PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pflegekraft klaut: Was tun?



sandra08
27.06.2010, 17:35
Hallo liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte mich mit der Bitte um Rat an euch wenden. Der Rat ist für meine Mutter, die in einer schwierigen Situation steckt; da mir Erfahrung und Know How in solchen Angelegenheiten fehlt, möchte ich gerne eure Einschätzungen hören.

Zur Situation:
Seit drei Jahren leben meine Grosseltern, die beide häusliche Pflege in Anspruch nehmen, in unmittelbarer Nähe zu meinen Eltern in meiner Heimatstadt. Meine Mutter konnte damals eine Eigentumswohnung im Rohbau erwerben und sie entsprechend behindertengerecht ausbauen. Der Grossvater ist im Rollstuhl oder braucht Hilfe, um ein paar Schritte zu gehen, muss gefüttert, zur Toilete gebracht werden, etc. Nun leben abwechselnd (alle 3 Monate) zwei rumänische Haushaltshilfen bei den Grosseltern. Sie haben ein eigenes Zimmer und kümmern sich tagsüber um den Grossvater (Gang zur Toilette, füttern). Die eigentliche Pflege (Waschen, rasieren, anziehen) übernimmt die AWO und ein Pflegedienst, die jeweils am Morgen und am Abend für je eine halbe Stunde kommen.

Für meine Eltern stand schnell fest, dass sie den Grosseltern so lang wie möglich häusliche Hilfe ermöglichen wollten. In den ersten Monaten wechselten sich zahlreiche Personen ab, bis sich vor zwei Jahren das aktuelle Team einpendelte: wie gesagt, zwei Frauen, beide um die 60, kommen für je drei Monate. Mit beiden klappt es bislang sehr gut. Sie sind freundlich, liebevoll mit dem Opa, passen sich gut auch ins Familienleben an, können rel. gut deutsch... Sie erhalten einen monatlichen Lohn, Essen und Unterkunft gratis, sind krankenversichert. Nicht zuletzt sind wir ihnen sehr, sehr dankbar, dass sie sich so um die beiden kümmern, insbesondere um den Opa. Alleine würden wir das nicht schaffen!

Vor kurzem meldete sich meine Oma immer wieder bei meiner Mutter mit der Beschuldigung, dass eine der beiden Frauen klauen würde. Wir haben das anfangs nicht ernst genommen: Meine Oma ist seit mehreren Jahren fast paranoid, verwirrt, beschuldigt immer wieder Personen (auch familienintern), und kriegt, was die beiden Pflegerinnen betrifft, ab und zu Zustände à la "Ihr wisst gar nicht, wie es ist, wenn man keine Privatsphäre mehr hat!" Als die Klau-Vorwürfe immer häufiger kamen, wurde meine Mutter ärgerlich. Sie erfuhr, dass die Oma offenbar in den sachen (Schränken) der Pflegerin nachgeschaut hatte. Diese hat aber ihr eigenes Zimmer, das tabu ist (aber in der Wohnung meiner Grosseltern). Sie hat es ihr nicht geglaubt und wollte die Pflegerin nicht falschen Anschuldigungen aussetzen.

Vor zwei Tagen hat meine Mutter dann selbst nachgeschaut, um sich zu überzeugen - in Anwesenheit meiner Oma. Und es kam heraus: Überall Plastiktüten mit allen möglichen Sachen, unter den Kleidern: Handtücher, Tischtücher, z.T. völlig neu und noch verpackt, Putzmittel, Reinigungstücher, Lebensmittel, etc. Nicht nur in einem Schrank, sondern in mehreren!

Um ganz sicher zu gehen, hat meine Mutter am nächsten Tag ein kleines Theater veranstaltet (das fand ich nicht gut, aber egal): Sie hat offensichtlich ein bestimmtes Handtuch gesucht, das im Schrank der Pflegerin versteckt war, und die Pflegerin auch direkt gefragt, ob sie wüsste, wo es sei. Als Antwort kam, sie habe es noch nie gesehen.

Meine Mum ist total verunsichert. Um ganz ehrlich zu sein: Ganz ausschliessen können wir nicht, dass die Grossmutter die Sachen selbst dort versteckt hat, um die Pflegerin in ein schiefes Licht zu rücken. Aber die Menge der Sachen, und die Art des Versteckens spricht nicht für die Grossmutter. Was soll sie nun unternehmen? Kündigung? Per sofort oder auf Ende der 3-Monats-Frist (ist in vier Wochen)? Der Vertrauensbruch ist das eine - auf der anderen Seite steht: Anstrengung, jemand Neues zu finden, Vertrauen aufzubauen, etc. Und es spielt natürlich auch das soziale Gewissen eine Rolle: Die Pflegerinnen kommen aus sehr ärmlichen Verhältnissen (mein Vater hat sie einmal nach Rumänien gefahren und dabei ihre Wohnsituation gesehen).

Es ist auch so, dass meine Eltern beiden Pflegerinnen auch immer wieder alte Sachen (Kleider, etc., was man halt nicht mehr braucht) gratis mitgegeben haben. Auch geschenke werden seit drei Jahren grundsätzlich für die Pflegerin "mit-gekauft", sie ist natürlich auch immer mit eingeladen, wenn wir z.B. an Feiertagen zum Essen gehen... All das schmerzt jetzt natürlich umso mehr.

Was meint ihr??

Schon jetzt herzlichen Dank für Eure Antworten.

Gruss, Sandi

Laurinchen
27.06.2010, 18:33
Hallo Sandi,

so schwer es euch fällt, sprecht die Frauen direkt an, nur so könnt ihres klären.
Ich arbeite in einem ambulanten Pflegedienst und wir hatten eine Mitarbeiterin, die immer etwas mitgehen liess, immer bei ein und derselben Patientin, die Angehörigen zweifelten zu Beginn, nachdem sie sich sicher waren, informierten sie die Polizei, die sich dann erfogreich auf die Lauer legten, das war für alle sehr unangenehm, aber nachdem die Sache geklärt war kehrte wieder Ruhe ein, die Patientin wird noch immer von uns betreut, die Mitarbeiterin entlassen und ich bin bei der Personalauswahl sehr vorsichtig.

Ich wünsche euch, das ihr die Situation klären könnt.

Liebe Grüße

Marianne

Chris2008
28.06.2010, 12:32
Hallo,

Eure Oma kann jederzeit bei der Pflegekraft mit Eurer Entdeckung herausplatzen. Da würde ich lieber so schnell wie möglich klar Schiff machen. Dabei gehe ich davon aus, dass deine Mutter diese Sachen schon als aus dem Bestand der Oma stammend identifizieren konnte und sie nicht vom Lohn gekauft wurden.

Erkundigt Euch bei der Vermittlungsagentur (?) wie schnell sie ggfs. Ersatz beschaffen kann und fragt die Pflegerin, ob sie die Gegenstände in ihren Schränken erklären kann.
Wenn die Pflegerin behauptet, die Oma habe alles versteckt, hätte sie es ja seit der ersten Durchsuchung merken müssen. Wenn sie behauptet, die Oma habe ihr alles geschenkt, hätte sie auf das Handtuch hinweisen können, als Deine Mutter nachgefragt hat.
Organisiert für die Nacht nach dem Gespräch ein Pensionszimmer und dann die Heimreise.
Auch ohne juristisch hieb- und stichfeste Beweislage ist eine sog. "Verdachtskündigung" möglich und bei so engem Zusammenleben wohl angebracht.
Bei der neuen und der zweiten Pflegerin solltet ihr darauf hinweisen, dass sie besser Geschenke nur nach Rücksprache mit Euch annehmen sollten, um Missverständnisse zu vermeiden.
Chris

Promethea71
28.06.2010, 13:42
Ich würde auch das Gespräch mit der Pflegerin suchen und versuchen zu ergründen, was los ist.

Die Möglichkeit, dass die Großmutter die Sachen versteckt hat besteht ja und die noch verpackten Sachen könnte die Pflegerin auch von ihren Geld gekauft haben, weil es vergleichbares in Rumänien nicht gibt.

Oder auch, dass dein Großvater oder deine Großmutter es ihnen geschenkt habe und es nicht mehr wissen oder ein ähnliches Missverständnis.

Wenn euer Verhältnis so gut ist, wie beschrieben, finde ich, ihr solltet mit ihnen reden und es klären.

Und wenn sie es gestohlen haben, würde ich es immer noch von ihrer Reaktion abhängig machen, ob ihr tatsächlich kündigt oder erstmal nur verwarnt.

Liebe Grüße

promethea

sandra08
29.06.2010, 12:01
Vielen Dank für Eure Antworten!

Ja, ein Gespräch steht wirklich an, das lässt sich nicht mehr hinausschieben. Ich war am Wochenende dort und finde es sehr ungemütlich, wenn wir alle zusammen am Kaffeetisch sitzen (inkl. Pflegerin), und einfach so getan wird, als ob nichts wäre. Meine Grossmutter kann sich wirklich bei der nächsten Gelegenheit "verplappern"...

Die Option "Es abhängig machen von ihrer Reaktion" wäre ja schön - nur glaube ich kaum, dass meine Grossmutter da mitspielt. Wahrscheinlich würde sie der Pflegerin weiter nachspionieren oder die geschichte jedes Mal aufs Tapet bringen, wenn ihr etwas nicht passt. Ich vermute, dass es auf einen personellen Austausch hinauslaufen wird. Aber das ist eben der Lauf der Dinge...

Herzliche Grüsse!

AnniWengert
07.02.2016, 12:19
Werbung gelöscht.
Bitte auch keine Texte aus Fremdcommunities veröffentlichen.

Entchen
07.02.2016, 12:33
Das ist aber lieb von dir, in einem sechs jahre alten strang so ganz und gar nicht subtile werbung zu schreiben... Ich vermute, das problem konnte mittlerweile gelöst werden und sandra brauchte keine sechs jahre, um die sache zu klären und ggf. Ersatz zu finden.

gezeitenfrau
07.02.2016, 14:48
Das ist aber lieb von dir, in einem sechs jahre alten strang so ganz und gar nicht subtile werbung zu schreiben... Ich vermute, das problem konnte mittlerweile gelöst werden und sandra brauchte keine sechs jahre, um die sache zu klären und ggf. Ersatz zu finden.

:ooooh: Manche scheuen vor nichts zurück um Werbung zu platzieren...