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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : im Nebengewerbe für den eigenen Arbeitgeber tätig sein?



jasmintee
01.04.2011, 08:44
Hallo :Sonne:

ich würde gern folgende Möglichkeit prüfen und hoffe es hat jemand Tipps.
Ich, einzige Angestellte in Firma X, soll jetzt in Erweiterung meines Jobs eine zusätzliche Tätigkeit übernehmen - kompletter Aufgabenbereich. In ca. 3 Monaten kommt von einer anderen Firma Y (allerdings gleicher Inhaber -also mein Chef) der gleiche Aufgabenbereich nochmal dazu.
Die Arbeit würde ich auf jeden Fall annehmen. Jetzt springt finanziell zwar was raus, aber eben nicht soooo viel. Meine Überlegung nun, ob ich mich im Nebengewerbe selbstständig mache und diese neuen Aufgabenbereiche auf dieser Basis übernehme. Mein Chef wäre sofort einverstanden - muss er doch dann nicht zu meiner Lohnerhöhung noch auch die Sozialabgaben zahlen.
Ich fänds auch gut, da würde meines Erachtens für mich mehr Netto hängenbleiben.
Den Zusatzbereich mache ich komplett zu Hause und auch komplett in freier Zeiteinteilung. Es wäre auch möglich zusätzlich noch andere Kunden zu betreuen - das würde sich mit der Zeit sicher ergeben. Werbung würd ich auch machen, alles kein Thema.
Aber dadurch, das mein Chef aus meinem Angestelltenverhältniss auch gleichzeitig vorerst mein einziger Auftraggeber und wohl auch bleibender Hauptauftraggeber ist, können sich da Schwierigkeiten ergeben? Scheinselbstständigkeit und so?
Und rechnet sich das wirklich? Bzw. bei überschaubarem Jahresgewinn was kommen für Kosten, die ich vll. übersehen könnte? Also ausser IHK oder Berufsgenossenschaft, Werbungskosten und Steuer ?

Was haltet ihr davon? Blöde Idee oder doch umsetzbar und für beide Seiten zum Vorteil?
Ich weiss von vielen Großkunden, die haben das ähnlich mit Ihren Mitarbeitern gehandhabt - jedoch eben auf komplett Selbstständiger Basis ohne gleichzeitig noch angestellt zu sein.

grüße und danke
jasmintee

Inaktiver User
01.04.2011, 09:48
In ca. 3 Monaten kommt von einer anderen Firma Y (allerdings gleicher Inhaber -also mein Chef) der gleiche Aufgabenbereich nochmal dazu.

Die Arbeit würde ich auf jeden Fall annehmen. Jetzt springt finanziell zwar was raus, aber eben nicht soooo viel. Meine Überlegung nun, ob ich mich im Nebengewerbe selbstständig mache und diese neuen Aufgabenbereiche auf dieser Basis übernehme.

Was nun? Ein gleicher/ähnlicher Aufgabenbereich, oder ein anderer? Ersteres würde sicher als missbräuchliche Vertragsgestaltung gewertet werden und nicht anerkannt werden.
Das Problem der Scheinselbstständigkeit wäre hier auch nicht zu verachten.

Soweit ich weiß, darf man für den AG auch selbstständig arbeiten. Um aber zu verhindern, dass so seitens der AG Sozialversicherungskosten eingespart werden, werden diese Verhältnisse genau in Augenschein genommen.
Relativ unkritisch sind sie nur da, wo die selbstständige Arbeit einen anderen Tätigkeitsbereich abdeckt.
Es geht also nicht, dass die Bilanzbuchhaltern noch gleichzeitig Rechnungen über die Buchhaltung stellt. Sie könnte aber, wenn sie ein Gewerbe als Programmiererin hätte, eine Rechnung über Programmierarbeiten stellen.

Ist doch irgendwie auch logisch. Sonst würde jeder AG nur noch Teilzeit einstellen, und der Rest läuft über "Gewerbe".
Der AG spart eigentlich auch nicht die Sozialabgaben. Diese gehören für Dich in Deine Kalkulation des Stunden- oder Tagessatzes.
Richtig kalkuliert kann der für den Arbeitgeber gar nicht attraktiv aussehen.

jasmintee
01.04.2011, 10:27
also es kommt ein neuer aufgabenbereich dazu und genau die gleichen aufgaben würden in 3 monaten auch von der 2.ten Firma dazukommen
im falle des angestelltenverhältnisses, würden das beide firmen intern untereinander abrechnen, im falle eines nebengewerbes würde ich beiden firmen jeweils rechnungen stellen

JETZT aktuell übe ich diesen aufgabenbereich NICHT aus, für beide firmen nicht

Inaktiver User
01.04.2011, 10:35
Also wäre der Aufgabenbereich gar nicht in Deiner Angestelltentätigkeit vorhanden? Du hättest zwei Auftraggeber, zwei unterschiedliche Unternehmen mit demselben Geschäftsführer? Dann sehe ich weniger Probleme. Auch die Tatsache, dass die beiden Unternehmen denselben Geschäftsführer hätten, ist nicht kritisch. Dein Kunde ist das Unternehmen, nicht die Person.

Promethea71
01.04.2011, 11:14
Wenn du von zwei Firmen Aufträge bekommst bist du grundsätzlich aus der Gefahr des arbeitnehmerähnlichen Selbständigen raus.

Scheinselbständig kannst du immer noch sein, wenn du mehr wie in Arbeitnehmer in da Unternehmen eingebunden bist und zB Aufträge nicht ablehnen kannst etc. Es gibt dazu Fragebögen, die abklopfen, wie sehr du eingebunden bist und wie sehr du ein eigenes unternehmerisches Risiko trägst. In einem solchen Fall würde ich definiv ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung empfehlen.

Du solltest aber auch mit deiner Krankenkasse (möglichst eine Spezialabteilung) sprechen, bei hauptberuflicher Selbständigkeit bist du nicht mehr pflichtversichert, bei nebenberuflicher steigen eventuell deine Beiträge.

Du zahlst (wenn du es nicht privat zusätzlich machst) weniger in die Rentenversicherung ein und dein Arbeitslosengeldanspruch richtet sich nach deinem angstellten Nettoverdienst, auch hier musst du also eigenen Vorsorge treffen.

Und du wirst entsprechenden Aufwand für Rechnungsstellung, Steuerkram, Buchhaltung, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer etc. haben.

Das muss alles nicht dagegensprechen, aber muss eben bedacht und vorallem mit kalkuliert werden.

Ich denke nicht, dass dein AG dabei billiger wegkommt, wenn du alles realistisch berechnest.

Liebe Grüße

promethea

jasmintee
01.04.2011, 13:11
danke für eure Antworten, das mit der KK ist z.B. so eine Sache, die ich überhaupt nicht im Bild hatte
das Nebeneinkünfte dann bei der Berechnung des KK Beitrages dann auch u.U. berücksichtigt werden könnten

also dann alles auflisten und pro und kontra sortieren

Inaktiver User
01.04.2011, 13:27
soweit ich weiß, ist es nicht erlaubt, für die Firma/den Chef, bei dem man angestellt ist, auch selbstständig zu arbeiten.

auch wenn man Aufträge von anderen Firmen hat.

Das wäre ja auch zuuu schön: Halbtags angestellt und darüber versichert, alles andere dann ohne Sozialabgaben, da wäre ja Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Inaktiver User
01.04.2011, 13:31
soweit ich weiß, ist es nicht erlaubt, für die Firma/den Chef, bei dem man angestellt ist, auch selbstständig zu arbeiten.

auch wenn man Aufträge von anderen Firmen hat.

Das wäre ja auch zuuu schön: Halbtags angestellt und darüber versichert, alles andere dann ohne Sozialabgaben, da wäre ja Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Darum betonte ich die unterschiedlichen Bereiche.
Wenn dies untersagt wäre, wäre dies meiner Meinung nach eine Ungleichbehandlung. Einem Gewerbe würde der Kundenkreis vorgeschrieben werden. Das dürfte so nicht gehen.
Denn unstrittig ist, dass man nebenberuflich selbstständig sein darf.

Promethea71
01.04.2011, 15:15
Hallo,

ich korrigiere meinen Beitrag insofern, als eine nebenberufliche Selbständigkeit tatsächlich nicht in die Beiträge zur Krankenversicherung einfließt.

Aber wenn du mit der selbständigen Tätigkeit mehr verdienst bzw. mehr Zeit investierst, kann es sein, dass du nicht mehr versicherungspflichtig bist, weil hauptberuflich selbständig.

Das wäre für den AG natürlich die billigste Lösung, weil er dir gar keine SoziV-Zuschüsse mehr zahlten müsste.


Grundsätzlich ist es nicht verboten für den Arbeitgeber auch selbständig zu arbeiten, aber die Rentenversicherung wird im Feststellungsverfahren sehr genau hinsehen, ob es eine Scheinselbständigkeit ist oder nicht.

Und schon die Frage, wie man es besser macht, lässt darauf schließen, dass es keine echte selbständige Tätigkeit mit freier Zeiteinteilung, dem Recht eigene Angestellte mit dem Auftrag zu befassen und Aufträge nach Lust und Laune abzulehnen ist.

Es gibt aber auch Fälle wo es geht, wenn es tatsächlich eine ganz andere Tätigkeit ist und man auch andere Kunden hat.

Du brauchst daher auch eine Nebentätigkeitserlaubnis deiner AG, die sich auf diese Tätigkeit bezieht.

Liebe Grüße

promethea

Matratze
01.04.2011, 17:28
also es kommt ein neuer aufgabenbereich dazu und genau die gleichen aufgaben würden in 3 monaten auch von der 2.ten Firma dazukommen
im falle des angestelltenverhältnisses, würden das beide firmen intern untereinander abrechnen, im falle eines nebengewerbes würde ich beiden firmen jeweils rechnungen stellen

JETZT aktuell übe ich diesen aufgabenbereich NICHT aus, für beide firmen nicht

Es geht nicht um unterschiedliche Aufgabenbereiche oder ob Du den Bereich zuvor abgedeckt hast.

Es geht darum, dass es sich bei der unternehmerischen Tätigkeit um eine gänzlich andere handeln muss.

Z.B. könntest Du Deinem AG Büroraum vermieten.

Alles, was irgendwie in das Berufsbild passt ist schädlich.