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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum ist Trauern (lassen) so schwer?



Bauschundbogen
14.07.2006, 22:03
Liebe community,

vor einem Jahr ist mein Vater gestorben, und ich kann immer noch nicht richtig weinen. Das fing schon im Krankenhaus an, als wir ihn noch einmal sehen durften: links klammerte sich meine weinende Mutter an mich, rechts mein weinender Mann, und ich stand in der Mitte (im achten Monat schwanger) und fühlte gar nichts, ich wollte nur weg.
Auch während der Tage und Wochen danach hat meine Mutter sehr expressiv getrauert, während der Klumpen in meinem MAgen immer größer wurde. Ich habe nur funktioniert, mit einem Gefühl, als habe mir jemand das Rückgrad entfernt, und daran hat sich bis heute nicht Wesentliches geändert.

Inzwischen ist mein Leben immer schwieriger und schwieriger und schwieriger geworden, und mein Vater fehlt mir sehr. Er war nach meinem Mann der liebste und wichtigste Mensch für mich, und der einzige (noch vor meinem Mann), dem ich meine Angelegenheiten vertrauensvoll in die Hände legen konnte. Alle in seiner Umgebung (einschließlich mir) haben sich auf ihn verlassen, vor allem meine Mutter, die keine Glühbirne auswechseln und den Fernseher nicht ausschalten kann (kein Witz, keine Übertreibung). Diese Rolle ist jetzt auf mich übergegangen, und ich fühle mich ihr in keiner Hinsicht gewachsen.

So stolpere ich jetzt von Tag zu Tag, wie die Einäugige unter Blinden, und komme einfach nicht dazu, richtig traurig zu sein. Mit meiner Mutter verstehe ich mich nicht besonders, unter anderem, weil wir ganz unterschiedlich mit unserem Verlust umgehen. Sie will darüber reden, darüber weinen, macht meinem Vater Vorwürfe, weil er sie im Stich gelassen hat...ich glaube, mir nicht leisten zu können, die Trauer an mich heranzulassen. Wer würde dann die Arbeit machen? An einigen Bemerkungen merke ich, daß sie mich für gefühlskalt hält, aber sie vermeidet (inzwischen) tunlichst, mich darauf anzusprechen. Statt traurig zu sein, habe ich eine Stinkwut auf die ganze Welt, unter anderem auf sie (ich weiß, es ist ungerecht, aber ich werfe ihr vor, meinen Vater so über Gebühr in Anspruch genommen zu werden). Und diese Wut, diese Kälte in der Brust macht sehr einsam. Vaterseelenallein.

Vielleicht kennt ja eine(r) von Euch dieses Gefühl, oder besser Nicht-Gefühl...

Inaktiver User
15.07.2006, 19:45
Da fällt mir im Moment wirklich kein Trost ein. Außer, daß ich Dich ganz herzlich drücke und Dir mal einen Moment die Schulter leihe zum Durchatmen. Glaub nicht, hier würde keiner antworten, aber sie sind vermutlich alle beim Schwimmen oder in die Ferien fahren.
Du schreibst kein Wort über Dein Kind, Du vaterseelenlose Frau?
Liebe Grüße :blumengabe:

Inaktiver User
15.07.2006, 21:22
Liebe Bauschundbogen,

ich kann Dich gut verstehen und es tut mir leid, daß Du so sehr leiden mußt. Leider kann man virtuell niemanden in den Arm nehmen und einfach tröstend über den Rücken streicheln - aus Deinen Worten lese ich heraus, daß Du genau dies aber sicher sehr brauchen würdest.

Nach dem Tod meines Vaters hatte ich auch Schwierigkeiten mit der Trauer meiner Mutter. Ich konnte nicht verstehen, daß sie alles sofort wegpacken mußte, verschenken, verteilen, wegwerfen. Ich wollte jedes einzelne Stück in die Hand nehmen, daran riechen, es aufbewahren. Auch war mir das laute Weinen meiner Mutter, das Herumrennen bei den Nachbarn, das laute Wehklagen, sehr fremd.
Auch mein Vater war der "Macher" in der Ehe meiner Eltern, ohne ihn stand meine Mutter hilflos da und wußte nicht weiter. Allerdings hat sie sehr schnell für sich Wege gefunden und sie kam nach einiger Zeit allein zurecht.

Die Wut, die Du empfindest und die sich in erster Linie gegen Deine Mutter richtet, die muß irgendwann raus und ich denke, das weißt Du. Solch ein großer Kummer frisst Dich auf mit der Zeit. Ich nehme auch an, Du kannst mit Deiner Mutter darüber nicht sprechen, oder?

Was hältst Du von aufschreiben? Die Momente der Wut festhalten auf Papier, bis ins allerkleinste Detail, alles in ein Büchlein bannen oder in einem Ordner abheften, mit Datum, mit Uhrzeit, mit Anlaß. Du wirst erkennen, was die genauen Auslöser waren für Deine Traurigkeit und Deine Wut und Du kannst versuchen, diese Situationen zu meiden. Natürlich kannst Du nicht zu Deiner Mutter sagen: Nein, ich komme nicht und drehe Dir die Glühbirne rein! - Aber Du kannst die äußeren Umstände vielleicht verändern - Dir anschließend bewußt etwas Schönes vornehmen, Du gehst also nur auf einen Sprung vorbei bei der Mutter und hast keine Zeit für andere Tätigkeiten. Oder Du legst klar fest, wann Du vorbei kommst, wann Du "zur Verfügung" stehst und bittest Deine Mutter, alle anfallenden Arbeiten in diesen Zeitraum zu legen.

Als Tochter fühlt man sich verpflichtet, ich weiß. Es plagt einen das schlechte Gewissen, wenn man nicht sofort springt und Du bist zusätzlich in der Lage, Deinen Vater ersetzen zu müssen. Dabei darfst Du aber nicht vergessen, daß nicht nur Deine Mama trauert, sondern daß Dir diese Trauer auch zusteht.

Irgendwie finde ich heute nur schwer die Worte, die ich Dir gerne sagen möchte, ich hoffe aber, ich komme nicht zu verworren rüber.

Ich drück Dich einfach mal in Gedanken und wünsche Dir ganz viele befreiende und erlösende Tränen.

Paula

:blumengabe:

Bauschundbogen
15.07.2006, 21:22
Liebe Sontagskatze,

danke! :kuss: Daß du so lieb geschrieben hast, ist Trost genug. Ich habe schon gedacht, mein posting sei so konfus, daß niemand darauf eine Antwort findet.

Meine Kinder? Es sind gleich zwei geworden, und mir ist im nachhinein auch aufgefallen, daß sie zwar in meinem Leben sehr präsent sind (sie sind jetzt ein Jahr alt), aber in meinem posting nicht vorkamen. Sie sind sechs Wochen nach dem Tod meines Vaters zur Welt gekommen - ein Segen für uns, weil wir alle absolut gefordert waren und insbesondere meine Mutter (die sonst ständig von Suizid sprach) dringend gebraucht wurde. Ein Segen für die Kleinen? Da bin ich mir nicht sicher. Mir tut es manchmal sehr weh, daß ich mich nicht so an ihnen freuen und ihre Zuneigung nicht so erwidern kann, wie sies verdient hätten (wir haben fast fünf Jahre auf die beiden gewartet). Dafür bin ich einfach zu betäubt und habe auch zuviele Bilder im Kopf, wie sehr sich mein Vater gefreut hätte...er hat kurz vor seinem Tod noch begonnen, ein Leiterwägelchen für die beiden zu bauen. Und ihre Existenz erhöht noch den Druck, erwachsen und stark zu sein, wo ich mich doch viel lieber wie ein kleines Kind in einer Ecke zusammenrollen und Rotz und Wasser heulen würde - wenn es nur ginge.

Inaktiver User
15.07.2006, 21:37
Wie schön, Bauschundbogen, daß wir exakt in derselben Minute einen Beitrag geschrieben haben! :blumengabe:

Vielleicht sind meine guten Gedanken ja doch bei Dir angekommen ...

Bauschundbogen
15.07.2006, 22:51
Liebe Paula,

ich sehe gerade, daß unsere postings sich überschnitten haben. Hoffentlich hast du nicht gedacht, ich ignoriere Deine lange und liebe Antwort...





Auch mein Vater war der "Macher" in der Ehe meiner Eltern, ohne ihn stand meine Mutter hilflos da und wußte nicht weiter. Allerdings hat sie sehr schnell für sich Wege gefunden und sie kam nach einiger Zeit allein zurecht.





Weißt du, was ihr dabei geholfen hat? Kann ich diesen Prozeß von außen unterstützen?
Schlage ich ihr etwas vor, was sie dem Leben wieder ein Stück näher brächte, lehnt sie ab mit der Begründung, sie hätte das Gefühl, meinen Vater zu verraten. Irgendwie auch nachvollziehbar, ich weiß, aber halt auch irrational, und ich bin (wieder einmal) stinkwütend geworden. DAnn kam das schlechte Gewissen...





Die Wut, die Du empfindest und die sich in erster Linie gegen Deine Mutter richtet, die muß irgendwann raus und ich denke, das weißt Du. Solch ein großer Kummer frisst Dich auf mit der Zeit. Ich nehme auch an, Du kannst mit Deiner Mutter darüber nicht sprechen, oder?





Schwierig. Meta-Gespräche mit ihr sind fast nicht möglich, weil sie sich sofort angegriffen fühlt. Das Problem ist, daß meine Wut dann und wann so ungezügelt herausplatzt, daß ich sie verletzte (was ich wirklich nicht will), und sie mir dann leidtut und ich alles zurücknehme und mir fest vornehme, mich nicht mehr aufzuregen...ein Teufelskreis. Wobei ich ja eigentlich weiß, daß ich vor allem wütend bin, um nicht traurig sein zu müssen.





Was hältst Du von aufschreiben? Die Momente der Wut festhalten auf Papier, bis ins allerkleinste Detail, alles in ein Büchlein bannen oder in einem Ordner abheften, mit Datum, mit Uhrzeit, mit Anlaß. Du wirst erkennen, was die genauen Auslöser waren für Deine Traurigkeit und Deine Wut und Du kannst versuchen, diese Situationen zu meiden.





Ein guter Vorschlag! Dann fühle ich mich vielleicht auch weniger ausgeliefert.





Als Tochter fühlt man sich verpflichtet, ich weiß. Es plagt einen das schlechte Gewissen, wenn man nicht sofort springt und Du bist zusätzlich in der Lage, Deinen Vater ersetzen zu müssen.





Oh ja! Und noch vertrackter wird die Lage dadurch, daß ich z.T. auf meine Mutter angewiesen bin, was Kinderbetreuung anbelangt. Dabei täte uns beiden mehr Abstand gut.





Dabei darfst Du aber nicht vergessen, daß nicht nur Deine Mama trauert, sondern daß Dir diese Trauer auch zusteht.





Danke! Genau das Gefühl hatte ich oft: daß nur meine Mutter trauern darf und ich in erster Linie für ihr Wohlergehen zu sorgen habe. Natürlich ist sie die Hauptleidtragende, aber auch mir ging (und geht) es sehr schlecht. Und da tuts es schon weh, wenn mich alle fragen, wies meiner Mutter geht, ohne sich auch nach mir zu erkundigen...aber ich wäre wahrscheinlich eh zu stolz (und stur!), um die Wahrheit zu sagen.





Irgendwie finde ich heute nur schwer die Worte, die ich Dir gerne sagen möchte, ich hoffe aber, ich komme nicht zu verworren rüber.





Gar nicht! Du klingst um Klassen klarer als mein Eingangsposting!

Ich drück Dich zurück und wünsche Dir gute Nacht (muß schnell schlafen, bevor die beiden Zwerge erwachen...)
Danke!

Ganz liebe Grüße
bauschundbogen

:wangenkuss:

Bauschundbogen
15.07.2006, 22:54
Vielleicht sind meine guten Gedanken ja doch bei Dir angekommen ...



Und ob! :jubel:

Inaktiver User
15.07.2006, 23:50
Liebe Bauschundbogen,

ein Jahr ist keine besonders lange Zeit, gemessen an der Zeit, die Deine Eltern miteinander verbracht haben. Ich gehe auch immer davon aus, daß "wir Jungen" zumindest nach außen hin unser Leben schneller wieder leben können, als es z. B. Deine Mama tut. Dein Lebensmittelpunkt - Mann und Kinder - ist an Deiner Seite, sie hat zwar Dich (und damit offenbar sehr viel!), aber der Partner ist weg. Ich kann da schon verstehen, daß die Schritte ins eigene Leben noch sehr schwer fallen und daß sie versucht, an alten Dingen festzuhalten.

Ich habe meiner Mutter damals einen Hund geschenkt. Sie hat sich erst fürchterlich aufgeregt darüber, war überfordert - und dann hatte sie plötzlich eine Aufgabe. Es war nämlich ein Welpe, der ständig nach draußen mußte, der sein Geschäft noch ab und zu in der guten Stube verrichtete, ständig lief sie ihm hinterher. Nun, so ein kleiner, süßer Hund ist die beste Kontaktbörse der Welt, laufend wurde sie angesprochen und schon nach einer Woche war sie in der Früh mit einer Frau aus dem Ort verabredet zum Gassigehen.
Ich habe auch versucht, meine Mutter ganz bewußt an meinem Leben teilhaben zu lassen in den "kleinen Dingen": Schuhe kaufen, nach ihrer Meinung fragen, einen Kuchen backen lassen fürs Büro, ich hab sie gefordert. Außerdem habe ich sie sehr oft um Rat gefragt in allen möglichen Belangen und dabei gemerkt, daß ihr das gut tut, daß ihr Selbstwertgefühl zunimmt. Und ich habe darauf bestanden, ihr die Dinge zu lernen, die mein Vater immer erledigt hatte.

Daß auf Deine Wut das schlechte Gewissen kommt, ist mir auch bekannt. Schließlich haben wir gelernt, "lieb zu sein", nicht wahr? Und nachdem der Vater weg ist, denken wir, wir müssen ihm zuliebe seine Stellung einnehmen im Leben der Mutter und uns kümmern. Aber das ist der komplett falsche Ansatz ... kümmern ja, aber wir dürfen dabei auch uns selber nicht vergessen. Du schreibst, sie ist die "Hauptleidtragende" und das stimmt einfach nicht, Buaschundbogen. Du hast dasselbe Recht auf Deine Trauer, Du hast Deinen PAPA verloren und das ist verdammt viel.

Das Weinen - es wäre so wichtig für Dich. Ich kann mich erinnern, daß ich während der Zeit der ersten Trauer um meine Tochter, die vor 13 Jahren verunglückt ist, nicht weinen konnte. Es hat mich wahnsinnig gemacht, ich dachte, ich muß ersticken. Wie betäubt saß ich manchmal da und hab gewartet, daß die Tränen kommen, aber nichts kam. Das ging mir in den Folgejahren ganz oft so. Irgendwann habe ich herausgefunden, was mich zum weinen bringt und ich habe das Weinen als Ventil für mich empfunden und akzeptiert - auch heute noch passiert es mir, daß ich in Tränen ausbreche, zwar habe ich mich inzwischen so im Griff, daß ich mich noch "retten" kann in einen ruhigen Raum, ins Auto, in den Keller oder sonstwohin, aber ich unterdrücke die Tränen bewußt nicht mehr. Manchmal ist es ein heftiges Weinen, das mich richtiggehend durchschüttelt - hinterher durchströmt mich ein Gefühl der Erleichterung, Ruhe und Müdigkeit.

Ich habe "Wein"-Bücher und "Wein"-Musik. Beide setze ich bewußt dann ein, wenn ich das Gefühl habe, die Tränen müssen raus. Hat mich einmal eine Textpassage in einem bestimmten Buch zu Tränen gerührt, dann markiere ich diese Stelle, ebenso mache ich es mit CDs.

Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, Dich mit Gleichgesinnten zu treffen? Über Deine Sorgen zu reden? Ich weiß, das liegt nicht jedem - ich bin auch nicht so der Gruppentherapie-Typ. Aber es gibt nunmal Dinge im Leben, die kann man nicht mit sich selber ausmachen, man kann nicht immer stark sein und manchmal braucht man einfach Hilfe von außen.

Übrigens schreibe ich meinem Vater in unregelmäßigen Abständen Briefe. Er fehlt mir als Gesprächspartner, als Zuhörer, ganz unendlich. Die Briefe an ihn stecke ich in einen Umschlag und werfe sie in den Neckar. Er war Angler und ich bilde mir fest ein, daß er sie liest.

Manchmal haben auch solche Handlungen etwas Tröstliches ...

Schlaf schön!

Paula :blumengabe:

Eisbaer71
16.07.2006, 15:21
Liebe Bauschundbogen,

eigentlich kann ich mich in allen praktischen Tipps Paula nur anschließen, vieles hat
mir so oder so ähnlich in meiner eigenen Trauerbewältigung auch geholfen. Da meine Kinder beim Tod meines Freundes erst 8 und 10 Jahre alt waren, kam ich gar nicht erst in Versuchung, mich zu sehr an ihnen festzuhalten. Dennoch weiss ich, wie groß manchmal die Versuchung war, anderen die eigene Last zu sehr aufzubürden, letzten Endes schiebt es aber die eigene Bewältigung der Trauer nur ein bißchen nach hinten.

Weil es so wichtig ist, möchte ich es aber auch noch einmal festhalten:
Du bist nicht verantwortlich für Deine Mutter.

Es ist ganz wichtig, für sie dazusein und natürlich gibt es Wege, ihr die eigene Trauer zu erleichtern. Aber die Schritte in ihr jetzt verändertes Leben muß sie selbst tun, Du kannst ihr den Weg nur erleichtern.

Pass auf Dich (und Deine eigene Trauer) auf und lass Dich mal ganz fest von mir in
den Arm nehmen.

Ich glaube übrigens nicht, dass Du wegen Deiner Kinder ein schlechtes Gewissen haben musst. Kinder, egal wie alt sie sind, finden die erstaunlichsten Wege, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Deine sind noch sehr klein, und bekommen ganz sicher die Aufmerksamkeit, die sie brauchen.
Achte auf Deine eigenen Kräfte, immerhin ist der Alltag mit Zwillingen nicht einfach.

Und wenn es Dir hilft, schreib ruhig weiter, ich würde gerne hören, wie es Dir geht.

Alles Liebe

Eisbär

Bauschundbogen
18.07.2006, 22:12
Liebe Paula, lieber Eisbär,

danke für Eure Anteilnahme und Eure Offenheit. Komme die Tage nicht dazu, ausfühlicher zu schreiben, wollte Euch aber auf jeden Fall kurz wissen lassen, daß Eure Antworten auf fruchtbaren Boden gefallen sind.

Lieben Dank und gute NAcht
bauschundbogen

Fleure
09.08.2006, 17:35
Hallo Bauschundbogen,

also ich glaube fast du hast über mich geschrieben.
Meine Mutter ist im Februar verstorben. wie durch Zauberhand geht alles weiter. Der Job, das Leben, alles.

Ich schmeisse den Haushalt für meinen Vater, meinen eigenen, gehe mit ihm essen, mal raus, ins Theater, verbringe den Samstag dort. Es geht mir auf den Nerv wenn das erste was er einem Wirt in einem Gasthaus wo er schon Jahre nicht mehr war im Nebensatz "meine Frau ist verstorben" auf die Nase bindet. Was soll das?

Ich versuche für ihn da zu sein, ihn zu verstehen. Aber unsere Gespräche reduzieren sich auf "Was hast du gegessen" oder "was hast du heute gemacht?".
Ist das nicht schrecklich? Menschen, die wie man selbst den Verlust dieser wunderbaren Person verschmerzen müssen, sind meilenweit von dir entfernt! Wie kommt das?

Ich weiss genau das meine Aktivitäten in die falsche Richtung gehen. Ich will, vielleicht unterbewusst, ein "Ersatz" sein, aber das ist nicht realiserbar und schlichtweg falsch. Nur, wie kommt man aus diesem Automatismus raus?

Dir, liebe Bauschundbogen (cooler Nick, übrigens!) wünsche ich viel Kraft und ZEIT. Zeit, die du dir nimmst und dir auch deine Mitmenschen einräumen. Die Kleinen Racker sind mit Sicherheit ein wunderbarer Anker und eine Quelle der Energie.

Ich wünsche euch nur das Beste!!!!
Alles, alles Liebe von
Fleure

Humerusfraktur
11.08.2006, 23:39
Hallo, liebe Fleur, liebe Bauschundbogen,
die Schwierigkeit besteht meiner Meinung nach deshalb, weil jeder Mensch anders trauert - es gibt einfach keine Norm: So ist es recht, so ist es gut! Kinder trauern anders als Partner, Männer anders als Frauen. Und kurz nach dem Tod geschieht es manchmal, dass die Trauer abgewehrt wird durch schnellen Übergang ("das Leben muss weitergehen") und zumeist tun sich Männer damit schwer, weil Trauern/Weinen als Schwäche angesehen wird. Fremde Menschen, falls sie einfühlsam sind, können Trauernde meist besser begleiten, als Angehörige, die selbst mit dem Verlust fertig werden müssen.
Trotzdem ist miteinander reden wichtig: Über die Verstorbenen, was sie dem Einzelnen bedeutet hat usw...
Trauern ist eine Ausnahmesituation - die vielen Eindrücke brauchen einen Ausdruck, sonst machen sie Druck. Deshalb finde ich diesen Strang auch so wichtig.
Fleure und Bauschundbogen : Ich wünsche Euch den Mut zu trauern. Geht Euern Weg, sprecht mit Euren Verstorbenen - ich bin überzeugt, dass sie uns hören. (Auch wenn sie mir nicht antworten, ich gehe vom Grab meiner Eltern immer getröstet weg)
Es hilft mir.