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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kinder bekommen trotz Krankheit?



Inaktiver User
18.02.2011, 10:35
Hallo ihr Mamis und Hibblerinnen!

Ich habe eine Frage und vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen. Sorry, das wird ein etwas längerer Text. Es geht um eine Freundin von mir. Sie hat mich in einer Sache um Rat gefragt, und ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll bzw. wie ich ihr helfen kann. Kurz gefasst geht es um die Frage, ob sie mit ihrem Partner Kinder bekommen soll, obwohl sie eine Erkrankung hat, deren Fortgang ungewiss ist.

Ich schildere das mal etwas ausführlicher: Meine Freundin ist 30, ihr Partner Anfang 30. Sie sind schon seit Jahren zusammen und haben immer von einer Familie geträumt. Jetzt wäre der Zeitpunkt gut hinsichtlich der Lebenssituation. Nun das große Aber: Meine Freundin hat seit einigen Jahren eine Erkrankung, deren Entwicklung sich nicht voraussagen lässt. Es ist nichts, woran sie sterben wird, und auch nichts, was vererbt wird. Aber wenn die Krankheit einen schlechten Verlauf nimmt, kann es sein, dass sie in einigen wichtigen Bereichen für den Rest ihres Lebens sehr stark eingeschränkt sein wird und dauerhaft ganz schlimme Schmerzen erleiden muss.
Sie weiß von ihrer Krankheit seit ca. 3 Jahren. In den letzten zwei Jahren hat sich ihre Symptomatik verbessert, und sie hatte kaum Probleme. Deshalb hat sie gar nicht mehr so viel darüber nachgedacht. Sie hat mir ezählt, dass sie und ihre Freund eigentlich in diesem Jahr schwanger werden wollen.
Dann kam aber ganz plötzlich und unvorhersehbar eine Verschlechterung im Winter. Es geht ihr mittlerweile schon wieder besser, aber dieser Vorfall hat eben die Krankheit wieder deutlich in Erinnerung gerufen. Jetzt ist sie unsicher, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollte.

Es ist wohl so, dass sich der Verlauf der Erkrankung nicht prognostizieren lässt. Bei den meisten verläuft es eher negativ, aber die Schnelligkeit kann man nicht wirklich vorhersagen. Will heißen: Im schlimmsten Fall geht es ihr schon in ein, zwei Jahren absolut schlecht, im besten Fall gar nicht oder erst im hohen Alter. Es würde deshalb nichts bringen, die Kinder-Entscheidung zu vertagen, denn die letzten beiden Jahre ging es ihr ja auch gut, und dann kam neulich wieder plötzlich eine Verschlechterung.

Sie meinte jetzt, dass sie evtl. gar keine Kinder bekommen sollte, weil sie ihren Gesundheitszustand im „worst case“ keinem Kind zumuten möchte und den Kindern (sie wollen eigentlich zwei) dann auch keine richtige Mutter mehr sein könnte. Andererseits sagt sie auch, dass diese Entscheidung eben bedeuten würde, das ganze Privatleben auf diesem „worst case“ aufzubauen, ohne sicher zu wissen, ob oder wann der überhaupt eintritt. Im blödesten Fall ist sie im Alter immer noch einigermaßen fit und muss sich dann eingestehen, dass sie einen Großteil ihres Lebens verpasst hat...

Ihr Partner meint, sie sollten trotzdem Kinder bekommen. Er sieht das Ganze eher optimistisch. Sie ist sich aber nicht sicher, ob er wich wirklich Gedanken gemacht hat, was im "worst case" dann wäre, oder ob er diesen Gedanken eher verdrängt...

Sie hat mich gefragt, was ich an ihrer Stelle tun würde, aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß es nicht! Zum einen finde ich es gut, dass sie verantwortungsvoll denkt und nicht einfach Kinder in die Welt setzt, ohne vorher nachzudenken. Zum anderen finde ich das Argument, dass man nicht sein ganzes Familienglück einem „Eventuell“-Szenario opfern sollte, auch sehr richtig. Und keine Frau hat ja im Vorfeld eine Garantie, dass sie gesund ist und bleibt, wenn sie ein Kind bekommt…

Meine Freundin und ihr Partner wünschen sich wirklich sehr eine Familie, sie lieben Kinder, und ich glaube, dass meine Freundin eine wunderbare Mutter wäre… Das sagt sie auch selbst, dass sie – wenn die Krankheit nicht wäre – bestimmt eine gute Mutter würde und daran gar keinen Zweifel hätte.

Sie ist so traurig und ratlos. :regen: Was kann ich ihr nur sagen? Was denkt ihr denn darüber? Oder vielleicht gibt es hier sogar Frauen, die selbst eine ernste Erkrankung haben und sich bewusst für oder gegen Kinder entschieden haben?

Liebe Grüße,

SeaWoman

Inaktiver User
18.02.2011, 12:11
Was sagt denn der Gyn der Freundin? Der müßte das doch beurteilen können.

Ich mag gar nichts dazu sagen, solange ich nicht weiß um welche Krankheit es sich handelt.

Immerhin gibts viele schlimme Krankheiten da würde ich abraten - und andere schlimme Krankheiten, da würde ich das Risiko eingehen.

Rena84
18.02.2011, 12:27
Liebe SeaWoman,

ich schließe mich Dharma an. Ich würde mit dem Frauenarzt darüber sprechen. Fragen wie "Müssen Medikamente während der Schwangerschaft abgesetzt werden- wenn ja, mit welchen Konsequenzen?" und "Risiken und Nebenwirkungen" kann nur der Arzt einschätzen.

Und am Ende sollte deine Freundin ihrem Bauchgefühl folgen. Mit welcher Entscheidung fühlt sie sich wohl. Da kann man als Ausstehende/r, glaube ich, gar nichts raten. Das muss jede Frau für sich selber entscheiden.

Ich kann eine kleine, vielleicht Mut machende Geschichte aus dem Freundeskreis berichten: eine Freundin hat seit Jahren Rheuma, die Schübe kommen und gehen und sie muss Medikamente nehmen. Wie ihr "Zustand" in 10 Jahren sein wird, kann keiner sagen. Sie und ihr Freund haben sich trotzdem für Kinder entschieden. Sie ist jetzt Ende 30 und wurde 2009 dann nach langer Zeit durch künstliche Befruchtung (Spermien waren für den natürlichen Weg "zu langsam") mit Zwillingen schwanger. Die beiden Mäuse kamen 8 Wochen zu früh und die Schwangerschaft war nicht einfach. Stand heute: sie ist überglücklich die beiden Kleinen trotz aller Umstände bekommen zu haben.

Aber wie gesagt: die Entscheidung sollte jede Frau für sich selber treffen.

Viele Grüße!

Hamster
18.02.2011, 12:35
Ich würde auch mit meinem Arzt darüber sprechen. Ob nun Gyn oder Facharzt für die Krankheit muss sie wissen. Evtl. wären beide auch gut.

Je nach Krankheit kann der Rat so oder so aussehen.

Inaktiver User
18.02.2011, 15:48
Hallo Ihr!

Vielen Dank für eure Antworten!

Welche Erkrankung meine Freundin hat, möchte ich hier lieber nicht schreiben, da das eine relativ seltene Sache ist und ich sie nicht im Internet "outen" will.

Mit den Ärzten hat sie schon geredet, leider. Ihre Gyn meinte, von ihrer Seite aus spräche nichts dagegen. Damit bezog sie sich aber nur auf die Schwangerschaft und die Geburt, denn die Erkrankung hat darauf keine Auswirkungen, und eine akute Verschlechterung während Schwangerschaft oder Stillzeit könnte man auch zur Not auf eine Weise behandeln, die dem Baby nicht schadet. Was die Frage an sich angeht: Kind ja oder nein, da wollte sie sich nicht zu äußern, weil sie über die Erkrankung an sich und den Verlauf zu wenig weiß.

Dann ist meine Freundin bei zwei Fachärzten in Behandlung. Der eine meinte, er sähe das mit dem Kind kritisch, da er die Prognose bei der KRankheit negativ beurteilen würde. Der andere meinte, das sei übertrieben und dafür gebe es nicht genug Anhaltspunkte - er würde an ihrer Stelle deswegen nicht auf Kinder verzichten. Also, der eine hü, der andere hott, und meine Freundin genauso schlau wie vorher... :knatsch:

So, wie ich die Sache sehe, hat sie glaube ich auch sehr viel Angst vor dem Urteil anderer. Dass im Falle des Falles dann jemand sagt: "Wie konntest du mit diesem Wissen nur Kinder in die Welt setzen?!" Das schimmerte für mich in ihren Erzählungen so durch. Ich selbst würde nie so urteilen, aber wer weiß, vielleicht tun andere das wirklich...?

Noch dazu kommt, dass ihr Partner auch unbedingt Kinder will. Er ist sehr verständnisvoll und nett, ich weiß auch, dass er auf Kinder verzichten würde, wenn sie keine bekommen könnten (aus welchem Grund auch immer). Aber er meinte wohl, mit einer bewussten Entscheidung gegen Kinder würde er sich sehr, sehr schwertun. Was ich verstehe, und meine Freundin sagt, umgekehrt würde sie genauso denken. Sie sagt, wenn er die Krankheit hätte und nicht sie, dann würde sie auch trotzdem Kinder wollen. Und könnte es wahrscheinlich nicht akzeptieren, wenn er sich dagegen entscheidet, obwohl beide biologisch zum Kinderkriegen in der Lage sind...

Alles sehr verzwickt. Ich finde ja auch, dass sie ihrem Gefühl folgen sollte. Sie sagt, ihr Gefühl sagt ganz laut "JA"... Aber sie habe Angst, dass das egoistisch ist...

Inaktiver User
18.02.2011, 15:50
@ Rena84: Das freut mich sehr für deine Freundin! :blumengabe: So würde ich es meiner auch wünschen...

Promethea71
18.02.2011, 17:11
Hallo,

ich habe zwei vielleicht vergleichbare Fälle im Freundes/Bekanntenkreis.

Beide Frauen haben MS (eine Krankheit mit Ähnlichkeit zu dem was du schreibst), absolut unklarer Krankheitsverlauf mit Schüben und auch guten Phasen.

Die eine ist inzwischen 65, die andere ist 31 und beide haben je zwei Kinder und hatten das Glück, dass die Geburten in eine relativ lange gute Phase fielen (es gibt wohl auch Theorien, dass Schwangerschaften MS positiv beeinflussen können - dazu weiß ich aber zu wenig davon, um das behaupten zu wollen).

Bei der älteren ist die Krankheit erst sehr spät in ein schweres Stadium übergegangen, als die Kinder schon aus dem Haus waren - da wäre es in der Rückschau lächerlich gewesen, deswegen keine Kinder zu bekommen.

Die Kinder der jüngeren sind noch eher klein und sie hat jetzt immer wieder Schübe und Medikamentenumstellungen und vieles ist nicht einfach. Aber sie hat immer Kinder gewollt und stand immer auf dem Standpunkt jeder anderen Mutter kann auch morgen etwas schlimmes passieren - sie weiß nur vielleicht etwas genauer, was passieren kann. Und sie will sich ihr Leben und ihr Verhalten nicht von dieser Krankheit vermiesen lassen und schon vorzeitig aufgeben. Und der Vater der Kinder ist auch sehr ein Familienmensch und sie teilen sich die Erziehung und alles andere sehr partnerschaftlich und wenn sie zB ins Krankenhaus muss ist selbstverständlich er bei den Kindern.

Ich bewundere sie sehr für diese Lebenseinstellung und ihren Mut die Dinge anzugehen - auch in vielen anderen Lebensbereichen, neben der Familie ist sie nämlich auch noch Vollzeit als Architektin selbständig.



Was mir allerdings an der Stelle deiner Freundin wichtig wäre (wobei das eigentlich für jede Frau mit Kinderwunsch gilt), wie engagiert ist der Vater, was gibt es für weitere Auffangnetze über Freunde (idealerweise mit Kindern), Verwandte, soziale Angebote.

Jede Mutter macht sich vermutlich Gedanken darüber, was mit den Kindern passiert, wenn ihr was passiert und jede Mutter kann auch nach der Geburt erkranken oder einen Unfall haben. Nur bei deiner Freundin ist die Wahrscheinlichkeit zeitweise oder ganz auszufallen einfach größer als im Durchschnitt und dann würde ich mir die Frage stellen, durch wen und wie kann dieses Risiko ausgeglichen werden.

Wie sehr will sich der Vater denn im Fall deiner Freundin in die Familie einbringen bzw. was ist auch praktisch möglich ?

Und vielleicht findest du auch ein Forum von Betroffenen, in dem sie sich praktische Erfahrungen von anderen, die diese Krankheit haben, suchen kann.

Liebe Grüße

promethea

Minstrel02
19.02.2011, 12:54
Und letzten Endes ist jedes Leben in erster Linie mal ein Geschenk. Auch unter widrigeren Umständen als mit einer kranken Mutter können Kinder zu glücklichen Menschen heranwachsen und sich im wahrsten Sinne des Wortes ihres Lebens erfreuen.

Es sind wohl nur sehr wenige Menschen, die auf ihr Leben schauen mit dem Wunsch, sie wären nie geboren worden.

Das ist ein sehr extremer Gedanke, aber mE einer, den man im Hinterkopf behalten darf, wenn man den Wunsch hat, sich auf das Abenteuer Elternschaft einzulassen.

Inaktiver User
19.02.2011, 13:00
Im Extremfall kann auch eine einst gesunde Mutter an Krebs sterben. Die Kinder meiner Freundin waren 7 und 9 als sie an Krebs starb. Etwas das meine Freundin nicht wissen konnte bei der Planung der Kinder.

Und bei deiner Freundin ist ja auch noch der Ehemann da. Wenn es wirklich zum Äußersten kommt meine ich. Aber so darf man doch nicht denken.

Uns allen kann jederzeit etwas passieren. Und dennoch bekommen wir zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten Kinder.

Ich würde es machen - nichts ist schlimmer als sich später zu fragen, was wäre wenn?

Deiner Freundin viel Glück :blumengabe:

Inaktiver User
19.02.2011, 13:12
Ich stand selbst vor dieser Entscheidung, und habe mich schweren Herzens gegen eigene Kinder entschieden.

Meine Gründe:

1. Die Schwangerschaft hätte meine Erkrankung verschlimmern können. Ich hätte dann Medikamente nehmen müssen, und im Gegensatz zu den Inhalten der Beruhigungsbonbons, die gern verteilt werden, WEISS ich, dass zumindest ein Teil dieser Medikamente Embryo und Fötus hätten schaden können.

2. Meine Erkrankung hat als Begleiterscheinung, dass Nährstoffe u.U. nicht oder nicht ausreichend aus der Nahrung aufgenommen werden können. Das halte ich für ein sehr wichtiges Kriterium hinsichtlich einer Schwangerschaft.

3. Meine Erkrankung kann jederzeit mit schlimmen Phasen, Krankenhausaufenthalten verbunden sein. Ich kann während dieser Zeiten nicht gewährleisten, so für meine Kinder da sein zu können, wie ich das für sinnvoll erachte. Ich belaste meine Kinder mit meiner Erkrankung, das Krankheitsgeschehen wird emotional nicht spurlos an ihnen vorüber gehen, das kann ich gar nicht vermeiden.

4. Aussagen hinsichtlich genetischer Faktoren und Versicherungen, es sei gar kein Problem, mit Erkrankung XY schwanger zu werden, sehe ich mit gemischten Gefühlen, da diese häufig mehr auf Annahmen und Abwägungen denn auf Fakten oder zumindest bedeutsamen Erfahrungswerten basieren.

Mein Fazit aus diesen Punkten war: Ja, es wäre egoistisch, mich fortzupflanzen. Ich habe deshalb darauf verzichtet. Ich war allerdings während meiner fruchtbaren "Hochphase" auch phasenweise extrem krank.

Hoppypoppy
19.02.2011, 13:57
Ich habe mich in der Situation der Fragenden für ein Kind entschieden.
Allerdings waren mehrere Faktoren gegeben.
Ich war seit einigen Jahren sehr stabil und hatte keinerlei Schübe.
Ich habe meine Medikamente in so geringer Dosis genommen, dass ich sie gleich zu Beginn der Schwangerschaft komplett ausschleichen konnte.
Sowohl mein Facharzt als auch meine Gyn standen hinter mir.
Beide Schwangerschaften haben meinen Verlauf eher günstig beeinflußt.
Ich wußte, dass der Verlauf meiner Erkrankung mit den Jahren eher positiv ist, da ich die Erkrankung früh bekommen habe und sie normalerweise eben nicht schlimmer wird.

Embryotox bietet einen guten Service, was die Fruchtschädigung von Medikamenten angeht. Es wird nämlich nicht nur vieles bagatellisiert, sondern vor allem auch sehr viel schlimmer dargestellt, als es ist. Kaum ein "Wald und Wiesenarzt" kennt sich da wirklich aus.

Die Entscheidung kann aber niemand außer der Person selbst treffen. Man braucht schon eine gehörige Portion Glauben an sich, um gegen evtl. Widerstände anzugehen.

annapaulemax
19.02.2011, 14:10
Das ist eine sehr schwierige Entscheidung und ich würde mich nicht trauen, jemandem, den ich nicht kenne da ab- oder zu zu raten.
Deswegen nur als Gedankensanstoss: die anderen mögen deiner Freundin vielleicht vorwerfen, egoistisch zu sein, weil sie ihrem Kind eine kranke Mutter zumutet. Aber dieses Argument aus der Sicht des betroffenen Kindes heisst: "es ist besser, dass du nicht geboren wirst, als dass du eine kranke Mutter hast."

Ich persönlich glaube nicht, dass viele Kinder da lieber nicht geboren worden wären...

Viele Grüsse

annapaulemax

Sonderzeichen
19.02.2011, 14:18
wenn der kinderwunsch so gross ist, wuerde ich zu einem "ja" tendieren.

wenn es ganz gewichtige argumente gegen eine schwangerschaft gaebe, haetten die aerzte das sicher deutlich zum ausdruck gebracht.

princesspeach
19.02.2011, 16:36
würden wohl die gleichen gedankengänge und fragestellungen ablaufen, wenn nicht die mutter, sondern der vater erkrankt wäre?
ich kenne fälle von frauen, die sich kurz vor dem tod ihres schwer kranken mannes schwängern ließen, weil das der große wunsch beider eltern war. spannenderweise traten hier nur viel geringere gesissensfragen auf...

Eteterfon
19.02.2011, 17:08
Ich würde wohl auch eher zum JA tendieren. Wenn sie sich so sehr Kinder wünschen - drauf ankommen lassen. Denn wer weiß, ob sie überhaupt problemlos schwanger wird...

Inaktiver User
19.02.2011, 17:44
ich kenne fälle von frauen, die sich kurz vor dem tod ihres schwer kranken mannes schwängern ließen, weil das der große wunsch beider eltern war. spannenderweise traten hier nur viel geringere gesissensfragen auf...

Wirklich nicht? Ich hätte mir diese Gedanken schon gemacht.

Und ich hätte mich dagegen entschieden. Die Frage, ob man nicht geboren hätte sollen, ist hypothetisch. Der Gedanke, ich könne mich nicht um meine Kinder kümmern, ist mir schrecklich.

Es ist etwas anderes, ob das später erst passiert - oder ob man es von vorneherein wusste. Dann ist immer der Gedanke da: Das habe ich selbst so entschieden.

Aber es ist ohnehin unmöglich, anderen in diese Entscheidung hereinzureden.

deju
19.02.2011, 21:46
Wir haben auch ne Freundin mit MS und die hat sehr schnell nach dem Ausbruch der Krankheit und der Verarbeitung des ersten "Schocks" darüber ihre Kinder bekommen.

Sie sagt, daß sie um die Risiken weiß - aber sie "läßt sich ihr Leben nicht von einer Krankheit diktieren". Ich halte das für eine sinnige und gute Entscheidung. Und Kinder bringen neben der ganzen Arbeit und Sorge um sie sehr viele positive Aspekte ins Leben. Diese starke Liebe, das positive Herangehen ans Leben; Kinder bringen einem bei, die einfachsten Sachen wieder ganz neu zu entdecken und dabei zu staunen. Und das kann auch ein Leben mit einer unheilbaren Krankheit sehr viel bunter und lebenswerter machen.

Viel Glück bei der Entscheidungsfindung... und sag ihr, sie muß sich bei keinem Menschen rechtfertigen, warum sie Kinder will / bzw. bekommt.

Inaktiver User
19.02.2011, 23:23
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure hilfreichen Antworten! :blumengabe: Mit so viel Resonanz habe ich gar nicht gerechnet...


Was mir allerdings an der Stelle deiner Freundin wichtig wäre (wobei das eigentlich für jede Frau mit Kinderwunsch gilt), wie engagiert ist der Vater, was gibt es für weitere Auffangnetze über Freunde (idealerweise mit Kindern), Verwandte, soziale Angebote.

Jede Mutter macht sich vermutlich Gedanken darüber, was mit den Kindern passiert, wenn ihr was passiert und jede Mutter kann auch nach der Geburt erkranken oder einen Unfall haben. Nur bei deiner Freundin ist die Wahrscheinlichkeit zeitweise oder ganz auszufallen einfach größer als im Durchschnitt und dann würde ich mir die Frage stellen, durch wen und wie kann dieses Risiko ausgeglichen werden.

Wie sehr will sich der Vater denn im Fall deiner Freundin in die Familie einbringen bzw. was ist auch praktisch möglich ?

Das ist ein guter Aspekt, den du da bringst, Promethea. NAtürlich hat meine Freundin sich darüber auch schon Gedanken gemacht. Familie ist leider sehr weit weg. Ihr Partner ist breit und willens, sich intensiv einzubringen, aber er ist auch ziemlich karriere-orientiert und wäre ja - in dem Fall, dass es ihr wirklich sehr schlecht ginge - auch Alleinverdiener, könnte sich somit nicht leisten, den Job ganz und gar zu vernachlässigen, selbst wenn er wollte...


- nichts ist schlimmer als sich später zu fragen, was wäre wenn?

Ja, das denke ich eigentlich auch, und ich hab das Gefühl, das ist auch ihr Gedanke.

Das mit deiner Freundin tut mir sehr leid. :in den arm nehmen:

@ Seewespe:
Das klingt ja auch ganz schön ernst bei dir... Ich hoffe, es geht dir jetzt generell wieder besser als damals... :blumengabe:
Bis auf Punkt 3. ist das bei meiner Freundin alles nicht der Fall - aber genau um diesen Punkt macht sie sich Gedanken, und auch darum, dass die Krankheit im schlimmsten Fall zu wirklich argen Lebenseinschränkungen führen kann, die evtl. nicht mehr weggehen bzw. therapiert werden können. Aber wie gesagt, das eben nur im schlimmsten Fall... Es verläuft ja nicht bei allen so, oder erst wenn sie alt sind.
Wie geht es dir jetzt mit deiner Entscheidung, Seewespe?

@ Hoppypoppy:
Wie schön, dass es bei dir so gut verlaufen ist!!! :Sonne:


Ich persönlich glaube nicht, dass viele Kinder da lieber nicht geboren worden wären...

Das stimmt und ist auch ein sehr schönes Argument!

@ Sonderzeichen:
Ich weiß nciht, die Ärzte sind sich ja uneinig. Aber gegen die Schwangerschaft an sich gibt es keine gewichtigen Argumente, das stimmt.

@ princesspeach:
Das ist ein Aspekt, den ich bisher nicht bedacht habe, und ich werde meine Freundin mal darauf aufmerksam machen. Denn sie selbst sagte ja auch: Wenn ihr Partner diese Erkrankung hätte und nicht sie, würde sie gar nicht großartig überlegen, ob sie Kinder bekommen sollten oder nicht. In dem Fall würde ihr Partner dann wahrscheinlich grübeln, aber sie wäre auf jeden Fall dafür...


Denn wer weiß, ob sie überhaupt problemlos schwanger wird...

Ja, daran hab ich auch schon gedacht (mich aber bisher nicht getraut, ihr das so zu sagen). Ich meine, die Sache ist ja die: Jedes Paar kann Probleme mit dem Schwangerwerden haben. Auch wenn ihre Erkrankung definitiv keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat, kann es dafür ja auch andere Gründe geben. Und gerade in ihrem Fall wäre es eben nicht so gut, noch ewig zu warten, denke ich. Denn wenn sich ihre Erkrankung verschlechtert, wäre es besser, wenn sie nicht gerade erst mit 40 das erste Kind bekäme...


Der Gedanke, ich könne mich nicht um meine Kinder kümmern, ist mir schrecklich.

Ja, ihr auch. :knatsch: Das Blöde ist eben nur, dass sie ja absolut nicht weiß, wie sich alles entwickeln wird. Sie sagt, wenn sie jetzt schon wüsste, dass das innerhalb der nächsten 15, 20 Jahre so kommt, würde sie keine Kinder bekommen. Wenn sie wüsste, es würde nicht oder erst im höheren Alter so kommen, würde sie sofort versuchen, schwanger zu werden. Das Problem ist eben die Ungewissheit, und, wie du auch geschrieben hast, der Selbstvorwurf, dass man es mit dem Wissen (und sei es auch nur um das Risiko) so entschieden hat...


Wir haben auch ne Freundin mit MS und die hat sehr schnell nach dem Ausbruch der Krankheit und der Verarbeitung des ersten "Schocks" darüber ihre Kinder bekommen.

Sie sagt, daß sie um die Risiken weiß - aber sie "läßt sich ihr Leben nicht von einer Krankheit diktieren". Ich halte das für eine sinnige und gute Entscheidung. Und Kinder bringen neben der ganzen Arbeit und Sorge um sie sehr viele positive Aspekte ins Leben. Diese starke Liebe, das positive Herangehen ans Leben; Kinder bringen einem bei, die einfachsten Sachen wieder ganz neu zu entdecken und dabei zu staunen. Und das kann auch ein Leben mit einer unheilbaren Krankheit sehr viel bunter und lebenswerter machen.

Viel Glück bei der Entscheidungsfindung... und sag ihr, sie muß sich bei keinem Menschen rechtfertigen, warum sie Kinder will / bzw. bekommt.

Danke für diese schönen und wahren Gedanken, deju! :blumengabe: Das ist so ein Punkt, den meine Freundin und ihr Freund glaube ich bisher wenig bedacht haben: dass Kinder Freude machen, auf jeden Fall einen ablenken, vielleicht auch von eigenen Sorgen und Schmerzen. Und auch wenn ihre KRankheit nicht psychisch begründet ist, ist es dabei doch wahrscheinlich auch wie bei vielen anderen Erkrankungen: wenn es der Seele gut geht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung meist nicht so groß wie wenn es einem sowieso mies geht. Wenn man die ganze Zeit traurig ist, weil man z. B. auf Kinder verzichtet, dann macht das den Krankheitsverlauf bestimmt nicht gerade besser... Würde ich jetzt zumindest mal denken...

Vielen Dank, ihr helft mir wirklich sehr! Meine Freundin hat mich um Rat gefragt, weil sie gerade von mir eine Art "Erfahrungsbericht" aus der Sicht eines betroffenen Kindes erhofft hat. Ich bin selbst mit einer kranken Mutter aufgewachsen. Aber trotzdem kann ich meiner Freundin da nichts Fundiertes sagen, denn die Krankheit meiner Mutter ist eine völlig andere. Gerade das, was meine Freundin so fürchtet, nämlich die Gefahr der massiven Verschlechterung, war bei meiner Mutter zum Glück nicht vorhanden, und deshalb will ich da gar nicht so von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen...

Liebe Grüße

SeaWoman

Sonderzeichen
19.02.2011, 23:25
würden wohl die gleichen gedankengänge und fragestellungen ablaufen, wenn nicht die mutter, sondern der vater erkrankt wäre?
ich kenne fälle von frauen, die sich kurz vor dem tod ihres schwer kranken mannes schwängern ließen, weil das der große wunsch beider eltern war. spannenderweise traten hier nur viel geringere gesissensfragen auf...

natuerlich. so wie auch keiner meckert, wenn ein werdender vater raucht, waehrend man das bei einer werdenden mutter ganz anders sieht.

maennlein und weiblein sind nunmal nicht gleich.

crazy79
20.02.2011, 00:05
würden wohl die gleichen gedankengänge und fragestellungen ablaufen, wenn nicht die mutter, sondern der vater erkrankt wäre?


Ich denke schon, ich kenne zumindest niemanden, der sich da keine Gedanken drum machen würde.
Aber es ist immer leichter zu sagen "ich kann damit leben wenn du mir nicht mehr helfen kannst" als "du musst damit leben, wenn ich nicht mehr helfen kann".

Der Freundin der TE kann ich leider nichts raten - ich finde das Thema zu kompliziert, als dass ich da eine Fernprognose wagen könnte. Vor allem, da ich bei einer ähnlichen Frage meiner besten Freundin auch nicht wirklich wusste, was ich raten soll........

Inaktiver User
20.02.2011, 17:48
@ Seewespe:
Das klingt ja auch ganz schön ernst bei dir... Ich hoffe, es geht dir jetzt generell wieder besser als damals... :blumengabe:
Bis auf Punkt 3. ist das bei meiner Freundin alles nicht der Fall - aber genau um diesen Punkt macht sie sich Gedanken, und auch darum, dass die Krankheit im schlimmsten Fall zu wirklich argen Lebenseinschränkungen führen kann, die evtl. nicht mehr weggehen bzw. therapiert werden können. Aber wie gesagt, das eben nur im schlimmsten Fall... Es verläuft ja nicht bei allen so, oder erst wenn sie alt sind.
Wie geht es dir jetzt mit deiner Entscheidung, Seewespe?



Hallo SeaWoman,

heute geht es mir eindeutig besser als damals, auch wenn ich gemessen am Standard eines gesunden Menschen mit vielen Einschränkungen lebe - ich habe mich damit aber arrangiert, und mache das Beste aus dem, was eben gerade ist. Das war ein Lernprozess, der mich in vielerlei Hinsicht geprägt hat, und nicht nur Negatives hatte - er hat mich beispielsweise auch einigermassen gelassen gemacht, und sehr aufmerksam für alles Schöne, so wie es hier im Strang auch von anderen anklang: Der Umgang mit der Erkrankung war ein guter Lehrmeister darin, selbst in schwierigsten, kargsten Zeiten das Schöne wahrzunehmen und aufzusuchen, und die Aufmerksamkeit zielgerichtet zu fokussieren.

Das ändert nichts daran, dass ich auf einiges im Leben verzichten musste und muss, aber es sorgt dafür, dass dieser Verzicht nicht meine Lebensfreude trübt, und dafür bin ich sehr dankbar.

Ja, wie geht es mir mit meiner Entscheidung? Gemischt, würde ich sagen. Ich denke, dass ich unter meinen ganz individuellen Krankheits-Umständen eine gute Entscheidung traf. Ich habe ja nie ausprobiert, ob ich überhaupt schwanger werden kann, aber ich bezweifle, dass es mir in den Jahren zwischen Mitte 20 und Ende 30 auf natürlichem Wege überhaupt gelungen wäre. Ich liebe Kinder sehr, aber gerade dieses Empfinden macht mir meine Entscheidung interessanterweise leichter - gerade WEIL ich diese Liebe in mir trage, ist es mir besonders wichtig, verantwortungsbewusst zu handeln, und eben nicht zu riskieren, für meine Kinder in entscheidenden Phasen vielleicht nicht da sein zu können.

Damit möchte ich bitte niemanden, der sich anders entscheidet, entmutigen oder belasten!!!! Es geht hier ganz allein um mich und meine Situation - jede Situation eines jeden anderen Menschen ist eine andere, und sollte nicht aus einer fremden Perspektive be- oder gar verurteilt werden, das ist mir sehr wichtig.

Ich empfinde es als Verlust, keine eigenen Kinder zu haben, aber das bedeutet ja nicht, dass es in meinem Leben keine Kinder gäbe, die für mich und für die ich eine wichtige Rolle spiele.

Ich denke, jeder kommt früher oder später dahin, in einem für sich neuralgischen Punkt mit Verlust zurecht kommen zu müssen.

Ich wünsche Deiner Freundin von Herzen, dass sie für sich eine Entscheidung trifft, hinter der sie stehen kann - das ist letztendlich das einzig sinnvolle Kriterium :blumengabe:

Inaktiver User
20.02.2011, 18:16
Wenn deine Freundin und ihr Partner den Gedanken an die Krankheit nicht verdrängen, können sie sogar besonders bewusst und verantwortungsvoll eine mögliche Entlastung der Mutter planen. So wie manche für den Todesfall Pateneltern bestimmen, die sich in diesem Fall (der ja bei deiner Freundin nicht zu erwarten ist) um die Kindern kümmern - so könnten sie hier bewusst vorab mögliche Hilfe organisieren. Auch finanziell Vorsorge treffen.

Es geht ja hier nicht darum, dass die Krankheit vererbbar wäre, oder die ungeborenen Kinder schädigt, oder die Mutter stirbt. Sondern darum, dass sie eventuell gehandicapt ist und/oder unter Schmerzen leidet. D.h. in erster Linie wird sie dann nicht die Doppelbelastung Job und Kinder leisten können - sondern muss sich ggfs. ganz auf die Kinder konzentrieren.

Der "Vater" sollte sich im Klaren sein, dass seine Frau als Mutter, sofern ihre Krankheit sich verschlimmert, ihre verbleibende Kraft in erster Linie den Kindern widmen wird - und dass er die finanzielle Verantwortung für die Familie alleine trägt. Und unter Umständen in der - zu Hause zusammengeschlossenen Schicksalsgemeinschaft "kranke Mutter und ihre Kinder" immer mehr nur zum "Geldverdiener" wird.

Die Idee, über Selbsthilfegruppen nach Familien mit ähnlichem Schicksal zu gucken, finde ich gut.
Und einen Blick auf die dort gelebten Realitäten werfen.

Rena84
21.02.2011, 12:06
Hallo zusammen,

es hört sich bei deiner Freundin so bisschen danach an, als würde die rechte Ermutigung zum Kinderkriegen fehlen. So wirklich dagegen entschieden haben sie sich ja bisher nicht. Das ist doch schon mal ein großer Schritt.

Über's Wochenende ist mir noch eine Idee gekommen. Vielleicht wäre es, gerade wenn es ums Mut machen geht, gar nicht so verkehrt, sich mal bei ProFamilia zu erkundigen? Sie sind ja nicht nur da wenn es um die Beratung "Abtreibung ja oder nein" geht. Sondern wissen, denke ich, eine ganze Menge über Unterstützungsangebote die einem in "Sondersituationen" zu stehen. Welche Unterstützung ist, z.B. vom Jugendamt zu erwarten, welchen Anspruch hat mal als "Kranke" und vor allem welche Rechte.

Und dann noch ein kleiner Gedanke: dass deine Freundin Angst hat als egoistisch zu gelten, kann ich gut nachvollziehen. Aber seien wir mal ehrlich: man kann es, gerade in Bezug auf's Kinderkriegen, gar nicht allen recht machen. Es wird immer Leute geben die bestimmte Entscheidungen nicht nachvollziehen können.
Entscheiden sich Frauen bewusst gegen Kinder- gelten sie als egoistisch. Bekommen Frauen Kinder, arbeiten aber weiter Vollzeit- gelten sie als egoistisch. Bekommen Frauen Kinder und bleiben zu Hause- sind sie das "Heimchen am Herd". Bekommt man als sehr junge Frau Kinder oder sehr früh am Anfang der Partnerschaft sagen viele "Oh Gott oh Gott". Und so weiter...

Liebe Grüße und allen eine schöne Woche!

Hamster
21.02.2011, 12:28
Gibt es für diese Erkrankung vielleicht auch eine Selbsthilfegruppe oder sowas? Vielleicht hilft es ihr sich mit anderen auszutauschen die mit der gleichen Krankheit zu kämpfen haben und zu hören, wie die sich entschieden haben und warum.

Es ist schwer etwas zu raten, wenn man die Krankheit nicht kennt.

Inaktiver User
21.02.2011, 12:39
Es ist schwer etwas zu raten, wenn man die Krankheit nicht kennt.

Ja. Und diese romantisierenden Ermutigungen ohne nähere Kenntnis der medizinischen Sachlage finde ich höchst bedenklich. Kinder sind nicht dafür da, dass sie das Leben bereichern. In erster Linie haben sie ein eigenes Leben und eigene Rechte und sollten nicht instrumentalisiert werden.

Eteterfon
22.02.2011, 22:38
Wer redet denn von Instrumentalisierung des Kindes? *fragendguckt*

Mit dem Argument darf ja niemand Eltern werden... völlig egal, ob mit oder ohne Krankheit...

Inaktiver User
23.02.2011, 15:41
Kinder bringen einem bei, die einfachsten Sachen wieder ganz neu zu entdecken und dabei zu staunen. Und das kann auch ein Leben mit einer unheilbaren Krankheit sehr viel bunter und lebenswerter machen.

Ich will bestimmt niemanden verletzen oder verurteilen, aber sowas verursacht mir Unbehagen, und deshalb schrieb ich von der Instrumentalisierung.

Ich bin sicher, die geschilderte Mutter hat verantwortlich gehandelt. Aber diese Vorstellung: "Nun mache ich mir mal mein Leben bunt mit einem Kind" ist doch nicht viel anders als der Wunsch "im Alter nicht allein zu sein" - sehr fragwürdig.

Weder für das eine noch für das andere ist ein Kind eine Garantie. Wenn hier jemand schreibt: "Meine Ehe ist unglücklich - kann ein Kind sie retten?", dann kannst du sicher sein, alle schreiben zurück: Nein, das kann nicht klappen.

Ebensowenig kann ein Kind eine Depression oder Krankheit heilen. Die Überlegung: Kann ich das Kind auch wirklich großziehen - und wenn ich das nicht mehr kann, wer kann es dann? sollte auf jedem Fall vorher angestellt werden.

Natürlich gibt es für nichts Garantien, aber das ist doch kein Grund, völlig beliebig zu handeln!

Eteterfon
23.02.2011, 20:53
Elinborg, wo nimmst Du nur deine Interpretationen her? "Völlig beliebig handeln" ? Auch davon lese ich hier nix. Eben das von Dir geforderte "vorher sich gewisse Fragen stellen" ist doch genau das Thema des Threads...?

deju
24.02.2011, 15:00
@ Elinborg - Ich bin auch verwundert, wie du die von mir zitierten Sätze für dich interpretierst...

Zur Erklärung will ich mal etwas persönliches schreiben... Meine Tochter ist gut anderthalb und entdeckt im Moment viele neue Sachen für sich. Das ist eine für mich sehr schöne Phase - und das auch weil sie gerade so etwas wie Mitleid entdeckt hat. Ich habe seit einiger Zeit einen recht agressiven Reizdarm, dazu noch Endometriose im 4. Stadium, also alles zusammen nicht tödlich - aber auch nicht heilbar, nur manchmal etwas einschränkend und zudem auch manchmal recht schmerzhaft. ( Und ich will es ausdrücklich nicht mit MS oder ähnlichen schweren Krankheiten vergleichen. )
Vor meinem Kind habe ich mich in schlimmen Phasen abgeschottet, krank gemeldet - auf der Couch vor mich hingeheult. Das geht nun nicht mehr - ich will / kann und muß meine Süße betreuen, auch wenn es manchmal hart ist.
Und gerade jetzt - wo sie etwas verständiger wird - hilft sie mir in diesen Phasen sehr. Sie sagt "Mama aua" und zeigt sich auf den Bauch; kommt zu mir, um mich zu streicheln; bringt mir ihre Püppi zum Trost etc..

Das mag für dich vielleicht romantisierend sein... mir zaubert meine Tochter damit ein Lächeln aufs Gesicht. Wenn ich bei schwersten Krämpfen ne Stunde lang nicht vom Klo runterkomme, kommt sie zu mir, streichelt meine Knie und legt ihren Kopf drauf - und ich schaffe es wieder, mich zusammenzureissen und für sie da zu sein.
Das kann keine Arbeitsstelle, mein Mann oder meine Eltern oder auch meine Katzen nicht. Nur für das Wörtchen "Mama" wachse ich auch mit Schmerzen über mich heraus.

Und wem das jetzt zu schwülstig oder wahlweise zu romantisierend klingt, der sollte evtl. mal üerlegen, ob ihm in seinem Leben nicht ein wenig davon fehlt.
:blumengabe:
LG deju

Inaktiver User
02.03.2011, 23:22
Liebe Mitschreiberinnen,

vielen Dank für eure neuen Antworten! Ich war beruflich unterwegs und komme heute abend wenigstens mal zu einer kurzen Antwort.

Also, ich habe mit meiner Freundin mal vorsichtig eure Argumente durchgesprochen. Eure Beiträge waren sehr hilfreich! :blumengabe:
Meine Freundin hatte selbst noch eine andere Idee, die sie in der Zischenzeit umgesetzt hat. Sie hat mit ihrem Physiotherapeuten über die ganze Sache geredet. Er ist zwar kein Arzt, hat aber außer ihr noch ein paar Patienten mit ähnlichen Problemen und er ist sehr einfühlsam und trotzdem ehrlich. Er meinte, an ihrer Stelle würde er nicht auf Kinder verzichten, das sei seiner Ansicht nach zu negativ gedacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern könnte, sieht er als eher gering an. Es gibt eine Sache, die er nicht so beurteilen konnte und die nun doch vor allem die Schwangerschaft an sich betreffen könnte. Er meinte, darauf solle meine Freundin nochmal ihren einen Arzt konkret ansprechen und ihn wirklich um eine Meinung bzw. eine Aussage bitten, sofern das möglich ist. Und wenn der sein OK gäbe, dann würde er sich an ihrer Stelle auch nicht mehr so trübe Gedanken machen, sondern das mit dem Schwangerwerden zuversichtlich angehen.

Das klingt doch gut, meine Freundin hat sich richtig gefreut! :smile: Die Aussage des Arztes zu der konkreten Frage steht noch aus, das will sie mit ihm beim nächsten Termin besprechen. Aber die Meinung ihres Physiotherapeuten hat sie schonmal optimistisch gestimmt, und sie gibt auch viel darauf, vor allem, weil er sie schon eine ganze Weile kennt und begleitet.

Muss es für heute abend dabei bewenden lassen, weil mir gleich die Augen zufallen - wünsche euch allen eine gute Nacht! :schlaf gut:

SeaWoman

tigertier
06.03.2011, 12:45
Liebe SeaWoman,

ganz schwierige Frage. Aber wie es scheint, hat deine Freundin ja eine positive Entscheidung getroffen und es klingt ja auch ganz zuversichtlich.
Wir wissen nun ja nicht so genau, um welche Krankheit es sich hierbei handelt, daher ist alles etwas vage.
Dennoch finde ich gut, dass deine Freundin sich viel informiert und verschiedene Meinungen einholt.
Ich selbst habe eine Zeit lang eine kleine Familie begleitet, deren Mutter eine schwere Krankheit, auch mit Schüben und einem unsicheren Verlauf hatte. Als sie sich für das Kind entschieden hat, war sie relativ fit, die Zukunft sah ungewiss aus, aber sie war optimistisch.
Leider löste die Schwangerschaft einen schweren Schub aus. Und die Folgen hat sich wohl niemand in diesem Maß ausgemalt. Darüber will ich aber jetzt gar nicht werten oder ähnliches.
Ich erzähle das nun, weil ich persönlich denke, dass es ganz, ganz wichtig ist, sich vorab genau zu informieren und mutig zu sein, auch dem worst-case-Szenario ins Auge zu blicken. Sich ganz ehrlich zu fragen (auch der Vater!): kann ich das? Weiß ich, was da auf mich zukommen kann?
Vom Rollstuhl aus nicht fähig sein zu können, das Kind auf den Arm zu nehmen, wenn es weint, kein Knuddeln oder Trösten und nur zusehen zu können, wie das alles durch Pflegepersonal oder den Vater (wenn er noch da ist!) erledigt werden muss, kann eine zusätzliche Belastung sein. Leider werden solche schlimmen Krankheiten ja auch nicht selten von entsprechenden psychischen Problemen begleitet. Kinder bekommen das leider auch mit und in dem von mir erlebten Fall möchte ich fast behaupten, dass die psychische Belastung vielleicht sogar schlimmer für das Kind war.
Andererseits gibt es sicher in einer solchen Situation nichts Schöneres für die Mutter, als das Erlebnis neues Leben geschenkt zu haben. Und deju, du hast das so schön beschrieben: warum sollte eine Krankheit an dem Natürlichsten des Lebens hindern?
So oder so, es muss ja nicht so schlimm kommen. Dennoch ist es sicher nicht schlecht, sich gut informieren zu lassen und alle möglichen Angebote in Anspruch zu nehmen.
Ich wünsche deiner Freundin alles Gute und auch dir deju viel Kraft und alles Gute!