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Inaktiver User
21.01.2006, 23:07
An manchen Tagen macht sie mir Angst - sie springt mich an, aus dem Hinterhalt, umklammert mich und läßt sich nicht abschütteln. Meistens dann, wenn ich sie gar nicht gebrauchen kann, wenn ich meine Gedanken brauche für andere Dinge, für Dinge, die lebendig sind. Meinen Job verrichten, den Haushalt, DA sein - und nicht versinken in trüben Gedanken.

Dann wieder gibt es die Phasen, da habe ich sie -scheinbar- im Griff. Über Tage, manchmal sogar Wochen. Stark kann ich reden über sie, mich ihr stellen, ihr nicht nachgeben.

Und manchmal kann ich mit ihr handeln, einen Deal eingehen, sie bitten, ein andermal wieder zu kommen, mich für den Moment zu verschonen, ich kann sie beiseite schieben. Aber da ist sie immer.

Ich hab mich verändert mit dieser Trauer. Sie kam von heute auf morgen in mein Leben und sie hat sich eingenistet, ist nie wieder gegangen. Ich hab gegen sie angebrüllt, mit aller Kraft, ich hab sie angefleht, wieder zu gehen und dann wieder hab ich sie urplötzlich herbeigesehnt, wenn sie mir zu lange meine Ruhe gelassen hat.

Mein Leben ist anders mit der Trauer. Aber es ist auch "reicher". Ich bin sensibler geworden, empfänglicher für Stimmungen, für die Gefühle meiner Umgebung. Ich habe durch und in meiner Trauer Menschen kennengelernt, die mein Leben sonst nie gekreuzt hätten. Ich habe Gespräche geführt, die mir nie möglich gewesen wären, ich habe Gefühle erlebt, die mir heute unendlich viel wert sind. Ich habe Freunde verloren, die überfordert waren mit meiner Trauer, mit meinen Gefühlen. Weggefährten, die sich abgewandt haben, die mit meiner Mut- und Kraftlosigkeit nicht umgehen konnten, denen ich Anst gemacht habe mit meinen Tränen, mit meiner Verzweiflung und der Angst in meinen Augen.

Die Trauer ist im Laufe der Jahre ein Teil von mir geworden. Sie gehört in mein Leben - manchmal mehr, immer öfter weniger. Seit ich sie akzeptiert habe als ein Teil meiner selbst, macht sie mir nicht mehr gar so viel Angst. An manchen Tagen schaffe ich es sogar, ihr zuzulächeln.

Paula
- mit übervollem Herzen -

Pemaus
23.01.2006, 19:33
Liebe Paula :blumengabe:

Petra mit Claudia

Inaktiver User
23.01.2006, 20:47
:blumengabe:

Mir fehlen die Worte. Ein blöder Satz, aber ich weiß ausnahmsweise nicht ansatzweise, was man zu deinen bewegenden Worten hinzufügen könnte. Außer: fühle dich umarmt.

Inaktiver User
23.01.2006, 22:39
Hallo Paula,
wenn Du da wärest, würde ich Dich einfach in den Arm nehmen. Du hast das, was mich seit über 4 Jahren bewegt, in so klare Worte gefasst. Genauso ist es - die Trauer ist ein Teil von mir, eine neue Seite, die zum Leben erweckt wurde, als mein Partner starb. Sie gehört zu mir ebenso wie die Freude, das Lachen und das Wüten.
Ich werde mir Deinen Text aufheben - er tut so gut.
Kranich :zauberer:

Eva39
24.01.2006, 14:34
Liebe Paula,

ich hatte auch einmal das Gefühl eines "übervollen Herzens". Nachdem ich Tim tot geboren hatte, habe ich in einer Therapie schließlich eine große, filigrane Schale getont, die die Form einer Muschel hatte. Dort hat des Inhalt meines übervollen Herzens Platz und Raum gefunden.

Alles Liebe!

Eva

Inaktiver User
30.01.2006, 15:51
Hallo Paula und alle anderen,

Paula, ich kann alles nachvollziehen. Genau so, wie du es schreibst.
Bei mir kommt - jetzt ist es zwei Jahre her - noch einiges andere dazu:

Ich bin klarsichtiger geworden. Ich trenne sehr scharf Wichtiges von Unwichtigem und bin dabei nicht gerade zimperlich. Ich bin darin manchmal auch unleidlich, denn andere finden ja bestimmte Kleinigkeiten im Moment gerade "wichtig".

Es ist mir durch den Tod klar geworden, dass es wichtiger ist, den Moment der Liebe zu sehen und hervorzulocken, als den Moment des Augen-verdrehens in die Länge zu ziehen. Jeder Mensch hat bestimmte Eigenschaften, und diese Eigenschaften sind manchmal sensationell, toll und erwünscht, in anderen Momenten absolut nervig. Ich versuche, jetzt, jeden Menschen so zu lieben, wie Gott ihn gemeint hat. Nicht das Negative betonen, etc etc.

Aber es gelingt mir natürlich nicht wirklich besser als vorher. Wenn jemand nämlich sich mit Oberflächlichkeiten aufhält (oder mich aufhält???) werde ich regelrecht garstig. Böse geradezu. Nicht, weil ich den Verlust nicht verschmerze, sondern weil ich die Art zu leben nicht mehr haben kann...

Wer hat das hier noch geschrieben... ungefähr so: "Dieses Erlebnis hat mich sehr früh sehr weise gemacht und ich passe jetzt manchmal nicht zu den anderen Menschen..."

So kommt mir das vor.
Der Tod hat mich sooo nah an das Leben gebracht.
Einerseits.
Und entfernt mich seltsamerweise ebenso davon.

Wo soll das nur hinführen?

amaruschka
31.01.2006, 12:44
Hallo Zitronenmond,

Besser hätte ich es nicht sagen können:

"Der Tod hat mich sooo nah an das Leben gebracht.
Einerseits.
Und entfernt mich seltsamerweise ebenso davon."

Genauso empfinde ich die die Erfahrung, die ich jetzt nach dem Tod meiner Mutter mache auch. Ich habe das Gefühl, dass ich die Welt mit anderen Augen sehe und Räume betrete, von denen ich vorher nur geahnt habe, dass sie da sind. Und ich bin noch dabei, sie für mich auszuloten. Ich spüre viel mehr Tiefe und sehe die Liebe als den Kern des Lebens noch viel deutlicher. Aber da ist auch viel Angst, weil ich weiß, dass viele Liebe Menschen diesen Weg noch vor mir gehen und ich ihn eines Tages auch noch gehen werde.

Schade, dass in unserer Gesellschaft so wenig Platz und Raum für diese tiefe Erfahrung ist. Aber es werden einem zum Glück immer wieder Menschen geschickt, die diese Erfahrung auf ihre Weise mit uns teilen können.
Amaruschka

spatz
04.02.2006, 20:07
An manchen Tagen macht sie mir Angst - sie springt mich an, aus dem Hinterhalt, umklammert mich und läßt sich nicht abschütteln. Meistens dann, wenn ich sie gar nicht gebrauchen kann, wenn ich meine Gedanken brauche für andere Dinge, für Dinge, die lebendig sind. Meinen Job verrichten, den Haushalt, DA sein - und nicht versinken in trüben Gedanken.

Dann wieder gibt es die Phasen, da habe ich sie -scheinbar- im Griff. Über Tage, manchmal sogar Wochen. Stark kann ich reden über sie, mich ihr stellen, ihr nicht nachgeben.

Und manchmal kann ich mit ihr handeln, einen Deal eingehen, sie bitten, ein andermal wieder zu kommen, mich für den Moment zu verschonen, ich kann sie beiseite schieben. Aber da ist sie immer.

Ich hab mich verändert mit dieser Trauer. Sie kam von heute auf morgen in mein Leben und sie hat sich eingenistet, ist nie wieder gegangen. Ich hab gegen sie angebrüllt, mit aller Kraft, ich hab sie angefleht, wieder zu gehen und dann wieder hab ich sie urplötzlich herbeigesehnt, wenn sie mir zu lange meine Ruhe gelassen hat.

Mein Leben ist anders mit der Trauer. Aber es ist auch "reicher". Ich bin sensibler geworden, empfänglicher für Stimmungen, für die Gefühle meiner Umgebung. Ich habe durch und in meiner Trauer Menschen kennengelernt, die mein Leben sonst nie gekreuzt hätten. Ich habe Gespräche geführt, die mir nie möglich gewesen wären, ich habe Gefühle erlebt, die mir heute unendlich viel wert sind. Ich habe Freunde verloren, die überfordert waren mit meiner Trauer, mit meinen Gefühlen. Weggefährten, die sich abgewandt haben, die mit meiner Mut- und Kraftlosigkeit nicht umgehen konnten, denen ich Anst gemacht habe mit meinen Tränen, mit meiner Verzweiflung und der Angst in meinen Augen.

Die Trauer ist im Laufe der Jahre ein Teil von mir geworden. Sie gehört in mein Leben - manchmal mehr, immer öfter weniger. Seit ich sie akzeptiert habe als ein Teil meiner selbst, macht sie mir nicht mehr gar so viel Angst. An manchen Tagen schaffe ich es sogar, ihr zuzulächeln.

Paula
- mit übervollem Herzen -



Besser hätte ich es nicht sagen können - meine Mutter ist jetzt schon fast 15 Jahre tot, sie starb mit 46 Jahren, und ich trauere immer noch - mal mehr, mal weniger - und manchmal springt es mich an, das heulende Elend. Und auch ich habe mich von scheinbaren Freunden verabschieden müssen, die das nicht verstanden haben.

Heute ist auch so ein Tag, an dem ich heulen könnte, deswegen verkriech ich mich jetzt aufs Sofa.

Fühlt Euch umarmt und ein bißchen getröstet :blumengabe:,

Spatz

Inaktiver User
04.02.2006, 23:56
Heute hatte ich einen dieser Momente, die ich so sehr fürchte und die so selten geworden sind: ich habe nach dem samstäglichen Hausputz spontan beschlossen, noch in die Stadt zu fahren, ein wenig bummeln, einfach Zeit für mich. Es ging mir so gut, ich hab heute morgen trotz der eisigen Kälte den Frühling riechen können, war voller Elan und Freude.
Und da stehe ich im Kaufhaus, laufe ziel- und planlos durch die Etagen, genieße die Tatsache, daß ich Zeit für mich habe, mein Mann beim Kegeln ist, ich nichts MUSS, nur DARF ... und da ist es plötzlich, ich weiß nicht, was es ausgelöst hat, vielleicht ein Geruch, ein Geräusch, eine Stimme - tiefe Traurigkeit umhüllt mich, nimmt mir für Augenblicke den Atem, ich flüchte mit einer Bluse in eine Kabine, starre in den Spiegel und sehe in Augen, die so dunkel sind, daß ich Angst bekomme. Wie ein Keulenschlag trifft es mich, mit aller Macht hat es mich umgehauen. Ich brauche viele endlose Minuten, bis ich wieder aus der Kabine raus kann, die Bluse weghängen, den fragenden Blicken der bemühten Verkäuferin standhalten, tun, als wäre alles normal. Ziel- und planlos weiterlaufen und versuchen, ruhig in mich hinein zu atmen.

Ablenken. Den Blick richten auf die schöne Dekoration. Auf die neue Frühjahrsmode. In der Kosmetikabteilung meinen Lieblingsduft aufsprühen, das Herzklopfen ignorieren, das beklemmende Gefühl.

Schließlich finde ich mich in der Tiefgarage wieder. Sitze in meinem Auto und weine. Bleischwer hängen meine Schultern nach unten. Fahrt über die B 10 nach Hause, mechanisch, angstvoll. Abstecher zu Mac Donalds, manchmal hilft ein Vanille-Eis mit ganz viel Schokosoße.

Als ich zu Hause in die Einfahrt einbiege, habe ich mich wieder im Griff. Meine Nachbarin läßt gerade ihre Katze rein, lacht mich fröhlich an, lädt mich ein auf einen Kaffee. Ich bin mir sicher, sie hat mein verheultes Gesicht bemerkt, aber sie sagt nichts. An der Art, wie sie mir den Arm um die Schultern legt, ganz sachte und doch tröstend, kann ich spüren, daß sie weiß, wie sehr ich in diesem Moment Ablenkung brauche.

Ich habe den Abend auf dem Sofa verbracht, ferngesehen, in Fotoalben geblättert. Das Alleinsein hat mir gut getan. Meine Katzen saßen bei mir, schnurrend und liebkosend, wie immer, wenn sie merken, es geht mir nicht gut.

Erschöpft bin ich irgendwie. Vom weinen, von der Anspannung. Aber es ist auch eine "gute" Erschöpfung, ich weiß schon jetzt, daß ich wunderbar schlafen werde. Meistens habe ich nach einem so schlimmen Traueranfall schöne Träume, ich sehe es als Belohnung. Die Träume von meinem Kind sind eine Kostbarkeit. Weil sie so selten geworden sind.

In der ersten Zeit nach dem Tod meiner Kleinen habe ich viel geträumt von ihr. Sie war so nah. Es waren tröstliche Träume, aber auch trügerische. Man wacht auf und weiß nicht, was nun Traum und was Wirklichkeit ist. Und die Wirklichkeit ist dann noch schrecklicher als vorher. Irgendwann wurden die Träume seltener. Ich habe sie herbei gesehnt und sie kamen nicht. Ich hab von vollkommen unwichtigen Dingen geträumt, nur nicht von meinem Kind. Als ich aufgehört habe, nur mit dem einen Wunsch ins Bett zu gehen - von ihr zu träumen -, kamen sie wieder, ganz sachte: die Träume.

An Tagen wie heute, wo mich die Trauer einholt, mich in meine Grenzen weist, mich klein macht, mir zeigt, wer der Stärkere ist, da gehe ich in mein Zimmer, an die alte, schöne Truhe meiner Oma. Darin sind meine "Schätze" aufbewahrt. Bevor ich nun zu Bett gehe, stöbere ich ein wenig in meiner Truhe. Die Nase in ein Strickjäckchen drücken, das längst den typischen Geruch verloren hat. Eine kleine Stoffente an mich drücken und darin Trost suchen. Ein Paar rote Lackschühchen streicheln, die mir jetzt, in diesem Augenblick, die Welt bedeuten.

Ich wünsch Euch schöne Träume und danke Euch für Eure Gedanken zu Eurer Trauer und fürs Zulesen.

Paula :blumengabe:

Hagazussa
05.02.2006, 08:12
Guten Morgen, liebe Paula und alle anderen.
Deine Worte sind mir sehr nahegegangen, sie drücken aus, was ich fühle. Mein Sohn Bastian ist am 24.8.05 tödlich verunglückt. Er war 28 Jahre alt. Ich habe noch einen Sohn, Sven, er wird nächsten Mittwoch 31. Der erste Geburtstag seit 28 Jahren, den wir ohne Bastian feiern .... und so werden noch viele solche Tage ohne ihn kommen, vor denen ich Angst habe, Angst, in meiner Trauer zu versinken.
Mein Leben sieht jetzt im Umgang mit meiner Umgebung völlig anders aus, ich bin nicht mehr die brave, nette, was für einige Menschen natürlich nicht verständlich ist. Ich hab gelernt, das zu akzeptieren und lasse diese Menschen los. Dafür sind andere Menschen in mein Leben getreten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und wo Verständnis auf beiden Seiten ist. Das gibt auch wieder Kraft für den Alltag.
Alles Liebe!

Inaktiver User
05.02.2006, 20:03
Liebe Hagazussa,

ja, eine neue Zeitrechnung hat begonnen mit dem Tod Deines Bastis. Das erste Weihnachtsfest "mit ohne". Das erste Silvester. Dein erster Geburtstag. Der erste Muttertag. Und am schlimmsten: der erste Geburtstag ohne das Geburtstagskind. Ganz zu schweigen vom Todestag.

Alles, was gestern noch wichtig war, ist von heute auf morgen unwichtig geworden. Neu gemischte Karten. Das vollkommene Chaos, kein Land in Sicht. Ich kann mich erinnern, daß ich im ersten Jahr nach dem Tod meines Kindes vollkommen orientierungslos durch die Gegend gelaufen bin. Nichts war mir mehr wichtig: Essen, schlafen, leben. Wozu noch das Ganze?
Mir ging es wie Dir: ich wurde anders. Unbequemer. Nicht mehr die lebenslustige Paula, die immer und überall dabei war. Plötzlich war ich "komisch". Hab geweint, ganz plötzlich, ohne Vorwarnung. War untröstlich. Nicht mehr spontan, liebenswert, mittendrin. Ich kam mir vor wie eine Randbemerkung. Das höfliche Nichtmehrerwähnen meines Kindes war unerträglich. Ich wollte ihren Namen hören, wollte reden von ihr, über sie, wollte von den anderen hören, was sie noch über sie wußten. Ich hatte Angst vor dem Vergessen.

Liebe Hagazussa - der Geburtstag von Sven ist der erste Geburtstag ohne Euren Basti. Aber es ist und bleibt der Geburtstag von Sven. Und Basti, der ist sowieso dabei, wenn auch nicht sichtbar ...

Ich schicke Dir eine tröstende Umarmung -

Paula

Inaktiver User
05.02.2006, 21:49
Mir ging es wie Dir: ich wurde anders. Unbequemer. Nicht mehr die lebenslustige Paula, die immer und überall dabei war. Plötzlich war ich "komisch". Hab geweint, ganz plötzlich, ohne Vorwarnung. War untröstlich.
Paula





Liebe Paula, darum beneide ich dich fast *trauriglächel*
Ich habe das nicht "geschafft", war beherrscht, diszipliniert, tröstete meine Mutter und baute sie wieder auf, obwohl ja eigentlich sie (!) mich hätte trösten müssen, denn es war ja mein Kind, das gestorben war. Naja, er war/ist auch ihr Enkel und Recht auf Trauer haben alle, doch ich hätte mir gewünscht, meine Mutter wäre fähig gewesen, mich, ihre Tochter, ein wenig zu trösten und zu stärken.
Auch habe ich fast nie spontan meinen Tränen und Schmerzen nachgegeben, aus Rücksicht auf "die anderen".
Das hat mich dann richtig krank gemacht.
Einmal nur, ein einziges Mal, habe ich meinen Schmerz hörbar werden lassen. Mein armer Hund lief vor mir weg.
Danach war ich ganz weich und müde und es tat soooo unendlich gut.
Leider konnte ich das nicht wiederholen.

Das habe ich noch nie erzählt.



Liebe Hagazussa, dir und Paula schicke ich mein Mitgefühl, meine Herzenswärme und ein "ich-verstehe-euch-so-gut"


Lavendelmond

amaruschka
04.03.2006, 17:35
Hallo all Ihr Lieben, wenn ich traurig bin, denke ich oft an diesen Strang - und es tröstet mich zu wissen, dass es Menschen gibt, die so bewusst mit ihrer Trauer leben und die wissen, dass es noch lange und oft weh tut.

Gestern hatte meine Tochter ihren fünften Geburtstag. Ich dachte viel an die Geburt und das ganze Glück. Und ich dachte an meine Mutter, die jetzt ein halbes Jahr tot ist. Sie hat damals bei der Entbindung noch im Krankenhaus angerufen und hat mir gesagt, dass sie ganz fest an mich denkt. Ich vermisse sie sehr und es tut mir weh, dass ich mich nicht von ihr verabschieden konnte. Sie ist so unglücklich und einsam gestorben und ich konnte nichts tun.

Meine Tochter ist heute für fünf Tage mit ihrer (anderen) Oma weggefahren. Ich spürte beim Abschied, dass in mir eine tiefe Angst sitzt. Die Angst, sie zu verlieren, gerade weil ich sie über alles Liebe. Die Angst, vor Verlust und Loslassen. Ich habe es in meinem Leben schon oft und schmerzlich erlebt und weiß, dass wir alle auf dünnem Eis leben, dass so schnell bricht... Jeder Tag ist ein Geschenk. Morgen kann es anders sein. Manchmal kann ich das gut aushalten und den Reichtum spüren, der auf der anderen Seite liegt. Und manchmal tut es nur weh, zieht mir den Boden unter den Füßen weg und zeigt mir, wie allein jeder Mensch eigentlich ist.

Immer wieder schöpft mein Herz und meine Seele neue Hoffnung und fühlt sich wieder getragen. In diesem Gedicht von Rilke ist es für mich sehr treffend ausgedrückt:

"Wäre es möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen, als unsere Freuden.
Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes.
Unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt."
R.M. Rilke

Ich schicke euch alle liebe Grüße durch die stille Winterlandschaft (bei uns schneit es und schneit es und schneit es...)
Amaruschka

Inaktiver User
05.03.2006, 20:33
Vorletzte Woche haben wir in einer sehr schönen und bewegenden Trauerfeier ein zweites Mal Abschied genommen von unserer Tochter.- Nach fast 13 Jahren wird ihr Grab aufgelöst bzw. das Grab ihrer Urgroßeltern, in dem sie liegt. Für mich war diese Abschiedsfeier unendlich wichtig und ich habe mich gefreut, daß viele Menschen unsere Kleine nach diesen vielen Jahren nicht vergessen haben.

Was jetzt vor mir liegt, ist ein Leben "ohne". Ein Leben ohne das Grab, die Stätte, die mir über viele Jahre so unendlich wichtig war. Zufluchtsort, Ort hunderttausender von Tränen, Worten, Gedanken. Dieser beruhigende Ort auf dem Friedhof, zwischen hohen Bäumen und Büschen. Im Sommer beruhigende Kühle, Vogelzwitschern, Geruch der feuchten Erde, der frischen Blumen, süße Schwere. Im Winter das beruhigende, einheitliche Weiß, mit grünen Farbtupfern und brennenden Kerzen. Das Laufenlassen der Gedanken, die Selbstverständlichkeit der Tränen, nicht Nachdenkenmüssen, einfach nur ein Ort, seiner Trauer nachzugeben. Zufluchtsstätte an dunklen Tagen. Die Möglichkeit, meiner Kleinen einen Strauß zu bringen, frühlingshell, sommerwarm. Ort des Gehenlassens, das Rückgrat einen Moment lösen, nicht aufrecht gehen müssen, klein sein dürfen. Nichts runterschlucken und verbergen, sondern einfach das rauslassen, was an die Oberfläche möchte. Nur beobachtet von den Vögeln im hohen Grün der Bäume. Die Hände greifen lassen in das feuchte, kühle Erdreich. Was tue ich ohne diese Zuflucht?

April - bald kommt der April. Dein Geburtstag und zwei Tage später Dein Todestag. Erinnerungen ... an die Geburtstagstorte, die Spielsachen, Deine staunende Glückseligkeit angesichts der lachenden Menschen um Dich herum. Fröhliche Gesichter, die nur zwei Tage später erstarren in Trauer und Fassungslosigkeit. Der April, Schicksalsmonat. Nie war ich glücklicher, nie trauriger als in diesem Monat. Möchte ihn löschen aus meinem Kalender, möchte vom März in den Mai eintauchen, einfach so. Vergessen, daß es diesen Monat gibt, den 2. April feiern, Deinen Geburtstag, den 4. April auslöschen, Deinen Todestag. Die Zeit dazwischen konservieren, unvergänglich machen. Immer ein krauses Näschen vor mir sehen und Sommersprossen, die nur für mich leuchten, unendlich lang.

Was kommt jetzt? Eine neue Zeitrechnung. Der Stein findet seinen Platz bei uns im Garten, unter dem alten Baum, da, wo die Kätzchen begraben liegen und Pucki, der Wellensittich. Wunderbarer Platz im Schatten, nur für mich erkennbar - und so wichtig. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine Tränen - sie wohnen irgendwo da oben in der unendlichen Weite - bei Dir. Bei der kleinen, süßen Maus mit den vielen Sommersprossen und dem krausen Näschen. Kein Grab mehr, aber einen Platz in meinem Herzen, ganz unendlich weit.

Das Herz übervoll, randvoll und voller nicht endender Liebe,

Paula

Pemaus
06.03.2006, 08:15
Liebe Paula,
mir fehlen einfach die Worte zu diesem sooo liebevollen von Herzen kommenden Beitrag. Nur soviel, ich kann dich soooo gut verstehen. Fühl dich von mir ganz lieb umarmt. :blumengabe:

amaruschka
06.03.2006, 13:59
Liebe Paula, danke, dass du uns so intensiv teilhaben lässt an deiner Liebe und deiner Trauer, die so dicht zusammen gehören und unser Leben umspannen. Das wird in deinen Texten immer so deutlich. Ich denke sehr an dich und fühle mich dir verbunden. Gerade muss ich ein bisschen weinen und spüre Trauer und Dankbarkeit.
Traurigdankbare Grüße
Amaruschka

Inaktiver User
10.03.2006, 00:05
Ach Mensch, Paula, gerade war es mir fast so, als wenn ich deine Kleine da zwischen den Wolken hab vorlugen sehen.
Danke für diesen schönen Beitrag!

Wir haben auch in diesem Jahr gemeinsam den Geburtstag von meinem verstorbenen Freund gefeiert. Es kommen jedes Jahr mehr Leute. Nächstes Jahr wollen wir zusammen Musik machen - auf seinen Geburtstagen wurde immer zusammen Musik gemacht.
Das ist ein wichtiges Ritual geworden. Schön ist das und immer so, als wenn er dabei ist. Nein, falsch. Nicht "als wenn". Er ist dabei.

Hagazussa
26.03.2006, 10:10
Liebe Lavendelmond! Danke für deine mitfühlenden Worte - gerade was deine Mutter betrifft, geht es mir ähnlich! Statt Mitgefühl von ihr zu bekommen, soll ich sie wohl trösten und dazu fehlt mir die Kraft! Das versteht sie aber nicht und so ist die Stimmung zwischen uns angespannt und belastet mich zusätzlich.
Was mich auch sehr belastet, dass nicht über meinen Sohn gesprochen wird, auch nicht von mir selber, ausser wenn ich alleine bin. Aber vielleicht kommt das noch. Ich komme mir vor wie in einem fremden Land, ich kenne den Weg nicht, verstehe die Sprache nicht ... Aber es gibt auch immer wieder Zeiten, wo es mir wieder gutgeht: wenn ich mit Liebe an Bastian denke! Ausserdem ist mein Sohn Sven so rührend und liebevoll für mich da, animiert mich dazu, rauszugehen, besucht mich mit seiner Freundin, das alles hilft mir, mich immer wieder dem Leben zuzuwenden. Wenn du magst, erzähl mir doch von deinem Kind! Alles Liebe Charlotte

Hagazussa
26.03.2006, 10:17
liebe Paula, ich war schon länger nicht mehr hier und habe erst heute deine Antwort gelesen: deine Worte haben mir soooo gutgetan, danke! Es ist genau, wie du sagst! Man fühlt sich wie in einem fremden Land - alles, was bisher wichtig war, woran man sich gehalten hat, ist plötzlich weg. Morgen habe ich Geburtstag ... und mir graut schon davor. Am 6.Mai ist dann Bastians Geburtstag. Er war die Hälfte meines Lebens bei mir, und es kommt mir auch so vor, als ob ich nur noch halb wäre.
Wie geht es dir inzwischen? Ich hab das Gefühl, ich fahre auf der Achterbahn, ein rauf und runter der Gefühle. Es überschwemmt einen förmlich, oder? Für heute liebe Grüsse und ich würde mich freuen, von dir zu hören, Charlotte

Inaktiver User
26.03.2006, 21:15
Vom "Leben mit der Trauer" kann ich im Moment nicht reden, eher vom "Überleben mit der Trauer" - sie hat mich eingeholt, mir gezeigt, wer der Stärkere von uns ist, wer wen beherrscht, eiskalt erwischt, einfach so, von jetzt auf nachher, plötzlich da.
Angstvoll schaue ich jeden Morgen auf ein neues Kalenderblatt. März. Ende März. Bald kommt er, der April. Schicksalsmonat. Der Geburtstag von Alexandra. Um mich herum das pralle Leben, jeder redet vom beginnenden Frühling, von milden Temperaturen, vom Frühjahrsputz, von Ostern, der Sommerzeit, den Wahlen. In mir redet es von meinem Kind und der Tatsache, daß ich noch lange nicht dort bin, wo ich mich wähnte. Der erste Geburtstag ohne ein Grab. Keine Möglichkeit, Dir einen Strauß knallgelber Tulpen zu bringen. Wohin mit meinen Tränen, meinen Sehnsüchten, meiner Trauer? Und wohin zwei Tage später mit meinen Gefühlen? Angstvoll schaue ich in diesen Tagen "nach vorne". Doch wo ist "vorne"? Wo fange ich an und wo höre ich auf?

Alexandra, kleines Menschenkind, hoffnungsvolles Leben. Ein kleines strahlendes Mädchen, meine ganze Welt. Feiste Ärmchen, die sich mir entgegen strecken, braune Kulleraugen und Sommersprossen, feuchtes Knutschemäulchen, Grübchen im Kinn ... ausgelöscht an einem Sonntag im April, einfach so. Ein Moment der Unachtsamkeit und ein Leben voller Lachen und Hoffnung war weg - als hätt es Dich nie gegeben.

Im Moment: ein Herz, bleischwer. Tränen, unterdrückt und heimlich geweint auf der Damen-Toilette im Büro. Heimlich am Abend in der Waschküche. Zwischen 30 Grad- und Kochwäsche, zwischen Katzenfüttern und Essenkochen. Gestohlene Momente der Trauer. Die Welt um mich denkt: alles ist gut und die Welt in mir ist eine andere, als die, die Ihr seht.

Im Augenblick geht es nicht um das LEBEN MIT DER TRAUER, es ist das Überleben.

Ein ziemlich kraftloser Gruß

von Paula mit bleischwerem Herzen

Inaktiver User
26.03.2006, 21:19
Liebe Paula,

ich weine mit dir. Und wünsche dir alle Kraft dieser Welt für einen ganz besonderen Menschen mit einem riesengroßen Herzen.

Deine Basine :blumengabe:.

Inaktiver User
26.03.2006, 22:17
Ach Paula,

das erste Mal Geburstag... ich würde gerne etwas Tröstendes sagen und weiß, dass das nicht wirklich geht.

Was ich aber sagen möchte, ist auch: du musst nicht immer Kraft haben. Dein "kraftloser Gruß" hat mich sehr berührt. Woher soll die auch immer kommen, die Kraft? Kannst du dir nicht ein paar Tage Kraftlosigkeit gönnen? Geht das vielleicht, mal nicht ins Büro zu gehen? Meine Ärztin hat mich einmal in einer schweren Phase einfach eine Woche krank geschrieben. Sie wollte mich sogar zur Kur schicken, aber das wollte ich nicht. Aber immerhin eine Woche Pause von der Kraft war schon viel. Es war eine geschenkte Woche zum weinen und traurig sein und nicht kraftvoll sein müssen. Das geht nicht immer. Geht das nicht vielleicht auch bei dir?

Ich weiß nicht, ob sich das jetzt komisch anhört, aber ich wünsche dir, dass du dir gnädig sein kannst. Hast du noch andere Kinder oder Menschen, für die du "auf der Matte" und kräftig sein musst?

Alles Liebe für dich, auch in kraftlosen Zeiten. :blumengabe:

Inaktiver User
26.03.2006, 22:44
Liebe Paula,

oh ja, diese bittergrauen Tage

Wehr dich nicht dagegen, sei schwach, sei traurig und halte den Ansturm der Gefühle nicht auf,
denn sonst nimmst du dir durch das dagegenanhalten deine letzten Kraftreserven.

Es ist unmöglich, dem auszuweichen.

Aber es ist möglich, diese Welle zu reiten. Laß dich tragen von ihr.
Wir meinen, am Schmerz zu ersticken, aber die Trauer will uns nicht töten.
Die Trauer selbst weiß nicht um unsere bleischweren Herzen, sie existiert einfach.
Sie kommt unweigerlich immer wieder.

Aber sie GEHT AUCH WIEDER

Und jedes Mal wird ihre Wucht etwas geringer...
Anfangs unmerklich geringer,
aber es kommt der Tag, an dem sie zu Besuch kommt und wir öffnen ihr mit einem wehmütigen Lächeln unsere Tür zum Haus unserer Seele.

Sie ist nun einfach Teil unseres Lebens geworden.

Wir werden getragen von Liebe, und kein Blei ist so schwer, dass es nicht getragen werden kann.

Oh ja, wir sind stark, auch wenn wir manchmal "schwach" sind.



Lavendelmond

spatz
31.03.2006, 16:33
Liebe Paula,

oh ja, diese bittergrauen Tage

Wehr dich nicht dagegen, sei schwach, sei traurig und halte den Ansturm der Gefühle nicht auf,
denn sonst nimmst du dir durch das dagegenanhalten deine letzten Kraftreserven.

Es ist unmöglich, dem auszuweichen.

Aber es ist möglich, diese Welle zu reiten. Laß dich tragen von ihr.
Wir meinen, am Schmerz zu ersticken, aber die Trauer will uns nicht töten.
Die Trauer selbst weiß nicht um unsere bleischweren Herzen, sie existiert einfach.
Sie kommt unweigerlich immer wieder.

Aber sie GEHT AUCH WIEDER

Und jedes Mal wird ihre Wucht etwas geringer...
Anfangs unmerklich geringer,
aber es kommt der Tag, an dem sie zu Besuch kommt und wir öffnen ihr mit einem wehmütigen Lächeln unsere Tür zum Haus unserer Seele.

Sie ist nun einfach Teil unseres Lebens geworden.

Wir werden getragen von Liebe, und kein Blei ist so schwer, dass es nicht getragen werden kann.

Oh ja, wir sind stark, auch wenn wir manchmal "schwach" sind.



Lavendelmond



Hallo,

ich möchte mich den Worten von Lavendelmond anschließen, hätte es aber niemals so genau auf den Punkt bringen können. Man muß die Trauer wirklich immer wieder zulassen, auch nach vielen Jahren noch, denn trotz der oft schon "langen" Zeit fehlt einem doch trotzdem die Tochter wie bei Paula oder die Mutter wie bei mir, die vor 15 Jahren im Alter von 46 Jahren an einer heimtückischen Herzerkrankung verstarb.

Und diese bitteren bleigrauen Tage erwischen mich meist hinterrücks und kaum einer versteht, warum ich nach all der Zeit immer noch trauere, "Das ist doch schon so lange her" und "Reiss Dich doch mal zusammen".

Mit Macht hat mich die Trauer überkommen, als ich kürzlich aus der Zeitung vom Tod meiner Großmutter mütterlicherseits erfahren habe, da die Familie meiner Mutter nach ihrem Tod aus unerfindlichen Gründen nichts mehr mit uns zu tun haben wollte.

Erschreckenderweise - für mich - habe ich nicht um meine Großmutter getrauert, ihr Tod hat mich kaltgelassen, sondern ganz intensiv eine ganze Woche lang die Gedanken um meine Mutter kreisen lassen, die sicher gerne noch meinen Mann und mein Kind kennengelernt hätte. Und nun ist nächste Woche einen Tag nach meinem eigenen der Geburtstag meiner Mutter - das wird auch wieder schwer :regen:.

Traurige Grüße

Spatz

Inaktiver User
02.04.2006, 20:57
Zweiter April Zweitausendsechs.
Ich bin schon dankbar dafür, daß es heute nicht regnet, nicht schneit, daß kein trüber und zäher Nebel sich über mich legt und mir noch mehr das Atmen erschwert, als es ohnehin schon der Fall ist.
An Tagen wie diesen weiß ich die sanfte Frühjahrssonne zu schätzen und das Zwitschern der Vögel im Morgengrauen hat gut getan. Früh war ich wach, eigentlich zu früh. Im warmen Bett habe ich die Nähe meines kleinen Katers genossen, der eng an mich gekuschelt schnurrend den Tag begrüßt hat.

Die vergangene Woche habe ich bewußt verbracht. Bewußt mit lieben Menschen. Habe fünfe gerade sein lassen und mich ins Straßencafé gesetzt, einfach so, zwei Stunden lang, Müssiggang, Nichtstun, Gedankenlaufenlassen.

Und ich habe die Gedanken zugelassen, die ich mir sonst verbiete: Was wäre wenn ...
Wie wäre es heute, wärst Du noch am Leben. Welche Frisur würdest Du tragen, welche Musik hören, welchen Beruf hättest Du Dir ausgesucht? Was wäre, wenn dieser Zweite April Zweitausendsechs ein ganz normaler Geburtstag wäre? Was hätte ich Dir geschenkt?

Der Tag ist -fast- vorbei. Wie immer waren es wenige, die Deiner gedacht haben und die mich haben wissen lassen, daß Du in ihren Gedanken weiterlebst. Wie in jedem Jahr habe ich mich an die Hoffnung geklammert, daß hinter dem Läuten des Telefons sich jemand verbirgt, der mir sagen möchte, daß er an Dich -an uns- gedacht hat.

Und wie immer war Deine Patentante zur Stelle -an meiner Seite- und wir haben ein Gläschen auf Dich getrunken. Deine Geburtsstunde -Sechzehnuhrzehn- haben wir dort verbracht, wo Dein Gedenkstein heute liegt -im Garten beim Gartenteich- und der alte, rote Kater, von dem wir nicht wissen, wohin er gehört und woher er kam -plötzlich war er da, an einem wolkenverhangenen Novembertag- saß auf der Mauer und hat uns zugeschaut, als wisse er genau, was wir da tun und warum wir da sitzen, auf der feuchten Erde -neben dem Gartenteich- und warum wir uns an den Händen halten -haltsuchend-. Zur Feier des Tages hab ich ihm ein paar Leckerchen gebracht, dem roten, alten Kater.

Vorhin habe ich mit Deinem Papa telefoniert, liebe Gewohnheit, nach all den Jahren noch. "Hallo Geburtstagskindmama" hat er gesagt und dabei gelacht, wie all die Jahre zuvor auch.

Der Tag ist -fast- vorüber. Bei einer Pizza Salami -mit ganz viel Käse!- werden wir den Tag ausklingen lassen.

Schöner wäre er gewesen, wärest Du da.

Pemaus
02.04.2006, 22:32
Liebe Paula,
ja was wäre wenn? Diese Frage stelle ich mir auch gelegentlich aber die Antwort??? Na ja??? Ich möchte dich einfach ganzzz fest umarmen. :blumengabe:
Dein Schatz kann stolz auf seine Mama sein und sie ist es auch ganz bestimmt, da oben, da wo unsere Kinder sind. Sie haben heute bestimmt ein wunderschönes FEst gefeiert unsere zwei, Seite an Seite, da bin ich mir sicher.

Ganz ganz liebe Grüße
Petra mit Claudia heute besonders nah

amaruschka
03.04.2006, 15:19
Liebe Paula,
wenn ich deine Zeilen lesen, bleibt die Welt immer für einen kleinen Moment stehen und Trauer und Liebe ziehen in mein Herz und meine Seele ein. Ich denke oft an dich und deine Tochter und schicke dir ganz viel Frühlingsstrahlen und ein paar Leckerli für den roten Kater...

Gestern war ich auf dem Friedhof an meinem Wohnort. Meine Mama liegt jetzt seit sieben Monaten 400 Kilometer weit weg in Frankfurt und ich konnte nur zweimal ihr Grab besuchen. Es war so lange mit Schnee bedeckt und ich hoffe, dass jetzt der Frühling einzieht und es zart und sanft mit Blüten bedeckt. Ich stand an den Gräbern von zwei lieben Menschen, die ich kannte und habe geweint und gehofft, dass sie weiß, wie oft ich an sie denke. Und dass ich an diesen Gräbern stellvertretend um sie weinen darf. Manchmal denke ich, dass ich sie sehen kann. So als ob sie nur am anderen Ufer steht und mir durch den Nebel des Lebens zuwinkt. Und ich weiß, irgendwann gehe ich auch an das andere Ufer, sie ist nur vorgegangen. Ich wünsche ihr sehr, dass sie jetzt erlöst ist von ihren Ängsten und Schmerzen.
Gestern habe ich am Bodensee Steine gesucht. Daraus möchte ich einen Engel für sie machen. Er soll in unserem Garten stehen und der Ort sein, an dem ich sie suchen und ihr Licht und Liebe schicken kann.
Amaruschka

Inaktiver User
04.04.2006, 22:53
Ich habe die Macht eines Grabes unterschätzt. Nie hätte ich gedacht, daß mir diese Stätte in dieser Form so sehr fehlt. Die Möglichkeit, mich in mein Auto zu setzen, die Autobahn entlang zu fahren, Musik im Ohr, Autobahnraststätte Würzburg, Lavazza Coffe-Shop, Blick hinaus auf die Raststätte, auf die Menschen dort. Ich liebe Raststätten. Man sitzt dort und kann Menschen beobachten, die man garantiert nie wieder sehen wird, ich frage mich, woher sie kommen und warum sie unterwegs sind, gerade an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit.
Die Fahrt zum Friedhof hatte immer so etwas Tröstliches. Ein Ziel vor Augen hatte ich. Bei der dritten Tasse Lavazza-Kaffee wußte ich, daß ich in allerspätestens einer Stunde ankomme. Ein bunter Frühlingsstrauß auf der Rücksitzbank, "Pur" im Ohr, Musik von damals. So lang her.

Das erste Jahr ohne ein Grab, ohne Autobahnfahrt, ohne Lavazza-Kaffee und ohne Ziel. Das erste Jahr mit Deinem Grabstein in meiner Nähe, in unserem Garten. Primelchen hab ich gepflanzt und den ganzen Mittag über Ausschau gehalten nach dem alten roten Kater. Am Nachmittag kam Dein Papa auf eine Tasse Kaffee, nur ein halbes Stündchen, aber wichtig. Ich werde ihn ewig dafür lieben, daß er und ich immer Eltern geblieben sind, wenn wir auch kein Ehepaar mehr sind.

Heute Abend bin ich lange im kühlen Dunkel des Gartens gesessen. Der alte rote Kater saß mit gebührendem Abstand neben mir, hat seine Leckerchen genossen und von Zeit zu Zeit ausgiebig gegähnt. Er hat mich nicht ein einziges Mal angeschaut, aber an der Art und Weise, wie er da neben mir lag, konnte ich erkennen, daß er dort so lange bleiben wird, bis ich das Feld räume.

Deine Todesstunde - Vierzehnuhrfünfundzwanzig - habe ich verpasst. Und ich merke in diesem Jahr zum ersten Mal, daß der Schmerz, der eigentliche Schmerz, milder geworden ist. Zwar haben mich die Tage vor Deinem Geburts- und Todestag sehr gefangen genommen - aber es ist erträglicher als die Jahre zuvor. Vielleicht meine ich es nur, aber ich spüre zum allerersten Mal nicht den Wunsch in mir, alles hinzuwerfen. Du fehlst mir, Dein Grab fehlt mir, aber der Druck auf meiner Brust ist nicht mehr derselbe wie noch vor einem Jahr.

Als ich vor wenigen Minuten einen letzten Blick in den Garten geworfen habe, hätte ich schwören können, den alten roten Kater noch immer sitzen zu sehen. Ich werde ihm morgen eine extra Portion Lachs- und Forelle-Leckerchen rauslegen.

Stille Grüße in die Nacht

Paula

Inaktiver User
07.04.2006, 17:30
Liebe Paula, ich war auf dem Weg zu erstarren.
Als ich jetzt wieder in Deinem Thread mitgelesen habe, sind die gefrorenen Tränen zerschellt und geborsten und ich habe mich und meine Trauer endlich wieder gefühlt.
Hab Dank für Deine wunderbaren Beiträge.
Ich schick Dir eine behutsame Umarmung.
Sontagskatze

Inaktiver User
30.04.2006, 20:33
Zur Zeit habe ich eine Hoch-Zeit. Die vielen Bücher über Trauer, Trauerbewältigung und all die "nützlichen und praktischen Tipps für das Leben danach" habe ich - wie schon unendliche Male zuvor - in die große Kiste im Keller verstaut, wohl wissend, daß ich sie wieder rauskramen werde zu einem Zeitpunkt, den ich in weiter Ferne hoffend erwarte. Ich fühle mich gut und wohl, kann mich freuen an der langsam erwachenden Natur, am quakenden Frosch im Gartenteich, an den Krokussen und an den längeren Tagen.

Ich fühle eine Energie und Kraft in mir, die mich mutig macht.

Sehr gefreut habe ich mich über einen Brief meines Ex-Schwiegervaters, der mich um Erlaubnis gebeten hat, ein Foto meiner Tochter und mir in seiner Familien-Chronik einzubinden, an der er im Moment arbeitet. "Sei so nett, liebe Paula, und erlaube mir, ein Bild meiner ältesten Enkeltochter abzudrucken." - Ich hab geschluckt und mich gefreut über die Worte des alten Herrn. Über dieses "Ich hab sie nicht vergessen".

Ich wünsche allen einen wunderbaren Frühling mit einem ebenso leichten Herzen, wie ich es im Moment habe. So voller Hoffnung und Zufriedenheit ...

Paula

Inaktiver User
30.04.2006, 20:37
Habe eure Beiträge gelesen und bin sehr bewegt!

Inaktiver User
10.05.2006, 19:24
Hallo Paula,

wenn du Lust hast, schreib mir doch mal eine PN - wir können ja auch auf andere Weise kommunizieren, wenn du möchtest. Ich würde mich freuen.

Zitronenmond, heute :heul: und :nudelholz:, aber in den Träumen umgeben von vielen lieben Menschen. :wangenkuss: Wofür ich Gott danke.

Trauriger_engel
14.05.2006, 22:09
Hallo Paula und alle anderen,

ich sitze hier an meine Schreibtisch und Tränen laufen mir übers Gesicht.

Einerseits weil heute ein ganz schlechter Tag für mich ist, und andererseits, weil ich hier Dinge zu lesen bekomme, die mir Hoffnung machen.

Ich habe heute vor zwei Wochen meinen Verlobten durch einen Unfall verloren.
Ich habe vor zwei Monaten meine erste große Liebe wiedergetroffen. Uns beiden war sofort klar, dass es für uns keinen anderen mehr geben würde, und wir für immer zusammengehören. Er hat mich als Mensch vollkommen gemacht. Doch nun ist er nicht mehr da, und ich weiß einfach nicht, wie es im Leben weitergehen soll, wie ich mit dem ganzen Schmerz umgehen soll.

Eure Beiträge zeigen mir, dass man seiner Trauer freien Lauf lassen muss, auch wenn das nicht immer leicht zu sein scheint. Letzte Woche habe ich noch ziemlich gut "funktioniert". Doch seit der Beerdigung am Dienstag kann ich nicht mehr klar denken. Es gibt Momente dank lieber Menschen, in denen ich auch mal lachen kann, bevor dann wieder der dunkle Schleier mich einhüllt. Wie nur damit umgehen? Ich war immer ein starker Mensch, der alle Probleme gemeistert hat. Doch jetzt bin ich furchtbar schwach, und kann nicht damit umgehen.

Trauriger Engel

Inaktiver User
15.05.2006, 00:28
Hallo Engel,

ich habe dir eine PN geschickt.

Inaktiver User
15.05.2006, 08:56
Hallo Trauriger Engel,
schau mal in dein GB :blumengabe:

Vemi
20.07.2006, 13:22
Du schreibst mir aus der Seele liebe Paula!

Ich wünschte ich würde mal wieder von ihr träumen und sie weniger schmerzlich vermissen.

Inaktiver User
22.07.2006, 01:25
Ich habe heute zum allerersten Mal etwas geschafft, was ich für unmöglich hielt. Vielleicht war es der laue Sommerabend, die Gewißheit, vertraute Menschen neben mir zu haben ... ich weiß es nicht. Aber ich hatte einen ganzen Abend lang das Gefühl, ein Arm ist um mich gelegt. Und als mich unvermittelt von einer bis dahin fremden Frau die Frage traf "Und Du, Paula, hast Du Kinder?" - da bin nicht wie sonst erstarrt und habe ein gehetztes "Nein" gemurmelt und mich in Rechtfertigungen ergossen darüber, warum ich keine Kinder habe, um mich hinterher schlecht zu fühlen, schal im Mund, Aluminiumstücke im Bauch, Scham und Ärger über mich selber ... habe ich dieses Mal voller Selbstverständlichkeit gesagt "Ja, ein Mädchen, das leider nicht mehr lebt."

Und voller Verwunderung habe ich festgestellt, daß ich danach weder Aluminiumstücke verspürt habe, noch sonst ein unangenehmes Gefühl sich breit machte in meinem Bauch, in meinem Herzen, in meiner Brust. Es war okay. Ich hab einfach weitergeatmet, der Frau ruhig in die Augen geschaut, die Betroffenheit angenommen und habe das Gespräch fortgeführt -

Zurückgeblieben ist ein Gefühl von Stolz. Ich habe es geschafft, mein Kind nicht zu verleugnen, wie so viele Male zuvor. Der Arm um die Schultern hat mich gestärkt und geblieben ist ein Gefühl von warmen Schokoladenstückchen in meinem Bauch.

Mit ganz viel Zuversicht im Bauch -

Paula

Inaktiver User
22.07.2006, 10:13
Paula :blumengabe:
ich freue mich mit dir !!!

("wessen Arm" das wohl war ? *lächel*)


:Sonne: :krone auf: :prost:



Lavendelmond

rhonja
23.07.2006, 00:24
liebe paula,
gruß von der "fremden person" und sie hat ebenso den moment als etwas besonderes begriffen.

liebe grüße von der fremden person und rhonja :blumengabe:

ness
15.09.2006, 15:47
hey!!!
ich danke euch für dieses forum, für diese möglichkeit an euren geschichten teilhaben zu dürfen und sich so geborgen und verstanden zu fühlen!
Paula, deine Erfahrungen bewegen mich sehr.
ich denke an euch!!!

Emiliana
25.09.2006, 22:55
Paula, was Du erlebt hast ist Inhalt meiner schrecklichsten Albträume. Mit Worten bist Du sicher nicht zu trösten. Und daß Du darüber nachdenkskt, warum Du noch weiterleben sollst, kann ich auch gut verstehen. Eine Lösung kann ich nicht anbieten, nur sagen , daß mich Dein Schicksal sehr berührt, ich denke an Dich und hoffe, das mir Dein Schicksal erspart bleibt. Dicke Umarmung für Dich... E.

Inaktiver User
28.10.2006, 21:08
Mein erster Beitrag in diesem Strang hier - vom Januar 2006 - trägt die Unterschrift "von Paula mit bleischwerem Herzen".

Heute, fast ein dreiviertel Jahr später, ist mein Herz "leichter". Es gibt dafür sehr viele Gründe, die in der Hauptsache darin zu suchen sind, daß ich vieles loslassen MUSSTE und mich zu vielem überwunden habe, kleine und ganz große Schritte, erst unsicher - und dann bewußt in Richtung Lebensfreude, weg von der Trauer. Ich habe mich gelöst von den Trauerforen, von den schweren Gedanken, habe mich zugewandt zu Neuem, habe meine eigenen selbstgesteckten Grenzen überschritten und viel gewonnen.

Diese Worte hier sind meine letzen im Trauerforum, dem ich bewußt den Rücken zukehre. Ich habe hier oft gelesen, habe mich gefreut darüber, daß mit der Zeit auch Stränge entstanden sind, in denen Menschen ein Tier betrauern oder ihre Seele erleichtern über Dinge, die sie bewegen.

Dieser Strang, den ich im Januar eröffnet habe, möchte ich gerne an einem besonderen Tag "schließen".

Als ich vor 13 Jahren im April mit meinem Mann nach einem wunderbaren Ausflug mit dem Zug von Ulm zurück nach Stuttgart gefahren bin, wußten wir nicht, daß sich unser Leben an einem Bahngleis auf dem Hauptbahnhof von einer Minute auf die andere ändern wird. Ich bin an diesem Apriltag ein Stückchen gestorben.
Heute bin ich zusammen mit einer lieben Freundin dieselbe Strecke gefahren. Alles, was mit diesem Ort zusammenhängt, hat seinen Schrecken verloren. Die Gespenster sind weg, es erwarten mich an Bahnhöfen keine Hiobsbotschaften mehr, sondern - so wie heute in Ulm - liebe Menschen und offene Herzen.

Das "Schwarze Trauerkleid", das in dem wunderbaren Gedicht von Renate Salzbrenner beschrieben wird, werde ich wohl niemals ablegen. Ich bleibe mein Leben lang die Mama einer wunderbaren, kleinen Tochter, um die ich immer weinen werde.

All denen, die hier in diesem Forum ein kleines Stück Heimat und Liebe gefunden habe, wünsche ich alles Liebe.

Und den wenigen Menschen, die immer wieder auf die merkwürdigsten Arten versuchen, mich zu verwunden, sei gesagt: Trauer ist nicht gleich Schwäche. Wir Trauernden sind stärker, als Ihr meint. Und so zwingen mich manche Aktionen zu so manchem - doch niemals in die Knie.

Alles Liebe -

Paula
mit Alexandra fest an der Seite

Pemaus
29.10.2006, 10:59
Liebe Paula,
leider gibt es bei den smileys keine Rose mehr. Ich würde sie dir gerne überreichen. Eine Rose für dich und deine Zukunft!!


Viele liebe Grüße und ein großes Danke
Petra

Monkele
29.10.2006, 11:05
Liebe Pemaus,

ich stell sie jetzt mal stellvertretend für dich hin und hoffe, dass das ok ist?!

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

(sind halt ein paar mehr geworden :smirksmile: )

Monkele

Inaktiver User
29.10.2006, 11:11
Liebe Paula,
ich freue mich für dich :yeah:

Ich werde dich hier zwar vermissen, aber deine Worte bleiben uns ja erhalten.
Deine Teilnahme am Trauerforum war sehr wertvoll.
Danke, dass wir dich ein Stück deines (Trauer-)Weges begleiten durften.
Ich denke, wir werden dich jetzt öfter auf der Sonnenseite der Straße erblicken !
Schön... Genieße es :blumengabe:




Lavendelmond

Pemaus
29.10.2006, 12:14
Danke :blumengabe: *grins* (hab sie gefunden, war mal wieder dumm)
LG
Petra

Monkele
29.10.2006, 13:14
war mal wieder dumm

Das würde ich so in keinem Fall sagen! Es fehlte nur noch etwas die Übersicht (über ein zweites kleines Fenster)! :erleuchtung: :smirksmile:

Herzliche Grüße
Monkey

PS: Ausserdem habe ich es sehr gern gemacht, denn mir liegt die Threadautorin wirklich sehr am Herzen!

Madame_butterfly
29.10.2006, 14:06
Mein erster Beitrag in diesem Strang hier - vom Januar 2006 - trägt die Unterschrift "von Paula mit bleischwerem Herzen".
Heute, fast ein dreiviertel Jahr später, ist mein Herz "leichter". Es gibt dafür sehr viele Gründe, die in der Hauptsache darin zu suchen sind, daß ich vieles loslassen MUSSTE und mich zu vielem überwunden habe, kleine und ganz große Schritte, erst unsicher - und dann bewußt in Richtung Lebensfreude, weg von der Trauer. Ich habe mich gelöst von den Trauerforen, von den schweren Gedanken, habe mich zugewandt zu Neuem, habe meine eigenen selbstgesteckten Grenzen überschritten und viel gewonnen.




»Die Seele dein ging auf die große Reise,
doch immer werden wir zwei verbunden sein,
auf eine stille, wundervolle Weise …«
(Edith Heine)

Liebe Paula,

gerade habe ich Deine ‚Abschiedsworte’ gelesen. Natürlich finde ich es sehr, sehr schade und bin auch ein wenig traurig, dass wir Dich und Deine liebevoll stützenden, Mut machenden und weisen Gedanken, Erfahrungen und Gedichte zukünftig nicht mehr hier an unserer Seite wissen. Und doch kann ich Deine Entscheidung mit meinem ganzen Herzen verstehen. Vielleicht hat es sich schon länger angedeutet? Vielleicht, als Du Deinen Avatar geändert und dieses bezaubernde Motiv des »Froschkönig« für Dich gewählt hast? Du weißt, wie sehr ich Deine Worte und Deinen Froschkönig liebe! Und mir kommt es gerade in den Sinn, dass Du uns mit dem Verlassen des Forums von Deiner »Umwandlung« erzählst – und einmal mehr gibst Du uns allen - selbst mit Deinem Abschied - noch ein Stück Wegweisung und Hoffnung an die Hand.

In dem Märchen »Der Froschkönig oder Der eiserne Heinrich«, aus einer vergangenen Zeit, in dem das Wünschen noch geholfen hat, also als zum Schluss hin alles, alles wieder gut wurde, da heißt es, dass sich der treue Heinrich einst so betrübt hatte, als sein Herr in einen Frosch verwandelt wurde, dass er sich drei eiserne Bande um sein Herz hatte legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zerspränge. Als sich sein Herr in den Prinzen, der er war, zurückverwandelte, als also alles wieder gut wurde, da hörte der Königssohn, dass es hinter ihm krachte, als wäre etwas zerbrochen, und er drehte sich um und rief: „Heinrich, der Wagen bricht!“ Und der eiserne Heinrich antwortete ihm: „Nein, Herr, es ist der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen, das da lag in großen Schmerzen, als Ihr in dem Brunnen saßt, als Ihr als Frosch verwunschen wart …“

Nun scheint das eiserne Band, das sich um Dein Herz gelegt hatte, zerbrochen. Deine Liebe und die Deines Töchterchens Alexandra haben Dich »zurückverwandelt ins Leben …« Du hast diese eisernen Bande der tiefen Traurigkeit gesprengt. Wir alle wissen, dass niemals alles wieder gut für Dich wird, die Sehnsucht nach Deinem Töchterchen wird immer bleiben, aber doch bist Du ein Stückweit wieder in das Leben zurückgekehrt. Und das ist schön, das ist wunderbar, das ist Hoffung, Paula! Du hast Deinen Frieden mit Deinem Töchterchen und Deinem Leben und zeigst uns auf, wie wichtig es ist, dass wir es auch wieder mit dem Leben zutun haben müssen, Mut zum Leben finden!

Paula, Du bist einzigartig! Dein Abschied aus dem Forum zeigt uns trotz aller Traurigkeit um Dein Gehen die tiefe Größe Deiner bezaubernden Seele … Und nun geht die Seele Dein weiter auf ihre Reise – doch immer werden wir mit Dir und Alexandra verbunden sein, in einer stillen, wundervollen Weise …

Ich umarme Dich und wünsche Dir weiterhin das Leuchten Deiner und unserer Sterne am Firmament,
ganz innig
Deine Petra :blumengabe::heul:

Monkele
23.04.2007, 20:49
Erinnerung- von Sleipnier (danke an Prinzessin, die diesen Text in einem anderen Thread eingestellt hat)

Oft passieren Dinge die du nicht verstehst.
Man kann sie nicht beschreiben, ein Gefühl das nicht vergeht. Es bleiben so viele Fragen einfach ungeklärt, diese Gedanken kommen immer wieder auch wenn man sich dagegen wehrt.

Immer an diesen
Tagen kommt die Erinnerung, immer diese Fragen wieso, weshalb,
warum.
Dein Herz es brennt, Deine Seele weint Du fühlst dich
allein...

Manchmal wünsche ich mir ich könnte die Zeit
einfach zurückdrehen, mit dir noch einmal lachen dich einfach
wiedersehen.
Doch das Schicksal kann man nicht ändern es ist
nun mal geschehen, man kann die Zeit nicht zurückdrehen, ich
weiß wir werden uns wiedersehen.

Immer an diesen Tagen
kommt die Erinnerung, immer diese Fragen wieso, weshalb, warum.
Dein Herz es brennt, Deine Seele weint Du fühlst dich allein...

Aus verschiedenen Gründen schubse ich diesen Strang hoch.

Bodo, vielleicht liest du ja tatsächlich mal hier?! :blumengabe:

Du hast eine tiefe Spur in meinem Herzen hinterlassen und dafür danke ich dir! Wo immer du auch bist, ich glaube fest an ein Wiedersehen, eines Tages!

In Gedanken so oft bei dir, liebe Freundin

Moni

Monkele
04.09.2007, 22:15
Heute vor einem Jahr, ungefähr um diese Zeit stand ich auf der Terrasse unseres Ferienbungalows und habe mit dir telefoniert und dir zu deinem 37. Geburtstag gratuliert. Die Verbindung war schlecht und doch konnte ich das Lachen im Hintergrund hören, die fröhliche Stimmung kam selbst über das Handy rüber. Wir wurden unterbrochen, aber ich hatte das sichere Gefühl, dass es dir sehr gut geht. Und Heute stelle ich eine Kerze für dich auf. :heul: :heul: :heul:

Ich habe heute versucht mich abzulenken, aber es ist mir sehr schlecht gelungen. Immer war da das brennen in meinen Augen, die Gedanken an dich nur für kurze Zeit verdrängt. Die Nachbarin, die ich an der Bushaltestelle traf hat nichts gesagt, aber dennoch bin ich mir sicher, dass sie meine roten Augen und die "verschnufte" Nase bemerkt hat. Gefreut habe ich mich, dass ich auch eine reale Kerze für dich aufstellen konnte und dies in einer evangelischen Kirche, wo das durchaus nicht üblich ist. Dennoch ist es schwer zu leben mit der Trauer um dich!

Machs gut, liebe Froschkönigin!

Monkele

Monkele
28.10.2011, 12:11
5 Jahre ist es nun schon her! :blume: :blume: :blume: :blume: :blume: Ich denke an dich.


Die Seele dein ging auf die große Reise,
doch immer werden wir zwei verbunden sein,
auf eine stille, wundervolle Weise …
(Edith Heine)

Koma
03.11.2011, 04:03
Schlaflos.

Zwei Jahre ist es her, da kämpftest du gegen den Keim, der sich in deinem Blut eingenistet hatte.
Dein Sterben dauerte zwei Wochen. Schließlich hast du den Kampf verloren.
Dein angstvoller Blick an deinem letzten Lebenstag, bevor du einschliefst, verlässt mich nicht.
Ich denke an dich.
Du bist bei mir.

Monkele
28.10.2016, 10:18
10 Jahre :blume:

katelbach
02.11.2016, 10:38
Seit 15 Jahren stelle ich Dir die Geburtstagsblumen auf Dein Grab.

Monkele
02.11.2016, 11:53
Katelbach, :blume: :in den arm nehmen:

Eisbaer71
23.12.2016, 22:10
Ach Paula,

das Leben mit der Trauer, so viele, die nicht mehr hier sind - ich bin froh euch kennen lernen zu dürfen:
Tim, Paula, Kappu ..... ich hab so viel gelesen und wenig geschrieben hier - und ich denke an den, der mich hier herbrachte - an unsere Weihnachtsreise nach Sizilien - Mandarinen pflücken, 14 Jahre her, ich bin froh Dich bei mir gehabt zu haben - unvorstellbar lange her und doch erst gestern ....!

Monkele
23.12.2016, 23:44
Liebe Eisbär,

neulich kam "dein Lied" und ich habe daran gedacht, wie wir uns hier im Trauerforum vor so vielen Jahren kennengelernt haben. Du hast Recht, viele die wir hier ein Stück auf ihrem Weg begleiten durften, sind nicht mehr auf dieser Seite und doch sind sie in unseren Herzen und Gedanken. :zauberer: Manchmal gibt es "diese Tage", wo uns die Trauer auch nach Jahren hinterrücks überfällt, so wie es ja auch Paula mal beschrieb und doch gehen wir unseren Weg bereichert weiter, denn was wäre denn, hätten wir diese Menschen nie kennengelernt.

:in den arm nehmen: für dich und eine :blume: für D.

Schön, dass es dich gibt! :wangenkuss: