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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fruchtwasseruntersuchung ... was ist, wenn .....?



Inaktiver User
05.02.2006, 08:18
Hallo zusammen!

Ich möchte bei aller Baby-Vorfreude hier mal ein ernsteres Thema ansprechen.

Meine Freundin ist 38 und schwanger. Ihr Mann ist 42. Nun stehen sie vor der Frage, ob sie eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen sollen oder nicht.

Natürlich muss man sich im klaren sein, was passiert, wenn man nicht das erhoffte Ergebnis bekommt - schließlich ist die Schwangerschaft dann schon recht weit fortgeschritten und ein Abbruch ist ja auch dann eine Abtreibung, mit der man sich moralisch auseinandersetzen muss. Sie und ihr Mann tendieren jetzt dazu, keine Untersuchung machen zu lassen und das Kind dann so zu nehmen wie es ist.

Mich lässt dieser Gedankengang nicht los. Wenn man die medizinischen Möglichkeiten hat, vorher zu erfahren, ob man ein gesundes Kind bekommt - soll man das dann nicht nutzen? Aber wie fühlt man sich im umgekehrten Fall - wenn man ein behindertes Kind erwartet und das dann abtreibt?

Wer hat Erfahrungen damit?

Marie

Beni
05.02.2006, 11:03
Hallo Marie,

genau dieses Thema hatten wir aus gegebenem Anlass vor kurzem im "Baby 2004"-Strang. Vielleicht hilft es Dir, dort mal nachzulesen. Los geht es auf Seite 170. Allerdings hat(te) unsere Freundin einen Befund, der es u.U. sinnvoll erscheinen ließ, die Amnio zu machen. Aber lies am Besten selbst. Ich habe Gott sei Dank bis jetzt keinen Anlass gehabt, für mich über das Thema nachzudenken, daher kann ich Dir auch schlecht raten.

LG, Beni

Inaktiver User
05.02.2006, 12:18
Danke für den Tipp, Beni ... aber wie komme ich dort hin? Stehe vielleicht auf der Leitung ...!?

Lakritze
05.02.2006, 15:25
Mir war gerade langweilig, also hab ich es rausgesucht :freches grinsen:
Hier ist der Link:
http://www.brigitte.de/forum/showflat.php?Cat=0&Board=69&Number=1103393&page=0& view=collapsed&sb=5&o=&fpart=170&vc=1

Inaktiver User
05.02.2006, 16:29
Das ist lieb - danke, Lakritze! :blumengabe:

Sonnensterne
05.02.2006, 17:48
Hallo Marie,

ich habe keine eigenen Erfahrungen damit, aber ich würde Deiner Freundin den dringenden Rat geben, sich nicht nur über die Untersuchungen und die Risiken zu informieren, was ja selbstverständlich ist, sondern auch darüber, welche Entscheidung zu welchen Folgen führt. Sprich, wenn das Ergebnis so oder so ist, was machen wir dann, und wie läuft das dann ab. So eine Abtreibung in der Mitte der SS ist nämlich mit einer in den ersten Wochen nicht mehr zu vergleichen. Und da wird einem nicht unbedingt immer alles freiwillig gesagt! Also: fragen, fragen, fragen!!!

Alles Gute für Deine Freundin,
Sonnensterne

Marie_128
06.02.2006, 09:03
Hallo Marie,

ich persönlich habe mich gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden. Natürlich hat man so die Möglickeit vorher zu erfahren, ob das Kind gesund ist oder nicht. Aber das ist keine Garantie, dass man dann WIRKLICH ein gesundes Kind bekommt. Auch durch einen Sauerstoffmangel während der Geburt kann ein Kind geschädigt werden.

Zudem fand ich das Risiko einer Fehlgeburt (1:100) recht hoch, ja das ist bei fast allen Frauen höher als das Risiko ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Wenn ich mich recht erinnere liegt das z.B. bei einer 38 bei 1:350. Zudem ist eine Abtreibung in diesem STadium der Schwangerschaft alles andere als einfach ... schließlich kann es gut sein, dass man das Kind schon gespürt hat.

Ich denke eine Fruchtwasseruntersuchung sollte man dann in Anspruch nehmen, wenn es durch die vorhergehenden Untersuchungen ernsthafte Bedenken bzw. medizinische Notwendigkeiten gibt. Oder es der Hintergrund der Familie (Erbkrankheiten) notwendig macht.

Alleine das Alter einer Frau ist hier für mich kein "ausreichender" Grund, sich dieser Strapaze zu stellen. Ich kenne insgesamt 4 Frauen, die es haben machen lassen und keine hat auch nur annähernd gute oder auch nur "neutrale" Erinnerungen. Und KEINE würde es wiederholen.

Und wie gesagt glaube ich nicht, dass man so unbedingt 100 % sicherstellt ein gesundes Kind zu bekommen.

Ich hab mal einen schönen Satz gelesen ... Kinder haben bedeutet Angst zu haben ... Angst, nicht schwanger zu werden ... Angst vor einer Fehlgeburt ... vor Missbildungen ... vor der Geburt ... vor dem plötzlichen Kindstod ... vor Verkehrsunfällen ... Schulversagen ... Liebeskummer ... Ausbildung .. Job ... und je eher man lernt mit dieser Angst umzugehen, desto eher kann man mit Kindern LEBEN

Gruß
Marie

Rubysoul
06.02.2006, 09:43
Hallo,

wir haben uns auch gerade mit dem thema auseinandergesetzt, und uns gegen ersttrimester-screening und dann (eigentlich klar) auch gegen die frauchtwasser-U;

Gründe sind schon genannt - eine abtreibung zu dem zeitpunkt ist einfach nicht mehr wie "nicht schwanger gewesen", usw.;
trotzdem - allgemein bekannte pro-und contra-argumente helfen als solche nicht so richtig weiter, man muss es sich einfach für sich selbst und sein leben vorstellen;
nur darüber nachdenken, über die Folgn in den jeweiligen Fällen, sich informieren und so, da kommt man oft nicht so richtig drum rum, um eine entscheidung zu fällen;
letztlich bleibt es auch eine entscheidung, die nicht allein mit rationalen argumenten zu fällen ist.
und eine schwierige.

(wobei, kleine korrektur - ich glaube die fehlgeburtsquote ist geringer - 1:200 im durchschnitt, und in guten praxen/kliniken noch mal deutlich niedriger; hilft einem aber natürlich auch nichts, wenn man selbst der eine fall ist)

Sonnensterne
06.02.2006, 10:59
Ich hab mal einen schönen Satz gelesen ... Kinder haben bedeutet Angst zu haben ... Angst, nicht schwanger zu werden ... Angst vor einer Fehlgeburt ... vor Missbildungen ... vor der Geburt ... vor dem plötzlichen Kindstod ... vor Verkehrsunfällen ... Schulversagen ... Liebeskummer ... Ausbildung .. Job ... und je eher man lernt mit dieser Angst umzugehen, desto eher kann man mit Kindern LEBEN

Gruß
Marie




Danke Marie! :blumengabe:

Sonnensterne

Marie_128
06.02.2006, 12:35
.. Bitte Sonnensterne ... das ist ein Satz, den ich mir immer wieder gerne vor Augen halte, wenn mich irgendwas "schaluu" macht. Angefangen von Berichten über Giftstoffe in Babyflaschen, Statistiken, Testmöglichkeiten ...

Und dann kann ich mir die Sache in Ruhe ansehen ...

Cu
Marie

Sonnensterne
06.02.2006, 13:29
@Marie

Mir geht es oft genauso.

Manchmal fahre ich mit meinem Sohn Fahrrad und "sehe" dann so die Möglichkeiten, was alles jetzt in dieser Sekunde passieren könnte, wie er stürzen und unter ein Auto kommen könnte. Und da atme ich dann ganz tief ein und noch tiefer wieder aus und versuche zu sehen, daß ich sein Schicksal nicht voraus sehen kann und daß mich die Angst um ihn wohl mein Leben lang begleiten wird. Also macht es keinen Sinn, sich verrückt zu machen. Und dann kann ich ihn auch wieder Abenteuer erleben lassen!

Liebe Grüße
Sonnensterne

Inaktiver User
17.12.2006, 22:15
ich hole das thema mal hoch, weil meine gynäkologin mir geraten hat, früh genug darüber nachzudenken.

wir werden definitiv das ersttrimester-screening machen und ich erwäge auch ernsthaft eine fruchtwasseruntersuchung, je nach ergebnis.

wir sind 36 und 40, und ich fühle mich zu alt, blind auf mein glück zu vertrauen.

drei freundinnen haben es machen lassen und waren zufrieden. es waren keine schlimmen erlebnisse. die fehlgeburtrate liegt mit 1:200 wohl auch nicht viel höher als die normale fehlgeburtrate in der zeit, jedenfalls in den spezialisierten kliniken.



hat jemand von euch eigene erfahrungen? bin für tipps und hinweise dankbar. :blumengabe:

Laborschnecke
18.12.2006, 09:58
Ich denke eine Fruchtwasseruntersuchung sollte man dann in Anspruch nehmen, wenn es durch die vorhergehenden Untersuchungen ernsthafte Bedenken bzw. medizinische Notwendigkeiten gibt. Oder es der Hintergrund der Familie (Erbkrankheiten) notwendig macht.


Ähm, Erbkrankheiten in der Fruchtwasseruntersuchung feststellen??? Meines Wissens geht es dabei doch bloß um Trisomien/ Monosomien einzelner Chromosomen- und die entstehen meistens spontan und sind eher nicht vererbt.
Den ersten Teil des Satzes würde ich wohl unterschreiben. Wobei ja ab einem bestimmten Alter der Mutter immer dazu geraten wird... Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass das auch häufig "einfach" gemacht wird, ohne dass man den Eltern Gelegenheit gibt, darüber nachzudenken, was passiert, wenn man ein nicht eindeutiges Ergebnis bekommt (das gibt es nämlich leider auch).

Sonnensterne
18.12.2006, 10:22
die fehlgeburtrate liegt mit 1:200 wohl auch nicht viel höher als die normale fehlgeburtrate in der zeit, jedenfalls in den spezialisierten kliniken. :blumengabe:

Nur wäre es für mich ein gravierender Unterschied, ob eine FG "von sich aus" passiert, oder ob ich sie mit meiner Angst ausgelöst habe. Ich weiß nicht, ob ich die Tatsache, daß durch mein mangelndes Vertrauen ein vielleicht kerngesundes Baby gestorben ist, wirklich verkraften könnte.

Von all den Unwägbarkeiten, die im Laufe der SS, Geburt, Kindheit und des ganzen weiteren Lebens auf mein Kind zu kommen, ganz abgesehen.

Und ich finde es auch wichtig, sich wirklich klar zu machen, wie im Falle eines "Abtreibungsbefundes" vorgegangen wird, was das für die Mutter und das Kind bedeuten, was die Ärzte übernehmen und was nicht (nur als Idee: Ärzte dürfen nicht töten, das widerspricht ihrem Eid!, wie sterben diese Kinder , die da in der 20. Woche abgetrieben werden?).

Ich wünsche allen einen guten und folgenlosen Befund!!!!

Marie_128
18.12.2006, 12:08
Hallo,

ich glaub die Entscheidung kann einem einfach niemand abnehmen, aber ich persönlich finde den Eingriff alles andere als "reine Routine" und ehrlich gesagt zweifel ich daran, dass 1:200 die "normale Fehlgeburtrate" in dieser Zeit ist. Das ist ja schon immens hoch, zumal die meisten Fehlgeburten in den ersten 6 Wochen stattfinden und teilweise gar nicht bemerkt werden.

@Laborschnecke
Ich hatte mal gehört, dass durch die FU auch vereinzelt andere Erbkrankheiten getestet werden können, aber beschwören könnte ich es jetzt nicht.


Generell kann ich Sonnensterne nur aus vollstem Herzem zustimmen. Man hat seine Kinder niemals niemals sicher. Daran ändern auch all die ganzen Untersuchungen nichts.

Ich selber hatte eine wunderschöne, komplikationsfreie Schwangerschaft und eine schöne Entbindung ...

aber dann ...

ca. 4 Stunden später bekam ich die Diagnose "Mekoniumaspriation", d.h. meine Rebecca hatte grünes Fruchtwasser (und damit Kindspech, das sogenannte Mekonium) in die Lunge bekommen und dadurch waren ihre Lungenbläschen verklebt und sie bekam nicht richtig Luft.

Wir wurden in eine andere Klinik verlegt und Rebecca kam auf die Intensivstation und mußte beatmet werden. 48 Stunden war erstmal gar nichts sicher (25 % der Kinder sterben daran), dann hat sich meine Kleine aber wunderbar erholt und ist jetzt ganz gesund.

Was ich damit sagen möchte ... wenn man zuviel Angst hat, dann ist eine FU wirklich sinnvoll. Man sollte sich aber auch dann mal überlegen, wie man mit "negativen" Ergebnissen umgehen würde. Die ganzen Untersuchungen haben ihre Berechtigung, aber SICHER hat man ein gesundes Kind niemals.

LG
Marie

Ironwoman2006
18.12.2006, 13:50
Geb mal meinen Senf (bzw. meine persönliche Erfahrung) dazu:

Wir sind 36 und 38 (bei der Empfängnis waren wir noch 35 und 37:smirksmile: ) , daher hat mir meine FA jedenfalls eine Nackenfaltenmessung empfohlen. Das Krankenhaus in dem ich entbinden werde (Goldenes Kreuz, eine Privatklinik in Wien) bietet einen sogenannten Combined Test an (NFM und Blutuntersuchung der Mutter), damit kann das Risiko einer Behinderung mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% ermittelt werden (aber das ist halt auch nur eine Prognose).

Bei mir waren die Werte gsd so gut, dass mir von einer Fruchtwasseruntersuchung ausdrücklich abgeraten wurde, weil das Risiko einer Fehlgeburt (das bei einer Fruchtwasseruntersuchung ja auch gegeben ist) wesentlich höher wäre, als die Möglichkeit einer Behinderung:ooooh:

Im übrigen kann ich mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen: erkundigt Euch so genau wie möglich über alle Möglichkeiten!

LG
IW

nosmoking
20.12.2006, 02:57
Die Chromosomenanomalien sind die Hauptsache, die untersucht wird. Man kann jedoch auch nach bestimmten, haeufiger vorkommenden Erbkrankheiten suchen, wobei sich das nach dem jeweiligen Risiko richtet.
Bei Nordeuropaerinnen wird normalerweise nur auf Mukoviszidose untersucht, bei einem juedischen Hintergrund, insbesondere wenn es Ashkenazi-Juden sind (und nicht Sepharden) wird nach dem Vorliegen der Tay-Sachs-Krankheit geguckt, bei Schwarzen nach Sichelzellanaemie.
und sonst eben nur, wenn es in der Familie bereits Erbkrankheiten gab, wie zB Chorea Huntington.

Die Fruchtwasserspiegelung kann ab der 16. Woche durchgefuehrt werden, Ergebnisse gibt es 1 Woche bis 10 Tage spaeter.

Gute Frage, ob frau das nun machen lassen soll. Wenn es Erbkrankheiten in der Familie gibt, wuerde ich es auf jeden Fall machen lassen. Wenn es nur fortgeschrittenes muetterliches Alter ist, schwer zu sagen.

Gruss, Nosmo

nosmoking
20.12.2006, 03:07
ach so, ein Abbruch in diesem Stadium der Schwangerschaft geht nur mittels kuenstlicher Einleitung von Wehen. ist natuerlich eine unangenehme Vorstellung, sein Baby zu Tode gebaeren zu muessen...
Alleine lebensfaehig ist so ein Foetus in der 17. oder 18. SSW noch nicht, sondern erst ab der 23.-24. SSW (mit viel Intensivmedizin), da es vorher noch kein genuegend entwickeltes Lungengewebe gibt, dh kuenstliche Beatmung kann da nicht helfen, ebensowenig wie Mittel zur Lungenreifung (die man im letzten Schwangerschaftsdrittel bei drohender Fruehgeburt geben kann).

In einigen Laendern sind Abbrueche auch noch nach der 24. SSW erlaubt bzw. in China werden sie angeblich auch gegen den Willen der Mutter zu diesem Zeitpunkt noch durchgefuehrt, das finde ich entsetzlich, denn da koennte das Baby theoretisch leben...

Gruss, Nosmo

Appollonia
20.12.2006, 15:38
Schwieriges Thema. Da gab es mal den TV Bericht über einen Jungen mit Down Syndrom, der totgeboren werden sollte (weiß nicht mehr, welche SSW). Er wurde zum Sterben liegengelassen, ist aber einfach so vital gewesen, dass er überlebte. Aber dann, wegen der Nichtversorgung, bekam er noch eine motorische Schädigung dazu. Die Mutter wollte ihn nicht und er fand glücklicherweise Adoptiveltern. Es war so herzzereißend, ich finde diese Spätabtreibungen furchtbar. Angeblich darf man bei uns fast bis zur Geburt diese Kinder töten.
So haben also hauptsächlich die Embryos mit Trisomie 21 die A....karte gezogen, die werden, wenn entdeckt, zu 90% getötet, sagt meine Gyn.
Dabei finde ich, ist Downsyndrom keine schwere Behinderung, diese Leute haben meist eine gute Lebensqualität, sind fast immer eine Frohnatur. Ich habe an einem Tag der Woche in einem Behinderteninstitut gearbeitet und sehe dann alle möglichen Formen von Behinderungen, mit denen Menschen viel abhängiger und pflegebedürftiger sind.
Selber hat mich das Thema auch betroffen, erste Geburt mit 42, unauffälliger Combined Test.
Zweite Schwangerschaft, auffälliger Test, der zuständige Pränataldiagnostiker redet von einem Risiko 1 : 167 in Richtung DownS. Er fand es bedenklich, ich soll eine FU machen lassen, die ja nur ein Risiko hat von 1 : 200. Ich hatte bald genug von den Zahlen, habe geantwortet, dass für mich eine Abtreibung nicht in Frage kommt. Und dass ich "guter Hoffnung" bin. In diesem Sinne hat mein Baby auch die passende Zahl von Chromosomen, ich war auch erleichtert, gebe ich zu.
Aber ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich. In Österreich muss ein Arzt einer Mutter eines Kindes mit DS viel Geld zahlen, weil er sie angeblich zuwenig aufgeklärt hatte, von wegen DS. Behinderung als juristischer Schaden.
Ich frag mich auch, ob sich Eltern vorher informieren, wie ein Leben mit einem behinderten Kind ausschauen kann. Dass es vielleicht ein Gewinn ist, ein Familienmitglied mit DS zu haben.
Nachdenkliche Grüße
Appollonia

Laborschnecke
20.12.2006, 16:11
Liebe Appollonia,
ich gebe Dir recht, Down Syndrom ist nicht die schlimmste Behinderung, die ein Kind haben kann. Nichtsdestotrotz ist es ja so, dass ein Kind mit Down Syndrom sein Leben lang abhängig bleibt, vorher meistens diverse gesundheitliche Beschwerden hat (Herzfehler, Magen-Darmprobleme, etc.). Von den Entwicklungen, über die jede Mutter erleichtert ist mal abgesehen (lernen später laufen, werden später trocken, etc). Gerade wenn die Mutter dann ein bißchen älter ist, fragt sie sich vielleicht schon, ob sie das schafft, ihrem Kind ein Leben lang eine gute Versorgung zu bieten.

Allerdings ist wohl in den meisten Fällen die mangelnde Akzeptanz von Bedeutung. Ich kenne eine Mutter ein Kindes mit Down Syndrom. Sie hatte vorher bereits zwei gesunde Kinder, sie erfuhr es erst nach der Geburt (Tests waren keine gemacht worden, weil sie auch erst Ende 20 war). Ihr Gedanke zuerst war: Jetzt noch ein gesundes Kind hinterher.
Was den Menschen doch bewegt, wenn er Angst hat, Schuldgefühle oder gar Scham vielleicht dazukommen. (Ich kenne eine Mutter, deren Kind eine ähnlich leichte Behinderung hatte- sie hat niemals über dieses Kind geredet, es geradezu versteckt- deswegen denke ich, dass Scham eine Rolle spielen kann).

Sie hat dann gemerkt, dass ihre beiden älteren Kinder das kleine akzeptieren wie es ist. Auch sonst hat wohl niemand Unverständnis geäußert, dass sie ein behindertes Kind bekommen haben, wo es doch heutzutage schon Möglichkeiten gibt.

Versteh mich nicht falsch, Deine Bedenken teile ich. Aber ich schaffe es auch nicht, Abtreibungen zu verurteilen. Ich habe jetzt gesehen, welche Möglichkeiten man hat, ein Kind mit Down Syndrom zu fördern, das finde ich schon toll.

Ich weiß immer noch nicht, ob ich eine FU machen lassen würde...

Laborschnecke

Inaktiver User
20.12.2006, 17:24
Schwieriges Thema. Da gab es mal den TV Bericht über einen Jungen mit Down Syndrom, der totgeboren werden sollte (weiß nicht mehr, welche SSW). Er wurde zum Sterben liegengelassen, ist aber einfach so vital gewesen, dass er überlebte. Aber dann, wegen der Nichtversorgung, bekam er noch eine motorische Schädigung dazu. Die Mutter wollte ihn nicht und er fand glücklicherweise Adoptiveltern. Es war so herzzereißend, ich finde diese Spätabtreibungen furchtbar. Angeblich darf man bei uns fast bis zur Geburt diese Kinder töten.


die unterbrechung nach einer fruchtwasseruntersuchung findet um die 16.-18. woche statt, da ist definitiv niemand lebensfähig und/oder liegengelassen.

auch darf niemand "fast bis zur geburt dieses kinder töten."



ich wünschte mir ein wenig mehr sachlichkeit in der diskussion, und fakten. emotional wird man ganz von allein, finde ich. :smirksmile:

Laborschnecke
20.12.2006, 17:27
@Shelily

welche Fakten wünscht Du denn?

Inaktiver User
20.12.2006, 17:30
ich "wünsche" nichts. seröse quellen und fakten wären schöner.

ich finde allerdings, dass reißerische berichte offenkundigen boulevard-tvs uns auch nicht weiterbringen. und ich habe auch mit all den medizinern in der familie neimals etwas von behindertenabtreibungen mit liegenlassen in späten schwangerschaftszuständen gehört.


ich finde es gut, meinungen und erfahrungen auszutauschen. :smirksmile:

nosmoking
20.12.2006, 17:32
@Shelily: voellig richtig, Babys sind erst ab der 23.-24. SSW lebensfaehig. und da werden in Deutschland nur Abbrueche gemacht, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

in Amiland ist das anders, da sind in einigen Staaten Spaetabbrueche auch aus sozialer Indikation erlaubt.

Gruss, Nosmo

Inaktiver User
20.12.2006, 18:07
ich "wünsche" nichts. seröse quellen und fakten wären schöner.

ich finde allerdings, dass reißerische berichte offenkundigen boulevard-tvs uns auch nicht weiterbringen. und ich habe auch mit all den medizinern in der familie neimals etwas von behindertenabtreibungen mit liegenlassen in späten schwangerschaftszuständen gehört.


ich finde es gut, meinungen und erfahrungen auszutauschen. :smirksmile:


Da ist nix reißerisches drann. Einfach nur tragisch (http://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburger_Baby).

Ich habe keine FU durchführen lassen, weil mir das Risiko einer Fehlgeburt zu groß war.
Ebenso hätte ich zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall abgetrieben.

Bedenklich würde ich es finden, wenn auf Grund des medizinischen Fortschritts Menschen mit Trisomie 21 wieder mehr ausgegrenzt würden.
Weil sie ja nach der Pränataldiagnostik nicht hätten geboren werden müssen.

Heute können sie sehr wohl ein eigenständiges Leben führen.
Es gibt Wohngemeinschaften und vieles mehr.
Dies kann sich ganz einfach ergooglet werden.

Aufklärung würde ich wichtiger finden, als Angst zu schüren und auszugrenzen.
Wer sich aufgeklärt gegen ein krankes Kind entscheidet, lebt damit besser weiter, als zu wenig aufgeklärt.

Inaktiver User
20.12.2006, 18:12
Zusatz:

Ich hätte auch massive Schwierigkeiten damit, einem Menschen mit Trisomie 21 ins Gesicht zu blicken, wenn ich ihm persönlich ein Recht auf Leben abspreche.

Inaktiver User
20.12.2006, 18:13
doppelt.

lov100
28.12.2006, 11:39
Hei,

ich kann hierzu auch was sagen....ich bin 35, mein Mann 36.

Für mich war bereits recht früh in der Schwangerschaft klar, daß ich eine FU machen lassen würde. Auf die vorangehenden Tests mit Nackenfalten ect. habe ich verzichtet, denn ein rein statistisches Ergebnis hätte mir nicht ausreicht. Dazu hab ich beruflich zu viel mit Wahrscheinlichkeiten zu tun.

Ich hab mich eingehend über die Risiken informiert und auch intensiv mit meinem Mann darüber gesprochen, was ist wenn....Das war auch meinen Arzt wichtig, daß man sich vor dem Termin mit den möglichen Folgen auseinander setzt.

Für mich war aber diese Sicherheit wichtig, denn ich hätte mit einer Behinderung nicht oder nur schwer umgehen können.

Ich habe die Untersuchung in der 13. Woche gemacht, einen Tag (Schnelltest 100 Euro) später hatte ich das unauffällige Ergebnis und kann seitdem meine Schwangerschaft genießen. Die Untersuchung an sich war weder schmerzhaft noch sonst unangenehm. Anschließend habe ich mich zwei Tage geschont (Sofa, Liegestuhl) und bin einige Tage später in den Urlaub gefahren (innerdeutsch).

Für mich war es die richtige Entscheidung, denn ich hätte mit der Ungewißheit nicht leben können. Aber das ist eine sehr persönliche Entscheidung, die jeder nach eingehenden Überlegungen selber treffen muß. Es ist keinesfalls "Routine".

Viel Glück weiterhin

Inaktiver User
28.12.2006, 11:47
danke lov,


ein statement, das wirklich erfahrung und was zu berichten hat.

die folgenabschätzung muss wohl jeder mit sich selbst abmachen.


lilly

Jo68
28.12.2006, 13:24
Schwierige Frage. Bei mir war's so, dass ich, bevor ich schwanger wurde, immer dachte, ich lasse auf jeden Fall eine FU machen. Aber dann ...
Okay, das eine Probleme ist meine Zwillingsschwangerschaft, da ist eine FU riskanter als bei einer Einlingsschwangerschaft, das sprach als erstes dagegen.
Dann kam bei uns die lange Kiwuzeit dazu, wenn's nach Jahren des Probierens endlich geklappt hat, dann bekommt das Fehlgeburtsrisiko plötzlich eine ganz andere Dimension.
Und dann muss ich sagen, dass die Schwangerschaft einfach auch eine emotionale Auswirkung hatte, die ich bei der vorher völlig rationalen Betrachtung der FU nicht einkalkuliert hatte. Plötzlich war der Wunsch die Kinder in meinem Bauch zu schützen und auf gar keinen Fall einem Risiko auszusetzen sehr groß.
Kurz: Wir haben uns für NFM und Organscreening entschieden, die Ergebnisse waren gut und die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung viel geringer, als die einer Fehlgeburt bei einer FU, daher haben wir uns dagegen entschieden.

Es bleibt generell eine schwierige Entscheidung, bei der es kein allgemeines richtig oder falsch gibt. Den einzigen Tipp, den man geben kann, ist, sich vorher sehr gut zu informieren und sich sehr genau zu überlegen, was man mit einem negativen Resultat anfängt.

Liebe Grüße

Jo

Leilei
28.12.2006, 14:41
ich "wünsche" nichts. seröse quellen und fakten wären schöner.

ich finde allerdings, dass reißerische berichte offenkundigen boulevard-tvs uns auch nicht weiterbringen. und ich habe auch mit all den medizinern in der familie neimals etwas von behindertenabtreibungen mit liegenlassen in späten schwangerschaftszuständen gehört.


ich finde es gut, meinungen und erfahrungen auszutauschen. :smirksmile:

Erfahrungen von Frauen, die mit einer entsprechenden Diagnose der Fruchtwasseruntersuchung konfrontiert waren, findet man in diesem Artikel aus einem SZ_magazin vor einigen Wochen.
SZ-Magazin (http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?id=110&tx_ttnews[tt_news]=1957&tx_ttnews[backPid]=109&tx_ttnews[showUid]=248&tx_ttnews[catSelection]=6)
Der Artikel ist keine leichte Kost, aber hier wird auch von der Verfahrensweise bei Spätabtreibungen berichtet - 'liegenlassen' ist inzwischen nicht mehr üblich, die Föten werden noch im Mutterleib mit einer Kaliumspritze getötet, damit es keine Situationen wie im oben beschriebenen Fall des Oldenburger Babys kommt.

Ich finde es wichtig, eine Fruchtwasseruntersuchung nicht nur "mal eben so" zu machen, um abzuklären, daß alles gut ist, sondern sich vorher wirklich ernsthaft mit dem was-wäre-wenn zu beschäftigen. Wirklich gute Ärzte nehmen sich Zeit, um in der Beratung darauf hinzuweisen.
Die Entscheidung für oder gegen die Untersuchung ist ebenso eine Gewissensentscheidung wie die Entscheidung, die im Fall einer festgestellten Anomalie getroffen werden muß. Ich kann und will mir nicht vorstellen, daß sich irgendjemand diese Entscheidung leicht macht.
Mir geht bei allem aber immer eine der tausend Gewissensfragen im Kopf herum, die in den Anzeigen der Aktion Mensch abgedruckt war (und Appollonia hat diesen Ausdruck auch schon genannt):
Kann man heute nur noch einfach "guter Hoffnung" sein?

Leilei

gremlin
29.12.2006, 10:52
Obwohl das Thema für Marie nicht mehr aktuell ist, möchte ich doch noch etwas dazu sagen.
Als "Beruhigung" wird bei "Risiko-Schwangerschaften" (sprich: Erb-Krankheiten, Alter der Frau, etc.) immer angeführt, dass man mögliche Behinderungen heutzutage durch verschiedene Tests ziemlich genau erkennen könnte.
Was aber kommt nach einem "auffälligen" Testergebnis? Eine Freundin von mir musste sich damit auseinander setzen. Zuerst Combined Test mit "auffälligem" Ergebnis, dann FU, Ergebnis nicht eindeutig, dann wieder FU mit sehr schlechtem Ergebnis, Organ-Screening: Kind hat organische Fehlbildungen, die auf Chromosomenstörung schließen lassen, dazwischen ewiges Warten, dann die schlimmste Botschaft: Schwere geistige und körperliche Behinderung, Kind würde möglicherweise Geburt gar nicht oder nur kurz überleben bzw. im "besten Fall" ein Pflegefall sein. Man muss sagen, die Ärzte haben es sich mit der Diagnose nicht leicht gemacht, haben aber letztendlich zum Abbruch - natürlich nicht direkt - "geraten". Bevor das alle Instanzen durchlaufen hatte (es muss durch mehrere Ärzte genehmigt werden), war sie in der 21. Woche und konnte schon die Bewegungen des Kindes spüren. Die Beschreibung eines Abbruchs in diesem Schwangerschafts-Stadium möchte ich euch ersparen, ich finde, es gehört zu den furchtbarsten Dingen, die man sich als Frau vorstellen kann. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich das alles hier schreibe...
Ich habe mich damals nur gefragt: Was würde ich nach einem solchen Testergebnis machen? Die Schwangerschaft abbrechen oder fortsetzen? Ich weiß es bis heute nicht. Eine Untersuchung des Babys meiner Freundin hat übrigens ergeben, dass es kaum eine Überlebens-Chance gehabt hätte. Soll man also ein Kind auf die Welt bringen, um es nur leiden und sterben zu sehen?
Obwohl ich das Ganze hautnah miterlebt habe, würde ich - ich bin übrigens 40 - keine FU machen lassen, wenn es nicht durch ein auffälliges Testergebnis beim Combined Test nötig ist. Mir wäre das Risiko einer Fehlgeburt zu hoch.
Alles Liebe,
Karin

Inaktiver User
29.12.2006, 11:32
wisst ihr, was ich erschreckend finde?

ich kenne NIEMANDEN, der mal "eben so" ne furchtwasseruntersuchung gemacht hat, oder "mal eben so" in so spätem stadium eine schwangerschaft unterbrochen.


trotzdem wird hier derart gepredigt, als wäre das o.g. an der tagesordnung. warum eigentlich?

:wie?: :wie?:



es ging doch nicht um ethische anschauungen und moralische zeigefinger, sondern um erfahrungen und meinungen. wunder mich, dass selbstverständlichkeiten stets neu erwähnt werden.


wenn mein ersttrimestertest eine hohe auffälligkeit ergeben sollte, dann werde ich mir eine amniozintese überlegen.

grüße!

lilly

gremlin
30.12.2006, 14:36
sorry, aber ich kenne einige solche fälle. und auch ärzte, die "zur sicherheit" zu einer FU raten, wenn z.b. die frau über 35 ist.
lg,
karin

Inaktiver User
30.12.2006, 16:18
und die hält man von sowas ab, wenn man ihnen das mal tüchtig sagt? :wie?: :smirksmile: