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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studentenjob auf Gewerbeschein ?!



Inaktiver User
12.12.2010, 13:31
Hallo,
vielleicht kennt sich hier jemand mit der Materie aus:
es geht um meinen Sohn, Student. Er erhält kein Bafög,
wird von uns natürlich unterstützt und jobbt auch regel-
mäßig, u.a. in einem Hotel als Nachtportier einige Nächte im Monat.
Vor einigen Tagen erhielt er einen Anruf von einem ihm bekannten
Inhaber einer Eventagentur, ob er nicht Lust hätte für ihn gelegentlich, mehrmals im Monat auf jeden Fall, auf Partys und Events zu fotografieren. Die Bezahlung wäre verhältnismäßig gut,
ABER er müsse ein Kleingewerbe anmelden, bzw. auf Gewerbeschein arbeiten.Die Mehrwertsteuer würde dann mit ausbezahlt, diese sei aber ein Durchlaufposten (ist ja wohl immer so, oder ?), die er selbstständig ans FA abführen und auch mit denen abrechnen müsse.
Mir erscheint das alles recht aufwändig, ist das nicht mit ziemlicher Bürokratie, im Verhältnis zum Ertrag, verbunden!?
Wären da monatliche Abrechnungen mit dem FA vonnöten und sicher auch entsprechende Buchführung ? Kurzum : lohnt sich sowas ?!
Danke für eure Hilfe und schönen 3.Advent,
LG Cella:blumengabe:

Lenea
14.12.2010, 17:41
Hi Cella, ich weiß, dass viele Firmen auf dem Weg veruschen, um die Sozialabgaben und Co. herum zu kommen. Man macht mit dem Angestellten einen Honorarvertrag und ist alle Soren los. Der Angestellte oder eben dann auf Honorarbasis tätige ist für die Versteuerung, Krankenkasse und Co. selbst zuständig.

Heißt: Du brauchst für diese Nebentätigkeit eine Steuernummer beim Finanzamt, die lässt sich a) über einen Gewerbeschein oder b) bei freiberuflicher Tätigkeit (nehme mal an, dass das bei Fotografie so ist) über einen steuerlichen Erfassungsbogen bekommen. Keine große Sache, ein Anruf beim Finanzamt

- Ansonsten muss er einfach - so er eine macht - bei der Steuererklärung die Einnahmen mit angeben, kann aber auch Kosten (für die Ausrüstung, Kilometergeld, Fotopapier usw.) mit ansetzen. Er hat dann eine kleine selbständige Tätigkeit.

- Mit der Mehrwertsteuer ist das so eine Sache - ist man selbst Kleinunternehmer (unter 17.500 Euro Umsatz im Jahr) braucht man die nicht ans Finanzamt abführen. Der Chef wird sie aber sicher gerne bei deinem Sohn draufschlagen, weil er sie sich vom Finanzamt wieder holen kann. Wenn dein Sohn sich freiwillig mehrwertsteuerpflichtig erklärt (was man tun kann, auch bei kleinen Einkünften) muss er dann auch die 19% von seinem Honorar abführen.
- Mit Mwst. bekäme er z.B. 119 Euro p. Stunde oder was auch immer - muss dann 19 Euro abgeben. Ist er nicht mwst.pflichtig, darf er die 119 Euro komplett behalten. Für den Chef ist das eher nachteilig, deshalb wird auch das Honorar höher sein.

Insgesamt könnte man schon sagen, dass es sich lohnt, wenn das Honorar entsprechend ist. Die Bürokratie hält sich in Grenzen, wenn man einmal Routine darin hat. Jemand muss einfach ein klein bisschen Ahnung von Buchführung haben, falls das Finanzamt mal schauen kommt muss eben alles stimmen. Wenn ihr eh einen Steuerberater habt, könnt ihr es auch über den machen.

Gute Entscheidung
Lenea

Matratze
16.12.2010, 20:37
Nur mal ganz kurz:


- Mit der Mehrwertsteuer ist das so eine Sache - ist man selbst Kleinunternehmer (unter 17.500 Euro Umsatz im Jahr) braucht man die nicht ans Finanzamt abführen.

Ein Kleinunternehmer nimmt keine USt ein und führt auch keine ab.


Der Chef wird sie aber sicher gerne bei deinem Sohn draufschlagen, weil er sie sich vom Finanzamt wieder holen kann. Wenn dein Sohn sich freiwillig mehrwertsteuerpflichtig erklärt (was man tun kann, auch bei kleinen Einkünften) muss er dann auch die 19% von seinem Honorar abführen.

Das ist ein Null-Summen-Spiel.
Warum sollte der 'Chef' also die USt 'draufschlagen' wollen?


- Mit Mwst. bekäme er z.B. 119 Euro p. Stunde oder was auch immer - muss dann 19 Euro abgeben. Ist er nicht mwst.pflichtig, darf er die 119 Euro komplett behalten. Für den Chef ist das eher nachteilig, deshalb wird auch das Honorar höher sein.

Ohne USt bekommt er vermutlich auch das Entgelt ohne USt, also 100,- €.


Insgesamt könnte man schon sagen, dass es sich lohnt, wenn das Honorar entsprechend ist.

Ein Unternehmer kalkuliert netto (also ohne USt).
Welche Verfahren - so man überhaupt wählen kann, 'sinnvoller' ist, entscheidet sich im Einzelfall.


Die Bürokratie hält sich in Grenzen, wenn man einmal Routine darin hat. Jemand muss einfach ein klein bisschen Ahnung von Buchführung haben, falls das Finanzamt mal schauen kommt muss eben alles stimmen. Wenn ihr eh einen Steuerberater habt, könnt ihr es auch über den machen.

Was zu zusätzlichen Kosten führt.

Liebe Grüße,

Matratze

Traeumchen2
17.12.2010, 19:32
Hallo,

ABER er müsse ein Kleingewerbe anmelden, bzw. auf Gewerbeschein arbeiten.Die Mehrwertsteuer würde dann mit ausbezahlt, diese sei aber ein Durchlaufposten (ist ja wohl immer so, oder ?), die er selbstständig ans FA abführen und auch mit denen abrechnen müsse.
Mir erscheint das alles recht aufwändig, ist das nicht mit ziemlicher Bürokratie, im Verhältnis zum Ertrag, verbunden!?
Wären da monatliche Abrechnungen mit dem FA vonnöten und sicher auch entsprechende Buchführung ? Kurzum : lohnt sich sowas ?!
Danke für eure Hilfe und schönen 3.Advent,
LG Cella:blumengabe:

Als Fotograf ist er Freiberufler und muss kein Gewerbe anmelden. Beim Finanzamt muss er Bescheid sagen, dass er eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen hat und muss dann einen Fragebogen ausfüllen. Wenn die Einkünfte unter der schon erwähnten Kleinunternehmergrenze liegen (das muss er dann im Fragebogen entsprechend angeben), muss er auch keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben, so dass sich der bürokratische Aufwand in Grenzen hält (er muss halt am Ende des Jahres eine Steuererklärung abgeben und daher Einnahmen und Ausgaben aufzeichnen). Achtung: Wenn er die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, darf in seinen Rechnungen KEINE Umsatzsteuer ausgewiesen sein, sonst wird er automatisch Umsatzsteuerpflichtig, muss Voranmeldungen abgeben und die Umsatzsteuer abführen!! Er darf auch keine Vorsteuer geltend machen (bekommt also die Umsatzsteuer aus seinen Kosten nicht zurück).

Wie Matratze schon sagte, kalkuliert ein Unternehmer netto. Wenn also ein Honorar XX vereinbart ist, würde ein Kleinunternehmer XX berechnen, ein Umsatzsteuerpflichtiger XX zzgl. 19%. Den Auftraggeber kostet es in beiden Fällen das Gleiche, da er die Umsatzsteuer, die er im zweiten Fall zahlt vom Finanzamt erstattet bekommt.

Ob Dein Sohn es hinbekommt, die Einnahmen und Ausgaben vernünftig zu führen und eine Einkommensteuererklärung zu erstellen, weißt Du bzw. er am Besten. Buchhaltungswissen sollte vorhanden sein bzw. sich angeeignet werden. Wenn er das nicht kann, sollte schon ein Steuerberater beauftragt werden.

Liebe Grüße
Träumchen2

Matratze
17.12.2010, 20:51
*hüstel* ein Fotograf übt nur dann oder in dem Umfang eine freiberufliche Tätigkeit aus, soweit diese Arbeiten künstlerisch oder journalistisch sind.

Modefotos ausgenommen.

Alles andere ist Ausübung eines handwerklichen Berufes = Gewerbe.

So in etwa.

Tabetha
18.12.2010, 08:53
*hüstel* ein Fotograf übt nur dann oder in dem Umfang eine freiberufliche Tätigkeit aus, soweit diese Arbeiten künstlerisch oder journalistisch sind.

Modefotos ausgenommen.

Alles andere ist Ausübung eines handwerklichen Berufes = Gewerbe.

So in etwa.

Die Bri ist für mich immer der Beweis, dass wohl zahlreiche Freie "falsch deklariert" durchs Leben laufen und ahnungslos sind ;- )

alva150
18.12.2010, 17:48
Hallo,

beachtet bitte, dass für Studenten eine Einkommensgrenze gilt.
Die Höhe ist bei der Krankenkasse zu erfragen. Ich glaube, sie liegt derzeit bei 7.600 Euro pro Jahr.
Das ist wichtig hinsichtlich der KV, sollte er darüber liegen fallen entweder die Studententarive weg oder er verliert - sofern das für ihn noch zutrifft - die Familienversicherung. Anders ist das natürlich, wenn man privat versichert ist.

Liebe Grüße

Alva

frank60
19.12.2010, 19:02
Wer ein Gewerbe ausübt muss auch entsprechend Steuern bezahlen.

Die Steuer und Sozialabgabenbefreiung für Studenten hat den Sinn, dass Studenten es erleichtert wird, ihr Studium selbst zu finanzieren.

Wer die Freigrenzen von 50 Tagen/Stunden/Summen überschreitet macht deutlich, dass nicht das Studium im Vordergrund/Lebensmittelspunkt steht, sondern die Arbeit. Deshalb die Freigrenzen.
Wer neben dem Studium noch Zeit zur Gewerbeausübung findet, bei dem steht ebenso das Arbeiten im Vordergrund, weniger das Studium.

Wenn so einfach wäre, um an Steuerfreigrenzen zu kommen, dann würde ich mich regelmäßig immatrikulieren lassen.

Im Übrigen ist die Scheinselbständigkeit zur Einsparung von Abgaben ein Umgehungstatbestand, deshalb ist der Vertrag, der die Selbständigkeit begründet, nichtig und der Staat fordert, zu recht, die ersparten Abgaben nach.

Matratze
19.12.2010, 20:49
Studenten unterliegen keiner anderen Steuertabelle als andere Bürger.

Liebe Grüße,

Matratze

Inaktiver User
19.12.2010, 20:56
*hüstel* ein Fotograf übt nur dann oder in dem Umfang eine freiberufliche Tätigkeit aus, soweit diese Arbeiten künstlerisch oder journalistisch sind.

Modefotos ausgenommen.

Alles andere ist Ausübung eines handwerklichen Berufes = Gewerbe.

So in etwa.

Und das bedeutet auch Zwangsmitgliedschaft in der Handwerkskammer.
Unter Umständen sogar mit Beiträgen. Das regelt aber jede Kammer für sich.

Inaktiver User
19.12.2010, 22:41
Also in düsteren Studententagen hatte ich ja auch mal so einen Job, der einen Gewerbeschein verlangte - bzw. die jeweilige Agentur, die mich dann beschäftigte.
Es gibt einen Freibetrag als Student und beim Finanzamt, bei dem man als Kleinunternehmer keine Steuern zahlen muss. Wenn man als Kleinunternehmer gemeldet ist, kriegt man vom Arbeitgeber auch keine Mwst. abgeführt.

Von der Handwerkskammer kriegt man irgendwann mal ein Schreiben, da steht dann auf S. 7 kleingeschrieben irgendein Paragraph, dass man nicht Mitglied der Handwerkskammer werden muss, wenn man Kleinunternehmer ist bzw. einen bestimmten Verdienst nicht überschreitet. Die melden sich aber automatisch und genauso automatisch kann man denen die nichtnotwendige Mitgliedschaft zurückmelden.

Rechnungen schreibt man an die Agentur nach jedem erledigten Auftrag. Und man macht auch eine Einkommenssteuererkärung beim Finanzamt - wichtig ist für Deinen Sohn, dass er auch alle Ausgaben dokumentiert (das können Kopien, Filme etc. sein), damit er die gegenrechnen kann. Normaler, aber zu bewältigender Papierkram.

frank60
20.12.2010, 06:16
Und das bedeutet auch Zwangsmitgliedschaft in der Handwerkskammer.
Unter Umständen sogar mit Beiträgen. Das regelt aber jede Kammer für sich.

Wohl schon eher IHK, andernfalls müsste der Student einen Handwerksberuf erlernt haben, um in die Handwerkerrolle eingetragen zu werden.

Matratze
20.12.2010, 07:49
Es gibt einen Freibetrag als Student und beim Finanzamt, bei dem man als Kleinunternehmer keine Steuern zahlen muss. Wenn man als Kleinunternehmer gemeldet ist, kriegt man vom Arbeitgeber auch keine Mwst. abgeführt.

Da vermischt Du einiges.

Es gibt keinen solchen Freibetrag.
Kleinunternehmerregelung betrifft die USt.

Nur in seltensten Fällen führt der Auftraggeber - nicht Arbeitgeber, sonst wäre es ja ein Angestelltenverhältnis - die USt ans FA ab.

Liebe Grüße,

Matratze

Inaktiver User
20.12.2010, 12:35
Vielen Dank für eure hilfreichen Antworten :blumengabe:
Das Thema hat sich allerdings erledigt, mein Sohn hat ein anderes
Jobangebot bekommen, da muß er seinen *hüstel* Jahreswagen nicht so strapazieren und zudem findet dieser zu zivileren Zeiten statt. Gewerbeschein braucht er auch keinen !:smile: