PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rachegelüste, Rachepläne, unermeßliche Wut, nicht bereit sein zu verzeihen ...



fotokatze
16.02.2011, 22:57
Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll, wie es weitergehen soll. Ich schreibe jetzt mal alles hier hin, vielleicht hilft es ja, vielleicht könnt auch Ihr mir weiterhelfen.
Immer und überall heißt es: man soll jedem verzeihen, man soll loslassen, man darf nicht in der Vergangenheit herumstochern.

Aber in mir (und ich scheine der einzige Mensch zu sein, dem es so geht) sieht es ganz anders aus. Ich habe auf jeden Menschen, der mir etwas angetan hat, eine solche Wut, Rachegelüste, richtige Rachepläne, ich kann nicht das Geringste verzeihen, was je mit mir geschehen ist.

Das Beispiel, was ich jetzt hier hinschreibe, ist nur eines von vielen, aber es ist noch besonders frisch und aktuell, erst vor kurzem geschehen.

13 Jahre lang war ich in einer ganz kleinen Firma beschäftigt. Ein Chef und 5 Mitarbeiter. Mein Chef war ein ganz furchtbarer Mensch - launisch, grimmig, unfreundlich, rechthaberisch. Er konnte mich, glaube ich, nicht leiden, zumindest interessierte er sich nicht für mich. Er machte mich dermaßen fertig, daß es nicht zu beschreiben ist. Wie oft saß ich abends zu Hause und weinte bitterlich. Er ging mit seinen Äußerungen tief unter die Gürtellinie. Ich konnte mich nicht wehren. Wer sich wehrte, war in der Firma erledigt und erschossen.

Eine Kollegin von mir, Prokuristin, hätte mir helfen können, sie tat es aber nicht. Was auch immer geschah - Chef hat recht. Ich bin ja wirklich daneben. Oft geriet ich mit ihr deswegen in Streit, aber ich bemühte mich, ihr gegenüber nicht zu weit zu gehen, sonst hätte sie mich angeschwärzt, und ich hätte dann sowieso den Kürzeren gezogen.

Ich bemühte mich verzweifelt, eine andere Arbeitsstelle zu finden, aber das klappte nicht. Die Zeiten in Deutschland sind schwer.

Vor knapp einem Jahr flog ich tatsächlich aus der Firma 'raus, nach einem fürchterlichen Gebrüll von meinem Chef. Es fielen Worte, die unglaublich sind. Meine Kollegin war dabei, aber sie war auch wieder auf der Seite vom Chef. Sie wollte mir nicht helfen.
Jetzt bin ich arbeitslos. Und was ich gegenüber meinem Ex-Chef und meiner Ex-Kollegin empfinde, ist so furchtbar und grausam, daß sogar mir selbst graut. Ich will meine Ex-Kollegin foltern, mit einem Gürtel auf ihren bloßen Rücken peitschen, ihr in die Haare greifen, hochziehen und dann zig Ohrfeigen verpassen, bis sie kreischt. Ich will Rache, Rache, Rache, ich will über sie triumphieren, triumphieren, triumphieren. Ich will sie anschreien, sie fragen, was sie sich bei allem gedacht hat. Ich wünsche ihr, daß sie elend an Krebs verreckt. Ich würde dann an ihrem Krankenbett stehen und triumphieren sagen: Geschieht dir recht, das gönne ich dir. Ich will sie nicht töten, sondern foltern bis zum geht-nicht-mehr, und wenn es Jahrzehnte dauert.
Meinem Ex-Chef gegenüber empfinde ich ganz ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. Er hat es in seinem Elternhaus selbst nicht leicht gehabt; ich glaube, er hat gar nicht gemerkt, was er tat. Aber meine Ex-Kollegin! Sie hätte mir helfen können und hat es nicht getan. Und ehrlich gesagt, am liebsten möchte ich auch meinen Ex-Chef ein bißchen foltern ...

Manchmal denke ich, ich bin eine Ausgeburt der Hölle, und nach unserem Tod sehen wir uns dort alle wieder, und dann kann ich endlich mit ihnen machen, was ich schon immer wollte ...

Und da heißt es immer, man soll vergessen, vergeben und verzeihen! Ich kann es beim besten Willen nicht! Aber irgendwie sage ich mir auch: ich verschwende meine kostbare Zeit mit unnützen Gedanken. Wenn ich schon nicht verzeihen kann, dann sollte ich wenigstens vergessen.

Was ich geschrieben habe, ist nur eines von vielen Beispielen. Da gibt es noch sehr viel mehr. Meine früheren Mitschüler, die mich grausam geärgert haben. Meine Ex-Freundin, die nie meine Freundin war, sondern mich nur ausgenutzt hat. Einige meiner Lehrer, die nicht gut zu mir waren. - Übrigens, ich habe mich in der Vergangenheit ab und zu wirklich gerächt. Einer Lehrerin, die mich schlecht behandelt hatte, habe ich einige Jahre später einen ausführlichen Brief geschrieben, in welchem ich ihr erklärte, was ich von ihr hielt. Ich zählte alles auf, was sie falsch mit mir gemacht hatte. Hinterher, als ich den Brief abgesendet hatte, fühlte ich mich supergut. Und bereue es bis heute nicht, was ich getan habe.

Trotzdem ist da auch eine andere Seite in mir, die sagt: nun laß doch los!
Kann man mir überhaupt helfen? Will ich eigentlich wirklich Hilfe?
Ja, ich belaste mich mit meinen Rachegelüsten.

Ganz selten mal habe ich so Augenblicke, in denen ich das Gefühl habe: jetzt ist alles gut, jetzt habe ich doch verziehen. In solchen Augenblicken fühle ich mich befreit und erleichtert, aber leider sind diese Augenblicke selten und viel zu schnell vorbei.

Ich versuche auch nicht zu vergessen, daß es in meiner alten Firma auch viele gute Momente gab. Manchmal half meine Kollegin mir doch - redete nochmal mit meinem Chef, beschwichtigte ihn, sorgte dafür, daß alles für mich gut wurde. Meine Kollegin und ich lachten auch viel miteinander, erzählten uns eine Menge. Warum sehe ich denn nur noch das Schlechte? Und vergesse das Gute?

Übrigens: Psychotherapie, Yoga, Sport, Autogenes Training - das alles habe ich schon hinter mir. Hat alles nichts gebracht.

Meine großen Vorbilder sind "der Graf von Monte Christo" und "Mundharmonika" aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod". Ich kann beide gut verstehen.

Ach ja, noch etwas: Menschen, die gut zu mir waren oder sind, über diese denke ich ganz, ganz anders. Z.B. mein Vater ist sehr lieb zu mir. Ich könnte alles für ihn tun, und so bemühe ich mich, ebenso lieb zu ihm zu sein. Ich bekoche ihn gern - das mag er. Ich mache kleine Ausflüge mit ihm - die mag er. Fast selbstlos helfe ich ihm, wo ich kann.

Oder mein Partner: wir führen eine schöne Beziehung miteinander. Leider kann er mir bei meinem Problem nicht helfen, denn er denkt und empfindet genauso wie ich, er kann mich gut verstehen. So kann er mich auch nicht beruhigen oder beschwichtigen.

Ich habe das Gefühl, daß ich die ganze Welt zerstören könnte. Und ich habe auch das Gefühl, daß ich mit meinem Problem ganz allein dastehe. Bis auf meinen Partner kann mich niemand verstehen, alles sagen: ist doch egal, vergiß doch, ja, das war alles schlimm, aber du kannst die Vergangenheit nicht ändern, laß doch los, versuche zu verzeihen ...

Aber es gelingt mir nicht!

Karla48
16.02.2011, 23:00
Hallo fotokatze,
sei doch bitte so lieb und bau mal ein paar Absätze ein in den langen Text, das liest sich angenehmer. :blumengabe:
Merci!

Inaktiver User
16.02.2011, 23:11
Phew....

ich kann dich verstehen. Ich hab ähnliche Erfahrungen wie du. Und manchmal auch Rachegelüste. Gut, solche Gewaltfantasien nicht. Aber gerade die zeigen, dass dir wohl wirklich übel mitgespielt worden sein muss.
Mobbing und psychische Gewalt haben derart verheerende Auswirkungen, das kann sich ein Nichtbetroffener gar nicht vorstellen. Bei mir gehen die eher in Richtung völliger Verlust des Selbstbewusstsein und Sozialphobie. Das geht so weit, dass ich notwendige Kontakte mit der Aussenwelt und wenn es sich nur um einen Zahnarztbesuch handelt solange vor mir herschiebe bis es wirklich nicht mehr geht. Sogar von meinen erwachsenen Kindern habe ich mich zurückgezogen und selbst das tägliche Telefongespräch mit meinem Mann kostet mich Anstrengung(wir leben in Fernbeziehung)Bei jedem Konflikt, der sich hinterher vielleicht sogar als gar nicht existent entpuppt, bekomme ich Herzrasen und Schwindelanfälle.

Was du brauchst, ist wahrscheinlich wirklich Therapie. Wenn die bisherige nichts gebracht hat, war es entweder die falsche oder du bist einfach noch nicht so weit.

fotokatze
17.02.2011, 08:48
Ich möchte gern noch etwas erwähnen, was mir sehr wichtig ist und am Herzen liegt.

Gegenüber Schwächeren, die mir nie etwas getan haben, habe ich überhaupt keine Rachegefühle oder das Gefühl, etwas an ihnen auslassen zu müssen. Ich könnte mich nie an kleinen Kindern oder Tieren vergreifen. Zu solchen Menschen bzw. zu Tieren bin ich, denke ich, sehr gut. Ich liebe Tiere sehr, leider darf ich mir kein Haustier halten (Vermieter möchte das nicht).

Meine unermeßliche Wut bezieht sich immer nur auf Menschen, die mir in der Vergangenheit etwas angetan haben oder auch etwas in der Gegenwart antun.

Inaktiver User
17.02.2011, 09:06
Fotokatze, du gehörst in Behandlung. Hier wird man dir nicht helfen können.
Warum warst du 13 Jahre (!!!) da, wenn es so schrecklich war,man muss dann die
Zeit nutzen was anderes zu tun und zu suchen, anstatt Folterfantasien zu entwickeln .
Jedem Menschen widerfährt Unrecht im Leben, der Planet wäre ausgestorben, würde jeder
sich "rächen"...:knatsch: Ein wenig ist man auch für sich verantwortlich, wer nichts verändert,
darf sich auch nicht beschweren.
Ich wünsche dir konstruktive Hilfe und den Blick nach vorn und auf das was gut war in deinem
Leben:blumengabe:

fotokatze
17.02.2011, 09:18
Fotokatze, du gehörst in Behandlung. Hier wird man dir nicht helfen können.
Warum warst du 13 Jahre (!!!) da, wenn es so schrecklich war,man muss dann die
Zeit nutzen was anderes zu tun und zu suchen, anstatt Folterfantasien zu entwickeln .
Jedem Menschen widerfährt Unrecht im Leben, der Planet wäre ausgestorben, würde jeder
sich "rächen"...:knatsch: Ein wenig ist man auch für sich verantwortlich, wer nichts verändert,
darf sich auch nicht beschweren.
Ich wünsche dir konstruktive Hilfe und den Blick nach vorn und auf das was gut war in deinem
Leben:blumengabe:
Liebe(r) sinn-sucht! Warum ich 13 Jahre in der Firma war? Ich habe, wie ich eingangs auch kurz beschrieb, verzweifelt eine andere Arbeitsstelle gesucht, aber nichts gefunden. Woran das lag, kann ich nur vermuten: heutzutage werden die Arbeitslosen bevorzugt. Wer eine Stelle hat, der soll sie festhalten, und wenn sie auch noch so mies ist. Jedenfalls habe ich diesen Rat von allen Seiten gehört. Es blieb mir nichts anderes übrig, als stumm, ergeben und verbissen die Launen von Chef und die Rechthaberei von Kollegin zu ertragen. Oh, was habe ich gelitten!
In Behandlung? Ich habe bereits 4 Psychotherapien hinter mir. Meine Therapeuten hatten viel Verständnis für mich, geholfen hat mir das aber auch nicht ...

fotokatze
17.02.2011, 09:19
(Fehler beim Zitieren)

fotokatze
17.02.2011, 09:20
Warum warst du 13 Jahre (!!!) da
Liebe(r) sinn-sucht! Warum ich 13 Jahre in der Firma war? Ich habe, wie ich eingangs auch kurz beschrieb, verzweifelt eine andere Arbeitsstelle gesucht, aber nichts gefunden. Woran das lag, kann ich nur vermuten: heutzutage werden die Arbeitslosen bevorzugt. Wer eine Stelle hat, der soll sie festhalten, und wenn sie auch noch so mies ist. Jedenfalls habe ich diesen Rat von allen Seiten gehört. Es blieb mir nichts anderes übrig, als stumm, ergeben und verbissen die Launen von Chef und die Rechthaberei von Kollegin zu ertragen. Oh, was habe ich gelitten!
In Behandlung? Ich habe bereits 4 Psychotherapien hinter mir. Meine Therapeuten hatten viel Verständnis für mich, geholfen hat mir das aber auch nicht ...[/QUOTE]

Opelius
17.02.2011, 09:31
Ich würde die Hoffnung auf ausgleichende Gerechtigkeit drangeben. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, davon bekommt man nur Magengeschwüre. Und allein der Wunsch, dass es den Peiniger böse treffen möge, wendet sich häufig gegen einen selbst.
Ich weiß, es ist fast umöglich über solche Dinge hinwegzukommen. Aber ich wünsche Dir, dass Dir das alles in paar Jahren egal ist. Denn dann bist Du selbst frei.
Sollten die bösen Gedanken irgendwann einmal Wirklichkeit werden, würdest Du nicht für 2 Cent glücklicher sein.

Habe aus einem anderen Strang hierüber kopiert. Zitat von mir selbst.

Kruemel78
17.02.2011, 09:51
Hallo Fotokatze,
ich kann Dich schon verstehen, aber solche Rachegefühle sind schon schon echt heftig. Kann es sein, das Du kein Selbstwertgefühl hast, ich meine, es erging Dir ja schon zur Schulzeit so?
Wie Du schon selbst gemerkt hast, sind das nicht Vergessen und Deine Gedanken, für Dich selbst nicht gut.
Ich sage mir immer, wenn jemand nicht fair zu mir war, "jeder bekommt seine Strafe".

Nichtnurmami
17.02.2011, 09:57
Hallo Fotokatze!
Ich hatte auch mal so ne Phase, da hab ich nach 12 Jahren in einer Firma ALLE gehasst (fast alle;-)), ich habe mich kündigen lassen, denn eins habe ich gelernt, KEIN JOB DER WELT IST ES WERT; DIE GESUNDHEIT UND DAS LEBEN ZU RUINIEREN....

Ich hatte das Glück, schnell was Neues zu finden und es war für mich ganz toll und eine absolute BEFREIUNG, daß ich diesen Menschen keinen Raum in meinem Leben geben mußte...Komischerweise geierte meine EX!!! Chefin total nach Neuigkeiten von mir, ich habe dann ganz bewußt, gute Info gestreut, die immer bei ihr ankam, ist sicher auch etwas kindisch,aber es tut einfach gut;-)))

Vor Kurzem hatte ichmal ne Unterhaltung mit ner anderen Exkollegin, die wollte zu der Chefin zurück, meine Antwort war:"Und wenn es der letzte Job wäre, der mich vor Hartz4 retten würde, NIE im LEben!"

Ohne jetzt in Esoterik abzugleiten, aus der Erfahrung heraus, es fällt immer alles auf den Absender zurück, die bekommen ihre Strafe, manchmal dauert es etwas länger!

Lg NNMiOmi

fotokatze
17.02.2011, 10:02
Klasse, was Du hier geschrieben hast! Mir ist auch so etwas ähnliches wie Dir passiert. Nach meiner Entlassung bin ich aus meiner Heimatstadt weggezogen zu meinem Partner. Ich wohne jetzt 130 km von meiner Heimatstadt entfernt. Das wissen meine Ex-Kollegen und mein Ex-Chef auch. Vor einiger Zeit rief mich mal meine netteste Kollegin (wirklich jetzt, die war echt prima) an und fragte mich, wie es mir denn geht, ob ich neue Arbeit habe usw. Ich behauptete, daß ich eine neue Stelle habe (was leider bis heute nicht stimmt), war aber nicht bereit, mich zu dieser neuen Stelle zu äußern. Meine Ex-Kollegin versuchte mich richtig auszuquetschen, das fiel mir auf. Ob wohl die anderen Kollegen und der Ex-Chef sie vorgeschickt haben ...?
Auf jeden Fall empfange ich auch lieber Hartz 4, als daß ich für die Ex-Firma noch einen einzigen Handschlag tue!!!

Opelius
17.02.2011, 10:10
@ fotokatze,

Dein Hass auf Deine alte Firma ist sehr verständlich, aber Deine Rachegefühle verstellen Dir auch einen klaren Blick. Deine netteste ehemalige Kollegin ruft Dich an (soetwas ist äußerst selten, denn wer geht, ist morgen vergessen) und Du kannst Dir nur vorstellen, dass sie vorgeschickt wurde. Dass es reines menschliches Verständnis ist, kannst Du Dir heute nicht mehr vorstellen.
Genau das ist die Gefahr, wenn man Rachegelüste und -phantasien nachgeht. Man verstellt sich den Blick auf die selsbtverständliche Wirklichkeit.

Inaktiver User
17.02.2011, 10:28
Fotokatze,

ich denke, dieses unbedingte Verweilen bei eigentlich abgefrühstückten Dingen und Dein Fokussieren auf alle negativen Erlebnisse und Tatsachen hindert Dich daran, die Hacken in den Teer zu hauen und einen Schritt nach vorne zu machen.

Du konzentrierst Dich auf Dinge, die schlicht nicht mehr zu ändern sind und suhlst Dich geradezu in diesen negativen Gedanken.

In Deinen anderen Strängen schreibst Du in ähnlicher Weise- jegliche Änderung scheint für Dich automatisch mit Verzicht verbunden zu sein und ist damit a) bereits negativ konnotiert und somit b) eigentlich zum Scheitern verurteilt.

Wie Opelius so treffend schrieb: Du verstellst Dir mit diesem immer nach hinten gerichteten Blick den Weg nach vorne und setzt gedanklich an jeden guten und ersmtaltheoretischen Vorsatz die Worte "Jaja, ABER...".

es wäre sicher zielführender, wenn Du Dir die positiven Aspekte vor Augen hältst, Änderungen als etwas Gutes wahrnimmst und für den Weg dorthin Strategien überlegst.

Einen neuen Job kan man auch als positive Herausforderung sehen und die Suche danach aktiver gestalten.
Wenn die Chips nicht mehr sein sollen- was gibt es anderes und Schönes stattdessen? Dreht die Welt sich wirklich nicht mehr, wenn ich abends keinen Käse esse, sondern mich ablenke? Lässt der vermeintliche Verzicht nicht auch Raum für Neues?

Mir fällt bei Dir auf, daß Du dazu neigst, anderen die Schuld zu geben. Verständnis vermisst, auch Akzeptanz und Empathie (das mag täuschen, ist aber mein Eindruck).
Du schaust sehr darauf, was die Außenwelt zu machen und denken scheint. Kannst Du in Dich reinschauen, wahrnehmen, wo denn die eigentlichen Probleme sind?

themir
17.02.2011, 10:33
Ich will meine Ex-Kollegin foltern, mit einem Gürtel auf ihren bloßen Rücken peitschen, ihr in die Haare greifen, hochziehen und dann zig Ohrfeigen verpassen, bis sie kreischt.

Ich will Rache, Rache, Rache, ich will über sie triumphieren, triumphieren, triumphieren.
Ich will sie anschreien, sie fragen, was sie sich bei allem gedacht hat.









Ich wünsche ihr, daß sie elend an Krebs verreckt. Ich würde dann an ihrem Krankenbett stehen und triumphieren sagen: Geschieht dir recht, das gönne ich dir.


:ooooh: :ooooh: :ooooh:







... *damit* schadest Du Dir nur selbst (und *das* kann ein öffentliches Forum nicht *korrigieren*) ...

Inaktiver User
17.02.2011, 11:23
@Fotokatze
Ich bin momentan auch sehr sauer über die Dreistigkeit mancher Menschen, aber solche Rachegedanken kenne ich nicht.

Bin eher am sammeln und aufschreiben, wie ich in bestimmten Situationen reagieren kann, ohne zu große Schrammen davon zu tragen. Ich will mich nicht mehr ungeschützt in das Fahrwasser solcher für mich unverschämten Menschen geben.

Wie du schon geschrieben hast, wurden Grenzen überschritten und du konntest dich nicht wehren. Vielleicht hilft dir die Aufarbeitung über eine Mobbing Selbsthilfegruppe weiter.

Kennst du überhaupt deine Grenzen und achtest diese auch?

nobody72
17.02.2011, 11:34
@fotokatze

Entschuldige, ich will Dir nicht zu nahe treten, aber solche Rachephantasien und diese dann auch noch so öffentlich (naja fast-öffentlich) hier im Forum in Detail zu präsentieren, halte ich für krank und gestört.

Deinen Ex-Chef und die Kollegin sollte man tunslichst vorwarnen, denn wenn sojemand mit solchen Phantasien dann mal austickt...

Suche Dir bitte Hilfe, egal ob erstmal Freunde, Dein Partner oder professionelle Hilfe. Selbsthilfegruppe, Psychologen, was auch immer.

Was mich wundert, Du scheinst für mich "zwei Personen" zu sein. Eine, die abgrundtief hassen kann und eine, die in einem anderen Strang so liebevoll von ihrem Vater schreibt und sich schlecht fühlt, weil sie ihm nicht alle Liebe zeigen kann, die sie hat.

Entweder hast Du ein ernsteres Problem, als Du Dir eingestehen willst oder Du verarschst uns gehörig.

Nur mal so in den Raum gestellt: Authentisch wirkt das alles nicht.
So, jetzt kannste mich gerne beschimpfen, ist halt meine ehrliche Meinung und dazu stehe ich. Feuer frei, wenn's denn sein muß.

Nocturna
17.02.2011, 12:23
Rachegelüste in dieser Größenordnung hätte ich nur, wenn jemand mein Kind umbringt, dann wäre Auge um Auge und Zahn und Zahn für mich völlig in Ordnung. Schule, Freundin, Arbeit und Partner könnten niemals diese Emotionen in mir auslösen.

Ah halt, ich erinnere mich, dass ich meinen Mathelehrer liebend gerne erschossen hätte, wenn ich nur gekonnt hätte. Aber da war ich jungpubertär und mir war nicht klar, dass ich mein Unvermögen damit kompensieren wollte. Heute sind mir diese Gedanken zutiefst peinlich, vor allem, weil ich meine eigenen Defizite an der Sache nicht einsehen wollte.

Ich denke jedermann sollte sich kritisch hinterfragen, ob man wirklich nur der arme, getriebene Mensch ist, dem die Umstände kein anderes Handeln erlauben oder ob man sich da was vormacht und die bequemen Opferrolle bevorzugt.

fotokatze
17.02.2011, 12:33
Ja, es ist schon so, wie ich in einem anderen Thema bereits schrieb:
Ich will immer jemand anders sein, aber ich will mich nicht ändern.
Herzlichen Dank für alle Eure Beiträge!

Nocturna
17.02.2011, 12:39
Sorry, falscher Thread

themir
17.02.2011, 13:09
Ich will immer jemand anders sein, aber ich will mich nicht ändern.





@ fotokatze


... z.B. *dieses*:


Ich wünsche ihr, daß sie elend an Krebs verreckt. Ich würde dann an ihrem Krankenbett stehen und triumphieren sagen: Geschieht dir recht, das gönne ich dir.



... find ich sowas von *gruselig* ( ... und alles andere als liebevoll) ...

fotokatze
17.02.2011, 13:42
Fotokatze,

ich denke, dieses unbedingte Verweilen bei eigentlich abgefrühstückten Dingen und Dein Fokussieren auf alle negativen Erlebnisse und Tatsachen hindert Dich daran, die Hacken in den Teer zu hauen und einen Schritt nach vorne zu machen.

Du konzentrierst Dich auf Dinge, die schlicht nicht mehr zu ändern sind und suhlst Dich geradezu in diesen negativen Gedanken.

In Deinen anderen Strängen schreibst Du in ähnlicher Weise- jegliche Änderung scheint für Dich automatisch mit Verzicht verbunden zu sein und ist damit a) bereits negativ konnotiert und somit b) eigentlich zum Scheitern verurteilt.

Wie Opelius so treffend schrieb: Du verstellst Dir mit diesem immer nach hinten gerichteten Blick den Weg nach vorne und setzt gedanklich an jeden guten und ersmtaltheoretischen Vorsatz die Worte "Jaja, ABER...".

es wäre sicher zielführender, wenn Du Dir die positiven Aspekte vor Augen hältst, Änderungen als etwas Gutes wahrnimmst und für den Weg dorthin Strategien überlegst.

Einen neuen Job kan man auch als positive Herausforderung sehen und die Suche danach aktiver gestalten.
Wenn die Chips nicht mehr sein sollen- was gibt es anderes und Schönes stattdessen? Dreht die Welt sich wirklich nicht mehr, wenn ich abends keinen Käse esse, sondern mich ablenke? Lässt der vermeintliche Verzicht nicht auch Raum für Neues?

Mir fällt bei Dir auf, daß Du dazu neigst, anderen die Schuld zu geben. Verständnis vermisst, auch Akzeptanz und Empathie (das mag täuschen, ist aber mein Eindruck).
Du schaust sehr darauf, was die Außenwelt zu machen und denken scheint. Kannst Du in Dich reinschauen, wahrnehmen, wo denn die eigentlichen Probleme sind?
Mir fällt bei Dir auf, daß Du dazu neigst, anderen die Schuld zu geben. Verständnis vermisst, auch Akzeptanz und Empathie (das mag täuschen, ist aber mein Eindruck).

fotokatze
17.02.2011, 13:48
"Mir fällt bei Dir auf, daß Du dazu neigst, anderen die Schuld zu geben. Verständnis vermisst, auch Akzeptanz und Empathie (das mag täuschen, ist aber mein Eindruck)."

Anderen die Schuld geben? Verständnis und Akzeptanz? Hm, es ist schwer, hierauf zu antworten. Ich glaube, daß ich in meinem Thema sehr heftig aufgetragen habe. Bitte, seht in mir jetzt kein unberechenbares Monster, welches nur um sich schlägt! Ich mußte das alles mal so richtig loswerden, versteht mich bitte!

Eins ist natürlich klar: Wenn mein Chef mich schlecht behandelt hat und miese Worte gesagt hat, dann war er es, sonst niemand.

Verständnis für andere habe ich so lange, wie man auch mich zufrieden läßt.

Z. B. hatte ich früher, in meiner Ausbildung, einen Chef, der hat seine Angestellten auch fertiggemacht - nur mich nicht. Zwar finde ich es nicht gut, was er getan hat, aber da er mir persönlich nichts getan hat, habe ich überhaupt keine Haßgefühle, auch keine Wut oder Rachepläne.

Es ist halt alles nicht leicht für mich. Schade!

Inaktiver User
17.02.2011, 14:08
Z. B. hatte ich früher, in meiner Ausbildung, einen Chef, der hat seine Angestellten auch fertiggemacht - nur mich nicht. Zwar finde ich es nicht gut, was er getan hat, aber da er mir persönlich nichts getan hat, habe ich überhaupt keine Haßgefühle, auch keine Wut oder Rachepläne.

Es ist halt alles nicht leicht für mich. Schade!

Ich glaube, Du beziehst sehr viele Dinge sehr schnell auf Dich persönlich, rückst Dich in den Mittelpunkt des Geschehens.

Es ist schon im realen Leben enorm schwierig, mit jemandem zu kommunizieren, der schnell auf der Wutschiene fährt und höchst empfindlich reagiert.
In diesem schriftlichen Medium finde ich es auch unter Betrachtung Deiner ausgesprochen gewaltvollen und abscheulichen Rachegelüste nahezu unmöglich und denke auch, daß es die Möglichkeiten eines Forums übersteigt.

Ich empfehle Dir dringend, erneut professionelle Hilfe zu suchen und ziehe mich hiermit aus diesem Strang zurück.

Kitty1670
17.02.2011, 21:06
Was passiert ist, wirst du nicht mehr ändern können.

Für die Zukunft würde ich dir aber empfehlen, schneller aus Situationen auszusteigen, die dir nicht gut tun. Als Kind mit bestimmten Lehrern ist dies nicht möglich - aber heute, als erwachsene Person, kannst du das.

Einen Menschen wie deinen Chef, der dich dermassen fertig macht, musst du einfach den Rücken kehren und aussteigen. Du bist noch ohne Job, habe ich das richtig verstanden? Das heißt, deine finanzielle Situation scheint ja irgendwie geregelt - wäre sie das vor ein paar Jahren auch gewesen?

Schau dir auch mal meine Signatur an:smirksmile:

Alles Gute,
Kitty

fotokatze
17.02.2011, 23:06
Liebe Leute, die Ihr mir auf meinen heftigen und extremen Beitrag geantwortet habt,

ganz lieben, herzlichen Dank an Euch alle! Ich gebe zu, daß mein Thema wirklich ganz schön 'reinhaut, aber bitte: versteht mich! Das schwelte monatelang in mir, das mußte unbedingt mal 'raus! Meine ganze aufgestaute Wut hat sich in meinem Text entladen.

Jetzt, 24 Stunden später, nachdem ich Eure tollen Beiträge gelesen und innerlich bereits etwas verarbeitet habe, kann ich Euch Erfreuliches mitteilen: es geht mir viel besser! Ich habe innere Ruhe gefunden. Klar, ich weiß, daß noch eine Menge für mich zu tun ist, aber ich fühle mich ausgeglichener.

Meine Wut auf die Ex-Firma ist (war???) schon heftig, aber ich bin jetzt voller Zuversicht, daß sie sich auch wieder beruhigen wird.

Jemand hat geschrieben: ich würde alles auf mich persönlich beziehen. Stimmt, das tue ich. Es fällt mir äußerst schwer, mir zu sagen, daß man mich nicht persönlich meint.

Wie auch immer es jetzt weitergehen wird: ich bin froh, daß ich dieses Thema hier eröffnet habe, und ich freue mich über alle Eure Antworten, die haben mich richtig weitergebracht!

Und glaubt mir - ich bin wirklich kein rasendes Monster!!

Viele liebe Grüße an Euch alle! :engel:

Nichtnurmami
18.02.2011, 09:09
Hallo Cat!
Manchmal hilft einfach aufschreiben......

LG NNMi

fotokatze
18.02.2011, 09:13
Manchmal hilft einfach aufschreiben......

Das sehe ich ganz genauso! Wie gesagt - jetzt fühle ich mich viel befreiter!

Inaktiver User
18.02.2011, 09:27
Hallo Fotokatze, ich kann Dich sehr gut verstehen.

Irgendwann ist auch mal Schluss mit der PC und ich glaube nicht wenige haben bisweilen auch erschreckende Rachegelüste, nur stehen sie nicht dazu. Hut ab, dass Du das tust.

Dass dies jedoch destruktiv ist, merkst Du ja selbst.
Doch wohin mit der ganzen Wut? Das ist ja wirklich sehr viel Energie, die Du da sehr geballt destruktiv verbrennst.
Ich denke mit der Umorientierung kann das Geschehene nicht ungeschehen gemacht werden.

Hast Du die Möglichkeit diese Wut und Energie mal raus zu lassen?

Mir hat in dieser Situation Laufen geholfen und glaub mir in meiner Wut war ich selbst über meine Ausdauer und Gechwinidgkeit erstaunt.
Was auch noch gut ist: Thai Bo! Hier kannst Du zumindest in Gedanken den "Lieben" die Prügel verabreichen, die sie sicherlich auch verdient haben.

In beiden Fällen tust Du auch noch was für Deine Gesundheit.

Lass Dich nicht verrückt machen, das bist Du nicht.

Inaktiver User
18.02.2011, 13:41
Ich kann Deine Gefühle bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich hatte ähnliche, wenn auch nicht so extreme, in einer sehr depressiven Zeit, wo ich zusätzlich in einem belastenden Job war.

Mit dem Weg aus der Depression sind auch die schlimmen negativen Gedanken weggegangen. Überhaupt ist bei mir auch Depression mit Aggression belegt. Vielleicht solltest Du da mal bei Dir nachschauen.

Ich hab dann auch den Job gewechselt und diese destruktiven Gefühle mit in den nächsten genommen. Hab mich oftmals ungerecht behandelt gefühlt, ausgenutzt, schlecht bezahlt. Solange Du dieses Problem nicht für Dich löst, wird Dir das immer wieder begegnen. Nicht nur im Job, evtl. zerbrechen daran auch Freundschaften.

Heute mache ich viel mehr für mein Wohlbefinden und selbst wenn ich wieder in eine Depression rutsche, ist diese nicht mehr mit diesen sehr aggressiven Gedanken gekoppelt. Das Problem ist einfach, dass Du Dich damit selbst zerstörst. Den anderen ist es Wumpe.

zweifelhaft
18.02.2011, 13:46
Liebe Fotokatze,
ich finde es mutig, dass du das hier so geschrieben hast, offen und ehrlich, und ja auch schon ein Schritt in die richtige Richtung, du reflektierst darüber und hinterfragst ...

Mir fällt noch ein, dass diese rasende Wut, die du ja nicht auslebst (!), von einer absoluten Hilfslosigkeit und Impotenz (im eigentlichen Sinne, also Machtlosigkeit) kommen. Das scheint ein Urgefühl in Dir zu sein, da musst du ran, meine ich.

Ich hatte auch mal einen Arbeitgeber, der mich nahezu zerstört hat, da ich für diesen Job, nicht nur einen anderen aufgegeben habe, sondern mein gesamtes Lebensumfeld umstellte, und dann als ich völlig abhängig war, geschah, dass für mich bis dahin Unvorstellbare, man griff mich furchtbar an, ja mobbing, wahrscheinlich und ich verlor die Stelle. Der Weg zurück war verstellt. Ich stand, völlig hilflos, in mir absolut fremden Lebensumständen und war komplett allein ....

Ich habe jahrelang Rachegelüste verspürt, also nicht mit Folter oder so, da ich ein komplett gewaltfreier Mensch bin, aber dieses Gefühl hat mich bis heute (es ist jetzt zehn Jahre her) nie ganz verlassen. Ich war auch tramatisiert, da ich mich nie wieder in ähnliche Arbeitsverhältnisse gebracht habe und fortan auch Entscheidungen scheute, da ich einmal die falsche getroffen hatte, und dies solche Konsequenzen hatten. Heute sehe ich einen Sinn in allem. Letztendlich führte es mich an meine Grenze, zwang mich hinzuschauen, was mit mir los ist, denn diese HILFLOSIGKEIT, dieses Gefühl der totalen Lähmung, ist nicht gesund und zeugt von einem schwer gekränktem Selbstbewusstsein.

Vertrau Dir!, deinem Kern, der gut und auch stark ist. Such dir Hilfe, nicht die erste muss die richtige sein und schau nach vorne, nach einem neuen Job und anderen Erfahrungen und dann später gehst du nochmal zurück und schaust, was da los war.

Hilft dir das was?
beste Grüße
Lina

Inaktiver User
18.02.2011, 13:55
Hallo fotokatze

hattest du jemals die Gelegenheit eines deiner Rachgelüste in die Tat umzusetzten?

Konntest je einem Menschen sagen " Pah das geschieht dir Recht dafür dass du das mit mir gemacht hast"??

Rache ist ein so negatives Gefühl finde ich - und lohnt sich überhaupt nicht. Ich meine selbst wenn du dazu kommst jemanden genau das zu sagen - WAS ändert sich dann an den Tatsachen?

Dir wird oder wurde übel mitgespielt - nun ja, wem passiert das nicht mal. Da wehrt man sich vorher - und mal ehrlich ich bin lieber Arbeitslos als 13 Jahre in einer Firma wo der Chef so ein Ekel ist.

Es gibt immer eine neue Möglichkeit und du hättest sicher einen neuen Job gefunden.

Eine Freundin von mir ist so wie du. Da hat man im Hinterkopf eigentlich immer die Frage: wenn ich ihr mal Unrecht tue was dann? Und schön ist das nicht. Wir haben aber nun keinen Kontakt mehr.

Und noch was fällt mir ein: wenn dir so übelst mitgespielt wird trägst du doch auch einen Anteil daran - es gehören ja immer zwei dazu: einer der es macht und einer der es machen läßt.

Vielleicht setzt du da mal an?

Du stehst dir selbst im Weg und vergißt nach vorne zu sehen. Nur nach hinten sehen bedeutet aber die vielen Möglichkeiten die du hättest nicht wahr zu nehmen.

fotokatze
18.02.2011, 14:19
Liebe Lina! Du hast toll geschrieben, Deine Worte bauen mich weiterhin auf. Immer wieder muß ich es hier sagen: ich bin froh, daß ich dieses Thema eröffnet habe, auch wenn ich heftig damit angeeckt habe (jetzt aber bestimmt nicht mehr anecke, oder?!)

Stimmt, ich fühle mich oft hilflos. Es ist so schwer für mich, einfach über den Dingen zu stehen, das fiel mir immer schon schwer. Wie oft komme ich mir ganz klein und ohnmächtig vor, wie so ein kleines, unscheinbares Blümchen, das zertreten wird. Im Moment habe ich viel innere Stärke und schöpfe aus ihr.

Liebe(r) Dharma09! Ja, ich habe mich schon ein paarmal in meinem Leben gerächt, aber nicht mit Folter oder so, sondern mit gezielter Sachlichkeit.

Um sich zu rächen, muß man nicht immer einem "Täter" klarmachen: das geschieht dir recht, das ist jetzt der gerechte Ausgleich. Es gibt auch andere Methoden, Rache auszuüben.

Ich glaube, wenn ich hier ausführlich hinschreiben würde, an wem und wie ich mich gerächt habe, dann würde das zu weit führen und dieses Textfeld sprengen.

fotokatze
19.02.2011, 13:02
@fotokatze

Deinen Ex-Chef und die Kollegin sollte man tunslichst vorwarnen, denn wenn sojemand mit solchen Phantasien dann mal austickt...
Suche Dir bitte Hilfe, egal ob erstmal Freunde, Dein Partner oder professionelle Hilfe. Selbsthilfegruppe, Psychologen, was auch immer.
Was mich wundert, Du scheinst für mich "zwei Personen" zu sein. Eine, die abgrundtief hassen kann und eine, die in einem anderen Strang so liebevoll von ihrem Vater schreibt und sich schlecht fühlt, weil sie ihm nicht alle Liebe zeigen kann, die sie hat.
Entweder hast Du ein ernsteres Problem, als Du Dir eingestehen willst oder Du verarschst uns gehörig.
Nur mal so in den Raum gestellt: Authentisch wirkt das alles nicht.
So, jetzt kannste mich gerne beschimpfen, ist halt meine ehrliche Meinung und dazu stehe ich. Feuer frei, wenn's denn sein muß.

Liebe nobody,
etwas verspätet antworte ich Dir auf Deinen Beitrag:

Nein, verarschen will ich bestimmt nicht. Alles, was ich in all meinen Themen geschrieben habe, ist wirklich geschehen bzw. trifft wirklich auf mich zu. Und wegen Deiner ehrlichen Meinung beschimpfe ich Dich bestimmt nicht, warum denn auch?!

Es ist für mich sehr interessant, etwas zu schreiben und die Reaktionen anderer zu lesen. Das ist wichtig für mich, sonst würde ich meine Themen hier ja gar nicht eröffnen. Ich lerne hierdurch zu erfahren und zu verstehen, wie andere über mein Verhalten denken und sagen. Nur so kann ich an mir arbeiten.

Du schreibst, daß Du den Eindruck hast, ich sei wie "zwei Personen". Wenn ich so gespalten auf andere wirke, nun, dann muß ich sehen, daß ich mich halt zukünftig "vereinter" verhalte; vielleicht sieht man mich dann anders, vor allen Dingen positiver.

Wie ich schon ein paarmal schrieb: ich will kein unberechenbares Monster sein!

Und, wie gesagt: alles, was ich in meinen Themen geschrieben habe, ist meine ehrliche Meinung und mein ehrliches Gefühl! Ob übermäßige Liebe zu meinem Vater oder übermäßiger Haß auf meine Ex-Kollegen - es sind meine realen Gedanken.

Inaktiver User
19.02.2011, 13:09
Ich glaube auch du solltest dir professionelle Hilfe suchen.

Du bist zu großen Gefühlen fähig - positiv wie negativ - das ist ja erstmal gut. Nur glaube ich, dass du mit den negativen Gefühlen überfordert bist und die sich dann in diese Rachegelüste umwandeln.

Schön finde ich aber, das du guckst wie du wirkst und deshalb glaube ich, dass du das mit Hilfe in positive Bahnen lenken kannst.

Du mußt bei allem viel mehr nach vorn sehen finde ich. Und dich gut um dich selbst kümmern. Wenn solche Hassgefühle hochkommen lenk dich ab - geh joggen oder hör laut Musik....

Vielleicht kannst du deine Energie auch in ein Ehrenamt stecken? Alten Menschen helfen oder Kindern aus zerütteten Familien...


Dharma - weiblich :freches grinsen:

fotokatze
19.02.2011, 13:14
Wenn solche Hassgefühle hochkommen lenk dich ab - geh joggen oder hör laut Musik....


Liebe Dharma09,
herzlichen Dank! Gott sei Dank habe ich schöne Hobbys, die mich wunderbar beschäftigen, und zu dieses Hobbys gehört u.a. auch die Musik. Nicht nur daß ich gern Musik höre, evtl. auch sehr laut - nein, ich habe früher selbst Musik gemacht, war jahrelang am Konservatorium. Das hat mir so viel gebracht, auch in den schlechtesten Zeiten hatte ich immer noch etwas, woran ich Freude hatte. Gut, daß Du mich hieran mit Deinem Beitrag erinnerst! Zwar habe ich meine Geige längst aus der Hand gelegt, und mein Klavier steht in meinem Elternhaus, aber daran soll's nicht scheitern! Musik hören - dazu habe ich immer Gelegenheit!

Bella-Marie
19.02.2011, 19:22
Hallo Fotokatze
Schmiedest du einen wirklichen Racheplan oder sind es nur Gelüste.Da könnte ich mich einreihen und dir Dinger erzählen die würde ich nicht meinem ärgsten Feind wünschen.
Alles nur Fantasie und die wird es bleiben. weil du sonst nie geschrieben hättest.Ich finde Wut muss raus und wenn es hier nur verbal ist tut sie keinem Weh.Oder will man alles wirklich jeden Sittenverbrecher vierteilen.Irgendwie schon?Oder?:freches grinsen:

fotokatze
19.02.2011, 20:05
Hallo Fotokatze
Schmiedest du einen wirklichen Racheplan oder sind es nur Gelüste.

Ja, glücklicherweise sind es nur Gelüste. Aber angeblich hat niemand außer mir diese Art Phantasien. Jedenfalls niemand, mit dem ich konkret darüber spreche, höchstens mein Partner.

In der Praxis sieht alles ganz anders aus. Schon allein deshalb, weil ich sowieso nie die Gelegenheit bekäme, z.B. meiner Ex-Kollegin den bloßen Rücken mit einem Gürtel auszupeitschen. Und selbst wenn ich die Gelegenheit hätte - ich wüßte ganz genau, ich würde es nicht tun.

Allerdings habe ich einigen Menschen in meiner Vergangenheit ziemlich unverblümt die Meinung gesagt. Ich schrieb bereits: einer Lehrerin, die mich ungerecht behandelt hatte, habe ich einen Brief geschrieben. Hinterher fühlte ich mich befreit. Und eins ist ganz klar: ein Brief tut nicht weh und ist auch nicht unerlaubt. Ich bin in diesem Brief auch sachlich geblieben und habe keine Schimpfwörter o.ä. verwendet.

Ich könnte noch mehr solche Beispiele nennen, aber das würde hier zu weit führen.

Deshalb, wie ich schon einige Male schrieb: ich bin froh, dieses Thema hier eröffnet zu haben. Ich fühle mich seitdem besser als vorher.

Suki
20.02.2011, 01:34
Hallo Fotokatze, ich muss zugeben, dass ich deine Rachephantasien auch extrem erschreckend finde, vor allem auch, weil ich denke, dass solche Gedanken immer nur auf einen selbst zurückfallen und einen auf Dauer regelrecht krank machen bzw. jede Heilung verhindern. Aber wenn du sie hast, hast du sie.
Da ich auch deine anderen Beiträge gelesen habe , beziehe ich die hier auch mal ein, und schreibe mal, was mir beim Lesen so durch den Kopf ging bzw. geht (und ich fürchte, das wird lang), weil ich das nicht so strangweise auseinanderbröseln kann.
Schon bei deinen ersten Beitrag(den ich las – im Diätstrang) hatte ich spontan den Eindruck, dass du da nicht ohne Unterstützung von außen rauskommen würdest, da ich wirklich gleich den Eindruck hatte, dass dein Gewicht und das Essen eine Schutzfunktion für dich hat. Was du danach über deine frühere Arbeitssituation geschrieben hast, bestätigte mein Gefühl.

- Es ist dir aber schon klar, dass du ganz viele Verhaltensmuster/weisen, Denkmuster und Vorstellungen hast, die ganz typisch für Kinder aus Alkoholikerfamilien sind?? Du hast ja schon vier Therapien gemacht, glaube ich, aber warst du da bei Therapeuten, die darauf spezialisiert waren?? Ich würde dir auch ganz dringend empfehlen, dich vielleicht mal auf eine Al-Anongruppe einzulassen (für Kinder von Alkoholikern), ja, auch wenn deine Mutter schon lange tot ist!

Ich denke, deine ganze Wut und dein Hass beruhen auf dem Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein, dass dir damals keiner geholfen hat. Und irgendwo erwartest du jetzt immer noch, dass dir jemand anderes hilft, aber inzwischen kannst du dir selbst helfen- inzwischen musst du dir selbst helfen- oder es lernen, es zu tun. Ich finde es auffällig, dass du wütender auf deine Kollegin bist, die dir nicht geholfen hat als auf deinen Chef, den eigentlichen Täter. –

Und natürlich hättest du gehen können. –Ich habe einen afrikanischen Freund, der vor einiger Zeit seinen Job gekündigt hat, weil er ihn auf Dauer krank gemacht hat bzw. hätte. (Arbeit bei bis – 15 Grad draußen, 8-10 Stunden, auch nachts, ohne vernünftige Arbeitskleidung, Arbeitsschuhe, keine Aufwärmmöglichkeit, ständige Arbeit mit Tonerstaub…) Er hat eine Familie und zwei Kinder und lebt jetzt noch von Arbeitslosengeld bzw. bald Hartz 4 und es ist auch nicht einfach für ihn, einen neuen Job zu finden - aber seine Gesundheit war ihm am wichtigsten und seine Frau hat dies auch unterstützt.

Es haben ja schon viele geschrieben, dass du dich sehr als Opfer siehst und ich finde, dass du sehr gerne anderen oder den Umständen die Schuld gibst, aber nicht selbst die Verantwortung übernimmst. (Und ich weiß schon, dass das mit deiner Geschichte auch verdammt schwer ist, weil es erst mal nur um das Aushalten und Überleben ging…..).
Was mich ehrlich gesagt gewundert hat, wie du von deinem Vater schreibst, und was für ein wunderbares Verhältnis du zu ihm hast. Es wäre doch in seiner Verantwortung gewesen, dich als Kind zu „retten“ und dich und euch aus dieser gewalttätigen Situation zu befreien, - und es ist nicht deine Aufgabe, „ihn glücklich zu machen.“ Auch er hatte damals die Wahl….und war nicht nur Opfer.

Mir ist heute gerade wieder ein ganz tolles Buch (Brigitte Roser, Das Ende der Ausreden) in die Hände gefallen, dass ich wirklich JEDEM Erwachsenen empfehlen würde, es gibt so viele Denkanstösse und witzigerweise war genau der tyrannische Chef ein Beispiel…und die unbewussten Vorteile… ich zitiere mal:

„Notieren wir doch einmal gelassen, welche Vorteile es denn haben kann, so einen Chef zu ertragen:

Ich riskiere meinen Arbeitsplatz nicht.
Ich muss mich nicht um einen neuen Job kümmern
Ich vermeide den Konflikt mit ihm.
Ich habe mit meinen Kollegen eine Schicksalsgemeinschaft, wir sind uns einig.
Ich sitze bequem auf dem moralischen Sofa, auf dem ich mich als der viel wertvollere und
reifere Mensch fühlen darf, der so etwas wie dieser Chef mit seinem frühindustrialen
Führungsstil, nie täte.
Mit anderen Worten: Ich bin die Gute.
Arbeitsplatzsicherheit, Konfliktvermeidung, Gemeinsamkeit über den definierten Bösen, empfundene moralische Überlegenheit. Das sind keine kleinen Vorteile.
Ich könnte also ruhig sagen: “Ich ertrage einen unmöglichen Chef, weil mir mein Job wichtig ist und ich keine Lust habe, mich umzuorientieren. Die Solidarität mit meinen Kollegen tut mir gut und ich genieße den Vorteil des schlechten Beispiels.“

Das sagt kein Mensch. Und warum nicht? Ich bekäme dann kein Mitgefühl mehr von den Zuhörern meiner Opfergeschichte. (Um diesen Aspekt muss man die Liste der Vorteile noch ergänzen.) Ich hätte die Verantwortung nicht mehr beim anderen deponiert, sondern mir meinen eigenen Teil genommen“

(Oh je , das ist wirklich lang..) Zum Zweiten: Ich möchte dir auch unbedingt noch ans Herz legen, dich tatsächlich mit dem Thema Verzeihen/ aber vor allen Dingen Vergebung zu beschäftigen.
Es gibt ein sehr schönes Buch von Louisa L. Hay, Gesundheit für Körper und Seele. Sehr klar und einfach zu lesen. Und im Grunde geht es „nur“ um Eigenliebe und Vergebung.
(„Wir müssen uns dafür entscheiden, uns von der Vergangenheit zu lösen und jedem zu vergeben, auch uns selbst. Wir wissen vielleicht nicht, wie man vergibt, und wir wollen vielleicht nicht vergeben: aber allein die Tatsache, dass wir sagen, wir seien willens zu vergeben, macht den Anfang des Heilungsvorganges.“… „Ich würde dieser Vorstellung hinzufügen, dass gerade die Person, der Sie am schwersten vergeben können, diejenige ist, der Sie das meiste zu verzeihen haben. Vergebung heißt aufgeben, loslassen. Es hat nicht damit zu tun, Verhalten zu entschuldigen. Es heiß nur, die ganze Sache loszulassen.“) - Ist es nicht eine verlockende Vorstellung, von all dem befreit zu sein????

Ich habe vor einem Jahr ein NorbekovSeminar gemacht, in dem es auch eine Übung zur Vergebung gab. Ohhhh…. Ich habe die ganze Zeit nur geweint und versucht, unauffällig meine Taschentücher zu benutzen - zum Glück hatten wir alle die Augen zu und ich hörte es auch um mich herum rascheln… Danach gab´s erst mal eine Pause und ich würde sagen, alle brauchten sie auch…. Und zwei Tage später gab es die Übung noch mal und schon bei der Ankündigung ging ein allgemeines Aufstöhnen durch den Raum…. Aber auch die Seminarleiterin erzählte, dass immer nach dieser Übung die (gesundheitlichen) Veränderungen richtig losgingen…

- Inzwischen gibt es übrigens schon eine „Vergebungsforschung“, eben weil es auch gesundheitlich so relevant ist und ein „International Forgiveness Institute“ in Wisconsin, USA……

„Willst du einen Augenblick glücklich sein – räche dich.
Willst du ein Leben lang glücklich sein – verzeihe!“ (http://ratgeber.bkkgesundheit.de/gesundheit/631/verzeihen_bedeutet_freiheit/)


-

fotokatze
20.02.2011, 09:36
Was mich ehrlich gesagt gewundert hat, wie du von deinem Vater schreibst, und was für ein wunderbares Verhältnis du zu ihm hast. Es wäre doch in seiner Verantwortung gewesen, dich als Kind zu „retten“ und dich und euch aus dieser gewalttätigen Situation zu befreien, - und es ist nicht deine Aufgabe, „ihn glücklich zu machen.“ Auch er hatte damals die Wahl….und war nicht nur Opfer.
-

Mein Vater? Wenn Du jetzt in Deinem Beitrag meinst, daß er sich hätte scheiden lassen sollen, und ich wäre ihm zugesprochen worden - das war unmöglich. Es ging ganz einfach nicht.

Meine Mutter war Quartalssäufer und gab nicht zu, daß sie es war. Es war ja alles nicht. Wir wollten sie ja nur schlechtmachen. Wochen-, manchmal monatelang passierte gar nichts, dann war es wieder soweit.

Natürlich war Vater beim Anwalt und ließ sich beraten, ob er sich scheiden lassen sollte und ich ihm zugesprochen würde. Die Aussage des Anwalts: Vor Gericht würde meine Mutter nüchtern und toll zurechtgemacht erscheinen und aussagen: mein Vater lügt, er will nur das Kind an sich reißen und denkt sich deshalb eine Quatschgeschichte aus, die nicht stimmt. Hätte man mich (ich war noch unter 10) vor Gericht gefragt, und ich hätte geantwortet: ich will zu Vater, dann hätte meine Mutter hinterher ausgesagt: das ist ihr nur eingetrichtert worden.

Darüber hinaus: Meine Mutter arbeitete nicht. Vater wäre verpflichtet gewesen, für sie und mich Unterhalt zu zahlen. Dafür hätte sein Gehalt nicht gereicht. Wir wären alle 3 zum Sozialfall geworden.

Der Anwalt riet meinem Vater dringend von einer Scheidung ab. Es war nichts, nichts, nichts zu machen.

Mein Vater konnte mich nur trösten, wenn Mutter wieder mal in einer Ecke lag. Mich trösten und mit mir zusammenhalten.

Ist es da ein Wunder, daß ich mich oft so hilflos fühle? Bis heute?

Suki
20.02.2011, 13:01
Hallo Fotokatze,
ich bin ja gerade etwas verdutzt, dass du (nur) auf diesen Punkt eingehst…
Vielleicht war meine Formulierung auch missverständlich: Also, vorab: ich finde es wunderbar, das du so ein gutes, liebevolles Verhältnis zu deinem Vater hast.

Aber: Ich denke, ja, eine Trennung hätte eine Möglichkeit sein können. Auf alle Fälle hätte dein Vater in eine Angehörigengruppe gehen können, - vielleicht ist er es ja -.
Ich finde es schon erstaunlich, was der Anwalt gesagt hat – es ist ja nicht so, dass es nicht Leute gibt und gab, die einen Alkoholiker (oder eine andere unerträglich Situation) verlassen haben, auch wenn sie mit finanziellen Einbußen rechnen müssen oder vor dem Nichts standen. (Mein afrikanischer Freund ist jetzt auch ein Sozialfall – bzw. bald, aber immer noch besser, als wenn die Kinder einen Vater haben, der frühzeitig mit Lungenkrebs stirbt, finde ich.)
Es hätte doch sicher Leute gegeben – oder man hätte sie suchen können, notfalls auch die Polizei - die den Zustand deiner Mutter hätten bezeugen können, man hätte andere wichtige Bezugspersonen für dich suchen können, zu denen du vielleicht in den Krisen hättest gehen können, usw..,

Aber im Grunde geht es doch gar nicht darum…wobei mir natürlich beim Schreiben die Parallelen zu deiner Arbeitssituation geradezu in die Augen sprangen.

Ich hatte es ja schon gesagt, ich finde es überhaupt nicht verwunderlich, dass du dich so hilflos fühlst (und dir oft keine Alternativen vorstellen kannst oder das eine Veränderung möglich ist) – das ist typisch für Menschen mit deiner Geschichte.
Aber die Frage ist doch : wie kommst du da jetzt raus?? Man kann erlernte Hilfslosigkeit auch wieder verlernen, auch wenn es dauert. Aber ich denke, du sollst dich darauf und auf die Übernahme der Selbstverantwortung konzentrieren und dich nicht deinen Rachephantasien hingeben….die werden dich meiner Meinung nach keinen einzigen Schritt weiterbringen…..

Ich glaube, dass du jetzt auch an einem Punkt bist, wo du damit anfangen kannst bzw. anfängst und deshalb auch diese Stränge eröffnest hast. Und ich finde es genauso wie zweifelhaft sehr mutig von dir, so ehrlich zu schreiben und halte ihren Beitrag für sehr wichtig:


Liebe Fotokatze,
ich finde es mutig, dass du das hier so geschrieben hast, offen und ehrlich, und ja auch schon ein Schritt in die richtige Richtung, du reflektierst darüber und hinterfragst ...

Mir fällt noch ein, dass diese rasende Wut, die du ja nicht auslebst (!), von einer absoluten Hilfslosigkeit und Impotenz (im eigentlichen Sinne, also Machtlosigkeit) kommen. Das scheint ein Urgefühl in Dir zu sein, da musst du ran, meine ich.


Ich habe es hier irgendwo schon mal geschrieben: Ich hatte mal eine alte Chefin, die mir (vor Jahren)sagte, für sie ist es ein Zeichen für Erwachsensein, dass man erkennt, dass egal wer den Karren in den Dreck gefahren hat, man selbst der einzige ist, der ihn wieder rausholen kann. Ein wunderbarer Satz, den ich auch all die Jahrzehnte nicht vergessen habe.....

fotokatze
20.02.2011, 13:15
Liebe Suki,

ich gebe zu: ich habe heute morgen recht spontan und "aus dem Bauch heraus" auf Deinen Beitrag geantwortet. Natürlich weiß ich, daß Dein Beitrag sehr viel umfangreicher war als nur die Sache mit meinen Eltern. Vielleicht sehe ich ja jetzt alles etwas allumfassender.

Das mit meinen Eltern ist eben so geschehen, wie es geschehen ist. Und - wir dürfen eins nicht vergessen: Vater und ich erlebten unsere Mutter nicht nur unter einer Riesenwolke voll Traurigkeit. Da war ja auch eine andere Seite, die wirklich klasse war. Mutter hatte auch ihre guten Eigenschaften, vielleicht bessere Eigenschaften als manch andere Mensch, als manch andere Ehefrau und Mutter.

Es fällt mir halt schwer, diese guten Eigenschaften zu sehen. Und das gilt nicht nur für meine Mutter, sondern eben auch für alle anderen Bereiche meines Lebens - fast alle anderen Bereiche. Einige Bereiche sehe ich schon so, wie sie sind. Wie z.B. meinen Partner - er hat gute und schlechte Seiten.

Und vielleicht sehe ich meinen Vater sogar etwas zu positiv. Mag sein. Perfekt ist er auch nicht.

Eins ist jedenfalls klar: die Vergangenheit läßt sich heute nicht mehr ändern. Ob mein Vater früher richtig oder falsch gehandelt hat, lasse ich dahingestellt.

Aber eins ist auch klar: ich habe nie gelernt, mich zu wehren. Und ich habe nie gelernt, gelassen über den Dingen des Lebens zu stehen.

Doch es ist nie zu spät!

Mme_Mim
21.02.2011, 17:02
:in den arm nehmen:

Mensch Fotokatz'

1. ich bin jetzt nicht so erschüttert ob deiner Rachefantasien (Stichwort Katharsis :pfeifend:)**

2. es gibt viele Weltanschauungen, die sagen, dass man sich durch Rachegedanken an den Täter bindet. Willst du das? Nein, sicher nicht. Loslassen (auf dt. gesagt dich am ...lassen :engel:) kannst aber auch nicht.

Daher:

3. mach noch eine Therapie!
Auch wenn du schon mehrere gemacht hast. Es hat halt noch nicht "gewirkt" - wieso glauben eigentlich immer alle, dass eine Therapie immer sofort wirkt?
Es gibt ja viele verschiedene Therapien und Therapeuten - nicht jede hilft jedem.
Mach noch eine - gib nicht auf!
Such dir einen guten Therapeuten - lass dich beraten dabei (Hausarzt? Psychiater? Caritas?...)

4. Du bist sicher kein schlechter Mensch - aber ein glücklicher auch nicht - und das ist doch das Problem!

:in den arm nehmen::in den arm nehmen::wangenkuss::wangenkuss::Sonne::Sonne::blum engabe::zauberer:

fotokatze
21.02.2011, 19:12
Du bist sicher kein schlechter Mensch - aber ein glücklicher auch nicht - und das ist doch das Problem!

Und Du kannst lustige Smileys verteilen, die mich zum Lachen bringen! :freches grinsen:

So gut ich kann, schaue ich nach vorn, das ist das Wichtigste! Und das Allerwichtigste ist für mich, Arbeit zu finden. Viel, viel wichtiger als Wut und Rachegefühle auf die Vergangenheit zu haben.

Inaktiver User
22.02.2011, 02:25
Natürlich ist es wichtig, Arbeit zu finden. Aber ich denke, bei deinen Problemen wirst du früher oder später vor dem gleichen Problem stehen. Ich denk mal, du brauchst dringend noch Hilfe, möglichst bevor du dich wieder ins Jobleben stürzt.

Inaktiver User
21.04.2011, 23:41
Hallo Fotokatze,

ganz ehrlich, wenn ich deine Beiträge lese, glaube ich auch nicht, dass du da ohne Hilfe die Kurve kriegst!

Aber, liebe Fotokatze, warum um Himmels Willen richtest du deine ganze Energie auf die Vergangenheit und verpasst damit die Gegenwart? Z.B., was dir in der Schulzeit passiert ist, das ist doch schon so ewig lange her, hake es ab und die Sache ist gegessen.
Du kannst die Vergangenheit nicht mehr ändern - diese Leute sind es doch nicht wert, dass du Kraft an sie verschwendest.

Denk dir sowas wie ein Mantra aus und sag es dir immer und immer wieder vor, wenn dich wieder mal alles einholen will, konzentrier dich auf die Menschen, die du liebst, du versäumst sonst zu viel Zeit mit Dingen, auf die du keinen Einfluss hast.

Und glaub bloß nicht, dass du der einzige Mensch bist, der Probleme hat.

Opelius hat völlig Recht, du wärst nicht glücklicher, wenn deine Rachegedanken sich erfüllen würden, glaub das ja nicht !!

LG

wespenstich
22.04.2011, 00:14
Was ich interessant finde ist, dass jemand den Grafen von Monte Christo mag und trotzdem solche Rachegedanken hegt.

fotokatze
22.04.2011, 19:54
Was ich interessant finde ist, dass jemand den Grafen von Monte Christo mag und trotzdem solche Rachegedanken hegt.

Der Graf von Monte Christo hegt doch genau solche Rachegedanken wie auch ich! Und er lebt seine Rache doch voll aus!

Übrigens habe ich vor 2 Wochen einen kleinen Arbeitsplatz gefunden. Seitdem weiß ich wieder, wie schön Arbeiten sein kann. Denn schön war es auf meinem alten Arbeitsplatz wirklich nicht. Ich freue mich wieder, wenn ich zur Arbeit fahre!

wespenstich
22.04.2011, 23:38
Der Graf von Monte Christo hegt doch genau solche Rachegedanken wie auch ich! Und er lebt seine Rache doch voll aus!


Hast du das Buch bis zum Schluß gelesen? Er scheitert mit seiner Rache, er muss am Ende feststellen, dass seine Rache sehr viel Leid über die falschen Menschen gebracht hat und er viel früher hätte glücklich werden können.

fotokatze
22.04.2011, 23:41
Hast du das Buch bis zum Schluß gelesen? Er scheitert mit seiner Rache

Klar habe ich das Buch bis zum Schluß gelesen, und aus meiner Sicht finde ich gar nicht, daß er mit seiner Rache scheitert. Ihm tut es nur leid, daß er viele Personen in seine Racht mit hineingezogen hat. Wie gesagt - ich kann ihn gut verstehen.

red_gillian
22.04.2011, 23:58
Klar habe ich das Buch bis zum Schluß gelesen, und aus meiner Sicht finde ich gar nicht, daß er mit seiner Rache scheitert. Ihm tut es nur leid, daß er viele Personen in seine Racht mit hineingezogen hat. Wie gesagt - ich kann ihn gut verstehen.

nun, das ist bei Rache meistens so. dass auch andere mit hineingezogen werden.
Ob einen das stört, liegt daran, welche Prioritäten man setzt. Ist die Rache das Wichtigste, sind die Kollateralschäden egal.

Wenn dir so nach Rache ist, warum tust du's nicht? Was hält dich ab?
Und wenn es etwas gibt, das dich abhält, warum lässt du dann nicht ganz und gar los und verschwendest keinen Gedanken mehr an die, die dich verletzt haben?

Du hängst in einer Zwischenphase fest, die weder noch ist. Für eine der beiden Möglichkeiten solltest du dich entscheiden, wenn du weiterkommen willst - folgenlos sind allerdings beide nicht. Glaub den Vorschreibern ruhig, die sagen, dass Rache weniger befriedigt, als man glaubt. (Das mit deiner früheren Lehrerin war keine Rache, das war nur ein Herzausschütten.) Und Loslassen erfordert halt Arbeit und das Durchhaltemögen, immer wieder (fast) von vorne anzufangen.

Wenn du dich für die Möglichkeit der Racheausübung entscheidest, wirst du vermutlich feststellen, dass du nur eine Schleife gelaufen bist und dich dann da wiederfindest, wo du momentan bist. Aber manchmal muss man das ausprobieren, bevor man's glaubt. Und gewisse rechtliche Konsequenzen könnte so eine Rache auch haben - fragt sich halt, was man bereit ist, für einen befriedigten Rachedurst hinzunehmen.

fotokatze
23.04.2011, 10:00
Wenn dir so nach Rache ist, warum tust du's nicht? Was hält dich ab?
Und wenn es etwas gibt, das dich abhält, warum lässt du dann nicht ganz und gar los und verschwendest keinen Gedanken mehr an die, die dich verletzt haben?

Du hängst in einer Zwischenphase fest, die weder noch ist.

Das mit deiner früheren Lehrerin war keine Rache, das war nur ein Herzausschütten.

Das hast Du ganz toll geschrieben!!! Eine Zwischenphase - darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Was mich abhält? Natürlich habe ich auch eine große Ratio, die mir sagt: hör mal, das kannst du nicht machen. Du machst dich strafbar. - Klar mache ich mich strafbar, wenn ich meine ehemalige Kollegin beschimpfe und verprügele, und ich glaube nicht, daß sie sich das einfach gefallen läßt. Ich gebe aber zu, daß ich bei meinen Rachegedanken nicht an die Folgen für andere denke, z.B. an die Folgen für die Familie meiner Kollegin. Ich denke nur an Folgen für mich.

Wenn der Brief, den ich an meine frühere Lehrerin geschrieben habe, nicht als Rache eingestuft werden kann, sondern als Herzausschütten, dann ist doch alles halb so schlimm! Und überhaupt - der Brief war nichts Strafbares, ich habe der Lehrerin keinen persönlichen Schaden zugefügt, sondern ihr meine Meinung gesagt.

Aber wie ich schon immer wieder schrieb - das Loslassen der Vergangenheit fällt mir furchtbar schwer, ich denke manchmal, es geht gar nicht. Meine Kollegin und mein Chef machen mir 13 Jahre lang das Leben sehr schwer, und ich soll mir das einfach gefallen lassen und es hinnehmen??? Wo kommen wir denn da hin?

Inaktiver User
23.04.2011, 10:12
Aber wie ich schon immer wieder schrieb - das Loslassen der Vergangenheit fällt mir furchtbar schwer, ich denke manchmal, es geht gar nicht. Meine Kollegin und mein Chef machen mir 13 Jahre lang das Leben sehr schwer, und ich soll mir das einfach gefallen lassen und es hinnehmen??? Wo kommen wir denn da hin?

In ein glücklicheres Leben?

Mal im Ernst, was du beschreibst, kann für einen Moment entlastend sein, aber auf Dauer schadet es nur einer Person: DIR. Es bindet wertvolle Energien, die du auf die Zukunft verwenden könntest und es bindet dich vor allem an diese schreckliche Zeit!
Auch wenn du es vielleicht (noch?) nicht so sehen kannst: Was sind das für arme Menschen, die so agieren und reagieren müssen. Wie gefährlich warst du für ihr Selbstverständnis, dass sie dich klein halten mussten? Und wie schlimm, wenn jemand nur über Brüllen Unmut ausdrücken kann.

Bitte, mach dich frei von ihnen

Karla48
23.04.2011, 10:30
Du lebst in deinem eigenen Gefängnis. Tragisch!
13 Jahre - und du hast das ausgehalten, anstatt wegzugehen?
Das sagt vieles aus, und zwar über dich.
Es sind nicht immer andere "Schuld". Man hat seinen Anteil an allem. Lies: "Drehbuch für Meisterschaft im Leben" von Ron Smutherman.
Ich glaube ich sagte es schon: Du bist wahrscheinlich auf dich selbst sehr ärgerlich. Und deshalb auch das schwere Loslassen.
My 2 cents.

Einzelne
23.04.2011, 10:41
Liebe fotokatze,

zu Deinem Thema möchte ich Dir auch etwas schreiben:

was mir als erstes nach dem Lesen Deines Eröffungsbeitrages sofort in den Sinn kam: kannst Du Dir selbst verzeihen, dass Du Dir das so lange hast gefallen lassen?

Deine Rachephantasien finde ich völlig normal, und glaube Dir auch absolut, dass Du sie nicht ausführen willst, das nicht planst und im Falle des Falles auch garnicht könntest. Darum geht es glaube ich auch garnicht: es sind nur die Bilder, die Dir Erleichterung gegebenüber dem ERlittenen geben, wie ein Ventil. Eigentlich eine ganz gute Art der Verarbeitung finde ich, denn vielleicht bewahrt es Dich in seiner kraftvollen Vision vor einer reaktiven Depression.

Die Frage ist nun aber, ob es wirklich Erleichterung auf Dauer bietet. Selbst wenn der Fall eintreten würde, die besagte ehemalige Kollegin oder Exchef würde ein schlimmes Schicksal erleiden: würde es Dir wirklich die nötige Heilung geben? Würde die Genugtuung reichen, dass Du das Erlebte endlich nicht mehr in der Gegenwart wieder und wieder als immer neue Verletzung erleben musst, indem Du es nicht vergessen kannst?

Wie kann man so etwas abhaken und die Gegenwart davon befreien?

Der einzige Weg, den ich kenne, führt über die Eigenverantwortlichkeit! Bei aller Schwierigkeit auf dem Arbeitsmarkt, Du hast Dich weder krank gemeldet wegen Mobbings noch hast Du irgendeinen Hilfsjob angenommen, bloss um von dem Job loszukommen. Alles nicht einfach und vor allem mit vielen Entbehrungen verbunden, aber man ist eben doch nicht völlig hilflos.

Was so Dinge wie mit der Mutter oder Lehrern angeht, so ist es leider im Erwachsenenleben unsere Aufgabe, mit den Folgen klar zu kommen. Es liegt da alleine in unserer eigenen Verantwortung, man muss sich dessen nur endlich bewußt werden. Dann ist man auch nicht mehr nur das hilflose Opfer, dem nur noch Rache helfen kann, sondern man kann für sich selbstverantwortlich tätig werden. Für sich - und nicht: gegen andere.

Den Brief finde ich dabei ein sehr gutes Mittel! Sicher hat es Dir geholfen, dieses Thema etwas weiter nach hinten in Dein Erlebnisregal abzulegen, stimmts? Und man kann im Prinzip jedem schreiben, jedem seine Verantwortung für das Wohl seiner Angehörigen oder SChutzbefohlenen vor Augen halten. Und: man kann das sogar tun ohne die Briefe zwingend abschicken zu müssen.

Hast Du in Deinen Therapien nie Möglichkeiten zur Verarbeitung und zur Bewältigung in der Gegenwart aufgezeigt bekommen oder erarbeiten können?
Irgendwie denke ich auch Du solltest es nocheinmal mit professioneller Hilfe versuchen. Vielleicht bist Du bisher einfach noch nicht an die für Dich richtige Person und Therapieform geraten? Frag doch mal bei Deiner Krankenkasse nach, ob sie Dir nochmal etwas bezahlen würden und was sie Dir empfehlen können?

red_gillian
23.04.2011, 10:54
Das hast Du ganz toll geschrieben!!! Eine Zwischenphase - darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Was mich abhält? Natürlich habe ich auch eine große Ratio, die mir sagt: hör mal, das kannst du nicht machen. Du machst dich strafbar. - Klar mache ich mich strafbar, wenn ich meine ehemalige Kollegin beschimpfe und verprügele, und ich glaube nicht, daß sie sich das einfach gefallen läßt. Ich gebe aber zu, daß ich bei meinen Rachegedanken nicht an die Folgen für andere denke, z.B. an die Folgen für die Familie meiner Kollegin. Ich denke nur an Folgen für mich.

Wenn der Brief, den ich an meine frühere Lehrerin geschrieben habe, nicht als Rache eingestuft werden kann, sondern als Herzausschütten, dann ist doch alles halb so schlimm! Und überhaupt - der Brief war nichts Strafbares, ich habe der Lehrerin keinen persönlichen Schaden zugefügt, sondern ihr meine Meinung gesagt.

Aber wie ich schon immer wieder schrieb - das Loslassen der Vergangenheit fällt mir furchtbar schwer, ich denke manchmal, es geht gar nicht. Meine Kollegin und mein Chef machen mir 13 Jahre lang das Leben sehr schwer, und ich soll mir das einfach gefallen lassen und es hinnehmen??? Wo kommen wir denn da hin?


Dass du nur an die Folgen für dich denkst, zeigt, dass die Vergangenheit nicht mehr oberste Priorität für dich hat, genauso wie der Gedanke, dass du rechtliche Folgen für deine Rache nicht auf dich nehmen möchtest. Insofern bist du schon dabei, loszulassen.

Bleibt noch das Gefühl himmelschreiender Ungerechtigkeit, und ja, die existiert und die lässt sich durch Rache auch nicht ausgleichen. Das Leben Ist Nicht Fair, und das ist eine Tatsache, an der man sich die Zähne ausbeißen kann, weil sie nicht änderbar ist.
Änderbar ist jedoch der eigene Umgang damit, und wenn man seine Energien darauf richtet, sich im Hier und Jetzt seinen Anteil an positiver Unfairness zu holen, ist man schon ein ganzes Stück weiter - und man entzieht denen, die einen negative Unfairness haben erleben lassen, Macht.
Solange du so Leute wie deinen Exchef und deine Exkollegin in deinen Gedanken behältst, haben sie Macht über dich und die negative Unfairness wird nur noch größer. Kickst du sie aber aus deinen Gedanken und schaust, wo du jetzt gerade etwas Positives für dich erleben kannst, drehst du die Unfairness der Welt in eine Richtung, in der du "mehr als fair" Glück bekommen kannst. Und du musst dafür nicht einmal jemand anders was wegnehmen ;) .

Wut und destruktive Energien lassen sich umlenken in Kraft und positive Energien. Wie das geht, muss aber jeder für sich herausfinden, da gibt es kein Patentrezept .... und ich glaube, dass ein sinnvoller Anfang ein dicker Schlussstrich unter die Vergangenheit ist.

Mir hat damals geholfen, "das Leben ist nicht fair" zu meinem Mantra zu machen. Ich habe es mir solange vorgesagt, bis aus der Wut Zähneknirschen, aus dem Zähneknirschen zähneknirschende Akzeptanz, aus der zähneknirschenden Akzeptanz Akzeptanz und aus der Akzeptanz Annehmen geworden war. Das hat lange, lange gedauert, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Und dann ist auch deine Frage nach dem "Wo kommen wir denn da hin?" beantwortet - dann kommst du an einen Punkt, an dem du dich wirklich um dich und dein Leben kümmern kannst und an dem es deshalb gut werden kann, weil niemand Destruktives mehr Macht über dein Leben hat.

Quidam
23.04.2011, 11:12
Meine großen Vorbilder sind "der Graf von Monte Christo" und "Mundharmonika" aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod". Ich kann beide gut verstehen.
Ganz abgesehen vom schon geschriebenen:
Der Graf von Monte Christo liess zum Schluss "Gnade" walten, weil er erkannte, dass er nicht das Recht hat, die Hand Gottes zu spielen, und weil er Leid verursachte, was er in dem Masse wie geschehen nicht wollte.
In "Spiel mir das Lied vom Tod" sind alles, aber auch alles Schurken. Sogar die Guten. Die gibt es zwar nicht, weil sie alle einen Vorteil wahrnehmen wollen und von den anderen daran gehindert werden. Jeder geht über Leichen. Die Musik ist gänsehauterzeugend, die Geschichte atemberaubend. Erinnere dich mal an das Ende: Jill hat ihre Farm und ist allein, verdient wahrscheinlich ein Schweinegeld, Harmonica Man und Cheyenne ziehen ab, Cheyenne stirbt. Und Harmonica Man ist allein. Was macht er nun mit seinem Sieg? Keine Perspektive mehr, da der Lebenssinn ausgelebt ist.

Denk doch einfach mal über über deine Vorbilder nach. Du siehst nur die Aktion, nicht das Ende.
Und vielleicht kanalisierst du die Wut zumindest fürs erste in Taten, die etwas Herausragendes entstehen lassen. Denn die Rachepläne kannst du dir nicht leisten, dafür fehlen dir wahrscheinlich Geld und Gelegenheit. Und, und das ist keine Beleidigung, auch Mittel und Fähigkeiten. Denn du bist ein lebendiges Wesen, keine Fiktion.

fotokatze
23.04.2011, 11:13
13 Jahre - und du hast das ausgehalten, anstatt wegzugehen?
Das sagt vieles aus, und zwar über dich.

Ich glaube, ich muß hier mal was erklären.

Ich habe in der Firma von 1997 - 2010 gearbeitet. Bis 2004 war dort der Senior-Chef. Der war ganz in Ordnung. Es war mit ihm nicht immer einfach, er hatte auch seine "Macken", aber ich kam doch gut mit ihm aus und hatte bis 2004 nicht das Bedürfnis, die Firma zu wechseln. Auch meine Kollegin, die zwischen mir und ihm stand, war damals nicht so gereizt wie später.

Im Sommer 2004 starb der Senior an Krebs (was mir für ihn sehr leid tut, er war so lebensfroh), und sein Sohn, der Junior übernahm die Firma. Und mit dem Junior war kein Auskommen möglich. Jedenfalls für mich nicht. Er hatte noch keine 3 Monate das Zepter in die Hand genommen, da beschloß ich, fortzugehen, mich woanders zu bewerben.

Und es klappte nicht. Beim besten Willen nicht. Ich schrieb ca. 300 - 400 Bewerbungen in 5 1/2 Jahren, ich wartete geduldig und ungeduldig - nichts. Ab und zu mal ein Vorstellungsgespräch mit anschließender Absage, das war alles.

Immer wieder sagte ich mir: besser in dieser schrecklichen Firma als arbeitslos. Dazu stehe ich auch bis heute.

Der Junior war so eklig, daß ich das hier nicht näher beschreiben möchte. Und die Kollegin wurde auch immer ekliger. Es war eine furchtbare Zeit. Meine Entlassung war nichts anderes als Erleichterung und Befreiung für mich.

Nun muß ich noch sagen, daß es der Firma zum Zeitpunkt meiner Entlassung sehr, sehr schlecht ging. Wir hatten Kurzarbeit, und so wie es aussah, würde die Firma bald schließen. Ich weiß gar nicht, ob sie jetzt noch existiert. Meine Entlassung war deshalb betriebsbedingt, und mein Zeugnis ist ganz toll. Meine schreckliche Wut habe ich nicht wegen meiner Entlassung, sondern wegen all dem, was vorher war.

Das zu der Frage, warum ich 13 Jahre lang in der Firma war.

Karla48
23.04.2011, 11:40
Meine Kollegin und mein Chef machen mir 13 Jahre lang das Leben sehr schwer, und ich soll mir das einfach gefallen lassen und es hinnehmen??? Wo kommen wir denn da hin?

Also doch nicht 13 Jahre Mobbing?

wespenstich
23.04.2011, 11:48
Also doch nicht 13 Jahre Mobbing?

Offenbar nicht und was für mich am merkwürdigsten ist, ist die Tatsache, dass der eigentliche Täter, der Chef nicht das Opfer werden soll, bzw. die Wut über ihn nicht so groß ist, wie über die Kollegin.
Ob da eine klassische Übertragung statfindet?

Quidam
23.04.2011, 11:49
Und es klappte nicht. Beim besten Willen nicht. Ich schrieb ca. 300 - 400 Bewerbungen in 5 1/2 Jahren, ich wartete geduldig und ungeduldig - nichts. Ab und zu mal ein Vorstellungsgespräch mit anschließender Absage, das war alles. da hast du irgendetwas falsch gemacht. Dich bei den falschen Jobs vorgestellt z.B. Und dann: ein erfahrener Personaler spürt deine Wut und deine Unausgeglichenheit. Und er wird einen solchen Menschen nicht in seine Firma nehmen, da ist Ärger nur vorprogrammiert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass du in einem Vorstellungsgespräch wertfrei über deinen ehemaligen Arbeitgeber reden kannst. Irgendein Hinweis auf deine Einstellung dazu wird kommen.

Ich würde zu meinem Hausarzt gehen, deine Gewaltphantasien schildern und um Überweisung zu einem Psychotherapeuten bitten. Ich spreche nicht einfach so daher, ich kannte diese Wut und den Zorn, der sich erst nach einer längeren Therapie aufdröselte.

Karla48
23.04.2011, 11:52
Genau. Wenn nicht jetzt, wann dann? Dieser selbstgebaute Knast mit Tendenz zur Selbstüberhöhung...hat was Behandlungsbedürftiges, sehe ich auch so.
Nur, der Leidensdruck muss ja groß genug sein, sagt man. Leidest du, fotokatze? Kannst du dir das überhaupt eingestehen?

Einzelne
23.04.2011, 12:50
Nur, der Leidensdruck muss ja groß genug sein, sagt man. Leidest du, fotokatze? Kannst du dir das überhaupt eingestehen?

Nicht nur das: möchtest Du Dich vom Leiden wirklich befreien?
Manchmal hängt man krampfhaft daran, weil man sich nicht vorstellen kann, ohne zu leben. Was, wenn man keine Wut, keine Rachegelüste mehr hat? Was ist dann so stark, dass es diese intensiven Gefühle ersetzen kann? Und: haben dann die "gewonnen", die man als persönliche Feinde empfindet?

fotokatze
23.04.2011, 18:26
und was für mich am merkwürdigsten ist, ist die Tatsache, dass der eigentliche Täter, der Chef nicht das Opfer werden soll, bzw. die Wut über ihn nicht so groß ist, wie über die Kollegin.

Stimmt. Auf meine Ex-Kollegin habe ich mehr Wut. Mein Chef war eben der Chef, also sowieso nicht auf meiner Seite. Meine Ex-Kollegin hätte auf meiner Seite sein können. War sie aber nicht. Wäre sie auf meiner Seite gewesen, hätte ich nicht so eine Wut auf sie.

Inaktiver User
23.04.2011, 21:20
niemand ist verpflichtet, sich auf deine Seite zu stellen. Letztlich kämpft jeder für sich selbst. Warum sollte sie Ärger für dich riskieren? Was hast du für sie getan?
Und noch ein Gedanke: Warum ist ein Chef auf der anderen Seite? Muss nicht sein, kenn ich deutlich anders. Und wenn er das Klima anders gestaltet hätte, hätte deine Kollegin gar nicht erst "wählen" müssen...

fotokatze
23.04.2011, 21:48
Warum ist ein Chef auf der anderen Seite? Muss nicht sein, kenn ich deutlich anders. Und wenn er das Klima anders gestaltet hätte, hätte deine Kollegin gar nicht erst "wählen" müssen...

Okay, da hast Du recht. Bei meinem Ex-Chef war das eben so, jedenfalls beim Junior. Der Senior war in vielen Dingen ganz anders. Wie ich schon schrieb: er hatte seine Macken, es war nicht leicht mit ihm, aber ich fühlte mich bei ihm doch wohl.

Seit ich Arbeit habe, ertappe ich mich oft dabei, wie ich denke: so schön hätte es in meiner Ex-Firma sein können, wenn Ex-Chef und Ex-Kollegin das nur gewollt hätten. Ich bin nicht die einzige, die über meine Ex-Firma so denkt. Andere Ex-Kollegen, die auch nicht mehr in der Firma sind, denken genauso wie ich. Sie haben aber keine unermeßlichen Rachepläne, sondern haken die Geschichte ab.

Quidam
23.04.2011, 21:53
offensichtlich hast du ja wieder eine Stelle gefunden, für mich klang es so, als seist du arbeitslos.

Kannst du es denn nicht so sehen, dass du erst durch deine Erfahrungen weisst, wie gut es dir geht. Damit du von deinem Trip runterkommst.

fotokatze
23.04.2011, 23:04
offensichtlich hast du ja wieder eine Stelle gefunden, für mich klang es so, als seist du arbeitslos.

Als ich dieses Thema eröffnete, war ich auch noch arbeitslos. Ich habe seit 2 Wochen wieder eine Stelle. Leider ist diese auf 6 Wochen befristet; was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich schreibe weiter Bewerbungen.

Stockente
24.04.2011, 18:30
Stimmt. Auf meine Ex-Kollegin habe ich mehr Wut. Mein Chef war eben der Chef, also sowieso nicht auf meiner Seite. Meine Ex-Kollegin hätte auf meiner Seite sein können. War sie aber nicht. Wäre sie auf meiner Seite gewesen, hätte ich nicht so eine Wut auf sie.

Hallo fotokatze,
hab mir jetzt mal deinen Thread durchgelesen.
Was mir auffällt,du hast sehr liebevoll über deinen Vater gesprochen,aber was ist mit deiner Mutter?
Die hast du mit keinem Wort erwähnt.

LG Stockente

Einzelne
24.04.2011, 19:05
Hallo fotokatze,
hab mir jetzt mal deinen Thread durchgelesen.
Was mir auffällt,du hast sehr liebevoll über deinen Vater gesprochen,aber was ist mit deiner Mutter?
Die hast du mit keinem Wort erwähnt.

LG Stockente

:ostersmiley: Doch, hat sie: Beitrag Nr. 40 (http://bfriends.brigitte.de/foren/9572706-post40.html)

Stockente
24.04.2011, 19:34
:ostersmiley: Doch, hat sie: Beitrag Nr. 40 (http://bfriends.brigitte.de/foren/9572706-post40.html)

Okay...Vielen Dank! :smile:
Ich finde es sehr aufschlußreich...grad auch im Bezug auf diese Jobgeschichte und die besonders große Wut auf die Kollegin.
Sie hatte wohl bei der Geschichte die Rolle des Vaters...

fotokatze
26.04.2011, 22:15
Gerade ist mir noch etwas eingefallen, was vielleicht wichtig ist.
Ich kann anderen Menschen nicht das geringste verzeihen - aber ich habe mir selbst auch viele, viele Dinge nicht verziehen. Wenn ich hierauf näher eingehen soll, dann schreibt mir bitte. Fürs erste nur so viel: Es handelt sich um Dinge, die in meiner Vergangenheit geschehen sind. Dinge, von denen ich weiß, daß ich sie falsch gemacht habe. Insbesondere Dinge, von denen ich weiß, daß ich anderen Menschen gegenüber falsch aufgetreten bin.
Die Dinge, die ich mir nicht verziehen habe, haben allerdings nichts mit meiner Firma, in der ich 13 Jahre war, zu tun.

Quirin
28.04.2011, 12:30
Hast Du mal eine Psychoanalyse gemacht bei den vielen Therapien, die Du schon hinter Dir hast? Bei allem, was Du hier erzählst, scheint mir das ein sinnvoller Weg zu sein, die Probleme aufzuarbeiten. Dein Chef, Deine Kollegin, Deine Rachegefühle, das sind nur Statisten Deiner Problemwelt, nur die Symptome.

Inaktiver User
28.04.2011, 15:01
Hallo Fotokatze,

es ist ein reines Bauchgefühl, ein Gedanke, mit dem ich völlig daneben liegen kann. Aber als ich Deine Postings hier durchgelesen habe (die in Deinem anderen Strang kenne ich nicht), ist mir aufgefallen, dass jede Antwort von Dir sehr verständnisvoll und freundlich ist. Selbst auf Postings, die eher negativ oder provokativ formuliert waren.

Auf der anderen Seite sind da diese wahnsinnigen, teilweise sehr brutalen Rachephantasien.

Ich habe mich gefragt, wie das zusammenpasst.

Kann es sein, dass Du einerseits einen sehr hohen Anspruch an Dich hast? Nicht auffallen willst? Eher angepasst bist als dass Du eine Meinung gegen die Mehrheit äußerst? Oder überhaupt eine Meinung äußerst?

Und dass es auf der anderen Seite in Dir brodelt, Du Ausgleich haben möchtest für Unrecht, das Dir widerfahren ist?

Kann es sein, dass Du Dich nicht ausreichend wahr genommen fühlst, nicht wichtig genommen fühlst? Und gleichzeitig viel Energie darauf verwendest, es anderen recht zu machen?

Mit anderen Worten: Dass Du zulasten Deiner Individualität lieber im Strom schwimmst, teilweise unter erheblichem Energieeinsatz (dem Chef jahrelang nicht die Meinung sagen) - die "Belohnung" (z.B. in Form von Anerkennung o.a.) aber ausbleibt? Und dass Du darüber stinkwütend bist? Dich hilflos und ohnmächtig fühlst?

Ich weiß nicht, ob das passt. Wenn ja, ist das eine heiße Mischung und tatsächlich nicht ganz ungefährlich, dann solltest Du Dir wirklich gute professionelle Hilfe suchen.

fotokatze
28.04.2011, 18:41
dass jede Antwort von Dir sehr verständnisvoll und freundlich ist. Selbst auf Postings, die eher negativ oder provokativ formuliert waren.

Auf der anderen Seite sind da diese wahnsinnigen, teilweise sehr brutalen Rachephantasien.

Ich habe mich gefragt, wie das zusammenpasst.

Hallo Catamara! Auch hier schreibe ich wieder, wie so oft: das hast Du toll geschrieben!

Na ja, warum soll das nicht zusammenpassen? Es ist doch so: Du und die anderen Antworter auf mein Thema, Ihr alle habt mir doch nicht das geringste getan! Im Gegenteil, Ihr versucht mir zu helfen und seid daher gut zu mir. Warum soll ich denn auf Euch Wut entwickeln? Im Gegenteil, ich bin Euch allen sehr dankbar!

Wut und Rachephantasien habe ich nur denjenigen gegenüber, die mir, in welcher Form auch immer, in der Vergangenheit etwas Böses getan haben. Eben meine Ex-Kollegin und mein Chef, aber auch frühere Mitschüler undsoweiter.

Meinem Chef die Meinung zu sagen war völlig unmöglich. Ich hätte sowieso den Kürzeren gezogen. Er hätte auch gar nicht zugehört. Ein paarmal habe ich das versucht - es ging nicht. Was hätte ich denn tun sollen? Es blieb mir nichts anderes übrig, als eine Art Schutzwall um mich zu bilden. Ihm gegenüber habe ich mir nichts mehr anmerken lassen, was auch immer geschah. Gefühle habe ich ihm nicht gezeigt. Wenn ich heulen mußte, weil ich so fertig war, oder wenn ich zitterte vor Wut und Angst, dann tat ich das außerhalb seiner Gegenwart. Zu Hause zum Beispiel.

Heute geht es mir auf meinem (leider befristeten) Arbeitsplatz viel besser als früher, aber auch hier bin ich vorsichtig mit meiner Meinung.

- Ach so, noch etwas: In meiner alten Firma bin ich meinen Kollegen gegenüber bestimmt nicht mit dem Strom geschwommen! Im Gegenteil, ich hatte eine ziemliche Anti-Haltung. Meine Ex-Kollegen waren vom Charakter und von ihrer Lebensführung her auch ganz anders als ich. Details hier zu erzählen, würde zu weit führen, aber ich galt nicht als angepaßt. Ich denke, das ist auch gut so. Ich bin immer ich geblieben, bis zum Schluß. Und, wie gesagt, mein Chef war so ein Rechthaber, da zählte die Meinung der anderen überhaupt nichts. Ich bin nicht die einzige, die das über ihn sagt, andere Kollegen und Ex-Kollegen denken und dachten genau wie ich.

Inaktiver User
28.04.2011, 22:15
Okay, dann lag ich daneben. War nur eine Idee.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und ein wenig inneren Frieden! :blumengabe:

fotokatze
28.04.2011, 22:21
Okay, dann lag ich daneben. War nur eine Idee.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und ein wenig inneren Frieden! :blumengabe:

Danke!!! Und überhaupt - völlig daneben lagst Du ja auch nicht. Dadurch, daß ich dieses Thema eröffnet habe, werden meine Gedanken und Handlungswünsche halt von vielen Seiten betrachtet. :freches grinsen:

Kyria
01.05.2011, 20:11
Liebe fotokatze,

habe mich heute mal durch diesen strang hier und auch durch Deine anderen stränge gelesen und möchte Dir erstmal ein kleines Blümchen überreichen :blumengabe:, weil ich finde, daß Du sehr offen und ehrlich, sowie freundlich und reflektierend schreibst.

Vieles von dem, was mir zu Deinem Thema aufgefallen ist, wurde hier schon geschrieben. Trotzdem möchte ich nochmal das, was mir wichtig ist, zusammenfassen:

1. Deine Rachepläne und Wutgefühle finde ich persönlich teilweise nachvollziehbar.
Ich denke, die kommen als Reaktion auf ein Gefühl von totaler Ohnmacht. Du fühlst Dich bzgl. der Ex-Kollegin ohnmächtig und änderst dieses für Dich sehr unangenehme, kaum aushaltbar Ohnmachtsgefühl ins Gegenteil um: Nämlich in eine Allmachts-Rachephantasie. Machst damit den Sprung vom Opfer zum Täter und fühlst Dich damit endlich wieder handlungsfähig, mächtiger, stärker; was Dir zumindest, während Du diese Phantasien hast, eine gewisse Erleichterung verschafft.

Rachephantasien halte ich persönlich für eine Möglichkeit, sich während man sie hat, nicht mehr als handlungsunfähiges Opfer, sondern als handlungsfähiger Täter zu erleben und damit das als Unrecht erlebte ein Stück weit zu verarbeiten.
Ist also eigentlich nix schlimmes.
Ungut wird`s nur, so denke ich, wenn man in den Rachephantasien steckenbleibt.

2. Ich könnte mir auch vorstellen, daß Du, was Du als Kind erlebt hast, dieses Gefühl des "Ausgeliefert-Seins" an Deine alkoholkranke Mutter, bei der Verarbeitung neuer schwieriger Erfahrungen mit reinspielen könnte und Du auch aus diesem Grunde besonders stark auf das Gefühl von Ohnmacht und nicht- unterstützt-werden reagierst.

3. Wut- und Rachegefühle kann man generell sehr gut durch Bewegung zu Leibe rücken und teilweise auch abbauen. Joggen, Radfahren, Walken, Boxen natürlich auch. Alles, wo man richtig kräftig wo drauftreten kann und damit ein bißchen Wut los wird.
Gibt es diesbzgl. was, was Du regelmäßig machst? Walkst Du z.B. noch eine Stunde täglich, wie Du mal geschrieben hast?

4. Nach dem, wie Du hier schreibst, denke ich auch, daß Du nach außen hin oft sehr nett, freundlich und verständnisvoll auftrittst und wirkst. Könnte es vielleicht sein, daß Du öfter mal Ärger oder Wut, die Du in bestimmten Situationen empfindest, nicht gleich rausläßt oder zeigst, vielleicht weil Du das von zuhause so gelernt hast? Das staut sich dann alles an, das frisst man ja dann Stück für Stück immer mehr in sich rein und die Wutansammlung innendrin wird damit immer größer.

5. Welche Möglichkeiten gibt es denn für Dich, über Wut-Gefühle zu sprechen? Wenn ich richtig verstanden habe, gibt es außer Deinem Freund niemanden, mit dem Du drüber reden kannst.
Hast Du mal versucht, Tagebuch zu schreiben oder Dir doch jemanden aufzutun, eine Freundin oder einen Freund, dem Du Deinen Ärger und Frust erzählen kannst? Vielleicht auch eine e-mail Bekanntschaft, die in ähnlicher Situation ist.

Uuups, hoffe, das war jetzt nicht zuviel auf einmal, aber ich finde eigentlich alle Punkte wichtig. :smirksmile:

Herzliche Grüße
Kyria

fotokatze
01.05.2011, 21:48
[QUOTE=Kyria;10791796]2. Ich könnte mir auch vorstellen, daß Du, was Du als Kind erlebt hast, dieses Gefühl des "Ausgeliefert-Seins" an Deine alkoholkranke Mutter, bei der Verarbeitung neuer schwieriger Erfahrungen mit reinspielen könnte und Du auch aus diesem Grunde besonders stark auf das Gefühl von Ohnmacht und nicht- unterstützt-werden reagierst.

3. Walkst Du z.B. noch eine Stunde täglich, wie Du mal geschrieben hast?

4. Könnte es vielleicht sein, daß Du öfter mal Ärger oder Wut, die Du in bestimmten Situationen empfindest, nicht gleich rausläßt oder zeigst, vielleicht weil Du das von zuhause so gelernt hast? Das staut sich dann alles an, das frisst man ja dann Stück für Stück immer mehr in sich rein und die Wutansammlung innendrin wird damit immer größer.

5. Wenn ich richtig verstanden habe, gibt es außer Deinem Freund niemanden, mit dem Du drüber reden kannst.

Uuups, hoffe, das war jetzt nicht zuviel auf einmal, aber ich finde eigentlich alle Punkte wichtig. /QUOTE]

Hallo Kyria! Das war bestimmt nicht zuviel auf einmal. Ich habe Deinen Beitrag, so wie alle anderen Beiträge auch, in Ruhe durchgelesen und freue mich, daß Du Dich anscheinend mit meinem Problem ernsthaft auseinandergesetzt hast. Jedenfalls hast Du alles sorgfältig durchgelesen und nicht oberflächlich einige Beiträge überflogen und gedacht: oh jeh, die gehört ja in eine Klapsmühle! - oder so ähnlich.

"Ohnmacht" - das ist ein sehr passendes Wort, ebenso wie die Worte "ausgeliefert sein". Als Kind hatte ich wirklich das Gefühl, meiner Mutter gegenüber ohnmächtig und ausgeliefert zu sein. Ich hatte keine Chance, mich zu wehren und die Situation zu ändern.

Ist nicht jedes Kind seinen Eltern ausgeliefert? Gut, wenn Eltern das nicht mißbrauchen!

Spazierengehen u.ä. mache ich, seit ich Arbeit habe, nur noch am Wochenende. Vor ein paar Tagen sind mein Partner und ich 2 1/4 Stunden gewandert, das war ganz toll!

Meine Meinung versuche ich möglichst zu sagen, so lange es eine Situation zuläßt. Das klappt allerdings nicht in jeder Situation. Und überhaupt - "Meinung sagen" muß ja nicht gleich heißen, daß ich ausfallend oder wütend werde!

Es gibt allerdings auch Personen, die über mich sagen, ich würde immer gleich so heftig werden und mich selbst sofort immer verteidigen. Möglich, daß das wahr ist ... Im Gegenzuge habe ich ganz schnell den Eindruck, daß mir für jede Situation immer sofort die Alleinschuld in die Schuhe geschoben wird.

Außer meinem Partner habe ich noch meine langjährige Freundin, mit der ich über meine ohnmächtige Wut sprechen kann. Aber 1. haben wir nur flüchtigen Kontakt zueinander, und 2. versteht sie nicht, daß ich mich am Arbeitsplatz so ausgeliefert fühle. Sie meint nur, ich soll öfter meine Meinung sagen. Aber damit bin ich nunmal dauernd auf die Nase gefallen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Kyria
01.05.2011, 22:28
Hallo fotokatze,


ohnmächtige Wut

"ohnmächtige Wut", ich finde da hast Du einen guten Begriff gefunden. Ich denke, das trifft es gut.

Denn immer wenn man meint, keinen Handlungsspielraum zu haben, wenn man sich so richtig ohnmächtig fühlt, kann man ja eigentlich nur mit zwei Mustern reagieren: Man wird entweder depressiv oder aggressiv.

Wenn man nun also mit Aggression auf ein schmerzlich empfundenes Ereignis reagiert, stellt sich die Frage: Wohin mit der Wut?
Im Grunde geht es dann darum, die Wut rauszulassen, ohne anderen Menschen oder sich selbst dabei zu schaden. Wie kriegt man das hin? Man kann z.B.:

- sich mehr bewegen als sonst und/oder
- über die Erlebnisse schreiben, die die Wut ausgelöst haben und/oder
- sich mit anderen Menschen darüber aussprechen.

Klasse, daß Du mit Deinem Partner vor kurzem eine längere Wanderung gemacht hast. :smile: Vielleicht kannst Du da noch was ausbauen. Öfter wandern oder walken, Dich evtl. einer Walkinggruppe anschließen.
Gut wäre auch, wenn Du körperliche Bewegung in den Tagesablauf mit einbauen kannst. Statt das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen, öfter mal zu Fuß gehen oder auch mit dem Fahrrad fahren.
Dieser grenzenlosen, heißen Wut kann man nämlich sehr gut in Bewegung umsetzen. Wut ist zum Glück ja auch immer eine Aktivitätsquelle, Wut ist auch power und treibt den Körper zu Bewegung an.

Ansonsten würde ich Dir empfehlen, noch andere Möglichkeiten zu finden, Deine Wut rauszulassen. Finde klasse, daß Du diesen strang hier eröffnet hast. Vielleicht kannst Du schreibend noch etwas mehr verarbeiten, vielleicht auch Tagebuch führen oder Gedichte über Deine Wut machen oder auch Bilder davon malen mit vielen roten und heftigen Farben...

Als dritter Punkt denke ich, daß es wichtig wäre, wenn Du mit anderen Leuten darüber reden könntest. Vielleicht findest Du hier im Forum jemanden, der gerade ähnlich drauf ist und sich gerne mit Dir darüber austauschen möchte.

Zudem meine ich, daß es bestimmt sinnvoll wäre, die Sache mit Deiner Mutter nochmal genauer anzuschauen. Hast Du schon mal eine Familienaufstellung gemacht? Da geht es darum, die als Kind erlebte Konstellation in der Familie, unter der man gelitten hat, mit Hilfe anderer Teilnehmer erst auf-und dann umzustellen und dadurch das befreiende Gefühl von emotionaler Entlastung zu erleben.

Liebe fotokatze, ich wünsche Dir auf jeden Fall, daß Du diese Gefühle von unermeßlicher Wut allmählich immer besser entweder in Aktivität umwandeln kannst oder auch anderweitig verarbeiten kannst.

Wut ist nicht nur negativ, denke ich. Sie ist auch eine Kraft, sie ist power pur, sie treibt an, sie will Veränderung und Bewegung. :smile:

Herzliche Grüße
Kyria

fotokatze
01.05.2011, 22:39
[QUOTE=Kyria;10793711]Finde klasse, daß Du diesen strang hier eröffnet hast. Vielleicht kannst Du schreibend noch etwas mehr verarbeiten, vielleicht auch Tagebuch führen oder Gedichte über Deine Wut machen oder auch Bilder davon malen mit vielen roten und heftigen Farben...

Als dritter Punkt denke ich, daß es wichtig wäre, wenn Du mit anderen Leuten darüber reden könntest. Vielleicht findest Du hier im Forum jemanden, der gerade ähnlich drauf ist und sich gerne mit Dir darüber austauschen möchte.

Zudem meine ich, daß es bestimmt sinnvoll wäre, die Sache mit Deiner Mutter nochmal genauer anzuschauen. Hast Du schon mal eine Familienaufstellung gemacht? Da geht es darum, die als Kind erlebte Konstellation in der Familie, unter der man gelitten hat, mit Hilfe anderer Teilnehmer erst auf-und dann umzustellen und dadurch das befreiende Gefühl von emotionaler Entlastung zu erleben. /QUOTE]

Auch ich denke, daß es gut war, diesen Strang zu eröffnen. Anfangs hatte ich den Eindruck, daß ich viel zu heftig war, wenn ich hier schrieb. Aber das war es eben - diese Wut, dieser bestialische Zorn, was mich so zum Heftigsein getrieben hat. Inzwischen sind viele interessante Antworten für mich gekommen, und ich kann viel sachlicher mit Euch allen reden bzw. schreiben.

Mein Problem ist halt auch: ich grübele viel zu viel. Gut, daß ich einen Arbeitsplatz habe, auch wenn er leider nur bis Mitte Mai befristet ist. Mal sehen, was danach kommt. Aber am Arbeitsplatz grübele ich nicht so viel und so heftig.

Auf jeden Fall ertappe ich mich, wenn ich arbeite, öfters dabei, wie ich etwas eher Lustiges denke: Sonst dachte ich: ich möchte meine Ex-Kollegin festbinden und grausam foltern, auspeitschen, ihr den Krebstod wünschen usw. Jetzt stelle ich fest, daß ich oft denke: ich möchte meine Ex-Kollegin und meinen Ex-Chef am liebsten an meinen Arbeitsplatz führen, dort festbinden, und dort sollen sie mal zusehen, wie ich arbeite und für jede Bewegung gelobt werde und "danke" zu hören bekomme. Und wenn sie sich einmischen wollen, dann kann ich in Ruhe zu ihnen sagen: ihr habt mir gar nichts mehr zu sagen. - Ich habe nämlich früher, an meinem alten Arbeitsplatz, weder Lob noch Dank erhalten. Das ist es ja, was mich so wütend macht. Jetzt arbeite ich viel lässiger und fröhlicher. Und trotzdem (oder gerade deswegen???) gelingt mir vieles viel besser. Ich wurschtele nicht mehr so verbissen 'rum.

Kyria
01.05.2011, 22:51
Liebe fotokatze,


Mein Problem ist halt auch: ich grübele viel zu viel.

ich denke, Du versuchst, über den Kopf zu lösen, was eigentlich anders ausgedrückt werden will, z.B.: über Bewegung, Aussprache, oder auch, indem Du dem Ganzen eine Gestalt gibst wie malen, modellieren etc.

Ich bin der Meinung, diese große Wut kannst Du nicht mit Grübeln loswerden, die will Dich eigentlich antreiben, hochtreiben vom Stuhl, vom Sessel, will Dich in Schwung bringen. Will Deinen Körper fordern, nicht Dein Hirn.

Das nur noch schnell für heute. Ich schreibe Dir bestimmt bald wieder. :smile:

Viele Grüße und gute Nacht
Kyria

fotokatze
02.05.2011, 13:07
Ich bin der Meinung, diese große Wut kannst Du nicht mit Grübeln loswerden

Wohl dem, der nicht grübeln muß! Wenn ich so darüber nachdenke, dann grübele ich eigentlich immer. Das ist traurig und frustrierend. Selbst wenn ich gar nichts zu grübeln habe, sprich, wenn alles in meinem Leben gut verläuft, dann fahren meine Gedanken Achterbahn.

Ich habe das bereits, seit ich 11 Jahre alt bin, seit fast 30 Jahren also. Häufig finde ich einen Grund, mich mies zu fühlen.

Gestern z.B. war es ganz schlimm bei mir. Ohne mein Zutun fühlte ich mich so deprimiert, das Leben erschien mir so sinnlos, ich wollte am liebsten tot sein. (Nein, ich dachte nicht an Suizid, sondern ich dachte: wäre ich doch nie geboren!) Ich konnte nicht lachen und nicht weinen. Mein Vater, mit dem ich telefonierte, merkte das wohl und sprach mich darauf an, aber was hätte ich ihm erzählen sollen? Ich meinte nur, der Sonntag war ein bißchen langweilig, ich habe nichts Neues für ihn zu berichten.

Ich habe 3 Gesprächstherapien hinter mir. Zwar ahne ich den Zusammenhang zwischen meinem Deprimiert-sein und dem Verhalten meiner Mutter, aber dadurch hat sich auch nichts geändert. Und überhaupt - ich kann und will nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, meiner Mutter alles in die Schuhe zu schieben. Daß ich alles selbst in die Hand nehmen muß, ist mir auch klar. Nur - wie???

Ich kriege von Mitmenschen zu hören: Laß dir das mit deinem Chef (ich meine jetzt meinen früheren Chef) nicht gefallen. Aber niemand kann mir sagen, was ich denn konkret anders machen soll. Wenn ich meine Mitmenschen darauf anspreche, dann schweigen sie und lächeln mich nur fragend an.

So einfach ist es eben nicht, alles selbst herauszufinden ...

Kyria
02.05.2011, 20:41
Ich kriege von Mitmenschen zu hören: Laß dir das mit deinem Chef (ich meine jetzt meinen früheren Chef) nicht gefallen. Aber niemand kann mir sagen, was ich denn konkret anders machen soll. Wenn ich meine Mitmenschen darauf anspreche, dann schweigen sie und lächeln mich nur fragend an.

So einfach ist es eben nicht, alles selbst herauszufinden ...

meiner Erfahrung nach gibt es Situationen, wo man nix richtig oder falsch machen kann, wo es schlichtweg keinen Königsweg oder keine Super-Lösung gibt.
Was Du von Deiner alten Arbeitsstelle schreibst, kenne ich in abgewandelter Form leider auch. Da kannst Du dann weder den Chef ändern, noch eine supertolle Unterstützungs-Kollegin herbeizaubern. Da bleibt Dir eigentlich nichts anderes übrig, als das zu tun, was Du auch gemacht hast:

- nach einer Alternative, einem neuen Job suchen und
- versuchen, die ganze Geschichte irgendwie durchzustehen, ohne allzu sehr darunter zu leiden.

Liebe fotokatze, was machst Du denn für Dich, wenn`s so richtig eng wird? Wenn Du Dich ungerecht behandelt fühlst und Enttäuschung, Angst und Wut fühlst?

Weißt Du, was ich mache? Ich fahre Fahrrad oder jogge. Ich powere mich so richtig aus, stampfe meine ganze angesammelte Wut in die Pedale oder in den Boden. Ich muß mich bewegen, sonst platze ich vor angesammelten Gefühlen dieser, wie Du es so treffend beschrieben hast "ohnmächtigen Wut".

Das ist das, was mir dann am Besten hilft. In die Aktion gehen. Macht übrigends auch den Kopf frei, so daß ich gar nicht so zum grübeln komme.

Also: Was machst Du, wenn Dich die als negativ empfundenen Gefühle überschwemmen?

LG Kyria

fotokatze
02.05.2011, 21:02
Was machst Du, wenn Dich die als negativ empfundenen Gefühle überschwemmen?

Das ist unterschiedlich. Jedenfalls bewege ich mich nicht. Ich werde Dir gleich erklären, weshalb. Jetzt aber erstmal: Wenn mich die negativen Gefühle überschwemmen, stelle ich mir vor, ich hätte z.B. meine Ex-Kollegin vor mir, prügele sie windelweich und kreische sie an, was sie alles mit mir falsch gemacht hat.

Manche negativen Gefühle bringen mich auch zum Heulen. So wie z.B. heute abend. Ich hatte wieder einen Tränenausbruch und weiß nicht, mit wem ich über meinen Kummer und meine Depressionen sprechen soll. Mein Partner ist einfach nicht der Typ dazu. Und außerdem kann ich mich einfach nicht aussprechen. Ich sage mir: warum soll ich meiner Freundin meinen Seelenkäse offenbaren? Sie hat genug eigene Sorgen! Ich will sie mit so etwas nicht belästigen.

Ich schrieb in einem anderen Strang ausführlich über die Liebe zu meinem Vater. Immer wieder stelle ich mir vor, daß es so schrecklich ist, daß er eines Tages sterben wird, nicht mehr da sein wird. Dann gibt es Tränen und Stöhnen auf Vorrat. Da nützt es auch nichts, wenn ich mir sage: weinen kann ich noch genug, wenn er tot ist. Jetzt genieße ich die Zeit mit ihm.

Es gibt so viele schöne Dinge, die mein Vater und ich gemeinsam erlebt haben und immer noch erleben - und das soll eines Tages alles vorbei sein? Nein, ich kann mich damit nicht abfinden.

Diesen Text habe ich unter Tränen und Heulen geschrieben und immer wieder unterbrochen, weil ich heftige Heulkrämpfe hatte.

- Ach so: warum ich keine Bewegung mache? Weil ich mich abends, wenn ich von der Arbeit komme, schrecklich müde und kaputt fühle. Ich bin kaum in der Lage, etwas zu Essen zu machen, geschweige denn sonst etwas. Dabei ist meine Arbeit nicht sonderlich schwer. Sitzende Tätigkeit im Büro. Ich weiß auch nicht, warum das so ist.

Kyria
02.05.2011, 21:49
Ach so: warum ich keine Bewegung mache? Weil ich mich abends, wenn ich von der Arbeit komme, schrecklich müde und kaputt fühle. Ich bin kaum in der Lage, etwas zu Essen zu machen, geschweige denn sonst etwas. Dabei ist meine Arbeit nicht sonderlich schwer. Sitzende Tätigkeit im Büro. Ich weiß auch nicht, warum das so ist.

Aber am Wochenende gehst Du ja öfter mal raus, oder? Ab und an auch mal mit Deinem Freund wandern, wie Du geschrieben hast. :smile:
Das würde ich echt versuchen, auszubauen.

Wie war das nochmal: Du bist zu Deinem Freund gezogen. Hast vermutlich hier am Ort keine Bekannten oder Freunde. Kein Wunder, daß es Dir da oft nicht besonders gut geht.

Wie erlebst Du denn die Beziehung zu Deinem Freund? Wielange seid Ihr denn zusammen?

Auf mich wirkt das, was Du von Deinem Leben schreibst, ein bißchen so, als ob Du zu wenig Freunde und auch zu wenig Hobbies hättest, um wirklich einigermaßen stabil gut drauf sein zu können.

Wie steht`s denn mit Deinen Interessen? Wofür kannst Du Dich begeistern, was interessiert Dich? Liest Du z.B.: gerne? Was würdest Du am liebsten mal machen, wenn Du genügend Zeit und Geld dafür hättest?

fotokatze
02.05.2011, 22:04
Wie erlebst Du denn die Beziehung zu Deinem Freund? Wielange seid Ihr denn zusammen?

Auf mich wirkt das, was Du von Deinem Leben schreibst, ein bißchen so, als ob Du zu wenig Freunde und auch zu wenig Hobbies hättest, um wirklich einigermaßen stabil gut drauf sein zu können.

Wie steht`s denn mit Deinen Interessen? Wofür kannst Du Dich begeistern, was interessiert Dich? Liest Du z.B.: gerne? Was würdest Du am liebsten mal machen, wenn Du genügend Zeit und Geld dafür hättest?

Mein Freund und ich sind seit stolzen 20 Jahren zusammen. Bis vor 8 Monaten führten wir eine Wochenendbeziehung. Erst nach meiner Entlassung bin ich zu ihm gezogen.

Mag sein, daß ich zu wenig Freunde habe. Nur, wenn ich ehrlich bin: ich vermisse auch niemanden. Ich bin nicht der Typ, der abends noch etwas unternimmt, weder allein noch mit anderen Menschen. Auch am Wochenende nicht. Und Freunde nur zum Aussprechen und Ausheulen? Das sehe ich als Ausnutzen an. Ich habe mich mehrmals in Therapien ausgesprochen, bei Fachkräften also.

Hobbys und Interessen? Davon habe ich viele! Ich glaube, ich bin sehr vielseitig. Kriege abends nach der Arbeit nur einfach nichts mehr auf die Reihe. Am Wochenende lebe ich meine Interessen aus. Ich liebe Musik, ich lese, fotografiere, wandere, reise, handarbeite, koche - und noch einiges mehr, was jetzt für mich nicht so wichtig ist, daß ich es nennen würde.

Und wenn ich genug Zeit und Geld hätte, dann würde ich gern:
1. mir eine Zweitwohnung in meiner Heimatstadt nehmen, in der Nähe meines Vaters, um öfter bei ihm sein zu können,
2. viele, viele Reisen machen, eine nach der anderen,
3. schön in den Tag hineinleben, viel im Wald verbringen, ohne Hetze und ohne dieses Kaputt-Gefühl.

Kyria
02.05.2011, 22:14
superschön, daß Du so viele Hobbies hast: Musik, lesen, reisen etc. :smile:

Wenn man Dein Leben so von außen betrachtet, könnte man auch sagen: Was hat die für ein Glück! Hat seit 20 Jahren einen Partner, war ganz lange in ein und derselben Firma beschäftigt, hat ein supergutes Verhältnis zu ihrem Vater, viele Interessen etc.

Fühlst Du Dich manchmal auch als "Glückskind"? Bist Du öfter auch mal zufrieden mit Deinem Leben?

Und weil ich immer ein bißchen neugierig bin, würde ich zu gerne wissen: Ist es für Dich schwierig, nun mit Deinem Partner zusammen zu wohnen, nachdem Du ja vermutlich viele Jahre lang alleine (oder bei Deinem Vater?) gewohnt hast?

Sooo, wünsche Dir noch einen schönen Abend, muß mich nun mal in Richtung Bett bewegen, da ich morgen früh aufstehen muß.

LG Kyria

fotokatze
02.05.2011, 22:56
Fühlst Du Dich manchmal auch als "Glückskind"? Bist Du öfter auch mal zufrieden mit Deinem Leben?

Und weil ich immer ein bißchen neugierig bin, würde ich zu gerne wissen: Ist es für Dich schwierig, nun mit Deinem Partner zusammen zu wohnen, nachdem Du ja vermutlich viele Jahre lang alleine (oder bei Deinem Vater?) gewohnt hast?

Ich schreibe weiterhin ganz ehrlich und so, wie ich es denke:

Na, und ob ich mich manchmal auch als Glückskind fühle! Ich habe einen lieben Partner, einen guten Vater, schöne Hobbys. Und wenn ich nicht gerade dieses blöde "Zu-Tode-betrübt"-Gefühl habe, dann bin ich auch glücklich, fast schon euphorisch.

Meine zurzeitigen Arbeitskollegen sehen mich bestimmt ganz anders, als wie ich mich sehe. Ich lächele still vor mich hin, wenn ich meine doch recht einfache, geradezu primitive Arbeit erledige. Ich habe am Arbeitsplatz nie schlechte Laune oder bin deprimiert. Das ist wie so ein Ballast-Paket, welches ich morgens am Firmeneingang ablege und abends wieder auflade. Dabei mache ich mir wirklich Sorgen, ob mein Arbeitsvertrag verlängert wird. Aber ich tue alles, um weiter arbeiten zu können, wo auch immer. Ich schreibe Bewerbungen.

Habe also nach außen hin mein Leben gut im Griff. Darum erschrecke ich mich ja auch so, wenn ich so deprimiert bin oder auch schreckliche Rachephantasien habe. Ich denke manchmal: vielen Menschen geht es viel schlechter als mir, und die sind fröhlicher als ich.

Sowas Blödes!!!

Ich empfinde es nicht als schwierig, mit meinem Partner zusammen zu leben. Seit 1997 habe ich, damals noch in meiner Heimatstadt, in einer kleinen Wohnung gelebt, die für eine Einzelperson genau richtig war. Vorher habe ich bei meinem Vater gewohnt. Meine Mutter ist 1995 gestorben.

Klar, das Zusammenziehen hat uns beide ein bißchen zum Nachdenken gebracht, aber auch nicht so stark. Wir kannten uns schon so lange und vertrauten sowohl uns als auch der Zukunft. Wir wußten einfach, daß wir es wagen konnten. Und bisher haben wir nicht einen Tag bereut.

So, auch ich gehe jetzt schlafen (gähn). Gute Nacht an Euch alle!

Kyria
03.05.2011, 17:34
Liebe Fotokatze,

mmmhmmmm, war das ein schöner Beitrag von Dir, da lächelt echt mein Herz! Das liest sich gleich ganz anders, fröhlich, beschwingt, happy...:Sonne:

Tja, was soll ich Dir schreiben? Mir geht`s grad ein bißchen ähnlich wie Dir. Mein Leben ist einerseits sehr schön und ausgefüllt, denn ich habe, genau wie Du, einen superlieben Partner und vieles mehr, was mir gut tut und mich glücklich macht.

Problematisch hingegen ist bei mir schon seit längerem der Bereich Arbeit.

Ich sage Dir jetzt einfach mal, was ich mache, um innerlich einigermaßen gelassen zu bleiben. Vielleicht kannst Du was für Dich dabei rausziehen.

1. Ich versuche, mir bewußt zu machen, daß das Leben aus Auf`s und Ab`s besteht und daß man bestimmt nicht dauerhaft in allen Lebensbereichen "Partnerschaft, Arbeit, Familie, Freunde, Gesundheit etc." gleichzeitig vom Glück verfolgt sein kann, :smirksmile:
2. versuche zudem, mich auf Arbeit möglichst wenig über das Negative aufzuregen und Vielem möglichst gelassen zu begegnen,
3. übe mich außerdem darin, so viele schöne Erlebenisse wie nur möglich in meine Freizeit zu packen,
4. mache in meiner Freizeit vermehrt Sachen, die mit Bewegung einhergehen, wie Radfahren, Joggen, Wandern, um meine ärgerlichen, wütenden Gefühle abzubauen,
5. was ich ganz wichtig finde: Ich lese Bücher zum Thema. Habe da z.B.: seit Monaten ein tolles in der Mangel. Es heißt: "Lieber das Blatt wenden als dauernd im Frust enden". Geht darum, Strategien für den persönlichen Aufschwung im beruflichen Bereich zu entwickeln. Das Buch macht Mut dazu, beruflich Neues auszuprobieren und das zu machen, was einem wirklich gefällt. Dadurch ermutigt:
6. mache ich mir jeden Tag bewußt, welche Alternativen es jobmäßig gäbe und daß es auch gar nicht schlimm und evtl. sogar bereichernd für mich sein könnte, wenn ich meine Arbeitsstelle aufgeben würde. Natürlich weiß ich auch, wie`s auf dem Arbeitsmarkt aussieht, aber kenne mich andererseits auch gut genug, um zu wissen, daß ich bei Bedarf sicher wieder was Neues auf die Beine stellen würde.

So, das sind derzeit meine Strategien gegen Jobfrust und Ängste vor Arbeitslosigkeit.

Was sind Deine?
Vielleicht hast Du ja noch so die eine oder andere Idee, um Durststrecken im beruflichen Bereich erträglicher zu machen. :smirksmile:

Ich finde übrigends, daß Du sowieso schon bewiesen hast, daß Du sehr belastungsfähig bist. Immerhin hast Du viele Jahre lang bei Deinem alten Arbeitgeber ausgehalten.
Nun hast Du sogar einen neuen, wenn auch befristeten Job an Land gezogen.
Zudem hast Du ja auch Deinen Partner, der Dich vielleicht ein bißchen mit durchfüttern könnte, wenn´s hart auf hart kommen würde.

Ich bin mir ganz sicher, daß Du die Krise im Bereich Arbeit bewältigen wirst. Entweder wird Dein Vertrag verlängert oder Du findest was Neues oder Du stellst was ganz anderes auf die Beine, so ein bißchen was freiberufliches.
Drücke Dir auf jeden Fall schon mal kräftig die Daumen. :blumengabe:

fotokatze
03.05.2011, 21:05
Ich freue mich, berichten zu können: Heute habe ich eine Stunde mit meiner Freundin gequatscht und ihr von meinen Problemen erzählt. Natürlich hat meine Freundin sich nicht als seelischen Mülleimer empfunden, sondern sich einfach gefreut, daß ich mich mal melde. Es hat mir auch gut getan, mich auszusprechen. Zwar konnte sie mir keinen konkreten Ratschlag geben (was ich auch nicht erwartet habe), aber mir ging es anschließend doch viel besser.
Ich denke, ich sollte öfter das Gespräch mit jemandem suchen. Hinterher fühle ich mich meistens befreiter.
Viele Dinge in meinem Leben sehe ich so verbissen und nehme sie schrecklich ernst. Ich bin erstaunt, wenn ich feststelle, daß meine Mitmenschen die gleichen Dinge viel lockerer sehen.

Kyria
03.05.2011, 21:16
Ich denke, ich sollte öfter das Gespräch mit jemandem suchen. Hinterher fühle ich mich meistens befreiter.


jep, so sehe ich das auch. Ein offenes, ehrliches Gespräch wirkt fast immer erleichternd und befreiend und vertieft außerdem die Bekanntschaft oder Freundschaft zu demjenigen, mit dem man es führt. :smile:

fotokatze
03.05.2011, 21:41
Meine Freundin meint: kümmere dich besser um die Dinge in der Gegenwart. Sieh z.B. zu, daß dein Arbeitsvertrag verlängert wird, kämpfe darum. Stochere nicht in der Vergangenheit herum und rege dich über deine frühere Firma nicht auf.
Sehe ich natürlich auch so. Aber manchmal reißt es mich regelrecht mit, und dann kann ich an nichts anderes mehr denken. Dann habe ich auch diese Wutausbrüche.

Unnah
14.05.2011, 09:05
:smile::smile:

Trotz dieses wenig erfreulichen Themas muss ich doch ein wenig innerlich grinsen - nicht, weil es hier um Kinkerlitzchen geht, sondern weil ich mich in deinen Beschreibungen so sehr widerfinde.

Auch ich kenne diese wahnsinnigen Rachegelüste, Rachegelüste gegenüber Menschen, die mir aktuell oder aber in der Vergangenheit viel Unrecht getan haben. Und ja, die Blutrünstigkeit deiner Beschreibungen im Eingangspost kenne ich auch, oder anders: in meinen Gedanken verletze ich andere Menschen nicht, sondern vergehe mich an ihrem Eigentum, schade ihnen also materiell ...

... jedoch realisiere ich diese Vorstellungen ebenso wenig wie du.

Belastend an dieser ganzen Geschichte finde ich für mich, dass es mir so schwer fällt, diese alten Gegebenheiten, oder besser die damit verbundenen Gefühle los zu lassen. Auch mein Wissen um die Tatsache, dass es den meisten anderen ebenso ergeht, dass wir alle immer wieder Unrecht erfahren, hilft mir nicht sehr, mit meinen inneren Verletzungen (und als solches fühlt es sich an) klar zu kommen. Immer wieder fühlt sich meine Seele geschunden, wund an, manchmal liege ich da und frage mich, wieviel ich noch aushalten muss/kann.
(Und ja, ich weiß auch bei mir, woher diese Gefühle kommen und ich immer wieder unschöne Erlebnisse ganz schnell zulasten meines Selbstwertgefühls bewerte.)

Deshalb bin ich froh, dass du einen Strang eröffnet hast, in dem du das (moralisch!) scheinbar Unmögliche so schonungslos angesprochen hast und ich lerne viel aus den hier geposteten Antworten. Insbesondere deine Beiträge, Kyria, gehen mir sehr nahe!! :blumengabe: :blumengabe:

Fotokatze: auch ich habe bereits zwei Therapieen hinter mir. Gräme dich also nicht, es wäre doch gelacht, wenn sich das Leben fast wie auf Knopfdruck in eine luftige Erfolgsstory verwandeln würde. :lachen:

Ach ja, noch etwas: aktuell lese ich das Buch: "Ohrfeige für die Seele - Wie wir mit Kränkungen und Zurückweisungen besser umgehen können" von Bärbel Wardetzki. Vielleicht interessant für dich?

Kyria
14.05.2011, 16:17
Liebe Unnah,


Auch ich kenne diese wahnsinnigen Rachegelüste, Rachegelüste gegenüber Menschen, die mir aktuell oder aber in der Vergangenheit viel Unrecht getan haben. Und ja, die Blutrünstigkeit deiner Beschreibungen im Eingangspost kenne ich auch, oder anders: in meinen Gedanken verletze ich andere Menschen nicht, sondern vergehe mich an ihrem Eigentum, schade ihnen also materiell ...

... jedoch realisiere ich diese Vorstellungen ebenso wenig wie du.



ich persönlich denke, daß man auf Kränkungen, die man wirklich schmerzhaft als Ungerechtigkeit, Verlust oder Verzichten-Müssen erlebt, eigentlich nur auf zwei verschiedene Art und Weise reagieren kann:

- entweder mit dem vorherrschenden Gefühl von Aggression
- oder mit dem vorherrschenden Gefühl von Depression.

Beides ist nicht besonders lustig auszuhalten, weil man dazu neigt, das Gefühl Aggression oder Depression zu generalisieren. Man bringt es dann also nicht nur den Leuten, die der Auslöser der Kränkung waren, entgegen, sondern auch anderen Menschen in anderen Situationen.

Man ist einfach sofort auf hundertachzig, wenn irgendwas schief geht oder eben andererseits gleich völlig deprimiert, wenn was nicht klappt. :knatsch:

Ich persönicih finde, daß man, wenn man zu Aggression und Rachegelüsten neigt, eigentlich die bessere Karten hat, weil man dann eher powerig und lebendig agiert.
Während, wenn man mit Depression und Rückzug reagiert, das oft eher noch schwerer auszuhalten ist und man passiv vor sich hin lebt und sich völlig schwach fühlt.

Von daher finde ich, daß Rachegelüste, die man nicht in die Realität umsetzen will, eigentlich sehr kreativ sind. Man kann sich dabei in der Phantasie die tollsten Sachen ausmalen, man kann sich so richtig innerlich austoben und fühlt sich zumindest für die Zeit, wo man darin schwelgt, handlungsfähig und stark dabei.

Sich stark und handlungsfähig zu fühlen, nachdem und obwohl man eine Kränkung erlitten hat, ist doch gar nicht so schlecht, oder? :smirksmile:

Herzliche Grüße
Kyria

Unnah
14.05.2011, 18:40
Von daher finde ich, daß Rachegelüste, die man nicht in die Realität umsetzen will, eigentlich sehr kreativ sind. Man kann sich dabei in der Phantasie die tollsten Sachen ausmalen, man kann sich so richtig innerlich austoben und fühlt sich zumindest für die Zeit, wo man darin schwelgt, handlungsfähig und stark dabei.

Sich stark und handlungsfähig zu fühlen, nachdem und obwohl man eine Kränkung erlitten hat, ist doch gar nicht so schlecht, oder? :smirksmile:Recht hast du! :smile:

Ich empfinde diese düsteren Fantasien auch gar nicht als so belastend, sondern vielmehr die Tatsache, alte Ereignisse und die damit entstandenen Verletzungen nicht loslassen und beiseite legen zu können. Das hat dann zur Folge, dass sich Verletzungen ansammeln und irgendwann das Gefühl (bei mir) entsteht, keine weitere Verletzung mehr ertragen zu können - eine wunde Seele also, die sich nicht regenerieren kann.

Inaktiver User
15.05.2011, 04:53
Recht hast du! :smile:

Ich empfinde diese düsteren Fantasien auch gar nicht als so belastend, sondern vielmehr die Tatsache, alte Ereignisse und die damit entstandenen Verletzungen nicht loslassen und beiseite legen zu können. Das hat dann zur Folge, dass sich Verletzungen ansammeln und irgendwann das Gefühl (bei mir) entsteht, keine weitere Verletzung mehr ertragen zu können - eine wunde Seele also, die sich nicht regenerieren kann.

Ja, so sehe ich das auch.

Manchmal hat man ja auch einen seelischen "Peiniger", der genau weiß, welche Knöpfe er drücken muss, um einen seelisch an den Rand der Verzweiflung zu bringen.

Wut ist eine Falle. Vielleicht sollten wir uns darüber austauschen, wie man Wut überwinden kann, was einen glücklich macht und ablenkt.

Für mich ist es Gartenarbeit. Bäumchen, Blümchen pflanzen. Etwas Neues schaffen. Pflanzen sind sanftmütiger als Menschen; ihnen vertraue ich mich gerne an. Sie sind auch langsamer in ihren Reaktionen. Im Garten zu sein, wirkt auf mich beruhigend, weil die Zeit der Pflanzen eine andere Zeit ist als die des Menschen. Wenn eine Pflanze eine andere zu überwuchern droht, dann kann man sie herausnehmen oder beschneiden. Und wenn man sich um sie kümmert, danken sie es einem mit phantastischen Blütenfarben und Gerüchen.

Probiert es aus. Schon ein Margaritenbäumchen bringt einem gute Laune. So viel strahlende Blumengesichter!!! Gibt es nächste Woche ganz billig bei Aldi oder Lidl, weiß nicht mehr genau.

fotokatze
15.05.2011, 21:46
Manchmal gibt es in mir auch eine ganz andere Seite.

Dann schlagen meine ganzen Gefühle in das genaue Gegenteil um, und ich möchte am liebsten zu meiner alten Firma fahren und meine sämtlichen Ex-Kollegen an mich drücken und knuddeln, auch meine ausführlich beschriebene Ex-Kollegin und meinen Chef. Dann habe ich nicht das Gefühl: wenn es denen doch schlecht ginge, sondern dann denke ich: soll es denen doch gutgehen, mir geht es ja auch gut!

Gestern und heute waren solche Gefühle in mir.

Gestern, Samstag also, war ich in meiner Heimatstadt und bin zum ersten Mal seit damals, seit ich die Firma verlassen habe, zu ihr gefahren. Da Samstag war, arbeitete dort niemand, ich konnte ein bißchen durch die Fenster schauen, ohne von irgendwem gesehen zu werden.

Es scheint, als wenn es der Firma gut geht, jedenfalls konnte ich erkennen, daß Arbeit in ihr vorhanden war.

Seltsam, daß all meine Gefühle so umschlugen! Ich dachte auf einmal: ach, wie gern würde ich meine Ex-Kollegin doch einmal wiedersehen und mit ihr sprechen! Und mein Ex-Chef hatte es ja auch nicht leicht.

Na so was!!!