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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beikostverächter abstillen



Inaktiver User
28.11.2011, 12:11
Liebe Alle,

mein Baby ist jetzt gut 7 Monate alt und wird noch voll gestillt. Wenn ich bei ihm bin, trinkt er ca. alle 2 Stunden. Wenn ich nicht da bin, hält er meist Diät... in der Kita isst er zwar ein paar Löffelchen Brei, bei meinem Freund trinkt er mal ein bisschen abgepumpte Milch, aber alles ohne Enthusiasmus.

Wenn ich bei ihm bin, sieht es so aus: Er mag keinen Brei (das kannte ich schon von meinem großen Sohn), und er mag nicht aus der Flasche trinken (das kannte ich noch nicht). An einem Stück Brot oder Gurke nuckelt er zwar recht gerne mal, mit ähnlichem (eher größerem) Interesse 'isst' er allerdings auch seine Socken oder Papier... Aus dem Becher trinken geht noch am ehesten - aber auch das scheint er noch nicht wirklich als Nahrungsaufnahme zu begreifen.

Wir haben / hatten stets eine schöne und unkomplizierte Stillbeziehung, aber mittlerweile reicht es mir - zumindest teilweise würde ich gerne abstillen.

Bloß wie? Hat jemand eine Idee?

pauls_mama
28.11.2011, 12:49
Hi !

Ich war auch davon überzeugt, dass ich 6 Monate vollstillen werde und das Kind dann Brei oder anderes essen wird. Paul hat mir gründlich einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich musste ihn 1 Jahr vollstillen, weil er jegliche Beikost verweigert hat. Ich will dir jetzt damit keine Angst machen und wir waren auch ein besonderer Fall, aber wenn Du nicht die Holzhammermethode anwenden willst, gehören zum Abstillen immer zwei...

Der Grund, warum Paul nicht essen wollte, haben wir erst später rausbekommen. Zum einen war er zu leicht (er wog mit 6 Monaten keine 6 Kilo). Der Endokrinologe, bei dem wir heute noch wegen des Kleinwuchses in Behandlung sind, hat uns erklärt, dass die Beikostreife nicht alters- sonder gewichtabhängig ist. Bei den meisten Kindern haut das mit den Altersangaben (z.B. auf den Gläschen) gewichtsmäßig aber hin, nur bei uns halt gar nicht (Paul wiegt mit knapp 4 Jahren gerade mal 11 Kilo).

Zum anderen hat(te) Paul eine sensorische Störung (unter anderem auch oral), die wir aber Dank einer Thearpie in den Griff bekommen haben.

Ich will Dir mit unserer Geschichte keine Angst machen, aber es gibt manchmal Gründe, die man nicht auf anhieb sieht bzw. versteht, warum die Kinder nicht oder spät anfangen zu essen.
Gonzales hat auch ein gutes Buch darüber geschrieben "Mein Kind will nicht essen" und Gabi Eugster "Babyernährung gesund und richtig" kann ich Dir auch noch empfehlen.

Ansonsten fällt mir nur ein: immer wieder probieren, was heute nicht geht, kann morgen schon anders sein. Und Paul musste das meiste mindestens 10x versuchen, bis er es wirklich gegessen hat. Da helfen nur gute Nerven, kein Druck und viel Geduld...

Nimmt denn der Kleine noch gut zu? Stillt er schon immer alle 2 Stunden ?

Tigerente
28.11.2011, 13:25
Als Mutter eines sehr großen und eines mittelstarken Beikostverächters kann ich Dir nur sagen: wenn Du (teilweise) abstillen willst, freunde Dich mit Flaschenmilch an. Mit 9 bzw. 10 Monaten habe ich die Burschen an die Flasche bekommen, beide aßen zu dem Zeitpunkt eher kleine Mengen Beikost, und ich konnte dann sehr flexibel abstillen (sie nahmen dann, was kam, Brust oder Flasche, Hauptsache Milch). Beim zweiten habe ich wegen eines Urlaubs das Abstillen länger hingezogen, beim ersten dann recht schnell vollzogen, weil es mit der Arbeiterei nebenher eben auch stressiger war. Bei beiden war es vorher mit Flasche ganz schwierig, egal ob abgepumpt oder Pulvermilch, ich hab's alle 1-2 Wochen mal wieder versucht, und irgendwann hat es geklappt.

Ist Dir Pulvermilch suspekt, bereite Dich notfalls auf eine noch deutlich länger währende Stillbeziehung vor. Es gibt viele Kinder, die kann man gemütlich mit einer Beikostmahlzeit nach der anderen abstillen, es gibt genausoviele, die brauchen noch ewig viel Milch, und da bleibt nur lange stillen oder Flaschenmilch.

Wiesenkraut
28.11.2011, 13:45
ich hab auch 2 von der Sorte:freches grinsen:
beide haben lange lange nur Löffelchenweise irgendwas gefuttert. Es gab auch mal gute Tage da war es mehr, aber sobald der nächste Zahn einschoss (und das tun sie in dem Alter ständig) wurde feste Nahrung ähm Brei in irgendeiner Form (auch fingerfood) wieder verweigert.
Ich habs dann so hingenommen und mich meinen Kindern angepasst in dem festen Wissen, die werden schon wissen was gut für sie ist.
Ein bischen Druck hatte ich auch, da das Fünkchen auch mit 10 Monaten in die Krippe kam. Dort hat sie dann oft wenig gegessen und anschließend direkt nach mir verlangt.
Das erste Wort war nicht wie bei den meisten Kindern Mama oder Papa sondern "HmmmmMa" und bedeutete Mumi.
Flasche wurde bei uns auch lange verweigert, war also keine Alternative egal wer sie gab und mit der Brechstange wollt ich nicht ran, also hab ichs gelassen, Fingerfood und Brei abwechsend geboten, mich gefreunt wenn es eine gute Phase war und die Kleine plötzlich die Menge eines ganzen Gläschens gegessen hat.
Mit Durchbruch von Zahn 5und6 wurde es dann durchgehend besser. Da war das Fünkchen so 1 Jahr. Heute (sie ist inzwischen 16 Monate)still ich noch abends, eher weils so bequem ist. Tagsüber mampft die junge Dame alles was ihr unterkommt, am liebsten jegliche Sorten von Obst und Brokolie, aber bedenkenlos auch das Fleisch eines ganzen Hähnchenbeins :freches grinsen:

Tinchen77
28.11.2011, 21:41
Ich möchte mich den Vorschreiberinnen anschließen: Mit 7 Monaten kann das abstillen / Beikost einführen gut klappen oder eben auch nicht. Unsere Maus hat heute noch ganz schlechte Tage, so wie das Fünkchen so mit einem Jahr. Nur ist sie schon fast 2...
Wir stillen immer noch und an "schlecht.esser-Tagen" bin ich froh darüber - ich mach mir überhaupt keine Sorgen, ob KleinTinchenMaus genug bekommt - ja, spätestens mit der Mama-Milch bekommt sie alles was sie braucht.
Wenn es Dir kein Graus ist, dann still halt noch weiter, gut fürs Kind ist es allemal und beim Thema Essen kann man nichts erzwingen, das artet nur in schlimme Machtkämpfe aus, die Du verlierts.
Also, Geduld und Milch, irgendwann wirds schon...

Inaktiver User
28.11.2011, 21:48
Hallo,

und Danke für's Mutmachen! Sieht fast so aus, als müsste ich mich noch in Geduld üben, hm?

Ich habe nichts gegen Flaschenmilch, aber der Kleine leider schon. Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, ob es wirklich die Milch und nicht die Flasche ist. Denn Muttermilch aus der Flasche ist auch nur in absoluten Notzeiten eine Option für ihn. Flaschenmilch versuche ich jetzt ab und an aus dem Becher zu geben. So zwei, drei Schlucke nimmt er dann (wieviel wieder rausläuft, kann ich nicht beurteilen). Wasser scheint er aber lieber zu trinken.

Er ist für sein Alter sehr groß (oberes Ende der Perzentile), und wiegt auch entsprechend (ca. 9 kg). Ich habe keine Ahnung, wieviele Kalorien er täglich verbraucht - ich könnte jedenfalls ständig essen. :hunger:

Meinen großen Sohn habe ich ungefähr in Minis Alter abrupt abgestillt, weil nach ein paar Tagen hohen Fiebers die Milch weg war. Danach hatte ich auf einmal viel mehr Energie... das ist einer der Gründe, weshalb ich weg vom Stillen möchte. Außerdem wäre es so toll, wenn mein Freund Mini nachts mal die Flasche geben könnte, weil ich seit Ewigkeiten nicht mehr länger als 2,5 h am Stück geschlafen habe. Und ein bisschen abendliche Freiheit könnte offen gesagt auch nicht schaden.

@ Wiese: Kann das Fünkchen denn abends einschlafen, wenn Du nicht da bist und die Milchquelle fehlt? Mein Großer brauchte auch sehr lange noch abends die Flasche & wenn ich daran denke, ich hätte da jedes Mal stillen müssen - puh!

@ Tigerente: Ich halte mich jetzt mal daran fest, dass Deine mit 9/10 Monaten doch noch die Flasche genommen haben. Mein Großer hat auch nur eine einzige Marke akzeptiert (ich vermute mal, die schmeckte meiner Muttermilch am Ähnlichsten). Aber Mini mag nicht mal die...

@ Pauls Mama: 11 kg ist ja wirklich wenig - mein Großer ist auch 4 und wiegt ca. 19 kg. Hängt der Kleinwuchs mit der sensorischen Störung zusammen? Und muss der Kleinwuchs medikamentös behandelt werden? Wie hat sich diese sensorische Störung sonst noch geäußert?

Inaktiver User
28.11.2011, 21:55
Hallo Tinchen,

da haben sich unsere Antworten überschnitten... Nein, ein Graus ist mir das Stillen nicht... Aber ein bisschen mehr Flexibilität in Punkto Schlaf, Arbeit und Vergnügen wäre schön.

Mir ist schon klar, dass das eher 'kleine Sorgen' sind. Und zumindest darüber bin ich sehr froh :smile:

Wiesenkraut
29.11.2011, 09:32
@ Wiese: Kann das Fünkchen denn abends einschlafen, wenn Du nicht da bist und die Milchquelle fehlt? Mein Großer brauchte auch sehr lange noch abends die Flasche & wenn ich daran denke, ich hätte da jedes Mal stillen müssen - puh!

hm ich muss gestehen ich habs noch nicht ausprobiert. In der Kita schläft sie wie alle anderen Kinder und hat das von Anfang an problemlos gemacht (was ich ja nie für Möglich gehalten hätte, weil ich immer einschlafgestillt hab). Abends still ich sie noch. Das dauert aber keine 10 Minuten. In der Regel geh ich hoch, wenn die 20 Uhr Nachrichten anfangen und bin normalerweise zum Wetterbericht schon wieder unten.
Gerade weil das so gut klappt, rüttel ich auch nicht am Abstillen. Anders wäre es wohl gewesen, wenn sich der Stillzustand nachts so fortgesetzt hätte, wie er war. Ich glaube das Fünkchen hat 14 Monate alle 2 stunden nach der Brust verlangt nachts und zusammen mit wieder Arbeiten war das schon anstrengend. Aber irgendwann wurde das viel seltener (nur noch um 1 und um 5) und seit ich glaube 3 wochen schläft sie nun durch.
Ich war die Woche abends einmal auf dem Elternabend, der fing schon um 8 an, da hab ich einfach früher gestillt und bin los. War kein Problem, aber sonst bin ich normal abends einfach zuhause.
Mir grauts eher vor der Zeit wo ich nicht mehr stille. Denn das Fünkchen macht ja seinen Mittagsschlaf inzwischen bei uns auch ohne stillen, da dauert das Einschlafen aber bei uns (in der Kita gehs auch schnell) teilweise bis zu einer Stunde, da still ich dann doch abends wieder richtig gern :freches grinsen:

pauls_mama
29.11.2011, 11:48
@ Pauls Mama: 11 kg ist ja wirklich wenig - mein Großer ist auch 4 und wiegt ca. 19 kg. Hängt der Kleinwuchs mit der sensorischen Störung zusammen? Und muss der Kleinwuchs medikamentös behandelt werden? Wie hat sich diese sensorische Störung sonst noch geäußert?

Woher der Kleinwuchs kommt, wissen die Götter. Er kam bei 38+0 mit 44 cm und 2.100 Gramm zur Welt und alle waren total überrascht. Plazenta war in Ordnung. Er lag und liegt unter der 3. Perzentile, wächst aber auf seiner konstant weiter. Ist jetzt erst 89 cm groß und wie gesagt 11,0 Kilo schwer. Körperliche Ursachen wurden alle ausgeschlossen, genetisch könnte sein - wir sind alle (inkl. Großeltern) nur zwischen 1,56 und 1,75 groß. Dagegen spricht, dass unser 2. Sohn (3 Monate alt) für unsere Verhältnisse fast schon ein Riese ist und auf der 97. Perzentile liegt (kam mit 56 (!!) cm und 3.600g zur Welt und trägt jetzt Größe 68 :ooooh:
Da keine Ursache gefunden wurde, wird auch nicht behandelt. Er ist auch nicht im klassischen Sinne kleinwüchsig, bei ihm stimmen die Proportionen - er ist "nur" zu klein. Und die durch den Kleinwuchs verursachte motorische Entwicklungsverzögerung hat sich auch ausgewachsen - er spielt Fußball inkl. Fouls :freches grinsen: wie ein Großer.
Die sensorische Integrationsstörung hat sich auf´s Gleichgewicht, den Mund und den Tastsinn ausgewirkt. Damit war er zwei Jahre in ergotherapeutischer Behandlung und das ist bis auf die orale Störung so gut wie weg. Durch diese orale Störung war das Problem nicht das Essen, sondern das Gefühl, das Essen im Mund zu haben. Funktioniert hat es dann mit über einem Jahr mit auf das allerfeinste pürierte Breie. Fingerfood ging gar nicht. Das Mittagessen püriere ich erst seit nem guten halben Jahr nicht mehr und die Anzahl der Lebensmittel, die er isst, ist sehr begrenzt. Gefühlt kommen jedes Jahr etwa 2-3 dazu (dieses Jahr war es z.B. Eis, Kuchen oder ähnlich Krümeliges geht heute noch nicht). Ich hoffe, das gibt sich mit der Zeit noch...


Er ist für sein Alter sehr groß (oberes Ende der Perzentile), und wiegt auch entsprechend (ca. 9 kg).
Na am Gewicht kann´s dann nicht liegen, mit 9 Kilo ist die Beikostreife sicher erreicht...