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Inaktiver User
06.11.2005, 17:56
Ich lese in diesem Forum und die Tränen hören nicht auf. Nach vier Jahren Kampf gegen eine heimtückische Leukämie habe ich gerade meinen Mann verloren.Der Schmerz zwingt mich in die Knie. Obwohl ich ja sehenden Auges war, ist jetzt nach dem Tod trotz alledem die Tiefe und Heftigkeit meiner Trauer überwältigend.Bin Hospizhelferin, arbeite im ambulanten Pflegebereich und meine ganze Professionalität
ist am Arsch. Ich will nur meinen Mann wieder haben.Und es wird jeden Tag schlimmer.
So kann ich es nicht aushalten. Bitte schreibt mir.
Sonja

Inaktiver User
06.11.2005, 18:44
Liebe Sonja,

ich bin völlig fassungslos, mir fehlen die Worte, ich schicke dir aber vorerst eine virtuelle Umarmung! :blumengabe:

Inaktiver User
06.11.2005, 18:52
Oh Sontagskatze, ich drück´ Dich erst mal ganz fest.
:wangenkuss:

Viele, die sich hier in diesem Forum aufhalten, so auch ich, können nachempfinden, wie schlecht es Dir jetzt geht und wie schwer der Weg ist, den Du vor Dir hast. Welcher Weg es ist, wie sich das Unerträgliche ertragen läßt - da gibt es kein Patentrezept, keinen guten Rat und, wie ich vor 4 Jahren erlebt habe, auch keine Hilfe, außer das da Jemand ist, der zuhört, geduldig ist und die Tränen trocknet. .... Und hier sind genug, die zuhören und Dir antworten.

Nach meinem Empfinden machst Du es aber schon sehr richtig, dass Du Dich zu Deinem Schmerz und Deiner Verzweifelung äußerst und sie auch zuläßt. Mir ging es immer etwas besser, wenn ich über meinen Partner, unser Leben und seinen Tod sprechen oder schreiben konnte. Irgendwann war ich dann vor Weinen so müde geworden war, dass ich überhaupt nichts mehr gemerkt habe. Und das waren dann die Momente, wo sich meine Seele, mein Herz wieder erholen konnten. Ich fand und finde es auch heute noch erstaunlich, dass man so eine abgrundtiefe Schwärze und Hoffnungslosigkeit überstehen kann - aber man kann, das weiß ich heute. Irgendwie geht die Zeit und das Leben weiter.

Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft hast, über Deinen Trauer zu sprechen oder zu schreiben. Und ich wünsche Dir die nötige Geduld mit Dir selbst, und dass Du die Hoffnung nicht aufgibst, dass irgendwann ein kleiner Schimmer wieder am Horizont auftauchen wird.

Es grüßt Dich Kranich :zauberer:

Gretel
06.11.2005, 18:56
Hallo Sonja, auch von mir eine herzliche Umarmung.
Mehr kann ich im Moment nicht für dich tun. Lass die Trauer zu und schreib weiter wie es dir geht.
Liebe Grüße, Gretel :blumengabe: für dich

Inaktiver User
06.11.2005, 20:01
liebe sonja,

ich weiss, dass dir zur zeit nichts wirklich helfen kann, aber es geht irgendwann wieder aufwärts.
meine mami war 23 jahre, als ihre große, vielleicht einzige, liebe nicht mehr leben mochte. sie hat ihn gefunden, ohne abschiedsbrief.
zuerst war sie total taub und ist dann nur noch gefallen. hätte sie ihr 2jähriges kind nicht gehabt, sie hätte auch aufgegeben.
die liebe zu ihm ist heute noch so groß, wie damals. dies "warum" es bleibt immer.
warum müssen geliebte menschen gehen?
wir werden es erst erfahren, wenn wir selber gegangen sind.

alles, was ich dir schreiben könnte, klingt nur banal. ich kenne das gefühl, wie es einen innerlich zerreist, der schrei nicht nach oben kommen kann, weil er einfach zu heftig ist.
es braucht viel zeit, aber es wird besser....

ich denk an dich und werde für dich beten.

swinda

Pummel
06.11.2005, 21:51
Liebe Sonntagskatze,
laß dich mal ganz fest drücken.
Wer weiß vorher schon wie es einem danach geht? Du warst wahrscheinlich die Starke, 'Vernünftige' beim 'Begleiten' u. hast dir die Tränen verkniffen um deinen Mann nicht noch mehr zu belasten. Jetzt kommt alles raus. Laß es raus, schrei es raus.
Da du ja Hospizhelferin bist weißt du auch, dass in unserem Land Sterbebegleitung und Trauerbewältigung sehr unterdrückt werden. Versteh mich bitte nicht falsch. Was ich sagen will ist, dass die Toten zu schnell 'verschwinden'. Man hat gar nicht richtig Zeit Abschied zu nehmen.
Ich war erst auf 'ner Beerdigung. Der Onkel meines Gatten ist gestorben und seine Frau stand 3 Tage neben dem offenen Sarg und streichelte ihn und weinte. Wir besuchten sie tags darauf u. sie unterhielt sich mit uns, weinte auch immer wieder, aber ich hatte das Gefühl, dass es ihr besser ging.
Vielleicht mußt du wieder einen Schritt zurück gehen und deinen Mann streicheln?

Verzeih mir, wenn ich dich nicht richtig verstanden haben sollte.

Es grüßt dich Pummel :blumengabe:

PS. = das mit dem streicheln meine ich natürlich mental.

Inaktiver User
07.11.2005, 09:30
Liebe Sonja,
wie gut ich dich verstehe und es nachempfinden kann!

Ich hoffe so sehr, dass da Menschen um dich sind, die dich mal richtig lange im Arm halten und dich wiegen und trösten. Auch wenn du jetzt untröstlich bist.

Weißt du, damals als ich in deiner Lage war (nur mit dem Unterschied, dass da nicht mein Mann sondern einer meiner Söhne im Grab lag), da hat es mir sehr geholfen,

beide Hände auf die Erde zu legen, das Grab zu streicheln und zu hegen und zu pflegen

es half mir auch, Gegenstände ans Herz zu legen und mich dann meinem Schmerz hinzugeben (seine Fußballhandschuhe und ähnliches)

es war eine Möglichkeit, "Verbindung" herzustellen
eben das, was einer Verbindung, einem Kontakt am nächsten kam

der Schmerz hat mich fast vernichtet damals,
jetzt bin ich wieder "heil"

halte dir vor Augen, dass es langsam mit der Zeit erträglicher sein wird
viele sind vor dir diesen Weg gegangen, darum liebe Sonja: Vertraue! Du wirst das Überleben und du wirst "wieder leben"

Und, du wirst zu der Erkenntnis kommen, dass du FÜR IHN weiterlebst und gut leben sollst.
Dein lieber Mann wird sich sicher wünschen, dass du wieder Freude am Leben haben wirst.

Nicht heute, nicht morgen.
JETZT ist Trauer.

Aber später wieder, dann scheint auch für dich wieder die Sonne und du kannst deinem Mann dann diesen Gedanken schicken:

"Siehe, Liebster! Sieh, dass es mir wieder gut geht und dass ich dich immer und ewig lieben werde. Nichts kann uns wirklich trennen. Auch wenn dein Körper nicht mehr ist, unsere SEELEN sind verbunden und ich schicke dir nun Gedanken und Gefühle die dich erfreuen sollen!
Geh du weiter voran ins Licht und lass es dir gut gehen.
Wir sehen uns später!"




stille Grüße vom Lavendelmond


P.S.: bitte schau auch in dein Gästebuch

Pummel
07.11.2005, 09:53
Liebe Sonja,
Ich hoffe so sehr, dass da Menschen um dich sind, die dich mal richtig lange im Arm halten und dich wiegen und trösten. Auch wenn du jetzt untröstlich bist.
Ich hoffe auch, dass es solche Menschen für dich gibt und dass es dir heute etwas besser geht.

Liebe Grüße - Pummel

Inaktiver User
07.11.2005, 14:21
Danke an Euch alle da draußen, ich habe noch nie jemanden so konkret um Hilfe gebeten.Bitte bleibt eine Weile bei mir. Danke für das Wort "untröstlich". Das bin ich nämlich im Moment. Nicht stark, nicht gefaßt - nein, untröstlich.Wenn Ihr sagt, es wird irgendwann besser, glaube ich Euch.Aber ich kann es mir nicht vorstellen.
Sonja

Inaktiver User
07.11.2005, 14:29
Wenn Ihr sagt, es wird irgendwann besser, glaube ich Euch.Aber ich kann es mir nicht vorstellen.
Sonja




das ist in Ordnung, wenn es jetzt unvorstellbar ist

es reicht, wenn du uns glaubst und das in Erinnerung hältst

schön, dass du hier die Erfahrung machen konntest, dass du Hilfe und Zuwendung bekommst, "nur" weil du darum gebeten hast

"Bittet, so wird euch gegeben."
:blumengabe:



Lavendelmond

Inaktiver User
07.11.2005, 15:10
Liebe Sonja,
das kann ich gut verstehen. Ich fand es damals - vor 4 Jahren - auch unsäglich, mir überhauot vorzustellen, dass das Leben oder irgendein Leben es wagen könnte, ohne meinen Schatz weiter zu existieren. Und genau so gemein fand ich es, als ich merkte, dass sogar ich selbst weiterleben wollte.
Aber im Moment ist bei Dir einfach nur unsagbare Trauer im Vordergrund und die solltest Du auch zulassen und Dich richtig reinfallen lassen. Verdrängen oder versuch stark zu sein, hilft da nicht. Irgendwann wird sich die Verzweifelung doch Ihren Weg suchen.
Lass Dich drücken und Dir ein Taschnetuch für die Tränen reichen.

Kranich :zauberer:

Inaktiver User
07.11.2005, 15:32
Liebe Sonja,

ja, es ist schwer, im Moment, gerade mal 7 Wochen, da lässt ja gerade mal die Betäubung nach, unsäglich schwer. Fühl dich umarmt, wir können deinen Schmerz nicht wegnehmen, nicht mal teilen, aber wir können dir zuhören, dich zumindest virtuell in den Arm nehmen.

Deine Arbeit im Hospiz hat dich vorbereitet auf den Tod, du gehst täglich damit um, du hast gedacht, du wüsstest, was kommt, und dann kam alles ganz anders. Wir sind nie, nie, nie vorbereitet auf das, was dann wirklich kommt. Und vielleicht ist das auch ganz gut so, wir könnten es ja doch nicht glauben, früh genug, wenn es dann soweit ist.

Ich meine, du solltest jeden dieser Schritte durch den Schmerz und die Trauer langsam und bewusst gehen, jeden Schritt für sich, immer soweit, wie es gerade geht. Und manchmal vielleicht auch einen Schritt zurück, es ist gut so, wie du es machst. Aber jeden Schritt, den du gehst, den du gegangen bist, den musst du nicht nochmal gehen, ganz bestimmt. Wenn du geduldig mit dir bist, dich vor allem von anderen nicht unter Druck setzen lässt, die zu wissen meinen, wann es genug mit der Trauer zu sein hat, dann wirst du deinen Weg durch und mit der Trauer finden. Und irgendwann wirst du dich reicher fühlen, so seltsam sich das anhört.

Der Tod eines nahen Menschen verändert uns, nichts wird jemals wieder so sein, wie es war. Es wird vielleicht nicht besser sein, aber es wird anders sein, manchmal wirst du traurig sein, auch noch in 10 oder 20 Jahren, aber du wirst es irgendwann vorziehen, diesen Menschen gehabt und verloren zu haben, als ihn gar nicht erst kennengelernt zu haben.

Ich wünsche dir alle Kraft der Welt in dieser Zeit, komm hierher, wenn du reden willst, du siehst, hier bist du nicht alleine. Wir können nicht viel tun, aber wir können mit dir weinen, wenn du das möchtest. Auf alle Fälle fühlen wir mit dir.

Liebe Grüße

Frieda :blumengabe:

Bernsteinmond
07.11.2005, 20:01
Liebe Sonntagskatze!

ich kenne das nur zu gut! bin auch im pflegeberich (kinderintensiv), habe schon viele sterbebegleitungen gemacht... und dann steht man auf der "falschen" seite. du kannst nicht professionell sein, es ist dein leid, dein schmerz...dein mann!

ich möchte dir ein paar zeilen chreiben, die mich sehr berührt haben:

ich meine nicht, du könntest eines tages
wieder leben wie in deinen früheren jahren.
den ein schmerz dieser art läßt ja nicht nach,
nicht so rasch jedenfalls.
er geht und kommt noch noch lange zeit, wie er will.
du wirst ihm ausgeliefert sein und ihn erleiden.
er wird bei dir wohnen wie ein unsichtbarer gast
und sich wohl erst am letzten tag verabschieden.
aber am ende wird er es gewesen sein,
der diese jahre wesentlich gemacht hat,
der ihnen ihr gewicht gab und ihre tiefe.

du hast verloren, den du geliebt hast.
du hast verloren, was dir wichtig war
und was dich glücklich gemacht hat.
und vor allem: du hast auch dich verloren.

dann ist es gut, wenn du dir sein bild
klar vor deinem inneren auge stellst, das bild,
das du in glücklichen tagen von ihm hattest,
als er dir besonders nahe erschien,
als etwas besonders schönes gelang,
als du besonders groß von ihm dachtest....

(aus:jörg zink "trauer als heilende kraft")

ich wünsche dir kraft!
B.

Danascully
08.11.2005, 13:14
liebe sonntagskatze!

trauer ist m.e. ein prozess und prozesse brauchen zeit. trauer ist so wichtig und du wirst eines tages froh sein, sie erlebt/durchgestanden zu haben. professionalität hat nichts mit trauer zu tun, und es ist gut, dass du nicht professionel bist! sonst wäre es nicht deine persönliche trauer sondern ein teil deines berufes. es ist am anfang so schwer, aber schritt für schritt geht es bergauf. oft geht man wieder schritte zurück, verfällt in depressionen, sieht keinen weg vor sich. aber glaube mir, wenn du in Dich vertraust, dann wirst du immer wieder einen weg finden. auch wenn er noch so eng und steinig anfängt.

wenn es mir als kind schlecht ging habe mir immer vorgestellt, dass mein bruder da oben im himmel auf einer wolke sitzt. er spielt mit dem jungen mit dem er schon immer im krankenhaus gespielt hat, der 5 monate vor ihm gestorben war. gelegentlich besucht er oma und opa oder sie kommen zu ihm.
er sitzt da oben, blickt auf mich hinunter und winkt mir zu. er ist immer bei mir, auf der wolke über mir. ob ich in deutschland oder irgendwoanders auf der welt bin.
und er beschützt mich, passt auf mich auf, wie das große brüder eben machen. und er lacht mit mir, wenn ich lache.

es ist eine sehr kindliche und naive vorstellung. aber ich habe sie immernoch. und das ist gut so. manchmal erwische ich mich und winke nach oben...

wenn es dir schlecht geht, stell dir vor: dein mann sitzt auch da oben und passt auf dich auf. er sitzt da, er hat keine schmerzen, es geht ihm gut!
er weint nur, weil du weinst
und er trauert, weil du trauerst
aber er freut sich und lacht, wenn du lächelst und an ihn denkst.

wie würdest du wollen, dass man um dich trauert?

ganz viel kraft und tiefes mitgefühl sendet dir
dana scully

Inaktiver User
08.11.2005, 18:20
Lieber Bernsteinmond,
Deine eigenen Beiträge haben mich in eine Tränenflut gebracht. Weil Du genau so hartnäckig auf Deiner Trauer bestehst und weil sie lange und ausdauernd anhält, wie ich mir das auch für mich vorstellen kann.Mein Mann und ich waren vernachlässigte Kinder und unsere Ehe war ein einziges Heilen und ein endliches Ankommen und Schutz. Mein Verlust ist für mich unendlich und ich bin wieder das Kind im Wald, daß sich ängstigt.
Außerdem habe ich auch in der Todesnacht eine Entscheidung treffen müßen, über die ich gern mit Dir reden würde;mit der ich jetzt kämpfe.Aber ich will dies Dir nicht überstülpen, sondern Dich erst fragen.
Im übrigen mache ich mir ein bißchen Sorge. Ich war noch nie in einem Chat und fummele mich mühsam durch die Funktionen. Falls ich gegen irgendwelche Regeln verstoße, muß mir das jemand sagen.
Gott, ich bin so froh, daß ich es geschafft habe, Euch zu finden. Allein, daß ich trauern darf und mich nicht zusammenreißen soll, ist schon so erleichternd. Danke.

Inaktiver User
08.11.2005, 19:46
Im übrigen mache ich mir ein bißchen Sorge. Ich war noch nie in einem Chat und fummele mich mühsam durch die Funktionen. Falls ich gegen irgendwelche Regeln verstoße, muß mir das jemand sagen.





Keine Sorge, liebe Sonntagskatze Sonja :blumengabe:

Du machst alles richtig!



Lavendelmond

Emiliana
11.11.2005, 22:09
Liebe Sonja! Ich schicke Dir eine PN. Mußt einfach in der Übersicht auf Dein Gästebuch klicken. Dann kannst Du sie lesen. Mag halt manchmal diese Öffentlichkeit nicht so... LG

_Beate_
11.11.2005, 22:23
Liebe Sonja! Ich schicke Dir eine PN. Mußt einfach in der Übersicht auf Dein Gästebuch klicken. Dann kannst Du sie lesen. Mag halt manchmal diese Öffentlichkeit nicht so... LG



Liebe Sonntagskatze -

damit es keine Verwirrung gibt: PN = Private Nachricht wird Dir oben in der grünen Leiste durch einen Briefumschlag angezeigt - DEN musst Du anklicken. Mit dem Gästebuch hat das nichts zu tun .. in dem stehen die Gästebucheintragungen. Emiliana hat das ein bißchen durcheinander geworfen :smile:

Alles Liebe für Dich, Sonntagskatze ... lese hier still mit und schicke Dir in Gedanken alles erdenklich Liebe,

Beate

Emiliana
11.11.2005, 22:40
Q Beate: Danke. Bin ein Schussel. Freu mich, daß immer mal jemand aufpasst. Gehöre eigentlich längst ins Bett, da geh ich jetzt auch hin. Nachti an alle..

_Beate_
11.11.2005, 22:44
Q Beate: Danke. Bin ein Schussel. Freu mich, daß immer mal jemand aufpasst. Gehöre eigentlich längst ins Bett, da geh ich jetzt auch hin. Nachti an alle..



*schmunzel*

Gerne, Emiliana! Ich kenn das - wenn ich müde bin geht es bei mir auch kreuz und quer ... :blumengabe:

Gretel
11.11.2005, 22:55
Ich wünsche dir einen Himmel voller Sterne -
Sterne, die dir den Weg weisen,
wenn du im Zweifel bist -
Sterne, die für dich leuchten,
wenn du dich einsam fühlst.
Ich wünsche dir einen Himmel,
der dich beschützt.
:blumengabe: Gretel

Inaktiver User
12.11.2005, 09:29
Die Freude über mein Ankommen hier, hat mich ermutigt. Ich war bei einer "Trauertherapeutin" und anschließend in einer Trauergruppe.Beides war ein Fehlschlag. Die Therapeutin will mit mir ein Abkommen, daß ich mich nicht umbringe, bevor ich sie nicht kontaktiert habe (weil ich Sehnsucht nach meinem Mann geäußert habe)die Trauergruppe, bestehend aus vier Betroffenen und fünf Hospizhelferinnen,sprechen über wunderschöne Spaziergänge in den Weinbergen und meditieren über Postkarten mit Wegen.Puuuuuuuuhhhh. Da bin ich nicht. Ich bin voll Tränen, Schmerz und Wut und Zorn."Heilen" ist bei mir noch lange nicht angesagt. Ich will toben und schreien und suche einen geschützten Raum, in dem jemand auf mich achtet und mir wieder zurückhilft. Ich kann meine heftigen Gefühle noch nicht hergeben oder besänftigen wollen. Das käme mir jetzt im Moment wie ein Verrat an meinem Mann vor. :gegen die wand:
Was habt Ihr evtl. für Erfahrungen in Sachen (Trauer-)Therapie??? Ich lebe im Großraum Frankfurt und werde auf jedenfall weitersuchen!
Damit Ihr mich nicht falsch versteht:jeder liebevoller Gedanke, jedes Gedicht von Euch ist Balsam für mich.Hier habe ich nicht das Gefühl, daß mir jemand meinen Schmerz "klein-reden" oder besänftigen will.
Liebe Grüße
Sonja

_Beate_
12.11.2005, 09:45
Die Freude über mein Ankommen hier, hat mich ermutigt. Ich war bei einer "Trauertherapeutin" und anschließend in einer Trauergruppe.Beides war ein Fehlschlag. Die Therapeutin will mit mir ein Abkommen, daß ich mich nicht umbringe, bevor ich sie nicht kontaktiert habe (weil ich Sehnsucht nach meinem Mann geäußert habe)die Trauergruppe, bestehend aus vier Betroffenen und fünf Hospizhelferinnen,sprechen über wunderschöne Spaziergänge in den Weinbergen und meditieren über Postkarten mit Wegen.Puuuuuuuuhhhh. Da bin ich nicht. Ich bin voll Tränen, Schmerz und Wut und Zorn."Heilen" ist bei mir noch lange nicht angesagt. Ich will toben und schreien und suche einen geschützten Raum, in dem jemand auf mich achtet und mir wieder zurückhilft. Ich kann meine heftigen Gefühle noch nicht hergeben oder besänftigen wollen. Das käme mir jetzt im Moment wie ein Verrat an meinem Mann vor. :gegen die wand:
Was habt Ihr evtl. für Erfahrungen in Sachen (Trauer-)Therapie??? Ich lebe im Großraum Frankfurt und werde auf jedenfall weitersuchen!
Damit Ihr mich nicht falsch versteht:jeder liebevoller Gedanke, jedes Gedicht von Euch ist Balsam für mich.Hier habe ich nicht das Gefühl, daß mir jemand meinen Schmerz "klein-reden" oder besänftigen will.
Liebe Grüße
Sonja



Guten Morgen, Sonja!

Es gibt in Frankfurt ein hervoragendes Therapeutenehepaar ... je nach dem, ob Du lieber bei einer Therapeutin oder bei einem Therapeuten wärest. Ich denke, es muss nicht unbedingt und ausdrücklich ein "TRAUERtherapeut" sein - mit Trauer sollte sich jeder gute Therapeut auskennen. Wenn Du die Namen wissen willst, sag Bescheid, ja?!

Lieber Gruß aus Friedberg,

Beate

Hummelchen
12.11.2005, 13:34
Die Therapeutin will mit mir ein Abkommen, daß ich mich nicht umbringe, bevor ich sie nicht kontaktiert habe !




Liebe Sonja,
erst einmal auch von mir von Herzen alles Gute und mein Mitgefühl für deinen schweren Verlust!

Leider müssen sich Therapeuten auf diese Weise absichern, aus juristischen Gründen. Die Frage ist jedoch, mit wieviel Feingefühl man hier vorgeht.
Verlasse dich am besten auf dein Gefühl, ob die "Chemie" stimmt!
Lass dir und der Therapeutin hierbei aber ruhig ein wenig Zeit; manchmal braucht es einige Stunden, bis sich zeigt, ob ein Vertrauensverhältnis entstehen kann.
Die Kassen geben meistens fünf "Probestunden" zum Auswählen Zeit.

Liebe Grüße,
Hummel

Inaktiver User
12.11.2005, 14:11
Liebe Sonja,
das mit der Trauergruppe kann ich gut verstehen.ich wollte damals auch nicht die Trauer anderer hören und sehen. Ich fand meine Trauer ohnehin am schlimmsten von Allen und Allem und wollte gar nicht in die Situation kommen, andere trösten zu müssen oder mir deren Leid anzuhören. Ich wollte mich nicht ablenken. Ich wollte mir auch nicht wirklich helfen lassen oder mir sagen lassen, es wird schon alles wieder gut. Ich wollte einfach nur sicher sein, dass ich für immer und ewig um meinen Liebsten trauern darf, wenn ich das will. Und das es nichts schlimmeres gibt auf Erden als diesen einen Tod. Ich wollte einfach nicht hören, dass die Zeit alle Wunden heilt.

Das hört sich jetzt gemein und eogistisch an, aber ich glaube, ich bin heute deswegen so gesund wieder im Leben, weil ich mir auch mal die Zeit genommen habe, mich in meinen eigenen Mittelpunkt zu stellen. Weil ich mich mit diesem unglaublichen Schock auch beschäftigt habe, weil ich die Fragen, die für mich dazu gehörten auch für mich geklärt habe. Ich habe meine Trauer gelebt, genauso wie ich meine Beziehung gelebt habe.

Ich habe mir dabei von einer Heilpraktikerin in Wiesbaden helfen lassen, die ich jederzeit wieder empfehlen würde. Ich konnte damals nicht zu medizinisch Ausgebildeten gehen, da ich zwar merkte, wie ich litt und auch immer weiter in meiner Trauer versank. Das aber gleichzustellen mit Krankheit war mir nicht möglich. Ich habe mir damals gesagt, dass ich doch völlig gesund sei, dass meine Seele und mein Herz richtig und perfekt für die Situation reagierten - warum hätte ich zu einem Seelnearzt gehen sollen. Vielleicht verstehen es einige: Es soll kein Appell gegen Psychologen sein. Ich konnte einfach nicht hingehen.

Liebe Grüße von Kranich :zauberer:

Inaktiver User
12.11.2005, 19:31
Ja, es stimmt auch für mich, daß meine Trauer und mein Verlust am allerschlimmsten ist. Aber ich bin schon fähig, den Schmerz und die Trauer anderer zu sehen.Ich finde, so schleichend und unbemerkt registriert mein Hirn dann doch, daß anderen Menschen ähnliches geschieht und ich erfahre, daß eine Frau mir erzählt, nach 2 1/2 Jahren sei sie nun zum ersten Mal wieder in einem Cafe gewesen oder eine andere berichtet, daß sie jetzt 10 Jahre "danach" noch immer am Geburtstag des Verstorbenen nicht allein sein kann.Ich wappne mich für Dimensionen, die ich mir im Moment gar nicht vorstellen könnte und finde meinen Zustand dann eher angemessen. Mich nervt das "deidadei" in der Trauergruppe. Aber vielleicht liegts nur an mir, weil es für mich einfach viel zu früh kommt. Wie gesagt, da steh ich im Moment nicht.Mir geht es auch ein wenig wie Kranich. Was will ich eigentlich? Was ist zu therapieren? Mein Schmerz ist völlig gerechtfertigt und angemessen.
Aber da ist die kleine Sonja im dunklen Wald und hat Angst. Wieder alleingelassen.
Schei......

Inaktiver User
12.11.2005, 19:37
Danke Kranich für diesen wunderbaren Satz: ich wollte einfach nur sicher sein ...

_Beate_
12.11.2005, 19:39
Ja, es stimmt auch für mich, daß meine Trauer und mein Verlust am allerschlimmsten ist. Aber ich bin schon fähig, den Schmerz und die Trauer anderer zu sehen.Ich finde, so schleichend und unbemerkt registriert mein Hirn dann doch, daß anderen Menschen ähnliches geschieht und ich erfahre, daß eine Frau mir erzählt, nach 2 1/2 Jahren sei sie nun zum ersten Mal wieder in einem Cafe gewesen oder eine andere berichtet, daß sie jetzt 10 Jahre "danach" noch immer am Geburtstag des Verstorbenen nicht allein sein kann.Ich wappne mich für Dimensionen, die ich mir im Moment gar nicht vorstellen könnte und finde meinen Zustand dann eher angemessen. Mich nervt das "deidadei" in der Trauergruppe. Aber vielleicht liegts nur an mir, weil es für mich einfach viel zu früh kommt. Wie gesagt, da steh ich im Moment nicht.Mir geht es auch ein wenig wie Kranich. Was will ich eigentlich? Was ist zu therapieren? Mein Schmerz ist völlig gerechtfertigt und angemessen.
Aber da ist die kleine Sonja im dunklen Wald und hat Angst. Wieder alleingelassen.
Schei......



Es gibt auch nichts zu *therapieren* und Du bist auch nicht *krank* ... aber einen Raum zu haben, wo Du ganz und gar mit Deinem Schmerz sein könntest, einfach mal gehalten wirst - ein *reales* Gegenüber hättest?!

In Gedanken nehm ich die *kleine Sonja" mal fest in den Arm ... Du musst zwar alleine durch den Schmerz, aber Du musst diesen Weg nicht alleine gehen!

Lieber Gruß,

Beate

Jaarenn
17.11.2005, 23:49
Aber da ist die kleine Sonja im dunklen Wald und hat Angst. Wieder alleingelassen.
Schei......




*zündet ein Lichtlein an und reicht ihr die Hand*....ich geh ein Stück mit dir....

Bernsteinmond
18.11.2005, 21:11
deinen ärger kenn ich nur zu gut.
"nun ist es zeit zur tagesordnung zu kommen...!" "das leben geht doch weiter...!" wer kennt diese sätze nicht!

da sende ich dir noch ein paar zeilen aus dem schon mal zitierten buch:

ich will dir sagen, was dir hilft:

weinen, weil du verlassen bist, denn du bist es.
weil dir kalt ist. es ist wirklich kalt.
weil dir das weh dein herz zusammenzieht,
mehr, als irgendeiner von uns ermißt.
du brauchst nicht unter der eisdecke leben.

schreien. auch wenn es jemand hört.
ich verstehe es, wenn du zornig bist
über der unrecht, das dich getroffen hat.
wenn du wütend bist auch auf gott,
der das zugelassen oder gar gewollt hat.
auch hiob klagte gott mit harten worten an.

verstummen, wenn du das gefühl hast,
der andere könne dich nicht verstehen.
wenn du zu müde bist, zu reden,
oder wenn du dich, auf eine seltsame und grausame weise, schuldig fühlst.

eines tages wird es nicht mehr so wichtig sein,
zu weinen oder zu schreien. aber jetzt ist es gut.
und jetzt soll es dir niemand verwehren.

...

ich meine vorallem die letzten worte. niemand darf dir deine trauer verwehren!
ich bin vor ein paar tagen an einem beerdigungsinstitut vorbeigekommen und dort kam ein älteres ehepaar heraus und weinten. ich bin in tränen ausgebebrochen...ich erinnere mich noch, als ich einen bruder dort sah. und ich hab einfach geweint und die menschen haben geschaut..na und! so geht es mir auch auf dem friedhof...ich weine und rede mit ihm, auch wenn unverständliche blicke kommen!

sei stark für DICH!
B.

Inaktiver User
20.11.2005, 13:02
Meine Verzweiflung verändert sich in beständigen Schmerz.Es tut weh - und wenn ich den Schmerz mal kurz nicht spüre, erschrecke ich sehr. Mein Enkelkind war heute zum 1.Mal wieder bei mir über Nacht - ohne den geliebten Opa und die geliebten Rituale. Aber wir konnten viel und ohne Schwere über ihn reden und er schlief gut in Opa´s Bett. Niemand sonst darf das(!).Ich fahre jetzt zu einer Gedenkfeier, die unser wunderbares Beerdigungs-Institut für alle ihnen in diesem Jahr anvertrauten Personen abhält.Werde vermutlich im gleichen Raum sitzen, in dem ich meinen toten Mann Tag und Nacht bis zur Beerdigung besuchen konnte.Ein Sohn begleitet mich und wir werden die Tränen einfach fließen lassen.

Inaktiver User
26.11.2005, 18:07
stehe im Baumarkt, der zweiten Heimat meines Mannes.Kann nur noch tränenblind zum Auto stürzen. Hatte vergessen, die Wächter aufzustellen.

Hummelchen
26.11.2005, 18:50
Liebe Sontagskatze, es tut mir sehr leid! Ich drücke Dich mal feste!
:ahoi:Hummel

Eine Adventsrose für Dich! (http://db1.fotocommunity.de/neu/pic/45/2316845.jpg) :blumengabe:

Inaktiver User
11.12.2005, 10:44
Gestern war unser 35.Hochzeitstag.Ich hatte große Angst vor diesem Tag.Ich habe überall in der Wohnung Kerzen angezündet.Die Katze kuschelte an meiner Schulter und ich habe Dir Deine Lieblingsplatte von Patricia Kaas gespielt.Wieder ein Schritt auf diesem elendigen Weg, dessen Ende ich nicht sehen kann. Du fehlst mir so.

Eleni
12.12.2005, 09:43
Liebe Sonntagskatze,

auch wenn es ein schwacher Trost ist, Weihnachten und die Wochen davor, sind immer die schlimmste Zeit, fuer uns selbst noch nach Jahren. Nie sonst kann man sich so alleine fuehlen.
Wenn das Fruehjahr kommt, wird es zumindest ein Bisschen besser.

Viele Gruesse, Eleni

Inaktiver User
25.12.2005, 07:59
24.12.2005
überlebt.

Valentine
25.12.2005, 08:46
liebe sontagskatze,

herzlichen glückwunsch!! ich wünsche dir, für die weiteren tage, wochen, monate usw. dass mehr leichte wie schwere stunden kommen!!!!

ganz liebe grüsse und ein *drückerchenfürtapferesontagskatzen*
valentine

Maria55
25.12.2005, 09:58
Liebe Sontagskatze,
ich freue mich, dass Du Heiligabend überstanden hast. Wir haben heute nochmal einen schlimmen Tag. " Feiere" Weihnachten heute erst mit der Familie. Und das ohne Mami.Aber es muss ja wohl sein.
:blumengabe: Mach Dir noch zwei ruhige Tage. Und ich denke auch, wenn der Frühling kommt, wird es auch im Leben aller Trauernden wieder etwas heller.
Maria55

Inaktiver User
25.12.2005, 12:14
24.12.2005
überlebt.




:allesok: :blumengabe:

Henne65
26.12.2005, 19:49
liebe sontagskatze,

ich drücke dich mal ganz lieb und leihe dir meine schulter für einen kurzen moment.

so traurig du jetzt bist (und noch lange sein wirst); du bist reich! :blumengabe:

du hast kinder und enkel; dein mann ist nicht wirklich weg, er lebt in seinen nachkommen, wie schön.
du hast eine schöne jahrzehntelange ehe in liebe hinter dir; diese zeit kann dir niemand mehr nehmen, sie ist für immer in dir.

irgendwann geht es wieder besser, du wirst lächeln, weil dein sohn die gleichen macken entwickelt und der enkelsohn erstaunlicherweise ein ähnliches hobby anfängt.

leider müssen wir alle mal abschied nehmen von geliebten menschen, doch die erinnerungen sterben nie.

nimm dir alle zeit die du brauchst und kümmere dich um die kleine sontagskatze.

ich denke an dich! :wangenkuss:

Henne65
28.12.2005, 10:59
liebe sontagskatze,

habe ich was falsches gesagt? :peinlich:

wie geht es dir?

Inaktiver User
30.12.2005, 19:56
Nein, liebe Henne,
mußte heute den "Geburtstag" meines Mannes mit lieben Freunden überstehen und es war nicht so schön, wie erhofft, sondern sehr bedrückend. Bin einfach nur fertig, fertig.

Henne65
30.12.2005, 20:32
....oh oh, da bin ich aber froh, dass du liebe freunde hast!

du arme maus, das ist so hart, ich würde dich so gern trösten! :blumengabe:

Elisa2
02.01.2006, 13:31
Hallo Sonntagskatze,

auch ich habe vor fast 10 Jahren meinen Mann verloren und stand mit 3 Kindern alleine da. Auch wenn es momentan für dich nur ein schwacher Trost ist. Der Verlust ist zu schaffen und rückblickend kann ich sagen, dass die Zeit der Trauer und Verarbeitung mit die fruchtbarste Zeit meines Lebens war. Heute stehe ich wieder stark und mit beiden Beinen im Leben und habe eine neue Sensibilität für meine Mitmenschen und auch für mich selber entwickelt.
Mein Leben ist in eine andere Richtung als ursprünglich geplant war gelaufen, aber ich kann inzwischen sagen dass mein Leben wieder schön ist.
Sehr geholfen hat mir auch der Austausch in Chats und Foren, da gibt es eine spezielle Seite für verwitwete Eltern , es sind auch Trauernde ohne Kinder dort herzlich willkommen.( gib bei google einfach mal das Suchwort verwitwet ein.., ich kann mir vorstellen dass du auf der HP für verwitwete viel Info und Ansprache finden kannst.
Liebe Sonntagskatze, ich wünsch Dir alles Gute und vergiß nicht, die Zeit die du mit deinem Mann verbringen durftest kann dir keine Macht der Welt mehr entreißen, sie wird immer in Deinem Herzen weiterleben, anfangs schmerzt die Erinnerung noch sehr, aber eines Tages wird sie zu etwas sehr wertvollem in deinem Leben heranreifen.

Liebe Grüße
Elisa

Inaktiver User
02.01.2006, 20:23
Ja, im Prinzip stimme ich Euch zu. Meine Erinnerungen sind voll und begleiten mich auf Schritt und Tritt. Nur,ich bin nicht mehr am Anfang oder in der Mitte eines Frauenlebens.Ich habe 35 Jahre Eheleben gehabt.Jahre der Kindererziehung, Ausbildung, Berufsleben, existentiellem Kampf ums Finanzielle, Umzug und Partnerkonflikte, all das mündete vor ca 10 Jahren in unsere Bereitschaft beieinander zu bleiben, miteinander alt zu werden. Wir haben uns noch einmal neu entdeckt und in den vier Jahren der schweren Erkrankung sind wir zu einer Symbiose verschmolzen. Ich bin amputiert, nur noch die Hälfte eines Ganzes und werde dies nun die restlichen Jahre meines Lebens bewußt auch bleiben. Natürlich werden die Schnittstellen abheilen, aber ich werde mit den Narben zurückbleiben.Für mich gibt es Treue oder keine Treue. Dazwischen ist nichts.Dies wird mein zukünftiges Leben sein, von dem ich immer noch nicht weiß, ob ich es akzeptieren will. Nein, ich bin nicht selbstmordgefährdet.Ich würde dies meine Kindern nicht antun. Aber wie in Trance,tastend. Wenn der Schmerz durchbricht, hellwach und schreiend. Die Wellen werden aber länger.

Emiliana
02.01.2006, 23:50
Liebe S. Habe Dir eine PN geschickt. LG

Inaktiver User
03.01.2006, 14:06
Liebe Sontagskatze, auch ich habe dir eine PN geschrieben
Liebe Grüße
Rasma

Inaktiver User
07.01.2006, 19:18
Vorab - hierzu ist kein Kommentar nötig. Aber da ich all mein Leid hier reinstelle, möchte ich für Betroffene, die mitlesen, auch dieses einfügen.
Nichts ist gut - und gut ist es. Nur peripher an H. gedacht. Nicht mit dem üblichen
scharfen Schmerz.Das neue, leere Jahr macht etwas mit mir.
Habe es gewagt und bin über fremde Autobahnen nach W. gefahren, um mir in einer Klinik, in der H. zuerst behandelt wurde, die neueröffnete Palliativ-Station (Station für Sterbende)anzuschauen. Habe in einem Zimmer gestanden, das H. Sterbezimmer aufs Haar glich und bin nicht ausgeflippt.
Bin die alten Wege gegangen, war auf der Dachterrasse rauchen und habe nur immer bei mir gedacht:damals waren wir so verzweifelt und die Chemos haben H. so fertig gemacht. Aber was gäbe ich, und sicher auch H. darum, stünden wir noch beide lebend zusammen.Da war es die kleine Hölle, aber wir hatten keine Ahnung (gott sei dank) wie groß die Hölle noch werden würde.
Bin froh, daß ich wieder ein Krankenhaus betreten und souverän Auto fahren konnte.
Gut gemacht, mein Mädchen.

Inaktiver User
15.01.2006, 07:32
Es war nur ein trügerisches "hab´s gepackt". Habe einen Hörsturz erlitten und weine wieder viel.Und wundere mich trotzdem nicht. Plane eine Woche Urlaub mit Freunden und wache jede Nacht gegen 4.00 Uhr auf. Sehne mich nach Sonnenschein und lege mich mittags auf die Couch, um den ganzen Tag nicht mehr rauszugehen. Gehe in eine dreistündige Oper und verstecke mich am nächsten Abend um 19.00 im Bett. Achterbahn - und kein Knopf zum Anhalten.

Levin
15.01.2006, 09:39
Liebe Sonntagskatze,
wir sind wohl beide Frühaufsteher !!
Zuerst , ich kann deinen Schmerz nur bedingt teilen, denn ich habe einen solchen Verlust
noch nicht erlebt, d.h. nicht ganz, mein Vater ist früh gestorben und ich bin auch heute noch, fast 30 Jahre danach,manchmal unendlich traurig !!
Aber meine beste Freundin hat vor 2 Jahren ihren Mann durch Krebs verloren, er war gerade mal 34 Jahre alt und sie stand da mit 3 kleinen Kindern !
In den ersten Monaten war es ganz furchtbar, sie hat einfach nur noch funktioniert,
und wir Freundinnen konnten nichts machen als sie in den Arm zu nehmen und sie daran
zu hindern, wenn der Schmerz sie wieder einmal fast ohnmächtig werden ließ , sich umzubringen.
Jetzt, 2 Jahre später, geht es ihr besser, natürlich ist sie oft traurig, aber der Schmerz läßt tatsächlich nach und es gibt viele Augenblicke, in denen wir wieder
lachen können und Rainer in unsere Gespräche mit einbeziehen, wir reden über ihn und lachen über ihn, erinnern uns an Situationen mit ihm.
Du brauchst einfach Zeit, so banal das klingen mag, und die Rückfälle werden weniger, das kann ich dir versprechen, aber sie kommen und sie werden immer ein Teil deines künftigen Lebens seins.
Aber die schönen Zeiten mit deinem Mann kann dir niemand nehmen, und diese Erfahrung, eine glückliche Ehe geführt zu haben, wird nicht jedem zu teil, vielleicht kann dich das ein wenig trösten, und wenn ich manchmal ganz traurig bin, dan stelle ich mir vor, wie Rainer und mein Vater irgendwo da oben sitzen und wild diskutieren und uns zugucken, wie wir das hier unten regeln !
Die Liebe versöhnt uns mit dem Leben, du hast die Liebe über einen langen Zeitraum leben dürfen, sei dankbar dafür und ich wünsche dir Kraft für dein restliches Leben !! Alles Gute !

Inaktiver User
15.01.2006, 17:58
Du willst mich trösten, ich weiß. Aber es macht mich eher wütend. Diese Beziehung ist mir nicht unverdient in den Schoß gefallen. Sie war z.T. hart erkämpft, ausgehalten, neu verhandelt, mit Herzblut gelebt. Und deshalb so kostbar.
Laß mir meine Trauer.

Bernsteinmond
15.01.2006, 21:54
wenn du deine trauer nicht lebst, wirst du nie wieder leben!

Saphra
16.01.2006, 13:01
liebe sontagskatze,
habe gerade gelesen das du gestern wohl einen hoersturz erlitten hast und hoffe du bist sofort zum facharzt damit dieser gleich eine entsprechende therapie einleiten kann. dies sollte moeglichst der ersten 24 stunden passieren, dann ist die chance noch am groessten um das hoervermoegen zu retten.
ganz liebe gruesse
schickt dir saphra

Inaktiver User
30.01.2006, 20:08
Heute endete bei mir die Trauertherapie, die die Uni Trier über das Internet auch hier im Forum angeboten hatte. Wir sollten uns darauf konzentrieren und möglichst nichts anderes schreiben, also auch nicht hier.
Nach dem eine Provider-Störung behoben war, klappte die Betreuung sehr gut. Es war sehr intensiv, bei mir sehr schmerzhaft - aber es hat mir Klarheit und eine gewisse Akzeptanz meiner Situation gebracht. Also, wer daran interessiert ist/war, es ist empfehlenswert (Schreiblust vorausgesetzt)

Maria55
31.01.2006, 00:15
Hallo Sontagskatze,
schön, dass sich die Probleme mit Trier geklärt haben. Viel Erfolg weiterhin bei Deiner Trauerarbeit. Meine liegt ja noch vor mir.
LG
Maria55

Inaktiver User
19.02.2006, 10:38
5 Monate und eine Woche.Ich erklimme Berge, in der Hoffnung, auf jedem Gipfel vielleicht den Höhepunkt zu überschreiten - aber ehrlich, dahinter liegt immer ein neuer Berg.Diese vielen "erste Male". Zum ersten Mal allein eine Woche in Urlaub, das erste Mal zurückkommen in die leere Wohnung, das erste Mal nicht erzählen, nicht teilen zu können.Mein Körper reagiert wie nach einer Betäubung. Alle Wehwehchen kommen, überall zwackt etwas.Ich funktioniere im Job, aber danach will ich nicht mehr rausgehen, nur meine Ruhe haben.Wie viele Facetten hat diese Trauer?

Inaktiver User
20.02.2006, 16:36
Liebe Sontagskatze :wangenkuss:,

sei einmal virtuell umarmt :wangenkuss:. Ich trauer auch nach 12 Jahren um meine Schwester. Berge gibt es immer wieder, aber man kann immer länger ausruhen dazwischen. Ich bin weicher, sanfter geworden... verletzlicher...

Alles Liebe von mir
:blumengabe:

Inaktiver User
20.02.2006, 18:11
Hallo Sonntagskatze,



5 Monate und eine Woche.Ich erklimme Berge, in der Hoffnung, auf jedem Gipfel vielleicht den Höhepunkt zu überschreiten - aber ehrlich, dahinter liegt immer ein neuer Berg. Diese vielen "erste Male". ......Wie viele Facetten hat diese Trauer?



Ich glaube, deshalb gibt es den alten Ritus vom Trauerjahr.
Das erste Jahr ist so eins. Weil alles zum ersten Mal "ohne" erlebt wird. Geburtstag, Ostern, Weihnachten...

Ich habe jetzt zwei Jahre hinter mir und kann nur sagen, das zweite Jahr ist anders als das erste.
Für mich: ganz anders.
Schwer zu beschreiben.
Es kommen dann zwar nicht mehr diese Berge, aber dafür andere, welche, die sich mehr in meiner Persönlichkeit manifestieren.
Lass dich umarmen!

Trauern ist ein Prozess, der sehr lange dauert, glaube ich.
Bis ans Lebensende.
Es gehört zum Leben (so bescheuert das jetzt klingt), es IST Leben. Und zwar deins.

Viele Grüße :blumengabe:

Inaktiver User
05.03.2006, 12:10
Aufhebung:
Sein Unglück
ausatmen können.
Tief ausatmen, so daß man wieder
einatmen kann.
Und vielleicht auch
sein Unglück sagen können,
in Worten,
in wirklichen Worten,
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte -
und weinen können.

Das wäre schon fast wieder Glück.

Erich Fried

Hier glitzert die Sonne und reflektiert den gleißenden Schnee.
Märchenlandschaft an einem ruhigen Sonntag.
Grüße an alle.

Inaktiver User
05.03.2006, 14:24
Das ist wirklich ein schönes Gedicht - vielen Dank dafür. Es beschreibt wirklich gut, was ich auch gefühlt habe in den letzten 4 Jahren und auch heute immer wieder fühle.
Jeder Tag heilt ein wenig mehr - an manchen Tagen merkt man es, an anderen Tagen sieht man nur Berge, so wie Du es beschreibst. Ich wünsche Dir einen friedlichen Sonntag und einen schönen Start in die neue Woche.
Kranich :zauberer:

Inaktiver User
07.03.2006, 19:56
Schwärzester Tag seit Wochen.Um mich herum tobt das Leben. Der Sohn montiert was in der Küche, der Nachbar fragt, ob er mir Bio-Äpfel mitbringen soll.Ein Freundin ruft an - und ich bin ganz allein. Nichts erreicht mich wirklich.Ich bin todtraurig, ohne
akuten Grund, meine Augen brennen vom Nichtweinen. Ich kann nicht mehr, ist alles was ich wirklich deutlich spüre.
Ich schreibe dies hier nur für jene hin, die ähnliches erleben und auch am Verzweifeln sind.

Nanari
23.05.2006, 15:38
Hallo Sonntagskatze,
wie geht es Dir heute ? Du hast lange nichts mehr geschrieben und Deine letzte Mitteilung, so düster sie klingt, ist Monate her.
Ich habe eher zufällig Deine Beiträge hier gefunden (bin über eine Suchmaschine hier gelandet). Mein Vater starb im letzten Jahr ebenfalls an Leukämie und ich suche nach Wegen. Wegen, von denen ich nicht weiß wohin sie führen; oder wohin sie mich bringen sollen. Weg von 'hier'? Um nicht hier sein zu müssen.
Ich verliere mich in Funktionalität und lebe als Untote, die es zwar weiß, jetzt aber wartet, daß der Körper endlich seinen Geist aufgibt; oder die Welt im Meer versinkt. Ich dachte und fühlte bislang, schwärzer könnte es um mich herum nicht sein und begann schon fast ein wenig stolz auf mich zu sein, es aushalten zu können. Jetzt macht es mich fast ohnmächtig zu sehen, an welchen Orten ihr seid, wo meine Mutter angekommen sein mag. Und mich überkommt dabei ein Hauch von Bewunderung und ehrlichem Respekt für Dich. Neben der jetzt neuen und schier unbändigen Angst, daß meine Mutter vielleicht bereits da ist, wo Du bist..
Ich hoffe Du bist noch nicht untergegangen.. :wangenkuss:

N.

P.S. Wer immer den Satz aus einem Gedicht 'Wir sehen uns später' hier eingestellt hat: Danke. Mein Vater ist beim Lesen dieses Satzes neben mir aufgetaucht; und er ist noch da. Ich sehe ihn lächeln, seine weichen Gesichtszüge, seinen sanften Blick und ich spüre, daß uns unsere Liebe verbindet und wir uns wiedersehen. Auf die eine oder auf eine andere Weise. Ist diese Gefühl Glück - oder fühle ich mich nur glücklich ?

Inaktiver User
25.05.2006, 20:33
Ja, ich bin immer noch da und lese regelmäßig mit. Ich lebe, wenn ich auch nicht genau sagen kann, wie. Ich versuche verzweifelt, meinem Leben einen Sinn zu geben.Aber es kommt nicht aus mir heraus, sondern ich versuche, irgendwelche Tapferkeitsmedaillen zu gewinnen.Seit einem Monat lebt eine russische Gastschülerin bei mir für drei Monate.Ich war zur Eigenbrötlerin geworden und muß mich jetzt um einen 15jährigen Teenager kümmern und wieder einen normalen Alltag hin bekommen.Das tut mir einerseits gut, anderseits strengt es mich sehr an.Wenn die Zeit mit Alina zu Ende geht, werde ich meine jetzt riesige Wohnung aufgeben und den nächsten Schritt gehen. Ich habe das Gefühl, mich nur noch mit dem Wesentlichen umgeben zu wollen. All den Tand und das Überflüssige weg, reduzieren, verabschieden...klären.
Aber frag mich nicht, wohin das führen soll.
Ich fühle mich untot, wenn ich meine Trauer nicht zulasse oder mir vorschreibe, jetzt endlich wieder zu funktionieren. Was tust Du, daß Du Dich untot fühlst? Stecken Dir Deine Tränen auch im Hals fest? Welche Form von Leukämie? (Entschuldigung bei Mitlesenden: für uns Insider ist so eine Info wichtig Wie lange und wo behandelt? Welches Grauen steckt hinter dem lapidaren Satz "auch an Leukämie gestorben"?)Wenn ich mir nur die Stationen vorstelle und all die Menschen, die dort erkrankt liegen, gefriert mir das Blut. Welche Helden und Heldinnen gibt es dort, welche Tapferkeit.Und dann - . Das Leben ist nicht fair. Darüber komme ich einfach nicht hinweg.Solches Leid und kein Erbarmen, keine Rettung. Puh, jetzt muß ich erstmal wieder Luft holen. Ich freue mich, wenn Du antwortest.
Lieben Gruß

Emiliana
25.05.2006, 21:41
Sontagskatze, wie schön mal wieder was von Dir zu hören. Ich guck hier regelmäßig rein, nur um mal zu gucken, ob Du wieder was geschrieben hast. Du scheinst Dich von Tag zu Tag zu hangeln und das kommt mir von meiner Mutter so bekannt vor. Es gibt dann bessere Tage, wo alles zu laufen scheint und schlechte, wo ein emotionaler Absturz passiert. Bei mir hat das mit dem Abstürzen langsam nachgelassen, allerdings ist natürlich mein Leben auch durch den Tod meines Vaters nicht so vollständig verändert worden wie ihres bzw. Deines durch den Tod Deines Partners. Helfen kann ich nicht, aber immer wieder einen :wangenkuss: schicken. Und wenn nicht hier, doch immer mal wieder in Gedanken. Da sei Dir gewiss!! E.

Inaktiver User
26.05.2006, 08:23
Emiliana, es tut gut zu wissen, daß sich jemand an mich erinnert.
Mir waren die Worte versiegt. Ich dachte, ich habe nichts mehr sagen, was ich nicht schon in irgendeiner Form gesagt habe.Mein Problem im Moment ist, daß ich nicht authentisch lebe.Ich kann meine Erkenntnisse aus diesem schrecklichen Verlust nicht umsetzten, weil ich entweder zu träge oder nicht mutig genug bin.Ich sehe die Sinnlosigkeit meiner Arbeit und die Unmöglichkeit sie (finanziell) aufzugeben. Ich würde gern an der Nordsee leben und traue mich nicht aus der vertrauten Umgebung weg.Ich putze 110 qm Wohnung, nur weil sie vorhanden ist, ect.ect. Ich ängstige mich vor dem Weiterleben, obwohl doch gerade ich weiß, wie schnell die eigenen Welt auf dem Kopf steht und alles andere unwichtig werden kann.
Allerdings vertraue ich darauf,daß ich bisher in meinem Leben Unerträgliches irgendwann immer in einer Befreiungsaktion überwunden habe.Vielleicht ist diese Phase jetzt die des Bewußtwerdens meiner Widersprüche und des nicht mit mir im Einklang leben. Vielleicht mußte ich verstummen, um Kraft zu sammeln.
Lieben Gruß

Inaktiver User
30.05.2006, 12:24
Hallo Sonntagskatze,

Ich hab den Strang gerade quer gelesen und möchte Dir mein herzliches Beileid aussprechen. Ich finde, es klingt gut, dass Du jemand Fremdes (Alina) bei Dir wohnen lässt; auf wenn's anstrengend ist. Und es klingt auch gut, dass Du in eine neue Wohnung ziehen willst. Ein Neuanfang braucht manchmal eben auch neue Räume.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass Du alles alte hinter Dir lassen und vergessen sollst! Bloß nicht! Erzähl doch mal ein bisschen von Deinem Mann. Was ist das Besondere an ihm gewesen? Oder ist das noch zu schmerzhaft? Oder zu persönlich für dieses öffentliche Forum?

Ich wünsche Dir alles Gute!
Anna

Nanari
30.05.2006, 17:31
Hallo Sonja,

entschuldige, daß ich mich erst jetzt und auch nur kurz melde. Ich bin regelrecht abgestürzt, im Sinne von 'der Boden unter mir hat sich geöffnet' und ich taumele nach dem Aufschlag (?) immer noch blind umher. Alle Sinne blutend.
Mein Vater starb nach 2 Jahren Kampf im Herbst 2005 in der Mainzer Uniklinik an AML. Aber das stimmt nur zum Teil. Weder ist er einfach <font color="orange">nur[/COLOR] (dieses Wort ist eine Perversion) 'gestorben', noch war es letzlich die AML - ich glaube Du verstehst sehr genau, wie ich das meine.
Ich wollte Dich nur wissen lassen, daß ich noch da bin. Sorry, aber zur Zeit stürzt alles über mir zusammen und ich schaffe es einfach nicht auf die Beine zu kommen, geschweige denn auf die Knie. Mach Dir keine Gedanken um mich. Mein Freund und meine Familie sind ein Geschenk des Himmels - auch wenn ich an den nicht mehr so recht glauben kann und will.

Ich hoffe ich kann Dir in einigen Tagen etwas länger schreiben. Jetzt schaffe ich das einfach nicht, ohne beim Schreiben anzufangen zu schreien.
Fühl Dich bitte ganz herzlich umarmt, Sonja.

N.

Inaktiver User
31.05.2006, 21:31
Ich glaube nicht an Zufälle. Du hast uns gesucht und gefunden. Ich habe meine Beiträge hier oft tränenblind und im Tauchgang geschrieben.Also schreib Deine schreiend, wenn es erforderlich ist.Und klage - trotz tollem Freund und Familie.
Dies ist nur die eine Seite.
Deine Trauer ist noch viel mehr.Zorn, Wut, Verzweiflung - dieses "Nie mehr", an dem ich mir noch immer die Stirn blutig schlage. Diese unfassbare Sehnsucht.Und Dein jetzt bedrohliche Wissen, was Tod bedeutet.
Wir sind im tiefsten Innern erschüttert und berührt. Wie sollen wir zur Tagesordnung zurückkehren, wenn wir noch nicht einmal begreifen, wieso die Erde sich weiterdreht?
Es ist zum Schreien.
:entspannen:
Pass auf Dich auf - im Sinne von: laß es zu
Liebe Grüße

Inaktiver User
30.08.2006, 19:53
Der erste Jahrestag kommt auf mich zu. Am 12.9.2oo5 verlor ich meinen Mann.
Jetzt sitze ich vor dem PC und kann vor Zorn kaum klar denken.
Ich habe dieses Jahr geschafft, ohne übermäßig zu klagen oder meine Freunde in den letzten Monaten mit meiner Trauer zu belasten.Ich funktioniere, arbeite, helfe anderen, gehe zu Festen.
Letzten Sonntag hat mir eine Gruppe von Freunden verweigert, mich an einem Gemeinschaftsgeschenk zu beteiligen. Das wäre ja jetzt ungerecht, weil ich alleine bin.
Meine Bitte, mir doch vielleicht zum Jahrestag Gedanken oder kleine Geschichten über meinen Mann für den Abschluß meines Trauerbuches zu überlassen, ist zum großen Teil auf peinliches Schweigen oder direkte Ablehnung gestoßen. "Ich solle mir doch nicht immer noch selbst weh tun". "Ach, sie seien immer noch nicht dazu gekommen" ect.ect.
Gerade eben habe ich mich von meiner besten Freundin verabschiedet und ihr mitgeteilt, daß ich an die Nordsee fahre (die ich liebe) und sie hat mir kurz und bündig erklärt, daß sei ein falscher Weg. Ich würde mich nur zum Heulen verziehen und das wäre nicht gut .
Ich bin so geschockt, weil ich diese Mißachtung der Trauergefühle schon in anderen Threads gelesen und geglaubt habe, daß mir dies nicht passieren würde. Aber nun ist es doch so und es macht mich fertig.
Versteht mich nicht falsch. Wenn mich jemand mit Anteilnahme fragt, ob mir es gut tut, alleine wegzufahren, sie sorgten sich,
dann kann ich das sehr wohl annehmen und bedenken. Aber mir einfach nur mitzuteilen, ich begehe einen falschen Weg - echt, das haut mich um. Als ich auf einer Erklärung bestand, fing sie an, mir vom Umtopfen ihrer Pflanzen zu erzählen und es habe ja keinen Sinn darüber zu reden, ich hätte ja schließlich bereits gebucht.
Was kann daran falsch sein, diese Woche mit mir und in Gedanken mit meinem Mann allein sein zu wollen? Den Wolken zuzusehen, lange zu schlafen, am Meer den Wind spüren und ja, vielleicht zeitweise sehr traurig zu sein oder zu weinen?
Eine Woche keine tapfere Grimasse.
Was ist daran nicht in Ordnung? Nach zwölf Monaten?

Pemaus
30.08.2006, 21:26
Liebe Sonntagskatze, daran ist alles in Ordnung, in allerbester Ordnung. Ich wünsche dir einen wunderschönen Urlaub, mit lieben Gedanken an deinen Mann, mit Tränen, mit Lachen, eben einfach mit Dir an der Nordsee und deinem Mann im Herzen immer dabei.
Glaub mir sie meinen es nicht böse, aber sie können es einfach nicht nachvollziehen, den es ist ja auch einfach nicht nachvollziehbar wenn man es nicht selbst erlebt hat.
LG
Petra mit Claudia für immer

Emiliana
30.08.2006, 21:38
Ach Sonja! Jetzt hatte ich Dir einen gaaanz langen Text geschrieben und der ist irgendwie im " Computerhimmel" verschwunden. Schade. Ich wollte Dir nur sagen, das ich es unbedingt eine gute Idee finde, am Jahrestag ans Meer zu fahren. Ich meld mich morgen noch mal per PN, hab heute einen Kopfweh-Tag und kann nicht noch mal alles aufschreiben. Fühl Dich umarmt!! E.

Inaktiver User
31.08.2006, 09:08
Liebe Sontagskatze,
du machst alles richtig, hör auf dein Gefühl und sei mit dir und den Wolken und der Nordsee "alleine".
Ich verstehe dich so gut, bin auch gerade sehr wütend (auf jammernde Alte).

Gib dem See-Wind deine Wut und Enttäuschung über die Freunde, er wird diese Gefühle davontragen und dir diese Last abnehmen.

Gute Fahrt, und gute Heimkehr und ein noch "guterer" :smirksmile: Zeitraum dazwischen !


Lavendelmond

Inaktiver User
31.08.2006, 20:23
Ihr Lieben, danke schön. Ich fahre.

Henne65
31.08.2006, 20:40
liebe sontagskatze,

ich wünsche dir auch einen schönen urlaub, in dem du ganz bei dír sein kannst und deine gedanken nur der see mitteilst; ich finde das eine wunderbare idee und kann es absolut verstehen.

schade, dass deine umwelt so reagiert; das tut mir sehr leid für dich.

ich werde am 12.9. an dich denken (und bestimmt viele andere hier auch) und schicke dir ganz liebe warme grüße. :blumengabe:

Emiliana
01.09.2006, 23:34
Hallo Sonja! Hab Dir PN geschickt.

Elisa2
03.09.2006, 15:36
Hallo Sonntagkatze,

nach langer Zeit bin ich auch mal wieder hier. Ich kann dich nur bestärken, dass du dir diese Woche Auszeit nimmst. Auch ich bin in den Jahren der Trauer immer wieder mit meinen Kindern an die Ostssee gefahren, ging leider nur 1 - 2 mal im Jahr, da 8ookm entfernt.
Diese Zeit habe ich sehr genossen und habe den Blich aufs Meer, die Wellen und den Wind bewusst erlebt und mich davon tragen lassen.
Heute denke ich dass diese Erfahrungen sehr heilsam für meine Seele waren.

Vor ca. 3 Jahren erlebte ich nochmals eine tiefe Trauerphase im September (ich hätte damals meinen Mann 25 Jahre gekannt und wir feierten immer unseren "Kennenlerntag"). Ich fuhr nach der Arbeit ganz alleine an einen Bergsee im Allgäu, setzte mich ans Ufer und lies einfach meine Gedanken kommen, notierte sie z.Teil und habe diesen Tag mit mir alleine und meinem Mann im Herzen verbracht. Es kehrte ein großer innerer Frieden ein, ich bezeichne dieses Ereignis heute eigentlich als endgültigen Abschluß der Trauerarbeit. Seither kann ich akzeptieren, bin sozusagen wieder mit meinem Leben versöhnt und sehe nicht mehr in vielen Problemen des Alltags unseren Schiksalsschlag als Ursache.

Liebe Sonntagskatze, nimm dir die Zeit die du brauchst für dich und geniesse das Alleinsein und lass deine Seele heilen. Ich sehe es anders als deine Bekannten, du bist nämlich auf einem guten Weg, auf dem Weg zu Dir , auf einem Weg zu einem Leben mit der Liebe deines Mannes im Herzen und die Trauer wird immer ein klein bischen kleiner.

Liebe Grüße und alles Gute
Elisa

Inaktiver User
12.09.2006, 11:03
6.9.
Es gab gestern einen Punkt, wo die Panik ging und ich mich faßte.
Plötzlich war mir unwichtig, an welchem räumlichen Ort ich war. Sekundär, ich bin ja überall mit mir alleine. Ich, mit mir allein.Ich wurde ruhig mit der Gewissheit, es ist so. Völlig banal.
8.9.
Ich bin erleichtert. Ich stehe aufrecht.
Gestern Nacht bekam ich ein grandioses Naturschauspiel geboten.Ostfriesische Wetterkapriolen.Es zog eine Vollmondnacht heran.Gleißendes Mondlicht überflutete den Garten. Wolkengebirge
türmten sich auf und segelten und sausten am Himmel entlang.Das Mondlicht ging an, ging aus, ging an.
Als ob ein Schalter betätigt würde, verschwand meine Umgebung in Schwärze, um dann wieder ins Licht getaucht zu werden. Der Mond hing so tief, daß man glauben konnte, man brauche nur eine Leiter, um ihn zu erklimmen. Jeder Krater, jeder Gebirgszug war mit bloßem Auge zu erkennen. Waren die Wolkengebirge weiß, wurde das Mondlicht erträglich gefiltert. Zogen die schweren, vollen Wolken vorbei, verdunkelte sich die Welt und an den Rändern der Wolken sprühte es goldene Umrandungen, wenn der Mond wieder eine Lücke fand. Dazu ein kräftiger Wind, der durch die Kastanienbäume fegte und alles um mich herum blies, rauschte und jagte die Wolken in aberwitzigem Tempo zu diesem grandiosen Schauspiel. Hätte ich eine Auto dabeigehabt, wäre ich nach Diekskiel zum Deich gerast, hätte mich in die Dünen geworfen und wäre ein staunendes, glückliches Menschenkind gewesen. Aber auch hier, mitten im Ort, ist es wunderschön. Ich muss immerzu lächeln.

Inaktiver User
12.09.2006, 11:16
Ich bin und bleibe überwältigt von den lt. vier Jahren, die wir miteinander gelebt haben. Von Horst´s Mut, mich einzubeziehen, sich niemals kränkend meiner Nähe oder Angst zu verweigern. Ich bin stolz auf das gegenseitige Halten und Tragen. In meinem tiefsten Innern werde ich diesen Schatz hüten. Und natürlich bin ich dadurch auch (freiwillig und unfähig, es anders zu tun) ein großes Stück mitgestorben. Meine Exaltiertheit, mein Beharren an meine Erinnerungen, mein Schmerz über diesen unendlichen Verlust - es steht mir zu. Ich werde nie wieder die Person sein, die ich vor Horst´s Erkrankung war.Will ich auch nicht. Zu kostbar ist mir alles, was ihm und uns widerfahren ist.
Es wäre eigentlich einfach, mich zu lassen. Ich kann mich mittlerweile zurückholen aus Weinen und schmerzlichen Gefühlen. Ich habe einen Überlebensinstinkt in mir, der immer wieder zuverlässig anspringt. dazwischen hätte ich gern die Täler des Nicht-Tapfer-Sein-Müssens:
das tränenumflorte "...und weißt Du noch", das Messer im Herzen bei"...heute wäre", das lächelnde "...und jetzt hätte Horst gesagt", und die Tage stolz und tragend "...so stark, wie Horst damals".
Ehrlich, ich scheiß auf Euch alle, die Ihr mich nicht so ertragen könnt.
11Uhr. Dieser Satz hat mich eine mittlere Panikattacke gekostet. Sonja, die es nicht recht machen wird.

Inaktiver User
12.09.2006, 11:22
Beim Bezahlen der Ferienwohnung fragt mich meine Wirtin, ob ich das gestrige Himmelsspektakel gesehen habe. Sie traue es sich kaum zu sagen. Ihr Mann habe sie schon ausgeschimpft, sie würde wunderlich.Aber der Mond sei rotgolden gewesen und habe auf der falschen Seite des Himmels gestanden.
Ja, sage ich. Ja, ich habe es gesehen.

9.9.
Bin gut ausgeschlafen aufgewacht. Der Mond gestern abend schien still. Die Bäume standen ruhig und kein Blatt regte sich. Der Wind hat sich gelegt.
Heute, vor einem Jahr bist Du ins Koma gefallen, mein Liebster. Wo immer Du bist, meine ganze Zärtlichkeit hüllt Dich ein. Ich wiege Dich, mit Deinem Kopf an meiner Schulter.

Elch
12.09.2006, 11:51
Ich denke an dich, Sonntagskatze. Behalte deinen Liebsten immer im Herzen, im Kopf, in den Gedanken und sprich über ihn. Ja, denke und sage laut, "das hätte Horst jetzt gesagt".
Das ist wichtig, das ist berechtigt, das ist doch normal!
Er ist doch erst 1 Jahr weg -
Gott, die Zeit ist doch stehen geblieben, die Erde dreht sich nicht mehr für dich. Wie können "Freunde" erwarten, dass du schon aufhören sollst zu trauern, wenn dein Liebster, dein Leben, deine Zukunft gegangen ist?!
Alles Liebe für dich!

Henne65
12.09.2006, 16:43
liebe sontagskatze,

ich möchte dir auch gerade heute einen lieben gedanken schicken. was ist denn schon ein jahr...?

du hast das naturschauspiel mit so wunderbaren worten beschrieben, dass ich es förmlich sehen konnte; unglaublich schön *gänsehaut*!

ganz liebe grüße an dich und an alle deine gedanken, ob traurig, wütend, lächelnd, fassungslos...

das bist alles du! :wangenkuss:

Inaktiver User
12.09.2006, 18:29
ja, ich habe es auch "sehen können" - wohlige Schauer auf der Haut !

Sontagskatze, ich habe viel an dich gedacht in den letzten Tagen,
und besonders heute: 12.9.

Ist heute nicht "der Tag" ?

Ich bin so stolz auf dich - für den Satz, der dir eine mittlere Panikattacke bescherte, du bist auf einem guten Weg !

Jetzt ist deine Zeit... eure Zeit !!!



herzlichst, Lavendelmond

Inaktiver User
14.09.2006, 08:09
Frühstadium, wahrscheinlich alles erwischt, gut therapierbar, engmaschige Kontrollen. -
Mein Sohn hat am 1. Todestag seines Vaters die eigene Krebsdiagnose bekommen.
Ich bin unfähig, irgendein Gefühl zu zulassen. Bewege mich in Zeitlupe.

Henne65
14.09.2006, 08:15
...oh nein...

wieviel sollst du noch aushalten?

ich bin sprachlos...

Inaktiver User
14.09.2006, 09:32
Frühstadium, wahrscheinlich alles erwischt, gut therapierbar, engmaschige Kontrollen. -
Mein Sohn hat am 1. Todestag seines Vaters die eigene Krebsdiagnose bekommen.
Ich bin unfähig, irgendein Gefühl zu zulassen. Bewege mich in Zeitlupe.



ich bin fassungslos
was für ein Schock für dich
und für ihn !

aber so ist das "mit dem Leben" , manchmal möchte man nur noch wutentbrannt draufschlagen, auf den, der einem das alles zumutet, wenn man denn noch Kraft für Wut hat -
wir haben dieses Jahr den zweiten Sohn fast ans Feuer verloren

irgendwann ist das alles nur noch absurd und man kann nicht glauben, dass das alles wirklich passiert

aber so ist das wirklich, nur weil man grad einmal durch die Hölle gegangen ist und wieder rausgefunden hat, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass man nicht wieder gleich hineinstolpert oder geschubst wird


Sontagskatze, Liebes, dein Sohn wird sicher wieder gesund !!!
Laß uns fest daran glauben !




Lavendelmond

Emiliana
25.09.2006, 22:35
Liebe Sonja! Bitte melde Dich doch bei uns. Hier sind viele die mitfühlen. Und ich persönlich würde so gerne wissen was bei Dir los ist. Z. b. was für einen Krebs Dein Sohn hat . Bin selber Medizinerin und fühle mich deshalb mit Infos irgendwie "sicherer". Außerdem bist Du mir so ans Herz gewachsen... Gib doch bitte mal laut... Du bist nicht allein in Deinem Kummer!!

Inaktiver User
28.09.2006, 19:18
Ach Emiliana. Hautkrebs. Klingt so schön harmlos, ist es aber nicht. Ist in der rückwärtigen Wade ( und deshalb so schlecht zu bemerken) nach innen gewachsen und hatte sich schon bis kurz vorm Knochen gut "verwurzelt".
Wir haben uns wieder einigermaßen gefaßt, aber ich war mir im Nachhinein böse, daß ich es hier reingeschreiben habe. Das Drehbuch zu einer Hollywoodschmonzette klingt ja noch glaubwürdiger.Er ist in der Uniklinik FFM in guten Händen, aber da war mein Mann auch. Und das ist für mich ein stark begleitendes Gefühl.
Liebe Grüße

Henne65
28.09.2006, 21:13
liebe sonja,

bist du dir erst mal bitte absolut nicht böse, dass du *uns* das erzählt hast???

mensch, du leidest! und zwar zu recht!

vielleicht (dickes *vielleicht*) hätte eine frau, die nicht gerade damit beschäftigt ist, den verlust ihres geliebten lebenspartners zu verkraften, nicht gleich *alarm* geschlagen wegen eines melanoms, aber das ist doch so was von egal.

(abgesehen davon, dass es wirklich nicht gerade harmlos klingt *daumendrück*)

ich bin froh, dass du dich gemeldet hast und wünsche dir und deinem sohn alles gute! :blumengabe:

Inaktiver User
29.09.2006, 05:30
Liebe Henne,
Dein zarter Flügelschlag hat mich gestreichelt.
Ich drück Dich

Emiliana
09.10.2006, 20:25
Liebe Sonja! Wenn es ein Melanom ist, ist das tatsächlich keine Harmlosigkeit. Insofern ist Deine Sorge begründet. Zu der Trauer um Deinen Mann kommt jetzt auch noch die Sorge um Deinen Sohn. Verdammt, das ist wirklich mehr als ungerecht!!!!
Aber die Hollywood-Schonzetten haben immer ein Happy-End. Ich hoffe ganz doll mit Dir, das es in diesem Fall auch so sein wird und sende eine dicke, kräftigende Umarmung! Wenn Dir danach ist, sprich weiter mit uns, ich glaube es gibt viele, die an Dich denken. E.

Inaktiver User
30.10.2006, 21:30
Im Strang von Pemaus wird z.Zt. die Trauer um sich selbst problematisiert. Ich möchte dort aber nicht stören und versuche es hier noch einmal für mich zu artikulieren.

Ja, der scharfe Schmerz, die Sehnsucht nach dem Liebsten hat nachgelassen und sich verändert. Akzeptanz ist zwar auch nicht das richtige Wort - eher Gewöhnung - aber so in etwa fühlt es sich an.
Aber da ist eine Schwere, ein Traurigsein, das nicht weichen will.
Ich kann aktiv eine Sache betreiben, lachen und mich für Stunden lebendig fühlen, um dann wieder in diese bleierne Schwere zurück zufallen.
Ich habe mich heute für eine Psychotherapie angemeldet und sollte kurz erklären, warum ich eine Therapie will. Spontan sagte ich, ich will nach dem Tod meines Mannes mein Leben wieder in den Griff bekommen. Und nach dem Auflegen des Telefonhörers dachte ich: nein, ich möchte wissen, warum ich weiter lebe soll.

Warum kann ich hier nicht aufhören? Es ist genug, ich habe es 14 Monate ausgehalten, weil ich die Hoffnung hatte, es ändert sich. Keine Effekthascherei. Warum soll ich weitermachen...?

Ja, jetzt trauere ich um mich. Um meine verlorene Sicherheit, emotional wie finanziell. Um die "Früchte meines Lebens", die sich in einen trostlosen Acker verwandelt haben. Ganz selbstsüchtig, egoistisch, selbstbemitleidend, betrogen fühlend, kindisch, ohne Hoffnung.

In den letzten Wochen habe ich weitere Verluste hinnehmen müssen. Mein Vater ist gestorben und mit ihm meine Hoffnung auf ein gutes Wort oder ein Zeichen der Liebe von ihm. Leere Wüste.

Meine Freundin und Kollegin hat sich verliebt ( sie wohnte im gleichen Miethaus wie ich) und zu ihrem Freund gezogen. Es wird
immer einsamer um mich herum. Ich häute mich und häute mich und darunter kommt immer verletzbarere Haut zutage.

Pemaus
30.10.2006, 21:53
Liebe Sonntagskatze,
fühl dich ganzzz fest umarmt. Ich kann deine Gedanken sooo gut verstehen und auch ich weiß für mich noch nicht wo es wohl hingeht. Wann die letzte Haut geht, was dann noch von mir bleibt und wie ich damit weitermachen kann.
LG
Petra

Henne65
30.10.2006, 21:54
hallo liebes,

ja, so ist das wohl, dein leben mit der trauer...

was ich immer wieder auf gruselige weise faszinierend finde (weil ich selbst in der art noch gar nicht mitreden darf), die geschichten ähneln sich, die ich als hoffentlich mit-fühlender mensch ohne vergleichbare erfahrung hier lesen darf.

du machst deinen ganz individuellen prozess durch, und doch, es ist eine phase des häutens, des wütendwerdens, die nach dem allerersten harten unerträglichen schmerz kommt, und zwar scheinbar bei jedem, der ähnliches durchmacht.

es tut mir ganz schrecklich leid, dass jetzt auch dein papa gegangen ist (mein eigener ist sehr alt, wer weiß, wie lange ich ihn noch haben darf?).

eine therapie ist eine sehr gute sache, wie ich aus eigener erfahrung weiß, wenn du jemanden findest, dem du vertrauen kannst. aber es wird nicht immer leicht sein.

im gegenteil, du wirst manches mal weinend dort rausgehen.

aber leider leider gehört das zum *erwachsenwerden* im wahrsten sinne des wortes dazu. sonja, wir sind erwachsen, die eltern gehen im normalen fall vor uns, jeder verliert irgendwann den partner, ob frau oder mann. ich habe noch einen vater, eine stiefmutter, einen bruder, meinen sohn, meinen partner und einige sehr gute freundinnen. da ich (bis auf den sohn natürlich) die jüngste von allen bin, muss ich entweder nach und nach diese grausamen schmerzen aushalten - oder früher gehen.

das ist grausam und nur gemein, aber es ist so.

ich wünsche mir so sehr für dich, dass die abschnitte deiner trauer ihren gang gehen und du irgendwann (wie die meisten) sagen kannst, dass es dir wieder gut geht. das dauert sicher noch eine ganze weile und deinen liebsten wirst du sowieso nie nie nie vergessen; er wird immer in deinem herzen sein.

aber leben ist so schön...

du wirst noch gebraucht, liebe sonja! :wangenkuss:

Lillian2207
31.10.2006, 14:12
Liebe Sonntagskatze,

ich bin seit Juli diesen Jahres in diesem Forum und habe erst heute deinen Strang gesehen. Vieles was ich bei Dir gelesen haben gilt auch für mich: Anfang Mai ist mein Verlobter bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem erleide ich Schmerz, Trauer, Wut, Selbstmitleid und Ablehnung. Einige meiner Freunde oder Familienangehörigen haben mir keinen Raum für die Trauer gegeben und verstehen heute, 6 Monate nach dem Tod meines Schatzes, immer noch nicht, wieso ich mein Leben nicht mehr schaffe. Ich bin fast alleine auf weiter Flur, bis auf mit meiner Mutter und den Eltern meines Verlobten wird das Thema kaum mehr angeschnitten. Ich erhoffe mir hier Halt und Erfahrung mit dem Umgang der Trauer und ich erfahre sie auch. Therapien und Trauerbegleitungen habe ich mitgemacht, ich bin in Urlaub gefahren, habe Tagebuch geschrieben aber nichts hilft wirklich.

Ich kann Dich so gut verstehen, wenn Du Dich nach einem Jahr fragst, wieso Du noch hier bist und wieso Du das alles durchmachen mußt! Wie oft habe ich zu Hause gesessen und mir vorgestellt wie es wäre, jetzt einfach auch gehen zu können. Ihm entgegen, in seine Arme zurück! Ich weiß nicht was mich bis jetzt abgehalten hat: meine Mutter, meine Feigheit, meine Angst meinen Schatz auf "der anderen Seite" doch nicht zu finden? Ich bin immer noch hier und es ist immer noch schlimm. Aber stirbt die Hoffnung nicht auch zuletzt. Hast Du vielleicht auch schon ab und zu ein wenig Sonne an Deinem Horizont?

Ich beneide Dich auch ein wenig, liebe Sonntagskatze. Ich kannte meinen Schatz nur ein Bruchteil von Deinen 35 Jahren, wir wollten nächstes Jahr erst heiraten und hatten noch keine gemeinsamen Kinder.... All das fehlt mir sehr und ich wäre der reicheste Mensch, hätte ich nur ein paar Jahre mehr gehabt.

Das Leben ist nicht zu verstehen. So viele schreckliche Dinge passieren! Aber wir werden es schaffen und irgendwann scheint dann auch für uns ein bisschen die Sonne! Ich hoffe so darauf!

Ich drücke Dich ganz fest und denke an Dich!
Ganz liebe Grüße
Lillian

Inaktiver User
31.10.2006, 15:00
Liebe Lilian,
ich lese schon die ganze Zeit bei Dir mit -

ganz liebe Grüße

Inaktiver User
31.10.2006, 15:09
Liebe Pemaus, liebe Henne -
was mich so mutlos macht, ist, das ich glaube, einigermaßen gut und aktiv mit meine Trauer zu arbeiten. Und trotzdem stürze ich immer wieder ab.
Nein, das ist der falsche Ausdruck. Breitet sich in mir eine Leere aus. Eine Grundstimmung: ich habe jetzt alles versucht und finde keinen Sinn darin.
Aber schön, von Euch zu hören.
Liebe Grüße

Inaktiver User
31.10.2006, 15:14
Liebe Pemaus, liebe Henne -
was mich so mutlos macht, ist, das ich glaube, einigermaßen gut und aktiv mit meine Trauer zu arbeiten. Und trotzdem stürze ich immer wieder ab.
Nein, das ist der falsche Ausdruck. Breitet sich in mir eine Leere aus. Eine Grundstimmung: ich habe jetzt alles versucht und finde keinen Sinn darin.
Aber schön, von Euch zu hören.
Liebe Grüße



Liebe Sontagskatze,
du machst nichts "falsch", das IST einfach so.

Diese Leere, die so schmerzlich ist, kehrt immer mal wieder, selbst nach Jahren noch.
Ich will dich damit nicht entmutigen, weiß Gott nicht, aber damit musst du noch eine Weile leben...... "überleben" wäre wohl besser formuliert.

Es kommt ganz sicher die Zeit, wo der Sinn wieder spürbar wird.

Du brauchst Zeit, Zeit, Zeit und abermals Zeit und Durchhaltekraft und Hoffnung.


Herzensgrüße an dich und die anderen

Lavendelmond

Inaktiver User
30.12.2006, 17:28
Heute, mein Liebster, wäre Dein 65. Geburtstag gewesen. Du hättest am Morgen ein bißchen rumgegruschpelt, damit ich endlich wach werde, um aus dem Bett zu stürzen und Dir Deinen Geburtstag-Frühstücks-Tisch zu decken. Der Tisch hätte sich unter den Leckereien gebogen und langsam wärst Du angeschlurft. Mit einem verlegenen Lächeln hättest du die Geschenke umkreist, um dann zu beschließen, daß wir erst einmal frühstücken. Jedes Jahr die gleiche Provokation und Spannung. Bis zum Schluß konnte ich Dich nicht überzeugen, daß Dir das alles zusteht. Blumen, Geschenke, Kerzen und Freude. Immer warst du ein bißchen ängstlich, das Schicksal könnte auf Dich aufmerksam werden.
Ja, vielleicht hattest Du recht.
Ach so, und von Jan-Lucas, der heute nacht Dein Bett bewohnte, soll ich hinzufügen, er hätte mit dir heute morgen eine Kissenschlacht gemacht und Ihr hättet so gequietscht wie kleine Schweinchen und ich wäre gekommen und hätte Euch aus den Betten geschmissen. Und daß wir Eier im Glas mit Toastbrot gegessen hätten.
Mein Schatz, wir haben Eier im Glas gegessen und und ich gäbe alles dafür, hättest Du die Salzmühle über Jan&#180;s Eiern drehen können.

Inaktiver User
30.12.2006, 18:13
Eine :kerze: für Dich Sonntagskatze. Damit es heute ein wenig hell um Dich ist. Gut, dass Du die alten Gewohnheiten beibehalten kannst. Ist Jan Lucas schon ein Enkel?
Kranich

Inaktiver User
30.12.2006, 19:22
Ja, Jan Lucas ist schon der Enkel und ein Trost zu wissen, dass in ihm ein Stück meines Mannes weiterlebt.
Durch den Enkel bin ich erst vorhin zum Briefkasten - und finde die Zusage zu einer neuen Wohnung !!!
Jetzt geht alles in rund in meinem Kopf.
Erleichterung, dass sich endlich etwas bewegt und meine finanzielle Situation sich durch die kleinere und billigere Wohnung verändern wird.
Trauer, dass ich unsere letzte gemeinsame Zuflucht verlassen werde. Jeder Nagel, jede Schraube - alles hat mein geschickter Mann geplant, ausgeführt und seine Freude daran gehabt.
Verlust - ich muß mich auf zwei Zimmer beschränken und kann viele Dinge nicht mitnehmen.
Die Entscheidung kommt heute. Am Geburtstag meines Mannes, am vorletzten Tag des alten Jahres.
Ich füge mich und bin demütig. Es soll so sein. Es muß weitergehen.
Allen ein friedliches gutes Neues Jahr 2007

Inaktiver User
30.12.2006, 20:11
Liebe Sonntagskatze,

ich bin wahrlich nicht spirituell eingestellt, aber da läuft mir schon ein wenig der Schauer über den Rücken.

Vielleicht ist es ja an diesem Geburtstag ein Zeichen Deines Mannes, dass Du loslassen sollst, nicht mehr für ihn einen Platz bereit halten sollst, Dein eigenes Leben mit Blick auf Deine Zukunft einrichten sollst. Ich glaube schon daran - auch aus eigenem Trostbedürfnis, dass unsere Toten noch eine Weile bei uns sind und begleiten und ab und zu den Weg weisen, damit wir nicht verzweifeln.

Beuge Dich nicht, sei nicht demütig - nimm es als Schritt in eine neue Lebensweise: Du mit Deinem Mann im Herzen, in Deiner Seele. Dein Mann benötigt auf dieser Welt nur noch einen einzigen Platz: im Herzen derer, die ihm nahestehen und ihn nicht vergessen werden. Geh hoch erhobenen Hauptes in Deine neue Umgebung. Bleibst Du denn in Frankfurt?

Kranich

Henne65
30.12.2006, 20:18
achje...

liebe sonja, du weißt ja bestimmt, wie das ist, wenn das alte jahr weicht, werden wir alle durch die bank ein wenig rührselig...:peinlich:

ich habe gerade einige tränen runterschlucken müssen, weil ich an einen netten älteren herrn gedacht habe, der heute 65 jahre alt hätte werden sollen, ach mensch, was tut mir das leid. :heul:

musst du dich denn jetzt sehr beeilen mit der entscheidung, was du mit in die neue wohnung nimmst? oder kannst du alles nach und nach in die hand nehmen, mit dem herzen ansehen, deinen schatz in deinen gedanken fragen?

wie ausgesprochen rührend, dass dir enkel dir was aufgetragen hat, was du dem opa (oder uns :smirksmile:) schreiben sollst; mir geht echt das herz auf.

mein papa wird im januar 75; ich werde ihn wohl mal extra feste knuddeln...

liebe sonja, ich wünsche dir einen guten übergang. wenn du weinen willst, dann weine. wenn du lieber mit deinem enkel kinderfeuerwerk machen willst, dann böller was das zeug hält.

ich drück' dich ganz lieb und wünsche dir ein besseres jahr 2007 und das du auch im nächsten jahr mit dem kleinen jungen eier im glas isst. :blumengabe:

Henne65
17.02.2007, 10:23
liebe sonja,

schade, dass du deinen account hier gelöscht hast. ich denke oft an dich und schicke dir ein paar liebe grüße, falls du hier noch mitliest...

:blumengabe:

Emiliana
19.02.2007, 22:35
Ja, Sonja, die Henne hat recht. Was ist passiert,daß Du nicht mehr hier sein möchtest / oder kannst? Vielleicht liest Du ja noch manchmal mit, sei gegrüßt. Ich denke noch häufig an Dich und Deine Geschichte und die lieben mails. Drück Dich, E.

fuechsine
09.09.2007, 08:26
Der 2. Todestag fällt dieses Jahr auf den Mittwoch. Aber für mich stimmt das nicht. Es war die Nacht von Sonntag auf Montag. Mein Herz ist so schwer, die Trauer im Moment wieder allgegenwärtig.
Es wäre schön, wenn Ihr wieder einen Moment bei mir bleiben würdet.

Was ist, mein Liebster?
Wir könnten still sein
und vorgeben, wir hätten soviel Zeit, wie wir wollten.

Und jeden Tag werden wir weniger haben
und dann -
gar keine mehr.

Wäre es Dir denn lieber gewesen, gar nichts gehabt zu haben?
Nein, dies hier war seit jeher unsere Bestimmung.

:kerze: in tiefer Liebe
Sontagskatze

Inaktiver User
09.09.2007, 10:07
für dich, liebe Sontagskatze, ein Engel der Umarmung (http://www.schirner.com/katalog/images/2000774.jpg)

:in den arm nehmen::blumengabe:

teichmuschel
10.09.2007, 09:07
Liebe Sontagskatze,

ich denke heute ganz fest an Dich.
Meine Mutter starb am Sonntag, 30.04.2006. Auch für mich ist es nicht der 30.04., sondern es wird immer der Sonntag bleiben.

Lass Dich ganz lieb drück und eine :blumengabe: für Dich.

Liebe Grüße
Teichmuschel

Emiliana
12.09.2007, 22:46
Liebe Sonja! Hab 3 tage zu spät reingeguckt, die T-Com :nudelholz: war schuld.. Schön, daß Du zum Jahrestag Deinen Thread aktiviert hast. Wärest Du hier, würde ich Dich in den Arm nehmen, Dir leckeren Tee kochen oder eine Flasche Wein öffnen und den ganzen Abend über Deinen Mann reden. Atme tief, fahr auf jeden Fall noch mal ans Meer. Und vergiss nicht: er ist immer da, wenn Du an ihn denkst. Du siehst ihn halt momentan nur mit dem Herzen. Das ist mehr, als vielen Menschen , die wir momentan mit den Augen sehen geschieht! Ganz liebe Grüße, E.

Henne65
13.09.2007, 08:48
hallo liebe sonja, ich habe gestern oft an dich gedacht; der 12.9. wird immer ein blödes datum für dich sein...

auch ich hätte gerne gestern mit dir über horst gequasselt, der jetzt gerade mal 66 jahre jung gewesen wäre, nicht wahr?

ich drück dich ganz doll und schicke dir viele liebe grüße! :wangenkuss:

wie geht es deinem sohn? :blumengabe:

fuechsine
13.09.2007, 13:46
Ach, all die lieben vertrauten Namen - ich danke Euch so für Eure Grüße. War das schön.:blume:
Im Moment ist es bei uns ziemlich zappenduster. Ein Sohn (ohne weiteren Befund) in Insolvenz. der andere wird Vater und hat sich mit der Mutter des KIndes schon entzweit. Und ich darf gerade meine Nachfolgerin (ungewollt) einarbeiten.
O.K. das ist jetzt so. - müssen wir durch. Mein Mann war Mittelpunkt einer starken und (starrköpfigen) Familie und wenn gar nichts mehr hilft, dann muß eben auch mal unser Stolz her.

Liebe Grüße an alle
Sontagskatze