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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PMS und Kinderwunsch



emma_ha
25.02.2011, 08:23
Vielleicht hat hier jemand einen guten Tipp für mich. Ich habe schon seit Beginn meiner Menstruation ziemlich deutlich ausgeprägtes PMS. Nicht dramatisch, aber deutlich.

Nun versuchen mein Mann und ich, ein Baby zu bekommen, es klappt aber nicht, und es wird immer wahrscheinlicher, dass wir ein kinderloses Paar bleiben. In der meisten Zeit bin ich nicht glücklich und es geht mir nicht supergut (weil ich immer noch irgendwo in diesem blöden luftleeren Raum zwischen Hoffnung und Trauer schwebe), aber ich bin sozialkompatibel. Während meiner PMS-Phase allerdings bin quasi ein anderer Mensch. Ich bin bitter, zynisch, unfair, kurz gesagt einfach eklig, vor allem gegenüber allen Frauen, die Kinder haben oder schwanger sind (zu denen unter anderem meine Schwester gehört). Es ist wie ein klebriges Netz, aus dem ich nicht herauskomme, und nach diesen zwei, drei Tagen bin ich entsetzt über mich selbst und schäme mich. Darunter leide nicht nur ich, sondern vor allem auch mein Mann. Gibt es etwas, was ich da tun kann, um vorzubeugen (ernährungstechnisch, Schüssler Salze, Kräuter, dergleichen), ohne gleich zu Psychopharmaka oder Johanniskraut greifen zu müssen?

(In psychologischer Behandlung bin ich übrigens schon, nur zur Ergänzung.)
Vielen Dank Euch!

Halbnomadin
25.02.2011, 09:33
Moin.

Liebe Emma, :in den arm nehmen: das hätte mir auch passieren können. Eine ganze Weile hatte ich genau die von Dir beschriebenen Zustände - nur geht mein Mund eher zu als auf, weswegen andere das nicht in voller Wucht mitbekamen. So bin ich geboren, das ist weder ein Rat noch ein Verdienst.

Zwei Maßnahmen halfen mir: Sport und Diagnostik.
Wir ließen uns untersuchen und fanden heraus, warum kein Kind bei uns angekommen war. Da es behandelbare Gründe gab und wir es ausprobieren wollten, gingen wir in Kinderwunschbehandlung, aber mental wichtiger war die Antwort auf die ewige "warum?"-Frage.

Als Sport half mir simples Joggen am besten. Ich habe Anstrengungsasthma und brauche deswegen ein Grundlagenausdauertraining. Mit miesen Gefühlen wird mein Lauftempo grenzwertig schnell, da powere ich mich richtig aus und bin anschließend wohlig erschöpft. Biochemiker und Sportwissenschaftler könnten Dir erklären, was da im Körper abläuft, aber alle sind sich einig, dass Sport sehr gut gegen Aggressionen ist. Die Sportart ist fast egal, es kommt darauf an, dass Du Dich tüchtig bewegst dabei.

Gute Besserung!
Halbnomadin


PS. nach zwei Behandlungsjahren sind wir dann doch Eltern geworden, aber Hormondoping ist nicht für jedes Paar ein gangbarer Weg. Du darfst jetzt gerne zynisch antworten: ich weiss, woher die Aggression kommt und nehme es nicht persönlich.

Louette
25.02.2011, 09:34
Hallo Emma,

du kannst es mit Mönchspfeffer versuchen, das soll gegen PMS helfen. Ich habe es aber nicht ausprobiert.
Die andere Frage ist aber, ist es für euch okay, wenn ihr kinderlos bleibt? Wollt ihr euch untersuchen lassen? Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit an der es hängt, ihr müsst ja nicht gleich das komplette reproduktionsmedizinische Angebot in Anspruch nehmen.
Ich will dich nicht gleich in eine Kinderwunschpraxis schicken, auch wenn ich die aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen kann, aber wurde bei dir schon mal ein Hormonstatus gemacht? Hat dein Mann ein SG machen lassen?

Ich wünsche euch alles Gute,

lg
Louette

Kurly
25.02.2011, 10:31
Hallo emma,

ergänzend zu den bereits genannten Vorschlägen - wobei ich den Tipp mit dem Sport von Halbnomadin nochmal bekräftigen möchte...bzw. wenn Du überhaupt nicht gerne sportelst, dann evtl. Tanzen? - könntest Du noch Pulsatilla einnehmen (als Globuli, hat bei mir wahre Wunder bewirkt was das PMS betrifft und ihm werden noch mehr gute Wirkungen nachgesagt). Google mal danach: es gilt als das wichtigste Frauenmittel in der Naturheilkunde.

Allerdings glaube ich, dass Dein PMS eher seelischer Natur ist...darum auch von mir die Frage: Wie geht Ihr mit der Kinderlosigkeit um? Wie verarbeitest Du das? Wie verarbeitet Ihr als Paar gemeinsam das?

Alles Gute für Dich
Kurly

emma_ha
25.02.2011, 10:42
Hallo und danke schon mal. :-)
Ich mache regelmäßig Sport (Schwimmen und Laufen) und ich gehe relativ regelmäßig tanzen. :-) Ich tue schon eine Menge für mein seelisches wie auch körperliches Gleichgewicht, ich weiß, wie wichtig das insgesamt ist.
Ja, wie geht man damit um? Das ist eben die Frage. Zwingen kann man es nicht. Wenn es nicht für einen bestimmt ist, dann ist das eben so. Ist ja nicht zu ändern, ist nur zu akzeptieren. So viel ist für uns beide schon klar, in eine andere Richtung gehen wir nicht mehr.
Wie verarbeitet man das? Ich weiß es nicht, aber der Prozess ist natürlich noch nicht abgeschlossen. Das ist im Moment aber auch gar nicht das Hauptthema oder vielmehr eine andere Baustelle (an der ich natürlich sowieso bin).
Erstmal brauche ich eher sowas wie "Erste Hilfe" im täglichen Umgang...

nana04
25.02.2011, 11:05
hi emma

auch ich kenne so einiges was du beschreibst.........
da sind auch total verschiedene ebenen drinnen.... pms, umgang mit kinderlosigkeit etc.

also ich habe meinen zyklus mit miasmatischer (weiss nicht ob richtig geschrieben) homöopathie in den griff bekommen - und da meine ich nicht schwanger werden, sondern einfach den zyklus. ich war immer lange prämenstruell und ich hatte unendliche bauchschmerzen jeden monat. das habe ich mit einer konstitutionsbehandlung in den griff bekommen - und ich habe seither keine schmerzen mehr und ich habe auch praktisch keine prämenstruellen abgründe mehr. ich bin übrigens eine sehr kritische person, gegenüber allem was nicht schulmedizin ist:smile:

betreffend dem umgang mit der kinderlosigkeit gibt es halt auch x wege. ich selber musste entscheiden, ob ich diese perspektive ganz los lasse - ob ich den nerv habe, es über jahre drauf an kommen zu lassen - oder ob ich mich bzw. mein partner genauer abklären lasse und dann überlege, ob ich medizinische hilfe in anspruch nehmen möchte. das alleine ist schon ein langer prozess gewesen.....

und in der phase, in welcher du grad steckst ist auch wichtig, dass du etwas grosszügig bist mit dir. ich rede nicht vom abgrundtiefen selbstmitleid. aber es ist doch echt ne blöde verzwickte situation - da kommen wut, frust, trauer, ohnmacht etc. schon mal hoch und darf doch auch platz haben.
wenn ich diese gefühle selber akzeptieren konnte, ging es mir meistens etwas besser. so hatte ich wenigstens nicht das zusätzliche gefühl sich selber nicht akzeptieren zu können.....

ich finds total schwer, gute ratschläge zu geben....... und ich weiss wie ich selber gelitten habe.

NANA

emma_ha
25.02.2011, 11:21
Hallo Nana,

vielen Dank auch für dein Posting. Meine eigenen Gefühle akzeptieren ist eigentlich nicht mein Problem. Das Problem ist eher, dass ich sie nicht für mich behalten kann. Man merkt mir an, wenn etwas ist, und die zwei Möglichkeiten sind kompletter Rückzug (das geht nur eben erstens leider nicht bei meinem Mann und ist ja zweitens auch keine wirklich gute Lösung) oder Rauslassen der Gefühle (und da ist man ganz schnell als neidisches und bösartiges Ekelpaket verschrieen). Ich möchte auch so gerne eine abgeklärte Haltung entwickeln, Anteil haben und mich für alle anderen freuen, ohne Stich im Herzen... Nur habe ich das Gefühl, davon bin ich weit entfernt, und ich habe Angst, dass ich es gar nicht mehr schaffe. :niedergeschmettert:

kakao
25.02.2011, 11:37
Hallo Emma,
PMS habe ich auch, habe aber leider noch kein "Kraut" dagegen gefunden. Ansonsten wollte ich - auch wenn Du zur Kinderwunschthematik nicht speziell um Rat gefragt hast - noch etwas zu Folgendem sagen:


Hallo und danke schon mal. :-)
Ja, wie geht man damit um? Das ist eben die Frage. Zwingen kann man es nicht. Wenn es nicht für einen bestimmt ist, dann ist das eben so. Ist ja nicht zu ändern, ist nur zu akzeptieren. So viel ist für uns beide schon klar, in eine andere Richtung gehen wir nicht mehr.
.

Natürlich ist es Deine persönliche Entscheidung und vielleicht nehmt Ihr ja auch medizinische Hilfe in Anspruch bzw. habt eine genaue Diagnose. Ansonsten - wenn ich von mir ausgehe - könnte ich ungewollte Kinderlosigkeit vielleicht besser akzeptieren, wenn ich das Gefühl hätte, so viel wie möglich probiert zu haben bzw. immerhin besteht ja oft auch eine gute Chance, dass es mit medizinischer Unterstützung klappt.

Alles Gute
kakao

nana04
25.02.2011, 11:37
ich war jahrelang phasenweise neidisch, missgünstig.......... klar versteh ich, dass du nicht in diesem zustand stecken bleiben willst. das ist auch gesund!! schliesslich willst du irgendwann wieder zufrieden sein....... aber irgendwie gehören sie wohl dazu.
aber seid ihr den abgeklärt? wenn nein - wäre das eine option? so würdest du wieder handeln und wärst nicht in dieser ohnmacht gefangen.....

auch wenn viele hier, eine ähnliche geschichte haben wie ihr - es gibt dooferweise einfach kein padentrezept...

NANA

emma_ha
25.02.2011, 12:21
Nein, abklären und Klinik ist aus verschiedenen Gründen keine Option. (Man kann und sollte der Natur nicht seinen Willen aufdrücken, das ist die falsche Rangordnung.) Davon abgesehen denke ich, dass das für mich letzten Endes auch nur eine Flucht davor wäre, der Realität ins Auge sehen zu müssen.

Zum Beispiel ganz konkret: Gerade habe ich meine Tage, und nachher sehe ich bei einer Feier meine Schwester mit dem Acht-Monats-Bauch. Und ich würde mich so gerne mit ihr freuen können und kann nicht. Und komme mir noch schlecht dabei vor. Versteht ihr, was ich meine? Und in so einer Situation hätte ich gerne konkrete Hilfe, irgendsowas wie diese Notfallbonbons, das wäre toll... Aber wahrscheinlich gibt es da nichts als Augen zu und durch. :knatsch:

nana04
25.02.2011, 12:35
klar kenne ich das! und ich kenne auch das miese gefühl und die scham dafür.
ich überlege die ganze zeit was mir genützt hat!! vielleicht die spätere erkenntnis, dass man als nicht freiwillig kinderlose ne ganze menge projektionen macht.... und manchmal auch, dass ich es guten freundinnen sagen konnte, dass ich mich nicht mitfreuen kann.... und sie verstanden es in der regel auch. aber bei mir war das ein langer prozess mit hochs und tiefs...

ich persönlich sehe das mit der natur nicht so... sonst dürften wir uns auch nicht operieren lassen, oder medikamente schlucken um eine krankheit zu heilen... finde ich.
aber wovon ich auch überzeugt bin: die machbarkeit hat seine grenzen. und nicht alle bekommen letzendlich kinder - und nicht alle wollen sich dem stress solcher behandlungen aussetzen. also ist ein plan b sicher total sinnvoll.

leider ohne die gewünschte pille.....
NANA

Wiesenkraut
26.02.2011, 10:53
Nein, abklären und Klinik ist aus verschiedenen Gründen keine Option. (Man kann und sollte der Natur nicht seinen Willen aufdrücken, das ist die falsche Rangordnung.) abklären und der Natur ins Handwerk fuschen sind ja auch noch mal 2 verschiedene Paar Schuhe. Was spricht gegen Ursachenforschung. Damit geht ihr ja nicht zwangsweise den Deal ein nachzuhelfen. Wenn du das nicht möchtest -ok.
Aber die Diagnostik verschafft dir Klarheit. Gibt es eine medizinische Ursache - mehr nicht. Mit dieser Klarheit denke ich wird der Umgang mit der Thematik viel einfacher. Wenn du ganz klar sagst ich möchte der Natur nicht nachhelfen und die Diagnostik ergibt, das schwanger werden schwer bis unmöglich wird, kannst du daran arbeiten dieses Thema abzuschließen.
Es gibt einen Unterschied zwischen Hände in den Schoss legen und aufgeklärt ein Problem angehen. Das ist nun nicht böse gemeint, aber um eine Problematik anzugehen gehört nun mal die Kenntnis des Umfangs des Problems dazu und dafür ist eine komplette Diagnostik durchaus sinnvoll.
Was den Eingriff in die Natur betrifft, so find ich müsst ihr auch da noch genau abklären wo der für euch beginnt.

Beispiel:
Viele Frauen hier schildern hier ein Schilddrüsenproblem, was nicht unwesentlich am "nicht schwanger werden" Schuld ist. Dieses Schilddrüsenproblem ist ein medizinsches Problem und sollte behandelt werden. Sowas ist kein Eingriff in die Natur, sondern eine medizinsch sinnvolle Behandlung zur Erhaltung der eigenen Gesundheit.

PMS lässt sich tatsächlich gut mit Mönchspfeffer behandeln. Mönchspfeffer harmonisiert den ganzen Zyklus und hilft somit evtl. auch schwanger zu werden.

Ähnlich wie Pulsatilla.

Ich kann nachvollziehen, dass du keine Hormonbehandlung willst keine künstliche Befruchtung, aber nicht dass du die Diagnostik als solches für dich ablehnst, das hat so ein bischen was von den 3 Affen.

Bitte nicht böse sein, mein Post ist wirklich lieb gemeint und nicht als Kritik an deiner Person.

Eteterfon
26.02.2011, 13:13
(Man kann und sollte der Natur nicht seinen Willen aufdrücken, das ist die falsche Rangordnung.)
Ich finde ja, es könnte Dir evtl. helfen, etwas genauer bescheid zu wissen. Zu wissen, was bei Euch nicht stimmt, heißt ja noch nicht, dass Ihr das dann behandeln lassen müsst/könnt/sollt, wenn Ihr überzeugt davon seid, dass man das nicht sollte. Es könnte Dir aber vielleicht auf längere Sicht helfen, alles zu verarbeiten? Und sei es, dass Du nicht mehr jeden Monat in eine tiefe Krise stürzt. Dein PMS hat evtl. ja auch einen psychischen Anteil.

Wegen Deiner Schwester - hast Du mal mit ihr drüber gesprochen, wie hart das für Dich ist, dass sie das kann und Du offenbar nicht? Sie kann ihren Bauch natürlich nicht verstecken, aber weiß sie, WIE schlimm das für Dich ist? Ist "erstmal nicht hingehen" eine Option? Ich gehe davon aus, dass sie dafür Verständnis haben wird. Seid Ihr Euch nah als Schwestern? Oder eher Konkurrenz?

emma_ha
27.02.2011, 09:23
Klar ist das zum großen Teil psychischer Natur. Ich denke nur, die Biologie verstärkt eben dann noch kurzfristig alles, und diese großen Ausreißer möchte ich einfach gerne in den Griff kriegen.
Ich denke, meine Schwester weiß es schon und wir haben eigentlich ein ganz gutes Verhältnis zueinander. Ich habe mich mit genau dieser Begründung, dass ich wahrscheinlich keine Kinder haben werde und vor meinen eigenen negativen Gefühlen zuviel Angst habe, entschieden, nicht Patentante zu werden.
Da sie aber Mitte zwanzig ist und, sobald sie eine feste Stelle hatte, schneller schwanger wurde als man "Babybauch" sagen kann :smirksmile:, kann sie mir nichts wirklich nachfühlen...
Ich fahre jetzt gleich noch vier Stunden mit ihr zusammen Zug. Und ich freue mich nicht darauf... :niedergeschmettert: Ich wünsch mir mehr Kraft und wär gern ein besserer Mensch. *seufz*

Inaktiver User
27.02.2011, 12:56
Hallo Emma,

das ist doch ganz normal, dass du so darauf reagierst. Wenn du dir eben sehr ein Baby wünscht und es klappt nicht, wär's doch schon fast merkwürdig, wenn dir das völlig gleichgültig wäre. Ich glaube, je mehr man solche Gefühle unterdrückt, sich dessen schämt etc. desto schlimmer werden sie nur.
Akzeptier das doch einfach, dass dich das momentan neidisch und bitter macht. Ich denke mal, wenn du das mehr und mehr verarbeitet hast, wird das auch besser.

Ich würd halt an deiner Stelle deiner Schwester in diesen Momenten aus dem Weg gehen (hast du ja auch, mit Ablehnung Taufpatin zu werden), damit das nicht euer Verhältnis trübt.
Und einfach an den Tagen etwas tun, was dir gut tut und woran du dich festhalten kannst.

LG :blumengabe:
schwimmkatze

myDara
27.02.2011, 16:59
Hm Emma, ganz nachvollziehen kann ich deine Einstellung aber auch nicht. Du bist so tieftraurig wenn du andere Schwangere siehst und weigerst dich aber nachgucken zu lassen warum es bei euch nicht klappt! Irgendwie widerspricht sich das doch oder?

emma_ha
01.03.2011, 09:45
Ich bin nicht sicher, ob es das Rausfinden, woran es liegt, wirklich besser macht. Dann geht es doch erst recht los mit Schuldzuweisungen oder "Hätte-wäre-wenn"-im-Kreis-Gedanken. Und das Ergebnis bleibt ja das gleiche. Ich gehe gedanklich und gefühlsmäßig eher in die Richtung, dass es, wenn es so für uns bestimmt wäre, ja klappen würde. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es dafür wahrscheinlich einen guten Grund in dem höheren Plan. Dass mich das traurig macht, ist nachvollziehbar, aber eben mein Problem, dass ich in den Griff kriegen muss. Nicht jeder auf der Welt bekommt alles, nur weil er es will. Ich versuche mir gerade vorzustellen, ob es mir helfen würde, zu wissen, woran es liegt, und ich glaube nein...

Leandra
01.03.2011, 09:54
Ich bin nicht sicher, ob es das Rausfinden, woran es liegt, wirklich besser macht. Dann geht es doch erst recht los mit Schuldzuweisungen oder "Hätte-wäre-wenn"-im-Kreis-Gedanken. Und das Ergebnis bleibt ja das gleiche. Ich gehe gedanklich und gefühlsmäßig eher in die Richtung, dass es, wenn es so für uns bestimmt wäre, ja klappen würde. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es dafür wahrscheinlich einen guten Grund in dem höheren Plan. Dass mich das traurig macht, ist nachvollziehbar, aber eben mein Problem, dass ich in den Griff kriegen muss. Nicht jeder auf der Welt bekommt alles, nur weil er es will. Ich versuche mir gerade vorzustellen, ob es mir helfen würde, zu wissen, woran es liegt, und ich glaube nein...

Möchtest du auch Probleme, die nur im Rande mit dem Kinderwunsch zu tun haben auch nicht abklären lassen, z.B. Schilddrüse?

myDara
01.03.2011, 09:56
Das finde ich so eine leichtsinnige Aussage. Was ist wenn du "nur" eine Kleinigkeit hast die mit wenigen Schritten behoben ist? Ich hatte vor meinem Sohn eine leichte Gelbkörperschwäche und mit einem Monat Duphaston war das erledigt....

Ich persönlich würde das im Dunklen Tappen nicht aushalten aber das muss ja jeder für sich selbst entscheiden:blumengabe:

Aber so wie du schreibst klingt es ja doch als ob du ansatzweise wüsstest warum es bei euch nicht einschlägt?

emma_ha
01.03.2011, 10:19
Möchtest du auch Probleme, die nur im Rande mit dem Kinderwunsch zu tun haben auch nicht abklären lassen, z.B. Schilddrüse?

Ich bin, was alle normalen Funktionen meines Körpers angeht, gesund. Alle meine Blutwerte sind normal, mein Gewicht ist normal, meine Schilddrüsenfunktion ist normal. Das ist gerade erst untersucht worden. Ebenso bei meinem Mann. Wir haben keine spezielle Diagnose zur Empfängnis- bzw. Zeugungsfähigkeit eingeholt, aber es gibt nichts, was meinen oder seinen Gesundheitszustand betreffend behandelt werden müsste.

dieArtischocke
01.03.2011, 12:42
I Ich gehe gedanklich und gefühlsmäßig eher in die Richtung, dass es, wenn es so für uns bestimmt wäre, ja klappen würde. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es dafür wahrscheinlich einen guten Grund in dem höheren Plan.

Liebe Emma,

wenn Du das so empfindest (und ich kann das nachvollziehen, auch wenn es bei mir wahrscheinlich anders wäre) dann kannst Du es ja jetzt vielleicht als Deine Aufgabe ansehen, herauszufinden, was der Plan für Dich als Kinderlose vorsieht. Und ganz vielleicht sind Dir da Deine PMS-Gefühle sogar eine Hilfe (und nicht etwa ein Hindernis) (wenn man an so einen Plan glaubt, dann muss man es fast so sehen, oder?).
Vielleicht kann ich das an meinem Beispiel erklären. Als junges Mädchen, bevor ich die Pille genommen habe, hatte ich auch PMS-Symptome (jetzt nach Absetzen übrigens gar nicht mehr) und habe dann vor allem mit meinen Eltern gestritten und fast grundlos geheult etc. Damals fand ich das (vor allem immer im Nachhinein) relativ grundlos und unsinnig und hätte am liebsten auch eine Notfallpille dagegen genommen. Jetzt fällt mir auf, dass das die einzigen Momente waren, in denen ich mich gegen die Eltern aufgelehnt habe und meine Eigenständigkeit verteidigt habe. Und das ist ja in der Pubertät relativ normal denke ich mal (auch wenn es nicht nett war gegenüber meinen Eltern und ich es im Nachhinein gerne anders getan hätte). Und es waren die Momente, in denen ich eine Ahnung davon hatte, dass ich so nicht auf Dauer leben möchte. heute weiß ich, was mich an meinem damaligen Leben unglücklich gemacht hat.
Vielleicht ist es wichtig, dass Du Dich gegenüber Schwangeren und Müttern abgrenzt (oder zumindest gegenüber diesem Lebensmodell) um Deinen Lebensplan zu begreifen. Kann das sein?

Liebe Grüße
Artischocke

Wiesenkraut
01.03.2011, 14:52
Ich bin nicht sicher, ob es das Rausfinden, woran es liegt, wirklich besser macht. Dann geht es doch erst recht los mit Schuldzuweisungen oder "Hätte-wäre-wenn"-im-Kreis-Gedanken.

sorry das hat für mich aber was von Vogelstrauss Politik, den Kopf einfach in den Sand zu stecken halte ich für keine gute Idee, weil einen halbes Wissen eine Sache nicht abschließen lässt.

Mein persönliches Beispiel:
in meiner Familie sterben alle Frauen jung an Brust Krebs, wäre ich wie du, würde ich die Hände in Schoss legen und sagen, wenn es mir so bestimmt ist wird es schon seinen Sinn und zweck haben.
Ich habe mich dafür entschieden wissen zu wollen wie es aussieht, hab einen Gentest machen lassen, mich schlau gemacht, was ich mit dem positiven Ergebnis anfange und dann angefangen an meiner Angst zu arbeiten und auch an meiner unausgesprochenen Schuldzuweisung ("wie konntest du Kinder bekommen wo diese Krankheit in uns steckt" habe ich oft in Gedanken meine Mutter gefragt)

Ein Problem von dem man nur ahnt was die Ursache sein könnte lässt einen nicht los, man kann es in keine Richtung abschließen - meine Erfahrung. Halbwissen führt viel eher zu "Schuldzuweisung" als klare Ursachen, denn so dümpelt immer irgendwas im Unterbewußtsein und lässt einen wie einen Hamster im Laufrad aggieren. Ist die Ursache geklärt kann man alles was dazu gehört angehen, ein Problem nach dem anderen.

emma_ha
01.03.2011, 15:44
@Artischocke: Vielen lieben Dank für Dein Posting, es ist schön, dass mich jemand nachvollziehen kann und auch bereit ist, mit in eine andere Richtung zu denken. Und es ist möglicherweise eine ganze Menge Wahres dran.

@Wiesenkraut: Du hättest es anders gemacht als ich. Aber verurteile ich Dich dafür, weil mein Weg der einzig seligmachende ist? Wenn man mal anfängt, wo ist dann der Schlusspunkt? Ich denke, es ist viel mehr Flucht, wenn man das Gefühl, die Kontrolle zu haben oder haben zu wollen, nicht loslassen kann.

Wiesenkraut
01.03.2011, 16:13
ich hab dich nicht verurteilt, wenn du das so rausliest, ist das deine ganz persönliche Interpretation.
ich fand nur deine Lage und meine vergleichbar. Hoher Leidensdruck, Neid und Therapie. So hab ich mit 30 auch da gehangen und es war ein langer langer Weg bis ich merkte, dass man Probleme nur angehen kann die man genau kennt. Der Weg ist immer noch nicht zuende und ich werde diesen Monat 42.
Die Motivation hinter meinem Schreiben war (völlig untherapeutisch) dir diesen Weg vielleicht ein bischen zu verkürzen.


Wenn man mal anfängt, wo ist dann der Schlusspunkt? Ich denke, es ist viel mehr Flucht, wenn man das Gefühl, die Kontrolle zu haben oder haben zu wollen, nicht loslassen kann. Es ist eine Illusion, dass du irgendwann die Kontrolle hast :smirksmile: und wo der Schlusspunkt liegt entscheidet DEIN Wohlfühlgefühl. Da du aber selbst schilderst, dass du das alles andere als erreicht hast, ist der wohl nicht gefunden. Denn auch mit Handicap kann man ja durchaus in sich ruhen.

Wenn

Ich gehe gedanklich und gefühlsmäßig eher in die Richtung, dass es, wenn es so für uns bestimmt wäre, ja klappen würde. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es dafür wahrscheinlich einen guten Grund in dem höheren Plan das schon der Schlusspunkt wäre, würdest du mit dieser für dich richtigen Realität gut zu recht kommen (meine Erfahrung und ich habe nicht nur eigene Therapieerfahrung sondern auch berufserfahrung in dem Bereich). Lies mal selbst "du gehst in die Richtung" und "es ist warscheinlich" kommen in deinem Satz vor. Es fehlt in die innere Sicherheit.
An dem Punkt hab ich mich jahre wie ein Hamster bewegt. Bin nicht vor und nicht zurückgegangen. Vielleicht ists für dich auch richtig zu sagen "es gibt einen guten Grund in einem höheren Plan" und es ist dein Job "nur" an diesem "warscheinlich" zu arbeiten. Das ist dann wohl einer eine Frage des Glaubens oder der Überzeugung.
Was mich an deinen Posts halt so wach gerüttelt hat, ist der hohe Leidensdruck und die Unsicherheit und da habe ich versucht Hilfestellung zu geben. Es liegt nicht in meiner Natur, sowas mit Samthandschuhen, da ich aus eigener Erfahrung weiss, dass man an bestimmten Punkten im Leben gehörige Schubser braucht um isich selbst aus dem Sumpf zu ziehen.

Ich hab dir übrigens eine Geschichte mitgebracht, die mir sehr geholfen hat

herr müller ist ein frommer mann. er steht mit dem lieben gott auf du und du. und der liebe gott hat herrn müller fest versprochen: "wenn du einmal hilfe von mir brauchst - ich bin immer für dich bereit - rufe mich!" irgendwann kam herr müller in große geldnöte und wandte sich daher hilfesuchend an den lieben gott: "du hast mir versprochen, für mich da zu sein: du, lieber gott, siehst alles. du siehst auch, wie ich jetzt so nötig geld brauche, um mein haus fertig zu bauen und für meine kinder zu sorgen ... bitte verhilf mir zu geld und laß mich im lotto gewinnen". eine woche vergeht, nichts geschieht. "lieber gott", betet herr müller, hast du mich vielleicht vergessen? du hast ja viel zu tun, ich kann es verstehen - aber ich flehe zu dir: ich brauche soo nötig geld!" vier wochen vergehen - nichts geschieht. schließlich wird herr müller zornig: "lieber gott, du hast versprochen mir zu helfen. warum tust du nichts? warum läßt du mich hängen? 5 wochen sind seit meinem ersten hilferuf an dich vergangen - und nichts ist geschehen - kein lottogewinn - nichts!" da lächelt der liebe gott und antwortet: "könntest du mir vielleicht ein bißchen entgegenkommen und dir einen lottoschein kaufen?"

wiedergefunden auf der Webseite von Pfarrer Niemayer "typisch evangelisch"
http://www.ev-net.de/
denk einfach mal drüber nach:smirksmile:

Inaktiver User
01.03.2011, 18:02
Liebe Emma,

ich bin in einer ähnlichen Lage wie du – auch ich versuche mich mit dem Gedanken abzufinden, dass ich wahrscheinlich keine Kinder haben werde. Und auch mir geht es so, dass das in den Tagen vor den Tagen, wenn wider besseres Wissen immer wieder die Hoffnung aufkeimt und jedes noch so kleine Ziepen ein positives oder negatives Zeichen sein könnte, besonders schwer ist. Lange Zeit musste auch mein Mann darunter sehr leiden und Schwangere und junge Mütter habe ich so weit wie möglich gemieden. Bei mir dauert diese Phase jetzt schon mehr als ein Jahr – und es wird langsam besser. Der Gedanke, kinderlos zu bleiben, ist tatsächlich gesackt und die Trauer ist zwar natürlich noch da, wird aber auch erträglicher. Von daher lautet mein Rat an dich: Halt es einfach aus, es wird irgendwann besser. Deine Umgebung muss da irgendwie durch – und wer dein Verhalten gar nicht verstehen kann, obwohl du ja anscheinend offen über deine Situation redest, der hat selber ein Problem. Anders ist es innerhalb der Beziehung, denn dein Mann ist ja genauso betroffen wie du und trauert sicherlich ebenfalls, nur eben auf eine andere Art. Ich versuche inzwischen schon, nicht mehr meinen ganzen Kummer bei meinem Mann abzuladen, denn ich habe gemerkt, dass das für ihn nicht zu ertragen ist – und unserer Beziehung hat das gut getan. Und meiner Trauer auch.
Was das Kind deiner Schwester angeht: Ich finde es sehr traurig, dass du die Patenschaft abgelehnt hast. Mir geht es so, dass ich im Umgang mit Kindern keine Probleme habe – schon zu den Babys baut man ja sehr schnell eine Beziehung auf und das steht dann für sich, unabhängig von meinem eigenen Kinderwunsch (ich weiß nicht, wie ich das besser beschreiben soll). Ich bin selber Patentante und bin dafür unheimlich dankbar – denn so habe ich wenigstens die Möglichkeit, ein Kind beim Aufwachsen zu begleiten.

Was die Ursachenforschung angeht: Ich habe einen anderen Weg als du eingeschlagen und bin jetzt seit mehr als zwei Jahren in Kinderwunschbehandlung. Für mich war dieser Weg auf jeden Fall richtig, aber ich kann schon verstehen, wenn jemand sagt, dass er sich die vor allem psychische Belastung nicht antun möchte. Zumal ja Behandlung nicht zwangsläufig bedeutet, dass man auch ein Kind bekommt – statistisch gesehen bleibt ca. ein Viertel der Paare auch nach mehreren Behandlungen kinderlos (manche Statistiken sprechen sogar von einem Drittel). Wenn man zu diesen gehört, hat man viel Kraft, Energie, Geld investiert für eine Zeit, die einem außer höchster Anspannung, tiefster Verzweiflung und Bauchschmerzen nichts gebracht hat – und steht dann an der gleichen Stelle wie du jetzt. (Mit dem für mich allerdings wichtigen Unterschied, dass man ja auch zu den glücklichen drei Vierteln hätte gehören können... was aber auch wieder zu Verzweiflung führt).
Deswegen würde ich nur bedingt von „Vogel-Strauß-Politik“ sprechen, wenn jemand weitere Diagnostik ablehnt. In den seltensten Fällen kommt ja dabei auch eine eindeutige Diagnose raus – es kann theoretisch bei fast jedem Paar auf natürlichem Wege klappen, und bei einem Teil der Paare wird gar nichts gefunden und es klappt trotzdem nicht. Deswegen ist es denke ich auch so, dass der Leidensdruck so lange erhalten bleibt – ich habe inzwischen so viele Wundergeschichten gehört, dass ich selber die Hoffnung auf ein Wunder nur schwer aufgeben kann.
Ich schätze mal, einen Hormonstatus und ein Zyklusmonitoring beim Frauenarzt hast du gemacht – es wäre wirklich ärgerlich, wenn dein Kinderwunsch an einer leicht zu behebbaren Störung wie einer Gelbkörperschwäche scheitern würde. Ich würde meinen Mann auch zum SG schicken – das tut nicht weh, kann aber zeigen, ob es eine Entzündung gibt oder vielleicht leichte Einschränkungen, die sich manchmal mit Nahrungsergänzungsmitteln in den Griff kriegen lassen. Wenn du aber die Repro-Medizin ganz bestimmt nicht nutzen möchtest, kannst du dir Bauchspiegelung und Co meiner Meinung nach tatsächlich sparen.
Dir alles Gute! Nellie

Eteterfon
01.03.2011, 20:03
Ich bin nicht sicher, ob es das Rausfinden, woran es liegt, wirklich besser macht. Dann geht es doch erst recht los mit Schuldzuweisungen oder "Hätte-wäre-wenn"-im-Kreis-Gedanken.
Wer sagt denn, dass Ihr Euch dann automatisch gegenseitig die Schuld geben werdet? Ich will nicht behaupten, dass es einfach ist, wenn sich zB rausstellt, dass der Mann nicht kann. In meiner Beziehung ist aber eins klar: wir haben uns füreinander, für ein gemeinsames Leben entschieden, bevor wir versucht haben, Kinder zu kriegen. Sollte einer von uns nicht können - blöd, aber dann wäre das halt so. So sehen wir das jedenfalls derzeit. Bei Euch wird das doch hoffentlich ähnlich sein?

Bestimmung" ist so eine Sache. Das kann durchaus so sein. Aber wie schon geschrieben wurde, kann es völlig simple Ursachen geben, auch wenn Deine Gesundheitswerte soweit erstmal ok sind. Aber das Gelbkörperdingens wird ja zB nicht einfach so sondern gezielt bestimmt. Nehme ich an, ich kenn mich da nicht aus.

Ich für meinen Teil würde es wissen wollen anstatt mich in die "Opferrolle" (sorry, aber ein bisschen kommt es mir so vor, was Du schreibst) zu begeben. Dann bin ich nämlich kein Opfer mehr - sondern weiß im Fall des Falles definitiv, dass ich mir Kinder abschminken muss. Das fände ich wohl besser zu ertragen als beständiges Hoffen und Bangen jeden Monat und dann die Erkentnis "ist uns halt nicht bestimmt".

Aber das musst Du natürlich selber wissen.

emma_ha
02.03.2011, 19:27
In meiner Beziehung ist aber eins klar: wir haben uns füreinander, für ein gemeinsames Leben entschieden, bevor wir versucht haben, Kinder zu kriegen. Sollte einer von uns nicht können - blöd, aber dann wäre das halt so. So sehen wir das jedenfalls derzeit. Bei Euch wird das doch hoffentlich ähnlich sein?

Ja, das ist genauso. Zumindest in der Theorie. Kinderwunsch ist eben eine große Sache und kann auch sehr ausschließlich werden, glaube ich. Und wenn alles erstmal real wird und man dann feststellt, dass es mit jemand anderem eigentlich problemlos klappen könnte - ich weiß nicht, ich glaube, das ist ganz schwer vorherzusagen.


Ich für meinen Teil würde es wissen wollen anstatt mich in die "Opferrolle" (sorry, aber ein bisschen kommt es mir so vor, was Du schreibst) zu begeben. Dann bin ich nämlich kein Opfer mehr - sondern weiß im Fall des Falles definitiv, dass ich mir Kinder abschminken muss. Das fände ich wohl besser zu ertragen als beständiges Hoffen und Bangen jeden Monat und dann die Erkentnis "ist uns halt nicht bestimmt".

Und wieso bin ich dann weniger ein Opfer? Denn das bin ich ja, quasi (der Begriff ist eben mittlerweile sehr negativ belastet und suggeriert oft ein Sich-freiwillig-in-die-Opferrolle-Begeben) immer. Ich weiß dann, dass ich keine Kinder bekomme, aber was daran habe ich aktiv bewirkt? Den Fakt, dass es mir nicht bestimmt ist und ich insofern ein "Opfer" meiner Bestimmung bin, ändert das ja nicht. Wie aktiv auch immer ich bin oder nicht bin - nichts ändert etwas daran, wie es ausgeht. Und für Euch mag das anders sein, aber das ist eben subjektiv: Für mich ändert Aktivität nichts an meinem empfindungsmäßigen Zustand.

Halbnomadin
02.03.2011, 20:31
Liebe Emma,

Du fragst nach konkreteren Denkansätzen. Für viele ist Klarheit über die Ursachen ein entscheidender Faktor, damit sie wieder nach vorn sehen können. Du sagst, es sei Dir halt nicht bestimmt, Kinder zu bekommen - damit hast Du eine Erklärung, welche eine Diagnose durchaus ersetzen kann, wenn das für Dich als Grund ausreicht.

Nachdem ich meine Diagnose hatte, (mit meinem Mann ist alles OK, die Kinderlosigkeit lag an meiner Gelbkörperschwäche und einer Immunreaktion auf seine Spermien,) habe ich mir ein persönliches Aufbauprogramm zurechtgezimmert, um mich aus den miesen Gefühlen und aus den Hormonnebenwirkungen der Behandlung wieder herauszuholen. Vielleicht hülfe Dir ein auf Dich maßgeschneidertes entsprechendes Programm?

Für den Körper gab ich mir täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, regelmäßig Grundlagenausdauersport und entspannende Wannenbäder,
für die Seele sprach ich täglich ein Dankgebet anlässlich irgend eines positiven Ereignisses an diesem Tag,
für den Geist gab es anspruchsvolle Sachbücher und Literatur, die den Horizont weitet sowie Kurzreisen mit dem gleichen Anspruch (meist ohne meinen Mann),
und für die Partnerschaft gab es Tango Argentino.

Die Punkte für Körper und Seele hielt ich dann am striktesten ein, wenn es mir am schlechtesten ging. Die anderen waren im Alltag zwischen den Tiefs am wichtigsten, denn sie beugten dem nächsten Tief vor. Außerdem ergab es sich, dass ein lieber junger Mensch mir beibrachte, wie dringend nötig unsere Welt auch Tanten und Onkel braucht.

Wenn es mir richtig gut ging, dann arbeitete ich innerlich daran, das Wort "unfruchtbar" auf mich selbst anwenden zu lernen, ohne dass miese Gefühle auftauchen. Nach einem Jahr innerer Arbeit habe ich das geschafft, und damit verschwand der Neid und nahm einen wesentlichen Teil des Leides mit sich. Als meine kinderreiche Schwester mir erzählte, dass sie wieder schwanger war, habe ich schallend lachen können, weil ja doch immer alles anders kommt als gedacht.

Viereinhalb Monate nach ihr wurde ich schwanger. Das hat aber mit der seelischen Verarbeitung von Leid nichts zu tun.

So etwas wie Notfallbonbons kann man ausprobieren, es gibt Rescuebonbons im Reformhaus zu kaufen. Aber Gefühle, für die es einen tiefgreifenden Grund wie ungewollte Kinderlosigkeit gibt, zu ändern, ist harte, langwierige Arbeit. Ich weiss, dass Du in dieser Arbeit schon mittendrin bist, denn Du schriebst, Du seiest in Therapie, und in diesem Strang hier arbeitest Du auch daran. Bitte glaube mir: die Arbeit lohnt sich! Die Freude über neues Leben kommt wieder.

Bis dahin wünsche ich Dir viel Kraft, Zuversicht und Ausdauer.

Lieben Gruß - Halbnomadin