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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie geht ihr mit Jahrestagen um?



Inaktiver User
24.05.2006, 21:26
Wie geht ihr mit den "Jahrestagen" um?
Versucht ihr, diese zu "umgehen" oder gestaltet ihr sie bewußt?
Habt ihr vielleicht ein kleines Ritual entwickelt?
Wie fühlt ihr euch vorher/nachher?

Ebenso die Feiertage.

Bei mir sind diese Fragen grad aktuell.
Ich hatte versucht, nicht weiter über den Todestag meines Sohnes nachzudenken, wollte einfach nur an diesem Tag zum Grab und ihm eine schöne Blume bringen.
Aber es ging mir einige Wochen vorher schon "schlecht", war angespannt und schlief schlecht. Und es steigerte sich, je näher der Tag kam (ist der 4. Todestag)
Am Abend des Tages, nachdem ich am Grab gewesen war, ging es mir besser und da merkte ich erst, wie sehr ich vorher angespannt war. Um am nächsten Tag fühlte ich mich wieder wohl.

Ich wollte das nicht, dieses "esgehtmirvorherschlecht", ich dachte das muss doch nun mal besser sein/werden, aber Pustekuchen!

Ich tat so als ob nichts besonderes anliegt im Monat Mai, aber das Gefühlsgemisch aus Trauer und Panik kam durch die Seelen-Hintertür wieder rein.

Jetzt habe ich mir vorgenommen, in Zukunft diese Zeit bewußter zu gestalten.
Weiß aber noch nicht "wie"...

(vor allem sollte ich mir wohl erlauben, öfter zu weinen ?)


Falls es euch nicht zu schwer fällt, darüber zu reden, würde ich mich sehr freuen, von euren Erfahrungen und Bewältigungsstrategien zu hören.



liebe Grüße
Lavendelmond

Inaktiver User
24.05.2006, 22:06
Am Todestag selbst bin ich meist mit mir alleine, manchmal auch mit den Eltern meines verstorbenen Freundes und seinen Kindern zusammen - kommt immer etwas drauf an.
Mit seinen Freunden haben wir ein schönes Ritual gefunden - wir feiern seinen Geburtstag zusammen, und jedes Jahr wird klarer, dass wir das im nächsten Jahr auch wieder tun werden. Das ist sehr, sehr schön.

Hagazussa
25.05.2006, 09:09
liebe Lavendelmond, bei mir war es der 6. Mai, der Geburtstag meines verstorbenen Sohnes, er wäre 29 Jahre alt geworden. Schon die Tage davor waren sehr schlimm, am Geburtstag war ich dann mit meinem älteren Sohn am Grab und danach an der Stelle, wo Bastian mit seinen Freunden seine Unglücksfahrt begann (er ist bei Hochwasser in der Mangfall ertrunken). Dort war es wider Erwarten sehr friedlich und für den Moment konnte ich die Tatsachen akzeptieren - weil ich ihm innerlich natürlich immer noch verbunden bin. Letzten Samstag war ich dann bei einem "Trauertag" von der Gruppe Verwaiste Eltern, da bin ich zwar mit sehr gemischten Gefühlen hingegangen, aber es war letztendlich heilsam! Liebe Grüsse Charlotte

Inaktiver User
25.05.2006, 09:49
Liebe Lavendelmond,

L. hätte am Samstag ihren 14. Geburtstag.seit 12 Jahren fehlt sie.
Ich werde, wie oft an diesem Tag, allein sein. Mann und Töchter nutzen das lange Wochenende und sind zum Surfen nach DK gefahren.
Ich werde an unser jüngstes Kind denken. Wie ich mich dann fühle, weiss ich noch nicht.Es ist alles irgendwie so abstrakt geworden.
Und ich sagte ja mal, der schlimmste aller Jahrestage ist der 7.März 1994, an dem wir die grausame Diagnose erfahren mussten. :heul:
Der Todestag fällt meist in die Sommerferien. Ich liebe den Sommer.
Zum Friedhof gehe ich fast nie, weil ich da nichts spüre, weder Trauer noch Trost. Das mag aber seine Gründe haben.

Liebe Grüße an diesem kalten Regentag.

U.

Pemaus
25.05.2006, 10:29
Hallo,
auch wir haben so unser Ritual gefunden. An ihrem Geburtstag gibt es ihre Lieblingstorte und wir trinken gemeinsam Kaffee, mein Mann, unsere Kinder und ich. An ihrem ersten Geburtstag ohne sie haben wir auch ihre Freunde eingeladen, ganz bewußt. Aber am 2. und 3. da wollte ich das nicht mehr. Aber trotz allem ist ihr Geburtstag für uns ein Freudentag geblieben, zwar mit Tränen in den Augen aber Freude im Herzen das sie 19 Jahre bei uns war. An ihrem Todestag gehe ich nur auf den Friedhof und es kommt ihre beste Freundin vorbei. (Die kommt auch immer an ihrem Geburtstag) Wir trinken dann eine Tasse Kaffee und reden ein wenig.
Weihnachten ist für mich eine reisengroße Qual, bzw. das ganze Winterhalbjahr, sie hat am 14.11. Geburtstag, dann kommt Weihnachten und Todestag ist der 19.1. Ihr sehrt also es geht schlag auf Schlag. Weihnachten feiern wir aber bewußt wie immerrrrrrrr.
Meine 2 anderen Kinder haben da von Anfang an drauf bestanden. Die Träenen und der Schmerz in meinem Herzen werden da ganz in der untersten Ecke geparkt. Das bin ich meinen Kindern schuldig.
Am schlimmsten ist für mich Sylvester. Wieder ein Jahr vorbei ohne Sie und wieder ein neues Jahr ohne Sie. :heul:
LG
Petra

Inaktiver User
25.05.2006, 17:22
Der Geburts- und der Todestag meiner Tochter liegen nur 2 Tage auseinander, beide Anfang April. Etwa Mitte Februar geht das Grummeln in der Magengegend los, ich bekomme Angst vor dem nahenden April. Am Geburtstag bin ich jedes Jahr mit meiner Freundin zusammen, wir gehen essen, reden viel, schauen uns Fotos an von früher. Wir bemühen uns, immer etwas Besonderes zu machen und wir lassen in jedem Jahr Luftballons steigen mit guten Wünschen für das Geburtstagskind.
In den ersten Jahren habe ich auch noch einen Kuchen gebacken.

Den Todestag verbringe ich am liebsten alleine und ich bin immer froh, wenn es kein Wochenende ist und ich zur Arbeit kann. Ich kaufe bunte Blumen und versuche, nicht in eine Depression zu verfallen, was mir meistens nicht gelingen mag, spätestens am Nachmittag bin ich ein Häufchen heulendes Elend.

An beiden Tagen freue ich mich immer sehr über Zeichen meiner Mitmenschen. Ein Anruf, ein kleines "Ich habe an Euch gedacht". Leider sind diese Zeichen im Laufe der Jahre sehr, sehr selten geworden.

Am Todes- und Geburtstag meines Papas, den ich unglaublich vermisse, gehe ich grundsätzlich mit meiner Cousine, sie ist sein Patenkind, zum Chinesen essen - er liebte das chinesische Essen. Ausserdem halte ich an diesen beiden Tagen eine besonders lange und intensive Zwiesprache mit ihm.

Die Gedenktage meines Vaters und die meiner Tochter empfinde ich sehr unterschiedlich vom Gefühl her. Jeder Geburtstag meines Kindes macht mir die Sinnlosigkeit bewußt, die Endgültigkeit. Keine Geschenke, die ich kaufen kann, nichts, was ich überhaupt noch für sie tun kann. Der Todestag ist für mich immer die ewige Erinnerung an den schlimmsten Tag in unserem Leben, ich durchlebe jede einzelne Sekunde nochmals, immer und immer wieder. Und jedes Mal habe ich das Gefühl, ein Stückchen mitzusterben.

Paula

Inaktiver User
25.05.2006, 20:16
Ich danke euch allen sehr für eure Offenheit :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:


Ich sehe nun, ich muss lernen, jedes Jahr aufs Neue wieder "alles zu durchleben", zwar in abgeschwächter Form, aber es ist im Grunde doch so, wie Paula es beschreibt:

Der Todestag ist für mich immer die ewige Erinnerung an den schlimmsten Tag in unserem Leben, ich durchlebe jede einzelne Sekunde nochmals, immer und immer wieder. Und jedes Mal habe ich das Gefühl, ein Stückchen mitzusterben.


Es hat keinen Sinn zu flüchten, es ist "in uns/mit uns" jetzt und immerdar.

Ich habe beschlossen, diesen bittergrauen Teil meiner Seele, der für immer in Trauer und Not ist und voller Entsetzen, diesen Teil will ich lieben lernen.
Diesen Teil meines Lebens nicht länger fürchten und fliehen, sondern annehmen und ehren.

Nicht 365 Tage im Jahr, aber für so lange wie es nötig ist, wenn dieser Teil wieder ins Bewußtsein hoch will.
Dieses Niederdrücken der Emotionen macht mich so müde :schlaf gut: :niedergeschmettert:


Nochmals Danke :wangenkuss:
Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr ahnt.



Lavendelmond :blumengabe:

Inaktiver User
27.05.2006, 10:24
Liebe Lavendelmond,

was ich auch sehr interessant finde, ist die Frage: wie gehen die anderen mit den Jahrestagen um? Mit "den anderen" meine ich die Familie, die Freunde ...
Dem ersten Todestag "darf" man noch gebührend Achtung entgegengebringen, schon im zweiten Jahr - das war meine persönliche Erfahrung - wurde nicht mehr darüber geredert oder daran gedacht. Ich habe es als tief verletzend empfunden, daß mein Kind einfach so totgeschwiegen wurde. Keine Besuche mehr am Grab, kein Zeichen der Anteilnahme in Form von Worten - und nein, ich bin nicht von der Sorte, die ständig bedauert und in den Arm genommen werden möchte, aber wie sehr habe ich mir gewünscht, den Namen von Alexandra zu hören, als Zeichen dafür: sie ist nicht vergessen.

Wie sehr freue ich mich über die wenigen Menschen, die den Geburts- und den Todestag meines Kindes als erwähnenswert empfinden! Es sind die kleinen Gesten: meine Freundin, die immer an Silvester einige Wunderkerzen beiseite nimmt und sagt: die bewahren wir auf für Alexandras Geburtstag. Der von Herzen kommende Anruf einer Cousine, nicht aus Pflichtgefühl, und ihre Worte: ich denke heute so an Euch! Dann die Mails von anderen betroffenen Eltern, die einfach verstehen, wie man fühlt und daß der Schmerz mit den Jahren nicht weniger wird, zwar anders, aber nicht weniger. Die verstehen, daß man gewisse Tage nicht aus dem Kalender ausradieren kann und daß einem an diesen Tagen das Atmen und das Leben besonders schwer fällt.

Mich würde interessieren: wie geht Euer Umfeld mit den Jahrestagen um?

Paula :blumengabe:

Inaktiver User
27.05.2006, 11:48
ach Paula :niedergeschmettert:

das ist so eine Sache

meine älteste Schwester denkt IMMER daran
die andere Schwester NIE und war auch seit der Beerdigung nicht mehr am Grab und erwähnt meinen Jungen auch nicht mehr (allerdings sprechen wir auch nicht mehr von ihrer 1. Schwangerschaft die mit einer Totgeburt endete, aber das ist nach über 20 Jahren vielleicht auch nicht mehr richtig?? und irgendwie ist das doch auch "was anderes" - oder nicht???)
meine Mutter hat es wieder vergessen, aber sie ist alt und depressiv und oft etwas verwirrt
mein Mann erwähnt derlei Tage NIE und geht auch nicht mit mir zusammen zum Grab - ebenso der ältere Sohn
aber wir sprechen hin und wieder über ihn, sagen Dinge wie: Das hätte ihm gefallen
oder: Jetzt hätte er dies oder das gemacht oder: weißt du noch, wie er immer....

was mich besonders freut ist, dass ich auf der Straße angesprochen werde, dass die Leute sagen (letztens die Arzthelferin der damaligen Hausärztin) : ich denke immer noch gerne an M., ich werde ihn nie vergessen
und das nach 4 Jahren !

aber dass man in der Zeit um die gewissen Tage herum, ziemlich neben der Spur ist, dass man leidet ob man will oder nicht....
das versteht niemand, das muss versteckt bleiben

es ist wirklich keine Sache des "Willens" oder des "verarbeitet-habens" - man ist dem einfach hilflos ausgeliefert

in Zukunft will ich es ja anders handhaben, ich will diese Tage bewußt intensiv und "rückwärtsgerichtet" erleben und
nehme mir einfach das Recht dazu !



LM

Schwobafetzle
27.05.2006, 13:50
also jetzt mal ganz ehrlich paula. meinst du eigentlich nicht, es wäre mal an der zeit hilfe in anspruch zu nehmen. wenn ich dich lese dann krieg ich direkt einen depressionsanfall. dieses gejammer, sorry jetzt mal. mensch mädel, geh raus an die luft und tue was. wir wohnen net so weit auseinander und ich komm zum nächsten stammtisch, ich glaube da müssen wir mal reden :schild genau:

die konzentration auf die trauer ist der fehler!! lebt!! weil ihr lebt!!! ihr lebt net in den toten, net in der vergangenheit!! ihr lebt im heute!! und wenn ihr da net selbst raus kommt, dann lasst euch helfen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Inaktiver User
27.05.2006, 15:55
Schwobafetzle,
du hast die Sensibilität eines Dampfhammers :gegen die wand:

Monkele
27.05.2006, 17:53
Schwobafetzle,
du hast die Sensibilität eines Dampfhammers :gegen die wand:




Lavendelmond :allesok:
@ Schwoabafetzle- Hast du überhaupt eine Ahnung, von was du da schreibst?! Und leider habe ich auch das Gefühl, dass es bei diversen anderen Themen ähnlich ist! :fluestertuete: Auf deine Teilnahme am Stammtisch verzichte ich dankend, bei der Art!!! :grmpf: :nudelholz:


Monkele

Pemaus
27.05.2006, 19:30
Hallo Schwobafetzle,
genau solche Mensch wie dich brauchen wir........................nicht!
Wenn das hier und heute nur aus solchen Menschen wir dir bestehen würde, wäre dies ein sehr guter Grund nicht im hier und heute leben zu wollen.
PM

Milla
27.05.2006, 20:11
Liebste Paula,

das was hier eine Userin so von sich gibt tut mir undendlich weh. Bin so sauer das ich ganz zittrig bin....

Ich glaube diese Person wird nie wissen wie es ist sein Kind, welches man 9 Monate unter dem Herzen getragen hat zu verlieren. Großeltern, Eltern, Partner alles furchtbar schrecklich und es macht einen ohnmächtig...
ABER das eigene Kind undvortellbar schrecklich!!!
Mein Kleiner (6Monate) hatte am Mittwoch seine Lebertransplanation die aufgrund eines Herzfehlers und seiner Grunderkrankung noch schwieriger war wie sonst sowieso.
Und diese Angst vor der OP, dem Tod, die einem die Luft zum atmen nimmt ist so schrecklich das ich nicht weiß wie ich die letzten Monate überhaupt existieren konnte.
Ich weiß nicht wie es ist ein Kind, sein Kind zu verlieren. Diese Wunden werden sicherlich nie heilen oder es bleibt eine dicke, schmerzhafte Narbe zurück die immer kurz vor dem aufbrechen ist.
Aber ich kenne die Angst, die schon ausreicht.

Und der gewisse Personen nicht mit dem Respekt gegenübertreten wie es eigentlich sein sollte,(auch das macht mich unendlich traurig!)

Liebste Lavendelmond,
auch wenn mein Kommentar leider nichts mit deinem so wichtigem und sensiblen Strang zu tun hat, hoffe ich, dass es euch nicht zu sehr belastet.

Ihr seit so stark und ich ziehe meinen Hut vor euch allen!
Eure Trauer ist richtig und wichtig!

Herzallerliebst eure
Milla

Inaktiver User
27.05.2006, 20:21
Liebe Milla,

ich wünsche Dir und Deinem kleinen Sohn von ganzem Herzen alles, alles Liebe! Ich hoffe für Euch, daß alles " gut " wird, daß sein Körperchen die Spenderleber annimmt und er sich zu einem wunderbaren Kämpfer entwickelt!

Alles Liebe für Euch :blumengabe:

Paula

Milla
27.05.2006, 20:47
Liebe Paula,

ja es geht im Lebertechnisch sehr gut, die OP lief nach Plan und alle Gefäße werden durchblutet. Seine cholerische Art, die er immer an den Tag legt wenns ihm nicht so gut geht, macht ihm zu schaffen (Sauerstoffsättigungsabfälle auf unter 50%) Ist jetzt auf Drogen (Morphin, Schlafmittel, Paracetamol etc..) Und so stoned schaut er uns auch an wenn wir ihn besuchen und er wach ist.
:smile:
Und das er ein Kämpfer ist hat er schon bei der ersten Herz-OP mit zwei Wochen bewießen, bzw. das er überhaupt bei uns ist!
Liebste Grüße
Milla

Inaktiver User
27.05.2006, 22:04
Liebe Milla,
ich wünsche euch und eurem Kleinen Kämpfer alles, alles Gute und vor allem eine vollständige Genesung.
Kann dir das alles so gut nachempfinden, weil unser verstorbener Junge auch mit 6 Monaten das erste Mal operiert wurde (orthopädisch).

Es ist wirklich so, die Angst um die Kinder, wenn eine schwere OP ansteht, die ist sehr belastend, das macht einen so richtig "fertig".

Ich empfand dein Posting hier als sehr sensibel und auch passend, alles okay.



herzliche Grüße, Lavendelmond

Inaktiver User
27.05.2006, 23:08
Liebe Milla,
ich wünsche Euch auch von Herzen, dass der kleine Kämpfer seinen und Euren Kampf gut meistert und bald wieder bei Euch zu Hause sein kann.

Obwohl die Zeit für Dich sicherlich nicht einfach ist, will ich Dir trotzdem widersprechen. Ich glaube nicht, dass man eine Rangfolge aufstellen kann, welcher Tod für wen am schlimmsten ist. Trauer scheint so etwas Individuelles und für jeden Einzigartiges zu sein, dass eine Rangliste, wer darf/kann/soll am Meisten betrauert werden m. E. nicht möglich ist. Man liest es hier ja auch im Forum: Es trauert mal eine Krankenschwester um einen sehr lieb gewonnenen Patienten, eine Mutter um ihr Kind, eine Frau um ihren geschiedenen Ehemann. Und gerade auch, weil die Trauer um einen Menschen so unvorbereitet und so wenig vorhersehbar über einen hernieder fällt, ist das, was der Schreiberling mit dem seltsamen Namen mit Sch.... (ich müßte jetzt wieder zurückgehen, um zu suchen, wie der komplizierte Name genau heißt, sorry)schreibt, m. E. einfach Mist. Jeder Weg zu trauern ist der Richtige - jeder muss da seinen/ihren eigenen Weg finden. Es gibt Trauernde, die sich schnell helfen lassen, andere brauchen Jahre um festzustellen, dass sie alleine nicht klar kommen. Dann gibt es eben auch welche, die aus eigener Kraft, nach Monaten, nach Jahren oder nach dem Zeitraum, der für sie richtig ist, wieder zum Leben zurückkehren.

Nach langer eigener Trauer weiß ich jedenfalls für mich, dass reden und schreiben hilft. Kein Ratschlag von noch so guten Freunden, kein Auffordern, Provozieren hilft. Ich habe mehr als 4 Jahre gebraucht - und das für einen Menschen, der bei Trauerranglisten sicherlich nicht oben gestanden hätte. Aber die Trauer war meine Trauer mit meiner Intensität und meinem Gefühlschaos. Heute bin ich froh, dass ich sie so "ausgekostet" habe, denn ich habe irgendwann den Abschied genommen, den ich auch verkraften konnte, habe die Riten in mein Leben eingeführt, die ihn bei mir halten, ohne dass ich vom Leben abgelenkt werde, und er hat seinen Platz in meinem Herzen gefunden, wo ihn nichts und niemand wegreden kann. Viel Verständnis habe ich von meiner Umgebung nicht geerntet. Trauer macht - weil sie so einzigartig ist - auch einsam.

Ich habe, als ich merkte, dass ich alleine nicht klar kam, bezahlte Hilfe in Anspruch genommen. Auf Stammtischen, wie Sch... vorschlägt, Trauer wegzudiskutieren und Lebensfreude zu installieren, zeigt, dass Sch...., entweder keine Ahnung von Trauer hat oder supergut im Verdrängen derselben ist. Letzteres habe ich übrigens auch 1 Monat nach dem Tod meiner großen Liebe erst versucht - so nach dem Motto: O.k.jetzt ist er tot, ich kann nichts ändern, also lebe ich alleine weiter. Nach 1 Monat hat´s mich dann schier umgehauen. Das Verdrängte kam mit solcher Wucht zurück, dass ich am liebsten auch gestorben wäre.

Ich habe zum Glück nicht so viel Erfahrung mit dem Tod, aber die Eine läßt mich sicher sein: Trauert so, wie ihr es wollt, fordert alle Trauer-Freiräume für euch, die ihr zu benötigen meint, denn m. E. führt nur wirklich ausgelebte und verarbeitete Trauer wieder ins Leben zurück.

Kranich :zauberer:

Milla
28.05.2006, 13:00
Liebe Kranich,

es ist Ok wenn du mich kritisierst, auch in meiner Situation!(es geht ihm ja gut!) Und kosntruktive Kritik hat noch nie geschadet!
Ich wollte kein Ranking aufstellen, über wen man mehr bzw. weniger trauern darf.
Ich habe bis jetzt aus meinem engsten Kreis nur meine beiden Großväter verloren.
Welche beide das Glück/den Segen hatten zu Hause altersbedingt einschlafen zu dürfen. Und bei beiden empfand ich es eher als Erleichterung denn Sie hattem beide ein erfülltes Leben, waren bis zum Tod bei Ihren Frauen (wurden, zwar mit Hife, von ihnen gepflegt.) Mein Opa (starb im März) war 3 Jahre ein Pflegefall und hat seit 3 Jahren das Bett nicht mehr verlassen.
Also beide Fälle in keinster Weise mit eurer Trauer zu vergleichen, denn Sie wurden nicht mitten aus dem Leben gerissen.

Dies soll auch mein letztes Kommentar sein,
denn es gehört nicht zum eigentlichen Thema

Grüße
:blumengabe: Milla

Inaktiver User
29.05.2006, 12:40
Sorry, wenn ich nochmal eben off topic poste, aber das ist für mich eine Frage der Solidarität:

Über die unzureichende Bildung von Schwobafetzle könnte ich ja noch hinwegsehen, aber fehlende Herzensbildung, das stößt mich ab. Sie sollte sich schämen für diesen Beitrag!

Und nun auch noch was zum Thema:


Ohne, dass ich in den Kalender schauen müsste, geht es mir grundsätzlich schlecht, wenn *mein Jahrestag* naht. Obwohl ich schon viele Jahre mit meiner Trauer und meinem Verlust lebe, im Juni wird es immer schlimm. Seltsamerweise, da geht es mir wie Lavendelmond, geht es am Abend des Gedenktages meist wieder besser. Ganz egal, wie ich ihn verbringe, ob ich am Grab war oder nicht.

Ich glaube, dass diese Schmerztage zum Weg der Trauer dazugehören, auch wenn ich gut verzichten könnte auf sie. Andererseits wird mir an diesem Tag mein Verstorbener nochmal wieder näher, wieder mehr ins Bewusstsein gerückt, auch wenn ich doch eigentlich behaupten würde, dass kein Tag vergeht ohne Gedanken an ihn. Am Todestag ist es dann doch wieder anders, intensiver.

Ich ziehe mich an diesem Tag grundsätzlich, es geht auch gar nicht anders, aus dem Leben zurück, mache mein Ding, lecke meine Wunden, hör die entsprechende Musik, heule oder lache, je nachdem, an welche Episode ich mich erinner.

Am nächsten Tag bin ich dann wieder ich, funktioniere wieder, tu meine Pflicht. Aber einmal im Jahr, da bin ich besonders traurig, besonders empfindlich, besonders bei mir, bei ihm.

Ich wünsche euch allen, uns allen, gute Jahrestage, so schmerzhaft sie sind. Die Kreuzwege des Lebens gehen wir leider ganz allein....

Liebe Grüße,

Negresse, die den Juni nahen sieht.... :heul:

Lill
29.05.2006, 12:52
Ich habe vor ein paar Tagen schon im Kerzenstrang erzählt, dass mich die Trauer um meinen Vater gerade ganz akut wieder *erwischt* hat.
Ich habe mir die ganzen Jahre nicht gestattet, mir Rituale der Trauer zu schaffen. Ich dachte für mich, nun ist er schon so lange tot...nun muss es doch mal *gut* sein.
Es ist nicht gut...und es wird auch niemals gut werden. Das weiss ich jetzt.
Ich habe noch keine Idee wie ich mit dieser *neuen Erkenntnis* umgehen soll. Ich hab auch noch keine Idee, wie so ein Ritual für mich aussehen kann. Und manchmal habe ich ein wenig Angst, es nicht aushalten zu können...

Aber vielleicht gilt auch dafür * alles zu seiner Zeit*.

lill

Inaktiver User
29.05.2006, 15:31
Liebe Lill,

Du hast Recht - "gut" wird es nie mehr werden. Es wird vielleicht anders, neuer, aber einfach nicht mehr "gut". Trauer ist keine Grippe, die vorbei geht, kein gebrochenes Bein, kein Liebeskummer. Meine Trauer hat kein Verfallsdatum, sie verändert sich zwar mit den Jahren, aber ich habe inzwischen erkannt, daß ich sie nie mehr los werde. Manchmal macht mir das Angst.

Paula :blumengabe:

Hagazussa
29.05.2006, 15:33
Hallo schwobafetzle: ich finde deine Äusserung zum Thema Trauer reichlich unpassend (vorsichtig ausgedrückt). Ich gehe davon aus, dass du selbst noch keine entsprechenden Erfahrungen machen musstest, ich wünsche dir, dass es weiterhin so bleibt! Wenn du depressiv wirst beim Lesen, dann meide doch in Zukunft dieses Forum.
Charlotte - eine betroffene Mutter, die auch trauert, obwohl der Tod meines Sohnes "schon" 9 Monate zurückliegt.

Inaktiver User
29.05.2006, 21:22
Mit den Jahrestagen ist es ganz merkwürdig bei mir. wenn ich schon lange vorher darüber nachdenke, dann kommt es vor, dass "der" Tag dann ganz einfach wird, als wenn nichts schlimmes gewesen wäre. Dann bin ich ganz erschrocken manchmal. Andere Jahrestage hauen mich dann richtig um, obwohl es schon so lange her ist.
Sich darauf einzustellen funktioniert bei mir nicht, irgendwie beeinträchtigt es mich doch. Mal schlimm, mal nicht.
Es fällt mir nicht so leicht, darüber zu schreiben, ich habe keine Übung darin, deshalb die holprige Formulierung.

spatz
30.05.2006, 15:09
Hallo, ich lese oft hier mit, habe aber länger nichts mehr geschrieben.

Ich trauere "immer noch" und "immer wieder" um meine Mutter, die vor 14 Jahren im Alter von 46 Jahren plötzlich verstorben ist. Ein Jahrestag-Ritual habe ich nicht. Da ich damals schon nicht mehr zuhause wohnte, habe ich auch nicht oft Gelegenheit, das Grab zu besuchen.

Aber: ich denke nahezu täglich an meine Mutter und ertappe mich gelegentlich dabei, wie ich gedankliche Zwiesprache halte oder manchmal überlege, was sie in bestimmten Situationen getan oder gedacht hätte.

Dafür muß man nicht verrückt sein oder irgendwelche andere Hilfe benötigen, wie die Dame mit SCH am Anfang so unsensibel hier hereingetrötet hat.

Es geht mir in dieser Hinsicht wie vielen von Euch: es wird besser, aber der Verlust bleibt - lebenslang.

@Mila: für Deinen kleinen Kämpfer alles erdenklich Gute. Ich kann Deine Angst gut nachvollziehen, denn auch mein Sohn kam vor 8 Jahren schwer erkrankt zur Welt und die ersten 14 Tage war er ständig näher am Tod als am Leben.

Alles Liebe für Euch,

Spatz

Kappuziner
30.05.2006, 19:44
Hallo, ich habe hier auch noch nie geschrieben.
Es nähert sich der erste Jahrestag vom Tod meiner Mutter, am 28. Juni. Ein Jahr davor starb mein Vater. Es ist so schwer für mich, auch wenn ich schon 40 bin. Auch mein Geburtstag - in 2 Wochen - erinnert mich so an meine Mutter - ich bekam den letzten Brief, den sie noch schrieb, mit einem Scheck, ich sollte mir einen Übergangsmantel kaufen... bis der Sommer kommt. Mit einer ganz zittrigen Schrift, obwohl sie noch so jung war, erst 66. Sie hatte ihr Leben lang eine ganz kindliche Schrift, sie war Grundschullehrerin. Und plötzlich schrieb sie wie eine ganz alte Frau. Als sie starb, war es sehr heiss und ich habe jetzt schon Angst davor. Bin froh, dass jetzt das Wetter wieder so schlecht wurde.
Ich habe so eine unendliche Sehnsucht nach Geborgenheit, Kind zu sein, jemanden zu haben, der auf einen aufpasst.
Das wollte ich mir nur von der Seele schreiben.
Schön, dass es dieses Forum gibt.

Kappuziner
30.05.2006, 19:50
P.S. ist das ok wenn ich hier schreibe - wo es ursprünglich um den Tod von euren Kindern ging was ja doch eine ganz andere, viel schlimmere Ebene ist. Das wollte ich damit nicht auf eine Stufe stellen. Aber die Traurigkeit ist einfach immer traurig, wenn einem plötzlich wieder schmerzhaft bewusst wird, dass man einen geliebten Menschen verloren hat, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vorher (auch wenn es bei der Eltern-Generation mehr "Sinn" macht).

Lill
30.05.2006, 21:11
liebe kappuziner,

es geht doch hier nicht darum wen man verloren hat, sondern darum, sich seine trauer ein wenig von der seele zu schreiben.
ich denke, wir sind hier alle genau richtig!

alles liebe für dich...
lill :smile:

Kappuziner
30.05.2006, 21:39
danke :blumengabe: es tut wirklich gut hier.
Das Real-Leben geht immer so weiter, als wäre nichts passiert, man funktioniert und das ist sicher auch gut. Aber hier ist so ein schön ruhiger Ort, wo man einfach "sein" kann. Ich beglückwünsche euch dazu, ich war selber sofort ganz ergriffen von dieser Stimmung hier.

Inaktiver User
30.05.2006, 21:40
Hallo Kappuziner,

es macht doch gar keinen Unterschied, um wen man trauert und die Trauer ist sicher nicht meßbar daran, ob es die Mama ist, der Papa, der Großvater, ein Freund, das Kind oder ein Tier, das einen als treuen Weggefährten lange Zeit begleitet hat. Ich bin der Meinung, daß eine Mutter, die ihr Kind während der Schwangerschaft verliert, denselben Schmerz des Verlustes empfindet, wie jeder andere auch, der trauert.

Was ich schön finde, ist die Möglichkeit, hier zu trauern - um wen auch immer. Und ich sehe mit großer Zuversicht, daß die Scheu von einigen abfällt und man bereit ist, das Trauerforum anzunehmen und zu akzeptieren. Es ist alles andere als einfach, seine tiefsten Gefühle hier auszubreiten, seine Gedanken niederzuschreiben, sich zu offenbaren - ich bin froh, daß Lavendelmond da ist und schaut, daß es so bleibt, wie es ist: ein kleiner Ort der "Ruhe".

Darf ich Dich fragen, Kappuziner, ob Du den Übergangsmantel damals gekauft hast?

Lieben Gruß,
Paula :blumengabe:

Kaenguru
30.05.2006, 22:25
Ich trauere auch um ganz verschiedene, sehr geliebte und geschätzte Menschen.

Allen voran mein Vater, der viel zu früh starb. An seinem Jahrestag machen wir meist mit der Familie ein Kaffeetrinken.
Meine Freundin, die mit Anfang 30 im Urlaub mitsamt ihren Eltern verunglückte (und in der Urne zurückkam) besuche ich an ihrem Geburtstag noch immer auf dem Friedhof. Die anderen Freunde haben sich schon lange nicht mehr dort hinbegeben, auch wenn es gerade erst 4 Jahre her ist... die Zeit eben...

Und ich trauere noch immer (16 Jahre) um den Verlust meiner wunderbaren Großmutter, bei der ich den größten Teil meiner Kindheit verbracht habe.

Auch wenn ich nicht immer zu ihnen auf den Friedhof gehe, in meinem Herzen sind sie mir doch immer nah. Ich brauche den Friedhof dafür nicht. Im Herzen sind wir IMMER verbunden (und das spüre ich sehr sehr oft :-)).
Manchmal wünschte ich mir, man könnte sich noch einmal sehen, sprechen, berühren, in den Arm nehmen. Dann tut es auch noch richtig weh. Aber vielleicht ist das einfach normal...

Alles Liebe euch :wangenkuss:

Kappuziner
30.05.2006, 23:17
Danke Kaenguru
und Paula :wangenkuss:
ja ich hab den Mantel damals gekauft - ganz kurz nach ihrem Tod, ein absurd knallbunter Mantel, weiss mit bunten poppigen Mustern, sie hätte ihn gemocht (mein Freund und eine freundliche Verkäuferin haben mich überredet, ihn zu nehmen, aber ich habe ihn nicht getragen). Ich möchte ihn dieses Jahr gerne tragen.
Ich zögere vieles so hinaus...

Inaktiver User
31.05.2006, 00:49
Nachricht gelöscht durch Sassa64
Grund:

Inaktiver User
31.05.2006, 10:15
Die blöde Technik hat meinen Beitrag eben zum Zweiten Mal verschluckt !!!!!!

also, alle guten Dinge sind drei!

Ich freue mich so sehr darüber, was aus meiner schlichten Frage nach dem Umgang mit Jahrestagen geworden ist!

Mir geht richtig das Herz auf und ich muss es jetzt sagen:
(ohne "kirchlich" werden zu wollen)

Es ist, als würde hier der Heilige Geist durch uns-in uns wirken - hier im Strang offenbart sich so viel Seelenschönheit und Liebesfähigkeit.

Ich bin mir sicher, dass dieses Liebeslicht hier seinen Weg findet , direkt in die Herzen derer, die uns vorausgegangen sind in andere (höhere) Ebenen des Lebens.


Sozusagen ist das hier eine "virtuelle Brieftaube" geworden!


Lavendelmond
(innerlich sehr berührt!)





P.S.: @ Kappuziner und andere
Schreibt nur, es geht hier wirklich um "Jahrestage", nicht um unsere verstorbenen Kinder

Inaktiver User
31.05.2006, 14:22
Ich versuch es noch einmal, mein gestriges Posting habe ich in totalem Gefühlschaos geschrieben. Hoffentlich krieg ich es jetzt besser hin, ich habe einfach das Bedürfnis, dazu zu schreiben.

Ich würde meinem Bruder am liebsten etwas mitbringen aus den Ländern, in denen er war, und ihm das aufs Grab legen. An den Jahrestagen würde ich gerne eine Kerze aufs Grab stellen. Leider geht das alles nicht, weil meine Eltern mir verbieten, irgendetwas am Grab zu machen. Letztes Jahr habe ich trotzdem an seinem Geburtstag und seinem Todestag je eine Rose hingelegt. Vor zwei Wochen hätte er wieder Geburtstag gehabt, diesmal schaffte ich es nicht mehr, hinzufahren, auch wegen meiner Eltern. Genau genommen suche ich noch eine Lösung für mich, wie ich mit Jahrestagen und Geburtstagen umgehen kann, ohne Konflikte.

Inaktiver User
31.05.2006, 15:06
Liebe Sassa,
das Verbot Deiner Eltern ist für mich nicht nachvollziehbar, aber wenn Du daran nichts ändern kannst, dann suche doch nach einer Lösung. Die Idee mit den Steinen beispielsweise, die würde ich aufgreifen. Einen besonders schönen, kleinen Stein, den Du evtl. bemalen kannst, den Du einige Tage mit Dir herumträgst und dann Deinem Bruder als Gruß bringst - evtl. hast Du ja die Möglichkeit, den Stein in der Erde recht tief einzugraben?
Oder Sand vom Urlaubsstrand, ein kleines Beutelchen und das in die Erde mischen als Gruß.
Wenn Dir wichtig ist, daß etwas "sichtbar" von Dir auf dem Grab ist (was ich verstehen kann), dann trickse Deine Eltern eben aus, indem Du eine bestimmte von ihnen gepflanzte Pflanze ausgräbst, exakt so eine selber kaufst und (vielleicht zusammen mit einem kleinen Gruß-Stein) wieder eingräbst. Hört sich vielleicht wirr an, ich weiß. Aber mir würde das helfen ...

Vielleicht schaffst Du es auch irgendwann, Dir ein Ritual zu schaffen nur für Dich und Deinen Bruder. Das muß nichts Großes sein - es kann schon helfen, daß Du auf einer bestimmten Parkbank nur an ihn denkst und ihn in Gedanken bittest, in diesen Minuten bei Dir zu sein. Wenn Dir dieser Moment gut tut, dann wirst Du es merken und solltest Dir bewußt diese kleine Aus-Zeit gönnen, nur für Euch beide. Besuch doch einen Ort Eurer Kindheit, einen Spielplatz, den Schulhof, irgendeinen Platz, der Dich mit ihm verbindet. Diese Erinnerungen kann Dir keiner nehmen.
Oder gab es ein Eis, das er besonders gern mochte, Musik, die er hörte? All diese Kleinigkeiten können für Dich zum Ritual werden. Du brauchst kein Grab, um ihm nahe zu sein.
Ich habe seit dem Frühjahr auch kein Grab mehr, das ich besuchen kann. Und manchmal ist es schwer, sich nicht ins Auto setzen und hinfahren zu können. Auch zu den üblichen "Pflanzzeiten" werde ich nervös und schaue auf die Pflanzen beim Gärtner, will wie jedes Jahr die schönsten Pflänzchen kaufen. Es fehlt die Möglichkeit, diesen Ort zu besuchen, obwohl mich dieser Ort - das Grab - immer sehr belastet hat, weil er mir die Endgültigkeit mit aller Kraft vor Augen geführt hat.
Ich habe den Grabstein meiner Tochter (ein kleines, steinernes Herz aus Naturstein) vom Friedhof mitgenommen - und dafür übrigens viel Kritik geerntet - und in unseren Garten gelegt. Es ist für mich wenigstens ein kleiner Trost, an dieser Stelle ab und zu ein paar Blümchen zu legen und der Stein zwischen all dem Grün hat etwas Tröstliches für mich.

Alles Liebe für Dich!

Paula

Kappuziner
31.05.2006, 22:28
Liebe Lavendelmond,
das hast du wunderschön ausgedrückt. So geht es mir auch, wenn ich hierhin komme. Dieser virtuelle Raum hat etwas Spirituelles an sich, eine liebevolle Wärme, die man um sich strömen spürt und die etwas aus mir herausholt - es klingt jetzt vielleicht blöd - das "Schöne" an der Trauer: wie sehr man die Liebe spürt, die Liebe, die man gegeben hat, aber noch mehr, die Liebe, die man bekommen hat und die immer bleibt. Sie wird lebendig, wenn man an die Toten denkt.
Paula,
warum kannst du nicht mehr zum Grab? Bist du weggezogen?
Ich bitte an wichtigen Tagen immer meine Brüder, etwas zum Grab zu bringen, Blumen, mit denen ich meine Eltern verbinde, oder (wie Sassa) Gegenstände aus Ländern, in denen ich war.
Meine Mutter hat Eulen gesammelt und ich bringe manchmal kleine Eulen mit und schicke sie meinen Brüdern fürs Grab.
Sassa, Paulas Idee mit dem Verbuddeln oder Vermischen finde ich wunderschön. Eine andere Möglichkeit ist, eine symbolische Stelle bei dir zu Hause zu schaffen: Mein Vater malte gerne und ein halbes Jahr vor seinem Tod habe ich mir zu Weihnachten ein Bild von ihm gewünscht. Er malte mir ein Bild mit Chrysanthemen und Libellen. Nun habe ich auf meinem Balkon einen Kasten mit Chrysanthemen stehen und das ist "seine" Ecke, da rede ich auch manchmal mit ihm.

Inaktiver User
01.06.2006, 12:02
Liebe Paula,

Du hast mich auf wunderbare Gedanken gebracht. Es gibt ein Eiscafé, in das mein Bruder regelmäßig ging. Wir haben uns dort auch oft getroffen. Ich habe es aus Angst bisher gemieden, dort hinzugehen, aber jetzt glaube ich, das ist der ideale Platz. Sein Lieblings-Eisbecher dort war übrigens auch meiner. Ich muss gerade daran denken, wie stressig es war, dort einen Parkplatz zu finden ;-))
Auch die Idee, einen kleinen Stein oder etwas Erde von einer Reise am Grab in die Erde zu mischen, gefällt mir. Es hat etwas Tröstliches, etwas Stilles.

Es berührt mich sehr, wie Du von dem Grab von Deiner Tochter erzählst und von dem Grabstein. Ich verstehe nicht, wieso Du Kritik geerntet hast wegen des Steins. Wenn es Dir doch gut geht damit.

Ganz liebe Grüße,

Sassa

Brombeerkatze1
01.06.2006, 12:14
Hallo ihr Lieben,

was für ein schöner, tröstender Strang!
Ich gehe sehr oft zum Grab, es ist von meiner Wohnung aus ein schöner Spaziergang. Ich habe ein Windlich aufgestellt und zünde jedesmal eine Kerze an, oft gestalte ich die Kerze selber. Wenn es später dunkel ist denke ich an die friedliche Stimmung auf dem Friedhof und stelle mir vor wie das Licht die ganze Nacht brennt. Dieser Gedanke hat etwas tröstendes, beruhigendes für mich.
Liebe Grüße an alle
Brombeerkatze

Inaktiver User
01.06.2006, 16:12
Hallo Kappuziner,

ich habe zuhause ein Bild von meinem Bruder aufgestellt, das ich auf einer Reise aufgenommen habe. Ich habe immer noch die Szene vor Augen, wie das Bild zustande kam. Er hat sich nicht gerne fotografieren lassen und wir haben viel gelacht, während ich ihn überredete und er sich dann tatsächlich zusammenriß. Ist ein schönes Bild geworden.

Liebe Grüße,

Sassa

Inaktiver User
04.06.2006, 08:40
Lieber Lavendelmond,
ich habe im Kondolenzbuch meines Mannes im Laufe der letzten Monaten alles gesammelt, was hier geschah. Alle Trauerkarten, meine Texte, die Kommunion des Enkelkindes, Urlaubsgrüße besorgter Freunde, verspätete Reaktionen von Auswärtigen evt.ect.
Bis zum ersten Jahrestag seines Todes möchte ich dies alles ordnen und zu einer Einheit bringen.Als Familienvermächtnis und zur Weitergabe an die nächste Generation. Ich habe deshalb gerade alle Freunde und Verwandte gebeten, mir ihre beschreibenden Gedanken, Phantasien, Begebenheiten, Fotos, Erzählungen und Erinnerungen an meinem Mann in irgendeiner Form (Texte, Collagen, Musik) mitzuteilen und zu überlassen. Und ich wünsche mir so sehr, daß sie das, nach dem vielleicht ersten Schreck, auch zahlreich tun. Mein Bedürfnis ist, ein "rundes" Bild meines Mannes zu bekommen und nicht nur meine Trauer darzustellen.Ich bin gespannt auf die Reaktionen.

Inaktiver User
04.06.2006, 10:49
Das ist wirklich eine gute Idee, mach das !

Ich habe auch noch alle Karten und Briefe von damals, aber ich will´s in der Kiste lassen.
Da ist auch eine Mappe drin von der Lebenshilfe, mit Fotos von den jeweiligen Lehrern, Schülern... mit kurzem Text und Erinnerungen und Wünschen; ein schwerstbehinderter Kamerad hat einfach seinen Handdruck hinterlassen, was eine sehr "persönliche" Botschaft ist.

Eins meiner Kleinode :blumengabe:





Lavendelmond

Madame_butterfly
20.06.2006, 23:27
Liebes Schwobafetzle,

ich hoffe, Sie sehen es mir nach, dass ich bei allem Respekt vor Ihrer persönlichen Einschätzung – und in aller Höflichkeit – auf Ihren Beitrag zu dem intensiven Thema »Jahrestage« eingehen möchte.

Trauer geht unterschiedliche Wege. So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Wege in der Trauer. Ein jeder wird seinen eigenen Weg durch die dunklen Stunden, Tage, Monate und Jahre finden, finden müssen. Er hat gar keine Wahl ... Doch selbst wenn er irgendwann gelernt hat, mit dem Tod seines geliebten Menschen (weiter) zu leben, so ist die Trauer ein stetiger stummer Begleiter, denn Trauer ist ein andauernder Prozess. Und da gibt es weder den »richtigen« noch den »falschen« Weg.

Umso wichtiger ist es dann auch, dass diese dunklen Tage durch ein wenig Licht, ein wenig Liebe erhellt werden, die das Herz und die »Hoffnung suchende Seele« streicheln. So vermisse ich in Ihren Ausführungen leider die Behutsamkeit und – mit Verlaub – auch die notwendige Demut vor dem un - endlichen Herzeleid der vielen Trauernden, die einen geliebten Menschen oder gar ein geliebtes Kind an den Tod verloren haben. Ja, Ihre Kommentare stimmen mich sehr, sehr traurig. Hiermit fügen Sie dem wahrhaftigen Herzeleid ein weiteres Herzeleid hinzu. Und ich glaube nicht, dass das Ihr Ansinnen war.

Und doch spiegelt Ihre Meinung umso deutlicher die »kalten und unbarmherzigen« Tage, die wir Trauernden durchstehen müssen. Dabei wäre es wunderbar und »heilsam«, könnten Sie ein liebevolles Wort aussprechen, könnten die gebrochenen Herzen nur ein klein wenig stützen. Was meinen Sie? Eine liebevolle Geste, ein wärmendes Lächeln, das alles liegt in Ihnen. Und Sie haben die Chance, ein wenig davon an uns weiterzugeben. Dankbarkeit und Wärme würden wir Ihnen zurückgeben. Sind doch gerade diese Tage, Monate und Jahre unseres wahrhaftigen Herzeleids auch ein Zeichen unserer nicht endenden Liebe. Einer Liebe, die weit hinein reicht in jenes geheimnisvolle Reich, den Himmel, das Paradies, in dem (so vertraue ich fest) einst alle Tränen getrocknet werden und in dem wir unsere Lieblinge einst wieder in die Arme nehmen dürfen. Aber wir haben auch die Liebe für unsere »Wegbegleiter« …

Liebes Schwobafetzle, ich bin sicher, dass tief in Ihrem Herzen auch eine liebevolle Antwort, eine liebevolle Geste ruhen … vielleicht möchten Sie Ihre Kritik umwandeln in wärmende Zuneigung, möchten ein kleines Stück »Wegbegleiter« sein. Das wäre schön – und würde unsere verletzte Seele streicheln …

Ich schicke Ihnen in Gedanken die Kraft, die wir Trauernden an vielen Tagen aufbringen müssen, und ganz besonders an unseren »Jahrestagen«, die in all ihrer Traurigkeit und/oder in all ihrer Poesie - der vielen zauberhaften Erinnerungen wegen - umso schmerzlicher sind …
Wie auch immer Sie sich entscheiden mögen, ich bin
Ihre
madame butterfly

»Wie liebenswert ist doch der Mensch, wenn er Mensch ist … « (Menander)

Inaktiver User
05.08.2006, 17:28
für die Neuen hier zum Lesen

*Strang hochschubs*

Yasira
14.08.2006, 11:15
Am Jahrestag meiner großen Schwester zünde ich immer eine oder mehrere Kerzen an und denke mit viel Liebe an sie. Ich bitte sie dann auch, nicht böse zu sein weil ich nicht so sehr (wie in der Anfangszeit) an sie denke, oder zu ihr spreche.
Aber sie ist mir nicht böse. Jetzt ist ja auch die Mama bei ihr. Ob sie das spürt ?