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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verliere meinen Sohn durch Alkohohl und Drogen



Kenga
12.07.2010, 13:49
Liebe Bricoms,

hab mich hier durch Alkohohl-Themen gelesen, weil ich nach Antworten suche zu dem traurigen Thema.

Bin Mutter eines 27 j. Sohnes, mit Tätigkeit im Gaststättengewerbe, also immer an der Quelle.
In 10 J. habe ich ihn nicht öfter als 2x im Jahr gesehen, wenn er zu Besuch gekommen ist.
Erst Ausbildung weitweg, Jobs in großen Entfernungen, dann drei Jahre Schiff, nun im Restaurant 400 km weg.

Schon in der Ausbildung hatte er Zwangs"heimaturlaub" wegen Drogenkonsum, Beratungsstelle mit mir, Versprechungen.
Dass er inzwischen auf Alkohohl und mehr ist, habe ich lange Zeit nicht gemerkt.
Dazu Führerscheinentzug wegen Drogen u. Alkohohl.

Erst bei Winterpausen zwischen den Schiffstouren im letzten Jahr und seinem "Urlaub" bei uns ist er auffällig geworden.

Wir haben mit ihm seinen Konsum besprochen und Verhaltensänderungen gewünscht, das Ende vom Lied war Uneinsichtigkeit, Selbstüberschätzung und Flucht mit Koffern.

Es gibt wenige Kontakte, er entzieht sich.

Nun war am WE meine Fifty-Party.

Ich habe sowas von erwartet, das er endlich auch mal wieder nach so vielen Jahren dabei ist, er hat es versprochen.
Seine ständige Geldnot schiebt er vor.

Traurig, er war nicht da. Es tut weh.

Ich bin enttäuscht und kann auch die Fragen der Verwandten und Berufsneugierigen nach meinem Sohn schwer ertragen.

Meine Tochter redet ihm ins Gewissen, es fruchtet nicht und er blockt ab.

Es ist schwer für mich, zu akzeptieren, dass ich ihn offensichtlich nicht erreiche und ihn verliere.

Ich spiel mit dem Gedanken eines Überraschungsbesuches und habe Angst vor Schockerlebnissen.

Wer von Euch schaut nicht mit den Augen einer betroffenen Mutter und hat einen Rat?

LG

Lyanna
12.07.2010, 14:15
Liebe Kenga,

du hast mein Mitgefühl für deine Situation, dein Sohn mein Mitgefühl für seine Situation.

Dein Sohn ist 27 Jahre alt und für sich selbst verantwortlich und zwar komplett!

Er hat dir gegenüber kein Pflichtgefühl ...er hat es ja nicht mal sich selbst gegenüber.

Du schreibst, du hast in den diversen Alkoholthreads gelesen.
Daraus könntest du (vielleicht) entnommen haben, dass kein Aussenstehender etwas an dem Zustand des Süchtigen ändern kann,
es sei denn, er will es selbst!!!

Meist muss dazu erst etwas geschehen sein, was der "Süchtige" nicht mehr einfach so wegstecken kann.

Was versprichst du dir von einem Überraschungsbesuch bei deinem Sohn?
Willst du an sein "Pflichtgefühl" dir gegenüber appellieren?
Wenn du wieder weg bist, knallt er sich erst recht die Birne zu oder ist auf der "Suche" nach Drogen.

Du kannst im Grunde nix anderes tun, als dir selbst Hilfe in diversen Suchtgruppen zB. Al Anon,
Guttempler, Blaukreuzler für Angehörige zu holen.
Dort brauchst du nicht mal gross etwas zu sagen, manchmal reicht schon Zuhören, wenn andere erzählen.
Und DU kannst ein bisschen mehr erfahren, was DIR gut tut, wie DU für DICH mit der Situation umgehen könntest.
Und fragen kannst du dort auch, was immer DIR auf der Seele lastet.

In den Gruppen wirst du öfter mal hören:
Es bleibt nix anderes als in "Liebe loszulassen",
was nach meinem Empfinden nichts anderes bedeutet,
als zu wissen, was da genau geschieht und sehendes Auges zuzuschauen, ob und wie es weitergeht.

Dort kannst du dir die Kraft und Unterstützung holen, die du brauchst, um diesen Prozess, bei dem DU eventuell auf dem Zahnfleich gehst, einigermassen zu überstehen.

Du kannst deinen Sohn im Herzen lieben, du kannst ihm "zuhören", wenn DU kannst, du kannst ihm sagen, wie es DIR dabei geht -
doch das wird nix nützen, das schürt eher noch das schlechte Gewissen ....
Und aus schlechtem Gewissen hat noch keiner aufgehört zu trinken, zu drücken oder einzuwerfen,
was immer auch "dieses Gewissen" im Keim erstickt.

Liebe Kenga, ich denke nicht, dass DU etwas bei IHM wirst ausrichten können, eher gehst DU daran kaputt als dein Sohn, wenn es so ist, wie du es schilderst.

Ich wünsche dir Kraft für dich selbst und Mut, zu schauen,
wo DU für DICH Hilfe und Ansprechpartner finden kannst.

Alles Gute und lieben Gruss:blumengabe:

Lyanna

Inaktiver User
12.07.2010, 14:46
Dem kann ich nicht viel hinzufügen.

Nur soviel: Manche schaffen es tatsächlich zu erkennen, daß sie sich ändern müssen. Aber das kommt von einem selbst heraus und wird nicht von außen beeinflusst.

Alles Gute! :blumengabe:

Kenga
13.07.2010, 07:47
Für Eure Antworten danke ich Euch beiden sehr, es hilft mir, das richtige Handeln für mich herauszufinden.

Lyanna,

Dein Post hat mich sehr berührt, ich mußte erstmal eine Nacht darüber nachdenken.
Ja, ich habe immer wieder lesen können, dass niemand von außen helfen kann, er muß es selbst wollen.
aber es ist ein Syndrom einer Mutter, helfen oder untertützen zu wollen.

Ihn zu besuchen, würde in der Absicht geschehen, einen Überblick über das Ausmaß erlangen zu können, zu ergründen, warum er sich entzieht und nichts für sich tun will.

Es ist vll keine so gute Idee.

Aber anders bin ich immer nur zum Warten verurteilt, angewiesen auf wenige Telefonate, wo alles super für ihn ist.

Losgelassen habe ich schon vor 10 J., als er 900 km zur Ausbildung weg wollte als 16 Jähriger. Schon damals gab es Vorwürfe aus unserem Umfeld, ich hätte besser auf ihn achten müssen.

Ich liebe meinen Sohn, ich bin stolz auf ihn, es tut weh, zuzusehen, wie er abrutscht und sein Leben und seine Gesundheit ruiniert ....
Irgendwann wird er auch diese Anstellung verlieren, da habe ich Angst vor.
Niemand will einen gesellschaftlichen Abstieg für seine Angehörigen.

LG

Inaktiver User
13.07.2010, 07:57
Es tut mir leid für dich Kenga.

Nur wie schon gesagt wurde - helfen kann nur er allein sich.

Und besuchen? Wozu? Er wird wieder sagen, dass alles supi ist, weil er noch lange nicht an dem Punkt angekommen ist sich einzugestehen, dass er Hilfe braucht.

Fallen lassen... damit er ganz nach unten kommt - um von dort Hilfe zu suchen.

Bei uns ist es meine Schwester.... ich habe seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr. Ihre Tochter haben wir groß gezogen - und doch will sie sich nicht helfen lassen. Alles okay, alles bestens.

Ja es tut weh - und ja auch ich möchte helfen und reden und einwirken - aber ich mache es nicht.

Sie weiß, ich bin für sie da, nur sie muß den ersten Schritt machen.

Und wenn nicht? Dann ist es ihr Leben, ihr Wunsch an den Drogen zu sterben... hart? Ja, aber der einzige Weg nicht in die Co-Abhängigkeit zu rutschen.

Dir viel Kraft und alles Gute

Inaktiver User
13.07.2010, 09:53
Ihn zu besuchen, würde in der Absicht geschehen, einen Überblick über das Ausmaß erlangen zu können, zu ergründen, warum er sich entzieht und nichts für sich tun will.


Ich kann das, als Elternteil, absolut verstehen. Aber auch bei mir sind meine Eltern gescheitert. So viel sie auch verstehen wollten, oder gar forcieren wollten - es half nichts. Das mußte ich alleine mit mir ausmachen.

Aber eines fällt mir dann doch dazu aus meiner Geschichte dazu ein: Sie haben mich nie verstoßen oder fallen lassen. Das war, als ich zu mir kam, eine große Stütze.

Ich kann Dir so nachfühlen und ...... mehr mag ich nicht schreiben.:blumengabe::wangenkuss:

Kenga
13.07.2010, 13:00
Das ist auch gar nicht nötig, maddin :in den arm nehmen:

Auch Dir, Dharma, vielen Dank, ich glaube, ich habe verstanden.

Ich werde üben, so stark zu sein, dass ich meinen Sohn seinen Weg gehen lasse und an ihn glauben und auf ihn und bessere Lebensumstände warten und die Angst um ihn nicht zu groß werden lassen, dass sie mich nicht täglich einnimmt.

Durch Euer aller Schilderungen konnte ich mich hier in kürzester Zeit informieren und der Zuspruch hat mir gut getan.

Durch diese Erkenntnisse fühle ich mich miserabel, aber Erkenntnisse bringen weiter.

Also vielen Dank.

Lyanna
13.07.2010, 14:49
Durch diese Erkenntnisse fühle ich mich miserabel, aber Erkenntnisse bringen weiter.

Also vielen Dank.

Liebe Kenga:in den arm nehmen:

ich ahne, wie miserabel du dich fühlst und wünsche dir die Kraft, Mut und die Ausdauer,
tatsächlich etwas für DICH selbst zu tun, ehe DU an dem "miserablen Gefühl" kaputt gehst.

Du siehst dich deiner eigenen Hilflosigkeit ausgesetzt, gegenüber einem Menschen,
der dir sehr am Herzen liegt.

Das Gefühl der "Hilf-und Machtlosigkeit" ist eines der am schwersten auszuhaltenden Gefühle,
schon immer gewesen.

Deshalb werden so viele zT. nutzlose Versuche unternommen, irgendetwas zu ver-ändern,
um nur nicht mehr DAS Gefühl der "Ohn-macht" ertragen zu müssen.

Du kannst etwas für DICH tun, um irgendwann mit den Gegebenheiten anders umgehen zu können.

Und wer weiss: wenn DU etwas für DICH tust, ein paar Hilfsmittel für DICH an der Hand hast,
etwas "in dir" sich ändert, vielleicht macht es andere oder auch deinen Sohn "neu-gierig",
wie dir das gelingen konnte?

DANN sprichst du aus eigener Erfahrung, weil DU es ja so erlebt hast und kannst (vielleicht) etwas davon weitergeben,
ohne "etwas zu erwarten", doch in dem Wissen: ALLES ist möglich!

Alles Liebe für dich:blumengabe:

Lyanna

chiffon
13.07.2010, 16:14
Wer von Euch schaut nicht mit den Augen einer betroffenen Mutter und hat einen Rat?

LG

Hallo Kenga,

leider schaue ich auch mit den Augen einer betroffenen Mutter - allerdings auf meinen eigenen Sohn (29 J.).

Er hat einen sehr langen Weg hinter sich - und ich auch zwischen Hoffen und Bangen, Täuschung und Wahrheit.
Ich habe viele Fehler gemacht.

Das was aber richtig und wichtig für ihn war, ich habe ihn konfrontiert mit meiner Beobachtung - "Du hast ein Alkoholproblem".
Ich habe ihm keine Vorwürfe und Vorhaltungen gemacht, ich habe ihm gesagt, wie sehr ich ihn liebe und dass ich für ihn da sein werde, wenn er sich professionelle Hilfe sucht.

Er ist nun fast ein Jahr trocken, hat eine Entgiftung und eine Langzeittherapie gemacht. Nun ist er dabei, sein Leben neu zu ordnen.
Unsere Beziehung und mein Sohn sind in dieser Zeit endlich "erwachsen" geworden.

LG Helen

Kenga
14.07.2010, 07:59
Guten Morgen, Lyanna,

dadurch dass meine Kinder weiter entfernt leben, habe ich schon einige Zeit für mich selbst.

Wir pflegen einen regen Freundeskreis und unsere Sportgruppe bringt auch Ablenkung.

So vergehen Tage, wo ich abgelenkt bin.
Nutzlose Versuche stellen sich immer erst dann als diese heraus, wenn sie keine Wirkung hinterlassen haben.

Es stimmt, diese Ohnmacht auszuhalten, nichts Abänderliches tun zu können, ist sehr schwer und fehlende Einsicht bei einem normal fühlenden und denkenden Sohn zu erfahren.




Liebe Helen,

es tut gut, dass Du mir Deine positiven Erfahrungen mitteilst, ich muss einfach daran glauben, dass er es schaffen kann.

Möge er nur endlich den Willen dazu aufbringen.
Mein Sohn ignoriert sein Alkohohlproblem, Drogengebrauch na und, machen doch viele, es geht mir besser dabei.

Wir stehen noch nicht mal am Anfang eines Weges, das macht mir Angst.
Unsere Wege haben sich immer weiter entfernt.

Aburteilendes Unverständnis begegnet mir oft bei solchen Problemen aus der Umgebung, Kopfschütteln, abwerten.

Er ist trotz allem ein liebenswerter , angenehmer junger Mann,
auf den ich stolz bin, ihn zu haben.

Nur daran liegt es momentan im Argen, ich komm nicht ran und er entzieht sich der Familie.

Inaktiver User
14.07.2010, 12:02
Das erinnert mich ganz stark an meine erste Freundin. Sie hieß Jenny und ist mit 16 am Heroin gestorben. Wenn ich damals die Möglichkeiten gehabt hätte wie es sie heute gibt???

Für dich als Angehöriger ist in erster Linie wichtig dich emotional von deinem Sohn zu distanzieren, ich weiß es ist ein hartes Wort und ein sehr schwerer Weg.

Wenn es schon sehr lange Zeit so geht, wirst auch du Hilfe in Anspruch nehmen müssen, früher oder später, vielleicht in einer Selbsthilfegruppe (EKA/EKS/AA) in deiner Nähe.

Angehörige sind in der Regel genauso betroffen wie die erkrankten selber. Du merkst es an deinem verhalten, im Alltag, irgendwann treten bei den meisten Symptome auf. Nur eines sollte dir bewusst sein, ein Alkohol und oder Drogensüchtiger Mensch ist sehr krank, und sein Umfeld wird es durch ihn selber auch!

Es gibt für diese Betroffenen nur einen einzigen Ausweg, der bedeutet in der Regel eine Trennung vom Kern, zumindest zeitweise.
Keiner wird deinen Sohn zur Umkehr bewegen, dass kann er nur selber! Je eher man dies versteht desto leichter wird es einem selber fallen, es tut mir sehr Leid für dich, aber du solltest handeln und deine eigene Situation überdenken, oder du gehst später daran selber zu Grunde.-

chiffon
14.07.2010, 12:51
Liebe Kenga,

wenn das eigene Kind an einer Sucht erkrankt ist, ist es meiner Meinung nach kaum möglich, sich emotional zu trennen.

Keine Mutter, kein Vater wird unberührt aus so einer Situation herausgehen. Es ist auch durchaus sinnvoll, sich selbst therapeutische Unterstützung zu suchen.
Von einem Partner kann ich mich räumlich und emotional distanzieren - beim eigenen Kind erscheint es mir unmöglich.

Auch die Eltern erleben durchaus Schuld- und Schamgefühle. Diese gilt es entsprechend anzusehen und zu bearbeiten.
Ich habe niemals die Verantwortung für die Sucht meines Sohnes übernommen - obwohl es von seiner Seite aus durchaus Versuche gab, mir diese zuzuschieben (vom Umfeld ganz zu schweigen).

Es muss beiden Seiten unbedingt klar sein, dass die Hilfe nicht von der Elternseite kommen kann.
Die Verantwortung für sein Tun liegt auf der Seite des Süchtigen. Er muss erkennen, dass er Hilfe braucht und diese dann auch annehmen.
Erst als es bei meinem Sohn an diesen Punkt kam, habe ich ihn unterstützt und begleitet.

Unser Kontakt war zeitenweise schwer gestört. Trotzdem habe ich Kontaktversuche meines Sohnes stets sofort beendet, wenn er nicht nüchtern war. Dies hat bei meinem Sohn zwar großen Zorn ausgelöst (und mich hat es sehr geschmerzt).
Hunderte von Malen habe ich Telefongespräche nach wenigen Sätzen beendet, bei Einladungen schon an der Tür gesagt, "du gehst jetzt besser wieder" (selbst an zwei Weihnachtsfesten war dies der Fall).
Die Wut meines Sohnes war u.a. deshalb so gross, da er Hunger hatte und sich auch auf die Gesellschaft gefreut hatte.
In dieser Zeit gab es auch einige Familienfeste, wo sein Stuhl leer blieb. Da wurde der ganzen Familie das Herz schwer.
Ich musste mir damals oft sagen, dass es seine Wahl ist, ob er nüchtern kommt oder die Flasche vorzieht.
Erst heute wird mir klar, dass diese Wahlmöglichkeit für ihn nicht mehr vorhanden war.

Heute sagt mein Sohn, dass ihn mein Verhalten unterstützt habe, obwohl er damals sehr wütend war und mich gehasst hat.

Das schlimme ist wirklich, dass du im Moment gar nichts tun kannst - außer warten.

Lass es dir in dieser Zeit gut gehen, nehme Kontakt mit Angehörigengruppen auf, suche dir Menschen, die dir gut tun und dich stützen.

LG Helen

Kenga
15.07.2010, 07:59
Guten Morgen, Ihr beiden,

danke dafür, dass Ihr Euch mit mir Gedanken macht.

Beide Sätze treffen den gleichen Kern:

Keiner wird deinen Sohn zur Umkehr bewegen, dass kann er nur selber! Je eher man dies versteht desto leichter wird es einem selber fallen,

Die Verantwortung für sein Tun liegt auf der Seite des Süchtigen. Er muss erkennen, dass er Hilfe braucht und diese dann auch annehmen.

Eure Sätze sind deutlich genug und treffend formuliert, ich werde sie mir verinnerlichen.

Es ist nicht einfach, wenn man als Mutter das eigene Kind ohne Aufhalten in sein Verderben gehen lassen soll.

Ja, Helen, ich habe erfahren dürfen, dass schwache Menschen gern die Schuld am Handeln abgeben oder in Ursachen kramen, die der Betroffene an seinem Gegenüber festmachen will.

Mit meiner Umgebung muß ich überhaupt erstmal über das sensible Thema reden, bis jetzt war ich mit meinem Bangen allein.

Eure Erfahrungen im Umgang traurigerweise auch mit Nahestehenden hilft mir dabei, nicht erst Fehler zu machen, sondern gelassener zu reagieren.

Kenga
30.03.2011, 10:23
Nun möchte ich nach einiger Zeit mal etwas Positives dazu loswerden, weil ich mich sehr über meinen Sohn freue:

mein gewünschter Besuch bei ihm in seiner Umgebung hat stattgefunden, wir hatten angenehme zwei Tage nur für uns beide und für mich sieht es so aus, er geht einen guten Weg.

Es gab gute Gespräche.
Sein Job ist ihm wichtig, auch seine Freundin, unsere Familie. Er hat eine kleine Wohnung und erfreut sich an dieser Selbst-ständigkeit.

Er nimmt freiwillig jede Woche an einem Meeting teil, um zu lernen.

Das Ziel ist, seinen Führerschein wieder zu erlangen.

Ich bin so froh, dass sich offensichtlich alles wieder zum Guten wendet. Nach der langen Zeit bin ich endlich wieder optimistisch.

Euch wünsche ich noch einen angenehmen Tag!

Wildblume2008
30.03.2011, 11:01
Eure Erfahrungen im Umgang traurigerweise auch mit Nahestehenden hilft mir dabei, nicht erst Fehler zu machen, sondern gelassener zu reagieren.

Ich wünsche dir auch viel Kraft für die kommende Zeit. Vielleicht würde es aber deinen Sohn auch auf seinem Weg helfen, gemeinsam zu schauen, warum dein Sohn zu Alkohol und Drogen gegriffen hat und warum er als 16jähriger 900 km weit weg von der Familie wollte?

Ich bin Ersatzmutter meiner Nichte geworden, die auf einem ähnlichen Weg war und wir wissen, dass die wahren Ursachen der Erkrankung bei den Eltern meiner Nichte, meiner Schwester und meinem Schwager, liegen. Die Beiden wollen es nur nicht wahrhaben, wobei mein Schwager Psychologe und meine Schwester Erzieherin ist, dass sie in der frühen Kindheit meiner Nichte verdammt viele Fehler gemacht haben. Auch der Sohn hat nur sporadischen Kontakt zu seinen Eltern und wohnt weit weg, aber hat zum Glück nicht die gleiche "Karriere" hingelegt wie seine Schwester.

Ich finde den Hinweis einer anderen TE gut, dass du dir selber auch Hilfe suchen solltest und mit dir dadurch auch ins Reine kommst und auch gute Mittel an die Hand bekommst, damit du für die kommende Zeit gut gewappnet bis.

Viel Erfolg :blumengabe:.

Wildblume

Wildblume2008
30.03.2011, 11:07
Ich habe niemals die Verantwortung für die Sucht meines Sohnes übernommen - obwohl es von seiner Seite aus durchaus Versuche gab, mir diese zuzuschieben (vom Umfeld ganz zu schweigen).

Das gibt mir sehr zu denken, weil die wahren Ursachen von seelischen Krankheiten oft, nicht immer, im Elternhaus bzw. in der Erziehung des Kindes zu suchen sind.

Es muss beiden Seiten unbedingt klar sein, dass die Hilfe nicht von der Elternseite kommen kann.
Die Verantwortung für sein Tun liegt auf der Seite des Süchtigen. Er muss erkennen, dass er Hilfe braucht und diese dann auch annehmen.
Erst als es bei meinem Sohn an diesen Punkt kam, habe ich ihn unterstützt und begleitet.

Man muss halt differenzieren und richtig ist, dass letztendlich nur der erwachsene Süchtige was an seiner Situation ändern kann. Aber wie im Fall meiner Nichte hätte es ihr sehr geholfen, wenn die Eltern zugegeben hätten, dass die wahren Ursachen ihrer Erkrankung in den ersten Lebensjahren zu suchen sind. Denn meine Nichte hat sich immer geschämt und hat sich schon gefragt, warum sie Drogen und so viel trinkt, bis ihr ein Therapeut alles erklärt hat und sie endlich von der Last befreit war, dass sie selber Schuld an ihrer Krankheit ist. Das ist sie nämlich nicht. Aber sie hat die Pflicht und auch das Glück, als Erwachsene nun selber dazu beitragen zu können, zu gesunden.



Wildblume

schafwolle
24.05.2011, 23:56
Liebe kenga,

ich habe soeben Deine Thread gefunden und gelesen.

Wie geht es Dir und Deinem Sohn heute?

Ich wünsche Euch, dass sich der von Dir so positiv beschriebene Weg weiter fortsetzt.:blumengabe:

LG
schafwolle

Kenga
30.05.2011, 09:45
Jaaaaaa, guten Morgen,

danke Deiner Nachfrage, es sieht für meinen Sohn positiv aus.

Er hat einen guten Job, der ihn fordert, eine schöne Beziehung und pflegt seit einem gut halben Jahr den regelmäßigen wöchentlichen- wenn auch telefonischen- Kontakt mit mir.

Darüber freue ich mich sehr.

Er merkt selbst, dass er da in der Vergangenheit viel versäumt hat.

Zu Pfingsten kommt er uns eine Woche besuchen.

Von seiner Seite ist nun spürbares Interesse wieder da.
Er sagt ja von sich selbst, die "Kumpels" und spannenden Einflüsse waren nicht so die richtigen, aus seiner heutigen Sicht.

Auf jeden Fall werden wir unsere Zeit für gute Gespräche nutzen, die ihn hoffentlich weiter vorwärts bringen.

Durch diese wöchentlichen Meetings wird er schon stark angesprochen, an sich und seinem Verhalten zu arbeiten- vor allem im Umgang mit Suchtmitteln.

Mich macht so glücklich, dass er Hilfen annimmt.

Ich glaube, kurz bevor er von allem ganz losgelassen hat- habe ich ihn doch noch wiederbekommen.



@Wildblume:
es gab nur die eine Lehrstelle in BW, die ihn als 16 J. zum Koch ausbilden wollte.
Hier bei uns bildet niemand vor Vollendung 18.Lj aus.

Sicher machen wir als Eltern auch Fehler, aber wir sprechen darüber, dann ist es für alle Seiten verständlicher.

Wildblume2008
30.05.2011, 11:13
@Wildblume:
es gab nur die eine Lehrstelle in BW, die ihn als 16 J. zum Koch ausbilden wollte.
Hier bei uns bildet niemand vor Vollendung 18.Lj aus.

Sicher machen wir als Eltern auch Fehler, aber wir sprechen darüber, dann ist es für alle Seiten verständlicher.


Hm, braucht man in BW ein Abitur, um dann mit 18 Jahren eine Ausbildung zum Koch machen zu können.? Was machen die Jugendlichen, die mit 16 Jahren die Haupt- bzw. Realschule verlassen? Müssen die noch 2 Jahre warten, bis die dann eine Ausbildung anfangen dürfen?

Ich denke, es ist ein guter Anfang, wenn Eltern sehen, was in der Kindheit/Jugend ihres Kindes schief gelaufen ist, warum dann das Kind später zum Alkohol gegriffen hat. Aber nur darüber reden hilft nicht, weil Alkoholismus eine Krankheit ist, von der man nie geheilt ist.

Wildblume

schafwolle
01.06.2011, 08:09
Liebe kenga,

ich finde es sehr erfreulich, wie positiv sich die Entwicklung gestaltet hat.

Dein Sohn scheint verantwortungsbewusst geworden zu sein, vorallem sich selbst gegenüber. Dass er Hilfe in Anspruch nimmt, ist das beste Zeichen dafür.

Toll, dass Ihr offen reden könnt. Oft ist Reflektiertheit und Hinterfragen genau das, was erwachsene Kinder sich wünschen, um sich ernst und angenommen fühlen zu können.

Es ist bestimmt kein Zuckerschlecken, denn Du wirst von ihm sicherlich vieles hören, was sich in Deiner Wahrnehmung ganz anders dargestellt hat, und auch damit muss man klar kommen. Ich fände es wichtig, dem Begriff "Schuld" in den Gesprächen keinen Raum zu geben.

Alles Liebe weiterhin :blumengabe:
- und berichte doch von Zeit zu Zeit, wie es Euch geht.

LG
schafwolle

Kenga
24.08.2011, 13:37
Alles Liebe weiterhin :blumengabe:
- und berichte doch von Zeit zu Zeit, wie es Euch geht.




Danke für die guten Wünsche.

ich berichte gern, dass mein Sohn 10 Tage seines Urlaubs letzte Woche bei uns harmonisch mit seiner Freundin verbracht hat, meine Tochter kam auch noch überraschend dazu.

Wir hatten eine gute Zeit, nächtelange positive Gespräche, während die anderen schon schliefen.
Keine Vorwürfe, keine Schuldigen wurden gesucht.
Es ist erstaunlich für mich gewesen, nach Jahren die Sicht der Kinder aus vielen Begebenheiten zu erfahren, jeden aus seinem subjektiven Erleben darüber zu sprechen zu lassen und dabei den anderen zu verstehen, verstehen zu wollen.
Hilfreich fand ich auch, zu erfahren, dass Therapeuten in seinen Meetings nicht unbedingt dem jammernden Scheidungskind und seinen Erklärungsversuchen nachgeben, sondern ihm deutlich machten, dass er als junger Erwachsener allein für seine Sucht und sein Leben verantwortlich ist.

Er wirkt sehr aufgeräumt und geordnet und ist optimistisch, was seine planbare Zukunft und Ziele angeht.
Der Job füllt ihn aus und treibt ihn vorwärts, ebenso der Wunsch, seinen Führerschein auf dem schwierigen Weg über die MPU wiederzuerlangen.

Z.Zt. meines Eingangspost`s war ich voller Angst. Es war wohl ein tiefster Punkt in unserer Beziehung. Er hat sich nach zig Stolpern auch nicht mehr zurecht gefunden.

Jetzt befinden wir uns auf Bergtour heraus aus dem Tal, das macht mich glücklich. Ich bin stolz auf meinen Sohn.

Danke für Eure Zusprüche.

ClaudiaK59
24.08.2011, 13:45
Das klingt gut - herzlichste Glückwünsche!!!!

Kenga
24.08.2011, 14:01
Danke ......

der Glückwunsch gebührt ihm, seinem Mut, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, Verantwortung zu zeigen, sich seiner Sucht zu stellen.

Ich glaube ganz fest an ihn, dass er es schafft.

Hoffentlich sind endlich die schweren Zeiten vorbei, zusehen zu müssen, nicht "helfen" zu können, mit ständigen Sorgen und Ängsten leben zu müssen.

schafwolle
01.09.2011, 09:46
Kenga
Jetzt befinden wir uns auf Bergtour heraus aus dem Tal, das macht mich glücklich. Ich bin stolz auf meinen Sohn.

Ich glaube ganz fest an ihn, dass er es schafft.

Wie schön!

Du kannst auch stolz auf Dich sein, denn Du warst ihm eine starke, verlässliche Mutter, die ihn
nie aufgegeben hat.

:blumengabe: