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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Petition gegen die Rentenversicherungspflicht von pauschal 400€ für Selbständige



polylux
18.05.2012, 11:29
Hallo liebe Selbständige und Freiberuflerinnen,
die neue Idee unserer Bundesministerin für Arbeit und Soziales, die Rentenkassen aufzufüllen, besteht darin, eine Rentenpflichtversicherung für Selbständige und Freiberufler einzuführen. Das Problem dabei ist, das dies unabhängig vom tatsächlichen Einkommen geschehen soll. Mit einem Beitrag von pauschal 350-450€ monatlich geht das wohl an der Lebenswirklichkeit vieler Kleinunternehmer vorbei und kann somit Existenzen sogar gefährden. Um die Umsetzung zu stoppen und eine gerechtere Lösung zu finden, bitte ich euch, diese Petition (http://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=2383 5) zu unterzeichnen.

Danke, Polylux

Silbervogel
18.05.2012, 11:43
done!

das wird immer schöner. die selbstständigen, die ich kenne, haben eh meist nicht mehr als die armutsgrenze zur verfügung....:knatsch: sie sind sicher nicht die melkkühe der nation. frau merkel könnte auf ihre gehaltserhöhung verzichten und das alles in die rentenkasse stecken.

von denen opfert sich keiner:knatsch:

Inaktiver User
18.05.2012, 11:52
Generell finde ich die Verpflichtung zur Altersvorsorge gut. Ich dachte ja, es gibt schon einen Mindestsatz der Vorsorge ...

Ich arbeite in einem Konzern, in dem eine zusätzliche Rentenversicherung Pflicht ist. Als ich sie in jungen Jahren abschließen und natürlich bezahlen mußte, fand ich das auch nicht gut. Aber heute bin ich heilfroh drum, daß ich dazu verpflichtet war.

Nur ein Geschäft, das auch die Altersvorsorge abdecken kann, ist meiner Meinung nach richtig aufgestellt. Wieviele Selbstverwirklichungs-Lädchenbesitzer führten unrentable Geschäftchen und saßen dann im Alter auf dem blanken Hintern. Das ist auch kein Spaß. Statt zur rechten Zeit umzusatteln oder den Laden zu trimmen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß es darum geht, funktionierenden Ideen im Entstehen den Saft abzudrehen. Sicher wird die Gründungsphase im besonderen Blickfeld stehen. Schließlich kann man einem nackten Mann nicht in den Säckel greifen. So viel weiß man in Berlin auch ...

Silbervogel
18.05.2012, 12:05
ja, jeder selbstständige, der sich nach den pflichversicherungsjahren nicht selber weiterversichert ist dämlich, das sehe ich auch so. aber allen von gewinn oder umsatz unabhängige pauschalen aufzudrücken und ihnen somit die eigene entscheidungsfreiheit abzunehmen finde ich schon bevormundend und in diesem falle eben auch ungerecht.

ich denke, da sollte man den menschen durchaus eigenverantwortung zutrauen dürfen, immerhin sind sie auch so selbstständig.

polylux
18.05.2012, 12:49
Generell finde ich die Verpflichtung zur Altersvorsorge gut.
... dagegen ist auch nichts einzuwenden. Warum das aber nicht prozentual, wie bei jedem Lohn und Gehalt, passieren soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.


Nur ein Geschäft, das auch die Altersvorsorge abdecken kann, ist meiner Meinung nach richtig aufgestellt.
Was ist der Unterschied zu den ganzen Jobs im "Nierdiglohnsector". Da wird akzeptiert, das hier keine ausreichende Altersvorsorge betrieben werden kann. Ich bin mir nicht sicher, was besser sein soll, der Versuch, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften, oder eben der Weg zum Amt, weil man sich das Arbeiten nicht leisten kann. Machen wir uns doch nichts vor, in den letzten 10 Jahren ist derer, die sich aus der Not mangels Festanstellung heraus selbständig machen, stark gestiegen.

Silbervogel
18.05.2012, 12:55
hinzu kommen die, die bereits seit zwanzig jahren selbstständig sind und eben auch keinen job als angestellter mehr finden. sozialmatte, statt lieber anteilmäßig rente einzahlen kann da wohl kaum die lösung sein.

Opelius
18.05.2012, 13:08
wieviele Freiberufler erhalten im Alter die staatliche Grundsicherung?
Weil sie nie eine Altersvorsorge aufgebaut haben oder konnten.


Zum Ende des Jahres 2003 bezogen rund 439.000 Personen Leistungen der Grundsicherung,[3] zum Ende des Jahres 2010 rund 797.000 Personen.[4] Damit waren Ende 2010 deutschlandweit 12 ‰ volljährigen Einwohnern auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen (im Alter und bei Erwerbsminderung zusammen). Betrachtet man nur die Grundsicherung im Rentenalter ab 65 Jahren, so bezogen 28 ‰ Frauen und 20 ‰ Männern Leistungen der Grundsicherung.[5] Im Jahr 2006 wurden für die Grundsicherung 3,158 Mrd. € ausgegeben,[6] bis 2010 sind die Ausgaben auf 4,107 Mrd. € angestiegen, dies entspricht etwa 18,9 % der Sozialhilfeausgaben

Grundsicherung (http://de.wikipedia.org/wiki/Grundsicherung_im_Alter_und_bei_Erwerbsminderung)

polylux
18.05.2012, 14:12
Für viele wäre die einzige Alternative schlichtweg am Staatstropf zu hängen, weil es dann zum Leben nicht mehr reicht. Kein Fatz Rente mehr würde dadurch erwirtschaftet werden.

Inaktiver User
20.05.2012, 08:55
Erschreckend, da hat ein, nun ja, im Web unter genau diesem Titel eine Petition veröffentlicht und sie wird spamartig ohne Prüfen der Fakten von Menschen verbreitet. Ich behaupte mal, 90 % derjenigen haben sich nicht mit dem Thema befasst und kennen nicht die Einzelheiten, die im Gesetzesentwurf stehen. Die hier natürlich auch nicht erwähnt werden und sich eher in seriösen Zeitungen finden lassen.

Wie stellen sich eigentlich Selbstständige, die so gar nichts von dem, was sie aus der geplanten Rentenversicherungspflicht entlassen würde, gemacht haben, ihre finanzielle Zukunft vor? Sie spielen Russisches Roulette. Ach nein, ich vergaß. Sie rechnen damit, dass die Solidargemeinschaft für sie zahlt. Unter anderem auch die Selbstständigen, die immer kalkuliert haben, ob sie mit ihrer Dienstleistung leben können, sich weiterentwickelt haben, rechtzeitig Wege gewechselt haben, geackert haben ... Die sollen dann für Nebenbei-ich-will-mich-mal-verwirklichen-Leutchen, die jahrzehntelang rumkrebsen - Hauptsache "selbstständig", aufkommen.

PS: Es ist noch nicht einmal ein Gesetzesentwurf, man wartet noch auf das "Eckpunktepapier".

ellipell2
20.05.2012, 09:54
testo
Gerade für Kleinunternehmer und Freiberufler mit kleinem Einkommen sind die Hürden extremst hoch. Eine prozentuale Beteiligung wäre ja angemessen, aber eine Pauschale von 400 Euro ist für viele gerade in der Anfangsphase nicht machbar. Es geht nicht um keine Rentenversicherung sondern um fairere Bedingungen. Wäre es besser, all diese Menschen gäben ihre Selbständigkeit auf, hören auf, Steuern zu zahlen und gehen in Hartz iV schlimmstenfalls, zumindest auf den Arbeitsmarkt?

Opelius
20.05.2012, 10:07
testo
Gerade für Kleinunternehmer und Freiberufler mit kleinem Einkommen sind die Hürden extremst hoch. Eine prozentuale Beteiligung wäre ja angemessen, aber eine Pauschale von 400 Euro ist für viele gerade in der Anfangsphase nicht machbar. Es geht nicht um keine Rentenversicherung sondern um fairere Bedingungen. Wäre es besser, all diese Menschen gäben ihre Selbständigkeit auf, hören auf, Steuern zu zahlen und gehen in Hartz iV schlimmstenfalls, zumindest auf den Arbeitsmarkt?

Das Einkommen von Selbständigen ist sehr schwer zu ermitteln. Sie haben den Weg der Unabhängigkeit und der Unwägbarkeit selbst gewählt. Mit einem guten Steuerberater lässt sich die Steuerpflicht auf eine Weise minimieren, die Angestellte und Arbeiter nicht haben.
Selbständige akzeptieren auch, dass sie pauschal nach ihrem Gesundheitszustand und Alter privat krankenversichert sind.
Zumindest bei uns in der Gegend haben letztes Jahr etwa 20% der Starter in die Selbständigkeit eine Pleite hingelegt. Das ist Pech. Sie leben von Stund an von Sozialhilfe, eine staatliche Vorsorge, die zumindest ein Leben unter der Brücke vermeidet. Viele junge Starter in die Selbständigkeit sind auch nicht krankenversichert, weil ihr Einkommen diese pauschalen Beiträge nicht hergeben. Sie leben volles Risiko -und im Bedarfsfall zahlt die Sozialhilfe ihre Krankheitskosten.

Mr_McTailor
20.05.2012, 10:14
Damit alle über Dasselbe diskutieren:

Text (http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/bildschirmfoto75inv2swj6.png)
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

ellipell2
20.05.2012, 10:15
Sagt mir: Was ist die Alternative? Sich nicht mehr selbständig machen? Nur selbständig machen, wenn man soviel Kohle hat, dass alles geht? Wie realistisch ist das? Ich kenne mehrere Leute, die sich erfolgreich selbständig gemacht haben - zunächst am Rande der Armutsgrenze jetzt echt gute Rücklagen haben. Das hat bei einigen so an die 12-15 Jahre gedauert. Das ist sicher nicht die Schonfrist, die unsere Regierung einplane würde. Zudem: Viele sorgen ganz anders vor, als die Regierung e vorsieht...

Die Krankenversicherungspflicht funktioniert jetzt schon nicht, wie Opelius beschreibt, warum sollte eine Rentenversicherungspflicht funktionieren?

Silbervogel
20.05.2012, 13:25
ja selbstständige spielen russisches roulette, aber nur, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. so ist das leider. die gesetzeslage und vor allem das steuerrecht lassen ihnen keine wahl. sie sind bereits die melkkühe der nation und sollen laut diesem entwurf noch mehr bluten?

nein!

Sariana
20.05.2012, 13:46
ja selbstständige spielen russisches roulette, aber nur, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. so ist das leider. die gesetzeslage und vor allem das steuerrecht lassen ihnen keine wahl. sie sind bereits die melkkühe der nation und sollen laut diesem entwurf noch mehr bluten?

nein!

Sie zahlen ihre Krankenversicherung und die Rentenbeiträge von versteuertem Geld (!) also erst muss einmal der Topf gefüllt sein, um sich das überhaupt leisten zu können.
Private KV ist ab einem gewissen Alter bei Frauen um/über 500 Euro im Monat, dazu käme dann der "Zwangsbeitrag" von 400 Euro - das bedeutet ca. 1200 Euro an Umsätzen vor Steuer.

Bei einem fiktiven Stundensatz von 30 Euro arbeitet der Selbstständige 40 Stunden pro Monat für die soziale Absicherung.
Weitere 40 Stunden wären dann für Miete und Nebenkosten aufzuwenden, wenn der Selbstständige mit 900 Euro auskäme.
Die Betriebshaftpflicht schlägt je nach Branche nochmal mit rund 200 Euro pro Jahr zu Buche, pro Monat 1 Arbeitsstunde dafür.
Es kommen dann noch die "Zwangsbeiträge" IHK, Handwerkskammer oder sonstige Kammern dazu und so gehen Monat für Monat geleistete Arbeitsstunden für Ausgaben drauf, die geleistet werden müssen - da schlimmstenfalls der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht und vollstreckt.

Ja, es gibt Selbstständige mit höheren Stundensätzen, doch gerade im Dienstleistungsbereich werden die Stundensätze ständig unterboten, eben auch von Neustartern, die oftmals ohne vernünftige (kostendeckende) Kalkulation arbeiten.

Quirin
20.05.2012, 21:31
Das Einkommen von Selbständigen ist sehr schwer zu ermitteln. Sie haben den Weg der Unabhängigkeit und der Unwägbarkeit selbst gewählt. Mit einem guten Steuerberater lässt sich die Steuerpflicht auf eine Weise minimieren, die Angestellte und Arbeiter nicht haben.
Selbständige akzeptieren auch, dass sie pauschal nach ihrem Gesundheitszustand und Alter privat krankenversichert sind.

Das ist in allen drei Punkten nicht richtig.

xanidae
20.05.2012, 21:32
Und was ist mit den Selbständigen, die seit Jahren in eine private Atersvorsorge investieren? 400€ zusätzlich ist für nich nicht zu leisten, dann kann ich aufhören zu arbeiten und meine Kollegen ebenso. Denn der Stundensatz steigt nicht mit. Arbeitslosengeld steht uns dann erst mal nicht zu, Selbständige müssen drei Monate warten. Da Geld, das schon in private Vorsorge gesteckt wurde ist futsch. Weiterzahlen ist nicht und die private Rentenversicherung ist zerstört.
Ich kenne keinen in meiner Branche, der nicht in eine private Altersvorsorge investiert. In der Branche meines Mannes kommt das eher vor und die verdienen das Dreifache von uns.

Quirin
20.05.2012, 21:41
Ja, es gibt Selbstständige mit höheren Stundensätzen, doch gerade im Dienstleistungsbereich werden die Stundensätze ständig unterboten, eben auch von Neustartern, die oftmals ohne vernünftige (kostendeckende) Kalkulation arbeiten.

Wir sind aus guten Gründen eine Marktwirtschaft, und der Markt regelt bei den Selbständigen Angebot und Nachfrage. Wenn man sich in einem Tätigkeitsfeld bewegt, in dem es eine Angebotsschwemme gibt, so dass die Preise sehr niedrig sind, dann sollte man sich überlegen, ob man sich im richtigen Tätigkeitsfeld bewegt.

xanidae
20.05.2012, 21:51
Es gibt den Markt, wo das zutrifft. Aber es gibt einen Markt, da steht nicht mehr Geld zu Verfügung, weil dieser Markt vom Staat mit Steuergeldern finanziert wird, bzw. Mit den Krankenkassenbeiträgen. Da werden bewusst Selbständige beschäftigt, weil Festangestellte zu teuer geworden geworden sind. Da ist es nicht möglich einfach mal so mehr Geld zu verlangen. Da sind dann die großen paritätischen Einrichtungen im Wettbewerbsvorteil.

In der IT- Branche ist das ganz anders. Da ist die Cloud an flexiblen Mitarbeitern so klein, dass die Preise gerade steigen.

Im öffentlichen Dienst wird dann einfach nichts bewilligt oder lange mit der Bearbeitung gezögert, obwohl ein Anrecht auf die Hilfe/Unterstützung/Therapie/Hilfsmittel besteht.

Inaktiver User
21.05.2012, 09:15
Mit einem guten Steuerberater lässt sich die Steuerpflicht auf eine Weise minimieren, die Angestellte und Arbeiter nicht haben.


Das ist in der Tat Unfug. Wir reden hier nicht von den Zumwinkels der Welt, die mit Millionenabschreibungen um sich werfen können und mit krimineller Energie (die auch Geld kostet ...) ihr Vermögen ins Ausland schaffen können. Die Zumwinkels schreiben eher seltener in der Bri.

Der normale Selbstständige kann auch nur abschreiben/steuermindernd einsetzen, was er anschafft. Und natürlich nur das, was beruflich veranlasst ist. Das heißt im Klartext, was ich ansetzen will, muss ich auch ausgegeben haben. Sprich, es steht nicht zur Verfügung, wie Außenstehende immer gerne denken. Oder Möchtegernselbstständige, die auch von Brutto = Netto ausgehen, um dann baden zu gehen.
Und nein, man kann nicht einfach privat entnehmen und diese Entnahme nicht versteuern. Die Zumwinkels dieser Welt bekommen das hin, der durchschnittliche Selbstständige nicht.

Und nicht zu vergessen ... Vermeintliche "Ersparnisse", wie z. B. das Ansetzen eines Arbeitszimmers im eigenen Haus (würde man dies nicht machen können, müsste mancher Selbstständige ein Büro mieten), kann sich bei Beendigung der Selbstständigkeit oder beim Verkauf des Hauses steuerlich fatal auswirken. Dann hält nämlich u. U. das Finanzamt die Hand auf.

Es ist ein Ammenmärchen, das man sich als Durchschnittsselbstständiger arm rechnen kann.
Mal abgesehen davon, dass man nichts davon hätte, wenn die Gewinne (und die werden bekanntlich versteuert) ständig zu niedrig wären. Das finanzielle Ranking hängt bekanntlich vom Gewinn ab. Keine ausreichenden Gewinne - kein Autokredit, keine Hypothek, kein Unternehmensdarlehen etc. etc. etc.

Sariana
21.05.2012, 09:32
Wir sind aus guten Gründen eine Marktwirtschaft, und der Markt regelt bei den Selbständigen Angebot und Nachfrage. Wenn man sich in einem Tätigkeitsfeld bewegt, in dem es eine Angebotsschwemme gibt, so dass die Preise sehr niedrig sind, dann sollte man sich überlegen, ob man sich im richtigen Tätigkeitsfeld bewegt.

Sorry, da kommen wir wieder auf die Frage, wer war vorher da? Die Henne oder das Ei?
Mit einem seit fast 20 Jahren breitem Tätigkeitsfeld, welches dienstleistungs- jedoch nicht branchenbezogen ist, spüre ich den "Preisverfall" seit ein paar Jahren.
Ähnlich den Zuständen nach dem Einbruch des Neuen Marktes und den Pleitegängen vieler Start-Ups.

Der eine oder andere Kunde/Auftraggeber kommt zurück, wenn er merkt, wer billig kauft, kauft zweimal.

Bei manchem Kunden verzichte ich jedoch darauf "Feuerwehr und Schadensbegrenzer" zu sein, da trotzdem versucht wird wie auf dem Basar zu verhandeln.

Inaktiver User
21.05.2012, 09:46
Und was ist mit den Selbständigen, die seit Jahren in eine private Atersvorsorge investieren?

Das ist, was ich meinte. Keiner liest und verbreitet wird nur, was Schlagzeilen bringt ... Nur etwas über 400 EUR - und schon sind alle auf den Barrikaden.
Siehe Eckpunktepapier, Deine Frage wird daraus beantwortet.

Ebenso sollen Existenzgründungen berücksichtigt, sprich, nicht gefährdet werden. So, und wer jahrelang rumkrebst, muss einfach mal erkennen, dass entweder er nichts für die Selbstständigkeit ist, oder sein Fach nicht das richtige ist. Und andere Wege gehen.

Promethea71
21.05.2012, 12:34
Ich sehe das ganze auch etwas gespalten und habe beruflich viel mit "kleinen" Selbständigen und Existenzgründern zu tun. Es gibt da viele verschiedenen Modelle.

- stabile Existenzgründungen, die schnell Gewinne machen, oft gut durchgeplant und in der "richtigen" Branche sind. Oft sind diese Existenzgründern bereits aus anderen Gründen in einer Altersversorgung (Stichwort: Versorgungswerk) oder machen sich selbst Gedanken und schließen etwas ab, genauso viele aber vergessen dieses Thema komplett und dann haben sie entweder das Glück und verdienen zeitlebens genug um dann im Alter genug zu haben oder bekommen im Alter H4.

- Existenzgründern und Unternehmen, die sich aus einer Not selbstständig gemacht haben, weil sie auch diversen Gründen keinen Anstellung finden und in Branchen, die "naturgemäß" wenig verdienen zB Yogalehrer, Sprachlehrer, etc. Die sind heute schon in der Regel Pflichtmitglied der Deutschen Rentenversicherung, die Beiträge richten sich nach dem Einkommen sind aber mit 19 % teilweise existenzgefährdend - aber die einzige Möglichkeit, dass sie im Alter kein H4 bekommen, weil es nie reichen wird, um eine vernünftige Altersvorsorge aufzubauen

- Existenzgründern und Unternehmen, die sich aus einer Not selbstständig gemacht haben, weil sie auch diversen Gründen keinen Anstellung finden und in Branchen, die "naturgemäß" wenig verdienen bzw. sich gegenseitig durch ständiges Unterbieten selbst kaputt machen und auch kein Geld übrig haben um selbst für das Alter zu sparen und entweder im Lotto gewinnen, jemanden mit Geld heiraten, erben oder eben im Alter von H4 leben werden.

Die beiden letztgenannten Gruppen sind sehr vergleichbar mit der Gruppe von Arbeitnehmern, die nur noch das notwendigste verdienen oder sogar Aufstocker sind, weil sie trotz Vollzeitjob kein auskömliches Einkommen haben, da hat es auch nicht unbedingt mit schlechter Planung oder Umsetzung zu tun, sondern mit den Besonderheiten der Branche.


Daneben gibt es natürlich auch alle Arten von Mischformen und Leute, die für ihr Alter vorsorgen, aber auch welche die ihre Altersversorgung in schlechten Zeiten auflösen müssen um von etwas zu leben - bzw. bevor man H4 bekommt muss im Zweifel auch die Altersversorgung aufgelöst werden.



Alles schwierig. Wir leben jedenfalls nicht mehr in Zeiten, in denen ein Großteil der Selbständigen gut verdient und entsprechend selbst für sein Alter vorsorgen kann und will.
Grundsätzlich finde ich da ein Komplett-Solidarsystem richtig, aus dem sich keiner rausnehmen kann und sich indirekt auf das Solidarsystem H4 verlässt.

Eine feste Zahlung in der hier angesprochenen Höhe ist natürlich Unsinn - das würde viele Existenzgründungen tatsächlich verhindern, aber auf Dauer ist eine Selbständigkeit nicht erfolgreich, wenn man die wesentlichen Grundlagen des täglichen Lebens - und da gehört auch eine Altersversorgung zu - nicht finanzieren kann.

Silbervogel
21.05.2012, 14:33
Wir sind aus guten Gründen eine Marktwirtschaft, und der Markt regelt bei den Selbständigen Angebot und Nachfrage. Wenn man sich in einem Tätigkeitsfeld bewegt, in dem es eine Angebotsschwemme gibt, so dass die Preise sehr niedrig sind, dann sollte man sich überlegen, ob man sich im richtigen Tätigkeitsfeld bewegt.

was hilft das denen, die bereits zwanzig jahre dabei sind?

Inaktiver User
21.05.2012, 15:08
Was haben die in den zwanzig Jahren denn gemacht? Nie vorgesorgt? Weil kein Geld da war? Dann hätte man reagieren müssen.
Weil man keine Lust hatte? Selbst schuld.
Wie dachte man denn, wie es weitergeht?
Hätte man nicht irgendwo in den zwanzig Jahren erkennen müssen, dass man auf dem Holzweg ist?

Ich behaupte nicht, dass Selbstständigkeit Zuckerschlecken ist (ich würde ja meine eigene Leistung kleinreden ;- )). Ich komme aber nicht umhin manchmal den Eindruck zu gewinnen, dass viele - zumindest am Anfang - denken, das dass, was man einnimmt, komplett zur Verfügung steht. Da wird keine Krankenkasse bezahlt (hier hätte es übrigens immer die kostengünstigere freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse gegeben), da werden keine Steuern bezahlt, da wird nicht an später gedacht, wenn man nicht mehr die hippe Selbstständige ist und keine Aufträge mehr aus der hippen Branche erhält.

Silbervogel
21.05.2012, 15:48
testo: wo steht bitte, dass sie nicht vorsorgen?

ich kenne zwei, die sind versorgt und haben vorgesorgt, aber wenn sie jetzt noch die pflichtvorsorge dazu bekämen könnten sie eben konkurs anmelden.
interpretiere bitte keine dinge rein, die da nicht stehen. danke.

Inaktiver User
21.05.2012, 16:13
testo: wo steht bitte, dass sie nicht vorsorgen?

ich kenne zwei, die sind versorgt und haben vorgesorgt, aber wenn sie jetzt noch die pflichtvorsorge dazu bekämen könnten sie eben konkurs anmelden.
interpretiere bitte keine dinge rein, die da nicht stehen. danke.

Dann interpretiere bitte keine Dinge in das Eckpunktepapier rein, die da nicht stehen. Danke.

Ich gehe davon aus, dass es in erster Linie um Selbstständige geht, die nicht vorgesorgt haben. Denn, wie ich schon mehrfach (!) schrieb, geht es lediglich um diesen Personenkreis. Die genauen Definitionen, was als Vorsorge akzeptiert wird, stehen zwar noch aus. Dennoch ist davon auszugehen, dass es die von Dir zitierten Personen nicht treffen würde.

Auch die Krankenkassenpflicht bedeutete nicht, dass sich derjenige, der sich schon freiwillig versichert hatte, noch einmal versichern musste. Lest doch bitte, bevor Ihr Euch aufregt.
Das kann man doch von Selbstständigen wohl erwarten, wenn es um ihre Belange geht.

Silbervogel
21.05.2012, 17:18
meine güte bist du angefressen. lassen wir das, dein ton ist nicht so dass, was ich gerne mag, wenn ich mich unterhalte.

Inaktiver User
21.05.2012, 17:24
Erstaunlich. Habe ich in der Einleitung doch wortwörtlich Deinen Tonfall kopiert? Lediglich mein letzter Satz ist "angefressen". Zugegebenermaßen finde ich Menschen ermüdend, die um sich hauen, ohne sich zu informieren.

Silbervogel
21.05.2012, 17:32
....gelöscht..macht eh keinen sinn.

Inaktiver User
21.05.2012, 17:37
Vermutlich nicht. Es scheint wohl mein Problem zu sein. Für mich haben Jobthemen wohl weniger Unterhaltungswert, sondern sind knallharte Realität. Vielleicht falle ich deswegen aber auch nicht ganz so hart auf den Boden derselben.

xanidae
21.05.2012, 17:41
Das ist, was ich meinte. Keiner liest und verbreitet wird nur, was Schlagzeilen bringt ... Nur etwas über 400 EUR - und schon sind alle auf den Barrikaden.
Siehe Eckpunktepapier, Deine Frage wird daraus beantwortet.

Ebenso sollen Existenzgründungen berücksichtigt, sprich, nicht gefährdet werden. So, und wer jahrelang rumkrebst, muss einfach mal erkennen, dass entweder er nichts für die Selbstständigkeit ist, oder sein Fach nicht das richtige ist. Und andere Wege gehen.

Nun ja, es steht da, dass es Ausnahme- und Befreiungsregelungen geben wird. Aber wie sehen die denn aus, wenn in einem weiteren Abschnitt nur klassische Private Rentenversicherungen als Vorsorge anerkannt werden?

Inaktiver User
21.05.2012, 17:46
Das weiß doch noch keine(r) genau. Einmal ist wohl eine Altersstaffelung vorgesehen. Die meisten, die hier diskutieren, liegen vermutlich im mittleren Feld - sprich Übergangsregelung.
In diversen Diskussionen, Talkshows und Äußerungen aus dem Ministerium wurde darüber diskutiert, dass z. B. auch ein Eigenheim als Altersvorsorge anerkannt werden würde. Ebenso die Rürup-Rente.
Aktuell diskutieren wir auf allen Seiten nur über Vermutungen, sollen aber schon unausgegorene Petitionen unterschreiben.

Promethea71
21.05.2012, 18:05
Ganz klar ist, ich unterschreibe keine Petition, wenn ich nicht genau weiß wogegen sie sich eigentlich richtet. Und dem Aufruf "Rentenversicherungspflicht für alle ist doof" werde ich mich auch nicht anschließen.

Aber in aller Ruhe und ohne gegenseitige Anfeindungen darüber diskutieren kann man schon.

Und im Grundsatz finde ich es richtig, dass jeder sich um seine Altersversorgung kümmen sollte. Aus meiner täglichen Praxis sehe ich genügend Leute (jeden Alters), die sich entweder nie darum gekümmert haben oder sich aktuell nicht darum kümmern und viele von denen werden im Alter auf Sozialleistungen angewiesen sein.

Es ist einfach ein Fakt, dass die heute oft praktizierte Selbständigkeit am Rande des Existenzminimums automatisch zu Altersarmut führen wird und ich habe auch einige Selbständigen, die weit über die Altersgrenze hinweg arbeiten werden müssen, da sie keine Sozialhilfe beziehen wollen.

Das ist eine Entwicklung, die schon vor längerer Zeit begonnen hat, und die negativen Folgen sind absehbar.


Wie genau dann eine solche Pflichtversicherung aussehen wird, wen es trifft und wen nicht, das werden wir sehen und genau das wird ja auch diskutiert.


Und auch heute sind schon viele Selbständige Mitglied der Rentenversicherung, entweder freiwillig oder aufgrund ihres Berufes (Lehrer, Hebammen, Künstler etc.) oder weil sie nur einen wesentlichen Auftraggeber haben.

Silbervogel
21.05.2012, 18:06
deshalb ja eben diskussion......:smile: da kann man auch eventualitäten diskutieren. ist aber offensichtlich nicht bei jedem so.:lachen:

Promethea71
21.05.2012, 18:09
Was hier schon anklang, "wer nicht genug damit verdient, soll nicht selbständig sein" ist eben nur die halbe Wahrheit. Es gibt sicherlich genügend Existenzgründern, die schlecht vorbereitet in den Markt gehen und letztlich zu Recht scheitern.

Aber als aktuelles Beispiel seien die Hebammen genannt (übrigens pflichtrentenversichert), deren Entgelt durch die Krankenkassen weitgehend vorgeschrieben wird (also kaum individuelle Erhöhungen für bessere Leistung möglich) und deren eigenen Haftpflichtbeitrag in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, ohne dass sie jeweils individuell Einfluss darauf hatten.

Und es gibt sicherlich genügend Branchen, bei denen es ähnlich ist.


Und andere Branchen werden wiederum durch Preisdumping von Leute "kaputt" gemacht, die das ganze als Zeitvertreib oder Nebenerwerb betreiben und wo der potentielle Kunde nur schwer unterscheiden kann, welche Leistung realistisch wie zu vergüten ist zB beim Webseitendesigner.

Inaktiver User
21.05.2012, 18:14
deshalb ja eben diskussion......:smile: da kann man auch eventualitäten diskutieren. ist aber offensichtlich nicht bei jedem so.:lachen:

Wen meinst Du, sprich, über wen lachst Du? Es gibt einen Unterschied zwischen Eventualitäten und dem sturen Ignorieren berechtigter Einwände, die zu unwahren Behauptungen kamen. Es wurde nicht über Eventualitäten diskutiert. Es wurde behauptet, dass ...

Silbervogel
21.05.2012, 18:15
wie kommst du darauf, dass ich über jemanden lache?:wie?:

Mr_McTailor
21.05.2012, 18:57
Wir können zumimdest mal festhalten, dass die Petition erfolgreich war. Die erforderlichen 50.000 Stimmen sind letzte Woche erreicht worden, weswegen die Petenten zumindest angehört werden müssen. Auch wenn das vermutlich nichts daran ändern wird, dass die RV-Pflicht für Selbständige kommen wird. Aber zumindest nicht mehr, indem sie klammheimlich im Hinterzimmer durchgewunken wird.

Grundsätzlich bin ich übrigens für diese RV-Pflicht. Ich sehe zuviele Leute, die ihr "Geschäft" nur durch Selbstausbeutung am köcheln halten, aber auch viele erfolgreiche, bei denen die Altersvorsorge nicht wirklich im Businessplan steht. Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Ein wenig Zwang kann da im Grunde nicht schaden. Und sei es nur, dass man sich bei den zulässigen alternative Vorsorgeformen bedient. Allerdings bei den derzeitigen Renditen macht man (inflationsbereinigt) mit der staatlichen RV auch keinen Riesenverlust.

Allerdings beschleicht mich ein anderer Verdacht: Nämlich, dass es ein Wahrheit nur darum geht, noch ein paar Krümel zusammenzukehren, um die staatliche RV am kacken zu halten.

Die auf den ersten Blick plausible Befreiung der "rentennahen Jahrgänge" hat nämlich (so wie ich das sehe) einen sekundären Aspekt: Mehr Einzahler (also die Selbständigen) bedeutet natürlich in letzter Konsequenz auch mehr Anspruchsberechtigte. Das Problem vertagt man aber durch die Ausklammerung der Ü50er um ca. 15 Jahre.

Im Klartext werden von den Selbständigen erst mal 15x12 = 180 Beitragsmonate abkassiert, die man in aller Ruhe an die derzeit Anspruchsberechtigten verfüttern kann, bevor der erste Selbständige in den Genuss der Auszahlung kommt. Und wer weiß, ob es die RV dann in der bekannten Form überhaupt noch gibt.

Inaktiver User
21.05.2012, 19:14
Grundsätzlich bin ich übrigens für diese RV-Pflicht. Ich sehe zuviele Leute, die ihr "Geschäft" nur durch Selbstausbeutung am köcheln halten, aber auch viele erfolgreiche, bei denen die Altersvorsorge nicht wirklich im Businessplan steht. Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Ein wenig Zwang kann da im Grunde nicht schaden.

Ja, leider. Es kann nicht angehen, dass der Angestellte hierzu "genötigt" wird und der Selbstständige sich einer Vorsorge entzieht. Bei den Krankenkassen ging es auch nicht anders. Klar finde ich einige Regelungen nicht fair. Aber ich kenne auch zu viele Selbstständige, die gut Geld verdienen (ich kenne wohl eher diese Seite) und keinen Cent für später wegstecken. Aber jetzt - viel beneidet - den dicken Wagen fahren und den Lebemann raushängen lassen. Dieselben werden später die Hand aufhalten und von der Solidargemeinschaft fordern. Zu der ich auch gehöre. Und ich sehe es nicht ein.

Promethea71
21.05.2012, 19:34
Einerseits dient es natürlich kurzfristig der Finanzierung der Rentenkassen - aber ich schätze mal bei einer nicht zu unterschätzenden Anzahl von Selbständigen wird es ansonsten früher oder später dazu kommen, dass sie aus dem Solidartopf sozialberentet werden. Also Leistungen erhalten, ohne dafür vorher eingezahlt zu haben.

Insofern wird die Rentenkasse da in 15 Jahren die Sozialkassen entlasten.

Und ja, von den wirklich gut verdienenden Selbständigen, die keinerlei eigene Vorsorge treffen kenne ich auch eine Reihe und kann nur den Kopf schütteln.


Aber es müsste eben - wie bei Angestellten eine Orientierung am tatsächlichen Einkommen stattfinden und nie wie bei der Krankenkasse mit der Unterstellung gearbeitet werden - Selbständige verdienen automatisch gut, da gibt es einen Mindestbeitrag. Das sollte im Übrigen auch bei der gesetzlichen Krankenkasse verändert werden, dann würden sich deutlich mehr Selbständige dafür entscheiden. Und was viel zu wenige wissen, individuell kann ein niedrigerer Beitrag schon jetzt ausgehandelt werden.

Inaktiver User
21.05.2012, 19:47
Ja, das mit der KK wollte ich auch erwähnen. Das ist ein Unding. Nicht nur, dass automatisch von deutlich höheren Einkommen ausgegangen wird. Im anderen Fall wird einfach das Haushaltseinkommen zugrundegelegt. Das ist zutiefst unsozial und ungerecht (während Hausfrauen für Null mitversichert werden). Das mit der individuellen Vereinbarung ist so eine Sache, wie heißt es so schön, Einzelfallentscheidung oder nach Ermessensspielraum. Kennen wir auch von den Finanzämtern.
Von einer Künstlersozialkasse, die von meinen Kunden Geld fordert, mich aber nicht versichert, ganz zu schweigen.

nina-catharina
22.05.2012, 18:42
@testo in chiaro:
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann findest Du es ungerecht, dass Du ueber Deine Abgaben als Angestellter spaeter die Selbstaendigen mitfinanzierst, die nicht vorgesorgt haben.

Ich kann das sogar verstehen.

Aber ich finde es nicht gut, dass hier Leute aufeinander sauer sind, die doch BEIDE fleissig sind. Der Angestellte arbeitet hart, der Selbstaendige auch.

Was ist eigentlich mit den Leuten, die sich ihr Leben in Hartz 4 oder Sozhilfe eingerichtet haben und eben nicht fleissig sind?

Ist es gerecht, dass diese Leute ebenso Grundsicherung im Alter erhalten - die ungefaehr dem entspricht, wie wenn ein Selbstaendiget jetzt diese Zwangsvorsorge bezahlen muss?

Zudem ist deine Zahlung auf fie Rente abhaengig von Deinem Einkommen. Bei Selbstaendigen ist es eine Pauschale, die nach kurzer Zeit manchen in die Knie zwingen wird. Wenn z.b. auftragsschwache Monate vorliegen oder im Sozialbereich, wo keine Erhoehung der Saetze moeglich ist.
Manchmal glaube ich, es ist vom Gesetzgeber gewollt, dass sich das Volk gegeneinander wendet und Streit/ Missgunst entsteht. Dann wird davon abgelenkt, dass dieses Gesetz eben ungerecht ist.

nina-catharina
22.05.2012, 18:49
Ich wuerde es richtig finden, dass Selbstaendige aehnlich dem Angestellten eine prozentuale Rentenabgabe leisten MUESSEN.
Das macht Sinn, aber diese Pauschale ist einfach unrecht.

Sariana
22.05.2012, 18:53
@ nina-catharina

testo_in_chiaro ust selbstständig, umso unverständlicher finde ich, dass sie gegenüber Selbstständigen, die in weniger lukrativen Bereichen tätig sind, so pauschal negativ urteilt.

Promethea71
23.05.2012, 10:34
Da bisher alle rentenversicherungspflichtigen Selbständigen, die entweder in die Deutsche Rentenversicherung oder ein Versorgungswerk einzahlen (also Rechtsanwälte, selbständige Lehrer, Hebammen uva) auch prozentuall vom Einkommen Beiträge leisten, gehe ich davon aus, dass es auch bei einer allgemeinen Rentenversicherungspflicht zu einer prozentuelen Zahlung kommen wird.

Die jetzt vorgeschlagenen Pauschalen werden höchst wahrscheinlich niemals gesetzliche Realität.
Und wenn sich die sozialen Systeme einen großen Gefallen tun wollen, ändern sie das auch endlich für die gesetzliche Krankenversicherung.

Mr_McTailor
23.05.2012, 11:06
Der Betrag ist allerdings eigentlich nicht exorbitant hoch.

400 € gehen auch an die RV, wenn man als Angestellter rund 2.000 Brutto hat (2 x 9,8%). Der Unterschied ist natürlich, dass beim Selbständigen der Arbeitgeber-Anteil wegfällt bzw. selbst getragen werden muss. Aber das kennen wir ja schon, z.B. von der Pflegeversicherung.

Im Grunde müsste man fast überlegen, ob nicht für jeden diese 400 € an die RV überwiesen werden sollten, also unabhängig vom Einkommen. Und am Ende bekommen entsprechend auch alle die gleiche Rente.

Inaktiver User
23.05.2012, 14:41
...
Aber ich finde es nicht gut, dass hier Leute aufeinander sauer sind, die doch BEIDE fleissig sind. Der Angestellte arbeitet hart, der Selbstaendige auch.

Was ist eigentlich mit den Leuten, die sich ihr Leben in Hartz 4 oder Sozhilfe eingerichtet haben und eben nicht fleissig sind?

...

Es geht darum, dass der, der hat, auch vorsorgt. Keine Ablenkungsmanöver ...

Insgesamt erregt doch die Pauschale die Gemüter. Denn angeblich wollen die Selbständigen ja auch vorsorgen, wenn sie können. Ob das tatsächlich so ist, sei mal dahin gestellt.

Richtig ist es jedenfalls nicht, zu pokern und sich auf die staatliche Unterstützung zu verlassen, wenn man gut aufgestellt ist und ordentlich was reinkommt. Die mir bekannten Selbständigen haben sich alle schon mit dem Thema befasst und zahlen auch, was ihnen möglich ist.

Promethea71
23.05.2012, 15:20
Ich kenne leider aus meiner Berufstätigkeit heraus eine ganz Menge Selbständige, die entweder wirklich gut verdienen und sich trotzdem nicht um eine Altersvorsorge kümmern, entweder weil sie völlig gedankenlos sind oder aber denken, dass ihr Verdienst mindestens so bleibt bzw immer weiter steigt und dass Sie dann später noch vorsorgen können mit Immobilien und ähnlichem. In der Generation meiner Großeltern war das ähnlich und hat oft auch gut geklappt. Aber da haben sich die Zeiten eben geändert.


Und ich kenne eine Menge Leute, sie sebständig sind, weil sie keine Anstellung gefunden haben und nun für einen "Hungerlohn" selbständig arbeiten und tatsächlich kein Geld für Vorsorge haben.

Dazwischen gibt es natürlich sämtliche Grauschattierungen.


Und genauso selbstverständlich gibt es viele Selbständige, die sich vernünftig um ihre Altersversorgungen und andere Risiken kümmern, aber über die reden wir hier vermutlich am wenigsten, denn für die gibt es voraussichtlich Übergangs- bzw. Ausnahmeregelungen.

Silbervogel
23.05.2012, 15:34
die beiden, die ich kenne sind seit über zwanzig jahren selbstständig, konnten einst gut davon leben. heute haben sie knapp das existenzminimum in der tasche am monatsende. :knatsch:

und zwar eben WEIL sie vorsorgen.


im übrigen kommt keiner von denen unter 14 stunden am tag aus seinem betrieb.

traurig.

Inaktiver User
23.05.2012, 16:41
....
und zwar eben WEIL sie vorsorgen.
...

Naja, naja, stellen wir mal in der heutigen Zeit nicht die Vorsorge als Teufelszeug hin. Jeder will einen guten Lebensstandard und jeder möchte im Alter auch wenigstens ein, zwei Gänge zurückschalten. Da gilt es einfach, Rücklagen zu bilden. In welcher Form auch immer. Sooooooo abwegig ist der Vorgang ja nicht, gell.

Silbervogel
23.05.2012, 17:40
Naja, naja, stellen wir mal in der heutigen Zeit nicht die Vorsorge als Teufelszeug hin. Jeder will einen guten Lebensstandard und jeder möchte im Alter auch wenigstens ein, zwei Gänge zurückschalten. Da gilt es einfach, Rücklagen zu bilden. In welcher Form auch immer. Sooooooo abwegig ist der Vorgang ja nicht, gell.


ich habe nicht gesagt, dass vorsorge teufelswerk ist. preisdumping ist teufelswerk. deshalb haben sie kaum was zu essen auf dem tisch.

aber wer ist denn heute auch bereit gute handwerker zu bezahlen? die meisten wollen alles für einen zehner gemacht haben und schauen bei myhammer oder auf ähnlichen seiten. da kann ein fachbetrieb nicht mithalten und geht unter.
aber das ist im grunde auch ein anderes thema.

im übrigen: von der vorsorge, die sie sich leisten können bleibt im alter dann auch in etwa die grundsicherung. ich bewundere die beiden, dass sie sich nicht in die soziale hängematte legen, wo sie es besser hätten als jetzt.

Inaktiver User
24.05.2012, 09:57
Ich finde, das ist zu sehr mit der schwarzen Brille gesehen.

Sariana
24.05.2012, 10:11
Ich finde, das ist zu sehr mit der schwarzen Brille gesehen.

Preisdumping und schlechte Zahlungsmoral bei Handwerkerrechnungen ist leider Realität.
Der Handwerker (Fachbetrieb) geht in Vorleistung mit Materialeinkäufen, bezahlt seine(n) Mitarbeiter und muss selbst oftmals zusehen, dass er das Geld eintreibt.

Uli, in welchem Bereich bist du denn selbstständig tätig?

Inaktiver User
24.05.2012, 10:29
Der Handwerker wäre gut beraten, bei Neukunden eine Anzahlung zu verlangen. Wer sich als Kunde dagegen wehrt, wird schon seine Gründe haben. Derselbe Kunde bekäme in der Autowerkstatt sein Auto nicht wieder, ohne vorher gezahlt zu haben.
Die Zahlungsmoral ist schlecht und dies schon seit Jahren. Auch hier erwarte ich von Selbstständigen, sich an die Gegebenheiten anzupassen. Weder kann man heute noch auf Handschläge zählen, noch auf die pünktliche Zahlung der Rechnung. Augen auf und etwas tun, um mögliche Verluste zu minimieren zählen zu den Verantwortlichkeiten eines Inhabers.
Ebenso wie der Blick in die Zukunft und auf die eigene Versorgung.
Stattdessen liest man hier häufig von Projekten, die nicht schriftlich fixiert sind und bei denen jemand komplett in Vorleistung gegangen ist um nachher dumm dazustehen.

Ich sehe nicht die Selbstständigen kritisch, die in "weniger lukrativen" Branchen arbeiten. Mir sind die hohen Unterschiede in den Verrechnungssätzen wohlbekannt. Ich sehe die Blümchenselbstständigen kritisch. Und ein großer Teil von denen ist meiner Meinung nach unter denen zu finden, die nicht vorsorgen, es nicht wollen, es nicht tun werden ohne Zwang. Diese Personen wären in einer nichtselbstständigen Beschäftigung deutlich besser aufgehoben.

Ich verstehe nicht, was sie dazu treibt, in einer "Selbstständigkeit" zu bleiben. Ich meine nicht die, die die Selbstständigkeit als Chance sehen, etwas aufzubauen und am Anfang nicht die notwendigen Gelder erzielen. Es gibt so Halbgare, die dümpeln vor sich hin und fühlen sich irgendwie besser, wenn sie auf Anfrage sagen können "Ich bin selbstständig". Das klingt wohl gut. Keine Ahnung.
Was sagen sie später? "Ich war selbstständig und nie in der Lage, für jetzt vorzusorgen"? Kann ja keine Lösung sein.

Wie schon hier erwähnt, es gibt solche und solche. Meine Kritik bezieht sich auf solche.
In einer "Selbstständigensolidarität", egal, wie die Person sich einbringt oder agiert, sehe ich keinen Sinn. Bei mir rufen weder Geschlecht, noch Religion, noch Hautfarbe Solidarität auf. Sondern für mich nachvollziehbare Handlungen.
Insofern behalte ich nicht nur meine Kritikfähigkeit meinem eigenen Geschlecht gegenüber, sondern auch meinem Berufsstand. Und akzeptiere gar manchmal die Meinung von angestellten Männern.

hubertine1
24.05.2012, 12:08
in spanien ist es grundsätzlich so, dass jeder selbständige verpflichtet ist, in die gesetzliche kranken- und rentenkasse einzuzahlen. dass da keiner ausbüxen kann, wird bereits bei der anmeldung einer selbständigen tätigkeit geregelt. und kontrolliert.

wenn ich mich recht erinnere, liegt der niedrigste satz bei ca. 280,- €. also eine staatliche renten- und krankenversicherung ist gewährleistet. ich habe mich immer gewundert, dass dies in d´land nicht schon längst eingeführt wurde.

darüber hinaus ist es natürlich sehr ratsam, sich noch privat abzusichern. aber das ist ja die entscheidung eines jeden einzelnen. hier wie dort.

hubertine

Inaktiver User
24.05.2012, 12:17
... Blümchenselbstständigen ... ... :lachen:

Die gibt es. Wohl war. Hundeflüsterer, Ebay-Seller, Hobby-soll-Geld-abwerfen und solche Dinge...




... Und ein großer Teil von denen ist meiner Meinung nach unter denen zu finden, die nicht vorsorgen, es nicht wollen, es nicht tun werden ohne Zwang. Diese Personen wären in einer nichtselbstständigen Beschäftigung deutlich besser aufgehoben.
...

Aber es geht auch in den Betrieben nicht darum, daß jemand aufgehoben ist, sondern daß etwas erwirtschaftet wird. Ich kann jeden Inhaber verstehen, der sich davor schützt, solche Leute zu engagieren.


... Uli, in welchem Bereich bist du denn selbstständig tätig?

Ich habe mit Existenzgründern und Selbständigen immer mal wieder geschäftlich Kontakt, da sie bei mir Mieten wollen. Es gibt viele von denen, die aus der Not eine Tugend machen wollen und sich naiv in etwas reinstürzen (auch zwangsweise, Stichwort Hartz-IV_Einführung), ohne auch nur den Markt für einen Moment betrachtet zu haben. Finanzplan, was ist das? Solchen Leuten vermiete ich nicht. (Nur einmal, großer Fehler, seitdem schaue ich genauer hin)
Außerdem habe ich mich selbst mit Existenzgründung beschäftigt und in einer Fortbildung mir das ganze von der betriebswirtschaftlichen Seite mal angeschaut. Und meine Schlussfolgerung war, in meinem guten Angestelltenverhältnis zu bleiben. :allesok:
Ich bin aber auch auf Leute gestossen, die ernsthaft glauben, mit Häkelarbeiten in Deutschland ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. *tststs*

Silbervogel
24.05.2012, 14:59
Ich finde, das ist zu sehr mit der schwarzen Brille gesehen.


es ist die realität, wie ich sie mitbekomme. daran kann ich nichts ändern.

Inaktiver User
24.05.2012, 15:06
Geht es um ein Paar oder um zwei Personen?
Bei einem Paar würde ich sagen, da läuft gewaltig etwas schief. Mal abgesehen davon, dass es nie empfehlenswert ist, wenn beide selbstständig sind. Beide in einem Geschäft ist gemeingefährlich.

Inaktiver User
24.05.2012, 15:16
Aber es geht auch in den Betrieben nicht darum, daß jemand aufgehoben ist, sondern daß etwas erwirtschaftet wird. Ich kann jeden Inhaber verstehen, der sich davor schützt, solche Leute zu engagieren.



Ich denke, es gibt durchaus Leute, die als Selbstständige scheitern und in Angestelltenjobs gute Arbeit leisten können. Man sollte sie nur nicht als Geschäftsführer einstellen ;- )

Viele Selbstständige scheitern an "zuviel Freiheit". Keiner erwartet (denken sie ...) dass man um 8 Uhr im Büro ist, keiner fragt, ob das Projekt in der Mache ist, keiner überprüft die private Surfzeit usw. usw. usw.
Ist man nicht der Typ für selbstständiges (!) Arbeiten und für Selbstmotivation, kann das nicht funktionieren.

Inaktiver User
24.05.2012, 20:36
Aber jetzt - viel beneidet - den dicken Wagen fahren und den Lebemann raushängen lassen. Dieselben werden später die Hand aufhalten und von der Solidargemeinschaft fordern.

Wenn es diese Leute tatsächlich in einem relevanten Maße geben sollte, wären sie glaube ich einfach dumm. Denn "später die Hand aufhalten" heisst ja übersetzt einfach nur: Von Hartz IV leben. Darauf spekuliert wohl kaum einer der reichen Lebenmänner und -frauen die Du da beschreibst...

Ich habe eher den Eindruck, dass es die Schlecht-verdiener sind, die nicht für das Alter vorsorgen, die die sich einfach zu billig verkaufen, vielleicht weil sie nicht verhandeln können.

Daher finde ich generell eine Pflicht zum Vorsorgen für Selbständige auch in dem Sinne wichtig, dass diese Leute wirklich begreifen, dass sie als Selbständige in keinem nur die "Billiglösung" sind, die manche Auftraggeber in ihnen sehen. Im Gegenteil - der Selbständige trägt das volle Risiko und müsste daher noch teuer sein als der Angestellte - er bietet vor allem den Vorteil flexibler einsetzbar zu sein und eine externe Expertise mitzubringen.

Eine Pflichtversicherung wäre also eine Art "Aufwecksignal" für Selbständige, vielleicht...

Zu der Petition selbst kann ich noch nichts sagen, da ich mich nicht genau damit befasst habe, generell finde ich aber einkommensabhängige Regelungen besser.

Gruß

Maybelline

sturmundnebel
25.05.2012, 09:04
Wenn es diese Leute tatsächlich in einem relevanten Maße geben sollte, wären sie glaube ich einfach dumm. Denn "später die Hand aufhalten" heisst ja übersetzt einfach nur: Von Hartz IV leben. Darauf spekuliert wohl kaum einer der reichen Lebenmänner und -frauen die Du da beschreibst...
Es gibt die merkwürdigsten Leute. Der krasseste mir bekannte Fall ist ein selbständiger Versicherungsvertreter, der wirklich richtig fett verdient hat, auch durch den Verkauf privater KV-Verträge, weil er sehr viel selbständige Handwerker als Kunden hatte. Er hatte dann einen Herzinfarkt und keine KV! :ooooh: