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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freie Mitarbeit, feste Anzahl der Arbeitsstunden?



Chaoskaiserin
01.04.2011, 20:14
Ich bin neben der Promotion freie wissenschaftliche Zeichnerin und rechne meine Arbeit stundenweise ab. Normalerweise habe ich einen Auftrag, in dem der entsprechende Stundenlohn und das Budget ausgehandelt wird. Jetzt ist es aber so, dass das zu zeichnende Fundmaterial erstmal von der Doktorandin vorsortiert werden muss, und die behindert den Fortgang der Arbeit sehr.

Letztens kam ne Mail, dass sie wegen persönlicher Probleme mal zwei Monate nicht arbeiten kann. Ich also auch nicht *grummel*. Das ist natürlich blöd, weil der Auftrag urpsrünglich eigentlich ein halbes Jahr auf Vollzeit ausgelegt ist und ich mir keine weiteren Aufträge gesucht habe.

Wie würdet ihr euch gegen solche Fälle absichern? Mein Chef will wegen Scheinselbstständigkeit keine Aufträge/Verträge ausstellen, bei denen die Arbeitsstunden irgendwie festgelegt sind. Aber das kommt mir dann doch etwas fadenscheinig vor.
Wenn man so lange voll an ein Projekt gebunden ist, dann muss man sich doch irgendwie absichern, oder?

Ich bin doch selber noch ganz grün hinter den Ohren, was freie Mitarbeit angeht *seuftz*

Inaktiver User
01.04.2011, 23:00
Wie würdet ihr euch gegen solche Fälle absichern? Mein Chef will wegen Scheinselbstständigkeit keine Aufträge/Verträge ausstellen, bei denen die Arbeitsstunden irgendwie festgelegt sind. Aber das kommt mir dann doch etwas fadenscheinig vor.
Wenn man so lange voll an ein Projekt gebunden ist, dann muss man sich doch irgendwie absichern, oder?
Hast du denn überhaupt keinen Vertrag?
Normalerweise werden Umfang der Arbeit, Abgabetermine etc. vertraglich festgehalten. Und es wird auch ein Ausfallhonorar vereinbart (ca. 30% des vereinbarten Honorars), zu zahlen vom jeweiligen Vertragspartner, der den Ausfall verursacht hat.

Ich würden auf jeden Fall mit dem Chef reden. Ich finde, er müsste dir zumindest eine alternative Einkommensmöglichkeit anbieten.

Bezüglich der Vertragsgestaltung wäre es gut, wenn du dich mit anderen wissenschaftlichen Zeichnern vernetzen könntest. Ev. gibt es Musterverträge bei Berufsverbänden.

Inaktiver User
02.04.2011, 07:47
Ich würden auf jeden Fall mit dem Chef reden. Ich finde, er müsste dir zumindest eine alternative Einkommensmöglichkeit anbieten.



Warum? Er ist nicht der Chef. Das läuft doch schon schief hier.




Ich bin doch selber noch ganz grün hinter den Ohren, was freie Mitarbeit angeht *seuftz*

Hier wäre es doch mal besser gewesen, sich vorher oder wenigstens parallel zu erkundigen, nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Dann hätte man etwas von einem Werks- oder Dienstleistungsvertrag gelesen. Den in der Regel der freie Mitarbeiter mitbringt. Mit den AGB, die die Berufsverbände hierfür zur Verfügung stellen. Mal ehrlich, hier bekommen Freie alle Hilfe der Welt, siehe http://lmgtfy.com/?q=AGB+werkvertrag+freie+mitarbeit

Er ist nicht der Chef, er ist der Auftraggeber. Wenn die Freie dann ihre AGB nicht ausgehandelt hat, ist das ihr unternehmerisches Problem. Wenn man als Freie am Markt auftritt, sollte man sich mit dem notwendigen Rüstzeug versorgen, mit Kollegen vernetzen, um fachliche Fragen zu besprechen etc. Das gehört mit dazu - nicht nur das vermeintlich höhere Netto mitzunehmen!
Dazu zählt auch, andere Kunden zu suchen. Es ist sehr bequem, sich auf einem Auftrag auszuruhen und die Verantwortung nur dem Auftraggeber zuzuschieben.

Wenn man nun plötzlich feststellt, dass man scheinselbstständig ist, sollte man sich Folgendes zu Gemüte führen.
Es kann sein, dass einen die Rentenversicherungsanstalt als arbeitnehmerähnlichen Selbständigen einstuft, damit werden die Beiträge für die letzten vier Jahre fällig. 12,5 % der Umsätze der letzten vier Jahre, Schuldner ist der freie Mitarbeiter.
Geht man dagegen vor, kann es sein, dass aus dem arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen ein Scheinselbstständiger wird. Hier ist zwar dann der bisherige Auftraggeber der Schuldner und zur Einstellung verpflichtet, aber ob das ein schöner Start in eine Einstellung ist. Zudem sieht das schöne Netto, über das sich die "Freie" so gefreut hatte, plötzlich anders aus. Und man muss nun zu festen Zeiten da sein, darf nicht für andere arbeiten.

Wer sich für freie Arbeit entscheidet, meist auch aufgrund der Vorteile, die sie bietet - denn sie ist nicht immer einfach das Ausbeuten, das den Auftraggebern unterstellt wird - sollte sich vorher über die Bedingungen informieren. Bitte nicht immer nur die Vorteile mitnehmen und dann aus dem Auftraggeber plötzlich den Chef machen (und auch hier wieder nicht informiert sein, was das für Konsequenzen haben kann) und ihn für das verantwortlich machen, was im eigenen Verantwortungsbereich liegt.

Der Auftraggeber ist nicht verpflichtet, für ständigen Projektfluss und Aufträge zu sorgen. Er kann im Rahmen eines Dienstvertrages bei Projekten zu entsprechenden Ausfallzahlungen verpflichtet werden, um das unternehmerische Risiko, was mit einer Projektbindung einhergeht, zu minimieren.

Inaktiver User
02.04.2011, 14:13
Ob es eine Hilfe für die TE ist, wenn du sie so anblaffst, Pinot Grigio? Deine guten Ratschläge in Ehren, aber am Anfang einer Berufstätigkeit macht man manchmal Fehler. Daraus kann man lernen.

Inaktiver User
03.04.2011, 07:41
Mir scheint es ist ein speziell weibliches Problem, dass man krititische Anmerkungen, die man nicht mit niedlichen Begriffen kredenzt und so, wie man sie auch mündlich "abarbeiten" würde, als "anblaffen" bezeichnet. Dies lässt sich auch im Mobbing-Forum nachlesen, in dem inzwischen fast jede Kritik der Vorgesetzten landet.

Da steckt aber keine Absicht dahinter, um jemanden zu ärgern, sondern es ist der nüchterne, durchaus manchmal deutlichere Ton, der in der Arbeitswelt zählt. Da werden die Tische nicht mit Blümchen gedeckt und die Mitarbeiter nicht mit Handschlag begrüßt (zumindest nur äußerst selten).

Ich erwarte ein wenig Eigeninitiative, insbesondere von Menschen, die studieren. Insbesondere das Internet sollte ihnen vertraut sein.

Selbstverständlich haben wir auch alle Lehrgeld bezahlen müssen. In einer Zeit, in der es wesentlich eingeschränkteren Zugriff auf Informationsquellen gab, haben wir uns aber auch Informationen beschafft, die die Grundlage unsers Jobs waren.

Ich wage zu behaupten, dass es im Zweifelsfall besser ist, einmal am Anfang auf dem Hosenboden zu landen und den Wind von vorne zu erfahren, als nette Beiträge mit Blümchen zu bekommen. Das macht meiner Meinung nach nicht fit für das Arbeitsleben.

Meine Beiträge beziehen sich meistens auf mehrere Personen, die diese Fehler gemacht haben. Denn die Fehler sind immer wieder gleich (und daher noch eher vermeidbar). Aber das ist ja nicht das Thema. Das Aufführen der Fehler mit den Konsequenzen soll nichts anderes tun, als die Wege zu zeigen, wohin sie führen können. Ich habe aber auch gleich Google zur Lösung mitgeliefert ;- )

Die TE könnte nun schon gelernt haben - nie alles auf eine Karte setzen und vertraglich absichern. Und über die sozialversicherungsrelevanten Dinge dieser Tätigkeitsform informieren.
Ich denke, das ist schon einmal etwas und wünsche auch den Erfolg bei der Umsetzung der notwendigen Schritte.

Inaktiver User
03.04.2011, 08:24
Mir scheint es ist ein speziell weibliches Problem, dass man krititische Anmerkungen, die man nicht mit niedlichen Begriffen kredenzt und so, wie man sie auch mündlich "abarbeiten" würde, als "anblaffen" bezeichnet. Dies lässt sich auch im Mobbing-Forum nachlesen, in dem inzwischen fast jede Kritik der Vorgesetzten landet.
Der Ton macht die Musik, pinot grigio. Und wie man an diesem Satz sieht, ist er keineswegs nüchtern, sondern polemisch.

Offensichtlich ist die TE in ihrer Ausbildung nicht ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet worden.

Inaktiver User
03.04.2011, 08:39
Und wie man an diesem Satz sieht, ist er keineswegs nüchtern, sondern polemisch.

Nein. Ich denke aber nicht, dass eine Diskussion um Stilmittel in der Kommunikation zielführend für die TE ist.


Offensichtlich ist die TE in ihrer Ausbildung nicht ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet worden.

Es geht nicht um die Ausübung des Faches, in dem sie ausgebildet wird oder wurde. Sondern um ihren Status als freie Mitarbeiterin, über den sie sich hätte informieren können. Von einer Studentin erwarte ich das noch eher, als von einem Hauptschulabsolventen. Wobei ich sicher bin, dass dieser heute auch das Internet nutzen kann. Und wer das für Sportergebnisse und zum Musikdownload nutzen kann, sollte es auch für Berufliches können. Hier sollte die Studentin etwas voraushaben. Zumindest hieß es bei uns damals noch, dass ein Studium eigenständiges Arbeiten erfordert. Schließlich muss man plötzlich auch unabhängig von vorgegebenen Stundenplänen sein Lernziel erreichen.
Eigenständiges Arbeiten ist auch in einer freien Tätigkeit Voraussetzung und der Auftraggeber ist nicht derjenige, der zur Aufklärung der entsprechenden Gesetzgebung zuständig ist. Er kann erwarten, dass die als freie Mitarbeiterin auftretende Person ihre Hausaufgaben gemacht hat.

Inaktiver User
03.04.2011, 10:12
Mein lieber Schwan, PinotGrigio, Dein Fachwissen in Ehren, aber wieso mußt Du es der TE quasi voller Verachtung vor die Füße rotzen?

Promethea71
03.04.2011, 10:37
Was steht denn zum Arbeitsablauf und zu beiderseitigen Lieferterminen in deinem Vertrag ? Wenn nichts drin steht, hast du für das nächste Mal gelernt, dass dazu etwas im Vertrag stehen sollte.

Du solltest dringend mit dem Auftraggeber sprechen, wie er sich den weiteren Ablauf vorstellt, welche Termine zu halten sind und ob er überhaupt weiß, dass du deine Arbeits nicht leisten kannst, weil die Vorleistung fehlt.

Unter Umständen müsst ihr den Vertrag modifizieren und du solltest dich schleunigst nach anderen Auftraggebern umsehen.

Liebe Grüße

promethea

Suzie Wong
03.04.2011, 10:57
Wenn man so lange voll an ein Projekt gebunden ist, dann muss man sich doch irgendwie absichern, oder?
Ich bin doch selber noch ganz grün hinter den Ohren, was freie Mitarbeit angeht *seuftz*

Chaoskaiserin, man lernt ja aus Fehlern. Also ruhig Blut, nicht verunsichern lassen. Habt ihr nie was Schriftliches ausgemacht? Wenn nicht, du machst das ja schon länger. Ich würde mit den "Entscheidern", denn du hast es ja nicht mit der Doktorantin allein abgemacht, sprechen, ob es für dich eine Alternativlösung/-arbeit gibt.

suzie w