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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schlacht ums Eigenheim



nemosi
15.11.2011, 13:41
Hallo,

wir sind seit ein paar Monaten auf lockerer Suche nach einer Immobilie in einer 150 km entfernten Kleinstadt. Wir haben keinen Druck umzuziehen und Objekte, die unseren Vorstellungen entsprechen, gibt es auch nicht wie Sand am Meer. Aber was auf dem Wohnungsmarkt dort abgeht, frustriert ganz schön.

Am Donnerstag abend erhielt ich Nachricht über eine in Frage kommende ETW. Freitag abend eine Mail an den Makler geschrieben; Anrufen war wegen des total hektischen Tages nicht möglich. Montag mittag telefonisch nachgehakt: "Dieses Wochenende schon 23 Interessenten zur Besichtigung..." Montag abend war die Anzeige bereits offline.

Zur gleichen Zeit ein weiteres interessantes Objekt entdeckt, direkt angerufen. Es war am Samstag inseriert worden. Rückmeldung des Eigentümers: "Bereits ein halbes Dutzend Leute zur Besichtigung, von denen zwei uns regelrecht bedrängen, es ihnen zu verkaufen...".

Wie schon gesagt, irgendwie frustrierend. Ohne Beziehungen ist offenbar nichts zu machen. Kennt Ihr das? Was habt Ihr unternommen?

Es grüßt nemosi

Ichbinsdochnur
15.11.2011, 14:14
Hm, ist natürlich doof, wenn man doch relativ weit fahren muss, aber wir sind damals so vorgegangen, dass wir die Gegenden abgeklappert haben, die für uns in Frage kamen. Oft sieht man ja von außen, dass eine Wohnung/Haus leer steht, und dann haben wir die Nachbarn gefragt, ob sie was über die Wohnung/Haus wissen.

Nocturna
15.11.2011, 14:32
Am Donnerstag abend erhielt ich Nachricht über eine in Frage kommende ETW. Freitag abend eine Mail an den Makler geschrieben; Anrufen war wegen des total hektischen Tages nicht möglich. Montag mittag telefonisch nachgehakt: "Dieses Wochenende schon 23 Interessenten zur Besichtigung..." Montag abend war die Anzeige bereits offline.

Wenn es eine begehrte Gegend ist, dann ist deine Reaktionszeit zu lang.

Klar hat man nicht immer Zeit, aber dann ist das Objekt einfach weg oder man sitzt in der Warteschlange ganz hinten. Wenn du Donnerstagabend von einem Objekt liest, musst du Freitagmorgen anrufen, sonst kannst du dir weitere Aktionen sparen.

Malina70
15.11.2011, 20:40
Hallo nemosi,

Freunde von mir erleben das zur Zeit auch so. Sie suchen allerdings auch in den beliebtesten Stadtteilen einer ohnehin schon beliebten Großstadt bei eher geringem Budget. Da ist die Konkurrenz vermutlich am größten.

Ich persönlich hätte keine Lust gehabt, mich in so eine Schlacht zu stürzen, zumal es dabei ja auch um eine Menge Geld geht, die ich investiere. Da möchte ich in Ruhe überlegen können, ohne zig Konkurrenten im Nacken zu haben. Ich hätte einfach zu viel Angst gehabt, dass ich irgendwann einfach kaufe, weil ich endlich mal Glück hatte, ohne dass es wirklich die richtige Wohnung für mich ist.

Ich habe neu gekauft, was aber auch heißt, dass vom ersten Interesse an diesem Bauprojekt bis zum Einzug letztlich zweieinhalb Jahre vergangen sein werden. Dafür bin ich mir ziemlich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und hatte alle Ruhe der Welt. Allerdings waren auch dort die begehrtesten Wohnungen innerhalb von Tagen vergeben. Aber ich wusste wenigstens vorher, dass ich dort kaufen wollte und konnte eben auch erst mal einige Wochen kostenlos reservieren, bis zur endgültigen Entscheidung.

Wenn Neubau aus finanziellen Gründen nicht in Frage kommt (wobei es in weniger zentralen Lagen normalerweise durchaus noch bezahlbare Angebote gibt), hilft nur Ausweichen auf weniger begehrte Lagen (die deshalb nicht unbedingt unattraktiver sein müssen, man muss halt seine Bedürfnisse genau analysieren) oder sich eben dem Kampf stellen.

Gruß,

Malina

nemosi
16.11.2011, 21:11
Vielen Dank Euch allen für Eure Rückmeldung! Schneller werden, ja. Diesmal war es einfach Pech. Mein Bauch - und meine Vernunft! - sagen mir sowieso, dass die Immobilienpreise in dieser Kleinstadt derzeit völlig überzogen sind. Wenn wir unser Eigenkapital anlegen und mit den mageren 2-3 Prozent verzinsen, die es momentan gibt, dann können wir von den Zinsen schon fast eine 3-Zimmer Wohnung mieten - und Nebenkosten hat man hier wie dort, und als Mieter nichts am Hut mit Instandhaltung etc. Natürlich kann man eine Mietwohnung nicht mit einem Haus vergleichen...

Ich habe jetzt noch eine Geschichte gehört, wo mehrere Leute sich beim Kaufpreis gegenseitig überboten haben - weit über den vom Verkäufer ursprünglich verlangten Preis hinaus. Bei den Preisen, die dort gezahlt werden, wird mir schwindelig. Sie liegen locker 50 Prozent über denen in der Kleinstadt, wo wir aktuell wohnen. Die Löhne und Gehälter liegen dort sicher nicht 50 Prozent über den hiesigen.

Ein älteres Haus sanieren und umbauen oder selbst bauen ist auf die Entfernung nur schwerlich zu bewerkstelligen. Da sollte man doch jeden Abend selbst mal auf der Baustelle vorbei schauen.

Zum Glück stehen wir nicht unter Druck.

Es grüßt nemosi

Malina70
17.11.2011, 10:28
Ein älteres Haus sanieren und umbauen oder selbst bauen ist auf die Entfernung nur schwerlich zu bewerkstelligen. Da sollte man doch jeden Abend selbst mal auf der Baustelle vorbei schauen.


Bei einem Haus mag das anders sein. Aber bei meiner Wohnung war ich in dem Jahr seit Baubeginn vielleicht 10mal in der Wohnung, um etwas zu begutachten oder zu besprechen und habe die meisten Dinge inzwischen geklärt. Und die Termine konnte ich auch alle gut mit meinem Job vereinbaren. Wenn man über einen Bauträger kauft, hält sich der Zeitaufwand schon in erträglichen Grenzen. Aber natürlich muss man auch da ein Objekt finden, das einem zusagt, auch von der Lage her.

Ich würde den Markt einfach weiter beobachten und keine Option von vornherein ausschließen.

Gruß,

Malina

Opelius
17.11.2011, 10:44
"Bereits ein halbes Dutzend Leute zur Besichtigung, von denen zwei uns regelrecht bedrängen, es ihnen zu verkaufen...".

Man kann nicht so ganz ausschließen, dass dieses "Verkaufsargument" bei schwer zu verkaufenden Objekten gerne angewandt wird, um unschlüssige Käufer zu sehr schnellen - und damit nicht vollständig überdachten Entscheidungen zu zwingen.
Schwer verkäuflich kann sein sein: der Preis ist definitiv überteuert, die Nebenkosten der ETW sind derart hoch, dass es eine Zweitmiete wäre, oder in dem Haus oder in seiner Umgebung richtige Stinker wohnen oder Lärmbelästigung zu nicht vermuteten Zeiten die Regel sind.
So schwer es fällt - vor allem, wenn man eigentlich ganz begeistert ist - sollte man sich die Zeit nehmen mindestens drei Nächte darüber zu schlafen, nachdem man sich die Umgebung der Wohnung auch einmal am frühen Morgen, am späten Abend und an einem Wochenende zu Gemüte geführt hat. Vielleicht findet man auch mal einen redseligen Nachbar in der Straße, der einem über die Zukunft des Viertels etwas sagen kann: die Straße wird eine Umgehungsstraße, ein Einkaufszentrum ist geplant, der Kindergarten und die Grundschule wird demnächst dicht gemacht.
Denn einmal gekauft heißt Jahrzehnte lange einen Haufen Schulden an der Backe zu haben und alle Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

holly213
21.11.2011, 17:00
Hallo nemosi,

ich fand deinen Titel "Schlacht ums Eigenheim" sehr treffend, denn ich habe es damals beim Hauskauf auch genau so empfunden.

Am heftigsten tobt die Schlacht in begehrten Ballungsräumen, und dort im Segment "beste Lage, noch bezahlbar/selbst ansparbar".

Ich kenne sogar Leute, denen am Morgen des Notartermins die Immobilie noch abgesagt wurde, weil sich ein anderer gefunden hatte, der nochmal 5.000 Euro mehr bot.

Meiner Erfahrung nach braucht man einen langen Atem und muss viele Objekte besichtigt haben, bevor es klappt. Entweder kennt man dann alle Tricks, um oben auf der Liste zu stehen. Oder man weiß bei einem Objekt sehr schnell, auf welche neuralgischen Punkte zu achten sind/ob es in Frage kommt/die Finanzierung passt. Dann kann man auch schnell zuschlagen.

In unserem Fall haben wir fast 2 Jahre gesucht und waren entsprechend entnervt. Dann der Zufall: Bei einem neuen fertigen Bauträgerhaus, von dem wir die Pläne schon kannten, war der Familie im letzten Schritt die Finanzierung geplatzt. Wir haben samstags besichtigt und montags gekauft.

nemosi
21.11.2011, 20:40
Hallo,

mit Interesse lese ich Eure Beiträge und wenn Ihr mich sehen könntet... bei manchen Sätzen muss ich ganz heftig nicken. Ja, eine gute Portion Glück gehört wohl dazu.

@ Holly: Du sprichst von "neuralgischen Punkten", auf die zu achten ist. Was genau meinst Du? Und welche "Tricks" gibt es, um oben auf die Liste zu gelangen - außer noch einmal 5.000 Euro mehr zu bieten?

Im Moment steht mir nach "Spielen" wie Überbieten noch nicht der Sinn. Dafür suchen wir vielleicht noch nicht lange genug und hatten auch noch nicht zu viele Frust-Erlebnisse.

Eigentlich könnte ich auch noch ein paar Jahre zur Miete wohnen, wenn mir mein Mann nicht wegen drohender Geldentwertung etc. pp. in den Ohren liegen würde...

Es grüßt nemosi

Fender
22.11.2011, 10:35
Eigentlich könnte ich auch noch ein paar Jahre zur Miete wohnen, wenn mir mein Mann nicht wegen drohender Geldentwertung etc. pp. in den Ohren liegen würde...

Das ist ein Scheinargument.

Momentan ist aber genau deswegen das Immobilien-Segment dermaßen in Unordnung geraten. Auch, weil viele das "historische Zinstief" nutzen wollen, oder durch dasselbe erstmals überhaupt an den Erwerb einer Immobilie zu denken können meinen.
Allerdings hat die dadurch gestiegene Nachfrage auch das Angebot verknappt und dies wiederum die Preise nach oben getrieben. Einfache Marktgesetze.
Prinzipiell ist das also ein "Nullsummen-Spiel".

holly213
23.11.2011, 12:44
Du sprichst von "neuralgischen Punkten", auf die zu achten ist. Was genau meinst Du? Und welche "Tricks" gibt es, um oben auf die Liste zu gelangen - außer noch einmal 5.000 Euro mehr zu bieten?

Im Moment steht mir nach "Spielen" wie Überbieten noch nicht der Sinn. Dafür suchen wir vielleicht noch nicht lange genug und hatten auch noch nicht zu viele Frust-Erlebnisse.



1. Neuralgische Punkte:
Damit meinte ich entscheidende Punkte bei dem jeweiligen Objekt, so dass man ganz schnell weiß, ob es ernsthaft in Frage kommt. So kann man bei der Entscheidung u.U. schneller sein.

Bei uns waren das: nasse Keller/Grundmauern, problematische Nachbarn, Risse in Kaminen, Art der Regenwasserableitung, tragende Wände, Heizungsalter, Nebenkosten - und Makler/Eigentümer die Unterlagen gleich mitbringen lassen. Bei uns kamen z.B. bei höchstens bei 10% der Objekte irgendwelche Nebenkostenbelege rüber.

Wir hätten allerdings nie gekauft ohne Sachverständigenbegutachtung, doch bei den "ernsthaften Objekten" kam er innerhalb von 2 Tagen.

Ich habe allerdings auch Leute erlebt, die quasi blind gekauft haben, sonst ist es nicht zu erklären, dass ein Objekt nach 2 Tagen vom Markt war, obwohl der Makler keine Pläne oder Unterlagen über Nebenkosten hatte.

2. Oben auf die Liste:
Am besten ist Mundpropaganda, damit man gar nicht erst auf die "offiziellen Angebote" angewiesen ist. Zettel mit Gesuch in Briefkästen fast leerer/offensichtlich unbewohnter Häuser und deren Nachbarn (bei uns erfolglos trotz dutzendfach verteilter Flugblätter).

Oder wie bei uns, man hat schon Pläne neuer Vorhaben gesehen, und es steht plötzlich im Netz.

Bei offiziellen Angeboten hängt alles von der Schnelligkeit ab, d.h. jeden Tag checken, sich auf Suchlisten setzen lassen (Internet), auf interessante Anzeigen sofort anrufen und sofort besichtigen. Und dann genau wissen, worauf man zu achten hat und den Sachverständigen schnellstmöglich durchschicken. Wenn die Finanzierung schon steht, kann man dann schnell genug sein.

Viel Erfolg!

nemosi
23.11.2011, 22:39
Hallo Holly,

tausend Dank! Der Beitrag war sehr hilfreich. Ich merke, dass ich mich mit einigen Punkten noch beschäftigen muss. Puh, man kauft so selten im Leben eine Immobilie. Da sollte man sich wirklich etwas Zeit für die Entscheidung lassen - wenn man sie hat.

Es grüßt nemosi

holly213
24.11.2011, 11:31
@nemosi

Gern geschehen :smile:. Viel Erfolg!