.07.2006, 15:25
Hallo liebe Herzi32,

danke für Deine Geburtstagsglückwünsche! Das ist ganz nett von Dir!

Ich finde den Gedanken (und ich glaube auch fest daran), das unsere Verstorbenen als Schutzengel über uns wachen, ganz beruhigend. Ich denke, Sie vermissen uns auch und wollen genauso bei uns sein und passen deshalb ganz besonders gut auf uns auf!

Wie Du die Strickjacke von Deiner Schwester hast, so habe ich den Kopfkissenbezug von der Bettwäsche als Andenken an Seite getan! Ich habe Ihn sogar in eine Plastiktüte gelegt, damit ich den Geruch noch lange haben kann (typisch Frau :-))! Manchmal wenns wieder ganz dicke kommt und ich denke: Tränen reinigen die Seele, dann wird er hervorgekramt und ich kuschel mein Gesicht rein.... dann muß ich wirklich fürchterlich weinen...

Ich herze Dich und denke an Dich
Lillian!

Herzi32
25.07.2006, 16:22
Hallo Lillian2207,

ich versteh dich voll und ganz mit deinem Kissenbezug. Es sind diese Kleinigkeiten, die man noch festhalten möchte, wie z.B. die SMS oder Kissenbezug..ect...es gibt 1000 kleine dinge die es sind...und man zählt die Stunden,Tage,Wochen....Monate...wann man denjenigen das letzte mal gesehen, gespürt hat...geht mir teilweise heute auch noch so.
Aber weine wenn dir danach ist, es tut gut...versteck deinen Schmerz nicht....auch wenn es deine Bekannten nicht verstehen sollten, denn wie heisst es so schön "wahre Freunde erkennt man in der Not".
Lass deinen Gefühlen einfach freien lauf und das du zu seinen Eltern auch noch Kontakt hast, find ich echt klasse!!!! Das hilft euch allen.
Hast du eigentlich auch vor sie nochmal zu Besuchen?

Ich wünsch dir einen Sonnigen Abend!!
Fühl dich gedrückt
Herzi32

Inaktiver User
27.07.2006, 13:40
Liebe Lillian und Herzi,

ich kann Euch so gut verstehen! Ich verlor 2002 innerhalb von 7 Monaten Bruder und Mutter.

Liebe Lillian, ich fühle mit Dir!

Aber ich kann Dir versichern, der Schmerz lässt nach. Ich hätte das auch nie geglaubt.
Das Trauerjahr ist wichtig. Die Trauer zulassen ist wichtig. Ich habe auch viel über meinen Bruder gesprochen, viel geweint und meinen Schmerz rausgeschrien. Und auch jetzt könnte ich weinen, obowhl die letzten Tränen schon länger her sind.

Manchmal kommt die Erinnerung und der Schmerz wie ein elektrischer Schlag. Aber es wird immer einfacher, damit umzugehen.

Freunde habe ich verloren in der Zeit aber auch neue gewonnen. KollegInnen konnten mit meinem Schmerz nicht umgehen. Haben mich erst nicht angesprochen. Erst, als sie von meinem Chef hörten, dass ich sprechen WILL, dann kamen sie...
Ich habe allerdings auch nur funktioniert. Nach aussen nicht sichtbar ging es mir gut, innerlich litt ich wie ein Hund. Und dann kam sie, die Depression. Schleichend. Ich hatte damala auch eine zeitlang medikamentöse Unterstützung. Ich konnte wieder schlafen und auch das Leben nicht also schwarz sehen.

Auch ich spürte fast ein Jahr lang die Nähe der Toten - hauptsächlich die meines Bruders. Und ich musste täglich an sie denken. Doch eines Tages fiel mir auf, dass ich "nur" alle zwei Tage an sie denke, dann alle paar Tage, einmal die Woche....

Ich konnte sie gehen lassen. Dorthin, wo sie hingehören. Ins Licht - sie sollen ihren Frieden haben.

Heute, vier Jahre danach, geht es mir gut. Ich denke mit Freude an die Toten, bzw. an die Zeit, die ich mit ihnen hatte. Und wenn dann doch mal die Traurigkeit kommt, lasse ich sie zu.

Liebe Lillian, ich wünsche Dir von Herzen, dass auch Du nach einem für Dich passenden Zeitraum die Kraft und die Freude am Leben spüren kannst. André würde nicht wollen, dass es Dir schlecht geht und dass Du immer so traurig bist. Das habe ich mir immer vorgestellt, wie meine Toten mit mir schimpfen, dass ich so leide.

Sie sind nicht tot, sie leben doch in unseren Herzen weiter...!
Und: sie sind nur voraus gegangen und wir können froh sein, daß wir sie hatten...

Fühl Dich umarmt und ich wünsche Dir viel Kraft und Energie.

Liebe Grüße,
Scarlett

Herzi32
27.07.2006, 16:24
Hallo Scarlet39..

tut mir sehr leid was du auch mitmachen musstest...das Leben selbst spielt doch die schlimmsten Geschichten

das hast du wirklich wunderbar geschrieben!!! Und das stimmt auch...den Schmerz rauslassen...ich hab mir auch manchmal ein Kissen genommen und reingeschrien...geheult..mich versteckt...aber man muss versuchen sich unter die leute zu mischen...die einen Verstehen...

Und man merkt dann wirklich wer seine wahren Freunde sind...auch wenn du nämlich mal keinen guten Tag hast, das sie bei dir da bleiben...auch wenn sie nichts sagen...aber sie sind einfach nur bei einem ...

Am Wochenende saß ich bei mir auf der Terrasse und hab in die Sterne geschaut...und sehe da...da kam doch eine "Schnuppe-Stern" angeflogen...und irgendwie musste ich dann auf einmal an mein Schwesterlein denken.....aber diesen Wunsch den ich hatte kann mir keiner Erfüllen...

Liebe Grüsse
Herzi32

Lillian2207
27.07.2006, 17:25
Hallo Ihr Lieben,

jetzt muß ich mir erst mal die Tränen abwischen und wieder ein bisschen durchatmen! Ihr habt so liebe und schöne Sachen gesagt, dass ist mir furchtbar nahe gegangen!

Liebe Scarlett39,

danke schön für deine netten Worte, ich hoffe darauf das Du Recht hast, dass man irgendwann mit einem Lächeln an die Toten denken kann! Es macht mir ganz viel Mut wenn ich Deine Mail lese!

Ich habe einen Menschen verloren und ich bin wie versteinert, wie schlimm muß es sein, gleich zwei so nahe Menschen zu verlieren. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Es tut mir so leid für Dich! Ich glaube sowas kann man auch nur mit viel Beistand überwinden. Als André gestorben ist, hat meine Mutter zwei Wochen lang jeden Abend bei mir geschlafen. Danach ist sie vier Wochen lang jeden Abend geblieben bis ich endlich eingeschlafen bin. Jetzt kommt sie jeden zweiten Abend noch vorbei, weil ich sie einfach noch brauche.

Meine beste Freundin dagegen kann gar nicht so richtig damit umgehen, das hätte ich niemals geglaubt. Wir sind seid 12 Jahren die besten Freundinen, unzertrennlich und an meinem Geburtstag ist sie das erste Mal in den 12 Jahren alleine auf einen Party gegangen. Sie wollte das ich mitgehe, aber ich konnte einfach nicht. Ich möchte DA nicht rausgehen, was sollte ich auf einer Party? Und da geht sie tatsächlich allein!? Ich hätte Sie gerade an meinem Geburtstag so sehr gebraucht, der Tag war so furchtbar ohne André. Aber Sie hat mich alleine gelassen.....

Ich weiß, ich darf den Menschen um mich herum nicht böse sein, aber ich habe natürlich auch Angst! Dadurch das ich mich selber auch verändert habe, könnte ich Freunde verlieren! Ich möchte mich aber auch nicht verstellen, nur um das zu tun, was andere gerne tun wollen. Mir ist halt noch nicht danach! Es ist genauso wie Du sagst: nach außen sehe ich schon besser aus, aber innen ist es als wäre es gerade erst passiert... UND das ist es doch auch, es ist doch erst drei Monate her!!!!!

Manchmal fallen mir ganz schreckliche Sachen ein: André und ich waren in Barcelona in einem Ruderboot auf einem See. Ich habe Ihm die Ruder abgenommen und es selbst versucht und er hat gerufen: "schneller, noch schneller, mehr Dampf auf dem Kessel" .... und ich habe zurückgelacht: "ja mehr Dampft sonst werden wir noch alle sterben". Wir haben sehr gelacht aber jetzt muß ich weinen wenn ich denke was ich da gesagt habe und was uns jetzt passiert ist... Ich weiß, es hat nichts damit zu tun, es war nur so daher gesagt, aber ich schäme mich so sehr!

Ach könnte ich doch auch irgendwann mal das gleiche sagen wie Du: Sie sind nicht tot, sie leben in unserem Herzen! Aber in meinem Herzen ist im Moment nur Trauer und Missmut darüber das ich Ihn nicht mehr in meine Arme schließen kann!

Es können einen die Menschen, die selber schon einmal jemanden in Ihrem Leben verloren haben, am besten verstehen und am besten helfen!

Ich wünsche Dir einen schönen Tag, liebe Scarlett39 :blumengabe:

LG Lillian

Toyo
28.07.2006, 00:04
Lillian, ich hab die ganze Zeit den tread verfolgt. Habe ihn öffters gelesen und er hat mich immer sehr berührt. Ich habe letztes Jahr 2.6.05 meinen kleinen Bruder verloren und dieses Jahr meine allerallerbeste Freundin. Ich kann dich gut verstehen. Ich möchte dich einfach nur drücken.

Schön ist, dass du inzwischen darüber reden oder schreiben kannst. Das ist das beste, um alles zu bewältigen. Und hier findest du Leute, die auch schon mal so was erlebt haben. Denn nur, wer schon mal das erlebt hat, kann das auch richtig verstehen. Das war der Satz von meiner Tante (sie hat ihren Sohn verloren). Heute weiß ich, dass das so ist. Lass dich einfach drücken.

Gute Nacht
Toyo

Lillian2207
28.07.2006, 11:07
Hallo Toyo,

vielen Dank für die Umarmung! :blumengabe:

Mir hilft dieses Forum wirklich sehr! So viele Menschen, die einen Verlust überwinden müssen, die verstehen was ich durchmache! In meinem Freundeskreis gibt es keinen Einzigen, der sowas schon erlebt hat und mich verstehen kann. Leider ist das so, denn wenn ich mal nicht mit verheulten Augen rumlaufe, denken alle um mich rum, mir müsste es schon wieder gut gehen.... Das ich innerlich leide, das sieht keiner.

Auf der anderen Seite bin ich komischer Weise "Anlaufpunkt" für traurige Geschichten geworden. Alle haben das Bedürfnis mir irgendwelche Geschichten von irgendwelchen Menschen die ich nicht kenne zu erzählen, die auch schon mal einen Verlust erlitten haben...."Kennst du denundden, der hat seine Freundin kurz vorm gemeinsamen Urlaub verloren!....Kennst du denundden, die hat Ihren Freund daundda verloren!" Will man mir damit helfen, oder wissen die Leute nicht mehr was man mit mir sonst noch reden könnte? Eigenartig!

Heute ist wieder ein "schlechter Tag"! Das Leben geht ja bekanntlich weiter und in meiner Clique hat ein Pärchen Ihr Baby bekommen. Als man mir die Fotos geschickt hat, hat es mir einen sehr tiefen Stich versetzt! Das wollte ich auch! Wieso dürfte ich das nicht erleben? Was habe ich denn in meinem Leben falsch gemacht?

Ach ja, ich weiß, ich muß nach vorne schauen und nicht in der Vergangenheit leben! Es ist halt nur so schwer :-/

Ganz liebe Grüße an Dich, Toyo
und einen "guten Tag" für Dich!

Lillian

Lillian2207
28.07.2006, 13:13
Mein lieber Schatz,

heute ist Freitag, schon wieder steht ein Wochenende vor der Tür. Ich hasse Wochenenden!

An diesem Wochenende wäre ich zu Dir nach München gefahren! Wir haben uns immer abgewechselt. Wie schnell doch fünf Stunden Fahrt vorbei gehen, wenn man zu seinem Schatz fährt!

Langsam kommen so viele Erinnerungen zurück! Dinge, an die ich in den letzten drei Monaten gar nicht mehr gedacht habe, die in meinem Schock wie weggeblasen waren. Erinnerst Du Dich noch an dieses wunderschöne Osterfest? Ich hatte Dir angekündigt, dass wenn wir Ostern feiern würden, wir die komplette Palette machen müssten: Eier kochen, färben, verstecken und suchen. Erst hast Du gelacht, aber als es soweit war, warst Du wie ein kleines Kind! Was habe ich gebrüllt vor lachen, dich mit Nadel und Faden die Eierwärmer nähen zu sehen, wie Du versucht hast kleine Blumen auf die Eier zu malen, die immer wieder verwischt sind und nie nach Blumen ausgesehen haben! Und dann hast Du angefangen die Süssigkeiten zu verstecken die Du mitgebracht hast! Auf Schritt und Tritt hast Du mich dabei fotografiert wie ich gesucht habe, es hat mich wahnsinnig gemacht so von Dir beobachtet zu werden. Und endlich hatte ich alles gefunden und Du warst dran....

Und dann stand ich in der Küche und habe mir eins deiner Überraschungseier aufgemacht. Du bist wie von der Tarantel gestochen hinter mich getreten...wir haben uns die Schokolade geteilt und Du hast angestrengt darauf gewartet, dass ich das Innenleben aufmache! Ich dachte ich sehe nicht richtig. Anstelle von Plastikspielzeug lag da ein Zettel drin auf dem stand: Ich liebe Dich! Wie um Himmelswillen hast Du den Zettel in das Ei bekommen, ohne das ich es gesehen habe. Du hast sogar die Schokolade wieder "zusammengeschweißt".

Sowas Schönes hat noch nie jemand für mich getan. So eine tolle Idee, soviel Arbeit für eine Liebesgruß. Und Du hast Dich so sehr über mein erstauntes Gesicht gefreut.
Wie ein kleines Kind eben, ganz ausgelassen, ganz ungekünzelt! Am besten passt zu Dir der Ausdruck: Der Wolf im Schafspelz. Immer ein Grinsen auf den Lippen, und nie die Gedanken dahinter preisgeben! Das habe ich an Dir geliebt, das habe ich schon bei unserer ersten Begegung gespürt, das hinter diesem Grinsen mehr versteckt ist!

Ich habe unser Foto rahmen lassen. Das Schwarzweißfoto was Du von uns gemacht hast. Du hast Dich über mich gebeugt und mich auf die Wange geküsst. Wir beide haben die Augen zu, aber man kann die Liebe sehen wenn man sich das Bild anschaut. Ich habe einen Rahmen ausgesucht, der Dir auch gefallen hätte, weißes Holz auf alt gemacht. Ich wollte es im Wohnzimmer auf den Schreibtisch stellen. Da stand es genau einen halben Tag, dann hab ich es unter Tränen wieder weggetan! Es tut mir leid, ich habe es wirklich versucht, aber gerade dieses Bild war schlecht gewählt. Es zeigt alles das, was ich verloren habe!

Du weißt: ich brauche kein Bild um mich an Dich zu erinnern, Du bist immer bei mir!

Ich liebe Dich!

Toyo
31.07.2006, 23:35
Hallo Lillian
ich hoffe, dir ging es heute besser. Dafür hatte ich einen schlechten Tag. Hab jetzt einfach nur an dich gedacht und will dir einfach nur ein paar Zeilen schreiben, damit du weißt, du bist nicht allein.

Gute Nacht
Toyo

Eva39
01.08.2006, 13:38
Liebe Lillian,

ich habe Deine Geschichte gelesen und ich fühle sehr mit Dir.

Du schreibst nicht nur über den Schmerz, ausgelöst von dem unwiederbringlichen Verlust, den Du erleiden mußtest, sondern auch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Das macht diesen Verlust so dramatisch.

Ich möchte Dir sagen, dass ich sehr gut nachfühlen kann, wenn man seine große Liebe auf so dramatische Weise verliert. Es tut mir unendlich leid für Dich.

Ich bin mit meinem Herzen bei Dir!

Eva

Lillian2207
03.08.2006, 10:49
Liebe Eva,

danke für Deine netten Worte! Ja das stimmt, es war eine tolle Liebesgeschichte. Es war wie aus den Romanen, die wir alle kitschig finden, und doch gerne lesen.... Ich habe so viele von diesen Büchern gelesen und gehofft, dass mir auch mal so etwas schönes passieren wird. Und dann passiert es wirklich! Und dann hat meine Geschichte kein Happy End!

Es ist ungerecht, so viele Menschen dürfen zusammen sein und zusammen alt werden, warum durften wir das nicht? Aber ich bin auch realistisch, ich glaube nicht daran, das so etwas wirklich zwei Mal im Leben passieren kann!! Ich hoffe, dass ich irgendwann mit einem Lächeln zurückdenken kann, das ich froh sein kann, so einen Mann kennengelernt zu haben und das es dann nicht mehr so schmerzt. Aber das kann dauern!

Ganz liebe Grüße an Dich! Fühl dich gedrückt!
Lillian

Lillian2207
03.08.2006, 11:16
Mein lieber Schatz,

ich habe Dich am Wochenende so sehr vermisst. Ich hätte so sehr deine Ruhe und Deinen Rat gebraucht. Ich wollte einfach nur etwas tun und habe angefangen mein Wohnzimmer zu renovieren. Ich war mir so unsicher mit der Farbe und habe mich promt beim anmischen vertan. Das Zimmer war fertig gestrichen und wieder eingeräumt, als ich auf unserem Sofa saß und mit der Farbe gehadert habe. Es hatte so gar nichts mehr von Sandfarben, es war Grau. So grau wie meine Stimmung und ich mußte weinen....

Ständig fällt mir unser letztes Wochenende ein, es gibt so viele schönen Ereignisse aber meine Gedanken kreisen viel zu oft nur um dieses letzte gemeinsame Wochenende.... Wir sind mit dem Cabrio durchs Rheintal gefahren und Du wolltest alle Plätze sehen, an denen ich mich gerne aufhalte. Ich habe Dir die Rheinauen gezeigt, das Siebengebirge, den Rolandsbogen und von dort oben den Ausblick auf den schönen Rhein. Wir hatten trotz Kälte das Verdeck auf, damit Du auch alles sehen konntest und es gefiel dir so gut bei mir! Einmal bist Du an so einem schönen Ausblickpunkt einfach rechts rangefahren und hast mich angeschaut. Dann hast du die Spracherkennung des Autos aktiviert und "Knutschpause" gesagt. Du hattest den Computer danach programmiert und plötzlich spielte der CD-Player unser Lied. In diesem Moment habe ich dich noch mehr geliebt!!! Wir haben da an der Strasse im offenen Cabrio hemmungslos geknutscht und es war toll! Nie werde ich das vergessen.

Ich habe mich so fürchterlich über die Wandfarbe aufgeregt, ich konnte mich gar nicht mehr beruhigen. So viel Arbeit und dann so ein schreckliches Ergebnis! Aber du hättest mich bestimmt lachend umarmt und gesagt, dass ich mich doch nicht aufregen brauche, dass wir alles noch mal streichen und das es doch kein Problem ist... Aber ich war völlig aufgelöst ohne Dich!

Ich bin los und habe neue Farbe gekauft. Ständig hatte ich Deinen Satz in den Ohren: Es gibt keine Probleme.... Ich habe alles wieder von vorne angefangen! Und ich habe es geschafft! Du hast mir doch geholfen, obwohl du nicht da bist! Und als ich fertig war, das Wohnzimmer endlich in einem hellem cremeton gestrichen war, habe ich wieder auf unserem Sofa gesessen und ich konnte lächeln!

Ich danke Dir dafür, ich liebe Dich!

Lillian2207
03.08.2006, 16:47
Liebe Toyo,

danke Dir für Deinen Gruß! Ich hab mich sehr darüber gefreut!!!!
Ich hoffe es geht Dir heute etwas besser und dein Tag ist "gut".
Leider spielt das Wetter nun nicht mehr so mit, und es fühlt sich schwer nach Herbst an! Aber fühl dich ganz fest gedrückt und geherzt, auf das die traurigen Gedanken von guten abgelöst werden!!!

LG Lillian

Toyo
03.08.2006, 21:43
Hey Lillian
ja mir geht es heute besser. Montag wurde der letzte Rest von meiner Freundin aus der Wohung geräumt. Natürlich war ich dabei. Natürlich musste ich nicht, aber ich musste. Danach bin ich ums Haus geschlichen. Hat nochmal richtig weh getan. Aber du kannst das ja eh verstehen. Aber es war wichtig für mich. Auch wenns weh tat.
Wie geht es dir? Du schreibst richtige Geschichten. Finde ich klasse. Ich drück dich jetzze mal und wünsche dir eine ´gute Nacht.

Toyo

Lillian2207
07.08.2006, 08:49
Hallo Toyo,

mir gehts ziemlich bescheiden. Eigentlich immer nach einem Wochenenden und an einem Montagmorgen.

Heute wurde im Radio die halbjährige Verkehrsunfallstatistik aufgezeigt. Und ich war total geschockt, weil bei der veröffentlichten Zahl, mein Schatz dazugehört! Ich habe schrecklich weinen müssen.

Ich hoffe Du konntest über das Wochenende etwas Ruhe finde, nachdem du das mit der Wohnung Deiner Freundin geschafft hast. Es gibt nichts schlimmeres als das mitzuerleben. Als ich von Andrés Tod erfahren habe, bin ich total geschockt mit einer Tasche durch meine Wohnung gegangen und habe alle Sachen zusammen geräumt. Ich weiß nicht wieso ich das getan habe, ich denke ich wollte alles erst mal nicht sehen. Heute, dreieinhalb Monate nach seinem Tod, sind die Sachen immer noch nicht wieder an ihrem Platz, weil ich es einfach nicht schaffe, die Dinge jeden Tag anzusehen!

Ich wünsche Dir ganz ganz viel Kraft und Stärke für Deinen Weg! Ich kann nachfühlen, wie schwer das sein muß!!!! Fühl dich gedrückt!
Lillian

Eisbaer71
07.08.2006, 11:15
Guten Morgen Lillian,

als ich kurz nach dem Tod meines Freundes umziehen musste, stellte sich auch die Frage, was packe ich ein oder aus, welche Sachen kann ich mir überhaupt noch anschauen.
Ich habe damals über meinen Bett ganz viele Postkarten mit Gedichten, die mir etwas bedeuteten, aufgehängt. Die hatte ich dann immer im Blick, wenn es mir einmal besser oder auch wieder besonders schlecht ging.
Irgendwie habe ich mich daran festgehalten, daneben ein Kerzenhalter, von einer Freundin geschenkt, mit ganz vielen Teelichtern für die dunkleren Abende.
Jetzt, in meiner wieder neuen Wohnung, fehlt mir diese Ecke, vielleicht sollte ich sie wieder auspacken.
Hier hab ich ein Gedicht, ich weiß nicht, ob es hier und jetzt paßt, aber es geht mir seit einigen Tagen durch den Kopf
(zumindest paßt es zu dem, was ich Dir Samstag erzählt habe, und zu Deiner am Anfang gestellten Frage, würden wir alles genauso machen, wenn wir den Ausgang wüßten :niedergeschmettert: )

Was es ist

Es ist unsicher
sagt die Planung

es ist endlich
sagt die Zeit

es ist gefährlich
sagt die Sicherheit

es ist waghalsig
sagt die Berechnung.

Es kann weh tun
sagt die Angst

es ist schwer
sagt die Einsicht

es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht

es kann unglücklich machen
sagt die Erfahrung

es ist verwirrend
sagt der Verstand.

Es ist verrückt
sagt die Vernunft.

Aber es war wundervoll
sagt das Herz.

Ich wünsch Dir einen guten Montagmorgen:blumengabe:

Eisbaer

Lillian2207
07.08.2006, 13:51
Hallo Eisbär!

Dein Gedicht hat mich zum Weinen gebracht!!!! Ja, es war wundervoll und ich weiß, ich muß es festhalten! Was ist aber, wenn ich es loslassen muß um irgendwann aus der Trauer zu finden. Werde ich dann all das wundervolle verlieren? Oder ich werde immer trauern müssen? Wie wird die Zukunft bloß aussehen.....?

Ganz lieben Gruß und einen "guten" Wochenanfang!
Lillian

Eisbaer71
07.08.2006, 14:42
Hallo Lillian,

das letzte, was ich wollte, war Dich zum Weinen zu bringen.
Aber ganz sicher geht beides, die wundervollen Erinnerungen werden immer bleiben, auch wenn Du Deinen Weg aus der Trauer gefunden hast. Und ich fürchte, ein paar Narben auf der Seele werden auch bleiben, aber wie habe ich neulich so wundervoll bei Lavendelmond gelesen:



Die Narben freilich, die bleiben sichtbar, auch wenn sie noch im Lauf der Zeit verblassen werden.
Narben machen auch Schmerzen, bei "Wetterwechsel" und sie sind auch ein Störpotential im energetischen Gefüge
Körpernarben ebenso wie Seelennarben

*lächel*
Ich habe an "Narbentagen" immer einen alten Haudegen vor meinem geistigen Auge , vernarbt und wettergegerbt oder eine alte Frau, faltig und mit eisgrauen Haaren...

SCHÖNE Menschen, gezeichnet vom Leben - Menschen, die ihre Vergangenheit ehren und angenommen haben und nicht verbergen.


Seht her! So bin ich. So und nicht anders. Seht in mein Gesicht und seht in mein Herz. Jede Falte, jede Narbe erzählt eine Geschichte meines Lebens.

Ich bin mein eigenes Gestaltgewordenes Lebensbuch.
Kommt und lest in mir.

Schick Dir noch ein paar Montagsgrüße

Eisbär:wangenkuss:

Lillian2207
07.08.2006, 15:39
Mein lieber Schatz,

gestern bin ich über ein Foto von dir auf meinem Handy gestolpert. Als ich es aufgemacht habe, hast du mich mit Augenklappe und Säbel angegrinst! Ich konnte sogar ein kleines bisschen lächeln....Karneval hatte ich schon total vergessen...

Anfang des Jahres war ich in den Vorbereitungen für unsere Karnevalsveranstaltungen. Du warst richtig erstaunt was ich alles um die Ohren hatte als Karnevalist im Rheinland. Erst hast du dich ziemlich lustig gemacht über die vielen Kostüme die ich nach und nach aus dem Keller geholt und gereinigt habe. Dann hast du so getan, als würde es dich nicht interessieren. Aber schließlich fingen die ersten Sitzungen an, und immer wenn ich voll kostümiert nach Hause kam, hast du mit der Kamera im Anschlag auf mich gewartet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Dich überzeugen könnte mit mir Karneval zu feiern, aber als es dann richtig losging, warst Du nicht mehr zu bremsen!

Am aller besten war Dein Piratenkostüm! Für fünf Euro irgendwo in Bayern organisiert, hast du dir richtig was ausgedacht und am kommenden Wochenende vor meiner Tür gestanden. Rastazopfperücke, Kopftuch, Augenklappe, Säbel, Hemd und Scherpe und eine aufgemalte Narbe auf der Wange... Du sahst einfach umwerfend aus in deinem Kostüm, ich hätte dich fressen können!

Hättest Du nur nicht den Mund so voll genommen vor all meinen Freunden. Ich mußte schon schmunzeln als Du dich über unsere 0.2 Kölschgläser amüsiert hast. Was hast du dich gebrüstet mit den Maß die ihr in Bayern so trinkt.... Und dann ging die Party bei meinen Freunden los, und zu deiner Belustigung hatten Sie nicht nur 0.2 Gläser sondern sogar 0.1 Gläser für das Kölsch organisiert. Ihre Devise war, je frischer desto so besser. Du hast mit den Jungs ein Kölsch nach dem anderen geext und hast Dir nichts dabei gedacht.... tja und dann bist du vom Hocker gekippt! Das unser Kölsch viel schwerer ist als das Helle in Bayern, ist dir zu spät aufgefallen und Du hattest die Lacher auf Deiner Seite!

Ach Schatz, was würde ich dafür geben die Zeit zurückdrehen zu können. Mit Dir wieder durch die Strassen zu laufen, verkleidet und fröhlich. Mit Dir ein Kölsch zu trinken und mir Dir zu lachen! Immer wieder ertappe ich mich, wie ich denke: alles könnte doch normal sein. Wärst Du vor dreieinhalb Monaten doch nicht um diese Uhrzeit auf dieser Autobahn gewesen, dann würdest Du mir jetzt eine Email schreiben und mit mir die nächsten Wochenenden planen!

Heute haben Sie im Radio die halbjahres Verkehrsunfallstatistik veröffentlicht. Sowas hätte ich früher nicht beachtet, wahrscheinlich sogar komplett überhört. Aber dieses Mal traf es mich wie ein Hammer, denn:

die Zahl hat dich beinhaltet!!!!

Wenn ich heute Abend nach Hause komme, schaue ich mir nochmal Dein Foto mit Augenklappe und Säbel an, das Foto aus der normalen Zeit! Und dann werde ich hoffentlich nocheinmal lächeln können.

Ich liebe Dich!

Toyo
07.08.2006, 23:59
@ Lillian ich wünsche dir einen guten Morgen und einen guten Tag. Ich denk an dich und ich drück dich.

Gute Nacht
Toyo

Lillian2207
08.08.2006, 14:36
Liebe Toyo,

schön das du da bist!

Ganz feste Umarmung und einen schönen Tag!!!!!
Lillian

Toyo
08.08.2006, 23:05
Lillian ich denke an dich. Aber was für einen "Köter" haste da auf dem Laptop?? Oder ist es die Herdplatte??? (Avatar)

Übrigens ich liebe Hunde. Wir haben selber einen. Köter war nicht abfällig gemeint. Ich drück dich, weil ich weiß, dass du das brauchst.

Gute Nacht

Toyo

Lillian2207
09.08.2006, 09:30
Hallo Toyo,

:-) das ist ein kleiner Jack Russell Welpe, und was man leider nicht sehen kann: er macht Pipi auf dem Laptop.... Das Bild habe ich mal geschickt bekommen, ist weder mein Hund noch meine Wohnung. Aber ich fand den Kleinen so süß!!!! Ich liebe auch Hunde und jetzt wäre eigentlich der perfekte Zeitpunkt für so einen "besten Freund". Aber leider arbeite ich Vollzeit und auch noch 50 km weit weg von zu Hause. Ist also nicht möglich sich einen Vierbeiner anzuschaffen.

Schönen Tag, bis später!

Lillian

Lillian2207
10.08.2006, 15:17
Mein lieber Schatz,

morgen komme ich das erste Mal seit Deiner Beerdigung wieder nach München. Mein Bruder hat mich eingeladen und Deine Eltern freuen sich auch sehr auf mich. Es wird mit Sicherheit kein einfacher Weg, denn Dich dort nicht vorzufinden und zu Dir auf den Friedhof gehen zu müssen wird sehr schwer werden! Ich habe mit München immer nur Glück verbunden, Glück weil ich Dich hatte. Jetzt macht es mir nur noch Angst.....

Kannst Du Dir eigentlich vorstellen wie schrecklich der Tag deines Unfalls war? Als Du Nachts gefahren bist und ich morgens keine Email von Dir hatte, hat mich das schon verunsichert. Alle haben mich ausgelacht weil ich mir Sorgen gemacht habe! Aber es war wie ein Stein auf meinen Schultern, den ganzen Tag. Abends habe ich Zuflucht bei meiner Freundin gesucht, aber als ich nach Hause kam, war immer noch keine Nachricht von Dir da....

Ich habe es dann noch bis ein Uhr Nachts ausgehalten! Als ich die Polizei rief, begegnete man mir mit Spott! Eine Person muß 24 Stunden vermisst sein, bevor sie etwas unternehmen. Du warst erst 22 Stunden nicht mehr da!

Keiner konnte mir Auskunft geben ob es auf Deiner Strecke einen Unfall gegeben hat. Die Polizei ist nicht vernetzt und ich sollte alle Polizeimeistereien auf der Strecke anrufen.... Also habe ich damit angefangen. Es gab mehr als 20.

Nichts habe ich herausfinden können, keiner wollte oder konnte mir was sagen. Keinen haben meine Sorgen interessiert. Mittlerweile war es Morgen geworden und Ich saß zitternd zu Hause, habe mir Gedanken gemacht ob Du verletzt in irgendeinem Krankenhaus liegst. Und dann überschlugen sich die Ereignisse:

Die Polizei rief an im gleichen Moment wie mein Vater bei mir klingelte. Der Polizist sagte am Telefon im gleichen Moment den folgenschweren Satz wie mein Vater tränenüberströmt vor mir stand. Mein Vater hatte es durch einen befreundeten Polizisten herausgefunden und ist gleich zu mir gekommen. Ich habe aufgelegt, mein Vater hat mich weinend angeguckt, ich habe mich hingesetzt und habe nichts mehr getan, gedacht, gesagt. Ich weiß nicht wie lange ich da gesessen habe. Solange bis Dein Vater anrief und nach Dir gefragt hat. Erst das Schreien Deines Vaters als ich Ihm gesagt habe was passiert ist, hat mich aus dem Schock geholt....

...Wir sind so tapfer. Wir versuchen alles um den Kopf aus dem Wasser zu halten. Das ist nicht einfach, aber wir helfen uns gegenseitig. So oft telefonieren wir und weinen, dann schwelgen wir in Erinnerungen und erzählen und Geschichten über dich! Es ist dann so, als wärst du nur verreist und kämst bald wieder. Aber es dauert nicht lange und die Gegenwart holt einen zurück aus diesem Wunsch und alles was zurück bleibt ist eine riesige Leere!

Du fehlst mir so, ich liebe Dich!

Toyo
11.08.2006, 18:55
@Lillian, leg doch auch ein Blümchen von mir auf das Grab.
Ich wünsche dir viel Kraft für das Wochenende und drück dich natürlich.

So schwer es auch sein mag, ich denke das ist wichtig für dich. Für die Trauer und für den Abschied.

Toyo

Toyo
14.08.2006, 21:21
@Lillian melde dich mal. Wie war das Wochenende für dich. Möchtest du erzählen?? Wenn nicht ist auch gut. Ich denk an dich.

Gute Nacht

Toyo

Lillian2207
17.08.2006, 09:09
Liebe Toyo,

ich bin endlich zurück! Es war sehr anstrengend (wie erwartet) und auch sehr traurig. Andrés Eltern und ich waren zusammen auf dem Friedhof und sind alle dort in Tränen ausgebrochen. Es ist einfach nicht zu begreifen!

Auf der einen Seite ist es schön Andrés Eltern zu treffen, auf der anderen Seite kostet es mich auch Kraft. Sie tun mir so leid!

Wir sind dann zusammen nach Kitzbühel gefahren, dort wollte ich diesen Herbst mit André Urlaub auf einem Bauernhof machen. Als wir durch die Stadt geschlendert sind, kam es mir so vor, als müsste André jeden Moment zu uns stoßen.... und ich habe es kaum mehr ausgehalten. Das alles hätte ich mit Ihm anschauen sollen!

Aber das schlimmste war, das die Mutter Andrés Kleidung zusammen gepackt hat, um sie an Verwandte und Freunde zu verteilen. Ich habe mir eine Strickjacke ausgesucht die er immer sehr gerne getragen hat. Ich konnte es nicht ertragen diese Strickjacke bei jemand anderen zu sehen. Auf der Fahrt im Zug habe ich mich dann schön in die Jacke eingemummelt und mich sehr geborgen gefühlt. Jetzt hängt die Jacke an meinem Schrank und ist wie eine Hülle ohne Inhalt :-(((

Jetzt freue ich mich wieder auf meine vier Wände! Ich weiß, ich sollte mich nicht so abschotten, aber ich fühle mich sicher wenn ich bei mir auf dem Sofa sitzen kann und nichts anderes machen muß!!! Dann kann ich weinen wann ich will und keiner kann mich sehen!

Ich wünsche Dir einen schönen Tag, danke das Du an mich gedacht hat!!! Fühl dich gedrückt!
Lillian

Herzi32
17.08.2006, 15:52
Hallo Lillian,
schön zu wissen das du wieder gut daheim angekommen bist.
Hab oft daran gedacht wie es dir geht.

Ich denke du schreibst gerade von mir, hab auch von meiner Schwester eine Strickjacke, leider verfliegt der Geruch zu schnell aber man hat noch die Erinnerungen daran-

Liebe Grusse

Toyo
21.08.2006, 02:02
Aber das schlimmste war, das die Mutter Andrés Kleidung zusammen gepackt hat, um sie an Verwandte und Freunde zu verteilen. Ich habe mir eine Strickjacke ausgesucht die er immer sehr gerne getragen hat. Ich konnte es nicht ertragen diese Strickjacke bei jemand anderen zu sehen. Auf der Fahrt im Zug habe ich mich dann schön in die Jacke eingemummelt und mich sehr geborgen gefühlt. Jetzt hängt die Jacke an meinem Schrank und ist wie eine Hülle ohne Inhalt :-(((
Lillian

Lillian, wahrscheinlich hättest du diese Sachen gerne alle mitgenommen. Egal was. Oder liege ich falsch??? Aber schön, dass du eine Jacke genommen hast. Wahrscheinlich eine kuschelige. Ich finde, Jacken (man kann sich da hineinkuscheln) haben was. Erklären kann ich das nicht. Ist so ein "gefühlsdingens".

Gute Nacht Lillian und ich denke an dich.

Lillian2207
21.08.2006, 12:25
Mein lieber Schatz,

ich war an Deinem Grab! Ich konnte mit dir sprechen und Dir von mir etwas da lassen. Ich hoffe Du hast mich gesehen und konntest hören was ich Dir gesagt habe! Ich möchte Dir nämlich danken! Danke schön, dass ich dich kennenlernen dürfte! Du hast mir so viel gegeben, Gemeinsamkeiten und Gefühle die mir so wichtig waren, die ich jetzt so sehr vermisse.

Ich habe getanzt!!! Es ist so als hättest Du mir Musik für mein Leben gegeben! Musik auf die ich durchs Leben tanzen konnte, egal ob Du bei mir warst oder 500 km weit weg. Ich kann mich an viel Situationen erinnern. Wie ich zum Beispiel an der Zapfsäule bei uns an der Tankstelle stand und vor mich hin gesummt habe. Ich hatte ein Lachen auf den Lippen und habe Dich vor mir gesehen. Ich habe mich so bewegt und gegeben als ob Du mich beobachten würdest. Es war wie ein Tanz nur für dich. Ich bin in die Tankstelle rein um zu zahlen und da kam mir ein anderer Mann entgegen, lächelt mich an und dreht sich noch mal nach mir um.

Und dann habe ich es verstanden: ich war schön! Durch die Gefühle und das Glück das ich für Dich empfunden habe, bin ich schön geworden. Das hast Du mir gegeben, eine Ausstrahlung die mich umgab wie Sonnenschein. Wenn Du mich angeschaut hast und gelächelt hast, hast Du mir das Gefühl gegeben, die schönste Frau der Welt zu sein. Das ist ein wundervolles Gefühl, ich hätte es nie wieder missen wollen....

Doch jetzt bin ich nur noch ich! Ich tanze nicht mehr! Es trifft mich wie ein Schlag, aber so ist es! Ohne Dich bin ich nichts! Wo ist die Musik? Wo ist die Schönheit die mich umgab? Wieso dreht sich keiner mehr nach mir um?

Alles hast Du mitgenommen! Es ist einfach mit Dir gestorben, so als wäre es nie dagewesen. Und wenn ich jetzt durch die Strassen gehe, komme ich mir nicht mehr von Dir beobachtet vor, und ich habe den Kopf gesenkt und starre auf den Boden. Bitte guckt mich nicht an, bitte geht alle an mir vorbei! Ich bin nicht mehr schön, ich bin nur noch ich!

Ich sitze hier und es fröstelt mich. Ich lege die Armer fester um mich und ziehe Deine Strickjacke näher an mich ran. Getanzt soll ich haben??? Schön soll ich gewesen sein???

Ja, ich erinnere mich, mein Schatz, und dafür möchte ich mich ganz ganz doll bei Dir bedanken!

Ich liebe Dich!

Lillian2207
23.08.2006, 10:54
Gestern war ich bei meiner wöchentlichen Trauerbegleitung der ev. Kirche. Wir haben wieder eine Stunde über alles mögliche gesprochen und uns Texte und Geschichten über die Trauer durchgelesen.

Ich bin mit feuchten Augen aus der Sitzung raus und auf die Strasse getreten. Da begegne ich einem Bekannten der mich strahlend anschaut und mit einer Einladung winkt. Als ihn fragte wo er hin wollte, sagte er, er wolle die Hochzeitseinladung von Ihm und seiner zukünftigen Frau bei der Gemeinde abgeben, und woher ich kommen würde? Ich habe kurz und ziemlich kleinlaut gemeint ich käme von der Trauerbegleitung.... Da nimmt er mich lachend in den Arm und gratuliert mir. Wie schön das ich auch Heiraten wolle, wer denn der glückliche wäre, ob er ihn kenne.... Ich bin einen Schritt zurück getreten, mußte mir die Tränen verkneifen und haben ihn aufgeklärt, dass er sich verhört hätte: nicht Traubegleitung sonder Trauerbegleitung, mein Verlobter wäre bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Das hat mich doch sehr nachdenklich gestimmt wie nahe Glück und Unglück beieinander liegen! Wie der Bruchteil einer Minute, wie nur ein kurzer Augenaufschlag alles verändert!

Und wieder habe ich den Rest des Abends mit der "Warum-" und "Was-wäre-wenn-" Frage verbracht....und habe mich gefragt: Warum ausgerechnet wir?

Herzi32
23.08.2006, 16:42
Warum???Wieso ?? diese fragen können leider von keiner Macht dieser Welt beantwortet werden.
Denke daran...sie sind uns nur vorausgegangen...wir werden unsere Lieben wieder sehen...davon bin ich fest überzeugt...

Dein Bekannter hat das nicht bös gemeint...er war bestimmt so sehr in Vorfreude das er dir nicht genau zugehört hat...

ich drück dich...

Toyo
27.08.2006, 13:32
@Lillian, möchtest du dich mal wieder melden? Ich denke an dich.

Auch ich hab letzte Woche das Grab meiner Freundin besucht und danach ihre Eltern. Beim Abschied hat mich ihr Vater sehr lange gedrückt. Männer können ja nicht so gut reden aber ich hab genau gefühlt, dass es ihm gut tat und ich werde ihn wieder besuchen.

Toyo

Lillian2207
28.08.2006, 11:08
Liebe Toyo,

so richtig gute Freundinnen habe ich nur drei. Mit einer davon bin ich schon 12 Jahre befreundet und ich denke mit Schrecken daran, ihr könnte was passieren! Seitdem André tot ist, kreisen meine Gedanken nur um Sterben und Tod. Ich kann mich gar nicht mehr davon lösen! Es ist so schlimm das ein Mensch einfach "weg" sein kann! Ich wüßte nicht, was ich ohne meine Freundin machen würde! Schon das Loch was André hinterlassen hat, ist nicht zu stopfen!

Manchmal denke ich, ich bin in einem schlechten Traum oder in einem Film gefangen und jeden Moment müßte ich doch wieder aufwachen und mein altes Leben zurück haben! Wie schön das wäre und was ich alles dafür geben würde! Ich bin einfach NICHTS ohne meinen Schatz. Heute morgen zum Beispiel, da sprang mein Wagen nicht an. Ich arbeite 50 km weit entfernt von zu Hause und bin auf mein Auto angewiesen! Ich saß da und wußte nicht was ich tun sollte, spontan wollte zu meinem Handy greifen und André nach Rat fragen. Und dann bin ich in Tränen ausgebrochen, denn ich konnte Ihn ja nun nicht mehr anrufen, ich mußte es selber schaffen.

Schön das Du für den Vater Deiner Freundin da bist! Er scheint dich zu brauchen. Wenn man gebraucht wird, kann man sich auch selbst ein Stück weiterhelfen!

Ganz lieben Gruß an Dich an diesem schrecklich verregneten Montagmorgen! Ich schicke Dir eine feste Umarmung und denke an Dich liebe Toyo!!!!

Lillian

Lillian2207
29.08.2006, 11:12
Mein lieber Schatz,

wo bist Du bloß, ich habe so lange nichts mehr von Dir gehört! Nicht das kleinste Zeichen sehe oder fühle ich. Habe ich Dich irgendwie verärgert? Habe ich irgendetwas getan, was Du nie von mir erwartet hättest?

Anfang der letzten Woche bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe wieder alles in Frage gestellt: wie soll dieses schrecklich einsame Leben weitergehen? Macht es überhaupt noch einen Sinn? Vielleicht sollte ich mich verändern in meinem Job, mit meinem Wohnort? Was um himmelswillen soll ich nur tun, ich kann einfach nicht so weiter machen!

Was mache ich denn den ganzen Tag? Ich stehe morgens auf; und denke an Dich. Ich fahre zur Arbeit; und denke an Dich. Ich verbringe Stunde um Stunde am PC und versuche mich auf etwas anderes als auf Dich zu konzentrieren. Dann fahre ich mit Dir nach Hause um mir etwas zu essen zu machen und mich vor den Fernseher zu setzen. Da bin ich dann den Rest des Tages, rauche eine nach der anderen bis es Zeit ist ins Bett zu gehen und endlich schlafen zu können! Endlich wieder ein weiterer Tag vorbei!

Ich denke an die Zeit in der wir so glücklich waren. Wo wir 500 km weit auseinander waren, aber trotzdem glücklich. Ich habe Dir "Carepakete" nach München geschickt, damit Du dich ohne mich nicht so einsam fühlst. In das letzte Paket habe ich Süßigkeiten, einen Schutzengel aus Plüsch und Fotos aus meiner Kindheit gepackt. Und ein Puzzel mit dem Titel "Ohne Dich ist alles Doof". Als ich Deine Eltern das letzte Mal in München besucht habe, haben Sie mir auch dieses Puzzel wieder mitgegeben und jetzt liegt es bei mir auf dem Schreibtisch.... Ohne Dich ist alles Doof!!! Wie konnte ich Dir das schenken? Wie schrecklich WAHR ist es jetzt! Ohne Dich ist alles Doof: Mein Leben, mein Job, meine Wohnung, einfach alles. Es ist wie Essen ohne Salz!

Nein, mein Leben ist jetzt einfach wieder so, wie vor Deiner Zeit! Als ob es Dich nie gegeben hätte. Ich habe keine Fotos von Dir in meiner Wohnung, weil ich es nicht ertragen könnten. Nichts deutet darauf hin, das es Dich gegeben hat... Bist Du deswegen enttäuscht! Glaubst Du ich würde versuchen Dich zu vergessen? Aber das stimmt nicht mein Schatz. Das kann ich doch gar nicht! Ich versuche nur ein Stück Ruhe, ein bisschen Frieden in mein Leben zu bringen. Bitte sei mir nicht böse deswegen!

Ich will bei Dir sein, ich liebe Dich!!!

Eva39
30.08.2006, 13:28
Liebe Lillian,

es tut mir leid, ich war lange nicht online, hatte Urlaub und ansonsten sehr viel um die Ohren.

Du schreibst, dass es so eine schöne Liebe in Deinem Leben nicht mehr geben wird. Du bist jung. Das Leben ist lang. Du wirst diese Liebe sicher immer irgendwie in Deinem Herzen tragen. Du wirst sie bewahren und das ist gut so.

Ich wünsche Dir aber, dass Du eines Tages wieder Platz für eine andere große (sicher andere) große Liebe haben wirst. Du wirst Zeit brauchen. Ich denke, dass Du diese Phase, die so unendlich erscheint, so wie Du sie eben durchlebst einfach durchstehen musst, so nutzlos Dir diese Tage auch vorkommen mögen. Du wirst gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.

Du hast bewiesen, dass Du fähig bist, große Gefühle zu haben. Du wirst eines Tages wieder eine andere große Liebe finden. Das wünsche ich Dir von Herzen, damit Du wieder glücklich sein kannst. Du weißt, wie wertvoll die Liebe ist. Ich finde das wunderbar, denn das ist vielen Menschen heute leider nicht bewusst.

Ich umarme Dich! Alles Liebe!

Eva

Lillian2207
31.08.2006, 14:05
Liebe Eva,

ja manchmal, ganz ganz selten, bekomme ich so ein Gefühl für mich, als ob das noch nicht alles gewesen sein kann. Dann kommt ein kleines bisschen Selbstbewußsein hoch (also ob ich das von "irgendwoher" geschickt bekomme) und ich denke über schöne Dinge nach, die da vielleicht noch kommen werden. Sicher habe ich schon vor meinem Schatz geliebt, aber es war nie so vollkommen. Wir zwei haben oft nur da gesessen und uns angeschaut und wir wußten genau was der andere gerade dachte oder sagen wollte. So tiefe Gefühle habe ich erst einmal erlebt.

Was ich auch nie wieder vermissen möchte, ist die Wertschätzung die mir André entgegengebracht hat. Ich hatte das schöne Gefühl, das er einfach auch stolz war mit mir zusammen zu sein und das er sich nur mich an seiner Seite vorstellen konnte, es einfach zu schätzen wußte! Ich möchte mich nie mehr unter diesem Wert "verkaufen", so muß es schon sein. Wenn ich bedenke, wie andere Beziehungen gelaufen sind. Solche, die einem mehr genommen als gegeben haben, dann möchte ich das einfach nie mehr haben, da bleibe ich lieber alleine!

Ich weiß, da draußen sind noch viele Menschen denen man begegnen wird, aber hat man nochmal so viel Glück? Denn es war einfach Glück am richtigen Tag zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein!

Wenn ich früher einen Liebesfilm ohne Happyend gesehen habe, wo einer der Figuren vielleicht sogar gestorben ist, habe ich immer ironisch gedacht "jaja wie Real".... und jetzt stehe ich genau vor diesem Leben und bin so enttäuscht. Viel zu enttäuscht um wirklich daran zu glauben, das sowas zweimal im Leben passieren könnte!!!

Vielen Dank für den Mut den du mir machen möchtest! Es hilft immer sehr, jemanden zu haben der mir sagt, das nochwas kommen könnte!! Die Hoffnung stirbt immer zuletzt :-)

Ganz ganz liebe Grüße zurück und vielen Dank dafür!

Lillian

Bloodyzicke
31.08.2006, 14:11
Oh Lillian,

ich kann das so gut verstehen, weißt Du ja.
Ich muss grad dran denken, das mal jemand zu mir gesagt hat "Alles wird wieder gut- nur anders" Aber gerade dieses "Anders" macht mir Angst.

Ich drück dich ganz fest

Bloody

Lillian2207
31.08.2006, 15:21
Da hast du genau Recht, Bloody!!!! Das "anders" macht mir auch so Angst. Weil es einfach mit André so richtig war, und was will man mit etwas anderem wenn man das "perfekte" schon hatte?

Oft habe ich mit meiner Freundin über dieses Thema gesprochen und sie ist davon überzeugt, dass man, wenn man jemand neuen kennenlernt, einfach nur andere Züge des neuen lieben lernt. Sie wird wohl Recht haben, denn ich war ja auch vor André in andere Männer verliebt. Aber man kann es sich jetzt einfach noch nicht vorstellen. Ich will Ihn und keinen anderen....

:-(

Bloodyzicke
31.08.2006, 15:41
Ja das kenne ich zu gut, ich hatte das Gefühl, was ich mit Stefan hatte vorher nie, ich meine mit keinem hab ich mir so intensiv vorgestellt wie es ist das ganze Leben mit ihm zu verbringen, zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass es einmal zu ende sein soll und ich kann mich mit dem Gedanken, dass da jemals was anderes und vorallem ein anderer kommen soll, überhaupt nicht anfreunden. Ich glaube an die einzige große Liebe und dass es sie eben nur einmal gibt, darum kann ich auch nicht glauben dass ich das nocheinmal bei einem anderen fühlen werde.

Lillian2207
04.09.2006, 15:05
....und dann kommt die Hoffnung. Ein ganz kleiner Funke in mir, der mir sagt: das kann noch nicht alles gewesen sein! Dir soll es auch vergönnt sein einen Mann und Kind(er) zu haben. Der Funke bleibt aber ganz klein und schwach, ganz ganz hinten in meinem Hirn!

Und dann denke ich wieder an André und die Hoffnung ist weg und nur die Trauer bleibt. Einen Anderen kennenlernen? Einen Anderen küssen, was würde André dazu sagen??

Eine Freundin hat mich mal gefragt: Wo hast du nur diesen Mann her? und ich mußte so lachen, war auch ein wenig stolz und habe gemeint, das man anscheinend doch den Richtigen auf dem Oktoberfest kennenlernen kann....

Jetzt ist bald wieder Oktoberfest, im Fernsehen kommen schon Berichte. Und jedes Mal schnürt es mir den Hals zu und ich muß weinen. Wo bist Du wohl jetzt?????

Lillian2207
05.09.2006, 09:07
Mein lieber Schatz,

heute graule ich mich ganz furchtbar, heute fängt meine Fortbildung bei der IHK für den Ausbildereignungsschein an. Eigentlich wollten ich den Schein erst in München machen, wenn ich zu Dir gezogen bin. Jetzt habe ich mich spontan dazu angemeldet. Ob die Idee so gut war? Ich dachte, ich könnte mich damit etwas ablenken, die Tage schneller vergehen lassen und zwei Tage die Woche mit Arbeit zuknallen damit ich endlich vom Sofa und dem Fernsehen weg bin. Aber jetzt hab ich Angst!

Als Du Deine Englischkurse für den Master gemacht hast, hast du das einfach so durchgezogen. Ohne zu meckern, ohne dich zu beschweren. Das möchte ich gerne zum Vorbild haben, aber du fehlst mir einfach! Du hättest mir gut zugeredet, hättest Abends nicht abwarten können mich anzurufen um zu fragen wie es war und was ich gelernt hätte. Du hättest mich abgefragt wie ich dich und Du wärst einfach dabei gewesen! Ohne Dich schaffe ich es bestimmt nicht. Keine Ahnung wie ich so was dummes eigentlich anfangen konnte!!! Am liebsten würde ich heute Abend gar nicht erst hingehen....

Der Kurs wird bis Ende Januar gehen. Die Tage werden immer dunkler und kälter und ich werde lernen müssen. Jetzt kommt wieder die Zeit, in der man vor dem Kamin gelegen hat und sich in eine Decke eingemummelt hat und einfach nur zusammen war. Diese furchtbare, dunkle und kalte Zeit. Was war das letztes Jahr für ein kalter Winter in München. Immer wieder fiel Schnee. So hoch, dass wir unser Auto nicht mehr sehen konnten. Wir sind am Starnbergersee durch den Schnee gestapft und haben das Eis auf dem See ausprobiert.... Die dicksten Jacken und Schuhe an, eingewickelt in Schals und Mützen sind wir Arm in Arm durch diesen Winter spaziert und es war so schön! Jetzt kommt ein Winter ohne Dich und es erdrückt mich wenn ich daran denke. Wer wird für mich da sein, wenn nicht Du? Das einzige was mir geblieben ist, sind Deine Fotos und Deine Eltern mit denen ich so oft telefoniere.... Das reicht mir einfach nicht! Wenn ich früher gemeckert habe, das wir uns nur am Wochenende sehen konnten, hast Du gesagt, dass wir noch so viel Zeit zusammen haben, dass es noch so viel zu erleben gebe, dass wir alles machen werden was wir möchten!

Und dann bist du gestorben, einfach so! Und nichts ist mir geblieben.... außer Angst vorm Leben!

Ich liebe Dich so!

Henne65
05.09.2006, 12:09
ach liebe lillian,

ich sitze mal wieder vor deinen zeilen und habe die tränen in den augen...

dein geliebter schatz möchte bestimmt, dass du den schein bei der IHK machst und du wirst das auch schaffen, ganz bestimmt.

ich weiß, dich kann im moment fast nichts trösten, aber du hast so etwas wunderbares für immer in deinem herzen und lässt die mitleser hier noch daran teilhaben; das ist sehr großherzig von dir.

alle lieben gedanken für dich und dass du irgendwann wieder mutig nach vorn gehen kannst! :blumengabe:

Eisbaer71
05.09.2006, 13:23
Hallo Lillian,

wie bekannt mir das doch vorkommt. "Wir haben doch noch so viel Zeit, es ist nicht schlimm, wenn wir jetzt so viel Kram und so wenig von uns beiden haben. Wir haben ein ganzes Leben vor uns." Und dann diese ungerechte Diagnose, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht.

Ich finde es ganz wichtig, dass Du Pläne wie Deinen Ausbilderschein schmiedest und umsetzt, Du machst das ganz Klasse :blumengabe:

Und ein klein wenig möchte ich mich Henne anschließen. Durch Deine Erinnerungen, die Du mit uns teilst, läßt Du auch meine eigenen Erinnerungen immer wieder aufleben. Und mittlerweile ist es nicht mehr schlimm, es kann gut tun, sie wieder zu beleben.
Dank Dir dafür.

Laß Dich von mir ganz feste drücken, ich werde heute abend an Dich denken.

Liebe Grüße

Eisbär

Ness1801
05.09.2006, 14:50
liebe lillian,
ich hab meinen schatz damals auch durch einen autounfall verloren und ich kann nachvollziehen, wie schlimm dein leben momentan sein muss. da kommt mitten im leben ne keule und du kriegst sie von hinten übergebraten mit den worten: nimm dies, komm damit klar oder verreck daran.. für dich ist die wunde noch total frisch, die freunde und sogar die familie kann nicht nachvollziehen, daß deine trauer immer noch so an dir nagt, wenn alle anderen langsam wieder zur tagesordnung zurückgefunden haben. trost gibt es leider keinen, aber die aussicht darauf, dass es irgendwann aufhört sooo sehr weh zu tun, (aber du merkst selbst das ist dir momentan kein trost). wer mir danach was von gott erzählen wollte, von dem fühlte ich mich verhöhnt, denn der gott, der das zugelassen hat, der trug hörner und saß nicht im himmel, sondern im hades.
das leben hat dir die schwerste prüfung auferlegt und du wirst unendlich viel kraft brauchen, um da durch zu kommen und wieder land zu sehen!! du musst jetzt dein leben in eurer beiden sinne weiterleben und daran glauben: "he will know your name, if you see him in heaven"

Sei stark, lillian

ness1801

Lillian2207
06.09.2006, 08:59
Liebe Ness1801,

ja, es ist die schlimmste Prüfung und ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll. Du hast so recht, alle sind zur Tagesordnung zurück und haben mich auf der Strecke gelassen. Manchmal fühle ich mich überhaupt nicht mehr verstanden! Alles stelle ich in Frage, jede Herausforderung wird für mich zum riesigen Problem durch das ich ohne Andrés Hilfe einfach nicht durchkomme. Ich war doch mal selbstständiger!

Es tut mir für dich auch sehr leid, Du hast das gleiche durchgemacht. Ich weiß nicht wie lange das bei dir her ist, aber du hörst dich gefasst an! Vielleicht komme ich auch irgendwann mal dahin. Bis dahin klammer ich mich an die Menschen die das zulassen und entferne mich von denen die glauben ich wäre schon über alles hinweg!

Danke Dir für dein Mail, lieben Gruß
Lillian

Lillian2207
06.09.2006, 10:10
Mein lieber Schatz,

gestern war ich bei meinem ersten Abend des Ausbilderscheins. Wenn ich geglaubt hätte, der erste Abend würde mir meine Angst nehmen, dann war das falsch. Einfach wird es nicht werden, das habe ich gestern gemerkt. Das was ich gestern gelernt habe, ist mir heute schon wieder entfallen, ich kann mich einfach nicht konzentrieren, meine Gedanken schweifen immer weg. Zu Dingen die mir viel wichtiger sind: zu Dir!

Letzte Nacht dann, hatte ich einen furchtbaren Traum. Ich bin nach Hause gefahren und mein zu Hause war in München in der Wohnung die Du zuletzt für uns gemietet hast. Als ich nach Hause kam, habe ich mich zu Dir in die Küche gesetzt, aber die Einrichtung sah ganz anders aus, als wie wir sie geplant hatten. Ich habe dich freudig begrüßt und wollte dich zur Begrüßung küssen, da hast Du dich aber weggedreht. Da plötzlich ging die Tür auf und eine andere Frau kam mit Ihrem eigenen Schlüssel in unsere Wohnung. Ich war ganz verdutzt und habe dich gefragt wer das ist. Darauf hast du mich völlig ausdruckslos angeschaut und mir gesagt, dass das deine neue Freundin wäre und ich bitte sofort ausziehen soll. Ich bin ausgeflippt, habe alles kurz und klein geschlagen. Alles was nicht niet und nagelfest war, habe ich durch die Wohnung geschleudert. Zum Schluß habe ich auf deine Brust eingetrommelt und geweint. "Wieso" habe ich dich gefragt, "ich liebe dich doch so sehr. Wir wollten gemeinsam alt werden"! Aber du bist ausdruckslos stehen geblieben, hast dich nicht gegen meine Schläge gewert und hast immer nur gesagt: "du mußt jetzt gehen", immer wieder nur "du mußt jetzt gehen"....

Es war so real. Der Traum war so real. Wie als wärst du wirklich da gewesen! Ich möchte nicht, dass du mich jetzt schon wegschickst, es ist doch gerade erst passiert und ich muß mich noch etwas an dir festhalten! Das Leben da draussen macht mir Angst. Du warst doch alles für mich! Es sind erst 4 Monate her, bitte lass mich noch etwas bei dir bleiben!!!!!

Im Frühjahr haben wir einen Morgen bei mir auf dem Sofa gesessen. Ich war irgendwie ganz durcheinander, weil mein Leben plötzlich in ganz andere Bahnen laufen sollte! München? Ich? Ich hatte schon immer im Rheinland gelebt, alles das war mein zu Hause und jetzt so weit weg??? An dem Morgen war ich ganz schlecht drauf. Ich habe mir nur Probleme gemacht, Probleme über die ich jetzt lachen würde, die ich jetzt gerne hätte. Wie sollte ich den Umzug beweltigen, was wird aus meinen Freunden und meiner Familie, meine schon so alten Omi? Alles habe ich in Frage gestellt und Dir dort auf dem Sofa gesagt, dass ich nicht weiß, wie es mit uns beiden weiter gehen sollte. Es wäre doch so ein großer Schritt!

Eigentlich wollte ich von Dir hören, dass du mich aufbaust, dass du denkst, dass wir beiden alles zusammen schaffen könnten, aber deine Stimmung war plötzlich auch auf dem Boden und du hast gar nichts gesagt und mich mit Tränen in den Augen ganz betreten angeguckt. Ich habe richtig schlucken müssen als ich das gesehen habe. Das letzte was ich wollte war dir Sorgen zu machen oder dich traurig zu stimmen. Ich hab Dich in den Arm genommen und Dir versichert, dass wir eine Lösung finden und das wir das zusammen schaffen..... Ich erinner mich so oft an diesen Tag, weil da alles in deinen Augen zu lesen war! Alles was ich brauchte um Dir zu vertrauen, alles um mit Dir zu gehen! Vielleicht hast Du mir auch diesen Traum von gestern geschickt um mich davon abzuhalten mit Dir zu gehen? Ich denke so oft daran! Du fehlst mir einfach so!

Kannst Du mir nicht bitte nochmal ein Zeichen geben das du da bist! Ich würde mich so freuen!

Ich liebe Dich, bis dann!

Eisbaer71
06.09.2006, 17:43
Hallo Lillian,

dass Loslassen ist so furchtbar schwer. Ich hab heute von Deinem Traum gelesen und kann so gut nachvollziehen, wie es Dir geht.

Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal dieses Lied von Herbert Grönemeyer bewusst gehört habe, eigentlich hat mich dieses Lied hier in die Bricom gebracht.

„Ich gehe nicht weg,
hab meine Frist verlängert,
neue Zeitreise,
offene Welt.
Ich habe Dich sicher,
in meiner Seele,
ich trag Dich bei mir,
bis der Vorhang fällt.“

Ich hab im Auto gesessen und konnte gar nicht weiterfahren, weil ich so geheult habe. Aber es stimmt schon, sie sind ja nicht weg, nur auf der anderen Seite des Weges. Es scheint mir immer noch manchmal so, ein Teil von mir ist nicht mehr da, der ist mit Dirk mitgegangen, aber auch ein Teil von ihm bleibt für immer bei mir.
Unvermutete Erinnerungen an einen scheinbar schon nicht mehr greifbaren Gesichtsausdruck, eine typische Redewendung, wenn man schon glaubt, sich gar nicht mehr erinnern zu können.

Und auch jetzt noch, wenn mein Lied im Radio kommt, halte ich innerlich einen Moment still, aber mittlerweile auch oft mit einem kleinen Lächeln.

Damals hat mir Musik oft geholfen, bei bestimmten Titeln hab ich zwar hemmungslos geheult, aber es war auch manchmal sehr befreiend.

Heute hab ich überlegt, all diese Lieder mal zu einer CD zusammenzustellen, quasi meine persönliche Erinnerungs- und Trauermusik. Wenn ja, werde ich es Dir erzählen, falls Du magst mit den Dingen, die ich damit verbinde.

:blumengabe: Lass Dich von mir drücken

Eisbär

Toyo
11.09.2006, 22:32
Lillian ich denk an dich. Deine Gedanken sind so ..... Ich weiß jetzt kein Wort, wie ich das beschreiben kann. Aber schreibe. Das ist wichtig für dich. Mein Lied zum Abschied war "und die Welt dreht sich weiter" von Glashaus. Ist nicht so bekannt wie Grönemeyer, aber hör es dir mal an. Ich drück dich jetzt mal und wünsche dir eine gute Nacht.

Toyo

Lillian2207
13.09.2006, 12:54
Mein lieber Schatz,

auf meinem Vertriebsmeeting am Wochenende habe ich gemerkt, wie einsam man sein kann, auch wenn man von so vielen Menschen umgeben ist.... Wir hatte mal wieder eine Tagung mit allen Vertriebsmitarbeitern aus ganz Deutschland .... aber so einsam habe ich mich in meinem ganzen Leben nicht gefühlt.

Ich mußte ständig an das Vertriebsmeeting im letzten Jahr in Berlin denken. Damals bin ich früher geflogen um das Wochenende in Berlin mir Dir zu verbinden! Du hast mich vom Flughafen abgeholt und wir hatten ein schönes Hotel, waren toll essen und haben die Stadt unsicher gemacht! Morgens hast du mich gefragt, auf was ich Hunger habe und ich habe spontan Panecakes gewollt. Für Dich kein Problem, mit Navi im Auto ausgestattet hast du mir meinen Wunsch erfüllt und wir sind amerikanisch frühstücken gewesen. Und jetzt? Was ist jetzt mit meinem größten Wunsch? Warum kannst du nicht morgen wieder vor meiner Tür stehen und einfach nur bei mir sein???

Da saß ich zwischen 30 Mitarbeitern und das einzige woran ich denken konnte warst du, unsere schöne Zeit in Berlin, wie ich danach mit einem Grinsen im Meeting saß und alle Probleme lächerlich waren und ich nur glücklich mit Dir war.... jetzt saß ich da, umzingelt von meinen Erinnerungen, nicht die Möglichkeit mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren und am liebsten wollte ich nur über Dich sprechen. Aber das konnte ich nicht. Nicht mit meinen Arbeitskollegen die mich gar nicht richtig kennen, die dich nicht kannten.

Ich bin froh dass das Meeting vorbei ist! Die Erinnerungen an letztes Jahr haben mich sehr zurückgeworfen. Jetzt kommt der nächste Schock: das Oktoberfest! Wie soll ich das hinbekommen? Wenn man das Fernsehn anmacht, kommt nichts anderes.... Ich werde dich vor mir sehen, in deinen fechen Trachtenoutfit. Ich sehe dich vor mir, wie du dein Maß hälst und ausgelassen lachst. Wie du mich angeschaut hast als ich dich einfach angequatscht habe, ganz gelassen und ruhig....all das ist in meinem Kopf, all das macht mich unendlich traurig. Wo kann ich mich verstecken, wie komm ich an dem Loch vorbei? Wie kann ich den traurigen Gefühlen ausweichen?

Weißt du, das ist einfach kein schönes Leben mehr.... Wofür brauche ich noch ein Handy, wenn mich eh keiner darauf anruft oder mir eine sms schreib und wenn ich nach Hause komme, dann ist da niemand! Keiner der auf mich wartet! Alles ist so still um mich.

Und so langsam kommt noch ein Gefühl in mir hoch! Etwas was mich wütend macht! Wieso hast du nicht aufgepasst? Wieso verdammt noch mal hast du nicht aufgepasst? Ja, ich weiß! Niemand hat eine Ahnung wie dieser Unfall passiert ist, aber ich bin so enttäuscht! Wenn man eine Zukunft aufbauen will, wenn man Kinder haben will, wieso passt man dann nicht auf sich auf? Jetzt bin ich ganz alleine, hast du das gewollt? Nein sicher nicht, aber du hast auch nicht auf dich aufgepasst!! Was ist da bloß passiert??

Ich werde es wohl nie erfahren, aber ich werde Dich immer lieben mein Schätzle!

Henner
13.09.2006, 16:40
Liebe Lilian
Erstmal fühl Dich gedrückt von mir.
Was Du jetzt erlebst, das wird Dich das ganze Leben hindurch begleiten. Und es macht Dich stark. Ich weiss, dass ist es nicht, was Du jetzt hören willst. Du möchtest André zurück. Alles, was Du nun erlebst, das gibt Dir Kraft und Mut. Aber est sp$ter.

Ich kenne das Loch nur zu gut, in das man fällt. Und ich kenne die Reaktionen der Mitmenschen, die nach zwei Wochen denken, man sollte wieder funktionieren wie immer. Aber was war, wird nie mehr so sein. Und tatsächlich: Alles wird anders.
Mein Vater starb, als ich 18 war. Ich dachte und fühlte ähnlich wie Du. Es dauerte lange, bis ich darüber hinweg war. Heute bin ich froh, habe ich diese Erfahrung gemacht. Das hört sich nun sicherlich albern an für Dich. Aber die Erfahrung hat aus mir das gemacht, was ich jetzt bin. Ich schaue das Leben und die Probleme anderer Menschen anders an, lass es auf mich zukommen und mache mir nicht mehr allzuviele Illusionen.

Ich weiss, das hilft Dir jetzt in diesem Moment nicht. Und es bringt niemanden zurück. Aber vielleicht tröstet Dich der Gedanke, dass Du ihn im Herzen tragen kannst - und das für immer.

«Bleibt alles anders» heisst ein Lied von Herbert Grönemeyer. Meiner Meinung nach beschreibt es Deine Situation sehr gut.

Ich bin in Gedanken bei Dir

Henner

Lillian2207
13.09.2006, 17:15
Hallo Henner,

danke für Deine liebe Anteilnahme! Du mußt Recht haben, denn das ich Stärke und Weitsicht aus der Trauer ziehen werde, haben mir schon ein paar Menschen hier im Forum geschrieben. Natürlich kann ich das jetzt noch nicht nachvollziehen, aber so viele Menschen können nicht Unrecht haben. Leider tröstet es mich nicht. Ich versuche oft etwas zu finden was mich trösten könnte.... vielleicht die Tatsache, das wir noch keine Kinder zusammen hatten und ich es wahrscheinlich dann noch viel viel schwerer gehabt hätte.... oder das ich zum Glück noch nicht nach München gezogen bin und jetzt alleine und ohne Familie und Freunde in München wohnen würde.... aber wenn ich ehrlich bin, tröstet mich selbst das nicht. Ich kann nur auf die Zeit hoffen!

Ich war immer ein Mensch der das Leben geliebt hat, der soviel herausgeholt hat wie möglich war. Das Leben war auch mit Problemen großartig. Jetzt denke ich nur noch so, wie es in Deinem letzten Satz steht: Das Leben ist nicht fair!!! Und ich bin so enttäuscht! So schrecklich enttäuscht!!!

Ich hoffe auf Deine Worte, danke schön!

Ganz liebe Grüße
Lillian

Henner
13.09.2006, 17:57
Hey Lilian

Das Leben ist nicht fair stammt übrigens auch von Herbert Grönemeyer. Er hat ja auf seiner CD Mensch den Tod von Frau und Bruder verarbeitet.

Ich weiss, es tröstet nicht, wenn man jetzt sagt, dass Dir das alles einmal zu Gute kommen wird. In dieser Situation kann nur die Hoffnung helfen. Lies mal die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross. Sie hat zwar über den Tod geforscht. Aber eigentlich hat sie sehr viel über das Leben gelernt. Eine grossartige Frau, die viel Wahres über das Leben schreibt.

Herzlich
Henner

Inaktiver User
13.09.2006, 18:25
Ich war immer ein Mensch der das Leben geliebt hat, der soviel herausgeholt hat wie möglich war. Das Leben war auch mit Problemen großartig. Jetzt denke ich nur noch so, wie es in Deinem letzten Satz steht: Das Leben ist nicht fair!!! Und ich bin so enttäuscht! So schrecklich enttäuscht!!!

Ich hoffe auf Deine Worte, danke schön!

Ganz liebe Grüße
Lillian


Liebe Lillian,
ich habe mal das da als Zitat genommen
"Ich war immer ein Mensch der das Leben geliebt hat, der soviel herausgeholt hat wie möglich war".

Dieser Mensch bist du immer noch, und du wirst sehen, "später" wirst du aus deinem Leben noch mehr herausholen können, als es dir bisher möglich war. Aufgrund deiner jetzigen schmerzlichen Erfahrungen.

Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Trost, wenn überhaupt !
Jetzt musst du leider noch durch den Schmerz und die Einsamkeit gehen, und fühlst vor allem diese große Enttäuschung über das nichteingelöste Versprechen eines gemeinsamen langen Lebens mit André. Ich denke, dein Liebster macht einen ähnlichen Prozeß durch wie du jetzt, denn auch er wird enttäuscht sein, dass er kein irdisches Leben mit dir zusammen haben konnte. Nur hat er den Vorteil, dass er mit der Zeit ein erweitertes Bewußtsein bekommt und im "Himmel" ist, dort hat jede Seele viel Unterstützung, viel Liebe und sie bekommt alles was sie braucht, sich wünscht und sich selber "erlaubt".

Und du Arme musst hier mit uns Erdlingen ;-) vorlieb nehmen.
Später mal (schon wieder dieses Vertrösten auf später, ich weiß) wirst du als Seele wieder mit André zusammensein, und dann wirst du erfahren/wissen, warum und weshalb und wozu ihr diese Erfahrung durchgemacht habt.

Seufz, bis dahin wirst du tapfer weitermachen müssen.
Und du wirst erleben, dass das Leben noch viel Gutes für dich bereithält, du wirst stark sein. Das Schlimmste hast du ja schon hinter dir, nicht wahr? Und du hast es überlebt, wovor solltest du dich noch fürchten in Zukunft?

Du wirst wieder Lebens-Freude empfinden, das kann ich dir versprechen.
Beides existiert parallel, gleichzeitig -die Freude und das Leid.
Das Licht, die Dunkelheit - die Schönheit und das Elend.
Ich war damals so verblüfft, als ich das begriff. "Alles" schien mit tot und sinnlos zu sein und unerreichbar , aber keineswegs.
Alles vorhanden, ich musste es nur wahrnehmen und annehmen. So hatte ich kleine Zeiten der Erholung, bis der Schmerz mich wieder überwältigte.

Ich möchte dir, wie Henner, auch empfehlen, Bücher zu lesen.
Von Kübler Ross, von Paul Meek, James van Praagh, vielleicht auch B. Jakoby, usw. Da gibt es viele gute Bücher.
Das wird dir helfen.



herzlichst, Lavendelmond

Lillian2207
14.09.2006, 10:35
Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für soviel Zuspruch!!! :-)

Ich muß Euch aber von einem Rückschritt erzählen. Manche sagen vielleicht, das hätte ich nicht tun sollen, andere können mich vielleicht verstehen: ich habe den Ausbildereignungsschein geschmissen. Ich weiß, dass ist für mich ein großer Rückschritt, denn normaler Weise fange ich nicht etwas an, was ich nicht beende. Aber es hat mich so gestresst, dass ich nicht mehr weiter wußte. Heute morgen habe ich meine Ordner zusammen gepackt für den Kursus heute Abend und habe einen Heulkrampf bekommen, habe mich so aufgeregt, dass ich das vielleicht nicht schaffe, dass ich mich sogar über der Kloschüssel wiedergefunden habe.

Ich glaube ich bin noch nicht soweit. Vier Monate nach Andrés Tod gibt es einfach immer noch keine Normalität und ich komme mit Stress nicht zurecht. Natürlich weiß ich, dass ich mir eine gute Chance zu Ablenkung zu kommen genommen habe, aber dann muß ich halt einen anderen Weg zur Ablenkung finden. War es die falsche Entscheidung, habe ich nach 5 Stunden zu früh das Handtuch geworfen, oder war es richtig mich nicht bis über meine Belastungsgrenze zu stressen? Ich habe keine Erfahrung? Ich weiß es einfach nicht!

Vielleicht hat jemand von Euch ja Erfahungen mit so einer Art Stress innerhalb der Trauer gemacht! Es würde mir sehr helfen Eure Meinung zu hören!!!

Lieben Gruß
Lillian

Inaktiver User
14.09.2006, 12:02
Liebe Lillian,
ich habe in der Tat Erfahrungen mit zuviel Stress und Trauer.
Ich bin darüber zusammengebrochen, habe nicht mal mehr als Küchenhilfe arbeiten können, und habe inzwischen sogar extreme Stresssymptome wie Hyperventilieren und Bluthochdruckkrisen, bei Anforderungen die über das Alltägliche hinausgehen.
Ich muss täglich 2 Tabletten nehmen, und sie helfen mir gut.
Aber arbeiten kann ich derzeit nicht, auf gar keinen Fall. Dabei bin ich erst 44 Jahre. Ich gehe nur abends 2 Std putzen.

Was ich dir sagen will:
Hör auf dein Gefühl !
Ich finde es okay, dass du die Ausbildung geschmissen hast...!!!
Das kannst du immer noch später nachholen.

Meine eine Ärztin sagte immer:
Trauerarbeit ist Bergwerksarbeit, also ist sehr sehr schwer.

Momentan bist du also psychisch voll ausgelastet.
Nimm dir Zeit für dich, deine Trauer, deine Genesung vom Stress.

Vier Monate sind echt keine Zeit !
Bei mir ist es vier Jahre her !!!
Jahre (!)



Bin für weitere Fragen immer für dich da


liebe Grüße
Lavendelmond

Lillian2207
14.09.2006, 17:00
Liebe Lavendelmond!

Ich glaube du hast vollkommen Recht. Erst mal muß ich mit mir und der Trauer klar kommen, bevor ich mir irgendetwas aufhalse! Ich möchte irgendwann auch wieder mit Stress klarkommen. Aber im Moment ist es so, dass wenn ich an irgendetwas denke was ich machen MUß, bekomme ich so ein Beklemmungsgefühl in der Bauchgegend das es mir richtig Angst macht. Ich nehme auch schon Tabletten, aber dagegen helfen die nicht. Ich glaube da hilft nur Ruhe und Zeit.....

Liebe Lavendelmond, ich möchte Dir sagen, dass ich dich sehr stark finde! Du gehst Deinen schweren Weg und hast trotzdem immer ein gutes Wort und tolle Ratschläge für uns alle hier! Ich möchte Dir dafür Danke sagen!!!!

Fühl dich gedrückt! Auf das die Tage für uns wieder ein bisschen heller werden, oder dieser einschüchternde Winter schnell vorbei geht!!!!

Ganz liebe Grüße, Lillian :-)

Henner
15.09.2006, 09:04
Liebe Lillian

Dass Du Dich neben dem Job nicht auch noch auf eine Ausbildung oder Weiterbildung konzentrieren willst, das verstehe ich sehr gut.
Ich erinner mich gut an die Zeit, als mein Vater krank war und dann starb. Ich konnte mir nichts merken. Ich war mitten in der Ausbildung. Das war wirklich nicht einfach. Und auch heute noch merke ich, dass ich vieles, was damals geschah oder was ich lernen sollte, nicht mehr weiss. Irgendwie war da einfach kein Platz für Neues.
Das muss so sein. Ansonsten trauert man ein Leben lang oder verdrängt mehr oder weniger erfolgreich.
Ich wünsche mir, dass Du dem Winter, trotz allem, auch etwas schönes abgewinnen kannst. Und sei es nur das Knirschen der Schuhe am frühen morgen.

Herzlich
Henner

Lillian2207
15.09.2006, 12:36
Mein lieber Schatz,

ich habe meinen Ausbildereignungsschein aufgegeben... ich weiß, du wirst enttäuscht sein, das ich mich so schnell ins Boxhorn habe jagen lassen, aber ich konnte einfach nicht mehr. Du hast mich als fröhliche, starke Frau kennengelernt. Immer hatte ich eine kessen Spruch auf den Lippen, immer schlagfertig. Ich weiß wie sehr du diese Art an mir geliebt hast. Du hast immer gesagt, dass wäre die Kölsche-Frohnatur! Es tut mir wirklich leid, aber ohne Dich kann ich das nicht mehr sein.

Ich fühle mich so, als hätte Dein Tod mich gebrochen, als hätte dieses Ereignis alles fröhliche, alles unbeschwerte aus meinem Körper geholt und ist mit Dir gegangen! Als wir beiden zusammen waren, war ich wieder ganz ich selbst. So lange Jahre habe ich dieses "Ich" nicht mehr gekannt. Mein vorheriger Freund war immer sehr ernsthaft! Ausgelassen zu sein oder gar mal albern zu sein war für ihn tabu. Er hat immer das Gesicht gewart und mir oft das Gefühl gegeben kindisch zu sein. Erst als ich Dich traf, habe ich gespührt wie unglücklich ich gewesen war, wieviel in mir war, was ich so lange verschlossen habe. Und jetzt? Jetzt ist nichts mehr davon übrig! Die Trauer drückt auf meine Schultern als wolle sie mich zu Boden drücken!

Ich habe die Weiterbildung aufgegeben und viele Menschen, vor allem meine Familie konnte das nicht verstehen. Ich sollte mich dadurch ablenken lassen und zusätzlich sogar Wissen rausziehen, haben sie gesagt, aber es war keine Ablenkung es war belastend. Wenn ich in der Schulung gesessen habe und es richtig schwer wurde, sind meine Gedanken abgeschweift und ich mußte an Dich denken.....

Weißt Du was ich so sehr vermissen? Deinen Geruch! Ich habe dich so gerne gerochen. Meine Nase in deinen Drei-Tage-Bart gedrückt und dich einfach nur gerochen. Du hast immer gelacht, aber es war wie eine unsichtbare Anziehungskraft. Morgens wenn ich wach wurde und du so versteckt zwischen deinen Kissen lagst, wollte ich dich nur da heraus kramen und meine Nase an Deine legen. Nase an Nase sind wir dann oft noch mal eingeschlafen! Das vermisse ich so. Und dieses Glückgefühl dich überhaupt gefunden zu haben.

Dieses Wochenende fängt das Oktoberfest wieder an. Dieses schöne Fest, was für mich zum Albtraum wurde. Ich habe Angst den Fernseher anzumachen, bin zu tode getrübt wenn ich Männer in Tracht sehe. Ich muß an Deine Lederhose denken, die du an Deinem letzten Wochenende bei mir vergessen hast und die an meinem Schrank hing.... wie ein letztes Andenken für immer und ewig.... und mein Name darin.

Wieviele Menschen du traurig gemacht hast! Weißt Du das eigentlich??? Kannst du dir vorstellen, wie sehr Du uns fehlst?Nein! Kannst Du nicht, denn Dir geht es gut, und wir müssen versuchen mit dem Leid alleine fertig zu werden, ganz ohne Dich!

Ich liebe Dich!

ness
15.09.2006, 14:49
Liebe Lillian2207!

ich habe gestern deine geschichte gelesen und war sehr ergriffen und sehr traurig darüber.
dass ich nicht laut geweint hab, war nur deswegen, weil ich mitten in einem pc-raum der uni saß!!!!
es hat mir wieder mal gezeigt, wie vergänglich doch alles ist.
ich drück dich von herzen, denn die worte fehlen mir da ganz und gar!
:wangenkuss:

Toyo
17.09.2006, 23:21
Lillian ich kann das verstehen. Man braucht Kraft und Konzentration für so was. Mein Bruder ist letztes Jahr gestorben und meine Schwägerin war kurz vor den Prüfungen. Sie sagte, dass es ihr sehr schwer fällt, sich auf den Stoff zu konzentrieren. Aber sie hatte 3 Jahre Abendschule besucht und sehr viel Geld auch bezahlt und wollte es schaffen. Ja, sie hat es geschafft. Sie hat ihren Abschluss aber sie sagte auch, dass ihr das Lernen und der Gang in die Schule sehr sehr schwer fiel.

Auch wenn du jetzt nicht stark bist, irgendwann wirst du es (wieder?) sein. Ich möchte dich drücken und möchte dir Mut und alles zusprechen. Aber du nimmst das jetzt noch nicht an. Deshalb schicke ich dir jetzt mal virtuell ein Kraftpaket, weil du das jetzt gut gebrauchen kannst, ich denke an dich. Ich verfolge deine Geschichte.
Hier jetzte mal ein Gutenachtküsschenoderwasauchimmer.

Toyo

Lillian2207
18.09.2006, 09:43
Hallo Ihr Lieben!

Liebe Toyo, ich beneide Deine Schwägerin! Toll das sie es geschafft hat! Ich habe heute noch einen schweren Gang vor mir. Ich muß meinem Chef heute gestehen, dass ich den Kursus abgebrochen habe. Ich weiß nicht wie er reagiert, meist ist er nett aber er hat auch seine schlechten Tage! Hoffentlich kann er mich verstehen und glaubt nicht ich hätte das kopflos entschieden, weil ich keine Lust habe oder so.... Meine Ärztin hat mir von Anfang an gesagt, das dieser Kursus + Prüfung einfach zu früh für mich wäre und ich habe nur an die Ablenkung gedacht. Aber das mit der Prüfung ist mir einfach zu heikel, wenn ich die vergeige kann ich meinem Chef noch weniger in die Augen gucken als jetzt!

Liebe Ness, danke für dein Email. Ja, es ist eine sehr traurige Geschichte und meist kann ich es gar nicht verstehen wie ich es aushalten kann, ein Teil dieser Geschichte zu sein. Es ist eben nicht so wie im Fernsehen: man sieht eine traurige Liebesgeschichte, weint zum Schluß, macht den Fernseher aus und hat innerhalb von 5 Minuten all das wieder vergessen! Weißt Du wie gerne ich das auch wollte? Wie oft ich morgens aufwache und denke es war nur ein schlechter Traum!!! Und dann hängt da Andrés Strickjacke an meinem Kleiderschrank und es fällt mir wieder ein! Kein Traum, dein Schatz ist tatsächlich TOD....Ich habe lange darauf warten müssen die Liebe meines Lebens kennenzulernen. Und dann war es tatsächlich so wie in den schönen Romanen! Aber niemand hat mir gesagt, wie hoch der Preis ist und wie mein Ende der Liebesgeschichte aussehen wird.... Ich wollte doch nur eine Zukunft mit Ihm!!!

Ganz liebe Grüße an Dich
Lillian

Inaktiver User
18.09.2006, 14:41
Nun muß ich mich einmal dazu melden. Ich bin eine sehr gute Freundin von Lillian und fühle sehr mit ihr und versuche natürlich Alles um ihr zu helfen und ihren Schmerz zu lindern. Aber was bleibt einem schon anderes übrig als ihr zu sagen, dass man immer für sie da ist und mit ihr trauert? ich versuche immer wieder sie aus dem Loch heraus zu holen, nur manchmal möchte sie gar nicht. Mein Lebensgefährte hat vor 7 Jahren seinen einzigen Sohn verloren und ich glaube nur er kann wirklich nachfühlen, was sie empfindet und ihr bei der Trauerbewältigung helfen.Wir lieben Lillian wirklich von ganzem Herzen und ich versuche, täglich mit ihr zu sprechen.

Lillian2207
18.09.2006, 15:09
Liebe Elly1507,

ich weiß dass Du immer für mich da bist! Vielen vielen Dank dafür!!!!! Was sollte ich ohne Freunde wie Dich tun! Du weißt, dass Ihr mich vor einem großen Fehler bewahrt habt und das ich wegen Euch noch da bin! Jeden Tag telefonierst Du mit mir und versuchst mich durch Deine lustige unbeschwerter Art aufzubauen! Es funktioniert! Wirklich! Auch wenn ich es manchmal nicht zeigen kann! Und das es Tage gibt, an denen selbst Du mich nicht aus meinen vier Wänden bekommst.... sei mir nicht böse.... ich kann nicht erklären woran es liegt!
Ich hab Dich lieb, Elly!!! Fühl Dich gedrückt!

Lillian

Inaktiver User
18.09.2006, 15:25
Liebe Lillian 2207,
meine Oma hat früher immer gesagt"und wenn Du glaubst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her". Und eines Tages wird es auch Dir wieder besser gehen und bestimmt wirst Du irgendwann wieder jemanden lieben lernen. André hätte niemals gewollt, dass Du so leidest. Er war so ein lebenslustiger Mensch uns sicherlich völlig schockiert, wenn er das sehen könnte! Natürlich braucht alles seine Zeit und manche Wunden verheilen nie aber sie werden verblassen und dann wirst Du nur noch an die schönen Momente mit André denken und nicht an den Schmerz.Ich kann Dir nicht sagen, wann es soweit ist aber ich weis ganz bestimmt, dass das Leben für Dich noch eine Überraschung haben wird.Bis es soweit ist, werden wir zusammen weinen und bestimmt auch noch zusammen lachen. ich bin froh, dass Du meine Freundin bist!!!

LG

Inaktiver User
18.09.2006, 22:01
Eigentlich bist Du diejenige, die zu beneiden ist, Lilian, weil Du den Mut hattest, zuzugeben, dass das alles momentan doch ein bisschen viel für Dich ist. Ich jedenfalls beneide Dich darum und wünschte, ich hätte mich getraut, ebenso zu handeln. Stattdessen bin ich drei Tage nach der Trauerfeier für meinen Vater wieder zu den Seminaren für meine Weiterbildung gegangen. Ich hatte jedes zweite Wochenende Freitag und Samstag Schule - zusätzlich zu meinem Vollzeitjob. Und in der verbleibenden Freizeit habe ich dann für die Prüfung gelernt (oder es zumindest versucht). Im Grunde war das alles viel zu viel für mich. Ich hätte SO gerne alles hingeschmissen, aber sogar in der Situation hat mein Pflichtgefühl gesiegt, denn immerhin hat mein Chef diese Fortbildung bezahlt.

Eine gute Freundin schrieb mir zu der Zeit einmal „In Zeiten wie diesen muss man einfach mal an sich selbst denken…“ und riet mir dann, die Schule erstmal „auf Eis zu legen“. Auch wenn ich ihrem Rat „damals“ nicht gefolgt bin, weiß ich, dass sie absolut Recht hatte. Es hätte mir so gut getan, wenn ich diese Last von meinen Schultern genommen hätte. Wenn man um einen Menschen trauert, gibt es genügend Situationen, die sehr viel Kraft kosten, denen man aber nicht ausweichen kann und die man einfach durchstehen MUSS. So eine Weiterbildung KANN zwar ablenken, kostet aber auch gleichzeitig unheimlich viel Kraft, die man dann gar nicht mehr hat.

Daher finde ich, Du hast alles richtig gemacht, Lilian! Denk an Dich und mach das, was Du für Dich am besten hältst. Ich bin mir sicher, dass irgendwann der richtige Zeitpunkt für Dich kommen wird, die Fortbildung zu machen und dass Du dann den Mut und die Kraft dafür haben wirst, das durchzustehen.

Liebe Grüße,
Sparkle

Lillian2207
19.09.2006, 11:56
Mein lieber Schatz,

ich sitze vor meinem Rechner und halte in meiner Auswertung inne. Meine Auge starren nach draussen und meine Gedanken sind bei Dir. Wie oft passiert mir das am Tag! Kurze Erinnerungen schleichen sich in meinen Kopf und manchmal schmunzel ich aber viel zu oft weine ich. Es ist mir peinlich auf der Arbeit zu weinen, aber ich hoffe, dass es keiner bemerkt!

Ich denke an unser Frühstück in deinem kleinem WG-Zimmer. Wo Du dich so früh am morgen schon in die Küche gestellt hast und ein Weißwurstfrühstück vorbereitet hast. Ich habe mich total zusammengerissen und habe sogar eine Wurst gegessen obwohl ich mich sehr dazu zwingen mußte, aber ich fand es so nett von Dir!

Ich sehe Dich an Deinem Rechner sitzen, wo Du die Fotos sortierst die Du von uns gemacht hast und ich Dich bitte, das Eine oder Andere zu löschen weil ich so furchtbar darauf aussehe. Ich erinnere mich, wie ich in deinem Rechner nach Musik stöbere und einen Ordner finde der "Löschen" heißt, in dem ich alle meine Fotos wiedergefunden habe, die ich nicht mochte, die Du aber auch nicht löschen wolltest!

Ich erinner mich an die kleinen Zettel die auf Deinem Schreibtisch lagen auf denen die unterschiedlichsten Abendaktivitäten standen, und ich jeden Abend einen Zettel ziehen sollte um zu entscheiden, was wir von den vielen Dingen die Du mir zeigen wolltest an diesem Abend tun sollten.

Ich erinner mich, wie wir einkaufen waren und Du alles was ich für Dich ausgesucht habe tapfer anprobiert hast, ohne zu murren und mit einem Lächeln im Gesicht.

Aber ich erinner mich auch, wie wir Dinge planten, die ich nie haben werde! Die Einrichtung unserer Wohung, die wir schon gemietet hatten. Die Farbe der Küche, wo wir uns nicht zwischen dunkel Rot und Vanille entscheiden konnten. Der Balkon der uns fehlte und ich im Treppenhaus meine Pflanzenkübel aufstellen wollte, um ein bisschen vom grünen Rheinland mitzubringen....

Und dann frage ich mich noch: wie wärst Du als Ehemann gewesen ("Ehemann", wie schön ist dieses Wort, und wie weit weg für mich)? Wie als Vater unserer Kinder? Ich sehe Dich mit unserem Kind auf den Schultern am Nymphenberger Schloß spazieren und erinner mich wie wir beide im tiefsten Winter über das zugefrohrene Wasser spaziert sind, Du mich an die Hand genommen hast und übers Eis gezogen hast! An all das erinnere ich mich und starre aus dem Fenster! Und dann klingelt das Telefon, die Arbeit wartet und ich versuche meine Stimme in den Griff zu bekomme und nicht zittern zu lassen, damit es nicht auffällt das ich wieder geweint habe....

Ich liebe Dich!

Inaktiver User
19.09.2006, 14:17
Tod bedeutet nichts.
Ich bin nur über die Schwelle in den nächsten Raum gegangen.
Was wir füreinander waren, das sind wir noch.
Rufe mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprich zu mir in der Art, wie du es immer getan hast.
Wechsle den Tonfall deiner Stimme nicht.
Zeige keine Miene des Ernstes und der Sorge.
Lache, wie wir immer zusammen über die kleinen Späße gelacht haben.
Bete, lächle, denke an mich.
Bete für mich.
Laß im Hause meinen Namen das sein, was er immer war.
Sprich ihn aus, ohne die Spur eines Schadens an ihn.
Leben bedeutet all das, was es immer bedeutete.
Es ist dasselbe, was es immer war –
Eine ununterbrochene Fortsetzung.
Es geht weiter.
Warum soll ich aus deinen Gedanken sein?
Nur, weil ich aus deinem Blick bin?
Ich warte auf dich – irgendwo in deiner Nähe.
Alles ist gut.

Henry Scott, 1817-1918

Lillian2207
21.09.2006, 12:10
Mein lieber Schatz,

ich habe gerade ein kleines Lächeln im Gesicht, ich muß an unseren ersten Kuß denken!

Mein Auto war schon gepackt und ich war schon fast auf dem Heimweg da mein Besuch in München zu Ende war, da hast Du mir eine sms geschrieben, dass Du Zeit für einen Kaffee mit mir hättest! Ich habe mich so gefreut und habe meine Heimreise verschoben um mich noch einmal mit Dir zu treffen! Auf dem Weg zum Café haben wir über alles mögliche geredet, als ob wir uns schon Jahre kannten! Es war alles so unbeschwert, ohne ein Gefühl von der bevorstehenden Trennung und 500 km zwischen uns haben wir Deine Mittagspause immer weiter ausgedehnt und uns nicht um die Zeit geschert. Als ich dich zurückgebracht habe, habe ich vor Deiner Firma geparkt. Du hattest meine Handynummer und und ich Deine Emailadresse und ich hatte gehofft, dass ich nichts sagen mußte und wir einfach in Kontakt bleiben. Dann hast du Deine Jacke gegriffen und plötzlich bekam ich doch Angst. Würde das hier und jetzt zu Ende gehen. Vielleicht würdest Du dich gar nicht mehr melden, vielleicht war zu wenig zwischen uns als das du es für wichtig erachten würdest einen Kontakt auf so weite Entfernung aufrecht zu erhalten. Was sollte ich bloß sagen? Du hast mich angeguckt und hast mir eine schöne Fahrt gewünscht und anstatt Dir zu danken habe ich Dir gesagt, dass ich Dich jetzt gerne küssen würde!

Du hast mich nur angeguckt, Du hast gar nichts getan. Mir ist langsam die Schamesröte ins Gesicht gestiegen und Du hast nur dagesessen. Habe ich das wirklich gesagt. Nein, ich hatte es bestimmt nur so für mich gedacht und nicht laut ausgesprochen.... könnte sich jetzt bitte dieser Boden auftun und mich verschlucken. Vielleicht habe ich einfach zu viel da herein interpretiert und es war für Dich nur eine "nette Bekanntschaft" sonst nichts.....

Der Boden tat sich nicht auf, Du saßt immer noch da und hast mich angeguckt und dann klingelte mein Handy. Ich dachte: da, jetzt ist der Moment vorbei und bin ans Telefon gegangen. Mein Vater wollte wissen ob ich schon losgefahren war und wann ich zu Hause wäre. Ich war furchtbar kurz angebunden und völlig nervös und als ich aufgelegt hatte habe ich ein bedauerndes Lächeln aufgesetzt weil ich dachte Du würdest jetzt einfach aussteigen. Und dann hast Du Dich zu mir geneigt, ganz langsam, ganz ohne Lachen auf deinem Gesicht, Du bist einfach auf mich zu gekommen und ich war so gespannt wie der erste Kuß sein würde!

Es war wundervoll. Ganz zögerlich, ganz sanft! Nur ein kurzer Kuß und dann dein Blick der abwartend auf mich gerichtet war. Wolltest Du irgendwas von mir hören? Wolltest Du vielleicht das ich Dir die Entscheidung abnehme und Dich verabschiede und gehen lassen. Darauf hättest Du lange warten können! Ich hab Dich einfach nochmal geküsst und meine Arme um Deine Hals gelegt. Ich wollte Dir damit zeigen, das es toll war, das ich es mir so vorgestellt habe und das Du noch nicht gehen solltest!

Im nachhinein muß ich sehr schmunzeln wenn ich an diese Situation denke da im Auto und unser plötzliches Schweigen! Aber ich wollte es doch so, ich wollte bevor ich fahre wissen, ob wir zueinander passen!

Donnerstags war meine Heimfahrt. Montags hatte ich Dir versprochen eine Email zu schreiben. Ich saß vor meinem Rechner und fand keine Worte. Gegen neun Uhr früh hast du mir dann eine sms geschrieben um mich nochmal zu erinnern, dass du auf eine Email wartest und so konnte ich mit den Worten beginnen, dass du nicht so ungeduldig sein solltest!

Alle Deine Emails habe ich noch, es fehlt nicht eine Einzige. Auch den unwichtigsten kleinsten Satz habe ich in gmx gespeichert, als ob ich gewußt hätte, das sie einmal ein großer Schatz für mich sein werden. Aber ich kann sie mir nicht durchlesen. Seit deinem Tod liegen sie ungeöffnet dort. Manchmal gehe ich auf gmx und habe die Maus schon auf dem Ordner. Es fehlt nur ein Klick! Dann wird mein Herz so schwer und ich bekomme richtige Angst und schließe die Seite wieder ohne ein Wort von Dir gelesen zu haben! Es geht einfach nicht! Es ist unmöglich!

Aber bald, dann werde ich wieder Deine Worte lesen können! Ich hoffe darauf, ich liebe Dich!

Purzelchen
21.09.2006, 13:57
Liebe Lillian, ich lese alle Deine Beiträge und ich bedaure es so sehr was Euch wiederfahren ist. Ich denke ganz doll an Dich und wünsche Dir nur das Beste. Du bist sehr tapfer. Mach Dir nicht so viele Gedanken darüber, dass jemand auf der Arbeit merken könnte, dass Du weinst. Denk einfach an Dich, das ist alles was zählt!
Viele liebe Grüße und fühl Dich umarmt!

Lillian2207
21.09.2006, 16:17
Liebe Purzelchen,

ich danke Dir für Deine Email! Es hilft mir so sehr hier Briefe an André schreiben zu können. Wohin sonst mit all meinen Gedanken!!! Sie sind in mir, den ganzen Tag! Manchmal hoffe ich, das meinen Schatz diese Briefe auch erreichen, das er sie da oben lesen kann. Und das er weiß, wie sehr er mir fehlt!

Ganz liebe herzliche Grüße
Lillian

Bloodyzicke
21.09.2006, 17:13
Liebe Lillian,

Du weißt, dass sie Ihn erreichen! Dafür brauchst du deine Gedanken nichtmal aufschreiben. Er weiß was du fühlst, denkst und wie es dir geht. Glaub mir.


Ich drück dich ganz fest!!!!

Liebe Grüße

Bloody

Lillian2207
22.09.2006, 14:25
Mein lieber Schatz,

das war heute mein letzter Arbeitstag vor meinem zweiwöchigen Urlaub. Eigentlich hatte ich mir die zwei Wochen für Dich reserviert, wir wollten zusammen die münchner Wohnung einrichten und aufs Oktoberfest gehen. Jetzt habe ich eine Woche Korfu gebucht und meine Mutter wird mich begleiten.

Kommst Du bitte mit mir? Ich mag nicht ohne Dich fahren. Pack Deinen Koffer und sein bei mir, ich möchte mit Dir am Strand spazieren, mit Dir Steine sammeln wie in Barcelona und neben Dir in der Sonne liegen. Es ist tröstlich für mich, wenn ich wüßte Du wärst bei mir. Ohne Dich mag ich nicht fahren.

Meine Mutter passt auf mich auf. Sie weiß zwar immer noch nicht richtig wie sie mit dieser Situation umgehen soll, sie macht sich so viele Sorgen. Sie hat sich ein schönes Leben für mich gewünscht. Jedes Mal wenn ich einen neuen Freund hatte, hat sie mich gefragt, ob wir es erst meinen, ob wir heiraten und ob Sie endlich Oma werden wird. Immer habe ich abgeblockt, nie hat Sie eine eindeutige Antwort von mir bekommen und dann kamst Du und ich habe meiner Mutter freudestrahlend erzählt, dass wir das volle Programm vor haben :-)))

Was hat Sie sich für mich gefreut. Endlich! Ich sollte es halt besser haben als Sie, ich sollte glücklich werden..... Wenn ich jetzt zu Hause auf dem Sofa sitze, Minutenlang aus dem Fenster starre und in meiner Traumwelt bin, wenn ich leise vor mich hin weine und Sie es mitbekommt, kommt Sie vorsichtig an mich herangetreten und umarmt mich von hinten. Sie flüstert mir hoffnungsvolle Dinge ins Ohr, Sachen die ich gar nicht hören will, die ich auch nicht glauben kann und versucht mir die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Ich bin froh das Sie da ist, und auch das sie mit mir in Urlaub fährt. Mit wem hätte ich sonst fahren können!

Ich warte auf Dich, da in Korfu am Strand. Lass mich nicht alleine! Ich liebe Dich!

Herzi32
22.09.2006, 17:22
Hallo Lilian

Wo du bist, wird auch immer André sein, denn du trägst ihn immer in Deinem Herzen.
Geniesse deinen Urlaub, lass es dir gut gehen!!!

Ich denk an dich und drück dich von ganzem Herzen

Liebe Grüsse
Herzi

Purzelchen
25.09.2006, 14:03
Liebe Lillian, ich wünsche Dir, trotz allem, einen wunderschönen Urlaub mit viel Sonne und viel brauner Haut :o)
Er wird immer bei Dir sein, als Sonne, als Wasser, als feiner Wind der vom Meer weht. Ich denke an Dich und erhole Dich gut! Alles Liebe!

Toyo
30.09.2006, 22:54
Lillian ich denk an dich. Geniese deinen Úrlaub. Ich drück dich und schicke dir ein Kraftpaket.

Küsschen
Toyo

Lillian2207
09.10.2006, 15:17
Mein lieber Schatz,

ich bin wieder zurück! Zurück aus dem Urlaub, zurück in meinem traurigen Leben. Ich hatte so gehofft, dass Du bei mir bist wenn ich im Meer schwimme, dass ich Dein Lächeln sehe, wenn ich in die Ferne gucke, oder das ich deine Stimme höre wenn ich im dunkeln alleine am Strand entlang spaziere.... ich hatte Dich zwar in meinem Herzen dabei, aber ich habe kein Zeichen von Dir erhalten!

Bei unserer Ankunft hat es in strömen geregnet und wir wußten nicht, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten! Das Wetter drückte auf unsere Stimmung und erst nach zweieinhalb Tagen kam die Sonne raus. Mit der Sonne kamen auch die Lebensgeister zurück und wir haben fünf tolle Tage da in dem entfernten Griechenland erlebt. Es war wie als könnte ich mein "altes" Leben abschalten und ein neues für kurze Zeit beginnen. Die Umgebung, die Sonne, das Meer und die lockere Lebensart dort hat mich abgelenkt und ich konnte meiner Seele ein bisschen "Auszeit" gönnen. Sogar gelacht habe ich, ohne schlechtes Gewissen, einfach so! Es war schön und ich vermisse es doch ein bisschen.

Einmal habe ich auf der Terrasse gesessen und habe mir vorgestellt, Du wärst jetzt zu Hause und ich alleine im Urlaub, Du wärst nicht Tod sondern wartest daheim auf mich. Ich habe da gesessen und es mir so lebendig vorgestellt, dass ich jeden Moment eine Sms von Dir erwartete oder einen Anruf in dem Du mich fragtest ob ich Dich in meinem Urlaub vermisse und wann ich endlich zurück sein werde.... Dieses Gefühl von Wärme in meinem Herzen, als ich gedacht habe, es ist alles gar nicht wahr, Du bist immer noch bei mir!

Jetzt bin ich zurück. Meine vier Wände, die mir immer Geborgenheit gegeben haben, erschrecken mich. Meine Arbeit macht mir eher Angst und bietet mir keine Ablenkung mehr. Die Tage werden kürzer und der Herbst erdrückt mich. Wie schön war da doch der letzte Herbst: gemeinsame Spaziergänge, gemütlich kochen und bei Kerzenlich essen und das Verliebt sein, wie tausend Schmetterlinge!

Am Wochenende war ich aus. Meine Freundin ist mit mir Essen und danach noch etwas trinken gegangen. Mein Herz hat sich verkrampft denn in dieser Kneipe waren wir das letzte Mal noch zu dritt. Für eine kurze Zeit habe ich alleine an der Bar gestanden und wurde von einem Mann angesprochen. Wir haben uns kurz unterhalten und er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte einmal mit Ihm einen Kaffee trinken zu gehen. Alle Alarmglocken gingen in meinem Kopf an. NEIN wollte ich sagen, GEH WEG! Ich war sauer, dass man mir nicht ansehen konnte, dass ich sowas nicht will. Als er gegangen war hatte ich das Gefühl als hättest Du dort hinten in der Ecke gestanden und hättest mich beobachtet....

Wenn ich an Dich zurückdenke, dann weiß ich genau, dass Du dich gefreut hättest, hätte ich die Einladung angenommen. Du würdest nur mein Bestes wollen! Aber das ist nicht das was ich will. Ich wollte nur Dich, niemand kann Dich ersetzen, mit niemanden anderem möchte ich sprechen. Sie können Dir alle nicht das Wasser reichen.

Ich liebe dich so sehr!

Lillian2207
10.10.2006, 09:18
Liebe Toyo, liebe Purzelchen,

danke das ihr beiden an mich denkt!

Der Urlaub hat mir schon sehr gut getan, nicht nur die Sonne und die Umgebung sondern auch die Menschen die man kennengelernt hat und mit denen man ins Gespräch kommt.

So habe ich zum Beispiel Georg aus Kanada kennengelernt, der mir erzählte, das der Mann seiner Schwester 5 Tage vor der Geburt des gemeinsamen Kindes bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.... ein englisches Ehepaar wo der Mann vor drei Jahren seinen jüngeren Bruder durch eine Krankheit verlor....

Auf der einen Seite waren es tröstende Gespräche, denn beide haben mir versichert, das der Schmerz weniger wird. Aber es ist doch erstaunlich (oder beunruhigend?) das meine Gespräche mit fremden Menschen immer wieder auf das Thema "Tod" kommen. Als ob ich kein anderes Thema kennen würde! Aber ich denke, das viele Menschen, die so ein Leid erfahren haben, auch gerne darüber reden wollen. So wie ich!

Jetzt ist der Urlaub vorbei, geblieben sind mir nur die Fotos und die Sehnsucht nach einer Zeit die mich abgelenkt hat!
Da muß ich halt durch :-)

Lieben Gruß
Lillian

Lillian2207
11.10.2006, 12:00
Mein lieber Schatz,

heute bin ich durch unsere Produktion ins Lager gegangen, weil ich etwas aus der Werkstatt brauchte. Auf halben Weg mußte ich stehn bleiben und den Arbeitsplatz unserer Lagerleiterin anstarren. Wie lange ist es her als ich einen Anruf von Ihr bekam ich sollte zu Ihr kommen, es wäre ein Paket für mich abgegeben worden. Ich weiß genau, es war Valentinstag und ich bin ganz aufgeregt zu Ihr gelaufen. Sie hat mir lächelnd und wissend das Paket überreicht und ich bin damit freudestrahlend in mein Büro zurück. Ein Blumenstrauß, wunderschön und riesengroß! Und von Dir, dem Mann den ich liebe! Niemals zuvor hat mir jemand einen Blumenstrauß auf die Arbeit geschickt. Es war mir ein wenig peinlich, meine Arbeitskolleginnen haben Witze gemacht, aber ich war so glücklich und habe den Strauss auf meinen Schreibtisch platziert!

Das sollte nicht der einzige Strauß hier auf der Arbeit bleiben, denn nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen uns beiden, hast du mir nochmal einen schönen Blumenstrauß geschickt und wieder bin ich zur Lagerleiterin gelaufen und habe mir mein Paket abgeholt.

Jetzt stehe ich hier, der Platz der Lagerleiterin ist leer! Das ist gut so, denn den mitleidigen Blick, den Sie mir zugeworfen hätte den kann ich nicht ertragen. Manchmal geht Sie hier durch die Gänge an meinem Büro vorbei und ich muß an diese schönen Zeiten denken! Irgendwie steht diese Frau für die Zeit die die schönste in meinem Leben war!

Weißt Du mein Schatz, ich vermisse Dich so wahnsinnig! Jeden Tag wenn ich aufstehe sehe ich Dein Gesicht vor mir, auf der Fahrt zu Arbeit spreche ich mit Dir und Abends wenn ich alleine in der Küche sitze und esse, ißt Du mit mir. Einer Deiner Blumensträuße hängt getrocknet an meinem Küchenschrank und erinnert mich immer wieder an Deine galante Art. Wie könnte ich Dich nicht vermissen, Du warst mein Leben!

Du fehlst so, ich liebe Dich!

Lillian2207
12.10.2006, 15:23
Mein lieber Schatz,

ich denke gerade darüber nach (und es trifft mich wie ein Schlag) ob ich Dir in unserer gemeinsamen Zeit oft genug gesagt habe, das ich Dich liebe? Bestimmt habe ich es getan, aber ich mache mir trotzdem Sorgen! Das erste Mal wo ich es Dir sagte, da stand noch nichts genaues fest. Ich wußte nicht, ob Du es wirklich mit mir versuchen wolltest oder ob Dir die Entfernung zu mir zu weit war. Ich weiß noch, wie wir über uns gesprochen haben und Du Dir nicht sicher warst, es Dir vielleicht zu kompliziert werden würde und ich leise geflüstert habe, dass es für mich ganz einfach war mich in Dich zu verlieben. Du hast es nicht gehört, ich habe es an Deinem Gesicht gesehen, es war unverändert, unbeeindruckt. Damals war ich so schüchtern, ich hatte mich nicht getraut es ein zweites Mal auszusprechen.

Dann kam die Zeit, in der wir viele Emails schrieben und wir nicht von einander los kamen. Ich hatte gehofft, dass Du wüßtest was ich für Dich empfinde ohne es schreiben zu müssen. Ich hoffte meine Bemühungen Dich zu halten, würden Dir meine Liebe zeigen. Ich weiß es bis heute nicht. Dann kam die Pause. Kein Ton von Dir, keine Email und ich wußte Du wolltest versuchen rauszubekommen, was da zwischen uns ist. War es gut oder schlecht, war es viel oder wenig, war es Einbildung oder war es Wirklichkeit.

An die Email die Du mir dann geschrieben hast, an die erinnere ich mich wie heute. In Ihr stand mein größtes Glück, in Ihr stand: ich habe mich im ersten Augenblick in Dich verliebt, aber ich wollte es nicht wahr haben. Ich wollte nicht glauben das sowas so schnell gehen kann.

Mein Herz war warm. So viel Glück. Ich konnte es wirklich nicht glauben und habe die Email immer und immer wieder gelesen. Zuletzt habe ich sie ausgedruckt und zu Hause wie einen Schatz gehütet.

Ich habe oft über uns nachgedacht. Saß alleine zu Hause und habe mich gefragt, wie man das Glück beschreiben kann, was wir gefunden hatten. Das Glück (die Liebe) ist so groß, weil man weiß, der Andere ist immer für einen da, egal wie weit weg er ist. Man braucht nicht eifersüchtig zu sein. Man braucht nicht viel zu sagen, denn der Andere kennt jeden Gedanken. Man möchte alles tun um den Anderen glücklich zu machen, egal wie beschwerlich der Weg ist. Und zu letzt und das finde ich ist der Kern: Man hat nur eine Antwort auf die schönste Frage der Welt...
Wenn es auf die Frage "Willst Du mich heiraten" nur eine Antwort gibt, nur ein einziges Wort: NATÜRLICH!

Du hattest mich damals ganz leise gefragt. Als ob Du die Antwort fürchten würdest. Ich konnte kaum atmen und mein Gedanke war nur bei dem einem Wort. Aber ich habe Dich geküsst und dich angelacht, habe ja gesagt und habe alle Deine Ängste zerschlagen.

Jetzt bist Du da oben. Ohne uns, ganz alleine. Aber ich hoffe Du kannst Dich an alles erinnern und ich möchte Dir sagen: Meine Antwort war nicht nur ja, meine Antwort war NATÜRLICH!

Ich liebe Dich!

Lillian2207
17.10.2006, 13:16
Mein Liebling,

jetzt sind schon 5 1/2 Monate ohne Dich vergangen, und ich vermisse Dich als ob Du gestern erst gegangen wärst. Den ganzen Sommer mußte ich ohne Dich sein und jetzt ist Herbst, der schreckliche Winter steht vor der Tür und mir sind nur Erinnerungen geblieben! Früher konnte man mein Leben mit Wörtern wie interessant, spaßig, spannend beschreiben, heute treffen nur noch einsam, traurig, beklemmend und müde zu. Wie kann so ein kurzer Augenblick in unserem Leben eine so verheerende Auswirkung haben!

Am Wochenende haben mich Deine Eltern besucht. Wir verstehen uns so gut miteinander und immer wieder ertappe ich mich, wie ich es einfach nicht begreifen kann, dass sowas passieren mußte, wie ich merke wie sehr du überall fehlst. Ein Wochenende mit Deinen Eltern ist schön, aber auch viel zu kurz. Sie sind das Einzige, was mir von Dir geblieben ist, und ich fühle mich Dir noch näher. Sie wären so nette Schwiegereltern gewesen.

Heute ging es einer Mitarbeiterin aus meinem Team sehr schlecht. Sie kämpft den ganzen Morgen mit den Tränen. Eben habe ich Sie zur Seite genommen um in der Kantine mit Ihr zu sprechen. Ihr Sohn ist heute vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Da saß ich nun, hörte mir die ganze Geschichte an, weinte mit Ihr und wurde selbst wieder unglaublich traurig! Wie viele Dinge, die uns beiden gleich durch den Kopf gehen: Wäre er doch nur eine viertel Stunde später losgegangen, könnte man doch die Zeit zurückdrehen, warum ausgerechnet wir....

Seitdem ich um Dich trauer, werde ich immer wieder mit so viel Leid konfrontiert. Ist es WEIL ich trauer, oder war es auch schon früher so und es hat mich nicht so sehr mitgenommen? Ist das Leben schon immer so unfair gewesen, bei so vielen Menschen? Ich habe vor ein paar Tagen die Floskel gehört: Du mußt Dein Glück festhalten, denn sonst wird es Dir wieder genommen! Ich habe mein Glück doch festgehalten und ich konnte nichts dagegen tun, das dieser Unfall passiert ist, das Du mir genommen wurdest!

Jetzt ist das Oktoberfest vorbei, ich habe wieder eine Hürde genommen.... aber ich fühle mich überhaupt nicht besser. Die nächste wird der 11.11. sein, Karnevalsbeginn, den wir gemeinsam gefeiert haben. Dann kommt Dein Geburtstag, die Adventszeit, Weihnachten mit den Märkten und Silvester...

Ach Schatz, ich schaff es einfach nicht ohne Dich. Ich schaffe es einfach nicht.....

ness
17.10.2006, 13:31
hey
ich lese deine beiträge, seit ich hier auch an diesem forum teilnehme. ich bin immer wieder den tränen sehr nahe, wenn ich deine beiträge lese.
ich habe sehr oft an dich gedacht während des oktoberfestes.
ich wünsche dir, dass du immer wieder die kraft bekommst, tag für tag weiter zu leben. vielleicht jetzt nur passiv, aber irgendwann auch wieder aktiv. das wünsch ich dir von herzen!
da sind immer wieder leute, die an dich denken! die dir energie schicken wollen. aber auch in deiner näheren umgebung sind sicher genug leute, die für dich da sein wollen.
bitte nutze diese angebote!

Lillian2207
17.10.2006, 15:44
Liebe ness,

vielen Dank für Deine Antwort!
Ich habe Deine Beiträge auch gelesen und es tut mir so leid, dass Du Deinen Opa verlieren mußtest!!!!

Vor sieben Jahren ist mein Opa verstorben und ich weiß noch wie ich die letzten Tage jede freie Minute an seinem Krankenbett gesessen habe und er mir so viele Geschichten aus seinem Leben erzählt hat. So als wolle er mir nochmal alles wichtige erzählen bevor er starb! Die letzten Tage haben uns sehr zusammen geschweißt und genauso wie Du, konnte ich Ihm zum Schluß nicht mehr sagen, wie sehr ich Ihn geliebt habe! Aber ich hoffe, das Taten mehr sagen als Worte und er es gemerkt hat! Genauso wie er es bei Dir sicher auch gemerkt hat, liebe ness!

Ich wünsche Dir ein bisschen Sonnenschein in diesen traurigen Tagen! Fühl dich feste von mir gedrück!
LG Lillian

ness
18.10.2006, 10:25
Liebe Lillian!
lieb von dir, dass du auch mit mir mitfühlst! das ist das schöne hier, dass man sich ned allein fühlen muss, sondern doch irgendwie ein bissi getragen wird.
und obwohl die "geschichten" doch so unterschiedlich sind, fällt es uns doch irgendwie leichter einander zu verstehen oder mitzufühlen.
mir hat es auch sehr geholfen, dass ich hier meine geschichte erzählen durfte. seither geht es mir viel besser. also erzähl auch fest immer, wie es dir geht!!!
ich denk an dich, schließ dich in meine gedanken fest ein und umarme dich auch ganz ganz fest zurück!!!!!
:wangenkuss:

Lillian2207
23.10.2006, 11:58
Mein lieber Schatz,

heute ist das Wetter wie meine Stimmung: alles ist grau in grau und es regnet. Das Wochenende war völlig unspektakulär, wie alle Wochenenden seit deinem Tod! Meine Freundin, mit der der Kontakt nach meinem Gefühl immer weniger wird, wollte erst mit mir ausgehen, dann hat sie sich dagegen entschieden und wenn ich mich nicht einfach selber bei Ihr zum Samstag-Abend-Fernseh-Gucken eingeladen hätte, hätten wir uns die zweite Woche in Folge nicht gesehen. Das wäre das erste Mal in den 13 Jahren die wir befreundet sind. Komisch, nie ist uns das passiert, aber jetzt, wo Du so fehlst, wo ich immer mehr zum Einsiedler werde, wird der Kontakt zu Ihr immer schwächer....

Mir hat mal hier in dem Forum jemand geschrieben, das der Tod seines Familienangehörigen die Freundschaft zur besten Freundin noch mehr zusammengescheißt hat, das man an Jahrestagen die Zeit zusammen verbringt, damit der andere nicht alleine ist. Das fand ich sehr schön, es wäre so beruhigend wenn ich wüsste, das meine Freundin deinen Geburtstag im November nicht einfach übergehen würde, sondern mit mir an Dich zurück denkt und vielleicht mit mir eine Kerze aufstellt und Dir gratuliert.....

Ich kann nicht glauben, dass Du nächsten Monat schon wieder Geburtstag feierst. Ist der Letzte nicht gerade erst vorbei. Habe ich Dir nicht gerade erst gratuliert? Es ist alles so komisch mit der "Zeit". Du bist nächstes Wochenende tatsächlich schon ein halbes Jahr tot. Mir kommt es so vor als würde ich schon Jahre lang diese Trauer auf meinen Schultern tragen, aber trotzdem ist der Schmerz noch so groß als hätte ich erst gestern diesen furchtbaren Tag erlebt und diese erschütternde Nachricht erhalten. Meine Seele ist so verletzt, dass ich noch keine Linderung spüre und Du bist schon so lange weg, dass ich doch schon so viele wichtige Dinge vergesse! Ich weiß nicht mehr wann ich das letzte Mal glücklich war.... doch warte: an dem Morgen, als ich mit einem Lächeln im Gesicht zur Arbeit gefahren bin, das Lied im Radio lauthals mitgesungen haben, den Ring am Finger, das tolle Wochenende im Gedächnis! Ich habe mich auf die Arbeit gefreut, deine Guten-Morgen-Email zu lesen, mein Handy in der Tasche das von Deinen Sms nie still steht. Und ich bin auf der Autobahn und lächle vor mich hin, und Du bist vier Stunden vorher auf dem Weg nach Hause gewesen, bestimmt auch mit einem Lächeln im Gesicht, bist in der wohlbekannten Strasse durch den Wald auf dem Weg auf die Autobahn, fährst durch die langezogene Linkskurve und kommst von der Strasse ab.

Ich bin nicht bei Dir, wie Du den Baum siehst. Ich bin nicht bei Dir, wie Dein Auto ins Schleudern gerät. Und ich bin nicht bei Dir als Du stirbst! Wieso verdammt nochmal war ich nicht bei Dir! Ich denke jeden Tag daran, das es mein größter Wunsch gewesen wäre, in diesen Minuten bei Dir gewesen zu sein! Auch wenn das bedeutet hätte Abschied vom Leben zu nehmen! Ich kann den Satz nicht mehr hören, den mir so viele Menschen sagen: Sei froh das du nicht mit im Auto warst, Deine Zeit war einfach noch nicht gekommen.....

Nächstes Wochenende bist Du ein halbes Jahr tot. Ein halbes Jahr hat sechs Monate mit vier Wochenenden. Ein Wochenende bedeutete drei Tage mit Dir! 72 Tage die ich nicht mit Dir verbringen konnte, und soviele weitere in meinem Leben.
Du fehlst so sehr!

Ich liebe dich mein Schätzle!

Datakrfj
23.10.2006, 12:39
Mir hat mal hier in dem Forum jemand geschrieben, das der Tod seines Familienangehörigen die Freundschaft zur besten Freundin noch mehr zusammengescheißt hat, das man an Jahrestagen die Zeit zusammen verbringt, damit der andere nicht alleine ist. Das fand ich sehr schön, es wäre so beruhigend wenn ich wüsste, das meine Freundin deinen Geburtstag im November nicht einfach übergehen würde, sondern mit mir an Dich zurück denkt und vielleicht mit mir eine Kerze aufstellt und Dir gratuliert.....



Liebe Lillian,

das war ich, die von ihrer besten Freundin berichtet hat. Vor mittlerweile 8 Jahren ist ihr kleiner Bruder bei einem Badeunfall ums Leben gekommen. Das war auch so eine Ungerechtigkeit des Lebens. Benni war erst 15 Jahre alt.
Ich kann mich noch so genau an den Tag erinnern, als sie es mir erzählt hat. In der Zeit des Unfalls und der Zeit auf der Intensivstation war ich im Urlaub. Noch heute frage ich mich, warum sie sich nicht gemeldet hat. Ich hätte ihr so gerne in dieser Zeit beigestanden. Als sie mir es dann nach meinem Urlaub erzählt hat, war es so unwirklich, weil wir uns vorher noch zwei Stunden unterhalten haben und von den Sommerferien erzählt haben. Wir haben gelacht und irgendwann kommt sie mit der Sprache raus. Wir haben zusammen geweint. Den ganzen Nachmittag. Bei mir auf dem Sofa gelegen und einfach nur getrauert. Und uns vorgestellt, dass Benni auf dem Fensterbrett sitzt und auf uns runter schaut.
Die Trauer ist bei ihr immer noch sehr präsent, wenn auch nicht mehr täglich. In dem Zeitraum vor dem Unfall, so ca. immer zwei Wochen vorher. Wird sie unruhig, kann nicht schlafen träumt von ihrem Bruder und sie ist einfach nur traurig. Sie weiß, dass sie jederzeit bei mir anrufen kann und ich ein offenes Ohr für sie habe. Es ist aber auch so, dass sie sich manchmal Sachen einfach einfordert. Das sie mich fragt, ob wir zusammen zur Unfallstelle gehen können. Ich weiß halt auch nicht, was sie braucht. Ist sie jetzt schon soweit sich das Freibad anzugucken oder nicht. Von daher mein Rat, sage was Du Dir wünscht. Gehe zu Deiner Freundin und sage ihr, dass Du Dir wünschen würdest mit ihr zusammen den Geburtstag von deinem Schatz zu feiern. Ganz ruhig und ganz leise. Vielleicht backt ihr einen Kuchen zusammen, schaut Euch Fotos an (wenn Du das schon kannst) und zündet eine Kerze an.

Ich wünsche Dir alle Kraft dieser Erde zurück ins Leben zu finden. Die Welt braucht Dich. Deine Eltern brauchen Dich.
Das war der Spruch auf der Todesanzeige des Bruders meiner Freundin:

Das wird mein Geschenk sein:
Wenn ihr bei Nacht den Himmel anschaut,
wird es euch sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Wenn ihr euch getröstet habt, werdet ihr froh sein,
mich gekannt zu haben.
(Der kleine Prinz; A. de Saint-Exupery)

Ich finde ihn wunderschön. Vielleicht hilft er Dir auch.

In Gedanken bei Dir.
Data

Lillian2207
23.10.2006, 14:04
Liebe Data,

genau, das warst Du von der ich gesprochen habe! Ich finde es total toll, wie Du Deiner Freundin hilfst! Alleine Ihr die Möglichkeit zu geben Dir zu sagen, was Sie tun möchte, finde ich schon toll. Bei mir ist es im Moment so, das viele Menschen und Ausgehen nicht mein Ding ist.... Aber meine Freundin geht halt so gerne aus und ist gerne unter Menschen. Wenn Sie mich doch fragen würde! Aber ich werde Deinen Rat befolgen und Sie das nächste Mal fragen, ob Sie Lust hat, einfach mit mir irgendwo in Ruhe zu sitzen und etwas über André zu reden. Das hilft mir am meisten und ich habe so wenig Menschen in meiner Umgebung die noch was von André hören möchten.

Meine Mutter zum Beispiel hat mir immer zugehört. Samstag hat sich mich dann zu Hause abgeholt und ist mit mir spazieren gewesen. Ich war so in Gedanken, das ich kaum gesprochen habe. Später im Auto mußte ich weinen und sie hat nichts gesagt. Als wir dann wieder zurück waren und Sie sich von mir verabschiedet hat, sagte Sie mir: ich müsste jetzt langsam wieder ins Leben kommen, ich sollte meine Gedanken besser steuern und mich dazu zwingen mich etwas mehr abzulenken. Ich sollte nicht ständig an André und die verlorene Zeit denken....

Es geht aber nicht. Ich kann nicht einfach an etwas anderes denken. Als ob man das abschalten könne und einfach zur Tagesordnung übergehen könnte (davon abgesehen gibt es ja auch keine Tagesordnung mehr!). Erst war ich sauer auf meine Mutter, dann habe ich verstanden, dass sie das nur sagt, weil sie sich so sorgt! Ich werde es jetzt mal versuchen. Wenn ich wieder so traurig bin, dann versuche ich an ganz was anderes zu denken, aber ob es klappt kann ich mir gar nicht vorstellen....

Vielen Dank für Deine Mail. Ich habe mich sehr darüber gefreut!!!!! Einen ganz ganz lieben Gruß an Dich, und an Deine tapfere Freundin!

Lillian

Datakrfj
23.10.2006, 21:30
Liebe Lillian,

ich denke nicht, dass deine Mutter es böse gemeint hat, sondern dass sie sich wirklich einfach Sorgen um Dich und Dein Wohlergehen macht. So sind halt Mütter. Sie leiden meistens mindestens genauso viel wie man selbst, da jede Mutter will, dass es seinem Kind gut geht und es glücklich ist.

Vielleicht kannst Du ja mal mit Deiner Freundin reden und ihr sagen, dass Du einfach im Moment mehr Lust hast, einen ruhigen Abend mit ihr zu verbringen und Du keine Ablenkung mit Ausgehen möchtest. Ich denke das wird sie verstehen. Ich kann ja nur aus der Sicht einer Freundin schreiben, aber es ist wirklich so, dass man oft nicht weiß, was derjenige gerade braucht. Es ist oft so, bei mir und meiner Freundin, dass ich sie frage ob irgendwas ok ist, oder ob es für die zu viel ist. Zum Beispiel wenn wir einen Film schauen, in dem ein Junge stirbt. Dann frage ich sie ob sie den sehen kann, oder ob wir den ausmachen sollen. Sie sagt mir dann, wie sie sich fühlt. Es ist so wahnsinnig schwierig zu erahnen was in dem Kopf eines Trauernden vor geht. Deshalb sprich mit deiner Freundin über Deine Wünsche an sie.

Ich kann verstehen, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Dass es Momente gibt in denen einen die Trauer überwältigt. Aber das musst Du auch nicht. Jeder hat seinen Weg den er gehen muss. Was meiner Freundin sehr geholfen hat war eine Therapie. Sie hat den Tod ihres Bruders lange lange Zeit ein wenig zur Zeit geschoben. Kurz nach seinem Tod, hat sie ihr Abi gemacht. Sie hat nur zwei Tage in der Schule gefehlt, dann ist sie gleich wieder gekommen. Hat danach angefangen zu studieren und ihr Studium in Rekordzeit durchgepowert und erst im letzten Jahr hat sie sich zugestanden, sich Zeit für sich zu nehmen und sich helfen zu lassen. Sie konnte bis zum letzten Jahr noch nicht mal mit ihren Eltern über ihren Bruder reden. Die Eltern blockieren da völlig. Daher fand ich es gut, dass sie sich professionelle Hilfe gesucht hat. Als Freundin kann man halt auch nicht alles auffangen.

Hast Du schon mal darüber nachgedacht zu einem Psychologen zu gehen. Mit dem Strategien zu entwickeln wie Du mit deiner Trauer umgehen kannst. Was ist, wenn Dich der Schmerz so vollkommen überwältigt.

Deine Beiträge bewegen mich jedes Mal zui tiefst. Es ist oft so, dass ich hier an meinem PC sitze und mir die Tränen laufen und denke, wie ungerecht es ist, dass Dein André nicht mehr bei Dir ist.

Ich umarme Dich und wünsche Dir viel Mut.
Liebe Grüße
Data

Ich hab Dir gerade noch eine PN geschickt.

ness
24.10.2006, 07:34
hey!
Data!Lillian!
ich finde es echt genial super, wie du für deine freundin da bist!!!
weißt du, Lillian, man kann nämlich wirklich ned wissen, wie es dem anderen geht. dass sich die trauer manchmal beinhart aufdrängt, dass oft ganz unerwartet irgendwelche dinge einem an den verstorbenen menschen erinnern, wo man doch noch vor einer sekunde von etwas ganz anderem gesprochen hat. ich denk, data hat recht, du solltest wahrscheinlich ganz offen mit deiner freundin reden, was du brauchst. vielleicht ist sie auch einfach verunsichert, vielleicht würde sie den geburtstag von andré deswegen übergehen, weil sie dich ablenken will. damit die wunde, die noch nicht mal zu ist nicht schon wieder aufgerissen wird. verstehst du?
die idee mit prof. hilfe is sicher auch ned schlecht. wahrscheinlich kann man sich ned wirklich so zwingen, wie deine mama die idee gehabt hat, aber vielleicht befreit es dich ein wenig mit jemanden, "der das gelernt" hat zu reden. vielleicht gibts dann auch plötzlich andere sichtweisen, mit der trauer umzugehen. und dann langsam auch wieder ins aktive leben zurückzukehren. schritt für schritt. einer nach dem anderen und ganz in deinem tempo.
was denkst du darüber?
liebe umarmung!
ness

Lillian2207
24.10.2006, 16:04
Hallo ihr Beiden,

Ihr habt sicher Recht. Ich nehme viel zu selbstverständich an, dass meine Freundin doch wissen sollte, was mir im Kopf so vorgeht und wozu ich Lust und keine Lust habe. Aber richtig ist bestimmt auch, dass Sie sich Gedanken macht und denkt: ich muß sie mit raus nehmen, damit Sie sich ablenkt und dann quäle ich mich den ganzen Abend und meine Freundin ist mit meinem fehlenden Elan auch nicht glücklich! Ach, das ist einfach alles so schwierig....

Professionelle Hilfe habe ich. Ich bin bei einer Therapeutin und bei einer Trauerbegleitung. Bei der Therapie habe ich mir mehr Hilfe erhofft. Manchman sitzen wir nur so da und ich erzähle ein bisschen und die Frau stellt Fragen auf die ich im Leben nie gekommen wäre. Dann macht sie noch eine Art Augenbewegungstherapie. Damit haben wir die letzten Wochen schon angefangen. Durch schnelle Augenbewegungen sollen gute Bilder im Gehirn gefestigt werden (wo mein schönster Platz ist und wie der aussieht, wie ich mich gebe wenn ich Stärke zeigen kann etc.) Durch die Festigung im Gehirn hat man die Fähigkeit, diese Bilder und Gefühle schneller aufzurufen und sich innerlich zu kräftigen..... Naja, wir hatten bis jetzt nur die "guten" Bilder. Nächste Woche will Sie mit mir eine Art Rückführung machen und alle schrecklichen Bilder die ich vom Unfall und dem Unglück habe heraufholen!? Sie hat extra den Tag vor dem Feiertag dafür ausgesucht, weil Sie meint, es würde heftig werden. Hab schon ein bisschen Angst davor. Mal sehen!

Die Trauerbegleitung ist ganz gut. Ich treffe mich 1x die Woche Nachmittags immer mit einer Dame aus unserem Hospitz. Wir trinken Tee und sprechen dann über das Thema wenn mir danach ist. Es ist eine schöne Atmosphäre dort und ich fühle mich sehr geborgen. Ich weiß noch meinen ersten Tag bei Ihr, da habe ich unter Tränen meine Geschichte erzählt und Sie hat mit mir geweint, das fand ich irgendwie tröstlich!

Menschen die wenigsten ein bisschen Gefühlsregung zeigen, mit denen komme ich am besten zurecht in dieser Zeit. Vielleicht weil ich selber so ein Gefühlsmensch bin???

Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure Hilfe und guten Tipps, ich werde sie beherzigen! Ganz lieben Gruß aus dem Rheinland!

Lillian

ness
24.10.2006, 16:07
hey
na das ist doch super, wenn du ja eh schon was machst!!!!!!
wichtig is, find ich, dass du dich bei deiner therapeutin wohl fühlst, sonst hats keinen sinn.
weil du da ja viel preis geben mußt und weil du dich mit ihrer technik wohl fühlen mußt.
alles liebe für dich und dickes drücken
ness

Lillian2207
24.10.2006, 16:52
Mein lieber Schatz,

es gibt Tage, da denke ich ganz komisches Zeug. Ich denke über den Tod nach und ob es irgendetwas danach geben wird. Natürlich glaube ich daran oder sagen wir lieber, ich hoffe darauf. Ich stelle mir vor, das genau zu der gleichen Zeit wo du gestorben bist, irgendwo ein Baby zur Welt gekommen ist. Vielleicht besitzt es Deine Seele, vielleicht hat es Dein "Vorleben". Ich denke darüber nach, wie dieses Baby wächst, charakterzüge entwickelt, die Du hattest. Vielleicht ist es frech, oder aufgeweckt, vielleicht lacht es verschmitzt oder allbert herum.

Manchmal denke ich wir hatten so wenig Zeit, ich wüßte so wenig über Dich. Was hast Du über den Tod gedacht? Hast Du dich damit auseinandergesetzt? Hast Du auch an ein Leben nach dem Tod geglaubt oder war es Dir egal? Du warst ein toller Snowboarder, hast Du das irgendwo gelernt oder hast Du dir das selbst beigebracht? Wo hat es Dir am besten gefallen, Du warst schon in so vielen Ländern! Welches war dein Lieblingsort??? Nie werde ich Antworten auf diese Fragen bekommen, niemals in meinem Leben....

Aber einmal, da hast Du mir eine tolle Antwort auf meine Fragen gegeben. Damals habe ich wie eine Löwin um dich gekämpft und habe Dir ein Email geschrieben. Ich wollte das Du herausfindest was Du für mich empfindest und habe Dich gefragt, welches Gesicht Du vor dir siehst, wenn Du diese drei Fragen beantwortest:

Wenn Dir was schönes am Tag passiert, wem würdest Du es gerne erzählen wollen?

Wenn Dein Telefon klingelt, über wessen Anruf würdest Du dich am meisten freuen?

Und wenn Du Abends die Augen schließt, an wen erinnerst Du dich bevor Du einschläfst?


Ich hatte Angst vor der Antwort auf diese Frage. Ich habe mich lange nicht getraut meine Mails aufzumachen um zu gucken ob eine von Dir dabei war. Ich habe lange gezögert und dann habe ich endlich nachgeschaut und Sie war da, die Antwort auf meine Fragen. Es war nur ein Wort auf die ellenlange Email! Nur das Wort: Deins!

Mir geht es immer noch so, nichts hat sich geändert. Wenn ich was schönes erleben am Tag, dann möchte ich es nur Dir erzählen. Wenn mein Telefon klingelt, habe ich den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl Du könntest es sein. Und Nachts, ja Nachts klar.... was sollte ich da anderes tun als mit geschlossenen Augen im Bett an unsere schöne Zeit zu denken!

Ich liebe Dich!

Henner
25.10.2006, 13:00
Liebe Lilian

Ich lese nach wie vor alle Deine Einträge. Sie stimmen mich traurig und nachdenklich zugleich. Mir wird immer wieder meine eigene Endlichkeit bewusst. Und das ist gut so. Nur so kann man das Leben im Hier und Jetzt geniessen.

Was Du denkst und fühlst ist völlig OK und notwendig, um irgendwann wieder ein «normales» Leben zu führen. Wie auch immer das aussehen wird. Ich hatte ähnliche Gedanken nach dem Tod meines Vaters. Und ich habe sie heute auch manchmal noch.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Mut auf Deinem Weg. Und ich werde auch weiterhin da sein für Dich.

Henner

Lillian2207
25.10.2006, 15:40
Hallo Henner,

bitte nicht durch meine Beiträge an die Endlichkeit Deines Seins denken.... das stimmt mich furchtbar traurig. Das tut mir sehr leid, dass Du dadurch an soetwas erinnert wirst. Ich habe lange überlegt, ob ich die Briefe an meinen Schatz im stillen Kämmerlein in eine Art Tagebuch oder ob ich sie hier schreiben sollte. Ich habe mich für dieses Forum entschieden, weil hier Menschen lesen können wie ich mich fühle, die ähnliches erlebt haben und mir hier und da mal einen lieben Gruß und eine Umarmung schicken. Ich fühle mich nicht ganz so alleine und habe am Tag wenigstens etwas auf das ich mich konzentrieren kann!

Ich sollte nach einem halben Jahr vielleicht nicht mehr so grundtief traurig sein, ich sollte schon weiter sein und nach vorne schauen, aber ich schaffe es kein Stück. Vielleicht liegt es daran, das ich wirklich ein Mensch bin, der für seine Beziehung lebt, sich darin aufgibt und aufgeht! Vielleicht ist es so schlimm, weil ich das gefunden hatte, was ich so lange gesucht habe und es mir dann, in der größten Verliebtheit! wieder genommen wurde.

Es ist so, als ob Dir jemand etwas tolles vor die Nase hält, dir erlaubt dran zu richen und es zu betrachten. Und als es Dir gefällt, du nicht ohne leben kannst und Du versuchst danach zu greifen um es festzuhalten, sagt derjenige: Nein, das kannst Du nicht haben, du durftest es nur betrachten! Und dann wird es Dir wieder genommen, für immer!

Danke für Deine Email liebe(r) Henner und einen ganz lieben Gruß!
Lillian

Henner
25.10.2006, 15:48
Liebe Lillian

Ich finde es nicht schlimm, sondern wertvoll, an die eigene Endlichkeit erinnert zu werden. Ich finde, das sollte viel mehr geschehen. Denn jeder von uns muss gehen, einige früher, andere später.

Wer sagt, dass man nach einem halben Jahr nicht mehr Trauern soll? Dafür gibt es zum Glück keine Vorschriften. Du hast das Recht solange traurig zu sein, wie es für Dich stimmt. Ich für mich habe lernen müssen, irgendwann den Kopf wieder zu heben und vorwärts zu schauen. Ob das nach einem oder zwei Jahren sind, das ist meines Erachtens nicht wichtig. Hauptsache ist, dass Du es schaffst. Und dafür drückt Dir
Henner ganz fest die Daumen.

Bin übrigens weiblich, Henner ist ein dummer Kosenamen, der mir irgendwie geblieben ist über all die Jahre.

Lillian2207
26.10.2006, 09:37
Mein lieber Schatz,

heute morgen bin ich wieder mit starken Kopfschmerzen aufgewacht, zum Glück war es noch keine Migräne. In letzter Zeit leide ich oft an Kopfschmerzen und Migräne.... es liegt bestimmt daran, weil ich so angespannt bin und mich im Nacken, Schultern und Kopfbereiche immer so verkrampfe. Heute liegt es mit Sicherheit am Wetter, denn es ist viel zu warm für Oktober und ich bin furchtbar wetterfühlig.

Ich bin heute wieder so traurig. Ich kann einfach nicht verstehen, wie die Welt nicht wenigstens eine kleine Minute stehen bleiben konnte, um an dich zurückzudenken. Nur einen Moment, aus Rücksicht, aus Achtung, aus Nächstenliebe.... aber ohne Pause geht einfach alles weiter. Und selbst ich darf nicht stillstehen, ich werde immer vorangetrieben, von meiner Familie, von meiner Arbeit und von meinen Freunden. Manchmal denke ich, ich finde überhaupt keine Ruhe mehr um einfach nur mal dazusitzen und an dich zu denken.

Einmal habe ich Dich besucht, da mußtest Du den Tag über arbeiten und ich wollte ganz weltoffen München erkunden. Nachdem ich in der Innenstadt war, bin ich zurück in den Stadtteil in dem du gewohnt hast. Nach einem Kaffee wollte ich den Weg zurück spazieren, um dich in Deiner Wohung zu treffen und habe mich in den Strassen verlaufen. Es hat viel länger gedauert als geplant um zu Deiner Strasse zu finden und als ich sie endlich gefunden habe und auf Dein Haus zugesteuert bin, da stands Du auf der Strasse und hast nach mir Ausschau gehalten. Als Du mir entgegen geblickt hast, änderte sich dein Blick in ein Strahlen. An dieses Gesicht erinnere ich mich so oft! Wie Du mich angestrahlt hat, dich über uns gefreut hast!

Wieder stehen mir die Tränen in den Augen. Der Pc verschwimmt. Ich kann diese Grausamkeit des Lebens nicht verstehen, wieso Du, wieso in dieser Nacht, wieso ohne mich? Ich bin wieder so wütend und überlege das 1000te Mal was ich wohl falsch gemacht habe in meinem Leben. Ich will das einfach nicht, ich will nicht die sein, die Ihren Verlobten bei einem Autounfall verloren hat. Ich will die sein, die glücklich ist mit dem Mann ihrer Träume, heiratet und Kinder bekommt. Du hast mir gesagt, dass Du gerne mit mir Kinder hättest, wie unfähr kann das Leben denn noch sein? Und wieso fühle ich Dich nicht mehr? In diesem halben Jahr das du jetzt fort bist, warst Du mir nur einmal richtig nahe.....

Du kannst nichts daran ändern, dass ich so sehr um Dich trauere! Auch keine Träume in denen Du mir sagst ich solle dich loslassen und weggehen von Dir, könnten etwas daran ändern! Also bitte, sei noch etwas bei mir, nur ein bisschen! Komm doch heute Nacht!!!!!!

Ich liebe Dich!

Bloodyzicke
26.10.2006, 21:01
Liebe Lillian,

ich glaube schon lange, Stefan ganz verloren zu haben, aber immer wieder, wenn es mir so richtg schlecht geht, dann fühl ich ihn wieder bei mir, ganz nah, so wie immer. In meiner Trauerrede habe ich gesagt, Liebe geht über den Tod hinaus. Und das tut sie, glauub mir, er liebt dich noch immer und er wacht über dich. Ich stelle mir vor, dass Stefan sich zurückzieht um mich frei zugeben, mir ein Leben ermöglicht. Weil das was ich im moment tue kann man nicht als Leben bezeichnen... Ich meine damit nicht, an einen neuen Mann zu denken, aber wäre er immer da, käm ich gar nicht zur Ruhe. Und auch wenn ich ihn gerne jede Sekunde um mich hätte, so hab ich auch begriffen, dass es nur noch mehr schmerzen würde, ihn zu fühlen und doch nicht berühren zu können und ihm nicht in die Augen sehen zu können, lächeln zu sehen...
Ach du weißtt ja selbst wie das ist, gerade versteh ich es und morgen schrei ich auch wieder, dass ich ihn bei mir haben will. Naja , im moment seh ich es eben so, und vielleicht zeigt gerade der Rückzug dass dein Andre dich liebt. Und wie sehr er es tut. Er wünscht sich wahrscheinlich nichts mehr, als dass du irgendwann wieder lachen kannst und glücklich bist.


liebe grüße

Bloody

Lillian2207
27.10.2006, 11:37
Mein Liebling,

heute auf der Fahrt zu Arbeit hatte ich eine ganz komische Situation. Ich saß im Auto und habe Radio gehört. Im Moment gibt es einen Song von James Blunt "Wise Man" den sie sehr oft spielen. Manchmal muß ich den Song wegmachen, da kann ich Ihn einfach nicht hören, finde Ihn zu traurig. Manchmal singe ich laut einen Teil des Refains mit und weine dabei hemmungslos: gonna ask yourself the question, where are you now...? Aber heute Morgen da kam dieses Lied und ich hatte plötzlich ein ganz warmes Gefühl in meinem Herzen. So ein Gefühl, wie mein Leben war, bevor die Trauer kam. Ganz leicht und unbeschwert. So als wäre alles in Ordnung, als wäre mein Leben schön.

Ich habe angestrengt versucht, dieses Gefühl zu halten, mich wieder zu spüren, aus dem Auto zu schauen und locker und leicht zu sein. Ich habe lächeln können, es war wie früher. Das Lied spielte zu Ende und damit war auch das Gefühl vorbei. Meine Schulter wurden wieder schwer, meine Gedanken grau und traurig, mein Blick wieder in der Zukunft die ich nie haben werde. Aber dieser kleine Moment hat mir so gut getan. Seit sechs Monaten weiß ich nicht mehr, wie unbeschwert mein Leben mal war, wie "normal" es war.

Ich hatte vor ein paar Tagen wieder einen komischen Traum. Ich habe meinen Umzug nach München vorbereitet. Ich war dabei meinen Keller auszuräumen und habe alles in Kartons gepackt und Du hast die Kisten in Dein Auto geladen. Dann wolltest Du losfahren und hast erklärt, dass Du nächstes Wochenende wieder zu mir kommen würdest um weitere Kisten mit nach München zu nehmen. Eine Woche später klingelt es bei mir und ich will Dir die Türe aufmachen und davor steht ein Mann, den ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Er gibt sich für Dich aus und benimmt sich genauso wie Du, nur Du bist es nicht. Der Mann war viel älter und war überhaupt nicht mein Typ aber er benahm sich als wäre er mein Freund. Ich habe Ihn gebeten zu gehen, er hat mich angeschaut und war sauer, aber dann ist er gegangen und ich war alleine. Alleine zwischen all den Kisten und Umzugskartons.

Man könnte meinen Du schickst mir diese Träume, um mir zu zeigen, dass Du niemals wieder kommst, um mich daran zu gewöhnen, dass da irgendwann jemand anderes kommen wird. Aber warum tust Du das.... Warum schon ein halbes Jahr nach Deinem Tod??? Ich weiß, Du glaubst ich wäre stärker und müsste das schneller machen, Du glaubst ein halbes Jahr ist lang genug. Dann hast Du mich schlecht gekannt! Meine Liebe ist größer als nur für ein halbes Jahr!

Ach Mensch, Du fehlst mir so!! Ich kann gar nicht sagen wie sehr. Und ich würde so gerne wieder Deine Arme um mich spüren, mit Dir sprechen und lachen, Dich küssen und das Leben mit Dir geniessen....where are you now????

Lillian2207
30.10.2006, 09:03
Mein lieber Schatz,

wieder ist ein Wochenende vorbei, dieses Mal aber nicht nur alleine vor dem Fernsehen, sondern ich habe es geschafft, auch mal raus zu gehen! Bist du stolz auf mich?

Freitag war ich auf dem Geburtstag einer Freundin. Von den ca. 30 Leuten kannte ich höchstens 10 vom sehen und ich wollte nur kurz bleiben um nicht irgendwann zu riskieren alleine in einer Ecke zu stehen. Aber die Leute haben sich mit mir unterhalten, einer nach dem anderen und es waren nette Gespräche. Mit einer Frau konnte ich sogar über dich sprechen und es hat so gut getan.

Gestern war ich seit langen noch einmal auf einem Basketballspiel. Ich habe viele Leute von früher wiedergesehen unter anderem auch eine Nachbarin. Als Sie mich sah, kam Sie auf mich zu und begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen im Leben!" Erinnerst Du Dich noch an meine Nachbarin aus dem blauen Haus? Ich habe Dir damals von dieser tollen Frau erzählt, Sie hat vor vier Jahren Ihren Mann verloren und regelt Ihr Leben und das Ihrer zwei Kinder jetzt ganz alleine. Sie war eine der Ersten, die mich besucht hat nach Deinem Tod und mir Mut zugesprochen hat. Gestern habe ich Sie gefragt, wie es Ihr geht und Sie hat doch tatsächlich "toll" geantwortet, ohne zu zögern. Es wäre ein schwerer Weg gewesen, Sie hätte sehr gelitten, doch heute könnte Sie sagen, dass es Ihr wieder gut gehen würde und Sie wieder im Leben stehe.

Wenn ich an ein zukünftiges Leben ohne Dich denke, so erschüttert es mich. So oft denke ich an Dich und daran wie aufgehoben ich mich bei Dir gefühlt habe. Aber auch, und das war das Schönste: dass ich endlich ANGEKOMMEN war. Jetzt wandere ich wieder. Aber noch nicht mal ein Ziel habe ich! Eine Bekannte hat mir gestern gesagt: Vielleicht kommt irgendwann mal ein anderer Mann, aber mit dem wird es nie wieder so werden wie es vorher war. Vielleicht kannst Du wieder lieben aber es wird bestimmt nur halbherzig sein.... Wird es so sein? Ihre Aussagen haben mich richtig erschreckt! Ich frage mich, kann ich jemals überhaupt wieder lieben? Oder werde ich so eine hartherzige Frau, die niemanden mehr an sich ran lässt. Diese Bekannte hatte leicht reden, sie ist verheiratet und hat zwei süße Kinder, Sie hat alles!

Mein letzter Traum war ganz furchtbar: Alles was ich angefasst habe ist vor meinen Augen gestorben: Mein Hund, der Wellensittich, sogar die Fliegen an der Wand und dann bist Du nach Hause gekommen und auf mich zugegangen. Du hast mein Schreien ignoriert mich nicht anzufassen und hast mich in die Arme genommen.... Du bist an meinem Körper langsam herabgesackt und ebenso gestorben. Aber das konnte ich zum Glück nicht mehr sehen, denn ich bin vor Schreck aufgewacht.

Wenn ich an das Wochenende zurückdenke, dann hast du bei allem gefehlt. Manchmal sitze ich irgendwo und stelle mir ganz lebhaft vor, wie du neben mir sitzt und mit mir und meinen Freunden den Abend verbringst. Dann wird mein Herz wieder schwer, ich muß kurz zur Toilette um meine Tränen zu verstecken!

Ich liebe Dich so, mein Schätzle!

Lillian2207
31.10.2006, 11:52
Mein lieber Schatz....

....ich sitze in der Küche und im Wohnzimmer ist nur das Licht des Aquariums an, ich lausche auf das leise Radio und rauche eine Zigarette. Meine Füße liegen auf meinem Stuhl, sitzen tue ich immer nur in Deinem. Ich höre wie das Aquarium plätschert, die Fische brauchen was zu fressen. Zwei welke Rosen stehen auf dem Tisch, sie sind übrig geblieben von einem großen Strauss den meine Mutter mir mitgebracht hat. Ich könnte die Küche wieder etwas herbslicher dekorieren wie im letzten Jahr, aber wann? Der Qualm der Zigarette zieht gegen die Lampe. Ich sollte mit dem rauchen aufhören bevor alles vergilbt und ich neu streichen muß. Ich mache das Fenster auf damit ich nicht aufhören muß zu rauchen und stecke mir noch eine an. Soll ich Kerzen anmachen. Ach nein, wozu. Ich könnte den Fernseher anstellen und gucken was kommt. Schon wieder? Habe ich eigentlich Hunger, soll ich was leckeres kochen? Ich habe mir für Dich immer so große Mühe gemacht. Ich habe sogar neue Kochbücher gekauft und darin gelesen, damit ich dir was tolles zaubern konnte. Aber wenn ich jetzt was koche, muß ich wieder alles spülen, dazu hab ich keine Lust.

Da! Im Radio spielen sie eins unserer Lieder. Es ist wie früher, als ich Dich aus der Küche gebeten habe um für Dich zu kochen. Du hast auf dem Sofa gelegen und die Geräusche kommentiert. Auf dem Sofa dahinten hast du gelegen und ich beuge mich im Stuhl nach vorne um durch die Küchentür das Sofa sehen zu können. Da liegst Du, zwischen meinem Zigarettenqualm kann ich Dich sehen. Deine Beine sind angewinkelt, eins überschlägt das Andere und wackelt hoch und runter. Dein Kopf liegt auf dem braunen Kissen, Deine Haare sind zerdrückt, eine Strähne hängt Dir im Gesicht und du guckst auf den Fernseher. Irgendwas hat dich belustigt, du lächelst. Das T-Shirt das du trägst ist dunkel blau und die Shorts hat die gleiche Farbe mit einem weißen Streifen am Bein. Dann drehst du den Kopf, nur ein bisschen um zur Küchentür zu gucken. Und du erwischst mich, wie ich in der Tür lehne mit dem Kochlöffel in der Hand und Dich nur anstarre. Ich muß lachen und gehe zurück an den Herd aber du springst auf und läufst zu mir Richtung Küche.....

Und dann ist der Qualm weggezogen, Du kommst nicht bis an die Küchentür heran. Bevor Du sie erreichen kannst ist Deine Gestalt verschwunden und ich halte den Atem an. Es fehlten doch nur noch zwei Schritte und Du wärst bei mir gewesen. Nur zwei!

Ich könnte mir einen Tee machen. Vielleicht einen dieser Schlaftees, dann könnte ich gleich schon ins Bett gehen. Aber vorher werfe ich noch die Rosen weg oder fütter die Fische. Und dann mache ich gar nichts, ich mache mir nur wieder eine Zigarette an und puste den Qualm gegen die Lampe und höre weiter leise Radio!

Ich bin so alleine ohne Dich! Du fehlst so!

Lillian2207
02.11.2006, 15:02
Mein lieber Schatz,

sechs Monate!!!! Heute sind es genau sechs Monate her, wo Du gestorben bist. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an unser Glück und an unser Unglück denke. Wo ich versuche, dieses warme Gefühl das ich um mein Herz hatte wieder zu finden, dass ich hatte als es Dich gab. Manchmal, wenn ich mich ganz doll konzentriere und ich mir einen Tag mit Dir vorstelle, dann kann ich es tief da drin fühlen. Die Liebe die mein Herz gewärmt hat und die doch immer für mich da sein sollte. Wer hätte denn erahnen können, dass es so kommen könnte!

Bei meinem letzten Besuch bei meiner Therapeutin hatten wir eine furchtbare Sitzung! Ich sollte Ihr die schrecklichsten Bilder und Dinge erzählen, die ich mit Dir in Verbindung bringe. Immer wenn ich etwas gesagt habe, hat sie weiter gebohrt und mich immer tiefer zurück in die Vergangenheit geworfen. Dinge die ich vergessen wollte. Bilder von einem verbrannten Körper oder Dein schmerzverzerrtes Gesicht, Flammen die um dich rum sind und die dich nicht mehr freigeben. Schreie die ich höre und Sanitäter die ich sehen. Die Bilder haben sich in mein Gehirn gebrannt und finden keine Verarbeitung. So nicht, nicht alleine!

Ich träume wieder. Seitdem ich diese Bilder heraufgeholt habe, träume ich wieder von dem Unfall. Das ich dabei gewesen wäre, aber überlebt habe und Dich zuletzt sah. Ich spüre die Wärme der Flammen und schreie nach Dir. Nichts hilft in dem Schmerz.

Heute habe ich wieder einen ganz schlechten Tag. Auseinandersetzungen mit meiner Vermieterin oder Freunde die sich nicht mehr melden, alles prallt auf mein gar so dünnes Fell und wird nicht abgewiesen. Ich bin so ruhelos, kann nicht still sitzen. Ich will weg, ich will nach Hause und mich in meinen Kissen vergraben....Anfang der Woche ging es mir besser, es ging mir irgendwie "leichter" als jetzt. Jetzt liegen wieder Kilos auf meinen Schultern. Wie schön und wie einfach war es Dich zu lieben!

Wenn ich auf der Autobahn bin und mich irgendso ein Typ wieder bedrängt, nahe auffährt oder mich schneidet, denke ich immer: Du warst doch so ein guter Fahrer, das hättest Du nie gemacht und doch mußtest Du in dem Auto sterben. In dem Ort wo ich wohne gucke ich in jedes Auto, das die Marke Deiner Firma hat. Ich suche nach Dir in jedem verdammten Auto.... nie finde ich Dich!

Ich erinnere mich an die kleine Champagnaria in Barcelona, in der wir standen und uns einen Sekt getrunken und eine von diesen spanischen Tortillias gegessen haben. Dein Gesicht, Deine Hände, Deine Statur neben mir zwischen all den Menschen! Ich will wieder mit meiner Schulter an Dir lehnen und deine Wärme spüren!

Wieso wird es nicht besser. Ein halbes Jahr und ich fühle mich kaum besser als an dem Tag, wo ich überall nach Dir gesucht habe und das schlimmste vermutet habe..... und was dann auch noch eingetreten ist.....

Ich möchte Dir zuwinken, dahin wo Du jetzt bist, möchte ein bisschen Halt von Dir. Ich liebe Dich so sehr mein Schätzle!

ness
02.11.2006, 16:45
Liebe Lillian!
es tut mir so sehr leid! ich denk ganz stark an dich! ich hab schon meinen halbjahrestag schlimm gefunden!!! wie muss es dir dann erst jetzt gehen!
ich drück dich ganz ganz fest!
ness

Inaktiver User
02.11.2006, 17:00
Lilian, bei mir bricht jede mühsame Vernarbung auf, wenn ich Deine Gedanken lese. Ich renne vom PC weg in die hinterste Ecke meiner Wohnung, um meine Fassung wieder zu bekommen. Und komme zurück, um Dir zu schreiben, daß ich an Dich denke und Dich ganz fest drücke.

Lillian2207
03.11.2006, 11:11
Liebe ness, liebe Sonntagskatze,

es tut mir leid, wenn meine Gedanken Euch so nahe gehen. Es ist jedes Mal das Gleiche: ich setze mich an den PC und möchte einen Tagebucheintrag schreiben. Dann fange ich langsam an zu schreiben, werde immer schneller, immer mehr Erinnerungen oder Gefühle tun sich auf und am Schluß habe ich wieder das aufgeschrieben, was ganz ganz tief aus mir raus kam. Sehr gefühlsbetont und traurig. Es erleichtert mich so sehr, und ich bin froh, dass ich dieses Forum gefunden habe. Wenn meine Gedanken irgendwo hingehören, dann hoffentlich hier. Ich danke Euch, dass Ihr an meinen Gedanken und Gefühlen teilnehmt. Ich fühle mich dadurch hier drin weniger einsam!

Liebe Sonntagskatze, wie geht es Dir jetzt im November? Jährt sich der Tod deines Mannes nicht in diesen Tagen? Ich denke ganz doll an Dich und weiß ganz genau, wie Du Dich fühlen mußt!!! Es tut mir so leid!!!!

Ich frage mich immer, ob ich vielleicht zu ungeduldig bin, ob ein halbes Jahr eben noch nicht lang genug ist um sich langsam wieder zu regenerieren. Aber ich hatte so sehr auf ein paar kleine Erfolge gehofft! Wenn die Wunden doch ein bisschen "vernarben" würden!

Fühlt euch geherzt und umarmt! Ich finde es schön, dass Ihr mich hier besuchen kommt!

Liebe Grüße
Lillian

ness
03.11.2006, 12:22
hey
ich komme dich gern hier besuchen. mir hat das forum auch sehr gut getan. das aufschreiben hat viel von der "grausamkeit" der bilder genommen.
ich denke auch, ein halbes jahr is einfach zu kurz. und dann kann man wohl die fortschritte auch nicht selber so sehen, denk ich.
fühl dich umarmt!

Lillian2207
03.11.2006, 14:03
Mein lieber Schatz,

Allerheiligen ist vorbei, wieder eine Hürde mehr die ich genommen habe und vor der ich mich gegrault habe. Ich bin mit meiner Mutter und meiner Oma über den Friedhof gelaufen, die Blumen für Dich in meiner Hand. So viele Menschen, denen wir begegnet sind, die bestimmt nicht glaubten, das ich wegen meines Verlobten den Friedhof besuche, die eher glaubten, wir sind wegen meines Opas dort... Es war ein schwerer Gang für mich. Die weißen Lilien in meiner Hand, die ich vor den Steinengel auf dem Grab gelegt habe. Die Kerze, die vom Wind ausgeblasen war, die ich wieder angezündet habe. Wie kann das sein, das ich mit 34 Jahren auf einem Friedhof stehe um um meinen Freund zu trauern!

Als Du aus meinem Leben gegangen bist, hast Du so viel zurückgelassen. So viele Sachen von Dir in meiner Wohnung. In jedem Zimmer, an jeder Wand und sogar am Schrank hing noch Deine Lederhose die Du bei mir vergessen hattest. Ich weiß noch wie du sie extra für mich mitgebracht hast und Sie bei mir angezogen hast. Du hast lachend im Wohnzimmer gestanden, mit einem Kugelschreiber in Deiner Hand und hast mich gebeten meinen Namen in den Bund der Hose zu schreiben. Ich war etwas verwirrt, wieso sollte ich mich in der Lederhose verewigen, aber ich hab meinen Namen für Dich darein geschrieben und war ganz stolz. Als wir in München in einem Trachtengeschäft waren, habe ich den Verkäufer heimlich gefragt, wieso eine Frau Ihren Namen in die Lederhose den Mannes schreibt und der Verkäufer hat mir gesagt, das wäre ein Brauch, den die Männer dann machen würden, wenn die Frau die Richtige wäre und wenn sie sie heiraten wollten. Das war toll, ich war so glücklich und plötzlich hast Du hinter mir gestanden und gesagt: jetzt weißst du bescheid.

Das Glück hat mich bis zum bersten gefüllt. Ich habe mir damals geschworen es mit Dir zu schaffen. Wenn nicht mit Dir, dann mit niemanden mehr. Ich wollte mein Bestes geben, ich wollte Dich glücklich machen. Dann bist Du nach Berlin gefahren. Das Wochenende hattest Du schon sehr lange verplant. Ich habe Dich so vermisst, zwei Wochen ohne Dich. In der Woche kam eine Karte von Dir, Berlin wäre ohne mich nicht mehr so schön und Du würdest mich beim nächsten Mal mitnehmen. Auf der Karte war ein Gutschein für ein Frühstück am Brandenburger Tor....

Dazu ist es nie gekommen, genauso wie der Name jetzt in der Lederhose steht, wie ein stummer Zeuge von einer Zeit die es mal gab, die aber nie das gebracht hat was sie sollte. Eine kleine Familie irgendwo in München, die sich gesucht und gefunden hat, die es miteinander versucht, weil es das Schicksal so gewollt hat. Dieses wundervolle Schicksal das dann so schrecklich wurde.

Jetzt kommt die Adventszeit, so eine schöne besinnliche Zeit. Ich wollte Dir einen Adventskalender basteln und es für uns gemütlich in meiner Wohnung dekorieren. Jetzt brauche ich das nicht mehr, nicht für mich alleine. Aber vielleicht habe ich ja Glück, die Adventszeit ist die Zeit der Wunder. Vielleicht denkst Du mal an mich und schickst mir ein kleines Zeichen. Mir reicht ein klitzekleines, nur damit ich weiß: Du denkst noch an mich!

Ich hab Dich nicht vergessen mein "Wolf im Schafspelz"! Ich denke an Dein Lächeln jeden Tag. Und wenn ich Dich vor mir sehe, ist mein Herz wieder voller Liebe und ich kann nicht begreifen, dass es das Schicksal erst so gut und dann so schlecht mit uns meinte!

Ich liebe Dich!

Mondschaf
05.11.2006, 20:40
Hallo Lillian,

es tut mir sehr leid, dass Dir das passiert ist. Hin und wieder lese ich im Forum Deine Geschichte und es bedrückt mich sehr. So ein unsägliches Leid! Mein Freund heißt auch so wie Deiner und fährt jedes zweite Wochenende knapp 600km. Dabei geht es mir auch nicht gut.
Etwas Schönes kann ich Dir noch auf den Weg geben, ich hoffe Du findest das nicht pietätlos. Du schreibst, dass am 2.11. vor einem halben Jahr der Todestag war. An diesem Tag ist der Sohn einer lieben Kollegin geboren, sein Name ist Aaron. Vielleicht hilft es, wenn man daran glaubt, dass die Seele in einem anderen Menschen wieder geboren wird (soll nicht auf den Kleinen bezogen sein) und dieser irgendwo auf der Welt lebt und diese Liebe in sich trägt. Ich glaube jedenfalls daran.

Ich wünsche Dir viel Glück, liebe Lillian :blumengabe:

Viele Grüße,
Mondschaf

Lillian2207
06.11.2006, 08:35
Hallo Mondschaf,

danke für Deine Mail! Ja, ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwo jetzt ein Kind gibt, das vor ein paar Tagen ein halbes Jahr alt geworden ist und das die Seele meines Schatzes bekommen hat. Es ist ein tröstlicher Gedanke! Vielleicht hat es ein paar Eigenschaften von André geerbt und trägt tatsächlich ein bisschen von der Liebe in sich, die wir Beiden für uns gefunden hatten!

Ich kann verstehen, dass Du nicht glücklich bist, dass Dein Freund so viele km alle zwei Wochen fahren muß, aber wieviel 1000de von Menschen pendeln ihr Leben lang und nichts passiert! So ist es ja auch normal. Einen ganz lieben Gruß von mir!

Lillian

Lillian2207
07.11.2006, 15:17
Mein lieber Schatz,

heute Nacht bin ich wieder mit Migräne aufgewacht, mein Kopf hat geschmerzt als würde ich mit voller Wucht gegen die Wand rennen, immer und immer wieder. Ich habe mir wieder mal einen Migränehammer eingeworfen, denn ich muß arbeitsfähig sein.... Ich bin so oft krank in letzter Zeit: Grippe, Migräne und jetzt habe ich auch noch seit zwei Tagen ein Pfeifen im Ohr was einfach nicht mehr weggehen will. Heute habe ich mir einen Termin beim HNO geben lassen, aber die Kopfschmerzen melden sich wieder und wenn ich meinen Erfahrungen trauen kann, dann liege ich in ungefähr zwei drei Stunden wieder in meinem abgedunkelten Schlafzimmer und mache nichts mehr.

Ich habe Angst, es könnte jetzt auch noch ein Tinnitus auf mich zu kommen, der ganze Stress..... Ach du meine Güte, das möchte ich nicht auch noch bekommen, mir reicht die Migräne die mein Leben bestimmt! Ich kann mich nicht an eine Migräneattacke erinnern als wir beide zusammen waren! Zumindest an keinem Wochenende aber jetzt habe ich sie wieder einmal die Woche!

Eben habe ich wieder mit Deiner Mutter telefoniert! Du wärst so stolz wenn Du sehen könntest wie gut wir uns verstehen! Ich mag Deine Eltern so gerne, wie schön wäre es gewesen das mit Dir zu teilen! Wir haben über Dich gesprochen und Sie hat mir erzählt wie Du das erste Mal über mich mit Ihr gesprochen hast.

Sie hat damals gefragt wie ich denn so wäre. Du hast nur gelächelt und geantwortet: Schön! Sonst nichts, nur dieses einzige Wort. Als Deine Mutter mir das erzählt hat, ist es mir kalt den Rücken runter gelaufen! Wie lieb von Dir so über mich zu denken! Niemals vorher hatte ich einen Freund der mir das gesagt hätte.

Wieso muß ich das alles abgeben, all dieses Glück? Ich möchte Dich drücken dafür, ich möchte Dir sagen können wie ich Dich finde! Ich möchte mich für all das bedanken, was Du mir gegeben hast! Könnte ich es doch noch persönlich machen und nicht in einen Brief an Dich!

Manchmal ist mir nur nach schreien zumute. Ich würde am liebsten laut mein Leid und den Schmerz rausschreien! Wieso habe ich Dich nicht schon vor Jahren getroffen? Wieso konnten wir nicht schon in München zusammen wohnen, dann wärst Du nicht in dieser Nacht auf der Autobahn gewesen. Wieso hat der da oben uns kein Glück gegönnt? Ich möchte schreien und mir Luft machen....

Ich sehe Dich vor mir, wie wir beide in Koblenz ein Fahrrad für Dich ausgesucht haben. Ein Mountainbike für Deine Fahrten in München. Du bist in der Kälte mit dem Rad Probe gefahren und ich habe Dir dabei zugesehen. Du hast Dich so gefreut, wast so aufgekratzt und hast Dir das Rad gegönnt! Als wir zurück bei mir zu Hause waren, hast Du es Dir zusammengebaut und bist losgesaust. Deine Lebensfreude, Dein Spaß, all das hast Du ausgestrahlt. Ich möchte Dir hinterherlaufen, Dir zurufen: bleib bei mir! Aber ich sehe Dich nur, wie Du Dich auf diesem Fahrrad immer weiter von mir entfernst..... und nie wieder zu mir zurückkommst!

Könnte ich doch die Zeit zurückdrehen, könnte ich doch nochmal von vorne anfangen! Ich würde Dich halten und nie mehr loslassen.... Wieso bin ich nicht mit Dir gegangen als die Zeit reif war? Wieso war ich so feige???

Ich liebe Dich so, Du fehlst jeden Tag, jede Stunde, jede Minute!

Lillian2207
08.11.2006, 12:03
Schatz,

was soll bloß werden? Sag mir, wie es weiter gehen soll??? All meine Reserven sind aufgebraucht, alle meine guten Vorsätze gehen den Bach runter. Meine Gesundheit leidet. Gestern der nächste Schock: Hörsturz, Tabletten. Das Piepen im Ohr hört einfach nicht mehr auf. Ich schlafe schlecht, ich sitze vorm PC und lausche auf die Geräusche aus meinem Inneren! Wenn das Pfeifen nicht aufhört, dann Krankenhaus, Infusionen. Ich habe Angst, ohne Dich schaffe ich es nicht. Wer wird bei mir sein? Ich muß endlich zur Ruhe kommen.

Gestern habe ich nur drei Zigaretten geraucht, ich bin ganz ruhelos. Hoffentlich bist du stolz auf mich. Ich weiß wie Du immer die Nase gerümpft hast wenn ich mir einen Zigarette angesteckt habe. Ich weiß Du konntest es nicht ausstehen! Ich war immer nur ein "Gelegenheitsraucher", ich habe in der Zeit mit Dir auch wirklich nur die obligatorische Wochenendzigarette geraucht, erst richtig angefangen habe ich, als Du mich alleine gelassen hast.

Hier auf der Arbeit ist es langweilig. Kein Projekt interessiert mich. Am liebsten würde ich in Kur fahren und mich pflegen lassen. Aber ich bekomme sie nicht genehmigt. Was soll denn noch passieren? Ist der Tod des Partners nicht schlimm genug?

Letzte Nacht warst Du in meinem Traum. Ein altes verlassenes Hotel, Sturm, umstürzende Bäume und Du dadraussen. Ich bin Dir nachgelaufen und habe nach Dir gerufen, aber du konntest mich nicht hören und bist immer weiter weggerannt. Bald konnte ich Dich nicht mehr sehen und dann hat mich ein Baum erwischt. Ich lag darunter, der Regen plätscherte auf mein Gesicht und vermischte sich mit meinen Tränen. Hilf mir, hol mich hier raus!

Als ich aufgewacht bin, war das Piepen im Ohr unerträglich. Ich wußte nicht wo ich bin, wo ich den Lichtschalter finde. Wenn ich Nachts neben Dir aufgewacht bin und schlecht geträumt hatte, hast Du mich in die Arme genommen. Ich konnte Deine Wärme spüren und Deinen Geruch einatmen und fühlte mich geborgen. Jetzt ist alles schwarz. Niemand da, Leere die mich umgibt.

Bald ist der 11.11., einer unserer ersten gemeinsamen Tage die sich jähren. Du hast mich besucht und ich wollte mit Dir den rheinischen Strassenkarneval feiern. Aber dann sind wir doch nicht aus dem Haus gegangen, wollten es gemütlich und haben uns den Karneval im Fernsehn angeguckt. Was war das für ein schöner Tag. Ich werde mich immer daran erinnern!

Gestern ging eine Arbeitskollegin vor mir aus der Firma. Auf Ihrer Leinentasche waren die vertrauten Schaafe mit der Überschrift: Ohne Dich ist alles doof! Wie das Puzzel das ich Dir geschenkt habe, wie das Gefühl das mich nicht mehr losläßt! Ohne Dich ist alles doof mein Schatz! Glaub mir!

Es tut so weh!

Datakrfj
08.11.2006, 12:16
Liebe Lillian,

mal wieder lese ich Deine Zeilen und habe einen Kloß im Hals. Denke mir, was Du für innerliche Schmerzen hast, die sich jetzt auch körperlich bei Dir bemerkbar machen. Jedesmal wenn ich was von Dir lese bin ich mir bewußt, wie gut ich es habe. Wie dankbar ich über jeden Tag sein muss und habe gleichzeitig Angst, dass mir auch so etwas passiert.
In meinen Augen bist Du sehr tapfer. Versuchst Deinen Alltag zu meistern, gehst arbeiten und versuchst weiter zu leben so gut es eben geht. Ich würde mich wahrscheinlich in meinem Bett verkriechen und kein Mensch würde mich zu Gesicht bekommen.
Kannst Du Dich nicht von Deinem Arzt krank schreiben lassen für ein paar Wochen und selbst auf Kur fahren? Hast Du nicht eine gute Freundin, die nicht bei Dir in der Stadt wohnt, sondern woanders, bei der Du für ein paar Wochen unterkriechen kannst? Ich finde sowas hilft immer sehr, andere Luft, andere Menschen. Oder fahre zu den Eltern von André, vielleicht hilft auch das gemeinsame trauern. Zu sehen, dass man mit seinem Schmerz nicht alleine ist.
Ich würde Dir so gerne viele liebe Dinge schreiben, die Dich trösten, aber ich weiß, dass nichts Dich trösten kann und mir fehlen auch die richtigen Worte.

Liebe Grüße und gute Besserung!
Data

Lillian2207
08.11.2006, 14:13
Liebe Data,

mich auf lange Sicht krankschreiben lassen, wäre bestimmt hilfreich. Oder eine Luftveränderung. Aber ich werde hier auf der Arbeit mit Argesaugen betrachtet. Vor zwei Wochen bin ich wegen Migräne zwei Tage zu Hause geblieben und als ich wieder hier war und in der Mittagspause saß, wurde ich gefragt, was ich denn jetzt SCHON WIEDER gehabt hätte.... Ich habe Angst, dass ich meinen Job verlieren könnte. Denn auch wenn er mir keinen Spaß mehr macht, so zahlt er doch meine Miete und meinen Unterhalt. Wenn ich Arbeitslos werde, komme ich wahrscheinlich gar nicht mehr auf die Beine.

Dann wiederrum denke ich: wenn ich krank bin, kann mir keiner was. Denn wer krank ist ist krank. Aber die blöden Gesichter hier kann ich halt auch nicht mehr sehen. Jeder der trauert kennt das ja: nach einer bestimmten Zeit (und bei mir war es nach dem zweiten Monat) denken alle, es müsse doch jetzt langsam gut sein und ich müsse doch auf dem Weg der Genesung sein.... nach zwei Monaten!!!! Spinnen die Leute? Den Schmerz kann man nicht so schnell verarbeiten! Ich wünsche niemanden dieser Situation ausgesetzt zu sein, aber manchmal denke ich , dann wüßten meine Arbeitskollegen auch mal wie es MIR geht! :-(

Ganz lieben Gruß liebe Data
Lillian

esprit70
08.11.2006, 14:25
Hallo Lilian,
schreib jetzt auch hier nochmal, obwohl wir uns ja auch schon "richtig" kennen:smirksmile:
Nur musste ich gerade an eine Situation denken, als ich deinen Beitrag las, dass die Leute meinen, man müsste ganz schnell "wieder normal" sein.
Als mein Opa starb (ist schon 20 Jahre her) war ich auch sehr traurig. Das hat man mir natürlich auch angemerkt. Meine "Freundin" damals fragte mich dann etwas genervt "und, wie lange bist du jetzt so?" Ich war so geschockt, dass ich nix mehr sagen konnte. Oh Mann, wie unsensibel kann man sein!

Hast du denn eine unsichere Stelle, können die dir so schnell was? Vielleicht wäre es wirklich gut, wenn du mal längere Zeit "aus dem Verkehr" gezogen würdest. Hier und da mal ein paar Tage, das bringt nciht wirklich was, glaube ich.

Drück dich ganz fest und bis bald!
:wangenkuss:

Lillian2207
09.11.2006, 08:44
Liebe esprit,

unsicherer Job? Tja...ich weiß nicht so genau. Wir haben hier zumindest einen Betriebsrat und da kann ich zumindest sicher sein, das man mich nicht feuert nur weil ich öffters krank bin. Aber meine Stelle könnte ganz einfach durch jemand anderen hier ersetzt werden. Und davor habe ich halt Angst.

Mein Chef ist eigentlich ganz nett aber furchtbar launisch. Ich habe das noch nicht am eigenen Leib erfahren aber ich höre es immer wieder. Und wenn Ihm mal der "Geduldsfaden" mit MIR reißt, weiß ich auch nicht was passiert!

Nach Andrés Tod bin ich drei Wochen zu Hause geblieben. Dann hatte ich ein schlechtes Gewissen meinem Chef gegenüber und ich bin wieder arbeiten gegangen. Obwohl ich wie ein Zombie war. Nichts hat mich erreicht, alles lief an mir vorbei, ich habe nur irgendwie funktioniert! Jetzt denke ich manchmal, ich hätte mir eine längere Auszeit nehmen sollen. Damals hätten das bestimmt noch alle verstanden, aber jetzt ist das anders.

Mal sehen wie lange ich noch durchhalte! Montag in einer Woche habe ich einen Tag frei. Das ist der 20. November, Andrés Geburtstag. Da möchte ich für mich sein und in Gedanken mit Ihm feiern!

Ganz lieben Gruß
Lillian

Lillian2207
09.11.2006, 15:13
Mein lieber Schatz,

gestern war ich bei einer guten Freundin eingeladen. Erst sollte es zum St. Martinszug gehen, mit Fakeln und pipapo und dann zum Weckmannessen und heißen Kakao zu Ihr nach Hause. Den Martinszug habe ich mir nicht angeguckt, mit meinen Hörproblemen wollte ich nicht neben einer Blaskapelle stehen aber zum Essen bin ich zu Ihr gefahren. Die Idee war wirklich schlecht, denn nach dem Essen saß ich zwischen drei Kindern auf dem Fußboden und habe Spielsachen sortiert....

Was ist eigentlich Schicksal? Ist Schicksal auf eine Oktoberfestparty gehen zu wollen, dessen Einladung mein Bruder erst verlegt hatte und plötzlich einen Tag vorher wiederfand und wir doch gehen konnten? Ist es Schicksal, den ersten Blick den ich dort auf einen Mann warf, auf Dich traf? War es vorausbestimmt, dass ich all meinen Mut zusammen nahm um Dich anzusprechen?

Als wir uns an der U-Bahn trennten gab ich Dir meine Handynummer und Du hast gleich auf meinem Handy angerufen um mir Deine Nummer auf meinem Display zu hinterlassen. Doch dort unten in der U-Bahn hattest Du keine Verbindung und so kam ich nach Hause und hatte nichts von Dir! Keine Nummer, keinen Namen, keine Abteilung, dass ich Dich in der großen Firma hätte finden können! War es Schicksal, das eigentlich Du einen Tag später auf meinen Anruf warten solltest, dich aber nicht gedulden konntest und mich dann doch selbst anriefst? Hättest Du das nicht gemacht, hätten wir uns nie mehr wieder gesehen!

Ist Schicksal, das ich jahrelang glaubte, mit meinen damaligen Partnern nie ein Baby zu wollen. Das ich immer gedacht habe, ich wäre vielleicht nicht die richtige für Kinder? Dann bist Du mir begegnet und einer meiner ersten Gedanken war: Ich will Kinder mit Dir!!! Ist es Schicksal, dass ich zwischen Kindern sitze und Spielsachen verteile, der Kleine meiner Freundin sich an meinen Fingern festhält und vorsichtig versucht zu laufen? Plötzlich ändert sich alles. Dieser süße Kleine, der mir plötzlich das Herz aufgehen lässt und der Wunsch nach Kindern in eine Ferne rutschen lässt, die so weit ist, dass ich kein Ziel sehe?

Ich wollte Kinder mit Dir, ich wollte unser Kleines an meinen Fingern halten, wenn es seine ersten Schritte macht. Ich möchte sehen, wem es ähnelt, Dir oder mir! Ich möchte Kinderlachen hören und Spielsachen kaufen. Ich möchte mit Dir zusammen das Kleine aufwachsen sehen...

Ich habe die Spielsachen zusammengeräumt. Der Kleine meiner Freundin wurde vom Papa ins Bett gebracht, die anderen Kinder sind mit Ihren Eltern nach Hause. Meine Freundin kam zurück ins Wohnzimmer, lächelt mich an und ich brach in Tränen aus!

Was ist eigentlich Schicksal, ich wills wissen? Wieso sitze ich zu Hause und werde niemals eine kleine Familie mit Dir besitzen! Wer hat das geleitet, wer hatte da die Finger im Spiel?

Ich halte das alles nicht mehr aus......Aber wir werden uns wiedersehen! Ich schöre es! Ich liebe Dich!

jonny1910
11.11.2006, 22:50
Hallo Lillian,
ich habe dein strang hier gelesen ,und mich bei brigitte angemeldet, um dir zu sagen wie leid mir das alles tut,was dir passiert ist.ich kann mir gut vorstellen wie du dich fühlst,
denn ich habe vor 7 jahren meinen vater verloren,er starb ganz plötzlich an einem herzinfarkt.ein tag vorher hat er noch tennis gespielt ,es war eine ganz schwere zeit für mich.wenn ich heute an meinen vater denke ,erinnere ich mich an die guten zeiten die wir hatten. ich habe gelernt mit den verlust zuleben,aber narben sind geblieben.ich hoffe du bist irgendwann auch so stark,das du dich an deinen freund erinnerst, und es dir nicht mehr weh tut.
keiner kann dir deine schönen erinnerungen nehmen die du mit deiner großen liebe hattest ,nicht jeder hat das glück seine große liebe zu finden .ich hoffe es geht dir bald besser.

Inaktiver User
12.11.2006, 14:46
Liebe Lillian:blumengabe: ,

Du schreibst, dass die Menschen in Deiner Umgebung meinen, nach 2 Monaten müsste man doch wieder "halbwegs normal" sein und zumindest funktionieren. In 3 Tagen werden es bei mir genau 2 Monate sein, seitdem mein über alles geliebter Schatz gestorben ist, und NICHTS, aber auch gar nichts ist normal. Meine Mutter hält mir auch vor, ich sollte mich doch zusammenreissen, aber es geht einfach nicht. Wie soll man sich zusammenreissen, wenn einem die Luft zum Atmen fehlt? Ich besitze nicht die Stärke, wieder zu arbeiten. Ich habe es versucht. Man kann 3 oder 5 oder 10 mal die Zähne zusammenbeissen und eine Schicht schaffen, beim 11.Mal geht es schief. Bei mir war es so, dass die seelischen Schmerzen sich auf den Körper übertragen haben und ich kopfüber über der Toilette hing. Mein Magen hat von morgens bis abends wehgetan, ich habe nur das nötigste gegessen, tue ich übrigens immernoch, und meistens wollte das Essen ganz schnell wieder raus. Niemand, auch nicht die eigene Mutter, kann sich vorstellen, wie es in einem aussieht. Ich mache ihr irgendwo keine Vorwürfe, da ich verstehe, dass sie es nur gut mit mir meint, aber irgendwo tut es trotzdem weh, so etwas zu hören. Genauso wie die Sprüche "Das Leben geht weiter" und "Die Zeit heilt alle Wunden". Halt ich nix von. Wenn man einen Menschen so sehr liebt, wenn man einfach weiß, ja, das ist der Richtige, diese Beziehung ist für immer (und das war sowohl bei mir als auch bei Dir so), dann kann mir keiner erzählen, dass man einfach so nach einigen Monaten wieder in die Normalität zurückfinden kann. Ich weiß nicht, wie lange ich dafür brauchen werde, habe aber Angst, dass es sehr sehr lange dauern wird. Liebe Lillian, ich hoffe für Dich, dass Du es schaffst, Dein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Klingt vielleicht etwas komisch, da ich meins selber nicht im Griff habe. Ich drück Dich trotzdem ganz fest und glaub mir: ich weiss ganz genau, wie Du Dich fühlst...
Taxikathi
P.S.: Habe Dir ne PM geschickt

Lillian2207
13.11.2006, 12:58
Liebe(r) jonny1910,

vielen Dank, dass Du mir diese netten Worte geschickt hast. Ich bin immer so gerührt, wenn man mir auf meine Tagebucheinträge antwortet, dass es Menschen gibt, die an meinem Schmerz teilhaben.... Du hast vollkommen Recht: Irgendwann hat man (hoffentlich) eine geschlossene, vernarbte Wunde und sie schmerzt nicht mehr so doll. Aber sie wird immer da sein und sie begleitet einen ein ganzes Leben lang. Ich hoffe auch, dass ich irgendwann an André denke und lächle, dass ich sein Gesicht vor mir sehe und Ihn ohne Tränen begrüßen kann. Das wird bestimmt noch lange dauern!

Wie lange hat es bei Dir gedauert? Die ganzen sieben Jahre?

Liebe taxikathi,

ich habe mir deine Beiträge durchgelesen und war sehr erschüttert! Ich möchte Dir so viel sagen, ich fühle so mit Dir! Ich habe Dir auf Deine PN geantwortet! Ich bin für Dich da!!! Melde Dich bei mir!

Bis später und eine heilbringende liebe Umarmung!

Lillian

Lillian2207
13.11.2006, 14:26
Mein Lieber Schatz,

heute ist Montag, wieder ist ein Wochenende vorbei. Wenn ich an Wochenenden denke, denke ich an: dein Lachen, deine Augen, deinen Drei-Tage-Bart, deine Späße, dein Essen, deine Fotos, du in meiner Wanne voller Schaum, deine Klamotten verteilt in meinem Schlafzimmer, Du in meinem lieblings Restaurant, wir beide beim Einkaufen, du am Steuer, deine Schuhe im Flur, deine Uhr im Bad, und deine Zahnbürste neben meiner....

Am Wochenende habe ich versucht über Dich zu sprechen, aber ich stoße immer mehr auf taube Ohren. Nur noch wenige die etwas von Dir hören wollen, die Deine Anwesenheit noch spüren, die Dich noch vor Ihren Augen sehen können. Letztes Jahr war ich von Dir getrennt. Wir wollten uns treffen, aber du hattest dann doch zu tun. Ich war sehr enttäuscht und habe mich zu Hause ins Sofa eingemummelt und auf ein langweiliges Wochenende gewartet. Dann kam der Anruf: Bin im Auto, auf der Autobahn, Richtung Norden!!!! Um zwei Uhr Nachts warst du dann endlich bei mir, standst vor meiner Tür! Das ist genau vor einem Jahr gewesen. Du konntest fünf lange Tage bei mir bleiben und wir haben sie in vollen Zügen ausgekostet!

Manchmal sitze ich auf dem Sofa, mein Gesicht in meinen Händen und konzentiere mich ganz doll. Dann höre ich sie: Deine Stimme, dann fühle ich sie: Deine Hände, dann rieche ich es: Deine Haare, deine Haut, deinen Körper, dann sehe ich es: Dich!

Ich glaube das du bei mir bist! Aber wie soll ich mir das vorstellen? Sitzt du dort draussen auf einer Wolke und schaust auf mich herab, oder schwebst Du durch unsere Welt, oder bist du wiedergeboren, oder bist du zwar da aber in einer anderen Dimension? Wo also? Es ist schön sich vorzustellen, dass ich während ich im Auto von der Arbeit nach Hause fahre, von Dir vom Beifahrersitz aus beobachtet werde. Das du neben mir in der Küche sitzt wenn ich rauche. Das du auf dem Ecksofa sitzt während ich fernsehe und meinen Kopf streichelst und das Du bei mir bist im Bett, wenn ich das Licht lösche um zu schlafen, mich auf die Seite drehe, dahin wo früher Dein Gesicht war, dahin wo ich meine Nase an Deine gelegt habe und die Augen schließe. Das Du mir vielleicht noch einen Kuß auf den Mund drückst bevor ich einschlafe um mir süße Träume zu schicken. Wo also bist Du?

In meinen Ohren piept es, den ganzen langen Tag. Vielleicht werde ich für immer Tinitus haben, der Arzt weiß es nicht. Noch etwas was mich für immer an Dich erinnern wird? Meine Gesundheit ist dahin, ich erinnere mich an keinen "guten" Tag seit sechs langen Monaten. Alles schlägt auf mich ein wie ein Hammer. Stress, Erkältung, Kopfschmerz, Übelkeit.... Wann hört das mal auf, wann kann ich wieder leben?

Gestern habe ich ganz in Gedanken zu mir gesagt: "Wie habe ich es ohne Dich bloß bis hier hin geschafft? Ich wollte doch sterben und nun sitze ich hier? Warum war ich so feige hier weg zu gehen?" Meine Mutter kam hinter mich und legte Ihre Hände auf meine Schultern. Sie fing ganz bitterlich an zu weinen und hat mich gebeten, niemals mehr so zu reden. Es tut mir so leid!!! Aber es war die Wahrheit! Wie habe ich es bis hier her geschafft? Ich liebe Dich doch so sehr und will ohne Dich nicht sein!

ness
14.11.2006, 15:00
liebe lillian!
wieder bin ich hier, um deine zeilen zu lesen. wieder bin ich traurig und mir is zum heulen deswegen. laß dich wieder ganz fest von mir drücken, wenn du möchtest!
ich denk an dich
ness

Inaktiver User
15.11.2006, 13:03
Liebe (Fast-Namensschwester) Lillian,
deine Geschichte hat mich sehr betroffen gemacht. ich wünsche dir von ganzem herzen kraft und dass es dir bald seelisch und körperlich besser geht.
bei mir ist das thema sterben auch aktuell - meine oma liegt gerade im sterben. es macht mich unendlich traurig .. auch, weil ich dann gar keine oma und keinen opa mehr habe.. aber wieviel schlimmer muss es sein, den partner zu verlieren.
ich war gestern im dom (obwohl ich weder katholisch noch besonders gläubig bin) und habe eine kerze für oma angezündet. das hatte irgendwie was tröstliches. ich stelle mir vor, dass das licht sie begleitet auf ihrer letzten reise, damit sie keine angst haben muss.

heute ist ein schöner tag - hier im rhein-main-gebiet ist der himmel blau und die sonne scheint! ich hoffe, dass du auch ein bisschen sonne (im herzen) hast.
Liebe Grüße
Lillan

joy38
15.11.2006, 13:30
Liebe Lilian, wenn Du wüßtest wie sehr ich beim lesen Deiner Geschichte an Dich denken muß und in Gedanken bei Dir bin. Bitte vergiß niemals, daß hier mittlerweile ganz viele Menschen mit Dir fühlen, Dich umarmen, Dich beschützen möchten.
Du hast mittlerweile eine Verantwortung diesen Menschen gegenüber.
Ich habe noch niemals in meinem ganzen Leben einen einfühlsameren Menschen getroffen wie Dich. Du bringst mich mit jedem Eintrag zum weinen und hoffen gleichzeitig.

Du suchst nach Menschen die André nicht vergessen haben und mit Dir an ihn denken? Du hast sie längst gefunden. Ich bin einer von ihnen.

Bleib ganz stark und vor allen Dingen lass Deinen Schmerz zu. Lebe ihn und akzeptiere ihn. Er gehört (noch) zu Dir. Er ist nur deshalb so unendlich groß, weil Eure Liebe so groß und wundervoll war. Also muß es auch der Schmerz sein. Akzeptiere es.

Liebe Grüße und eine feste Umarmung
Joy

Lillian2207
16.11.2006, 14:05
Liebe Ness,

danke das Du da bist! Ich möchte mich gerne von Dir drücken lassen, es tut mir so gut! Ich hoffe es geht Dir persönlich einigermaßen, du hast es ja auch nicht einfach!!! Ich denke an Dich! Ich finde Dich sehr sehr stark!

Liebe Lillan,

nicht nur das wir fast Namensschwestern sind, ich lebe ja auch im Rhein-Main-Gebiet! Bitte nimm meine Mitgefühl entgegen, es ist schlimm den Tod eines geliebten Menschen so mitzuerleben! Ich hoffe für Dich, dass Deine Oma nicht leiden muß, vielleicht wird es ja auch noch einmal gut?! Das mit den Kerzen in einer Kirche anzuzünden, verstehe ich sehr gut. Ich tue das auch, egal wo ich bin. Ob in Köln, in Bonn, in Salzburg oder in Korfu, jede Kirche zieht mich magisch an und ich stelle eine Kerze für meinen Schatz auf! Ich denke immer, es könnte sein Nacht erhellen, egal wo er jetzt ist und er weiß, dass ich bei Ihm bin! Ich wünsche Dir für die nächste Zeit ganz ganz viel Kraft! Ich drück dich und denk an Dich!

Liebe Joy,

wie schön, dass so viele Menschen bei mir sind. Es bedeutet mir so viel. Leider erlebe ich das in meinem alltäglichen "richtigen" Leben nicht mehr. Alle sondern sich von mir ab.... Manchmal habe ich gedacht: es ist vielleicht nur eine Einbildung und ich rede mir das nur ein, aber es ist so. Niemand ausser meiner Mutter und Andrés Eltern sprechen noch mit mir über meinen Schatz und meinen Schmerz. Es ist sogar so, dass ich manchmal das Gefühl habe, den einen oder anderen mit meinen Geschichten oder kurzen Aussagen zu langweilen. Es fehlt nur noch die Antwort: Mann, ich kann es echt bald nicht mehr hören....
Ich glaube wenn mir das mal jemand sagen würde, wüßte ich vor lauter Enttäuschung nicht was ich darauf erwidern sollte....

Du hast natürlich Recht: Je stärker das Band zwischen den Lebenden war, desto größer ist der Schmerz im Abschied. Ich versuche stark zu sein! Ich gebe mir mühe!

Ganz lieben Dank für Eure eMails und liebe Grüße!
Lillian

Lillian2207
16.11.2006, 14:42
Hallo mein Liebling,

bald ist es soweit: Dein Geburtstag steht vor der Tür, am Montag wirst du 31 Jahre alt. Deinen letzten Geburtstag haben wir leider auch nicht zusammen gefeiert, du hattest einen Urlaub in Florida mit Deinen Eltern schon lange vorher gebucht und ich konnte Dir nur per sms gratulieren! Letzte Woche wollte ich einen Therapeutentermin in mein Handy einspeichern und da stand es: "Andrés Geburtstag, sms nicht vergessen". Als ich das lass war es wie ein Schlag. Ich hatte den Termin mit einer jährlichen Wiederholung eingegeben, nichts ahnend, dass Du in diesem Jahr schon nicht mehr bei mir bist! Solche selbstverständlichen Dinge, die überhaupt nicht selbstverständlich sind. Wieso verstehen die Menschen erst wenn es zu spät ist, dass nichts selbstverständlich ist???

Ich will Dir einen Kuchen backen, aber weißt Du was? Ich weiß noch nicht einmal, welches Dein Lieblingskuchen ist. Du hast mich damals in der Zeit wo wir zusammen waren, drei Mal mit einem Kuchen überrascht: einen Schokoladen-, einen Orangen- und einen Apfelkuchen. Einer der drei wirds wohl werden, denn sie haben uns beiden gut geschmeckt. Ich habe jetzt schon Tränen in den Augen, wenn ich daran denke mit dem Kuchen in der Küche zu sitzen und Dir zum Geburtstag gratulieren zu müssen.... einem Toten!

Ich weiß noch, wie ich Dir letztes Jahr morgens um sechs die sms zum Geburtstag geschrieben habe, damit sie durch die Zeitverschiebung genau Nachts um zwölf bei Dir ankam! Ich wollte die Erste sein die Dir gratulierte und stand verschlafen im Wohnzimmer mit einem Glas Sekt (wie versprochen) in der einen und dem Handy in der anderen Hand. Du hast Dich so gefreut, dass ich so pünktlich an Dich gedacht habe und hast mir sofort zurückgeschrieben. Es war so schlimm so weit weg von Dir zu sein und nicht mit Dir feiern zu können, aber was würde ich jetzt dafür geben wenn es dieses Jahr so wäre!

Ich bin seit gestern Abend wieder zurück aus dem Saarland wo ich meine Telefonschulungen gehalten habe. Es war sehr anstrengend aber ich habe es gut gemeistert. Der Niederlassungsleiter unserer Firma hat mir zum Schluß ein gutes Feedback gegeben und die nächsten Schulungen werden in Berlin auch von mir gehalten werden. Das ist ein schönes Kompliment und ich war sehr stolz. Ich hätte den Erfolg so gerne mit Dir geteilt. Ich hätte Dich so gerne gesprochen!

Aber eins war so schrecklich: der Aufenthalt in dem Hotel dort am Ende der Welt. Es war so einsam! So furchtbar einsam!! Ich saß auf meinem Zimmer, das Fernsehn lief und ich habe aus dem Fenster gestarrt. Es war dunkel und man konnte nichts erkennen außer ein paar vereinzelten Lichtern. Ich war so alleine! Weil ich nichts mit meiner Zeit anzufangen wußte, bin ich schon um halb sieben zum Abendessen runter gegangen. Dann bin ich ins Bett, aber nicht ohne vorher noch über uns beide nachzudenken und zu weinen so alleine in dem Zimmer. Was wäre gewesen wenn ich dort, soweit weg von allem, mit meinem Leben Schluß gemacht hätte. Es gab einen See in der Nähe.... Es gab einen Balkon zum Zimmer.... es gab so viele Möglichkeiten.....Niemand hätte mich gestört, niemand wäre bei mir gewesen. Doch, vielleicht Du?! Und diese Vorstellung war so tröstlich für mich: Vielleicht wärst du in diesen Minuten bei mir gewesen und hättest meine Hand gehalten?

Ich würde von Dir so gerne einmal ein Lob hören: Das Du mich stark findest, dass ich es gut mache, dass du bei mir bist und mich beschützt. Wie oft suche ich nach kleinen Zeichen und nichts ist da. Deine Eltern sind vor kurzem nach Indien für drei Wochen und sie fehlen mir so sehr! Sie haben mir so viel Halt gegeben.....

Ich liebe Dich mein Schätzle! Du warst der größte Schatz den ich je besessen habe!

jonny1910
16.11.2006, 15:17
Hallo Lillian,
bei mir hat es zwei jahre gedauert ,bis ich an meinen vater denken konnte ohne das gefühl zu haben ,das mir gleich die tränen kommen.
ich habe nicht nur meinen vater verloren,sondern auch einen guten freund.
ich drücke dir ganz fest den daum das es dir bald besser geht.
gruß jonny

ness
16.11.2006, 16:43
LIebe Lillian!
André wär sicher stolz auf dich, dass du so tolle Arbeit geleistet hast!!! So wie du natürlich auch selbst auf dich stolz sein kannst! Du bist stark! Ich denke, du bist dabei Schritt für Schritt dein Leben wieder in den Griff zu kriegen!!
Gib ned auf! Und wie schon ein anderes Mitglied in diesem Forum gesagt hat: wichtig is jetzt Tag für Tag weiterzuleben.
wahrscheinlich teilweise nur überleben.
mal besser, mal schlechter.
ich schicke dir wieder eine ganz herzliche umarmung von mir! ich denk an dich, liebe Lillian!
viel viel sonne, die es schafft, ein wenig wärme und licht in dein herz zu schicken!
ness

Inaktiver User
16.11.2006, 16:56
Liebe Lillian,
ich finde auch, du kannst richtig stolz auf dich sein, dass du die schulung so gut gemeistert hast!!!
danke auch für deine wünsche. ich werde meine oma am samstag im krankenhaus besuchen, vorher schaffe ich es leider nicht. ich hoffe, sie hält so lange durch.
viele liebe grüße,
Lillan

Inaktiver User
16.11.2006, 17:46
Liebe Lillian,

ich freue mich von ganzem Herzen für Dich, dass Du die Schulung so gut überstanden hast. Das ist echt super. Und ich bin mir sicher, dass André Dir das auch noch mitteilen wird. Bestimmt nicht jetzt, wenn Du darauf wartest, aber die Zeichen werden kommen. Ich habe mich auch solange gefragt, wie denn so ein Zeichen aussehen soll, ich hatte das Gefühl, dass da überhaupt nichts kam. Und dieses Gefühl tat so verdammt weh. Bis mir irgendwann ein Licht aufgegangen ist. Ich hatte Zeichen erhalten - ich habe sie nur nicht als solche wahrgenommen. Es dauerte eine Zeit, bis ich verstanden hatte, was los war.
Ich schicke Dir ein Riesenpaket Stärke, besonders für den Geburtstag von André. Ich umarme Dich ganz fest!
Kathi
:blumengabe: :blumengabe:

Lillian2207
17.11.2006, 14:02
Hallo jonny1910, Ness, Lillan und Taxikathi,

Danke für Eure netten Worte! Ich bin froh das Ihr bei mir seit!!!!

Ganz liebe Grüße
Lillian

Lillian2207
17.11.2006, 14:35
Hallo mein Liebling,

es ist Freitag und ich möchte: meine Tasche aus dem Schrank holen und mein schönsten Anziehsachen hineinpacken, tolle Unterwäsche nur für Dich, feste Schuhe und ein paar kleine Geschenke für uns fürs Wochenende hinein tun. Ich möchte meine Jacke nehmen, die Tasche auf den Rücksitz des Autos werfen, mich vors Steuer setzen und losdüsen. Ich möchte auf die A3 auffahren, mir eine Zigarette anzünden und gemütlich den langen Weg auf mich nehmen. Ein kurzer Toilettenstop, damit ich nicht zuviel Zeit verplemmper und weiter gehts an Würzburg vorbei, weiter über die Zweispurige Autobahn und immer Dein Bild vor meinen Augen, wie Du lächelnd auf mich wartest!

Ich möchte erschöpft von fünf Stunden Fahrt bei meinem Bruder ankommen, vorher kurz per Handy Dir Bescheid geben, dass ich in Freisingen angekommen bin und das Du losfahren kannst um mich abzuholen.... und dann ist es soweit, ich tigere ungeduldig und voller Vorfreude durch die Wohnung meines Bruders, von Fenster zu Fenster und warte auf ein Auto das vorfährt, auf Dein Auto.... ich renne zur Haustür, mache sie auf und keine 6 Meter stehst Du vor dem Gartentörchen und bist genauso aufgeregt wie ich. Einen Kuß will ich! Sofort. Über das Törchen hinweg knabbere ich vorsichtig an Deinem Bart, berühre mit meinen Lippen deine Unterlippe um Dich dann ganz lange zu umarmen und lange zu küssen. Der Geruch ist umwerfend, das Gefühl von Deinen Bartstoppeln an meiner Haut ist wahnsinn und Deine Augen, von einem seeligen Lächeln umspielt schauen auf mich herab! Mensch, nur dieses blöde Gartentörchen stört, und zwar sehr, also lass mich endlich raus zu Dir und mit in Dein Auto steigen!
Nimm mich endlich wieder mit Dir, ich warte schon so lange darauf. Es ist Freitag, ich habe es verdient in Deinen Armen zu liegen, die Zeit bis dahin war so grausam!

Es ist Freitag und ich werde: zu meiner Trauerbegleitung gehen und über den Tod sprechen, ich werde einkaufen fahren und mein Leergut abgeben. Ich werde alleine in der Wohnung sitzen, das Fernsehn an, die Zigaretten auf dem Tisch, der Qualm in der ganzen Wohnung. Ich werde mir eine Kleinigkeit zu Essen machen, werde dem Kalender in dem Dein Name steht, für Deinen Geburtstag am Montag versuchen zu umgehen um nicht an dieses schreckliche Ereignis denken zu müssen. Ich werde früh schlafen gehen und wenn ich ganz viel Glück habe vielleicht von Dir träumen. Aber ich werde Dich nicht sehen. Ich werde Dich nicht fühlen und schmecken.... Denn das ist endgültig vorbei, das ist vor über sechs Monaten für immer von mir gegangen!

Ich vermisse Dich so, das meine Haut schmerzt! Ich liebe Dich mein Schatz!

Wolke7
17.11.2006, 14:52
Liebe Lillian,

ich bin ganz betroffen von Deinen Zeilen u. möchte Dir aber dazu einige Worte sagen - Du bist ganz stark u. ich wünsche Dir von Herzen einen Menschen an Deiner Seite mit dem Du über André
reden kannst, auch gerade am Montag - der Dich erzählen lässt -
eine Freundin, die mit Dir ans Meer fährt - wo Du am Strand entlanggehen kannst u. in der unendlichen Weite weiterhin versuchen kannst mit diesem Schmerz fertig zu werden - nein -
das ist falsch ausgedrückt - um damit leben zu können.
Meine Tochter sagte mir letztes Jahr, als ihr Vater starb von dem
ich schon einige Zeit getrennt lebte - es wäre am Schlimmsten
das niemand mehr von ihm redet - dass er einfach nicht mehr da ist - auch in den Gesprächen nicht. Und so habe ich versucht, dieses zu ändern - heute ist er dabei, ich erzähle von den schönen Tagen - von seinen liebenswerten Eigenschaften, die er hatte u. sie meinte letztens - so wäre es wenigstens zu ertragen, dass ein Mensch auf einmal ganz weg ist. Aber er ist ja da - in Gedanken - in Erinnerungen - so wie Dein Andre`

Ich wünsche Dir alles Liebe u. Gute u. drück Dich mal ein
bisserl virtuell

GLG von der Wolke

Datakrfj
20.11.2006, 19:12
Liebe Lillian,

ich habe heute an Dich gedacht und stelle hier eine Kerze (http://www.zenway.de/Kerze%20hochkant%20ridotto.JPG) und einen Schokoladenkuchen (http://www.kuchenkurier.de/static/de/pics/kuchen/55128-30.jpg) für Dich und André hin.

Ich hoffe, Du hast den Tag einigermaßen gut überstanden.

Liebe Grüße
Data

Lillian2207
21.11.2006, 09:13
Hallo Ihr Lieben,

es war schlimm. Der Geburtstag meines Schatzes war ein ganz schlimmer Tag. Ich habe versucht mich abzulenken, ich war mit meiner Mutter raus und habe einen Stadtbummel gemacht. Aber es gab keine Möglichkeit diesem Gefühl von Hilfslosigkeit zu entfliehen!

Es will einfach niemand mehr hören. Meine Freundin der ich sagte: heute hat André Geburtstag.... Von Ihr kam nur: "ach heute war das?" Sonst nichts, das war es. Meine Arbeitskolleginnen haben nur pikiert an Seite geguckt und niemand hatte ein tröstendes Wort für mich, nur meine Mutter. Sie ist die einzige die noch zu mir hält, die noch hören will, wie es in mir aussieht. Die verstehen kann, wie viel mir genommen wurde und was es bedeutet.....

Aber es bedeutet doch die ganze Welt für mich, wieso nicht für die Anderen. Wieso kann das keiner mehr verstehen, es ist doch erst ein halbes Jahr her!!!!!

Dir mein Schatz, alles erdenklich Liebe zum Geburtstag von mir! Ich denke ständig an Dich und ich hätte so gerne Deinen 31sten Geburtstag mit Dir gefeiert! Dein Schokokuchen und Deine Kerzen hätten auf dem Tisch gestanden, wir hätten es uns gemütllich gemacht. Nur wir zwei und alle anderen da draussen, die jetzt schon nichts mehr von Dir hören möchten, hätten wir auch gar nicht bei uns haben wollen! Ich liebe Dich mein Schatz, ich kann ohne Dich nicht sein!

Eva39
21.11.2006, 12:02
Liebe Lillian,

ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass andere nicht viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für trauernde Menschen haben. Das macht einsam und die Trauern noch größer.

Ich hatte vor wenigen Tagen meine dritte Fehlgeburt. Mit dieser Trauer ist man völlig allein. Für andere war dieser Mensch niemals wirklich. Wenn man Glück hat, fühlt und trauert der Partner mit. Fehlgeburten werden verharmlost: "Da war ja noch nichts ...!"

Ich möchte Dir damit sagen, dass Du nicht allein bist mit dieser Erfahrung. Ich fühle ganz stark mit Dir und schicke Dir eine ganz innige Umarmung!!!

Alles Liebe

Eva

Vemi
21.11.2006, 13:55
Liebe Lillian,

ich nehme dich mal fest in den Arm!
An Mamas Geburtstag sagte ich"Sie wäre heute 73 geworden"meine Tochter meinte ganz entrüstet"sie wird doch 73!!!Sie feiert oben mit den Engeln und hat bestimmt ganz leckeren Kuchen gebacken."

Sie hat hoffentlich recht.

André ist bei dir und sicher sehr stolz auf dich.Er war eben niemandem SO wichtig wie dir-für dich ist er DIE WELT,deshalb wird dein Verlust und dein tiefer Schmerz für niemanden so sein,wie eben für dich.Das Umfeld ist meist selbst noch nie einem solchen Schmerz begegnet,sie haben keine Ahnung wie es IN uns aussieht.
Ich glaube niemand meint das "Verschweigen"böse,aber es traut sich keiner ihre Namen zu erwähnen,aus Angst es uns (noch?)schwerer zu machen.
Ich denke "die anderen"sind einfach hilflos und oder gedankenlos und wenn ich ehrlich zurückdenke war ich vor dem schrecklichen Tod meiner Mutter sicher nicht anders...

Ich finde es genauso schrecklich wie du,so allein mit dem Schmerz zu sein,aber es ist eben UNSERE Trauer,ganz allein.

Schön,dass deine Mutter dir zuhört.Wir hier tun es auch.

Lieben Gruß
Vemi

Lillian2207
21.11.2006, 15:53
Liebe Eva,

das ist ja furchtbar, es tut mir so leid. Nein es stimmt nicht wenn jemand sagt: "da war ja noch nichts, da brauch man auch nicht drum trauern". Denn die Vorstellung vom vollkommenen Glück mit Kindern ist doch schon da, lange bevor das Kleine geboren wird. Man stellt sich sein Kind doch in allen Einzelheiten vor, man fühlt das Kleine doch in sich. Ich kann es gut nachvollziehen das es ein furchtbares Gefühl sein muß! Ich möchte Dir alles Gute und viel Kraft für die kommende Zeit wünschen! Mir fehlen die Worte für so ein schreckliches Ereignis!!! Ich denke an Dich!!!

LG und eine liebe Umarmung
Lillian

Lillian2207
21.11.2006, 16:01
Liebe Vemi,

du hast Recht. Ich glaube fast auch, das niemand mehr den Namen meines Schatzes sagen mag, weil er denkt mich noch mehr zu verletzen. Aber es ist genau umgekehrt. Ich würde so gerne und oft über Ihn reden wollen, so oft wie es nur geht. Wie schön wäre es, wenn mich mal einfach jemand an Seite nimmt und mich ganz EHRLICH fragt, wie es mir geht und was ich wirklich denke!!! Dann könnte ich einfach drauf losreden.....

Aber ich muß da anscheinend alleine durch! Nein das stimmt nicht, ich habe Euch hier!!!! Danke dafür :-)

LG Lillian

Datakrfj
21.11.2006, 16:05
Liebe Lillian,

fordere Dir von Deinen guten Freunden das ein, was Du brauchst, sie werden es verstehen und auch erleichtert sein. Sie wissen es nicht besser, sie wissen nicht, was Dir gut tut oder was Wunden wieder aufreißt, die langsam zugehen.

Liebe Grüße und einen dicken Drucker
Data

ness
22.11.2006, 09:06
Hey
die idee von data finde ich sehr gut.
fordere einfach wirklich von deinen engsten freunden das ein, was du brauchst. du siehst dann ja eh, wie sie reagieren. wenn sie bis jetzt angst hatten, dich zu fragen, wie es dir geht, weil sie dir ned weh tun wollten, dann wissen sie ja jetzt, dass sie ruhig fragen dürfen - und sogar sollen! dann hast du auch ungewißheit von ihnen genommen und erleichterung gegeben.
und wenn sie noch immer desinteressiert sind, dann weißt du (leider) auch, wie du dran bist.
ich hab gelernt, dass viele einfach ned mit der trauer anderer umgehen können. unsere gesellschaft tut mir leid.
dicke umarmung!!!
ness

Mondschaf
22.11.2006, 10:20
Hallo Zusammen :wangenkuss:

Jetzt muss ich mich aber doch mal verteidigend einklinken und hoffe, ihr seid nicht aufgebracht und verurteilt mich als unsensibel.

Liebe Ness, warum tut dir unsere Gesellschaft leid? Hast du schon mal daran gedacht, dass manche Menschen noch nie selbst vom Tod im näheren Umfeld betroffen waren und auch nicht 100% nachfühlen können, wie es einem Trauernden geht? Ist er deshalb ein unsensibler Klotz? Mir würde es auch zeigen, dass jemand Anteilnahme hat, wenn ich mitbekomme, dass er eben nicht weiß, wie er mir am Besten zu Seite stehen kann und aus Rücksicht vorsichtig mit mir umgeht (wenn ich das mitkriege). Das ist völlig normal.

In bestimmten Situationen und gerade in so einer ist es extrem schwierig für Außenstehende, das richtige Maß zu finden, ehe man jemanden verletzt. Das darf man keinesfalls als Desinteresse auslegen. Man muss miteinander sprechen. Das ist ganz wichtig. Es ist auf jeden Fall so, dass niemand genau so eine große Trauer empfindet, wie man selbst, da man selbst ja nur dem Menschen so sehr nahe stand. Man sollte seine Freunde nicht verurteilen, weil sie scheinbar "weniger trauern". Sie standen der großen Liebe, dem ungeborenen Kind, der Mama .. ja nicht so nahe wie man selbst!

Ich wäre jedenfalls sehr traurig, wenn ich, aus Unsicherheit mit Fingerspitzengefühl herangehend, als unsensibler, desinteressierter Mensch bezeichnet werden würde. Es ist eine schwere Situation und für niemanden einfach egal. Wie ich schon erwähnte, es ist wichtig, miteinander zu sprechen und seine Bedürfnisse zu erwähnen. Ich wünsche auf jeden Fall allen, dass ihr versuchen könnt, eure Schmerzen und die Gefühle zu teilen und sie damit ganz langsam verarbeiten könnt. Dieses Forum ist ein sehr guter Anfang :blumengabe:.

Liebe Grüße an alle,
Mondschaf

Lillian2207
22.11.2006, 10:55
Hallo Ihr Lieben,

heute ist ein schlimmer Tag. Ich weiß nicht was es ausgelöst hat, aber ich könnte heute nur heulen. Mein Herz ist so schwer das es körperlich zu fühlen ist und das Schlimmste ist: hier auf der Arbeit ist niemand der mich mal in den Arm nimmt oder der mich mal drückt. Ich habe hier nur ein Mädel dem ich nahe stehe und ich habe das Gefühl, sie kann meine Tränen und das was ich sage einfach nicht mehr hören. Sie geht mir aus dem Weg!

Ich mache Ihr keinen Vorwurf deswegen, ich kann mich ja auch schon fast nicht mehr ertragen. Das ist mal eine Wendung die mir gerade erst gekommen ist: Ich kann mich selbst, so wie ich im letzten halben Jahr war, nicht mehr ertragen! Ich bin ständig traurig, meine Stimmung ist im Keller. Ich lache nie. Ich habe ständig irgendein Wehwehchen und es geht mir körperlich immer schlechter! Ich habe selber keine Ahnung wie man mit so einer Person umgehen sollte.... Aber auf der anderen Seite schreit mein Körper nur danach, mal in den Arm genommen und gedrückt zu werden. Nach jemanden der halt einfach nur fragt: Wie geht es Dir heute? Und der mir sagt, dass es ihm leid tut, was ich durchmachen muß! Aber das kann ich hier niemanden sagen!

Ich kann mein Selbstmitleid nicht mehr ertragen, aber ich kann es auch nicht abstellen. Ich sehne mich nach Liebe und hasse mich dafür. Ich sitze alleine zu Hause, weil ich schon weiß, dass mich eh keiner bei sich haben will! Und so ist es wirklich, ich bilde mir das nicht nur ein! Ich gehe zur Trauerbegleitung weil die Frau die einzige ist, die einfach nur dasitzt und mir zuhört! Und ich habe noch Euch in diesem Forum!

Ich weiß nicht weiter? Wenn sich nicht bald was ändert, werde ich alle Freunde verlieren. Es ist so paradox, dass ich selber zwar weiß ich müsse mich ändern, damit die Menschen nicht irgendwann vor mir wegrennen, ich es aber nicht schaffe aus der Trauer raus zu kommen und meinen Kopf zu heben!

Liebe Grüße von der etwas "verstörten"
Lillian

Datakrfj
22.11.2006, 11:19
Liebe Lillian,

das tut mir furchtbar leid, was Du schreibst.

Was mir dazu eingefallen ist, ist eine Selbsthilfegruppe. Dort sind Menschen, die das gleiche oder zumindest ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Vielleicht findest Du dort Menschen, die Dich in den Arm nehmen.

Ich denke, dass das Forum eine gute Sache ist, aber es kann nicht den Kontakt zu Menschen im wirklichen Leben ersetzen. Wir können Dir hier zu hören, Dir einen Rat geben und Dich mit Worten trösten, aber wir können Dich nicht in der Realität in den Arm nehmen, auch wenn wir uns das manchmal wünschen würden.

Liebe Grüße
Data

ness
22.11.2006, 11:24
@Mondschaf
du hast mich falsch verstanden..oder vielleicht hab i mich ned gut ausgedrückt...kann ja auch sein.:smirksmile:
ich verurteile es absolut ned unbeholfen zu sein und ned zu wissen, wie man dem anderen in der trauer helfen kann. ich verstehe es, unsicher deswegen zu sein. ich hab das auch selbst erst lernen müssen. und ich hab da auch mal ned so reagiert, wie ich das im nachhinein gern gehabt hätte.
und ich bin sicher auch jetzt noch kein experte!!!
ich meinte, die gesellschaft tut mir leid, weil trauer so sehr verdrängt wird, dass keiner dann damit umgehen kann. verstehst du?
ich finde das forum extrem gut und extrem wichtig - es hat mir total geholfen in meiner schlimmsten phase der trauer. aber wenn ich mehr menschen in meiner wirklichen umgebung hätte, denen ich mich anvertrauen könnt, würd ich vielleicht weniger hier zu finden sein.
und ich bin ned allein mit diesen erfahrungen. verstehst du, was ich meine???

@Lillian!
sei ganz ganz fest gedrückt!
hab dir eine pn geschrieben.
ness

teichmuschel
22.11.2006, 11:41
Liebe Lillian,

ich kann gut verstehen wie es Dir geht. Auch ich fühle mich seit dem Tod von meiner Mama vor 1/2 Jahr traurig, unfähig was zu tun und bin jeden Tag am Weinen.
Auch mir hat es gefehlt, dass mich jemand in den Arm nimmt und tröstet und mir zuhört - auch wenn ich zum 100sten Mal das gleiche von meiner Mama erzählt habe. Ich habe jedoch in der Vergangenheit nach außen immer sehr stark gewirkt, für alles eine Lösung gehabt und den Eindruck vermittelt, dass mich nichts umwerfen kann. Deswegen fiel es auch meinem Lebensgefährten und meiner besten Freundin so schwer mich zu verstehen. Wie sollten sie auch - ich konnte mich ja selbst nicht verstehen.
Beide habe ich dann irgendwann direkt darauf angesprochen und sie gebeten mir einfach zuzuhören, mich weinen zu lassen und mich auch einmal in den Arm zu nehmen. Ich sagte Ihnen dass mir das guttun würde und auch das Weinen mich irgendwie "befreit. Ich denke diese offenen Worte haben auch dafür gesorgt, dass Beide wissen wie ich fühle und sie können seitdem auch einfach für mich da sein.
Ich denke,dass es für UNS wichtig ist nach außen zu erkennen geben wie wir fühlen und was wir brauchen und was uns gut tut.
Das was Du empfindest ist kein Selbstmitleid. Du leidest seelisch und diese Schmerzen wirken sich auch auf Deinen Körper aus.
Setz Dich nicht unter Druck, dass sich was ändern muss. Du wirst nur die Freunde verlieren die sowieso keine waren.
Ich weine heute zusammen mir Dir und kann Dir nur eine Umarmung schicken. Wenn Du hier wärst würde ich Dich knuddeln.
(Ich kann mich oft nicht so ausdrücken wie ich gerne möchte aber ich hoffe Du versteht mich).

Ganz liebe Grüße
Teichmuschel

Lillian2207
22.11.2006, 16:55
Mein lieber Schatz,

heute denke ich so schmerzlich an Dich, das ich ständig heulen muß. Ich weine um Dich, weil Du mit 30 Jahren gestorben bist, obwohl du niemals hättest gehen wollen. Du hattest immer so viel vor, so viele Dinge, jede Woche, jeden Tag, jede Minute. Ich weine, weil Du dich mit Händen und Füssen gewehrt hättest, wenn Du gewußt hättest, dass Du am 2. Mai Nachts um 4 hättest sterben müssen! Dir hat das Leben so viel bedeutet, Du warst immer so glücklich, nichts hat Dir gefehlt, nie hast du über irgendwas gemeckert, für alles warst Du dankbar!

Gibt es einen Gott? Wenn ja, wieso ist er kein gerechter? Wieso zeigt er uns beiden, wie schön das Leben zusammen ist und wie gut wir zueinander passen und nimmt uns das wieder weg? Wenn es Gott gibt, hat er Dich dann zu sich geholt, weil Du ein so toller Mensch warst und er Dich bei sich haben wollte? Ich verstehe gar nichts mehr, ich glaube gar nichts mehr.....

Ich vermisse Dich so sehr. Ich weiß, das sage ich Dir jeden Tag. Aber kannst Du Dir vorstellen wie einsam mein Leben geworden ist? Ich möchte mit Dir lachen, aber mir bleibt das Lachen im Hals stecken. Ich möchte mit dir sprechen, aber die Worte verhallen ungehört. Ich möchte mich an Dich schmiegen und Deine Wärme spüren, aber es ist überall nur kalt. Hätte ich doch einen Wunsch frei, ich würde meine Beine geben, mein Augenlicht, alles was Gott will um noch einmal mit Dir einen kurzen Augenblick glücklich zu sein!

Manchmal denke ich, wie groß doch das Schicksal war, dass uns überhaupt zusammen gebracht hat. Wie du mir mal erzähltest, das ich eigentlich gar nicht Deinem Typ entsprach und ich dich trotzdem verzaubert habe. Das Du eigentlich auf dunkle Haare bei Frauen stehst und Du dich dann doch in meinen hellen Typ und meine Sommersprossen verliebt hättest. So viel hätte schief gehen können, so viel hätte es verhindern können, dass wir beide uns kennen lernten und lieben lernten. War das Schicksal nun für uns oder war es doch gegen uns? Bei mir verschwimmen die Konturen, ich kann nicht klar denken. Ich kann immer nur noch spüren, wie unglücklich ich zurück bleibe.

Da draussen ist nichts mehr für mich. Du fehlst so!

Inaktiver User
24.11.2006, 10:38
Liebe Liliane,

ich habe deine/eure Geschichte mit viel Anteilnahme gelesen. Ich kann sehr gut verstehen, dass du nach so kurzer Zeit noch so sehr trauerst. Das ist normal und wenn einem in unserer Gesellschaft suggeriert wird, dass alles wieder gut wird, wenn man bloß schnell so weiter macht, wie zuvor, dann ist das meiner Meinung nach ein großer Fehler. Mir fallen zu deiner Geschichte zwei Dinge ein, die dir vielleicht etwas Trost spenden können.

Ich habe auch über deine Panikattacken gelesen und weiß wie du dich fühlst. Als mein Vater vor vielen Jahren gestorben ist, hattei ch auch diese panikattacken und ich habe mich (wie du) innerlich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Ich wollte, dass alles wieder schnell normal wird und daran hinderten mich diese Attacken natürlich. Irgendwann habe ich diesen Kampf für mich dann aufgegeben. Ich war beim Arzt und als er mir versichert hat, dass diese Panik nicht lebensbedrohlich ist (ich hatte Angst, ich könnte einen Herzinfarkt bekommen) habe ich für mich beschlossen, dass ich sie einfach geschehen lasse. Ich habe mich dann bei der nächsten Attacke hingesetzt und nur darauf geachtet ruhig zu atmen. Ich wollte nicht mehr dagegen ankämfe, damit hörte auch die Angst vor einer Panikattacke unter Freunden auf. Es ist nie passiert, aber die Angst davor war groß. Irgednwann hörte es dann auf. Ich hatte vielleicht noch 2 Jahre Angst vorm Autofahren, aber ich bin halt immer rechts gefahren und habe mir auch hier gedacht: Was solls, wenn es passiert, dann passiert es, Warnlicht an, rechts ranfahren und warten, bis es vor bei ist. Aber es ist nie passiert.
Heute glaube ich, dass diese Ängste da waren, weil ich einfach nicht akzeptieren wollte, dass ich meinen Vater für immer verloren habe, natürlich wusste ich, dass er nicht mehr wieder kommt, aber trotzdem habe ich nachts mit ihm gesprochen, oder bin durchs Haus gelaufen auf der Suche nach einem Zeichen von ihm. Ich glaube, indem ich die Angst akzeptiert habe, habe ich auch seinen Tod akzeptiert. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können, aber wir können sie annehmen, wir müssen sie annehmen.

Ich wünsche dir alles Liebe. Ich weiß, dass es dir irgendwann besser gehen wird und wenn du mehr Zeit brauchst, dann nimm sie dir. Vielleicht ist deine längere Trauerzeit wirklich für deine Freunde sehr schwer, aber das heisst nicht, das sie nicht wieder für dich da sind, wenn du wieder bereit bist für die Dinge, die auch früher deine gemeinsame Zeit mit deinen Freunden bestimmt hat. Es gibt eine Zeit des Trauerns, du hast ein Recht sie dir zu nehmen.

Eigentlich wollte ich dir noch von einer ähnlichen Geschichte erzählen, aber jetzt habe ich keine zeit mehr. Ich werde sie mir aber noch einmal nehmen.

Lillian2207
24.11.2006, 12:15
Hallo Scarlete,

du hast bestimmt Recht, je weniger man sich Gedanken über die Panikattacken macht, desto weniger werden sie auch auftreten. Es ist schon merkwürdig wie alles so verläuft. Man verliert einen lieben Menschen und weiß nicht wie man das bewältigen soll, wie man weiter leben soll. Und dann lebt man "irgendwie" weiter, versucht sein bestes um den Kopf über Wasser zu halten und dann werden einem noch mehr Steine in den Weg gelegt: die Gesundheit, die Psyche, die Umwelt. Man kämpft doch schon mit dem Verlust, muß aber plötzlich mit so viel anderem Kämpfen.

Die Panikattacken sind schlimm. Sie werfen mich immer wieder zurück. Aber sie geben mir auch das Gefühl, dass ich machtlos bin in meiner Trauer. Man hofft, dass das jetzt erst mal das letzte ist womit man kämpfen muß und dann kommt eine Grippe, Migräne, Hörsturt, Tinitus..... Ich möchte so gerne nur mal zur Ruhe kommen. Wie ich das ja schon geschrieben habe, ich kann mich einfach selbst nicht mehr leiden mit meinen ganzen Wehwehchen!

Liebe Scarlete, wenn Du nochmal Zeit für eine Mail hast, würde ich mich freuen, wenn Du mir die ähnliche Geschichte schreibst, von der du gesprochen hast. Ich kann jede Aufmunterung gebrauchen :-)

Ganz lieben Gruß
Lillian

joy38
24.11.2006, 16:39
Mal was ganz spontanes nur für Dich

:wangenkuss:

joy38
24.11.2006, 16:41
Und jetzt sag schon, dass Du wenigstens einmal gelächelt hast. Bitte.

Inaktiver User
24.11.2006, 20:55
Liebe Lillian,

hier die versprochene Geschichte.
Wenn ich eine Idee davon habe, wie eine perfekte Liebesbeziehung aussehen könnte, denke ich immer an meinen verstorbenen Onkel und meine Tante zurück. Mein Onkel war immer der „Engel“ unserer Familie, für jeden da; warmherzig, ein Bindeglied zwischen allem und jedem. Die beiden waren fast 10 Jahre zusammen, als mein Onkel nachts von einem Freund angerufen wurde. Sein Auto war liegen geblieben, ob er ihm helfen könnte. Er ist nie bei ihm angekommen und auch nie wieder nach Hause gekommen. Niemand konnte verstehen, warum ausgerechnet er. Ich war mir damals nicht sicher, ob meine Tante diese Zeit überstehen würde. Ich habe niemals wieder einen Menschen so leiden sehen. Sie hat dann nach und nach alles aufgegeben, ihre Karriere, ihr altes Leben, hat angefangen viel ehrenamtliches zu machen und ist aber immer auch ein Teil unserer Familie geblieben. Es hat Jahre gedauert, bis es ihr wieder wirklich besser ging und noch länger bis sie wieder einen Mann in ihr Leben gelassen hat. Heute ist sie wieder der Mensch, der sie vor dem Tod war: mit sich und der Welt zufrieden, dankbar, erfolgreich in vielen Lebensbereichen und dabei immer mit dem Wissen, dass sie einfach etwas mehr Glück im Spiel des Lebens gehabt hat, als die meisten anderen.

Bei uns in der Familie gibt es eine merkwürdige Tradition, eigentlich sind wir katholisch, aber trotzdem „glauben“ wir, dass Gott, bevor wir auf die Welt geschickt werden, mit uns ein Gespräch über unser mögliches Leben führt, indem er uns dann ein paar Alternativen aufzeigt, aus denen wir dann wählen müssen. Irgendwie komisch, ich weiß. Wenn jemand sagt: „Warum hat Gott mir das angetan?“, würde jemand aus meiner Familie antworten: „Was hat er dich gefragt?“ (also im Sinne von: Warum hast du so gewählt?) Die Angeheirateten, so wie meine Tante, übernehmen i.d.R diese
Tradition.
Vor ein paar Jahren saßen meine Tante und ich abends zusammen und ich sagte ihr, dass ich den Eindruck hätte, sie habe den Tod meines Onkels überwunden. Sie antwortete: „Nein, ich denke jeden Tag an ihn, aber ich kann mich wieder erinnern, was Gott mich gefragt hat.“
„Was hat er dich gefragt?“
„Er sagte: Ich habe zwei Möglichkeiten für dich. Entweder, du wirst eine Liebesleben führen, wie die meisten anderen Menschen auch. Du wirst einen netten Mann kennen lernen, ihn irgendwann heiraten und ihr werdet euer gemeinsames Leben planen und gestalten, so wie es euch gefällt. Oder, dieser arme Kerl muss auf dich warten bis er 40 ist. Du wirst in jungen Jahren jemand ganz besonderen kennen lernen, du wirst mit ihm Gefühle erleben, die vielen Menschen ihr ganzes Leben lang verborgen bleiben werden. Dieser Mensch wird jemand ganz besonderes sein und du wirst mir 10 Jahre lang jeden Tag danken, dass er ausgerechnet dir seine ganz besondere Liebe schenkt. Aber ich kann diesen besonderen Menschen nicht allzu lange entbehren, ich werde ihn dann wieder nach Hause hohlen müssen und du wirst mich jahrelang verfluchen und eine sehr schwere Zeit durchleiden, eine so schwere Zeit, wie du sie niemals durchleben müsstest, würdest du dich für das andere Leben entscheiden. Du hast die Wahl.“
Ich antwortete ihr, dass ich die selbe Wahl getroffen hätte.

Ich hoffe sehr, dir etwas Mut für die Zukunft gemacht zu haben.
Alles Liebe.

Pummel
24.11.2006, 22:51
Hallo Scarlet, eine schöne Geschichte und eine tolle Tradition. Trag du sie weiter.

Erinnert mich an dieses Gedicht hier:

heiterer trost von michael ende

ein schnurps grübelt

also, es war einmal eine zeit,
da war ich noch gar nicht da -
da gab es schon kinder, häuser und leut'
und auch mama und papa,
jeden für sich -
bloß ohne mich

ich kann mir's gar nicht denken. das war gar nicht so
wo war ich denn, eh es mich gab?
ich glaub ich war einfach anderswo,
nur, daß ich's vergessen hab,
weil die erinnerung daran verschwimmt -
ja, so war's bestimmt!

und einmal, das sagte der vater heut,
ist jeder mensch nicht mehr hier.
alles gibt's noch: kinder, häuser und leut',
auch die sachen und kleider von mir.
das bleibt dann für sich -
bloß ohne mich.

aber ist man dann weg? ist man einfach fort?
nein, man geht nur woanders hin.
ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
ja, so wird es sein!
--------
Ich drück euch mal ganz fest in Gedanken.
Gruß - Pummel

Ninchen1
25.11.2006, 01:59
Hallo Lillian, deine geschichte hat mich tief berührt. Mein Freund ist auch eine Zeit lang mit dem Auto am WE gependelt und hat damit aufgehört, nachdem er bei einem Sekundenschlaf nur um ein Haar vor einem Unfall verschont blieb. Es tut mir sehr leid, was Dir und Deinem armen Freund passiert ist, möge er von dort wo er jetzt ist immer an Deiner Seite sein..

Die beiden Texte mit dem Gedicht und der Tradition sind sehr hoffnungsgebend..

Meine geliebte Oma ist diese Woche verstorben und ich wünsche mir so sehr, daß sie auf eine andere Weise noch "da" ist, und so noch weiterhin an dem Leben ihrer Lieben auf der Erde teilhaben kann und gleichzeitig auch im Himmel und bei ihren schon verstorbenen Familienangehörigen sein darf.

Feinsinn
25.11.2006, 08:43
Hallo Lillian

Ich war 21 und der Mann meiner Zukunft auch. Er starb am
selben Tag im Juli wie mein Vater an einem Unfall damals mit
21, nur er war 859 km entfernt von mir. Ich kam 2 Tage zu spät. Jedes Jahr war ich an seinem Grab, später mit meinen Kindern. Er ist in Kroatien an der Küste begraben und ich habe einige Jahre später seinen besten Freund geheiratet, der seinen Sarg trug und
ihn genauso wie ich vermisste.

Letztes Jahr ist seine Mutter gestorben, die ich auch jedes
Jahr besucht habe. Normalerweise gehe ich nicht auf Friedhöfe,
da habe ich immer eine Ausnahme gemacht und ich werde ihn nicht vergessen. Es gibt an seinem Grab eine weiße Bank
und sein verblichenes Foto sieht man. Dieses Jahr war ich nicht dort, aber mit den Gedanken schon. Meine Tochter wird nächstes Jahr für mich dort Blumen niederlegen. Ich war 12 Jahre alt, als ich ihn zum erstenmal in Ex-Jugoslawien sah, er spielte Basketball und studierte dann später und wir saßen oft alleine am Strand und er spielte mir etwas mit seiner Gitarre vor und war mein
bester Freund, ein ganz besonderer.

An einem Samstag Abend war er ausgegangen mit Freunden,
sein Freund fuhr am Hafen / Magistrale entlang mit dem Auto,
kam ins schleudern und knallte gegen einen Lichtmasten und
er brach sich sofort als Beifahrer das Genick. Der Freund
hat sich nur den Fuß gebrochen. Musste dafür 18 Monate
auf eine Gefangeneninsel bei Pula als Strafe. Er musste dort Steine klopfen uvm., er litt sein Leben lang darunter. Auch ihn
besuche ich fast jedes Jahr mit seiner Familie.

Manchmal verschwindenTräume in Sekunden und kommen nie
wieder, aber neue Träume sind da und die sind wunderschön.

Ich habe einen wundervollen neuen Traum und der kam
unverhofft.

Es tut mir so leid für dich, ich kann es nachvollziehen, aber
es wird irgendwann jemand wieder für dich sein.

Gruss Feinsinn

Pummel
25.11.2006, 20:26
Hallo Ninchen,

tut mir leid mit deiner Oma. Schön, dass deinem Freund nichts passiert ist.

Die beiden Texte mit dem Gedicht und der Tradition sind sehr hoffnungsgebend.....sehe ich auch so u. hoffe, dass viele hier Trost finden.

Alles Gute - Pummel

Lillian2207
27.11.2006, 15:13
Hallo Ihr Lieben!

@ joy38: ja, habe ich!!! Danke schön :-)

@ Scarlete: Was für eine traurige aber schöne Geschichte! Genau diese Frage hätte Gott mir auch stellen können, und ich hätte wahrscheinlich auch die große Liebe gewählt. Zumindest bevor ich gewußt hätte, welchen Schmerz der Tod bringen würde! Wenn ich den Schmerz gekannt hätte, hätte ich vielleicht anders gewählt???!!! Ich weiß es nicht....

@ Pummel: schönes Gedicht!!! Das passt sehr gut!

@ Ninchen1: es tut mir so leid, das Deine geliebt Oma gestorben ist! Aber weißt du, Sie ist sicher noch bei Euch und nimmt an Eurem Leben teil! Das ist ein tröstlicher Gedanke den ich nicht verloren habe! Ich denke, mein Schatz nimmt irgendwie auch noch an meinem Leben teil.....

@ Feinsinn: Deine Geschichte macht Mut auf die Zukunft!!!!! Ich habe so eine Angst vor dem Alleinsein in der Zukunft, dass ich mich sehr darüber freue zu hören, dass auch noch gute Dinge kommen können!!! Vielen vielen Dank, dass Du mir das erzählt hast!!!!

Ganz liebe Grüße und fühlt Euch geherzt von mir!
Lillian

Lillian2207
28.11.2006, 20:16
Mein lieber Schatz,

das war ein Wochenende.... ich habe das erste Mal mich dazu gezwungen etwas zu unternehmen! Donnerstag war ich mit Jule im Theater. Freitag hatten wir Weihnachtsfeier vom Unternehmen und am Samstag war ich das erste Mal wieder in unserem Club in Bonn. Weißt du noch? Wir waren auch schon mal zusammen mit Jule da und haben uns total gelangweilt, weil wir lieber unsere Zeit für uns haben wollten und lieber alleine gewesen wären.

Im Club hat mich ein Typ angesprochen und ich habe mich lange mit Ihm unterhalten. Es war nett, aber die meiste Zeit habe ich Ihn nur mit Dir verglichen: wie er redete, wie er sein Glas hielt, wie er lachte und was er sagte... nichts war so wie bei Dir und es war mehr ein Zwang mich weinter zu unterhalten. Am liebsten wäre ich weggelaufen! Du hast viel geistreicher gesprochen, Du hast Dein Glas viel lockerer gehalten, Du hast viel ungezwungener gelacht und Deine Gespräche waren viel spannender und lustiger. Wieso konntest Du es nicht sein...

Sonntags habe ich dann wieder auf meinem Sofa gelegen, meine vier Wände haben mir so viel Geborgenheit gegeben wie lange nicht mehr. Nie wieder möchte ich da raus, nie wieder Erwartungen an einen Abend und an die Menschen haben, die er oder sie nicht erfüllen können. Ich habe mich mit meinen Zigaretten und meinem Fernsehen so wohl gefühlt und mich geärgert, dass ich nicht das ganze Wochenende dort verbracht habe. Ich weiß, Du würdest Dich freuen wenn ich mich mehr ablenken würde und mehr unternehmen würde, aber ich will nicht. Lass mich, ich versuche mein Bestes um mit der Situation umzugehen.

Was ist das eigentlich für eine komische Sache mit der Trauer? Heute hatte ich mir den Film Tristan und Isolde ausgeliehen. Die beiden verlieben sich und können niemals zusammen sein, und als sie es endlich könnten, stirbt Tristan... Ich konnte nicht weinen, wieso weiß ich nicht. Früher habe ich über jede Kleinigkeit geweint. Und jetzt? Bin ich durch meine eigene Trauer kalt geworden? Und wieso sieht es in den Filmen immer so einfach aus? Was passiert wenn jemand im Film gestorben ist... anscheinend nichts was den Zuschauer interessieren könnte??? Ich kann Dir sagen was passiert: Einsamkeit, Angst, Ohnmachtsgefühl, Panik, Vorwürfe, Selbstmordgedanken, Traurigkeit.... und keine Ahnung wie die Zukunft aussehen soll.

Ich hatte schon immer Verlustängst, meine Eltern trennten sich da war ich sechs. Schon immer hatte ich Angst Freunde oder Familienmitglieder zu verlieren. Ich bin schon immer Harmoniebedürftig gewese, habe mich nie gestritten und wollte es immer leicht haben. Und jetzt? Nicht nur das ich jetzt mit dem Endgültigsten aller Sachen fertig werden muß, mit Deinem Tod, nein, ich traue der Zukunft auch nicht mehr. Wie soll ich noch an etwas glauben, wie soll ich Vertrauen haben oder aufbauen? Wie soll es weiter gehen? Ich hatte so viele Träume mit Dir und alles ist zerplatzt wie ein Luftballon. Da glaubst Du doch nicht, dass ich jemals wieder an das Gute glaube. Nein, dass ist mit Dir gegangen und hat mir gezeigt, das meine Angst immer begründet war. Nichts ist unendlich, nichts für immer.

Doch warte, etwas gibt es: meine LIEBE zu Dir!

Lillian2207
30.11.2006, 12:51
Mein lieber Schatz,

heute ist kein guter Tag. Ich habe schon im Auto auf dem Weg zur Arbeit geweint und denke die ganze Zeit an ganz schreckliche Dinge. Ich kann mich überhaupt nicht ablenken, keine Ahnung wieso mir mein Gehirn keine Pause gönnt. Immer wieder sehe ich Dich, immer wieder guckst du mich an und lächelst mir zu. Und dann verändert sich das Bild und ich sehe viel schlimmere Dinge vor meinem geistigen Auge:

Flammen, immer wieder Flammen und ein total zertrümmertes Auto. Wie wenig ist von diesem Auto übrig. Ich gehe auf die Unfallstelle zu, an Wrackteilen vorbei, trete ausversehen auf Stoßstangenteile und Kabelstücke. Die Flammen lassen mich nicht nahe genug an das Auto um Dir helfen zu können. Ich starre mit offenem Mund auf die Fahrertür, dahin wo eine Fahrertür hätte sein müssen.... und sehe Deinen Schatten.

Ich sehe den Haustürschlüssel den ich für Dich hab machen lassen auf dem Rücksitz liegen. Das Schlüsselband ist längst verbrannt und die Schlüssel biegen sich leicht durch die hohe Gradzahl im Auto. Ich sehe Deine Hand, an dem unser Ring ist. Er rutscht runter und landet im Fußraum. Auch er kann den Flammen nicht entkommen und schmilzt. Einfach so! Als ob er nichts zu bedeuten hätte. Aber er war ein Zeichen für unsere Liebe! Ich hatte Ihn Dir in Barcelona gekauft. Ohne Vorwarnung habe ich Ihn in einem Geschäft gesehen und Dich gebeten, ihn wegen der Größe anzuprobieren und dann habe ich Ihn Dir geschenkt. Du warst total verdattert und hast Dich wie ein König gefreut.

Man hat den Ring nicht gefunden, er ist einfach weg. Wie Du, mein Schatz, einfach weg bist. Keine Verabschiedung, kein auf Wiedersehen, keinerlei Hoffnung. Ich weiß noch wie ich mit deinem Chef gesprochen hatte, an dem Morgen an dem ich schon fast verrückt geworden war vor Sorge. Und er mir zuerst nur sagte, dass Du den Tag vorher nicht auf der Arbeit warst. Ich wußte, es mußte etwas schreckliches passiert sein, wenn Du nicht in München angekommen warst, aber ich dachte an einen "leichten" Unfall, an einen, den wir beide gemeistert hätten. Ich wollte Dich finden, ich wollte das Krankenhaus finden in dem ich dich vermutete. Ich wollte es schaffen, ich wollte Dir zur Hilfe eilen..... Aber Du warst einfach weg, aus aller Menschen Leben getreten.

Wenn ich heute hier sitze und an Dich denke, sehe ich nur diese schrecklichen Bilder. Wieso kann ich nichts schönes sehen? Die Tage sind so unterschiedlich geworden. Mal lassen mich die schlimmen Bilder in Ruhe und ich kann an Dich denken mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, und dann kommen Tage, die so grausam sind, und mich einfach nicht loslassen. Wie heute.

Ich muß wieder anfangen zu paddeln. Solche tiefen Löcher verlangen das ich aus ihnen hervor paddel und versuche, meinen Kopf über Wasser zu bekommen. Manchmal paddel ich wie ein Weltmeister, aber es kommt nichts dabei raus, ich ertrinke in Erinnerungen an Dich. Das Wasser läuft mir in Mund und Nase und nichts hält es auf. Dann mag ich nicht mehr, dann kann ich dieses Leben einfach nicht verstehen und muß wieder ganz von vorne anfangen....

Dafür wollte ich nicht Leben! Ich wollte ein einfaches aber glückliches Leben. Sowas habe ich nicht gewollt, an sowas hätte ich nie gedacht! Es wird immer ein Teil meines Lebens bleiben, ich werde es niemals loswerden können....

Ich liebe Dich mein Herz! Wie schön hätte alles sein können....

Datakrfj
30.11.2006, 12:56
Ich denk an Dich! :wangenkuss:

Lillian2207
01.12.2006, 11:25
Vielen Dank dafür, liebe Datakrfj!

Lillian2207
04.12.2006, 11:05
Mein lieber Schatz,

Montagmorgen und ein langweiliges Wochenende liegt hinter mir... Wann kann ich endlich mal etwas anderes an Dich schreiben? Etwas schönes, etwas aussergewöhnliches, etwas lustiges? Immer wieder ist es das Gleiche: es ist Freitag, ich habe die Arbeitswoche mehr schlecht als recht hinter mich gebracht, ich "freue" mich auf zwei Tage ohne Arbeit und dann rutsche ich in das Loch. Es ist immer da, jeden Freitag, es wartet auf mich und ich kann Ihm nicht entgehen!

Weißt Du noch wie ich zu Dir nach München geflogen bin. Ich hatte angedeutet, dass ich gar nicht gerne fliege, aber ich habe Dir nicht erzählt, dass es für mich eine große Überwindung war, in ein Flugzeug zu steigen. Ich wollte mega Cool sein und keine Blöße zeigen und habe den günstigen Flug gebucht um einmal nicht 5 Stunden bis zu Dir zu brauchen, sondern nur eine und dafür mehr Zeit mit Dir zusammen zu haben. Boah hatte ich muffensausen....Mir war es schon schlecht als mein Vater mich zum Flughafen nach Köln gefahren hat, mir drehte sich der Magen um als ich eincheckte, ich saß mit Übelkeit im Café und wartete auf meinen Aufruf. Du weißt nur wie ich aus der Ankunftshalle gekommen bin, aber Du hast keine Ahnung, was ich bis dahin alles durchgemacht hatte.

Als ich endlich zwischen all den Kurzurlaubern und Businessmenschen im Flieger saß, hatte ich schon vier Reisekaugummis gegessen und Baldrian intus. Ich hatte mir eine Illustrierte gekauft um mich abzulenken und versuchte meine Fensteraussicht zu ignorieren. Der Typ neben mir fragte mich noch ob ich nicht gerne fliegen würde, keine Ahnung wieso man mir das ansah aber da hob das Flugzeug schon ab. "Gleich bin ich bei Dir, nicht mehr lange. Gleich bin ich bei Dir...." habe ich mir immer wieder vorgebetet und dann landeten wir auch schon.

Jetzt wurde es erst richtig verrückt, denn jetzt war der Flug gleich vergessen und ich wollte nur noch die nächste Toilette ansteuern um einen Blick in den Spiegel zu werfen und mein Aussehen zu kontrolieren. Ich wollte schön sein für Dich. Ich wollte nicht abgekämpft aussehen. Also lief ich gleich zum nächsten Waschraum und habe mein Outfit verbessert. Hier noch ein bisschen Schminke, den dicken Pulli aus und über die Schultern drapiert, Kamm raus und die Haare gestylt. Ich hatte alles dabei, selbst Haarspray, was ich sonst nie benutze. Wenn mich jemand beobachtet hätte.... Als ich zum Gepäckband kam, umrundete meine Tasche wahrscheinlich das Band schon zum 10ten mal und ich war fast allein auf weiter Flur. Was mir gar nicht recht war, denn ich wollte mit jemanden zusammen aus dem Gade gehen, damit es nicht so peinlich werden würde....

Naja, es wurde peinlich. Peinlicher hätte es gar nicht werden können. Als ich alleine aus der Tür kam, standen da immer noch total viele Menschen, und alle glotzten mich an. Ich blieb aufgeregt stehen und habe nach Dir Ausschau gehalten, konnte Dich aber nicht sofort entdecken. Mit hochroten Kopf, weil ich zurecht dachte Du stehst irgendwo und beobachtest mich, bin ich weiter gegangen. Und dann bist Du auf mich zu gekommen, eine Rose in der Hand, hast mich umarmt und geküsst... und alles vor unzähligen Menschen! Meine Geschichtsfarbe wechselte von rot in neon pink und Du hast Dich über mich amüsiert. Tja, dafür habe ich Dir diese Peinlichkeit in der Ankunftshalle des Kölner Flughafens ein paar Wochen später auch nicht erspart!

Ich sehe Dich so oft, wie Du da auf mich zukommst mit der Rose in der Hand und glücklich lächelst. Die Rose habe ich damals bei Dir getrocknet und an Deine Pinnwand gehängt. Nach Deinem Tod hatte Sie Deine Mutter mit all den Fotos und Kleinigkeiten von der Pinnwand mitgenommen und zum Schluß fand Sie ihren Platz auf dem Friedhof. Was für eine Reise. Wie traurig ist das?

Ich kann kaum beschreiben, welche Gefühle ich an dem Tag auf dem Weg zu Dir hatte. Es waren so viele. Aber Du hast mich nur mit hochroten Kopf und nervös in der Ankunftshalle gesehen. Schatz, ich war so nervös, weil ich Dich wiedersehen sollte, weil ich Dich so liebe, weil ich voller Vorfreude war. Ich bin für Dich geflogen und jede Minute die ich dadurch mehr mit Dir zusammen hatte, hat das gerechtfertigt! Was für ein schönes Wochenende das doch war....

Ich liebe Dich mein Schätzle! Vergiss mich nicht!

Lillian2207
06.12.2006, 11:39
Mein Liebling!

Alles alles liebe zum Nikolaus! Ich wünsche Dir, wo immer Du auch bist, das es Dir gut geht, das Du glücklich bist, und das Du auch ein bisschen an uns denkst!

Wir sind so einsam ohne Dich, Du fehst an allen Ecken. Letztes Jahr hast du den Tag durch Deine Lebensfreude erhellt! Du warst da und ich habe es als selbstverständlich betrachtet. Heute weiß ich, wieviel Glück es eigentlich war. Ich hätte jeden Moment festhalten müssen. Jede kleinste Kleinigkeit wie den größten Schatz behandeln müssen! Deine eMails, Deine Briefe, Deine Postkarten, Deine Besuche!

Ich möchte Dir einen Nikolausteller hinstellen können, nachts wenn Du schläfst, und Dich morgens darüber lächeln sehen. Ich möchte mit Dir zusammen die Wohnung schmücken und einen Baum aussuchen. Ich möchte mit Dir Plätzchen backen und nach Geschenke suchen. Eine Kleinigkeit für jeden der uns am Herzen liegt.

Ich werde Dich heute wieder auf dem Friedhof besuchen. Ich werde im Auto dort hinfahren, an hell erleuchteten Fenstern, bunt für Weihnachten geschmückt. Es ist so ungerecht! So unglaublich ungerecht. Wer hat gesagt, dass das Leben schön ist? Wer war das? Hat dieser Mensch jemals getrauert? Weiß der wie es ist, morgens ohne Dich aufzuwachen? Nein scheinbar nicht, denn er hat sich sehr geirrt. Das Leben ist nicht schön, es muß "überlebt" und nicht gelebt werden. Es ist ein täglicher Kampf!

Ich bin es so leid zu kämpfen, ich will Dich zurück!
Ich liebe Dich!

ness
06.12.2006, 11:42
Liebe Lillian!
ich denk an dich, heut zum Nikolo und ich wünsch dir trotz allem alles, alles Liebe für Dich!!
virtuell stell ich dir auch einen nikoloteller hin!!!
ich denk an dich und drück dich!
ness

Datakrfj
06.12.2006, 11:45
Liebe Lillian,

auch von mir einen Nikolaus-Teller (http://www.edelweissimports.com/sellsimages/Page-08---Bunter-1.jpg)!

Liebe Grüße
Data

joy38
06.12.2006, 13:12
@Lillian: alles Gute für Dich. Bin in Gedanken bei Dir.

Lillian2207
07.12.2006, 09:17
Danke Ihr Lieben! :-)

meta1
07.12.2006, 09:27
Liebe Lilian,
wie traurig deine Geschichte ist, ich habe oftmals mitgeweint und heute, ich kann dir nicht sagen warum, muss ich dir einfach schreiben.

Ich drücke dich und stelle dir eine Kerze ins Fenster :kerze: :kerze:

Ich wünschr dir, dass du deine Trauer irgendwann überwinden kannst und dich nur noch an deinen wunderschönen Erinnerungen erfreust.

Lillian2207
08.12.2006, 08:06
Liebe meta1,

darauf hoffe ich auch so sehr. Einfach an Ihn denken zu können ohne zu weinen, mit einem Lächeln auf den Lippen. Er hat es doch so verdient!!!

Ganz lieben Gruß
Lillian

meta1
08.12.2006, 08:12
Lilian, ich denke, nach allem, was du schreibst, würde er es auch so wollen, dich wieder mit einem Lächeln sehen, wieder fröhlich, denn weder er noch du können was ändern. So schlimm es auch ist, es ist passiert.

Ich bin mir auch bewußt, dass es für dich im Moment keinen wirklichen Trost geben kann, und du bestimmt auch schon alle "schlauen" Ratschäge bekommen hast, deshalb will ich dir auch nur sagen, dass Andre bei dir ist, immer und ewig, so lange du es zu lässt.

Ich wünsche dir einen Tag, der dir die Kraft gibt ihn auch zu überstehen und vielleicht langsam wieder ein kleines Lichtlein zu erkennen :kerze:

Lillian2207
08.12.2006, 10:04
Mein lieber Schatz,

gestern war ich bei der Krankengymnastik und habe was für meinen ausgerenkten Nackenwirbel getan. Langsam hilft es und ich kann Nachts wieder einigermaßen schlafen ohne mit Schmerzen aufzuwachen. Nach der Gymnastik hat mich der Krankengymnast noch etwas massiert und immer wenn er über die Arme gestrichen hat, haben seine Hände meine berührt und sind kurze Zeit in meinen Händen liegen geblieben. Ich hatte die Augen zu und die Erinnerung kam wie ein Blitz: So fühlte es sich an, wenn ich jemanden an die Hand genommen habe, wenn ich Deine Hand genommen habe. Seit über 7 Monaten habe ich niemandes Hände gehalten, keine Nähe gespürt und dann liege ich auf der Liege beim Krankengymnast und 1000 Gefühle übermannen mich.

Deine Hände waren rauer als die des Krankengymnasts, Deine Finger länger. Du hast mich entschlossen festgehalten, nicht zaghaft sondern mit Kraft. Wir haben uns immer und überall festhalten müssen, wir sind nie nur so nebeneinander her gegangen. Schon bei unserem ersten Besuch in Würzburg, wo wir uns vorher nur einmal im Auto geküsst hatten, sind wir aus dem Auto ausgestiegen, Richtung Innenstadt gegangen und haben sofort unsere Hände genommen. Als ob es nie etwas anderes gegeben hätte, als ob wir Magneten in den Handflächen gehabt hätten.

Ich hatte die Augen zu bei der Massage und so viele Gefühle übermannten mich. Mir kamen die Tränen und liefen in das Laken unter meinem Gesicht. Ich konnte kaum Atmen und wartete nur darauf wie die Hände des Masseurs wieder in meine glitten. Ich hätte am liebsten zugegriffen, sie festgehalten....

Weihnachten! Bald ist es soweit. Ich weiß nicht wie ich ohne Dich feiern kann. Letztes Jahr hast Du mir ein so großes Geschenk gemacht. Du hast mit mir Deine Zukunft geplant. Wie soll es bloß ohne Dich weiter gehen? Vorgestern war ich bei meiner Therapeutin und sie hat mich gefragt, ob ich an irgendetwas wieder Spaß entwickelt hätte. Ich mußte lange nachdenken, aber ich konnte etwas nenne. Meine wenigen Freundschaften die ich noch habe, sind tiefer geworden. Gespräche sind wichtiger geworden. Meine Freizeit gestallte ich nur noch so, wie mir wirklich danach ist. Meine Mutter ist meine beste Freundin geworden und ich fühle mich gut damit. Es gibt nichts oberflächliches in meinem Leben, die Sichtweisen haben sich geändert. Das ist gut, das macht vieles Wertvoll. Aber Spaß? Nein ich glaube Spaß ist das falsche Wort....

Ich kann mich immer noch nicht damit abfinden, dass Du weg sein sollst. Nach über 7 Monaten halte ich dich immer noch fest. Manchmal sag mir mein Kopf: er ist weg, das mußt du akzeptieren! Lebe endlich damit! Und dann nehme ich mein Handy und lese Deine letzten Sms und weine bitterlich. Denn unter jeder Sms steht ein Datum. Und jedes Datum sagt mir wie lange Du da noch gelebt hast. Zwei Monate, zwei Wochen, zwei Tage. Wer wird mir jemals nochmal solche einfühlsame Sms schreiben? "Ich liebe Dich so sehr, das es manchmal schmerzt!", "Ich kann es kaum erwarten Dich zu sehen, zu fühlen, zu schmecken. Warum bist Du soweit weg".... Sie sind noch da in meinem Handy genauso wie Du noch in meinem Leben bist!

Ich liebe Dich mein Schatz, mag nicht ohne Dich sein!

ness
08.12.2006, 10:26
Liebe Lillian!
gut zu hören, dass du besser schlafen kannst in der nacht.
wie gern würd ich dich umarmen, ich fühl mich so hilflos vor meinem pc.
du hast tapfer durchgehalten. du bist so stark, ich bewundere deine haltung!!!
ich wünsche dir, dass du wieder glück in deinem leben finden kannst und auch spaß empfindest. aus dem herzen lachen kannst.
André hätte das sicher auch gewollt für dich.
ich drück dich!!!
ness

Inaktiver User
08.12.2006, 21:23
Liebe Lillian,
ich finde es schön zu lesen, wie du über deine mama schreibst und über deine tiefen freundschaften. ich bin froh zu lesen, dass du nicht alleine bist. und andré ist bei dir..ganz bestimmt.
ich schicke dir ein kleines adventslicht!!
LG,
Lillan

Lillian2207
11.12.2006, 11:38
Hallo mein lieber Schatz,

das Wochenende ist rum und ich sitze wieder hier und denke an Dich! Was habe ich nur getan, dass mich das Pech so erwischen mußte? Gibt es eigentlich Glück und Pech oder nur Schicksal? Ich weiß es nicht und werde es nie wissen, aber ich fühle mich richtig vom Pech verfolgt. Seit gestern kämpfe ich mit einer Erkältung, ich hab die Nebenhöhlen zu und mein Kopf ist schwer und ich habe ziemlich schlimme Kopfschmerzen. Kommen dies ganzen Bläsuren von meiner Seele? Ist meine Seele so verletzt, das mein Körper leiden muß? Wieso kann ich nicht wenigstens körperlich fit sein, wenn ich seelisch leide? Wahrscheinlich hängt einfach alles zusammen und das eine geht mit dem anderen Hand in Hand.... ICH WILL GESUND SEIN, ich falle allen auf den Wecker!

Samstag nachmittag habe ich mich aufgerappelt und bin mit meiner Mutter in die kölner Innenstadt gefahren um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Das war eine sehr dumme Idee, denn eigentlich weiß jeder, das vor Weihnachten die Stadt brechend voll ist und an ein entspanntes Einkaufen nicht zu denken ist. Ich habe für meine Familie alles gekauft was ich brauchte und hätte dann für meine Freundin gucken können, aber irgendwie habe ich immer nur Dinge gefunden, die ein tolles Geschenk für Dich gewesen wären. Komisch, denn als wir noch zusammen waren und ich nach einem Geschenk für Dich gesucht hatte, hatte ich nie was schönes gefunden.... Samstag waren es 1000 Dinge die schön für Dich gewesen wären!

Als wir in einem Laden in der Ehrenstrasse waren, viel mir auf, dass ich schon mit Dir dort gewesen war. Wir haben Schuhe für Dich und ein Kleid für mich angeschaut. Du hast hinten auf einem Sofa gesessen und auf mich gewartet, bis ich aus der Umkleide gekommen bin. Wenn ich mich jetzt daran zurück erinnere, kann ich mich sogar genau an den Schnitt des Kleides erinnern. Du hast damals dort in dem Laden Fotos von mir gemacht. Sie sind sehr schön geworden, locker und gut gelaunt! Wir hatten überall einfach nur Spaß und jetzt....? Jetzt folge ich meiner Mutter durch die Stadt, habe den Kopf gesenkt und kaum Lust irgenwo rein zu gehen. Und dann die ganzen Pärchen, überall sind nur Pärchen unterwegs. Kannst Du Dir vorstellen wie ich mich damit fühle. Überall gute Laune, lachen, küssen, umarmen.... ich will das auch, ich will Dich hier haben und dich auch lachend umarmen und küssen.

Wenn ich dann wieder in meiner Küche sitze und an Dich denke, dann kommen mir mal wieder die Tränen. Ich versuche mich an so viel wichtiges zurück zu erinnern. Wie haben sich deine Bartstoppeln angefühlt, wie sah Dein Mund aus, wenn Du gelächelt hast? Wie hast Du vor dem Herd gestanden, als Du für mich gekocht hast? So viele kleine Dinge, wo ich Angst habe, sie schon vergessen zu haben! Und dann kommt wieder eine Erinnerung, die so stark ist, als ob Du selbst da wärst. Als ob keine 7 Monate dazwischen liegen würden, als ob es gestern gewesen wäre.

Manchmal sehe ich Dich. Einfach so vor meinen Augen. Als ob Du dich davorschiebst um mich zu besuchen. Du bist zum Greifen nahe und ich strecke die Hand nach Dir aus. Aber immer greife ich ins Leere, nie erwische ich Deine Wange, Deine Hände oder Deine Brust. Ich freue mich ja über diese Besuche, sie zeigen mir, dass Du real warst. Denn ich bin schon soweit, dass ich manchmal denke, dass all diese schöne Zeit gar nicht echt war. Sie ist schon so lange vorbei....

Ich liebe Dich mein Schatz, ich denk an Dich und drück Dich ganz fest!

Inaktiver User
11.12.2006, 15:11
Arme, liebe Lilian,
ich bin Deinen Trauerphasen immer ein paar Monate voraus.
Darf ich dir ganz zart sagen, daß Deine Bilder schwächer werden müssen? Als dies bei mir einsetzte, war ich völlig aufgelöst, weil ich keine Sekunde vergessen wollte. Aber mit dieser Intensität der Erinnerungen können wir nicht weiterleben, so wir denn weiterleben wollen. Dies ist kein Verrat, sondern lebensnotwendig.
Um Deine jetzige Zeit herum setzten bei mir auch sämtliche Erkrankungen ein, die nun wieder abklingen. Ja, ich denke, sie sind ein Ausdruck der Schmerzen, die in uns wüten.
Ich habe viel Kraft und Wut verbraucht, mich gegen das Loslassen zu wehren. Ich kann meinen Liebsten nicht loslassen. Aber ihn integrieren, in mir das behüten, was ich von ihm bekommen und gelernt habe.
"Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt".....
Alles Liebe

Pemaus
11.12.2006, 17:13
Ich trage dein Herz

Ich trage dein Herz bei mir. Ich
trage es in meinen Herzen. Nie bin ich ohne es.
Wohin ich auch gehe , gehst du meine teure.
Und was auch nur von mir allein gemacht wird, ist
dein Werk, mein Schatz.
Ich fürchte kein Schicksal, weil du mein Schicksal bist, mein Liebling.
Ich will keine Welt, weil du meine schöne,
meine Welt bist, meine Liebste.
Hier ist das tiefste Geheimnis um das keiner weiß.
Hier ist die Wurzel der Wurzel.
Und die Knospe derKnospe.
Und der Himmel des Himmels, eines Baumes Namens Leben.
Der höher wächst als unsere Seele
hoffen, unser Geist verstecken kann.
Das ist das Wunder, das den
Himmel zusammen hält.
Ich trage deinHerz.
Ich trage es in meinen Herzen.

E.E.Cummings

Ganz liebe Grüße

Lillian2207
12.12.2006, 10:07
Hallo Sonntagskatze,

danke für die Antwort. Es ist wichtig für mich zu wissen, ob ich "normal" trauer, oder nicht. Ich mache mir riesige Sorgen darüber. Manchmal denke ich, ich habe alles gemacht, was ich machen konnte: Therapie, Trauerbegleitung, ärztliche Begleitung, das Forum hier wo ich all meine Gedanken und Gefühle beschreiben darf... Dann denke ich wieder: ich bin so oft krank, vielleicht mache ich irgendetwas falsch? Ich habe immer noch so schwere Rückschläge, das kann doch nicht normal sein....

Aber ich habe mal gelesen, das Trauer nicht definiert werden kann. Jeder trauert anders, der eine brauch Jahre der andere nur Monate. Meine Therapeutin sagt, ich müsse mir ein Stopschild vorstellen, wenn mich wieder die Erinnerungen übermannen. Aber ich will Ihn doch auch nicht vergessen. Das kann ich ja auch gar nicht. Wie schaffst Du es die Bilder einzuschränken? Und wie gehts Dir denn heute? Gibt es bei Dir auch noch so viele Löcher???

Lieben Gruß
Lillian

Lillian2207
12.12.2006, 10:14
Liebe Pemaus,

danke für Dein schönes Gedicht! Sowas rührt mich zu Tränen!

Lieben Gruß an Dich
Lillian

Inaktiver User
12.12.2006, 19:39
Du trauerst völlig "normal".
Eher unnormal ist, daß Du, ich und viele andere hier sich weigern, zur Tagesordnung überzugehen und zu funktionieren. Und das ist gut so!!!
Ich habe nichts dazu getan, Bilder schwächer werden zu lassen. Dazu wäre ich gar nicht in der Lage gewesen. Es geschah unmerklich von selbst, weil der Körper/das Gedächtnis auf diesem hohen Level die Qualen nicht aushält und langsam runterfährt.
Dein Kopf dir irgendwann mal Auszeiten gönnt, Dein Herz an manchen Tag nicht diesen sirrenden Schmerz produziert. Die Wellen werden länger und weicher. Ich habe, wie Du, auch alles bewußt gemacht, mich um mich gekümmert - und trotzdem hatte ich im September genau nach einem Jahr, das Gefühl, nun "ver -rückt" zu werden. Es ist jetzt wieder abgeflaut, aber Trauerleute sagen, auch das ist völlig normal.
Alles Liebe

Miami
12.12.2006, 21:34
Liebe Lillian2207,

ich bin heute durch Zufall auf Deine Geschichte gestoßen und konnte nicht mehr aufhören zu lesen.
Es ging mir so nah was Dir passiert ist, ich konnte nur noch weinen.
Ich finde das Du das ganz toll machst, und ich bewundere Dich wie stark Du bist.
Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich an Deiner Stelle wohl nicht mehr in der Lage wäre hier zu posten, zu leben.

Und deshalb wollte ich Dir sagen, Du schaffst das. Du hast Lebenswillen und Andrè kann stolz auf Dich sein.

Ich glaube, dass man sich nicht nur im Leben, sondern in ALLEN Leben immer 2x trifft. Und wenn es sein soll, trefft Ihr euch irgendwann irgendwo bestimmt wieder.

Liebe Grüße

Miami

Henner
14.12.2006, 07:44
Liebe Lilian

Heute vor 15 Jahren ist mein Daddy gestorben. Und deshalb poste ich hier wiedereinmal, weil ich heute beim Starten des Computers an Dich denken musste.
Ich dachte damals auch, ich würde «falsch» trauern, weil ich monatelang wie paralysiert durch die Gegend lief und überhaupt nichts wahrnahm. Wie Sonntagskatze beschreibt, so ist es mir gegangen. Die Wellen werden länger und weicher. Heute kann ich mit einem leisen Schmerz und ganz viel Liebe an meinen Daddy denken. Ich hoffe sehr, dass Dir das auch mal gelingt. Lass Dir Zeit dafür.

Lieben Gruss
Henner

Lillian2207
14.12.2006, 14:16
Hallo Ihr Lieben,

@ Sontagskatze,
ja, ich bringe es auch nicht übers Herz einen Gedanken "abzuwürgen" oder "wegzuschieben" wenn er aufkommt. Ich muß doch da durch. Sonst kommt es an irgendeinem anderen Tag noch viel schlimmer. Gestern habe ich mit einer Freundin telefoniert und habe Ihr die Geschicht erzählt, wie André damals mit uns hier im Rheinland Karneval gefeiert hat, und sich mit unserem Bier überschätze! Ich habe Ihr das erzählt und mußte wieder sehr über diese Situation lachen! Es war damals so nett mit Ihm, so lustig. Da dachte ich bei mir: Alle die mir geschrieben haben, das irgendwann ein bisschen Abstand kommen wird, hatten Recht. Da war gestern schon ein wenig davon, so, dass ich lachen konnte. Naja, leider nicht lang, denn es hat mich dann gestern doch noch zu Tränen gebracht und ich war wieder sehr traurig. Aber dieser kleine Moment, er war da und hat mir gezeigt, dass kleine Besserungen kommen!

@ Miami,

ich hoffe Du hast Recht und wir sehen uns 2x! Dann würde ich meinem Schatz in einem anderen Leben wiedersehen. Ich danke Dir, dass Du mir Mut machst. Ich finde mich selbst nicht stark, ich bin nur meinen Gefühlen gefolgt. Aber wenn ich jetzt so zurück denke, dann war es gut: nach drei Wochen wieder arbeiten zu gehen, auch wenn man nur funktioniert, zum Arzt, zur Therapie und zur Trauerbegleitung zu gehen und nur das in seiner Freizeit zu machen, was man auch wirklich will. Leider hat mir das Letzte aber auch schlechtes eingebrockt, meine Freunde haben sich von mir abgewandt und melden sich nicht mehr bei mir, weil sie wissen, dass ich auf viele Aktivitäten keine Lust mehr habe. Aber das ist ein langes anderes Thema! Danke Dir für Deine lieben Worte. Ich mußte ein wenig schlucken als ich sie laß, denn es zeigt mir immer wieder auf, das mein Leben doch so völlig anders läuft als ich es geplant hatte: ich muß um meine Liebe trauern und kann sie nicht mehr leben!

@ Henner,

schön das Du mir nochmal geschrieben hast! Ich wünsche Dir in den kommenden Tagen eine große Portion Stärke, dass Du den Todestag Deines Vaters bestehst! An solchen Tagen kommt wieder alles hoch und man ist hilflos! Für mich ist Weihnachten nächste Woche so ein Meilenstein. Ich graule mich davor auf den Friedhof gehen zu müssen, vielleicht mit einem Weihnachtsstern den ich dort hinstelle. Ich wäre so gerne auf Weihnachtsgeschenketour für André gegangen, hätte Ihn mit etwas schönen überraschen wollen. Vielleicht mit einem Wochenendtripp in ein schönes Hotel, nur wir zwei für uns. Oder Konzertkarten, oder Eintrittskarten in eine Skihalle, dass wir zusammen Snowboard gefahren wären... Immer wenn ich für andere ein Geschenk aussuchen will, fallen mir nur Dinge für meinen Schatz ein.... Ich denke an Dich, halt Dich wacker!!!!

Ich drücke Euch und wünsche Euch einen schönen dritten Advent!
Ganz lieben Gruß
Lillian

Lillian2207
15.12.2006, 11:10
Mein Liebling,

letzte Nacht hast Du mich endlich einmal besucht. Du warst in meinem Traum, ich konnte Dich ganz klar sehen und ich konnte mich sogar mit Dir unterhalten. Ich habe geträumt, dass Du plötzlich einfach vor meiner Tür gestanden hast. Du hast geklingelt und warst einfach da. Ich war wie vom Blitz getroffen und habe Dich mit weiten Augen angeschaut. Wo bist Du bloß gewesen, habe ich Dich gefragt. Du hast Dich nur entschuldigt und bist eingetreten. Dann habe ich dich hungernd umarmt. So fest wie ich nur konnte, habe Dich nicht mehr losgelassen.

Deine Umarmung war so real. Ich konnte Deine Arme spüren, erst um meinen Hals, dann meinen Rücken entlang bis sie auf meinem Po liegengeblieben sind. Lange haben wir uns umarmt, ich habe mich an Dir festgeklammert, habe mein Gesicht an Deinen Hals gelegt und Deinen Geruch aufgenommen. Dein ganzer Körper lag an meinem, ich konnte Dich überall spüren. So lange, so lange bis ich endlich meinen Kopf gehoben habe und in Deinen Bart gebissen habe und Du laut losgelacht hast. Ich hab Dich aufs Bett gezogen und dich geknutscht und Du hast die ganze Zeit gelacht. Es war so echt, wir waren da. Wir haben uns auf dem Bett gerollt und uns in den Armen gelegen.

Dann habe ich Dich aufgefordert aufzustehen und mit raus zu kommen. Ich wollte Dich allen Menschen zeigen, meiner Mutter, meiner Omi, meinen Freunden. Sie sollten sehen das Du wieder da bist, ich Dich wieder habe. Aber Du wolltest nicht. Du hast lächelnt gesagt, dass ich doch wüßte, dass Du nicht da mit rausgehen könntest. Du könntest nur hier sein, das wäre das einzige, was Du für mich tuen könntest. Nur hier in meinen vier Wänden, so lange wie es dauern würde, so lange wie ich bei Dir sein könnte. Ich war so enttäuscht. Bin aufgestanden und aus der Wohnung gelaufen. Ich habe auf der Strasse einen Deiner Freunde getroffen und Ihm erzählt: hör mal!!! André ist da!!! Tatsächlich, er ist da. Bei mir in der Wohnung oben! Doch der Freund hat mir nicht geglaubt. Ich habe Ihn genötigt mit zu kommen um sich selbst zu überzeugen und er ist auch mitgekommen. Aber die Wohnung war leer. Das Bett war leer. Die Kissen und die Decke noch zerwühlt aber leer und ich stand da und habe nur Leere gespürt.

Als ich heute morgen aufgewacht bin, ging mein erster Blick neben mich, zu dem Platz wo Du immer gelegen hast. Leer. Aber das Gefühl unserer Umarmung war noch so präsent. Die Wärme noch da, der Druck auf meinen Schultern noch da. Es war wirklich, Du warst bei mir und jetzt sitze ich hier und weine bitterlich während ich das schreibe, weil Du mir so fehlst. Die Nähe die fehlt ist das Schlimmste! Dieser Durst nach Berührungen, die Vertrautheit, das Glück das in mir aufkeimte jedes Mal wenn ich eine sms oder eine Email bekam. Als ob jemand in mir ein Licht angeknipst hat. Oft sitze ich daheim und erinnere mich daran wie es war wenn dieses Licht in mir anging. Wie wundervoll es war, wie sehr ich es vermisse, aber wie sehr ich es auch schon vergessen hatte. Es war doch damals täglich da dieses Licht und jetzt geht mein Leben durch Dunkelheit. Aber manchmal merke ich das gar nicht mehr, so ist mein Leben eben. Der Mensch gewöhnt sich einfach um, als ob es nie so gewesen wäre.

Diese Wochenende bin ich ganz allein. Meine beste Freundin hat sich entgültig abgewannt, geht jetzt aus mit Ihrer Arbeitskollegin und hat keine Zeit für mich. Seit drei Wochen habe ich Sie nicht mehr gesehen. Gut, wir telefonieren. Beim letzten Mal hat Sie mich gefragt, was ich mir von Ihr zu Weihnachten wünsche, und ich hätte am liebsten gesagt: Zeit! Zeit von Dir für mich. Vielleicht mal für einen Abend bei mir, wo ich für uns was koche und wir uns endlich wieder unterhalten. Aber ich habe es nicht gesagt. Hätte ich es Ihr gesagt, hätte das bestimmt einen Streit ausgelöst. Denn Sie wirft mir auch vor, dass ich mich nicht überwinden kann, endlich wieder auszugehen. Und sie kann mich nicht verstehen, dass ich in meinen schützenden vier Wänden sein möchte....

Was soll ich bloß Freitag, Samstag und Sonntag tun? Ich habe nicht den leisesten Schimmer. Das wird ein trauriges Wochenende...traurig und einsam!

Ich liebe Dich mein lieblings Münchner! Du hast mein Leben erhellt!

ness
15.12.2006, 12:06
ich umarm dich ganz fest, liebe Lillian und schweig tief betroffen.

ness

Inaktiver User
15.12.2006, 14:00
Lilian,
das muss kein trauriges Wochenende werden - er sagte dir doch, mehr könne er nicht für dich tun.
Hör mal, das ist für Verstorbene nicht so einfach, auf eine Ebene zu kommen, in der sie unser Bewußtsein erreichen können.
Freu dich doch, dass er das für dich getan hat.
Halte dieses schöne Gefühl fest, wiederhole es in Gedanken immer wieder, bewahre dir die Vorstellung im Herzen, dann kannst du "es" immer wieder abrufen, wenn die Einsamkeit dich übermannt.

Das ist ein besonderes Geschenk, was du da erhalten hast von deinem bärtigen Münchner ;-)

Und deine "Freunde" , laß sie fahren....
Du brauchst neue Freunde. Wenn die Zeit reif ist, wirst du sie finden oder sie dich

Inaktiver User
15.12.2006, 19:48
Liebe Lillian,

Lavendelmond hat Recht. Andre hat dir ein ganz besonderes Geschenk gemacht, er hat dir gezeigt, dass zur Zeit etwas von ihm noch da ist, vielleicht um dir Trost spenden zu können.

Genieße das Wochenende, nimm dir Zeit ihn "zu spüren", macht es euch schön.

Deine Freundin hat sich vielleicht noch nichtabgewand, denn sie möchte dir noch etwas schenken. Die Menschen sind häufig überfordert mit Trauer. kann es sein, dass sie es gut meint und dich vielleicht "zwingen" will wieder vor die Tür zu gehen, weil es in ihren Augen ein Weg der Heilung für dich ist?

Und vielleicht ist es auch ein möglicher Weg...?:blumengabe:

Alles Liebe

prinzessin01979
16.12.2006, 00:10
Liebe Lillian,

ich habe deine beiträge schon die ganze zeit über verfolgt.
Es tut mir sehr leid für Dich, dass Du Deinen Schatz verloren hast...
Ich habe auch einen schatz verloren, meinen kleinen 16 jährigen bruder markus. Er verstarb ende august diesen jahres...
Ich denke, ich kann ziemlich gut nachempfinden, wie es dir geht.
Auch ich schwimme noch in einem gewaltigen gefühlschaos, in einem meer aus tränen und das nicht wissen, wann dieser wahnsinnige schmerz entlich aufhört.

Ich kenne dieses am liebsten zu hause sein, nur zu gut. Am liebsten keinen sehen, nichts hören, einfach nur mit sich alleine sein.
Lass dir die zeit, die du brauchst... wenn du noch nichts unternehmen möchtest, dann brauchst du das auch nicht machen.
Vielleicht möchtest du nocheinmal mit deiner freundin reden, ihr mitteilen, wie du dich immer noch fühlst und viell. versteht u. akzeptiert sie das. Was ich dir sehr wünschen würde...

PS: ich hatte von meinem brüderchen auch einmal geträumt, indem er mich ganz fest umarmte und mein schwesterherz zu mir sagte. Diese umarmung und der traum waren für mich auch ziemlich real und intensiv gewesen. Ich hoffe so sehr, dass sie uns da besuchen in unseren träumen und wir uns eines tages wieder sehen...

Fühl Dich ganz lieb gedrückt,
Melissa.

Lillian2207
18.12.2006, 09:28
Liebe Melissa,

das tut mir so leid mit Deinem Bruder. Ich lese hier immer die Beiträge und bin so erschüttert, wieviel Leid es dort draussen gibt! Und dann schon wieder so ein junger Mensch. Ich frag mich so oft: Wo ist der Schutz den wir von "da oben" erwarten? Wenn noch nicht mal auf so junge Menschen die Hand gehalten wird, wie soll man da noch an etwas glauben.....

Wenn man jemanden verloren hat, dann kann man die Trauer anderer Menschen so gut nachvollziehen. Wo ich früher nur ein paar Worte hatte, da fühlt jetzt mein ganzes Herz mit.

Wie kommen wir nur durch diese dunklen Tage? Ich bin so ausgelaugt, so traurig das es überall schmerzt. Wann hört das endlich einmal auf?????

Ich drück Dich ganz fest! Danke für Deine lieben Worte!!!!
Lillian

Lillian2207
18.12.2006, 10:09
Liebe Lavendelmond, liebe Scarlete,

natürlich habe ich mich auch über Andrés "Besuch" gefreut, aber es zieht eine solche Schwere mit sich. Ich fühle wieder den Schmerz des Verlustes auf meinen Schultern wie ein tonnenschwerer Stein. Dieses Gefühl hatte ich schon ein wenig überstanden und jetzt ist es wieder voll da. Es ist Wahnsinn wie der Körper versucht einem mit "Vergessen" zu helfen, als ob der Körper versucht, einen Schleier über diesen Menschen zu legen. Man erinnert sich an jede gemeinsame Unternehmung, an jedes gesprochene Wort, aber das Bild des Menschen wird doch schwächer. Ich weiß nicht wie ich das finden soll. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich kein Foto direkt so präsent habe sondern es hervor holen muß um drauf zu schauen. Aber da, in meinem Herzen ist ein riesiger Platz nur für Ihn. Er füllt es fast ganz aus. Und manchmal sitze ich auf dem Bett, Stille umgibt mich und ich zwinge mich dazu sein Gesicht vor mir zu sehen. Ist das gut oder schlecht? Sollte man das lassen oder nicht? Ich weiß es nicht.

Wenn ich meine Oma sehe, die Ihr ganzes Leben mit Ihrem Mann zusammen gelebt hat, und dann mit seinem Tod leben muß, dann sehe ich auch, wie lange es dauern kann. Es sind über 6 Jahre her, wo mein Opa verstorben ist, und noch heute ertappe ich sie, wie sie weinend im Wohnzimmer sitzt und nicht mehr kann.

Oft stelle ich mich selbst vor, wie ich im Alter da sitze. Vielleicht habe ich Kinder, vielleicht auch nicht. Vielleicht sitze ich mit Ihnen oder mit einer Freundin beim Kaffee und erinnere mich an meine Leben zurück. Und da wird sie wieder sein, meine verlorene Liebe, und ich kann es nicht fassen, das die Kinder nicht von Ihm sind, dass ich nicht mit Ihm alt geworden bin.....

Lieben Gruß an Euch
Lillian

silu
18.12.2006, 12:36
Genau so geht es mir auch gerade, Lilian...

Es ist so unfassbar, dass wir mit diesem Verlust jetzt wirklich den Rest unseres Lebens leben müssen... Und ich glaube es wird kein TAg vergehen, an dem man nicht an seine große Liebe denkt.

Und ob ich überhaupt noch mal jemanden so lieben werden kann ist doch fraglich. Spricht man nicht immer von "der einen großen Liebe" im Leben? Die habe ich ja schon erlebt, doch sie wurde mir genommen, also was bleibt dann noch?

Silu

Lillian2207
18.12.2006, 16:09
Liebe silu,

ja, ich glaube auch nur an die EINE große Liebe!
Alle sagen: ach warte doch mal ab, du wirst schon wieder lieben können. Vielleicht nicht genauso wie Du den André geliebt hast aber ähnlich.... nur wenn ich schon das Wort "ähnlich" höre, grault es mir, denn er war doch der RICHTIGE, und ich will mich nicht mit etwas ähnlichen begnügen. Das macht mir eher angst als das mich das trösten würde. Wenn man das 100%ige hatte, kann man mit etwas dadrunter doch nicht mehr glücklich werden. Das kann doch nicht möglich sein!? Man hat doch immer einen Vergleich....

LG Lillian

Lillian2207
20.12.2006, 10:01
Mein lieber Schatz,

meine Brust schnürt sich immer mehr zusammen, meine Gefühle und Gedanken werde immer trüber - Weihnachten steht vor der Tür. Entgegen meinem Vorhaben gar nichts an Weihnachten und Silvester zu machen, habe ich jetzt doch einen Tag darauf verwand, Geschenke zu besorgen, Karten zu schreiben und zu verschicken. Meine Karten sind in diesem Jahr viel gefühlsbetonter ausgefallen als jemals zuvor. Der Dank an all die, die in der letzten Zeit für mich da waren, die bei mir waren als all der Schmerz so unendlich war und mich übermannte, war sehr groß. Ich habe mir all das von der Seele geschrieben und werde bei dem einen oder anderen vielleicht sogar für Tränen sorgen.

Ich überlege die ganze Zeit, ob ich entweder über Weihnachten oder Silvester zu Deinen Eltern fahren soll, sie haben mich eingeladen und ich bin herzlich willkommen. Aber München macht mir so eine große Angst. Die Stadt die mir mal so viel Freude gemacht hat, macht mir jetzt nur Angst. Alles dort erinnert an Dich, ich kann keine Minute entfliehen. Ich weiß nicht ob ich das schaffen würde!

Heilig Abend feiern wir jedes Jahr bei meiner Tante. Meine Mutter hat mich gebeten dieses Jahr auf jeden Fall dabei zu sein. Auch wenn das eine Routine für mich ist, so grault es mir vor diesem Abend sogar sehr. Ich weiß nicht wie ich all meinen Verwandten begegnen soll. Darf ich weinen oder nicht? Darf ich von Dir sprechen oder nicht? Verstehen mich die Menschen um mich rum, wenn ich mich nicht verstellen kann, wenn ich traurig bin, wenn es keine Routine gibt?

Ich habe lange überlegt wie wir beide dieses Jahr Weihnachten zusammen gefeiert hätten!? Ich weiß dass Du nicht zu bremsen gewesen wärst, mit mir Plätzchen zu backen, die Wohnung zu schmücken und mit mir Geschenke einkaufen zu gehen. Das hätte Dir super viel Spaß gemacht, Du wärst darin aufgegangen und hättest Dir unglaublich viele Gedanken gemacht. Vor allem bei Deinem Geschenk für mich! Es wäre mit viel Liebe, mit viel Überlegung und aus tiefsten Herzen gekommen, wie alles von Dir!
Wie hätten wir aber die Feiertage verbracht? Heilig Abend Du in München wie immer bei Deinen Eltern, ich wie immer bei meiner Tante? Dafür aber den ersten und zweiten Weihnachtstag zusammen? Bei mir oder bei Dir???? Ich war so gespannt darauf und ich sitze oft rum und male mir diese Tage aus.

Langsam legt sich eine undurchsichtige Decke über Dich. Mein Körper und mein Geist helfen mir, Deinen Tod zu verarbeiten. Aber das kann doch nicht der richtige Weg sein. Das ich vieles von Dir vergessen soll und Dein Bild schwächer wird. Das will ich nicht und ich kämpfe mit Händen und Füßen dagegen an! Wenn ich auf Dein Foto schaue, dann fallen mir Dinge auf, an die ich schon so lange nicht mehr gedacht habe.... Deine Frisur, deine Jacke, die Fototasche.... Ich sehe das Bild und denke: Ach ja, so war dieser Tag und so sahst Du damals aus! Das geht mir zu schnell, ich möchte nichts vergessen. Ich möchte Dich nahe bei mir haben! Und deswegen nehme ich mir oft Zeit, sitze auf dem Sofa, im Auto oder in der Küche und male mir Situationen mit Dir aus. So kann ich Dich nicht vergessen, so bist Du bei mir!!!! Weihnachten hätte ich den Kamin angemacht, hätte Dir Dein Geschenk überreicht und auf Deine Augen geachtet wenn Du es ausgepackt hättest! Ich hätte für Dich gekocht, ich hätte Dich in unsere Kneipe mitgeschleppt... Ach, ich hätte einfach all meine Zeit mit Dir verbracht.

Wenn ich die Decke des Vergessens anhebe und drunter gucke, dann kann ich immer noch nicht glauben was ich da sehen muß. Dich, der mein Mann geworden wäre, der Vater unserer Kinder, der Mensch mit dem ich mein Leben verbringen wollte. Es ist so unfassbar! Das Leben ist nicht fair....

ness
20.12.2006, 10:18
Liebe Lillian!
bitte habe keine Angst, dass du André vergessen könntest. er wird immer einen platz in deinen herzen haben.
aber dein körper muss sich auch schützen. und du mußt auch all das geschehene verarbeiten.
André würde es nicht wollen, dass du ab jetzt dein ganzes Leben lang traurig bist und keine lebensfreude hast!!!

du mußt ned erschrecken, wenn es scheint, als ob du manches vergessen würdest. er bleibt in deinem herzen.
lass es zu, dass du abstand gewinnst. gönn deinem körper ein wenig erholung - ab und zu.

und ja, du darfst zu weihnachten um ihn weinen und traurig sein. wahrscheinlich gehts ned anders. deine familie versteht das sicher. vielleicht können sie dir ein wenig stütze sein.

allerdings weiß i ned, ob es eine gute idee ist, bei seinen eltern feiertage zu verbringen...aber die entscheidung liegt schlußendlich bei dir.

eine feste umarmung von mir.
:kerze:
ness

Inaktiver User
20.12.2006, 18:58
Liebe Lilian,
Du weißt doch, daß du ihn nicht vergessen wirst. Aber Du darfst
wirklich manchmal mehrere Stunden nicht dran denken. Oder den Spiegel sich beschlagen lassen. Du weißt, mit einem Wisch hast Du alles wieder parat.
Ich habe mir geholfen, in dem ich geschrieben habe. Hier, privates Tagebuch, Gedichte ect.ect. Und ich habe alles ausgedruckt und unzensiert und ungeordnet auf einem festen Platz gesammelt, damit nichts verloren geht. Vielleicht geht es Dir eines Tages wie mir, daß Du dich hinsetzen, das alles anschauen und sortieren kannst. Ich habe letzendlich ein dickes Buch daraus gemacht.
Du schreibst so intensiv und gut, ich hoffe, Du druckst Deinen Strang mal aus,um Deine ganzen Beiträge an Deinen Schatz zu sammeln.Eine Form des Nichtvergessen.
Liebe Grüße

Lillian2207
21.12.2006, 16:17
Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich also entschlossen: ich werde an Heilig Abend auf den Friedhof gehen, einen Christstern und ein Geschenk für meinen Schatz dabei haben! Mir hat mal eine Wahrsagerin gesagt: wenn man einen Brief schreibt und den dann verbrennt, so steigt der Rauch in den Himmel und die Toten können den Inhalt des Briefes lesen. Das wird mein Geschenk sein: All meine Gedanke, Liebe und Wünsche an Ihn.

Ich wünsche Euch allen eine frohe Weihnacht und einen guten Start ins neue Jahr 2007. Auf das es uns allen bald leichter ums Herz wird, wir stark bleiben, Kraft schöpfen und wir auch wieder ein bisschen Glück haben werden! Wir haben es uns verdient!!! Wenn ich am Sonntag auf dem Friedhof stehe dann werde ich an Euch denken, Ihr seit meine Freunde geworden und ich werde André erzählen, wie sehr Ihr mir hier geholfen habt!

Ganz liebe Grüße und eine Umarmung an Euch!
Lillian

Lillian2207
22.12.2006, 09:34
Mein Liebling,

ich sitze hier und weine. Die Tränen laufen einfach und ich kann nicht damit aufhören. Die Feiertage ziehen mich runter wie lange nicht mehr. Ich will kein Weihnachten, ich will kein Silvester, das alles will ich nicht OHNE Dich! Ich habe einen ganz dicken Koß im Hals, ich schlucke und schlucke aber ich bekomme ihn nicht runter. Du fehlst so, mein Schatz, Du bist mein Leben gewesen, mein Sonnenschein. Nichts hilft, der Schmerz ist unglaublich. Er presst meine Lungen zusammen das ich kaum atmen kann, er drückt meine Schultern nach unten als ob ich Tonnen tragen müsse, er ist immer da. Heute ist mein letzter Arbeitstag und ich werde erst im nächsten Jahr hierhin zurück kommen. Der Kalender an der Wand ist schon ausgetauscht, der Tag an dem Du verunglückt bist, ist nicht mehr vor meinen Augen. Aber alles andere ist zu sehen: das Datum an dem wir uns kennenlernten, das Datum als wir zusammen in Barcelona waren, Dein Geburtsdatum und Dein erster Todestag.....

Viele Mensche haben mir in diesem Jahr Weihnachtskarten gesendet und mir Kraft und Mut fürs neue Jahr gewünscht. Von manchen hätte ich das nicht erwartet, ich war sehr überrascht. Es ist wahr, was man mir in diesem Trauerforum einmal gesagt hat: Man wird Freunde in der Trauer verlieren, dafür neue Freunde gewinnen. Das ist mir auch passiert. Menschen denken an mich, von denen ich es nicht erwartet hätte! Von machen die ich kaum kenne fühle ich mich mehr verstanden, als von so manch gutgeglaubten Freunden....

Ab heute Nachmittag habe ich 10 Tage Urlaub und ich weiß was ich gemacht hätte, wäre mein Leben in normalen Bahnen verlaufen. Ich hätte Dich getroffen. Ich wollte so viel mit Dir erleben. Nach den Feiertagen wären wir bestimmt irgendwo in Urlaub gefahren. In den Schnee den Du so geliebt hast, mit Snowboardausrüstung und warmer Kleidung und ich hätte Dich gebeten mir etwas von Deinem Können beizubringen! Wir hätten uns auf der Piste vergnügt, ich hätte mich total dumm angestellt, wäre ständig auf meinen Hintern geplumst und Du hättest mir immer wieder aufgeholfen. Ein Glück warst Du so geduldig. Danach wären wir etwas heißes trinken geganen und wir hätten gelacht und Spaß gehabt. Ich erinnere mich, wie du ein Wochenende mit einem Arbeitskollengen im Schnee warst. Er hat ein Foto von Dir mit Deinem Handy gemacht und ich habe das Bild von Dir gesendet bekommen. Mein Schatz in Skikleidung mit Helm und Board.

Ich möchte Dich nicht vergessen, und das werde ich auch nicht! Ich werde alles dagegen tun! Du warst groß, viel größer als ich. Ich mußte zu Dir aufschauen obwohl ich selbst schon fast 180cm groß bin. Du warst schlank und sportlich und Du hast sehr auf Dein Äußeres geachtet. Deine Haare waren dunkel Blond und etwas länger. Oft hingen sie Dir im Gesicht und Du hast sie an die Seite gestrichen. Deine Augen waren voller Ausdruck, mit hellen Wimpern umrandet, Dein Mund war ganz voll und wunderschön geschwungen. Du hattest immer einen drei Tage Bart, aber nie kratzig. Deine Hände waren gepflegt, lange Finger ganz schlank, und immer so sanft zu mir! Du trugst meist Jeans mit Hemden oder Pullovern und Du hattest immer ein Lieblingsjacke; die braune mit den ganz vielen Taschen. Wenn es kalt war, hattest Du immer eine Wollmütze an und wenn die Sonne dabei schien, durfte die Sonnenbrille nicht fehlen. Und Dein Geruch, der war toll. Ich hätte Dich fressen können, so habe ich Deinen Geruch geliebt. Ich glaube ja, das Zuneigung auch über Geruch geht. Wie bei Müttern und Ihren Kindern. Der Geruch verbindet. Wenn man lieben will, muß man den anderen riechen können. Ich habe immer meine Nase an Dein Kinn gedrückt und geschnuppert: wenn Du vor der Türe stands und zu besuch kamst, wenn wir nebeneinander im Bett lagen und uns unterhielten aber auch wenn Du geschlafen hast, das weißt Du noch gar nicht, oder?

Es ist alles so unwirklich. Man kann den Tod eines Menschen einfach nicht begreifen. Manchmal denke ich, es ist doch das schlimmste Ereignis was jemals passieren kann: der Tod. Warum weine ich nicht immer, 24 Stunden am Tag? Warum geht es an einem Tag ganz gut und an einem anderen überhaupt nicht? Warum sind die Menschen so abgestumpft und verstehen mich so selten? Und warum ist die Welt nicht wennigstens für einen Augenblick stehen geblieben? Nur einen kurzen Augenblick? Für mich ist sie über vier Wochen komplett stehen geblieben. Ich hatte aufgehört zu Leben. Ich war wie ein Geist. Und trotzdem habe ich überlebt. Das ist so eigenartig, denn es ist doch das schlimmste Ereignis!

Ich denke jetzt doch, dass ich meine Familie an den Feiertagen um mich haben mag. Ich brauche Ablenkung. Ich habe furchtbare Angst vorm alleien sein, vor allem an Weihnachten! Ich möchte nicht nachdenken müssen um dann zu merken wie besch... mein Leben geworden ist! Ich möchte nicht nur daran denken was hätte werden können und was ich verloren habe. Das ist der Unterschied zu allen Ereignissen die ich sonst hatte: es ist und bleibt endgültig und wird nie wieder gut!

Ich weiß nicht ob ich an den Feiertagen wieder ins Netz gehe. Ich werde Dir am Sonntag auf dem Friedhof frohe Weihnachten wünschen. Aber ich will Dir sagen: Du warst es, Du bist es und Du wirst es immer sein! Ich liebe Dich!!!!!

meta1
22.12.2006, 10:04
Liebe Lillian,
bewahre dir diesen Schatz, den du erfahren durftest.
Nicht allen Menschen ist es vergönnt diese eine große wirkliche Liebe jemals erfahren zu dürfen.
Und nicht alle Menschen erleben auch noch "danach" diese Liebe so stark und intensiv wie dir es widerfahren ist.

Ich freue mich für dich, dass Andre auch jetzt noch so intensiv bei dir ist, dass er dir zeigt, dass er nie von dir gehen wird, egal was auch geschehen wird.

Und irgendwann werdet ihr es schaffen, du zusammen mit deinem Schatz, dass du das Leben auf dieser Seite wieder (er-)leben kannst und willst und auvh für andere Menschen (Männer) wieder offen sein wirst.

Aber du musst dich nicht unter Druck setzen oder setzen lassen. Nur du kannst entscheiden wann du so weit bist und wann du mit Andre zusammen ein neues Kapitel aufschlagen willst.

Viel Kraft und schöne Gedanken wünsche ich dir heute und auch für die nächsten Tage

Meta

Pummel
22.12.2006, 21:45
Liebe Lilian,
du tust das Richtige. Schreib dir deinen Kummer und Schmerz von der Seele. Es wird immer Menschen geben die dich verstehen werden, weil sie vll dasselbe durchmachen müssen.
Gut dass du die Feiertage im Kreis deiner Familie feiern wirst, es wird dich wenigstens mal für ein paar Minuten od. auch Stunden ablenken.
Wenn man in den Beziehgs.threads mitliest wieviel Leid auch durch unglückliche Partnerschaften geschieht, dann verstehe auch ich das Schicksal nicht, dass es eine so große Liebe trennt. Die Antwort werden wir wohl erst viel später erhalten.
So wie du Andre beschreibst, würde er sich sicher freuen, wenn du dich ein bisschen erholen könntest in deinem Urlaub u. sich ab u- an ein Lächeln auf dein Gesicht stehlen könnte. Versuch es od. verhindere es wenigstens nicht.

Grüß Andre von uns allen und hab ein schönes Fest.

Alles Liebe - Pummel

Henne65
23.12.2006, 12:29
liebes, ich denke ganz fest an dich...:wangenkuss:

Toyo
24.12.2006, 00:12
Mäuschen, ich drück dich.

Toyo

Inaktiver User
27.12.2006, 23:34
Lilli,

wie war dein Weihnachten, wie war euer Weihnachten?
Wie geht es dir? Was wirst du Silvester machen?
ich denk auch an dich.

LG Scarlette

prinzessin01979
28.12.2006, 00:05
Und ich bin auch mit meinen Gedanken bei Dir!

Lg,
Mel

meta1
28.12.2006, 12:26
Wir sind bei dir :kerze:

ness
28.12.2006, 12:28
hey
ich freu mich auch schon wieder auf nachrichten von dir!
drück dich
ness

Lillian2207
31.12.2006, 17:24
Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank dass Ihr an mich gedacht habt! Ich bin froh, dass ich solche Freunde habe, die für mich da sind! Es begleitet einen über den Tag! Ich möchte heute schnell meine Gedanken los werden, bevor ich wieder in zwei Tagen zur Arbeit muß! Ich habe so lange nicht mehr geschrieben!!! Ich wünsche Euch von hier aus schon mal alles alles Gute für das neue Jahr! Rutscht gut rein und feiert schön mit Euren Lieben! Ich hoffe, dass das nächste Jahr etwas schönes für uns bereit hält, wir haben es uns so sehr verdient!!!

Bis die Tage, drücke Euch und denke an Euch heute Abend um zwölf!!! Ganz lieben Gruß von Eurer
Lillian

Lillian2207
31.12.2006, 18:11
Mein lieber Schatz,

Weihnachten ist vorüber und es war sehr schlimm für mich! Heilig Abend war die ganze Familie bei meiner Tante zu Besuch und es wurde nett zusammen gegessen, ohne Dich. Am ersten Weihnachtstag war ich bei meinen Eltern und wir haben beschert und es war so einsam ohne Dich! Den zweiten Weihnachtstag habe ich alleine zu Hause verbracht und eine nach der anderen Geraucht und an Dich gedacht. Das war unsere Zeit, diese besinnliche, dunkle, gefühlsbetonte Zeit! In dieser Zeit hat sich bei uns immer viel entschieden....

Ich bin froh, dass ich die Weihnachtszeit überlebt habe. Ich weiß nicht wie die Zeit vergangen ist, aber plötzlich war es vorbei und es wurde leichter um mich. Ich habe oft mit Deinen Eltern telefoniert. Ihr Leid ist unglaublich groß. Sie haben angefangen die Wohnung zu renovieren, sie haben sich Arbeit gesucht um die Tage zu überstehen. Aber es funktioniert nicht richtig. Es ist wie ein Foto von allen Situationen auf denen wir zu sehen sind. Und immer ist da ein Schatten von einem Menschen, den wir alle lieben und der in unseren Köpfen ist, aber der nicht zu greifen ist. In der Küche beim Kochen, am Tisch beim Essen und während wir die Geschenke auspacken. Überall ist dieser dunkle Schatten, überall kann man ihn fühlen.

In meinem Handy ist eine sms von Dir in der steht: Jetzt hat das neue Jahr angefangen und das ist unser Jahr. Ich freue mich so auf unser Jahr, es wird wundervoll... Ich sitzt hier und lese diese sms und ich weine, denn dieses Jahr sollte nie für uns zu Ende gehen. Und doch hörte es schon am 2. Mai auf.... am 2. Mai, so wenig Zeit für so viele Träume, für so viel Liebe! Meine Liebe reichte für zwei Leben und ich konnte nicht mal eins füllen. Heute Abend feiert die Welt Silvester. Wieder steht die Zeit nicht still. Nie tut sie das auch nur für einen Augenblick. Aber ich werde sie heute um 12 für dich stehen lassen. Ich werde mich setzen, werde mir Dein Gesicht vorstellen und werde die Zeit anhalten. Dort wo die Zeit vor einem Jahr war. Dort wo Platz für solche schönen sms war, da wo Du bei mir warst.

Letzte Nacht hatte ich den dritten Traum von Dir. Ich finde es toll, dass Du mich besuchst, aber es wirft mich zurück in eine Zeit, die nie wieder kommt. Ich bin in unser Stammcafé hier im Ort gegangen und Du saßt an einem Tisch und hast mir strahlend entgegen geblickt. Ich bin zu Dir, habe mich neben Dich gesetzt und Dich mit meinen Armen umschlungen. Dieses Mal war es so, als hätte es nie eine Trennung gegeben, als wäre alles normal. Wir haben uns unterhalten und einen Kaffee zusammen getrunken und sind danach in unsere Wohnung gefahren. Dort haben wir uns weiter um die Renuvierungsarbeiten gekümmert und Du wolltest wissen wie ich das Schlafzimmer gestrichen haben möchte. Es war alles ganz normal. So wie es hätte sein sollen und ich bin mit einem Lächeln auf den Lippen aufgewacht. Das Lächeln hat kaum einen Minute angehalten und es kam mir zurück in den Sinn: Silvester, ohne Dich!

Ich würde jetzt schon zwischen Umzugskartons sitzen. Ich hätte alles gepackt für ein Leben mit Dir. Meine Wünsche sollten Anfang diesen Jahres wahr werden. Meine Wünsche waren doch nur "Leben mit Dir".... nichts weiter, nur das! Vor ein paar Tage bekam ich den totalen Rappel und bin mit Müllsäcken bewaffnet in den Keller und durch meine Zimmer gelaufen und habe alles weggeschmissen, was ich nie mit nach München hätte nehmen wollen. Ich bin so ruhelos in diesen Tagen. Ich hatte mit dieser Wohnung schon abgeschlossen, mit diesem Ort, mit meiner Arbeit. Jetzt startet das neue Jahr und ich bin da, wo ich schon immer war! Nichts hat sich und wird sich ändern.

Gleich werde ich aufbrechen zu meiner Freundin die mich zum Essen eingeladen hat. Eigentlich wollte ich mit meiner besten Freundin mit einer Flasche Sekt und dem Fernsehprogramm feiern. Darauf hatte ich mich eingestellt und es hat mir weniger Angst gemacht. Aber dann hat meine beste Freundin abgesagt und sich doch entschieden mit Ihrer Familie bei Ihrem Bruder zu feiern. Das hat mir noch mal richtig weh getan, wieder im Stich gelassen, wieder enttäuscht. Aber auf meine andere Freundin konnte ich mich dafür verlassen. Sie wird heute Nacht bei mir sein! Heute Nacht, wenn ich aus dem dunklen Schatten in meinen Bildern wieder ein Gesicht mache, wenn ich für Dich um 12 die Zeit anhalte und Dir ein schönes neues Jahr wünsche.... So wie letztes Jahr wo das Leben auf uns gewartet hat und wo ich der glücklichste Mensch war!

Du wirst da sein! Bei mir! Wie letzte Nacht in meinem Traum und wirst mir vielleicht Deine Arme um meine Schultern legen und mir Hoffnung geben, dass das nächste Jahr uns etwas schönes bring. Ruhe, Kraft, Stärke und eine Zukunft die uns nicht mehr ängstigt... Ich weiß nicht wie das aussehen kann, aber ich hoffe darauf. Denn so kann es für uns nicht weiter gehen. So nicht!

Ich liebe Dich mein Schatz, Du fehlste mir körperlich so sehr... Deine Umarmung, Dein Kuß, Dein Handfläche auf meiner Wange wenn ich mich vor irgendwas fürchtete. Es ist so ein Schmerz, den man nicht beschreiben kann.

Die Trauer macht mich zu einem einsamen Menschen, manchmal äußerlich, meist aber innerlich. Wenn ich doch nur ein anderes Leben hätte. Ein anderes Leben, aber das dann mit Dir!

Henne65
31.12.2006, 18:32
liebe lillian,

ich habe gern zwischendurch an dich gedacht und ein paar warme strahlen irgendwohin geschickt, wo auch immer du bist.

eines möchte ich dir noch sagen, als mutter, für die eltern ist das alles so schrecklich schlimm, dass ich gar nicht dran denken mag. ihr leben wird nie wieder wie früher sein.

deines auch nicht, aber hoffentlich irgendwann wieder schön, reich und voller hoffnung, du besitzt die gnade der jugend.

ich wünsche dir einen erträglichen übergang ins neue jahr in den armen deiner freundin; wie schön, dass es sie gibt. :blumengabe:

Lillian2207
02.01.2007, 16:29
Liebe Henne,

Du hast bestimmt Recht, mit 34 gehöre ich sicher noch nicht zum alten Eisen. Aber trotzdem macht mir die Zahl schon mehr Angst als früher. Es ist schwierig mit dem Gedanken zu Leben, dass das jetzt meine große Liebe war und da vielleicht nichts mehr kommt. Aber ich habe es zumindest kennenlernen dürfen und es wird mir immer bleiben!

Was die Eltern durchmachen ist nicht zu beschreiben. Viele hier werden es aus eigener Erfahrung wissen. Ich denke es ist noch mal ein Stufe mehr Schmerz und noch mehr Leid als das was ich erleben muß. Es gibt nichts, was helfen könnte. Ich weiß nicht wie ICH helfen kann. Es ist einfach nur schlimm!

Wir wissen nicht was die Zukunft, was das neue Jahr bringen wird, aber ich glaube manchmal, dass da ein ganz kleiner Funken glimmt, der für uns Erleichterung bringen könnte! Ich bin jedenfalls nicht ganz ohne Hoffnung!

Fühl Dich gedrückt und danke für Deine lieben Grüße und Worte!!!
Lillian

Lillian2207
03.01.2007, 13:08
Mein Liebling,

heute bin ich endlich einmal wieder beschäftigt. Meine Auswertungen für den Dezember sind zu machen, aber auch eine komplette Überarbeitung der letzten Monate, des ganzen vergangenen Jahres. Ich bin froh wenn ich was zu tun habe, dann kann ich ein wenig Abstand nehmen von dem Druch der auf meinem Herzen liegt. Schön wäre es wenn man mich mit Arbeit überhäufen würde, dann würden die Tage schneller vergehen, ich würde weniger grübeln und vielleicht wäre ich auch nicht mehr ganz so traurig. Aber meine Tage ziehen sich hin, wie Kaugummi und das ist gar nicht gut.

Heute habe ich also mit den Jahresüberblicken angefangen. Ich habe fleißig die Zahlen übertragen und Gegenüberstellungen gemacht. Und dann kam der Monat Mai und ich wollte die Zahlen übernehmen und gucke in die Datei: keine Zahl. Nicht eine. Ein kompletter Monat in denen alle Zahlen fehlen! Wie kann das sein. Ich bin immer gewissenhaft und mache immer zur selben Zeit die Auswertungen. Und dann traf der Schlag. Denn ich konnte nicht. Du hast mich Anfang Mai verlassen. Ich war lange krank. Und auch wenn ich Ende des Monats wieder auf der Arbeit war, so war ich doch nicht da. Meine Arbeit ist liegen geblieben, ich habe nicht gedacht, ich war nur eine Hülle meiner selbst.

Keine Zahlen. Die Spalte Mai ist bei allen Mitarbeitern leer. Wie ein stummer Zeuge der schlimmsten Zeit meines Lebens. Ich starre auf die Zeile und meine Gedanken schweifen zurück zu meinem Mai. Es ist mein Mai geworden. Er gehört niemanden anderen mehr...... Wir haben lange geschlafen. Die Nacht war lang gewesen. In dieser Nacht wurden die Maibäume aufgestellt und in unserer Straße war viel los. Die Tochter unserer Nachbarin hatte nicht nur einen Maibaum bekommen, sondern feierte auch in Ihren 18 Geburtstag. Das neue Auto für Sie stand vor der Tür. Die Stimmen halten lange durch das gekippte Schlafzimmerfenster, wir haben lange gequatscht und sind dann doch irgendwann eingeschlafen. Morgens haben wir uns angezogen um frühstücken zu gehen. In unser Stammcafé. Als wir auf die Straße kamen, räumte die Nachbarin die letzten Gläser von Bürgersteig und Mauer. Sie sah Dich an diesem Morgen zum ersten Mal, ihr habt kurz Smalltalk gehalten. Später, vier Wochen nach Deinem Tod, rief mich die Nachbarin an um mir zu sagen wie Leid es Ihr getan hat. Sie könnte sich an diesen Morgen noch gut erinnern, Sie konnte sich erinnern, dass Sie dachte, was für ein netter Mann du warst. Und dann traute Sie sich vier Wochen nicht mich anzusprechen.

An diesem Tag war es sehr frisch. Viel zu kalt noch für den ersten Mai. Wir wollten das Cabrio genießen, aber es nieselte und ich fror. Wir fuhren zurück, ein letztes Mal zurück in meine Wohnung. Ein letztes Mal kochen und essen. Ein letztes Mal nebeneinander im Bett. All diese letzten Male, ohne es selber zu wissen. Wie ein Film fährt diese Erinnerung vor meinem Auge ab. Die Gespräche, die Blicke, die Taten. Der Wecker der Nachts klingelte. Ich, die völlig verpennt aus dem Bett ausgestiegen bin um Dir Frühstück zu machen. Glück und Wehmut das ich Dich habe, Du aber wieder fahren mußtest. Und Deine gute Laune als Du aus der Dusche kamst. Ein kurzer Kuß, ich hab mich so geschämt dass ich so verschlafen war, ein kurzer Gruß im Treppenhaus und Deine Blicke von der Straße hoch in mein Fenster, wo ich immer noch saß um Dich zu verabschieden, um Dir zu winken. Dann nur noch Deine Rücklichter.

Ich bin so oft auf dieser Straße die zur Autobahn führt, denn hier wohnt meine Freundin. Und immer denke ich, dass Du hier auf der Straße warst, gut gelaunt und fröhlich. Hier hast Du noch gelebt. Nur noch Minuten.

Wachst Du über mich? Bist Du da? Denn manchmal habe ich das Gefühl und dann ist es wieder ganz weit weg. Wenn Du da bist dann möchte ich Dir sagen: Die Zeit heilt die Wunden, nicht sofort, nur ganz langsam aber ich fühle Heilung. Meine Gesundheit ist wieder was besser geworden. Die Grippe ist weg, die Migräne war im letzten Monat weniger, nur die Geräusche im Ohr sind immer noch da. Die Zeit scheint die Wunden zu heilen, und ich bin dankbar dafür.

Ich liebe Dich so, der Schmerz Deines Verlustes ist nicht zu beschreiben. Ob ich ihn je beschreiben kann?

ness
03.01.2007, 13:14
Liebe Lillian.

still und traurig lese ich deine geschichte. ich bin auch noch immer da. im neuen jahr.

wie sehne ich den tag herbei, an dem ich schreiben werde: liebe mitglieder des trauerforums. ich verabschiede mich von euch, weil ich mich wieder von meiner trauer erholt habe. ich hoffe, ich komm lang, lang nimma her....

und wie werde ich mich freuen, wenn DU das schreibst, liebe Lillian!!!

ich drück dich auch im neuen jahr sehr herzlich wieder.
ness

Lillian2207
05.01.2007, 11:45
Mein lieber Schatz,

das Jahr ist ganz jung und ich habe mich aufgerappelt, habe mir gut zugeredet und mir selbst ein wenig Mut darauf gemacht. Ich hatte immer zum ersten Januar das Gefühl von Aufbruch, das Gefühl von Neuanfang, aber dieses Jahr habe ich verzweifelt auf diese Gefühle gewartet. Sie sind nicht da.... ganz schwach nur ist die Hoffnung da, das mir irgendwann auch mal wieder die Sonne scheint.

Vorletzte Nacht wurde in mein Auto eingebrochen. Sie haben Dein Autoradio gestohlen und wieder eine Erinnerung vernichtet. Wir haben das Radio zusammen gekauft. Das war ein schöner Tag in der Stadt. Du hast Dich daran versucht, es selbst in meinen Wagen einzubauen und ich habe schmunzelnd daneben gesessen. Aber Du hast es geschafft und warst ganz stolz. Du wolltest, dass ich auf den langen Fahrten nach München gute Musik hören konnte. Du hast mir CD´s gebrannt, extra für die Fahrt. Hast Dir so viel Mühe gegeben.... Sie haben viel zerstört, das Fenster zerschlagen, die Mittelkonsole beschädigt, die Kabel zerschnitten und meine elektronische Antenne gekappt. Das Gefühl, jemand fremdes hat in meinem Auto gesessen, lässt mir die Gänsehaut über den Rücken laufen. Ich fühle mich noch mehr allein, so hilflos. Ich bin sowieso so hilflos geworden. Jede Kleinigkeit ist für mich riesen groß. Eine kaputte Glühbirne im Treppenhaus... wie soll ich an die Decke rankommen, ein verstopfter Abfluss.... wie bekomme ich das Rohr auf, der Einbruch ins Auto....wo muss ich zuerst hin? Mir fehlt jemand im Rücken, Du fehlst mir so.

Anfang der Woche war ich bei meiner Therapeutin. Wir hatten wieder ein EMDR-Sitzung (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Sie hat mich gefragt, was mich denn am meisten in letzter Zeit beschäftigt und ich konnte die Einsamkeit nennen. Ständig stelle ich mir Dich vor. Unser Ritual wenn Du zu mir kamst. Bist die Treppe im Treppenhaus hoch und ich habe Dir oben die Tür geöffnet. Dann bist du wie angewurzelt stehen geblieben und hast lächelnd darauf gewartet, dass ich Dich umarme und küsse. Diese Umarmung schwebt die ganze Zeit vor meinem geistigen Auge. Immer wieder sehe ich uns, immer wieder. Ich kann dieses Bild nicht abschalten.

Ich sollte mir also uns in dieser Umarmung vorstellen und mir das Gefühl der Einsamkeit vorstellen und dann haben wir mit der EMDR-Sitzung begonnen. Und es hat tatsächlich etwas genutzt. Ich wurde lockerer. Ich konnte das Bild verdrängen und wenn nicht, war das Gefühl von Einsamkeit nicht mehr so stark..... ABER.... ich bin in einer Zwickmühle. Natürlich möchte ich, dass es mir langsam besser geht. Aber auf der anderen Seite bin ich nicht bereit Dich loszulassen. Dinge die uns verbanden, möchte ich nicht verdrängen müssen damit es mir besser geht. Ich möchte an Dich denken mit einem Lächeln im Gesicht und ohne Schmerz. Das kann ich mir noch überhaupt nicht vorstellen, daran kann ich nicht glauben.

Langsam wird alles unwirklich: hat es uns wirklich gegeben, gab es wirklich mal diese Zeit voller unglaublichen Gefühlen? Von einer Liebe die wie aus einem Roman war? Gab es Dich wirklich? Hatte ich einmal Glück empfunden? Es ist in so weite Ferne gerückt, dass es mir manchmal vorkommt wie ein Traum. Früher, als ich ständig unglücklich war mit den Männern an meiner Seite, mit den Beziehungen die eigentlich keine waren, da habe ich noch gedacht: Was will uns das Fernsehen, die Bücher, die Medien da eigentlich vorspielen? Es soll eine "Große Liebe" geben? Das ist doch alles erfundenes Zeug... Und dann machts Peng und es passiert.

Meine Therapeutin fragt mich bei jeder Sitzung ob ich schon Wut empfinden würde. Wut wäre eine neue, eine weitere Stufe in der Trauerbewältigung. Aber ich spüre keine Wut. Nicht auf Dich. Ich weiß zwar immer noch nicht, was in dieser Nacht passiert ist, aber Du hast nichts falsch gemacht. Du hättest Dein Leben niemals aufs Spiel gesetzt! Wut auf Dich werde ich niemals spüren, aber auf dieses Leben, dass mir so schlimm mitgespielt hat. Auf das habe ich Wut.

Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich nur grau in grau. Gab es in diesem oder im letzten Jahr eigentlich etwas Sonne? Ich erinnere mich nicht.... Seit ein paar Tagen hadere ich mit mir, ob ich nicht doch ein Bild von uns auf den Schreibtisch stellen soll. Vielleicht wird es dann etwas heller um mich??? Vielleicht geht das mit der Trauer dann doch leichter?

Immer wieder überrascht es mich, wie alle Welt doch so einfach weitermacht. Als ob nichts gewesen ist! Keiner kommt mehr auf den Gedanken, es ginge mir noch schlecht, ich würde noch sehr leiden.... Wie eigenartig doch alles ist! Dein Tod bedeutet für MICH die Welt, für die Welt bedeutet er nichts....

Lillian2207
09.01.2007, 14:35
Ach Schatz,

mein Herz ist so schwer. Es regnet und regnet. Das Jahr ist ganz frisch, doch es hat nichts tröstendes. Im Gegenteil, es drückt mich nieder und macht mir Angst vor der Zukunft. Wenn ich zurückblicke gibt es tatsächlich Tage, an denen ich mich schon besser fühle. Aber manchmal habe ich das Gefühl, diese Tage wollen mich nur vorbereiten auf ein weiteres tiefes Depri-Loch.

Morgen für Morgen stehe ich auf und richte mich auf einen neuen Tag ein. Den Wecker ausschalten, das Fernsehn an. Nach den Nachrichten und dem Wetter quäle ich mich aus dem Bett und suche mir etwas aus dem Schrank, dass ich noch nicht die ganzen letzten Tage anhatte.... Dann ins Bad, duschen, Zähne putzen. Ich stehe vor dem Spiegel und sehe mein zerknautschtes Gesicht, die Falten neben den Augen, die Augen, die wieder traurig schauen und die so viele Tränen vergossen haben. Dann schweifen meine Gedanken ab. Wir beide vor diesem Spiegel, mit Zahnbürsten im Mund lachend am Morgen.

Ich ziehe mich an und gucke in meinen Korb mit den Schminkutensilien. Was ist wasserfeste Wimperntusche doch für eine hilfreiche Erfindung. Bis ich mich zurecht gemacht habe, denke ich an das Badezimmer in der Wohnung die wir in München gemietet hatten. Sollte ich lieber weiße oder farbige Handtücher für dieses Badezimmer kaufen. Wie soll ich es einrichten, wohin mit der Waschmaschine.... Halt! Es gibt doch kein neues Badezimmer, dieses ist mein Badezimmer und kein anderes.

Ein Kaffee wäre gut. Ein kurzer Blick auf die Uhr, ist Zeit für einen Kaffee, oder nicht. Eine Zigarette? Ja, ich weiß Du hast es nicht gemocht wenn ich geraucht habe, aber ich mag es. Es beruhigt mich! Unsere Küche in München hatte ich komplett geplant. Du hattest mir den Grundriß gemailt und ich habe fleißig gemalt. Vier verschiedene Möglichkeiten habe ich gezeichnet und Du hast Dir eine ausgesucht. Nur auf die Farbe haben wir uns noch nicht geeinigt, dunkel rot oder vanillie, dafür war keine Zeit.

Ich sitze im Auto und fahre zur Arbeit. Wieder einen Tag rumkriegen. Heute werde ich mir wieder Arbeit suchen. Eigentlich ist Arbeit da, aber ich sehe sie nicht mehr sofort. Alles ist langsamer geworden, unwirklich, uninteressant. Aber heute, da werde ich mich beschäftigen! Fast bin ich schon angekommen, ich weiß gar nicht wie ich die letzte halbe Stunde gefahren bin. Wie ich schon hier angekommen sein kann. Zum Glück ist nichts passiert!

Der Tag geht einfach nicht vorbei. Ich habe mir Arbeit gesucht und mit kleinen Unterbrechungen auch beendet. Jetzt sitze ich hier und grüble nach. Ich hatte hier eine liebe Freundin, oft hat sie morgens mein Weinen ertragen. Sie hat mir immer wieder Mut zugesprochen und mich auch mal in den Arm genommen. Jetzt hat sie sich jemand anderen gesucht, und in den Pausen sitzen wir schweigend nebeneinander. Wann ist das passiert? War ich nicht nett? Habe ich was falsches gesagt? Am Kantinentisch wird über alles mögliche gesprochen, aber nicht mehr über Dich! Niemand spricht über Dich... nur mir brennt es unter dem Herzen!

Die Fahrt nach Hause ist nicht spannend. Ich habe keine Ahnung was ich gleich tun soll. Manchmal treffe ich mich mit meiner Mutter im Café. Aber die letzten drei Male haben wir mehr schweigend dort gesessen und sind beide in Tränen ausgebrochen, das es schon fast peinlich ist! Du kommst mir immer in den Sinn, Du bist einfach immer da! Letzte Woche kam die Bedienung des Cafés auf mich zu und deutete auf einen jungen Mann in der Ecke! "Guck mal, ein Typ wie André" hat sie gesagt und ich habe mich umgedreht und rüber geschaut. Sie hatte Recht, ähnlich aber nicht gleich. Aber ich war so erstaunt, das jemand so entferntes wie diese Bedienung noch mal an Dich gedacht hat. Das kommt doch sonst nicht vor! Ich habe Ihr dafür gedankt und sie hat mir geantwortet: "Wie könnte ich Euch beide vergessen, Ihr ward so glücklich"

Es gibt tatsächlich Tage an denen ich mich besser fühle! Aber nicht heute, heute ist ein "Depri-Loch-Tag"! Ich mag nicht mehr. Die Sehnsucht nach Dir und nach dem "Glücklichsein" frist mich auf. Sie liegt wie eine Last auf mir. Ich möchte Dich fragen ob dunkel rot oder vanille. Ich möchte das die Bedienung unseres Café uns glücklich zusammen in der Ecke sitzen sieht. Ich möchte weiße Handtücher und eine Lichterkette um unseren Spiegel und ich möchte Dich neben mir, mit Zahnbürste im Mund und ich möchte Dich küssen, mit oder ohne Zahnpasta!

Ich liebe Dich!

prinzessin01979
09.01.2007, 21:54
Liebe Lillian,

ein ganz, ganz großes Kraftpaket für Dich, möchte ich Dir schicken!

Drück Dich ganz lieb,
Melissa mit Tränen in den Augen ( und Markus ganz tief im Herzen )

Lillian2207
10.01.2007, 10:43
Danke Dir, liebe Melissa! Das Kraftpaket kann ich gut gebrauchen in diesem dunklen Januar! Dir auch weiterhin viel Stärke, irgendwie müssen wir es doch schaffen....

Lieben Gruß
Lillian

meta1
11.01.2007, 12:22
Liebe Lillian, wenn ich deine zeilen lese, dann überkommt mich, neben der trauer, auch das Gefühl der Freude, denn das große Gefühl, das euch verband, das kann man immer wieder spühren.

Wie glücklich kannst du dich schätzen so etwas wunderschönes erlebt zu haben, wie viele müssen sich mit einem viel kleineren Stück vom Glück zufrieden geben.

Eine ältere Freundin meinte mal, wenn du das große Glück, die große Liebe nicht bekommen kannst, dann musst du mit einem kleineren Stückchen zufrieden sein.

Was du schreibst, wie eure Beziehung war, das ist einfach wunderschön. Eure Rituale, eure Innigkeit, ich finde es sehr beglückend.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, du wirst es schon richtig machen und freue dich über jeden seiner Besuche während deines Schlafes

Lillian2207
11.01.2007, 17:23
Liebe meta1,

obwohl ich Dir Recht gebe, mit allem was Du über die große Liebe schreibst, denke ich oft darüber nach, ob es vielleicht besser gewesen wäre, an diesem einenTag nicht auf dem Oktoberfest gewesen zu sein und André kennengelernt zu haben. Manchmal denke ich: wiegt die kurze Zeit des Glücks diese darauf folgende lange Zeit der Trauer auf. Im Moment finde ich das eben nicht. Es tut so weh, es raubt mir den Mut und jede Kraft.

Und dann sitze ich da, spüre ein kleines Lächeln in meinem Gesicht wenn ich an witzige Stunden und Tage zurückdenke und dann weiß ich wieder wofür es gut war. Nämlich für dieses kleine Lächeln, das hoffentlich in Zukunft immer öfters kommt und das ich versuchen muß zu halten. Denn wie gesagt, Du hast bestimmt Recht: Lieber die große Liebe kurz gespürt als niemals....

Drück Dich
Lillian

prinzessin01979
12.01.2007, 01:50
Danke Dir, liebe Melissa! Das Kraftpaket kann ich gut gebrauchen in diesem dunklen Januar! Dir auch weiterhin viel Stärke, irgendwie müssen wir es doch schaffen....

Lieben Gruß
Lillian

Liebe Lillian,

das sage ich mir auch öfters, nur weiß ich einfach nicht wie... wie man es beim Tod eines geliebten Menschen irgendwie " schaffen " kann...

Wird es die Zeit bringen? Die Geduld? Die durchlebte und ausgelebte Trauer?

Kann man wirklich jemals wieder ein Leben führen, welches man als- gut - bezeichnen kann, nach solch einem unwiderbringlichen Verlust???

Ich würde so gern Menschen kennen, die mir sagen können: Ja, das wirst Du eines Tages wieder... dann würde die Hoffnung trotz der so tiefen und schweren Trauer irgendwo da sein, auf ein besseres Leben, ohne diesen unbeschreiblichen Schmerz im Herzen...

Ich drücke Dich ganz lieb und wünsche Dir und allen trauernden Menschen auch ganz viel Kraft,
Melissa

Eva39
12.01.2007, 11:23
Ja, liebe Lillian, genau dafür war es gut.

Ich habe mich gestern mit einer lieben Kollegin unterhalten. Ihr Mann, ihre große Liebe ,ist vor 13 Jahren kurz nach der Geburt ihres Kindes an Krebs gestorben. Für sie war es damals unbeschreiblich schwer ein Kind zu bekommen, es zu stillen und gleichzeitig ihren totkranken Mann zu pflegen und ihn schließlich zu verlieren und völlig allein da zu stehen.

Heute lächelt sie, wenn sie von ihm erzählt. Trotzdem ist etwas von einer Traurigkeit zu spüren, weil sie sich doch oft so allein fühlt gerade mit Kind oft auch überfordert. Diese Trauer hat sich bei ihr in ein "schade ..." gewandelt und hat nicht mehr diese lähmende und quälende Schwere wie damals.

Vor zwei Tagen habe ich eine alte Dame besucht. Ihr Mann ist im Herbst gestorben. Jetzt ist sie allein in ihrer großen Wohnung. Alles ist voll von Erinnerungen an früher, an ihren verstorbenen Mann, an ihre Familie. Sie hat mir sehr, sehr viel erzählt und sie hat dabei ganz viel gelacht und war sehr glücklich als ich dann irgendwann gehen musste. Sie hat gesagt, dass sie von diesen schönen Erinnerungen zehrt und ganz viel Kraft für das Weiterleben bekommt. Ich habe ihr versprochen, dass ich sie bald wieder besuche, damit sie mir noch viel mehr erzählen kann.

Liebe Lillian, ich wünsche Dir, dass Du ganz viel lächeln kannst, wenn Du an André und an die schöne Zeit mit ihm denkst und dass Dir diese Erinnerungen viel Kraft für Dein zukünftiges Leben geben. Ich sehe die Zeit mit Andrè als Geschenk an Dich. Immer noch. Immer mehr.

Alles Liebe!

Eva

Lillian2207
12.01.2007, 14:11
prinzessin01979 hat Recht! Wenn anderen Menschen sagen könnten, das es auf jeden Fall irgendwann wieder gut wird und dass das Warten belohnt wird, dann könnte man mit mehr Hoffnung an das verbleibende Leben ran gehen und wäre nicht so verzweifelt und niedergeschlagen. Dann könnte man sich sagen: Du brauchst nur Geduld, wart ab, es wird werden. Aber so ist es einfach nicht. Jeder kommt mit der Trauer anders klar. Der eine schafft es in eine paar Monaten oder Jahren, der andere leidet sein Leben lang. Oh mein Gott: mein Leben lang leiden? Nie wieder glücklich sein, nie wieder unbeschwert? Wie soll ich das bloß aushalten, wie soll ich mich dann noch auf dieses Leben freuen....

Es ist sowieso kaum auszuhalten. Die Tage gehen einfach nicht rum. Es ereignet sich nichts, wofür es sich zu Leben lohnt. Ich komme mir vor als säße ich auf der "Ersatzbank" des Lebens. Im Moment ist für mich kein Leben vorgesehen, ich muß daneben sitzen und zuschauen. Ich habe keine Einfluß, bin völlig teilnahmslos. Ich möchte natürlich runter von der Ersatzbank, aber alles was sich da draussen abspielt interessiert mich auch nicht mehr!

Ich habe Angst, das es das gewesen sein soll! Mit 34 Jahren? Das ich mit 80 im Altenheim sitze und meinen Feunden dort erzähle, das ich früher mal glücklich war, aber danach nie mehr? Und was sollen Andrés Eltern erst mal sagen. Sie haben Ihr Kind verloren, Ihre Zukunft und Ihre Vergangenheit.

Es gibt so viel Leid da draussen, aber man dachte immer: das passiert nur anderen. Und dann passiert es Dir und Du bist für immer bestraft. Ich wollte heiraten, ich wollte Kinder.... wohin führt mich dieses Leben? Mir hat mal ein guter Freund der Familie gesagt: "Es wird immer alles Pech mit Glück vergolten". Aber man kennt doch genug Geschichten in denen es eben nicht so ist. Wo es Menschen gibt, die vom Pech verfolgt sind, die nie Glück hatten.

Eva39 hat natürlich auch Recht: die Zeit mit André war ein Geschenk an mich! Ich werde es nie vergessen und irgendwann mit einem Lächeln daran zurück denken. Aber das tröstet mich nicht. Ich wollte mehr davon als nur eine kurze Zeit. Ich wollte mehr! Andere Menschen leben eine lange Zeit zusammen und haben nicht halb so viel Gefühl von Liebe für einander als es André und ich hatten. Aber die dürfen zusammen leben und wir eben nicht. Ich kann es drehen wie ich will, ich komme immer wieder zu dem Schluß, dass das Leben einfach unfair ist....

Eva39
12.01.2007, 14:22
Liebe Lillian,

das Leben ist unfair. Da hast Du Recht. Das erzähle ich auch meinen Kindern immer wieder, wenn sie sich über Ungerechtigkeiten beschweren. Manchmal kann man etwas tun, manchmal leider nicht.

Man kann seine große Liebe auch anders verlieren, nicht nur durch Tod. Vor 15 Jahren dachte ich auch, ich habe meine große Liebe gefunden und bin ein Leben lang glücklich mit ihm. Er ist nicht gestorben, aber viele "Ungerechtigkeiten", viele Probleme (Fehlgeburten, Sorgen um die Kinder, Hausbau, Unzulänglichkeiten ...), die andere nicht hatten, haben unsere Ehe so sehr belastet, dass wir uns irgendwann nicht mehr geliebt haben. Auch um diesen Verlust habe ich getrauert. Das tue ich manchmal heute noch. Es ist wie ein "kleiner Tod".

Das Leben ist ungerecht. Ich habe immer gekämpft und ich werde weiter kämpfen, allerdings mit der Erkenntnis, dass es diese Ungerechtigkeiten immer geben wird.

Es tut mir leid, wenn ich Dich heute nicht trösten kann.

Ich wünsche Dir alles Liebe und super viel Kraft!

Eva

Lillian2207
12.01.2007, 14:39
Ach liebe Eva39,

das tut mir sehr leid! Natürlich kann es auch einen großen Verlust geben, ohne Tod und Trauer. Ich verstehe Dich sehr gut wenn Du sagst, das es für Dich wie ein "kleiner Tod" war. Der Verlust der großen Liebe ist immer schlimm, egal wie! Wenn man doch glücklich war, kann man einfach nicht verstehen, dass sich das so ändern kann! Wenn man jemanden findet, der das gleiche will wie man selbst, der einfach 100%tig zu einen passt, der wie ein sechser im Lotto ist, dann sollte es doch für immer sein. So wie es bei unseren Großeltern noch war! Ich habe so sehr daran geglaubt und habe so sehr daran festgehalten!

Du liebe! Es ist so nett das Du mich trösten wolltest und Du tust es doch mit Deinen Emails! Ich würde Dich auch gerne mit ein paar netten und liebgemeinten Worten trösten! Vielleicht sollte man die Hoffnung nie aufgeben, aber es ist so schwierig!!!!

Ich möchte Dich mal feste drücken! Ich möchte Dir auch eine Portion Kraft und Stärke schicken. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und ein bisschen Sonne für Dein Herz!!!!!

Ganz lieben Gruß
Lillian

Eva39
12.01.2007, 14:56
Liebe Lillian,

vielen lieben Dank!!

Auch ich möchte Dich ganz fest umarmen und Dir ein schönes Wochenende wünschen.

Hör in Dich hinein. Du bist ein wunderbarer Mensch, zu so großen Gefühlen fähig. Du wirst es schaffen und merken, wie unschätzbar wertvoll und schön Dein Leben trotz des unbeschreiblich schmerzvollen Verlustes sein kann!!

Die Trauer lässt den Alltag grauer und langsamer erscheinen. Das lässt Dich vieles bewusster wahrnehmen. Das ist auch eine große Chance. Du wirst mehr Tiefe erfahren.

Nochmals alles Liebe! Ich bin mit meinem Herzen bei Dir!

Eva

Inaktiver User
15.01.2007, 14:32
prinzessin01979 hat Recht! Wenn anderen Menschen sagen könnten, das es auf jeden Fall irgendwann wieder gut wird und dass das Warten belohnt wird, dann könnte man mit mehr Hoffnung an das verbleibende Leben ran gehen und wäre nicht so verzweifelt und niedergeschlagen. Dann könnte man sich sagen: Du brauchst nur Geduld, wart ab, es wird werden.


aber Lillian, das sagen wir euch doch immer wieder ! ???

das Leben wird wieder lebenswert und liebenswert
und wir lernen hier alle mit der Trauer zu leben,
es dauert - ja!
es tut furchtbar weh - ja!
aber es ändert sich wirklich mit der Zeit

der Weg dorthin ist ein ständiges, kräftezehrendes Auf und Ab, Hin und Her
dazwischen sind ruhige, stabile Phasen

es braucht viel Geduld und vielleicht auch "Kampfgeist", ich weiß nicht, ob das jetzt das richtige Wort ist...?


sich sein Leben neu erobern, sich selbst neu erschaffen

das geht, nur Mut!

habt bitte einfach ein wenig Vertrauen in die Veränderbarkeit der jetzigen Situation

Lillian2207
16.01.2007, 12:11
Mein lieber Schatz,

wie geht es Dir, was machst Du, wie fühlst Du Dich? Ich hätte so gerne Antwort auf all diese Fragen die ich mir jeden Tag stelle und die nicht enden wollen. Ich lebe vor mich hin, schwanke zwischen Verdrängen und Einbeziehen und finde meinen Weg nicht. Wie oft habe ich Dir schon geschrieben, dass ich nicht sicher bin, ob mein Weg zu trauern der richtige ist, oder ob ich alles falsch mache. So viele Unterschiede die ich zu anderen Trauernden sehe. So viele Fragen und keine Antworten.

Wie schwer ist doch alles geworden. Die Kleinigkeiten des Lebens verlangen einem so viel Kraft und Stärke ab das nichts übrig bleibt. Normalität und Wahnsinn liegen so nahe beieinander wie noch nie, genauso wie Ruhe und Panik. Manchmal gibt es Tage, da sitze ich zwischen lieben Menschen und versuche ein Stückchen Normalität zu leben, aber der Wahnsinn der Situation schiebt sich immer wieder nach vorne. Manchmal sitze ich daheim, Ruhe umgibt mich, aber die Panik schleicht sich von hinten an und überfällt mich regelrecht wenn ich am wenigsten dran denke. Warum glaubt alle Welt man müsste es schaffen, wenn doch etwas passiert ist, was so endgültig, so schmerzhaft ist, dass es kein Entrinnen gibt. Ich frage mich das Tag um Tag.

Am Wochenende habe ich meine Cousine in Köln besucht. Sie hat es geschafft unserer kleine, verschlafenen Stadt den Rücken zu kehren und in eine so große Stadt wie Köln zu ziehen. Ich bin durch die Strassen gefahren und habe das Leben dort gesehen. So viele Menschen die alle einen Weg hatten. So viele Geschäfte, Kneipen, Restaurant in denen man den Alltag vergessen kann. In mir ist eine Sehnsucht entstanden die ich kaum beschreiben kann. Raus! Weg! Da draussen ist das Leben das Du vermisst! Aber dann habe ich die Augen aufgemacht und auch die Kehrseite gesehen. Schmutz, Lärm, keine Natur. Eben so viele Menschen, Geschäfte, Kneipen und Restaurants, dass man den Überblick verliert. Es scheint nicht für jeden der Weg zu sein dort raus zu gehen. Ich hätte meine kleine Stadt für München aufgegeben, ich wäre aber bei meiner großen Liebe gewesen. Alleine möchte ich mir das nicht antun.

Ich war alleine unter Pärchen bei meiner Cousine. Sie saßen zusammen, Arm in Arm, Hand in Hand. Es war unerträglich und ich habe mich nicht nur Einsam sondern auch sehr alt gefühlt, da alle viel jünger sind als ich. Für die steht die Welt noch offen, für die ist das Leben eine Party! Nicht für mich. Plötzlich hat mich eine Beklemmung übermannt, so stark dass ich hätte aufspringen wollen, brüllen und schreien und diese Szenerie verlassen wollte! Mein Magen hat sich zusammengezogen und geschmerzt. Ich konnte kaum Atmen, es war wie ein Gürtel der meine Lunge zugeschnürt hat. Könnt Ihr Euch eigentlich vorstellen, was wichtig im Leben ist? Wißt Ihr eigentlich, dass das Leben keine Party ist? Das es voller Schmerz und Last ist, voller Sehnsucht und Einsamkeit. Es ist nicht wichtig die passenden Schuhe zur Tasche zu kaufen. Es ist nicht wichtig das beste Café mit dem besten Latte Macchiato zu finden! Seit Ihr alle verrückt? Habt Ihr wirklich keine Ahnung?

Natürlich ist das nicht richtig von mir. Ich weiß das Leben geht für alle anderen weiter, nichts bleibt stehen. Ich weiß, das ich mir nicht anmaßen darf, die Menschen zu verurteilen, denen das Leben nicht so mitgespielt hat, die nicht trauern. Und doch gehe ich nun mit anderen Augen durchs Leben. Ich sehe Paare, ich sehe Frauen die schwanger sind und ich sehe Lachen und Spaß. Aber es tröstet mich nicht sondern ich bin neidisch darüber. Es ist nicht so, dass ich den Menschen nichts mehr gönne, nein im Gegenteil, ich gönne es Ihnen aus ganzem Herzen!Die Arzthelferin meines Hausarztes ist im achten Monat schwanger. Ich habe kurz mit Ihr gesprochen und Ihr alles Gute gewünscht. Das war mein voller Ernst. Aber trotzdem habe ich bitterlich geweint als ich ins Auto stieg.... und ich war so schrecklich neidisch.

Ich liebe Dich mein Schatz und das wird so bleiben. Ich spüre es, es wird nie weniger. Manchmal habe ich die berechtigte Angst, dass ich so viel von uns vergesse und dann schlage ich meine Kladde auf und lese die schönen Ereignisse, die wir gemeinsam erlebt haben. Ich bin so froh dass ich das aufgeschrieben habe. Und dann sehe ich uns beide! Wir sitzen im Kino und gucken Ice Age und Du machst Schattenbilder mit Deinen Händen auf die Leinwand. Du bist so lebensfroh und verrückt. Nie hättest Du gewollt, das es so endet!

Nori
16.01.2007, 12:42
uff. lllian..bin platt und traurig über deine geschichte die ich nun von anfang an gelesen habe.. ja man kann die leute nicht verstehen die ihr glück als selbstverständlichkeit hinnehmen. ich hab einen partner durch eine zeimlich miese trennung verloren..ich weiß das ist nicht zu vergleichen,sorry aber auch ich trauere und bin neidisch über die verliebten, glücklichen pärchen. auf schwangere mamis, ect. deswegen kann ich es ein bisschen nachvollzeihen wenn du das so beschreibst.

du bist erst 34 jahre und dein leben ist noch lange nicht vorbei und du wirst auch wenn man das heute nicht glauben kann, wieder einen lieben menschen an deiner seite finden. irgendwann wenn du bereit bist. es kann ja auch jemand sein,der dir nur rein freundschaflich über diese schlimme zeit hinweghelfen kann.

ich weiß nicht was der liebe gott ( ja ich glaube an gott auch wenn man seine handlungen oft nicht versteht), sich dabei denkt uns menschen so schwierigen prüfungen auszusetzen. ich weiß es einfach nicht und denke auch oft darüber nach. alles negative soll auch etwas positives mit sich bringen? kaum zu galuben wenn man vor so einem scherbenhaufen steht.

die zeit heilt wunden ganz bestimmt... wobei manche wunden auch nur verkrusten und jederzeit wieder aufbrechen können.

und lillian sei froh , dass die welt nicht stehn bleibt und sich weiter dreht, dass du dich mit ihr weiter drehen musst.

ich drück dich mal von herzen.

Lillian2207
16.01.2007, 15:04
Hallo Nori,

ich habe lange über Deine Zeilen nachgedacht. Ob Du Recht damit hast, dass ich froh sein sollte, dass die Welt sich weiter dreht. Ich denke das es wahr ist, denn würde sie sich nicht weiter drehen, würde auch ich in der tiefsten Trauer verharren und nicht weiter kommen! Das ist sicher richtig. Aber es tut auch so weh. Ich finde einfach, dass André es verdient hätte, dass die Welt ein wenig stehen geblieben wäre. Er war so ein toller Mensch.

Es gibt ein Buch, dass mir hier jemand empfohlen hat. Ich weiß nicht mehr genau wie es hieß aber es ging darum, dass alles Schlimme immer auch was Gutes hat. Ich habe darüber nachgedacht ob ich es lesen sollte, muß aber zu meiner Schande gestehen, dass ich es nicht will. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was der Unfalltot meines Schatzes Gutes ansich haben soll..... Außerdem kann ich immer noch kein Buch aufschlagen, dass sich mit Tod und Trauer befasst. Ich weiß nicht wieso ich es nicht schaffe. Vielleicht aus Angst.

Vielen Dank für Deine lieben Worte!
Einen lieben Gruß von hier für Dich!!!
Lillian