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Inaktiver User
13.06.2010, 13:29
Mein Mann trinkt nicht jeden Tag Alkohol. Aber sowie iwr gemeinsam oder er allein weg geht, trinkt er reichlich. Oft soviel, dass er völlig betrunken ist. Meist schläft er dann sogar am Tisch (sogar schon mal im stehen !!) ein.
Mir ist das immer sichtlich peinlich, aber meinen Mann scheint das nicht zu beeindrucken. Er tut es immer ab mit "War doch nicht so schlimm, war doch nicht so viel...."

Ich finde, er hat jegliches Maß für Alkohol verloren.

Diskussionen darüber bringen gar nichts. Er blockt alles ab. Er will mir dann auch immer mal demonstrieren, dass es auch "ohne" geht. Aber das hält er nie lange durch.

Er verzichtet zwar inzwischen (meist) auf Schnaps, aber dafür trinkt er dann ums so mehr Bier oder Wein.

Darauf angesprochen das ich finde, er ist abhängig, verneint er rigoros.

Ich finde es aber gar nicht witzig, wenn ein erwachsener Mann sich regelmäßig wie ein pubertierender 15 jähriger betrinkt.

Daher meine Frage, ist das nun Sucht oder nicht?

MrsShort
13.06.2010, 14:17
Möglich. Vielleicht eine Vorstufe davon.
Warnzeichen ist meist, wenn rigoros abgestritten wird, ein Problem mit dem Aufhören zu haben und man nicht aufhören kann.

Männer trinken gerne und fühlen sich damit irgendwie männlich(er).
Sie darin zu kritisieren, finden die wenigsten in Ordnung.

Als Partnerin die richtigen Worte zu finden, ist eine Gratwanderung, weil solche Diskussionen schnell in Schuldzuweisung enden.

Mach ihm deutlich, dass Du Dir Sorgen machst wegen seines Trinkverhaltens und dass Du anfängst, Dir Gedanken über mögliche Konsequenzen zu machen, wenn er nicht aufhört, zu negieren, was offensichtlich ist: Er hat ein Problem mit Alkohol.

Inaktiver User
13.06.2010, 16:38
Mein Mann trinkt nicht jeden Tag Alkohol. Aber sowie iwr gemeinsam oder er allein weg geht, trinkt er reichlich. Oft soviel, dass er völlig betrunken ist. Meist schläft er dann sogar am Tisch (sogar schon mal im stehen !!) ein.
Mir ist das immer sichtlich peinlich, aber meinen Mann scheint das nicht zu beeindrucken. Er tut es immer ab mit "War doch nicht so schlimm, war doch nicht so viel...."

Ich finde, er hat jegliches Maß für Alkohol verloren.

Diskussionen darüber bringen gar nichts. Er blockt alles ab. Er will mir dann auch immer mal demonstrieren, dass es auch "ohne" geht. Aber das hält er nie lange durch.

Er verzichtet zwar inzwischen (meist) auf Schnaps, aber dafür trinkt er dann ums so mehr Bier oder Wein.

Darauf angesprochen das ich finde, er ist abhängig, verneint er rigoros.

Ich finde es aber gar nicht witzig, wenn ein erwachsener Mann sich regelmäßig wie ein pubertierender 15 jähriger betrinkt.


P.S. scheiß rechtschreibfehler, aber ich ... egal.:zwinker:
Daher meine Frage, ist das nun Sucht oder nicht?

Auf welcher Ebene willst Du überzeugen, bzw. Veränderungen bewirken?
Soll er dir zu hören, oder soll er sich bewusst werden, wie schlimm es um ihn steht?

Da weiß ich nicht, was ich Dir raten soll. Im Bezug auf den Alk gibt es Beratungen für "Angehörige".

Ich will also bei Dir vorsichtig sein, weil man schnell daneben liegt. Trotzdem von einem alten Alki der Hinweis: Er söuft sich den Frust auch noch unkontrolliert weg und wischt das Unangenehme weg. Wenn er nichtm schon täglich seine Dosis braucht - er wird sie irgendwann brauchen.
Das ist aber nur mein Rat.
Gewissheit bekommt ihr beide nur, wenn ihr zu einer Beratungstelle geht.

Ich glaube, er wird nicht mal dann mit gehen, wenn es Dir zu viel wird.


Aber mach es so: Ja oder Nein!

Oder willst Du so weiter leben?

Inaktiver User
13.06.2010, 19:04
@ maddin,

ein ganz klares NEIN. Ich möchte so nicht weiter leben.

Ich möchte sicher beides. Zum einen das er MIR zuhört. Zum anderen, dass er einsieht, was er da tut.

Vor längerer Zeit waren wir schon mal zu einem "ernsthaften" Gespräch bei unserem Hausarzt. Der hat ihm sehr klar gemacht, welche Problematik er da hat. Er war auch "ziemlich" einsichtig. Willigte auch ein, mal eine ganze Zeit ganz auf Alkohol zu vferzichten. Das hielt aber nicht lange an. Dann steigerte es sich wieder allmählich.

"Eigentlich" sieht er ja schon ein, dass das so nicht okay ist. Aber wenn er dann wieder über die Stränge geschlagen hat, dann wird alles bagatellisiert. Dann war es die Situation, dann hatten wir vorher Stress, dann war eben die Stimmung so.... Immer irgendwelche Ausreden.

Am letzten Freitag waren wir gemeinsam auf einem Fest. Es war schönes Wetter, viele Frende da, gutes Stimmung. Ich bin (wie immer) gefahren. Die Kinder waren dabei. Als diese dann müde wurden und wir nach Hause wollten, trieb er mich fast zum durchdrehen. Da saß er am Tisch (wir standen schon und wollten gehen), schenkte sich noch ein Gläschen ein. Und prostete noch einmal ganz gemächlich, grinste mich dabei an, so nacjh dem Motto "hier wird gegangen, wenn ich es will"
Ich musste mich in dieser Situation soooo beherrschen. Am liebsten hätte ich meine Kinder gemommen und wäre einfach gefahren.

Er scheint diesen scheiß Alkohol als Machtmittel zu gebrauchen. was will er mir damit denn beweisen?

Probleme runterspülen. JA! Sicher macht er das. Hat er ja schon zugegeben. Auch darüber gab es Grespräch en mass. Immer mit dem gleichen Ergebnis: "Ich zeige dir, dass ich auch ohne kann!"

Vielleicht hätte mir ein Satz in der PT doch mehr zu denken geben sollen. Wir saßen beim Therapeut, mal wieder kam das Thema Alk auf den Tisch. Der Therapeut sagte ihm ganz klar, er müsse sich zwischen mir und dem Alk entscheiden, denn ich würde das ja wohl nicht mehr länger mitmachen. Nach langer Überlegung sagte er: "Nein, da kann er sich nicht entscheiden!"

Tja, vielleicht habe ich auch hier alles viel zu lange mitgemacht!!

greta1
13.06.2010, 19:17
Warum hast Du ihn denn in der Situation nicht einfach stehen gelassen? Ich hätte ihm 20 Euro fürs Taxi gegeben und wäre mit den Kindern gefahren.

Wenn seine "Alkohol-Aussetzer" keine Konsequenzen haben, warum sollte er es dann ändern? Warum spielst Du dieses Macht-Spiel denn mit? Steige aus!

Inaktiver User
13.06.2010, 20:02
Hi Bienchen,

selbst wenn dir hier alle bestätigen würden, dass dein Mann ein Suchtproblem hast, was machst du dann damit?

Inaktiver User
13.06.2010, 23:32
@ sleepie,

....das weiß ich auch nicht genau. Aber es ist eine Möglichkeit mit anderen darüber zu sprechen.

@ greta,

..ja, das hätte ich tun sollen. Würde ich jedem anderen auch raten. Aber ich stand da. Alle haben die Sirtuation beobachtet. Und hinterher heißt es dann, die hat ihn ja da sitzen lassen.
ich glaube, ich mache mir auch viel zu viel Gedanken, was andere Denken könnten. Möchte ich doch sooo gern die Fassade nach außen aufrecht erhalten. Wollte / will ich ihn doch immernoch vor allen schützen.

Wenn ich das so lese ist es wirklich kaum verständlich, aber so ist es nun mal!

izzie
14.06.2010, 09:37
Mein Mann trinkt nicht jeden Tag Alkohol. Aber sowie iwr gemeinsam oder er allein weg geht, trinkt er reichlich. Oft soviel, dass er völlig betrunken ist. Meist schläft er dann sogar am Tisch (sogar schon mal im stehen !!) ein.
Alle haben die Sirtuation beobachtet. Und hinterher heißt es dann, die hat ihn ja da sitzen lassen.
ich glaube, ich mache mir auch viel zu viel Gedanken, was andere Denken könnten. Möchte ich doch sooo gern die Fassade nach außen aufrecht erhalten. Glaubst du wirklich, dass das noch notwendig bzw. möglich ist?

Inaktiver User
14.06.2010, 10:21
bienchen, Dein Verhalten weist darauf hin, dass Du selbst schon einigermassen in der Problematik steckst, und Hilfe brauchen kannst. Es könnte gut sein, Dich an eine Al-Anon - Gruppe zu wenden, um Unterstützung zu finden.

Mit Deinem Wunsch, die "Fassade wahren" zu wollen, bist Du an der Sucht Deines Mannes sekundär beteiligt, eines bedingt und unterhält das andere. Aus diesen Kreisläufen muss auch der betroffene Angehörige, müssen die Kinder des Suchtkranken aussteigen.

Allein kann das furchtbar schwer sein, daher: nimm Hilfen in Anspruch!

Alles Gute für Dich!

astridda
14.06.2010, 16:12
Liest sich doch immer wieder gleich.
Jahrelang macht man das Spiel mit , versucht die Fassade zu wahren und in Wirklichkeit ist man (Frau) blind.

Ich hab mich vor zwei Jahren von meinem Mann, der doch keine Probleme hatte, getrennt. War die einzige Möglichkeit mein letztes bisschen Selbstachtung zu erhalten.
Als ich merkte, das mein Sohn anfing mich nicht mehr für voll zu nehmen.
Mir geht es seitdem wesentlich besser. Hab mir ganz viel Zeit genommen mich mit der ganzen Situation auseinanderzusetzen. Auch mit meinem Anteil an der Situation.

Ändern wird sich nur etwas, wenn du anfängst konsequent zu sein.

Und wenn man möchte findet man sehr viel Unterstützung. Hätte ich nicht für möglich gehalten. Von Leuten, vor denen man doch alles soooo gut versteckt hatte.:knatsch:

Inaktiver User
14.06.2010, 17:56
[QUOTE=bienchen007;7147727]@ sleepie,

....das weiß ich auch nicht genau. Aber es ist eine Möglichkeit mit anderen darüber zu sprechen.

/QUOTE]

Ich meinte damit: was würdest du ändern, wenn du hier die Bestätigung bekommst, dass dein Mann suchtkrank ist?

:smile:

Inaktiver User
14.06.2010, 18:19
Er ist suchtkrank. Weil er es nicht steuern kann. Oder er ist schlicht unfähig, in Beziehungen das wahr zu nehmen, was den anderen einschränkt. In beiden Fällen ist eine Beratung nicht das Schlechteste. Im günstigen Fall ist es "nur" eine Beziehungeschichte.

Und er soll sich doch mal ein Blutbild machen lassen. Dann steht es da. Aber nicht nur die Leberwerte, sondern auch noch den CDT. Wenn es wirklich so ist, wie beschrieben, kommt er nicht mehr aus.

Lilith
14.06.2010, 18:45
Er ist suchtkrank. Weil er es nicht steuern kann. Oder er ist schlicht unfähig, in Beziehungen das wahr zu nehmen, was den anderen einschränkt. In beiden Fällen ist eine Beratung nicht das Schlechteste. Im günstigen Fall ist es "nur" eine Beziehungeschichte.

Und er soll sich doch mal ein Blutbild machen lassen. Dann steht es da. Aber nicht nur die Leberwerte, sondern auch noch den CDT. Wenn es wirklich so ist, wie beschrieben, kommt er nicht mehr aus.
Das Blutbild verändert sich erst bei sehr ausdauerndem Alkoholkonsum . . .

Die sogenannten Leberwerte wiederum sind etwas anderes als das Blutbild.

Davon mal ganz ab, wenn er uneinsichtig ist, halte ich es für zweifelhaft, ob ihn Blutuntersuchungen von seiner Abhängigkeit überzeugen könnten.

Wobei ich aus der Ferne bienchen007s Schilderungen nicht eindeutig eine ausgewachsene Suchtproblematik entnehmen möchte.

Eine Art von Kontrollproblem scheint aber schon zu bestehen.

Inaktiver User
14.06.2010, 19:08
Das Blutbild verändert sich erst bei sehr ausdauerndem Alkoholkonsum . . .

Die sogenannten Leberwerte wiederum sind etwas anderes als das Blutbild.

Davon mal ganz ab, wenn er uneinsichtig ist, halte ich es für zweifelhaft, ob ihn Blutuntersuchungen von seiner Abhängigkeit überzeugen könnten.

Wobei ich aus der Ferne bienchen007s Schilderungen nicht eindeutig eine ausgewachsene Suchtproblematik entnehmen möchte.

Eine Art von Kontrollproblem scheint aber schon zu bestehen.die leberwerte und dcdt sagen genug a

Inaktiver User
14.06.2010, 20:32
die leberwerte und dcdt sagen genug a


Das ist nicht richtig.

Laborwerte/ sog. "Leberwerte" können zwar einen regelmässigen Alkoholkonsum belegen -sind jedoch kein Index für eine Suchterkrankung.

Inaktiver User
14.06.2010, 20:36
Das ist nicht richtig.

Laborwerte/ sog. "Leberwerte" können zwar einen regelmässigen Alkoholkonsum belegen -sind jedoch kein Index für eine Suchterkrankung.


Sorry, ich wollte sagen: In Verbindung mit CDT. Dann ist es sicher.

Sligo
15.06.2010, 00:29
Das Blutbild verändert sich erst bei sehr ausdauerndem Alkoholkonsum . . .

Die sogenannten Leberwerte wiederum sind etwas anderes als das Blutbild.

Davon mal ganz ab, wenn er uneinsichtig ist, halte ich es für zweifelhaft, ob ihn Blutuntersuchungen von seiner Abhängigkeit überzeugen könnten.

Wobei ich aus der Ferne bienchen007s Schilderungen nicht eindeutig eine ausgewachsene Suchtproblematik entnehmen möchte.

Eine Art von Kontrollproblem scheint aber schon zu bestehen.

Ich kenne deine Erfahrungen und dein Wissen bezüglich Suchtproblematiken nicht. Was ist denn eine ausgewachsene Suchtproblematik für dich?? Ich finde diesen Satz so einfach per Ferndiagnose sehr gefährlich.... Meintest du "nur" körperliche Abhängigkeit, "nur" psychische Abhängigkeit oder die Kombination?

Typologische Klassifizierung nach Jelinek (Quelle: Alkohollexikon.de):

"Gamma-Alkoholiker

Suchttrinker, die in einer voralkoholischen Phase im Trinkverhalten unauffällig und sozial motiviert sind. Es besteht zunehmend Erleichterung beim Trinken, Alkohol wird zunehmend zum Stimmungsausgleich getrunken, wobei immer höhere Dosierungen erforderlich sind.

Es folgt die Prodomalphase, die durch das Auftreten von Erinnerungslücken gekennzeichnet ist. Es wird allein und heimlich getrunken, die soziale Isolierung beginnt. Wegen der gestiegenen Alkoholtoleranz besteht keine Auffälligkeit im Umfeld.

In der folgenden kritischen Phase kommt es zum Kontrollverlust. Kleinste Alkoholmengen steigern den Drang nach weiterem Alkohol. Das Umfeld reagiert zunehmend ablehnend. Der Versuch, mit dem Trinken aufzuhören, wird von körperlichen Entzugserscheinungen geprägt (Schweissausbrüche, Unruhe). Das Selbstwertgefühl geht verloren.

In der chronischen Phase wird tagelang exzessiv getrunken, mit der Folge von immer stärker werdenden seelischem, körperlichem und sozialen Abbau. "

Die kritische Phase ist zumeist der point of no return. Das heisst für den Betroffenen, dass er nicht oder nur unter grössten Mühen kontrolliert Alkohol trinken kann. Irreversibel.

Es gibt übrigens Abhängige mit guten Leberwerten. Das alleine reicht nicht zur Feststellung einer Problematik.

Zur TE: Es ist verdammt schwer für Angehörige. Du schreibst "Wollte / will ich ihn doch immernoch vor allen schützen" und erreichst eigentlich das Gegenteil. So lange das System ihn noch trägt erkennt er keinen Grund sich Hilfe zu suchen. Warum auch? Ist doch alles in Ordnung und im Moment sind die Probleme überschaubar. Und wenn mal Probleme entstehen gibts ja den Alkohol. Da kann "Mann" sich wieder gut rechtfertigen warum er so viel trinkt.

Das mit "Glas Bier beim Gehen" ist doch auch ein Zeichen - es ist zu erkennen welche Macht der Alkohol mittlerweile hat. Stärker als das Bedürfnis der gesamten Familie. Tausche doch mal gegangen durch getrunken in deinem Satz: "hier wird gegangen, wenn ich es will"

Du schreibst auch: "Er scheint diesen scheiß Alkohol als Machtmittel zu gebrauchen. was will er mir damit denn beweisen?" Darf ich mal umformulieren: Er braucht diesen Scheißalkolhol und das ist das Machtmittel über ihm. Kann es nicht mehr kontrollieren trotz der Versuche entsteht keine Besserung. Welche Macht die Sucht über ihn hat zeigt ja schon die Aussage dass er sich nicht zwischen Familie und Alkohol entscheiden will und kann.

Ich kann dir auch empfehlen dich um dich zu kümmern und dir Hilfe zu suchen. Al-Anon. Oder die Freundeskreise. Dort gibt es auch Angehörigengruppen.

LG
Sligo

Inaktiver User
16.06.2010, 11:16
@ maddin,

Laborwerte hat er erst testen lassen. Und da mein / unser Hausarzt in die Problematik eingeweiht ist, wurden entsprechende Werte auch bestimt. Doch wie hier auch schon gesagt. Die waren alle in Ordnung. Und daher finde auch ich, sind solche Werte kein Indiz für ein Vorliegen von Sucht oder "nicht Sucht"

@ Sleepie,

dann könnte ich anders damit umgehen als jetzt.
Jetzt dümpel ich eher so dahin. Glaub mal "Ja" mal "Nein".
Dann könnte ich auch ihm gegenüber anders argumentieren. So findet er ja, wie wunderbar von sligo aufgeschreiben, hier seine Erklärungen. Nach seiner Meinung hat er doch alles unter Kontrolle.
Ich habe ihn mit derartiger Literatur schon konfrontiert. Ihm Texte zum lesen gegeben, aber er verneint eine Suchtproblematik zu haben!!

Doch eins ist mir auch bewusst. Ich werde hier keine Antwort darauf finden ob mein Mann sücjhtig ist. Vielleicht habe ich da auch die Eingangsfrage falsch gestellt. Mir geht es darum grundsätzlich noch mehr darüber zu erfahren, wo beginnt Sucht. Und erkenne ich dort Anzeichen bei meinem Mann.

@ sligo,

diese Beschreibung der verschiedenen Phasen kenne ich. Doch kann ich meinen Mann nicht eindeutig einer dieser Phasen zuordenen. Es spiegeln sich immer mal wieder andere Aspeket wieder.
Am "besten " passt der Gammatyp. Wobei ich bei meinem Mann schon nicht mehr von einem "unauffälligem" Trinkverhalten sprecehn möchte. Ich finde sein Verhalten schon sehr auffällig. Aber eben nicht dauerhaft. Nur zu bestimmten Anlässen, eben wenn es Stress gab o.ä. Aber dann trinken ohne halt.....

Würde ich ihm diese Frage nach Familie oder Alkohol heute stellen, würde er klar antworten, dass er sich für die Familie entscheiden würde. Doch er sagt auch ganz klar, immer auf Alkohol verzichten will / kann er nicht. Dafür würde ihm das Bier zu gut schmecken.

Es geht ja auch nicht grunsätzlich darum, dass er nie mehr ein Bier trinken soll. Das habe ich nie von ihm verlangt. Doch sehe ich, wenn er in entsprechenden Situationen ist, keine Kontrolle darüber hat wie viel er da trinkt.
Ich bin ja nun auch keine Nonne. Ich trinke auch mal ein Gals Bier oder Wein, auch mal 2. Aber ich merke doch, wenn der Alkohol anfängt mir nicht mehr gut zu tun. Spätestens dann ist aber Schicht im Schacht.
Und da trennen sich unsere Wege und unser Verständnis von "vernünftigen trinken". Er trinkt dann eben weiter........

@ all,

ich hoffe, es sit noch einmal klar geworden um was es mir geht.
Einfach darum, ein Intsrument in der Hand zu haben um mit meinem Mann besser reden zu können. Ihm meine Ängste auch klarer zu machen.
Es kommt aber noch eine nicht zu unterschätzende Problematik hinzu. Mein Mann nimmt Antdepressiva. Seine Therapeutin hat immer zu ihm gesagt :"sie müssen vorsichtig sein, im Umgang mit Alkohol"
In meinen Augen hat sie ihm nicht klar genug gemacht, welche Gefahren AD und Alkohol in sich bergen. Und das hat seine Meinung in meinen Augen noch untermauert. "Ich habe alles unter Kontrolle"

LG
bienchen

PS: und sicher gebraucht er den Alkohol als Stimmungsaufheller!!!

Inaktiver User
16.06.2010, 11:30
@ all,
*
ich hoffe, es sit noch einmal klar geworden um was es mir geht.
Einfach darum, ein Intsrument in der Hand zu haben um mit meinem Mann besser reden zu können. Ihm meine Ängste auch klarer zu machen.
Es kommt aber noch eine nicht zu unterschätzende Problematik hinzu. Mein Mann nimmt Antdepressiva. Seine Therapeutin hat immer zu ihm gesagt :"sie müssen vorsichtig sein, im Umgang mit Alkohol"
In meinen Augen hat sie ihm nicht klar genug gemacht, welche Gefahren AD und Alkohol in sich bergen. Und das hat seine Meinung in meinen Augen noch untermauert. "Ich habe alles unter Kontrolle"
*
LG
bienchen
*
PS: und sicher gebraucht er den Alkohol als Stimmungsaufheller!!!

Ich glaube, Du versteigst Dich. Und zwar in Analysen / beweisen / Instrumenten / Methoden .... je mehr, desto komplizierter, desto verrannter, desto mehr verknotest Du Dich mit Deinem Mann und Deinen eigenen Nöten.

Ich würde es ganz anders angehen: Nämlich vereinfachen.
was nützt Dir / ihm es "genau benennen" zu können wenn man(n) es nicht hören will? Wer die AD-Alkohol-Thematik nicht begreift, begreift insgesamt nicht, dass schon ohne Alkohol die Kacke ziemlich am dampfen ist und angesagt ist, sich ganz konsequent um sich selbst zu kümmern.


Ich finde, es genügt für Dich zu wissen, dass Dein Mann auf einem sehr destruktiven Trip ist und Du drauf und dran bist mitzugehen.
Punkt.

Was sind DEINE Konsequenzen?
Und damit meine ich nicht, deutlicher / lauter / insistierender mit ihm zu reden. Du brauchst kein Instrument für ihn, Du brauchst einen WEG FÜR DICH. Zumindest einen ersten Schritt. Und dann den nächsten.
So lange Du den nicht hast, behaupte ich, hast DU auch nicht ganz begriffen um was es geht.

Inaktiver User
16.06.2010, 11:37
Ich finde, es genügt für Dich zu wissen, dass Dein Mann auf einem sehr destruktiven Trip ist und Du drauf und dran bist mitzugehen.
Punkt.

Was sind DEINE Konsequenzen?
Und damit meine ich nicht, deutlicher / lauter / insistierender mit ihm zu reden. Du brauchst kein Instrument für ihn, Du brauchst einen WEG FÜR DICH.

Die Versuche, einem uneinsichtigen Trinker/Alkoholiker nachzuweisen, dass er ein Trinker/Alkoholiker sei sind nutzlos, Beweise hin oder her.
Sogar dramatische Leberwerte können von diesen Menschen auf alles mögliche geschoben werden, nur nicht auf ihren Alkoholkonsum.

Solange er seinen Konsum normal findet, rennst du gegen Mauern.

Möglicherweise hilft es dir, ihn zu verstehen, dass er möglicherweise krank ist und nicht böswillig.

Aber wie wirst DU damit leben? :smile:

Inaktiver User
16.06.2010, 11:55
Ich schliesse mich Leda uneingeschränkt an. An Deiner Stelle, bienchen, würde ich mir ihre Worte als Warnung ausdrucken - die Art und Weise, wie Du argumentierst, spricht deutlich für Co-Abhängigkeit.

Schau auf Dich, und versuch nicht, Deinen Partner von etwas überzeugen zu wollen, das er nicht sehen will. Es ist SEINE Entscheidung, sehenden Auges sein Leben in die Tonne zu treten. Es ist DEINE Entscheidung, ob Du mitgehst.

Sligo
16.06.2010, 12:42
Wenn du dir ganz schonungslos und offen ansiehst wie sich die Fakten darlegen (wie du es gerade hier machst) wird immer klarer, dass mehr als ein Problem vorliegt. Es ist ihm unmöglich auf Alkohol zu verzichten oder die Trinkmenge deutlich zu reduzieren, obwohl Medikamente mit Kontraindikation Alkohol eingenommen werden. Das ist eindeutig einer Abhängigkeit zuzuordnen. Ein weiteres starkes Merkmal beschreibst du immer wieder: Kontrollverlust. Mir ist es aber auch bewusst, dass auch Angehörige große Probleme haben die Realität zu sehen und sich wünschen, dass es nicht so sein soll wie sich die Situationen darstellen….

Des Weiteren besteht ein starker Zusammenhang zwischen Depressionen und Alkoholmissbrauch. Despressionen können durch Alkohol ausgelöst oder verstärkt werden. Andererseits verschafft Alkohol dem Depressiven vorübergehend gewisse Erleichterung und Linderung der Symptome. Ein übler Kreislauf mit sehr schädlicher Selbstmedikation. Hohe Gefahr der Abhängigkeit, da Alkohol manipulativ für ein besseres Wohlbefinden eingesetzt wird. Das Gehirn merkt sich die Verbindung zwischen Erleichterung und Alkohol. Möchte Alkohol zugeführt bekommen. Immer mehr - damit die gewünschte Wirkung auch eintritt. Einer von vielen Wegen in die Suchterkrankung……

Bezüglich der Therapeutin bin ich mir ziemlich sicher, dass sie vom Alkoholmissbrauch nichts weiß oder erahnen kann. Im Endeffekt schadet „Mann“ sich selbst. Aber die größte Hürde für Alkoholkranke ist es gegenüber Dritten sein Problem zu offenbaren. Grundlage für die Veränderung. Leider ist es wahrscheinlich, dass die Therapeutin nicht die geeigneten Therapien anbieten kann, da sie die wirklichen Ursachen und Auswirkungen nicht kennen kann.

Die Frage die sich stellt ist, wo du deine Grenze für dich und deine Familie ziehst. Was ist gerade noch tolerabel und was ist schädlich. Bedenke vor allem, dass die Kinder Schutz benötigen. Ich kann dir nochmals empfehlen, dir Hilfe und Unterstützung zu suchen. Selbsthilfegruppen für Angehörige oder Suchtberatungsstellen. Für dich und deine Kinder. Für sich kann NUR dein Mann SELBST was tun.

LG
Sligo

Inaktiver User
16.06.2010, 15:33
@ sligo,

noch ein kurzes Wort zur Therapeutin. Ihr war mehr als einmal bekannt wie, wann und wie viel mein Mann trinkt. Trotz meiner Bitte hat sie hier nicht interviniert. Ich denke, sie hat die "Angelegenheit" genauso leicht genommen, wie die Erkrankung meines Mannes.
ich habe mehrfach darum gebeten, dass ie ihm den Zusammenhang noch mal klar macht. Aber vergebens.

@ all,

ich bin mir meiner Verantwortung, besonders der gegenüber meiner Kinder sehr wohl bewusst und schütze diese.

Vielleicht befinde ich mich auch in einer Art Co- Abhängigkeit, bin manchmal blind für die Realität, da ich sie mir einfach anders wünsche.

Wenn ich all eure Anwtorten so zusammen fasse kommt am Ende raus: er entscheidet für sich, ich für mich und die Kinder!
Okay, das ist mir klar.
Aber wie kann ich ihm denn helfen? Ich will nämlich nicht sehenden Auges zusehen, wie er sein Leben in die Tonne wirft!
Wie, wenn nicht mal die Therapeutin, die ja nur weitaus mehr Möglichleiten hätte als ich etwas unternimmt. Stattdessen nur zu einem "vernünftigem Umgang mit Alkohol" anregt.

Lassen denn alle ihre suchtgefährdeten Partner im Stich?

LG
bienchen

astridda
16.06.2010, 16:04
Hallo Bienchen007

Ich denke nicht alle lassen ihren Partner im Stich. Ich habe es getan.

Es ist richtig, du entscheidest für dich und deine Kinder und dein Mann für sich.

Für meine Situation kann ich nur sagen, dass Hilfe meinerseits nicht wahrgenommen wurde. Es bestand seiner Meinung nach ja kein Problem.

Übrigens ist mein Ex- Mann jetzt trocken. Nach meinem Auszug fiel er nochmals ganz tief. Bekam vom Arzt eine ganz klare Ansage und rührt seitdem keinen Tropfen mehr an. Noch immer ist er der Meinung kein Alkoholproblem gehabt zu haben.

Vielleicht hilft manchmal nur die Holzhammermethode. Und für manche Ehe ist es einfach zu spät.

Irgendwann sollte JEDER auf sich sehen. Schauen ob man so wie bisher weitermachen kann und möchte und dann eine Entscheidung fällen.

Der Übergang zur Sucht ist glaub ich fliessend und leider nicht immer zu erkennen.

Inaktiver User
16.06.2010, 16:12
Wie, wenn nicht mal die Therapeutin, die ja nur weitaus mehr Möglichleiten hätte als ich etwas unternimmt. Stattdessen nur zu einem "vernünftigem Umgang mit Alkohol" anregt.

Lassen denn alle ihre suchtgefährdeten Partner im Stich?

Die Therapeutin ist sich ihrer Rolle, Verantwortlichkeiten und Grenzen bewusst, und Dir damit einen erheblichen Schritt voraus.

Die Erwartungen, die Du formulierst, sind typisch für ein Denken, das man im Umfeld von Suchtkranken häufig findet: Die Verantwortung für das eigene Leben wird dem Suchtkranken abgenommen, die Sucht ist häufig nicht allein SEIN Symptom, sondern Ausdruck eines sich selbst erhaltenden Systems. Auch die Depression, die häufig Hand in Hand mit Suchterkrankungen geht, passt in den Kontext abhängiger Beziehungen.

Du würdest Deinem Partner schon einen grossen Dienst erweisen, wenn Du dazu beitragen könntest, aus diesem abhängigen System auszusteigen, und Deinem Partner beispielsweise die Kompetenz zutrautest, selbst entscheiden zu können und entscheiden zu dürfen, wie er sein Leben führen möchte. Du bist nicht seine Mutter, er kein unmündiges Kind.

Als Co müsstest Du genau wie Dein Partner Krankheitseinsicht gewinnen, also erkennen, dass auch Du Hilfe brauchst, und dass Deine Sucht in diesem System die Sucht zu helfen ist. Solange Dein Blickwinkel darauf gerichtet bleibt, dass Dein Partner Hilfe braucht, und mit seinem Ausstieg aus der Sucht alle Probleme gelöst wären, wird sich vermutlich wenig bewegen.

Stattdessen könntest Du Dich Deinem Leben zuwenden, und es eigenverantwortlich gestalten. Über Deine Grenzen nachdenken, und diese deutlich machen, überlegen, wie Du Dich eigentlich selbst definierst, und wer Du als Individuum und jenseits dieser Beziehung bist und warst. Wenn eine Co - Abhängigkeit vorliegt, ist das kein Zufall, sondern hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Geschichte, die wiederum abhängige Beziehungen (z.B. mit Eltern, die selbst suchtkrank waren, emotionalem Missbrauch wie Überbehütung oder, auf der anderen Seite, Vernachlässigung) einschliesst.

Und ja - gesunde Menschen, oder jene, die auf dem Weg dahin sind, lassen aus Deiner Sicht betrachtet ihre süchtigen Partner im Stich, oder sich gar nicht erst auf Suchtkranke/Suchtgefährdete ein, weil sie keine abhängigen, kontrollierenden Beziehungen führen möchten und sich Partner wünschen, die sich ihren Probleme stellen, und diese ernst nehmen, statt ihnen auszuweichen, sie zu delegieren und die Verantwortung für das eigene Handeln und Sein abzugeben. Das ist allerdings schwer zu verstehen, wenn man glaubt, für das Leben des Süchtigen Verantwortung zu tragen, glaubt, die Sucht unter Kontrolle bringen zu können und zu müssen, und extreme Schuldgefühle entwickelt, wenn das nicht funktioniert.

Inaktiver User
16.06.2010, 16:48
Auch wenn ich deinen Beitrag zu 100 % unterschreiben würde, eins möchte ich Rande noch anmerken:

Vielleicht hilft es nicht unmittelbar, aber offene Worte der Umwelt über den Eindruck, dass jemand mit Alkohol fragwürdig umgeht, hinterlassen Spuren.

Wenn eine Therapeutin das Thema anspricht, wird das oft ernster genommen als wenn die Ehefrau mal wieder "nörgelt".

Inaktiver User
16.06.2010, 17:01
Seewespe :blumengabe:


Solange die Grenzen nicht klar sind - Konsequenzen nicht nur angedroht sondern auch durchgeführt werden - solange bleibt alles wie es ist.

Ich hatte vor einigen Jahren eine (kurze) Beziehung zu einem Mann der sich als Alkoholiker entpuppte. Ich hatte zuvor überhaupt keine Erfahrungen mit Säufern und habe die Zeichen einfach nicht deuten können. Wir zogen zusammen und von da an konnte er nicht mehr heimlich saufen - seinen Pegel brauchte er ja.

Danach dauerte es noch 3 Wochen und er zog wieder aus - zwangsweise - denn er wollte weder einsehen, dass er Problem hatte noch sich Hilfe suchen. Er sagte nur "mir zu Liebe" würde er aufhören - was nicht klappte, als er weg war, fand ich noch einige Zeit später Schnapsflaschen an den ungewöhnlichsten Orten.

Für mich bedeutet diese Erfahrung null Toleranz gegenüber Süchtigen.

Inaktiver User
16.06.2010, 17:16
Eine so klare Haltung und so konsequentes Verhalten - Respekt.

"Null Toleranz gegenüber Süchtigen" - naja...

Sligo
16.06.2010, 18:06
@Seewespe
Super beschrieben und tolle Wortwahl. Kompliment. Lediglich beim letzten Absatz denke ich gerade darüber nach ob das nicht zu hart formuliert ist und wirklich so auf die Allgemeinheit zutrifft.

@Sleepie
Es hinterlässt Spuren. Sicher. Auch Worte von Therapeuten oder Ärzten. Aber der Weg sich andere nicht so nervige Kontakte zu suchen ist viel leichter als sich selbst die Abhängigkeit einzugestehen. Dann geht "Mann" oder "Frau" halt einfach nicht mehr hin.....

@bienchen
So hart das klingt: Du kannst nicht helfen. Du kannst nur unterstützen in dem du sein abhängiges Verhalten nicht mehr mitträgst. Wenn es dir gelingt Grenzen zu setzen hilfst du mehr als mit Gesprächen. Wichtig ist dabei, dass du ALLES aufhörst was das Trinken unterstützt: Keinen Alkohol mehr für ihn kaufen. Kein Leergut und leere Flaschen selbst zum Container bringen. Keine Fahrdienste. Keine Kontrolle ausüben. Keine Gespräche und Nähe wenn er getrunken hat. Größtmögliche Distanz wenn er trinkt. Vielleicht aber nur vielleicht verändert sich was .....

Und leider ist es oft so, dass beim Abhängigen sich offensichtlich erst einmal eines einstellen muss bevor überhaupt die ersten Schritte unternommen werden (da spürt der Abhängige aber schon dass "etwas" mit ihm nicht mehr stimmt): Es ist pure tiefgreifende Angst. Verlustangst. Vor dem Verlust des Lebenspartners und der Familie. Angst den Kontakt zu den Kindern untersagt zu bekommen und damit die Kinder zu verlieren. Angst (nach Androhung) den Arbeitsplatz zu verlieren und abzusteigen. Angst um die Wohnsituation. Und zu guter letzt Angst vor dem baldigen Tod.
Wann die Not für den Abhängigen am Grössten und er die Kraft zur Änderung entwickelt lässt sich nicht pauschal sagen. Beim einen früher - beim anderen nie. Aber Unisono habe ich in vielen Gesprächen immer wieder mitbekommen, dass etwas Wichtiges zusammengekracht ist oder Gefahr dafür bestand und erst dann vom Betroffenen selbst erste Schritte unternommen wurden. Manchmal dauerhaft und es ging wieder nach oben. Manchmal leider nur eine kurze Momentaufnahme …..

Kannst du nachvollziehen was ich meine? Helfen versus loslassen? Helfen versus unterstützen (nur wenn er von sich aus selbst aktiv wird)?

Wie schon beschrieben: Kümmere dich um dich selbst. Nur um dich und deine Kinder. Dein Mann kann sich nur selbst helfen. Hilfsangebote für DEINE Selbsthilfe sind ja schon beschrieben worden.

LG
Sligo

Sligo
16.06.2010, 18:20
Für mich bedeutet diese Erfahrung null Toleranz gegenüber Süchtigen.

Kein schöner Satz und keine hohe charakterliche Einstellung. Suchterkrankungen sind leider in unserer Gesellschaft Gang und Gebe.

Beudeutet dies, dass ich von dir nicht toleriert und ausgegrenzt werde? Was ist mit den anderen Süchtigen die sich hier oder woanders outen: Auch null Toleranz? Oder gilt das nur für deine Wohnung und du meinstest vielleicht Konsequenz für dich?

Verwirrend und schade nach den sehr guten vorherigen Beiträgen.

Inaktiver User
16.06.2010, 18:45
Aber wie kann ich ihm denn helfen? Ich will nämlich nicht sehenden Auges zusehen, wie er sein Leben in die Tonne wirft!

Doch, das mußt Du. Laß ihn werfen.
Eine Geschichte dazu, gestern von meinem Psychodoc gehört (ist nicht mein Therapeut, ich fahre mehrgleisig):

Er hat eine Schwägerin. Diese sackte irgendwann vor über 10 Jahren ab. Immer wieder wurde es ihr angeraten, doch eine Therapie zu machen. Machte sie auch. In den 10 Jahren 4 Mal. Aber bei den ersten 3 Versuchen konnte sie sich immer in die Hände ihres Vaters begeben, nachdem sie, kaum aus der Station entlassen, wieder an der Flasche hing.
Auf Fragen meines Docs ( in der Stellung als Verwandter) an den Vater "Warum gibst du ihr Geld? Warum läßt Du sie in einem Haus wohnen und zahlst die Miete? Sie arbeitet nicht, läßt sich aber das Bier und den Vodka mit dem Taxi bringen! Das kann es nicht sein!" sagte der Vater "Es ist meine Tochter, ich kann sie doch nicht alleine lassen!"...

Als dann der Vater starb, haben alle Verwandten zusammen gestanden. Mein Doc stand dann eines Tages vor der Tür und sagte zu ihr "Das Haus ist nicht Deines. Pack deine Sachen, ab jetzt wirst du unter der Brücke wohnen!".

Sie ging und nach wenigen Tagen kam sie an und wollte wieder eine Therapie.

Seitdem ist sie trocken.

Man muß vielleicht erst auf den Boden sinken, um zu kapieren, daß wirklich keiner mehr da ist, der Nebenluft spendet.



Aber soviel dazu: Oft kann auch eine Leberanalyse helfen, den Dreh zu finden. Ich würde das an Deiner Stelle nicht weg wischen.

Inaktiver User
16.06.2010, 18:54
Sie hätte auch komplett unter die Räder kommen können.

Und die Familie hätte die Achseln gezuckt und gesagt: Selber schuld?

Inaktiver User
16.06.2010, 18:58
Sie hätte auch komplett unter die Räder kommen können.

Und die Familie hätte die Achseln gezuckt und gesagt: Selber schuld?


Ja. Anders geht es bei Schwerstabhängigen nicht.

Und ich spreche nicht nur für meinen Dox, sondern für alle helfenden Menschen, die ich kennen gelernt habe.

Inaktiver User
16.06.2010, 19:05
Ja. Anders geht es bei Schwerstabhängigen nicht.

Und ich spreche nicht nur für meinen Dox, sondern für alle helfenden Menschen, die ich kennen gelernt habe.

Da bin ich wirklich froh, Familien kennengelernt zu haben, die mit Suchtkranken klar, aber liebevoll umgehen konnten.

Inaktiver User
16.06.2010, 19:18
Da bin ich wirklich froh, Familien kennengelernt zu haben, die mit Suchtkranken klar, aber liebevoll umgehen konnten.

Das gibt es auch. Aber ob man da froh sein kann?
Das kommt doch immer drauf an, ob das Mitleid ankommt. Und in den Fällen, die ich beschrieb: NIE! Es war immer nur eine Aussicht, so weiter zu machen. Kapierst Du das nicht?


Meine Frau hat mich als Alki kennen gelernt. Alles gut, solange es nicht Überhand nahm.
Am Schluß, als ich selbst weder seelisch noch körperlich wusste, wie es weitergehen soll, habe ich innerlich darum gefleht, daß IRGENDJEMAND sagt: "So nicht!"

Eine Co-Abhängigkeit beschreibt genau Deine Denke "Ach, das arme Wesen..." ... So arm sind wir Alkis gar nicht. Wir müssen nur noch wieder unsere goldene Zeiten entdecken.:smirksmile:

sandfloh
16.06.2010, 22:23
@ Seewespe: :blumengabe::blumengabe::blumengabe:

Als selbst Co-Abhängige bin ich sehr dankbar für deine Zeilen!

@bienchen:

Wie du ihm helfen kannst? Indem du als Angehörige zunächst mal denselben Satz sagst, den auch dein Mann sagen müsste, wenn ihr beide krankheitseinsichtig wärt:

1. Schritt
Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind - und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

(aus dem 12-Schritte-Programm von AA und Al-Anon!)

Die Krankheitseinsicht muss auf beiden Seiten vorhanden sein. Auch du bist dem Alkohol gegenüber machtlos. Du wirst nicht helfen können.

Ich bin auch in einem süchtigen Umfeld aufgewachsen und habe mir auch später süchtige Systeme gesucht. Ich habe mein eigenes Zutun, die Suchtsysteme mit aufrecht zu erhalten, lange von mir gewiesen. Die eine Abhängigkeit ist nicht besser als die andere - obwohl ich mir natürlich als "Helferin", als diejenige, die stets unterstützend da war und die fremde Verantwortung übernommen hat, sehr viel wichtiger, besser, stärker, fast märtyrerisch vorkam.

Der Blick auf die Anderen hat sehr lange verhindert, dass ich mir meiner eigenen Abhängigkeiten klar wurde.

sandfloh

Inaktiver User
17.06.2010, 13:37
Es ist ja wieder viel zu Thema geschrieben worden.

So ein paar Sachen möchte ich aber nicht unkomentiert stehen lassen:


Null Toleranz ...............

Muss ich mir das so vorstellen, dass da dann so gar kein Verständnis kommt und auch keine Hilfe?
Das finde ich schwierig. Denn aus irgendeinem Grund werden sie ja alle trinken. Ich finde, da gilt es doch auch heraus zu finden "Warum" und da ansetzen. Nicht als ersten Schritt, aber im Nachhinein.
Im ersten Moment sch "fallen lassen", damit der Betroffene erkennen kann, dann aber schon Hilfe anbieten.
Grunsätzlich sich allein überlassen zu werden finde ich von daher schwierig, da Alkoholismus ja oft mit Depression gepaart ist, Die Betroffenen müssen dann schon aufgefangen werden.


Das kommt doch immer drauf an, ob das Mitleid ankommt.
.... Mitleid würde ich es nicht nennen, eher Hilfe. Denn von Mitleid haben die Betroffenen recht wenig. Sie brauchen Hilfe und Unterstützung


Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind - und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
....warum sollte ICH so etwas sagen. Ich habe kein Problem mit dem Alkohol. Ich kann MEIN Leben meistern. Ich sorge für mich und die Kinder.
Mein Mann hat ein gelegentliches Problem damit und das wollte ich hinterfragen, ob das schon Sucht ist???
Wenn er wieder einen getrunken hatte, bin ich den nächsten Morgen mit den Kindern weggefahren und haben uns einen schönen Tag gemacht . Da hatte er ein Problem, nicht wir.

Aber , auch wenn es etwas blöd klingt, ich muss euch nochmal fragen:

Ist das denn wirklich schon Sucht?

Wie hier öfter beschrieben, tägliches, regelmäßiges trinken , darum geht es nicht. Mein Mann trinkt "hin und wieder" einen ganz kräftig über den Durst. Findet da dann kein Ende, keinen Absprung.
Ich merke, wenn ich mal 2 Gläser Wein trinke, ein drittes würde mir nicht gut tun, also lasse ich es.
Er trinkt um zu vergessen, um Stress abzubauen, um lockerer zu werden....

Wie oft? Unterschiedlich. Wenn sie so in ihrer "Männerunde " sind (Kegelfahrten...) kann das schon mal täglich sein, dann aber wieder ein paar Wochen gar nicht.

Da frage ich mich schon, ob das alles Suchtverhalten ist. Dann wären ja alle Männer aus seiner Runde Alkoholiker!! :ooooh:

LG
bienchen

KHelga
17.06.2010, 13:46
Liebes Bienchen,

klick mal hier (http://www.a-connect.de/quart.php) (Quelle a-connect.de)

und schau, ob DAS auf Deinen Mann zutrifft.

Um Dich zu informieren, würde ich empfehlen, einen Abend an einem Gespräch der anonymen Alkoholiker für Angehörige teilzunehmen. Es gibt auch Einzelgespräche.

Inaktiver User
17.06.2010, 15:07
Ich kenne den 1. Schritt von Al-Anon auch so: "Wir gaben zu, dass wir der Sucht gegenüber machtlos waren." Co-Abhängikeit ist auch eine Suchterkrankung.

(Aber auch dem Alkohol gegenüber, den der Partner in sich reinkippt, sind Angehörige machtlos, insofern ist das nicht soooo weit hergeholt.)

Früher hiess es übrigens: "... und unser Leben alleine nicht mehr meistern konnten."

Denn in einer Familie mit einem Süchtigen hat längst das Suchtmittel die Kontrolle über das Leben aller übernommen. Das ist m.E. damit gemeint, sowie die Erkenntnis, Hilfe zu brauchen und auch der Grund, warum Alkoholismus als Familienkrankheit gilt. :smile:

Inaktiver User
17.06.2010, 15:24
Aber , auch wenn es etwas blöd klingt, ich muss euch nochmal fragen:

Ist das denn wirklich schon Sucht?

Wie hier öfter beschrieben, tägliches, regelmäßiges trinken , darum geht es nicht. Mein Mann trinkt "hin und wieder" einen ganz kräftig über den Durst. Findet da dann kein Ende, keinen Absprung.
Ich merke, wenn ich mal 2 Gläser Wein trinke, ein drittes würde mir nicht gut tun, also lasse ich es.
Er trinkt um zu vergessen, um Stress abzubauen, um lockerer zu werden....

Wie oft? Unterschiedlich. Wenn sie so in ihrer "Männerunde " sind (Kegelfahrten...) kann das schon mal täglich sein, dann aber wieder ein paar Wochen gar nicht.

Da frage ich mich schon, ob das alles Suchtverhalten ist. Dann wären ja alle Männer aus seiner Runde Alkoholiker!! :ooooh:

LG
bienchen

Wenn hier rauskäme, es ist ganz klar eine Sucht - was würde das für Dich bedeuten?
Fängt das / Dein Problem erst bei diagnostizierter Sucht an?

Viele trinken regelmäßig, ja.
Viele auch über den Durst, ja.
Jemand der Alkohol trinkt hat noch nicht automatisch ein Alkoholproblem. Viele haben aber eins ohne es selbst glauben zu wollen.Ob einer mit einem Alkoholproblem süchtig ist, soll jeweils ein Experte im direkten Umfeld beantworten.

Das was Du hier beschreibst ist ziemlich vielschichtig.
Alkohol ist dabei ein Aspekt.
Es eskaliert etwas und spitzt sich im Trinken zu.
Soviel ist erkennbar.

Zudem schreibst Du selbst, dass Du gerne die Fassade für ihn weiter halten willst und dass Du deshalb sein Spielchen mit spielst.

- Das schreiben andere Frauen auch in anderen Zusammenhängen, die nichts mit Alkohol zu tun haben. Gesunde Beziehungen sind das alle keine.

Wie bewertest Du das denn alles für Dich persönlich?

Seit wann "hältst Du ihm denn den Rücken frei" auf irgendeine Art?
Wie und was läuft denn in Eurer Ehe auf partnerschaftliche Art?
Wo steht Ihr denn miteinander?

Inaktiver User
17.06.2010, 20:39
Hallo Leda,

viele Fragen, da will ich mal versuchen sie dir zu beantworten:

Nein, die Probleme fangen sicher nicht erst bei einer diagnostizierten Sucht an, aber ich wollte es für MICH abgeklärt haben, ob es sich bei seinem Verhalten tasächlich schon um Sucht handelt. Einfach noch mal die Sichtweise andere, möglicherweise auch von Betroffenen oder eben auch Angehörigen hören.

So, wie ich es hier lese, hat er wohl eine latente Neigung zur Sucht. Doch richtiges Suchtverhalten zeigt er nicht. Das habe ich jetzt wohl aus den verschiedenen Antworten gelesen.

Zur Abklärung durch eine Experten habe ich mit seinem behamdelnden Psycholgen gesprochen. Er wird der "Sache" nochmal fachmännisch auf den Zahn fühlen.

Ich möchte nicht die Fassade für ihn aufrecht erhalten, so war das nicht gemeint. Würde er Grenzen überschreiten, etwa schlagen, pöbeln, die Kinder anschreien, ständig betrunken sein, betrunken Auto fahren, im Alltag anfangen zu trinken......... , würde ich nichts aufrecht erhalten. Das ist mal klar.

Es gibt einige Probleme in unserer Ehe, das streite ich nicht ab. Doch wir sind inzwischen auf einem recht guten Weg diese zu bewältigen. Dort sehe ich gutes Vorankommen. Auch die Entwicklung meines Mannes in der (neuen) Therapie zeigt erste Früchte. Daher bin ich auch gewillt ihn weiter zu unterstützen, ihm in manchen Dingen den Rücken frei zu halten. Doch auf der anderen Seite lernt er gerade seine Dinge wieder selbst zu erledigen. Verantwortung zu übernehmen. Und ich finde, auch das gelingt ihm zunehmend besser.
Inzwischen klappen auch ganz viele andere Dinge in unserer Ehe wieder besser, somit habe ich große Hoffnung, dass er irgendwann merkt, dass diese Eskapaden, die inzwischen ja auch deutlich weniger geworden sind, völlig überflüssig sind. Er andere "Problemlösungsstrategien" erlernt, und er sich nicht betrinken muss um zu vergessen, verdrängen, bewältigen....

Durch diese ganze Prozess finden wir auch als Paar gerade wieder langsam zu einander. Und davon profitieren hier alle!!!

Es klappt noch nicht immer, aber immer öfter!!

Lg
bienchen

Inaktiver User
17.06.2010, 20:51
Ich finde, er hat jegliches Maß für Alkohol verloren.

Diskussionen darüber bringen gar nichts. Er blockt alles ab. Er will mir dann auch immer mal demonstrieren, dass es auch "ohne" geht. Aber das hält er nie lange durch.

Er verzichtet zwar inzwischen (meist) auf Schnaps, aber dafür trinkt er dann ums so mehr Bier oder Wein.

Darauf angesprochen das ich finde, er ist abhängig, verneint er rigoros.

Ich finde es aber gar nicht witzig, wenn ein erwachsener Mann sich regelmäßig wie ein pubertierender 15 jähriger betrinkt.

Daher meine Frage, ist das nun Sucht oder nicht?


Ich verstehe da was nicht. Man lese sich das durch und dann:



Es klappt noch nicht immer, aber immer öfter!!

Was ist dann Dein Problem?

astridda
18.06.2010, 08:00
Ich verstehe da was nicht. Man lese sich das durch und dann:


Was ist dann Dein Problem?

Na bis jetzt ist das Problem noch nicht gross genug. Der Verdrängungsmechanismus funktioniert.

Bienchen mal ganz ehrlich, er lässt dich eiskalt auflaufen und trinkt ganz bewusst noch ein Glas obwohl du abfahrbereit vor ihm stehst.

Ganz, ganz langsam hat es angefangen. Ich habe meine Grenzen immer höher geschraubt. Und am Ende ist (zumindestens bei mir) nichts mehr übrig geblieben.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es bei dir anders läuft und ihr gemeinsam einen Weg findet. :blumengabe:

Inaktiver User
18.06.2010, 08:49
@ maddin,

mein Problem ist, das das was hier immer so beschrieben wurde nicht zu meinem Mann passt.

ich habe jetzt hier schon des öfteren versucht zu beschreiben, dass mein Mann nicht zu den Menschen gehört, die sich laufend, täglich, jedes WE betrinken. Nein, das ist er nicht. Doch wenn er es tut, dann verliert er das Maß aller Dinge. Dann kennt er keine Grenze. Dann siehte er nicht, dass da drei Leute stehen und warten das wir gehen.

Und da liegt mein Verständnisproblem, ob man dann wirklich schon von Sucht sprechen kann. Verstanden???

Das war meine Eingangsfrage.

@ kHelga,

ich habe mir das durchgelesen. Nein, das passt nicht zu ihm.
Wie ich hier schon geschrieben habe, es passt einfach so keine Beschreibung wirklich auf ihn.
Ich wollte Antworten auch nur für MEIN Verständnis haben.


@ astridda,

ja, auch ich habe für mich Grenzen gesetzt. Die hat er (zum Glück) noch nie verletzt. Würde er dies tun, dann würde ich sicher meine Konsequenzen ziehen.

Genau, gemeinsam einen Weg finden. Ich finde, hier wurde sehr oft geschrieben vom fallen lassen. Nicht Hilfe anbieten. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte ihm helfen (hat nichts mit Helfersyndrom oder so zu tun..), aber ich möchte einen Menschen den ich liebe unterstützen.
Wenn er mal wirklich so abrutschen sollte, wie hier so oft beschrieben, wäre es noch mal zu überlegen, wie und ob dann noch Hilfe angebracht ist.

Aus den Beschreibungen über Sucht habe ich entnommen, dass mein Mann in keine Kategorie "wirklich" passt. Das er eine latente Neigung hat und das er sich dessen klar werden muss sehe ich schon. Da er einen (inzwischen guten) Therapeuten an seiner Seite hat, vertraue ich darauf, dass er auch hier seinen Weg finden wird.

Inaktiver User
18.06.2010, 08:59
bienchen,

es ist Dein Leben, für das Du Verantwortung trägst, Stellschrauben drehst, Rahmenbedingungen schaffst, das Du gestaltest. Du hast hier um Meinungen gebeten, und welche bekommen, die Dir nicht schmecken - das ist immer möglich, wenn man ein Thema öffentlich zur Diskussion stellt, und Menschen sich äussern, die NICHT Teil Eurer Familiendynamik sind, also von aussen drauf schauen, basierend auf Deinen Beschreibungen.

Diese subjektiven Schilderungen von Dir sind es im übrigen, die da durchaus eine Richtung vorgaben. In gewisser Weise wird hier also auch das ausgesprochen, was Du unbewusst implizierst.

Solange Du Dich darauf versteifst, dass das Alkoholmanagement Deines Partners das einzige Haar in der Suppe ist, wird der (Macht)Tanz um´s goldene Bierkalb vermutlich munter weiter gehen, aber das ist dann eben auch so gewünscht, und vielleicht der einfachste Weg.

Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute.

Inaktiver User
18.06.2010, 09:33
@ seewespe,


Solange Du Dich darauf versteifst, dass das Alkoholmanagement Deines Partners das einzige Haar in der Suppe ist, wird der (Macht)Tanz um´s goldene Bierkalb vermutlich munter weiter gehen

....das wir auch andere Probleme haben, habe ich nie bestritten.
Nur wollte ich die hier nicht ausbreiten.

Es ist richtig, dass man, wenn man eine Frage stellt auch unterschiedlichste Antworten bekommt. Das ist auch so beabsichtigt.

Wie man dann aber letztenendes damit umgeht, muss jedem freisgestellt bleiben.

florales
18.06.2010, 10:07
als Aussenstehende fällt mir schon auf, sobald in den Antworten der User die Sucht bestätigt wird, kommt von Deiner Seite die totale Ablehnung.
Meiner Meinung nach ist hier der Ansatzpunkt genauer hinzuschauen, auch wenns wehtut.
Nur so gibst Du Dir und somit auch Deinem Mann die Chance ehrlich miteinander leben zu können. Bevor es zu spät ist.
Vielleicht schaust Du Dir mal den Film an "Mein Mann der Trinker".

Inaktiver User
18.06.2010, 10:12
als Aussenstehende fällt mir schon auf, sobald in den Antworten der User die Sucht bestätigt wird, kommt von Deiner Seite die totale Ablehnung.


Danke!:blumengabe:

Denn:


Doch wenn er es tut, dann verliert er das Maß aller Dinge. Dann kennt er keine Grenze.
Das ist das Entscheidende.

Selbst ich hatte Phasen, wo ich trocken wie Lumpi war und dann - Absturz.

Aber egal. Es muß keine Sucht sein, aber es belastet. Und dann ist es ein Problem. Ich sehe hier nicht, was man da groß bereden muß.

Inaktiver User
18.06.2010, 10:16
Hallo bienchen,

ich lese wie maddin eine große Widersprüchlichkeit raus - auf der einen Seite alles in positiver Entwicklung - auf der anderen Seite auffälliges gegensätzliches Verhalten. Es passt nicht gut zusammen.

Um es mal anders zu überzeichnen:
Es gibt auch Männer, die haben nur quartalsweise cholerische Anfälle und schlagen nur manchmal Geschirr kaputt und einmal im Jahr auch ihre Frau. Der sie vielleicht sogar 12 Mal im Jahr Blumen mitbringen und mit der sie 364 Mal im Jahr abends eingekuschelt einschlafen.

Und nu?



mein Problem ist, das das was hier immer so beschrieben wurde nicht zu meinem Mann passt.

ich habe jetzt hier schon des öfteren versucht zu beschreiben, dass mein Mann nicht zu den Menschen gehört, die sich laufend, täglich, jedes WE betrinken. Nein, das ist er nicht. Doch wenn er es tut, dann verliert er das Maß aller Dinge. Dann kennt er keine Grenze. Dann siehte er nicht, dass da drei Leute stehen und warten das wir gehen.

Du versuchst uns inzwischen davon zu überzeugen, dass Dein Mann kein Alkoholiker ist. Es passt nicht zu ihm. Er selbst meint das auch.


So, wie ich es hier lese, hat er wohl eine latente Neigung zur Sucht. Doch richtiges Suchtverhalten zeigt er nicht. Das habe ich jetzt wohl aus den verschiedenen Antworten gelesen.
Ok.

Wie geht er / ihr denn mit solchen Situationen im Nachgang um? Im Prinzip macht er ja jedesmal eine Persönlichkeitsveränderung durch mit Alkohol, er verliert die Selbststeuerung, die Verantwortung, das Maß, seine Rolle.

Wie willst Du die nächsten Male mit Situationen umgehen, in denen es Alkohol gibt? Die Zeit der Sommer-, Wein-, und Stadtfeste ist ja voll im Gange. Und zuhause?

Du sagst, Du hättest mit seinem Psychologen gesprochen.
Alleine oder saß Dein Mann daneben?
Ich frage deshalb:


Genau, gemeinsam einen Weg finden. Ich finde, hier wurde sehr oft geschrieben vom fallen lassen. Nicht Hilfe anbieten. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte ihm helfen (hat nichts mit Helfersyndrom oder so zu tun..), aber ich möchte einen Menschen den ich liebe unterstützen.
Und deshalb:


Auch die Entwicklung meines Mannes in der (neuen) Therapie zeigt erste Früchte. Daher bin ich auch gewillt ihn weiter zu unterstützen, ihm in manchen Dingen den Rücken frei zu halten. Doch auf der anderen Seite lernt er gerade seine Dinge wieder selbst zu erledigen. Verantwortung zu übernehmen. Und ich finde, auch das gelingt ihm zunehmend besser.
Inzwischen klappen auch ganz viele andere Dinge in unserer Ehe wieder besser, somit habe ich große Hoffnung, dass er irgendwann merkt, dass diese Eskapaden, die inzwischen ja auch deutlich weniger geworden sind, völlig überflüssig sind. Er andere "Problemlösungsstrategien" erlernt, und er sich nicht betrinken muss um zu vergessen, verdrängen, bewältigen....

Du schreibst von Deinem Mann und von Hilfe durch Dich an ihn.
Fakt ist hier im Moment: Du suchst Hilfe FÜR DICH, suchst Problemlösungsstrategien FÜR DICH, versuchst DEINEN Umgang mit der Situation zu finden, DEINEN Weg, mit der Entwicklung, den Abstürzen, den Widersprüchlichkeiten. Du versuchst es darüber, eine genaue Bezeichnung zu finden, eine Sucht (noch) auszuschließen und mit seinem Psychologen zu sprechen, Du versuchst, besser an ihn heranzukommen, ihm etwas bewusst zu machen.

Ich weiß nicht, wie bewusst Dir, das kursiv Geschriebene ist.
Das würde ich offenlegen, Deine Fragen mit ihm besprechen, zu dritt mit seinem Psychologen, in einer Selbsthilfegruppe für Dich, mit einem Profi FÜR DICH, begleitend, nicht einmalig.

Weil: ich habe den Eindruck, Du behandelst Deinen Mann wie ein rohes Ei, nur keinen Druck machen. Druck machen ist auch selten wirklich hilfreich. Du vernachlässigst jedoch Deinen eigenen Druck und da muss ein Ausgleich her, sonst verlagerst Du den indirekt auf Deinen Mann, hast am Schluss nicht nur den gegenteiligen Effekt, den Du wolltest, sondern darüber hinaus auch Dich selbst verloren. Oder bist Du selbst in Therapie? Wie kommt es, dass Ihr auf einem besseren Weg als Paar seid? Wie macht Ihr das? Wie findet Ihr da einen GEMEINSAMEN Weg? Wie wird gesteuert / wer steuert / wann?

Inaktiver User
18.06.2010, 10:50
Das war wohl zu nah am Brennpunkt. Die TE hat sich leider gelöscht.

Inaktiver User
18.06.2010, 11:15
Mmh. Ihre Frage hat sie wahrscheinlich für sich beantwortet, mehr will sie nicht und hat den großen Ausgang genommen.

Inaktiver User
18.06.2010, 15:13
Mmh. Ihre Frage hat sie wahrscheinlich für sich beantwortet, mehr will sie nicht und hat den großen Ausgang genommen.

Ich wage mal eine kleine Interpretation:

Anscheinend kennen sich die meisten hier mit Sucht ganz gut aus und haben bienchen - mit den besten Absichten - mit Infos und Erfahrungen fast erschlagen. :smile:

Angehörige denken oft, wenn er/sie nur aufhören würde zu trinken, wäre doch Problem gelöst.
Wenn sie aber damit konfrontiert werden, dass sie Teil des Problems sind und/oder dass ihre Haltung das Problem nicht löst, wehren viele ab.

Das, was hier geschrieben wurde, hatte eine Wirkung. Manchmal braucht es seine Zeit, bis die Wirkung sich entfaltet.

Lyanna
18.06.2010, 15:27
Das, was hier geschrieben wurde, hatte eine Wirkung. Manchmal braucht es seine Zeit, bis die Wirkung sich entfaltet.

Ge nau!
Und wenn es noch ein paar Jahre dauert oder auch lebenslang so bleiben sollte ...

ALLES hat seine Zeit!

Dennoch waren die Antworten (Bienchen hatte ja gefragt) sehr fundiert und "wirkungsvoll,
auch, wenn sie erstmal sauer oder wütend machen.
Auch DAS muss oftmals so sein, sonst wärs halt SO nicht!

Lyanna

Inaktiver User
18.06.2010, 17:45
Ich persönlich hätte das kleinere Problem mit einem Mann, der heute A vertritt und morgen B macht, wenn er wenigstens die Diskrepanz selbst merkt und sagen kann: Ja, stimmt, gestern war noch A angesagt, heute B.

Dann hätten wir wenigstens einen Ausgangspunkt und ich könnte sagen - ich komme mit dem Spagat zwischen A und B gar nicht klar und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Wenn aber noch soviel Scham und Schuld oder gar Verdrängung und Abspaltung stattfindet, dass ich noch nicht mal davon ausgehen kann, dass der Widerspruch als solcher auf dem Tisch liegt, ist für mich Alarmstufe rot. Ne, dunkelrot.

Ich habe in so einer Situation mal den Fehler gemacht, den Herrn immer wieder zu fragen, ob er das nicht auch so sieht - und habe gleich mein Innerstes dazu auf den Tisch gepackt, wie es mir damit geht, was ich total Scheiße finde etc.pp.
Nix.
Es kam kein Empfängersignal zurück, lange Zeit nicht.
Ich habe noch einen Zacken zugelegt.
Irgendwann kam dann doch eins:'Ich verstehe dich gut. Aber auf die Art, kommst du nicht an mich ran'.
:ooooh:

Jedenfalls habe ich was für's Leben gelernt:
Wenn der kleinste gemeinsame Nenner fehlt, muss ich nicht mehr versuchen alleine einen zu schaffen und mein Gegenüber vielleicht noch für dümmer verkaufen als es ist. Wer mich verstehen will, versteht mich, wer nach sich schauen will aber nicht kann, kann das sagen, wer eine Beziehung mit mir (weiter) führen will, kann das auch eindeutig signalisieren, schließlich haben wir uns früher auch irgendwie kennengelernt.* Wenn etwas Offensichtliches, was schon lange auf dem Tisch liegt, negiert wird, genügt: 'Ich komme mit der Kombi A und B nicht klar, ich ziehe meine Konsequenzen.' Und zieh sie dann auch.

Einen Partner zur Baustelle zu machen, vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum, an der man verschiedene Methoden ausprobiert, gesehen, gehört, beachtet zu werden, ist das Schlimmste was man sich selber antun kann. Dann hat man nämlich zwei Dinge selbst übersehen: 1. Er will nicht. 2. Ich habe ein Problem, von dem ich mich mit ihm ablenke.
Egal in welchem Zusammenhang, mit oder ohne Alkohol. Meine Erfahrung.

Strange
03.07.2010, 21:56
Wenn der kleinste gemeinsame Nenner fehlt, muss ich nicht mehr versuchen alleine einen zu schaffen und mein Gegenüber vielleicht noch für dümmer verkaufen als es ist. Wer mich verstehen will, versteht mich, wer nach sich schauen will aber nicht kann, kann das sagen, wer eine Beziehung mit mir (weiter) führen will, kann das auch eindeutig signalisieren, schließlich haben wir uns früher auch irgendwie kennengelernt.* Wenn etwas Offensichtliches, was schon lange auf dem Tisch liegt, negiert wird, genügt: 'Ich komme mit der Kombi A und B nicht klar, ich ziehe meine Konsequenzen.' Und zieh sie dann auch.

Einen Partner zur Baustelle zu machen, vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum, an der man verschiedene Methoden ausprobiert, gesehen, gehört, beachtet zu werden, ist das Schlimmste was man sich selber antun kann. Dann hat man nämlich zwei Dinge selbst übersehen: 1. Er will nicht. 2. Ich habe ein Problem, von dem ich mich mit ihm ablenke.
Egal in welchem Zusammenhang, mit oder ohne Alkohol. Meine Erfahrung.

Wie toll du das formuliert hast - DAS könnte man zu so vielen Themen in diesem Forum sagen!
Respekt :blumengabe: