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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Oma stirbt



Giselle
12.07.2006, 18:30
Hallo,

dies ist mein erster Beitrag hier, aber ich bin schon lange stille Mitleserin. Ich will mich schon vorher entschuldigen, falls ich etwas konfus klinge, aber ich bin total durch den Wind.

Ich komme gerade aus dem Krankenhaus, sitze hier und weine, weine, weine. Deshalb habe ich beschlossen, mir mal alles von der Seele zu schreiben...

Meine Oma ist 68 Jahre alt und hat Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium - es ist der reinste Horror. Heute vor genau einem Jahr wurde sie operiert und die Ärzte waren so zuversichtlich. Ihr ging es wieder so gut, im März bei der Untersuchung sagten die Ärzte, sie gilt onkologisch als geheilt und Ende Mai dann hatte sie Wasser im Bauch und darin wurden Krebszellen gefunden. Und jetzt ging alles so schnell...es wird von Tag zu Tag schlimmer und wir wissen nicht, wie viel Zeit ihr noch bleibt. Irgendwie wünscht man ihr nur noch, dass sie erlöst wird, obwohl das total grausam klingt. Aber sie ist so schwach und hängt nur noch an Schläuchen. Es tut so weh, das alles mitansehen zu müssen und ihr nicht helfen zu können. Und das Schlimmste ist, meinen Opa so total am Boden zerstört zu sehen... Warum tut es nur so weh? Und irgendwie will ich es alles gar nicht wahr haben - sie war doch noch so fit und hatte sich endlich von der Operation und den Chemos erholt und jetzt soll alles vorbei sein?
Ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen. Wie schrecklich muss es erst für ihre Kindern und ihren Mann sein?

Sorry, dass es jetzt so lange geworden ist und Danke fürs Lesen!

Traurige Grüße
Giselle :heul:

knuffi
12.07.2006, 19:56
lass dich mal von mir in den arm nehmen und trösten.

gruß knuffi

Giselle
12.07.2006, 20:12
Ach Knuffi,

ich danke Dir! Du glaubst gar nicht, wie gut das tut...
Jetzt laufen mir schon wieder die Tränen übers Gesicht. Es berührt mich unheimlich, wie viele Leute momentan Anteil an unserem Schicksal nehmen und teilweise auch mit uns weinen.
Meine Oma ist der erste mir richtig nahestehende Mensch, der gehen muss und es tut einfach nur so unendlich weh. Man hat das Gefühl, dass die Welt doch jetzt anhalten müsse und dass man nie mehr glücklich sein kann. Und wenn ich mich dann mal dabei "ertappe", wie ich lache oder dass ich "schon" so und so lang nicht mehr geheult habe, denke ich, dass ich ein schlechter Mensch bin, wo meine Oma doch so leiden muss. Ich weiß, dass das Quatsch ist und dass sie auch will, dass wir irgendwie weiter machen, aber ich habe trotzdem manchmal ein schlechtes Gewissen.

Sorry, jetzt ist es schon wieder ein Roman geworden, aber das Schreiben tut richtig gut. Danke für Deine lieben Worte, Knuffi! :blumengabe:

Traurige Grüße
Giselle

Pummel
12.07.2006, 21:34
Liebe Giselle,
lass dich erst einmal drücken.
Es tut mir leid für dich u. deine Familie, dass sie so ein nahes u. liebes Familienmitglied so leiden sehen müssen. Das 'Nicht-helfen-können' ist wirklich schlimm.
Egal wie - du kannst es nicht ändern. Es ist wie es ist. Vll müßt ihr sie auch so leiden sehen, damit es euch leichter fällt Abschied zu nehmen. Bei manchen Krankheiten ist man tatsächlich froh, wenn der geliebte Mensch dann stirbt, weil man sein Leid nicht mehr erträgt.
Versuche trotzdem noch etwas positives darin zu sehen. Deine Oma ist GsD so alt geworden, dass sie deine Oma sein konnte. Viele junge Menschen haben keine Oma mehr oder kannten sie nie. Deine Oma durfte Kind, Teenie, Frau, Mutter, Freundin und eben Oma sein. Sie hat insofern ein langes, erfülltes Leben gelebt und es gibt dich, weil es sie gab. Also ein Teil wird in dir weiterleben. Ist doch ein schöner Gedanke, oder?
Ja ich weiß, dass nimmt dir die Trauer nicht, aber vll macht es sie anderst.
Tu was, sag deiner Oma, dass du froh bist, dass es sie für dich gibt. Sei da, halt ihre Hand, befeuchte ihre Lippen und bete, glaub mir, das hilft.

Wenn sie geht, wird sie nicht alleine sein, denn sie wird von guten Seelen abgeholt.

Alles Gute - Pummel :blumengabe:

Giselle
12.07.2006, 22:18
Liebe Pummel,

auch Dir vielen Dank für Deine lieben Zeilen, Du hast mir so viele nette und schöne Dinge geschrieben, die mir echt gut tun und mich auch wieder Rotz und Wasser heulen lassen. Es ist ein schönes Gefühl, dass sich fremde Leute Gedanken machen und mir so nette Dinge schreiben!

Du hast leider Recht, das "Nicht-helfen-können" ist wirklich schlimm. Sie liegt da in ihrem Bett, versucht tapfer zu sein und krümmt sich teilweise vor Schmerzen. Jetzt wird die Morphium-Dosis täglich erhöht und von Tag zu Tag hängen mehr Schläuche an ihr. Seit heute bekommt sie so schlecht Luft und hat teilweise einen Sauerstoffschlauch in der Nase. Und sie ist so heißer, sie kann nur noch flüstern. Wenigstens hat sie heute nicht ständig erbrochen. Aber sie ist nur noch Haut und Knochen und hat gleichzeitig einen ganz dicken Bauch, weil sie so viel Wasser hat. Das ist schrecklich! Erst am Montag haben sie ihr wieder 3,5 Liter raus und trotzdem ist der Bauch schon wieder so dick. Es kommt immer schneller nach...

Wir wissen ja, dass wir es nicht ändern können und doch gibt es immer wieder Momente, wo man denkt, es wird alles wieder "gut" und wir haben bald wieder unsere Oma in unserer Mitte. Aber wenn man sich dann immer von ihr verabschiedet, weiß man jeden Tag wieder, dies könnte unsere letzte Begegnung gewesen sein und das macht mich so fertig. Sie wird immer schwächer und hat schon letzte Woche ihre eigene Beerdigung geplant und ihr Trauerbild ausgesucht usw. Das war zwar grausam, aber für sie war das unheimlich wichtig und sie muss danach sehr froh gewesen sein (ich war nicht dabei). Es ist ja auch irgendwie "schön", dass sie noch Zeit hatte, sich von jedem zu verabschieden, aber es tut jeden Tag aufs Neue weh.

Ich bin so dankbar, dass ich 26 Jahre lang die beste Oma der Welt hatte und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sie älter als 68 Jahre werden darf. Sie hat mir all die Jahre so viel gegeben und war auch immer eine junge, moderne Frau. Wir haben so viel miteinander unternommen - Kurse bei der VHS besucht und und und. Sie war wirklich eine Freundin.

Gestern waren noch mal alle ihre Geschwister, Kinder und Enkel da und das hat ihr so gut getan, sie ist noch mal richtig aufgeblüht! Ich habe sie gefüttert, ihr zu Trinken gebracht, kalte Waschlappen auf ihre Stirn gelegt, ihre Hand gehalten, sie umarmt und und und. Das waren ganz intensive Momente, obwohl unsere ganze "Sippe" da war (wir sind eine recht große Familie und sie hatte immer gerne alle um sich herum).

Und Deine letzten Zeilen haben mir sehr viel gegeben - dass ein Teil von ihr immer in mir weiterleben wird. Das habe ich noch gar nicht so gesehen, aber es ist wirklich ein schöner Gedanke. Ganz besonders berührt hat mich Dein letzter Satz, den werde ich mir die nächsten Tage immer und immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen!

Ich danke Dir noch mal ganz herzlich für Deine guten Gedanken, jetzt werde ich ins Bett gehen und hoffentlich nicht mehr so viel weinen... Dein Beitrag hat mir ganz viel geholfen! Danke!!! :wangenkuss:

Liebe Grüße
Giselle

Giselle
13.07.2006, 21:10
Hallo,

heute morgen um kurz nach 8 Uhr ist meine Oma von ihren Schmerzen erlöst worden. Ich bin froh, dass sie jetzt nicht mehr leiden muss, aber Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, wie traurig wir jetzt alle sind und wie leer ich mich fühle. Ich bin völlig durcheinander, will es eigentlich noch gar nicht wahrhaben und kann mir nicht vorstellen, wie es jetzt weiter gehen soll. Aber es muss und es wird weitergehen und wir werden für unsere Oma weiterleben!

Immer, wenn es heute ganz schlimm war, habe ich an Pummels Worte denken müssen und das hat mir wirklich viel geholfen. Jetzt habe ich solche Angst vor der Beerdigung (am Dienstag), denn danach werde ich wohl erst realisieren, dass das alles echt endgültig ist...

Vielleicht melde ich mich in den nächsten Tagen noch einmal, denn es tut wirklich gut, sich alles von der Seele zu schreiben! Danke Euch allen fürs Lesen.

Verzweifelte Grüße
Giselle

WolkeSienna
14.07.2006, 14:53
Hallo Gisele, ich moechte dir gerne sagen - mein aufrichtiges Beileid!

Zum Glueck leben meine Großeltern noch und ueber Deinen Beitrag habe ich mir úeberlegt am Wochenede sie zu besuchen.

Giselle
14.07.2006, 23:00
Hallo WolkeSienna,

Danke für Deine netten Worte!
Ich finde es gut, dass Du am Wochenende Deine Großeltern besuchen möchtest. Genieße die Zeit mit ihnen, ich wünschte, ich hätte meine Oma noch. Natürlich kümmern wir uns jetzt ganz besonders um meinen Opa, aber trotzdem wird es nie wieder so sein wie früher...

Liebe Grüße
Giselle

Inaktiver User
15.07.2006, 19:36
Es wäre gut, wenn Du Deine Kräfte noch mal sammelst und keine Angst vor der Beerdigung hättest. Ihr Leben ist nun vollendet. Tue etwas dazu, daß es einen würdigen Abschluß bekommt.Feierlich und ihr angemessen. Wenn du es nicht laut oder offensichtlich machen kannst, denk Dir ein Ritual, eine Geste aus, die Du an diesem Tag ihr bringen wirst.
Ihr sorgt in Würde für den Abschluß. Fürchte Dich nicht.Sei stolz auf diese Frau.
Liebe Grüße

Giselle
15.07.2006, 22:21
Hallo Sontagskatze,

Danke für Deine Gedanken! Ich versuche schon, meine Kräfte zu sammeln, aber ich komme innerlich einfach nicht zur Ruhe - ich grüble den ganzen Tag. Und ich habe eine Riesenangst vor der Beerdigung, weil ich nciht weiß, wie ich sie überstehen soll. Ich mache mir so viele Sorgen um meinen Opa, der so am Boden ist. Ich habe Angst, dass er es nicht schafft. Aber die Idee mit dem Ritual finde ich sehr schön, da werde ich mir auf jeden Fall was überlegen. Ich glaube zwar nicht, dass ich es öffentlich kann, aber meine Oma und ich haben uns immer ohne Worte verstanden und das werden wir hoffentlich auch weiterhin. Ich fürchte mich zwar sehr, aber ich bin wirklich ganz, ganz stolz auf meine Oma - sie war ein wunderbarer Mensch.

Nochmal Danke und liebe Grüße
Giselle

Toyo
16.07.2006, 18:35
Giselle ich drück dich. Und denk an dein Motto.

Küsschen
Toyo

Giselle
16.07.2006, 22:46
Danke für alles, Toyo! Ich hab Dir 'ne PN geschrieben. :blumengabe:

Ganz liebe Grüße
Giselle

Pummel
17.07.2006, 11:57
Liebe Giselle,
nimm mein aufrichtiges Beileid entgegen.
Ja es ist schwer sich mit dem 'neuen' Gedanken vertraut zu machen, dass deine liebe Oma nun nicht mehr ist. Was wiederum nicht ganz stimmt, denn ich persönlich bin überzeugt davon, dass die Seele immer noch 'ne zeitlang 'verweilt'. Vll können auch Seelen sich nicht so schnell trennen. Ganz sicher wirst du ab u. an das Gefühl haben, dass deine Oma in deiner Nähe ist.
Der Körper ist nicht mehr u. den hat man schließlich genauso geliebt. Die Beerdigung macht es einem nochmal richtig deutlich, dass man Abschied nehmen muss und das tut weh. Du schaffst das, deiner Omi zuliebe!
Schreib ihr doch einen Brief u. gib ihn mit auf die Reise.

Nimm dir Zeit zum trauern. Immer wenn es zu schlimm wird, wirst du sehen, wirst du sie 'spüren'.

Alles Liebe - Pummel :blumengabe:

Giselle
17.07.2006, 17:51
Liebe Pummel,

Danke für Dein Beileid und Deine schönen Zeilen! Ich freue mich sehr, dass Du mir noch einmal geschrieben hast.
Es ist wirklich sehr schwer, sich mit dem Gedanken abzufinden, dass meine Oma nicht mehr da ist. Es ist immer noch so unwirklich und ich weiß auch nicht, ob ich es je begreifen werde. Ich bin auch sicher, dass ihre Seele noch da ist und ich spreche auch viel mit ihr.
Wenn ich nur nicht so eine schreckliche Angst vor der Beerdigung morgen hätte. Mir ist schon den ganzen Tag schlecht und ich habe Durchfall, das ist bestimmt auch psychisch bedingt. Hoffentlich schaffe ich das morgen. Ich hatte wirklich noch nie in meinem Leben so eine Angst. Aber ich muss es wirklich meiner Oma zuliebe schaffen. Die Idee mit dem Brief hatte ich auch schon, aber ich weiß nicht so recht, ob ich das kann. Ich denke, ich werde irgendwann diese Woche nach der Beerdigung alleine zum Friedhof gehen und ihr noch einiges sagen. Ich möchte das ohne irgend jemanden machen, der mich dabei beobachtet. Weißt Du, wir sind so eine große Familie und morgen werden so viele Leute da sein, das passt irgendwie nicht zu mir.
Momentan habe ich das Gefühl, ich kann und darf nie mehr glücklich werden. Ich denke jeden Tag von früh bis spät an sie und ich habe das Gefühl, der Schmerz kann niemals vorbeigehen... Aber das Gefühl hat wohl jeder Trauernde.
Nochmal vielen Dank für Deine Worte und wenn ich stark genug bin, melde ich mich morgen Abend nochmal hier. Ansonsten in den nächsten Tagen.
Danke und ganz liebe Grüße
Giselle :blumengabe:

Pummel
17.07.2006, 22:24
Liebe Giselle,
ich wünsch dir viel Kraft für morgen.
Habe im and. Thread ein schönes Gedicht für dich entdeckt u. kopiers dir rein.

Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen – um zu wissen wies dir geht
Wie lebst du dort?
Wo lebst du fort?

Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen – dass die Tränen versiegen
Wie konnte das sein?
Warum sind wir hier nun allein?

Gib mir ein Zeichen,
Ein Zeichen der Hoffnung
Siehst du mich hier sitzen?
Und mich erinnern in Liebe?

Ich sehn mich nach dir.
So sehr fehlst du mir.

Ich sehn mich nach dir.
Dein Antlitz, Sprach und Tun
Das alles war dein und mein zuhause.
Doch die Erinnrung schmerzt auch ab und zu
Dann fällts schwer die Augen zu zutun.

Ich sehn mich nach dir.
Lass mich deine Worte erinnern
Und du, bitte, erinner’ dich auch meiner

So kann ich irgendwann verstehn,
warum wir hier alleine nun müssen weiter gehn.


In Erinnerung an meine Oma
-----

Du bist nicht allein. Alles Liebe - Pummel :blumengabe:

Toyo
18.07.2006, 08:45
@Giselle
ich schicke dir ein Kraftpaket für dich und ein Blümchen :blumengabe: (Sonnenblume) für deine Oma.

Toyo

Giselle
19.07.2006, 18:00
Liebe Pummel,
vielen Dank für Deine Zeilen. Ich habe sie zwar erst heute gelesen, aber trotzdem haben sie mir wieder sehr gut getan. Herzlichen Dank für das schöne Gedicht... es ist total passend für mich! Ich denke oft an Deine Worte, sie helfen mir sehr in der schweren Zeit. Danke für Deine Anteilnahme! :blumengabe:


Liebe Toyo,
auch Dir ganz herzlichen Dank für das Kraftpaket - das kann ich wirklich gut gebrauchen! Und Danke auch für die Sonnenblume - weißt Du, dass meine Oma Sonnenblumen total gerne hatte? In ihrem Krankenzimmer waren jede Menge davon verteilt... :blumengabe:


Ich danke Euch allen noch einmal von Herzen für Euren Trost und Beistand - die Beerdigung war gestern sehr traurig und tränenreich, aber es war ein würdiger Abschied für meine Oma. Ich habe mich besser geschlagen als ich gedacht hätte und meine Angst war wie weggeblasen. Ich denke, es war alles so, wie sie sich das gewünscht hat! Jetzt, nachdem wir alle zur Ruhe kommen, wird es bestimmt noch einmal sehr schlimm werden, aber wir werden das schon schaffen. Ich fahre später nochmal mit meinem Mann zum Friedhof, damit wir noch einmal alleine bei ihr sein können.

Ganz liebe Grüße und Danke
Eure Giselle :wangenkuss:

Leo32
31.07.2006, 14:10
Liebe Giselle!

Mein aufrichtiges Beileid. Auch meine Omi ist gestern ganz plötzlich und unerwartet gestorben. Ich habe nur geweint. Ich konnte mich nicht von ihr verabschieden. Nun ist sie nicht mehr da. Ich habe so Angst vor der Beerdigung nächsten Freitag. Warum tut es nur so weh?

Giselle
31.07.2006, 17:49
Hallo Leo,

auch Dir mein aufrichtiges Beileid! Ich weiß so genau, wie Du Dich fühlst und möchte Dich mal in den Arm nehmen und Dich trösten. Es tut mir sehr leid, dass Deine Omi plötzlich und unerwartet gestorben ist - es muss sehr schlimm sein. Wir hatten das "Glück", uns von unserer Oma verabschieden zu können, auch wenn das sehr bewegend war. Jetzt ist sie schon mehr als zwei Wochen nicht mehr bei uns und ich kann es immer noch nicht so richtig glauben. Ich weine auch jetzt noch sehr viel und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht ständig an sie denke. Und Deine Angst vor der Beerdigung kann ich nur zu gut verstehen, ich hatte auch eine schreckliche Angst davor. Aber als es dann soweit war, habe ich gemerkt, dass ich gar keine Angst haben muss. Die Beerdigung war zwar sehr traurig, aber ich denke, auch Deine Omi hat einen würdigen Abschied verdient und den wird sie bekommen. Auch wenn Du sie nicht mehr siehst, ist sie trotzdem noch da und Du kannst Dich auch jetzt noch von ihr verabschieden. Ich spreche in Gedanken noch oft mit meiner Oma und das tut richtig gut. Ich habe auch manchmal das Gefühl, dass sie hier ist. Glaub' mir, auch Du wirst es schaffen! Ich weiß nicht, wie lange es noch so weh tun wird, aber so viele liebe Menschen waren in den letzten Wochen für mich da und ich wünsche Dir, dass Du auch so gut "aufgefangen" wirst wie ich!

Ganz liebe Grüße und viel Kraft wünsche ich Dir! Und hier noch ein Blümchen für Deine Omi: :blumengabe:

Giselle

Leo32
01.08.2006, 12:32
Hallo Giselle. Ich habe mir erstmal ein Beruhigungsmittel verschreiben lassen, da es mir echt mies geht. Nächsten Freitag ist die Beerdigung und ich möchte gar nicht daran denken, da es so was endgültiges ist. Ich habe ein Gedicht gefunden, was mir sehr gefallen hat und was ich vielleicht vortragen möchte. Aber schaffe ich das? Ich habe an dem Abend, an dem sie gestorben ist etwas merkwürdiges gesehen. Es war ein schönes Abendrot am Himmel und da war so etwas wie ein Lichtstrahl. Ich mußte fasziniert hinsehen und habe an meine Omi gedacht. Es war nach ein paar Sekunden weg. Habe ich mir das eingebildet?

Inaktiver User
01.08.2006, 14:49
Es war ein schönes Abendrot am Himmel und da war so etwas wie ein Lichtstrahl. Ich mußte fasziniert hinsehen und habe an meine Omi gedacht. Es war nach ein paar Sekunden weg. Habe ich mir das eingebildet?





Leo, nimm es ruhig als ein Zeichen.
Ich habe sowas schon mal gehört. In Zeiten großer Emotionen sind wir Menschen "offener" für spezielle Wahrnehmungen.

:blumengabe:

Lavendelmond

Schwarzwald74
01.08.2006, 15:32
Ich habe meine Oma vor 12 Jahren auf die gleiche Weise verloren, an die gleiche Krankheit. Selbst jetzt, so viele Jahre danach, sitze ich jetzt hier und weine um sie, weil ich sie sehr vermisse. Ich habe sehr viel Verständnis und es tut mir unendlich leid für Dich.
Ich bin jetzt 32 Jahre alt, habe Kinder, sie hätte sich so über Urenkel von mir gefreut, ich weiß, dass ich ihr Lieblingsenkel und sie sehr stolz auf mich war. An Festtagen wie Geburtstag usw. war sie die erste die da war und die letzte, die ging. Ich werde mich nie daran gewöhnen können, dass sie nicht mehr da ist. Es fehlt einfach etwas. Wir konnten uns auch Stunden lang zoffen, aber im Nachhinein war sie die beste Oma, die man sich wünschen könnte. Ich wünschte, mein Mann und meine Kinder hätten sie kennenlernen dürfen.

Drück Dich noch mal ganz fest. Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt.

Giselle
03.08.2006, 16:54
Hallo Leo,
wie geht es Dir denn mittlerweile? Ich möchte Dir ganz viel Kraft für morgen schicken - ich weiß, dass es Dir mies geht, aber wenn ich das geschafft habe, schaffst Du das erst recht, glaub mir! Natürlich merkt man bei der Beerdigung noch mal so richtig, dass alles endgültig ist, aber ich war gerade erst wieder bei meiner Oma auf dem Friedhof und ich finde es gut, einen Platz zu haben, wo ich mich ihr immer nahe fühle. Die Idee mit dem Gedicht finde ich sehr schön! Hast Du Dich denn schon entschieden, ob Du es vorträgst oder nicht? Ich wäre nicht stark genug dafür gewesen, so in aller Öffentlichkeit zu sprechen, aber ich habe ihr in Gedanken viel gesagt und tue das immer noch! Im Übrigen sehe ich es genau wie Lavendelmond - nimm das Abendrot und den Lichtstrahl als ein Zeichen. Meinem Papa ist am Abend nach dem Tod meiner Oma was ganz ähnliches passiert... Ich glaube auf jeden Fall an sowas und ich denke auch bei manchen Gelegenheiten - ob das jetzt meine Oma war? Noch mal alles Gute für morgen, ich denke an Dich!


Liebe Schwarzwald,
danke für Deine Zeilen. Es tut mir leid, dass Du das gleiche Schicksal erleiden musstest wie ich. Ich glaube auch, dass es in meinem ganzen Leben immer wieder Zeiten geben wird, in denen ich besonders um sie trauern werde. Im Moment ist der Schmerz natürlich noch besonders groß, aber ich glaube auch, dass mich das noch sehr lange begleiten wird. Alles, was Du schreibst, erinnert mich total an mich. Meine Oma hätte sich auch so sehr über Urenkel gefreut und es tut mir so leid, dass ich ihr diesen Wunsch nicht mehr erfüllen konnte. Ich hatte das große Glück, sie vor zwei Jahren bei unserer Hochzeit dabei zu haben - Mensch, sie war so stolz und hat so viel geholfen und vorbereitet. Dafür bin ich wirkllich dankbar, denn ihre anderen Enkel werden einmal ohne unsere Oma heiraten müssen. Meine Oma war genauso, an Festen war sie die erste, die gekommen ist und die letzte, die gegangen ist. Sie hat es geliebt, ihre ganze Familie um sich zu haben und war immer für alle da. Letzte Woche hatte meine Tante Geburtstag und es war ganz komisch so ohne Oma! Sie fehlt mir so sehr. Wir konnten uns teilweise auch ganz schön zoffen, weil wir uns so ähnlich waren, aber sie war einfach die beste Oma für mich! Wenn ich sie doch nur länger gehabt hätte...
Ich drücke Dich auch ganz fest und ich bin sicher, unsere Omas sind stolz auf uns!

Inaktiver User
03.08.2006, 17:33
hallo giselle,
mein herzliches beileid, meine oma ist auch voriges jahr im krankenhaus gestorben und hat sich auf der intensivstation noch sehr quälen müssen, bevor sie dann starb, unsere familie hat auch miterlebt, wie es ihr täglich schlechter ging...es war ganz furchtbar- sie hatte mehrere schlaganfälle nacheinander-war auch schon 83 jahre alt-aber geistig noch total fit- bin heut noch traumatisiert, wenn ich an ihr tagelanges sterben an schläuchen angeschlossen denke.... ich kann dir nur als trost mitgeben, daß letztendlich die guten erinnerungen und erlebnisse, die du mit deiner oma hattest, für immer bleiben... auch wenn es ganz schlimm war, sei glücklich, daß du deine oma noch intensiv mitbekommen hast- als kind und auch als erwachsene- viele meiner freunde hatten dieses glück leider nicht... aber ich weiß, das zu verarbeiten, braucht zeit....
sei ganz doll gedrückt von kasi

Giselle
03.08.2006, 17:57
Hallo Kasi,

danke für Deine lieben Zeilen! Es tut mir leid, dass auch Du das Sterben eines lieben Menschen hautnah miterleben musstest. Geht es Dir auch so - früher dachte ich immer, das passiert doch nur den anderen, aber mir doch nicht! Ich weiß auch nicht, mit welchem Recht ich das gedacht habe, das ist wahrscheinlich eine Schutzhaltung! Du hast recht, es ist schrecklich, wenn man so mit ansehen muss, wie jemand tagelang "vor sich hin stirbt" und welche Qualen der Angehörige aushalten muss. Bei meiner Oma kamen zum Schluss jeden Tag mehr Schläuche dazu und die Morphiumdosen wurden immer höher. Zum Glück war sie aber bis zuletzt geistig voll da und ist nicht ins Delirium gefallen vor lauter Schmerzmittel.
Du hast Recht, ich hatte das große Glück, 26 Jahre lang eine Oma zu haben und so viel schöne Dinge mit ihr zu erleben. Meine kleinste Cousine ist gerade mal 16 Monate alt, sie wird sich wahrscheinlich nie so an unsere Oma erinnern können. Trotzdem habe ich manchmal Angst, ich werde das alles nie verarbeiten können.

Ich drücke Dich ganz doll zurück,
Giselle

Inaktiver User
03.08.2006, 20:51
hey giselle,

auch wenn du dir das jetzt momentan überhaupt nicht vorstellen kannst: mit der zeit wird es besser und man denkt immer mehr an die guten sachen... bei mir hat das aber auch sehr lange gedauert, da ich sehr guten kontakt zu meinen großeltern hatte.
bei dir sind die ganzen eindrücke ja noch total frisch, meine oma ist voriges jahr anfang september gestorben und ich hab so ziehmlich bis jetzt gebraucht.... aber am meisten tut es mir für meinen opa leid, er ist jetzt ganz allein, fahre ihn zwar oft besuchen, aber das ist ja für ihn eine total neue situation, sie waren 58 jahre verheiratet und meine oma hat immer alles gemanagt, haushalt,finanzen usw., mein opa hat sich bis heut nicht so richtig davon erholt...
in deinem fall kann man wirklich nur sagen: die zeit heilt alle wunden. sterben gehört nun mal wirklich mit zum leben, auch wenn wir das nicht gern hören wollen. du wirst sehen, nach einigen monaten denkst du zwar immer noch oft an deine omi, aber du wirst sicher dann auch diese schreckliche zeit im krankenhaus nicht mehr so intensiv realisieren sondern mehr an all die positiven sachen denken, die du mit deiner oma erlebt hast.
machs gut, viele grüße aus berlin

kasi.

Giselle
03.08.2006, 22:07
Hi Kasi,

ja, ich weiß - die Zeit heilt alle Wunden... Wenn ich doch nur dran glauben könnte. Im Moment ist es einfach unvorstellbar. Aber ich weiß, da müssen so viele Menschen durch, ich muss und werde es mit Sicherheit auch schaffen. Ich versuche schon jetzt, an die vielen schönen Dinge zu denken, die wir miteinander erlebt haben. Mir passiert es auch so oft, dass ich denke, das möchte ich jetzt unbedingt meiner Oma erzählen. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich das ja gar nicht kann... Unsere Familie hat einen recht guten und engen Kontakt und meine Oma war wirklich so unser Mittelpunkt.

Aber mir geht es wie Dir, mein Opa tut mir so leid. Er ist total am Boden zerstört und ich würde ihm so gerne helfen. Nächstes Jahr hätten die beiden goldene Hochzeit gefeiert, darauf haben sie sich so sehr gefreut. Wir alle haben auf der Arbeit doch Ablenkung, aber er ist ganz alleine, Rentner und immer alleine im Haus. Es riecht noch alles nach meiner Oma und man hat echt immer das Gefühl, sie kommt gleich zur Tür rein. Wir besuchen meinen Opa zwar sehr oft und er ist auch viel bei seinen Kindern, aber trotzdem ist er eben größtenteils alleine. Bei den beiden war es auch so, dass meine Oma alles gemanagt hat, er war zum Beispiel bis zu ihrem Tod nie alleine bei der Sparkasse. Ich habe auch Angst, dass er sich nie mehr davon erholt.

Aber wie Du schon sagst, Sterben gehört nun mal mit zum Leben und jeder von uns verliert früher oder später einen geliebten Menschen. Aber irgendwie habe ich das bisher immer total verdrängt! Und jetzt war sie ja "nur" meine Oma - wie muss es da in ihrem Mann, ihren Kindern und vor allem ihrer Mutter aussehen? Tut es ihnen noch mehr weh als mir? Eigentlich kann es gar nicht mehr schlimmer sein...
Naja, es kommen hoffentlich bald wieder bessere Tage, in denen ich an sie denken kann ohne zu weinen.

Danke für Deine netten Zeilen, das hat mir sehr gut getan.

Liebe Grüße nach Berlin
Giselle

Toyo
08.08.2006, 23:23
Giselle ich drück dich. Ich denke an dích. Es ist immer schwer, einen geliebten Menschen zu verlieren. Bei dir war es die Oma. Aber das ist der Lauf der Dinge. Ältere sterben vor Jüngeren. Trotzallem tut das natürlich weh. Keine Frage.

Wünsche dir eine gute Nacht

Toyo

Giselle
09.08.2006, 18:46
Danke, liebe Toyo!

Ich denke auch oft an Dich und Du weißt ja nur zu gut, wie schwer es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren. Ob es nun wie bei mir die Oma oder wie bei Dir die beste Freundin ist, es ist immer schmerzhaft.

Ich versuche zu akzeptieren, dass dies nun mal der Lauf der Dinge ist und manchmal klappt es auch ganz gut. Aber dann wieder holt mich die Trauer mit einer Wucht ein, die ich kaum aushalten kann. Erst vorhin war ich wieder auf dem Friedhof und ich frage mich, wann es wohl endlich nicht mehr so weh tun wird...

Ich drück Dich und Danke für alles
Deine Giselle

kathamaus
23.07.2007, 22:45
Hallo hier ist die Katha,

auch erstmal mein tiefstes Beileid.

Meine Oma, 64 Jahre leidet seit zwei Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs, nur konnte man Sie damals nicht mehr operieren, weil sie sonst verblutet wäre, da der Krebs zu groß ist. Ihr geht es auch immer schlechter, liegt nur noch im Krankenhaus und die Ärzte wollen ihr keine Chemo mehr geben, weil sie nur noch fieber hat und ihre Entzündungswerte sehr hoch sind. Des Weiteren wird sie künstlich ernährt, weil sie nur noch 48 kg wiegt - oder mittlerweile vielleicht schon doch weniger - und nichts mehr essen möchte, da sie es eh immer wieder ausbricht. Wir haben ebenso angst. Ich will sie nicht verlieren, weil ich sie brauche. Es ist so ungerecht, dass man gegen diesen Krebs nichts unternehmen kann. Was sollen wir nur machen und vorallem wann wird es zu Ende sein bzw. gibt es nicht doch noch Hoffnung?

Bye die Katha
Ps. würde mich über Antworten freuen

Giselle
23.07.2007, 22:53
Hallo liebe Katha,

ich habe diesen Strang letztes Jahr eröffnet, als meine Oma im Sterben lag. Am 13. Juli war ihr erster Todestag...

Es tut mir so leid, dass Du das alles jetzt auch durchmachen musst. Alles, was Du schreibst, erinnert mich so an unsere Situation im letzten Jahr. Meine Oma war 68 Jahre alt, also auch noch recht jung. Krebs ist so eine Scheißkrankheit und Bauchspeicheldrüsenkrebs ist extrem grausam. Auch wenn es vielleicht hart klingt, aber man wünscht seinem Angehörigen am Schluss nur noch, dass er nicht mehr leiden muss und endlich erlöst wird. Ich würde Dir gerne was Anderes schreiben, denn auch wir haben bis zum Schluss immer noch auf ein Wunder gehofft. Leider hat aber alles Hoffen und Beten nichts geholfen...

Wenn Du irgendwelche Fragen hast, ich versuche Dir gerne zu helfen, denn ich habe das alles ja auch mitgemacht und meine Erinnerungen sind immer noch so präsent...

Liebe Katha, ich umarme Dich mal, wenn ich darf und schicke Dir ganz viel Kraft! :in den arm nehmen:

Alles Liebe,
Deine Giselle

SnoopWe81
18.08.2007, 11:06
Auch meine Oma ist am 12.05.2007 gestorben.

Grund hierfür war keine Krankheit oder gebrechen. Nein, es war ein ganz dummer Unfall.

Sie ist mit meinem Opa Einkäuft für ihren Geburtstag am 15.05. erledigen gefahren. Mein Opi is 77 und meine Omi wollte 73 werden. Dafür führte sie ihr weg mit dem Auto über die Bahnschienen in Richtung Garten. (diese Schienen überqueren sie auf den Weg zum Garten bereits über 40 Jahre!)

Keine weis wie es passieren konnte, aber mein Großvater hat den kommenden Zug nicht gesehen (man muss dazu sagen das die Strecke ganz gerade ca. 2 km weit einsehbar ist!) und der rahmte das Auto an der Beifahrerseite und bohrte einen der 2 Kopplungen genau in die Beifahrerseite - meine Omi hatte keine Chance! -

Danach lag mein Opi 2 Wochen im Koma, sein Leben hin an einen seeeehr seidenen Faden. Aber er hat es geschafft. Ob er das jemals als "geschafft" oder weiterhin immer nur als Strafe sieht, bleibt abzuwarten.

Ich bin 25 und jetzt rund um die Uhr für ihn da. Es ist verdammt hart, die ganze Situation ist so unendlich schwer, schmerzhaft und unfassbar.

Danke fürs Zuhören. Wenn ihr Fragen habt, fragt. Weis nicht ob ich jetzt alles ausreichend beleuchtet habe.

Giselle
18.08.2007, 11:52
Liebe(r) SnoopWe,

mein herzliches Beileid! Was Du erlebt hast, bzw. noch durchmachst, ist ja schrecklich! Es tut mir so leid, dass dieser tragische Unfall passiert ist. Wir hatten wenigstens noch die Gelegenheit, von meiner Oma Abschied zu nehmen und uns darauf "einzustellen", auch wenn man sich auf sowas eigentlich nicht einstellen kann! Aber so von jetzt auf dann so eine Tragödie, das ist ganz schlimm.

Ich finde es sehr schön von Dir, dass Du rund um die Uhr für Deinen Opa da bist, aber denke bitte auch an Dich. Ich hoffe, es hilft Dir auch noch jemand, denn die Situation ist so schon hart genug für Dich!

Ich schicke Dir ganz viel Kraft und nimm Dich mal in den Arm (wenn Du magst).

Liebe Grüße
Giselle :in den arm nehmen:

SnoopWe81
18.08.2007, 12:15
ja, es war der Horror. Habe mich einen Monat davor noch von meinem Freund getrennt, mit dem ich 8 Jahre zusammen war und vorübergehend wieder bei meinen Großeltern gewohnt. (bin bei ihnen aufgewachsen)

War jetzt wieder mit einem neuen Mann zusammen und hab viel bei ihm übernachtet. Am Morgen des 12.05. bin ich zu meinen Großeltern und sie waren gerade im Aufbruch weil sie ja besagte Einkäufe für den Geburtstag 2 Tage später besorgen wollten.

Ich weis noch genau wie es war. Ich war gerade auf Toilette und meine Omi verließ die Wohnung.... Nur ein Tschüss durch die Badtür, dass war alles!

11:38 Uhr rief mich Opi noch auf dem Handy an um mir was mitzuteilen. Um 12:19 ist es dann passiert.

Mir gingen soviel Dinge durch den Kopf, Dinge die im Nachhinein keine Rolle mehr spielen:

"Hätte ich sie nur noch ein paar Minuten zu Hause aufgehalten..."

"Hätte ich Opi einen Moment, nur einen Satz länger an der Strippe gehalten..."

UND

"HÄTTE ICH MEINE OMI NUR NOCH EINMAL IN DEN ARM GENOMMEN!!!"

Es ist wahr, es ist die Hölle, ein Mensch ist einfach so weg. Keine Anzeichen dafür, keine Ahnung, einfach so - KNALL - WEG!

Als mein Bruder mich anrief und mir sagte ich solle sofort nach Hause kommen, war mir klar. Da ist was schlimmes passiert. Dazu muss ich sagen das mein Opi bereits etliche Jahrzehnte schwer krank ist und wir immer damit gerechnet haben das wenn einer von beiden "zuerst geht", dann er. Umso schockierender war die Nachricht das Omi tot ist.

Ich fühl mich wie gelähmt, ganz antriebslos. Freunde spielen keine Rolle mehr, ich habe an nichts mehr so recht Freude, alles ist so unwirklich... :knatsch:

Kurz zu mir: mein Name ist Nancy, ich bin 25 und komme aus Weimar/Thüringen.

Giselle
18.08.2007, 12:38
Liebe Nancy,

es tut mir alles so leid! Es fällt mir auch sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, denn es ist einfach nur ein Horror! Ich hoffe, es hilft Dir ein bisschen, Dir die ganze Trauer von der Seele zu schreiben. Mir hat es letztes Jahr, als ich meine Oma verloren habe, sehr geholfen und ich schreibe auch jetzt noch viel hier im Trauerforum. Das Schöne ist, dass immer jemand da ist, der einem zuhört und Trost zuspricht.

Auch ich erinnere mich noch haargenau an die letzten gemeinsamen Momente mit meiner Oma. Nur wie gesagt, ich war darauf gefasst - für Dich kam es ja leider aus heiterem Himmel.

Liebe Nancy, mache Dir bitte keine Vorwürfe - Du hättest es nicht verhindern können! Das Schlimme ist halt, dass Du Dich nicht verabschieden konntest. Das stelle ich mir auch grausam vor, wenn plötzlich nichts mehr ist, wie es mal war! Dieses Gefühl der Lähmung kenne ich auch sehr gut - aber auch wenn es abgedroschen klingt, es wird besser! Ich hoffe, Du hast jemanden, der für Dich da ist (Dein Bruder, Dein Freund, Deine Eltern?) und musst nicht völlig alleine mit der Situation klar kommen.

Ich wünschte, ich könnte Dir helfen, aber leider kann ich nicht wirklich was tun. Ich hoffe, es hilft Dir, hier zu schreiben und ich schicke Dir ganz herzliche Grüße!

Alles Liebe,
Giselle :in den arm nehmen: