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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was bleibt bei freiberuflicher Tätigkeit nach Abzug von Renten- und Krankenkassen



Emmerenz
21.02.2012, 21:02
Ich werde mich demnächst mit einer freiberuflichen unterrichtenden Tätigkeit selbständig machen. Bis zu einem Gewinn von 375 Euro seit diesem Jahr bin ich noch familienversichtert, ab 400 Euro Gewinn bin ich rentenversicherungspflichtig.

Frage: Was bleibt mir bei ca. 1000 Euro Gewinn nach Abzug dieser Sozialversicherungspflichtbeiträge? Es ist ja anzunehmen, dass der Gewinn nur langsam steigt. Lebt jemand in ähnlicher Situation oder kann raten? Bisher habe ich noch keine demensprechenden Hinweise gefunden.

Golda
21.02.2012, 21:31
Bei der Rentenversicherung musst du klären, ob du als Selbstständige versicherungspflichtig bist, oder dich freiwillig versichern kannst. Da solltest du dich an die Rentenversicherung direkt wenden: Telefon 0800 10004800

Bei der Krankenversicherung gibt es einen Mindestbeitrag für Selbstständige, die Einnahmen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze nachweisen. Dieser beträgt m.E. ca. 300,00 €. Die Pflegeversicherung kommt hinzu.

Also müsstest du als erstes die RV-Frage selbst klären.

Emmerenz
22.02.2012, 08:53
Da ich in einem freien, unterrichtenden Beruf arbeiten werde, bin ich (leider) rentenversicherungspflichtig....Das wird bitter...

Promethea71
22.02.2012, 09:59
Ja, da kann ich dir leider nichts anderes schreiben, das wird bitter, da du 19 % deines Gewinns an die Rentenversicherun abführen musst, weil du als Lehrende tatsächlich rentenversicherungspflichtig bist.

Ob man dem etwas positives abgewinnen kann, Mitglied der Deutschen Rentenversicherung zu sein hängt auch davon ab, ob du bereits Rentenanwartschaftszeiten hast als schon als Angestellte etwas eingezahlt hast.

Ein Weg daraus kann sein, dass du deinerseite jemanden anstellt auf der Basis eines sozialversicherungspflichtigen Jobs, weil du dann aus der Rentenversicherungspflicht herausfällst.

Und was bleibt kannst du dir leicht ausrechnen:

Gewinn: 1.000
RV - 190
KV - 300
------------------
übrig 510

mirikwidi
22.02.2012, 12:36
Tja, aber der noch größere Ärger ist doch der Mindestbeitrag in der KV, oder ? Für Arbeitnehmer gibt es doch auch keinen Mindestbeitrag. Im Beispiel ist somit der Beitrag doppelt so hoch wie er bei normaler prozentualer Berechnung wäre ... Soll es eigentlich Selbständigen in der Anfangsphase mit Gewalt schwer gemacht werden ? Frage ich mich schon lange.

Promethea71
22.02.2012, 13:00
Ich denke die Regelung zu den Selbständigen in der KV stammt aus einer Zeit, als man davon ausging, dass Selbständige richtig gut Geld verdienen und man Existenzgründer nicht wirklich auf dem Plan hatte. Und jetzt wollen die Kassen bzw. der Gesetzgeber nicht auf die Einnahmen verzichten.

Allerdings gibt es auch Möglichkeiten - stehen in der Regel nicht auf den Webseiten der Krankenkassen - sich als Existenzgründer einen geringeren Beitrag berechnen zu lassen, ich habe es sogar bei einer Mandantin, dass sie einen gesonderten Tarif bei der Krankenkasse ihres Ehemannes erhalten hat - unter Berücksichtigung ihres geringen eigenen Einkommens.

Es lohnt da auf jeden Fall direkt mit der Krankenkasse zu sprechen.



Und bei der Rentenversicherung steckt ein historischer Grund dahinter - auch im 19. Jahrhundert wurden Hauslehrer nicht als Angestellte eingestellt, sondern als "Freiberufler" und wenn sie zu alt zum Unterrichten waren, wurden sie auf die Straße gesetzt - hier sollte die Rentenversicherungspflicht dazu führen, dass sie im Alter nicht von der Sozialfürsorge leben mussten bzw. verhungerten.

Ursprünglich mal sozial gedacht ist die Regelung heute eine extreme Benachteiligung der freiberuflichen Lehrer gegenüber den meisten anderen nicht verkammerten Selbständigen, das gleich "Los" betrifft übrigens auch Pflegepersonen, Hebammen, Seelotsen und einige andere Selbständige.

Promethea71
22.02.2012, 13:01
OT:
Bei den Lehrern erhebt die Rentenversicherung die Beiträge übrigens erst seit gut zehn Jahren wieder (als es ihr schlecht ging, suchte man nach Geldquellen), vorher "ruhte" das Gesetzt de fakto für einige Jahrzehnte.

Emmerenz
22.02.2012, 17:10
Ich bin froh, dass hier schon einige Antworten sind, aber es ist zu meinem Entsetzen wirklich schwierig, grad in der Anfangszeit auf einen grünen Zweig zu kommen. Denn einen entsprechenden Kundenstamm muss man sich erst aufbauen.

Promethea71
22.02.2012, 17:35
Wobei man sich auch klar machen muss, dass es in vielen anderen Ländern das System der Familienversicherung nicht gibt, sondern dort selbstverständlich jedes Familienmitglied - egal ob eigener Verdienst oder nicht - Beiträge zur Krankenversicherung zahlen muss, der Sprung von diesem Grundbeitrag zum Beitrag als Selbstständiger ist dann nicht so groß.

Der Sprung in Deutschland kommt einem nur so groß vor, weil vorher die kostenlose Familienversicherung vom Gesamtsystem gesponsort wurde.

Trotzdem ist es frustrierend, dass man eigentlich sagen muss die Selbstständigkeit eines bisher Familienversicherten lohnt sich nicht solange der Gewinn zwischen 375 und 900 Euro liegt, weil der Gewinn dann durch die notwendigen Versicherungen aufgefressen wird.

Und gegenüber dem Angestellten zahlt der Selbständige eben den vollen Krankenkassenbeitrag und nicht nur die Häfte, denn beim Arbeitnehmer zahlt die andere Hälfte der Arbeitgeber.

Eteterfon
28.02.2012, 11:13
Ich nehme an, Du wüsstest es, wenn dem so wäre, aber: bist Du eventuell in einem Beruf, der über die Künstlersozialkasse pflichtversichert werden kann, als Dozentin tätig? Also im weitesten Sinne alles was mit kreativen Berufen zu tun hat? Musik, Design, Journaslismus, Text, Schauspiel, Fotografie etc...? Da würden nämlich a) Deine KV-Beiträge berechnet wie bei einem Angestellten und nicht nach einem horrenden Mindestbeitrag und b) übernimmt die KSK die 50% von KV und Rente, die sonst ein Arbeitgeber übernimmt.

Emmerenz
28.02.2012, 20:36
Leider kann ich nicht Leistungen der Künstlersozialkasse beziehen, vielleicht gründet jemand eine ähnliche für Heil-, Wellness- und Gesundheitsberufe - ich wär dabei...