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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Private Betreuung/Alltagshilfe- wie????



rucksack
29.03.2011, 10:09
Hallo zusammen,

ich bin 32 Jahre komme aus der Region Berlin/Brandenburg und bin seit Jahren in der Gastronomie tätig, seit langer Zeit bemerke ich aber, das ich sehr viel Freude am betreuen Älterer Mensche habe. Meine Nachbarn besuche ich fast täglich, gehe mit Ihnen spazieren, bringe Ihnen hin und wieder Essen rüber oder fahre Sie zu Ärzten, oder gehe mit Ihnen in die Kirche- da Ihre Kinder entweder weit weg wohnen oder beruflich so eingespannt sind, das Sie kaum Zeit für Sie haben.

Nun bin ich am überlegen, ob ich mich auf diesen Gebiet "Private Betreuung/Alltagshilfe" selbständig machen sollte. Habt Ihr Erfahrung mit einer privaten Alltagshilfe, wenn ja welche? Würdet Ihr das beführworten? Und wie stellt man das mit der Selbständigkeit am besten an...Behördengänge ect.?

Ich danke Euch schon mal vorab für Eure Zeilen...

shabbychic
29.03.2011, 10:30
Zur Selbstständigkeit kann ich nichts sagen, weiß aber aus eigener Erfahrung ( suche immer noch), dass es unheimlich schwierig ist eine zuverlässige und auch noch bezahlbare Person zu finden.

Einige der Leute, die ihre Eltern in die Tagespflege geben ( muss ich leider auch zweimal die Woche), sind schon seit Monaten auf der Suche.
Dabei geht es den wenigsten um die Pflege, wird meist vom Pflegedienst übernommen, sondern um eine Betreuung.
Ich kann unsere Oma z.B. nicht allein lassen, weil sie schon dreimal ein Feuerchen gelegt hat oder die Küche unter Wasser gesetzt hat.

rucksack
29.03.2011, 10:41
Danke für deine Antwort.

Ja Pflegekräfte gibt es wie Sand am Meer, doch diese sind ja zeitlich begrenzt und haben für die Bedürfnisse/Probleme ect. kein Ohr. Letztens hatte meine Nachbarin einen Rohrbruch im Bad und in dem Moment kam die Altenpflege um Ihr die Tabletten zu geben, meine Nachbarin war fix und fertig und die Altenpflege sagte nur:"Ich kann Ihnen nicht helfen" und war weg!
Für solche Fälle haben kaum Ältere Leute Hilfestellung...würde ja grundsätzlich erstmal meinen Job behalten und es langsam angehen lassen, wie du schon gerade geschrieben hast,- wenn man nur allein von diesem Job Leben muss/will, muss man wahrscheinlich einen hohen Stundenlohn nehmen!

Opelius
29.03.2011, 10:44
Nun bin ich am überlegen, ob ich mich auf diesen Gebiet "Private Betreuung/Alltagshilfe" selbständig machen sollte. Habt Ihr Erfahrung mit einer privaten Alltagshilfe, wenn ja welche? Würdet Ihr das beführworten? Und wie stellt man das mit der Selbständigkeit am besten an...Behördengänge ect.?

Ich danke Euch schon mal vorab für Eure Zeilen...

ich denke, wenn Du im weiten Bekanntenkreise genügend Menschen mit diesem Bedarf kennst, ist Selbständigkeit möglich, weil sich dann Deine Leistung auch rumspricht.
Ansonsten halte ich die Akquise für kaum erfolgversprechend: Wie denn? Willst Du 10.000 Handzettel drucken und in Deiner Stadt verteilen?
Im Internet anbieten? Dann musst Du auch mit eindeutigen Angeboten älterer Herren umgehen können.

Solche Dienstleistung kann ich mir vorstellen, dass sie als Ergänzungsangebot von Sozialstationen mit angeboten wird- das wäre sowohl als Angestellte aber auch als Selbständige möglich. Dazu musst Du mit den Leiterinnen der Stationen ins Gespräch kommen.

Zum Einstieg könntest Du das auf 400 € Basis und damit zu einem geringen Stundenlohn anbieten. Die Sozialstation kann das als Fremdleistung in ihre Rechnung mit einbeziehen und Dir den Betrag jeweils überweisen. Sollte sich nach einer Anlaufphase recht viele Aufgaben ergeben, könntest Du auf einen Midijob erhöhen. Bedingungen kannst Du ja auf der Homepage der Minijobzentrale nachlesen.
Sollte der Bedarf weiter steigen, ist der Umstieg auf Freiberufler möglich. Dann brauchst aber einen Steuerberater, der Dich in den dann fälligen Steuer- und Abgabenfragen beraten muss.
Für die meisten Freiberufler ist das erste Jahr eine furchtbare Durststrecke, dann zweite Jahr schwierig, dann hat man es geschafft oder ist pleite.

Inaktiver User
29.03.2011, 10:56
wenn man nur allein von diesem Job Leben muss/will, muss man wahrscheinlich einen hohen Stundenlohn nehmen!

Genau dies ist die Krux. Rein theoretisch müsste eine solche Idee in einer überalterten Gesellschaft Erfolg haben. Rein praktisch wird sie scheitern müssen, da die Kunden es nicht zahlen können und wollen. Und das wird eher schlimmer als besser, da die Generation der gut versorgten Rentner nun langsam von derjenigen abgelöst wird, die spürbare Einschnitte hat. Die danach bekommt sowieso nur noch Einheitsrente, die folgende wird enteignet.

Dann bitte noch zwei Dinge bedenken. Die Arbeit könnte zur extremen nervlichen Belastung werden. Die ein oder andere Demenzkranke, die nicht ins Heim möchte (verständlich) oder die Kinder möchten das nicht (selten). Entsprechend unbeliebt könnte ein solcher Dienst bei der zu betreuenden Person sein, sie würde ihn eventuell als Bevormundung sehen.
Zu klären wäre auf jeden Fall auch die Haftungsfrage. Da mutiert manche ehemals nette Kundin eventuell zum Berserker, wenn der Mutter etwas passiert ist. Was zwar ohne Betreuung auch passiert wäre, aber man kann es ja mal versuchen ...

Wenn Dir die Betreuung Spaß macht und Du dies nicht als notwendigen Job machen musst, nimm Kontakt zu Hospizen und Krankenhäusern auf. Auf den Stationen liegen so viele arme Menschen, die gänzlich einsam ihrem Lebensende entgegensehen, die freuen sich über jede nette Gesellschaft.

rucksack
29.03.2011, 13:24
Hospiz oder Krankenhäuser bitten diesen "Service"ja teilweise schon an...jedoch sind das dann bei denen Menschen, die Ihre Hilfe ehrenamtlich anbieten,- glaube nicht, das Sie auf mich dann zukommen würden...!:-(

Promethea71
29.03.2011, 13:37
Die Frage ist weniger, ob der Service gebraucht wird, sondern ob er bezahlt wird.

Ich nehme an, dass du deinen Nachbarn bislang unentgeltlich hilfst. Frage sie doch mal, was sie für einen solchen Service zahlen würden und ob sie das auch zahlen könnten ?

Wir hatten so etwas ähnliches für meine Großeltern, die weit weg wohnten und eine Art "Haushälterin" brauchen und das hat gut funktioniert und wir haben es gerne bezahlt, weil meine Großeltern damals noch nicht ins Heim wollten und so weiterhin zu Hause bleiben konnten.

Du musst dir einfach mal ausrechnen, was du verdienen musst, um davon leben zu können, einschließlich aller anfallenden Nebenkosten wie Umsatzsteuer, Haftpflichtversicherung, deine Krankenversicherung, Rentenversicherung, Miete, Lebensbedarf, Spritkosten, etc.

Wenn du deine Kosten kennst, und weißt, wieviele Stunden du am Tag/Woche arbeiten kannst, weitß du, was dein Service mindestens kosten muss und dann ist die Preisfrage, ob diesen Preis genügend Kunden zahlen können und wollen.

Die Akquise kann dann tatsächlich vor Ort durch Mundpropaganda passieren, denn dein Kunden sollten möglichst in deinem Umfeld wohnen, damit du nicht mit langen Wegen Zeit verlierst.

Details wie die konkrete Ausgestaltung des Vertrages kannst du dann angehen.

Liebe Grüße

promethea

rucksack
29.03.2011, 13:48
Nein, meine Nachbarn würden diesen "Service" nicht bezahlen KÖNNEN. Beide haben Ihre Kinder bzw. Schwiegertochter die Vollmacht letztes Jahr übergeben und seitdem sitzen Sie fast nur noch allein zu Hause rum und warten buchstäblich auf den Tod- da Sie nicht mehr rauskommen, kein Lebenssinn sehen jedoch aber auch nicht ins Heim wollen, da Sie noch bei klaren Verstand sind und in ihrem Haus bleiben wollen. Die eine Nachbarin hat noch nicht mal 1€ in der Tasche und ihre Schwiegertochter kommt 1mal in 2 Wochen bei ihr vorbei und bringt ihr ein Brot und Quark vorbei. Denke nicht, das Sie Geld für mich bzw. meinen Service zahlen würde...

Abendstille
29.03.2011, 22:00
Wenn du mit der Betreuung alter Menschen Geld verdienen willst, solltest du schon eine gewisse Qualifikation, insbesondere eine Eignung für die Betreuung demenziell beeinträchtigter alter Menschen, vorweisen können. Also wenigstens mal ein paar Kurse besuchen. Nach meinem Eindruck wollen viele Menschen auf diesem Feld gerne Geld verdienen - jeder Angehörige dürfte da jemanden vorziehen, der schon gewisse Erfahrungen und Eignungen vorweisen kann. Da gibt es durchaus auch Konkurrenz durch ehemalige Pflegekräfte.