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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst, eine Rede zu halten



Roette50
18.04.2006, 19:04
Hallo BriCom, wer hilft mir bloß weiter? Ich muss bald vor ca. 80 Menschen
eine kurze Ansprache halten, mich darin auch "persönlich rüberbringen". Entsetzlich,
mir ist jetzt schon schlecht...Habe mir zwar schon Notfall-Literatur besorgt, aber
der entscheidende Tipp war nicht dabei.Das Schlimme ist, dass mir bei sowas immer die
Stimme kippt, das Herz rast und die Beine wie Pudding werden... :wie?:Was kann ich jetzt noch tun, um etwas fitter zu werden. Bin für jeden Hinweis dankbar und im
Moment ziemlich :niedergeschmettert:

Chaoskind
18.04.2006, 22:49
Ist das Dein erster "Auftritt"? Tröste Dich, es wird mit jedem Mal besser gehen.
Aber das nützt Dir jetzt erstmal natürlich nicht.
Vielleicht helfen Dir diese Tips?

- Übe die Rede! Vor Deinen Eltern, Freunden, der Katze, Deinem Teddybär... Du mußt genau wissen, wie Du die Rede aufbaust (Begrüßung, Einleitung, Hauptteil, Schluß), weil Ablesen ein absolutes NO GO ist. Das wirkt unbeholfen, wenn Du doch mal hochguckst, weißt Du nicht mehr, wo´s weitergeht, und meistens liest man dann auch noch viel zu schnell vor.

- Vor der Rede konzentrier Dich auf Deinen Atem. Langsam ein, langsam aus. Keine Preßatmung und kein hektisches Gehechel. Vielleicht kannst Du außerhalb des Saales warten, bis Du an der Reihe bist? Dann sitzt Du nicht wie auf Kohlen, während noch andere reden.

- Während der Rede such Dir zwei, drei freundliche Gesichter an verschiedenen Stellen im Raum und benutze die als "Anker".

- Wenn Du den Faden verlierst, ruhig bleiben und Luft holen. Die Pause kommt einem selbst ewig vor, für die Zuhörer ist es in 99 % der Fälle nur eine Kunstpause.

Viel Glück für Deine Rede! Du schaffst das! :blumengabe:

Inaktiver User
18.04.2006, 23:08
hallo,
uebe deine rede zu hause, vor dem spiegel und/oder vor freunden/familie.
ciao, lizy

Inaktiver User
20.04.2006, 23:21
Hallo Roette,

ich kann dir zwar keinen Tipp geben, möchte dir aber sagen, dass du mit diesem Lampenfieber garantiert nicht die Einzige bist. Wenn ich in der Vergangenheit Vorträge halten musste, dann habe ich auch am ganzen Körper gezittert wie Espenlaub. Sogar der Kopf hat mitgezittert und die Stimme. Das war furchtbar. Nicht mal Baldrian hat geholfen. Vielleicht würde ich heute ein Bier vor einem Vortrag trinken, um wenigstens etwas lockerer zu werden. 1 Bier macht nicht gleich betrunken.

Liebe Grüße...Jela

Violetta
21.04.2006, 12:48
Hallo,

wenn Du die Rede doch nicht ganz auswendig halten möchtest: Drucke Dir wesentliche Punkte/Formulierungen (etwa besonders zu erwähnende Gäste, ein auflockerndes Zitat) auf DIN-A5-Zetteln in nicht zu kleiner Schrift aus (16 Pkt.). Das hat den Vorteil, dass der Text auch noch aus dem Augenwinkel gut zu lesen ist und die Orientierung nicht so leicht verloren geht. Lass' Dir auch ein Glas Wasser bereitstellen. Wenn Du wirklich den Faden verlierst oder die Stimme nicht so will, hast Du dadurch eine "Auszeit". Ansonsten achte auf kurze Sätze, dann verhaspelt man sich auch nicht so leicht. Ich hasse solche Reden/Vorträge übrigens auch, und trotz aller guten Vorsätze und einer gewissen Routine geht das Lampenfieber nie ganz weg. Aber denk daran: niemand im Saal will Dir etwas Böses und alle sind gespannt, was Du zu sagen hast!

Viel Glück!:allesok:
Violetta

Horus
24.04.2006, 14:06
- kurze Sätze! Eine Rede ist eine Rede, keine Schreibe. Sprich also so, wie du auch im Alltag reden würdest, nicht so, wie du einen Artikel oder einen wissenschaftlichen Aufsatz formulieren würdest. Womit auch gleich gesagt ist, dass es tatsächlich absolut nicht geht, die Rede auszuformulieren und abzulesen.

- Deshalb: mit Stichwortkärtchen arbeiten und die Rede samt diesen Kärtchen zu Hause gegenüber jedem Publikum, das du auftreiben kannst, mehrmals üben.

- Langsam sprechen. Sehr gut artikulieren (so, dass es dir selbst fast übertrieben erscheint).

- Pausen! Keine Angst vor der Leere. Nach einem Punkt mal ein paar Sekunden nichts sagen. Nach einem Abschnitt noch länger. Nach einer rhetorischen Frage erst recht. Wenn du dir angewöhnst, solche "freiwilligen" Pausen in die Rede einzubauen, dann fallen unfreiwillige Pausen, wenn du einen Moment den Faden verlieren solltest, noch viel weniger auf als ohnehin. Pausen sind wichtig fürs Publikum, um über das eben Gehörte nachzudenken, aber genauso wichtig für dich selbst, damit du dich entspannen kannst. Dies verhindert, dass du ausser Atem kommst und/oder dir die Stimme kippt.

- Keine Angst vor dem Verheddern. Meist fällt das nicht auf. Und selbst wenn ... na und? Das ist kein Problem - es wirkt erst dann peinlich, wenn das Publikum merkt, dass man den Schnitzer krampfhaft zu verstecken oder zu überspielen versucht. Wirklich, Schnitzer sind nicht schlimm.

- Blickkontakt zum Publikum. Wie schon gesagt wurde, drei oder vier nette Gesichter als Ankerpunkte suchen, ist sicher eine gute Idee. Aber das Publikum merkt, wenn man immer nur zu den gleichen Leuten redet. Deshalb wirklich darauf achten, beide Saalseiten gleichermassen in Blick zu nehmen, die hinteren Reihen genauso wie die vordersten.

- Unbedingt vermeiden: mit Stift oder Schmuck spielen, sich selbst im Gesicht berühren (auch Haarsträhnen wegstreichen ist zu vermeiden, also eine Frisur wählen, die das Gesicht garantiert frei lässt), Körperhaltungen, die auf Verunsicherung und Defensive hindeuten (Arme verschränken, Hände verschränken, Hände in Hosentaschen), auf Herausforderung und Belehrung (Hände in die Hüften stützen, mit dem Zeigefinger durch die Luft wedeln)

Entspannungsübungen nicht nur direkt vor der Rede sondern schon in den Tagen vorher. Atemübungen vor allem. Die Ursache, dass man kurzatmig wird, ist vor allem, weil man falsch atmet und sich im Hals- und Schulterbereich verkrampft. Das hat natürlich mit der Nervosität zu tun. Aber wenn man gelernt hat, mit Atem- und Sprechübungen die Atmung und die eigene Stimme besser zu beherrschen, dann hat man die auch im Moment grosser Nervosität unter Kontrolle.

Nervosität und Lampenfieber sind normal. Und sie sind nichts Schlimmes. Ich bin vor jeder Lesung, jedem Vortrag und jeder Predigt total nervös (obwohl es schon deutlich besser geht als früher, als ich noch wenig Übung hatte). Aber die Tatsache, dass ich nervös bin, ist mir egal geworden. Denn ich weiss: es ist normal, es ist nicht schlimm, es gehört dazu und in der Regel merkt das niemand.

"sich persönlich rüberbringen" - das ist eigentlich eine extrem schlechte Vorgabe für ein Referat. Denn es verleitet dazu, darauf besonderes Gewicht zu legen, irgendetwas zu schauspielern, also gekünstelt zu wirken. "Sich persönlich rüberbringen" ist integraler Bestandteil jedes guten Vortrags, das sollte nicht noch extra erwähnt oder angestrebt werden. Und wie kriegt man das hin?
- Blickkontakt
- offener, ruhiger, interessierter Blick
- Lächeln. Aber nicht künstliches Dauergrinsen oder nervöses Mundwinkel-Hochziehen, sondern ein ganz natürliches, offenes, freundliches Lächeln. Stell dir eine Runde guter Freunde vor und dich selbst, wie du ihnen etwas erzählst, das sie alle interessiert - genau so sollte dein Ausdruck sein.
- Etwas Persönliches in die Rede einbauen. Ist jetzt schwierig, dir einen konkreten Tipp zu geben, da du leider überhaupt nicht schreibst, zu welchem Thema du die Rede halten sollst, bei welcher Gelegenheit, zu welchem Zweck und zu welcher Art Publikum.

Inaktiver User
25.04.2006, 18:21
Singen hilft, die Stimme frei zu kriegen und die Atmung zu vertiefen. Und entspannt. Einfach bei einer CD mitsingen.

Roette50
26.04.2006, 16:12
Erst einmal ganz herzlichen Dank für alle guten Tipps und Tricks.
Bin momentan noch mitten in der Vorbereitungsphase und melde mich
wieder, wenn " der Auftritt " hinter mir liegt. :knicks: Es tut
aber schon unheimlich gut zu erfahren, dass nicht alle als perfekte
Vortragskünstler auf die Welt gekommen sind. In meiner näheren Umgebung
hat jedenfalls niemand zugegeben, Redeangst zu haben. Na ja, mit
etwas Glück werde ich's hinbiegen :zauberer: Bis bald!

Horus
26.04.2006, 16:17
In meiner näheren Umgebung hat jedenfalls niemand zugegeben, Redeangst zu haben.



*salbungsvoll deklamierend*: Und ich sage dir, das ist geschwindelt ... :fg engel:

Ernsthaft: Es ist geschwindelt. Redeangst ist normal . Aber nicht schlimm.

Pamina13
27.04.2006, 09:01
Hallo Roette,
hier wurden schon eine Menge guter Tipps verteilt!!
Wichtig ist vielleicht auch, dass man nicht das Herzklopfen ("die Angst") als Feind ansieht, den man unbedingt vermeiden/umgehen muss. Du kannst Dich vielleicht lieber darauf einstellen : ja, ich werde wahrscheinlich schon ein bisschen aufgeregt sein, das macht aber nix, das ist sogar normal, und ich krieg es aber trotzdem hin!
Ich weiss ja nicht, zu welchem Anlass Deine Ansprache sein soll (privat oder beruflich?) - in vielen privaten Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen sind die Menschen auch gutgelaunt, wohlgesonnen, dankbare Zuhörer, und lachen auch über die schmaleren Witze.
Auch ich finde nervöse Redner sympathisch. Was ich NICHT gerne höre, ist, dass der Redner mit "...also, ich bin ja kein grosser Redner..." anfängt, oder "...Mann, bin ich aufgeregt heute..."
Wenn Du zu 80 Menschen sprechen sollst, musst Du vielleicht auch überdenken, dass die Leute in den hintersten Bänken Dich noch verstehen sollten (= laut und deutlich sprechen). Du kannst Dir ja jemanden weiter hinten im Saal aussuchen, zu dem Du sprichst.

Viel Glück - und lass uns wissen, wie es ging! :allesok:

Pamina.

einalem
20.10.2006, 20:16
hallo,

schade, hätte gerne gewußt wie es Roette ergangen ist.

Auch ich hab probleme bei vorträgen.
die Tipps habe ich bereits angenommen und bekomme es dennoch nicht hin. bei mir legt sich regelrecht ein Schalter um, sobald ich den ersten Satz sage. Meine Stimme zittert und ich hab einen total trockenen Mund.

Wo ich präsentieren "darf", gibt es keine Möglichkeit für ein Glas Wasser. Ich steh irgendwo im Raum und muß eine einer Gruppe unsere Arbeitsweise erläutern. Meine Angst ist auch erklärbar, ich hab angst, mich vor meinen kollegen zu blamieren.

Inhaltlich bin ich fit, doch wie ich es sage :niedergeschmettert:
meine Stimme ist recht leise, und der trockene Mund verklebt mir regelrecht die Lippen. am liebsten würd ich davon rennen.

Ich kann mir während meiner Erläuterung sogar gut zusprechen und sage mir "hey alles kein Problem, ein bißchen mehr spucke bittesehr " schaffe es aber einfach nicht. das ist mir dann so peinlich. sobald ich mich der Gruppe abwende, bin ich wieder ganz die alte.

hat jemand die gleichen Erfahrung und weiß vielleicht einen Rat
gegen "trockene Münder" ?

Danke vorab