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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hauskauf bei unterschiedlichen Vermögensverhältnissen



nachteule_79
24.07.2011, 20:19
Guten Abend,

mein Mann und ich beabsichtigen, ein Haus zu kaufen, und ich stelle mir einige rechtliche Fragen, bei denen Ihr mir vielleicht helfen könnt.

Er verdient mehr als ich, aber nur, weil ich wegen der Kinder Teilzeit arbeite, sonst wäre das Gehalt sehr vergleichbar. Wir haben keinen Ehevertrag.

Mein Mann hat (vor unserer Hochzeit) geerbt und kann - alleine mit diesem Vermögen - die Hälfte eines typischen Hauspreises in dieser Gegend zahlen. Er hat 5x soviel Eigenkapital in die Ehe eingebracht wie ich. Zusammengenommen würde er etwa 50% eines Hauses direkt zahlen können, ich 10%, der Rest (40%) würde aufgenommen. Die Schulden werden wir aus dem gemeinsamen Einkommen bestreiten. Die laufenden Kosten natürlich auch.

Nicht, dass ich von einer Trennung ausgehe - aber das kommt ja nunmal leider manchmal vor. Sollten wir uns scheiden lassen, und wäre das sehr bald, könnte man sicher sagen, dass mir nur 30% des Hauses gehören (10% plus die Hälfte durch den dann zurückgezahlten Kredits).

Aber wenn wir uns in 50 Jahren trennen sollten :smirksmile: : was ist mit den laufenden Kosten? Irgendwann muss man ja mal ans Dach, dann veilleicht mal neue Fenster oder so... das geht ja alles aus dem gemeinsamen Einkommen.

Mir geht es darum: wenn wir uns in vielen, vielen Jahren trennen sollten, habe ich ja durch die ständigen laufenden Kosten mehr in das Haus investiert als 30%. Aber wie rechnet man das?

Mich interessiert, ob es eine bestimmte Regel gibt, nach der solche Investitionen über die Jahre pauschaliert werden? Oder ob es vielleicht sinnvoll ist, so etwas ehevertraglich zu vereinbaren? (Buchführen über jede Kleinigkeit kommt für mich nicht in Frage, wir reden ja über den - für mich - sehr unwahrscheinlichen Fall einer Trennung.)

Nocturna
24.07.2011, 23:27
Mich interessiert, ob es eine bestimmte Regel gibt, nach der solche Investitionen über die Jahre pauschaliert werden? Oder ob es vielleicht sinnvoll ist, so etwas ehevertraglich zu vereinbaren? (Buchführen über jede Kleinigkeit kommt für mich nicht in Frage, wir reden ja über den - für mich - sehr unwahrscheinlichen Fall einer Trennung.)
Der Besitzanteil am Haus und Grundstück wird bei Kauf notariell festgelegt. Dabei bleibt es dann.

Ich würde an deiner Stelle nur 50/50 akzeptieren. Du arbeitest Teilzeit, aber erstens ist das wohl zwischen euch abgestimmt worden, zweitens erbringst du Leistung für die Familie, nur eben unbezahlt und drittens wirst du vielleicht später deine Stunden wieder aufstocken.


Mein Mann hat (vor unserer Hochzeit) geerbt und kann - alleine mit diesem Vermögen - die Hälfte eines typischen Hauspreises in dieser Gegend zahlen. Er hat 5x soviel Eigenkapital in die Ehe eingebracht wie ich. Zusammengenommen würde er etwa 50% eines Hauses direkt zahlen können, ich 10%, der Rest (40%) würde aufgenommen.
Ich würde das Erbe völlig unabhängig vom Hauskauf sehen, denn das Erbe deines Mannes bleibt ihm, auch wenn er sich scheiden lässt, Erbe wird immer dem Anfangsvermögen zugerechnet. Sprich auch wenn du beim späteren Hausverkauf 50 Prozent vom Haus bekommst, wirst du nicht alles behalten können, denn du hast einen höheren Zugewinn während deiner Ehe gehabt, den du deinem Mann ausgleichen musst.

nachteule_79
25.07.2011, 10:00
Hallo Nocturna,

danke für Deine Antwort! Unsere Einkommensverhältnisse sehe ich genau wie Du - wir haben einvernehmlich beschlossen, dass ich vorübergehend Teilzeit arbeite. Wir betrachten daher unsere beiden Gehälter als gemeinsames Familieneinkommen, egal, wer gerade wie viel beisteuert.

Mir geht es ja um die (bestehenden) Vermögensverhältnisse. Habe ich Dich richtig verstanden, dass beim Notar eine Quote festgeschrieben wird, die aber im Scheidungsfall nicht maßgeblich ist, weil dann stattdessen ausschließlich auf das jeweilige Vermögen zum Tag der Eheschließung abgestellt wird? Dann ist eine solche Quote ja bei Ehepaaren (ohne Ehevertrag) belanglos?

Hast Du eventuell einen Tipp, wo ich sowas nachlesen könnte?

Vielen Dank! :blumengabe:

Nocturna
25.07.2011, 10:22
Mir geht es ja um die (bestehenden) Vermögensverhältnisse. Habe ich Dich richtig verstanden, dass beim Notar eine Quote festgeschrieben wird, die aber im Scheidungsfall nicht maßgeblich ist, weil dann stattdessen ausschließlich auf das jeweilige Vermögen zum Tag der Eheschließung
Du musst das völlig getrennt sehen. Im Kaufvertrag für Haus/Grundstück steht nur lapidar, dass der Verkäufer an Herr und Frau Huber Miteigentum je zur Hälfte verkauft (bei 50/50 Regelung) oder eine andere Prozentregelung 70/30 beispielsweise. Wenn das Haus dann verkauft wird, bekommst du die Hälfte des Geldes, basta.

Die Scheidung ist ein ganz anderes Thema. Dort werden alle Geldsummen aufgelistet und derjenige, der mehr Zugewinn gemacht hat, muss den Betrag ausgleichen.

Nachlesen kannst du im Web unter Zugewinnausgleich oder bei solch weitreichenden Entscheidungen, wäre auch eine neutrale Beratung beim Rechtsanwalt oder Notar eine gute Investition.

Übrigens, nachdem ihr keinen Ehevertrag habt, hast du auf das Erbe deines Mannes zwar keinen Anspruch im Hinblick auf Zugewinn, wohl aber auf dessen Wertsteigerung.