PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freiberuflichkeit im künstlerischen Bereich, Gründungszuschuss, KSK, viele Fragen...



Liliya
26.07.2010, 11:26
Hallo zusammen,
dies ist mein erster Beitrag hier im Forum, auf das ich über Google gestoßen bin. Ich hoffe, hier gibt es einige Experten!:smile:
Ich habe nun 3 Jahre an einem Staatstheater in einem normalen Angestelltenverhältnis nach NV-Bühne gearbeitet. NV-Bühnenverträge sind immer befristet auf 2 Jahre und im Oktober des Vorjahres muss man sich entscheiden, ob der Vertrag im August des kommenden Jahres noch um 1 Jahr verlängert werden soll oder nicht.
Ich habe im Oktober 2009 nicht gekündigt, also geht mein Arbeitsverhältnis offiziell weiter bis August 2011.
Nun gibt es aber bei uns im Theater einige Änderungen und ich kann in dem Job, den ich gerade mache, nicht weiter beschäftigt werden. Nur in einem anderen, aber das wäre ein Rückschritt, ich würde mich in der Abteilung nicht so wohl fühlen wie jetzt etc.
Nun hat der Intendant mir vorgeschlagen, dass wir im Oktober meinen Vertrag auflösen, ich mich arbeitslos melde, Gründungszuschuss beantrage und dann freiberuflich arbeite. Das Theater würde mich dann in dem Bereich, den ich jetzt mache, freiberuflich beschäftigen (natürlich nicht auf einer vollen Stelle, es würden dann befristete Werkverträge geben) und ich könnte noch andere Projekte machen und wäre zeitlich und örtlich total flexibel.
So weit, so gut. Nun birgt diese Sache ja einige Unsicherheiten. Ich habe schon ein bisschen gegooglet, bin aber nicht so richtig fündig geworden und die Beratungsstellen beraten meist nur Existenzgründer und keine freiberuflichen Künstler. Könnt Ihr mir da weiterhelfen? Kann ich als Freiberufler überhaupt den Gründungszuschuss beantragen oder geht das nur als Gewerbetreibender? Wahrscheinlich werde ich 3 Monate gesperrt, wenn der Vertrag aufgelöst wird, oder? Und was macht man dann? Hat man dann 3 Monate tatsächlich gar kein Geld, muss sich aber selbstständig versichern? Wie funktioniert das mit der KSK? Ich höre immer nur, dass es wahnsinnig schwierig sei, da rein zu kommen und dass die Anträge manchmal Monate dauern. Es gibt für Theatermitarbeiter die Bayerische Versorgungskammer, da könnte ich auch als Freiberufler drin bleiben und somit weiter Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Aber Krankenkasse?
Fragen über Fragen! Ich hoffe sehr, dass es hier vielleicht noch andere gibt, die diesen Schritt gewagt haben oder sich wenigstens besser auskennen als ich! :blumengabe: Ich bin für jeden Tipp dankbar!
Viele Grüße,
Liliya

akademikerin
26.07.2010, 11:40
Ruf die IHK an, frag nach deinen Themen und lass dir einen Existenzgründerkurs empfehlen. Zusätzlich kannst du mal gucken bei Xing, dort gibt es ein Forum für Gründer und SElbständige und u.a. auch für deine Arbeitsthemen. Vielleicht findest du da auf die Schnelle Informationen, ansonsten empfehle ich einen Steuerberater. Und die KSK einfach mal direkt anrufen. Du solltest dir absolut darüber im Klaren sein, was es heisst, selbständig zu sein.

Und wie kann dich das Theater auf dem Posten beschäftigen, den du jetzt hast, wenn es diese Position bei der Umstrukturierung nicht mehr geben soll?!

Liliya
26.07.2010, 11:46
Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Ich dachte immer, die IHK würde mir nichts bringen, da sie nur für Gewerbetreibende zuständig sei...Aber vielleicht rufe ich da echt einfach mal an, das schadet ja nicht...
Bei Xing schau ich mal, danke für den Tipp!
Die Sache mit dem Job ist ein bisschen kompliziert. Ich organisiere ein Festival, das eigentlich im 1 1/2-Jahresrhythmus stattfindet. Nun wurde es aber auf alle 2 Jahre verlegt und über 2 Jahre kann das Theater mich nicht weiter beschäftigen, weil dafür keine Gelder da sind. Werkverträge gehen allerdings, weil die Zeiträume da kürzer sind, man mir keine volle Stelle bezahlen muss und das Geld aus einem anderen Topf kommt...

akademikerin
26.07.2010, 12:00
Dein Einkommen würde sich aber verringern, du hättest aber höhere Kosten. Um den Gründungszuschuss zu erhalten brauchst du einen Businessplan, der auch zeigen muss, woher du weitere Kunden bekommst, wie d ie Umsatz- und Gewinnentwicklung aussieht etc. Das ist viel Arbeit und die Zeit dafür solltest du dir nehmen. Von heute auf morgen geht sowas nicht und die Frage ist auch: woher kriegst du andere Kunden? Es ist ja nun nicht so, als ob Eventmanager und ähnlihces händeringend gesucht werden, also ist die nächste Frage: wie gut bist du in Akquise? Wie gut ist dein Netzwerk? Wie gut sind überhaupt deine diversen Kontakte, um darüber Aufträge generieren zu können. Es ist ja nicht so, dass du nur das an Geld brauchst, was du jetzt netto hast, du brauchst wesentlich mehr.

Die IHK mag vielleicht nicht die perfekte Ansprechstelle sein, aber im Zweifel können die dir zumindest geeignete Ansprechpartner durchgeben. Unabhängig davon kannst du ja mal Eventagenturen ansprechen, ob sie mit freien MItarbeitern arbeiten etc.

Aber wie gesagt: dafür brauchst du Zeit.

Liliya
26.07.2010, 12:44
Liebe Akademikerin,
das ist mir schon klar, aber ich habe nicht wirklich eine andere Wahl, außer arbeitslos zu sein und mir einen anderen Job zu suchen. Was ich ja sowieso machen will, die Freiberuflichkeit ist ja erstmal nur eine Übergangslösung.
Muss man für den Gründungszuschuss denn tatsächlich einen Businessplan vorlegen, wenn man doch "nur" freiberuflich arbeitet und kein Gewerbe anmeldet?
Und es geht nicht so sehr darum, Kunden zu gewinnen, sondern zusätzliche kleinere Jobs wie Produktionsleitungen etc. zu machen. Da ist der Markt auch nicht schlecht und meine Kontakte sind ganz gut...

Inaktiver User
26.07.2010, 12:56
Glaubst du du bekommst diesen Zuschuß "einfach so"??

Wenn es für dich nur eine Übergangslösung ist - würde ich nochmal nachdenken.

Wieso machst du nicht zuerst diesen anderen Job - auch wenn es erstmal ein Rückschritt wäre und suchst aus diesem heraus einen neuen Arbeitsplatz?

Freiberuflich tätig zu sein ist kein Zuckerschlecken - du mußt ja alles selbst zahlen - Krankenversicherung, Rentenversicherung....und davon leben und Miete zahlen.

akademikerin
26.07.2010, 13:35
Es geht primär darum, weitere Kunden zu gewinnen, denn wenn du nur für einen Kunden tätig bist, dann wird spätestens das Finanzamt irgendwann mal gucken kommen, ob du nicht eine Scheinselbständigkeit unterhälst und das ist gar nicht witzig. Der Gründungszuschuss ist an Formalien gekoppelt und eine davon ist der Business Plan. Der Zuschuss ist ausserdem nicht so hoch wie dein Nettogehalt ... Sammel doch erstmal alle Informationen und stürz dich nciht Hals über Kopf in dieses Abenteuer.

Liliya
27.07.2010, 09:40
Völlig klar, dass Freiberuflichkeit kein Zuckerschlecken ist!
Ich kann nicht im Job bleiben, weil wir am Theater alle Knebelverträge haben. Wenn ich das mache, komme ich bis August 2011 nicht aus dem Vertrag und das ist definitiv zu lange. Es ist leider nicht so, dass ich mir in Ruhe aus einer Festanstellung was Neues suchen kann...
Mal sehen...Aber danke für Eure Anregungen!

akademikerin
27.07.2010, 11:02
Irgendwie versthe ich das nicht. WEnn du bis 2011 einen festen Job hast, dann hast du ein komplettes Jahr, um eine Selbständigkeit vorzubereiten, bist in der Ziet weiter versichert etc. Und kannst noch Geld zurücklegen - ohne Rücklagen wird eine Selbständigkeit noch ein bisschen schwieriger.

Was wäre mit der Alternative, den Vertrag wenigstens um 6 Monate zu erhalten?! Und zu März/APril 2011 zu ändern ... ich halte wenig davon, sich mehr oder weniger überstürzt in die Selbständigkeit zu werfen, zumal es oft genug vorkommt, dass Zusagen vormaliger Arbeitgeber nichts mehr wert sind, sobald man eingewilligt hat und dasd Unternehmen verlassen hat.

Aber informier dich erstmal ... Je mehr, desto besser :)

AaneAnderson
31.07.2010, 14:25
Hallo zusammen,
Zum Thema Gründerzuschuss etc.
Ich habe mich vor knapp einem Jahr selbstständig gemacht und: Ich habe es nicht bereut. Der Anfang hat seine Tücken aber sobald die Sache läuft, fängt es an Spaß zu machen. Selbstständigkeit hat seine Vorteile: kein Chef mehr, Planungsfreiheit, Freiraum für eigene Ideen. ABER selbstständig zu sein heisst auch selbst verantwortlich zu sein, selbst planen zu müssen und nicht zuletzt: Selbst wenn Du gute Freunde hast, die juckt Dein Thema Selbstständigkeit m Zweifel nicht so sehr wie Dich. Die Unsicherheit ob neue Aufträge kommen, die ist Dein Ding. Als Selbstständiger ist man Dich schnell wieder los wenn keine Arbeit mehr für Dich da ist. Das kann schnell gehen und Du darfst nicht daauf vertrauen, dass man Dir frühzeitig Bescheid sagt.
Zwingende Voraussetzung für den Gründerzuschuss ist
1. dass Du Anspruch auf Arbeitslosengeld hast. D.h. ich rate Dir dringend – wenn Du das nocht nicht gemach hat hast – Dich beim Arbeitsamt arbeitssuchend zu melden. Übrigens auch ganz unabhängig vom Gründerzuschuss, weil Du ansosnten evtl. kein Arbeitslosengeld bekommen wirst. De Meldung geht übrigens bei den meisten Arbeitsämtern zu Frristwahrung auch erstmal telefonisch.
2. ein Businessplan. Du kannst den selber schreiben oder Dir einen gründungsberater suchen, der den Plan mit Dir erarbeitet. Der Plan muss dann noch von einer unabhängigen Stelle, z.B. einem Steuerberater geprüft und die Stimmigkeit bestätigt werden. Kostenpunkt: 50-100 Euro für die Bestätigung, Kosten für den Berater individuell.
3. meistens der Besuch eine Einführungsveranstaltung. Auch hier wird Dir angeboten, Dir bei der Erstellung des Businessplans zu helfen. Diese Veranstaltungen finden in Berufsbildungszentren statt. Dort bietet man dann auch an, Deinen Businessplan zu prüfen.
Zum Thema Scheinselbstständigkeit: Es gibt eine Reihe von Kriterien, an denen sich festmachen lässt ob Du selbstständig oder scheinselbstständig bist. Solltest Du als Selbstständige z.B. bei Deinem bisherigen Arbeitgeber die selbe Aufgabe erledigen wie zuvor als Angestellte, wird man Dich irgendwann als scheinselbstständig einstufen und das ist nicht witzig. Du wirst also nicht dumherum kommen, Dir neue Kunden zu suchen. Als bloße Übergangslösung und mit dem alten Arbeitgeber als einzigen Kunden, solltest Du die Finger davon lassen.
Solltest Du noch Fragen haben, melde Dich gerne bei mir.
Grüße
Aane

padangbai
17.10.2010, 13:59
Und von mir noch zum Punkt KSK.
Du wirst auch deine Selbständigkeit dort beweisen müssen, und das heißt, dass du mehrere Kunden brauchst. Wenn du nur für einen "Arbeit/Auftraggeber" arbeitest und einseitige Rechnungen schreibst, ist das eine sog. Scheinselbständigkeit und du kommst leider gar nicht erst rein.
Viel Glück!

Inaktiver User
17.10.2010, 14:34
Wie funktioniert das mit der KSK? Ich höre immer nur, dass es wahnsinnig schwierig sei, da rein zu kommen und dass die Anträge manchmal Monate dauern.

Es dauert wirklich monate bis du drin bist. Aber eigentlich ist es nicht allzuschwer solange du eben wirklich einem der genannten Berufe angehörst.
Dazu legst du einfach Zeitungsausschnitte bei in denen dein Name genannt wurde, dein Abschlusszeugnis und alle mögliche andere Doku. Ich hoffe du hast noch alle Flyer ;). Und wenn nicht zukünftig von allen ca. 50 Stück mitnehmen, die braucht man immer wieder.

Du solltest kein Problem haben da rein zu kommen.

Habe ich es richtig verstanden, dass nur dieses eine Theater dich anstellen würde?

...das könnte das einzige Problem werden, denn als Selbständiger solltest du mindestens zwei Auftraggeber haben. (siehe letztes Post!)

Viel Glück!

Inaktiver User
19.10.2010, 14:14
Ein weiterer Anlaufpunkt könnte Verdi sein. Bei Verdi gibt es rund 30.000 selbstständige Mitglieder. Mediafon ist ihr Beratungsnetzwerk von Selbständigen für Selbstständige, unter eigener Website zu finden. Bin in ähnlichem Bereich freiberuflich unterwegs und der Mediafon-Newsletter hat mir schon oft geholfen.

Bei XING gibt es die "Koryphäe" Andreas Lutz; wenn man unter dem Stichwort "Gründungszuschuss" googelt, müsste man ihn auch finden.

Meinen Businessplan hat übrigens damals die Handelskammer geprüft. Ging unheimlich schnell, war unheimlich nett und ich kann mich nicht daran erinnern, dass es überhaupt etwas gekostet hätte (bin mir aber nicht mehr sicher). Lass Dir bloß nicht den Business Plan gegen Geld von anderen schreiben, er ist auch Deine Chance, Dir einmal auszurechen, wo Du mit Deiner Selbständigkeit zukünftig hinmöchtest.

Inaktiver User
02.11.2010, 06:53
Und es geht nicht so sehr darum, Kunden zu gewinnen, sondern zusätzliche kleinere Jobs wie Produktionsleitungen etc. zu machen. Da ist der Markt auch nicht schlecht und meine Kontakte sind ganz gut...

...was sind das für kleine Jobs, in denen man "mal so für ne Weile eine Produktionsleitung macht?...:knatsch:

-arwen-
09.11.2010, 18:46
hallo Liliya,

du hast ja zb. von aaneanderson schon gute tips bekommen.

sie hat schon recht, wenn sie dir empfiehlt, gleich zum arbeitsamt zu gehen, denn der gründerzuschuss steht meines wissens nicht nur arbeitslosen sonden auch von arbeitslosigkeit bedrohten menschen zu.


ich weiss ja nicht, wie deine berufsbezeichnung ist und welche ausbildung du hast aber wenn du in dem bereich der künstlerisch tätigen freiberufler gehörst, sollte das mit der ksk kein so großes problem sein.

ich arbeite im künstlerisch/gestalterischen bereich und hatte zum glück keine schwierigkeiten als berufsanfängerin dort aufgenommen zu werden.
ich habe alles vorgelegt, was ich so im angebot hatte (abschluss uni, anmeldung der freiberufl. tätigkeit beim finanzamt, die arbeitsproben, wollte gar keiner sehen, mitgliedschaft im berufsverband, rechnungen hatte ich noch keine). man gibt ein geschätztes einkommen an und gut. als anfänger muss man noch nicht die mindesteinkommenzgrenze überschreiten und kann das ja auch meist gar nicht nachweisen.
schau doch mal auf der webseite der ksk aber das hast du sicher schon.

viele grüße
und
mega erfolg

arwen