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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : schwanger und solche panik



Inaktiver User
05.07.2006, 20:10
ich bin 40, dachte immer, ich werde eh nicht schwanger, hatte mich auch ganz gut damit abgefunden. bin eh eher eine eigenbrötlerin. tja, und jetzt ist es passiert. ich bin schwanger. ich weiß es erst seit wenigen tagen. und bin seitdem fast nur noch am heulen. die äußeren umstände wären objektiv zwar nicht perfekt, aber soweit ganz ok. aber alles in mir schreit nein. ich hab solche angst. angst, mein leben aufzugeben. angst, dieses wesen nicht lieben zu können. angst vor depressionen, an denen ich vor einigen jahren ganz schlimm gelitten habe. sehe ich babies oder schwangere drückt es mir regelrecht den hals zu.

eigentlich dachte ich immer: wenns doch mal passieren sollte mit einer schwangerschaft, dann ist das auch ok. abtreiben wollte ich nie. und jetzt sitze ich da und zerbreche mir den kopf. ich habe das gefühl, gleich wie ich entscheide, mache ich den fehler meines lebens.

ich bin total verzweifelt...warum stellt mich das leben so auf die probe? ich bin kein starker mensch, war ich nie. woher sollte ich jetzt die kraft für all das nehmen?

Digger
05.07.2006, 21:27
Hallo, Rucca.
Ich habe meine Kinder auch erst mit über 30 Jahren bekommen, nach einer gescheiterten Ehe und ich kann Dir nur sagen, daß es das beste war, was mir im Leben passiert ist. Dein Leben ändert sich total, Du siehst durch die Kinder plötzlich Dinge, die Du kaum noch wahrgenommen hast (Marienkäfer, Gänseblümchen, Sterne usw.). Das klingt vielleicht lächerlich, aber wenn Deine Situation einigermaßen normal ist, wage den Schritt. Baue ein Verhltnis zu Deinem Kind auf, schon vor der Geburt und erst recht danach. Heute sind meine Mädels volljährig und auf dem Weg ins eigene Leben und noch immer haben wir drei uns viel zu sagen, auch manchmal "Weißt du noch...?" Dieses Kind kann Dein Leben nur noch reicher machen---

Alles Gute für Dich!

Inaktiver User
06.07.2006, 09:11
***warum stellt mich das leben so auf die probe?**

vielleicht, weil du gerade dieses thema zu sehr weggeschoben hast ??? kannst du dir nur selber beantworten.

ich denke, es ist immer auch eine frage der sichtweise bzw. aus welcher ecke man etwas "beurteilt". am besten wird sein, wenn du dich einem dieser anlaufstellen anvertraust, pro familia z. b., es hilft dir bestimmt bei deiner entscheidung.
allerdings stellt sich auch die frage nach dem mann, der doch auch dazu gehört - dazu schreibst du leider gar nichts........wäre aber ein wichtiger punkt, finde ich.
gruß von nemesis/dunkle-mondin.de

Inaktiver User
06.07.2006, 12:03
der dazugehörige Mann war eigentlich erst recht angetan von der nachricht. da ich aber so in panik geraten bin, fängt er mittlerweile natürlich auch an zu zweifeln.

ob pro familia mir helfen kann, bezweilfe ich schwer. ich glaube kaum, dass ich so einer stelle meine tiefsten persönlichen ängste erklären kann und will. dann schon lieber bei freundinnen oder eben hier im forum.

ich weiß auch, dass die meisten frauen, wenn das kind erst einmal da ist, mit der situation gut zurecht kommen. ich habe jedoch auch fälle in meinem umkreis, in dem das nicht so war. und ich habe furchtbare angst, dass mich diese situation völlig überfordern würde. ich habe mich gerade in den letzten jahren recht gut in meinem leben eingerichtet, mir freiräume geschaffen und mich stabilisiert. und ich habe so furchtbare angst, dass ich dies alles wieder verliere und dann zusammen klappe.

Julifrau
06.07.2006, 14:44
Liebe Rocca, das Kind kann dich noch mehr stabilisieren - Kinder bringen die Realität. Das heißt nicht, dass die Situation plötzlich Eltern zu sein, nicht ungeheuer fordernd ist - und es immer Freude und Angst gibt.

Ich denke, dein Thema ist wahrscheinlich eher: die Angst vor der großen Verantwortung (lebenslang), das Aufgeben der Unabhängigkeit, ein gehöriges Maß an Unkontrollierbarkeit und eben die erste Erfahrung in diesem Bereich.

Es ist ein großes Abenteuer, doch das Leben geht weiter - auch mit Kind :smirksmile:, nur anders.

Freue dich doch, daß du dieses Geschenk bekommst. Oder stellst du es dir spannender vor, genau zu wissen, wie die nächsten 20 Jahre verlaufen, so bis zur Rente?!

Alles Liebe für Euch :blumengabe:
Juli

Digger
06.07.2006, 21:45
Hallo, Rocca!

Ich habe noch ein Weile über Dich und Deine Situation nachdenken müssen.

Ich kenne einige Leute, die mit 30 oder 40 bewusst auf Kinder "verzichtet" haben, weil sie gern ihr schönes (aber vielleicht eintöniges) Leben leben wollten. Jetzt, so ab 50 erkennen einige, wie viel sie verpasst haben und wie leer ein Leben sein kann, in dem man sich alles oder vieles leisten kann. Lach nicht, aber solche Paare kaufen sich dann oft mit 60 einen Dackel.

Freu Dich, daß Du die Chance hast, mit 40 mit einem kleinen Kind noch mal selbst die Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen!

Ich wünsch Dir viel Kraft und Stärke!

Inaktiver User
07.07.2006, 19:40
digger, du schreibst sehr lieb. das problem ist nur: vom kopf her weiß ich das alles, aber dennoch bin ich so was von todunglücklich. ich gäbe alles darum, nicht schwanger geworden zu sein. und auch wenn es furchbar ist: ich wäre erleichtert, wenn dieses leben in mir sich entschiede, nicht weiter zu wachsen.

ich bin einfach nur noch am boden zerstört und habe das gefühl, mein leben zerstört zu haben. ich will kein kind, habe jedoch auf der anderen seite furchtbare angst, mir eine abtreibung nie verzeihen zu können. ist irgendwie völlig auswegslos.

und gleichzeitig lese ich hier im forum von frauen, die alles darum gäben, schwanger zu sein.

Digger
07.07.2006, 22:20
Hallo, Rocca!

Vielleicht solltest Du doch mal mit jemandem reden, der ganz außen vorsteht. Ich glaube, das Problem Deiner Zerrissenheit ist ein tiefes Problem in Dir drin. Ich weiß nicht richtig, wie ich das sagen soll. Du hast Sorgen, das Kind nicht richtig annehmen zu können und Angst um Deine Eigenständigkeit. Das sind keine guten Voraussetzungen für "Muttersein". - Wenn Du von früheren psychischen Problemen sprichst, kennst Du doch sicher Menschen, die Dir damals geholfen haben und Dich auch kennen. DA kann ich mit meiner Ansicht und meinem Verhältnis zu Kindern sicher wenig ausrichten. Ich wollte Dir auch einfach nur sagen, wie schön es ist, Mutter zu sein und wie reich meine Zeit mit meinen Töchtern war und ist. - Für Euch beide ist es aber sicher nicht gut, wenn Du nicht sicher bist, ob Du dieses Kind möchtest und es - aus welchem Grund auch immer - ablehnst. Als ich meine Kinder großzog, ging es mir finanziell und emotional sehr gut. Das hat sich jetzt grundlegend geändert und ich weiß nicht, ob ich mich zum heutigen Zeitpunkt genauso auf und über ein Baby freuen würde.
Ich kann Dich also gut verstehen und wollte Dir auch einfach nur Mut machen. Aber Dein Problem scheint, wie gesagt,tiefer zu liegen.
Trau Dich, etwas zu unternehmen und Dir klar über alles zu werden!
Ales Gute!

Inaktiver User
08.07.2006, 09:37
danke, digger. ja, du hast völlig recht. da ist einfach eine tiefe zerrissenheit in mir drin. ich selber hatte überhaupt keine glückliche kindheit und das hat mich zutiefst geprägt. bei manchen in meiner lage ist es dann so, dass sie sagen: jetzt erst recht, ich machs besser. bei mir überwiegt einfach die angst, meinem kind ebenfalls nicht die liebe geben zu können, die es braucht.

dazu kommt, dass mein freund absolut zu mir steht, sicher auch ein toller vater wäre, aber seitdem ich schwanger bin, kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, mit ihm zusammen ein kind groß zu ziehen.

tja, und das mit dem reden ist auch nicht einfach. ich war einige jahre bei einem therapeuten, mit dem ich mich sehr gut verstand. er ist allerdings ein richtiger kindernarr. und hat mir immer gesagt, wenn ich zweifel ob meiner beziehung hatte: sie haben genau den richtigen mann, bekommen sie ein kind, es gibt nichts schöneres. ich habe mich in diesen tagen mit meinen zweifeln auch kurz an ihn gewandt, aber es kam natürlich die antwort, die ich mir erwartet hatte: machen sie keinen blödsinn, die panik geht wieder vorbei, bekommen sie das kind.

meine äußeren konditionen sind nicht perfekt, aber auch nicht wirklich schlecht. das "problem" ist nur, dass ich als freiberuflerin deutlich mehr verdiene als mein freund (ebenfalls freiberufler). ich habe ihn daehr auch schon gefragt, ob er es sich worst case vorstellen könnte, allein erziehender vater zu sein (natürlich mit meiner unterstützung). er sagt ja, aber ich weiß nicht, wie es dann wirklich in der praxis aussähe.

mensch, noch vor wenigen wochen hätte ich mir nie träumen lassen, je solche gedanken zu haben. NIE! wie sich doch alles plötzlich ändern kann, wenn man selbst in einer bestimmten situation steckt.

ach ja, digger, ist jetzt vielleicht etwas neugierig. aber wieso haben sich bei dir die so positiven ausgangsbedingungen wieder geändert?

Digger
08.07.2006, 20:51
Guten Abend, Rocca!

Das klingt jetzt ja vielleicht etwas komisch, aber warum lässt Du Dich nicht einfach auf das "Abenteuer Kind" ein? Warum solltest Du keine gute Mutter sein, weil Du keine so schöne Kindheit hattest? Vielleicht bist Du es auch gewohnt, alles genau zu planen und hast einfach Angst, mal etwas auf Dich zukommen zu lassen und dann spontan zu entscheiden, was zu tun ist. - Und außerdem, wenn Du freiberuflich tätig bist, bist Du doch flexibel und Dein Partner auch! - Warum sollt Ihr beiden das nicht schaffen, vor allem wo Ihr zusammen seid und Euch doch augenscheinlich auch gut versteht.

Um auf meine Situation zurückzukommen, ich bin auch der Typ, der nicht gern etwas dem Zufall überlässt und bis vor ca. 5-6 Jahren war das auch mein Lebensweg.
Wie gesagt, in dieser, ach so sicheren und behüteten Zeit, durfte ich meine Kinder großziehen und es war ein tolle Zeit.

Ich habe auch gemeint, daß geht immer so weiter, dann wehte der große Sturm durch mein Leben. Ich habe zwei Betriebsinsolvenzen "durchlitten", mir sind eine Menge Dinge passiert, daß ich manchmal meine, darüber ein Buch schreiben zu können. Dadurch hat meine Ehe sehr gelitten und die ganze Sache ist noch lange nicht durchgestanden. Es sind noch etliche Entscheidungen, die ich treffen muß und die ich z.Zt. noch nicht treffen kann. Ich hatte keine Wahl und auch keine Zeit, vorher über alles nachzudenken, sondern musste oft extrem spontan entscheiden, sicher habe ich da manches falsch gemacht.

Das vielleicht als Antwort auf Deine Frage und als Rat an Dich, Mut zu haben. Du packst das und es wird Dein Leben bereichern! Das ist eben das Leben, nicht festes Planen sondern auch mal Geschehenlassen und sich wundern, wie sich manche Dinge von selbst regeln.

Kannst Du mich verstehen, ich wünsche Dir "die Leichtigkeit des Seins" !!

Liebe Grüße, Digger

Inaktiver User
09.07.2006, 08:49
weißt du, digger, ein großes problem ist ja, dass ich, seitdem ich von der ss weiß, mir überhaupt nicht mehr vorstellen kann, mit meinem freund zs ein kind großzuziehen. ich spüre, dass da nicht mehr viel liebe ist, zuneigung ja, aber nicht liebe oder leidenschaft. mir wird erst jetzt bewusst, dass ich in der letzten zeit andere männer mit ganz anderen augen angesehen habe, dass ich sogar bereit wäre, mich neu zu verlieben. und jetzt ein kind? wie soll das gehen?
ja, das mit meinem freund ist wohl das grundlegende problem. es ist gar nicht so einfach, mein gefühlswirrwarr zu ordnen, aber ich glaube schon, dass das ein hauptknackpunkt ist.

wenn ich jetzt ein kind mit meinem freund bekomme, dann bin ich für den rest der männerwelt ja erst mal "gestorben". ich wäre an meinen freund gekettet, es sei denn, ich wäre allein erziehend. und da erlebe ich gerade im freundeskreis diverse abschreckende beispiele.

ich weiß nicht, ich mag kinder, ich spiele und unterhalte mich gerne mit kindern, aber nichts in mir sagt: so was will ich auch. gar nichts.

was mich so nervt, ist, dass ich all dies erst jetzt so klar sehe. ich habe diese situation immer völlig unterschätzt, dachte immer, ach, das mit einem kind bekomme ich schon hin.

hinzu kommt ja auch noch die angst wegen einer behinderung. ich bin halt nicht mehr die jüngste, und dann habe ich dummerweise in der letzten zeit deutlich mehr als sonst getrunken (wm, parties, neue wohnung etc.). dazu kommen noch komische krämpfe. irgendwie habe ich das gefühl, als stimme etwas nicht. aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. vielleicht suche ich nach einem vorwand, ich weiß es nicht.

naja, morgen gehe ich erst einmal zur frauenärztin. mir graust schon davor, wenn sie mir freudestrahlend verkündet: glückwunsch, sie sind wirklich schwanger...

Inaktiver User
09.07.2006, 11:20
ja, das mit meinem freund ist wohl das grundlegende problem. es ist gar nicht so einfach, mein gefühlswirrwarr zu ordnen, aber ich glaube schon, dass das ein hauptknackpunkt ist.




Ich kenne auch diese wahnsinnige Zerrissenheit, das habe ich bei meinem letzten Kind auch so gefühlt. Im Nachhinein würde ich sagen, es gab ein ganz anderes Probem, ob Kind oder nicht, das wäre egal gewesen. Heute bin ich sehr froh, dass ich ihn habe :smile:. Ich habe bei Dir nicht begriffen, was genau Dein Problem ist, vielleicht hab´ich ´s auch überlesen :blumengabe:

Digger
09.07.2006, 15:33
Hallo, Rocca!

Ich glaube, jetzt hast Du einen ganz wichtigen Teil Deines Problems angesprochen. Es ist die Beziehung zu Deinem Freund!. In Deinen ersten Nachrichten hast Du immer davon gesprochen, daß Du ihn Dir gut als Vater vorstellen kannst und das Eure Sache o.k. ist. Vielleicht ist Dir jetzt manches klar geworden. Wenn das wirklich so ist und Du auch manchmal über andere Männer nachdenkst, solltest Du Konsequenzen ziehen. Die eine wäre, Eure Beziehung abzuklären und eventuell auch zu beenden, zumindestens daraus eine Freundschaft zu machen. Die andere ist, so furchtbar das klingt, Dich auch gegen das Kind zu entscheiden. Diese Entscheidung nimmt Dir niemand ab. Ich denke, während ich Dir dies schreibe, aber auch an Deinen Freund. Es ist auch sein Kind, wie schwer wäre es für ihn, es zu verlieren?

Das ist wirklich eine vertrackte Situation. Wir Menschen wünschen uns ja oft, daß solche Entscheidungen von uns genommen werden, aber meistens müssen wir sie doch für uns selbst treffen.

Hör auf Dein Herz, klingt kitschig, weiß ich, aber mein Bauchgefühl war meist richtig und wenn ich dagegen gehandelt habe (was in den letzten Jahren hundert Mal passiert ist), ist danach noch mehr kaputt gegangen.

Ich wünsche Dir morgen beim Frauenarzt alles Gute. Laß Dir alles noch mal gut durch den Kopf gehen, aber vermutlich bist Du ja im Momant sowieso nur damit beschäftigt.

Es wäre schön, weiteres von Dir zu hören, wenn Du möchtest.

Inaktiver User
09.07.2006, 15:55
hallo digger, ja, das mit meinem freund ist wohl eines der hauptprobleme. ab und zu denke ich, wie es wäre, wenn ich das kind mit meiner großen liebe bekäme. und gleich stellt sich ein anderes gefühl ein. mein freund ist super lieb, er tut alles für mich und er hat in den vergangenen jahren für viel ausgeglichenheit in meinem leben gesorgt. aber das reicht nicht. eigentlich sind wir mehr wie bruder und schwester, als ein echtes paar, wenn ich ehrlich mir gegenüber bin.

wir haben gerade darüber geredet. das tut alles sehr weh. er hatte sich zunächst ja sehr über die nachricht gefreut. und jetzt merkt er, dass meine große ablehnung auch mit ihm zusammen hängt. puh, ist das alle schwierig. und ich merke erst jetzt, wieviel ich verdrängt habe.

andererseits, kann ich ein drittes wesen dafür "zahlen" lassen, dass unsere bezíehung so ist wie sie ist? ich hab solche angst davor, mich für eine abtreibung zu entscheiden und dies dann für den rest meines lebens zu bereuen, jedesmal einen stich ins herz zu bekommen wenn ich ein kind sehe etc. ich bin 40, das ist wohl meine letzte chance ein kind zu bekommen.

ach ja, wenn sich das problem doch von selbst "lösen" würde, wenn mir keine entscheidung abverlangt würde, was gäbe ich dafür.

Digger
09.07.2006, 17:46
Ja, Rocca, ich muß Dir sagen, daß ich gerade in meinem allerengsten Umfeld erlebe, wie sich eine junge Frau für oder gegen ihr Baby entscheiden muß, unter schwierigsten Bedingungen - noch in der Ausbildung, Beziehung zum Vater keine vier Wochen alt -. Sie überlegt trotzdem, ob sie nicht noch irgendetwas tun kann, um das Baby leben zu lassen. Sie sagte vor kurzem, daß sie nur noch schwangere Frauen und Babies sehe (mir ist klar, daß sie wahrscheinlich auch sehr darauf achtet). Sie ist nicht leichtfertig, aber es war echt ein Unfall. - Ich finde auch, daß eine Mutter-Kind-beziehung nicht unbedingt am Vater festgemacht werden sollte. Wieviele Frauen leben nicht mit dem Vater ihres Kindes zusammen und würden ihr Kind niemals wieder abgeben?
Und Dein Argument, vielleicht nie wieder ein Kind bekommen zu können ist auch nicht unerheblich.
Ach, weißt Du, ich möchte Dir so gerne viele aufmunternde Sachen sagen, sowie ich es der o.g. jungen Frau gesagt habe, aber letztendlich liegt die Entscheidung bei der Mutter.
Und warum ist eine gute Beziehung, wenn auch mehr Schwester-Bruder-mäßig schlecht. Ich habe vor vielen Jahren meine große Liebe geheiratet, wir hatten eine superschöne Zeit, viele Jahre lang, haben aber nie eine wirklich partnerschaftliche Beziehung entwickeln können. Und heute steh ich mit den meisten Dingen in meinem Leben alleine da.....
Ich kann Dir nur viel Kraft wünschen. Keiner wird jemals sagen können, ob die Entscheidung, die Du jetzt triffst, egal zu welcher Seite, richtig sein wird.
Vielleicht hilft Dir ja Gott doch noch und entscheidet für Dich.
Alles Gute für Dich.

Inaktiver User
09.07.2006, 19:45
du schreibst viele wertvolle sachen, digger. vielen dank für deine mühe. weißt du, gerade war ich allein im park. und plötzlich waren die ständigen unterleibsschmerzen weg, die ich seit einigen wochen habe (und die ich anfangs als sich ankündigende mens. gedeutet hatte). und ich fühlte mich plötzlich wieder so frei, so voller leben, ich kanns nur schwer erklären.

ich weiß, dass ich die entscheidung nicht übers bein brechen werden, aber dieses erlebnis im park gibt mir schon extrem zu denken.

und jetzt gehe ich noch ein letztes mal fußballgucken - sonst drehen die gedanken nur noch im kreis. und morgen ist termin bei fa. mal sehen, ob sich da etwas neues ergibt.

nochmal vielen dank für alles, besonders auch für deine ausgewogene, nicht ver- und beurteilende sichtweise! tut sehr gut.

Acajou68
11.07.2006, 16:08
Hallo Rocca, hallo Digger,

was für ein schönes Gespräch.
Und @Digger, Du haste eine sehr kluge, ruhige Art, Mut zu machen. Toll.

Würde gern wissen, wie es weitergeht - am liebsten mit einer glücklichen, werdenden Mutter... :kuss:

Rocca, aber falls Du Dich gegen das Kind entscheidest: Ich hab das vor fünf Jahren (naja, mit "erst" 32) auch getan, aus ähnlicher Panik, wie Du sie oben beschrieben hast (Depression, Beziehungskrise, Familie). Vielleicht komme ich später mal in die Hölle dafür - aber bislang habe ich mit dieser Entscheidung keine Probleme, weder moralisch noch psychisch. Der Himmel stürzt NICHT ein, so oder so.

Trotzdem wünsche ich mir ein bisschen, dass Du´s bekommst. Unlogisch? Well...
Alles Gute, acajou

Inaktiver User
11.07.2006, 16:26
hallo acajou, danke für deine antwort. leider gehts mir noch kein bisschen besser, eher im gegenteil. ich war noch nie in einer so furchtbaren situation. weiß weder ein noch aus. ich zermartere mir den kopf, komme zu einer entscheidung und schon in der selben sekunde schießt es mir durch den kopf: nein, das geht nicht!

ich kann mir einfach nicht vorstellen ein kind zu haben, aber ich kann es auch nicht verantworten abzutreiben (und bitte nicht den ratschlag, das kind zur adoption freizugeben - daran würde ich zu 100% zerbrechen).

und dann noch mein alter, das ist wohl meine letzte möglichkeit schwanger zu werden. ich glaube, wenn ich jetzt jünger wäre, wäre es etwas einfacher für mich.

ich habe das gefühl, mein leben so oder so zerstört zu haben. entweder an meinem schlechten gewissen zu zerbrechen, immer einen stich ins herz zu bekommen, wenn ich ein kind sehe oder wider willen mutter werden.

ach, würde mir die entscheidung doch abgenommen. was gäbe ich drum. manchmal schimpfe ich, so widersinnig es ist, mit diesem wesen in mir so nach dem motto: du weißt doch, dass du nicht willkommen bist, warum gehst du nicht wieder? so weit bin ich schon...

nie, nie hätte ich mir träumen lassen, dass mich eine ss in eine solche krise stürzt. was gäbe ich drum mich freuen zu können? wirklihc alles.

wie ist es bei dir, acajou, hast du kinder? oder hast du vor, noch welche zu bekommen?

Eva72
11.07.2006, 19:14
Liebe Rocca,

ich kann deine Panik gut verstehen, obwohl ich zum Glück noch nicht in einer solchen Situation war.
Ich stand vor einer anderen Entscheidung (Berufswechsel - ja oder nein?), ist natürlich nicht so tiefgreifend wie bei dir, aber die 2 Tage bis zur Entscheidung waren nicht schön. :knatsch: Ich hatte mir eine pro und kontra Liste gemacht und kam zu keinem Ergebnis. Ich habe letztendlich, zum Entsetzen meines Umfeldes, mich gegen die neue Stelle entschieden und muss sagen, dass ich bei dieser Entscheidung nur auf mein Bauchgefühl gehört habe. Nach ein paar Tränen nach dieser Entscheidung habe ich eine unheimliche Erleichterung verspürt und ich bin im Nachhinein froh, dass ich so entschieden habe.

Ich denke einfach, dass du auf dein Bauchgefühl und nur auf dich selbst hören musst, denn du bist diejenige, die hinterher mit dieser Entscheidung leben musst.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen :blumengabe:

liebe Grüße

Eva :smirksmile:

Inaktiver User
11.07.2006, 20:15
tja, das mit dem bauchgefühl klappt zurzeit leider nicht. es reißt mich hin und her, hab so etwas noch nie erlebt. habe mir auch schon auf anraten der fa eine pro-contra-liste gemacht, hat auch nichts gebracht.

und wenn ich nur abschätzen könnte, wie ich später reagiere. vielleicht gelingt es mir ja, das kind zu lieben. aber was, wenn nicht? vielleicht werde ich nach einer abtreibung erleichtert sein, aber was, wenn mich der anblick von kindern dann jedesmal schmerzt? wäre ich doch nur ein paar jahre jünger...

aber auf jeden fall möchte ich allen, die hier schreiben, für ihre differenzierte art danken. ich hatte große befürchtung, dass auch andere kommentare kommen. surfe gerade viel im internet herum (ist vielleicht gar nicht so gut...) und in vielen foren, wenn eine frau nur den gedanken äußert abzutreiben, kommen völlig harsche reaktionen, von wegen mörderin, was man sich einbrockt muss man selbst auslöffeln etc.

schwanke auch sehr, ob ich mit meiner schwester reden soll. wir hatten in den letzten jahren kein einfaches verhältnis, gelinde gesagt. allerdings ist sie ärztin, außerdem weiß ich, dass sie einmal abgetrieben hat (sie hat allerdings 2 kinder).

und mein freund kann mir auch nicht wirklich helfen. er sagt, er steht so oder so zu mir, er wird mich unterstützen. aber ich fühl mich bei solchen aussagen noch mehr alleine als eh schon. weil sie mich spüren lassen, dass einfach ich diejenige bin, die in der patsche sitzt...

Digger
11.07.2006, 21:09
Hallo, Rocca,
ich kann mich aus der Diskussion einfach nicht heraushalten. - Die junge Frau, von der ich Dir schrieb, ist meine Tochter, die ich genau wie ihre Schwester über alles liebe. Ich sehe, wie sie leidet und ich möchte ihr sooo gerne helfen. Ich habe immer gesagt, Abtreibung ist Mord. Ich bin gläubige und praktizierende ev
angelische Christin. Ich habe nicht das Recht, über ein Menschenleben, das Gott so will zu entscheiden und ich musste feststellen, wenn es mich betrifft, sehe ich die Sache plötzlich anders. - Gottes Werk und Teufels Beitrag!? -Ich kann Dir nichts mehr raten, weil ich nicht objektiv bin und ich schäme mich dafür..... Ich möchte gerne, daß meine Tochter ihr Baby bekommen kann, aber ich kann ihr nicht sagen, wie es danach weitergeht. Also werde ich morgen ihren Mutterpaß beim Frauenarzt abholen und am Montag hoffen, daß sie den Abbruch gut übersteht. Ich habe auch, wie Du, immer wieder gebetet: "Herr, nimm doch dieses Kind wieder zu Dir." Aber es ist nichts passiert und genau wie Du es sagst, sollte meine Tochter später keine Kinde mehr bekommen können, was werden wir empfinden?
Oh Mann, was müssen wir aushalten?
Ich freu mich , wenn Du Dich positiv entscheidest, aber ich kann auch eine andere Entscheidung verstehen.
Läßt Du mich wissen, wie es bei Dir weitergeht?
Es würde sicher auch mir (oder uns) helfen!
Alles Liebe für Dich!

Inaktiver User
11.07.2006, 21:23
vielleicht gelingt es mir ja, das kind zu lieben.



Ich weiss nicht, ob es Dich beruhigt, aber eine Mutter liebt ihr Kind immer. :zauberer: Davor brauchst Du schon mal keine Angst haben :allesok: Es wird sich allesdings wahnsinnig viel verändern, das ganze Leben, Deine Einstellung dazu und auch der Alltag. Die Beziehung zu Deinem Freund auch. Und Du hast recht, egal, wie Du Dich entscheidest, es wird nichts mehr so sein wie zuvor. Und: Genaugenommen kann man es nicht planen, wie es wird. Aber es wäre ja auch langweilig im Leben, wenn man alles genau planen könnte. Nur Mut! :blumengabe:

Inaktiver User
12.07.2006, 02:07
vielleicht gelingt es mir ja, das kind zu lieben.



Ich weiss nicht, ob es Dich beruhigt, aber eine Mutter liebt ihr Kind immer.



Sorry, das ist nicht wahr. Natürlich werden Hormone bei der Geburt freigesetzt, die bei der Mutter positive Gefühle auslösen und somit die Bindung an das Kind steuern. Das kann aber auch scheitern, wenn es zu einer postnatalen Depression kommt. Ich bin keine Ärztin, aber wenn Rocca bereits Zeiten der psychischen Instabilität erlebt hat, könnte sie vielleicht mit höherer Wahrscheinlichkeit eine solche Depression bekommen - die man selbstverständlich behandeln kann.

Rocca, hast Du Dich schon über postnatale Depressionen informiert?

Inaktiver User
12.07.2006, 05:48
vielleicht gelingt es mir ja, das kind zu lieben.



Ich weiss nicht, ob es Dich beruhigt, aber eine Mutter liebt ihr Kind immer.



Sorry, das ist nicht wahr. Natürlich werden Hormone bei der Geburt freigesetzt, die bei der Mutter positive Gefühle auslösen und somit die Bindung an das Kind steuern. Das kann aber auch scheitern, wenn es zu einer postnatalen Depression kommt. Ich bin keine Ärztin, aber wenn Rocca bereits Zeiten der psychischen Instabilität erlebt hat, könnte sie vielleicht mit höherer Wahrscheinlichkeit eine solche Depression bekommen - die man selbstverständlich behandeln kann.

Rocca, hast Du Dich schon über postnatale Depressionen informiert?



Sorry, aber medizinisch gesehen ist das Unsinn. Eine postnatale Depression entsteht nicht aus dem psychischen Zustend vor der Geburt, sondern kann mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit durch die Hormonumstellung n a c h der Geburt entstehen. Begünstigt wird sie, wenn Mutter und Kind nach der Geburt getrennt werden. Ich meinte auch nicht die Liebe durch Hormone, wie bei der Verliebtheit, sondern die tiefe Liebe zwischen Mutter und Säugling. Da gibt es auch eine Menge guter Bücher dazu. LG anna

Inaktiver User
12.07.2006, 09:03
P.S. Statistisch gesehen ist das Risiko psychisch zu erkranken nach einer Abtreibung viel höher als nach einer Geburt. Aber das ist nur Statistik, entscheiden muss man sich selbst.

Inaktiver User
12.07.2006, 09:11
anna, leider ist dem nicht so wie du sagst. dieser mythos, jede mutter würde ihr kind lieben, trifft einfach nicht zu. dafür reicht es die zeitung aufzuschlagen. und leider habe ich diese erfahrung auch machen müssen. sehe zudem auch in meinem umfeld, wie schwer sich eine freundin damit tut, ihr kind zu lieben. daher habe ich auf diese "angeborene muterliebe" kein vertrauen. leider. woher denkst du, kommen die vielen schwer gestörten menschen, die bereits in ihrer kindheit kaputt gemacht wurden durch zu wenig liebe. es gibt unmengen davon. lies nur mal hier im forum.

und diese mütter sind nicht unbedingt monster. sie sind einfach mit der lage, für jemanden sorgen zu müssen, den sie nicht lieben, überfordert. klar wird das kaum jemand offen sagen. aber wie gesagt, die ergebnisse sprechen bände.

und dass mich die postnatale depression trifft, halte ich für überhaupt nicht unwahrscheinlich. ich bin dafür anfällig, das weiß ich. auch und gerade weil diese depressionen von der hormonumstellung kommen. aber es ist ja mittlerweile bekannt, dass depressionen generell viel mit hormonen etc. zu tun haben.

ich habe heute einen beratungstermin und da werde ich auch gezielt nach diesem punkt fragen. auch, was worst case passieren würde, wenn ich wieder depressiv würde, ob es angebote etc. gibt.

und liebe digger, meine güte, du tust mir aber leid. ist deine tochter fest entschlossen abzutreiben? weißt du, wenn ich eine mutter hätte, auf die ich mich verlassen könnte, sähe es bei mir schon wieder anders aus. andererseits ist das ihre höchstpersönliche entscheidung. wie alt ist deine tochter denn?

aber es ist schon "faszinierend", wie man seine meinung ändern kann, wenn man selbst betroffen ist, stimmts? wie ich schon sagte, noch vor wenigen wochen hätte ich dir vorträge darüber halten können, warum man nicht abtreiben sollte (wobei ich immer der meinung war, dass man jeder frau die entscheidung selbst überlassen sollte und ich nie jemanden dafür verurteilt hätte). aber dennoch, ich war mir so sicher.
egal, wie dies hier enden wird, es wird mir immer einen lehre sein, nicht über situationen zu urteilen, die man nicht kennt. puh, eine harte lektion.

aber du, digger, hast wenigstens die hilfe des glaubens. wie ich dich darum beneide. mein grundlegendes problem ist, dass ich einfach keinen sinn in diesem leben finde. schon seitdem ich denken kann. ich finde ihn nicht. und früher dachte ich immer, dass vielleicht ein kind meinem leben sinn machen könnte. aber wie es im moment aussieht, macht es das eher nur noch schlimmer. ich soll ein kind in ein leben hinauswerfen, das ohne sinn ist, das meist leiden und probleme bedeutet? und um welchen preis?

solange ich alleine war, konnte ich mich mit dieser gefühlten sinnlosigkeit ganz gut arrangieren, zumindest in letzter zeit. ich dachte mir immer, na gut, wenns vorbei ist, dann war es das eben. aber das ist doch keine grundlage für ein kind? wenn man ein kind in die welt setzt, sollte man doch wenigstens den glauben haben, dass alles gut werden kann, dass alles einen sinn hat?

oh weh, draußen scheint zwar die sonne, aber in mir drinnen ist es gerade so dunkel.

ich gehe heute zur beratung (komischerweise hat mir meine fa sofort adressen in die hand gedrückt - dabei hatte ich erwartet, dass sie auf mich einredet, nur ja nicht abzutreiben). ich erwarte mir nicht viel davon, aber vielleicht bringt es mir ja doch etwas.

dir digger und deiner tochter wünsche ich alles liebe. ich finde es im übrigen toll, dass deine tochter sich dir so offen anvertraut. das könnte ich bei meiner mutter nicht. du kannst ihr sicher viel von ihrem kummer abnehmen.

alles liebe, rocca

Digger
12.07.2006, 21:24
Guten Abend, liebe Rocca!

Heute habe ich die Unterlagen vom Frauenarzt geholt, damit meine Tochter morgen ihren Untersuchungstermin in der Klinik, in der der Abbruch gemacht werden soll, haben kann. Mir war nicht gut in der Praxis, zumal es die Frauenärztin ist, die meine beiden Kinder mit auf die Welt gebracht hat....

Meine Tochter ist 20 Jahre alt, eigentlich ja nicht zu jung für ein Kind, aber immer noch in der Ausbildung. Wenn ich nicht einen Vollzeitjob hätte und auch aufgrund unserer Situation haben muß, ich hätte das Kind großgezogen. Ich liebe Kinder sehr und bestimmt auch ein Enkelkind. Das macht mich zusätzlich traurig, ich wäre bestimmt eine gute Oma, aber unser ganzes Leben macht uns das nicht möglich. Und dann bekomme ich immmer eine Riesenwut auf meinen Mann, der viel zu unserer Situation beigetragen hat.

Du siehst, Du stehst nicht allein da mit Deinen Problemen.

Zum Thema "postnatale Depression" wäre zu sagen, daß auch eineglückliche, rundum versorgte Mutter soetwas bekommen kann. Ich hatte auch meine Heultage und wusste garnicht warum. Es stimmte doch alles. Wenn Du zu Depressionen neigst, liegt hier sicherlich eine Gefahr. Und seit letztem Jahr weiß ich auch überhaupt erst, was Depressionen sind. Ich hatte mich noch nie so mies gefühlt, bis ich endlich einen Psychologen zu Rate gezogen habe. Die Seele ist ein wichtiger Teil unseres Körpers und kann alles lahm legen. Hätt ich nie gedacht.

Ich hoffe, Dein Beratungstermin hat Dir ein bißchen geholfen. Mein Mädchen hat ihn auch hinter sich, aber es hat sie nicht weiter gebracht. Der Grundgedanke der Berater ist eben, daß man das Kind zur Welt bringen soll, aber unter gewissen Umständen ist es halt nicht möglich. Ich habe mir schon überlegt, wie es uns als Familie in den 50er oder 60er Jahren gegeangen wäre, wo man das Kind gefälligst zu bekommen hatte und meistens auch noch "heiraten musste".

Du hast Recht, man urteilt schnell über einen anderen Menschen und wenn es einen selbst betrifft, sieht man vieles anders. Und Du hast Recht, daß man aus diesen Situationen lernt. Mir sind in den letzten Jahren immer wieder Dinge geschehen, die ich weit von mir gewiesen habe, die mir aber trotzdem passierten und die mich beschämten, weil ich genauso entschieden habe wie die Menschen, die ich vorher dafür verurteilt habe.Ich sehe das als Lernprozess "von oben" und habe auch das Gefühl, daran gereift zu sein. Vielleicht kannst Du das auch so sehen und vielleicht auch einen Sinn in Deinem Leben finden. Du bist gewollt hier auf der Erde und Du bist geliebt und jemand, an den Du vielleicht nicht glauben kannst, hat sich das alles ausgedacht. Vertrau doch einfach darauf, daß Du auch mal einfach was geschehen lassen kannst und nicht immer nur aktiv und entscheidend sein musst.

Draußen ist Sommer, im Herzen liegt Schnee......

Das ist auch bei uns so. Ich freue mich, daß wir uns hier kennenlernen durften und so offen über unsere Probleme reden können.

Weiterhin alles Gute für Dich! Es wäre schön, weiter von Dir zu hören, denn es hilft auch mir und meiner Tochter!

Inaktiver User
12.07.2006, 21:51
liebe digger,

oh weh, ich kann mir vorstellen wie du dich als mutter fühlst. aber ich denke du tust genau das richtige. versuchst dich in deine tochter hinein zu fühlen, machst ihr keine vorwürfe und setzt deine prinzipien nicht über ihr persönliches wohlergehen. ich denke, das wird ihr enorm helfen. schön auch dein glauben, der dir ja eigentlich auch in dieser situation weiter helfen müsste. du sagtest ja schon, du würdest dir wünschen, dass gott das kind zu sich nimmt. das wird er auch jetzt tun. und eines tages wird deine tochter aller voraussicht nach wieder "etwas" in form eines kindes zurück nehmen. vielleicht drück ich mich jetzt auch völlig bescheuert aus...aber ich denke irgendwie, dass nichts "verloren" geht.

du wirst ganz sicher noch oma sein, und zwar eine ganz tolle, ebenso wie deine tochter eine phantastische mutter sein wird (so sie es irgendwann will), vielleicht gerade deshalb, weil sie um die schwere einer solchen entscheidung weiß, vielleicht weil sie ihrem kind dann die liebe von zwei geben wird. denn auch diese liebe wird nicht verloren gehen.

ich wünsche euch jedenfalls alle kraft der welt. und ich freue mich sehr für deine tochter, dass sie diese last nicht alleine tragen muss, sondern mit dir zusammen.

mein gespräch war heute absolut in ordnung. die dame hat sich sehr viel mühe gegeben und hat überhaupt nicht versucht, mich in die eine oder andere richtung zu beeinflussen. ich war wirklich überrascht. wir haben jetzt für nächste woche noch einen termin ausgemacht. aber die entscheidung kann sie mir natürlich nicht abnehmen - was gäb ich doch dafür.

einen ganz interessanaten tipp hat sie mir gegeben, den ich versuchen werde durch zu exerzieren: und zwar soll ich versuchen, mir jeweils für einen ganzen tag vorzustellen, wie es wäre wenn ich abgetrieben hätte und wie es wäre, wenn ich das kind behalten hätte.

ich bin mir nicht sicher, ob ich das bei meinem kopfkarussel werde durchhalten können. aber einen versuch ist es wert. daher werde ich wohl die nächsten zwei tage mal nicht ins internet gehen.

und tut mir leid, dass auch du die bekanntschaft mit depressionen gemacht hast. auch das ein thema, bei dem man nur mitreden kann, wenn man sie einmal selbst erlebt hat. wünsche ich meinem schlimmsten feind nicht. aber ich wünsche eben auch keinem kind eine depressive mutter...

ich umarme dich und deine tochter virtuell ganz fest, rocca

Digger
12.07.2006, 22:54
Liebe Rocca,

ich muß Dir noch schnell schreiben, bevor ich schlafen geh. Ich hab ganz stark das Gefühl, daß wir uns gegenseitig geholfen haben, obwohl wir uns nicht kennen. Einfach das Gefühl zu haben, daß man nicht allein da steht mit seinem Problem ist schon eine große Hilfe.

Ich wünsch Dir weiterhin viel Kraft und danke Dir für Deine guten Wünsche, die so ehrlich und herzlich waren. Wieviel müssen wir Frauen tragen? Aber wieviel Kraft können wir uns geben, wenn wir uns austauschen und gegenseitig Mut machen!!!!!

Ich wünsch Dir eine gute Nacht und morgen einen guten Tag. Das Leben um uns herum geht weiter, auch wenn man manchmal meint, die Welt müsste still stehen.

Alles Liebe für Dich und halt die Ohren steif!

Inaktiver User
14.07.2006, 15:03
liebe digger,

wollte nur mal nachfragen wie es bei euch so aussieht? den ersten Schritt, die Untersuchung in der Klinik, müsstet ihr ja schon hinter euch haben. denke oft an euch.

ansonsten kreisen meine gedanken weiterhin wild herum. komme einfach zu keinem ergebnis. heute morgen habe ich auch mit meiner mutter gesprochen. nach anfänglichem guten zureden, meinte sie dann auch, dass sie verstehen würde, wenn ich das kind nicht haben wollte. puh, und das aus dem mund meiner mutter.

außerdem hat mir mein freund gerade erzählt, dass er gute aussichten auf einen job in der schweiz hat! und das wo wir in süddeutschland wohnen, demnächst eine tolle neue wohnung beziehen werden. wenn ich mich für das kind entscheiden sollte, wie sollte das funktionieren? er kommmt am we zu mir? ich ziehe schwanger nach zürich, ohne jemanden zu kennen? er sagt den job ab, obwohl das eine super gelegenheit für ihn wäre? wünsche mir fast, dass es mit dem job nicht klappt.

wobei, wenn ich nicht schwanger wäre, würde ich liebend gerne in die schweiz mitgehen...aber plötzlich werden gute nachrichten zu schlechten.

wie geht es dir? konntest du dich etwas mit der entscheidung deiner tochter "anfreunden"? ich habe heute etwas hier im bri-forum herum gesurft und bin dabei auf eine erhitzte abtreibungsdebatte gestoßen, in der eine erbitterte "christin" wild auf eine frau einprügelte, die an abtreibung dachte. komisch dieser widerspruch. einerseits sagen solche leute, sie würden nach dem worte gottes leben und dann treten sie auf jemanden ein, der ohnehin schon auf dem boden liegt. hat das etwas mit christentum zu tun? ich glaube wohl nicht...dies nur am rande.

wünsche euch alles liebe, rocca

Acajou68
14.07.2006, 15:39
Liebe Rocca,

dieses depressive Gedankendrehen beschreibe ich immer so: "Nicht ich benutze mein Gehirn - sondern mein Gehirn benutzt mich". Ätzend!
Dass dann klare, ruhige Entscheidungen schwer fallen, ist klar. (Kenne das bestens...)
Den Tipp von der Beraterin, sich konkret jede Situation mit und ohne Baby vorzustellen, finde ich bei dieser Wirrnis hilfreich: DU fängst dann vielleicht wieder an, Dein Gehirn zu benutzen, nicht umgekehrt.

Sieh es so: Ob Du pro oder contra Baby entscheidest - Du wirst nie erfahren, wie es andersrum gelaufen wäre. Also ist das egal, oder? Du kannst machen, was Du willst, "falsch" wird es auf keinen Fall sein, nur so, wie es eben ist. Und das ist meist okay, oder? Und weniger eine Frage der Fakten als der Einstellung.
Meine Schwägerin wohnt nebenan und ist vor einem Jahr Mutter geworden. Ich hab das hautnah vor Augen. Mal ist sie glücklich, mal nicht. So einfach und undramatisch ist das - und hängt auch eher weniger vom Kleinen ab. Der ist halt da und süß. Punkt.

Die Geschichte mit der Schweiz passt aus meiner Sicht gut zum Baby: Wenn schon neu, dann doch gleich alles, oder? Für mich wäre das ein pro-Baby-Argument.
Doch eine Liste schreiben?

Wie gesagt, ich bin psychisch auch gründlich vorbelastet. Aber nochmals: die Probleme, die ich grad habe, haben überhaupt nichts mit der Abtreibung zu tun. Hatte innerhalb einer Woche entschieden und es nie bereut.
Ein Baby habe ich bis heute nicht, dafür aber einen Mann mit heftigem Kinderwunsch. Auch doof, zumal 37 auch kein zartes Alter mehr ist...

Kann Dir nix raten, nur laut denken...
Alles Liebe, acajou

Digger
14.07.2006, 21:26
Hallo, liebe Rocca!

Schön, daß Du Dich gemeldet hast. Hattest Du nicht von zwei Tagen Abwesenheit gesprochen?

Also, meine Tochter hat den ersten Untersuchungstermin in der Klinik hinter sich. Sie hat sich jetzt auf Anraten des Arztes für den Abbruch durch Medikamente entschieden, sie ist erst in der 6. Woche! - Sie weint viel, vor allem aus dem Grund, daß der Vater sich wenig um sie kümmert. Sie kennen sich ja auch erst kurze Zeit, es gibt wenig Gemeinsamkeiten, außer eben das Kind! - Ich kann auch nicht gut damit leben, daß da einfach ein paar Tabletten "eingeworfen" werden und das wars dann.Du weißt, daß ich auch Christin bin und ich habe immer im Zusammenhang mit Abtreibung von Mord gesprochen, aber wie Du schon sagst, wenn es einen selbst betrifft, sieht man alles anders. Ich empfehle Dir echt das Buch und den Film "Gottes Werk und Teufels Beitrag". Es läßt viele Fragen offen, gibt aber auch eine Menge Denkanstöße. - Andererseits habe ich auch als Christ nicht das Recht, andere Menschen zu verurteilen, denn jeder von uns ist ein Sünder, wo auch immer. Es gibt einen schönen Spruch in der Bibel, als man eine Ehebrecherin steinigen wollte. "Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." - Es ist immer so leicht, über andere zu urteilen, vor allem auch, weil man dann seine eigenen Schattenseiten verbergen kann. Laß Dich bloß nicht verrückt machen von diesem Menschen!

Ich finds toll, daß Du mit Deiner Mutter gesprochen hast und daß sie Verständnis für Dich hat. Sie ist doch sicher nicht mehr ganz jung und mit ganz anderen Maßstäben großgeworden. Sie kennt Dich sehr gut, nimm ihre Worte in Dein Herz. Es hilft Dir sicher bei Deiner Entscheidung.

Und je öfter ich Deine Briefe lese, bin ich der Meinung, daß Du Dich längst gegen das Kind entschieden hast. Und wenn das so ist, dann geh Deinen Weg. Klingt vielleicht etwas hart, aber ich halte es jetzt fast für das beste.

Ich wünsch Dir trotzdem weiterhin viel Kraft. Aber ich glaube, Du bist eine starke Frau und Du wirst die richtige Entscheidung treffen.

Freu mich, wieder von Dir zu zu hören!

Inaktiver User
15.07.2006, 09:41
hallo digger, nein, meine entscheidung steht noch überhaupt nicht fest. momentan schlägt der zeiger sogar ganz leicht in richtung kind aus. aber ich werde mir noch zeit geben. darum hat mich auch die beraterin von pro familia gebeten, mit der ich für nächsten do. einen termin ausgemacht habe.
ich weiß nicht, die tatsache, dass mein umfeld verstehen könnte, wenn ich abtreiben würde, erleichtert mir - so paradox es klingen mag - sogar den gedanken an ein kind ein klein wenig.

ich merke jedenfalls, dass sich mein gedankenkarrussell momentan ein klein wenig gelichtet hat. ich gebe mir jetzt auf jeden fall noch die nächste woche. dann muss eine entscheidung fallen.

allmählich fange ich an zu denken, dass ich mit meiner entscheidung, gleich wie sie ausfallen wird, werde leben können. hoffentlich hält dieses gefühl ein klein wenig an. ich bin nämlich auch sonst schon ein extrem wankelmütiger mensch und momentan natürlich noch mehr als sonst.

den von dir zitierten film kenne ich übrigens. sehr sehenswert. das buch gelesen habe ich nicht. ich habe mir hingegen von oriana fallaci "brief an ein nie geborenes kind" gekauft, das ich vor vielen jahren schon einmal gelesen habe. darin beschreibt die berühmte ital. journalistin ihre schwangerschaft, ihre ganzen zweifel, ob sie das kind bekommen soll. und wie sie das kind letztendlich verliert, objektiv gesehen aus eigenem verschulden. subjektiv jedoch, weil sie nicht bereit war, ihr leben, so wie sie es bereits lebte, hinter dem werdenden kind hintan zu stellen. war damals ein sehr kontrovers diskutiertes buch. aber sehr interessant.

außerdem möchte ich mir noch den film "leben in mir" ansehen, der am do. in die kinos gekommen ist. soll sehr gut sein. darin geht es um eine frau in misslichen lebensumständen, die schwanger wird und abtreiben will. dann jedoch erfährt sie, dass das kind sie hören kann und sie fängt an eine beziehung zu dem kind aufzubauen. der inhaltsangabe nach scheitert sie jedoch.

ich weiß nicht, ich habe das gefühl, mich mit diesem thema nicht nur emotional befassen zu müssen. daher tue ich mir auch solche lektüren und filme an. möchte nachher nicht sagen müssen, vor der befassung mit dem thema davon gelaufen zu sein.

irgendwie "beneide" ich euch, dass bei euch bereits eine umumstößliche entscheidung gefallen ist. nun liegt noch ein schweres we vor euch. schade, dass sich der vater nicht um deine tochter kümmert. allerdings - sie kennen sich erst so kurz. ist sie denn verliebt in ihn? hoffentlich nicht zu sehr, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass nach einer abtreibung in einer so frühen beziehungsphase, noch eine große chance besteht, weiterzumachen. oder was denkst du?

ich wünsche euch alles liebe und dass deine tochter weiter ihre traurigkeit herauslassen möge. auch wenns schmerzt, es tut gut. habe ich gestern auch nach dem gespräch mit meiner mutter gemerkt. liebe grüße, rocca

Digger
15.07.2006, 22:32
Guten Abend, Rocca!

Du hörst Dich ja ziemlich positiv an, irgendwie lockerer, finde ich. Das macht bestimmt Deine intensive Gedankenarbeit an Deiner großen Sorge. Irgendwie scheinst Du allmählich alles zu verarbeiten und ich finde es echt gut, daß Du Dir noch etwas Zeit gönnen willst. Auf diese Art wirst Du Dir später sagen können, daß Du nichts übers Knie gebrochen hast, egal, in welche Richtung Deine Entscheidung geht. Ich finde, Du bist auf einem guten Weg.

Bei meiner Tochter ist die ganze Situation ja auch ganz anders. Noch in der Ausbildung, die Beziehung ist nicht in Ordnung (ich weiß nicht, ob sie in den Mann verliebt ist oder zur Zeit nur einfach meint, er müsse ihr helfen und in ihrer Enttäuschung über ihn "zerfließt". Du müsstest sie kennen, um mich zu verstehen, sie ist gefühlsmäßig immer sehr extrem, kennt eigentlich nur "himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt". Sie ist sehr liebenswert, aber auch sehr schwierig.), unsere familiären Verhältnisse würden es nicht zulassen, daß sie mit dem Kind bei uns lebt. Früher wäre das möglich gewesen, aber seit ich wieder einen Vollzeitjob habe, kann ich ihr nicht beistehen. Ich muss einfach arbeiten, damit wir leben können..

Ich muß auch sagen, daß ich ihr zum Abbruch geraten habe, weil ich einmal nicht weiß, wie es in der Praxis laufen könnte und andererseits auch nicht mehr in der Lage bin, ihr zu helfen. Einmal der Job und zum anderen stehe ich das nicht mehr durch, ich hab einfach die letzten Jahre zuviel hinter mich bringen müssen.

Deshalb also jetzt diese Entscheidung und wir werden alle damit leben müssen.

Ja, Rocca, wie schon gesagt, ich wünsche Dir, daß Du die für Dich richtige Entscheidung treffen wirst, in aller Ruhe. Und ich würde mich freuen, wieder von Dir zu hören.

Eine gute Nacht und einen schönen Sonntag!

Inaktiver User
16.07.2006, 09:41
liebe digger, wieder ein strahlender sommermorgen - nicht jedoch in meinem herzen. du hast schon recht, es sieht nicht mehr ganz so chaotisch in mir drinnen aus. aber trotzdem bin ich nooch keinen schritt weiter gekommen.

ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, das kind zu bekommen, jedoch ebenso wenig, mich mit einer abtreibung für immer von einer familie zu verabschieden. deine tochter hat ja wenigstens die möglichkeit zu sagen, dass sie "statt" diesem kind ein anderes bekommen wird, das sonst nicht auf die welt gekommen wäre. ich finde, das ist schon ein enormer trost.

ich bin auch wahnsinnig enttäuscht von meiner mutter. hatte sie ja freitag früh angerufen, wollte eigentlich gar nichts erzählen, letztendlich hat sie es dann noch "rausgepresst", was mir anfangs ja auch ganz gut tat. im nachhinein irritiert hat mich, dass sie mir sofort aus ganzem herzen zugestimmt hat, als ich meinte, dass ja mitnichten jede mutter ihr kind wirklich lieben würde (so wie es der mythos von der mutterliebe ja besagt). diese zustimmung kam so schnell und überzeugt. und mein großes problem ist ja u.a., dass ich mich als kind nie geliebt gefühlt habe und wahsinnig einsam, voller probleme war. schon in jüngstem alter. und jetzt diese bestätigung. ich hab zwar nicht weiter nachgefragt, aber ich kann mir schon einen reim drauf machen, denke ich.

tja, und seitdem hat sie sich nicht mehr gemeldet. ich versteh das nicht. da hat sie ihre tochter am telefon, die nur noch am heulen ist, völlig verzweifelt. und sie meldet sich nicht mehr. ich an ihrer stelle hätte mich ins auto (bwz. in ihrem fall ins taxi) gesetzt und wäre sofort zu mir in die stadt gefahren (12 km!). aber nein, nichts. das verletzt mich unheimlich. kann sie sich nicht denken, wie allein ich mich fühle? sie könnte mir doch wenigstens anbieten, für mich da zu sein. wenn ich das nicht wollte, würde ich es schon sagen. aber einfach nichts tun? sie hat gerade besuch von meinem bruder mit seinen 4 kindern (kommen im sommer immer für 5-6 wochen). ist das also wichtiger als ich?

tja, da kommen wieder sooo viele alte gefühle hoch. schlimm, dass das nie aufhört. und da denke ich mir eben auch: soll ich jetzt das gleiche wieder tun? soll ich jetzt auch ein kind auf die welt setzen, das ich worst case nicht genug liebe? gut, der unterschied wäre, dass mein freund ein sehr liebevoller mensch ist, im gegensatz zu meinem horrorvater. aber trotzdem ist die liebe der mutter sooo wichtig.

ich habe immer voller neid jene meiner freundinnen angesehen, die ein intaktes verhältnis zu ihren eltern hatten. die gehen immer mit so einer selbstverständnis durchs leben, ihnen kann nichts wirklich etwas anhaben. und wenn sie fallen,´dann stehen sie wieder relativ unbeschadet auf. einfach weil sie dieses urgefühl haben: ich bin in ordnung so, wie ich bin.
und dieses gefühl geht mir halt komplett ab. ich würde ja so gerne sagen: ich mach es besser als meine eltern. aber liebe kann man halt nicht steuern. materiell habe ich ja auch alles bekommen was ich wollte. das ist ja das geringste problem. aber woher gefühle nehmen, wenn keine da sind.

ein abschreckendes beispiel ist auch immer meine beste freundin für mich: sie hat irre problem, ihr tochter zu lieben und zu akzetieren. sie bemüht sich nach herzen, man spürt ständig wie sie kämpft. aber es fehlt eben diese natürlichkeit, diese lockerheit. um die eigenen gefühle kann man eben schlecht kämpfen. sie sagt zwar jetzt, sie habe gelernt ihre tochter zu lieben, aber ich weiß auch, dass sie sich da ganz schön etwas vormacht. zu oft hatte ich sie heulend in den armen, auch noch in letzter zeit.

puh, das sind alles so abschreckende sachen.

andererseits sehe ich im schwimmbad lauter glücklich (wirkende) eltern mit ihren babies. vor allem männer fallen mir auf. ich glaube, das ist auch ein grundlegendes problem von mir: wenn ich bei dem kind die typische männerrolle einnehmen könnte, dann wäre das auch noch in ordnung für mich. nur dieses gefühl, die hauptverantwortliche zu sein, das killt mich, erdrückt mich schier. mein freund schwört mir zwar, er würde alles in seiner macht stehende tun, aber dennoch bin ich mir sicher, dass ich letztendlich diejenige wäre, die in der pflicht wäre.

ich habe mir schon alles versucht durch zu überlegen: ich bekomme das kind, mein freund nimmt erst einmal 2-3 monate urlaub. das kind wird nicht gestillt, sondern mit der flasche ernährt, damit mein freund auch nachts sich um das kind kümmern kann. dann relativ bald nimmt man eine tagesmutter, abends manchmal auch einen babysitter. mein freund hält mir den rücken frei, damit ich auch noch etwas zeit für mich habe. ab und zu bringen wir das kind zu den großeltern väterlicherseits.

und dann komme ich mir so herzlos vor. wobei ich weiß, dass es in anderen ländern gang und gäbe ist, das so zu machen. aber bei uns ist man dann gleich eine rabenmutter. und das problem ist ja: bei mir ginge es ja nicht nur um arbeit (schon auch), sondern auch wirklich darum, dass ich mir nicht zutrauen würde, das kind alleine zu wuppen. also wohl wirklich rabenmutter.

tja, und dann kommen diese momente, wo die schwangerschaftsbeschwerden weg sind und ich denke: das wars. und ich fühle mich plötzlich so frei. das ist ohnehin ein riesenproblem in diesem prozess: ich wäge ab, pro und kontra, zerbreche mir den kopf, und ehe ich noch zu einer echten entscheidung komme, ploppt es in meinem kopf hoch: du wirst eh eine fehlgeburt haben.
ich weiß auch nicht warum, das ist einfach eine fixe idee bei mir. vielleicht, weil ich nach 10 tagen ss so wahnsinnige unterleibskrämpfe hatte, dass ich mich nicht mehr auf den beinen halten konnte. vielleicht weil ich gerade in den ersten zeiten der ss so ausgiebig mit alkohol gefeiert habe (wm!). auch weil meine symptome in den letzten tagen stark nachgelassen haben. ich weiß es nicht, vielleicht will ich es mir auch einfach nur einreden.

aber dieser gedanke steht irgendwie jeder konstruktiven lösung im wege.

so, jetzt habe ich eine menge geschrieben. weiß nicht, ob du das alle gelesen hast. bei euch habe ich jedenfalls, trotz der traurigen umstände, ein gutes gefühl, dass ihr zu eurer entscheidung werdet stehen können. übrigens, ich kann mich sehr gut in deinen tochter hineinversetzen. dieses himmelhoch jauchzend, zu tode betrübt ist leider auch meine veranlagung. und das hat sich bis heute nicht groß geändert...nicht gerade einfach für das umfeld.

bei euch ist es morgen soweit, oder? hat deine tochter die möglichkeit, sich nachher etwas ruhe oder angenehme ablenkung zu gönnen? ich hoffe sie muss nicht gleich weiter arbeiten. andererseits: vielleicht ist ja gerade alltag und arbeit eine gute ablenkung?

mensch, ich wünsch euch alles, alles gute! liebe grüße, rocca

Digger
17.07.2006, 20:46
Sorry, liebe Rocca!

Ich konnte mich nicht eher melden und ich habe auch jetzt nicht die Kraft, Dir ausführlich zu schreiben. Einer unserer Freunde ist am Wochenende verstorben - Gehirntumor, mit einem elendig langen Krankenbett und ganz viel Leid. Ich komme in den nächsten Tagen wieder ins Chat, bin aber im Moment zu voll mit allem.

Ich hab Dir noch eine Menge zu Deiner letzten Nachricht zu sagen. Es wäre sehr schön, wenn Du wieder schreibst, wenn es Dir besser oder einfach anders geht.

Morgen hat meine Tochter den letzten Termin in der Klinik, wir hoffen alle, daß es gut geht und sie auch nicht zu sehr angreift. Man kann fast garnicht mehr mit ihr reden und ich habe beschlossen, sie in Ruhe zu lassen und nur da zu sein, wenn sie es möchte.

Das ist nicht einfach, aber andererseits ist sie ein erwachsener Mensch und ich habe noch viele andere Probleme zu lösen.

Sei bitte nicht böse, sobald es meine Kraft erlaubt, melde ich mich wieder.

Bis dahin alles Liebe für Dich.

Inaktiver User
18.07.2006, 01:17
Liebe Rocca,

es war schon ziemlich spät, als ich angefangen habe deinen Strang zu lesen und bin jetzt gerade zum ende gekommen.
Ich muss dir einfach schreiben.
Auch ich bin erst mit 40 Jahren schwanger geworden. Gewollt schon, aber dennoch unerwartet. Hatte nach fast 2 Jahren "üben" nicht mehr damit gerechnet. Tja und dann befand ich mich in einer Situation mit der ich nicht mehr gerechnet habe.
Der Unterschied zu dir ist nur, dass wir uns darüber gefreut haben. Trotz meines Alters. Aber ich war diejenige die das Geld nach Hause gebracht hat, ich müsste aufhören zu arbeiten. Auch das war uns dann egal.
In der Anfangszeit habe ich keine Muttergefühle gehabt. Sicher war es toll, diesen kleinen "Wurm" auf Ultraschall zu sehen. Aber ich spürte trotzdem nix.
Hinzu kam, dass ich die Fruchwasseruntersuchung habe machen lassen, weil wir kein behindertes Kind wollten. In dem Falle hätte ich abtreiben lassen. Nicht wegen der Behinderung an sich, sondern weil mir klar war, dass ich in meinem Alter nicht ewig für ein behindertes Kind hätte sorgen können.
Dann kam für mich ausserdem eine Enttäuschung hinzu, dass wir uns unbedingt ein Mädchen wünschten. Mein Mann war nicht sooo enttäuscht, als es hieß, es wird ein kerngesunder Junge.
Aber ich hatte schon ein Problem damit. Mittlerweile weiß ich, dass das blöd von mir war.
Das erste mal dass ich von Gefühlen überhaupt reden konnte, war als ich den Kleinen in meinem Bauch spürte.
Nach der Geburt und dem Aufwachen, ich hatte leider einen Kaiserschnitt, lag der Kleine dann neben mir in seinem Bettchen. Auch da stellte sich irgendwie nix ein. Sicher: er war süss und knuffig, aber Muttergefühle?
Ich kann jetzt mit Sicherheit sagen, dass sich diese erst nach ein paar Wochen bei mir eingestellt hatten. Die Umstellung zu hause mit Kind, keine Erfahrung usw. war einfach zu groß. Aber man kann wachsen.
Der Kleine ist jetzt 2 Jahre alt, mein absoluter Sonnenschein. Mittlerweile bin ich auch alleinerziehend. Aber mein NOMA kümmert sich trotz allem rührend um ihn ( und auch um mich :zwinker:)
Ich weiß nicht, ob ich dir damit geholfen habe. Wünschen täte ich es mir, aber wie auch schon Digger geschrieben hat: Letztendlich musst du diese Entscheidung selber treffen.
Und auch wenn du dich von deinem Partner trennen solltest, glaube mir, frau schafft es auch allein mit einem Kind. Kinder geben einem sehr viel und ich denke, ich bin auch eine bessere Mutter in meinem jetzigen Alter, als ich es mit 25 gewesen wäre.
Ich wünsch dir alles Liebe und ich weiss du wirst das richtige für dich tun.
Ganz liebe Grüße :blumengabe:

Digger
18.07.2006, 18:14
Hallo, Zauberratte und hallo, Rocca!

Da hat mir jemand echt aus dem Herzen gesprochen. Vielleicht planst Du zu gründlich und legst viel Wert auf Sicherheit, liebe Rocca. Man kann sein Leben aber nicht bis ins Letzte planen (ups, ich glaub, daß habe ich schon mal gesagt). Du siehst, daß Zauberratte auch diese Probleme während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt hatte und daß sich ihr Leben inzwischen vollkommen geändert hat (alleinerziehend) und sie hat es geschafft und würde ihren Kleinen sicher um alles in der Welt nicht wieder abgeben.

Und es ist ja wirklich so, daß wir Frauen manchmal unglaubliche Dinge schaffen, die wir uns vorher nicht zutrauten.

Ich wurde mit 31 Jahren zum ersten Mal Mutter, hatte bis dahin nie ein Baby gebadet, gewickelt oder gefüttert und ich habe es mit großer Begeisterung getan. Meine Kinder sind das schönste, was mit im Leben passiert ist.

Und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Du eine schlechte Mutter wirst. Du machst Dir jetzt im Vorfeld so unendlich viele Gedanken, Du bist kein bißchen oberflächlich. - Und den Durchhänger, wenn Du im tiefsten Winter mit einem Baby nicht großartig vor die Tür kannst und den ganzen Tag eigentlich dumme Liedchen mit ihm singst oder zum 25. Mal vom Krabbelkind verstreute Blumentopferde auffegst, den überlebst Du und wenn Dein Kind groß ist, habt ihr viel zu lachen. "Weißt Du noch?"

Ich wünsch Dir gute Gedanken und den Mut zur für Dich richtigen Entscheidung!

Inaktiver User
18.07.2006, 21:32
Und es ist ja wirklich so, daß wir Frauen manchmal unglaubliche Dinge schaffen, die wir uns vorher nicht zutrauten.
Ich wurde mit 31 Jahren zum ersten Mal Mutter, hatte bis dahin nie ein Baby gebadet, gewickelt oder gefüttert und ich habe es mit großer Begeisterung getan. Meine Kinder sind das schönste, was mit im Leben passiert ist.




Klar, schaffen kann man mit entsprechendem finanziellen Polster, familiärer Unterstützung, günstiger Organisation und gutem Willen vieles. Aber vielleicht ist das nicht der Punkt ...
Manchmal - so meine bescheidene Meinung - werden einfach die falschen Fragen gestellt (ich z.B. habe mir diese Fragen gestellt und bin daraufhin zu einer Entscheidung gekommen). Vielleicht sollte Rocca mal die folgenden ausprobieren:

1. Von wem will ich geliebt werden? Von einem Mann oder einem Kind? Welche Art von Liebe ist besser für mich und meine Bedürfnisse?

2. Was erwarte ich persönlich davon, ein Kind zu haben? Rechtfertigt diese Erwartung den zusätzlichen Aufwand, den ich für die nächsten 20 Jahre habe? Kann ich z.B. damit glücklich werden, wenn das Kind einfach nur da ist und dafür meine letzten Ressourcen (Kleinkinder bis 3 sind nun mal extrem anstrengend und lassen keinen Raum für das eigene Ich) aufzehrt? Reicht mir ein Lächeln oder die Tatsache, daß es "von mir" ist?

Hast Du Dir diese Fragen schon gestellt, Rocca?

Inaktiver User
18.07.2006, 21:56
kassandra, diese fragen stelle ich mir unentwegt, aber ich kann sie aus meiner derzeitigen warte einfach nicht beantworten. ich kann nicht wissen, ob das erste lächeln meines kindes mich glücklich machen oder kalt lassen würde. ich kann nicht wissen, ob ich, wenn ich ein schreikind hätte, in eine psychische krise schlittern oder meine ganzen reserven mobilisieren würde.

ich weiß es einfach nicht, und niemand kannn es mir sagen. ich kann auch nicht sagen, ob die liebe eines mannes oder eines kindes für mich wichtiger ist. ich habe die liebe (m)eines kindes ja noch nie gespürt, wie soll ich dann einen vergleich anstellen?

leider drehe ich mich nach wie vor im kreis. gestern hatte ich ein fast eintätiges gespräch mit meinem freund, in dem wir alle eventualitäten durchgegangen sind. als es dann zur abschließenden frage kam, rechnete ich eigentlich fest damit, dass er sich für nein entscheiden würde. hat er aber nicht. er möchte das kind. selbst die worst-case-perspektive, allein erziehender vater zu sein, schreckt ihn zum derzeitigen zeitpunkt nicht über die maßen.

danach war ich erst einmal ganz fidel, dachte, ok, wir schaffen das. am nächsten morgen, also heute, sah schon wieder alles ganz anders aus. da hatte ich schon wieder dieses einschnürende gefühl um den hals und die brust.

ich kann meine derzeitigen negativen gefühle einfach nicht abstrahieren. ich steigere mich immer so in meine emotionen hinein. in beide richtungen, je nach konstellation.

und dann sehe ich überall strahlende väter und mütter und mir zieht sich alles zusammen.

aber es stimmt schon, ich versuche alles zu planen, kann nichts einfach auf mich zukommen lassen. nur ist das dummerweise mein charakter, der lässt sich kaum ändern, schon gar nicht in einer solchen notlage. da kommen leider auch die schlechtesten eigenschaften nach oben.

puh, wann komme ich nur endlich zu einem entschluss? fast wäre ich "froh" gewesen, wenn mein freund gegen das kind gewesen wäre. aber so ist es noch schwieriger für mich.

liebe digger, jetzt habe ich so viel über mich geschrieben, aber wie geht es euch? der termin müsste ja eigentlich schon vorbei sein? möchte gar nicht zu viel nachfragen, aber wenn du erzählen möchtest...

liebe grüße, rocca

Inaktiver User
18.07.2006, 22:18
Hallo Rocca,
könntest Du vielleicht 3 Tage bei einer Verwandten/Freundin mit Kleinkind leben, um zu sehen, was da so im Alltag passiert? Würde Dir das helfen? Nur so eine Idee ...

Grüße,
Kassandra

Inaktiver User
18.07.2006, 22:49
kassandra, an sich eine gute idee. allerdings hatte ich immer relativ viele kinder um mich, nämlich insbesondere meine neffen, d.h. die söhne meiner schwester, die zu zeiten, als ich noch bei meiner mutter lebte, viel zeit bei uns verbrachten. auch mit den 4 kindern meines bruders hatte ich immer viel zu tun. alles kein problem. ich mag kinder grundsätzlich, darum geht es gar nicht. denn für diese kinder hatte ich keine verantwortung, ich wusste immer, wenn ich nicht mehr will, kann ich gehen. das sind zwei völlig verschiedene paar schuhe.

andererseits gibt es da jedoch die tochter meiner besten freundin, die ich überhaupt nicht mag, und das seitdem sie ein baby ist. ich ertrage nicht einmal ihre nähe, ganz schlimm. ich weiß also, wie es mit einem kind nicht zurecht zu kommen. im übrigen hatte selbst die mutter dieses (eigentlich völig normalen) kindes große schwierigkeiten sie zu lieben.

ich kenne also beide seiten der medaille...

Inaktiver User
18.07.2006, 23:02
Rocca,

die Natur hat es mit uns Frauen am Anfang der Schwangerschaft nicht gut gemeint - Schwermut und Zweifel sind da sehr verbreitet. Hatte ich sogar, als ich heiß ersehnt schwanger wurde. Das sieht später in der Schwangerschaft schon anders aus. Nach der Geburt wiederum verschieden - aber auch das vergeht.
Und schließlich will keine Mutter ihr Kind wieder hergeben.

Gruß, Leonie

Inaktiver User
19.07.2006, 12:04
tja, leonie, das mit dem nicht mehr hergeben wollen habe ich in den letzten jahren bei meiner besten freundin eben ganz anders erlebt. sie kam mit dem kind überhaupt nicht zurecht, wollte es dem vater geben und hat auch schon andere möglichkeiten in erwägung gezogen.

das mit der angeborenen mutterliebe stimmt halt nicht immer. selbst meine eigene mutter hat mir das bestätigt. sonst würden auf dieser welt nicht so viele menschen herumlaufen, die sich als kinder ungeliebt und -gewollt gefühlt haben.

Digger
20.07.2006, 21:18
Hallo, Rocca;

Komme gerade erst nach Hause. Meine Tochter hat ihren Termin hinter sich gebracht, alles ist wieder beim alten, und ich versteh sie nicht. In der Zeit der Schwangerschaft hat sie durchgehangen ohne Ende, uns alle damit belastet und ganz viel geweint. Ich war unendlich traurig darüber, fand keinen Trost und jetzt ist alles erledigt und sie geht zum "Tagesgeschäft" über. Bin ich zu alt, um das alles zu verstehen?

Ich hoffe, Du hast fur Dich einen Schritt nach vorn gemacht, wie auch immer er aussieht. Wei0t Du, ich habe mir in den letzten Stunden überlegt, daß Du Dir tagelang Gedanken machst und keine Entscheidung findest und so ein junges Mädchen zieht ihr Ding durch, wenn sie einmal den Entschluß gefasst hat und das wars dann.

Ich ganz persönlich komm damit garnicht klar.

Ich wünsch Dir weiterhin viel Kraft und ich denke, hier im Chat haben sich jetzt auch einige Leute gemeldet, die Dir weiterhelfen werden.

Alles Gute für Dich, freu mich, wieder von Dir zu hören.

Inaktiver User
20.07.2006, 21:43
digger, ich denke das verhalten deiner tochter kann verschiedene ursachen haben: entweder hat sie die trauer (soweit möglich) schon in den schlimmen zeiten vor dem eingriff durchgestanden. oder sie versucht einfach ganz tapfer, nicht in ein loch zu fallen.

in jedem fall glaube ich nicht, dass die sache wirklich "durch" ist. nur manchmal möchte man sich eben selbst davon überzeugen, dass die entscheidung richtig war und dass das leben jetzt weitergehen muss. es wäre doch andererseits auch schlimm, wenn sie jetzt völlig am boden wäre.

ich denke, nachdenkliche und traurige momente werden im laufe der zeit sicher immer wieder hochkommen. vielleicht hat sie im moment auch einfach nur keine reserven mehr? der mensch versucht doch immer sich zu schützen. gut, wenn dieser mechanismus funktioniert.

nimms ihr bitte nicht übel und sei für sie da, wenn die anderen momente kommen. gerade möchte sie wohl einfach nur nach vorne schauen. sie ist 20!

mir geht es leider überhaupt nicht gut. hatte mich mit meinem freund nach einem langen gespräch eigentlich schon dazu durchgerungen, das kind zu behalten. danach bin ich jedoch in ein schlimmeres loch als zuvor gerutscht. kann es mir auch nicht erklären. ist wie ein strudel.

heute war ich zum zweiten mal bei profamilia. die beraterin und ich haben zusammen beschlossen, dass das beste ist, einen noch etwas entfernter liegenden termin zu vereinbaren. einfach, um diese option konkreter werden zu lassen und um dann zu sehen, wie ich mich dabei fühle.

ich kann mich nicht erinnern, mich jemals in einer solchen lage befunden zu haben. einfach schrecklich. ich arbeite nicht mehr, ich gehe kaum raus, ich mag mit niemandem mehr sprechen. und wenn ich an ein kind denke, sehe ich nur noch schwarz. totaler tunnelblick.

und vielleicht bin ich auch gar nicht so anders als deine tochter: sollte ich den schweren schritt gehen, habe ich mir vorgenommen, eine zeit lang allein wegzufahren. einfach raus, sehen, ob ich vielleicht mein ganzes leben umkrempeln muss. ob ichs dann mache, weiß ich nicht. aber irgendein ziel muss man sich setzen, wenn man sich zu so einer schwerwiegenden entscheidung durchringt.

und so ähnlich geht es sicher auch deiner tochter. sie hat sicher das gefühl, das leben weiterleben zu müssen, hat vielleicht auch keine kraft mehr, sich ihre emotionen anzusehen. aber das heißt nicht dass sie herzlos ist.

euch beiden weiterhin alles liebe, rocca

Julifrau
20.07.2006, 22:07
Hallo Digger, hallo Rocca.

Ich habe beides erlebt, eine Wunschschwangerschaft und eine Abtreibung. Die Frage, ob ich das zweite Kind behalte, hatte ich binnen Sekunden mit nein beantwortet. Ich hatte mich gerade vom Vater meiner Tochter getrennt in einer mühsamen Weise, es kam in dieser Phase zu der Schwangerschaft und ich hätte es emotional nicht geschafft, das zweite Kind auszutragen.

Für die Beziehung war dies der endgültige Stopp. Die Abtreibung verlief komplikationslos, ich habe sie 'weggesteckt', weder vorher noch hinterher viel weinen un d trauern können.

Die Trauer kam schubweise, vor vier Jahren dann, hatte sie - bedingt durch ein Seminar - ihren absoluten Ausbruch, ich konnte mich aber dadurch mit allem versöhnen, vor allem mit dem ungeborenen Kind, das ich natürlich in meinem Herzen trug und trage. Vielleicht treffen wir uns im nächsten Leben noch einmal.

Vertraue deiner Tochter, Digger. Sie hat schon Trauerarbeit geleistet und ist jetzt wahrscheinlich einfach nur froh und erleichtert, daß dieser Alptraum (ich finde, so eine Situation ist ein Alptraum) vorbei ist. Lass' sie. Du kannst ja beobachten, wie sie sich weiter verhält, ob sie sich langfristig zurückzieht und Schuldgefühle trägt.

Es gibt Unterstützungen, den Abbruch zu verarbeiten. Z. B. auch Foren im Internet, mir hatte auch eine Familienaufstellung geholfen.

Ein lieber Gruß Juli

Inaktiver User
20.07.2006, 23:02
hallo julifrau, danke für deine rückmeldung.

ich wünschte auch, meine entscheidung wäre auch nur annähernd so sicher wie deine damals. hast du wirklihc keine sekunde überlegt das kind zu behalten, auch ohne mann?

ich denke, wenn man sich seiner entscheidung so sicher ist, dann tut man sich auch mit der verarbeitung etwas leichter, oder?

und dann war es vielleicht auch eine "hilfe", dass du bereits ein kind hattest.

bei mir würde die abtreibung ja auch den wahrscheinlich definitiven abschied von kindern bedeuten...

übrigens, das wort alptraum beschreibt meinen derzeitigen zustand exakt. mich reißt es förmlich mehrmals am tage und es schießt mir durch den kopf: das ist alles nicht wahr, ich muss jetzt nicht diese entscheidung treffen, es ist alles nur ein alptraum...

das einzig tröstliche an dieser zeit ist, dass ich gut schlafe. das wundert mich enorm, da ich sonst ganz, ganz schnell schlafstörungen bekommen. vielleicht liegt es ja bereits an den hormonen?

Julifrau
21.07.2006, 09:56
Guten Morgen Rocca!

Nein, ich habe wirklich keine Sekunde überlegt. Es war absolut klar; ich war gerade dabei wieder auf eigenen Füssen zu stehen, eine Zukunft für mich und die Kleine aufzubauen und schon Mitte 30+.

Auch wenn ich mir mittlerweile wohl wirklich verziehen habe, es ist schon schade, manchmal denke ich schon, wie es gewesen wäre mit zweien. Wie unsere Familienkonstellation dann wäre.



Nimm' dir den Druck, Rocca. Ich habe auch so meine Themen und bin weiß Gott keine perfekte Mutter - im Gegenteil, nach wie vor hänge ich in meinen eigenen Defizten, die ich als Kind erlebt habe, arbeite mich zwar Stück für Stück raus, aber meine Tochter bekommt auch nicht all das, was sie verdient und bekommen sollte.

Es gibt so eine philosophische Betrachtungsweise, daß wir alle unsere Lebensaufgaben haben und uns entsprechend unsere Eltern heraussuchen. Dies soll keine Entschuldigung sein, nicht zu reflektieren und sich selbst in Schutz zu nehmen, aber es nimmt ein wenig den Druck davon, perfekt sein zu wollen.

Das ist die Welt, das ist der Lauf der Dinge, wir sind alle Menschlein, wir machen Fehler, wir scheitern, wir freuen uns, wir sind mal glücklich, mal unglücklich und ... wir wachsen.

Take the chance, Rocca! Nimm das Kleine als Geschenk an, du schaffst das, zumal du einen Mann an deiner Seite hast, der die Verantwortung VOLL mitübernehmen will. Und selbst, wenn es dann doch alles ein bissel anders kommt - es ist in Ordnung.

Du wirst das Kind lieb haben, hast du doch jetzt schon (sonst könntest du nicht so gut schlafen :freches grinsen:). Schau' dir vielleicht mal Bilder an von dir als Kind und lass' den Schmerz zu, der bei Dir dahintersteckt, heule ein bissel über dich, nimm' dich selbst in den Arm oder lass' dich in den Arm nehmen.

Gib' deinem eigenen inneren Kind, was es braucht, das ist wirklich wichtig - und lass' das andere ruhig in dir wachsen. Es wird gut werden!

Lieber Gruß Juli

Inaktiver User
21.07.2006, 10:15
danke für deine lieben worte, julifrau.

das problem ist nur: ich empfinde einfach keinen funken freude bei dieser schwangerschaft, fühle mich nur bedrückt, traurig, verzweifelt. wie soll ich die ss so durchstehen? was, wenn sich dieses gefühl nach der geburt nicht ändert? das wäre doch eine echte katastrophe.

tja, und mein freund - er verhält sich wirklich gut. allerdings gab es schon vorher probleme, hatte ich mehrmals an eine trennung gedacht. und seitdem ich schwanger bin, kann ich ihn gar nicht mehr ertragen.

die vorstellung, mit ihm zs. ein kind großzuziehen, schnürt mir regelrecht den hals zu. auf der anderen seite habe ich jedoch auch völlige panik davor alleinerziehend zu sein. das würde ich nicht packen, ich habe leider keine großen energiereserven.

ich fühle mich einfach nur wie gelähmt, hoffe wie ein kleines kind, dass sich alles von selbt löst und habe das gefühl, mein leben - gleich wie meine entscheidung ausfällt - ruiniert zu haben.

mensch, und während ich das schreibe, denke ich daran, wie viele frauen jubeln, wenn sie endlich schwanger sind, schon gar in meinem alter. und mir kommt es so vor als hätte ich eine tödliche krankheit. ist das nicht paradox? warum diese ungerechtigkeit, dass frauen, die es so sehr wollen, nicht schwanger werden, und andere schon?

wenn die natur so intelligent ist, wie es immer heißt, warum gibt sie nicht denen kindern, die sie wollen und "verschont" die anderen?

ich weiß, albern, aber so laufen momentan meine gedankengänge...

Julifrau
21.07.2006, 10:34
Nix albern, Rocca - ich kenne das alles.

Hast du die Möglichkeit, mal mit jemand Kompetenten darüber zu sprechen, vor allem, mal richtig in dich rein zu FÜHLEN? So alleine drehst du dich gedanklich sehr im Kreis.

Nach meiner Meinung hast du Panik vor der Endgültigkeit dieser Nähe. Ich weiß noch, als ich mit meiner Tochter nach der Entbindung aus der Klinik kam, habe ich in das Körbchen geschaut und mir ging der Gedanke durch den Kopf: du bist jetzt IMMER da?! Das war auch mit einem Halszuschnür-Gefühl verbunden. Es geht um Verantwortung, Verbindlichkeit, das macht Angst.

Alleine kann ich mich besser durch's Leben 'mogeln', davonhüpfen, wenn ich möchte ..., es geht ja nur um MICH. Ein Kind fordert dazu heraus, das EGO ein STück weit mehr nach hinten zu stellen. Das ist für mich persönlich auch die größte Herausforderung, weil ich ein sehr ego-bezogener Mensch bin.

Vielleicht kannst du mal in diese Gedanken spüren. Und hol' dir Unterstützung zur Entscheidungsfindung.

Liebe Grüsse nochmals!

Inaktiver User
21.07.2006, 11:32
ja, julifrau, ich habe schon ziemlich viel gesprochen, war auch zweimal bei profamilia.

mit dem was du sagst, hast du sicher recht. ja, ich habe mich immer durchs leben gemogelt, das stimmt. aber nach vielen jahren, auch der ganz schlimmen depressionen, ist es mir in der letzten zeit gelungen, mir einen kleinen, aber sehr wertvollen freiraum zu errichten. ich bin niemandem rechenschaft schuldig und ja, wenn ich will, kann ich morgen weg sein. das mag egoismus sein, aber ehrlich gesagt war es die einzige möglichkeit, um dem tiefen tal der depressionen zu entkommen. ich bin ein einzelgänger (auch wenn ich eher so wirke wie der große partylöwe - aber das täuscht halt enorm), ich entziehe mich langfristigen bindungen. stimmt alles.

wenn ich ein kind bekäme, würde das bedeuten, dass ich ein diametral entgegen gesetztes leben zu meinem jetzigen führen müsste, dass ich alles aufgeben müsste, wofür ich so hart und verlustreich gekämpft habe.

ich fühle mich bereits jetzt so wie in meinen depressiven zeiten - wer kann mir garantieren, dass das mit kind wieder weggeht?

ich habe gerade eine studie gelesen, in der frauen verglichen wurden, die ein ungewolltes kind abgetrieben haben mit frauen, die ein ungewolltes kind bekommen haben. laut dieser studie ging es ersterer gruppe besser als zweiterer. ok, man kann nun von studien halten was man will, sie sagen ja auch nichts über meinen einzelfall aus.

ich sehe momentan alles tiefschwarz - ist das eine basis für ein kind?

Julifrau
21.07.2006, 13:24
Liebe Rocca, ich rede nicht von sprechen, sondern von 'spüren'.

Und wer sagt, daß nicht vielleicht die Zeit gekommen ist für dich, diesen Schritt in Verantwortung zu gehen, erwachsen zu werden. Dich zu 'geben'. Das bedeutet nicht dich 'auf-'geben' müssen. Es wird anders werden, sicher. Aber nicht schlechter. Es könnte einfach ein neuer Lebensabschnitt sein, eine neue Herausforderung. Vielleicht, damit du wirklich Partylöwin wirst, weil Parties zu etwas Besonderem werden.

Das Thema heißt Verantwortung, das ist klar. Ich bin heute noch nicht erwachsen, trotz 10jähriger Tochter. Aber ich hole mir Hilfe und merke, wie gut es mir tut. Jeder Schritt in die Eigenverantwortung ist auch ein Schritt zu MIR, zur Liebe zu mir selbst.

Ach, das mag sich jetzt alles sehr euphorisch und abgespact anhören. Eigentlich ist es nur Leidenschaft.

Ich habe einfach das Gefühl, im Endeffekt willst du das Kind. Es ist einfach mein Gefühl. Wobei natürlich auch eine andere Entscheidung in Ordnung ist.

Kannst du nicht ein wenig in die Sonne anstatt in's dunkle Loch schauen, dir 'Positives' geben, leichte, humorvolle Filme; was Schönes zum Anziehen kaufen, gut essen gehen mit deinem Freund?

Ein lieber Gruß Juli

Inaktiver User
21.07.2006, 13:33
ach julifrau, ich schleppe mich sogar fast jeden tag ins nahegelegene schwimmbad, da es in meiner wohnung temperaturmäßig ab einer gewissen uhrzeit nicht mehr auszuhalten ist.

und da sehe ich dann auch eine menge kinder, babies und auch schwangere. ich sehe sie, aber nichts positives rührt sich in mir. dabei mag ich kinder grundsätzlich durchaus, habe mehrere neffen und nichten. und trotzdem: wenn ich mir vorstelle, so ein baby ist meines, ja nur, wenn ich mich mit dickem bauch vorstelle, fühle ich mich wie ein alien.

mit der verantwortung hast du sicher recht. es gibt sicher viele argumente dafür ein kind zu haben. keine frage. allerdings: was tue ich, wenn ich meine derzeitige verfassung nicht ändert, wenn die traurigkeit bleibt? und ich weiß, dass diese phasen bei mir sehr, sehr lange anhalten können. was, wenn ich mit einem kind dasitze und todunglücklich oder gar depressiv bin?

momentan sprechen alle, aber wirklihc alle gefühle gegen ein kind, nur die angst vor reue und rationale argumente sprechen dafür. dass sich das u.u. ändern könnte, weiß ich, aber garantieren kann es mir niemand.

es gibt so viele ungeliebte kinder - soll ich da wirklich ein weiteres einreihen?

Inaktiver User
21.07.2006, 20:38
hallo rocca,

also ganz ehrlich: Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass du das kind lieber nicht behalten solltest.
1. kriegst du es und dir gehts dann schlecht damit, dann kann das nicht gut für ein kind sein. Und ich denke, dass willst du bestimmt nicht.

2. kriegst du es nicht, dann KÖNNTE es dir anschließend schlecht gehen. Muss aber nicht sein. Und falls doch, dann musst DU versuchen dein Gleichgewicht wiederzufinden und es ist kein leidtragendes Kind betroffen.

So ist meine Meinung.
Ganz liebe und starkmachende Grüße
:Sonne:

Digger
22.07.2006, 22:22
Guten Abend, alle zusammen!

Ich finde leider momentan zu wenig Zeit fürs Internet. Es gibt soviel zu klären bei mir.

Ich danke Euch allen aber für Eure Stellungnahmen und versuche, meine Tochter auch zu verstehen und wenn man sie richtig kennt, merkt man schon immer wieder traurige Momente am Tag, wenn sie vor sich hin starrt oder abwesend ist und keine Antwort gibt.

Ich werde sie weiterhin unterstützen und auch versuchen, möglichst behutsam mit ihr umzugehen. Ich habe schon eine Menge Stürme durchlebt, aber eine solche Entscheidung musste ich zum Glück noch nie treffen.

Deshalb habe ich Dir auch geantwortet, liebe Rocca, weil ich weiß, welch schweren Stein Du mit Dir rumschleppst.

Aber, wie die anderen auch schreiben, laß doch einfach mal das Leben für Dich entscheiden. Plane nicht alles komplett durch. Dann bist Du unendlich enttäuscht, wenn es trotz Vernunfts-Entscheidung nicht läuft wie geplant.

Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Manche Dinge kann man nicht erzwingen. Laß Dein Herz entscheiden. Wenn Du das Baby bekommst, bist Du vielleicht erstaunt, welche "neuen Welten" sich für Dich auftuen. Du wirst Dinge sehen, die Dir seit Jahren nicht mehr aufgefallen sind und auch ein vollkommen neues Leben leben.....

Hab Mut, hab Mut zu einer Entscheidung, egal in welche Richtung!

Ich wünsch Dir Kraft!

Inaktiver User
22.07.2006, 22:49
Hallo Rocca,

ich denke genauso wie Zauberratte!

Wenn ich Deine Zeilen lese, meine ich zu spüren, daß Du Dich gegen das Kind (und den Vater...) entschieden hast aber Angst und Zweifel wegen den Schuldgefühlen hast.

Mich würde übrigens interessieren, wie es überhaupt passieren konnte, daß Du schwanger wurdest?

Ich bin der Meinung, daß Du erstmal mit DIR klarkommen musst und damit genug zu tun hast (entschuldige, aber so liest es sich für mich) Dafür möchte ich Dir von Herzen Kraft und Energie wünschen.

Liebe Grüße,
Scarlett

Bumble-bee
28.07.2006, 15:14
Hallo Rocca,

ich habe Deinen Thread erst jetzt entdeckt schon zweimal gelesen, weil er mich einfach nicht richtig loslassen will. Du hast Dich schon eine Weile nicht mehr gemeldet – geht es Dir gut?

Ich bin (erst) 27 (und noch kinderlos) und kann mir deshalb wohl nicht anmaßen, Dich zu verstehen oder dir helfen zu können. Aber ich möchte Dir trotzdem einige meiner Gedanken mitteilen, weil mich Deine Situation einfach wahnsinnig beschäftigt.

Das Gefühl innerlich zerrissen zu sein und nicht zu wissen, was man tun soll kenne ich – wenn auch aus anderen Situationen. Für mich gehört es zu einem der schlimmsten Zustände, in denen man sich befinden kann. Es geht Dir wirklich wahnsinnig schlecht, was ich Dir absolut nachfühlen kann und das tut mir sehr leid. Das das durchaus auch körperliche Auswirkungen haben kann weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Wenn Du also in dieser Zeit mit Unterleibskrämpfen u.ä. zu kämpfen hast, dann kommt dies ziemlich wahrscheinlich von diesem inneren Konflikt.

Du schreibst ja schon im Titel, dass Du Panik hat – aber was Du beschreibst, dass es Dir den Hals zuschnürt, u.ä. klingt schon fast nach richtigen Panikattacken. Hast Du mit Pro Familia oder Deinem Therapeuten darüber gesprochen? Dein Therapeut ist sehr Pro-Baby eingestellt – vielleicht suchst Du Dir noch einen anderen, der etwas „neutraler“ ist. Ein Therapeut sollte eigentlich niemals Handlungsempfehlungen geben, sondern nur bei der Suche danach unterstützen...



Ich schreibe Dir übrigens jetzt einfach, was ich mir denke und wie ich das sehe und Du kannst dann für Dich überprüfen, was stimmt und was nicht – Dir das rausziehen, was Dir vieleicht hilft oder was Du verwenden kannst und das andere einfach ignorieren, in Ordnung?


1.
Du fühlst Dich überfordert, weißt nicht, was die richtige Entscheidung ist.

Aber gibt es eine „richtige“ Entscheidung? Ich glaube, dass wir uns davon lösen müssen. Du solltest versuchen für Dich einen Einklang zu finden – das das gerade jetzt alles andere als einfach ist stellt aber wohl gerade das größte Problem dar – dann findest Du auch zu einer Entscheidung und diese wird für Dich richtig sein. Jede Entscheidung die wir treffen ist Teil unseres Lebens und macht uns zu den Menschen die wir sind. Wir machen gute und schlechte Erfahrungen – wir treffen Entscheidungen die zu solchen Erfahrungen führen – aber keine ist falsch; Denn jede bring uns näher zu uns selbst – jede, egal wie sie ausfällt, ist ein kleiner Baustein unseres Lebens.


2.
Doch jetzt hast Du erstmal das Problem, dass Du innerlich so zerrissen und uneins mit Dir selbst bist, dass Du gar nicht in der Lage bist, eine Entscheidung zu treffen? Stimmt das?

Also finde ich, solltest Du zuerst versuchen, dieses Ungleichgewicht, indem Du Dich befindest, wieder in den Griff zu bekommen. Leichter gesagt/geschrieben als getan, ich weiß.

Vielleicht löst Du Dich erstmal von der Vorstellung, dass dieses Kind unbedingt an Deinen Freund oder andere Umstände geknüpft sein muss. Es hat weder mit ihm noch mit einem Job oder einem evtl. Umzug etwas zu tun. Es gibt nie den perfekten/richtigen Zeitpunkt für ein Kind. Immer liegt gerade etwas an (z.B. ein Umzug).

Alles was man dann tun muss, ist zu entscheiden, ob man sich inkl. Kind an die neuen Umstände anpasst (und so viele Menschen schaffen das, ihr zwei würdet das auch hinkriegen) oder ob man diese dem Kind zuliebe aufgibt bzw. ob man das Kind dafür aufgibt. (Ich persönlich sehe kein Problem darin, wenn Du mit Deinem Freund in die Schweiz gehen würdest – auch dort werden Kinder geboren und wachsen auf – genauso wie hier.)

In Deinen Gedanken findest Du tausend Gründe, weshalb irgendetwas Schwierigkeiten bereiten würde, oder was dann nicht mehr so funktionieren würde, wenn Du das Kind bekommen würdest...


3.
Der Hauptgrund ist wohl Deine momentane Unsicherheit bezüglich Deiner Beziehung. Da solltest Du natürlich nach einer Klärung streben. Aber ihr seid sicher nicht erst seit gestern zusammen und wisst, wie ihr mit partnerschaftlichen Problemen umgehen könnt.

Ich würde jedenfalls nichts überstürzen. Du stehst momentan unter großem Streß. Du hast so viele Gefühle und Ängste, Unsicherheiten und Wünsche sind in Dir, dass ich glaube, dass Du gar nicht mehr in der Lage bist, das eine von dem anderen zu trennen. Das wirkt sich auf all Deinen Lebensbereiche aus. Auch auf Deinen Freund. Du bist Dir unsicher wegen des Kindes, Du hast Angst und Du machst Dir Sorgen um die Zukunft. Du weißt nicht was auf Dich zukommt, ob Dein Leben total umgekrempelt wird, ob Du und/oder Dein Freund vielleicht zuviel für das Kind aufgeben müsst und ob Deine Partnerschaft nicht daran zerbrechen wird.

Ich glaube, Deine Unsicherheit bezüglich Deiner Beziehung kommt aus Deiner Angst, dass sie an dem Kind zerbrechen könnte. Es ist eine Art Schutzmaßnahme. Innerlich schreibst Du sie schon ab oder stellst Dich auf das Ende ein. Du suchst nach Dingen, die Dich an Deinem Partner stören und die Dir das Ende dann erträglicher machen oder es sogar den Anschein haben lassen werden, dass Du Dich für das Ende entschieden hast. Dadurch musst Du Dich nicht dem Risiko „Beziehung mit Baby“ stellen.

Sprich mit Deinem Partner doch über Deine Ängste und Unsicherheiten. Es macht den Anschein als würde er Dich auf jeden Fall unterstützen.
Ihr seid schon so lange zusammen. Gib euch noch eine Chance. Und wenn Du oder ihr beide es für richtig haltet, dann gebt auch dem Baby eine Chance. Wenn es nicht sein soll, werdet ihr das sicher auch merken.

Natürlich kann es auch sein, dass Dir durch Deine Schwangerschaft der Blick auf Dinge freigemacht wurde, die Du bisher nicht gesehen hast oder nicht sehen wolltest. Aber ich glaube, gerade, da Du in so einem unglaublich großen Gefühlschaos steckst, ist es eher unwahrscheinlich, dass Du jetzt irgendetwas wirklich klar sehen kannst. Das ist nicht böse gemeint – nur meine Einschätzung. Ich selbst versuche in solchen Zuständen deswegen niemals Entscheidungen zu treffen, sondern damit zu warten, bis sich meine Gefühle und ich mich wieder beruhigt haben und ich das ganze auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

Das dumme ist, dass Du eigentlich keine Zeit dafür hast. Du bist schwanger und hast nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, Dich für oder gegen das Kind zu entscheiden. Dieser Zeitdruck wird das ganze wahrscheinlich noch mal mehr nach oben pushen. Ein Teufelskreis.


4.
Ein paar Vorschläge meinerseits:

Versuch Dir vorzustellen, Du hättest das Kind abtreiben lassen und versuche zu ergründen, wie es Dir dabei geht und was Du fühlst. Erleichterung? Eine kleine Traurigkeit?

Stell Dir vor, Du hättest Dich von Deinem Partner getrennt. Was spürst Du dann?

Beschäftige Dich damit aber eingehend, nicht nur 5 Minuten und versuche jedesmal zu hinterfragen wo Deine Gefühle herkommen?

Frag Dich: warum fühle ich so? Was ist da noch? Wo kommen diese Gefühle her?

Ich bin erleichtert, weil.... ;
Oder ich bin traurig. Es war meine vielleicht meine letzte Chance ein Kind zu bekommen (gibt es hier vielleicht ein aber?);
ich vermisse meinen Partner – er war ein Teil von mir –
oder ich fühle mich frei.
So in der Richtung.

Und versuche den Druck irgendwie von Dir zu nehmen. Sprich mit Leuten, die Dir helfen, beginne mit Entspannungsübungen oder treibe Sport, der Dich ablenkt.

Informiere Dich über alles, was mit dem Kinderkriegen zusammenhängt – das nimmt vielleicht etwas die Angst oder wirkt aufklärend. Unausgesprochene Fragen könnten so verschwinden.

Versuche die Sache mit Deinem Freund zu entwirren, Deine Gefühle ihm und dem Kind gegenüber zu ergründen – aber ohne, dass Du Dich von den „was passiert, wenn“ Situationen, die wohl wie ein kleiner Film jedesmal in Dir ablaufen, wenn Du daran denkst, beherrschen lässt.

Und wenn solche Gedanken in Dir entstehen, dann verdräng sie nicht, sondern lass sei zu – aber schau sie Dir an.
Schau sie an und sage Dir – aha, ich denke oder fühle gerade das und dies. So werden sie Dich nicht mehr beherrschen, sondern Du stehst immer noch über ihnen und gestattest ihnen nur zu kommen und zu gehen. Ich weiß nicht, ob ich das gut beschrieben habe –aber ich hoffe es.
So erkennst Du jedenfalls Deine Gedanken und Gefühle nämlich und machst sie damit eigentlich unschädlich. Und wenn sie dann nicht verschwinden, dann ist das auch in Ordnung. Geh genauso damit um. Das Gefühl "der Angst, was passieren wird" ist immer noch da. Aber du siehst es und es bestimmt Dich nicht!

So könntest Du Dich langsam –Stück für Stück – aus diesem Kreisel Deiner Gefühle und Ängste befreien und die Möglichkeit erhalten Deine Schwangerschaft aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nämlich von Dir aus – nicht von dem, was gerade an Chaos in Dir herrscht.

Und das ist unabhängig davon, wie Du Dich entscheidest. Ich rate Dir zu nichts – das sollte auch keiner tun – denn es ist allein Deine Entscheidung! Ich möchte Dir nur helfen, diese Entscheidung auch aus Dir selbst heraus treffen zu können – und sie nicht abhängig von anderen (Umwelteinflüssen, Beziehungen oder einem Gefühlschaos, das Dich nicht klar sehen lässt) zu machen, damit Du sie dann – egal, wie sie ausgefallen ist – nicht bereust.

Ich hoffe, das hilft dir etwas, falls Du Dich nicht schon entschieden haben solltest.

Alles Liebe
Bumble-bee

miolina
12.01.2007, 12:34
Oh nein!!!

Habe völlig gebannt diesen Thread gelesen, weil Rocca mir praktisch aus der Seele gesprochen hat. Und plötzlich ist einfach Ende. Werde ich jetzt nie erfahren, wie's weiterging??

Rocca, wenn Du dies hier liest, bitte melde Dich!
Oder unterhaltet Ihr Euch woanders weiter?
Oder weiß sonst jemand, wie sie sich entschieden hat?

:wie?: :wie?: :wie?:

Inaktiver User
12.01.2007, 16:52
so viel geballte neugier kann ich ja schlecht unbeantwortet lassen:-)

wie ich mich entschieden habe? ich habe nicht abgetrieben, ich habs einfach nicht geschafft. und eigentlich bin ich auch froh darüber, auch wenn ich mich immer noch nicht so richtig über die bevorstehende geburt freuen kann. aber zumindest bin ich nicht mehr in diesem gewissensdilemma. ich kann mir halt noch überhaupt nicht vorstellen, wie das sein wird, für ein so kleines wesen verantwortlich zu sein. und ich habe immer noch angst, mich zu verlieren.

ich werds drauf ankommen lassen müssen. und zum glück ist da ja noch mein partner, der so viel optimistischer und positiver ist als ich.

irgendwie denke ich mir, dass ich all dies brauche, um einen wichtigen schritt im leben weiter zu kommen. "loslassen" heißt glaube ich die lernaufgabe. ist nur so verdammt schwer!

an dieser stelle möchte ich jedenfalls nochmal allen danken, die mir damals versucht haben zu helfen, gleich in welche richtung. ob ich einen fehler gemacht habe, werde ich vielleicht auf meinem sterbebett wissen. ich hoffe nicht!

miolina
15.01.2007, 10:43
Danke, danke, danke! :blumengabe:
Dann versuch ich's vielleicht auch...

Dir jedenfalls alles Gute weiterhin!
Mio

miolina
15.01.2007, 12:07
Hm, jetzt war ich vielleicht doch etwas schnell kurzangebunden.

Mich würde noch interessieren (falls Du noch mal was dazu schreiben magst), ob es etwas gab, das den Ausschlag dafür gegeben hat, Dich doch für das Kind zu entscheiden. Konntest Du Dich einfach nicht entscheiden, bis es "zu spät" war? Oder gab es etwas, das dann doch noch klar dafür gesprochen hat, es zu bekommen? Und hast Du die Entscheidung seitdem nicht mehr bereut?

Ich hab halt so Angst, daß ich mich dafür entscheide (wozu ich momentan tendiere) und die Panik wieder hochkommt, wenn vielleicht der Bauch dick und mir die Schwangerschaft wirklich bewußt wird. Und dann steh ich da und kann nichts mehr machen. :niedergeschmettert:

Grüßle
Mio :knatsch:

momo71
15.05.2007, 11:22
Hallo Rocca,

ich habe den thread jetzt erst gelesen, ist ja nun schon einige Monate her. Ich war sehr gefesslt, kann deine Gefühle total verstehen, befinde mich in ähnlicher Situation und hab keine Ahnung, was ich machen soll.
Was mich nun total interessiert ist natürlich eine Fortsetzung deiner Geschichte. Wie siehst du das heute? Und natürlich vor allem: Geht es dir gut? Hast du das Kind zur Welt gebracht?
Ich würde mich echt total freuen, ich glaube, das würde mir schon weiterhelfen, zu hören, wie die Dinge sich bei einer anderen entwickelt haben.
Vielleicht schreibst du ja nochmal. Viele Grüße von momo

Inaktiver User
26.05.2007, 15:10
:blumengabe: Rocca, habe eben erst Deine Geschichte gelesen.
Ich hoffe, dass es Euch dreien gut geht.

Und ich hoffe, dass Du bald kurz Zeit findest, uns zu berichten, wie Du Dich jetzt fühlst.

Alles Liebe :Sonne:
Marseillaise