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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abhängige Beziehung



Inaktiver User
25.01.2011, 21:28
Guten Abend.

Ich komme mir etwas fremd vor hier in dieser Kategorie. Ich will es trotzdem versuchen... Seit mittlerweile 2,5 Jahren führe ich eine Fernbeziehung über 600km mit einem Mann, von dem ich nicht loskomme. Es gab viele Trennungen und Trennungsversuche in dieser Zeit - die meisten gingen von ihm aus. Ich kann nicht wirklich sagen, warum ich nicht mit ihm Schluss machen kann. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch liebe. Ich kann trotzdem die Beziehung nicht beenden, deshalb glaube ich, dass es was mit Sucht zu tun hat. Auch meine Eßgewohnheiten und das abendliche Wein trinken sind mittlerweile nicht mehr gesund, ich tendiere leider zu Suchtverhalten, wenn mir etwas richtig weh tut.

Eigenartigerweise glaube ich, dass gerade das brutale abserviert werden und seine emotionale Kälte mich in diese Sucht geführt haben. Ein Beispiel: Wir hatten zusammen Urlaub geplant, er wollte mich in der Stadt X vom Flughafen abholen, um dann mit dem Auto weiter zu fahren. Es war alles geplant und gebucht, Flug, Zimmer, Auto. Kurz vor der Reise hatten wir einen Streit. Daraufhin sagte er: "Ich komme nicht mit" und hat sich nicht mehr gemeldet, bis zum Vorabend der Reise. Keine Absage, kein Gespräch, gar nichts, obwohl das Auto sogar auf seinen Namen gebucht war. Ich habe dann angerufen und die Sache eingerenkt, weil... ja, warum? Weil ich so zutiefst getroffen war, dass ich das einfach nicht aushalten konnte. Diese Aktionen haben sich noch x mal wiederholt, und jedes Mal bin ich ein Stück tiefer in diese Sache reingerutscht.

Tage- und wochenweise ist er großzügig, hört mir zu, ist ein lieber Partner. Dann kommt - meistens (für mich) aus heiterem Himmel wieder die kalte Dusche, er ist verschwunden und lässt mich als klammerndes Nervenbündel zurück. Um mir dann vom anderen Ende der Republik zu sagen, dass ich ihn "kontrollieren" würde. Was aufgrund der räumlichen Distanz völlig unmöglich ist...

Oh Mann, das klingt alles echt traurig. Leider ist es mein Beziehungsalltag (wenn man das so nennen will...). Ich bin bereits in Therapie und nun auch auf der Suche nach eine Selbsthilfegruppe. Die Therapie bringt mir bisher nicht so arg viel, weil meine Therapeutin in schönster Therapeuten-Sprache stets erklärt, ich solle doch entscheiden, wie nah ich diesen Mann an mich heranlasse. Mein Problem ist aber, dass ich gerade das nicht kann, wenigstens bisher nicht.

Würde mich freuen, wenn sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen melden.

Mary

maryquitecontrary
25.01.2011, 21:57
..., weil meine Therapeutin in schönster Therapeuten-Sprache stets erklärt, ich solle doch entscheiden, wie nah ich diesen Mann an mich heranlasse. Mein Problem ist aber, dass ich gerade das nicht kann, wenigstens bisher nicht.

Welche Therapiemethode wendet deine Therapeutin an?

Inaktiver User
26.01.2011, 06:32
Welche Therapiemethode wendet deine Therapeutin an?

Verhaltenstherapie

Inaktiver User
26.01.2011, 08:29
Hallo Mary das hört sich wirklich sehr ungesund an.

Aber so ganz unrecht hat deine Therapeutin nicht - es liegt an dir.

Klar ist das leichter gesagt als getan.

Du sprichst davon "nicht aushalten zu können" wenn dieser Mann dich abstraft - so wie mit dieser Reise.

Sieh es mal wie eine Diät: du schaffst es dieses eine Mal die Tort nicht zu essen (hältst sein Verhalten aus ohne ihm nach zu laufen) und bist stolz auf dich.

Diesen Teufelskreis durchbrechen solltest du dir zu deiner Aufgabe machen.

Vor allem glaube ich, dass dieser Mann sich sehr wundern dürfte, wenn du mal ganz anders reagierst.

Wir können andere nicht ändern nur uns selbst - aber damit dass wir uns ändern müssen andere das auch. Er wird auf dein verändertes Verhalten reagieren.


Vielleicht beginnst du ein Tagebuch zu führen? Schreib da rein, was du geschafft hast. Belohn dich selbst wenn du wieder einen Schritt weiter bist.

Schwer, ich weiß! Aber du solltest es dir Wert sein!