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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rechenschaft als "Selbständige"?



Maier_Mueller
03.11.2011, 19:17
Folgendes Szenario: Ich bin selbständig. Mein Geschäftspartner, dessen Produkt ich verkaufe, liefert mir Adressen. Es handelt sich um langfristiges, beratungsintensives Geschäft (geringe Abschlussquote, zwischen Kundenanfrage und Abschluss liegen im Schnitt 16 Monate, hohe Provision).

Mein Geschäftspartner möchte nun, dass ich in unserem Firmenrechner exakt dokumentiere, was ich mit dem Kunden bespreche, welche Wünsche dieser hat und wie weit die Beratung vorangeschritten ist.

ICH betrachte die Beratungsleistung (nicht die Adresse) aber als mein geistiges Eigentum. Ich bekomme kein Gehalt, sondern verdiene nur, wenn ich den Kunden zum Abschluss bringe.

Ich brauche mal Gedankenanstöße, bitte. Wie seht Ihr das? (Gibts dazu sogar eine rechtliche Lage?)

Grüße,

Maier-Müller

Inaktiver User
04.11.2011, 05:09
Das ganze Konstrukt, Du verkaufst sein Produkt und er liefert die Kundenadressen, klingt nicht nach einer echten Selbstständigkeit. Hättest Du laut Vertrag auch die Möglichkeit, ein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers zu vertreiben? Falls nein, würde ich Deine Tätigkeit als Scheinselbstständigkeit einschätzen.

Die Forderungen deines Geschäftspartners stützen diese Einschätzung, er drückt sich um die Kosten, die damit verbunden wären, Deine Arbeitskraft als Angestellter einzukaufen, will aber die Vorteile für sich in Anspruch nehmen.

Wenn Du Deine Selbstständigkeit angemeldet hast, sollte sich die örtliche IHK demnächst bei Dir melden, für die Mitgliedsbeiträge stehen Dir auch ihre Angebote zur Verfügung. Mach Dich dort kundig. Die RVA stellt anhand eines Fragebogens Deine Selbstständigkeit fest, besorge Dir den Fragebogen und schau Dir die Fragen an, dann bist Du schon mal vorbereitet, wenn sie kommen und nur Dein Bestes wollen. :zwinker:

Mr_McTailor
04.11.2011, 07:19
Ich gehe davon aus, dass Du mit Deinem Geschäftspartner einen Vertrag hat, zumindest einen mündlichen. Nachdem, was Du oben schreibst, beinhaltet dieser nicht mehr, als dass Du ein Geschäft vermittelst und dafür eine Provision erhältst.

Sofern in diesem Vertrag nicht die Rede war von Dokumentieren der Kundengespräche, kann Dein Vertragspartner diese Absprache nicht einseitig zu Deinen Lasten ändern. Anders läge der Fall evtl. wenn es eigentlich so vereinbart wäre, aber beide Seiten aus Gründen der Bequemlichkeit bisher darauf verzichtet hätten. Aber selbst dann wäre die Frage, ob daraus nicht eine Art Gewohnheitsrecht abzuleiten ist.

Was würde ich machen?
Plan A - Das Ansinnen des Geschäftspartners zurückweisen
Plan B - Die Dokumentation machen, jedoch auf Basis eines Zusatzvertrages, gegen zusätzliche Bezahlung nach Aufwand.

Die harte Rechnung: Du kalkulierst auf Basis der erfolgreichen Abschlüsse. Musst Du einen Kunden 100 Stunden betreuen, bis der Abschluss zustande kommt und Du dann 24.000 Eur Provision erhältst, ist Deine Stunde 240 Eur wert. Diseen Betrag würde ich in der Verhandlung ansetzen.

Die weiche Rechnung: Auf einen erfolgreichen Abschluss (100 Stunden) kommen 10 Fehlversuche (sagen wir a 50 Stunden). Ergo 600 Stunden für 24.000 Eur. Die Stunde ist also mit 40 Eur anzusetzen.

Irgendwo dazwischen würde ich mich einigen.

jackpot
04.11.2011, 08:16
Arbeitest Du denn noch mit anderen Produkten? Wie überbrückst Du denn die Zwischenzeit?

Confused_27
04.11.2011, 23:20
Die rechtliche Lage zu Deiner Frage finde ich gerade nicht vorrangig, sondern eher das, was
Nathalie1000 anmerkte. Das mit der Scheinselbstständigkeit kam mir auch sofort in den Sinn. Ich hab das jetzt so verstanden, dass Dein Partner Dein einziger dauerhafter Auftraggeber ist. Das kann Probleme geben und ich würde das alles erstmal bissl hinterfragen. Nicht, dass Du am Ende noch die Gelackmeierte:niedergeschmettert:

angie2
05.11.2011, 07:20
Ganz ehrlich?

Klingt so, als ob er genau wissen möchte, wie Du das machst.

Und dann Billigkräfte einsetzen möchte.

Aufpassen!

Mr_McTailor
05.11.2011, 08:30
Meine 5 ct zu den Spekulationen hinsichtlich Scheinselbständigkeit: Die beschriebene Tätigkeit ist die, die im 84 1 HGB für den klassischen Handelsvertreter definiert ist. Der Handeslvertreter kann per Definition gar nicht scheinselbständig sein. Somit kann auch auch keine der hier skizzierten möglichen Folgen eintreten.

Nach einer relativ engen Definition (keine eigenen Angestellten über 400 Euro und alle bzw. 5/6 der Einkünfte kommen von einen einzigen Klienten) kommt "arbeirnehmerähnlicher Selbständiger" in Frage. Das hat aber als einzige Konsequenz, dass der Selbständige in die Rentenversicherung einzahlen muss. Und vielleicht macht die TE ja genau das. [Nachtrag:] Oder hat als Existenzgründerin die Option in Anspruch genommen, sich für die ersten drei Jahre von der RV-Pflicht befreien zu lassen.

Maier_Mueller
10.11.2011, 07:48
Guten Morgen :smile:

Ohne die Antworten jetzt mehr als überflogen zu haben, möchte ich nur schnell Danke sagen. Ich konnte nicht früher antworten, und werde später alles in Ruhe durchlesen.

"Später" kann auch ein paar Tage später sein, weil ich mich jetzt erstmal auskurieren muss.

Liebe Grüße

MM

PS: De Fakto bin ich Handelsvertreterin nach 84 HGB, allerdings habe ich das Wort "Selbständige" bewusst in Anführungszeichen gesetzt, weil ich mich von meiner Seite aus natürlich als selbständig empfinde und das ja auch bin, aber von Seiten meines Unternehmens ist es nichts anderes, als Verantwortung abzuwälzen und trotzdem versuchen, Weisungen zu erteilen und größtmöglichen Einfluss auf die Arbeitsweise der Selbständigen auszuüben. Nach meinem Infarkt vom Samstag überlege ich gerade, ob ich das alles so überhaupt noch will.