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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PID-ja oder nein? Sinnvoll oder nicht?



Inaktiver User
11.04.2011, 14:38
Mich würde mal interessieren, wie hier die allgemeine Einstellung zur PID ist.
Ich habe gerade wieder einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem unter anderem eine Ärztin mit einer schwerbehinderten Tochter absolut gegen die Legalisierung der PID ist, da diese auf Dauer dazu führen könne, daß Behinderungen immer seltener werden (was meiner Meinung nach nicht von Nachteil wäre) und Behinderte dadurch ins Abseits gedrängt werden.
Ich möchte niemandem zu nahe treten oder provozieren, aber wäre es für Menschen mit Gendefekten nicht eine gute Möglichkeit, gesunde Kinder zu bekommen und könnte man so nicht Abtreibungen bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft vermeiden?

Inaktiver User
11.04.2011, 14:51
Und wo soll deiner Meinung nach der Vorteil liegen, wenn es keine Menschen mehr mit Behinderungen gäbe?

Hoppypoppy
11.04.2011, 14:54
Ich befürchte, das ist ein furchtbar weitreichendes Thema.
Ich wäre in einer idealen Welt dafür, dass jeder selbst entscheiden darf, was er wissen möchte und was seine Konsequenzen sind.
Wer aber garantiert, dass zukunftog kein Druck auf Eltern ausgeübt wird? Und es gibt ja nun nicht nur Behinderungen per Vererbung, sondern auch "angeeignete". Eine Gesellschaft sollte sich offen für alle Formen und Spielarten des Lebens und der Gesundheit zeigen.

Ich habe zwei gesunde Kinder bekommen und bin tatsächlich sehr unentschlossen. Wir leben halt leider nicht in der idealen Welt und irgendwie kommt mir die Legalisierung der PID bei unserer momentanen Gesellschaftsentwicklung wie der erste Schritt zum Designerkind vor.
Ich weiß, wir sind davon noch weit entfernt.... aber mein Bauch grummelt halt.

Piccolo79
11.04.2011, 14:58
hmm...

bei all den schwierigen Abwägungen... Ich wäre FÜR die Legalisierung, wenn auch in sehr, sehr engem Rahmen... Warum?

Bei uns in der Familie gab es einen Fall von Duchenne. Ein vererbbarer Muskelschwund, der IMMER tödlich endet (Herz ist Muskel= wird auch abgebaut in letzter Konsequenz), und das in den allermeisten Fällen deutlich vor dem 20. Geburtstag auf sehr schlimme Weise.

Mir konnte man in der SS nicht sagen, ob ich es vererben kann oder nicht. Unser Baby IST jetzt ein Junge (nur diese können erkranken) und ich HOFFE und bete, dass er gesund ist. Werden aber nicht weiter testen lassen solange keine Auffälligkeiten da sind, da sehr invasiv.

Vor diesem Hintergrund: WÄRE ich mit 100% Sicherheit Überträgerin, dann würde ich DIESE eine Krankleit wahnsinnig gern ausschließen können, wenn es denn legal wäre, eben auch mit PID.

Mir ginge es nun nicht um "leichte Behinderungen" (bitte niemand falsch verstehen), aber um wirklich tödliche, schlimme Erbkrankheiten, die man niemandem "antun" möchte....

Inaktiver User
11.04.2011, 14:59
Und wo soll deiner Meining nach der Vorteil liegen, wenn es keine Menschen mehr mit Behinderungen gäbe?

Wäre es nicht schön, wenn nur noch gesunde Kinder geboren würden?
Ist nicht der Wunsch der meisten schwangeren Frauen meist einfach nur " Hauptsache gesund"?
Wäre es nicht schön, wenn dieser Wunsch garantiert erfüllt werden könnte?

Inaktiver User
11.04.2011, 15:00
Mir ginge es nun nicht um "leichte Behinderungen" (bitte niemand falsch verstehen), aber um wirklich tödliche, schlimme Erbkrankheiten, die man niemandem "antun" möchte....

So würde ich das auch sagen

Inaktiver User
11.04.2011, 15:12
Natürlich wünschen sich alle Eltern ein gesundes Kind.
Ich weiß nicht, ob es gut wäre, wenn sich dieser Wunsch garantiert erfüllen würde.
Ich habe ein behindertes Kind, das ich unter keinen Umständen missen möchte. Bei der PID wäre meine Tochter schon im Vorfeld "wegsortiert" worden, bei diesem Gedanken gruselt es mir...

Ich kann verstehen, was Piccolo sagt. Wenn sich Frauen, dafür entscheiden, weil ihr Kind sonst nicht lebensfähig wäre.
Aber der Grad ist ja ein sehr schmaler...Wer will festlegen, wo die Grenzen sind? Was noch "erträglich" ist u. was nicht?

Wiesenkraut
11.04.2011, 16:10
Piccolo schrieb

Bei uns in der Familie gab es einen Fall von Duchenne. Ein vererbbarer Muskelschwund, der IMMER tödlich endet (Herz ist Muskel= wird auch abgebaut in letzter Konsequenz), und das in den allermeisten Fällen deutlich vor dem 20. Geburtstag auf sehr schlimme Weisemoment mal du meinst doch Muskeldystrophie die von der Mutter auf die Söhne vererbt wird? Mein ältester Cousin ist mit knapp 17 daran gestorben. Meine Cousine war deshalb zur genetischen Beratung als sie nun schwanger war und es wurde eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht. Da bekannt ist wo der Gendefekt liegt (irgendwo auf dem X Cromosom soviel weiss ich noch, aber nicht mehr wo) konnte man das untersuchen. Sie bekommt einen gesunden Jungen.


Ich bin gegen PID, aus Angst was das für Blüten treibt, wo setzt man an, was eine so schwere Erkrankung eine so starke Behinderung ist, dass man dieses Leben für unwert erklärt. Die Kinder selbst kann man nicht fragen, ob sie unter den Bedinungen leben wollen. Es wurde nachweislich schon vor 11 Jahren durchaus nicht nur zur Erkennung von Krankheiten genutzt, sondern auch einfach zur Geschlechtsbestimmung:
Aus Human Reproduction (1 2002)

im Jahr 2001 in 24 Zentren aus 14 Ländern im Rahmen von 412 Zyklen PID-Techniken durchgeführt worden. Davon dienten 78 Zyklen allein der Geschlechtsbestimmung ohne dass ein erhöhtes Risiko zur Übertragung einer vererbbaren Krankheit vorlag! Die Studie nennt das 'social sexing' oder auch 'family balancing'. Die Reproduktionsmediziner wählen im Auftrag der Paare jene Embryonen aus, welche dem gewünschten Geschlecht entsprechen. Was schwere Krankheiten betrifft, macht die Medizin so große Fortschritte. Nehmen wir das Beispiel Mukoviszidose (http://de.wikipedia.org/wiki/Mukoviszidose). Vor 20 Jahren überlebten Erkrankte selten die Pubertät, inzwischen werden sie bei schlechten Verläufen oft 30 bei leichteren erreichen sie fast normale Lebenserwartung.

Wo fängt eine Behinderung an so schwer zu sein, dass sie nicht lebenswert ist? Ich bin Patentante eines Kindes mit Downsyndrom. Eine Behinderung die angeblich so schlimm ist, dass eine Spätabtreibung möglich ist. Mein Patenkind ist was ihr Empathievermögen betrifft ihre Herzlichkeit unschlagbar. Sie lebt in einer Jugendwohngruppe und wird dort auf Selbständiges Leben mit geringer Hilfe vorbereitet.

In einer perfekten Welt in der man noch zusätzlich weiss was die Zukunft medizinsch bringt, würde ich anders entscheiden, nicht um sich gegen diese Kinder zu entscheiden, sondern um sich drauf vorzubereiten ihnen einen möglichst guten Start zu geben. Da es aber darum gar nicht geht sondern um Auswahl eines "erstrebenswerteren" kindes bin ich dagegen.
Nein

Inaktiver User
11.04.2011, 16:18
Wäre es nicht schön, wenn nur noch gesunde Kinder geboren würden?
Ist nicht der Wunsch der meisten schwangeren Frauen meist einfach nur " Hauptsache gesund"?
Wäre es nicht schön, wenn dieser Wunsch garantiert erfüllt werden könnte?

Nein, auf gar keinen Fall, ich fände das eine grauenhafte Vorstellung...

Wie willst du denn "gesund" definieren? Es gibt ja heute schon Untersuchungen, nach denen ein sehr hoher Prozentsatz sagt, ein Kind mit Gaumen-Kiefer-Spalte oder genetischer Disposition zur Fettleibigkeit abtreiben lassen zu wollen, von Down-Syndrom, wo das schon Realität ist, ganz zu schweigen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Welt ohne wie auch immer geartete Behinderungen keine lebenswertere oder glücklichere ist, ganz im Gegenteil. Eine menschlichere so und so nicht.

Wiesenkraut
11.04.2011, 16:28
ich schließe mich da einewiekeine an. Und nein es wollen nicht alle Mütter ein "hauptsache es ist gesund" Kind.
Ich war über 40 als ich das letzte mal schwanger wurde. Nach langer Diskussion haben wir uns gegen jegliche Form von Untersuchung entschieden die darauf ausgelegt ist eine Behinderung festzustellen und JA wir hätten auch ein Kind mit Trisomie 18 bzw 21 ausgetragen, auch wenn die Warscheinlichkeit dass es das 2. LJ erreicht sehr gering ist und nein ich bin nicht besonders christlich:smirksmile:

cheetah2000
11.04.2011, 16:36
Ich verstehe nur nicht, warum Spätabtreibungen legal sind und PID nicht, es ist doch makaber, erst ein Kind entstehen zu lassen und es dann zu töten.

Dann lieber bei bekannten schweren Erbkrankheiten PID anwenden.

Inaktiver User
11.04.2011, 16:38
Bei mir wurde im Mutterpass dreimal eingetragen: Patientin lehnt Pränataldiagnostik ab. Und nicht aus Heldentum, sondern einfach aus Vertrauen ins Leben.

Bachstelze, du schreibst von der Garantie ein gesundes Kind zu gebären: und was, wenn es bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erleidet? Mit zwei Wochen vom Wickeltisch fällt oder eine Infektion bekommt und hinterher behindert ist? Als Schulkind einen Autounfall hat?

Ich denke, man muss sich von der Vorstellung lösen dass es da irgendeine Garantie gibt. Das ist alles eine Scheinsicherheit, die da erzeugt wird, denn selbst wenn du alles und jedes testen lässt was heute geht gibt es immer noch x andere Dinge, die man nicht pränatal testen kann.

Ich frag mich immer, ob das auch allen bewußt ist die da so eifrig am Testen sind und sich dann in einer Sicherheit wähnen, die für mich so trügerisch ist, dass sie mich so und so nicht wirklich beruhigen würde.

Inaktiver User
11.04.2011, 16:42
Ich verstehe nur nicht, warum Spätabtreibungen legal sind und PID nicht, es ist doch makaber, erst ein Kind entstehen zu lassen und es dann zu töten.



Ist es auch.

Ich finde beides schrecklich. Und lehne - ganz persönlich - auch beides ab. Das eine rechtfertigt daher nicht das andere. Man kann auch beides sein lassen.

Wobei Spätabtreibungen wegen der Behinderung eines Kindes illegal sind, das sagt nur niemand dazu. Strenggenommen ist die Indikation niemals die Behinderung, sondern ausschließlich die Gefährdung der körperlichen seelischen Gesundheit der Mutter.

Und das seh ich nicht als Automatismus. Es gibt dazu einen sehr berührenden Film, den ich nur jedem empfehlen kann:

Dokumentarfilm: Mein kleines Kind (http://www.meinkleineskind.de/)

Inaktiver User
11.04.2011, 17:04
Ich könnte kein Kind mit Down-Syndrom oder einer anderen, schweren Behinderung austragen und bei einem inder Familie bekannten Gendefekt wäre ich dankbar für die Durchführung einer PID.
Srenggenommen ist doch eine Fruchtwasseruntersuchung und damit evtl. verbundene Abtreibung bei einer Erkrankung des Kindes auch ein "gnadenloses Aussortieren".

ich sage jetzt mal ganz überspitzt, wenn Vermeidung von Gaumenspalten und Fettleibigkeit die schlimmsten Blüten dieser Untersuchung sind - es gäbe bestimmt schlimmeres.
Die Medizin und die Gentechnik schreiten soweit fort (wir wissen doch bestimmt längst nicht über alle Entwicklungen bescheid), daß auch eine legale Vorabbestimmung des Geschlechtes nicht ewig wird auf sich warten lassen.

Und-ganz ehrlich meine Meinung-was wäre dagegen zu sagen, wenn angeborene Behinderungen auf Dauer verschwänden?
Durch medizinischen Fortschritt konnten doch auch Krankheiten wie Scharlach und Diphterie weitgehend verbannt werden

Inaktiver User
11.04.2011, 17:07
Impfungen u. PDI in einem Atemzug zu nennen, halte ich für ein gewagtes Unterfangen...

Inaktiver User
11.04.2011, 17:12
Warum? Durch diese Erkrankungen oder auch durch Polio konnten auch Behinderungen entstehen, die man durch Eindämmung der Krankheit vermeiden kann.

Inaktiver User
11.04.2011, 17:14
Ich könnte kein Kind mit Down-Syndrom oder einer anderen, schweren Behinderung austragen und bei einem inder Familie bekannten Gendefekt wäre ich dankbar für die Durchführung einer PID.

Das ist zu akzeptieren. Aber ich frage mich schon, was du dann machen würdest, wenn dein Kind während der Geburt geschädigt würde, oder irgendwann später. Da kannst du doch dann auch nicht mehr sagen, ich kann das nicht.

In letzter Konsequenz müsstest du dann auf Kinder verzichten, wenn du dir das nicht zutraust, denn niemand kann dir garantieren dass sie auch nach der Geburt gesund bleiben.


Srenggenommen ist doch eine Fruchtwasseruntersuchung und damit evtl. verbundene Abtreibung bei einer Erkrankung des Kindes auch ein "gnadenloses Aussortieren".

Ja, seh ich auch so. Aber auch das muss ich nicht machen, es ist ja nicht die einzige Alternative zur PID man kann es einfach sein lassen und "guter Hoffnung" sein. Oder auch auf Kinder verzichten. :blumengabe:


ich sage jetzt mal ganz überspitzt, wenn Vermeidung von Gaumenspalten und Fettleibigkeit die schlimmsten Blüten dieser Untersuchung sind - es gäbe bestimmt schlimmeres.

Dann würdest du gern in einer Welt leben, in der deine Mitmenschen alle einer Norm entsprechen müssen um geboren werden zu dürfen?

Gruseliger geht es für mich nicht mehr. :knatsch:

xanidae
11.04.2011, 17:17
Scharlach

ha! von wegen. scharlach gibt es nach wie vor und kinder können mehrfach daran erkranken.


Und-ganz ehrlich meine Meinung-was wäre dagegen zu sagen, wenn angeborene Behinderungen auf Dauer verschwänden?


und wo ist dann die grenze? schon jetzt werden in bestimmten ländern gezielt mädchen abgetrieben oder geburten vorgezogen, damit sie im richtigen sternzeichen geboren werden.

wer setzt die grenze? bei welcher behinderung? menschen mit down-syndrom sind nicht immer geistigbehindert oder herzkrank. ein mensch mit asperger autismus ist wertlos? ein mensch wie stephen hawkings sollte nicht leben, weil behindert?

und mal ehrlich: was sind wir für eine gesellschaft, die menschen aussortiert, die nicht ins 'wunschbild' passen?

ich kann verstehen, dass man ganz allgemein gesprochen bestimmte krankheiten vermeiden will. aber letztendlich vermeidet man dann auch einen menschen.

und wenn ich deine argumentation lese, dann müssten wohl einige der userinnen hier aussortiert werden. da sind bestimmt einige brillenträger darunter.

lara1803
11.04.2011, 17:35
Bachstelze, du schreibst von der Garantie ein gesundes Kind zu gebären: und was, wenn es bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erleidet? Mit zwei Wochen vom Wickeltisch fällt oder eine Infektion bekommt und hinterher behindert ist? Als Schulkind einen Autounfall hat?


.

das ist was anderes, wenn ich aber weiss dass ich ein behindertes kind in mir trage kann ich entscheiden ob ich das möchte oder nicht, wenn mein 2 jähriges vom auto angefahren wird und behindert ist, dann kann ich nicht mehr entscheiden, dann habe ich ein behindertes kind.

ist doch dasselbe wie bei der partnerwahl, wenn ich von anfang des kennenlernens weiss er will kinder und ich nicht, kann ich abstand von der beziehung nehmen, entwickelt sich der kinderwunsch des einen erst innerhalb der beziehung muss ich schauen was ich daraus mache.

aber im vorfeld gehe ich doch keine sachen ein die ich nicht möchte.

lara

Inaktiver User
11.04.2011, 17:46
aber im vorfeld gehe ich doch keine sachen ein die ich nicht möchte.


Das kann aber auch eine PID nicht gewährleisten, die kann dir ja nur sagen, das Kind hat dies oder jenes nicht - deshalb kann es trotzdem schwerstbehindert sein, mit etwas, was sich bislang eben nicht feststellen lässt.

Das ist doch auch nur eine relative Sicherheit und eben keine Garantie auf ein gesundes Kind, und davon wurde ja explizit gesprochen. Und ich fürchte, viele verstehen das tatsächlich so. Von Fällen, wo die Behinderung des Kindes dadurch noch verstärkt wurde, weil es eine Spätabtreibung überlebt hat will ich jetzt noch nicht mal reden - auch das gab es nämlich schon.

Und ich wiederhole auch das nochmal: die Behinderung des Kindes ist keine Indikation für die Abtreibung. Wie ich meine, auch aus gutem Grund.

Es geht einzig und allein darum, ob sich die Mutter dem gewachsen fühlt. Und da muss die Frage erlaubt sein, wie jemand der das nicht ist, seiner eigenen Aussage nach, denn dann hinterher damit umgehen will, im Falle des Falles. Wie geht man denn mit dieser Verantwortung um?

lara1803
11.04.2011, 17:49
ich dachte eine PID sei eine absolute sache. wenn das so ist, finde ich den test für die katze ehrlich.
dann lieber volles risiko.

lara

Inaktiver User
11.04.2011, 17:52
ich dachte eine PID sei eine absolute sache. wenn das so ist, finde ich den test für die katze ehrlich.
dann lieber volles risiko.

lara

Das ist der Punkt: es ist keine sichere Sache im Sinne einer Garantie für ein 100% gesundes Kind. Es können nur sehr wenige Dinge getestet werden, keineswegs alle Ursachen für eine schwere Behinderung.

Talea1982
11.04.2011, 18:16
Das ist ein sehr schwieriges Thema:knatsch:

Meine Patentante hat einen Gendefekt der nur zum Tragen kommt (ich weiss jetzt wirklich nicht welcher), wenn der Partner diesen auch hat. Das Kind, was durch dieses zusammengesetze Gen geboren wird, entwickelt sich realtiv normal bis zu ca. zwei Jahren. Dann beginnt das Kind sich "rückwärts" zu Entwickeln. Es verlernt das Laufen, das Sprechen, die Kommunikation, das Essen bzw. das Schlucken und das Atmen. Sie hat sich selber sehr intensiv um ihr Kind gekümmert, bis zum Schluß!

Nun ist es ja so, dass nicht alle Kinder dieses Gen haben müssen. Ihr erstes Kind war ein Mädchen und es hatte dieses Gen........................... das zweite war ein Junge und ihr drittes hatte es leider wieder und wurde abgetrieben (leider sehr spät, weil die damalige Medizin dieses Gen erst so spät entdeckt hat) und das vierte, wieder ein Mädchen, KERNGESUND. Nun könnte man sagen, warum diese Frau überhaupt Kinder bekommen hat......... Aber wer hat das Recht einem das zu verbieten, gerade wenn die Möglichkeit besteht, dass es doch gesund bzw. auch wirklich lebensfähig ist?

Wenn die Möglichkeit besteht, testen zu lassen ob bestimmte Gene vorhanden sind und man vielleicht da was beheben kann, dann bin ich dafür! Behinderungen an sich sind da nicht mit gemeint! Und vor allen Dingen NICHT für die Geschlechterbestimmung!

Ich habe ja selber keine Fruchtwasseruntersuchung und dergleichen machen lassen, denn im Fall der Fälle hätte ich mich FÜR das Kind entschieden. Bei mir liegt aber kein erblich bedingter Gendefekt vor. Wäre das der Fall, dann würde ich es auch wissen und dann eine Entscheidung fällen wollen:blumengabe:.

Wiesenkraut
11.04.2011, 18:23
Ich könnte kein Kind mit Down-Syndrom oder einer anderen, schweren Behinderung austragensiehste und da wird mir anders. Wie weit hast du dich mit dem Downsyndrom auseinandergesetzt, weisst du dass es Menschen gibt (ok mir sind nur 2 bekannt :pfeifend:) die mit Downsyndrom einen Uniabschluss gemacht haben? Das Downkinder in anderen Ländern ganz normale Regelschulen besuchen und das erfolgreich? Wo fängt für dich eine schwere Behinderung an, da wo die Kinder anders aussehen als das Durchschnittskind (wie bei Downsyndrom?), denn ob dein Kind die Sonderschule oder das Gymnasium schafft, wird ja (zum Glück) nicht getestet werden und das andere Aussehen ist das einzig sichere Unterscheidungsmerkmal bei Downsyndrom. Es gibt oft aber bei weitem nicht immer Organschäden, es gibt oft aber nicht immer Defizite was die Intelligenz betrifft.
Wie stark der intellektuelle Unterschied ist kann dir keiner sagen.n n
Was ist mit Asperger Syndrom (eine Störung die zum Autismuss gezählt wird) man geht davon aus das sowohl Einstein wie Newton wie auch Franklin an Asperger litten.

Parkinson lässt sich genetisch feststellen. Tritt aber nicht im Kindesalter auf. Was ist mit den Kindern die daran mal erkranken. Bestimmte Krebsarten könnte man die genetische Veranlagung feststellen, es ist aber genau so bekannt, dass nicht alle Menschen die das Gen tragen auch erkranken, was ist damit?

Mir machen die Menschen die schon bei Downsyndrom sagen "nee will ich nicht" ganz ehrlich ein bischen Angst. weil ich ein bischen Angst habe, dass sie mit einem Kind das trotz aller Untersuchungen eine Besonderheit hat, nicht zurecht kommen.

jasna
11.04.2011, 18:56
Bachstelze, da hast du ja ein heißes Eisen angepackt...
Ich schreibe sonst in dem Strang mit dem vielsagenden Namen "Die Hoffnung auch nach Jahren noch nicht aufgeben". Habe selbst eine langjährige Kinderwunschbehandlung hinter mir und bin jetzt Mutter von Zwillingen geworden.
Ich möchte euch bitten, in der Diskussion sachlich zu bleiben. Bei der PID, so wie sie in Deutschland diskutiert wird und wie sie von einem Berliner Arzt durchgeführt wurde geht es darum, wiederholte Fehlgeburten oder Totgeburten zu vermeiden.
Das hat mit Designerbabys nicht das geringste zu tun. Diese Frauen wünschen sich nur ein Kind, das lebend zur Welt kommt.
Wie bitter das Erlebnis einer oder gar mehrerer Fehlgeburten sind, könnt ihr gern im oben genannten Strang nachlesen. Und eine künstliche Befruchtung, die ja Voraussetzung für die PID ist, ist auch kein Spaziergang. Das ist eine physisch und psychisch belastende, aufwändige Behandlung, die meistens auch nicht beim ersten Versuch zum Erfolg führt.
Jede medizinische oder technische Entwicklung kann mißbraucht werden, auch die PID. Sie sollte aber dort zur Verfügung stehen, wo sie schweres Leid verhindern kann.
Liebe Grüße, Jasna

Talea1982
11.04.2011, 18:58
Bachstelze, da hast du ja ein heißes Eisen angepackt...
Ich schreibe sonst in dem Strang mit dem vielsagenden Namen "Die Hoffnung auch nach Jahren noch nicht aufgeben". Habe selbst eine langjährige Kinderwunschbehandlung hinter mir und bin jetzt Mutter von Zwillingen geworden.
Ich möchte euch bitten, in der Diskussion sachlich zu bleiben. Bei der PID, so wie sie in Deutschland diskutiert wird und wie sie von einem Berliner Arzt durchgeführt wurde geht es darum, wiederholte Fehlgeburten oder Totgeburten zu vermeiden.
Das hat mit Designerbabys nicht das geringste zu tun. Diese Frauen wünschen sich nur ein Kind, das lebend zur Welt kommt.
Wie bitter das Erlebnis einer oder gar mehrerer Fehlgeburten sind, könnt ihr gern im oben genannten Strang nachlesen. Und eine künstliche Befruchtung, die ja Voraussetzung für die PID ist, ist auch kein Spaziergang. Das ist eine physisch und psychisch belastende, aufwändige Behandlung, die meistens auch nicht beim ersten Versuch zum Erfolg führt.
Jede medizinische oder technische Entwicklung kann mißbraucht werden, auch die PID. Sie sollte aber dort zur Verfügung stehen, wo sie schweres Leid verhindern kann.
Liebe Grüße, Jasna

Genau so sehe ich das auch:blumengabe:

Inaktiver User
11.04.2011, 19:29
Bei der PID, so wie sie in Deutschland diskutiert wird und wie sie von einem Berliner Arzt durchgeführt wurde geht es darum, wiederholte Fehlgeburten oder Totgeburten zu vermeiden.
Das hat mit Designerbabys nicht das geringste zu tun. Diese Frauen wünschen sich nur ein Kind, das lebend zur Welt kommt.


Diesen Wunsch versteh ich durchaus, wie jeder andere wohl auch. Trotzdem bleibt die Frage, ob jeder Wunsch in Erfüllung gehen muss und ob der Zweck jedes Mittel heiligt.

Und das meine ich eben nicht. Ganz grundsätzlich nicht.

Es gibt eben durchaus die Weiterentwicklung des Designerbabies, das z.B. nur geboren wird, wenn es einem bereits lebenden kranken Geschwisterkind dienen kann - dafür werden andere, durchaus gesunde aber nicht passende Geschwisterembryos dann vernichtet. Zum Beispiel. Mir gruselt es da, und auch wenn das kranke Geschwisterkind davon profitieren mag - mit Menschenwürde und Achtung vor dem Leben ist das für mich nicht vereinbar. Das sind Dinge, die sind nicht teilbar im Sinne von: für mich gelten sie, für andere nicht.

Und daher ist das für mich ist eine Frage, die nicht die Betroffenen allein zu entscheiden haben, sondern eine Gesellschaft für sich entscheiden muss.

Wiesenkraut
11.04.2011, 19:35
Wie bitter das Erlebnis einer oder gar mehrerer Fehlgeburten sind, könnt ihr gern im oben genannten Strang nachlesen. Und eine künstliche Befruchtung, die ja Voraussetzung für die PID ist, ist auch kein Spaziergang. Das ist eine physisch und psychisch belastende, aufwändige Behandlung, die meistens auch nicht beim ersten Versuch zum Erfolg führt.

na, aber so weit ich weiss kann es ja auch durchaus nur ein befruchtetes Ei geben und ich möchte beim besten Willen nicht wissen wie belastend es für Frauen die vielleicht die 3(?) von der KK bezahlten Versuche hat und dann wird eine wie auch immer geartete Behinderung festgestellt bei der einen erfolgreichen Befruchtung.


Das hat mit Designerbabys nicht das geringste zu tun. Diese Frauen wünschen sich nur ein Kind, das lebend zur Welt kommt.


dann bräuchten sie diesen Test nicht und wenn du hier liest, das Downsyndrom schon Grund genug ist ein Kind NICHT zu wollen, wollen wohl doch nicht alle Frauen nur ein Kind das lebend zur Welt kommt.


Bei der PID, so wie sie in Deutschland diskutiert wird und wie sie von einem Berliner Arzt durchgeführt wurde geht es darum, wiederholte Fehlgeburten oder Totgeburten zu vermeiden.

das ist zur Zeit noch so. Wer garantiert dir, das es so bleibt? Kannst du sicher sagen, dass die KK (beispielsweise) nicht irgendwann sagen, wir bezahlen eine künstliche Befruchtung nur dann, wenn eine PID gemacht wird und das Kind genetisch gesund ist und dementsprechend keine absehbaren Folgekosten verursacht?
Was ist dann mit den Frauen, die sich zwar künstlich befruchten lassen würden, aber wie z.B ich eine PID ablehnen würden?

Gesetze haben keinen Garantiemodus, sie können jederzeit verändert werden und die vorerst sicherste Methode vor Missbrauch ist es nicht zustande kommen zu lassen.

Wobei ich überzeugt davon bin, das was technisch möglich ist auch irgendwo gemacht wird und Menschen die ein Designerkind möchten dann eben dorthin gehen wo das geht.

DerJunge82
11.04.2011, 19:44
Gesetze haben keinen Garantiemodus, sie können jederzeit verändert werden und die vorerst sicherste Methode vor Missbrauch ist es nicht zustande kommen zu lassen.


Könnte man dieses Argument nicht auch auf die Abtreibung anwenden?

myDara
11.04.2011, 20:18
Erstmal hier eine genaue Definition von PID (ich denke das klärt etwas auf):
Was ist Präimplantationsdiagnostik (PID)?

Unter dem Begriff Präimplantationsdiagnostik versteht man i.a. die Analyse von in der Regel zwei Zellen, die dem mehrzelligen Embryo entnommen werden, um vor der Implantation genetische Anomalien festzustellen oder aber auch das Geschlecht des Embryos zu bestimmen. Nur wenn die Analyseresultate für beide Zellen übereinstimmen und keine genetische Anomalie vorliegt, wird der entsprechende Embryo in den Uterus der Frau transferiert. Die anderen Embryonen werden sofort vernichtet oder für die Forschung verbraucht.

Was ja eigentlich "nichts" anderes heisst als: die guten ins Töpfchen die schlechten ins Kröpchen oder?

Ich PERSÖNLICH sehe es auch so dass es eine sehr schwierige einzelne Entscheidung ist. Muss ich mich ohnehin schon einer künstlichen Befruchtung unterziehen und bekomme dann ein Baby mit sehr schwerem Gendefekt dass nur wenige Monate oder Jahre zu leben hat und das ließe sich verhindern könnte ich mir schon vorstellen dass ich die Untersuchung vorab machen lasse. Aber ich sehe se wie viele hier, wo ist die Grenze zu schlimmer Behinderung oder nicht schlimmer Behinderung? (für mich persönlich habe ich immer entschieden dass wenn das Kind und der Familie trotz der Einschränkund eine gewisse Lebensqualität gewährleistet ist ist es KEINE schlimme Behinderung)

Was mich aber sehr traurig und wütend macht sind solche Aussagen:

Ich könnte kein Kind mit Down-Syndrom oder einer anderen, schweren Behinderung austragen und bei einem inder Familie bekannten Gendefekt wäre ich dankbar für die Durchführung einer PID.

Wenn Trisomie 21 heute immer noch mit einer schweren Behinderung verglichen wird wird mir einfach auch übel!! Weiss der Durchschnitt der Gesellschaft denn bis heute noch nicht was für besonders liebenswerte und glückliche Menschen das sind??? Ich möchte deren Gesellschaft nie und nimma missen!

Auch das PID für Geschlechtsbestimmung hergenommen finde ich katastrophal, für mich einfach ein geschmacksloser Eingriff in die Natur.

@einewieKeine: ich hab den Film "mein kleines Kind" gesehen und musste wirklich sehr viel weinen. Ich persönlich konnte halt nicht nachempfinden ein Kind fertig auszutragen wo ich garantiert weiß es wird in den ersten Stunden nach der Geburt sterben. Für mich wäre es vermutlich so der noch qualvollere Weg gewesen. Aber ich denke die Mutter hat dies einfach gebraucht um mit ihrem Leid und ihrer Geschichte fertig zu werden. Und mutig dass es Frauen gibt die sich solche Geschichten auch erzählen trauen!

Inaktiver User
11.04.2011, 20:40
Ja, der Film nimmt einen sehr mit, ich hab auch geheult ohne Ende. Und trotzdem war da so viel Liebe zu spüren, so viel Achtung und Respekt vor dem Leben. Ich kann es schon nachvollziehen, dass man das als Liebesdienst für das Kind sieht, ihm seine Zeit zu geben, die Möglichkeit, sein Leben zu vollenden.

Ich könnte halt nicht damit leben, den Tod vorsätzlich herbeizuführen. Ich denke, es steht uns nicht zu, das zu tun, ich könnte mir das nicht anmaßen. Und in dem Film war das doch dann sehr friedlich, jedenfalls friedlicher als das Kind durch eine Abtreibung (oder noch grausiger durch den Fetozid mittels Kaliumspritze ins Herz!!) aus dem Leben zu reissen, das finde ich grausam und brutal. Und entbinden muss man es dann genauso, das bleibt sich ja gleich...

Und mich würde eben auch der Gedanke an die "verworfenen" Embryonen umtreiben. Für mich wird da der Kinderwunsch fragwürdig, wenn man einerseits partout ein Kind will, andererseits aber überzählige oder nicht gesunde Embryonen dann einfach vernichtet.

In den USA gibt es ja schon eine Bewegung, wo diese Embyonen dann "adoptiert" werden, um sie zu retten, auch irgendwie merkwürdig. Teilweise werden die dann wenn sie geboren sind wieder zur Adoption freigegeben, es geht nur darum sie vor der Vernichtung zu bewahren.

nana04
11.04.2011, 20:52
hallo

habe mir lange überlegt ob ich wieder mal strang fremd gehen soll....... ich komme aus demselben strang wie jasna, welche sich vorher auch geäussert hat:blumengabe:

was ich auch finde ist, dass sich hier ganz viele sachen mischen und ich im moment unmöglich auf alles eingehen kann.

ich selber bin auch durch eine künstliche befruchtung schwanger geworden - und habe einen kleinen sohn mit downsyndrom geboren.
nun habe ich entschieden nur ganz persönlich zu schreiben und höchstens am rande auf die ganze ethische fragestellung einzugehen - hihi - sonst gäbe es ein roman.

einige der frauen haben sich ja ziemlich negativ über behinderte kinder geäussert - tja - für mich sind solche aussagen, wie ich grad feststelle noch nicht mal mehr schmerzhaft. vielmehr geht mir durch den kopf: sie wissen nicht wovon sie sprechen...... sonst würden sie es nicht so einfach sehen können....
kurz zu lara: auch ich wollte kein 'behindertes' kind - trotzdem habe ich mich gegen eine fruchtwasserpunktion entschieden, da ich es nicht vereinbaren konnte, mir so sehr ein kind zu wünschen, dass ich den schritt zur künstlichen befruchtung wagte - um danach wieder zu selektionieren. tja - zudem kam, dass die schwangerschaft mehr als unauffällig war - inkl. nackenfaltenmessung. also erwartete kein arzt und kein mensch (inkl. mir), dass sich ein kleines süsses und ganz besonderes kind, seinen weg ins leben bahnte....... :wangenkuss::wangenkuss::liebe: und plötzlich war er da - der kleine süsse junge mit dem chromosom mehr im gepäck. nach kurzem ringen - liess ich mich auf die situation ein und sowohl ich als auch unsere umgebung (Freunde, Verwandte) können überhaupt nicht mehr verstehen, weshalb wir anfangs erschrocken sind...... oder soviele sorgen hatten.
ich hatte wohl bilder - vielleicht ähnliche oder die gleichen wie einige von euch - die machen angst, die will man nicht mit dem eigenen leben in verbindung bringen - vieles sind einfach berührungsängste.... und die meisten ängste haben sich nicht bestätigt (nicht mal das er komisch aussieht - er ist nämlich ganz süüüüsss) bis jetzt - im gegenteil - wir erleben eine wunderbare zeit zusammen:pfeifend: meistens - ausser wenn er trotzt, schlechte laune hat, oder krank ist - soweit ich weiss, sind alle kinder mühsam in solchen momenten.
zum glück hat die gesellschaft nicht nur in die selektion investiert - sondern auch in die förderung. so können viele kinder mit leichteren behinderungen irgendwann ganz selbstständig leben:Sonne:
für eltern von kindern mit schweren behinderungen kann ich nicht sprechen - aber ich spreche niemandem mehr ab, dass sein/ihr leben nicht genügend lebenswert wäre bzw. ist.......

hmm - noch zu: hauptsache gesund - ja das ist viel wert, wenn man ein gesundes kind hat. klar es erleichtert einiges. aber unser sohn mit downsyndrom ist gesund (das ist nicht selbstverständlich, da recht viele babys mit herzfehler geboren werden) und ich bin sehr dankbar, ihm da das eine oder andere leid von operationen ersparen zu können.......

noch mal zum wählen. eigentlich kann man eh nix wählen. ich kenne mittlerweile einige behinderte kinder, die von der pränataldiagnostik als 'gesund' bezeichnet werden. hier könnte man eh mal über den unterschied von behindert und krank diskutieren. im weiteren passieren die meisten behinderungen bei der geburt oder später.......... also - ich glaube - das leben ist ein total spannendes risiko!!!!!

hoffe habe nicht zuviel durcheinander getippt.......

NANA

Inaktiver User
11.04.2011, 21:14
Vielen Dank Nana, für diese persönlichen Zeilen! Ich kenne sooo viele Kinder mit Down-Syndrom, und deshalb kam für mich nicht mal die Nackenfaltenmessung in Frage, weil mir klar war, ich nehme meine Kinder so an, wie sie mir geschenkt werden! :liebe: (Wobei ich es durchaus auch verstehen kann, wenn man diese Untersuchung machen lassen möchte!).

Auch wenn ich die Meinung der Thread-Eröffnerin nicht teilen kann, finde ich es gut, dass der Strang eröffnet wurde, ich wollte auch schon immer mal was zu PID eröffnen, wusste aber nicht, ob das wirklich das richtige Forum dafür ist und war auch irgendwie nicht mutig genug dazu. :engel:

Grundsätzlich würde ich sagen, PID - nein, eben weil ich auch nicht wüsste, wo die Grenze ziehen, aber auch hier muss ich eingestehen, dass ich es mir vorstellen kann, in einer Situation zu sein, wo ich vll. generell PID offener eingestellt sein könnte/ bzw. dass es vll. Menschen gibt, die das befürworten, ohne gleich ein perfektes Baby designen zu wollen... Schwierige Gratwanderung....


Bisschen off-topic: Kommt es mir nur so vor, weil ich noch so hormongeflasht bin, oder gibt es zur Zeit extrem viele schöne und berührende Postings hier im Forum? Ich lese nicht so oft quer, aber sowohl in mydaras strang fand ich ein Posting Gänsehaut-machend, oder gestern, in dem strang von frau-antje oder so das von Xanidae und jetzt die Liebeserklärung von Nana - einfach toll! Vll. sollte man mal einen Supertolles-Posting-Strang eröffnen.... Grins....

braunbaerin
11.04.2011, 21:26
Hier geht wirklich viel durcheinander. Ich komme aus dem gleichen Strang wie jasna und Nana04, und als ich mit 38 nach 3 Jahren KiWu-Behandlung und 2 FG endlich eine intakte Schwangerschaft hatte, habe ich auch Nfm oder gar FU abgelehnt und nur einen Fein-US machen lassen, um ggf. vorbereitet zu sein und das Krankenhaus danach auszuwählen.

Meine IVF-Behandlungen wurden nicht in Deutschland durchgeführt, und bei der 2. FG wurde mir angedeutet, dass es genetische Probleme geben könnte. Die letzte Behandlung wurde wg. Wohnortwechsel in noch einem anderen Land durchgeführt, wo PID erlaubt ist. Ich habe den Arzt danach gefragt, und er hat klar davon abgeraten. Es kann nur nach wenigen Faktoren gesucht werden, und die PID verringert die Chancen der Einnistung des Embryos!
Bei der ersten Behandlung wurden übrigens 3 Tage alte Embryos, die sich zu oft und unregelmäßig geteilt hatten und deshalb keine Chance auf Einnistung hatten, vor meinen Augen in den Müll geschmissen. Das tat weh.

Ich wäre für ein Gesetz, das die PID in ganz engen Grenzen erlaubt, wie jasna sie erwähnt hat. Lieber einen Achtzeller testen als Spätabtreibungen (die ja nunmal leider vorkommen).

jasna
11.04.2011, 22:44
Ich möchte noch zu Bedenken geben, dass viele medizinische Verfahren missbraucht werden können. Arzneimittel können tödliche Wirkung haben und trotzdem werden sie nicht vorsichtshalber verboten. Hier ist die Gesellschaft gefordert, einen entsprechenden Rahmen zu finden. Genauso muss bei der PID in der öffentlichen Diskussion ein Konsens gefunden werden, wie diese anzuwenden ist. Auch ich bin der Ansicht, dass dieser Rahmen eng gesteckt werden sollte. So wird das in anderen Ländern ja auch praktiziert siehe Ethiker über Frankreichs Umgang mit PID: "Menschliches Leid verringern" - taz.de (http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/menschliches-leid-verringern/)


Diesen Wunsch versteh ich durchaus, wie jeder andere wohl auch. Trotzdem bleibt die Frage, ob jeder Wunsch in Erfüllung gehen muss und ob der Zweck jedes Mittel heiligt.

Ich habe oft den Eindruck, dass ein unerfüllter Kinderwunsch als schicksalhaft akzeptiert werden soll, wohingegen Krankheiten oder Verletzungen selbstverständlich therapiert werden. Ein unerfüllter Kinderwunsch hat ebenso medizinische Gründe wie eine Erkrankung und sollte daher mit den vorhanden Möglichkeiten behandelt werden.
Mit Embryonen muss verantwortungsbewusst umgegangen werden. Das schließt aber die Nutzung der PID nicht aus.


J
Und mich würde eben auch der Gedanke an die "verworfenen" Embryonen umtreiben. Für mich wird da der Kinderwunsch fragwürdig, wenn man einerseits partout ein Kind will, andererseits aber überzählige oder nicht gesunde Embryonen dann einfach vernichtet.


Die künstliche Befruchtung ist in Deutschland sehr streng geregelt. Überzählige Embryonen dürfen hier nicht erzeugt werden. Deshalb werden immer nur so viele befruchtete Eizellen zur weiteren Entwicklung gebracht, wie auch übertragen werden könnten. Das sind maximal 3. Die restlichen Eizellen können für einen weiteren Versuch eingefroren werden.
Es werden also keine überzähligen Embryonen verworfen.

Meiner Ansicht nach sollten durch die PID nur die Embryonen nicht übertragen werden, die ohnehin nicht lebensfähig sind. Eine solche Schwangerschaft gar nicht erst entstehen zu lassen ist für mich ethisch vertretbar.

Sehr gut finde ich dazu die Haltung des Berliner Bischofs Markus Dröge Bischöf Dröge: "Wir verlieren das menschliche Maß" - Politik - Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/politik/wir-verlieren-das-menschliche-mass/3679680.html)

Inaktiver User
11.04.2011, 23:06
Mit Embryonen muss verantwortungsbewusst umgegangen werden. Das schließt aber die Nutzung der PID nicht aus.

Für mich schon. Weil niemand das Recht hat zu bestimmen, du bist es wert zu leben und du nicht.

Einer der Menschen von denen ich am meisten gelernt habe hat eine ALS-ähnliche Krankheit, an der er in absehbarer Zeit sterben wird, sicher wird er die 50 nicht erreichen.

Wie kommt irgendwer dazu zu sagen, er hätte besser nie gelebt???????

leandra28
12.04.2011, 00:01
Ich habe alle Beiträge mit Interesse gelesen, möchte aber jetzt nicht in die Diskussion einsteigen, dazu fehlen mir momentan Zeit und Kraft.

Eins möchte ich aber sagen: Jasna, du hast mir mit jedem deiner Sätze aus dem Herzen gesprochen!!!

xanidae
12.04.2011, 07:18
@jasna
ich kann deine haltung gut nachvollziehen und finde auch, dass der bischof sich sehr gut äußert.

doch im eingangsbeitrag ging es ganz klar um die allgemeine legalisierung, um behinderungen zu verhindern. zwar mit dem vermeintlich guten gedanken, eine ausgrenzung zu verhindern, doch alleine dass gedacht wird, behinderung bedeutet ausgrenzung, ist für mich fragwürdig.

noch dazu weil eine pid ja nicht alle behinderungen verhindern kann, wie z. b. trisomie 21 oder spina bifida, die bei der zellteilung entstehen.


@nana04
vielen dank für deinen herzlichen beitrag.

nana04
12.04.2011, 07:55
morgen.....

auch ich kann jasna's haltung super nachvollziehen und finde sie absolut differenziert. vielleicht auch aufgrund ihrer kinderwunschgeschichte - hat sie sich genau und sorgfältig damit auseiander gesetzt :blumengabe:

ich habe den film den ihr erwähnt nicht gesehen. aber ich kann eine frau sehr sehr gut verstehen, welche sich entscheidet, ein sehr krankes kind bis zur geburt bei sich zu behalten. ich glaube der verlust eines kindes ist das schlimmste, was eltern passieren kann. und so ist eine geburt, welche praktisch gleichzeitig der abschied ist - sicherlich sehr sehr schmerzhaft. und trotzdem habe ich persönlich das tiefe gefühl, dass diese mutter schlussendlich besser mit dem schicksal zu gange kommt als die mutter, welche sich zum beispiel für eine spätabtreibung entscheidet. auch wenn so eine entscheidung in besonderen fällen rein rational vielleicht nahe liegt...... ich habe mich intensiv mit diesen themen befasst nach der geburt meines kindes. und ich habe von vielen frauen gelesen, die mit einer spätabtreibung nicht zugange kamen - es lastete sehr schwer auf ihnen. das gefühl über leben und tod entschieden zu haben - das nichtwissen, wie es dem baby definitiv ergangen wäre, wenn es geblieben wäre, all diese gedanken haben sie laut eigenen aussagen nicht mehr losgelassen.

manchmal finde ich es auch sehr verwirrend, dass viele Ärzte Eltern mit einer Risikodiagnose (welche ja ganz häufig noch nicht mal zu 100% sicher ist) eine Spätabtreibung vorschlagen - und gleichzeitig um das Leben von Frühchen gekämpft wird, welche aufgrund ihrer frühen Geburt auch mit Beieinrächtigungen leben werden und können.... es wird scheinbar ein grosser unterschied gemacht - ob ein baby noch innerhalb oder ausserhalb der mutter ist??

noch ein kleines beispiel zum downsyndrom - weil ich diese besonderheit, behinderung oder wie auch immer ihr es nennen wollt, am besten kenne.
90% der kinder mit downsyndrom werden abgetrieben. eine nicht unwesentliche rolle spielen die beratung vom medizinischen umfeld. wenn man alle riskiofaktoren zusammenzählt, bekommt jedes einigermassen vernünftige elternpaar panik!! - ausser ebend solche, die sich sehr genau damit auseianander gesetzt haben.
als ich nach der geburt medizinische internetseiten besuchte, lief es mir kalt den rücken runter - ich hatte schiss!!! kinder mit downsyndrom haben 'meistens' herzfehler, darmmissbildungen, hören nicht gut bis nichts, sehen auch nicht vernünftig, haben ein hohes risiko nie richtig sprechen zu lernen, sind immer krank etc. etc. etc. etc. es gibt ganze listen!
besuchte ich wiederum elternseiten - relativierte sich dieses bild sehr stark. praktisch keines der kinder - ist von den meisten faktoren betroffen....... das eine hat einen herzfehler, das andere probleme mit dem darm, das dritte hört nicht besonders gut.......... aber bei ganz vielen dieser kinder funktioniert ne menge ganz toll und ganz einfach etwas langsamer:smile:
hier würde ich mir wünschen, dass eltern, welche sich für eine genaue pränataldiagnostik entscheiden und mit einer möglichen diagnose konfrontiert werden, auf verschiedenen ebenen aufgeklärt und beraten werden - ebend nicht rein medizinisch (zum beispiel nur das aufzählen von risiken wie die nebenwirkungen auf der packungsbeilage von medikamenten).

Einde definitive Meinung zu PID habe ich nicht. Aber ich bin selber nicht grundsätzlich gegen Abtreibungen zum Beispiel - ich habe jedoch ein Problem mit Selektionen.
Wenn die PID jedoch so eingesetzt wird, wie es aus Jasna's Erläuterungen zum tragen kommt, ist es aus meiner Sicht keine Selektion - glaube ich - denke aber noch mal darüber nach.

einen wunderbaren tag
NANA

Halina
12.04.2011, 07:55
Ich finde bei der ganzen PID-Diskussion kommt in der Regel ein Aspekt viel zu kurz: PID funktioniert nur bei künstlichen Befruchtungen. Und die sind für einen Bruchteil (2-5%?) der Geburten verantwortlich. Von einer Invasion der "Designerbabies" zu sprechen ist also schon rein statistisch ziemlicher Unfug.
Und dann frage ich mich, wie wahrscheinlich es ist, dass Eltern, die jahrelang ungewollt kinderlos sind, vielleicht mehrere Fehlgeburten hatten und nun in der künstlichen Befruchtung (deren Vorbereitung eine enorme Belastung für den Körper darstellt) ihre letzte Chance sehen, die PID unverantwortlich ausnutzen. PID kann auf genetische Defekte testen, die zu erneuten Fehlgeburten führen. Sie kann vielleicht auch auf weitere Gendefekte/Krankheiten testen. Aber die Vorstellung, dass Eltern in dieser Situation sich durch allzusehr abhängig von Krankheiten, oder gar Geschlecht und Augenfarbe machen (wie Gegner der PID es häufig suggerieren) halte ich schlichtweg für vollkommen unrealistisch. Genauso wie ich es für vollkommen absurd halte, dass Menschen sich auf einmal freiwillig für eine künstliche Befruchtung entscheiden, nur um über die PID (wenn sie denn erlaubt wäre) Einfluss auf die Auswahl des Embryos zu nehmen.

Ich glaube einfach nicht an den gesellschaftlichen oder ethischen Schaden, den die PID anrichten kann unter diesen Voraussetzungen. Und solange Spätabtreibungen erlaubt sind, erklärt sich mir nicht der Sinn eines PID-Verbots. Und eigentlich finde ich ein PID-Verbot bei gleichzeitiger Erlaubnis von Spätabtreibungen bei Trisomien u. ä. zynisch.

Wiesenkraut
12.04.2011, 08:17
Junge schrieb

Könnte man dieses Argument nicht auch auf die Abtreibung anwenden?
könnte man, aber die ist ja hier nicht Thema. Grundsätzlich ist meine Haltung hier aber ähnlich.



doch im eingangsbeitrag ging es ganz klar um die allgemeine legalisierung, um behinderungen zu verhindern. zwar mit dem vermeintlich guten gedanken, eine ausgrenzung zu verhindern, doch alleine dass gedacht wird, behinderung bedeutet ausgrenzung, ist für mich fragwürdig.

das ist glaub ich der Grund für mein klares "Nein", sonst wäre es vielleicht ein Nein mit Ausnahmen geworden, aber im Eingangspost gibts klare Selektionsgedanken.



Meiner Ansicht nach sollten durch die PID nur die Embryonen nicht übertragen werden, die ohnehin nicht lebensfähig sind. Eine solche Schwangerschaft gar nicht erst entstehen zu lassen ist für mich ethisch vertretbar.

WENN man sich denn drauf verlassen könnte, das dem so ist, würde ich hier zustimmen.


Nana
vielen Dank für dein tolles Post

90% der kinder mit downsyndrom werden abgetrieben. eine nicht unwesentliche rolle spielen die beratung vom medizinischen umfeld. wenn man alle riskiofaktoren zusammenzählt, bekommt jedes einigermassen vernünftige elternpaar panik!! -

wenn Beratung denn stattfindet. Meine Freundin (die Mama meines Patenkindes) engagiert sich recht stark in ihrer Elterninitiative und immer mal wieder (zum Glück nimmts aber ab) gibt es von den behandelnden Ärzten gar keine Beratung sondern ein lapidares "ich mach ihnen dann mal einen Termin, das Kind wollen sie ja so sicher nicht" , das macht mir so richtig angst. Denn eigentlich sollten Mediziner es doch besser wissen.

xanidae
12.04.2011, 08:24
Genauso wie ich es für vollkommen absurd halte, dass Menschen sich auf einmal freiwillig für eine künstliche Befruchtung entscheiden, nur um über die PID (wenn sie denn erlaubt wäre) Einfluss auf die Auswahl des Embryos zu nehmen.



ich glaube schon, dass das geschehen könnte. auch bei samenbanken wird nach dem geeigneten spender gesucht und musikalische sportler mit grünen augen sind da sehr beliebt. in den ländern, in denen diese vorauswahl möglich ist.

wenn ich die strangeröffnerin richtig verstehe, würde sie, da sie auf keinen fall ein behindertes kind austragen will, wahrscheinlich zur künstlichen befruchtung mit pid greifen - wenn diese möglichkeit leicht zugänglich wäre. (bachstelze, bitte korrigiere mich, wenn ich das falsch verstanden habe).

das sieht man auch an nanas beispiel: die ärzte sehen bei trisomie 21 nur den worst case. aber der fällt nur selten so schlimm aus. da es die möglichkeit der spätabtreibung gibt, wird sie als medizinische maßnahme in betracht gezogen, ja sogar empfohlen.


Und solange Spätabtreibungen erlaubt sind, erklärt sich mir nicht der Sinn eines PID-Verbots. Und eigentlich finde ich ein PID-Verbot bei gleichzeitiger Erlaubnis von Spätabtreibungen bei Trisomien u. ä. zynisch.

da kann ich dir zustimmen.

Hornilla
12.04.2011, 08:34
Ich finde diese ganze PID-Debatte total verlogen. Spätabtreibungen sind erlaubt, die PID ist verboten - der Sinn eines solchen Gesetzes erschließt sich mir einfach nicht.
Da wird eine Zelle besser geschützt als ein bereits (fast) fertiger Mensch.

Es geht nicht darum, behinderte Menschen auszugrenzen oder Behinderungen von vornherein auszuschließen. Im Grunde könnte man das ja jetzt schon.

Bei uns stand in der Schwangerschaft eine Zeitlang im Raum, dass unser Kind behindert sein könnte, z.B. ein Downsyndrom haben könnte. Zum Glück hat sich dies als falsch erwiesen, aber für meinen Mann und mich war klar, dass wir auch ein Kind mit Downsyndrom bekommen und geliebt hätten. Der Arzt in der Pränatalklinik sagte uns, 95% aller Eltern würden sich gegen ein Down-Kind entscheiden. Und das ist keine Selektion?

Soweit ich es verstanden habe, geht es bei der PID darum, Paaren, die genetische Vorerkrankungen haben und bei denen die Wahrscheinlichkeit, ein Kind auszutragen, praktisch gleich null ist, zu helfen. Und hier halte ich es für weitaus humaner und sinnvoller, diese Untersuchungen an Embryonen durchzuführen, die noch nicht mal in der Gebärmutter der Frau angekommen sind, als der Frau und dem Kind spätere Abtreibungen oder Fehlgeburten zuzumuten.

Hornilla
12.04.2011, 08:44
Nana, Du hast sehr schöne Zeilen geschrieben!

Für mich war das genauso - als die Behinderung als Möglichkeit im Raum stand, war für mich sofort klar - Abtreibung ist keine Option, das könnte ich nicht!
Ich bin auch durch ICSI schwanger geworden, und ein Kind, das mit so viel "Aufwand", mit so viel Sehnsucht zu uns gekommen ist, das lasse ich mir doch nicht wieder nehmen!
Wir haben die Chorionzottenbiopsie nur gemacht, weil es auch etwas Organisches hätte sein können, was man bereits im Mutterleib hätte behandeln können, und diese Chance wollten wir unserem Kind nicht nehmen. Außerdem dachten wir, wenn man Bescheid weiß, kann man sich auf eine Behinderung besser einstellen.

Nun hat es sich als blinder Alarm rausgestellt, und ich würde auch bei einem zweiten Kind keine Pränataldiagnostik machen (es sei denn, es ergäbe sich eine ähnliche Situation).

Auch ich empfinde die Frage nach den verworfenen Embryonen als ethisch schwierig, aber in Abwägung ist für mich diese Möglichkeit einer Abtreibung in jedem Fall vorzuziehen.

Hornilla
12.04.2011, 08:47
Natürlich wünschen sich alle Eltern ein gesundes Kind.
Ich weiß nicht, ob es gut wäre, wenn sich dieser Wunsch garantiert erfüllen würde.
Ich habe ein behindertes Kind, das ich unter keinen Umständen missen möchte. Bei der PID wäre meine Tochter schon im Vorfeld "wegsortiert" worden, bei diesem Gedanken gruselt es mir...

Ich kann verstehen, was Piccolo sagt. Wenn sich Frauen, dafür entscheiden, weil ihr Kind sonst nicht lebensfähig wäre.
Aber der Grad ist ja ein sehr schmaler...Wer will festlegen, wo die Grenzen sind? Was noch "erträglich" ist u. was nicht?

Grace, "wegsortiert" werden soll doch kein Kind! Letztendlich haben doch die Eltern immer noch die freie Entscheidung. :in den arm nehmen:

Hornilla
12.04.2011, 08:47
Nein, auf gar keinen Fall, ich fände das eine grauenhafte Vorstellung...

Wie willst du denn "gesund" definieren? Es gibt ja heute schon Untersuchungen, nach denen ein sehr hoher Prozentsatz sagt, ein Kind mit Gaumen-Kiefer-Spalte oder genetischer Disposition zur Fettleibigkeit abtreiben lassen zu wollen, von Down-Syndrom, wo das schon Realität ist, ganz zu schweigen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Welt ohne wie auch immer geartete Behinderungen keine lebenswertere oder glücklichere ist, ganz im Gegenteil. Eine menschlichere so und so nicht.

Da stimme ich Dir voll und ganz zu!:blumengabe:

Hornilla
12.04.2011, 08:53
Ach ja, noch ein kurzer Nachtrag - ich persönlich würde in unserer Situation keine PID wollen - es gibt keinen Grund dafür, da kein genetisches Risiko vorliegt.

Inaktiver User
12.04.2011, 09:12
Im Sinne einer sachlichen Diskussion möchte ich doch ein letztes Mal darauf hinweisen, dass eine noch so schwere Behinderung des Kindes keine Indikation für eine Spätabtreibung ist, daher kann diese auch nicht der PID gegenübergestellt werden.

Dass die Indikation: Gefährdung der seelischen Gesundheit der Mutter bei einer Behinderung des Kindes nahezu automatisch angenommen wird, das find ich zynisch.

Inaktiver User
12.04.2011, 09:20
Ich finde bei der ganzen PID-Diskussion kommt in der Regel ein Aspekt viel zu kurz: PID funktioniert nur bei künstlichen Befruchtungen. Und die sind für einen Bruchteil (2-5%?) der Geburten verantwortlich. Von einer Invasion der "Designerbabies" zu sprechen ist also schon rein statistisch ziemlicher Unfug.


Genauso wie ich es für vollkommen absurd halte, dass Menschen sich auf einmal freiwillig für eine künstliche Befruchtung entscheiden, nur um über die PID (wenn sie denn erlaubt wäre) Einfluss auf die Auswahl des Embryos zu nehmen.

Dass Menschen per Eizell/Samenspende Eltern werden und/oder ihre (teilweise genetischen) Wunschkinder von Leihmüttern austragen lassen, das ist schon lang Realität. Und dass da manches Mal der Anspruch dahintersteht, keine Lust auf eine beschwerliche Schwangerschaftszeit zu haben, auch.

In einem anderen Strang meinte mal jemand, es wär doch auch sonderbar, dass die Mehrzahl der prominenten schwulen Väter per Leihmutterschaft Söhne bekommen hat. Zufall?? Oder hat man da nicht einfach in Anspruch genommen, was machbar war, Geld spielt ja keine Rolle...

Begonnen hat dies alles mit dem Wunschkaiserschnitt, um sich die Mühen der Geburt zu ersparen. Der KS ist eine segensreiche Erfindung und hat viele Leben gerettet - inzwischen werden aber 30% der Kinder per KS entbunden, bestimmt nicht aus medizinischer Notwendigkeit. Jetzt wird die ganze Schwangerschaft outgesourced, die Betreuung hinterher dann sowieso.

Das kann man gutheißen, muss man aber nicht.

Piccolo79
12.04.2011, 09:24
@einewiekeine: Das sehe ich anders. Für mich ist ein sehr langer,qualvoller Tod des Kindes sehr wohl eine Indikation,die NICHT das Seelenheil der Mutter in den Vordergrund stellt!!!!! Aber jedem seine Meinung.

@Wiesenkraut: Ja, ich meine Duchenne. Wir waren auch in der Humangenetik an der Uni. Fakt ist aber leider, dass man bei unserer Konstellation auch mit einer FU die möglichen Punktmutat ionen nicht ausschließen hätte können, nur die "gängigsten" Mutationen. Das ist von Anamnese zu Anamnese leider verschieden.


Hoffe, diese Diskussion bleibt so sachlich wie bisher, Thema war mal "fällig" finde ich.

Inaktiver User
12.04.2011, 09:28
siehste und da wird mir anders. Wie weit hast du dich mit dem Downsyndrom auseinandergesetzt, weisst du dass es Menschen gibt (ok mir sind nur 2 bekannt :pfeifend:)
Ich denke, ob und wie jemand mit etwas klarkommt und/oder klarkommen möchte, ist jedem selbst überlassen und sollte es auch sein. Vielleicht ist es doch besser, wenn ein wie auch immer krankheitsbedingt eingeschränktes Kind nicht geboren wird, als dß es dann, wenn die Eltern nach einer Weile merken, es geht nicht, in eine Einrichtung abgeschoben wird. Mal hefttig formuliert.

Wiesenkraut
12.04.2011, 09:32
Ich denke, ob und wie jemand mit etwas klarkommt und/oder klarkommen möchte, ist jedem selbst überlassen und sollte es auch seinklar wenn es das eigene Leben betrifft stimm ich dir 100% zu.

Wenn es um das Leben eines ungeborenen Kindes geht nicht.
Zum Glück sieht das der Gesetzgeber genauso und schließt Behinderungen als Abtreibungsgrund erstmal aus. Auch die PID ist unter anderem daran gescheitert. Dass es hier Hintertüren gibt und massig schlechte Beratung ist dann noch mal ein anderes Thema

myDara
12.04.2011, 09:33
Ich möchte noch was zu Spätabtreibungen bzw. des Nicht Wollens von Down Syndrom Kindern sagen, auch wenn das hier eigentlich nicht Strang Thema ist aber da die Diskussion doch auch in diese Richtung geht:

ich glaube oft haben Eltern (sicherlich aufgrund der Gesellschaft) einfach auch nicht den Mut sich ein
Baby/Kind mit Behinderung zuzutrauen weil sie sich dem ganzen nicht gewachsen fühlen. Hier müsste einerseits noch viel mehr Aufklärungsarbeit passieren aber vermutlich auch Unterstützung solcher Familien!

Ich habe für mich selbst bereits vor der ersten Schwangerschaft immer gesagt Down Syndrom ist nicht das Ende der Welt und eine Abtreibung käme für mich da nicht in Frage. Ich hatte keine Angst vor dergleichen einer Diagnose und hätte das Kind nicht weniger geliebt.

Nun da wir aber schon einen gesunden Sohn haben und ich wieder schwanger bin habe ich mich natürlich gefragt wie wir unsere Familie hinkriegen würden wenn jetzt ein Kind mit dem "little extra" zu uns käme und mich etwas mehr damit auseinandergesetzt.

Ich weiss wie betreuungsintensiv ein Kleinkind schon ist und dass da gut und gerne schon mal die Ressourcen von zwei kompletten Personen drauf gehen:smile: Und ich gestehe ehrlich ich wüsste im Moment nicht wie ich ein zusätzliches Baby mit einer leichten oder mittelschweren Behinderung da noch unter den Hut kriegen würde, also davor habe ich schon einen rießen Respekt.
(ich muss aber dazu sagen ich bin quasi null aufgeklärt wie viel betreuungsintensiver ein behindertes Kind in den ersten Jahren ist).

Aber worauf ich raus will: wenn eine Mutter sich psychisch und physisch einfach nicht in der Lage sieht ein behindertes Kind großzuziehen und einem Kind einfach kein verdient schönes Leben bieten kann, kann ich den Schritt zur Spätabtreibung verstehen.

Aus persönlicher Erfahrung im Freundeskreis weiß ich jedoch dass diese Familien mit Spätabtreibungen auch ihr ganzes Leben lang daran hadern und einfach nciht mehr froh werden!

Inaktiver User
12.04.2011, 09:34
ch habe auch nicht gesagt, daß Behinderungen grundsätzlich aus dem Leben verbannt werden sollen-aber wenn sie doch vermeidbar sind, warum sollte man die Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen?

Inaktiver User
12.04.2011, 09:40
@einewiekeine: Das sehe ich anders. Für mich ist ein sehr langer,qualvoller Tod des Kindes sehr wohl eine Indikation,die NICHT das Seelenheil der Mutter in den Vordergrund stellt!!!!! Aber jedem seine Meinung.


Ich bezog mich auf die gesetzlichen Regelungen zur Abtreibung, und eine Indikation aufgrund der Behinderung des Kindes gibt es in Deutschland nicht.

Ganz furchtbar finde ich auch die Vorstellung, ich hätte mich für eine Abtreibung entschieden und es stellte sich hinterher heraus, das Kind wäre doch gesund gewesen, was gar nicht so selten vorkommt. Sehr oft geht es ja nicht um Gewissheiten, sondern nur um Wahrscheinlichkeiten was eine Beeinträchtigung des Kindes angeht. Wenn ich mir nur überlege, wieviele Kinder dann doch ein anderes Geschlecht hatten als was der FA in der Schwangerschaft angeblich sicher festgestellt hat...

Mit dem Wissen meinem gesunden Kind das Leben genommen zu haben würde ich jedenfalls nicht fertigwerden, wo ich es schon bei einem kranken Kind nicht schaffen würde.

Leandra
12.04.2011, 09:45
ch bezog mich auf die gesetzlichen Regelungen zur Abtreibung, und eine Indikation aufgrund der Behinderung des Kindes gibt es in Deutschland nicht.

Das ist aber auch ein bißchen Wortklauberei, denn jede Mutter kann wenn sie ein behindertes Kind nicht bekommen will, anführen, das ihre seelische Gesundheit gefährdet ist, insofern ist es doch eine Indikation. nur anders formuliert.

myDara
12.04.2011, 09:46
Ich habe hier einen sehr berührenden Artikel gefunden der wirklich beide Ansichten (Spätabtreibung oder Austragung) verständlich macht:

Spätabtreibungen (http://www.zeit.de/2008/40/Spaetabtreibungen)

Ich denke man kann gar nicht urteilen solange man nicht in so einer Situation ist.

Inaktiver User
12.04.2011, 09:55
Das ist aber auch ein bißchen Wortklauberei, denn jede Mutter kann wenn sie ein behindertes Kind nicht bekommen will, anführen, das ihre seelische Gesundheit gefährdet ist, insofern ist es doch eine Indikation. nur anders formuliert.

Für mich ist das eine ethische Frage, und das als Wortklauberei abzuwerten finde ich wenig respektvoll.

Genau dieser gedankliche Automatismus, Behinderung = unzumutbar, soll durch diese Formulierung verhindert werden, auch wenn viele das anscheinend heute gar nicht mehr verstehen wollen.

Leandra
12.04.2011, 10:03
Für mich ist das eine ethische Frage, und das als Wortklauberei abzuwerten finde ich wenig respektvoll.

Genau dieser gedankliche Automatismus, Behinderung = unzumutbar, soll durch diese Formulierung verhindert werden, auch wenn viele das anscheinend heute gar nicht mehr verstehen wollen.

In der praktischen Umsetzung sieht es aber so aus, das durch eine Behinderung automatisch eine seelische Gefährdung der Mutter angenommen werden kann.
Die Formulierung hat also für die Praktische umsetzung wenig Bedeutug

Es ist ähnlich wie mit der "normalen" Abtreibung bis zur 12.woche: rechtswidrig, aber dennoch straffrei.

Wiesenkraut
12.04.2011, 10:25
ich schließ mich da einewiekeine mal wieder an. Klar ist die Hintertür offen, aber ganz klar ist vom Gesetzgeber Behinderung als Abtreibungsgrund erstmal ausgeschlossen.

Mydara so ein bischen kann ich deine Gedankengänge verstehen, ich hatte ähnliche Gedanken bei Trisomie 13 und 18. Die Kinder können ja durchaus einige Jahre alt werden und haben einen sehr hohen Betreuungsaufwand.
Wir haben da schon überlegt, ob wir das schaffen sowohl psyschisch als auch physisch und ob wir das auch meiner Großen zumuten können. Ein paar PNs zu dem Thema mit einer anderen Strangmitschreiberin und die ein oder andere Familienkonferenz später, war jedoch klar, dass wir auch ein solches Kind bekämen.
Ich bin mit jenseits der 40 noch mal schwanger geworden, trotz fehlerfrei angewandter Verhütung und eher schlechten körperlichen Chancen. Dieses Kind wollte also unbedingt zu uns, dann soll es das auch dürfen - egal mit welcher Besonderheit.

Ich persönlich würde vor allem wenn es um Down geht, ein Kind austragen und es im Zweifel zur Adoption freigeben. Es gibt wohl viele AdoptionsEltern die durchaus auch ein Downkind akzeptieren würden.

Was für mich auch ganz klar ist, ist das das Beratungssystem das wir haben sehr zu wünschen übrig lässt. Es gibt relativ viele Angebote für Eltern mit behinderten Kindern, nichts desdo trotz sieht die Beratung meist so aus, dass einem die Möglichkeit eröffnet wird abzutreiben.

Wir hatten da in der Schwangerschaft ein besonders schönes Erlebnis. Ich hatte mich von der FA dazu überreden lassen das Organscreening machen zu lassen. Ihr Argument: Wenn z.b ein Herzfehler da ist kann man die Geburtsklinik so wählen, dass die bestmöglichen Startmöglichkeiten gegeben sind".
Aus irgendeinem Grund fragte der Arzt uns vor der Untersuchung "was würden sie tun, wenn ich bei ihrem Kind starke Anzeichen für das Downsyndrom feststellen würde"
Wir haben beide wie aus einem Mund gesagt "eine Klinik aussuchen die uns den besten Start ermöglichst".
Meine Große wollte eigentlich zu dem Termin mit, was in der Praxis nicht erlaubt war. Organisch war alles abgeklärt, ein wirklich schönes Bild gabs leider nicht, weil die Kleine blöde lag. Wir waren schon fast zur Tür raus, als der Arzt uns zurückrief und meinte "gehen sie spazieren kommen sie dann noch mal, ich schaue ob die Kleine sich gedreht hat und mache ihnen dann ein schönes Foto für die große Schwester als Dankeschön für ihre spontane lebensbejahende Antwort". Damit zog er die Türe zu.
Meiner großen Tochter brachte ich von diesem Besuch ein extra großes Ultraschall mit, auf dem der Kopf super zu sehen war.

Ich hab noch lange gegrübelt was den Arzt zu der Frage veranlasst haben könnte und versucht mir seine Reaktion zu erklären, klar ohne Erfolg.

Leandra
12.04.2011, 10:38
Dass Menschen per Eizell/Samenspende Eltern werden und/oder ihre (teilweise genetischen) Wunschkinder von Leihmüttern austragen lassen, das ist schon lang Realität. Und dass da manches Mal der Anspruch dahintersteht, keine Lust auf eine beschwerliche Schwangerschaftszeit zu haben, auch.


Das ist nun wirklich eine verschwindend geringe Zahl, schon aus finanziellen Gründen.
Selbst bei Leihmutterschaft leigt der grund dafür oft darn, das die Frau keine Kinder austragen kann.

PID ist ja nur bei künstlich gezeugten Kindern möglich und eine künstliche Befruchtung ist kein Spaziergang, dem man sich unterziehen wird, wenn man auf normalem Wege Kinder bekommen kann.

Man sollte auch bedenken wir leben nicht auf einer einsamen Insel. Wer eine PID möchte kann dafür ins Ausland gehen.

Zada
12.04.2011, 10:41
Aber ich frage mich schon, was du dann machen würdest, wenn dein Kind während der Geburt geschädigt würde, oder irgendwann später. Da kannst du doch dann auch nicht mehr sagen, ich kann das nicht.
ich hab früher auch immer gesagt, dass ich kein behindertes kind haben will. und dann hatte mein sohn bei seiner dramatischen geburt einen massiven sauerstoffmangel. die ärzte machten uns wenig hoffnung, ich bin damals in ein tiefes loch gefallen. nach 6 monaten bekamen wir entwarnung, er ist kerngesund.

während er auf der neo(-intensiv)-station lag wurde eine 4jährige eingeliefert, die im kindergarten einen unfall hatte. die kleine hat diesen nicht überlebt.
die schwester einer ehemaligen klassenkameradin war ein normales mädchen, dann wurde sie von einem auto angefahren, sie ist geistig behindert.
eine behinderung kann uns alle jederzeit treffen, sei es durch unfall oder krankheit.

das problem ist, dass menschen mit behinderung massiv ausgegrenzt werden. als mutter eines behinderten kindes wird man gemieden. ich habe diese erfahrung während unserer ersten 6 monate gemacht, in denen die drohende behinderung bei uns im raum stand und ich recht offen damit umgegangen bin.
wenn man ein behindertes kind hat, muss man kämpfen damit es einen normalen alltag erleben darf. integrativplätze im kindergarten, integrativplätze in der grundschule, alles muss besonders beantragt werden und oft genug wird einem solches verwehrt mit den worten "zu teuer, dafür ist kein geld da". statt dessen werden menschen mit behinderungen unter dem deckmäntelchen der optimalen förderung in einrichtungen für behinderte menschen versteckt. spätestens mit der grundschule fängt es an und geht oft bis zum rentenalter weiter.

ich denke das thema behinderung macht einem in gewisser form angst weil man eben so wenig damit konfrontiert wird, weil auch wir behinderungen aus unserem leben ausgrenzen.

jasna
07.07.2011, 10:33
Es ist soweit, heute entscheidet der Bundestag...

Talea1982
07.07.2011, 15:29
So, wie ich das eben mitbekommen habe:

Bundestag stimmt für begrenzte Zulassung der PID

GButler
07.07.2011, 16:30
Nach der Entscheidung im Bundestag (http://www.tagesschau.de/inland/pid104.html) gab es in meinem Bekanntenkreis eine Riesendiskussion.
Ich selber habe natürlich auch eine Meinung, glaube aber es steht mir nicht zu, zu urteilen, da ich noch nie in einer solchen Situation war.
Viele meiner Freundinnen waren aber in Situationen wo sie sich für oder gegen ihr ungeborenes Kind entscheiden mussten. Und einige von ihnen leben heute noch mit der Angst, sie könnten ihre Krankheiten weitergeben.

Um viele Meinungen zu hören "schubse" ich den Fred mal ein bißchen nach oben : :pfeifend:

Opelius
07.07.2011, 16:41
ich begrüße die Entscheidung des Bundestages. Sie ist in meinen Augen ein sinnvoller Kompromiss.

Von den Gegnern wurde gerne das Argument der Disigner-Babies herangeführt oder, dass die Stellung behinderter Menschen in unserer Gesellschft schlechter würde.

Darum geht es auch garnicht. Wenn sich Mütter nach mehreren Fehlgeburten zu einer Behandlung entschließen und in der Retorte gezeugte Emryone sich in die Gebärmutter einpflanzen lassen, so halte ich eine vorherige Untersuchung der Zellhaufen für sinnvoll. Denn sollte, falls das nicht geschieht, sich in der Fruchtwasseruntersuchung eine nachweisbare Fehlentwicklung zeigen, so kann die Mutter auch den Embryo abtreiben lassen. Noch eine Untersuchung, noch eine Enttäuschung, noch ein Fehlschlag. Wer soll das aushalten?

Im Übrigen sind behinderte Menschn in unserer gesellschaft akzeptiert, wie sie es noch nie waren. Finde ich auch gut.

Talea1982
07.07.2011, 16:58
ich begrüße die Entscheidung des Bundestages. Sie ist in meinen Augen ein sinnvoller Kompromiss.

Von den Gegnern wurde gerne das Argument der Disigner-Babies herangeführt oder, dass die Stellung behinderter Menschen in unserer Gesellschft schlechter würde.

Darum geht es auch garnicht. Wenn sich Mütter nach mehreren Fehlgeburten zu einer Behandlung entschließen und in der Retorte gezeugte Emryone sich in die Gebärmutter einpflanzen lassen, so halte ich eine vorherige Untersuchung der Zellhaufen für sinnvoll. Denn sollte, falls das nicht geschieht, sich in der Fruchtwasseruntersuchung eine nachweisbare Fehlentwicklung zeigen, so kann die Mutter auch den Embryo abtreiben lassen. Noch eine Untersuchung, noch eine Enttäuschung, noch ein Fehlschlag. Wer soll das aushalten?


Dem stimme ich zu:blumengabe:

PennyPeriwinkle
07.07.2011, 17:04
Ich bin grundsätzlich auch dafür, den Betroffenen diese Möglichkeit einzuräumen.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir das nötige Hintergrundwissen anzueignen. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen:

Was genau ist jetzt in Zukunft erlaubt? Sollen im Rahmen der PID Embryonen ausgewählt werden, die einen bestimmten Gendefekt nicht aufweisen, z.b. weil er bei den Eltern nachgewiesen ist oder auch in einem abgegangenen Kind festgestellt wurde?
Oder geht der Diagnosefreiraum so weit, dass der ganze Embryo auf alle möglichen medizinischen Defekte abgesucht werden darf?

Opelius
07.07.2011, 17:38
Ich bin grundsätzlich auch dafür, den Betroffenen diese Möglichkeit einzuräumen.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir das nötige Hintergrundwissen anzueignen. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen:

Was genau ist jetzt in Zukunft erlaubt? Sollen im Rahmen der PID Embryonen ausgewählt werden, die einen bestimmten Gendefekt nicht aufweisen, z.b. weil er bei den Eltern nachgewiesen ist oder auch in einem abgegangenen Kind festgestellt wurde?
Oder geht der Diagnosefreiraum so weit, dass der ganze Embryo auf alle möglichen medizinischen Defekte abgesucht werden darf?

Ersteres ist erlaubt: wenn in den familien der Eltern Erbkrankheiten bekannt sind und es schon zu Fehlgeburten gekommen ist.
Ich denke bei einem Embryo sind nur einige Gendefekte nachweisbar. Das Risko trotz der PID ein behindertes Kind zu bekommen, ist genauso groß wie bei anderen Schwangerschaften.

Stella_76
07.07.2011, 18:10
ich begrüße die Entscheidung des Bundestages. Sie ist in meinen Augen ein sinnvoller Kompromiss.

Von den Gegnern wurde gerne das Argument der Disigner-Babies herangeführt oder, dass die Stellung behinderter Menschen in unserer Gesellschft schlechter würde.

Darum geht es auch garnicht. Wenn sich Mütter nach mehreren Fehlgeburten zu einer Behandlung entschließen und in der Retorte gezeugte Emryone sich in die Gebärmutter einpflanzen lassen, so halte ich eine vorherige Untersuchung der Zellhaufen für sinnvoll. Denn sollte, falls das nicht geschieht, sich in der Fruchtwasseruntersuchung eine nachweisbare Fehlentwicklung zeigen, so kann die Mutter auch den Embryo abtreiben lassen. Noch eine Untersuchung, noch eine Enttäuschung, noch ein Fehlschlag. Wer soll das aushalten?

Im Übrigen sind behinderte Menschn in unserer gesellschaft akzeptiert, wie sie es noch nie waren. Finde ich auch gut.

Hallo Ophelius. Danke für diesen Post! Er spricht mir aus dem Herzen.
Aus entsprechendem Grund (anstehende ICSI) hab ich mich in das Thema eingelesen und fand es zunächst toll, daß es die Möglichkeit zur PID gibt.
Für mich selbst würde ich sie nicht nutzen wollen, da mir die Wahrscheinlichkeit, den Embryo bei der Zellentnahme zu beschädigen oder zu stören, einfach zu hoch ist.

Aber ich finde es gut und richtig, daß den betroffenen Paaren, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befinden, dieser Weg grundsätzlich ermöglicht wird.
Mündige Erwachsene sind in der Lage, mit der entsprechenden seriösen medizinischen Aufklärung, das Für und Wider einer PID für sich zu bewerten und eine für sie richtige Entscheidung zu treffen. Ich finde es gut, daß die Regierung das (auch) so sieht und sich nicht den Moral-Schreiern untergeordnet hat.

Wichtig ist, daß den Menschen die Möglichkeit gegeben wird - nur wenige werden generell in der Lage sein, sie nutzen zu können (da nur ein Bruchteil der Paare ne IVF braucht) und durch die Indikationsstellung wird es sicher zu keinem PID-Boom kommen.


VG,


Stella

Inaktiver User
07.07.2011, 18:14
Nur ganz kurz, weil au8f dem Sprung:

Opelius:
Die Entscheidung des Bundestages halte ich auch für gut u. richtig!

Aber, dass behinderte Menschen so gut wie nie in der Gesellschaft akzeptiert sind, das kann ich nicht behaupten.

Lg:smile: